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Wie werd ich ein Engel in 30 Tagen?

23.12.2006



Tanz mit dem Teufel IV

„Guten Morgen." Als Alec in den Speiseraum kam, um sich zum Frühstück niederzulassen, machte Jack sich gerade daran, sich das Brötchen zwischen die Zähne zu schieben und sich zu erheben. Es wirkte wie eine Flucht und irgendwie tat es weh, das zu sehen. Was war denn an ihm so schlimm? Seit ihrem verpatzten Dinner hatte Alec doch keinerlei Avancen mehr gemacht, Jack konnte sich also doch eigentlich ziemlich sicher sein, dass Alec ihm nicht auf die Pelle kroch, wenn ihm dies unangenehm war. Traute er ihm so wenig über den Weg oder gab es noch einen anderen Grund?

Er sah Jack forschend an, der schnell einen Schluck Kaffee runterwürgte und den Gruß erwiderte, doch das war's dann auch schon. Er erhob sich und Alec hatte die Nase voll. Also griff er Jack am Arm, ehe er den Raum verlassen konnte und zog ihn vorsichtig zu sich rum. „Warum gehst du mir immer aus dem Weg? Ich tu dir doch nichts. Wenn du wartest, kann ich dich mit zur Schule nehmen, da musst du die zwei Kilometer doch nicht laufen", sagte er und sah Jack in die Augen. Sie waren immer noch so schön, so faszinierend, dass es Alec jedes Mal einen Schauer über den Rücken trieb, wenn er sie sich betrachtete.

Jack blieb stehen und sah Alec kurz an, holte tief Luft. „Ich will aber nicht, okay? Das liegt nicht an dir, ich bin dir dankbar, dass ich vorübergehend hier wohnen kann, aber ich kann dich nicht noch weiter ausnutzen. Ich geh meinen Weg und ich werde zusehen, dass ich dir Miete bezahlen kann. Ich will keine Almosen von dir", sagte er und hatte eigentlich gar nicht beabsichtigt, dass seine Stimme hart klang, doch sie tat es und versetzte Alec einen Stich.

„Ich will doch keine Miete vor dir, verdammt noch mal", knurrte er, ließ Jack aber los. Wenn er nicht mit ihm fahren wollte, konnte er ihn ja schlecht zwingen.

„Und ich will keine Almosen. Ich werde dir das Geld geben, sobald ich es habe", erklärte er und irgendetwas in seinen Augen sagte Alec deutlich, dass es nur Geld sein würde und nichts anderes. Warum hatte Jack diese Berührungsängste? Weil Alec ihm gesagt hatte, dass er sich verliebt hatte? War dies das Problem, das zwischen ihnen stand?

„Du willst was anderes, Alec, ich weiß. Aber da ich dir das nicht geben kann, gebe ich dir eben Geld. Ist doch nur fair", schob Jack noch nach und beobachtete Alec dabei ganz genau. Der war viel zu überrascht, um Fassung zu bewahren und sah Jack verdattert an. Was sagte der Blonde denn da? Wenn man zwischen den Zeilen las, hieß das doch soviel wie: Jack durfte nur hier wohnen, wenn er für Alec die Beine spreizte. Das war ja wohl das Letzte!

„Du bist so ein verbitterter Kerl, du siehst doch vor lauter Klischees gar nicht mehr, wenn einfach nur jemand nett zu dir sein will", sagte Alec und wandte sich ab. Er war verletzt und das gab er nur ungern zu. Wer war schon gern ein Weichei, dem Worte mehr zusetzten als Schläge? Mit Schlägen, damit konnte er umgehen, darauf konnte er parieren und er war verdammt gut darin. Keiner legte sich mit ihm an, wenn er wusste, wer Alec war. Doch Worte, vor allem von Jack, die ihn ablehnten, taten weh, an einer Stelle, die Alec nicht mit den Fäusten schützen konnte und das zu begreifen war schwer. Er konnte sich dagegen nicht wappnen, nicht schützen.

Jack sah ihm nach, wie er rüber zum Tisch ging, die Gestalt eingefallen und sich setzte, alles so, dass er Jack den Rücken zudrehen konnte und ihn nicht ansehen musste. Es war deutlich, dass Jack zu weit gegangen war und es tat ihm Leid. Er musste zugeben, dass er nicht fair gewesen war, doch im Augenblick biss er um sich wie ein blutender Hund. Er schlug jede Hilfe aus, weil er einfach nicht begriff, wo er stand. Immer wenn er Alec sah, wurde ihm seltsam. Er bekam komische Gedanken, noch schlimmer waren die Träume und der Morgen danach. Weil er nicht verstand, was das war, versuchte er eben dies zu vermeiden, indem er Alec aus dem Weg ging, das war an sich eine gute Strategie, doch er hatte da die Rechnung ohne Alec gemacht, der immer wieder seine Nähe suchte.

Und dann waren da auch noch ein paar Furien, die nicht wollten, dass er Alec zu nahe kam - das war nicht unwesentlich.

„Weißt du, dass Absatzschuhe im Magen ziemlich wehtun?", fragte er noch, ehe er sich auf die Lippe hätte beißen können. Er hatte doch sich selbst geschworen, das Alec nicht wissen zu lassen! Das war sein Ding! Das war sein Problem und damit musste er ganz alleine klar kommen! Verdammt noch mal. Und natürlich hatte Alec das auch nicht überhört, weil er nie überhörte, was Jack sagte und er wandte sich mit gekrauster Stirn zu ihm um.

„Ach nichts, vergiss es. Ich muss los, ich komm sonst zu spät." Doch entgegen seiner Worte eilte sich Jack nicht, das Zimmer zu verlassen und wie erwartet, stand Alec auf und holte ihn ein.

„Moment mal", forderte der schwarzhaarige junge Mann und schob Jack sanft gegen die Wand in dessen Rücken. „Was soll das heißen?" Er hatte da so einen dummen - ganz dummen - Verdacht und wenn der sich bestätigte, würde er heute in der Schule explodieren und zwar richtig.

„Ich sagte doch, war nichts", knurrte Jack und holte tief Luft. Er kannte Alec schon zu gut, der würde nicht aufhören zu bohren. Warum hatte er sich jetzt wieder in diese Situation begeben? Diese Nähe, die glühenden Augen - war er eigentlich noch zu retten?

„Hm, schon klar. Du hast öfter mal solche Aussetzer, dass du solchen Mist von dir gibst, oder was?" Alec dachte doch gar nicht daran, dass jetzt einfach so passieren zu lassen. Jack sollte endlich reden. Doch der blieb nur stumm stehen, machte keine Anstalten, sich zu befreien, sondern sah Alec nur stur an. Also gut, dann eben anders. „Ist dir Cathy auf die Pelle gerutscht und hat dich höflich aber bestimmt darauf hingewiesen, mir vielleicht nicht zu nahe zu kommen? Ist es das?", fragte er auf den Kopf zu und Jack hob eine Braue.

„Woher weißt du das? Ist das auf deinem Mist gewachsen, oder was? Hab ich es dir zu verdanken, dass die kleine Schlampe mir erst eine scheuert und mir dann mit den Absätzen in den Magen latscht, nur weil ich ihr sagte, dass sie mich mal kann und wo sie das mal darf?" Seine Augen verschmälerten sich und Alec nickte. Er hatte also Recht behalten.

„Ja sicher, Jack. Benutzt du dein Gehirn auch mal zum Denken oder nur, damit die Schädeldecke nicht einfällt?", knurrte er und rollte mit den Augen. „Ich habe dir gesagt, dass ich dich liebe, glaubst du allen Ernstes, nur weil du meine Gefühle nicht erwiderst, lass ich so was mit dir machen? Was wäre denn mein Ziel? Ich will dich nicht nur besitzen, ich will dich lieben, Jack. Aber ich kann dich nicht zwingen und ich werde das auch nicht, aber ich kenne Cathy." Er ließ sich neben Jack gegen die Wand sinken und seufzte. Diese Frau war schlimmer als jeder Stalker. „Sie geht jeden an, der in meine Nähe kommt, denn sie hat den fixen Gedanken, sie wäre die Einzige, die das dürfte. Sie ist das reichste Mädel auf der Schule und so ist es für sie selbstverständlich, dass Geld zu Geld kommt. Was glaubst du, warum kein Mädchen mehr an mir baggert? Hm? Weil es denen ergangen ist wie dir." Alec sah neben sich und so trafen sich ihre Blicke wieder.

„Was denn? Sie hat sie als dreckige Straßenratten bezeichnet, die es ja nicht wagen sollten, deinen Ruf in den Dreck zu ziehen, in den sie gehören? Das glaube ich ja fast nicht."

„Ist nicht dein Ernst, oder?" Alec machte große Augen und stieß sich von der Wand ab.

„Ja, ich scherze. Ich liebe es, solche upper-class Witze zu reißen, die gegen mich selber gehen. Merkst du's noch?", zischte Jack und stieß sich auch von der Wand ab. „Und jetzt entschuldige mich, ich muss los, sonst komm ich zu spät." Und damit war Jack nun endgültig weg und Alec blieb allein zurück. Seufzend ließ er sich wieder gegen die Wand fallen und schloss die Augen. Cathy. Ganz klasse. Da gab er sich die größte Mühe, Jack entgegen zu kommen, es ihm so schön wie möglich zu machen. Er suchte seine Nähe und war immer nur auf Ablehnung gestoßen. Jetzt ergab das eine oder andere einen Sinn. Gut, Alec war kein Illusionist. Er wollte nicht die alleinige Schuld seines Scheiterns auf Cathy schieben, aber sie hatte nicht unwesentlichen Anteil daran, dass Jack ihm aus dem Weg ging. Da war er sich ziemlich sicher. Sie und ihre Clique konnten ziemlich überzeugend sein. Da half auch kein gutes Zureden.

Allerdings hätte Alec nicht im Traum daran gedacht, dass sie auch noch einen Jungen von seiner Seite vertreiben würde, wenn sie glaubte, er würde Alec nicht gut tun. Was bildete diese Frau sich ein? Wütend schlug Alec gegen die Wand und knurrte. Sie brauchte eine Abreibung, aber wie Jack auch, schlug er keine Mädchen, auch wenn sie es wirklich verdient hatte. Er musste da etwas subtiler vorgehen und er hatte auch schon eine Idee. Manchmal war es schon ein Segen, ein Rotherby zu sein und auf die Rotherby-Schule zu gehen. Gehässig grinste er, als er das Telefon aus der Hosentasche zog, um etwas klar zu machen.

Dann setzte er sich hin und frühstückte. Er würde heute eine Menge Energie brauchen, denn er würde sich Cathy ein für alle mal vornehmen. Es war ihm egal, wenn sie sich an Verehrerinnen ran machte und sie ihm vom Leib hielt, aber bei Jack war das was anderes. Zwar ging es diese Frau nichts an warum, doch sie hatte einfach nur die Finger von Jack zu lassen und nicht noch dumm zu fragen.

Als Alec in der Schule ankam und ins Klassenzimmer ging, saß Jack schon wieder mit einem Buch vor der Nase auf seinem Platz. Wie schnell ging dieser Kerl denn? Was musste der für eine Kraft haben? Alec konnte gar nicht vermeiden, dass er schon wieder Gedanken hatte, die in Richtungen gingen, die seinen (?) Körper hätte verraten können. Doch schnell genug kam er wieder auf den Boden der Tatsachen, weil eine hochrote Cathy auf ihn zu geschossen kam.

„Warum", kreischte sie und wedelte mit ihrem Verweis von der Schule. Sie schien nicht zu begreifen, was passiert war. Da hielt sie ihrem Schwarm den Rücken frei und der? Wusste das nicht mal zu würdigen! Sie hatte doch alles für ihn getan!

„Blödes Gefühl, wenn sich ein anderer in dein Leben einmischt, hm?", fragte Alec nur und packte seine Bücher aus, er sah Cathy nicht einmal dabei an. Sie war zu weit gegangen. Weil Cathy wütend fluchte, wurde so die ganze Klasse auf die beiden aufmerksam und es wurde still. Die Luft war zum Zerreißen gespannt, weil keiner wusste, was eigentlich los war. Neugierig kamen sie näher. Man könnte ja was verpassen.

„Was soll das? Der Direktor meinte, ich wäre der Schule verwiesen, weil du das so willst? Verdammt, was soll das Alec. Du kannst mich nicht einfach von dir weisen?", schrie sie und zitterte. Sie hielt ihre Zukunft in den Händen oder besser: deren Überreste.

„Du siehst doch, dass ich es kann", sagte Alec nur und nahm sich ein Buch, schlug es auf. Algebra war spannender als dieses Miststück. Er war immer noch wütend, denn Jack, wegen dem er das hier eigentlich veranstaltete, las lieber, als zuzuhören, was passierte. Es war ihm schlicht und ergreifend egal. Und das passte Alec nicht. Er war nicht der Typ dafür, egal zu sein. Das vertrug sein Ego nur ziemlich schwer bis gar nicht.

„Und warum?", wollte Cathy wissen.

„Weil du dich in mein Leben eingemischt hast, misch ich mich jetzt in deines ein. Du solltest langsam mal begreifen, meine Leibe, wer hier am längeren Hebel sitzt."

„Wie bitte?" Nein, Cathy begriff wirklich nicht, wovon Alec redete.

Das machte ihn noch wütender. Also schlug er auf den Tisch, dass das Holz ächzte und erhob sich. So konnte er gönnerhaft auf sie herab sehen, denn sie ging ihm nur bis zur Brust. „Pass mal auf, du bestimmst ganz bestimmt nicht, wer in meine Nähe darf und wer nicht. Und du legst auch nicht fest, ob Jack bei mir wohnt oder nicht."

Bei der Nennung seines Namens zuckte Jack zusammen. Was tat der Idiot denn da? Wenn es bis jetzt noch ein paar gegeben hatte, die diesen Umstand noch nicht gekannt hatten, hatte Alec gerade dafür gesorgt, dass dies sich schlagartig änderte. Nun war er im Mittelpunkt des Gespräches und spürte die fragenden Blicke deutlich in seinem Rücken. Doch er zwang sich, sich nicht umzusehen, sondern nur auf die Seiten vor seiner Nase zu starren.

„Wegen der Straßenratte?" Cathy war entsetzt. „Hat das Weichei etwa gepetzt? War ja klar." Sie schoss zu Jack herum, doch noch ehe sie einen Schritt machen konnte, griff Alec sie wütend an der Schulter und schob sie gegen die Wand.

„Pass mal auf, du Miststück. Nur weil du mit einem goldenen Löffel im Mund geboren wurdest und man dir seit 16 Jahren alles in den Arsch schiebt, weil dein Papa mit Geld regelt, was du verbockst und weil du glaubst, nur Geld allein zählt, heißt das noch lange nicht, dass du die, die sich hoch arbeiten müssen, um ihren Weg zu gehen, gering schätzen darfst. Genau das ist nämlich der Grund, warum du dir jetzt eine neue Schule suchen darfst und es interessiert mich einen Scheiß, ob es deinem Papa gefällt. Vergiss eines nicht", Alec grinste gehässig, „ein Anruf von mir und in einer Woche ist die Firma deines Vaters bankrott. Denk nach, ehe du um dich schlägst, hm? Und jetzt hör auf, dich in mein Leben einzumischen und verlass diese Räume, denn du bist nicht länger Teil dieser Schule." Er sagte das mit solcher Gleichgültigkeit, dass Cathy gar nicht wusste, was sie darauf noch sagen sollte. Diese Straßenratte hatte Alec ja gut instruiert! Dass der schon nach seiner Pfeife tanzte und die vor die Tür setzte, die ihm in die Quere kamen!

„Das hast du nicht um sonst gemacht", drohte sie, doch Alec nahm sie nicht für voll. Ihr Geschwätz wurde ihm zu dumm. Er sah auch nicht zu Jack, wie der reagierte, auch wenn es ihn brennend interessierte. Er wollte nicht, dass irgendeiner den Grund heraus bekam, warum er den Blonden so verteidigte und Jack dann noch mehr Spießruten laufen musste als jetzt schon. Sicher würde sich jetzt sowieso der eine oder andere an ihn heran machen, um sein Freund zu werden, nur um endlich an Alecs Einfluss zu gelangen. Alles in allem war seine Aktion eben wohl doch nicht so berauschend gewesen, doch er hatte Cathy endlich das Handwerk legen müssen. Anders hätte sie ein 'nein' seinerseits doch nie verstanden.

Doch er kam nicht weiter dazu, sich darüber noch den Kopf zu zerbrechen, denn die Stunde begann.



Unweit der Schule, in einem kleinen Kaffee, saß ein todunglücklicher Elf, der mit dem Leben abgeschlossen hatte und schlürfte Kakao. Jez hoffte, dass Adalbert durch die Schokolade und den ganzen Zucker wieder etwas bessere Laune bekam, denn seit heute Morgen jammerte der Elf nur herum.

Es hatte damit begonnen, dass er verschlafen hatte, es war damit weiter gegangen, dass er über Staubisaugi gefallen war und sich das Knie aufgeschlagen hatte, es war damit weitergegangen, dass er die Akte gelesen hatte und bei den Namen zusammengesunken war. Resigniert hatte er sich noch zum Elf-Trans geschleppt und sich dann von Jez in den Arm nehmen lassen, kaum dass er in New York angekommen war. Dann hatte er Jez sein Leid geklagt.

Alles war die letzten Tage so gut gelaufen. Er hatte alles richtig gemacht, hatte kaum eingreifen müssen, weil die Aufträge so gut gekappt hatten und jetzt, so kurz vor dem Ziel, bekam er wieder die beiden, von denen er doch schon wusste, dass sie einfach nicht zusammen gehörten. Der Schritt von der einen in die andere Welt war hier einfach zu groß. Gestern, bei Chris und Gerald war es anders herum gewesen. Chris war in Geralds einfaches Leben hinab gestiegen. Jack sollte aufsteigen. Das war nicht so leicht, wie man glauben wollte.

Warum begriffen diese arroganten Elfen im Rat nicht endlich, dass es eben Paare gab, die einfach nicht zusammen gehörten?

Heute Morgen hatten sie sich doch auch schon wieder gestritten. Das ging nie gut.

Und deswegen saß der kleine Elf nun hier, rührte in seiner Tasse und murmelte nur noch Flüche vor sich hin. Jez tat es weh, ihn so zu sehen. Es war auch nicht fair, was die hohen Elfen mit ihm taten, dass musste er selber zugeben, aber sie mussten sich doch was gedacht haben, wenn sie Adalbert noch einmal auf die beiden los ließen. Jezeriel, der Engel, wusste das freilich, doch Adalbert hatte ja keinen Schimmer über das höhere Ziel dieser Aktion. Er sah nur seine Sterne, die ihm entgingen und die ihn daran hinderten, das zu werden, wovon er träumte. Er hockte nur zusammengesunken in seiner Ecke und bot ein Bild des Elends. „Adi, komm schon", sagte Jez leise und strich dem kleinen Elfen über die Zipfelmütze, doch Adalbert sah nicht auf.

„Das lief alles so gut und jetzt das", seufzte er und erinnerte sich an das Desaster beim letzten Mal. Dreimal war er den beiden jungen Männern schon in die Quere gekommen, hatte deren Leben komplett auf den Kopf gestellt und für was? Dafür, dass beide verletzt wurden. Dafür, dass sie nun aneinander gekettet waren und sich nicht gut dabei fühlten. Alec war verliebt und stieß nicht auf Gegenliebe und Jack hatte ein schlechtes Gewissen, konnte sich aber nicht zwingen, Alec zu geben, was er wollte.

Und mittendrin ein kleiner Elf, der, wenn er sein eigenes Ziel erreichen wollte, sie wieder verletzen musste.

Das Leben war echt mies, vor allem zu kleinen Elfen.

„Adi, bitte", versuchte Jez es noch einmal und strich ihm wieder über die Mütze. „Du vertraust mir doch, oder nicht?", fragte er und hoffte, dass Adalbert ihn ansah, doch der Elf sah stur in seine Tasse.

„Ich habe dir das letzte Mal auch vertraut und es ist nichts passiert, außer dass Alec ihn jetzt täglich vor der Nase hat und das bestimmt weh tut", knurrte der kleine Elf. Er war angepisst wie noch nie, weswegen er auch noch ein paar Zuckerwürfel in seinem Kakao ertränkte.

„Aber ich habe dir auch gesagt, dass es notwenig sein wird, damit wir zu deinem Ziel kommen, habe ich das?", fragte Jez und Adalbert nickte stumm. Ja, das hatte Jez gesagt. Aber stimmte das auch? Adalbert hatte ihm immer blind vertraut, er mochte doch Jez so sehr. Aber mochte Jez ihn? Half er ihm, damit der kleine Elf ein Engel wurde oder wollte er ihn gar nicht mehr bei sich haben und boykottierte ihn? Es war nicht fair, so was zu denken, das wusste Adalbert selber, deswegen sprach er es auch nicht aus. Er mochte Jez und Jez mochte ihn, das wusste Adalbert. Doch der Auftrag heute - so kurz vor dem Ende - zwei Tage vor seinem Geburtstag und der Chance, endlich ein Engel zu werden... nein, das war nicht fair gewesen. Jedes Paar dieser Welt wäre besser gewesen als diese beiden.

„Adalbert", sagte Jez noch einmal, wenn auch etwas eindringlicher, „vertraust du mir? Noch dieses eine Mal?", wollte er wissen und sah den kleinen Elfen erwartungsvoll an. Langsam hob der den Kopf und legte ihn dann schief, dass die Bommel seiner Zipfelmütze fast im Kakao gelandet wäre.

„Vertraust du mir?", fragte Jez noch einmal und Adalbert nickte fast unmerklich. Jez lächelte. „Egal wie, Kleiner, es wird gut gehen."

Adalbert war da noch nicht überzeugt, aber er würde sich überraschen lassen.



Auch wenn Cathys Rausschmiss die Neuigkeit der Schule gewesen war, hatte es keiner offen angesprochen oder gar in Zweifel gestellt, was Alec getan hatte. Nur vereinzelt waren ein paar auf Jack zugekommen und hatten ihn gefragt, ob er wirklich bei Alec wohnen würde. Da die Katze ja nun schon aus dem Sack war, brachte Lügen nichts und er erklärte, dass er aus seiner alten WG raus musste und Alec in seinem großen Haus ihm eines der Zimmer vermietet hatte.

Es war nicht ganz die Wahrheit, denn er wohnte dort mietfrei, so wie Alec das immer wieder betonte, doch zu erklären, warum dies so war, brachte Jack irgendwie nicht über sich. Er wusste ja selber nicht einmal genau, warum er sich nicht nach einer anderen Wohnung umsah, sondern bei Alec blieb, warum er - wenn auch unterschwellig - dessen Nähe suchte. Es ging einfach keinen etwas an.

Schwer in seine Gedanken versunken, ging er langsam die Straße entlang. Tja, warum zog er bei Alec nicht aus?

Die Antwort wäre leicht gewesen, doch das konnte Jack so nicht gelten lassen. Es lag ganz bestimmt nicht daran, dass er morgens mit feuchter Unterwäsche aufwachte, wenn er von Alec geträumt hatte. Es lag auch nicht daran, dass diese Träume von Nacht zu Nacht heißer wurden und er sich brennend danach sehnte, sich endlich mal austoben zu können. Es lag nicht daran, dass Alec faszinierende Augen hatte und schon gar nicht daran, dass er sich so hingebungsvoll um Jack kümmerte.

Nein!

„Hey", rief plötzlich eine männliche Stimme hinter ihm und Jack schoss herum. Ein junger Mann, vielleicht zwei Jahre älter, lief ihm nach. „Bist du Jacob Webber?", wollte er etwas außer Puste wissen und Jack nickte.

„Ja, das bin ich, kann ich ihnen helfen?"

„Ja, ich glaube schon." Der Fremde war zu ihm gekommen und reichte Jack die Hand, stellte sich als Michael vor und erklärte ihm, er hätte sein Bild in der Agentur gesehen und ihn buchen wollen, für den Abend, doch er war nicht erreichbar gewesen, weil das Telefon aus war. Deswegen hatte er sich die Adresse der Schule geben lassen und auf ihn gewartet. Jack hob eine Braue. Da gab ich aber jemand wirklich Mühe!

„Hast du also heute Abend schon etwas vor oder würdest du mit mir Essen und zum Karaoke gehen?", fragte Michael und Jack nickte. Schnell verdientes Geld und er musste nicht den Abend mit Alec verbringen und sich selbst zusammen reißen. Das war doch perfekt!

„Ich habe noch nichts vor, gar keine Frage", sagte Jack lächelnd. „Wo soll ich sie treffen?"

Michael gab schnell die Daten auf einem kleinen Zettel weiter und verabschiedet sich dann, während Jack nach Hause hetzte. Er musste duschen und sich umziehen. So viel Zeit war auch nicht mehr bis sechs Uhr.

So war er schon wieder aus dem Haus, als Alec heim kam.

„Jack", rief er, weil er mit ihm reden wollte. Der Blonde mied ihn ja sonst schon in der Schule, wo es nur ging, aber heute war er regelrechte Bögen um Alec gegangen. Es war nicht zu übersehen, dass er wütend war und zwar richtig. Alec musste das klar stellen und musste ihm erklären, warum er das getan hatte! Jack sollte nicht das falsche Bild von ihm bekommen.

„Junger Herr", kam ihm aus einem langen Flur ein Zimmermädchen entgegen, „Herr Webber hat das Haus verlassen. Er sagte, er müsse arbeiten. Es könne spät werden und sie sollten nicht auf ihn warten", richtete sie aus und Alecs Gesichtszüge froren ein.

„Gut, danke", sagte er nur und machte auf dem Absatz kehrt. Er verschwand kommentarlos in seinem Zimmer. Das musste er erst einmal verdauen. Jack war schon seit Tagen nicht mehr arbeiten gewesen, warum heute? Wollte er ihn wirklich nicht mehr sehen? Kam er wirklich nur noch zum Schlafen hier her und mied Alec jetzt noch extremer? Zwar hatte er geglaubt, das ging nicht mehr, doch da hatte er Jack wohl noch nicht gekannt. Der konnte alles steigern, sogar Geringschätzung.

Verdammt, tat das weh!

Resigniert ließ er sich in einen der Sessel fallen und streifte die Schuhe ab, ehe er sie unter seinen Hintern zog und sich in der Ecke des Sessels klein machte. Er wurde aus Jack einfach nicht schlau. Besser gesagt: er wollte es nicht. Jack hatte ihm doch heute Morgen gesagt, er würde das Geld verdienen - nun machte er seine Drohung wahr. „So ein sturer Misthund."

Alec wusste nicht, wie lange er hier schon gesessen und vor sich hin gestarrt hatte. Neben ihm, auf dem Tisch, stand ein Tablett, doch die Speisen waren kalt. Er hatte nicht einmal bemerkt, wie es aufgetragen worden war, so tief hatte er sich in seine Gedanken vergraben. Er schreckte erst hoch, als er unsanft an der Schulter gepackt und geschüttelt wurde. Als er aufsah blickte er in ein Gesicht, von dem er geglaubt hatte, es nie wieder sehen zu müssen.

„Nicht du schon wieder", knurrte er und schubste den Engel von sich. „Von euch habe ich wirklich langsam die Nase voll. Jedes Mal, wenn ihr auftaucht, heißt das Ärger. Ich habe aber keinen Bock auf Ärger, also verschwindet bitte so unauffällig wie ihr gekommen seid!" Denn hinter dem Engel, der ihn berührt hatte, lugte auch wieder dieser nervende Elf hervor.

Die beiden schrägen Vögel hatten ihm wirklich noch gefehlt! Alles was er wollte, war in Ruhe mit Jack reden und nicht schon wieder in die tiefste Tiefe seiner Seele schauen und feststellen, dass er Jack liebte. Das wusste er selber schon, danke. Nur hatte ihm dieses Wissen bis jetzt nur unruhige Nächte und schlechte Laune eingebracht.

„Werd mal nicht unhöflich", sagte Jez. Er konnte Alecs Unmut ja verstehen, doch das gab ihm noch lange nicht das Recht ausfallend zu werden. Schon gar nicht einem Engel gegenüber. Nein, Menschen waren wirklich nicht mehr das, was sie einmal waren, wenn sogar schon Engel angezweifelt worden.

„Bitte?", knurrte Alec. „Wer kriecht denn bitteschön hier wem auf die Pelle? Ich euch? Ich habe nicht darum gebeten, dass ihr euch in mein Leben einmischt. Haltet euch doch einfach raus, das kann doch so schwer nicht sein. Es gibt auf dieser Welt Milliarden Menschen, warum müsst ihr immer wieder mir auf die Nüsse gehen?" Alec griff sich den kalten Tee und stürzte ihn runter, einfach nur, um etwas zu tun.

„Es gibt Dinge, die brauchen eben ihre Zeit. Manche verlieben sich Knall auf Fall, andere brauchen ihre Zeit. So ist das Leben nun mal", sagte Jez, während Adalbert noch immer hinter ihm stand und hinter dem Flügel vorguckte. „Außerdem sind wir nicht wegen dir direkt hier, sondern wegen Jack."

„Oh, blödes Timing", knurrte Alec zynisch, „er ist gerade außer Haus und erledigt einen Job. Ist euch das in den Akten entgangen? Außerdem bin ich dann erst mal dran, wenn er wiederkommt."

„Wenn du nicht gleich deinen Arsch bewegst und ihn holst, wird er nicht wiederkommen, weil der Kerl, mit dem er Essen gegangen ist, ihn unter Drogen gesetzt hat und ihn im Bett haben will", erklärte Jez kalt und seine Augen wurden eng. Dieser Kerl trieb ihn auf die Palme und er konnte verstehen, warum Adalbert keine Lust darauf gehabt hatte, hier noch einmal einzugreifen. Deswegen hatte er auch beschlossen das Reden zu übernehmen. Der kleine, angeschlagene Elf wäre doch mit dem Sturschädel gar nicht fertig geworden.

„Was ist los?", brüllte Alec plötzlich und sprang auf, „warum sagt ihr Spinner das nicht gleich, wo ist er!" Alec griff sich den Engel am Kragen und zog ihn wütend zu sich. Da alberten die Vögel sinnlose Belanglosigkeiten und Jack war in Gefahr?

„Na mit dir war doch kein Reden, du musstest doch erst mal blöd vor dich hin maulen", knurrte nun der kleine Elf, der auch nicht mehr an sich halten konnte.

„Schnauze, wo ist Jack!" Alec war außer sich! Warum rückten diese beiden Gestalten nicht einfach den Ort raus und er fuhr hin und befreite Jack? Seine Finger zitterten, wenn er sich nur vorstellte, was gerade passierte, während sie hier sinnlos diskutierten. „Junge! Rede!", schrie er, doch der Engel ließ sich nicht beirren.

„Komm mal wieder runter und zieh dir Schuhe an, dann komm mit", sagte er und schloss die Flügel um sich und Adalbert, transferierte sie so in die bereitgestellte Limousine. Alec folgte etwas später. Na ja, Jez hätte ihn ebenfalls mit sich nehmen können, doch er hoffte, dass Alec sich etwas beruhigte, wenn er durch die langen Flure gelaufen war. Doch es war nicht an dem. Kaum saß er in dem schwarzen Wagen, fing er wieder an, gegen die beiden Fremden zu wettern, drohte ihnen das Schlimmste an, was ihm gerade so einfiel, wenn Jack auch nur ein Haar gekrümmt worden war.

„Jetzt halt mal die Luft an, du Spaßvogel. Ohne uns wüsstest du nicht einmal, wo er ist und was ihm passiert. Komm mal runter von deinem Trip und lass deine schlechte Laune an denen aus, die dafür verantwortlich sind", knurrte Jez. Auch Engeln platzte irgendwann der Geduldsnerv und Alec war gerade live dabei. Doch anstatt sich davon beeindrucken zu lassen wetterte er den ganzen Weg, malte sich aus, was er mit dem Kerl machte, der Jack angefasst hatte. Der Gedanke allein machte ihn schon wahnsinnig. Jack hatte das nie gewollt! Er mochte keine Männer!

Ihm das einfach aufzuzwingen war nicht fair!

Doch was ihn mehr wurmte, war die Tatsache, dass ein anderer sich einfach so nahm, um was Alec so vergeblich gebettelt hatte.

„Hey, träum nicht", knurrte Jez, als sie vor dem Hotel gehalten hatten und drückte Alec eine Schlüsselkarte in die Hand. „214", sagte er noch, dann schubste er Alec einfach aus dem Wagen und machte sich und den kleinen Elfen unsichtbar. Er wusste, dass sie dort oben nicht gebraucht wurden. Alec war ein Heißsporn, doch er war genau das, was Jack brauchte. Der hatte das schon begriffen, nur zugeben wollte Jack das noch nicht.

Alec hingegen hastete zum Eingang, ignorierte den Portier, der ihm entgegen kam und riss die Tür selber auf, weil ihm das alles nicht schnell genug ging. Ein kurzer Blick zur Orientierung, doch die Traube Menschen vor den Fahrstuhltüren war ihm zu groß. Er wollte nicht warten. Er konnte jetzt keine Sekunde still stehen, sonst wäre er wahninnig geworden. Also suchte er die Treppe und hastete hoch. Eine Runde und noch eine Runde, dann war er auf dem Flur, dessen Zimmernummern mit 2 begannen. Er lief einen Flur entlang, doch da waren nur die großen Zahlen, also ab in die andere Richtung.

210 - 212 - 214.

Da!

Er schob die Karte in den Schlitz, doch weil er ungeduldig hin und her wackelte, war das Lesen wohl etwas kompliziert und die Tür verweigerte den Zutritt. Alec fluchte. Das durfte doch jetzt alles nicht wahr sein. Er schob die Karte noch mal, ließ sie stecken und hämmerte gegen die Tür. „Jack", rief er immer wieder und als die Tür nachgab und sein Gewicht, mit dem er dagegen schlug, nicht mehr hielt, stolperte er in das Zimmer und blieb wie paralysiert stehen. Da lag Jack nackt auf dem Bett und ein fremder Kerl strich ihm über die Brust.

Der Anblick ließ ihn hart schlucken. Nicht nur, weil Jack noch besser aussah als in Alecs kühnsten Träumen, sondern weil dieser dreckige Bastard sich an etwas bediente, was ihm nicht zustand. Er schien in seinem Rausch noch nicht einmal bemerkt zu haben, dass Alec im Zimmer stand und strich weiter über Jacks Körper. Ein Zeichen für Alec, sich wieder zu fassen. Mit einem gezielten Fausthieb ins Gesicht schickte er den Kerl zu Boden, der wirklich das Gleichgewicht verlor und auf dem Teppich aufschlug, und kam hastig zu Jack. Mit einer fließenden Bewegung zog er die Decke über den nackten Körper, weil er wusste, dass Jack es nicht gewollt hätte, hier so ausgebreitet zu liegen.

„Hey", er tätschelte dem Blonden immer wieder das Gesicht, denn der schien in einem Dämmerzustand. „Hey Jack, mach schon die Augen auf." Alecs Herz schlug wie wild. Was hatte dieser Kerl Jack gegeben? Fragen konnte er ihn nun nicht mehr, denn der lag bewusstlos auf dem Boden. Am liebsten hätte Alec noch einmal nachgetreten, doch das war nicht seine Art.

Er redet nur weiter auf Jack ein, bespritzte das Gesicht mit Wasser, tätschelte ihn weiter, bis Jack mal die Augen aufmachte. Sie wirkten ziemlich glasig und unfokussiert, doch er stöhnte leise. „Kopfschmerzen", erklärte er und wehrte sich nicht einmal, als Alec ihn aufsetzte.

„Geht's dir gut, was machst du für Sachen?" Alec war noch immer völlig aufgelöst, versuchte nicht zu bemerken, dass die Decke herabgerutscht war und ihm wieder viel zu viel von dem zeigte, was er eigentlich nicht hätte sehen sollen. Er stöhnte lautlos.

Diese beiden Freaks da unten im Auto bedeuteten wirklich nie was Gutes.

„Mir hämmert der Schädel", knurrte Jack nur und begriff erst jetzt, dass Alec hier war, nicht irgendjemand.

„Komm, zieh dir was an, wir gehen heim", sagte der junge Rotherby und suchte Jacks Klamotten, während der gerade die Situation zu verstehen versuchte.

„Wo kommst du eigentlich her?", fragte er und sah neben das Bett, wo Michael lag und sich nicht rührte.

„Lange Geschichte. Erzähl ich dir daheim. Lass uns gehen, ehe der Vogel wach wird und ich ihm noch mal eine rein haue", knurrte Alec. Wie sollte er Jack auch erklären, dass er regelmäßig von einem durchgeknallten Engel und einem giftigen Elfen heimgesucht wurde, die glaubten, sich in sein Leben einmischen zu dürfen? Das glaubte Jack doch nie!

„Okay." Jack wehrte ich nicht dagegen. Er wollte auch nur noch weg hier. Es war demütigend genug gewesen, sich gegen den Kerl nicht wehren zu können, blind zu trinken, was der ihm gegeben hatte und nicht zu ahnen, dass da Betäubungsmittel drinnen waren. Das hätte noch ziemlich unschön werden können. Dabei konnte er sich nicht einmal mehr daran erinnern, wie er seine Kleider verloren hatte. „So ein Arsch", knurrte Jack nur, als er schwankend in seine Kleider stieg und leicht amüsiert bemerkte, wie Alec sich verschämt umdrehte, um ihn nicht dabei zu beobachten.

„Gehen wir", sagte er, als er fertig war und musste sich von Alec stützen lassen, denn seine Knie waren wie Gummi. Bei jedem Schritt fiel es ihm schwer, sich zu halten, doch nach ein paar Metern gab sich das wieder. Doch sicherheitshalber hielt er sich weiter an Alec fest und ließ es zu, dass der ihn um die Taille fasste und dicht an sich zog.

„Los, kriech rein", sagte Alec, als sie wieder am Wagen waren. Der war leer, die schrägen Vögel waren weg. Also setzte er sich zu Jack und ließ den Fahrer den Weg nach Hause antreten. „Warum hast du das gemacht, Jack?", wollte Alec leise das wissen, was ihn, seit er aus der Schule kam, am meisten interessierte. „Warum warst du mit ihm weg. Ich habe doch gesagt, du musst mir nichts zahlen."

„Is' doch egal", sagte Jack nur. Sein Kopf schmerzte. Er hatte auf so was jetzt wirklich keine Lust. Er wollte sich nur noch hinlegen und den widerlichen Rausch ausschlafen. Schließlich wollte er morgen früh in den Bus steigen und zu seiner Oma und seinem kleinen Bruder fahren. Die Karte war schon lange gekauft. Ein paar kleine Geschenke auch. Da musste er fit sein.

„Es ist gar nicht egal, wenn du dich wegen dem blöden Geld in Gefahr bringst", bohrte Alec weiter. Er war stur.

Jack seufzte. „Alec, nicht jetzt, mir platzt der Schädel, okay?", sagte er und drückte sich tiefer in die Polster, schloss die Augen. Er konnte ja schlecht sagen, warum er zugestimmt hatte. Das war nicht nur das Geld gewesen! Und genau dieser Fakt war ihm peinlich.

„Doch, jetzt. Sag's mir, Jack." Alec bohrte weiter und sah Jack dabei herausfordernd an. Wie konnte der sich in eine solche Situation begeben?

„Du bist doch dran schuld, du mit deinem blöden Geständnis!", knurrte Jack und hatte geredet, ehe er die Worte hätte zensieren können, das bemerkte er, als er Alec zischend Luft holen hörte. Schnell öffnete er die Augen und ihm wurde schwindelig, doch er versuchte Alec zu fixieren. „Ja, du bist schuld. Seit Tagen träume ich nur noch von dir, wie du mich küsst, wie ich es toll finde, wie wir... in den Laken landen. Verdammt noch mal, das wühlt mich auf, Alec. Ich wollte also eigentlich wissen, ob das nur an dir liegt oder ob ich auf jeden Mann so reagiere. Deswegen bin ich mit Michael mitgegangen und wenn da noch ein bisschen..."

„Du träumst von mir?", schnitt Alec ihm leise das Wort ab. Das musste er erst einmal verdauen. „Wie ich dich küsse und wie wir...", stammelte er und schien es nicht begreifen zu können. Was sagte Jack da?

„Ja, verdammt noch mal. Jeden Morgen die gleiche Sauerei." Sein Kopf schmerzte. Jetzt war sowieso alles vorbei. Er hatte keine Lust mehr, sich noch weiter vor sich selbst zu verstecken. Er fand Alec anziehend, na und? Im Augenblick waren gar nicht genug Hirnzellen wach, die ihn hätten korrigieren oder dementieren können.

„Sauerei?" Alec verstand nicht. Er war viel zu nervös, um seinen Kopf jetzt noch wirklich benutzen zu können. Was passierte hier nur? Träumte er wieder? Doch als er sich kniff und leicht zuckte, wusste er, dass er wach war. Er träumte nicht.

Jack stöhnte. So ein begriffsstutziger Kerl! Wollte er das jetzt etwa auch noch hören? War es nicht peinlich genug, dass es SO war? Musste es da auch noch ausgesprochen werden? Doch wenn er den Weg schon ging, musste er ihn bis zum Ende gehen und sehen, was dort auf ihn wartete. „Ich glaube, ich finde dich ziemlich anziehend. Deswegen bin ich dir aus dem Weg gegangen. Ich dachte, wenn ich dich nicht mehr sehe, wird sich das legen. Aber es legte sich nicht. Im Gegenteil. Es wurde immer schlimmer. Nacht für Nacht die gleichen Exzesse. Ich konnte dir schon gar nicht mehr in die Augen sehen, für das, was ich da mit dir gemacht habe."

Alec schluckte, er wurde sogar ein bisschen rot. „Is' nich' wahr."

„Is' wohl war", knurrte Jack zurück. Er wurde nervös. Das Geeiere hier macht ihn kirre, also zog er Alec einfach zu sich, ehe der noch etwas Sinnloses sagen konnte. „Halt die Klappe", knurrte er mit seinen hämmernden Kopfschmerzen und küsste ihn. Atemberaubend, ausgehungert und von einer tiefen Leidenschaft entflammt. Alec wusste erst gar nicht, was mit ihm passierte, doch dann ließ er sich nicht mehr lange bitten. Nun hatte es doch noch ein gutes Ende genommen und er konnte es dem Engel nicht einmal sagen. Na ja, der würde es schon wissen. Er grinste und drückte Jack langsam auf das Sitzpolster, ehe er über ihn kam und ihren Kuss intensivierte.

Ihm gegenüber hockte Adalbert, der das alles nur schweigend verfolgt hatte und nun leuchtende Augen bekam, als ein kleiner Stern das dunkle Innere der Limousine erhellte. Hastig griff er danach, ehe der Stern wieder verschwand und strahlte über das ganze Gesicht. Erwartungsvoll sah er den Engel an - nun konnten sie gehen. Doch der grinste nur, bewegte sich gar nicht und deutete wieder auf die beiden Liebenden. „Da!"

Fragend sah Adalbert sich um. Ein zweiter Stern! Wirklich! Ein echter, zweiter Stern, der auch nicht verschwand, als Adalbert ihn griff und in seine Hand zu dem anderen legte. „Zwei", strahlte er freudig und sah Jez mit feuchten Augen an. Der lächelte und strich seinem Elf über den Kopf. „Da", sagte er wieder und lachte leise. Adalbert konnte es nicht fassen. Noch ein Stern. Ein Dritter! Und dann kam noch ein Vierter.

Vier Sterne glänzten in seiner kleinen Hand, als er mit Tränen in den Augen gegen Jez sank, der ihn nur streichelte und ihn beruhigte. „Komm Kleiner, wir gehen", sagte er leise und schloss die Flügel - Jack und Alec hatten sie nicht einmal bemerkt. Sie hatten sich in ihrer kleinen Welt vergraben, lange genug hatte es ja gedauert.

Vielleicht fuhren sie morgen gemeinsam aufs Land, zu Darian und der Großmutter, denn Alec war am heiligen Abend sowieso, wie jedes Jahr, allein.