Du befindest Dich hier: Geschichten > Geschichten frei bis 16 > Roya > Ankaa & Rastaben > Ankaa & Rastaben - Teil c

Ankaa & Rastaben - Teil c

Als das Auto, dass Mastermind und Oracle verschluckt hatte, davonfuhr, schrie Abyssinian hasserfüllt auf, bevor er in sich zusammenbrach und hart am Boden aufschlug. Weiss eilte zu ihm, nur Ankaa folgte etwas gemächlicher. Besorgt knieten sie sich neben Abyssinian nieder und Bombay begann sofort die Wunden zu untersuchen. Zumindest wollte er das.

Doch es waren keine vorhanden. Dort, wo die Kugeln aufgeprallt waren, (Bombay konnte insgesamt acht ausmachen) waren nur Löcher im Trenchcoat, doch die Haut darunter war unversehrt. Ungläubig starrte er auf die Brust seines Leaders.

Balinese holte ihn aus seiner Erstarrung. „Lass uns ihn nachhause bringen. In diesem Licht hier sieht man eh nichts!“ Bombay nickte mechanisch und liess sich von Ankaa hochziehen. Es fröstelte ihn, irgendetwas war hier los, dass er nicht verstehen konnte, und als er Ankaa berührte, zuckte eine Woge von Bildern über ihn herein.

Er watete knöcheltief in Blut, ein sumpfiges Geräusch erklang bei jedem Schritt. Vor ihm lagen Leichenteile, abgetrennte Arme und Beine, Köpfe, deren anklagende Augen ihn anstarrten und ihn zu verfolgen schienen. Er wandte sich ab und versuchte davon zu laufen, doch es war nirgends anders, überall nur Blut.

Weit vor sich sah er helle Lichter, sofort hielt er darauf zu. Als er sie erreicht hatte, blieb er stehen und starrte fasziniert auf die beiden Gestallten, die sich in der Mitte bekämpften. Ein Drache und ein Phönix. Ihr Kampf schien die Welt zum zittern zu bringen und er bemerkte nach und nach, dass um ihn herum die Erde aufzuklaffen begann, die Leichen und das Blut verschluckte.

Aber er sah auch vor seinem inneren Auge wie ganze Städte darin versanken, wie Millionen von Menschen getötet wurden. Er verstand nicht. „Hört auf! Um Gottes Willen hört auf!“ schrie er. Die beiden Geschöpfe wandten sich ihm zu.

„Du wolltest es so. Du wolltest das Böse vom Guten trennen, wir gehorchen nur!“, sagten sie mit seltsam bekannter Stimme, und er zuckte zurück. Er war verantwortlich? Aber warum?

Gewaltsam riss es ihn zurück, er taumelte

Seine Gedanken kreisten, immer mehr Details zu diesem Traum, dieser… Vision fielen ihm ein. Er meinte die Kleider der Menschen gesehen zu haben, alte Kleider, solche, die man bei einer Ben Hurverfilmung trug. Auch die Häuser der Städte, die er kurz mit seinem Blick gestreift hatte, waren alt gewesen, selbst die Flammen sahen irgendwie alt aus. Er überlegte. Die Szenerie der brennenden Stadt war ihm bekannt vorgekommen, hatte er nicht einmal etwas in Geschichte über ein flammendes Inferno gehört?

Dann fiel es ihm wieder ein. Der verrückte Kaiser in Rom hatte seine Stadt mal niedergebrannt um darüber dichten zu können. Ob der Grund für das Feuer damals ein anderer war?

Seine Gedanken kreisten noch, als sie bereits zuhause angekommen waren. Abyssinian wimmerte ab und an leise, und als sie ihn zu hause auf dem Sofa auszogen, wussten sie auch warum. Seine Brust schimmerte in allen Farben und acht besonders dunkle Flecken deckten sich mit den Einschusslöschern im Trenchcoat. Omi wäre beinahe wieder schlecht geworden, doch Feng schob ihn zur Seite.

Paralysiert musste Weiss mit ansehen, wie das neue Mitglied seine Hände auf Ayas Brust legte und die Augen schloss. Seine Haare flirrten wie ein grotesker Heiligenschein um ihn herum, und als er die Augen aufmachte, schienen sie leicht rötlich zu lodern. „Gebrochene Rippen, heftige Prellung, keine inneren Blutung. Was heisst; Er muss gewusst haben, dass er der Berg ist.“

Yohji war der erste, der blinzelte. „Berg? Hab ich schon mal gehört“, murmelte er. Feng lächelte sanft. Das Lächeln war angenehm, aber irgendwie auch seltsam. Es war, als würde eine alte Grossmutter auf ihre Ur-ur-urenkel hinunter lächeln, irgendwie alt. „Gib mir deine Hand, Omi.“ Auffordernd streckte er seine Hand nach Omi aus und dieser zögerte nur einen Sekundenbruchteil. Was, wenn wieder eine solche Vision kommen würde. Feng lächelte noch einmal und Omi atmete tief durch. Fengs Hand war weich und sanft wie die des Kindes, dass er war. Omi hatte sein Alter vorsichtshalber etwas höher geschätzt, doch Feng war tatsächlich erst knappe dreizehn. Nicht, dass Omi selbst viel älter gewesen wäre, als er mit dem Morden anfing.

Ein Kribbeln lief durch seinen Körper, als er seine Hand in Fengs legte. Dieser deutete ihm stumm, seine zweite Hand auf Ayas Torso zu legen, neben seiner eigenen. Das Kribbeln verstärkte sich, bis daraus ein sanftes Vibrieren wurde und seine Hand auf Ayas Brust immer wärmer wurde. Schliesslich schien sie zu pulsieren, und Omi konnte fühlen, wie dieses Pulsieren zwar von seiner Hand ausging, aber von Feng gesteuert wurde.

„Was geschieht hier?“, murmelte Ken und Omi war froh, dass er diese Frage gestellt hatte. Feng antwortete sogar. „Omi ist ein Planetenherz, das bedeutet, er hat in kleinem Umfang die Macht über sämtliche Fähigkeiten der Psi. Er könnte von sich aus kleine Kratzer und Kopfschmerzen heilen. Dass, was hier geschieht, ist weitaus grösser. Wie Omi euch sicher schon gesagt hat, habe auch ich eine Psi…“ Er stockte kurz, dann huschte ein Lächeln über sein Gesicht. „Nun, besser gesagt, ich bin die Psi. Ich habe die Macht über sämtliche Psi, kann sie allerdings nur bei Bedarf einsetzten. Ich bin ein Katalysator, durch mich ist es einfacher, Omis Fähigkeit frei zusetzten und zu steigern.“

Das grosse hässliche blaue Mal auf Ayas Brust wurde schwächer, immer heller, das Blau wich einem noch dunkleren Violett bevor es zu Rot und schliesslich zu Rosa wurde. Dann jappste Aya auf und bäumte sich der Hand entgegen. Omi wollte schon zurückziehen, doch Feng festigte seinen Griff. „Die Rippen werden zurechtgerückt. Besser so als operativ. Keine Sorge, es passiert ihm nichts.“

Aya stöhnte leise, krampfte und zuckte, doch nach fünf Minuten wurde er ruhiger, atmete nicht mehr rasselnd. Fengs Augen flackerte bevor er die Hand wegzog. „Ich brauch Tempura“, nuschelte er, und Omi war wohl nicht der Einzige, der ihn irritiert ansah. „Was denn? Mehr kann ich nicht mehr, und du auch nicht Omi, für ihn tun. Deine Fähigkeit ist ausgeschöpft, meine auch, wir brauchen Energie, und Aya wird noch drei Tage Ruhe brauchen, dann ist er wieder okay.“

Ken runzelte die Stirn. „Und wozu die Tempura?“ Feng blickte ihn mit grossen Augen an. „Weil ich hunger hab? Das verbraucht ganz schön Energie!“ Jetzt, wo er es sagte, meldete sich auch Omis Bauch laut und knurrend. Er wurde rot und Yohji seufzte. „Los, Kleiner, mach uns was zu essen!“ Das eingeworfene „Tempura!“ von Feng beachtete er nicht weiter, doch Omi nickte. „Ich bringe Aya ins Bett und dann hat uns Feng sich viel zu erzählen, vor allem, wenn er dafür Tempura bekommt!“ Yohji warf Feng einen langen Blick zu, den dieser erwiderte und dann langsam nickte.

Ohne weiter zu fragen, half Feng in der Küche Omi aus und Ken und Yohji brachte Aya in dessen Zimmer. Dann kamen sie wieder hinunter und nachdem sich Feng mit Tempura sattgegessen hatte, begann er zu erzählen. Es wurde eine lange Nacht.

 

‚Alles, was früher war, war das Licht, dass sich nach einem Partner sehnte. Es erschuf die Dunkelheit und erkannte, dass sie gleichberechtigt waren. Sie lebten lange zusammen und alles ging gut, bis sie die ersten Menschen in ihre Welt setzten. Die Menschen erkannten Mutter und Vater nicht an, die einen strebten nach Dunkelheit, die anderen nach dem Licht. Nur wenige verstanden, dass beides in ein gutes Leben gehörte.’

 

Aya erwachte erst am darauffolgenden Abend. Ihm voraus waren Omi und Feng, sie erwachten kurz vor Mittag und als Manx am Morgen hereinschneite und sich darüber ausliess, dass der Laden geschlossen war, antwortete Yohji kühl: „Aya’s Verletzungen und Omis Einsatz, um ihm das Leben zu retten, haben ihnen wohl etwas mehr abverlangt als sonst. Selbst Schuld, ihr habt Schwarz nicht miteinbezogen.“ Manx war ruhig. Dass Yohji mal nicht flirten wollte, machte ihr wohl am meisten zu schaffen.

Aya erwachte mit einem brummenden Schädel. Wo war er? Zuhause, wie er feststellte; dort in der Ecke stand sein Katana und die Bettwäsche roch eindeutig nach ihm. Er fühlte sich schwer und irgendwie verletzt. Eine Überprüfung seiner Vitalfunktionen ergab nur dass sein Brustkorb höllisch schmerzte, aber statt einer grossen Prellung, die er erwartete, als er sich wieder an den vergangenen Abend erinnerte, war dort nur ein grosser, etwas rötlicher Fleck, der sich nicht angenehm anfühlte, als er mit spitzen Fingern darauf herumdrückte. Daher unterliess er es.

Mit seinem Katana als Stütze stand er auf, seine Beine drohten erst, unter ihm weg zu sacken, doch mit jedem Schritt wurde sein Gang fester. Er schwankte trotzdem noch, als er endlich einen Stock tiefer in der Küche angelangt war. Er trat vor die versammelte Mannschaft und wollte sie erst keines Blickes würdigen, als ihm Fengs Blick auf seinen Brustkorb auffiel. „Was?“, fauchte er ungehalten. Der Junge schüttelte nur vage den Kopf, stand auf und stellte Aya einen Teller an dessen angestammten Platz. Aya packte den Teller und dachte gar nicht daran, sich zu den anderen zu setzten.

„Setz dich, jetzt!“ Langsam drehte sich Aya um. Feng starrte ihn in Grund und Boden und er hatte das Gefühl in einen See aus Eiswasser eingetaucht zu sein. Der Junge starrte ihn an, und als sich ihre Blickte kreuzten, zuckte Feng unmerklich zusammen.

Hass. Ungefilterter, purer offener Hass schlug ihm entgegen, erdrückte ihn, zwang ihn dazu, sich zusammen zu kauern. Er hatte gewusst, dass es Aya sein musste. Die anderen hatte er bereits getestet. Sie hatten ihm nichts zeigen können.

Aber Aya war so voller Hass, dass er die Vision reflektierte und ihm zeigte, wie er fühlte. Er zwang ihm seinen Hass auf, befahl ihm, so zu handeln, wie der Berg es sich wünschte. Er wehrte sich dagegen. Er sollte das Chaos erhalten, das Gleichgewicht zur Ordnung darstellen und Liebe erschaffen. Es war nicht erwünscht, dass er hasste. Er

Dennoch prägten sich Gesichter in seine Gedanken. Unzählige namenlose Verbrecher, die Aya als böse betitelten und die für Feng klar ersichtlich einfach irgendwann kein Glück mehr hatten. Oder zu viel.

Vier davon kannte er von der Mission. Natürlich kannte er sie, er kannte jede Psi, egal wie sehr diese sich auch verstecken mochte. Er war fähig, sie frei zusetzen! Er war fähig, sie zu nehmen! Er war geschickt worden, um das Böse vom Guten zu trennen, weil der Berg es als richtig betrachtete, es forderte. Er sollte das Böse auslöschen.

Oder hoffen, dass der Berg erkannte, dass er nicht nur Oberirdisch seine Wurzeln hatte.

durfte nicht hassen!

Feng keuchte leise, setzte sich wieder, und atmete einmal tief durch. Dann hatte er sich wieder vollkommen unter Kontrolle. Noch ein Mal liess er die Bilder passieren, hörte die fast nicht hörbare Stimme von Ayas Gewissen, die diesem sagen wollte, dass der gegnerische Telepath vielleicht etwas für seine Schwester tun konnte. Dass jeder das Recht hatte zu leben und dass es bestimmt andere Wege gab, als zu töten.

Doch Feng erkannte, dass das ganze Sein des Berges vom Verlust vereinnahmt worden war. Vom Verlust der Schwester, die alles war, was er gehabt hatte. Der Verlust, der an den Wurzeln des Berges genagt hatte, und ihn zum Einstürzen bringen würde. Feng wusste aber auch, dass es ihm nicht gestattet war, einzugreifen. Er war nur Richter. Um genauer zu sein, war er nur ein Richter. Was der andere zu Aya sagen würde, wusste er nicht. Aber Drachen hatten nichts übrig für Gefühle, ihr Gebiet war die Logik, die Rationalität. Feng bezweifelte, dass der Drache Aya verstehen würde.

Feng blinzelte, als er Omis Blick auf sich gerichtet fühlte. Er nickte knapp und zufrieden, als er sah, wie Aya sich hinsetzte. „Du hast dich bestimmt schon gewundert, warum du bereits wieder auf den Beinen bist“, sagte er. Irgendwo musste er beginnen!

Aya zuckte mit den Schultern. „Ich bin unverwundbar, wo sollte da das Problem sein?“

Die Anwesenden starrten ihn mit offenem Mund an. „Warum hast du uns nichts gesagt?“, brachte Omi hervor. Aya sah ihn kühl an. „Wozu? Damit es der Telepath es aus euren Köpfen saugt und mich anders fertig macht? Wärst du nicht dazwischen gekommen, hätte ich diesen Bastard bereits erledigt!“ Feng runzelte die Stirn. „Wäre ich nicht dazwischengekommen, wären Menschen gestorben!“

Weiss starrte ihn ungläubig an. „Was hast du denn mit dem Target gemacht?“

„Genau dass, was er tun sollte,“ ertönte Manx Stimme von der Küchentür her. Sie warf eine Zeitung auf den Tisch. Feng blickte es kurz an, lächelte leicht und reichte es weiter. Ken und Omi beugten sich sofort neugierig darüber.

‚Mysteriöses Verschwinden von Konzernchef Kawasami!’ titelte es. ‚Kleiner Junge im Büro aufgefunden’ stand gleich darunter.

 

‚Das Licht und die Dunkelheit wurden traurig, weil sie so immer weiter voneinander separiert wurden. So beschlossen sie, den Menschen ein einzig artiges Geschenk zu geben, dass ihnen zu Verstehen geben würde, dass das Leben nicht nur eine Seite beinhalten kann.’

 

Omi schnappte nach Luft. Das Bild des Jungen… Er erkannte ihn! Das war Kawasami, wie er aussah, als er ein Junge war! Mit offenem Mund sah er Feng an. Dieser sah ihn emotionslos an. „Ich bin alle,“ murmelte er leise. Omi verstand.

 

‚Die Menschen benutzten dieses Geschenk aber leichtfertig um einander zu Übertrumpfen und besser als andere zu sein. Nach und nach schlich sich der Hass in ihre Herzen, und verdunkelte, was nicht vollkommen weiss war.’

 

„Dann kann ich jetzt gehen?“, knurrte Aya und erhob sich. Feng starrte ihn nieder und Aya setzte sich wieder. Manx schüttelte überrascht den Kopf. „Noch nicht, Aya. Perser hat mich angewiesen, euch ein paar Dinge beizubringen, die zur Abwehr feindlicher Psi hilfreich sein mögen. Ich dachte mir, ich beginne den Unterricht so bald wie möglich. Da du jetzt bereits wieder herumturnst…“ Er machte eine Handbewegung, die einem Schulternzucken gleichkam.

Manx lächelte beinahe fies. „Schönen Tag wünsche ich, die Herren!“ Sie warf Yohji einen berechnenden Blick zu, doch der tat nicht einen Wank.

Kaum war sie draussen, giftete Aya: „Ich habe meine Fähigkeit unter Kontrolle, falls du das meinst. Ich brauche keine Hilfe, von niemandem!“ „Ich meinte auch nicht nur deine Fähigkeiten. Yohji, Ken und Omi sind ebenso beschenkt worden“, entgegnete Feng ruhig, und entgegen seiner Anstallten auf sein Zimmer zu gehen, setzte sich Aya wieder. Fengs Stimme war zwingend.

Aya schien sich nicht zu trauen, Feng einen abwertenden Blick zu zuwerfen, daher wandte er sich an Omi. „Und warum habt ihr nichts gesagt?“

Wie es Omi eigen war, fühlte er sich sofort schuldig, doch bevor er sich entschuldigen konnte, sprang Yohji für ihn in die Bresche. „Weil wir nicht auf Kritikers Seziertisch landen wollten“, entgegnete er ruhig und Aya konzentrierte seine Death- glares auf ihn. „Als ob Kritiker so etwas tun würden!“

Yohji seufzte, setzte zu einer Antworte an und überlegte es sich anders. „Du willst es sowieso nicht glauben.“ Aya wollte hochfahren wie ein Springteufel, doch eine Bewegung von Feng erstickte jede Entgegnung im Keim. „Du weißt, dass er Recht hat. Diese kaum hörbare Stimme in dir. Du solltest mal darauf hören,“ schlug er vor, doch er wusste, dass Aya nicht auf ihn hören würde. Er sandte ihm nur einen giftigen Blick zu.

„Was willst du uns eigentlich beibringen?“ fragte Ken, und zog den Kopf ein, als sich nun alle Blicke auf ihn richteten. Er wünschte sich bereits, nichts gesagt zu haben, doch dann lächelte Feng sanft. „Ich fürchte, ich bin etwas spät, oder? Ihr habt das Problem bereits von selbst gelöst, mit Bravour, wie ich anmerken will. Ich kann euch nur sagen, warum ihr diese Fähigkeiten bekommen habt.“ Feng holte aus, und begann die Geschichte vom Berg, vom schwarzen und weissen Schicksal zu erzählen.

 

‚Das Licht hatte aber beim Erschaffen der Menschen dafür gesorgt, dass beides in den Menschen vorhanden war, damit das Gleichgewicht nicht kippte. Und so frass sich der Hass in alle Herzen und das Licht und die Dunkelheit sahen nur noch einen Ausweg.’

„Hah! Das heisst also, dass das Böse endlich verschwinden wird, bis auf den letzten, ekligen Telepathen!“ Aya hieb mit der Faust in seine Handfläche und ein manisches Glimmen erschien in seinen Augen. Er stand auf, murmelte etwas von ‚Katana bereit machen’, ‚beste Taktik erarbeiten’ und ‚noch etwas trainieren’.

Omi seufzte abgrundtief. „Wann versteht er endlich, dass alles eine Gegenseite hat?“, murmelte er müde. Yohji schwieg, Ken nickte zustimmend und Feng legte den Kopf schief.

 

Das manische Glimmen in den Augen, dass zuweilen einem entrückten, leicht wahnsinnigen Grinsen wich, blieb den ganze nächsten Monat über auf Ayas Gesicht. Sie hatten mehrere Einsätze in dieser Zeit. Fünf, alles in allem, aber vier davon handelten um Informationsbeschaffung für ein zukünftiges Target und der letzte war ein Dealer, der seine Ware im grossen Stiel verkaufte. In keinem tauchte Schwarz auch nur annähernd auf, doch Aya’s beängstigende, gute Laune blieb, bis es endlich hiess: Target: Honda Kazuke. Dessen Leibwächter Schwarz war.

Und nun standen sie hier. Zu Bombays Überraschung war das Target bereits ausgeschaltet, Ankaa hatte dies wieder auf seine ihm eigene Art übernommen. Von Schwarz fehlte jede Spur, doch Bombay konnte fühlen, wie sie sich näherten. Ankaa hatte es ihm erklärt. Das Planetenherz fing die Fähigkeiten der anderen auf, und projektierte sie auf Bombay. In diesem Fall war es wohl Berserkers Fähigkeit, die ihn die Anwesenheit der anderen spüren liess. Bombay hatte den anderen noch nicht mitgeteilt, dass Berserker Empath war, zumal dieser auf seine Fähigkeit scheinbar keinen Zugriff mehr hatte. Auch hier hatte Ankaa geholfen.

Ein Auto näherte sich. Bombay schluckte. Schwarz reiste immer mit zwei Autos an, doch nun stiegen sie alle aus einem schwarzen Mercedes. Ob das ein gutes Omen war? Ankaa warf ihm einen ruhigen Blick zu.

Der Telepath und Oracle stiegen aus, anschliessend kümmerte sich Mastermind um Berserker, der langsam ausstieg und irgendwie aufgeregt schien. Prodigy stieg aus und Bombay konnte den Stich spüren, den es Siberian gab. Berserkers Fähigkeit war nicht immer so angenehm. Bombay hatte jetzt schon das Bedürfnis, sich vor dem jungen Telekineten auf die Knie zu werfen und um Verzeihung zu heischen. Er unterliess es mit einiger Anstrengung.

Dann stieg eine weitere Person aus. Bombay warf seinem Team einen nervösen Blick zu, seine Aufmerksamkeit lag auf Ankaa, der plötzlich hellwach und vollkommen gerade stand. Bombay fühlte, wie es um ihn knisterte. Etwas passierte. Das Planetenherz, dass sich seit dem intensiven Training mit Ankaa wie ein ganz dünner Schleier auf jede Person legte, knisterte, flackerte und setzte kurz aus. Dann war es Bombay endlich möglich, Ankaa so zu sehen, wie er jeden anderen sehen konnte. Mit einem Unterschied: Ankaas Seele war vollkommen schwarz.

Nervös sah sich Bombay um, beobachtete die fünfte Person aus dem gegnerischen Team und spannte sich an. Auch diese Person flackerte, das Bild zitterte und schien sich nicht entscheiden können, was es denn nun wollte. Dann fiel der Blick des Jungen auf Ankaa und er straffte sich. Und das Bild war so klar, als wäre es nie verschwommen gewesen. Reinstes Weiss. Zu sagen Bombay wäre verwirrt, war die Untertreibung des Jahrhunderts.

 

‚Sie erschufen zwei Menschen, die anders waren. Diese Menschen waren direkte Kinder vom Licht und der Dunkelheit, das eine hatte eine schwarze Seele, das andere eine weisse.’

 

Nervös stellte er sich breitbeinig hin. Er rechnete mit Prodigys Angriff, hatte aber nicht vor, mehr zu tun, als für seine Verteidigung notwendig war. Er hatte einfach genug davon, Menschen zu töten, weil sie kein Glück gehabt hatten!(Er war sich durchaus bewusst, dass es ein dumme Ausrede war, und viele diesen Weg auch freiwillig einschlugen. Aber wie hiess es? In Dubio Pro Reo!)

Er sah (und fühlte ebenso), wie Siberian und Balinese sich bereit machten, wie Abyssinian die Zähne bleckte und bis zum Äussersten gespannt war. Mastermind sah etwas käsig aus, und Bombay machte sich irgendwie Sorgen um ihn. Abyssinian war unberechenbar, und als ‚Berg’ kein geeignetes Match für Mastermind. Selbst das allwissende Oracle sah etwas weiss aus. Ihre Augen zeigten Angst und Sorge. Und ein klein wenig grün für die Hoffnung.

Der Einzige, der sich freute, war Berserker. Er war voller Farben. Diejenigen, die Bombay schon einmal gesehen hatte. Weiss, Grün, Orange. So stark, dass sie irgendwie auf Bombay überschwappte. Er fühlte Zuversicht, wusste, dass es Berserkers war, konnte sie aber doch nicht herausfiltern und unterdrücken.

Der Neue stellte sich gegenüber Ankaa auf, verneigte sich spöttisch und ging in Kampfposition. Ankas Lippen kräuselten sich leicht und Bombay wusste: Dies war Long, der Drache. Bombay war sich nicht sicher, was er erwartet hatte, aber Long sah aus, wie Ankaas eineiiger Zwiling. Nur die Haare und Augen waren anders. Und wo Ankaa voller gut gezähmter Gefühle war, war Long einfach nur Berechnung und Logik.

Bombay schüttelte innerlich den Kopf. Wie konnte etwas, dass beinahe gleich aussah, so verschieden sein? Er beschloss, die Antwort auf diese Frage ein andermal suchen zu gehen, denn Abyssinian griff Mastermind mit einem fürchterlich klingenden Schrei an. Selbst Tarzan schreit schöner, ging es Bombay durch den Kopf, kurz bevor er vor Prodigys Telekinese wegsprang.

Die Angriffe des Telekineten waren heftig, doch Bombay konnte die Verzweiflung und die Angst dahinter sehen. Er hätte sie wohl auch gesehen, wenn er seine Fähigkeit nicht genutzt hätte, aber so drängten sie sich ihm in Verbindung mit Berserkers Empathie noch mehr auf. Dazu kam, dass der Ire selbst immer noch ausser Rand und Band war- vor Freude und nicht vor Mordlust- als dass Bombay hätte sagen können, was denn jetzt genau in ihm vorging. Die verschiedenen Gefühle drohten ihn zu überreizen und er fragte sich gerade, wie Mastermind das wohl aushalten wurde, als ihm aufging, was wohl den Iren zu dem gemacht hatte, was er jetzt war.

Bombay stolperte. Und Prodigy war im Bruchteil einer Sekunde über ihm. Abschätzend sah er ihn an, sammelte seine Fähigkeit, als ein Ruck durch die Wirklichkeit ging.

 

Siberian war in Abwehr gegangen, doch von Berserker kam nichts. Der Ire stand nur da und starrte mit seinem stechenden Auge auf Abyssinian. Der trieb Mastermind vor sich her, während dieser die Pistole bereits wieder leer geschossen hatte. Wie es schien, war der Weisskiller mit seiner Fähigkeit noch besser geschützt als letztes Mal. Er wurde von den Kugeln nicht mehr zurückgeschleudert. Er blieb stehen und die Kugeln spickten als münzgrosse Scheiben davon. Wie Supermann, ging es Siberian durch den Kopf, und eine Welle der nacken Angst kam auf ihn zu. Berserker wandte den Kopf zu ihm. „Bald ist alles vorbei“, wisperte er mit rauer Stimme und ging einige Schritte auf Oracle zu.

Es dauerte nicht lange und Balinese erkannte, dass Berserker auf ihn zu kam. Seine ohnehin schon lahme Abwehr (die für Oracles vollkommen lahmer Angriff mehr als genügte) erstarb ganz, als der Ire mit ausgreifenden Schritten auf Oracle zu ging, ihn an der Schulter packte und herumriss. Mit ausgestrecktem Arm und Zeigefinger deutete er auf Abyssinian und Mastermind. Oracles Gesichtsfarbe wurde noch etwas ungesünder. Dann deutete Berserker auf Ankaa und Rastaben.

Siberan schloss auf. Fünf Meter von den beiden Schwarz entfernt waren ihre Augen auf Abyssinians Kampf gerichtet. Ankaa entging ihnen ebenso, wie Bombay und Prodigy und so bekamen sie auch mit, was geschah, als der Ruck durch die Wirklichkeit alles zerriss.

 

Abyssinian schrie triumphierend auf. Mastermind lag vor ihm auf dem Boden, die vier Pistolen, die dieser mitgebracht hatte (Abyssinian fragte sich, warum der Deutsche keine MP mitgebracht hatte.), lagen leergeschossen auf dem Platz verstreut und er selbst hatte das Katana über seinem Kopf erhoben.

Er konnte nicht beschreiben, was dann geschah. Etwas war plötzlich falsch und alles Sinne in ihm schrieen danach, das er sterben würde, hier und jetzt. Die Stimme, die er bis jetzt tief in sich verborgen hatte, schrie nun laut und deutlich. Er erkannte mit grausamer Klarheit, was er alles getan hatte, wozu ihn sein Hass geführt hatte, doch dann war es vorbei. Die Stimme würgte er gewaltsam ab und das Katana fiel klappernd zu Boden.

Er sah hinunter auf Mastermind, schürte den Hass auf ihn und bemerkte erst nach einer Weile, dass der Telepath nicht mehr auf ihn sah, sondern ins Nichts zu Abyssinians rechter. Dieser wandte den Kopf. Ein ersticktes Keuchen war alles, was er dazu herausbekam.

Ankaa und Rastaben standen sich gegenüber, hatten Abyssinians Kampf beobachtet und als dessen Hass auf seinem Zenit stand, hatten sie gehandelt. Die Welt ausgeknipst für das, was folgen würde. Dann brach das Zwielicht an.

Mit steinernen Mienen riefen sie ihre Alter Egos. Aus dem sternklaren Himmel über ihnen sank eine Kugel, die violett schimmerte und deren Farbe sich nach und nach in blau und rot aufteilte. Schliesslich zerplatzte das seltsame Gebilde, und die Farben wurden zu zwei Geschöpfen, die den Menschen schon seit Jahrhunderten Angst und Ehrfurcht einflössten.

Der Phönix stieg über Ankaa in die Luft und der Drache umwand Rastaben in lockeren Schlingen. Die Tiere waren unruhig und ihre Rastlosigkeit entlud sich erst, als Ankaa und Rastaben ihren Kampf endlich eröffneten. Schaudernd sah Abyssinian mit an, wie Feuer und Wasser aufeinander prallte und eine riesige Wolke aus Dampf aufbrandete.

 

‚Da diese beiden aber sehr mächtig waren, durften sie nicht einfach so auf der Erde umherwandeln. Ihr Leben war an den Hass gebunden, und der Hass in einem Berg versiegelt. Wann immer er zu gross wurde, wurden diese beiden gerufen und stellten die Menschen vor eine Wahl. Vor die Wahl, Hass oder Liebe gewinnen zu lassen.’

 

Gebannt starrte Abyssinian auf die Stelle, an der eben noch die beiden Jungen gestanden hatten. Der Nebel breitete sich aus. Er war warm und nahm einem die Luft zum Atmen. In seiner Mitte tauchte ein Schatten auf, und bevor Abyssinian reagieren konnte, stürzte ein grosser Bär aufrecht aus dem Nebel hervor. Brüllend ging er auf Abyssinian los, scheuchte ihn einige Schritte davon, bevor er sich Mastermind zu wandte. Mit einer Grazie, die man dem grossen, fast schwarzen Tier gar nicht zutraute, stellte er sich auf alle viere und packte den Deutschen mit seinem mächtigen Pranken.

Abyssinians Lippen zierte ein böses, zufriedenes Lächeln. Eigentlich hatte er ja Mastermind den Gar aus machen wollen, und er hatte auch absolut keine Ahnung, woher der Bär am, doch das grosse Tier würde den generischen Killer in seine Einzelteile zerlegen, viel besser, als Abyssinian es gekonnt hätte. Zufrieden sah er zu.

Der Bär leckte über Masterminds Gesicht und dieser hatte den Mund weit geöffnet, als ob er schreien wollte, doch kein Ton entkam seinen Lippen. Hinter dem Bären tauchte aus dem Nebel ein weiterer Schatten auf, etwas kleiner und bei weitem nicht so breit und muskulös. Er stellte sich neben den Bären und gab ihm einen Klaps auf die Schulter, woraufhin das braune zottige Ungetüm den Deutschen im Nacken packte und davon zerrte, an den Rand des Kampfplatzes, ausser Reichweite des unangenehmen Nebels.

Und ausser Abyssinians Katanareichweite.

Wütend schrie er auf, als er Oracle erkannte, der ihm nur einen kurzen, abfälligen Blick zuwarf und dann Seite an Seite mit dem Bären und dem Deutschen zum Rand trottete. Er grabschte nach seinem Katana, brauchte beinahe ewig, bis er es fand und stürmte dann mit erhobenem Schwertarm auf die drei zu. Der Bär liess Mastermind los, Oracle stolperte zu Seite, als der Deutsche in seine Arme fiel und ab diesem Zeitpunkt konnte Abyssinian nicht mehr sagen, ob er nun träumte oder wach war.

Der Bär verlor sein Fell, dafür wurde seine Haut grau und ledrig. Er schoss innerhalb einer Sekunde in die Höhe und seine Nase wuchs um ein Vielfaches. Als Abyssinian erkannte, dass er nun einem Elefanten gegenüber stand (Mitten in Tokyo? Wo kommt der her, zum Donnerwetternochmal?!), hatte dieser ihn schon mit seinem Rüssel das Katana entzogen und es auf das Dach der Lagerhall geworfen, die in beträchtlichem Abstand zu der kleinen Gruppe stand. Abyssinian kreischte wütend. Er duckte sich unter dem zurückschwingenden Rüssel weg und langte nach dem Deutschen. Die Hände um dessen Hals gelegt, bekam er einen heftigen Fausthieb ins Gesicht. Oracle sah erleichtert, wie Abyssinian nach hinten taumelte, in die Arme einer ziemlich grossen Spinne. (Er wollte jetzt nicht wissen, wie der Weiss es geschafft hatte, die Vogelspinne auf ihre dreihundertfache Grösse anschwellen zu lassen. Es war so und es war gut so, Punkt!)

Abyssinians Kreischen verhallte, während er an seiner Fessel zerrte, die es ihm zwar erlaubte, sich normal zu bewegen, die aber so angebracht war, dass er seine Hände nirgendwo mehr drum herum legen konnte. Das Gesicht zu einer hasserfüllten Fratze verzogen, torkelte er ein paar Schritte zu Seite, wurde aber davon abgehalten, davonzulaufen, als die Spinne sich abermals transformierte. Und Balinese frei gab.

„Hast du sie noch alle?“, fauchte Abyssinian, doch Balinese starrte ihn nur enttäuscht an. Die Drei liessen ihn in Ruhe toben und wandten sich dem Nebel zu. Der in just diesem Moment explodierte.

 

Eine Nebelschwade trennte ihn von Balinese und Oracle, und instinktiv spürte er, dass von Berserker keine Gefahr mehr ausging. Was auch immer da gerade vorging (Er weigerte sich, an das Ende der Welt, wie er sie kannte, zu glauben.) mussten sie nun zusammen durchstehen. Nur wenn sie zusammenhielten, konnten sie es überleben. So zumindest hatte er Feng verstanden. Ob die anderen das auch so sahen…

Er packte Berserker am Arm, als dieser blindlings in Richtung des Zentrums des Nebels rennen wollte. Der Ire sah ihn an, als wäre er der grosse böse Onkel, der seinem Neffen einen Lutscher vorenthalten wollte, und einen kleinen Augenblick fühlte sich Siberian auch so. Dann schüttelte er den Kopf. „Zu gefährlich“, bestimmte er leise und zog Berserker mit sich. Nur ungefähr wusste er noch die Richtung, in die Oracle und Balinese gerannt waren.

Dann krachte es fürchterlich hinter ihnen, und Berserker stemmte die Hacken in den Boden. Fasziniert starrte der Ire auf einen der Lagerschuppen, der in einem Feuerball explodiert war. Dann setzte er sich langsam in Bewegung, immer weiter auf das flammende Inferno zu. Siberian stemmte sich dagegen, doch der Ire war nicht nur grösser als er sondern auch wesentlich kräftiger, was er ihm eigentlich gar nicht zugetraut hätte. Er schleifte Siberian einfach hinter sich her auf das Feuer zu.

Angst wallte in Siberian hoch. Er hasste Feuer, war das immer noch nicht klar? Aber Berserker schien das nicht zu interessieren, denn er drosselte sein Tempo nicht, als Siberian ihn schliesslich los liess und ihn anschrie. „Es hurtet Gott!“, konstatierte er nur klar und Siberian stöhnte entnervt auf.

Während der Ire weiter auf das Feuer zu ging, unterdrückte Siberian alle Illusionen darüber, dass der Ire schon von alleine zur Besinnung kommen würde. Stattdessen fiel ihm plötzlich ein (Er würde sich später in den Hintern beissen, dass ihm das nicht schon früher eingefallen war!), dass seine Psi ja diejenige der Aquakinese war.

Mit dem lodernden, überdimensionalen Scheiterhaufen vor Augen hatte er aber doch etwas Schwierigkeiten, sich vorzustellen, wie das Wasser erscheinen sollte, zumal die Flammen bereits auf die nächst stehende Lagerhalle übergesprungen war. Gleichzeitig war die Gestallt Berserkers, die immer weiter darauf zulief, immer greller davon beschienen wurde auch ein unglaublicher Ansporn. Als er das Wasser dann endlich fühlen konnte, ging alles so schnell, dass er hinterher nicht mehr zu sagen vermochte, wie lange es gedauert hatte. Nur der ihn schmollend ansehende Ire, der : „Kaltes Wasser hurtet nur mich, nicht Gott“ nuschelte, brachte ihn wieder zurück in die Realität. Als ob dieses Bild das normalste der Welt wäre…

Dann übernahm Berserker die Führung, als hätte er nie etwas anderes getan. Sibarian war irgendwie heilfroh, denn nach dieser Menge an hergerufenem Wasser war er total erschöpft. Er wusste nicht einmal, ob er sich noch wehren könnte, wenn Berserker ihn nun angreifen würde.

Es dauerte keine Minute und der Nebel lichtete sich. Berserker zog ihn schnurstracks auf eine Seite des Platzes, und als sie näher kamen, sah Siberian zu seiner Erleichterung Balinese, Abyssinian, Oracle und Mastermind. Er hätte sich wohl nie träumen lassen, einmal froh zu sein, wenn er seine ‚Feinde’ sah.

„Was ist passiert?“, wurde er von Balinese gefragt. Abyssinian schien wie immer etwas schweigsam, auch wenn er etwas komisch da stand, aber vielleicht bildete sich Siberian auch nur ein. Er wollte gerade den Mund aufmachen, da schnaubte Mastermind. Oder was auch immer das darstellen sollte.

Tatsächlich lachte der Deutsche leise, aber intensiv. Ein paar Tränen quetschen sich aus seinen Augen, als er sie schloss, um durch zuatmen, doch das hatte eh keinen Sinn. Nach einem Blick von Oracle auf Berserker -der immer noch schmollte! Oder schon wieder? –seufzte der Schwarzboss und fasste sich an den Kopf.

Balinese sah Siberian an, dieser seufzte ebenfalls bevor er von Berserker zu erzählen begann. Balinese sah ihn danach einige Sekunden an, wie vom Baum erschlagen, bevor sein Blick zum prustenden Mastermind und zum schmollenden Berserker wandern liess, und dann ebenfalls leise kicherte. (Kicherte! Später würde es Balinese als Hysterie betiteln, doch Siberian würde ihn dann gern daran erinnern! )

Siberian wollte gerade den Kopf über seinen Teamkollegen schütteln, als der in Nebel gewandete Kampfplatz wieder etwas her gab. Zwei Fontänen schossen hoch. Rastaben und Ankaa standen sich gegen über, fünf Meter über dem Boden, und ihre Alter Egos schlangen sich um sie. Ankaa hatte ihnen alles über das Wesen eines Phönix erzählt, und natürlich wusste Siberian, dass der Drache das genaue Gegenteil war. Gebannt sah er zu, wie dieses Gegenteil nun ausschlug. Während Rastaben kühl und beherrscht auf sie nieder blickte, war Ankaa unruhig. Er schien mit sich zu hadern, zu kämpfen, und Siberian hatte den Eindruck, dass das Alter Ego von Ankaa mit ihm darum kämpfte, sie angreifen zu dürfen.

Er konnte genau sehen, wann Ankaa den Kampf verlor und der Phönix endgültig aus der Asche stieg. Der Drache bäumte sich ebenfalls auf und sie brandeten gegeneinander, dass Feuer und Wasser auf alle Seiten spritzte. Siberian sah in Zeitlupe, wie der Phönix den Kopf zurückwarf, sich Flammen in seinem Rachen bildeten und diese schlussendlich in einer gewaltigen Kugel aus Feuer zu Boden gespieen wurden. Es krachte, dass die Anwesenden um ihr Gehör bangten, und als sie die eilends geschlossenen Augen wieder öffneten, war dort, wo der Feuerball niedergegangen war, ein riesiger Krater.

Sie zogen sich weiter zurück. Erst jetzt fiel Siberian auf, dass Abyssinian ein bisschen verschnürt war, und als er dessen mordlustige Augen sah, hoffte er, dass das noch möglichst lange so bliebe. Er hatte keine Lust, hier und jetzt zu sterben, nur weil Abyssinian durchdrehte. Andererseits würden sie eh nicht mehr all zulange zu leben haben, wenn sich Abyssinian nicht endlich beruhigte. Denn das war es, was Feng erzählt hatte, oder? Dass Abyssinian der Berg war, und der Berg verschloss den Hass. Oder eben nicht mehr, wie man sieht. Der Berg war ausgebrochen.

~Ein ausbrechender Berg nennt man Vulkan, Kätzchen!~

Siberian hätte fast einen Herzinfarkt bekommen. Es war so anders, diese Stimme zu hören, wenn sie einmal nicht so grundfies war. Ansonsten tat es immer weh, wenn er Mastermind in seinem Kopf hatte, doch jetzt nicht.

Er lächelte zitternd zu Mastermind, der sich offenbar wieder beruhigt hatte, doch dessen Blick lag wie festgeklebt auf dem Kraterrand. Dann sprintete er los. ~Ñagi!~

Oracle war dicht hinter ihm und Balinese schien den Ruf ebenfalls vernommen zu haben. Selbst Abyssinian traute sich die fünf Schritte näher an den Kraterrand.

Während oben im Himmel Yin und Yang gegeneinander kämpften, rutschte unten am Boden Prodigy immer wieder zurück in den Krater. Im ersten Moment verstand Siberian nicht, warum der Telekinet nicht einfach seine Fähigkeit benutzte, um da raus zu kommen, doch dann fragte er nicht weiter, als er sah, was Prodigy da mit sich herumschleppte. Der Arm des schmächtigen Jungen lag fest um Bombays Taille, der ohnmächtig zu sein schien. Prodigys verzweifelter Gesichtsausdruck setzte allen zu.

„Los, helft mir mal!“ Mastermind legte sich flach auf den Boden und robbte an den Rand des Kraters. Berserker fasste ihn an den Füssen und Balinese schloss sich ebenso an. Dann wollte Siberian sich anschliessen, aber Oracle hielt ihn zurück. „Ihr beide müsst ziehen.“ Siberian nickte, doch Abyssinian wandte sich kaltblütig ab.

Fassungslos sah Siberian ihm hinterher, während der Weissboss sich wieder an den ursprünglichen Platz zurückzog. „Dann sind wir zu kurz.“ Oracle schrie. Der Kampf wurde immer lauter und härter, und immer mehr Funken und heisse Wassertropfen regneten zu Boden. Ein paar hatten sich bereits in Haare und Haut gefressen, und Siberian hoffte, Prodigy und Bombay würden noch etwas durch halten. „Ich geh ein Seil suchen!“, schrie er zurück, doch Balinese hielt ihn auf. Auf den Fersen sitzend kaute er kurz auf seinen Lippen bevor er meinte: „Geht auch so. Aber ihr müsst mir vertrauen. Und mir nichts brechen!“ Siberian nickte, was immer Balinese forderte; um seinen besten Freund und Prodigy, sein Versäumnis da rauszuholen, würde er alles tun.

Mit einem Ruck sass er auf seinem Hosenboden, und ein Seil schlang sich um seine Körpermitte. Das Seil schlängelte sich gerade über den Rand des Kraters, als Siberian schnallte, was dieses Seil war. Er keuchte, zwang sich ruhig zu bleiben, als der Druck um seine Mitte stärker wurde, und warf leicht panisch einen Blick nach oben.

Mastermind, Oracle und Berserker standen um ihn herum, und schienen noch nicht so ganz begriffen zu haben, was denn nun vor sich ging. Als Berserker eine Hand ausstreckte (In der sich dummerweise wieder einmal ein Dolch befand) schlug Siberian panisch nach ihm. „Bleib bloss weg damit! Ich denke, er ist mit den Mustern, die er bereits hat, äusserst zufrieden!“

Mastermind grinste wieder, nicht so breit und nicht so gespielt wie sonst, und Siberian befand, dass er eigentlich gar nicht so übel aussah, wenn er nicht den Bösen spielte. Dafür bekam er von dem Deutschen noch ein keckes Zwinkern, dass ihn schlagartig rot werden liess. Er überspielte es mehr oder minder geschickt. „Helft ihr mir jetzt oder was?“, fauchte er.

Mastermind kniete sich zu ihm nieder und murmelte ein: „Natürlich! Immer gern!“ in Siberians Ohren und dieser erschauerte kurz. Dann rief er sich zur Ordnung, warf Mastermind einen bösen Blick zu und sah Oracle fragend an. Dieser nickte, ging an den Rand des Kraters, zog seine Jacke aus und legte sie unter den Körper der Schlange, schön über die Ecke des zerfransten Betons, damit sich die Haut nicht aufscheuern konnte, wenn etwas an ihr gezogen würde. Berserker setzte sich ruhig neben Siberian und legte der Schlange die Hände auf den Körper. Der Ire strahlte eine Hitze ab, welche die Schlange aufsog wie ein nasser Schwamm. Siberian konnte spüren, wie sie etwas ruhiger wurde.

„Er ist zu kurz, geh ein wenig näher ran“, raunte Mastermind leise und Siberian gehorchte ohne Wiederrede. Er robbte so nahe heran, wie er konnte und sass schliesslich am Rand des Kraters. Berserker setzte sich, wie das zu gross geratene Kind, dass er war, zwischen Siberians Beine, immer bereit zuzupacken, sollte Balinese nicht mehr können. Mastermind setzte sich hinter Siberian, und dieser kam sich etwas eingeklemmt vor. Zum Glück unterliess Mastermind weitere blöde Sprüche, dachte sich Siberian. ~Das hier ist ernst. Die Sprüche heb ich mir für später auf.~ Siberian seufzte leise. Wie auch immer, grummelte er und konzentrierte sich wieder auf Balinese.

Dieser kroch immer weiter hinunter in den Krater. Siberian staunte; sicher hatte er, wie fast jeder andere auch schon einmal, über Reisenschlangen gelesen, doch jetzt so von einer Phyton umschlungen zu werden, war etwas ganz anderes. Er unterdrückte ein Kichern. Ausnahmsweise war Balineses Körpergrösse ein wirklicher Vorteil, denn nun war auch die sonst wohl normalgrosse Schlange um einiges länger, als ihre Artverwandten. Bis zu Prodigy waren es mindestens Acht Meter, dann noch jeweils einer, um sich um die beiden Körper schlingen zu können, seinen und Prodigys. Unter zehn Metern käme Balinese heute sicher nicht mehr weg. Wie schwer er wohl war?

~He! Rutsch mir jetzt nicht in die Hysterie ab, Kätzchen!~ hörte er Masterminds ruppige Stimme in seinem Kopf. Das genügte, um wieder einigermassen nüchtern zu werden. Trotzdem, ein Teil blieb. Wenigstens war Balinese jetzt wohl endlich mal zufrieden mit seiner Figur!

Er konnte ein leises Schnauben hinter sich hören, und unterdrückte ein Kichern. Seine Schultern zitterten zwar kurz, aber sonst hatte er sich im Griff. Genau zur rechten Zeit, denn Mastermind meldete sich schon wieder bei ihm. ~Ziehen!~ Siberian gehorchte.

Zehn Minuten später, während der Kampf über ihren Köpfen immer lauter und heftig wurde, lag Prodigy neben Siberian auf dem Boden und schien Bombay gar nicht mehr loslassen zu wollen. Siberian fragte sich, wie der Junge so lange durchgehalten hatte, denn auf dessen Rücken war eine breite, blutende Wunde, die höllisch Schmerzen musste. Bombay dagegen sah aus, als wäre er unter eine Dampfwalze gekommen, um es vorsichtig auszurücken.

„Omi!“ Alles Vorsicht fahren lassend, stürzte sich Siberian auf Bombay, doch Berserker hielt ihn zurück. Erst wollte er aufbegehren, doch dann sah er, wie sich Balinese und Oracle bereits um die Beiden kümmerten. „Wir wissen nicht, welche Verletzungen sie noch haben“, sagte Oracle ruhig, und Siberian kniete sich nun wesentlich vorsichtiger neben seinen besten Freund.

Prodigy war immer noch wach. „Es geht ihm gut. Ich hab es gerichtet. Hilf mir Farf, es tut so weh!“ Der Ire lächelte auf eine Art und Weise, die Siberian vollkommen aus dem Konzept brachte, und legte eine Hand auf die Stirn und die andere auf dessen Brust. Prodigy atmete lange und befreit aus. „Danke“, sagte er mit rauer Stimme, und lächelte leicht, bevor er, sich der Anstrengung der letzten Minuten endlich ergebend, einfach einschlief.

Oracle hob ihn hoch, und Balinese tat das selbe mit Bombay, während Siberian in Berserkers Griff wieder etwas ruhiger wurde. Ein Glück hatte Siberian die Verletzungen erst gesehen, als die Beiden schon oben waren, sonst hätte er Balinese womöglich abstürzen lassen.

 

Abyssinian stand ein paar Meter entfernt, sah ihnen kalt entgegen, als sie auf ihn zu kamen. Berserker löste sich aus der Gruppe und trat auf ihn zu. Das gelbe Auge des Iren brannte sich auf Abyssinians Gesicht fest und liess selbst den sonst so kühlen und beherrschten Anführer von Weiss etwas nervös werden. Siberian war das ganze etwas ungeheuer. Während hinter ihm Prodigy und Bombay auf den Boden gelegt wurden (Hatte er es sich eingebildet, oder hatte Prodigy von ‚Papa Brad’ genuschelt? Und was hiess dann dieses Papa? ~Vater; Kätzchen. Es heisst Vater auf deutsch.~ Womit das auch wieder geklärt wäre, dachte Siberian.)

„Du hurtest Gott!“, konstatierte der Ire so bierernst, dass Siberian nicht einmal schnauben konnte. Mochte Berserker sonst etwas ausgeflippt sein, jetzt war er voll da.

Abyssinian hatte dafür aber nur ein verächtliches Schnauben übrig. Er hatte sich schneller gefangen, als Siberian. „Was weißt du schon!“, donnerte der Weissleader los, und alle Köpfe (sofern ihr Besitzer nicht schlief, hiess das) wandten sich zu ihnen um. „Ihr habt meine Schwester auf dem Gewissen! Ihr seid daran Schuld, dass ich meine Familie verloren habe!“

„Deine Schwester lebt noch, und deine Eltern waren nur ein Job und das weißt du auch. Wo liegt dein Problem?“ Berserker wieder, Siberian hätte ihm nie zugetraut, so ruhig sein zu können. ~Ihr wisst nichts über uns, Kätzchen!~ Scheint so, antwortete Siberian; doch ihr wisst auch nur wenig wirklich wichtiges über uns. Er warf Mastermind einen traurigen Blick zu, und dieser presste die Lippen zusammen. Schweigend verfolgten sie das Streitgespräch.

„Meine Schwester wird nicht mehr aufwachen! Glaubst du wirklich, ich bin so naiv? Ich warte seit mehr als zwei Jahren darauf, aber sie wacht nicht auf! Denkst du, ich bin blöd?“ Berserker schnaubte. „Und so gehst du hin und versuchst den einzigen Menschen zu töten, der ihr helfen könnte? Ich wusste nicht, dass du so verblendet bist, Abyssinian!“

Abyssinian, bereit für die nächste, schneidende Antwort, blinzelte kurz, öffnete den Mund und schloss ihn wieder. „Bitte, Aya! Mach, dass es aufhört!“, erklang Bombays schwache Stimme hinter Siberian. Dieser fuhr herum, und kniete sich sofort neben ihn. Er wollte ihn fragen, wie es ihm ginge, doch Bombays Augen waren auf Abyssinian festgeklebt. „Bitte, Aya! Beende es!“, drängte der Junge wieder. Er hatte sich hochgekämpft, lehnte schweratmend an Balineses Brust und sah den Weissleader flehend an.

Dieser starte ihn kalt an.

Bombay redete weiter. „Hast du denn nicht zugehört, als Feng uns vom Schwarzen und vom Weissen Schicksal erzählt hat? Es gibt nur eine vollkommen weisse Seele, und nur eine, die vollkommen schwarz ist. Es stimmt, du weißt, das ich es sehen kann! Selbst die neugeborenen Kinder im Krankenhaus haben eine graue Seele, sehr hell, aber nicht weiss. Aya, mach, dass es aufhört!“

Abyssinian schien immer noch nicht zu verstehen. „Sie sind böse, Bombay! Sie müssen sterben!“ Berserker schnaubte, Mastermind knurrte und Oracle schüttelte leicht den Kopf. Er hielt Prodigy in den Armen, behutsam darauf bedacht, den provisorisch angelegten Verband auf dessen Rücken nicht weg zureissen.

„Es geht nicht um gut oder böse, Aya! Es geht um hassen oder nicht hassen! Deine Seele ist fast schwarz. Da ist nur noch ein winzig kleiner Fleck in deinem Herzen der noch weiss ist. Wenn dieser auch noch schwarz wird, geht diese Welt unter! Es kann nicht nur eines geben! Es gehört immer beides dazu, sonst könnten wir es nicht mehr erkennen!“

Abyssinians Gesicht war immer noch abweisend. „Sie haben mir alles genommen, Omi. Also werde ich ihnen auch alles nehmen.“ „Aber sie haben nichts! Sie haben noch weniger als wir! Aya, bitte!“ Abyssinian schnaubte. „Spinnst du?“, fragte er voller Häme, und verzog angewidert das Gesicht.

Dann schien es, dass Berserker genug hatte. Mit einem lauten Knurren ging er auf Abyssinian los. Dieser riss die Augen auf. Immer noch gefesselt, stolperte er rückwärts. Sein Blick glitt eine Sekunde hinauf ins Inferno und er sah, wie Ankaa ihn beobachtete, mit verzweifeltem Gesichtsausdruck die Hände nach ihm ausstreckte- und etwas auf ihn zu kam.

Berserkers Hände fielen schwer auf seine Schultern, das Auge brannte sich wie ein goldener Kreisel in seine Seele und dann sah Abyssinian.

Ein Junge mit rotblondem Haar. Erst dachte er, es wäre Schuldig, doch dann fiel ihm auf, das dieser hier viel hellere Haare hatte. Sie waren wirklich mehr blond als rot und nur wenn die Sonne hineinschien, konnte er das rote Funkeln sehen.

Der Junge sass in einem Zimmer und hatte die Arme um seine Körpermitte geschlungen und schaukelte vor und zurück. Abyssinian erkannte Augen, die seltsam aussahen, ein Blau, dass kein Blau war, aber auch noch nicht richtiges Gelb, und er wusste, dass er Berserker vor sich hatte. Er wollte sich abwenden, doch er konnte nicht, war gefangen.

Jemand klopfte an die Tür und der Junge begann zu zittern. „Jey? Jey, bist du da drinn? Komm raus, es gibt Essen!“ Der Junge hob den Kopf und starrte angsterfüllt zur Tür. Sie ging auf, als der Sprecher keine Antwort bekam, und eine Frau mit angenehm dunkelblonden Haaren betrat den Raum. „Geh weg!“, sagte Jey voller Angst und Abyssinian kräuselte die Lippen. Wie es schien, war der Junge schon damals verrückt gewesen.

Die Frau blieb stehen, legte die Stirn in falten und Jey zuckte wieder zusammen. Dann kam sie weiter auf ihn zu. Je näher sie Jey kam, desto weiter versuchte er zurückzugehen. Dann, als sie vor ihm stand, schrie er auf. „Geh weg, du tust mir weh!“

Abyssinian konnte die Sorge der Frau erkennen, als sie sich niederkniete. Tatsächlich konnte er ihre Sorge spüren als wäre es seine eigene. Aber da war noch mehr. Liebe, Angst, Verständnislosigkeit, den Drang Jey beschützen zu wollen. Schwache Gefühle der Sorge, aber Abyssinian erkannte die Sorge, sie war nicht auf Jey bezogen, sondern auf die Rate für das Haus, die in zwei Tagen fällig war. Immer mehr und mehr Gefühle stürmten auf ihn herein und er konnte nicht mehr sagen, welche seine waren. Er wusste nur, dass es nicht seine waren und dass auch nicht alle dieser Frau gehörten. Da war Schmerz. Zweifellos hatte Sean sich wieder mal das Knie aufgeschlagen und Connor schaukelte und wusste nichts davon und…

Abyssinian erkannte die Gefühle von immer mehr Personen, und da Jey sie kannte, kannte er auch deren Namen. Er spürte, wie ihm heiss wurde, wie es ihn drängte, dem ein Ende zu machen und wie er, mit Jeys kindlichem Verstand, erkannte, dass er (Jey) nicht normal war und dass er besser nicht mehr lebte, weil er vom Teufel war.

Jey schrie. Die blonde Frau schrie und Abyssinian schrie. Dann war es vorbei. Nur am Rande seiner Existenz konnte er spüren, dass noch weitere Menschen mit Gefühlen existierte, doch in Jeys vertrautem Umkreis gab es keine Gefühle mehr.

Abyssinian öffnete die Augen (Wann hatte er sie geschlossen?)und sah den erstarrten Jungen, der über der blonden Frau stand und sie auf den Rücken kehrte. Abyssinian konnte einen Blick auf ihr vollkommen verzerrtes Gesicht sehen. Verzerrt von Angst und Unverständnis, sah es aus, wie die Fratze eines Dämons.

Dann wurde er mit Jey mitgezogen, als dieser die Treppe hinunter eilte, nach seinem Vater schreiend. Doch kein Vater antwortete.

Jey fand seinen Vater im Garten wo er die Beete umgraben sollte. Alles, was er fand, war ein lebloser Körper, dessen Gesicht ebenso dämonisch war, wie dass seiner Mutter. Er schrie, wandte sich ab und lief zur Vordertür. Connor musste doch noch irgendwo sein.

Erleichtert erkannte Jey (und mit ihm Abyssinian) seinen Bruder auf der Schaukel. Er lief zu ihm hin und umrundete ihn. „Connor!“ hörte Abyssinian eine klare und angenehme Stimme, doch im Gegensatz zu dem Jungen wusste er bereits, was geschehen war. Er hatte es in Kritikers Akten gelesen. Wie Berserker seine Familie kaltblütig umgebracht hatte…

Jey hob das Gesicht seines Bruders an und stolperte keuchend zurück. Der Körper auf der Schaukel, der durch die Bewegung den Halt verloren hatte, sackte nach vorne, auf den Jungen und dieser schrie wieder aus allen Lungen. Jey sprang auf und begann zu rennen. Kurz vor dem Gartentor stolperte er über irgend etwas und als er sich aufrappelte und weiter eilte, sah er zum vierten Mal an diesem Tage eine dämonische Fratze, die ihn anzustarren schien. Er schrie lauter und rannte weiter und die Erinnerung verblasste.

Abyssinian fand sich in den Strassen einer grossen Stadt wieder. Er hielt ausschau nach Jey doch kein blonder Junge war da. Stattdessen hockte vor ihm auf dem Randstein ein schmutziges Individuum, dass eher nach Afrika als hier her gepasst hätte. Wobei ‚hierher’ irgendwo in China sein musste; die Schriftzeichen der Strassenschilder waren nicht europäisch und vertraut genug, dass er daraus schloss, irgendwo in der Nähe Japans zu sein. Wenigstens annähernd.

„Verschwinde, du Ratte!“, keifte eine Alte, die mit dem Besen auf den kleinen Jungen (der in Wirklichkeit überhaupt nichts afrikanisches aufwies) einschlug. Der Junge hob ruckartig die Arme und die Alte flog in die Mülltonnen an der Ecke und Abyssinian wusste, wen er vor sich hatte.

Aber Prodigy sah überhaupt nicht so aus, wie er ihn gewohnt war! Er konnte nicht sagen, wie alt der Junge war, doch welches Alter er auch immer hatte, als er die Augen verängstigt auf seine Hände und dann auf die Alte richtete, schien er sowieso noch um Jahre jünger. Nagi (das hier war beim besten Willen nicht Prodigy!) rannte los, durch Seitengassen und Strassen immer tiefer in die Stadt hinein. Er kam an Orten vorbei, die Abyssinian nicht einmal dem ärmsten Bettler zugemutet hätte und kam schliesslich vor einem zum Abriss bereitstehenden Gebäude zu halt. Bevor der Junge klopfen konnte, wurde die Tür aufgerissen.

„Ich wusste, dass du kleines Arschloch wieder zurück kommst! Das tust du doch immer, nicht wahr?“ Abyssinian und Nagi traten über die Schwelle und kaum war die Tür hinter ihnen zu, fing sich Nagi eine schallende Ohrfeige. „Damit du es dir nächstes mal noch einmal überlegst! Du bist nichts wert, kein Mensch würde dich wollen!“ Wieder eine Ohrfeige. Der kurze bullige Kerl, der Nagi so ‚freundlich’ begrüsst hatte, stiess den Jungen den Flur entlang, schimpfend und immer wieder Ohrfeigen verpassend, schlug er Nagi von der einen Wand zur anderen. Dann betraten sie einen Raum, der sich als Küche erwies, und der Bullige stiess Nagi vor den Herd. „Ich hab Hunger, und wenn es nichts ordentliches gibt, setzts was, verstanden?“ Nagi nickte und machte sich an die Arbeit. Der Bullige entfernte sich. Abyssinian sah sich Nagi genauer an.

Er wusste wieder, wie alt der Junge ungefähr war. Hier war er acht oder neun. Das war die Zeit, die Kritiker als ‚Xi Quing Tan’- Zeit bezeichneten. Nagi hatte fast zwei Jahre bei dem Mann zur Untermiete gelebt, bevor er das Haus einstürzen liess und den Mann darunter qualvoll sterben liess. Doch so, wie Abyssinian sich dass hier ansah…

Dann blendete alles aus, und als wieder ein Bild vor seine Augen trat, hielt er bereits Ausschau nach dem Deutschen oder Oracle, doch er war noch immer in der selben Küche. Es war sogar noch der selbe Tag, denn das Blut troff immer noch aus der selben Wunde in Nagis Gesicht.

Ein Schrei ertönte, und Schritte stapften immer näher. Nagi verkroch sich in einer Ecke und hielt sein Gesicht bedeckt. Abyssinian konnte fühlen, wie es knisterte, als der Bullige durch die Tür trat und den Rahmen derselben komplett ausfüllte. Der Bullige stapfte weiter auf Nagi zu, griff ihn an den Haaren und schleifte ihn quer durch die Küche zum Herd.

„Das soll essbar sein? Da ist zu viel Salz drinn, du Idiot! Viel zu viel! Kann man dich nicht eine Minute alleine lassen? Du elendes, nichtsnutziges Balg, du! Warte nur, dafür bekommst du eine Strafe, die sich gewaschen hat!“

Nagi zitterte. Scheinbar schien er zu wissen, was der Bullige meinte, denn er bettelte flehentlich doch bitte nicht diese Strafe. Jede andere, aber nicht diese… Es nutzte nichts. Der Bullige zog den Gürtel aus der Hose, riss Nagi das Hemd vom Leib und legte ihn mit dem Bauch auf den Tisch. Dann schlug er zu, immer und immer wieder.

Hatte Nagi vorher auch gebettelt, war nun kein Wort von ihm zu hören. Abyssinian ging näher und versuchte zum erstenmal direkt ins Geschehen ein zugreifen, doch dies war ihm verwehrt. Dafür konnte er mit ansehen, wie der Bullige immer mehr in Rage geriet, weil Nagi nicht schrie. „Das gefällt dir, du kleine Schlampe? Bist du deswegen so still?“

Abyssinian schluckte. Der Bullige würde doch nicht…

Doch er tat. Nagis Hosen, die eh nur aus ein paar Flicken bestanden, gaben ganz einfach nach, als der Bullige an ihnen zerrte, und dessen eigene Hosen schlackerten kurz darauf um seine Knöchel. Der Bullige fingerte mehrere Minuten an sich selbst herum, bis er selbst hart genug war, bevor er sich an Nagis Eingang postierte.

Abyssiniany kaute auf den Lippen. Er versuchte immer noch, das Böse in Jey und Nagi zu sehen, doch es gelang ihm nicht. Er sah, wie Nagis Augen aufflogen, als dessen Hosen zerfetzt wurden und wie sein Gesicht ängstlich wurde. „Nein!“, quetschte er hervor, doch es war zu leise, als dass der Bullige es gehört hätte. Abyssinian bezweifelte eh, dass er darauf gehört hätte.

Während der Bullige sich an Nagi rieb, spürte Abyssinian das Knistern der Luft und als der Bullige in Nagi eindringen wollte, ballte sich alles um diesen zusammen. „Nein!“, schrie Nagi laut und angsterfüllt, und die Küche explodierte förmlich: Kochtöpfe flogen herum, trafen den Bulligen am Kopf, Essstäbchen flogen durch den Raum, dicht gefolgt von den Schubladen, in denen sie aufbewahrt worden waren. Die Stäbchen spiessten sich in die Augen des Bulligen, bohrten sich mit solcher wucht in dessen Genitalien und in andere Körperteile, dass sie darin stecken blieben und kleine, starkblutende Wunden verursachten.

Dann begann das Zittern. Erst dachte Abyssinian, dass es seine Beine wären, doch dann begann der Putz von der Decke zu rieseln. Mit einem lauten Aufschrei explodierte die geballte, knisternde Energie um Nagi und das Haus knirschte. Es fiel langsam, aber beständig. Nagi hatte genug Zeit, die Hose des Mannes zu raffen und hinaus zu eilen. Mit schreckengeweiteten Augen sah er zu, wie der Haus zusammenbrach, während er die Hose überzog. Dann, und dafür war Abyssinian beinahe dankbar, trat ein grimmiger Ausdruck auf Nagis Gesicht. ‚Der hats nicht anders verdient’ schien Nagi sagen zu wollen, doch da verdunkelte sich seine Sicht bereits wieder.

Beim nächsten Erwachen fühlte er sich komisch. Fische schwammen vor ihm, während er mit ansah, wie ein kleiner, rotblonder Junge angeschrieen wurde. Das musste Schuldig sein, denn die Mähne war viel leuchtender als diejenige von Jey.

„Alexander, das lasse ich dir nicht durchgehen!“ „Aber Cecily hat doch auch…“ „Lüg hier nicht so herum!“, fuhr ihn der Mann an. Eine Frau im Hintergrund beruhigte ein kleines Mädchen, dass Sch… Alexander schmollend ansah.

Abyssinian wusste, das Alexander nicht log. Dieser Junge dort war nicht Schuldig, dass war Alexander. Wie auch immer aus diesem Schuldig geworden war, jetzt war es noch nicht soweit. Er wusste, dass Alexander den Apfel nur genommen hatte, weil Cecily unbedingt einen haben wollte. Und er konnte fühlen, wie das Unverständnis und die Ungerechtigkeit immer mehr an Alexander nagten.

Die Fische schwammen wild umher, während der Mann und die Frau verblassten. Das blonde Mädchen aber blieb. „Ich hab dir doch gesagt, dass Mutti und Vati mich viel lieber mögen als dich!“

Abyssinian stutzte. Wie alt war die Kleine? Fünf, allerhöchstens sechs. Und dabei schon so ein Satansbraten? Na vielen Dank auch!

Alexanders Gesicht verfinsterte sich. „Das werde ich dir heimzahlen!“, nuschelte er, und die Schwester verschwand ebenso. Die Fische führten einen wilden Tanz aus, und jetzt erst begriff Abyssinian dass er in Alexanders Traum gefangen war. Die Fische zogen ihn und den Jungen durch eine Wohnung in ein Zimmer, in dem ein kleines Mädchen tief und fest schlief. Fasziniert beobachtete Alexander (und Abyssinian), wie die Fische durch Cecilys Ohren, Mund und Nase tanzten. Dann hallten wieder einmal Worte seiner Schwester im Ohr. Andere Worte, nicht von heute, aber genauso schneidend und bleibend.

„Ich hab dir doch gesagt, dass du nicht normal bist! Du hast immer angst, weg zu gehen. Du hast Angst vor Menschen! Das ist kindisch!“ Und wie er angst hatte vor Menschen! Alle redeten auf ihn ein, obwohl sie ihren Mund nicht öffneten. Sie redeten einfach und er konnte es nicht abstellen! Und Cecily war schuld. Es hatte erst begonnen, nachdem sie zur Welt gekommen war. Vorher hatte er nie andere Stimmen in seinem Kopf gehört! Sie war schuld!

Oh, wenn sie sie doch auch einmal hören könnte! Oder solche Angst hätte!

Ceciliy schlug die Augen auf und fasste sich an die Kehle. Dann fuhr eine Hand weiter zum Kopf und krallte sich in die blonden Haare. Sie warf sich auf dem Bett umher, gab aber keinen Ton von sich. Angst lag in ihren Augen und Alexander kämpfte die Furch in sich hinunter. Das hier, das wusste er, war nur ein Traum. Hier konnte er tun und lassen was er wollte.

Cecily lief blau an und erschlaffte plötzlich. Aus ihren Ohren, ihrer Nase und den Augenwinkeln rann langsam aber stetig hellrotes Blut. Es war, als würde sie weinen. Alexander befand es als schönen Anblick, irgendwie. Das Rot auf ihrer weissen Haut und in den blonden Haaren. Das hier war gut, es tat ihr nicht weh und sie würde es nie erfahren.

Er liebte Cecilcy, aber sie hatte ihm die Stimmen gebracht und ihm die Aufmerksamkeit seiner Eltern gestohlen. Alexander wandte sich ab. Gleich würden die Fische ihn wieder umschwirren, mit ihm tanzen und ihn zum Lachen bringen. Und dann würde er mit ihnen schwimmen, bis er wieder aufwachte und alles war so wie immer. Er hatte diesen Traum schliesslich nicht zum ersten Mal geträumt.

Ein gellender Schrei vertrieb die Fische, und Abyssinian stand plötzlich neben Alexanders Bett. Die Fische waren weg und er wusste, dass sie beide nun wieder in der Realität waren, in Alexanders Realität.

Wieder der Schrei. Alexander stand auf und eilte hinunter um nachzusehen, was denn passiert wäre, und fand seine Mutter und seinen Vater bei Cecily. Mit einem komischen Gefühl im Magen trat er näher und erstarrte. Abyssinian konnte verstehen warum.

Cecily lag dort und weinte blutige Tränen. Die Augen waren sperrangelweit offen und blickten anklagend zu Alexander, als ob sie wüsste, dass er da wäre. Aus Ohren und Nase lief Blut, wie in Alexanders Traum, und Abyssinian konnte die dämmernde Erkenntnis in dessen Augen sehen.

Dann ging alles sehr schnell. An Abyssinian zog eine Beerdigung vorbei, dann eine Frau, die von der Decke hing. Er erkannte Alexanders Mutter und sah auch, dass es der Junge gewesen war, der sie gefunden hatte. Er sah eine zweite Beerdingung, im Abstand von etwa einem halben Jahr, denn die grünen Sprossen waren bunten Blättern gewichen.

Er sah, wie der Vater zu trinken begann, wie er irgendwann einmal die Hand gegen Alexander erhob, sich danach entschuldigte und es aber doch nicht lassen konnte. Immer öfter war Alexanders Körper blau und sein Vater am trinken. Irgendwann, Alexander sah etwa zwölf aus, doch er war verhärmt, so dass er wahrscheinlich noch jünger war, wurde die dritte Beerdigung gefeiert. Der Vater war im betrunkenen Zustand über den Haufen gefahren worden.

Dann endete Alexanders Erinnerung, und Abyssinian wünschte sich eine Wand zum Abstützen. Ihm war schlecht, und seine Beine wollten nachgeben. Sosehr er auch versuchte, in Schuldig immer noch einen kaltblütigen Mörder zu sehen, es gelang ihm genauso wenig, wie bei Prodigy und Berserker. Kam jetzt Oracle? Er war der letzte, der noch fehlte. Doch was konnte man mit seiner Gabe schon falsch machen? Damit konnte man die Menschen doch retten! Oder?

Er schlug die Augen auf, und war direkt in einer Vision von Oracle. Ein Junge mit freundlichem Gesicht winkte die Strasse hinunter, auf der ein Auto davon fuhr. Er wandte sich um und freute sich, denn, was seine Mutter noch nicht wusste, war, dass sie im zweiten Monat schwanger war. Sie würde es in den nächsten zwei Monaten herausfinden und er freute sich auf seine Schwester Dana.

Ein Quietschen ertönte und der Junge fuhr herum. Das Auto, dem er eben noch nach gewunken hatte, prallte mit voller Fahrt gegen den Stützpfeiler der Eisenbahnbrücke, die schon seit Jahren hätte abgerissen werden sollen. Es ging in Flammen auf, und noch bevor Bradley zu laufen begonnen hatte, wusste er, dass seine Eltern und seine Schwester tot waren.

Bradley wachte auf, und Abyssinian fühlte sich erfreut. Es war eine Vision, also war es noch nicht so weit. Es war noch nicht passiert und es würde auch nicht passieren, denn Oracle wusste es ja jetzt, also konnte er es verhindern.

Der Junge mit dem freundlichen Gesicht, das Abyssinian einige Mühe bereitete, zu erkennen, dass es tatsächlich Bradley Crawford war, sprang aus seinem Bett und stürzte hinunter ins Zimmer.

Was nun folgte, zermürbte Abyssinian genauso, wie es Bradley zu zermürben schien. Der Junge liess keine Möglichkeit aus, seine Eltern dazu zu bewegen, ihren geplanten Ferienausflug in die Rockys zu verschieben oder ganz abzublasen. Egal ob er krank wurde, ihnen sagte, dass er bedenken hätte, alleine zuhause zu bleiben, nichts schien zu funktionieren.

Einzig und allein die Tatsache, dass Bradley ‚unglücklich fiel’ und sich ein Bein brach, einen Tag bevor die Reise hätte starten sollen, rettete den Beiden ihr Leben.

~Denkst du, Kätzchen?~ Wie es schien, war der Tripp in die Vergangenheit langsam zu ende. Abyssinian atmete erleichtert auf. ~Seine Eltern gingen ihn besuchen und auf der Heimfahrt stiessen sie mit einem Betrunkenen zusammen, zehn Meter vom Parkplatz des Krankenhauses entfernt. Er hat es vom Fenster aus gesehen. Der Wagen ging in Flammen auf.~

Abyssinian schloss gepeinigt die Augen. „Und du denkst, du bist arm drann?“, ertönte Berserkers raue Stimme. Der Weissleader sank in die Knie und griff sich an den Kopf. „Hört auf, hört auf!“, wieder holte er, bis seine Stimme immer lauter wurde. Schliesslich schrie er es.

Die anschliessende Stille war erschlagend.

Es dauerte einige Minuten, bis Abyssinian wieder hochsah, weil er den Lärm des Kampfes vermisste. Er sah zu, wie der Krater sich schloss, wie die zerstörten und niedergebrannten Gebäude wieder instand gesetzt wurden und wie der Platz wieder so wurde, wie er einmal war. Und mitten drinn in diesem Chaos standen Ankaa und Rastaben, Hand in Hand, und lächelten ihm zu. Abyssinian senkte beschämt den Kopf. „Ich habs kapiert“, nuschelte er leise, und das Lächeln verbreiterte sich.

Während sich die Beiden ihnen näherten, wurden sie immer mehr und mehr zu einer Gestallt, und als sie schliesslich neben Nagi in die Knie gingen, war aus dem Schwarz und dem Weiss ein Grau geworden, dass beide Farben in perfekter Mischung vereinigte. Sie richtete Nagi auf, bis er sitzend an Crawford anlehnte, und legte ihm anschliessend die Hände auf den Rücken. Ein Glimmen und Leuchten ging davon aus, und Nagi stöhnte leise, bevor er sich aufbäumte und dann kraftlos in Crawfords Arme fiel. Dann war Omi an der Reihe. Der Junge lächelte schwach und seine Augen glänzten fiebrig. „Hat ja ganz schön lange gedauert“, murmelte er.

Ankaa, oder war es jetzt Rastaben?, lachte und nickte. „Aber es hat sich eingerenkt, nicht wahr?“ Omi nickte, bevor er des Gesicht verzog, „Das nächste Mal mit weniger Blessuren, wenn’s geht!“, murrte er, und Ankaa lachte wieder.

Er wurde von Ken misstrauisch beobachtet. Inzwischen hatte dieser verstanden, dass das Mädchen in seinem Traum kein Mädchen sondern Feng gewesen war. Doch wer war das jetzt? Es schien, dass das Mädchen (Oder war es jetzt ein Junge?) seine Frage voraussah, denn während sie Omis Blessuren heilte, wandte sie ihre Worte an Ken. „ich bin Hakari, die Waage. Aber ich bin ein Junge, Ken! Also schau nicht so misstrauisch!“ Schuldig lachte leise. „Er ist seit neuem bei allem misstrauisch, was seine Gedanken lesen kann!“ Seine Augen funkelten zu Ken und dieser schnitt eine Grimasse, während er den wieder hergestellten Omi zu sich zog und ihn an sich presste.

Schuldig wiederum sass auf dem Hosenboden und hatte Nagi im Arm. Crawford sass daneben und schälte gerade eben den Verband wieder ab, als dieser die Augen aufschlug. „Na, wieder unter den Lebenden?“, scherzte Schuldig und Nagi hustete. „Ich fühl mich, als wäre ein Bär auf mich getreten!“, jammerte Nagi, und diverse Augen schossen zu Balinese. „Hey, ich wars sicher nicht!“ Dabei zog er ein so empörtes Gesicht, dass es nur Sekunden dauerte, bis Schuldig in Gelächter ausbrach. Ihm folgte Yohji, Omi und Nagi. Selbst Farfarello lachte, es klang etwas gruselig, aber es war ein ehrliches Lachen. Ken lächelte leicht und schüttelte den Kopf, und Crawford warf ihm einen Blick zu, bevor er die Bewegung imitierte, auch mit einem Lächeln, aber doch noch ein wenig besorgt.

Yohji war der erste, der sich wieder beruhigte. Er, Ken, Aya und Crawford bekamen gerade noch mit, wie Libra lächelnd einfach verschwand. Yohji runzelte die Stirn und sah Crawford lange an. Dieser wartete geduldig, bis der Weis mit einer Frage herausrückte. „Und jetzt back to bussiness?“

Omi wurde mit einem Schlag ernst. So schnell, wie er bei Nagi war, und den in den Arm genommen hatte (so dass sie jetzt zu zweit in Schuldigs Armen lagen) konnte Ken gar nicht gucken. Etwas misstrauisch bewachte er Schuldig, damit dieser auch ja keinen Mist machte, doch der Deutsche grinste ihm nur zwinkernd zu.

„Ich werde auf keinen Fall mehr gegen Nagi kämpfen!“, konstatierte Omi, bevor Ken Schuldig etwas passendes an den Kopf werfen konnte. „Schliesslich hat er mir das Leben gerettet!“ Aller Augen waren nun auf den Beiden und Omi nickte. „Sicher!“

~Ja, nachdem du ihm das Leben gerettet hast, Kätzchen!~ Schuldig grinste, als Omi sich hastig herum drehte. Der Weiss warf dem Schwarz einen warnenden Blick zu und dieser grinste noch breiter. ~Aber meine Lippen sind versiegelt!~, beteuerte er, und wirklich schien das Gespräch nur zwischen Omi und Schuldig statt zu finden.

„Ich denke nicht, dass es jetzt so einfach werden wird, einfach wieder weiter zu machen“, meldete sich Yohji, bevor er frech zu Crawford hinüberlinste. „Was denkst du, Crawford? Was siehst du?“ Der Schalk blitzte in seinen Augen, schien vom Oracle aber abzuprellen. Der richtete sich die Brille. „Dass wir schnellstens von hier weg müssen. Die Polizei kommt in einer halben Stunde.“ Yohji zog einen Flunsch, war aber zufrieden, als Crawford sich an Omi wandte. „Was denkst du, Bombay? Werdet ihr uns assimilieren?“

Nagis leises Schnauben war zu hören. „Warum kann er nicht ‚ aufnehmen’ sagen?“, brummte der Teen, und Omi guckte ihn streng an. „Weil er dein Dad ist“, flüsterte er nur für Nagi hörbar zurück. Der wurde rot, und nickte. Besser, er sagte nichts mehr dazu.

„Schwarz wird nicht assimiliert, weil Weiss hiermit aufgelöst wird. Ich habe heute früh mit Manx gesprochen: Wir werden ‚pensioniert’, wenn wir es schaffen, Schwarz für Kritiker aus dem Weg zu räumen. Wie hat sie nicht gesagt!“

Ken starrte ihn ungläubig an. „Und du glaubst, dass akzeptiert sie?“ Omi grinste verschmitzt. „Natürlich nicht! Darum ist der Zusatz ‚die Art und Weise ist dem Team Weiss überlassen’ ja auch das wichtigste Stück in dem Vertrag, den ich heute Mittag unterschrieben hab. Keine Sorge, alles perfekt geregelt.“

Zu sagen wer mehr geschockt von der Raffinesse des jüngsten Weiss war, war schlichtweg nicht möglich. Schuldig pfiff anerkennend, und Yohji hob eine Augenbraue. Crawford nickte zustimmend und Ken stand einfach nur der Mund offen. Das bewies wieder einmal, warum Omi die Einsätze plante, und nicht er! ~Wie Recht du hast, Kätzchen!~ Schuldig grinste und Ken ersparte sich eine Antwort, Schuldig hätte ja sowieso gekontert.

„Gut, dann denke ich, sollten wir gehen.“ Crawford erhob sich und rief sein Team zu sich. Omi erhob sich ebenfalls, schwankend zwar, aber er bestand darauf, selbst zu laufen. Auch wenn Ken ihn stützte. Zu siebt gingen sie zum Lieferwagen, nachdem man sich geeinigt hatte, Nagi und Farfarello gleich mit Weiss mit zu schicken.

Auf halbem Wege fiel Omi auf, dass da jemand fehlte. „Geht schon mal vor, ich komme gleich.“ Ken sah ihn prüfend an, bevor sein Blick zurückschweifte. Er nickte. „Bring ihn mit“, sagte er leise, und Omi nickte fest. „Keine Sorge! In Zukunft wird er mitspielen, auch wenn er nicht will!“ Mit vorsichtigen Schritten ging Omi zurück zu Aya.

„Kommst du?“ Der Weissleader sass an der Mauer einer Lagerhalle und starrte in den Himmel hinauf. „Wozu?“, fragte er verwundert. Omi lächelte. „Du gehörst dazu, auch wenn du nicht willst, weißt du?“ Man, wie konnte ein einziger Mensch nur so verbohrt sein? Aber als er das unsichere Lächeln Ayas sah, wusste er, dass der Hase mal von wo anders kam. Er setzte sich etwas umständlich neben Aya.

„Schau mal, Aya, wir sind dir nicht böse. Yohji Ken und ich, wir hatten schon länger das Gefühl, dass Weiss nicht mehr dass ist, was uns alt werden lässt. Wir wollten schon lange einfach nur unser Leben leben. Sicher, dieses ganze Trara mit dem Schwarzen und dem Weissen Schicksal ist eine blöde Angelegenheit, aber sieh es einmal positiv.“ Omi sah Aya an, dass er nicht verstand, worauf er hinaus wollte. Er grinste.

„Das eben war nur eine Warnung. Du hast eine Warnung bekommen, und hast dich richtig entschieden, jetzt musst du nur noch dazu stehen. Wir sind dir nicht böse. Okay, du warst ein unausstehlicher, gefühlloser, unmöglicher Eisklotz, aber du bist unser Eisklotz und wir geben dich nicht her. Du bist unser Freund, gehörst zu unserer kleinen Familie.“

Omi war sich nicht sicher, ob er Aya hatte begreiflich machen können, dass er jetzt gefälligst den Hintern heben und mitkommen sollte, aber der Kampf, der sich auf Ayas Gesicht abspielte, zeigte, dass dieser wenigstens darüber nachdachte.

Aya dachte nach. Er hatte sich längst entschieden. Wenn Weiss, seine Familie ihn noch wollte, dann würde er alles tun. Aber dass sie es ihm so einfach machten? Geschlagen lehnte er seinen Kopf gegen Omis Schulter und atmete ein paar Mal zitternd ein und aus. Nein, er würde jetzt nicht vor Dankbarkeit losflennen wie ein kleines Kind! Er brauchte seine Kraft schliesslich noch, um Omi und sich selbst zum Lieferwagen zurück zu bringen.

 

„Na los, Schuldig. Tu, was du tun musst“, forderte Crawford den Deutschen auf, während er sich um Nagi kümmerte. (Es war ein wenig so, als würde Nagi auf Klassenfahrt gehen, ob wohl sie sich höchstens drei Stunden nicht sehen würden.) Schuldig starrte ihn zuerst irritiert an, bevor er einen Seitenhieb von Ken bekam. „Was ist denn los? Der grosse Telepath weiss einmal nicht sofort, was von ihm verlangt wird?“ „Ach halt die Klappe!“, konterte Schuldig nicht gerade einfallsreich, bevor sich sein Gesicht aufhellte. „Komm, Kätzchen, du kannst mir helfen!“ Er grinste breit und Ken wich vor ihm zurück. „Ich denke nicht einmal im Traum daran“, beteuerte Ken, doch Schuldig lachte. „Ich kenne deine Träume, Hidaka!“, drohte der Telepath und Ken wich noch einen Schritt zurück.

„Schuldig, lass das Kasperltheater und mach endlich!“ Schuldig verdrehte die Augen, murmelte etwas von ‚ Spassverderber’ und ‚Sklaventreiber’ bevor er Ken resolut bei der Hand packte und sich an den Lieferwagen anlehnte.

Ken wollte erst protestieren, bevor er Schuldigs konzentrierten Gesichtsausdruck bemerkte. Es vergingen einige Minuten, während derer Schuldig und Ken von den anderen wachsam gemustert wurden. Schliesslich lief ein Zucken durch den Telepathen und er schlug die Augen auf. Leicht vernebelt sah er aus der Wäsche, bevor er sich auf Ken abstützte. „Man, war die weggetreten!“ Und dann erst verstand Ken. „Aya?“ „Ja.“ Er nickte verstehend. „Und?“, wollte er nach einer Weile wissen.

Crawford gab ihm die Antwort, während Schuldig nahe dran war, seinen kopf gegen den Lieferwagen zu schlagen, weil er so höllisch weh tat. „Farf, hilf mir mal!“, quengelte der Telepath und Ken dachte einmal mehr; Der ist wie Yohji!

„Wir müssen ein zweites Bad anbauen, wenn die in Zukunft bei uns wohnen!“ Er seufzte tief, während Yohji ihn perplex anstarrte. „Daran hab ich bereits gedacht! Sollte alles wie geplant verlaufen, was es zwar höchstwahrscheinlich nicht tun wird, werden wir Ende Monat in ein grösseres Haus einziehen wo jeder seine eigene kleine Wohnung mit Schlafzimmer, Bad und Wohnzimmer hat. Und ja, Yohji, ein grosses Bad, mit Wanne!“ Dass Schuldigs Augen genauso leuchteten, wie die von Yohji registrierte der frisch dazugekommene lachend.

„Aya, schalt dein Handy ein“; kam Crawfords ruhige, monotone Stimme, bevor er sich an Omi wandte. Er sah den Jüngeren abschätzend an, bevor er ein minimales, dünnes Lächeln sehen liess. „Deine Voraussicht ist beeindrucken, Omi!“, zündete er, und Omi verneigte sich. „Das Kompliment kann ich nur zurück geben, Mister Crawford!“ Angesprochener sah aus, als hätte er in eine Zitrone gebissen. „Das Mister lass mal schön weg, und Schuldig ich warne dich!“

„Ach Braddy, du verstehst einfach keinen Spass!“, maulte Schuldig, und Crawfords Gesicht verdüsterte sich. „Wenn wir umgezogen sind, wird Schuldig die erste Woche mit Geschirrspülen eingeteilt“, sagte er fest und Schuldigs Grinsen zerkrümelte. „Aber das kannst du doch nicht tun!!“, jammerte er, doch Crawford blieb unerbittlich. „Wir sollten fahren, die Polizei komm in fünf Minuten. Nehmt die Lieferantenzufahrt, dort werden sie euch nicht kreuzen.“ Er nickte zum Abschied und zog Schuldig hinter sich her, der ihm immer noch die Ohren voll jammerte.

„Also langweilig wird uns in der nächsten Zeit garantiert nicht!“ Yohji grinste übers ganze Gesicht, und Ken schüttelte den Kopf. „Wurde es mit dir auch nie!“, grummelte er auf dem Rücksitz neben Nagi, der vorsichtig lächelte. Omi grinste breit.

„Mit dir auch nicht!“, meldete sich, zur Überraschung aller, Aya vom Fahrersitz. „Was denn? Ist doch wahr!“, verteidigte er sich, als er von allen Seiten verwundert gemustert wurde. Farfarello kicherte. „Und lustig wird’s auch!“

 

Als sie zuhause zur Tür hereinkamen, standen Crawford und Schuldig schon auf der Matte. Ken wollte bereits fragen, wie das sein konnte, da sie selbst ja fast zwei Stunden gebraucht hatten bis hier her, doch als er Schuldigs erwartungsvolle Augen und dessen breites Grinsen sah, schaltete sein Gehirn schneller als üblich. „Vergiss es, Schuldig! Ich werde nicht fragen!“, sagte er, als er die Tür ins Schloss warf. „Ach komm schon! Warum nicht?“ Ken verdrehte die Augen. „Ich bitte dich! Ein Orakel und ein Gedankenleser im Strassenverkehr? Wie viele rote Ampeln hattet ihr?“

Crawford richtete mit einem gut getarnten Lächeln (Schuldig bekam mal von jemand anderem als ihm was eingebremst!) und antwortete maliziös: „Keine.“ Ken nickte demonstrativ und Schuldig grummelte.

Es klingelte. „Aya, dein Handy!“ Etwas scheu und zurückhaltend kam der Rotschopf in das Wohnzimmer und steuerte die Garderobe an. Dort, im Mantelsack fand er sein Handy. Schuldig grinste breit, als er Crawfords leichtes Nicken auf seinen eigenen, fragenden Blick bemerkte.

Aya hob ab, lauschte lautlos und sein Gesicht wurde immer weisser, bevor er in ein riesiges Grinsen ausbrach. Er hängte mit einem schnellen und lauten „Danke“ auf und verstaute das Handy wieder in der Manteltasche, bevor er diesen überwarf. Rasch schlüpfte er in die Schuhe. „Ich muss noch mal weg!“, rief er mit heller, klarer Stimme, die die Anwesenden fast von den Socken haute.

„Aya, was ist los?“, rief Omi besorgt, während er Kaffe machen ging. Aya kam noch einmal ins Wohnzimmer und stand dort unsicher bevor er wieder zu grinsen begann. „Aya-chan ist wach!“, sagte er leise, aber seine Stimme schien vor Glück zu vibrieren.

Dann tat er etwas total unerwartetes: Er durchquerte den Raum mit drei grossen Schritten, fiel Schuldig um den Hals und flüsterte ein heiseres „Danke!“ bevor er sich abwandte. Vom Flur aus rief er: „Es wird heut später! Wartet nicht auf mich!“ und weg war er.

 

„Was war das?“, fragte Schuldig etwas deppert, bevor Omi breit lächelte. „Das war Ran!“, sagte er beinahe stolz, und dann war es eine Weile still, bevor sich Yohji meldete.

„Hat der Gute auf die Uhr gekuckt? Von wegen auf ihn warten! Es ist zwei Uhr Morgens!“ Als er danach ausgelacht wurde, verzog er das Gesicht und war nicht gerade hilfreich für die andern, die sich darüber gar nicht mehr beruhigen konnten.

Omi rief sich Rans Gestallt ins Gedächtnis, wie er dort an Schuldigs Hals gehangen hatte. Dann sah er einen nach dem anderen an. Er seufzte leise. So war es doch schon viel besser!

Okay, Ran war noch nicht so hellgrau wie Yohji oder Ken oder er, er war immer noch dunkler als die ehemaligen Schwarz. Aber Omi konnte mit jeder Stunde mehr helle Flecken auf dessen Seele sehen. Und jetzt, nachdem Aya-chan wieder wach war, würden diese sicher explodieren!

Neben sich hörte er mit einem Male leise Schnarchgeräusche. Während über sein Sinnieren die anderen bereits einige Gesprächsthemen heraussuchten, über die man gefahrlos sprechen konnte, war Nagi an Omi gelehnt einfach eingeschlafen. Lächelnd sah Omi hoch in Crawfords Augen, in denen er so etwas wie Anerkennung las.

Als immer mehr von ihnen zu gähnen begannen, jagte Omi sie in die Betten. Farfarello legte sich freiwillig auf die durchgesessene Couch. Warum, dass wollte Omi jetzt mal nicht wieder holen, aber es liess sich auch ganz einfach erraten. Er selbst kroch zu Ken ins Bett, der dafür eine wackelnde Augenbraue von Schuldig ‚geschenkt’ bekam. Crawford gab sich damit zufrieden, mit Nagi in Omis Zimmer zu nächtigen, während Yohji und Schuldig sich dessen luxuriöse Spielwiese teilten. „Nicht grabbeln!“, warnte Yohji;“ ich bin glücklich liiert! Grabbeln kannst du bei Ken!“ Welcher promt wieder rot wurde. „Yohji!!“ Der lachte nur, bevor er sich ins Bad verzog.

Eine Weile später lagen alle zufrieden in ihren Betten (Crawford schwor sich, nie wieder im Bett eines Teens zu übernachten! Das war einfach viel zu kurz!). Leise Schnarchgeräusche kamen von Ken und Omi starrte mit offenen Augen ins Dunkle. Er lächelte leicht, und dachte an Fengs Worte.

‚Bisher siegte die Liebe.’

 

Ende

 

(*) Sollte jemandem dieses Zeitfeld bekannt vorkommen,: Es gehört nicht mir! Es stammt aus einer Heftserie namens ‚Der Hexer’ in deren Geschichte H.P. Lovecraft ein Time-Master der Templer war und den Hexer mit einem solchen Zeitfeld vor seinem Tod geschützt hatte, bis Viktor Frankenstein ihn wiederbeleben konnte.

 

, fiel vornüber auf die Knie und erbrach sich beinahe. Ankaa stand drohend über ihm und dennoch wusste er, dass ihm keine Gefahr drohte, noch nicht. Ankaa schien auf etwas zu warten, doch Bombay schüttelte nur den Kopf. „Das habe ich nie gewollt!“ Seine Stimme klang wie Sandpapier, dass über Stein raspelte. Ankaa nickte ihm knapp zu, und zog ihn dann auf die Füsse. „Dass weiss ich“, sagte er sanft und ging dann hinter Siberian und Balinese her, die Abyssinian in ihrer Mitte stützten.