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Anders als geplant

Anders als geplant

„Das ist doch alles Mist”, brummte Jack und drückte wieder auf den Knopf. Kam denn nur Müll im Fernsehen? Da hatte er mal einen Abend frei und wollte sich einen gemütlichen, ruhigen Fernsehabend machen und was war? Es kam nichts Gescheites in der Kiste. Eklige Liebesschnulzen, die er nicht sehen wollte und Werbung. Wieder wurde ein Knopf gedrückt und wieder und wieder und Jacks Laune bewegte sich auf ihren Tiefpunkt zu, als sein Finger mitten in der Bewegung inne hielt.

Wow, was für ein geiles Teil!

Das absolute Traumbike!

Automatisch rückte Jack vor, damit er besser sehen konnte, aber es war nicht auszumachen, welche Marke es war, denn es schien erst nur eine Designstudie zu sein. Genau so hatte er sich sein neues Bike vorgestellt. Das, was gerade im Angebot war, sagte ihm gar nicht zu, aber dieses Sahneteilchen würde er sofort nehmen. Aber das würde doch sowieso nicht gebaut. Das war echt schade, denn für so ein Bike würde er so ziemlich alles hergeben.

„Für dich würde ich, ohne zu zögern, meine Seele verkaufen”, murmelte Jack leise und nahm sich seine Bierflasche, allerdings prustete er seinen Schluck Bier erschrocken in die Luft, als neben ihm auf dem Sofa auf einmal eine Rauchwolke wirbelte und ein kleiner Blitz ihn traf. Alarmiert rückte er zur Seite und starrte auf diesen grauen Wirbel und kniff einmal die Augen zu, als sich nach und nach darin eine Gestalt abzeichnete.

Sich die Stelle am Arm reibend, wo ihn der Blitz getroffen hatte, kniff er immer wieder seine Augen zu, aber nichts änderte sich. Der Wirbel war immer noch da und neben ihm saß auf einmal ein Typ, der ihn angrinste. Jack sah auf das Bier in seiner Hand und dann wieder auf den, zugegebenermaßen schnuckeligen Kerl, auch wenn er zwei kleine Hörner auf seiner Stirn hatte. Das war doch sein erstes Bier gewesen, davon konnte er doch noch nicht betrunken sein und Drogen hatte er in seinem Leben noch nie angefasst. Also, wo kam denn diese Halluzination her?

„Du hast mir einen Deal angeboten?“, fragte der fremde Kerl und hockte nun mit untergeschlagenen Beinen auf der Couch. Natürlich sah er sich auch gleich ein bisschen um und schien die Einrichtung für sich zu bewerten. „Kalt ist es hier“, bemerkte er und plötzlich wedelte hinter seinem Rücken nervös ein roter, langer, dünner Schwanz. „Hast du keine Kohle, um die Heizung zu bezahlen?“ Nun sah sich der junge Kerl wieder nach Jack um und grinste frech. Dabei lupfte sich seine Lippe auf einer Seite und ein spitzer Eckzahn kam zum Vorschein.

Seine Augen in dunklem Schwarz waren wie Magneten, sie zogen die Blicke auf sich, denn in dem hellen Gesicht und unter den weißblonden, kurzen Haaren, glühten sie wie Kohlestückchen.

„Häh?”, kam es nur reichlich intelligent von Jack und er starrte weiter auf diese Erscheinung, die auch noch reden konnte. Da musste ihm doch wirklich jemand heimlich Drogen verpasst haben. Na, der konnte was erleben, wenn er rauskriegte, wer das war. Der konnte die nächsten Wochen sein Bier aus einer Schnabeltasse trinken. Das war ja wohl mal klar. Jetzt, wo geklärt war, dass er wohl unter Drogen stehen musste, wandte Jack sich wieder dem Fernseher zu. Halluzinationen musste man nicht beachten, das brachte nur Ärger und vielleicht verschwand sie so schneller wieder. Auch wenn das eine Halluzination war, die er, wenn sie real wäre, ganz bestimmt nicht von der Bettkante geschubst hätte.

Trotz Hörnchen und Schweif.

Die Halluzination aber starrte Jack weiter an. Sein Gesicht wirkte fassungslos. So hatte ihn ja noch keiner behandelt. „Ey!“, machte er also und trat einmal nach Jack, der es doch allen Ernstes gewagt hatte, ihn einfach zu ignorieren! Das war keine standesgerechte Behandlung für einen Teufel, auch wenn er nur Teufelsanwärter dritten Grades war und sich seinen Dreizack erst noch verdienen musste, um ein vollwertiger Teufel zu sein.

Aber es müsste doch... der Teufel kicherte... mit dem Teufel zugehen, wenn er diesen Kerl nicht ziemlich schnell davon überzeugt bekam, dass er keine Halluzination war. Er fing also an, Jack mit vielen kleinen Blitzen in die Wange zu pieken, während er ihn erwartungsvoll ansah.

„Hey”, knurrte Jack und sah wieder neben sich. Der Kerl hockte immer noch da. Das war die hartnäckigste Halluzination, von der er je gehört hatte. „Spinnst du? Das tut weh”, brummte er knurrig und rieb sich die Wange. „Hast du 'nen Namen? Wenn du schon nicht aus meiner Wohnung verschwinden willst, will ich wenigstens wissen, wie du heißt und wem ich gleich was in die Fresse haue, wenn du damit nicht aufhörst. Dabei ist es mir völlig egal, dass du 'ne Hallu bist.”

„’Ne Hallu?“, ereiferte sich der Teufel. „Sag mal, geht’s noch? Wenn du deinen Drogenkonsum nicht unter Kontrolle hast, du Arsch, ist das dein Problem, aber ich lass mich von einem dahergelaufenen Seelen-Anbieter doch nicht als Hallu beschimpfen. Ich bin ein waschechter Teufel und ich bin hier, um dir deinen Wunsch zu erfüllen. Gestatten, Dave the Devil!“ Er reichte - obwohl er ziemlich sauer auf den Kerl war, der ihn einfach so verkannte - eine Visitenkarte, denn wenn es um eine Seele ging, da durfte ein Teufel nicht kleinlich sein. Heutzutage gab keiner mehr so gern seine Seele her.

Wieder kam ein reichlich intelligentes „häh”, über Jacks Lippen und er starrte auf die Visitenkarte in seinen Händen. Also, das wurde jetzt echt langsam schräg. Textete diese Erscheinung ihn doch allen Ernstes zu und machte ihn auch noch an. So ging das ja nicht!

„Jetzt hör mal zu, du Blitzbirne. Ich nehme keine Drogen und was bitte soll dieser Teufelsquatsch? Haben wir Halloween oder was?” Jack knurrte leise und schnaubte aufgebracht. So langsam wurde ihm das zu bunt. Tauchte dieser Kerl einfach so hier auf und glaubte auch noch, ihn blöd anlabern zu können. „Was willst du eigentlich hier? Kannst du nicht jemand anderem auf den Sack gehen? Wenn du nicht vorhast, dich von mir vernaschen zu lassen, kannst du gleich wieder gehen.”

Der eben noch zufrieden grinsende Teufel sah Jack jetzt doch etwas irritiert an.

Vernaschen?

Wo war er denn hier hin geraten?

Normalerweise hatten die Menschen vor ihm Angst oder sagten so Dinge wie: 'Cool, der Teufel, dann zaubre mir mal was, wenn du meine Seele willst.' Aber der Kerl hier wollte ihn... vernaschen? Dave verzog das Gesicht und sein Schweif peitschte nervös hin und her.

„Sehr witzig“, knurrte er und erhob sich zu seiner vollen Größe. Der trainierte Körper steckte in einer Lederhose und einem schwarzen Hemd, das nur von einem Knopf in der Mitte des Bauches gehalten wurde und er blies sich erst mal auf, weil er hier wohl noch immer nicht gewürdigt wurde.

Also ließ er die Illusion des Motorrades mitten im Wohnzimmer erscheinen, das Jack so gefallen hatte und äffte diesen nach: „Für dich würde ich, ohne zu zögern, meine Seele verkaufen - na, kommt dir das bekannt vor? Ich bin da, um den Deal perfekt zu machen. Die Maschine gegen deine Seele.” Eine seiner fein geschwungenen, dünnen Augenbrauen wippte herausfordernd. „Oder hast du Schiss gekriegt.“

Aber schon wieder wurde das, was Dave war, nicht gewürdigt, denn Jack blickte nur kurz auf das Motorrad und winkte ab. „Ach das”, sagte er nur uninteressiert und starrte weiter auf den Teufel, der vor ihm stand. Jetzt, wo er ihn so richtig ansah, musste er zugeben, dass dieser Dave nicht nur ganz schnuckelig war, sondern echt der Hammer. Genau das, was er sich immer gewünscht hatte – wenn man von den Hörnern und dem Schwanz absah, aber das störte nicht weiter.

„Du willst meine Seele und erfüllst mir dafür einen Wunsch?”, fragte er noch einmal nach und stand ebenfalls auf.

Perfekt! Sein Teufelchen war fast so groß wie er selber und er war mit seinen fast 2 Metern nicht gerade klein. Langsam ging er um Dave herum und seine Augen glänzten immer mehr. Breite Schultern, wohlgeformte Arme, ein perfekter Waschbrettbauch, schmale Hüften, lange, nicht zu muskulöse Beine, einen Hintern, für den viele sterben würden, um ihn einmal berühren zu dürfen und ein hübsches Gesicht.

Einfach perfekt.

Eine Idee formte sich in seinem Kopf und er musste grinsen. „Ich kann mir wünschen, was ich will?”, fragte er und sah Dave in die Augen. „Wenn du meine Seele haben willst, musst du mir erfüllen, was ich will?”

Langsam wurde Dave ein bisschen mulmig. Was wollte dieser Kerl? War es nicht anders herum? Sollte nicht den Menschen mulmig werden? Irgendwas lief hier schief. Er kam sich gerade vor wie auf einer Pferde-Auktion, fehlte nur noch, dass er mal husten sollte und der Kerl ihm in den Mund sah, um die Zähne zu beurteilen. „Moment mal“, sagte der Teufel und zog seinen Schwanz zu sich, um ihn ein bisschen zu knoten. Das tat er immer, wenn er nervös war. „Der Deal war Seele gegen Maschine, sonst wäre ich doch gar nicht erst gekommen. Wo sind wir denn, wenn sich jeder was wünschen darf?“, wollte er schnippisch wissen.

Nun hob sich eine von Jacks Augenbrauen und er trat einen Schritt näher, so dass sie sich fast berührten. So konnten seine grünen Augen direkt in diese schwarzen Tiefen blicken. Dieser Schnuckel war doch einfach perfekt für ihn. Seine hellen Haare waren ein toller Kontrast zu seinen eigenen schwarzen und von der Figur her glichen sie sich auch.

„Wenn du meine Seele willst, musst du mir schon erfüllen, was ich will, ansonsten kannst du es gleich vergessen. Ich verkauf mich doch nicht unter Wert”, erklärte er grinsend und kam noch ein wenig näher, schnupperte dabei, denn sein Teufelchen roch wirklich gut.

Das konnte daran liegen, dass der metrosexuelle Teufel ziemlich auf sein Äußeres achtete und hart daran arbeitete, dass er nicht täglich nach Schwefel roch, so wie die alten Teufel. Das war einfach nicht sein Stil.

„Hey“, sagte Dave und ging einen Schritt zurück. Der Kerl wurde ihm zu aufdringlich. „Du kannst nicht erst einen Deal schließen und dann, wenn es ans Bezahlen geht, einfach den Preis erhöhen. So geht das nicht, mein Lieber. Auch du hast dich an Regeln zu halten“, knurrte Dave, er mochte diesen Kerl nicht.

„Tja… dann”, sagte Jack gedehnt und setzte sich wieder auf die Couch. Von hier hatte er einen guten Blick auf Dave und den wollte er genießen. „Wenn du kleinlich werden willst, dann wird das nichts mit meiner Seele.” Betont unbeteiligt blickte er wieder auf den Fernseher. Er war nicht Verwaltungschef der größten Schwulendisco in Nordrhein-Westfalen geworden, wenn er sich leicht über den Tisch ziehen ließ. Das würde sich noch zeigen, wer hier besser pokern konnte.

Dave war es wohl nicht, denn dem ging gerade der Arsch auf Grundeis. „Was soll das denn jetzt? Du sagst, du gibst deine Seele gegen die Maschine. Der Auftrag ist eingegangen und ich wurde zu dir geschickt, weil ich noch eine Seele bringen muss, ehe ich ein Vollteufel werden kann. Was glaubst du, machen die mit mir, wenn ich da ohne deine Seele ankomme“, knurrte Dave und gab wohl dummerweise seine Notlage preis, was er besser nicht getan hätte. Unbewusst spielte er Jack so ja noch in die Hände!

„Und hör auf, mich zu ignorieren!“, knurrte der Teufel und fing nun an, mit seinen langen, schlanken Fingern Jack in die Wange zu pieken, bis der ihn wieder ansah. Er hatte wohl nicht damit gerechnet, dass er am Handgelenk gepackt und auf Jacks Schoß gezogen wurde.

„So, so, ich soll dich also nicht ignorieren”, flüsterte Jack leise und er schnuffelte mit seiner Nase über Daves Wange.

„Wenn du doch so dringend meine Seele brauchst, mein Süßer, dann solltest du mir wohl besser meinen neuen Wunsch erfüllen, damit du keinen Ärger bekommst”, flüsterte er ihm ins Ohr und konnte es sich nicht verkneifen, einmal kurz daran zu knabbern.

Dave konnte gar nicht verhindern, dass er erschauerte. Was war das denn? So was hatte er ja auch noch nicht erlebt. Es war ja nicht so, dass er noch nie einem Kerl nahe gekommen war. Schon seit er klein war, hatte er gern gerauft und sich geprügelt. Er hatte also schon mehr Kerle angefasst als manch anderer. Aber das hier war seltsam.

Dave zitterte, ohne dass er es verhindern konnte, deswegen schob er Jack harsch von sich und erhob sich wieder. So konnte man doch keine professionellen Verhandlungen führen. „Was willst du denn haben?“, fragte er schlussendlich, als er einsehen musste, dass Jack eine harte Nuss war. Um die zu knacken, musste er sich wohl oder übel beugen.

„Dich!”, kam es wie aus der Pistole geschossen und Jack grinste breit. „Ich biete dir meine Seele im Tausch dafür an, dass ich dich haben und nehmen kann, wann und wo ich will, für den Rest meines Lebens. Du wirst mein Sextoy!”

Dave war so überrascht, dass er gar nicht merkte, wie ihm die Gesichtszüge entgleisten und er mit offenem Mund hinab auf Jack sah. „Sag mal“, stammelte er, als er sich einigermaßen erholt hatte, „geht’s dir noch ganz gut? Glaubst du echt, deine Seele wäre so was Besonderes, dass ich mich zu so niederen Diensten hergebe? Such dir ‘ne Hure!“, erklärte Dave. Er war außer sich. Was bildete dieser Kerl sich ein?! Dass man einen Teufel so einfach haben und besitzen durfte?! Der sah sich wohl noch.

„Ich verzichte und such mir was anderes!“, erklärte Dave und verschwand in einer Rauchwolke.

„Hey”, murmelte Jack und sah auf den Platz, auf dem gerade noch Dave gestanden hatte. Was war das denn jetzt? Erst brauchte dieser Kerl dringend seine Seele und nun verpisste der sich einfach, weil ihm Jacks Wunsch nicht gefiel? So ging das ja mal nicht.

Nicht mit Jack Hunter.

Sein Gesicht wurde ziemlich hinterhältig und er grinste gemein. „Ich krieg dich, darauf kannst du deinen süßen Arsch verwetten”, murmelte er leise und sprach laut und deutlich: „Für Dave, den Teufel, als mein lebenslanges Sextoy, würde ich meine Seele hergeben!”

Und wie erwartet erschien die graue Wolke und aus ihr materialisierte sich Dave, der sich kurz umsah, Jack erkannte und knurrte. „Nicht schon wieder der!“ Das war das Problem mit der Vermittlungszentrale der Aufträge, unten in der Hölle: man konnte sich seine Jobs nicht aussuchen und wenn auch noch nach einem Teufel namentlich verlangt wurde, dann hatte der auch dort zu erscheinen - blöd nur, dass er Jack seinen Namen genannt hatte. Irgendwie hatte der Teufel das Gefühl, dass er den aufdringlichen Lüstling so schnell nicht wieder loswurde.

Nur, dass das mal hier keiner falsch verstand: Dave war weder prüde noch asexuell - er war ein dominanter Teufel, der es nicht einsah, als Spielzeug für einen fragwürdigen Kerl herzuhalten. Er hatte höhere Ziele. „Wuh huh“, machte Dave und wedelte ein bisschen vor Jacks Gesicht herum. „Ich bin eine Hallu. Finger weg von billigen Drogen. Wuh huh“, und schon war der Teufel wieder verschwunden.

Jack blinzelte und knurrte dann. Da wollte wohl jemand Spielchen mit ihm spielen. Verarschen ließ er sich mal gar nicht, schon gar nicht von so einem Möchtegern-Teufel, der glaubte, ihm vorschreiben zu können, was er sich wünschen durfte. Also dauerte es auch gar nicht lange, bis er wieder einen Wunsch aussprach. „Für Dave, den Teufel, als mein lebenslanges Sextoy, würde ich meine Seele hergeben und wenn er gleich wieder verschwindet, werde ich ihm die Hölle heiß machen und mich bei seinem Vorgesetzten beschweren.”

Und siehe da - die graue Rauchwolke erfüllte wieder das Zimmer, aus der Dave entstieg und knurrte. „Sag mal, was soll das? Du kannst mich doch nicht erpressen, du Arsch! Und lass Luzifer da raus, den geht das hier nichts an!“, maulte er gleich los und verschränkte die Arme vor der Brust. Was bildete dieser Kerl sich ein? „Bist du so verzweifelt, jemanden ins Bett zu kriegen, weil du sonst keinen hast? Dann wasch dich mal und putz dir die Zähne, das könnte helfen“, knurrte der Teufel. Oh ja, Dave war angepisst. Warum ließ ihn dieser Bastard nicht endlich in Ruhe? Reichte es nicht, dass er noch immer kein Vollteufel war und sich in der Hölle nicht frei bewegen durfte. Musste einem da auch noch ein notgeiler Kerl im Nacken sitzen?

Zwischen Daves Hörnchen bildeten sich kleine, zuckende Blitze - kein gutes Zeichen für seine Laune.

Jack sah ihn fasziniert an und grinste dann. „Du lässt mir doch keine andere Wahl. Ich wünsch mir was und du verpisst dich einfach. So geht das ja nicht. Entweder willst du Vollteufel werden und erfüllst mir meinen Wunsch, oder du bleibst ewig so ein Hilfswicht.” Jack verschränkte seine Arme genauso wie Dave und sah ihn mit zusammengekniffenen Augen an. „Und was deine Vorschläge angeht: Kerle zu kriegen, hab ich keine Probleme. Wenn ich wollte, könnte ich jede Nacht mindestens drei haben, aber das steht hier nicht zur Debatte, sondern mein Wunsch. Meine Seele gegen deinen Arsch.”

Diese schlichte, auf den Punkt gebrachte Formulierung ließ Dave jetzt doch schlucken. „Aber der Deal war Seele gegen Maschine. Deswegen bin ich her geschickt worden. Teufel kann man nicht bekommen, die stehen nicht zur Debatte!“, erklärte Dave und wurde langsam nervös. Sein Arsch war ihm heilig. „Pass mal auf, machen wir 'n anderen Deal. Ich werde sehen, was ich machen kann. Ich werde dir bieten, was immer mir einfällt und ich wette, es wird etwas dabei sein. Wünsch dir was anderes, los!“, forderte der Teufel und sein Schwanz wedelte aufgeregt hin und her.

„Ich will nichts anderes”, erklärte Jack bockig. Seine Miene verfinsterte sich, denn so langsam kam er sich verarscht vor. Das war ja fast wie auf so einer Kaffeefahrt. Einen erst mit tollen Geschenken und Preisen locken und dann sollte man nur irgendwelchen Ramsch zu überhöhten Preisen kaufen. Nicht mit ihm. „Das war bevor ich wusste, dass ich mir wünschen kann, was ich will und du hast, bei meinem ersten Wunsch, klar und deutlich gesagt, dass du verzichtest. Nun habe ich einen neuen Wunsch, den ich klar und deutlich formuliert habe und erwarte nun, dass er erfüllt wird.”

„Ums Verrecken nicht“, knurrte Dave. Am besten drehte er diesem Kerl nicht mehr den Rücken zu, wer wusste schon, zu was der fähig war. „Du hast mich reingelegt, das werde ich doch nicht noch unterstützen. Betrüger!“, motzte Dave. Er konnte doch nicht zustimmen! Wenn das die Runde machte, dann war er das Gespött der Hölle. Dann durfte er sich da nicht mehr blicken lassen, wenn er nicht vom Gelächter der anderen Teufel ertauben wollte. „Such dir einen anderen Teufel, dem du deine Seele andrehen kannst. Ich jedenfalls verzichte hiermit.“ Und schwups war er wieder weg. Wenn er schnell genug war, konnte er sich in der Zentrale für diesen Kerl sperren lassen.

Die Rauchwolke war noch nicht verraucht, da hatte Jack seinen Wunsch schon wieder ausgesprochen. „So nicht”, knurrte er reichlich angepisst. Das konnte dieser Hilfs-Teufel doch nicht mit ihm machen. „Komm sofort wieder her, du Spinner”, schrie er laut und stapfte mit einem Fuß auf. „Wenn du nicht sofort wieder hier bist, geh ich zu diesem Luzifer und beschwere mich. Ich glaube nicht, dass er davon begeistert ist, wie du wertvolle Seelen verschleuderst, nur weil du dich anstellst. Wenn man so einen Job annimmt, muss man auch Manns genug sein, die Konsequenzen zu tragen.” Jack redete sich richtig in Rage und seine Augen blitzten angriffslustig. Nun hatte er Blut geleckt. Diesen Kerl ließ er nicht wieder entkommen. Den musste er unbedingt haben, da gab es kein Vertun.

Und weil Dave nicht schnell genug gewesen war, tauchte er wieder auf - langsam wurde das Spiel langweilig. „Arschloch“, knurrte er und ließ sich resignierend auf die Couch fallen. Warum war dieser Kerl nur so hartnäckig? Wenn er angeblich haben konnte, wen immer er wollte, was wollte er dann mit Dave und warum gab er dafür dann auch noch seine Seele her? Nein, verstehen musste man Menschen nicht. Mehr als Seelenspender waren sie sowieso nicht.

„Du bist derjenige, der den ursprünglichen Deal gekündigt hat und dann so pervers geworden ist. Ich bin ein anständiger Teufel, ich mach so was nicht. Such was anderes. Ich sag's dir zum letzten Mal!“

„No way.” Jack schüttelte den Kopf und ließ sich neben Dave fallen. „Als ich mir das Motorrad gewünscht habe, war das nicht ernst gemeint, denn ich wusste ja nicht, dass du auftauchen würdest und mir wirklich einen Wunsch erfüllen willst. Da ist es doch logisch, dass ich mir etwas wünsche, was ich wirklich haben will. Das bist nun mal du. Nicht zu ändern.” Sein Blick streifte wieder über den herrlichen Körper neben sich und er leckte sich über die Lippen. „Rrrrrrrr”, machte er leise, rutschte näher und ließ einen Finger langsam über Daves nackte Brust gleiten.

„Kannst du das mal lassen?“ Wütend schlug Dave die Hand weg. „Das ist sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz, lass den Mist!“, knurrte er. „Du hast das Recht die Vertragssumme zu ändern, aber ich habe das Recht, den Auftrag abzulehnen. Wir können dieses Spielchen hier bis zum sankt Nimmerleinstag treiben, wenn du Lust hast. Wir können das aber auch wie erwachsene Männer regeln und den Schwachsinn und deine übermäßige Libido einfach ignorieren. Hm?“ Abschätzend sah Dave neben sich.

„Warum sollte ich?”, lachte Jack. „Lehn den Auftrag doch ab, dann kriege ich einen neuen Teufel und dem wird es doch wohl egal sein, dass ich mir deinen Arsch wünsche. Solange ich seinen nicht will, wird er dich für meine Seele verschachern und du hast immer noch eine Seele zu wenig, um Vollteufel zu werden.” Er ließ sich nicht beirren und zupfte leicht an Daves Hemd, so dass es aufging und er den Oberkörper seines Teufelchens in voller Pracht bewundern konnte. Wieder fuhr er mit einem Finger über die weiche Haut. „Das wäre doch Verschwendung, so etwas nicht zu berühren.”

„Schon mal darüber nachgedacht, selber Teufel zu werden? Du hättest die Veranlagung dazu“, knurrte Dave und erhob sich schlagartig. Es gefiel ihm nicht, dass er diesem Kerl unterlegen war. Noch weniger gefiel es ihm, dass der Kerl so dumm an ihm rumfingerte. Das konnte er nicht haben. „Aber weißt du was, ich lass es drauf ankommen, ob ein anderer dir meinen Arsch bringt. Ich empfehle mich“, sagte er. Doch er war noch nicht mal richtig verschwunden, da tauchte Dave wieder auf, jammerte und schimpfte.

„Chef, loslassen, das tut doch weh!“, knurrte er, weil Luzifer den störrischen Teufel im Genick gepackt hatte und tief nach unten drückte.

„Hey, was soll das denn? Lass Dave gefälligst los, der Hübsche gehört mir”, rief Jack auch sofort, ohne weiter darauf zu achten, dass hinter Dave eine recht Furcht einflößende Gestalt stand und sprang auf. Mit einem gekonnten Griff, befreite er sein Hilfsteufelchen aus dem festen Griff und zog ihn beschützend an sich.

„Also, so geht das aber nicht. Du kannst doch nicht einfach meinen Wunsch beschädigen. Wer bist du denn überhaupt?”, maulte Jack und erst jetzt sah er sich seinen neuen Gast genauer an und wurde ein wenig blass. Hatte Dave nicht gerade was von Boss gejammert, als der Kerl ihn festhielt? „Ups”, machte er leise und grinste schief. „Luzifer, nehm ich an.” Er hob eine Hand und wedelte mit den Fingern. „Hi. Nett dich kennen zu lernen.”

Ziemlich pikiert sah Luzifer auf den Menschen, man sah ihm deutlich an, dass er überlegte, was er jetzt tat. Doch er entschied sich dagegen, den unfreundlichen Kerl in einem Inferno und einer ihn überrollenden Feuersbrunst dem Erdboden gleich zu machen und ihn mit hinab in die Hölle der Verdammten zu nehmen, sondern sich erst mal anzuhören, was hier los war.

„Ja, ups!“, knurrte er und seine Hufe klackerten leise, als er über das Parkett näher auf Jack zukam. „Du hast da was, was mir gehört!“, erklärte er und griff einfach hinter Jack, zog so den blassen Teufel wieder zu sich. „Und du Nichtsnutz wirst mich zurück begleiten und im Fegefeuer braten, denn zum Seelenfangen scheinst du ja zu blöd zu sein.“ Und so was war nun sein Sohn! Es hatte wohl Gründe, warum Teufel sich nicht mit menschlichen Frauen einlassen sollten, egal wie rassig und feurig sie waren.

„Ähm… Luzifer. Entschuldige, wenn ich mich da einmische, aber Dave kann schon ganz gut Seelen fangen. Ihn jetzt ins Fegefeuer zu werfen, wäre echt Verschwendung.” Jack lächelte freundlich und deutete auf sein Sofa. „Setz dich doch. Möchtest du was trinken?” Mit großen Schritten ging Jack zu seiner Bar und öffnete sie. „Also, Dave und ich haben verhandelt, zu welchen Bedingungen er meine Seele haben kann. Er ist wirklich ein starker und geschickter Verhandlungspartner. Der lässt sich nicht so schnell übervorteilen. Immer wieder ist er gegangen, damit ich Zugeständnisse mache. Echt clever, muss ich sagen.”

Langsam hoben sich Luzifers Brauen und die Stirn schob sich vor den langen Hörnern in Falten. „Junger Mann“, sagte er und räusperte sich, während er Dave wieder im Genick griff, ihn dann aber am Schwanz daran hinderte zu türmen. „Es hat keinen tieferen Sinn, mich zu belügen. Teufel meiner Ebene können Gedanken lesen und in der Verwaltung wird jede Rückkehr registriert. Außerdem solltest du es schon mir überlassen, was ich mit meinem missratenen Sohn mache!“ Langsam wurde Luzifer wütend, weil dieser Mensch glaubte, sich unbedingt über ihn lustig machen zu müssen. Seine schwarzen Augen glühten und Flammen loderten aus der Nase.

„Ups”, machte Jack wieder. Woher sollte er das denn wissen. Bisher waren ihm außer Dave keine anderen Teufel unter gekommen. Aber dass dieses Schnuckelchen jetzt im Fegefeuer schmorte, das ging doch nicht an. Das konnte er einfach nicht zulassen. Das war doch unnötige Verschwendung. Also straffte er sich und füllte drei Gläser mit seinem besten Whiskey und brachte sie zum Tisch.

„Luzifer, das war doch so. Ich hatte einen Wunsch, den Dave mir auch durchaus erfüllen wollte, aber ich habe meine Meinung geändert.” Jack setzte sich in den Sessel gegenüber seinen Gästen und gab jedem ein Glas. „Ich habe meinen Wunsch dann aber einfach geändert und Dave war damit nicht einverstanden, weil dieser Wunsch ihn persönlich betraf. Darum ist er immer wieder abgehauen und ich hab ihn jedes Mal zurückgeholt, damit wir neu verhandeln oder ich ihn überzeugen kann.” Er hob eine Hand mit zwei Fingern. „So war's. Ich schwöre.”

Doch der Mensch war uninteressant geworden. Luzifer sah auf seinen Sohn und zog ihn am Nacken wieder fester zu sich, so dass der seinem Vater direkt in die Augen sehen musste. So im Vergleich sahen sich die beiden gar nicht ähnlich. Während man Daves Hörnchen kaum sah, wenn man nicht genau hinguckte, standen die von seinem Vater weit über den Kopf hinaus. Dave war blass, Luzifer feuerrot, wie passend. Außerdem war er noch um einiges größer.

Im Augenblick aber traten die Adern an Hals und Schläfe ungesund hervor und wurden langsam violett. „Du weigerst dich einfach, einen Auftrag zu erfüllen, nur weil es dir nicht passt? Sind Seelen Ramschware, die man überall bekommt oder was?“, knurrte er und seine Finger drückten fester zu. Dave stöhnte.

„Du weißt ja nicht, was er von mir wollte! Ich bin ein Teufel und kein Sexspielzeug!“, brachte Dave erbost hervor und schlagartig wandte sich Luzifer Jack zu. Sein heißer Atem schlug dem jungen Mann ins Gesicht und fast hätten ein paar Flammen ihm die Haare angesengt.

„Ey!”, machte der auch gleich und tastete seine Haare ab, ob nicht doch eins kokelte. „Es steht nirgendwo, dass ich mir das nicht wünschen darf”, maulte er leise, aber er setzte sich doch lieber weiter nach hinten. War sicher besser vorsichtig zu sein. Der gute Luzifer war wohl leicht reizbar.

„Ich bin ja bereit, meine Seele herzugeben, aber dann will ich auch, was ich mir gewünscht habe. Ansonsten müssen wir neu verhandeln.”

„Wir werden definitiv neu verhandeln“, sagte Dave gleich, sah aber lieber doch zu seinem Vater, was der davon hielt. Der konnte ihn doch nicht einfach dieser Schmach aussetzen. Doch Luzifer überlegte, er wog wohl erst mal ab und Dave wurde noch blasser. Was sollte das denn jetzt? Luzifer nickte. Denn auch ihm war klar, wenn seine Gattin erfuhr, was er mit seinem einzigen Sohn anstellen ließ, gab's wieder Ärger daheim. Da hatte er keinen gesteigerten Bock drauf.

„Ich werde nicht zulassen, dass einer meiner Teufel zu so niederen Dingen genötigt wird. Macht das unter euch Menschen aus. Such dir da was zum stechen. Den Sex mit einem Teufel haben schon so einige nicht überlebt. Is' also nur 'n guter Tipp, weil du so ein Netter bist.“ Luzifers Stimme tropfte vor Sarkasmus, denn eigentlich war ihm Jack zuwider. Was war das für ein Kerl? Und da hieß es immer, Teufel wären schamlos? Der Kerl wäre wohl ein besserer Teufel als alle Anwärter die er hatte.

„Wie jetzt? Soll das heißen, ich krieg meinen Wunsch nicht?” Jack machte große Augen und sah Luzifer dann böse an. „Also ehrlich, das finde ich Beschiss. Ihr wollt meine Seele haben und dann krieg ich noch nicht mal, was ich will?” Jack war so empört, dass er gar nicht bedachte, in welcher Gefahr er sich befand. Die Aussicht, Dave nicht zu bekommen, ließ ihn nachgeben. „Okay, dann macht ein Angebot. Aber ich will Dave, alles andere könnt ihr behalten.”

„Gut!“, brüllte Luzifer, mäßigte sich aber mit einer gezwungenen Kopfbewegung zur Seite. „Gut“, wiederholte er noch einmal. „Du sollst Dave bekommen...“

„Pappi... öhm... Chef, was soll das denn jetzt?“, korrigierte sich Dave und sah seinen Vater etwas irritiert an. Hatte er sich nur eingebildet, dass der ihm den Arsch retten wollte? Verschacherte er ihn jetzt selber?

„David Faustus Glokinius, halt die Klappe, wenn ich rede oder du verbringst die nächsten Jahre damit, die Kohlereste aus den Bunkern zu fegen, klar soweit?“, zischte Luzifer. Musste ihm diese Ausgeburt von einem Sohn eigentlich jeden Auftritt versauen? „Also, noch mal. Du bekommst Dave, er ist verpflichtet, dir jeden Wunsch zu erfüllen, den du hast. Aber eines wird er nicht - dein Sklave. Wenn du ihn dazu bringst, sich für dich zu bücken, dein Glück - wenn nicht, dann nicht. In vier Wochen will ich diese Seele oder du bist Schwanz und Hörner los, klar soweit?“ Eindringlich sah er seinen Sohn an und Dave wusste gar nicht, was er sagen sollte. Er hatte einen Kloß im Hals. So wütend hatte er seinen Vater lange nicht gesehen. Die Hitze schlug ihm ins Gesicht und schnell stürzte er den Whiskey runter.

Jack hob eine Hand und wedelte damit. „Luzifer - Höllenfürst oder wie auch immer. Kann ich da noch ein paar Informationen haben, bevor ich zusage.” Er wartete, bis Daves Vater sich zu ihm wandte. Brrr – bei dem Blick sollte er wohl lieber auf weitere Spitzen verzichten. „Nur dass ich das richtig verstehe. Dave muss kommen, wenn ich ihn rufe und ich kann so ziemlich alles von ihm verlangen, außer Sex. Soweit so gut. Was passiert denn, wenn ich in den vier Wochen nicht nachgebe und Dave mir nicht das gegeben hat, was ich will? Dann kriegt er meine Seele nicht. Was passiert dann mit uns?” Das war schon wichtig zu wissen, fand er. Vorsicht war besser als Nachsicht.

„Mit dir wird gar nichts passieren und was mit dem Versager passiert, muss deine Sorge nicht sein“, knurrte der Teufel und sah Jack eindringlich an. „Entweder hat er sein Handwerk gelernt und kann dir geben, was du verlangst oder nicht. Aber das muss dich nicht kümmern. Ich habe die Nase langsam voll, dass er ewig nicht aus der Hüfte kommt.“ Luzifer stoppte sich selbst in seinem Redefluss, was ging es den Menschen an, was Dave für ein Versager war?

Der junge Teufel hockte nur auf seinem Stuhl und spielte den Teilnahmslosen. Was hätte er auch sonst tun sollen? Ihn fragte ja eh keiner.

„Wenn das so ist – Deal!” Jack hielt Luzifer die Hand hin, damit der einschlagen konnte. „Vier Wochen, ist allerdings ein wenig kurz, wenn ich das anmerken darf. Können wir das nicht auf acht Wochen erhöhen. Muss aber nicht sein, vier gehen auch”, sagte er schnell, denn schon wieder kamen Flammen aus Luzifers Nase. Er nippte an seinem Whiskey und der Alkohol brannte wohltuend, als er seine Kehle hinunter rann.

Luzifer griff die gereichte Hand. „Vier Wochen und keine Sekunde länger. Entweder bringt er mir dann deine Seele oder er... na ja, ist ja auch egal.“ Luzifer lachte schallend, sein Schwanz aber legte sich um Dave, so als Zeichen, dass der immer noch ihm gehörte. „Hast du schon einen Wunsch? Wenn nicht, werde ich ihn jetzt mit mir nehmen.“ Der Teufel erhob sich und mit einer kreisenden Handbewegung ließ er ein flammendes Loch entstehen, in dem er verschwinden wollte, weil es direkt zurück in die Hölle führte. Heiß und gleißend schlugen die Flammen aus dem Teppich.

„Nee, nimm ihn ruhig mit. Er sieht ein wenig mitgenommen aus. Ich lass ihn noch einmal ausschlafen und ab morgen fang ich dann an, ihn für mich zu begeistern.” Jack lachte leise und kam näher. Dave stand nun mit gesenktem Kopf neben seinem Vater. Darum griff er sich ihn und hob ihm mit einem Finger das Kinn an. „Schlaf gut, Teufelchen. Wir sehen uns morgen. Zieh dir was Heißes an.” Kurz streifte er die Lippen seines Wunsch-Boys, die wirklich so weich waren, wie sie aussahen und küsste ihn dann doch noch einmal, wenn auch nur kurz, denn in dem großen Körper regte sich Widerstand. Darum ließ er ihn los und strich ihm über die Wange. „Na los, husch, husch ins Bettchen, damit du morgen fit bist”, lachte er leise und trat beiseite, damit Dave und sein Vater los konnten. „Bis in vier Wochen, Luzi”, rief er noch und hob die Hand zum Abschied.

Der Oberteufel war über diese Titulierung nicht erbaut, doch er sagte nichts weiter, denn er wollte nur noch weg hier. Dass die Menschen in dieser Kälte existieren konnten, war ihm sowieso ein Rätsel. Dave hingegen funkelte Jack noch einmal finster an, ehe er seinem Vater durch das Loch nach unten folgte. Als er schon verschwunden war und das Loch im Teppich sich langsam schloss, konnte Jack noch „Blöder Arsch!“ hören, doch dann waren die beiden Teufel verschwunden und nicht einmal ein kleines Brandloch auf dem Teppich zeugte davon, dass sie je hier gewesen waren.

Jack lachte, denn er freute sich schon auf die kommenden Wochen. Sein Teufelchen würde keine ruhige Minute haben, denn er sollte sich ja an ihn gewöhnen und genau deswegen würde er ihn am nächsten Morgen gleich rufen und mit ihm zusammen frühstücken und dann konnten sie einen kleinen Bummel durch die Stadt machen und dann nahm er ihn mit zur Arbeit. Jack plante noch ein wenig und ging früh ins Bett, damit er auch früh wach wurde.





+++





Alles hatte so geklappt, wie er sich das gedacht hatte und Jack legte die gerade gekauften Brötchen und Croissants in den Korb, der auf dem schon fertig gedeckten Tisch stand. Er hatte sich richtig Mühe gegeben, dass alles schön aussah und sein Dave keinen falschen Eindruck von ihm bekam. Noch einmal blickte er über den Tisch, dann sagte er laut.

„Ich wünsche mir, dass Dave zu mir kommt.”

Wieder vernebelte sich kurz das Zimmer und aus einer Rauchwolke trat ein gähnender Dave, kratzte sich über den kurzen Schlafshorts den Bauch und hielt einen kleinen Plüschteufel im Arm. Es dauerte ein paar Augenblicke, bis er sich orientiert hatte und sein Blick auf einen erwartungsfreudigen Jack fiel. „Boah, was kann ein Tag schon bringen, der mit dir anfängt“, knurrte Dave und brachte seinen kleinen Plüschteufel erst mal hinter sich. Ein bisschen peinlich war es ihm ja schon, dass er momentan nichts anderes im Bett hatte. Also hielt sein Schweif das Plüschie hinter seinem Rücken und er verschränkte die Arme vor der nackten Brust.

„Och, Menno.” Jack machte ein enttäuschtes Gesicht, auch wenn seine Augen kurz begeistert aufblitzten, bei dem Anblick, der sich ihm bot. Zu dem kleinen Teufel sagte er nichts, denn er wollte Dave nicht in Verlegenheit bringen. „Tut mir ja leid, dass ich dich wohl anscheinend geweckt habe, aber ich hoffe, du frühstückst trotzdem mit mir.” Jack lächelte und zeigte auf den gedeckten Tisch. „Möchtest du dich erst frisch machen? Wenn du magst, kannst du hier duschen und ich gebe dir was von mir zum anziehen.”

Erst mal stand der Teufel nur da und starrte auf den Tisch. Er war allen Ernstes aus seinem wohl verdienten Schlaf gerissen worden, nur um dem Deppen beim Essen zuzugucken? Das war doch ein richtig schlechter Scherz, oder? Seine Augen verschmälerten sich. „Auch wenn mein edler Erzeuger vergessen hat dich darauf hinzuweisen, die Hölle - und somit auch ihre Angestellten - hat Geschäftszeiten. Und wenn ich hier nicht gebraucht werde, um Wünsche zu erfüllen, würde ich mich gern noch mal aufs Ohr hauen und ratzen, bis dir einfällt, was du dir wünschst“, knurrte der Teufel. Zwischen seinen Hörnchen zuckten schon wieder ganz kleine Blitze.

Auf das Angebot zu duschen ging er gar nicht erst ein. Seit er wusste, was Jack wirklich von ihm wollte, drehte er dem doch nicht den Rücken zu oder zog gar seine Kleider aus! Deswegen schlief er übrigens auch seit gestern nicht mehr nackt. Man wusste ja - wie man jetzt sehr gut sah! - nie, wann man gerufen wurde.

„Ja… aber?” Jetzt war Jack doch ein wenig perplex. Er konnte ja verstehen, dass Dave jetzt nicht so begeistert war, aber ihn gleich so anzufahren, war ja nun auch nicht nötig. „Entschuldige, das konnte ich ja nicht wissen.” Jack hörte sich ein klein wenig eingeschnappt an, denn schließlich hatte er sich sehr viel Mühe gegeben, alles nett herzurichten. „Ich habe durchaus einen Wunsch, nämlich den, dass du erst mit mir frühstückst und dann den Tag mit mir verbringst. Und soweit ich mich erinnern kann, hat dein Vater gesagt, dass ich dich rufen kann, wann ich will und ich alles von dir verlangen kann, was nicht mit Sex zusammenhängt. Da war nicht die Rede davon, dass ich einen speziellen Wunsch haben muss.”

„Hm“, knurrte Dave, „kann sein.“ Er war immer noch sauer, denn er war in einer Situation erwischt worden, in der er gern allein gewesen wäre. Er hatte keinen sonderlich großen Wert darauf gelegt, dass Jack ihn so sah, wie er jetzt vor ihm stand, sondern mit etwas mehr Würde behandelt wurde. Aber was redete er denn? Ein Kerl, der ihn nur in die Matratze drücken wollte, von dem musste man ja nicht wirklich Respekt erwarten. Und an den war er gekettet, bis er seine Seele hatte?

Dave war echt am überlegen, ob eine einzige Seele die Demütigungen wirklich wert war.

„Gut, bringen wir es hinter uns“, sagte er und sah Jack in die Augen. Sein Schwanz wedelte nervös und so kam der kleine Plüschie immer wieder mal zum Vorschein.

„Ach komm, jetzt sei doch nicht knurrig. Ich verlange doch wohl nichts Anrüchiges von dir. Ich möchte dich näher kennen lernen und ich dachte, ein gemeinsames Frühstück, wäre dazu ganz gut geeignet. Ich hab ja auch nicht erwartet, dass ich dich aus dem Bett hole.” Jack sah Dave an und lächelte. Am liebsten hätte er nach dem kleinen Plüschtier gegriffen, aber dann würde er wohl wieder angefaucht werden, darum ließ er es.

„Dann geh doch eben zurück und mach dich fertig, wenn du nicht hier duschen möchtest. Ich warte hier auf dich und dann machen wir uns einen schönen Tag.” Es war schon schade, dass er diesen leckeren Anblick, eines fast nackten Daves nicht mehr haben würde, aber er war ja nicht gierig. Er würde schon kriegen, was er sich wünschte.

„Gut, dann bis gleich.“ Dave hatte die Worte noch nicht ausgesprochen, da war er auch schon wieder in einer Rauchwolke verschwunden und kam in seinem Zimmer wieder zu sich. Als erstes landete Mephi im Bett, dazu die Schlafhose und hastig zog er sich gleich wieder was über, man wusste ja nie, wann Jack ihn wieder rief. Selbst duschen ging nur noch hastig und in Panik. Irgendwie fing Dave an, unter einem Verfolgungswahn zu leiden - aber es passierte ja auch nicht jeden Tag, dass man als Lustobjekt missbraucht werden sollte.

Erst wollte Dave bummeln und den Tag in die Länge ziehen, aber dann mahnte er sich zur Eile und zur Professionalität und keine zehn Minuten später stand er in ähnlichen Klamotten wie gestern wieder mitten im Zimmer. „So“, knurrte er, „da bin ich wieder.“

„Schön”, sagte Jack nur lächelnd und deutete auf den freien Stuhl. Er hatte sich schon mal Kaffee genommen, während er auf Dave gewartet hatte und schüttete seinem Gast auch gleich was ein. „Ich hoffe, du hast Hunger. Da ich nicht wusste, was du gerne isst, habe ich von jedem etwas gekauft”, sagte er dabei. Er wusste nicht wieso, aber er war nervös. Er wollte Dave unbedingt, aber er wollte, dass er freiwillig kam. Jemanden im Bett zu haben, der nicht wollte, darauf war er wirklich nicht scharf.

„Du weißt schon, dass es ziemlich schräg ist, einen Teufel zu fragen, was er zum Frühstück will?“, fragte Dave. Er war noch immer nicht versöhnt. Er wurde den Gedanken nicht los, dass Jack nur nett zu ihm war, weil er ihn flach legen wollte und der Gedanke konnte bei einer wertfreien Beurteilung seiner Lage ziemlich stören. „Musst du nicht arbeiten?“, fragte er hoffnungsvoll.

„Warum das denn? Teufel essen doch auch, oder?“ Jack lachte und nahm sich ein Croissant. Er schnitt es auf und gab etwas Marmelade drauf. „Sicher muss ich heute arbeiten, aber das hat noch Zeit. Ich muss so gegen 19 Uhr dort sein, allerdings bin ich dann auch erst so gegen zwei Uhr morgen früh wieder Zuhause. Morgen kannst du also ausschlafen, denn vor Mittag stehe ich nicht auf.” Er biss ab und kaute genießend. Er brauchte morgens etwas Süßes, im Gegensatz zu Dave. Er liebte es scharf und feurig. Ja, mochte Klischee sein, dass Teufel alles liebten was mit Feuer und Schärfe und Hitze zu tun hatte, aber diese Gerüchte kamen ja auch nicht von Ungefähr. Also - wenn er schon mal hier war - griff er sich auch ein Brötchen, suchte aber erst mal nur stumm auf dem Tisch herum.

„Es ging nicht um die Tatsache, dass Teufel frühstücken, sondern dass sie mit einem Mensch hier hocken“, erklärte Dave und zog ein Bein auf den Stuhl, um es sich bequemer zu machen.

„Ist das wirklich so selten? Warum eigentlich? Ihr scheint doch ganz nett zu sein, auch wenn dein Vater ziemlich schnell wütend wird.” Jack lachte und wackelte mit den Augenbrauen. Im Nachhinein war ihm erst aufgegangen, wer da auf seinem Sofa gesessen hatte und nachträglich war ihm etwas mulmig geworden. Da hatte er aber wirklich Glück gehabt, wenn stimmte, was über den Herrn der Unterwelt erzählt wurde.

„Brauchst du noch etwas?”, fragte er bei Daves suchendem Blick. „Vielleicht hab ich es ja da.”

„Pfeffersalami und Sambal Olek?“, fragte der Teufel und sah sich weiter auf dem Tisch um. Das meiste davon war eindeutig nicht sein Geschmack. Es war zu lasch, zu wenig gewürzt oder es war gar süß, das mochte er überhaupt nicht. „Die meisten geben ihre Seele für materielle Güter, die werden besorgt, der Deal geht über die Bühne und Ruhe. Die Seltensten sind so veranlagt wie du, dass sie glauben, unbedingt einen Teufel im Bett haben zu müssen. Insofern kommen wir selten in die Verlegenheit, in der kalten Menschenwelt länger zu sein als nötig.“

„Pfeffersalami hab ich nicht, aber werde welche besorgen, fürs nächste Frühstück.” Jack stand auf und holte Tabasco und Sambal Olek aus dem Schrank. „Mehr scharfes, kann ich dir nicht anbieten, außer vielleicht noch kleine, höllisch scharf eingelegte Chilischoten.” Er holte diese auch gleich aus dem Kühlschrank und stellte alles auf den Tisch. „Ist mein Wunsch wirklich so ungewöhnlich? Also, wenn noch mehr Teufel so gut aussehen wie du, wundert mich das aber.”

„Danke“, nuschelte Dave, weil er gerade seinen Kaffee beim Wickel hatte. „Menschen, die ihre Seele verkaufen, sind normalerweise materialistisch, nicht notgeil!“, lachte Dave und sah Jack nun eindringlich an. „Ich selber interessiere mich nicht dafür, wie andere Teufel aussehen. Ein richtiger Teufel hat Hörner, Schwanz, Hufe und einen Dreizack und davon bin ich noch ziemlich weit entfernt. Und da ich mich jetzt ewig mit dir herum schlagen muss, wird das auch noch eine ganze Weile so bleiben, ehe ich dann mal meine Hufe kriege!“ Dave griff sich eine Scheibe Schinken, strich dick Tabasco drauf und legte noch ein Schötchen als Krönung zu oberst.

„Ich bin nicht notgeil”, intervenierte Jack gleich, wenn auch nur halbherzig. Es hatte doch eh keinen Zweck. Sie kannten sich noch zu wenig, dass Dave ihm das glauben würde. Aber bei der Beschreibung, wie Dave aussehen wollte verzog er doch etwas das Gesicht. „Nee, ne? Du willst mir allen Ernstes sagen, dass du so aussehen willst wie dein Vater? Das ist doch völlig abtörnend. So kleine Hörnchen, wie du sie hast, sind ja ganz niedlich, aber das was Luzi da auf dem Kopf hat, ist doch ein wenig viel und Hufe, mag ich auch nicht.”

Eine Weile sah Dave sein Gegenüber einfach nur an. Er schien zu überlegen, ob er Jack gegen die Wand drücken oder ihn einfach ignorieren sollte. „Pass mal auf, es mag sein, dass das Schönheitsideal von oberflächlichen Menschen ein anderes ist als das eines Teufels, aber eines merke dir gut für die Zukunft. Es interessiert mich einen Scheiß, was dir gefällt. Ich bin ein Teufel und ich will ein vollwertiges Mitglied der Hölle werden. Egal, ob dir das passt oder nicht. Unsere Wege trennen sich in vier Wochen. Wie auch immer!“, knurrte er. Man sah ihm an, dass er beleidigt war.

„Wah… ist ja gut. Brauchst mich ja nicht gleich zu fressen.” Jack wedelte mit den Händen und grinste entschuldigend. „Ich darf doch, genauso wie du, eine eigene Meinung und Vorlieben haben.” Mann, war der Kerl empfindlich. „Ich wollte dich doch auch gar nicht kritisieren.” War wohl besser, sie klammerten das Thema aus und darum wechselte er es auch gleich. „Was machst du denn so, wenn du Freizeit hast?”, fragte er deswegen.

Dave sah von seinem Brötchen wieder auf. War er hier beim Verhör oder so was? Seine Augen wurden schmal, als er Jack musterte. „Sachen halt“, knurrte er. „Teufelssachen, die Menschen nichts angehen“, fügte er noch hinzu, um auch dem letzten klar zu machen, dass er darüber nicht reden wollte. Genau genommen wollte er nicht mal hier sein, aber das musste man ja nun nicht noch betonen. Sein Schweif griff sich die Tasse, während er mit den Händen an seinem Brötchen herum piddelte.

Fasziniert sah Jack ihm dabei zu und es war nicht zu vermeiden, dass ihm bei dem Anblick viele verschiedene Anwendungsmöglichkeiten einfielen, die alle sehr anregend waren, darum riss er sich los und seufzte enttäuscht. „Ach, Mann, Dave, musst du denn so abweisend sein. Ich weiß ja, dass du nicht hier sein möchtest, aber können wir nicht einfach Frieden schließen. Wir werden vier Wochen zusammen verbringen. Die können wir uns angenehm oder fürchterlich gestalten. Du weißt, was ich will, aber ich darf es nicht von dir verlangen, also passiert dir doch auch nichts.”

„Aber ich weiß, was dein Ziel ist und ich weiß, warum du versuchst nett zu mir zu sein. Ich bin doch nicht doof und lass, wegen ein bisschen Freundlichkeit von einem Menschen meine Deckung fallen. Ich bin ein Teufel, ich setz den Hut nicht mit 'nem Kran auf“, erklärte Dave. Er hatte keine Lust, sich mit Jack anzufreunden - sie trennten sich in vier Wochen. Entweder gab Jack seine Seele und Dave stieg auf oder Jack gab sie nicht und Dave kam aus einem anderen Grund nie wieder in die Menschenwelt nach oben.

Warum dann Zeit verschwenden mit geheuchelten Nettigkeiten? Na ja, zugeben musste er schon, dass er Jack für seine Hartnäckigkeit bestaunte. Er würde nicht gleich so weit gehen, es zu bewundern, aber faszinierend war es schon. Warum wollte Jack ihn so sehr?

„Das stimmt schon und ich weiß, was du willst. Wäre an deiner Stelle doch zu überlegen, dass du freundlich zu mir bist und ich dir meine Seele gebe, trotzdem ich nicht bekommen habe, was ich will – auch wenn ich das nicht hoffe.” Jack zwinkerte Dave zu und lachte dann, als er sich noch ein Croissant nahm. „Warum machen wir uns die gemeinsame Zeit nicht so angenehm wie möglich für uns beide? Ich zeige dir, was mir gefällt und du kannst mir ja zeigen, was du so magst. Wenn es nicht funktioniert, dann ist in vier Wochen doch sowieso alles vorbei und wir werden uns wohl nicht mehr wieder sehen.”

„Wenn's sein muss“, knurrte Dave, denn er kam sich veralbert vor. Er sollte nett sein, weil er dann vielleicht die Seele bekam, ohne dass Jack hatte, was er wollte? Sicher? Und schon waren Menschen Wohltäter oder was? Gerade die, die sich an den Teufel wandten? „Allerdings weiß ich nicht, was mir Spaß macht, weil ich ziemlich selten länger als fünf Minuten hier oben war. Ehrlich gesagt interessiert mich die Menschenwelt nicht. Hier ist es kalt.“

„Mann, bist du ein alter Miesepeter”, lachte Jack und seine Augen blitzten schelmisch. „Apropos – wie alt bist du überhaupt? Wenn ich von deinem Aussehen ausgehe, würde ich sagen, so ungefähr 25 Jahre, aber ich weiß ja nicht, wie das bei Teufeln oder Teufelsanwärtern ist.” Er hatte beschlossen, sich nicht abschrecken zu lassen, egal wie abweisend sein Teufelchen auch sein sollte. „Du magst es also warm? Dann wird es dir dort gefallen, wo ich arbeite. Dort ist es immer sehr heiß.”

„Ja, heiß“, knurrte Dave. Er konnte sich nur zu gut denken, was der Lustmolch meinte! „Außerdem bin ich kein Peter, sondern Dave und ich bin mittlerweile seit 23 Jahren auf der Welt. Meine Mutter ist menschlich, deswegen sehe ich so aus, wie ich aussehe.“ Und wenn er nicht im nächsten laufenden Jahr ein Vollteufel wurde, dann kam die menschliche DNA stärker zum Tragen und aus war's mit der Höllen-Karriere. Doch das musste Jack ja nicht wissen.

„Och Menno, kannst du auch noch was anderes als knurren?” Jack seufzte leise. Das war wohl schwieriger, als er gehofft hatte, aber eine Tatsache, die Dave erwähnt hatte, ließ ihn aufhorchen. „Deine Mutter ist ein Mensch? Das gibt es auch? Ist ja krass. Lebt sie in der Hölle oder hier oben auf der Erde?”, fragte er neugierig.

„Sie lebt bei meinem Vater und macht ihm die Hölle heiß“, erklärte Dave und sah Jack dabei wieder an. Die kurzen, schwarzen Haare seines Gegenübers, die listigen Augen. Vielleicht wäre seinem Vater so jemand lieber gewesen als Sohn. Nicht blond, wie Dave. Er war der einzige blonde Teufel und das Gespött der Hölle. Vielleicht nahm sein alter Herr ihn deswegen so heftig ran, aber das war Dave mittlerweile auch egal. „Außerdem knurre ich nur, weil du immer Zeug sagst, was ich nur knurrend kommentieren kann“, klärte er auf.

Bei den ersten Worten kicherte Jack leise. Sein Teufelchen schien durchaus Humor zu haben. „Ach komm, Davie, so schlimm bin ich gar nicht. Du musst nicht alles, was ich sage, auf die Goldwaage legen. Eigentlich bin ich ganz nett, auch wenn du das nicht glauben willst und wenn ich dich auch sehr gern in meinem Bett haben möchte, so brauchst du keine Angst zu haben, dass ich versuchen werde, dich dazu zu zwingen. Nicht nur, weil mir dein Vater sonst die Eier abreißt, sondern weil es einfach nicht meine Art ist.”

Na ja, ob Luzifer seine Finger an eine potentiell zu verkaufende Seele legen würde, nur weil der seinem Sohn an die Wäsche wollte, das blieb zu bezweifeln. Höchstens, wenn ihm seine Frau dafür den Schwanz verknoten würde, aber sonst wohl nicht. Das aber behielt Dave für sich.

„Okay, du kriegst eine Chance, mich davon zu überzeugen, dass ich etwas verpassen würde, nicht mit dir ins Bett zu gehen - aber nur eine. Mach Mist und ich bin weg, egal was mein Alter zu zicken hat, klar?“, fragte er und biss von seinem Brötchen ab. Außerdem war ihm kalt und auf seinen Armen stellten sich die wenigen dünnen Härchen auf und bildeten eine Gänsehaut.

„Hey, das ist doch mal ein Wort.” Jack strahlte und klopfte Dave auf die Schulter. „Frierst du?”, fragte er dabei, denn er hatte die Gänsehaut gesehen und die Haut seines neuen Freundes fühlte sich auch kühl an. „Warte, ich hol dir einen warmen Pullover und stell die Heizung an.” Schon sprang er auf und holte aus seinem Schrank seinen wärmsten Pullover, den er immer anzog, wenn es draußen eisig kalt war. Auf dem Rückweg schaltete er die Heizung in der Küche noch auf höchste Stufe und gab den Pullover weiter. Ihm selber war eigentlich recht warm, aber was tat man nicht alles, um das Eis zu brechen. Er kicherte über seine Metapher und trank einen Schluck Kaffee.

„Öhm, danke.“ Dave war jetzt doch etwas irritiert über die Aufmerksamkeit und kroch in den Pullover. Er kam leider nicht umhin festzustellen, dass der Pullover richtig gut roch, nicht wie unten in der Hölle, wo überall der Geruch nach Schwefel und Rauch durch jede noch so enge Ritze kroch und den man auch mit Wasser nicht ab bekam.

„Vielleicht kann man es ja bei dir doch ein paar Stunden aushalten und so lange ich dir nicht meinen Hintern zudrehe, so lange bin ich auch nicht in Gefahr, hm?“, grinste er frech und trank seine Tasse leer.

Jack streckte ihm grinsend die Zunge raus und lachte dann. „Davie, Davie, du kannst ja wirklich noch was anderes als knurren und das gefällt mir wirklich gut. Du bist auch sicher, wenn ich hinter dir stehe. Zumindest dein Hintern.” Er zwinkerte und lachte wieder. „Aber es kann passieren, dass ich dich dann von hinten umarme, wenn du wieder so gut riechst wie gestern.”

Was war das denn? Dave senkte beschämt den Kopf. Wurde der etwa rot?

„Lass das“, nuschelte er und biss wieder ab, damit er nichts mehr sagen musste. Irgendwie war es komisch, von einem anderen Mann so was zu hören. Er hatte schon Komplimente bekommen, so war das ja nicht - meistens von den netten Ladys in der Verwaltung seines Vaters. Die männlichen Teufel lachten eigentlich nur über den Blassen.

Jack musste sich wirklich zusammenreißen, nicht entzückt zu seufzen. Das war ja richtig niedlich, wie der Süße da saß und zu verbergen versuchte, dass er rote Schatten auf den Wangen hatte. „Ach komm, auch harte Teufel dürfen Komplimente annehmen.” Aber er ärgerte ihn nicht weiter, denn er wollte den fragilen Frieden nicht gleich wieder kaputt machen. „Was sollen wir denn noch machen, mit dem angefangenen Tag, bis ich arbeiten muss”, fragte er deswegen und stopfte sich den letzten Rest seines Croissants in den Mund.

„Keinen Schimmer. Du wolltest mich unbedingt hier haben, jetzt lass dir auch was einfallen“, sagte Dave und kroch einfach in den Rollkragen hinein, bis nur noch die Nase rausschaute und die Augen. Auch die Hände waren in den langen Ärmeln verschwunden, denn die Fingerspitzen wurden kalt. Wie hielten Menschen das bloß aus?

„Draußen wirst du mir wohl erfrieren… hmm?”, murmelte Jack vor sich hin und musste wegsehen, denn so wie Dave da saß, hatte er einfach den Drang, ihn zu schnappen und warm zu knuddeln. „Was hältst du von, auf der Couch rumlümmeln und in einer warmen Decke eingehüllt, einen Film ansehen? Dass du so verfroren bist, hatte ich jetzt nicht gedacht und ich muss erst einmal überlegen, was ich mit dir machen kann, ohne dass du frierst.”

„Wenn du dich vielleicht mal daran erinnerst, wo ich her komme, dann könnte es vielleicht unter Umständen möglich sein, dass ich mich besser an die Hitze angepasst habe, als an diese Eiswüste hier oben und so lange ich meine eigene Decke kriege, ist mir egal, wo ich rumliege“, sagte er und überlegte, ob er da was Verfängliches gesagt hatte, doch es schien nicht so.

„Also, wenn das so ist…” Jack grinste und wackelte mit den Augenbrauen. „Dann gucken wir den Film in meinem Bett und die Decke dort wird dich auch noch wärmer halten, als eine Wolldecke.” Nun lachte Jack, denn Dave schaute ihn sehr misstrauisch an. „Eigene Decke, keine Fummeleien, vielleicht nur mein Kopf, der sich irgendwann auf deine Schulter legt, weil ich beim Film gucken etwas zum Anlehnen brauch.” Jack machte ein bittendes Gesicht. „Dort ist es einfach bequemer. Ich mach dir auch eine heiße Schokolade mit Chili.”

Mit dem Angebot war Dave dann schon fast wieder versöhnt und er nickte. „Okay, viel Chili und Cayenne und keinen Zucker und wenn mehr als nur dein Kopf auf mir landet, mein Lieber, dann zeig ich dir mal, wozu kleine Hörnchen gut sein können“, erklärte Dave mit einem sehr freundlichen Gesicht. Es war ja auch nur ein gut gemeinter Hinweis. Irgendwie war das neu für ihn, einfach nur rumliegen, nichts tun - aber Jack hatte das so verlangt und Jack hatte das Sagen. Das hatte sein Vater ja selber so bestimmt. Dave möge tun, was Jack von ihm verlangen wird. Er wäre blöd, sich dagegen zu wehren.

„Prima. Was kann man mit kleinen Hörnchen denn so machen?”, fragte Jack frech und grinste breit. Er strahlte und fing an, den Tisch abzuräumen, denn Dave schien auch satt zu sein. „Willst du schon mal vorgehen und einen Film aussuchen. Ist alles dort, was du brauchst. Du kannst doch mit Technik umgehen? Nicht falsch verstehen, aber ich weiß ja nicht, was ihr in der Hölle so an Technik habt.” Er ging zum Herd und stellte einen Topf darauf, damit er den Kakao machen konnte.

„Jack, mal was Grundlegendes“, sagte Dave, als er sich erhob und den Pullover gerade zog. Sein Schweif war auch mit unter der dicken Wolle verschwunden, denn der wurde immer als erstes kalt. „Nur weil wir aussehen wie Menschen, leben wir nicht wie Menschen“, sagte er, aber es war kein Spott in der Stimme. „Du warst noch nicht in der Hölle, sonst würdest du nicht fragen. Plastik hält dieser Hitze nicht stand, Metall glüht. Wie willst du da Dinge wie DVD-Player oder ähnliches betreiben? Man informiert sich zwar, was es alles bei euch oben gibt, aber haben kann man es nicht. Schade, aber nicht zu ändern.“ So war das eben, die obere Welt entwickelte sich weiter und die Teufel hatten daran keinen wirklichen Anteil.

„Oh”, machte Jack und sah Dave mit großen Augen an „Das ist ja blöd. Wie hält denn deine Mutter das da unten aus? Wenn das so heiß ist, das Plastik schmilzt, dann ist es für Menschen doch auch viel zu heiß.” Während er redete, machte er den Kakao fertig. Er selber hatte auch Lust drauf bekommen und so war ein zweiter Topf auf dem Herd gelandet, denn Daves Mischung entsprach nicht gerade seinen Vorlieben. Zwar mochte er auch ein wenig Chili im Kakao, aber nur einen Hauch und jede Menge Zucker

„Na ja, es gibt da so Tricks und Kniffe und ein paar Tränke und Mittelchen. Die machen es Menschen in der Hölle erträglicher. Freilich sind die nicht für die Verdammten, die im Fegefeuer schmoren, sondern nur für die, die eben... na ja, wie meine Mutter eben. Anders herum, dass man die Kälte hier oben ertragen kann, gibt es nichts, außer dicke Klamotten.“ Dave ging ein bisschen durch die Wohnung, um mehr über Jack herauszufinden. Was war das für einer, der glaubte, einen Teufel besitzen zu müssen?

„Ah so”, sagte Jack nur, denn er schüttete gerade den heißen Kakao in zwei extragroße Tassen, wobei der von Dave fast kochte im Gegensatz zu seinem. „Sag mal Davie, wäre es möglich, dass ich mir mal ansehen kann, wo du so lebst? Würde mich echt interessieren und darauf zu warten, bis ich irgendwann einmal sowieso dort lande, hab ich nicht wirklich Lust. Ich würde gern wissen, was mich erwartet.”

„Als Abschreckung oder was? Um sich dann doch noch für den Pfad der Tugend zu entscheiden, wenn's dir nicht gefällt, hm?“, fragte Dave und sein Schweif strich gerade an einem Stapel Bücher vorbei, während er sich zu Jack umsah. „Aber die Hölle ist kein Tourismushotel. Man kommt, um zu bleiben. Selbst meine Mutter kann die Hölle nicht wieder verlassen. Es gibt ein paar Stellen auf der Erde, wo man aus der Hölle an die Oberfläche kommt, aber so bequem wie man glauben mag, sind Vulkane nicht. Wer einmal da ist, bleibt“, erklärte Dave. Was hatten die Menschen nur für eine Vorstellung von der Hölle?

Hatte sich das Bild in den letzten Jahrhunderten so verschoben?

„Schade.” Jack nahm die Tassen und ging vor ins Schlafzimmer. Gut, dass er dort aufgeräumt und das Bett gemacht hatte. Sonst bekam Dave ja einen ganz falschen Eindruck von ihm. Er stellte die Tassen ab und deutete mit dem Kopf zum Fernseher. „Such dir was aus. Ich weiß ja nicht, was du so magst. Der Stapel rechts, wird nix für dich sein, das sind die Pornos”, lachte er, zog sich seine Hose aus und legte sich ins Bett. Mal schauen, was seinem Schnuckel so gefiel.

Doch erst mal stand besagter Schnuckel mit wild zuckendem Schweif in der Tür und beobachtete ihn mit fragendem Blick dabei, wie er die Hose fallen ließ und ins Bett kroch. „Was soll das?“, fragte er also und deutete auf die vereinsamte Hose vor dem Bett. „Ich zieh mich bestimmt nicht aus“, erklärte er und ging - immer den Blick auf Jack gerichtet - um das Bett und zum Stapel mit den Filmen. Die meisten sagten ihm sowieso nichts, weil er mit Filmen nichts anfangen konnte, also sah er sich nur die Cover an und griff eine Packung, auf der ein nett anzusehender Pirat ihm entgegen grinste.

„Musst du auch gar nicht.” Jacks Augen verdrehten sich leicht. Meine Güte, war der Süße misstrauisch. „Dave, im Gegensatz zu dir, finde ich es nicht kalt und wenn ich voll angezogen unter die Decke krabble, dann wird mir heiß und das mag ich nicht. Außerdem ist es ohne Hose einfach bequemer”, erklärt er und nickte zu Daves Filmwahl. „Komm her, dir passiert schon nix.”

„Ich hab keine Angst, falls du das glaubst“, erklärte Dave und baute sich vor dem Bett noch etwas mehr auf, stellte sich heimlich auf die Zehenspitzen, was Jack nicht sehen konnte, um noch etwas größer zu wirken. „Ich steh nur nicht drauf.“

Mit seinem dicken Pullover kroch er unter die Decke und weil Jack ja eh so warm war, zog er die Decke ganz zu sich, grinste, als der nun im Freien lag und ließ es sich nicht nehmen, Jack mal zu betrachten. Wenn der Kerl ihn haben wollte, wollte Dave auch wissen, was ihn so erwartete.

„Ey!”, lachte Jack und stand auf, um den Film einzulegen. Er war sich Daves Blicke durchaus bewusst und darum bewegte er sich unauffällig so, dass seine besten Seiten zur Geltung kamen. Lachend kam er wieder zum Bett und knuffte sich sein Kissen so, dass er sich bequem anlehnen konnte und startete die DVD. „Los geht’s”, sagt er und gab Dave seinen Kakao, damit er ihn noch heiß genießen konnte. Der legte auch gleich die klammen Finger darum und verschwand mit der Tasse bis zur Nase unter der Decke. Er musste erst mal auf Betriebstemperaturen kommen.

Der Vorspann lief, die Titelmelodie dröhnte laut, doch immer wieder wanderte sein Blick auch neben sich, da wo Jack herum lag und sich nicht mal eine Decke suchte. Eisklotz. Allein der Gedanke daran, alles von sich zu werfen, ließ Dave frösteln.

Es war irgendwie süß, wie sein Teufelchen sich vergrub und nur noch die Nasenspitze rausguckte, auch wenn es schade war, dass Jack so kaum etwas von diesem herrlichen Körper sehen konnte. Na ja, aber er wollte nicht gierig sein, und für ihren ersten gemeinsamen Tag hatte er schon mehr erreicht, als er für möglich gehalten hatte. Trotzdem legte er sich so, dass Dave einen guten Blick auf ihn hatte, wenn er wollte. Es konnte ja sein, dass sein Süßer nicht drauf stand, aber das musste ja nicht so bleiben.

Der Teufel selbst merkte gar nicht, dass dieses Bild extra für ihn arrangiert wurde. Er schluckte nur, als er neben sich sah und plötzlich Jacks stoffbezogener Schritt so richtig schön als Eyecatcher präsentiert wurde. Dave schluckte. Warum zog ihn dieses Bild so an? Das war doch verrückt. Stur versuchte er wieder nach vorn auf den Film zu sehen, doch wirklich viel hatte er von der Handlung noch nicht mitbekommen. Der Mensch neben ihm machte ihn nervös und Dave hatte keinen Schimmer warum.

Jack bekam von Daves Nöten nicht wirklich was mit, denn wie immer nahm ihn der Film um den Piraten Jack Sparrow gefangen. Langsam rückte er immer näher an Dave ran und schließlich landete sein Kopf auf der Schulter seines Teufelchens. Er brauchte einfach etwas, wo er sich ankuscheln konnte, wenn er einen Film sah und als er Daves Schwanz neben sich fühlte, nahm er ihn auf und streichelte darüber. Er bemerkte es nicht einmal, denn er war, wie immer, völlig in den Film versunken.

Dafür brachte er den armen Teufel in arge Bedrängnis, denn die Schwanzspitze war eine der empfindlichsten Stellen, die ein Teufel hatte, deswegen war sie auch das Ziel vieler Foltermethoden und Strafen. Unauffällig versuchte Dave seinen Schwanz wieder Jacks Händen zu entziehen, doch das ging nicht, denn Jack hatte ihn fest in der Hand und streichelte nun immer wieder die Spitze. Dave seufzte. Das war Folter! „Hey“, maulte Dave leise, doch er war hin und her gerissen. Zwar machte es ihn kirre, dass Jack da mit seinem Schwanz herum fingerte, aber auf seltsam zu nennende Weise war das auch ein ziemlich... erregendes Gefühl. Nicht gut, gar nicht gut, also zog Dave nun doch mit aller Kraft.

„Hmm”, machte Jack und sah auf seine Hände, die auf einmal leer waren. „Was ist denn los?”, fragte er irritiert. Erst jetzt realisierte er, was er gemacht hatte und fand es im Nachhinein schade, dass er nicht weitermachen durfte. „Tschuldige, hab ich gar nicht mitgekriegt”, sagte er leise und rückte wieder ein wenig ab, damit Dave sich nicht bedrängt fühlte, aber nun hatte er nichts mehr, wo mit er seine Finger beschäftigen konnte, also zog er sich einen Zipfel der Decke zu sich und spielte damit.

Dave beobachtete ihn dabei ganz genau und legte den Kopf schief. „Ich dachte, Menschen wären erwachsen und bräuchten nichts mehr zum spielen“, sagte er und wirkte dabei doch ein bisschen amüsiert. Um Jack zu ärgern zog er ihm die Decke einfach wieder weg und guckte was passierte. Der Film war uninteressant geworden.

„Na ja”, kicherte Jack und sah grinsend zu Dave. Dabei schnappte er nach der Decke und zog sie etwas zu sich. „Ich kann auch mit niedlichen Teufelchen spielen.” Er piekste Dave in die Seite und lachte. „Wer behauptet denn, dass Erwachsene nicht spielen. Das tun sie durchaus und an so einem Schnuckel wie dir ist auch jede Menge dran, mit dem man spielen kann. Sogar mehr, als an anderen Männern, die haben keinen Schwanz, zumindest nicht da, wo du einen hast.”

Nun guckte Dave etwas pikiert und sprang aus dem Bett. Das wurde ihm hier zu bunt. Er war ein Teufel und kein Kuscheltier. „Lass den Mist. Guck deinen Film, hier ist deine Decke, ich hock mich da drüben auf den Stuhl“, erklärte er, denn so konnte er sich einfach nicht konzentrieren. Und diese Anzüglichkeiten waren ihm auch nicht ganz geheuer.

„Och, komm. Das war doch nur ein Spaß.” Jack hatte sich aufgesetzt und sah Dave entschuldigend an. „Bleib hier und kuschle dich wieder unter die Decke. Ich hab dir versprochen, dass ich dich in Ruhe lasse und daran halte ich mich auch.” Er klopfte neben sich auf die Matratze und hielt die Decke einladend auf. Dave zitterte schon wieder, das war ja nicht mit anzusehen.

Doch er war ein stolzer Teufel und er war nicht käuflich. „Ja, das habe ich allerdings gemerkt, wie du dein Wort hältst“, knurrte Dave nur und zog sich weiter in den Pullover zurück. Wenn er hier noch lange blieb, dann war er morgen krank und lag flach - na ja? Warum eigentlich nicht? Dann konnte ihn dieser Kerl nicht rufen, denn auch Teufel kannten Krankenscheine und Genesungspausen.

„Was hab ich denn so Schlimmes gemacht? Dass ich meinen Kopf auf deine Schulter legen werde, habe ich vorher ja schon gesagt und das mit deinem Schwanz tut mir leid, aber das habe ich wirklich nicht gemerkt.” Jack war wirklich zerknirscht. „Komm wieder ins Warme, ich gehe auf den Stuhl, wenn du möchtest.”

„Was ich möchte, steht hier nicht zur Debatte!“, knurrte Dave und erhob sich. Er kam sich vor wie vor den Kopf geschlagen. Er wusste noch nicht einmal, was seine Aufgabe war. Er war unsicher und dann versuchte der Kerl auch noch freundlich zu sein, und brach dann immer wieder in Zweideutigkeiten aus. „Alles was mich mal interessiert ist die Frage, warum ich!“

Was es mit dem Schweif auf sich hatte, erzählte er lieber nicht. Nicht dass er Jack noch unbewusst in die Hände spielte.

„Doch sicher spielt es eine Rolle, was du möchtest.” Jack zog an Daves Hand, so dass der wieder auf dem Bett landete und deckte ihn zu, stopfte die Decke um ihn sogar fest, damit nichts Wichtiges, was abfrieren konnte, rausguckte. „Ich habe dir versprochen, dass ich dich zu nichts zwingen werde, also muss ich doch auch wissen, was dir gefällt und was nicht.” Mit angezogenen Beinen setzte er sich neben sein Teufelchen.

„Warum du? Ich kann es dir nicht genau sagen. Du gefällst mir einfach. Ich mag große, gut gebaute Männer und wann hat man schon mal die Möglichkeit, einen Teufel kennen zu lernen, dazu noch so einen gut aussehenden. Du gefällst mir einfach.” Jack zuckte mit den Schultern. Wie sollte er das auch erklären. Es hatte einfach Klick gemacht, als er Dave gesehen hatte.

„Ich seh aber nicht aus, wie normale Teufel. So wie mein Vater sehen normale Teufel aus“, erklärte Dave, der eigentlich immer noch nicht begriff. Weder warum es wichtig war, was er wollte, noch warum Jack ihn unbedingt haben wollte und sich solche Mühe gab. Aber er war ja auch nicht hier, um alles zu verstehen. „Ich komme mehr nach meiner Mutter und die ist menschlich.“

„Soll ich ehrlich sein?”, lachte Jack und lehnte sich nun wieder in sein Kissen. „Mir gefällt es, dass du mehr nach deiner Mutter kommst, auch wenn du das nicht so zu sehen scheinst. Was ist schlimm daran, so zu sein, wie du bist?” Er sah zu Dave und nahm sich seine Tasse, in der noch ein kleiner Rest Kakao war. „Viele Männer würden sonst was tun, um so auszusehen wie du.”

„Aber da, wo ich lebe, da will man eben nicht so aussehen!“, sagte Dave. Es klang knurrig, doch es war kein Vorwurf. So war es eben nun mal. „Warum jagen Weiße Neger? Warum töten Moslems Christen? Weil sie nicht so sind wie alle und so ist es in der Hölle auch. Wer nicht aussieht wie ein richtiger Teufel, wird auch nicht so behandelt. Da nutzt es mir gar nichts, dass Menschenmänner mich anziehend finden. Ich lebe nicht unter euch, ich lebe unter Teufeln und die wollen mich nicht, so wie ich bin.“

„Darum brauchst du unbedingt deine letzte Seele, damit du endlich das bekommst, um ein richtiger Teufel zu sein.” Jack blickte nachdenklich auf Dave und versuchte ihn sich mit großen Hörnern und Hufen vorzustellen. Es wäre wirklich schade um diesen schönen Mann, wie er fand. „Ich weiß, dass meine Meinung nicht zählt, aber ich finde das schade, denn ich finde dich, so wie du bist, einfach perfekt. Perfekt für mich.”

„Das nutzt mir zuhause leider gar nichts“, murmelte Dave leise, doch er sah Jack nachdenklich an. Er wäre - so wie er war - perfekt? Das hatte ihm noch keiner gesagt. Nur seine Mutter hatte ihn früher - als er noch kleiner gewesen war und sie nicht um drei Köpfe überragte - oft in den Arm genommen und gesagt, dass er gut wäre, genau so wie er war. Doch das war lange her. Er hatte damals die Wahl gehabt, auf die Erde zu gehen und ein Mensch zu werden oder bei seinen Eltern zu bleiben und ein Teufel zu werden, auch wenn der Weg dahin hart war. Er hatte es versucht, doch weit war er noch nicht gekommen.

„Irgendwie schon komisch, dass es in der Hölle nicht anders ist, als hier. Wenn jemand anders ist, dann wird er nicht akzeptiert oder sogar angefeindet. Glaub mir, das kenn ich auch.” Jack streckte sich aus und verschränkte seine Hände über dem Bauch, damit er nicht wieder anfing, an Dingen rumzufummeln, die er nicht berühren sollte. „Als Schwuler bekommst du oft zu spüren, dass du nicht der Norm entsprichst, aber das hat mich nicht abgehalten. Ich möchte mich nicht mein ganzes Leben verstecken, nur damit die Gesellschaft mich akzeptiert.”

Wieder lag Daves forschender Blick auf Jack. Irgendwie ging es dem wohl nicht anders als Dave auch. Nur mit einem Unterschied: Jack passte sich nicht an, während Dave alles daran setzte, ein Teufel zu werden, obwohl er auch als Mensch leben können würde. Er hatte nicht den Mut, gegen den Strom zu schwimmen, sondern ließ sich treiben, um in der Masse unterzugehen. Wenn er mal so richtig darüber nachdachte, war das armselig. Er versuchte nur seinem Vater zu imponieren. Er selber mochte diese hässlichen Hörner und die ekligen Hufe auch nicht, aber er würde sie annehmen, um einer von ihnen zu sein. Komisch.

„Heißt ja nicht umsonst Hölle“, grinste Dave schief, um überhaupt etwas zu sagen, denn an seinen Gedanken wollte er Jack nicht teilhaben lassen.

Jack blickte zu Dave und grinste schief. „Auch wieder wahr.” Sie waren sich wohl doch recht ähnlich, auch wenn sie vollkommen unterschiedliche Probleme hatten. „Na komm, vergessen wir das Ganze erst einmal. Wir sind hier, weil ich dich besser kennen lernen möchte und du mich, auch wenn es bei dir nicht freiwillig ist.” Er drehte sich auf die Seite und grinste seinen Bettnachbar an. „Aber so schlimm kann es ja nicht sein, wenn du unbedingt dort bleiben möchtest.”

„Ich habe nicht gesagt, dass ich es möchte“, sagte Dave noch ehe er es in seinem Kopf hätte zensieren können und starrte an die Decke. Er biss sich auf die Lippen, aber gesagt war gesagt. „Was soll ich hier oben? Allein? Meine Mutter könnte mich nicht besuchen und hier oben würde ich nicht nur frieren, ich müsste mich auch täglich verstecken und verkleiden. Die Teufel wissen wenigstens, was ich bin und ich habe meine Ruhe. Hier unter den Menschen, die Angst vor allem Fremden haben, was nicht so ist wie sie, würde ich wohl keine Woche überleben. Teufel sind keine Cola-Flaschen, sie sind nicht unkaputtbar.“

„Hmm… Ich kann dich schon verstehen, aber wieso musst du dich verstecken? Du siehst aus wie ein Mensch, wenn man mal von den Hörnchen und dem Schweif absieht. An die Temperatur hier, gewöhnst du dich auch mit der Zeit.” Jack strich Dave über den Arm und legte seinen Kopf wieder auf dessen Schulter. „Du wärst nicht allein. Ich wäre bei dir.”

„Hm“, machte der Teufel nur und holte tief Luft. Na, das waren ja Aussichten. Es war ja nicht so, dass er unbedingt aus der Hölle weg musste, aber gern war er nicht da. Doch es war nun einmal der Ort, an dem er aufgewachsen war und ein Teufel zu werden war das, was man von ihm erwartete und gut. „Eben. Ich müsste ständig Mützen tragen, um die Hörner zu verstecken und wenn erst mal einer den Schwanz gesehen hat, dann habe ich abgegessen. Nein, nein. So wie es ist, ist es schon okay.“ Auf Jacks letzten Satz wollte er nicht eingehen, der war ihm irgendwie unangenehm.

„Ach komm, deine Hörnchen sieht man doch kaum und wenn du nicht gerade die Haare aus dem Gesicht hast, fallen sie gar nicht auf.” Jack stupste gegen eins der Hörner und grinste. „Deinen Schwanz kannst du doch bestimmt in deiner Hose verstecken, oder um deinen Bauch. Es gibt für alles eine Lösung, wenn man nur will.” Er lachte und knuffte Dave in die Seite, auch wenn der durch die dicke Decke wohl nicht viel davon merken würde.

„Eben“, sagte Dave und ließ seinen Schweif unter der Decke vorlugen und wedelte ein bisschen damit. „Ich müsste mich tarnen und mich verstecken. Jeden Tag die Angst, entdeckt zu werden. Darauf habe ich noch weniger Lust als... auf das andere eben.“ Dave hatte sich in ein paar schwere Gedanken ziehen lassen, denen er gern - so oft es nur ging - auswich. Es war nicht das erste Mal, dass er darüber nachdachte, alles hinzuwerfen und auf die Erde zu gehen, doch dann kamen all die Nachteile, die auf ihn ein prasselten und die ihn davon abhielten, gegen den Strom zu schwimmen.

Lachend versuchte Jack die Schweifspitze zu fangen und kriegte sie auch zu fassen. Es war schon komisch, aber es fühlte sich gut an, darüber zu streichen. Er sah zwar nackt aus, aber tatsächlich war er von hellem, weichem Flaum bedeckt und es machte einfach Spaß, ihn zu streicheln. „Aber was wird sein, wenn du nach den vier Wochen meine Seele nicht bekommst. Kannst du dann in der Hölle bleiben oder musst du auf die Erde?”

„Weiß ich nicht“, log Dave fast sofort und wandte sich ab. Er wusste sehr wohl, dass er dann nicht mehr in der Hölle geduldet wurde und an die Oberwelt verstoßen wurde, wo er dann allein herum irren musste und sich verstecken. Allein der Gedanke daran war Horror. „Is' auch egal. Außerdem haben wir jetzt den Film verpasst, menno!“, lenkte er ab und kroch noch etwas weiter unter die Decke. Er hasste sich selbst dafür, dass Jack ihn so sah, doch was sollte er tun?

„Den können wir doch noch mal sehen. Das ist doch das Gute an den DVDs.” Jack wuschelte Dave durch die Haare und grinste breit. Daves Schwanz hatte er immer noch in den Fingern und streichelte ihn. Das wirkte irgendwie beruhigend auf ihn.

„Möchtest du noch einen Kakao?”, fragte er. Ihm selber war nach etwas zu knabbern und er durchforstete in Gedanken seine Vorräte. Da mussten doch noch ein paar Chips sein, wenn er sich recht erinnerte.

„Hm“, murmelte Dave nur und schloss die Augen. Die schweren Gedanken hatten ihm Kraft geraubt, aber ein seltsam unbekanntes Gefühl durchlief seinen Körper. Was war das? Kleine Wellen von Hochgefühlen und Hitze. Dave zuckte nervös, er konnte gar nichts dagegen tun. Er musste sich ablenken, das machte ihn noch ganz kirre. Also griff er seine Tasse und sprang plötzlich auf, doch er sank zurück, weil Jack seinen Schweif festhielt. Stumm sah der Teufel auf diese Verbindung und sah dann Jack an. Warum er sich nicht tobend dagegen wehrte, wusste er wohl selber nicht.

„Oh… tschuldigung. Hab ich dir wehgetan?” Jack ließ lockerer, aber ganz los ließ er den Schweif nicht, sondern streichelte weiter darüber. Irgendwas war mit Dave, aber er konnte sich nicht genau erklären, was es war, so zog er ihn wieder vorsichtig neben sich. Sanft strich er ihm über die Wange und lächelte. „Bleib liegen, ich mach dir noch was, wenn du möchtest. Du bist doch gerade wieder warm geworden, da musst du doch nicht wieder in die kalte Küche.”

„Hm“, machte der Teufel wieder und lehnte sich an die Wand in seinem Rücken. „Hat nicht wehgetan, hat sich seltsam angefühlt“, sagte er und reichte seine Tasse an Jack. Er kam sich erbärmlich vor. Vor Teufeln sollte man sich fürchten, sie mit Respekt behandeln, aber doch nicht mit Mitleid überhäufen. Aber er hatte im Augenblick nicht die Kraft, sich darüber aufzuregen. Er wusste ja selber nicht, was mit ihm los war. Er sank nur auf die Seite, zog die Decke über sich und rollte sich zusammen.

Jack sah auf ihn runter und hob schon die Hand, um ihm wieder durch die Haare zu wuscheln aber er ließ es sein. Sein Instinkt sagte ihm, dass das nicht das Richtige war, darum stand er auf und ging in die Küche, um noch etwas Kakao zu machen. Während die Milch warm wurde, suchte er Knabberzeug zusammen. Er hatte wirklich noch Chips und auch noch scharfen Dip, auch wenn der Dave bestimmt zu mild war. Darum machte er für seinen Gast ein eigenes Schälchen, was er noch ein wenig aufpeppte. Alles zusammen stellte er dann auf ein Tablett, mit den Tassen und ging wieder ins Schlafzimmer.

Dave hatte sich noch immer unter der Decke verkrochen. Am liebsten wäre er gegangen und hätte sich an einen der Lava-Flüsse zurückgezogen, um nachzudenken, aber er konnte nicht. Sein Vater hatte ja die Idee gehabt, dass Jack entscheiden durfte, was Dave tat und der wollte ihn eben hier als Begleiter haben. Das schlimme daran war ja, dass Jack ein verträglicher Kerl war und nicht so gierig oder materialistisch wie die anderen, deren Seele er sich geholt hatte. Für einen Augenblick wäre Dave sogar bereit gewesen zu sagen: ich scheiß auf deine Seele und bleibe bei dir. Doch das war ein schwacher Moment gewesen. Mehr nicht.

Jack stellte Daves Tasse auf dem Nachttisch ab und auch ein Schälchen Dip und Chips. „Kleiner?”, sagte er leise, denn er wusste nicht, ob Dave eingeschlafen war und wollte ihn nicht wecken, wenn es so war. Vorsichtig setzte er sich auf seine Seite und nahm die Fernbedienung. Er suchte die letzte Stelle, an die er sich bei dem Film erinnern konnte und ließ ihn wieder laufen.

Es dauerte eine ganze Weile, bis der Duft von Zimt Dave wieder unter seiner Decke vor lockte. Bis zur Nase kroch er heraus, weil es gerade so schön warm war.

„Bin ich echt nur hier, weil du dir 'nen Film ansehen willst und was zum Kuscheln brauchst oder hat das noch einen tieferen Sinn“, fragte er und richtete sich langsam auf. Er konnte sich ja nicht ewig so gehen lassen wie bisher.

Jack sah zu ihm rüber und stellt dann seine Tasse weg. „Du bist hier, weil du mir gefällst und weil ich dich besser kennen lernen will. Ich würde auch etwas anderes mit dir machen, wenn du magst, aber du frierst doch so schnell und da dachte ich, es wäre besser, wir bleiben hier.” Er nahm seine Tasse wieder und trank einen Schluck. „Dave, ich weiß, dass unser erstes Zusammentreffen nicht sehr glücklich war, aber du gefällst mir und darum wollte ich dich wieder sehen.”

„Aha“, machte der Teufel etwas unspektakulär und ein kurzes Lächeln schlich sich auf seine Züge. „Du bist der erste, der so was zu mir sagt. Dass er mich wieder sehen will. Die meisten sind eigentlich ziemlich froh, wenn sie mich wieder los sind“, gestand er und kroch nun doch neugierig unter der Decke vor. „Du bist ein seltsamer Mann.“ Doch als Beschwichtigung schob Dave seinen Schweif wieder zu Jack rüber, damit er wieder das mit ihm machte, was sich gut angefühlt hatte.

„Liegt vielleicht dran, dass ich in dir nicht den Teufel, sondern den Mann sehe.” Jack zuckte mit den Achseln und grinste schief. Seine Hand fing von ganz alleine den Schweif ein und streichelte ihn. „Mag sein, dass ich seltsam bin und ich denke, dass wird jeder sagen, der mitkriegt, wer du bist, aber ich bin lieber seltsam und verbringe Zeit mit dir, als dass ich mir die Chance entgehen lasse, in dir vielleicht den Mann fürs Leben gefunden zu haben.”

„Hör auf damit“, sagte Dave, denn das ging ihm zu weit. Sie hatten genau vier Wochen - sich einzureden, das würde fürs Leben sein, war blauäugig. Jack wollte ihn im Bett und dann bekam Dave seine Seele und wurde ein hässlicher Teufel, den Jack dann nicht mehr attraktiv fand und warum um alles in der Welt machte er sich darüber eigentlich noch Gedanken?

„Mit dem Süßholz-Raspeln kommst du auch nicht weiter.“ Doch weil Dave die Worte nicht so hart meinte, wie sie vielleicht klangen, ließ er Jack weiter mit seinem Schweif spielen. Irgendwie war das angenehm.

„Das war jetzt wohl wirklich etwas weit hergeholt, aber du machst mich neugierig. Ich mag dich irgendwie und ich frage mich, was nach den vier Wochen sein wird. Ob wir Freunde geworden sind oder ob wir beide froh sind, wenn wir den anderen nicht mehr sehen.” Jack drehte sich zu Dave und zog den Schwanz näher zu sich, damit er mehr davon streicheln konnte. „Könntest du denn, wenn du ein richtiger Vollteufel bist, auf die Erde kommen, wenn du wolltest und jemanden besuchen?” Jack war neugierig und er wollte mehr über Dave erfahren.

„Ja, könnte ich, aber ich würde es wohl nicht mehr tun“, sagte Dave leise und holte tief Luft. Er wusste langsam nicht mehr, ob es wert war, für eine Stellung, die er nicht wollte, einen Menschen seelenlos zu machen, der nett zu ihm war. Wieder fing er an zu zweifeln und an allem war nur Jack schuld, das war nicht gut. Er brauchte Abstand, um wieder neutral an den Job ranzugehen. Er war so unprofessionell. Wenn sein Vater das sah, war wieder was los. Doch Dave war es egal.

„Oh”, machte Jack und irgendwie versetzte es ihm einen Stich, aber er ließ es sich nicht anmerken, nur seine Finger, die Daves Schwanz streichelten, hielten inne. „Ja klar”, sagte er, „die meisten Leute, deren Seele du hast, werden dich nicht mehr sehen wollen und alle anderen werden wohl Angst vor dir haben.” Seine Finger streichelten weiter, denn die Stimmung, die gerade herrschte, gefiel ihm gar nicht. „Musst du denn als Vollteufel, immer noch Wünsche erfüllen und auf Seelenfang gehen?”, fragte er deshalb, nur um etwas zu sagen.

„Nein, dann werde ich in der Verwaltung tätig sein und anderen die Botendienste überlassen“, sagte Dave. An sich klang das richtig gut. Kein Stress mit Menschen, kein Ärger mit Vertragsbrüchigen, die glaubten, durch Hintertürchen dem Teufel ein Schnippchen schlagen zu können. Aber eigentlich hatte Dave es genossen, ab und an dem Schwefel zu entfliehen und saubere Luft zu atmen.

„Ah. In der Hölle scheint es nicht viel anders zu sein als hier – abgesehen von der Hitze. Nichts geht ohne eine ordentliche Verwaltung.” Jack lachte leise. „Ihr solltet bei den Beamten auf Seelenfang gehen, dann könnt ihr sie für euch arbeiten lassen und euch den ganzen Tag ausruhen und das machen, was euch Freude macht.” Jack lachte leise, als er sich das vorstellte.

„Beamte sind nicht so käuflich wie man glauben würde, sie haben eigentlich ein gutes Auskommen. Außerdem... die Seelen leben nicht alle bei uns. Sie werden vor ein Gericht gestellt. Es gibt eben Menschen, für die ist selbst die Hölle noch nicht Strafe genug, die gehen gleich weiter ins Fegefeuer und heizen das Innere der Erde, so einfach ist das“, erklärte Dave, froh darüber, sich ablenken zu können.

„Und wie sieht das aus, mit denen, die ihre Seele verkauft haben? Kommen die auch gleich ins Fegefeuer oder bleiben die bei euch?”, fragte Jack neugierig. Es war doch nicht schlecht zu wissen, was ihn erwartete, wenn er seine Seele verkauft hatte. Unauffällig zog er immer wieder leicht an Daves Schweif, so dass sein Teufelchen ein wenig näher kommen musste.

„Willst du abspringen? Ist es das?“, lachte Dave leise auf. „Kalte Füße bekommen, hm? Fegefeuer ist eben doch nicht so verlockend. Aber du wirst lachen. Die Seelenlosen sterben nicht ohne ihre Seele, sie leben weiter. Mit ein paar Einschränkungen natürlich. Jedes Tier wird sie meiden, das Glück wird sie nie wieder heimsuchen. Sie sind anfälliger bei Krankheiten, weil die Seele den Körper beschützt. Unfälle passieren ihnen häufiger, weil die Instinkte in der Seele sitzen“, fing Dave an zu erklären. Dabei lachte er leise. Er kam sich vor wie ein Oberlehrer. Vielleicht wurde er ja Lehrer für die jungen Teufel, das wäre doch wenigstens was.

„Nee, die kalten Füße hast du”, kicherte Jack und schnickte Dave gegen die Nase. „Nein ich war nur neugierig. Es kann also sein, dass ich noch lange lebe, aber so richtig viel Spaß macht es dann nicht mehr.” Das waren ja nicht so rosige Aussichten, aber Jack war niemand der kniff. Er hatte diesen Deal abgeschlossen und dazu stand er nun. Es war eben so und gut. Da hätte er sich eben vorher erkundigen müssen.

„Och, das kommt drauf an. Einige haben schon noch ordentlich Spaß an ihrem seelenlosen Leben. Das liegt aber meistens daran, dass sie vorher auch schon ziemlich seelenlos waren und nur einen überflüssigen Ballast losgeworden sind. Du kannst aber noch sagen: ich trete zurück, es gibt keine Knebelverträge, auch wenn es immer heißt, der Teufel hätte die erfunden.“ Dave rutschte sich in seinem Berg aus Decke und Kissen zu Recht und stellte mal wieder - wie schon so oft - fest, wie leicht es sich die Menschen machten. Alles was schlecht war, schrieb man einfach dem Teufel zu, da war man dann fein raus.

Dabei war der Mensch selber schlimmer als jeder Teufel, nur wahr haben wollte das keiner.

„Gut zu wissen, dass ich es mir noch überlegen kann, obwohl ich das wohl nicht machen werde. Ich habe mit deinem Vater einen Deal abgeschlossen und da kann man es sich nicht einfach anders überlegen. Das habe ich bisher nie gemacht und werde damit auch nicht jetzt anfangen. Warten wir einfach ab. Wenn ich dich in den vier Wochen nicht für mich begeistern kann, hat sich das alles sowieso erledigt.” Jack wollte jetzt nicht in trüben Gedanken versinken, darum kitzelte er über Daves Schwanz und zog ihn noch ein wenig näher.

„Hey“, rief der Teufel überrascht und knallte aus Versehen die Tasse auf den Nachttisch, um nicht den Kakao ins Bett zu schütten. Sie überlebte die unschöne Behandlung und jetzt zog Dave an seinem Schwanz und versuchte Jack von sich zu schieben. „Hinterhältige Angriffe auf durchgefrorene Teufel. Fiese Sache, das!“, knurrte er und seine Hörnchen warfen kleine Blitze nach dem Angreifer.