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Anders als geplant

Sie taten Jack nicht wirklich weh, sondern lösten ein lustiges Kribbeln in Jack aus, so dass er Dave weiter ärgerte und nun auch noch durch die Decke hindurch kitzelte. „So durchgefroren bist du doch gar nicht mehr”, kicherte er und schwups, war eine seiner Hände unter Decke, Pullover und Hemd verschwunden und streichelte über die schön warme und weiche Haut.

„Hey“, schrie Dave erneut, was tat der Kerl? Nutzte der die Situation etwa schamlos aus? Den Teufel erst einlullen und sich dann nehmen was einem zustand? Also rutschte Dave so weit zur Seite, wie es nur ging, doch auch ein Teufel unterlag der Schwerkraft und so ging er etwas unelegant zu Boden, nur seine Beine hingen noch auf dem Bett in der Decke, während er - vergraben unter einem Kissen - auf dem Boden landete und ruderte. „Lass das bitte, das mag ich nicht“, erklärte er und war froh, dass er Jack dabei nicht ins Gesicht sehen musste, denn es war gelogen. Es fühlte sich viel zu gut an!

Aber er wollte Jacks Seele nicht - er wollte nicht, dass Jack sich änderte und er wollte auch nicht, dass er selbst sich veränderte und Jack nicht mehr gefiel. Aber das konnte er doch nicht sagen.

„Hast du dir wehgetan?”, fragte Jack auch gleich und linste über die Bettkante. Er hob das Kissen von Daves Gesicht und lächelte entschuldigend. „Das wollte ich nicht, tut mir leid. Ich wollte dich nur ein wenig ärgern.” Er hielt seinem Teufelchen die Hand hin, damit er ihm aufhelfen konnte, doch Dave zog die Beine vom Bett und rutschte noch etwas weiter ab, damit er sich im Schneidersitz hinsetzen konnte.

„Nein, geht schon, nur den Steiß ein bisschen“, sagte er und zog aus dem ganzen Gewühl seinen Schweif, damit der wieder gerade wurde. So stand er steil hinter Daves Rücken und der holte erst mal tief Luft. Das war nicht gut, wie das lief. Gar nicht gut!

Jack besah sich sein Teufelchen und legte den Kopf schief. „Komm wieder ins Bett, da unten auf dem Boden ist es doch zu kalt”, sagte er. „Ich verspreche auch, dass ich so etwas nicht noch mal mache. Es war eine blöde Idee, das geb ich zu, aber ich hab mir wirklich nicht viel dabei gedacht und wollte dich mit meinen kalten Fingern erschrecken.”

„Nein, lassen wir das“, sagte Dave energisch. Er wollte das nicht noch einmal. „Versprich nicht Dinge, die du nicht halten kannst. Ich bin zwar hier, weil du das willst, aber ich bin nicht gewillt zu bleiben, wenn es so weiter geht“, erklärte er und erhob sich, legte dabei die Decke wieder zurück auf das Bett. In eine solche Situation durfte er sich nie wieder bringen - das musste er sich merken!

„Du möchtest gehen?”, fragte Jack und man sah seinem Gesicht an, dass er das schade fand. Es hatte doch nur ein harmloser Scherz sein sollen, aber Dave sah das wohl anders. Wie konnte Jack auch nur immer wieder vergessen, dass sein Teufelchen es gar nicht schätzte, von Männern berührt und angemacht zu werden. Aber sie hatten sich gerade so gut verstanden, dass er das vollkommen verdrängt hatte.

„Weiß nicht. Ich bin ja an dich gebunden. Ich kann erst gehen, wenn du es mir gestattest. Aber ich möchte diese Nähe vorerst nicht mehr, sie verwirrt mich“, gab Dave offen zu und strich sich mit der Hand durch die Haare. Der Schwanz zuckte wieder nervös. „Können wir nicht noch was anderes machen, außer im Bett zu liegen? Ich werde schon nicht gleich erfrieren“, versuchte er einen Kompromiss.

„Okay. Ich zieh mir nur schnell meine Hose wieder an.” Jack krabbelte über das Bett und fischte nach seiner Hose, die immer noch auf dem Boden lag. Schnell schlüpfte er hinein und setzte sich dann zu Dave, wenn auch mit etwas Abstand, um ihn nicht zu bedrängen. „Wir können alles machen, was du möchtest. Ein wenig bummeln, spazieren oder etwas besichtigen gehen. Kino, Essen, alles, was du schon einmal probieren wolltest.”

„Ich weiß doch auch nicht, Jack, wie oft noch, schlag was vor, ich ziehe mit“, sagte Dave etwas genervt. Langsam ging es ihm nämlich gegen den Strich, dass er sich einen Kopf machen sollte, was sie unternahmen. Gelinde gesagt war ihm das ziemlich egal. So lange waren seine Aufenthalte auf der Oberfläche nie gewesen, als dass er Vorlieben hätte entwickeln können.

„Uah, nicht gleich fressen.” Jack hob seine Hände. „Hätte doch sein können, dass du schon mal was ausprobieren wolltest und bisher keine Gelegenheit dazu hattest. Also eigentlich hatte ich vor, bevor du gestern bei mir reingeschneit bist, in die Stadt zu gehen und mir etwas zum anziehen zu kaufen. Ich brauche einen neuen Anzug und noch ein paar andere Dinge.”

„Aha“, sagte Dave. Begeistert war er nicht, doch er ließ es sich nicht anmerken. Einkaufen hieß Menschen treffen, hunderte, die ihn ansahen, die vielleicht etwas merkten. Doch er würde sich schon durchschlagen. „Gut, gehen wir einkaufen“, sagte er noch einmal mit fester Stimme und ging langsam aus dem Raum.

Jack ließ den Kopf hängen. Er konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass er schon wieder etwas verkehrt gemacht hatte, aber er fragte nicht, denn so wie Dave ihn angesehen hatte, würde er doch keine richtige Antwort bekommen. „Soll ich dir noch was Warmes zum anziehen geben?”, rief er ihm hinterher und stellte alles wieder auf das Tablett, damit er es in die Küche bringen konnte.

Dave sah ihm entgegen. Er haderte mit sich selbst. Einerseits wollte er Jack nicht so dicht an sich heran kommen lassen, als dass etwas passieren könnte, was sie hinterher beide bereuen würden, andererseits würde er ohne dicke Jacke gleich ziemliche Frostbeulen bekommen. „Ja, wäre nett“, sagte er doch schlussendlich und lehnte sich an die Wand. Die Stimmung war getrübt, doch er selbst hatte das ja so gewollt.

Das Tablett wieder abstellend, ging Jack zum Schrank und holte seine wärmste Jacke raus, damit Dave nicht frieren musste. „Mütze auch?”, fragte er dabei und nahm eine farblich passende gleich mit raus und legte alles aufs Bett, damit der Teufel entscheiden konnte und ging dann in die Küche. Er räumte alles weg und lehnte sich an die Arbeitsfläche und atmete tief durch. Die Stimmung schlug ihm aufs Gemüt und er wusste nicht warum.

Währenddessen suchte sich Dave die Jacke und die Mütze und zog beides an, schlüpfte auch noch in seine Schuhe, dann wartete er brav. Dieser Auftrag verlangte wirklich alles von ihm ab. Warum musste Jack so ein netter Kerl sein? Konnte er nicht ein Arsch sein, von dem man sich wünschte, er wäre seine Seele endlich los?

Verdammt. Er musste heute Abend mit seinem Vater reden, vielleicht konnte man den Deal noch rückgängig machen. Jack war zu schade für die Hölle, irgendwie.

Jack musste ein wenig grinsen, als er Dave so sah. So zog er selber sich nur an, wenn draußen Minusgrade herrschten und jetzt war gerade mal Herbstanfang und dazu noch relativ warm. Darum reichte ihm eine dünne Jacke über seinem T-Shirt, die er auch gleich anzog und dann in seine Schuhe schlüpfte. „Kann losgehen”, sagte er schließlich und öffnete die Wohnungstür, damit Dave durchgehen konnte.

Der schlüpfte auf den Flur hinaus und sah sich erst einmal um. Sein Schweif wedelte nervös und aufgeregt, doch als er ihm ins Gesichtsfeld kam, bemerkte er seinen Fehler und stopfte ihn zurück unter den Pullover. Hoffentlich passierte ihm das nicht unterwegs! „Und wohin wird es gehen?“, fragte er, als er vor Jack die Treppe runter hüpfte, damit ihm warm wurde.

„Wickel ihn dir um den Bauch, dann passiert es dir nicht so schnell”, lachte Jack. Dave wirkte wie ein kleines Kind und das war einfach niedlich. „Wir gehen jetzt in die Stadt. Das ist nicht weit und dann gehen wir zu meinem Lieblings-Herrenausstatter und kaufen mir einen neuen Anzug und vielleicht noch ein paar andere Dinge”, erklärte er, was er vorhatte, während er die Tür abschloss und Dave hinterher lief.

„Okay“, sagte der Teufel nur und war schon unten aus der Tür. Den Schweif hatte er nun doch auf dem Weg nach unten durchs Hosenbein gefädelt, so dass er gar nicht auf die Idee kam, damit zu wedeln und auf sich aufmerksam zu machen. „Na los!“, rief er nach hinten und war schon zur Straße gelaufen. Er beguckte sich die anderen Menschen, die an ihm vorbei gingen, hopste einem Kinderwagen aus dem Weg und wäre auf der Wiese fast noch gefallen.

„Vorsicht, Dave”, lachte Jack und fing sein Teufelchen auf. Er ließ ihn aber gleich wieder los, denn er hatte ja versprochen, ihm nicht mehr zu nahe zu kommen. Er zeigte ihm, wo sie lang mussten und grinste, weil sie wohl Aufsehen erregten. War ja auch nicht alltäglich, zwei große, gut gebaute Männer zusammen, sah man auch nicht sehr oft, wobei einer noch eingepackt war, wie im tiefsten Winter.

Doch Dave schien das kaum zu merken. Er strich mit den Fingern über Sträucher, über Hauswände, lachte, wenn ihn ein Hund anknurrte und schmuste kurz mit einer Katze, die ihm nachlief, von ihrem Frauchen aber wieder zurückgerufen wurde. Es war herrlich hier oben! Er wollte mehr davon. Er vergaß sogar, dass es kalt war, denn die Bewegung ließ ihm warm werden. Immer wieder ließ er sich mit in den Nacken gelegten Kopf die Sonne aufs Gesicht scheinen.

Jack ließ ihn machen und griff nur immer wieder, wenn es nötig war, ein. Wenn sie die Richtung wechseln mussten oder wenn Dave wieder nicht aufpasste und anderen Menschen vor die Füße lief oder vor lauter Begeisterung auf die Straße geriet und Gefahr lief, überfahren zu werden. Es war einfach herrlich, ihm zuzusehen, wie er alles um sich herum entdeckte und sichtlich Spaß daran hatte.

Aber das war auch nicht verwunderlich, denn bei seinen Aufträgen war er selten aus den Wohnungen der Klienten raus gekommen. Ein paar hatten auf dem Land gewohnt, die für die Rettung ihres Hofes ihre Seele gegeben hatten, aber so wie hier war Dave noch nie unterwegs gewesen. Warum war ihm dies hier verwehrt geblieben? Warum hatte ihm keiner erzählt, wie schön es hier oben war und wie aufregend? Er hatte immer nur gelernt: die Menschen sind schlecht - nutzt es aus!

Aber das stimmte doch gar nicht.

Es war so ganz anders. Die Menschen unterschieden sich nicht sehr von den Teufeln. Sie lachten, sie schimpften, waren freundlich, aber auch unfreundlich, eben eine bunte Mischung. Jack lachte leise, als Dave sich zu einem Hund runter beugte und ihn streichelte und dabei richtig glücklich aussah. „Du scheinst Tiere zu mögen. Möchtest du in den Zoo? Einkaufen können wir verschieben?”, fragte er darum.

Dave sah auf, als die Dame mit ihrem Spaniel weiter ging. „Nein, heute kaufen wir ein und dann können wir ein anderes Mal immer noch in den Zoo gehen. Ich bin ja heute sicher nicht das letzte Mal hier“, sagte er und lächelte. Als er sich wieder aufgerichtet hatte, legte er die Arme hinter den Kopf und streckte sich. „Lass uns gehen.“

„Wie du meinst. Verschieben wir den Zoobesuch.” Er konnte nicht anders und piekste Dave in den Bauch, der unter der Jacke hervorblitzte und lief dann lachend weg, als sein Freund wie erwartet zusammenzuckte. Von der trüben Stimmung, die vorhin noch geherrscht hatte, war nichts mehr zu merken und darum wurde Jack auch wieder lockerer und frecher.

„Ey!“, rief Dave ihm hinterher. „Menschlein, reize nie den Sohn Luzifers, wenn du nicht gegrillt werden willst.“ Doch dann schlug er sich die Hand vor den Mund und sah sich verschüchtert um. Aber es gab Entwarnung, keiner hatte ihn wirklich für voll genommen. Die Menschen liefen an ihm vorbei, ein paar jüngere Mädchen sahen ihn an und kicherten und Dave sah ihnen verwirrt nach. Jack war uninteressant.

„Du gefällst ihnen, was ich verstehen kann”, flüsterte Jack ihm ins Ohr und legte kurz von hinten die Arme um ihn und funkelte die Mädchen an. Die sollten sich bloß keine Hoffnungen machen, der Schnuckel gehörte ihm. Da gab es keine Verhandlungen. „Mach dir keine Sorgen, wegen dem, was du gesagt hast. Sie haben es für einen Scherz gehalten und solange sie deinen Schwanz und deine Hörnchen nicht sehen, wird es auch so bleiben.”

„Ich werde es hoffentlich zu vermeiden wissen“, überlegte Dave, verstand aber nicht, warum die Mädchen sich plötzlich abwendeten und gingen. Er zuckte nur die Schultern und sah dann wieder zu Jack, befreite sich dabei aber aus dessen Armen. „Warum gefalle ich euch? Von den Teufelsdamen guckt mich keine an“, fragte Dave, denn er verstand nicht, dass er auf Menschen wohl ganz anders zu wirken schien als auf seinesgleichen.

„Warum? Weißt du das wirklich nicht?” Jack wirkte ein wenig verwirrt, aber dann fiel ihm ein, dass in der Hölle wohl andere Schönheitsideale galten als hier. „Warte mal.” Er schnappte sich Daves Hand und zog ihn hinter sich her zu einer Bushaltestelle in der Nähe, wo er wusste, dass dort ein Plakat eines leicht bekleideten männlichen Models hing. „Hier”, sagte er, als sie dort angekommen waren. „Über so einen Mann sagen die Menschen, dass er gut aussieht. Ihn finden wir attraktiv. Und nun sieh dich an. Es könnte genauso gut ein Bild von dir dort hängen und wir würden das gleiche sagen: Du bist schön.”

Etwas skeptisch sah Dave auf das Bild. Der Kerl hatte keine Hörner, keinen Schweif, so weit man das sehen konnte und Zehen anstelle von Hufen. Na ja. Er hob eine Braue, fing aber langsam an zu verstehen. Durch die Gene seiner Mutter kam er wohl in ihrer Welt ziemlich gut an. Doch was nutzte das, wenn er hier nicht lebte, sondern nur zu Besuch war? „So ist das also“, sagte er und sah sich wieder zu Jack um, lachte leise. Menschen waren echt schräg.

„Ja, so ist das und du solltest dich darauf einstellen, dass dir, solange du hier bist, schmachtende Blicke zugeworfen werden. Aber ich werde sie alle vertreiben, denn ich will dich ganz für mich alleine.” Jack guckte grimmig, lachte dann aber, damit Dave merkte, dass der letzte Teil ein Scherz gewesen war. „So jemand wie dein Vater wäre hier nicht sehr begehrt. Wir stehen nicht so auf Hörner und Hufe, aber es gibt auch Ausnahmen, wie deine Mutter beweist.”

„Ich geh mal davon aus, dass mein Vater auch nicht immer so ausgesehen hat“, murmelte Dave, wollte darüber aber nicht weiter nachdenken. Lieber lachte er noch ein bisschen und beschloss sich hier auf der Oberfläche so feiern zu lassen, wie es ihm in der Hölle verwehrt war. Immer stärker wurde der Drang, hier zu bleiben, nicht wieder hinab zu steigen. Doch er hatte einen Auftrag und ein Ziel, auch wenn es in erster Linie das Ziel seines Vaters war, der es wohl leid war, dass über seinen ungeratenen Sohn hinter vorgehaltener Hand getuschelt wurde.

Hier tuschelte keiner über ihn.

„Dann muss sie ihn wirklich lieben. Es ist zwar so, dass wir oder zumindest die meisten von uns, sich nicht nur in das Aussehen verlieben, aber es spielt auch eine Rolle und wenn sie bei ihm geblieben ist, nachdem er sich verändert hat, muss sie ihn wirklich lieben.” Jack ging wieder weiter, denn Dave begann schon wieder zu zittern. „Ich finde das wirklich bewundernswert. Ob ich das könnte, weiß ich gar nicht, denn eigentlich war ich noch nie richtig verliebt.”

„Du bist oberflächlich“, sagte Dave nachdenklich. „Nur weil sich jemand im Aussehen verändert, so ändert sich doch sein Wesen nicht. Wie kann man sich von dem, den man angeblich liebt, einfach so abwenden. Würdest du das bei mir auch tun, wenn du... ach vergiss es!“, sagte Dave nur und ging langsam weiter. Das hatte ihn jetzt völlig aus der Bahn geworfen. Was wollte er denn da fragen?

Jack stand da und sah ihm entgeistert hinterher. „Dave, ich hab doch gar nicht gesagt, dass ich das machen würde.” Er lief ihm hinterher und hielt ihn am Arm fest. „Ich war noch nie verliebt, aber ich habe doch nicht gesagt, dass ich nur auf das Aussehen fixiert bin. Zu Liebe gehört viel mehr, das weiß sogar ich.” Er wollte nicht, dass Dave einen schlechten Eindruck von ihm hatte. „Nein“, sagte er schließlich, „wenn ich mich verliebe, dann richtig und dann ist es egal, ob du dich verändern würdest, genau wie bei deiner Mutter.”

Unschlüssig blieb Dave stehen und sah Jack eine Weile lang nur an. „Lassen wir das Thema“, sagte er dann, denn es machte ihn nervös. Alles was Jack tat, alles was er sagte, ging Dave unter die Haut. Es war unbekannt und irgendwie auch nicht wirklich angenehm, wenn es ihn so aus der Bahn warf. Was dachte er sich eigentlich? Jack einen Vorwurf wegen seiner Einstellung zu machen. Er war wirklich zu weich und fing an, sich an diesen Mann zu klammern. Das war nicht gut!

Das musste aufhören!

„Gehen wir“, legte er also fest.

Jack spürte, dass Dave zu diesem Thema nichts mehr sagen wollte und beließ es dabei, aber die gelöste Stimmung von vorhin war dahin. Schweigend gingen sie nebeneinander her und hatten bald die Einkaufsstraße erreicht. Hier gab es wirklich alles und Jack kaufte gerne dort ein. Es gab große Kaufhäuser, kleine, edle Boutiquen und alles was man so brauchen konnte. Hier fand er eigentlich immer etwas, wenn er was suchte. Er lenkte ihre Schritte zu dem Herrenausstatter und hielt Dave die Tür auf, als sie angekommen waren.

„Danke“, sagte der Teufel höflich, denn seine Mutter hatte ihm Manieren beigebracht und beharrte auch darauf, dass man sich nicht wie die Axt im Walde benehmen musste, nur weil das ein jeder von ihm erwartete. Hier war es dann plötzlich ziemlich voll und die Massen von Menschen ließen Dave erst einmal zurück weichen. Doch dann fasste er sich und ging weiter. Rechts und links Geschäfte, überall nur Kommerz. Typisch Mensch.

Und wieder wurde er angestarrt.

Immer noch schweigend ging Jack neben ihm und der hatte das Problem, dass mit jedem Lächeln und jedem Blick, der Dave zugeworfen wurde, der Drang, ihn an sich zu ziehen, größer wurde. Es gefiel ihm gar nicht, dass hier so viele Menschen waren, darum zog er Dave schnell weiter zu den Anzügen, wo es etwas weniger voll war. „Wenn du magst, kannst du mir beim Aussuchen helfen oder du kannst dich auch dort drüben hinsetzen und warten”, sagte er zu ihm und deutete auf eine Sitzgruppe.

„Viel Ahnung hab ich nicht, aber ich kann dir sagen, was mir gefallen würde“, bot Dave eine Versöhnung, denn auch ihm schlug die Stimmung etwas auf den Magen. Er musste sich heute Abend unbedingt mal mit seiner Mutter zusammensetzen und mit ihr reden. Er wusste nicht, wie er sich sonst für die nächsten Wochen wappnen sollte. „Ich bleib einfach hier stehen und... na ja“, sagte er und öffnete die Jacke. Mittlerweile war sogar ihm warm. Er fing wohl an, sich an das Klima zu gewöhnen.

„Gut.” Jack lächelte und zog Dave am Arm zu den Anzügen, die ihm von der Farbe her gefielen. Da sie für die Arbeit waren, bevorzugte er gedeckte Farben, wie grau, anthrazit oder dunkelblau. Einen kleinen Farbtupfer setzte er meistens durch das Hemd oder die Krawatte. „Was hältst du hier von?”, fragte er und hielt einen dunkelblauen hoch. Mit einem weißen Hemd und einer peppigen Krawatte müsste das gehen.

Dave kam näher und besah sich den Stoff, dann die Farbe. „Zieh mal an, so kann ich das ja nicht beurteilen!“, sagte er und zog nun die Jacke aus, schließlich trug er immer noch den dicken Pullover darunter. Anzüge waren nicht sein Ding, doch er würde sie tragen müssen, wenn er dann in der Verwaltung war, denn dort herrschte Uniform-Zwang. Noch ein Grund, warum es ihn eigentlich nicht danach drängte, diese Seele zu bekommen.

„Halt mal, dann such ich noch was anderes, damit das Umziehen sich auch lohnt.” Er suchte noch ein wenig und hatte schließlich einen schwarzen Anzug in der Hand, der ihm auf Anhieb gefiel. Das Sakko war nicht klassisch geschnitten, sondern eher wie eine Uniformjacke mit kleinem Stehkragen und ansonsten ganz schlicht, fast so, wie ein wenig asiatisch angehaucht. Darunter konnte er auch gut ein Shirt tragen. Das war praktisch. „Guck mal. Was sagst du zu dem?”, rief er zu Dave rüber und hielt ihn hoch.

Doch der grinste nur schief. „Musst du anziehen, vom so sehen habe ich keine Vorstellung, wie das mal aussehen soll“, gestand er und lachte leise. Mit was für Problemen sich die Menschen herum schlugen. Teufel bekamen jeden Monat ihre Zuteilung und gut. Da stand es nicht zur Debatte, ob es gefiel oder nicht. Zum Glück traf es meistens den Massengeschmack und da in den meisten Abteilungen sowieso Uniformzwang herrschte, stand das Problem ja gar nicht.

„Okay, mach ich Modenschau für dich”, lachte Jack und nahm Dave den zweiten Anzug ab. „Kommst du mit in die Kabine, beim anprobieren helfen?”, flüsterte er ihm ins Ohr und zwinkerte grinsend. Er wusste, dass das nicht passieren würde, aber er ärgerte sein Teufelchen zu gerne, denn wenn er rote Schatten bekam, sah er einfach zum anbeißen aus.

Aber Dave gönnte ihm diesen Anblick nicht, sondern wandte sich nur um. „Lass das!“, knurrte er und atmete tief durch. Wenn Jack so weiter machte, dann war er in ein paar Tagen seine Seele los! Das konnte Dave nicht - er musste einen Weg finden, dies zu verhindern. Wenn die Zeit um war, dann... dann war doch sowieso alles egal, dann konnte Jack seine Seele behalten und wenn alles schief ging, dann musste Dave ja vielleicht sowieso hier bleiben und dann... er seufzte. Was machte er sich nur für sinnlose Gedanken.

Von denen ahnte Jack nichts, als er grinsend in die Kabine ging und erst den dunkelblauen Anzug anprobierte. Prüfend sah er sich von allen Seiten an.

Passen tat er gut und er stand ihm auch, wie er fand, aber trotzdem war er unsicher. „Was sagst du?”, fragte er deshalb, als er die Tür öffnete und zuppelte an sich rum.

Dave schoss erschrocken herum. „Was?“ Seine Stimme zitterte leicht, doch dann begriff er und holte noch mal Luft. „Ja, ganz nett“, sagte er und ging um Jack herum. Irgendwie veränderte sein Outfit den ganzen Typ. Er wirkte jetzt viel resoluter, viel autoritärer. „In Jeans mag ich dich aber trotzdem lieber sehen“, gestand der Teufel und schürzte die Lippen.

„Darin fühl ich mich auch wohler, aber für die Arbeit brauch ich halt Anzüge.” Jack freute sich über das Kompliment und hatte gleich wieder bessere Laune. Er drehte sich noch einmal vor dem Spiegel, dann zog er die Jacke aus und versuchte zu sehen, wie die Hose am Hintern saß, denn wenn das nicht gut aussah, dann war das nichts. Da war er eitel. Er knurrte leise, als er nichts sehen konnte und wandte sich an Dave.

„Sitzt die Hose?”, fragte er ihn. Doch der stand allerdings erst mal nur da und starrte auf Jacks Kehrseite. Er wusste ja selber nicht, warum ihn das so anzog, aber der Anblick war irgendwie anziehend. „Hä?“, machte er etwas abwesend, doch dann drang die Frage auch in sein Hirn vor und sein Kopf schoss hoch. „Ja, sieht gut aus!“, nuschelte der Teufel und wandte sich erst mal ab, tat so, als müsste er in dem Kleiderständer hinter sich etwas suchen.

Jack hob ein wenig die Augenbraue, sagte aber nichts. „Gut, dann nehm ich den auf jeden Fall. Ich probier den anderen noch an.” Mit den Worten verschwand er wieder in der Kabine und zog sich um. Er fragte sich, warum Dave auf einmal so komisch war, aber er schob es darauf, dass der Teufel jetzt lieber überall wäre, als bei ihm und der Gedanke versetzte ihm einen Stich. Daves abweisende Art machte ihn neugierig darauf, zu sehen, wie es war, wenn Dave sie aufgab. Mit dem schwarzen Anzug trat er aus der Kabine.

„Wie ist der?”, fragte er und besah sich im Spiegel.

„Öhm, nett?“, sagte Dave der sich langsam wieder gefangen hatte. Zum Glück steckte der Schweif fest im Hosenbein und konnte nicht wieder nervös hin und her durch die Luft peitschen. Jack machte ihn nervös, egal ob er viel oder wenig trug, egal ob er sich abwandte oder Dave ansah und komischerweise war es ein Dauerzustand, dass der Teufel so nervös war, seit er heute morgen mit seinem Plüschie bei Jack aufgetaucht war.

Wenn er sich zurück erinnerte, war das ein ziemlich peinlicher Auftritt gewesen.

Jack sah das anders, denn ihm hatte der Anblick eines halbnackten Daves mehr als nur ein wenig gefallen und wenn es nach ihm ginge, könnte das öfter vorkommen. „Mir gefällt er auch. Ist mal was anderes. Nehm ich beide, dann hab ich erst einmal wieder Ruhe.” Er drehte sich noch einmal um sich selbst und nickte. Die Hose saß auch gut und damit war es entschieden. „Sollen wir dir noch ein paar warme Pullover besorgen? Du kannst zwar weiterhin meine anziehen, aber vielleicht wäre es nicht schlecht, wenn du auch ein paar eigene hättest.”

Undeutbar sah Dave ihn an, legte den Kopf schief. Was sollte er jetzt darauf sagen? Er hasste es wie die Pest, Almosen anzunehmen, das war nicht seine Art. Das hatte ein Teufel nicht nötig. Alles, was er annahm, waren Seelen. „Wenn ich noch länger hier oben herum lungere, bring ich mir morgen selber was mit“, sagte er. Die Kluft zwischen ihm und Jack musste wieder größer werden. So war doch ein objektives Arbeiten gar nicht möglich.

„Na, das hoffe ich doch, dass du öfter hier bei mir rumlungerst”, grinste Jack, aber die deutliche Zurückweisung seines Angebotes gefiel ihm nicht. Es ging schon lange nicht mehr darum, Dave ins Bett zu bekommen. Er wollte sein Teufelchen besser kennen lernen und er wollte, dass Dave freiwillig zu ihm kam und ihn nicht zwingen. Dazu mochte er ihn schon viel zu sehr. „Ach komm, lass uns einen kaufen, dann hast du was, das dich an mich erinnert, wenn die vier Wochen rum sind.”

Das gefiel Dave noch weniger. Er versuchte gerade wieder Distanz und berufliche Abgehobenheit zwischen sie zu bringen und Jack boykottierte ihn, wo es nur ging. Das war doch nicht fair. „Ich habe kein Geld dabei. Teufel brauchen das gewöhnlich nicht. Ich müsste erst welches holen. Gibt es hier einen Automaten?“ Selbst in der Hölle hatte man sich der Oberwelt angepasst. Die Konten der Teufel wurden sauber geführt und so fielen die Summen auch nicht auf, die täglich weltweit abgehoben wurden.

Dave verschränkte die Arme vor der Brust und sah Jack mit schief gelegtem Kopf an. „Was stört dich eigentlich daran, wenn ich morgen einen Pullover mitbringe?“

Wenn Jack darüber erstaunt war, dass Dave zu einem Geldautomaten wollte, ließ er es sich nicht anmerken, denn er lächelte Dave an. „Es stört mich nicht, wenn du morgen einen eigenen Pullover mitbringst, aber ich möchte dir was schenken, damit du vielleicht ab und zu an mich denkst, wenn du wieder Zuhause bist.” Er zuckte mit den Schultern. Warum ihm das so wichtig war, konnte er nicht sagen. Dave war ihm wichtig. Schon nach dieser kurzen Zeit, die sie sich kannten.

„Hör auf damit, Jack“, sagte Dave leise und sah sich um, er spürte die Blicke durchaus in seinem Rücken. Er fiel auf wie ein bunter Hund und dass er mit einem Kerl allein zusammen shoppen war, warf sowieso den untrüglichen Schatten über ihn. Er hörte das Getuschel durchaus und darauf hatte er keinen Bock. Es reichte, wenn unten über ihn getuschelt wurde. Das würde es mit einem geschenkten Pullover noch mehr.

Dave wollte das einfach nicht - außerdem wollte er diese vertraute Nähe nicht. Wie sollte er Jack denn sonst die Seele nehmen?

„Schade”, sagte Jack nur und ging wieder in die Kabine. Er wollte nicht weiter auf dem Thema herumreiten, denn es schien Dave unangenehm zu sein. Einen Pullover würde er seinem Teufelchen trotzdem kaufen und den bekam er als Erinnerung nach den vier Wochen. Er zog seine Sachen wieder an und ging mit den Anzügen über dem Arm zur Kasse. Er ließ Dave weiter wühlen, der gerade bei den Hosen stand und sie durchsah. Mit seinen Tüten kam er zurück zu ihm. „Magst du mit mir was essen gehen? Ich krieg langsam wieder Hunger.”

Langsam wandte sich Daves Kopf. Er hatte gerade eine grüne Hüfthose bei der Hand, doch er ließ sie wieder im Regal verschwinden und drehte sich zu Jack. „Ja, lass uns essen. Wir müssen da mal noch was klar stellen“, sagte er leise und sah sich wieder um. Menschen waren lästig! Warum gafften die alle? War es, weil man ihm doch ansah, was er wirklich war? Oder war es, weil er mit Jack hier war? Egal was es war, es brachte den unerfahrenen Teufel ziemlich aus der Fassung.

„Okay”, sagte Jack gedehnt, denn er war neugierig, was Dave klären wollte. Hatte er schon wieder was verkehrt gemacht und den Teufel verärgert? Er ließ die letzten Stunden Revue passieren, konnte aber nicht wirklich was finden. „Worauf hast du Hunger? Mir wäre nach Pizza und ich kenne ein gutes Lokal, wo wir uns auch ungestört unterhalten können.”

„Mir persönlich ist das eigentlich ziemlich egal. Ich esse fast alles. Ich kann mich da durchaus auch anpassen.“ In ein paar Wochen war ja alles wieder vorbei und er würde sich dann wieder in die Hölle zurückziehen und die spicy Küche seiner Mutter genießen. „Lass uns irgendwo hin gehen, wo ich nicht so angegafft werde, sonst raste ich hier mal richtig aus. Das nervt nämlich“, sagte er leise und versuchte sich etwas kleiner zu machen, um weniger aufzufallen. Auch den Jackenkragen hochschlagen brachte da nicht viel.

„Bei Nino ist es ruhig, da wird dich niemand anstarren und ansonsten musst du dir ein dickes Fell anschaffen, denn du fällst einfach auf, durch deine Größe und dein Aussehen. Ich selber bemerke das gar nicht mehr, allerdings kenn ich das auch schon seit einigen Jahren.” Für Dave war das ja alles neu, denn er war ja nicht oft auf der Erde gewesen. „Komm, gehen wir, damit wir Ruhe haben.”

„Ja, das wäre gut“, knurrte der Teufel und versuchte sich an einem angsteinflößenden Gesicht. Doch das schien nicht viel zu bewirken, denn die kleinen Gruppen von jungen Frauen, die ihren Vormittag im Shopping-Center verbringen wollten, lächelten ihn an, kicherten und zeigten mit Fingern. Dave seufzte. Das anfängliche Hochgefühl, als er diese Welt betreten hatte, war abgeschwollen. Eilig hastete Dave zum Ausgang, ohne zu wissen, wo das Lokal eigentlich war. Erst mal nur raus hier.

„Links”, rief Jack ihm zu, als Dave vor die Tür trat und schloss zu ihm auf. „Ignorier sie einfach. Die Mädels meinen es nicht böse. Du gefällst ihnen und das zeigen sie eben so.” Er stupste Dave leicht mit der Schulter an und lächelte ihm aufmunternd zu. „Lach wieder. Noch bist du kein Vollteufel und brauchst nicht griesgrämig gucken”, neckte er ihn und versuche ihn so wieder aufzumuntern, doch das war genau das Thema, das Dave nicht hören wollte. Noch nie in seinem Leben hatte er einen Entschluss so in Frage gestellt wie diesen. Ein Teufel werden, aussehen wie sein Vater, nicht wie seine Mutter und ewig im Schwefel leben, nie wieder in die obere Welt kommen.

Tief durchatmend ließ Dave also den Kopf ein bisschen hängen und murmelte leise vor sich hin.

„Hey, was ist los?”, fragte Jack auch gleich. Das hatte er nicht erreichen wollen, denn sein Teufelchen wirkte ziemlich deprimiert. „Hab ich was Falsches gesagt? Dann tut es mir leid. Ich wollte dich doch nur aufmuntern, damit du die nervigen Weiber vergisst.”

„Hä? Was?“ Aus seinen Gedanken gerissen, sah Dave sich zu seinem Begleiter um. „Was? Ja. Nein. Ich meine“, fing er an zu stammeln und wusste auch nicht so richtig, was er sagen wollte. „Is' schon okay, geht dich nichts an. Hat nichts mit dir zu tun“, log er und straffte sich wieder. Er musste vorsichtiger werden. Menschen schienen wohl einen Sinn für Emotionen zu haben.

Ein wenig vor den Kopf gestoßen lief Jack neben Dave her und sagte erst einmal nichts. Es war deutlich zu spüren, dass der Teufel ihm was verschwieg, aber er bohrte nicht nach. Das stand ihm nicht zu. Dave hatte ja mehr als einmal ziemlich deutlich gemacht, dass er ihn nicht mochte und nur hier war, weil sein Vater es so bestimmt hatte. Darum wechselt er das Thema. „Ninos Pizzeria ist da drüben. Dann bist du aus der Kälte raus.”

„Das ist gut“, ging Dave auch gleich dankbar auf den Themenwechsel ein. Diese Stille hatte ihm ziemlich an den Nerven gefressen. „Ich hoffe zwar, dass ich mich an die Eiszeit hier oben noch gewöhne, aber in den nächsten Tagen kann das noch dauern“, fing er nun an zu plappern. Er redete einfach vor sich hin, damit er nicht wieder schwieg und nicht wusste, was Jack dachte. Der Kerl machte ihn noch ganz verrückt.

„Das wird schon noch und schließlich soll es in den nächsten Tagen noch einmal wärmer werden, dann ist es leichter für dich.” Er öffnete die Tür, als sie angekommen waren und ließ Dave vorgehen. Wie immer war das Lokal in weiches, nicht zu helles Licht getaucht und im Hintergrund lief leise Musik, so dass sie nicht aufdringlich wirkte. Pedro, der Kellner, nickte ihnen zu und lächelte, als Jack Dave zu der Nische führte, in der er am liebsten saß. Dort waren sie etwas vor den Blicken geschützt und hatten doch alles gut im Blick.

Das gefiel Dave ungemein und so ließ er sogar die Jacke von seinen Schultern rutschen und legte sie neben sich auf die kleine Sitzbank. „Schön hier“, sagte der Teufel und schnupperte. Das roch doch gar nicht übel. Kurz huschten seine Finger gewohnheitsgemäß zur Mütze, doch dann ließ er sie doch lieber auf. Man wusste ja nie.

„Ja, ich bin gerne hier und das Essen ist reichlich und lecker.” Jack blickte auf und lächelte Pedro zu, der an ihren Tisch gekommen war und fragte, ob sie etwas zu trinken wollten. „Ich muss nachher noch arbeiten, darum keinen Wein”, sagte Jack und bestellte sich eine Cola und sah zu Dave. „Was magst du trinken. Der Rotwein ist wirklich gut hier. Den kann ich dir nur empfehlen.”

„Tomatensaft und eine Flasche Tabasco bitte“, sagte Dave aber und Pedro hob eine Braue, nickte aber lachend. Der Kunde war König. „Ich vertrage keinen Alkohol“, sagte Dave leise, damit Jack begriff, warum er den Wein abgelehnt hatte. Alkohol vertrugen die wenigsten Teufel, ihr Hormonhaushalt reagierte darauf, nur wussten das zum Glück die wenigsten.

„Oh… gut zu wissen”, sagte Jack, aber ohne Hintergedanken. Er notierte sich das nur für sich im Kopf, dass er Dave keinen Alkohol mehr anbot. „Ist doch nicht schlimm. Ich trinke auch nur sehr selten etwas. Bei einem guten Essen ein Glas Wein, aber mehr eigentlich sehr selten. Das kann ich mir bei meinem Job auch nicht erlauben. Wenn unsere Gäste schon zuviel Alkohol trinken, muss wenigstens das Personal nüchtern bleiben.”

„Ach so, deswegen war das Bier und der Whiskey gestern auch ‘ne Ausnahme“, stichelte Dave zurück, zufrieden darüber, dass er ein Thema gefunden hatte und sich Jack nicht erklären musste. Er schob es gern vor sich her, Jack zu sagen, dass sie ihr Verhältnis rein beruflich halten sollten, wenn das hier was werden sollte, denn sonst wurde das nichts.

„Hey”, moserte Jack auch gleich und lachte dann. „Na ja, es ist ja nicht gerade alltäglich, dass man zwei Teufel in seiner Wohnung hat und mehr als dieses eine Bier hätte ich sonst auch nicht getrunken.” Da war es doch wohl verständlich, dass er etwas mehr Alkohol als üblich trank. Die meisten Menschen wären wohl vollkommen ausgetickt, wenn ihnen das Gleiche passiert wäre.

„Ja, typisch Mensch. Alles auf die Teufel schieben“, sagte Dave mit ernstem Gesicht, doch dann lachte er herzhaft, weil Jack nicht so recht zu wissen schien, wie der Teufel das jetzt gemeint hatte. „War 'n Scherz. Es geht mich nichts an, was du trinkst und wann du trinkst. Alles was mich angeht ist deine Seele und mein Job. Deswegen sollten wir auch reden.“ Dave war immer leiser geworden. Es war ihm unangenehm, denn er musste gegen sich selbst arbeiten. Er musste den ersten Mann, der nett zu ihm war, von sich treiben. Das war nicht fair, aber wenn er ein Teufel werden wollte... wenn. Das war das Problem. Wollte er?

„Also, schieß los. Scheint dir ja wichtig zu sein.” Jack hob aber kurz die Hand, damit Dave nicht weiter sprach, denn Pedro kam mit den Getränken und erst als der Kellner wieder gegangen war, wandte er sich wieder an Dave. „Was willst du mir denn so wichtiges sagen?”, fragte er und sah forschend in das Gesicht des Teufels, aber dort war nicht viel zu erkennen.

„Willst“, murmelte Dave leise und holte tief Luft. Er wollte nicht, er musste. „Du machst es mir schwer, Jack. Du bist nett zu mir, wie soll ich einem Menschen die Seele nehmen, den ich mag? Verstehst du das Problem? Wenn ich dich nett finde, dann kann ich das nicht. Aber dann sind auch diese vier Wochen hier völlig verschwendet. Wir müssen eine Basis finden. Und ich will mich dann auch nicht an dich erinnern, denn ohne Seele wirst du nie wieder so sein wie jetzt und... das ist alles scheiße, so sollte das nicht laufen“, sagte der Teufel resigniert und seufzte.

Jack war schon ziemlich erstaunt, als er die Worte hörte und das sah man ihm auch an. „Wenn du mich magst, willst du meine Seele nicht haben. Das geht aber nur, wenn du dich weigerst, meinen Wunsch zu erfüllen”, fasste er zusammen und versuchte herauszufinden, was er davon halten sollte. „Das kannst du laut sagen, dass das Scheiße ist”, sagte er schließlich und trank einen Schluck Cola. „Entweder kriege ich dich einmal und ich seh dich nie wieder oder ich behalte meine Seele und genau das Gleiche passiert.”

„Na ja, nicht ganz“, sagte Dave und zog den Kopf zwischen die Schultern. Er kam sich so schäbig vor, das mit Jack zu besprechen, doch irgendwie schien er genau der richtige dafür zu sein. „Wenn ich deine Seele nicht kriege, dann werde ich kein Teufel. Dann fliege ich raus und lebe ohne Schweif und Hörner als Mensch“, murmelte er ganz leise, weil er noch nicht wusste, was er davon halten sollte.

„Wie bitte?” Nun riss Jack erst recht die Augen auf und sah Dave groß an. „Wie kann dein Vater so was machen? Es gibt doch noch jede Menge Seelen, wenn du eine nicht kriegst. Der kann dir doch nicht einfach verweigern, dass du endlich ein Teufel wirst, nur weil du nicht mit einem Mann schlafen willst.” Jack hatte sich richtig in Rage geredet und seine Augen blitzten. „Wenn er das wirklich macht, dann… dann…” Jack stoppte und sein Gesicht hellte sich auf.

„Das heißt aber auch, wenn du ein Mensch wirst, kannst du mein Freund bleiben und ich könnte dich jederzeit sehen, wenn du es auch willst.” Er grinste frech und stupste Dave an, der etwas bedröppelt wirkte. „Du kannst bei mir bleiben, wenn es wirklich passieren sollte. Ich lasse dich nicht alleine.”

Dave sah ihn eine ganze Weile nur an. „Vater hat mir genug Chancen gegeben, aber ich hatte irgendwie immer Pech, die Menschen machten Rückzieher und meine Statistik sank rapide. Also meinte Mutter, ich wäre vielleicht nicht geschaffen dafür, ein Höllenfürst zu werden und spielte so unbewusst meinem Vater in die Hände, der sagte: Eine Chance hat er noch, dann muss ich mir einen anderen Nachfolger suchen und ausbilden. Ich war ganz froh, dass es so ein einfacher Auftrag werden sollte. Motorrad her und gut. Aber dann... ab da warst du ja dabei“, grinste Dave schief. Auf den Rest wollte er nicht eingehen, denn er wusste selber nicht, ob er Jacks Seele nun wollte oder ob er doch lieber hier blieb und Jack wollte.

„Das ist ungerecht”, sagte Jack, ohne nachzudenken. „Wie kann ein Vater so etwas machen? Du kannst also nicht in der Hölle bleiben, wenn du meine Seele nicht bekommst.” Er sah Dave sehr nachdenklich an. „Aber warum ist es dann so ein Problem, mit mir zu schlafen? Wenn du unbedingt ein Teufel werden willst, dann würde ich es an deiner Stelle tun. So schlimm ist es auch wieder nicht, Sex mit einem Mann zu haben und ich…” Jack stockte und sein Gesichtsausdruck wurde ungläubig. „Du willst kein Teufel werden? Ist es das? Oder willst du nur meine Seele nicht, weil du mich magst?” Man sah Jack deutlich an, dass er verwirrt war. Mit vielem hatte er gerechnet, aber nicht damit.

„Ach, halt doch die Klappe“, knurrte Dave, grinste aber schief dabei. Er wusste doch selber nicht, was er wollte. Bis gestern wusste er noch, was er wollte oder was sein Ziel sein sollte, doch jetzt? Warum hatte er auch ausgerechnet auf Jack treffen müssen? Warum nicht auf einen Priester, eine verzweifelte Frau oder sonst jemand? Warum Jack? „Sei froh, dass ich mich nicht auf den Sex einlasse. Du würdest blöd gucken, wenn du plötzlich einen Vollteufel im Bett hättest.“

Jack lachte leise und zwinkerte Dave zu. „Ja, das würde ich wirklich. Nichts gegen deinen Vater, aber ich steh nicht wirklich auf Hörner und Hufe, wobei kleine Hörnchen und ein Schwanz doch ganz niedlich sind.” Er lehnte sich zurück und besah sich Dave noch einmal ganz genau. „Was ist es denn nun? Warum zögerst du, meine Seele zu nehmen, denn danach müssen wir entscheiden, was wir machen. Mir wäre es natürlich am liebsten, wenn ich der Grund wäre, aber auch wenn nicht, werde ich dir helfen, soweit ich kann.”

„Ach, Jack“, knurrte Dave wieder. Warum musste der Mensch denn jetzt anfangen so zu bohren? Dave selber wusste es doch nicht einmal - wie sollte er sich da erklären und Pläne schmieden? Seine Welt stand Kopf, er brauchte Zeit. „Ich weiß es nicht, Jack. Ich weiß, dass ich mir so gefalle, wie ich bin, dass ich nicht ewig da unten versauern will und um dich wäre es auch schade, irgendwie... also nicht wirklich.“ Dave grinste frech.

„Hey”, lachte Jack und zog eine Schnute. Der Kleine wurde wirklich langsam frech, aber das gefiel ihm, besonders wenn er grinste. Dann leuchteten seine Augen und Jack wollte ihn am liebsten schnappen und knuddeln, was er jetzt auch tat. Er zog den Teufel an sich und zog ihm dabei die Mütze vom Kopf und wuschelte ihm durch die Haare. „Frecher Kerl”, lachte er dabei. „Natürlich wäre es um mich schade, genauso wie um dich, denn ich mag dich, so wie du jetzt bist.”

„Aber so werde ich nicht bleiben, versteh das doch mal“, murmelte Dave und zog die Mütze wieder auf, ehe noch jemand die kleinen, roten Hörner zwischen den weißblonden Haaren sah und dumme Fragen stellte. Dave rutschte wieder ein bisschen ab und sah Jack an. „Wenn wir vor diesem Termin Sex haben, seh ich aus wie mein Vater und du wirst ein seelenloses Arschloch und wenn wir lange genug warten, fliege ich da unten raus, bin hörner- und schwanz- und heimatlos.“ So sah das nämlich aus.

„Ach, Süßer, das weiß ich doch. Ich meinte, dass ich dich in deiner menschlichen Form mag, auch wenn du dann keinen Schwanz und Hörner mehr haben wirst.” Jack lächelte Dave an und zog ihn wieder neben sich. „Du magst dann zwar hörner- und schwanzlos sein, aber nicht heimatlos. Egal ob du nun etwas von mir willst oder nicht, werde ich dich nicht dir selbst überlassen und dir helfen, bis du dir ein eigenes Leben aufgebaut hast.”

Skeptisch sah Dave den Mann neben sich an. Warum tat Jack das? Warum bot er ihm Hilfe an, ohne etwas dafür zu erwarten? Oder war er so gerissen, dass Dave den Haken an der Sache noch gar nicht sah. Er musterte Jack emotionslos. „Weißt du, was mir Angst macht?“, sagte er nach einer Weile. „Ich bin fast bereit, dir das sogar zu glauben.“

„Warum macht dir das Angst?” Jack sah Dave erstaunt an. „Ich bin ein Mensch, aber nicht alle sind egoistisch. Ich helfe gerne einem Freund und schließlich ist es ja mehr oder weniger meine Schuld, dass dein Vater dich vor diese Wahl gestellt hat.” Sich am Kopf kratzend, zuckte Jack verlegen lächelnd die Schultern. „Wenn mein Wunsch nicht gewesen wäre, hättest du deine Seele womöglich schon.”

„Du hättest deine Maschine, ich hätte meine Seele. Ist doch alles nur passiert, weil ich nicht aussehe wie ein Teufel, sondern wie ein Mensch. Bei den anderen wäre dir das nie passiert, dass du deinen Wunsch geändert hättest“, sagte Dave leise, „also ist es nicht deine Schuld. Und Angst macht es mir, weil ich... Teufel sind nicht gerade bekannt dafür, alles zu glauben. Ich bin eben kein Teufel. Ich werde nie ein Teufel.“ Nun hatte sich Dave doch in einer kleinen Selbstmitleidsschleife gefangen und sank in sich zusammen. Das lief alles nicht wie geplant.

„Komm her, Davie”, sagte Jack auch gleich und zog sein Teufelchen wieder an sich und strich ihm über den Rücken. „Ich bin wirklich froh, dass du so aussiehst, wie du eben aussiehst, denn sonst hätte ich jetzt zwar ein Motorrad, aber ich wäre seelenlos. So aber habe ich einen sehr faszinierenden Mann kennen gelernt und eigentlich geht es mir gar nicht mehr darum, dich ins Bett zu bekommen, auch wenn ich das immer noch möchte.” Sanft ließ Jack seine Lippen über Daves Schläfe streichen und küsste ihn dann dort.

„Ich möchte dich näher kennen lernen, denn ich mag dich sehr gerne und ich möchte herausfinden, ob daraus mehr werden könnte. Wenn du also sagst, ich will kein Vollteufel werden, dann werde ich dir dabei helfen und nicht mehr ständig versuchen, dich zu verführen.” Jack grinste und küsste Dave auf die Nasenspitze. „Zumindest solange nicht, bis die vier Wochen rum sind.”

„Blödmann“, grinste Dave schief, doch er gab sich geschlagen. Was sollte er dem denn noch entgegen setzen? Zwar hatte er den Gedanken, was werden würde, wenn Jacks Faszination vorbei war und Dave dann wieder allein da stand, doch er sprach es nicht aus. Das war doch genau das, was er gesucht hatte. Jemand, der ihm die Entscheidung abnahm, jemand, der sagte: ich mag dich so wie du bist, bleib bei mir. Klar, es war einfach, diese Entscheidung in andere Hände zu legen. Dave seufzte. „Aber damit eines klar ist, von Mephi lässt du die Finger!“

„Mephi?”, fragte Jack und machte ein grimmiges Gesicht. „Wer ist der Kerl?”, knurrte er leise und zog Dave noch näher, dann aber kicherte er und lachte schließlich. „Ist das vielleicht das süße, kleine Plüschtierchen, das du heute Morgen versucht hast zu verstecken?”, neckte er ihn und kitzelte ihn mit einem Finger. „Der war aber niedlich. Darf ich ihn nicht wenigstens ab und zu mal haben?”

„Entscheide dich, welchen Teufel du im Bett haben willst und außerdem ist der nicht niedlich, sondern furchteinflößend, mit diesen großen Knopfaugen und den großen Füßen und dem Schleifchen im Schwanz“, grinste Dave. Er kam sich albern vor, aber er fühlte sich gut dabei. Zuhause blödelte keiner mit ihm herum. Alles war so ernst und dröge und regelkonform. Es fiel ihm von Minute zu Minute leichter, sein altes Leben hinter sich zu lassen. Ob seine Mutter ihm das übel nahm? Sein Vater bestimmt.

„Ja, schrecklich furchteinflößend, besonders das Schleifchen”, kicherte Jack. Er ließ Dave nicht los, sondern lehnte sich leicht an ihn und strich ihm sanft über den Rücken. „Ich möchte nur einen Teufel in meinem Bett haben und das bist du”, flüsterte er dabei in Daves Ohr. „Und je länger ich dich kenne, desto sicherer bin ich, dass ich damit vier Wochen warten möchte, denn ich möchte dich dort länger als nur eine Nacht haben und genießen.”

„Jack“, murmelte Dave. Das hier war definitiv neu für ihn. Dass jemand so um ihn buhlte, damit konnte er noch nicht umgehen, auch nicht damit, dass man ihnen immer wieder mal vereinzelt einen Blick zu warf. Zum Glück saßen sie hier hinten ziemlich isoliert. „Mal sehen, ob du in vier Wochen immer noch so redest, wenn wir täglich aufeinander gehockt haben und du meine Macken zu spüren bekommen hast“, sagte er nachdenklich.

„Warum nicht? Jeder hat Macken und so schlimm können deine bestimmt nicht sein.” Jack sah Dave lächelnd an. „Ich lasse mich von ein paar Eigenheiten nicht abschrecken. Entweder mag ich jemanden oder nicht, egal was er für Macken hat und dich mag ich definitiv.” Ein großes Problem sah Jack darin wirklich nicht, es gab nur wenige Dinge, die ihn abschrecken würden und diese traute er Dave einfach nicht zu.

„Siehst du und das verstehe ich eben nicht. Wir kennen uns einen Tag, einen lumpigen Tag. Du sagst, du magst mich und ich bin bereit, ein Mensch zu werden, nur um...“ Dave brach ab und holte tief Luft. „Menschen sind komisch, ich verstehe das alles noch nicht.“ Dave griff nach seinem Saft, würzte ihn kräftig nach und trank hastig. Sein Mund wurde so trocken und seine Haut kribbelte. Er wurde doch jetzt nicht krank, oder?

„Das ist eins der Dinge, die einen Menschen ausmachen. Spontaneität. Wir sehen jemanden und entscheiden innerhalb von Sekundenbruchteilen, ob wir denjenigen mögen oder nicht und genauso schnell können wir uns auch verlieben.” Jack hob Daves Gesicht an, das der gesenkt hatte, damit er ihm in die Augen sehen konnte. „Mir ging es mit dir nicht anders. Ich habe dich gesehen und irgendwie hat es Klick gemacht bei mir.” Nun wurde Jack verlegen und zuckte mit den Schultern. „Ich mag dich eben, da ist nix dran zu ändern.”

„Ich merk schon“, grinste Dave. „Da kann ich mich jetzt wehren wie ich will, dich werde ich nicht mehr los, hm?“ Schüchtern legte sich unter dem Tisch eine seiner Hände auf Jacks Schenkel und der Teufel holte tief Luft. Er fühlte sich angespannt, ob das normal war?

„Das siehst du genau richtig. Du hast mich nun an der Backe.” Lächelnd sah er auf die Hand, die auf seinem Bein lag und legte seine darüber. „Warten wir einfach ab, was wird und egal, ob wir uns verlieben oder nicht, ich werde dein Freund bleiben und dich nicht hängen lassen. Das ist einfach nicht meine Art.” Noch ein wenig zögernd, da er nicht genau wusste, ob es Dave recht war, beugte er sich vor und küsste ihn sanft.

Erst war der Teufel etwas verwirrt, was sollte er jetzt tun. Es war ja nicht so, als hätte er schon oft die Chance gehabt, jemanden zu küssen. Zuhause wollte ihn ja keine von den Damen und an die Herren hatte er eigentlich nie gedacht. Dave schloss die Augen, es fühlte sich überraschend gut an. Also beugte er sich weiter vor, um Jacks Lippen intensiver zu spüren. Er wollte definitiv mehr davon, egal aus welchem Grund.

Jack lächelte leicht und ließ Dave machen. Er genoss einfach die weichen Lippen, die sich so wunderbar an seine schmiegten und kleine Blitze durch seinen Körper schickten. Wie von selbst legten seine Arme sich um den starken Körper und zogen ihn an sich. Er bewegte seine Lippen leicht, aber sonst hielt er sich zurück, weil er Dave nicht verschrecken wollte.

Aber der junge Teufel wurde mutiger. Er war neugierig geworden und wortwörtlich auf den Geschmack gekommen. Mit jedem weiteren Atemzug, den er mit Jack teilte, wurde ihm sein altes Leben gleichgültiger. Ihm wurde egal, was sein Vater von ihm dachte, ihm war es egal, was die anderen Teufel tratschten, wenn dies in der Hölle die Runde machte. Eine seiner Hände legte sich auf Jacks Nacken und hielt ihn fest.

Damit überraschte er Jack ziemlich, aber nur für kurze Zeit, denn nun nahm er sich die Zügel. Sein Kuss blieb sanft, aber wurde fordernder. Hauchzart ließ er seine Zungenspitze über Daves Lippen streichen und augenblicklich wurde das Kribbeln in seinem Körper stärker und er seufzte leise. Er machte es seinem Teufelchen nach und hob eine Hand, aber legte sie nicht in Daves Nacken, sondern streichelte ihm mit dem Daumen über die Wange.

All diese weichen Berührungen elektrisierten den jungen Teufel geradezu. Es brachte sein Blut in Wallung. Es war der Wahnsinn!

Warum hatte er das früher noch nie erlebt? Warum hatte er für solch aufregende Dinge noch nie Zeit gehabt? Er hatte schon viel zu viel versäumt. Sein Kuss wurde harscher, er drängte nach Dominanz. Dave hatte völlig vergessen, wo er war oder dass er fror.

Jack ließ ihn machen und lockte Dave, ihn zu erobern. Sein Teufelchen war wohl eher aktiv als passiv, aber damit konnte Jack leben. Er würde schon nicht zu kurz kommen und er war nicht so dominant. Er bevorzugte große, kräftige Männer, da war es normal, auch mal der Nehmende zu sein. Ganz vorsichtig schob er eine Hand unter Daves Pullover und wärmte sie dort auf, bevor er sie auch unter das Hemd schlüpfen ließ und die warme Haut streichelte. Dave hatte nämlich mittlerweile völlig vergessen, dass er fror.

Heiß war ihm geradezu und es gefiel ihm. Er fühlte sich heimisch - das Gefühl war gut. Doch langsam fingen die Lungen an unangenehm zu brennen. Er rang nach Luft und musste sich trennen, unfreiwillig, wie man seinen glühenden Augen ansah. Die Hörnchen hatten schwarze Löcher in die Mütze gebrannt, denn er stand völlig unter Strom. Was passierte hier mit ihm.

„Wow”, keuchte Jack und leckte sich über die Lippen. Auch wenn das noch ein recht unschuldiger Kuss gewesen war, so war er doch einfach unglaublich gewesen. Noch nie hatte Jack so etwas gefühlt und wenn seine Augen so glühen könnten wie Daves, dann würden sie es wohl tun. „Unglaublich”, murmelte er immer noch ein wenig abwesend und krauste die Nase, als ihm ein leichter Brandgeruch in die Nase stieg und grinste, als er die kleinen Brandlöcher sah. „Du bist wirklich heiß”, schmunzelte er leise und küsste sein heißes Teufelchen gleich noch mal. Der verstand nicht, doch er wehrte sich ganz bestimmt nicht gegen den Kuss.

Jetzt wusste Dave ja, was zu tun war und ließ Jack kaum noch Raum. Zwar lockte er ihn auch zu sich, in seinen Mund, achtete aber darauf, dass der sich nicht an seinen spitzen Eckzähnen schnitt, denn Dave mochte den Geschmack von Blut nicht. Der Hand, unter seinem Hemd, drängte er sich entgegen. Das fühlte sich gut an, berührt zu werden - er begriff in diesem Augenblick einfach nicht, warum er das nie vermisst hatte. Jetzt hatte er das Gefühl, er könne ohne diese Berührungen gar nicht mehr leben.

Er drückte sich so sehr Jack entgegen, dass dieser an die Rückenlehne der Bank gedrückt wurde, auf der sie saßen. So gut es ging, wehrte er sich gegen Daves Dominanz, aber nur, weil sein Teufelchen immer leise knurrte, wenn er an Boden verlor. Erst Luftmangel ließ sie sich wieder trennen. Als erstes zog er Dave die Mütze vom Kopf, die leicht kokelte und lachte leise, als er das sanfte Glimmen löschte.

„Oh“, machte Dave etwas zeitverzögert, als er begriff, was wohl passiert sein musste. „Wegen dir fliegt noch meine Tarnung auf, hör bloß auf damit, mich so dermaßen heiß zu machen“, lachte der Teufel leise und ließ seinen Kopf so zu Jack gedreht, dass keiner die Hörnchen sah. „Allerdings muss ich zugeben, dass ich keine kalten Füße mehr habe“, fügte er grinsend an und setzte die Flasche Tabasco an.

„Das wird mir schwer fallen, denn nun weiß ich, wie aufregend es ist, dich zu küssen”, wisperte Jack leise und strich über Daves Rücken. Noch immer glühten die Augen des Teufels und hatten dadurch einen leicht roten Schimmer. Ein wenig schüttelte es ihn, als er sah, dass Dave sich die scharfe Soße auf die Zunge träufelte. „Machst du das, damit ich dich nicht mehr küsse?”, fragte er leise lachend. „Denn im Gegensatz zu dir, vertrage ich so viel Tabasco nicht.”

„Oh“, machte es ein weiteres Mal, doch dieses Mal klang es reichlich aufgeregt. Was sollte er denn jetzt machen? Seine Augen suchten über den Tisch und er zuckte zusammen, als dort plötzlich eine Karaffe mit Wasser und zwei Gläser standen. Er hatte gar nicht bemerkt, wie der Kellner dies auf den Tisch gestellt hatte. Doch er nahm sich davon und spülte seinen Mund gründlich durch, er wollte ja nicht, dass Jack und seine geschickte Zunge Schaden nahmen, jetzt wo Dave wusste, wie nützlich die beiden waren.

„Anscheinend nicht”, grinste Jack und überprüfte auch gleich, ob die Schärfe ein für ihn erträgliches Maß angenommen hatte und er prüfte gründlich. „Ich glaube wirklich, wir sollten das lassen, denn sonst kann ich für nichts garantieren”, flüsterte er leise nach dem Kuss und ließ seine Stirn gegen Daves sinken und atmete tief durch. „Ich bin dabei, mich zu verlieben und so schön das auch ist, macht es alles nur noch schwerer.”

„Oh“, machte Dave ein drittes Mal, was sollte er auch sagen? Er machte ein betroffenes Gesicht. „Das wollte ich nicht.“ Er rutschte etwas ab, denn er wollte nicht, dass Jack ihn nicht mehr hier haben wollte, aus welchem Grund auch immer. „Wir sollten essen und uns... benehmen“, sagte er und atmete tief durch, dann zog er die Mütze wieder auf, kaschierte aber die Flecken. Er musste Jack eine neue Mütze kaufen.

„Hey Teufelchen, mach nicht so ein Gesicht”, sagte Jack gleich und zog Dave wieder an sich. „Ich kann mich beherrschen und ich werde diese vier Wochen genießen und wenn sie vorbei sind, werde ich dich mit all dem Verlangen lieben, das sich in dieser Zeit angestaut hat”, raunte er ihm ins Ohr und küsste es dann sanft. Dann ließ er etwas lockerer und sah Dave an. „Küss mich, wann immer du es möchtest.”

„Du hast gesagt, das macht es dir schwerer. Ich will nicht deine Seele“, sagte Dave leise, „und wenn mein Vater das hört, enterbt er mich und ich fliege schon heute raus da unten“, murmelte er weiter. Vielleicht war das auch gar keine so schlechte Idee. Umso schneller war er ein Mensch und der Deal geplatzt und er könnte Jack viel eher... Dave errötete. „Lass uns essen, dann komme ich nicht auf dumme Gedanken.“

Jack wurde bei den Worten richtig warm ums Herz und er musste sein Teufelchen einfach anlächeln und kurz drücken.

„Ja, sollten wir, aber ich bin noch nie vernünftig gewesen und mit dem Feuer habe ich auch schon immer gerne gespielt.” Jack streifte noch einmal kurz Daves Lippen mit seinen und ließ ihn dann los. „Ich freue mich, dass du meine Seele nicht willst und mach dir keine Sorgen, wir machen uns ein paar schöne Wochen und in dieser Zeit werde ich dich so oft küssen, wie du es zulässt.”

„Das wird Folter“, murmelte Dave, aber nur ganz leise, denn er spürte durchaus, dass sein Körper auf die Nähe und die Küsse reagierte. Er forderte mehr! Die nächsten Wochen dürften hart werden, sich immer wieder zu bremsen, um nicht aus Versehen doch noch Jack um seine Seele zu bringen und sich selber um sein Aussehen. Er grinste Jack schief an. „Was musstest du auch den Deal mit dem Motorrad platzen lassen.“

„Ich würde es jederzeit wieder tun, denn dadurch habe ich mir einen süßen Teufel an Land gezogen.” Jack lachte leise und nahm sich eine der Speisekarten, die Pedro ihnen hingelegt hatte und überflog das Angebot. Eigentlich brauchte er das nicht, denn er wusste schon, was er wollte. Einen großen Salat mit Schinken und Käse und Cannelloni. Die waren hier wirklich ausgezeichnet. Er legte die Karte wieder weg und sah Dave an, der auch gerade las. „Wenn du Pizza möchtest und nicht findest, worauf du Hunger hast, macht nix. Du kannst Pedro auch sagen, was du drauf haben willst und sie machen sie dir nach deinen Wünschen.”

„Och, ich glaube, die Pizza Diabolo wäre doch für einen wie mich geradezu perfekt“, lachte Dave, als er die gefunden hatte. „Noch ein paar Peperoni drauf und es wird perfekt. Zur Not würze ich mit dem Tabasco hier nach.“ Auf Jacks Worte ging er lieber nicht ein. Langsam war er irgendwie auch ganz froh darüber, dass Jack sich seinen Wunsch noch einmal überlegt hatte, aber das musste er dem ja nicht sagen, das stieg dem Menschen nur zu Kopf. Dave kicherte albern und legte die Karte wieder weg.

Jack sah ihn ein wenig komisch an, lachte dann aber mit, weil das Kichern einfach ansteckend war. „War klar”, giggelte er und knuffte Dave in die Seite. „Dir kann es wohl nicht scharf genug sein.” Er grinste immer noch, als der Kellner kam und ihre Bestellung aufnahm und drehte sich dann wieder zu Dave, als sie alleine waren. „So, mein Hübscher. Wir haben jetzt vier Wochen Zeit, uns kennen zu lernen. Gibt es irgendwas, was du unbedingt von mir wissen möchtest?”

„Warum Kerle?“, fragte er, weil er das selber noch nicht begriff. Er selbst hatte immer nach Teufelinnen gesucht, hatte Männer nicht einmal von der Seite angesehen und plötzlich machte es peng und dann war da Jack und der Rest der Welt war egal. Dave begriff das nicht, denn evolutionär gesehen machten solche Bindungen ja keinen tieferen Sinn, warum also?

„Ja, warum Kerle?” Jack zuckte mit den Achseln und zog die Stirn kraus. „Ich habe da eigentlich noch nie wirklich drüber nachgedacht. Es war halt so und ich fand das okay.” Er überlegte, was ihn an Männern anzog. „Es ist nicht so, dass ich Frauen nicht mag, aber sie machen mich einfach nicht an, egal wie gut sie aussehen. Ein Mann hingegen…” Jack sah Dave an und hob die Hände. Wie sollte er das erklären? „Wenn ich einen Mann sehe, groß, gut gebaut, mit einem knackigen Hintern, dann schlägt mein Herz schneller. Das habe ich bei Frauen nie.”

„Aha“, sagte Dave und ließ die Worte auf sich wirken. Bei ihm war das ja nicht so. Ihn zogen Frauen schon an. Und Jack war so gar nicht weiblich, kein bisschen klein, kein bisschen zierlich und trotzdem war er irgendwie das, was Daves Körper unbedingt haben wollte, wie es schien. „Bist der erste, der mir begegnet, vorher ist mir so was noch nicht aufgefallen. Unter den Teufeln eh nicht, da passe ich nicht ins Schönheitsideal und hier oben war ich zu selten.“ Dave redete einfach, was ihm in den Sinn kam. Er war nervös und hätte das gern überspielt.

„Eigentlich sollte ich darüber froh sein, denn sonst hätte mir ganz bestimmt ein anderer so ein Leckerchen wie dich weggeschnappt.” Jack grinste frech und küsste Dave kurz auf die Lippen. „Allerdings will ich dir auch nicht verschweigen, dass eine Verbindung zwischen zwei Männern auf der Erde auch nicht unbedingt gern gesehen wird. Es gibt viele Menschen, die das verurteilen, aber das ist mir egal, denn es ist mein Leben und das lebe ich so, wie ich will.”

„Oh.“ Dave sank ein bisschen in sich zusammen. Leicht würde es also auch hier oben nicht werden. „Sie werden wieder mit Fingern auf mich zeigen, egal wo ich bin, hm?“, sagte er. Unten war er nicht normal, hier oben war er nicht normal. Würde es irgendwann eine Welt geben, in der er so angenommen wurde, wie er war?

Jack seufzte und legte seine Hand auf Daves. „Es scheint nicht sehr viele Unterschiede zwischen Menschen und Teufeln zu geben. Wenn etwas oder jemand aus der Norm fällt, wird er misstrauisch beäugt. Wenn ich könnte, würde ich das ändern, aber das kann ich leider nicht. Ich hab mich damit abgefunden und ignoriere die Blicke und das Tuscheln, denn ich will mich nicht verbiegen, nur damit ich von der Gesellschaft anerkannt werde.”

„Is' wohl alles nicht so ideal“, murmelte Dave vor sich hin. Irgendwie war die Luft raus, warum hatte er auch diese blöde Fragen stellen müssen. Aber sie hatte ihm nun einmal unter den Nägeln gebrannt. Doch die Antwort war irgendwie nicht so befreiend gewesen, eher auf ein Neues beengend. „Lass uns über was anderes Reden. Du hast vorhin vom Zoo gesprochen. Reden wir darüber“, blockte er alles andere ab.

„Das schafft das Problem leider nicht aus der Welt, aber lassen wir das Thema erst einmal.” Jack konnte Dave ja verstehen, darum ging er auf den Themenwechsel ein. „Was ein Zoo ist, weißt du oder?”, griff er die Anregung auf. „Ich gehe ganz gern dort hin. Es ist irgendwie beruhigend, den Tieren zuzusehen, wenn ich einen stressigen Tag oder eine Woche hatte.”

„Ja, ich kenne Zoos. Wir haben zwar keine, aber andere Teufel haben davon erzählt. Wir haben ja auch Tiere... na eben. Magst du Katzen? Ich würde Mc Bommel nur ungern jetzt die ganze Zeit allein lassen und wenn ich dann... also“, fing Dave an zu stammeln, weil er seinen kleinen Liebling fast vergessen hätte.

„Mc Bommel?”, kicherte Jack. „Das ist ja ein echt schräger Name für eine Katze.” Er wollte aber nicht, dass Dave sich veralbert fühlte, darum küsste er ihn sanft. „Ich mag Katzen. Wie sieht deine denn aus? Du kannst sie ja mal mitbringen, wenn du magst.”

„Werd ich müssen, wenn ich jetzt länger bei dir bin. Der Kleine geht doch ein“, sagte Dave und lachte leise, weil der Kleine eigentlich gar nicht so klein war. Es handelte sich bei Mc Bommel nämlich um eine Norwegische Waldkatze, die von der Nase bis zur Schwanzspitze stattliche 130 cm maß. Ob er Jack das sagen sollte? „Als er noch ganz klein war, sah er aus wie eine Bommel, größer war er nicht. Hoffentlich gewöhnt er sich schnell daran, dass es hier kälter ist. Aber das Fell einer Norwegischen Waldkatze sollte dick genug sein.“

„Eine Norwegische Waldkatze? Da kann ich mir jetzt nichts drunter vorstellen, aber werd ich dann ja sehen, wenn sie da ist. Ich hatte auch schon überlegt mir ein Tier anzuschaffen, aber bisher habe ich noch nicht das Richtige für mich gefunden.” Jack überlegte kurz und schmiss seinen Tagesplan kurzerhand um. „Bring sie doch gleich morgen mit, dann kann sie sich langsam an die Temperaturen und an mich gewöhnen und damit sie sich wohl fühlt, gehen wir gleich alles einkaufen, was wir für den Bommel brauchen”, erklärte er, was er vorhatte.

„Vieles bringe ich mit. Er hat da ja sein eigenes Zeug. Mom hat ihn mir vor zwei Jahren geschenkt. Er gehörte einem derer, die ihre Seele verloren hatten und nun das kleine Fellknäuel wohl als störend betrachtete. Sie hat ihn von einem Teufel in Ausbildung bekommen und mir gegeben. Er ist eigenwillig, aber nett. Wirst du ja sehen. Aber er schläft gern bei mir im Bett“, klärte Dave gleich mal grinsend auf und legte den Kopf schief.

„Solange er keinen Terror macht, dass du in meinem Bett liegst, kann er gern ein Eckchen haben. Mein Bett ist ja groß genug, wie du weißt.” Jack lächelte Pedro zu, der ihm seinen Salat brachte und wieder ging. Er schob die Schüssel zwischen sie und bot Dave an, mitzuessen. „Ja, aber es würde doch auffallen, wenn du jetzt schon Bommels Sachen zu mir bringst. Das macht deinen Vater doch bestimmt misstrauisch.”

„Er hat gesagt, ich habe dir 4 Wochen lang zur Verfügung zu stehen. Wenn er will, dass ich Tag und Nacht für dich da bin und er sich nicht um Mc Bommel kümmern will, muss der eben mit hier her. Er wird schon einsehen, dass es der einzige Weg ist“, erklärte Dave und beäugte den Salat. Grünfutter war nicht so seine Leidenschaft, also zog er sich eine Scheibe Schinken heraus und kaute ihn. Der war schön salzig, das mochte der Teufel ganz gern.

Jack kaute erst einmal zu Ende und schluckte runter, bevor er antwortete. „Auch wieder wahr. Wie hattest du dir das denn gedacht? Möchtest du die kompletten Wochen bei mir einziehen oder möchtest du nachts zurück?” Wieder landete eine Gabel von dem Salat in seinem Mund und er kaute gründlich. „Wegen mir kannst du ganz bei mir bleiben. Ich fänd das schön.”

„Lass es uns erst mal versuchen. Ich weiß ja nicht, wie das werden wird, wenn wir uns den ganzen Tag auf den Nerv gehen werden.“ Dave hatte bis heute noch nie mit jemandem zusammen gelebt. Rücksicht nehmen, sich anpassen, das musste er also alles erst lernen und dabei konnte ihm Mc Bommel ja auch ein bisschen helfen. Er wäre schon gern bei Jack, aber wie lange ging das gut?

„Okay.” Jack grinste zufrieden und nahm eine Scheibe Schinken auf seine Gabel und hielt sie Dave hin. „Ich bin eigentlich pflegeleicht. Ich werde eventuell nur etwas brummelig, wenn ich zu wenig Schlaf und keinen Kaffee bekomme, wenn ich aufstehen muss. Ansonsten wüsste ich keine großartige Macke. Schnarchen tue ich nicht, aber was ich nicht mag ist Rauchen.“ Er überlegte, was sonst noch erwähnenswert war und grinste. „Ich singe unter der Dusche – laut und falsch.”

„Scheidungsgrund. Das hat uns schon einige Frauenseelen gebracht, weil sie ihre Männer endlich zum Schweigen bringen wollten“, lachte Dave und angelte sich mit seiner Zunge den leckeren Schicken. „Ich rauche nicht, ich trinke nicht, ich bin eigentlich ein Mönch, so asketisch wie ich lebe, wären da nicht der Schwanz und die Hörner und meine Adresse.“ Nun lachte Dave wirklich, es war albern, aber herrlich. Jack guckte ihn nicht komisch an, wenn er Witze riss, wie die anderen Teufel, denn Jack lachte mit ihm mit und war nicht weniger albern.

„Das ist wirklich nicht das, was man sich gemeinhin unter einem Teufel vorstellt. Wir haben die Vorstellung, dass sie grausam, verdorben, zügellos und hässlich sind. Du bist das alles nicht. Du bist nett und umgänglich, wenn du erst einmal aufgetaut bist und das finde ich viel angenehmer.”

„Aufgetaut, gute Umschreibung“, grinste Dave, denn die ersten Stunden hier oben waren wirklich die Eiswüste gewesen. Langsam schien sich sein Körper daran zu gewöhnen, denn er fror nicht mehr so fürchterlich. „Ich weiß, was der Mensch sich unter einem Teufel vorstellt und was er ihm alles in die Schuhe schiebt. Es hat keinen Sinn, sich darüber noch aufzuregen“, sagte Dave, doch es war kein Vorwurf. Wieder angelte er nach Fleisch und schob die Scheibe Gurke, die hartnäckig daran klebte, einfach Jack in den Mund, küsste ihn aber kurz entschuldigend und grinste. „Ich mag kein Tierfutter“, erklärte er dabei.

„Werde ich mir merken. Nur als Salat oder Gemüse allgemein?”, fragte Jack auch gleich nach, denn er wollte mehr über Dave erfahren und zu wissen, was der Teufel gerne aß, war doch schon mal ein guter Anfang. Er schob den Schinken und den Käse zu Dave rüber und aß selber den Salat, denn er mochte Tierfutter wirklich gerne. „Wie sieht's aus mit Obst?”, fragte er dabei weiter und kaute zufrieden.

„Hm, das eine ja, das andere nein“, murmelte Dave. „Aber sonst ess ich alles. Fleisch in allen Formen und Farben, außer grün vielleicht, da lass ich lieber die Finger von.“ Endlich kam auch sein Essen und weil sich sein Magen so darauf freute, knurrte er auch gleich zur Begrüßung des Essens.

Sie blieben noch eine Weile in der Pizzeria, dann kauften sie doch noch etwas Spielzeug für Mc Bommel, damit er sich bei Jack wohl fühlte. Sie hatten sich darauf geeinigt, dass Dave seine Sachen zusammenpackte, während Jack arbeiten war und dass sie sich am nächsten Morgen wieder sahen, wenn Jack von der Arbeit kam.





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Müde, aber doch ziemlich aufgekratzt schloss Jack seine Wohnung auf und ging erst einmal unter die Dusche, damit er den Qualm loswurde, der sich in seinen Haaren festgesetzt hatte und zog sich etwas Bequemes an. „Ich möchte, dass Dave zu mir kommt”, sagte er dann laut und deutlich, weil er sein Teufelchen endlich wieder bei sich haben wollte. Er hatte ihn vermisst in den letzten Stunden und wollte ihn endlich wieder in die Arme schließen.

Es dauerte nur einen Atemzug, da tauchte der junge Teufel wieder aus seiner Rauchwolke auf und grinste. Über seiner Schulter hing eine Tasche und um seine Beine hatte sich Mc Bommel gelegt, besah sich den anderen Mann erst einmal eindringlich, ohne sich zu bewegen. Mephi flog gleich auf das Bett und Dave grinste. „Und, wie kann ich meinen Meister glücklich machen? Welche Wünsche hat er an mich?“, wollte er lachend wissen.

Jack öffnete nur grinsend seine Arme und machte leise: „Komm, Put. Put. Put”, und lachte dann leise. Seine Augen leuchteten auf, denn der Teufel sah wieder zum anbeißen aus. „Küss mich”, bat er schließlich, denn er wollte die weichen Lippen wieder genießen.

„Na, wenn mein Herr und Meister sich das wünscht, darf ich ihm dies doch nicht abschlagen, hm?“, sagte Dave und machte sich erst mal los, Mc Bommel lag nämlich immer noch wie eine Fußfessel um ihn gewunden. Er blieb auch liegen, als Dave über ihn drüber stieg und seine Arme um Jack schlang und seine Lippen langsam über die seines Freundes rieben.

Jacks Arme schlangen sich sofort um Dave und zogen ihn nahe an sich. Leise seufzend, öffnete er seine Lippen und ließ sich erobern, nur um die freche Zunge kurze Zeit später zurückzudrängen und selber auf Beutezug zu gehen. Heftig nach Atem ringend mussten sie sich schließlich wieder trennen und Jack sah Dave lächelnd an. „Schön, dass du wieder da bist”, sagte er leise und küsste ihn gleich noch mal.

„Ja, find ich auch“, sagte Dave leise und drängte sich etwas dichter. Diese Nähe hatte ihm gefehlt. Auch wenn er selber noch nicht wusste warum, die letzte Nacht allein in seinem Bett war komisch gewesen. „Du hast mir gefehlt“, gestand er leise und sah sich in Jacks Zimmer um. Mc Bommel war schon auf Erkundungstour.

„Wirklich?”, wisperte Jack und ein Strahlen ging über sein Gesicht. „Du hast mir auch gefehlt. Ich habe ständig an dich gedacht und habe mich gar nicht auf meine Arbeit konzentrieren können. Ich habe schließlich eher Feierabend gemacht, weil ich nach Hause und dich rufen wollte.” Sanft strich er über Daves Wange wurde dann aber kurz abgelenkt, weil die große Katze in sein Blickfeld kam und er riss die Augen auf. „Das ist dein kleiner Liebling?”, fragte er ungläubig. „Die ist aber alles andere als klein.”

Dave lachte leise. Etwas in der Art hatte er schon erwartet. „Aber er hat mal auf eine Hand gepasst, der Süße, ne?“ Er strich dem Kater über den Kopf, der sich gerade an seinem Herrchen hoch streckte und ihm so locker bis zur Hüfte reichte. „Aber keine Sorge, er ist nicht zickig und liebt jeden, der ihn füttert“, klärte Dave auf und küsste Jack wieder. Er hatte zu lange darauf verzichten müssen.

So musste Mc Bommel noch ein wenig darauf warten, dass er von dem fremden Mann begrüßt und gestreichelt wurde. Ohne Dave loszulassen, beugte Jack sich zu der großen Katze und strich ihr über den Kopf und als sie nicht wegzuckte, kraulte er sie unter dem Kinn und redete leise mit ihr. „Hallo Mc Bommel”, sagte er leise, „ich bin Jack und ich hoffe, dass es dir hier gefällt, denn wenn es nach mir geht, bleiben du und dein Herrchen hier bei mir.”

Doch das schien der Kater noch nicht entschieden zu haben, denn er stromerte erst einmal weiter und untersuchte alles, was er fand. „Du solltest erst mal schlafen, wenn du die ganze Nacht gearbeitet hast“, sagte Dave und sein Schweif legte sich um Jack, strich ihm dabei über den Rücken und in die Haare, während Daves Hände sanft über Jacks Gesicht strichen. „Nicht dass du schlapp machst und sie dich feuern.“

„Ich will aber nicht schlafen. Dann kann ich dich nicht ansehen, berühren oder küssen”, quengelte Jack gleich und legte seinen Kopf auf Daves Schulter. Er fing die Schwanzspitze ein und streichelte darüber, so wie er es schon einmal gemacht hatte und schnupperte an der warmen Haut und war wieder davon fasziniert, wie gut der Teufel roch. „Kommst du mit ins Bett?”, fragte er leise und küsste Dave in die Halsbeuge.

„Wenn mein Herr und Meister sich das wünscht, dann werde ich ihm diesen Wunsch doch nicht ausschlagen“, sagte Dave leise und ließ sich beschmusen. Es war so angenehm, sich fallen lassen zu können und die Augen zu schließen. Es war seltsam, wie intensiv er einem eigentlich Fremden vertraute.

„So gegen Mitternacht hab ich eine Kleinigkeit gegessen. Ich möchte nichts außer dir.” Jack schmiegte sich näher und seufzte leise. „Du bist so schön warm”, murmelte er und seine Augen fielen immer wieder zu, auch wenn er es nicht wollte. Aber etwas musste er noch loswerden, bevor er ins Bett ging. „Dave, egal was dein Vater gesagt hat, du musst nicht alles machen, was ich sage. Wenn du etwas nicht möchtest, sag es. Ich möchte keinen Sklaven, sondern einen Freund und vielleicht einmal Liebhaber und Partner – Lebensgefährte oder wie auch immer man das betiteln will.”

„Jack“, sagte Dave und schwieg dann wieder. Er wusste nicht, was er sagen sollte. Jack hatte wirklich vor, ihn in sein Leben zu integrieren? Irgendwie verschlug das dem jungen Teufel ziemlich die Sprache. „Ich leg mich zu dir, natürlich“, sagte er und seine Stimme war heiser, immer wieder musste er schlucken. „Wir essen, wenn du wieder wach bist“, schob er noch nach. Dave war total durch den Wind. Das musste er erst einmal einordnen.

„Hmm”, machte Jack und strich weiter mit den Lippen über die warme Haut. Er ließ sich zum Bett schieben und darauf absetzen. Schnell zog er sich aus und kuschelte sich in die Decke. Er wollte sie schon ein wenig anwärmen, damit Dave nicht fror. Er hatte auch noch eine Wolldecke auf das Bett gelegt, die der Teufel sich auch noch ranziehen konnte, damit er es warm hatte. Lächelnd blicke er zu Dave hoch und hob die Decke ein wenig an, damit er darunter schlüpfen konnte.

Erst kaute der Teufel noch auf seinen Lippen, doch dann streifte auch er die Klamotten ab, schob die Schuhe unter das Bett und kroch nur noch in Shorts unter die Decke. Sein Herz schlug wie wild und sicher sah man ihm seine Unsicherheit auch an, doch es war schön. Das Prickeln durchmaß seinen ganzen Körper, fühlte sich an wie Brausepulver in der Blutbahn. Schüchtern kam er näher an Jack gerutscht, denn sonst hing sein Hintern raus und wurde kalt. Genauso wie sein Schwanz. „Du würdest mich wirklich als Partner wollen?“, fragte er, weil er es nicht begreifen konnte.

„Ja, würde ich”, sagte Jack schlicht und sah Dave ernst in die Augen, dabei strich er ihm über die Wange. „Ich habe dir doch schon gestern Nachmittag gesagt, dass ich dabei bin, mich zu verlieben und so ist es immer noch, denn anders kann man es nicht erklären, dass ich dich so vermisst habe.“ Er zog Dave näher an sich und fing den Schwanz ein, damit er darüber streichen konnte.

„Ich weiß nicht, was ich sagen soll, außer dass ich total platt bin. Mom hat gesagt, wenn ich glaube, es wäre das Beste, bei dir zu bleiben - ihren Segen habe ich und wenn Vater tobt, bekommt er eine mit der Bratpfanne.“ Das war kein Witz, das war sein Ernst. Sie hatten einige Pfannen mit Loch, weil sie an einem der Hörner hängen geblieben waren. „Ich hab mich lange nicht so gut gefühlt wie gestern oder wie jetzt. Ich weiß zwar nicht, wie verliebt sein ist, aber ich fühl mich gut. Wenn das reicht?“

Jack lachte leise, bei der Bratpfannengeschichte und küsste Dave auf die Nasenspitze. Das hörte sich doch schon gut an und war ausbaufähig.

„Es ist fürs erste einmal genug. Sehen wir, was die nächste Zeit passiert. Du wirst es fühlen, wenn du dich verliebst, was ich sehr hoffe.” Jack küsste Dave kurz und legte sich dann so, dass Dave den Kopf auf seine Schulter legen konnte. Dabei kraulte er ihn im Nacken und schloss die Augen. Er war wirklich müde, aber er versuchte wach zu bleiben, denn er wollte noch etwas mit Dave schmusen.

„Hm, werd's merken“, murmelte der Teufel nur leise und ließ seinen suchenden Blick schweifen. Nicht dass Mc Bommel gleich anfing in der Wohnung zu randalieren, weil er sich langweilte. Also lockte er den neugierigen Kater wieder zu sich, der auch gleich von unten unter die Decke kroch. Dave aber kuschelte sich noch etwas dichter und ließ seine Hand über Jacks Brust fahren. Der hatte eindeutig mehr Muskeln als Dave selbst.

„Schön”, nuschelte Jack schon etwas undeutlich, denn jetzt, wo es warm um ihn wurde, griffen Morpheus' Arme fester nach ihm. „Wenn du nicht schlafen möchtest, fühl dich wie Zuhause. Ich hab nix dagegen.” Das sanfte Streicheln gefiel ihm und damit Dave nicht ganz leer ausging, tat er es ihm gleich und streichelte ihn ebenfalls. Seine Hand fuhr über den Rücken bis hinunter zum Schwanzansatz und kraulte dort kurz, denn lieber strich er wieder über den Schwanz, den er durch seine Finger gleiten ließ.

„Öhm“, presste Dave durch die Zähne, denn was Jack da gerade machte, war nicht wirklich förderlich für den Schlaf. „Wenn du nicht willst, dass du in einer Minute deine Seele los bist und ich aussehe wie aus dem Fegefeuer, dann lass das besser. Teufel haben ihre erogenen Zonen woanders, als Menschen“, murmelte er vor sich hin, auch wenn es ihm peinlich war und er sein Gesicht in Jacks Halsbeuge versteckte. Dabei strichen seine Hörnchen immer an Jacks Ohr entlang und er konnte die kleinen Entladungen spüren.

„Oh”, quietschte Jack, denn die kleinen Blitze kitzelten und machten ihn wieder ein wenig wacher. Er ließ den Schwanz los, auch wenn er es bedauerte, aber nicht, ohne noch einmal sanft darüber zu streichen, denn die Entladungen prickelten so schön. „Was sollte ich dann besser noch lassen?”, fragte er leise und drehte sich Dave zu, damit er kleine Küsschen auf dessen Gesicht verteilen konnte.

„Hörneransätze, Schwanz und Flügelansätze“, sagte Dave und richtete sich ein bisschen auf. „Da sind Teufel besonders empfänglich und dann eben die Stellen, die auch bei Menschen reagieren. Bin ja ein halber Mensch“, erklärte Dave und setzte sich in den Schneidersitz. Gleich kam Mc Bommel und rollte sich auf den geöffneten Beinen zusammen. Da passte er nämlich dann perfekt hinein.

„Ah so”, machte Jack und bedauerte, dass Dave nicht mehr neben ihm lag und fand es fies, dass er gerade das, was er am liebsten tat, besser lassen sollte. Er brummelte ein wenig und riss dann die Augen auf. „Flügel? Sagtest du Flügel”, fragte er und schoss hoch, damit er Dave über die Schulter blicken konnte. „Is' ja krass. Warum hab ich die denn noch gar nicht bemerkt?”, rief er begeistert und konnte nicht widerstehen, über die weiche Flügelhaut zu streichen. „Die sind ja soo niedlich.”

„Kannst du mal aufhören, mich immer niedlich zu nennen? Das macht mich als Teufel nicht gerade glaubhafter“, knurrte Dave, war aber nicht böse, sondern musste sich das Grinsen verkneifen. Er flatterte ein bisschen mit den Flügeln, aber sie waren bisher nur rudimentär. Richtige Flügel würde er erst bekommen, wenn er ein Vollteufel war, also niemals. „Außerdem sind sie ja nicht besonders groß, man kann sie gut verstecken. Nicht wie die Hörner oder der Schwanz.“ Dabei strich er Mc Bommel über das weiche, lange Fell und der aalte sich zufrieden und schnurrte.

„Ach Schatz”, lachte Jack und küsste sein Teufelchen, „du bist niedlich, genauso wie deine Flügel und wunderschön.” Jack rutschte wieder näher, denn jetzt war ihm kalt, und streichelte Mc Bommel mit Dave zusammen. Zwischendurch aber streichelte er immer mal wieder über die Flügel, ließ die Ansätze aber aus, da er nichts provozieren wollte.

Dave lachte nur leise. „Schon klar. Für dich werde ich wohl immer niedlich sein, so lange ich deine Seele nicht bekomme“, fasste er zusammen und schob den großen Kater von sich. „Los, ans Fußende“, forderte er und kuschelte sich wieder zu Jack. Auch ihm wurde kalt. Noch hatte er sich an dieses Klima hier nicht gewöhnt. Schnell war die Decke hochgezogen und er schmiegte sich an den warmen, kräftigen Körper. Das war ein schönes Gefühl.

„Ja, ich befürchte, das wirst du.” Jacks Arme schlossen sich wieder um Dave und er seufzte leise und zufrieden. Mc Bommel hatte sich zu ihren Füßen niedergelassen und Jack strich ihm ab und zu mit den Zehen durch das Fell. So ließ es sich wirklich aushalten und die Müdigkeit griff wieder nach ihm. „Es ist schön, dich hier zu haben”, nuschelte er leise und schon halb eingeschlafen.

„Ja, das ist es“, murmelte Dave sachte. „Doch findest du das in ein paar Monaten auch noch?“ Dave wusste es nicht. Er wusste nur, dass er eine Entscheidung getroffen hatte, die sein Leben grundlegend verändern würde und er war noch nicht bereit dazu. Er brauchte die Sicherheit von Jack, doch das würde er ihm nicht sagen. Sie hatten ja noch etwas Zeit, herauszufinden, ob aus Anziehung Liebe werden konnte oder nicht.

„Hmm”, brummte Jack leise und kuschelte sich näher an den warmen Körper. Er hatte die Frage schon gar nicht mehr verstanden, denn er schlief schon fast. Aber auch, wenn er sie noch verstanden hätte, hätte er sie nicht beantworten können. Er hoffte zwar, dass aus ihnen ein Paar wurde, aber er konnte es auch nicht erzwingen, wenn es nicht klappte. Erst einmal musste er schlafen und dann konnten sie weiter an ihrer Beziehung arbeiten.

So vergingen die nächsten Stunden schweigend. Nur Mc Bommel hatte irgendwann die Nase voll und stromerte lieber durch die Wohnung, die er noch nicht kannte, während sein Herrchen im Bett geblieben war und Jack studierte. Das Gesicht, seinen Geruch, den Körper - sanft und vorsichtig. Seine Hände strichen forschend über Jacks Leib, sparten die empfindlichen Regionen aber aus. Er wollte ihn nicht erregen, nur spüren.

Immer wieder seufzte Jack leise im Schlaf und lächelte. Die sanften Berührungen flossen in seine Träume mit ein, die sich um Dave drehten und ließen sie noch angenehmer werden. Immer näher rutschte er und ab und zu murmelte er leise: „Dave”. Schon lange hatte er sich nicht mehr so wohl gefühlt und wieder einmal einen warmen Körper neben sich zu spüren, hatte einen großen Anteil daran.

Wenn er wollte, könnte er jeden Abend einen Kerl abschleppen, in der Disco fand sich immer jemand, aber schon seit längerem ließ er es sein, denn das war nicht das, was er suchte. Er wollte keine schnellen und ausschweifenden Abenteuer mehr, sondern jemanden, der sein Leben mit ihm teilte und dem er etwas bedeutete.

Vielleicht konnte Dave dieser Mann werden, diese Konstante in seinem Leben, zu der er abends zurückkehrte, die zu ihm zurückkehrte. Ein Geben und Nehmen, in harmonischem Einklang, vielleicht auch lodernde Leidenschaft und glühende Gier nach Fleischeslust.

Doch allmählich döste auch Dave weg und das Streicheln ließ nach.