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Anders als geplant

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„Scha-hatz, das Essen ist fertig“, rief Jack laut durch die Wohnung, weil er nicht wusste, wo Dave sich gerade aufhielt. Sie wohnten nun schon ein paar Tage zusammen und bisher klappte es wunderbar mit ihnen. Auch der Kater hatte sich eingelebt und Jacks Wohnung als sein Revier akzeptiert und den bequemen Hocker und die Fensterbank im Wohnzimmer als sein Eigentum beansprucht. Sie hatten noch ein wenig Zeit, bevor Jack zur Arbeit musste und er wollte Dave fragen, ob er nicht Lust hätte mitzukommen.

„Komme schon, komme schon", kam es aus dem Bad, denn Dave hatte die Badewanne für sich entdeckt. Jack hatte eines von diesen ausländischen Modellen, was die Temperatur halten konnte. So konnte Dave stundenlang im heißen Wasser liegen, lesen und sich entspannen. Das war herrlich. Nun kam er nur im Bademantel und mit verstrubbelten Haaren in die Küche geflitzt und küsste Jack kurz. Eine Eigenart, die sich der Teufel angewöhnt hatte. Wann immer es ging, küsste er Jack.

Sein Opfer hatte da auch gar nichts gegen und genoss jeden der Küsse, die er so über den Tag verteilt bekam. „Na, du Wasserratte“, neckte er ihn liebevoll und verstrubbelte die Haare noch ein wenig mehr. Dabei streichelte er kurz über die Hörneransätze, etwas, dass er sich angewöhnt hatte, denn die kleinen Blitze, die darauf folgten, prickelten immer so schön. Das Essen stand schon auf dem Tisch, genauso wie einige Scharfmacher, die Dave gerne mochte. Sie waren extra in Spezial-Läden gewesen, um sich für den kleinen Teufel einzudecken. Dave hatte ein paar der Verkäufer fast in den Wahnsinn getrieben, doch nun hatte er einige Fläschchen im Schrank, um die jeder Mensch einen großen Bogen machte.

„Was gibt’s?“, fragte er und hing die Nase in die Luft, als er Teller aus dem Schrank suchte. Mc Bommel war auch schon da. Essen war neben Schlafen eine seiner liebsten Beschäftigungen.

„Chinesisch und für Bommelchen: gekochte Leber mit Reis.“ Jack lachte leise, als der große Kater um seine Beine strich und ihn immer wieder mit der Pfote anstupste, damit er sich beeilte. Aber nie benutzte er dabei die Krallen, nachdem Dave mit ihm deswegen geschimpft hatte. Darum bekam er auch gleich seine Schüssel, damit sie selber in Ruhe essen konnten, auch wenn ein paar Fleischstücke ihres Essens letztendlich im Katzenmagen landen würden.

Es war ein Gerücht, dass nur kleine Kätzchen niedlich gucken konnten und mit ihrem Blick alles bekamen. Bommel war alles andere als klein, aber ihm konnte auch keiner widerstehen und der Kater nutzte das hemmungslos aus. Doch Dave hatte schon beschlossen, mit Mc Bommel joggen zu gehen, damit der nicht fett wurde. „Lecker.“ Dave ließ sich gleich auf seinen Stuhl fallen und beobachtete Jack dabei, wie er Essen verteilte.

„Das hoffe ich.“ Jack war kein wirklich geübter Koch, aber bisher hatte noch immer geschmeckt, was er kochte und im Stillen dankte er seiner Mutter, die darauf bestanden hatte, dass er wenigstens die Grundzüge des Kochens beherrschte und langsam bekam er Routine. So landete eine großzügige Portion auf ihren Tellern. „Sag mal, magst du nicht heute mit mir zur Arbeit kommen? Du könntest dich in der Disco rumtreiben, wenn es dir bei mir zu langweilig wird“, fragte er und schob sich den ersten Bissen in den Mund.

Dave sah von seinem Teller auf und legte den Kopf schief. „Wirklich? Wie kommt's? Sonst warst du doch dagegen“, fragte er und wedelte provozierend mit dem Schwanz. Na ja, es war nicht ganz fair, er selber hatte ja auch gleich dagegen geredet, aus Angst, erkannt und vielleicht misshandelt zu werden. Wer wusste schon, was Menschen noch alles mit denen anstellten, die anders waren. „Aber ich komm gern mit. Mc Bommel kann auch ohne mich ganz gut schlafen und ich langweile mich zu Tode.“

„Eben deswegen. Ich merke, dass du dich langweilst und bei mir auf der Arbeit kannst du dich amüsieren. Da fallen deine Hörnchen noch nicht einmal auf, denn dort laufen jede Menge schräger Typen rum: Goth, Punk, Transen, Lederkerle, ganz normale… eben alles, was es so an Spielarten gibt. Darum haben wir auch mehrere Abteilungen, damit jeder die Musik hören kann, die ihm gefällt.“ Es stimmte schon, dass Jack erst dagegen gewesen war, aber nur, weil er Angst hatte, dass Dave ständig angemacht wurde und diesem das zuviel wurde. Darum sagte er das auch gleich. „Kann nur sein, dass du ständig angemacht wirst, aber unsere Gäste akzeptieren ein Nein, weil sie wissen, dass sie sonst rausfliegen.“ Das war etwas, worauf Jack großen Wert legte und worauf seine Männer geschult waren.

„Ich kann da so richtig herum laufen und muss mich nicht verstecken? Ich könnte also nur mit der kurzen Hotpants und den Stiefeln und dem langen Mantel gehen und das wäre völlig normal?“, wollte Dave wissen und wackelte provozierend mit den Brauen. Es war nicht so, dass er das wirklich wollte, aber er hatte gelernt, mit der Eifersucht des Menschen zu spielen und sich darin zu sonnen, dass er so begehrt wurde.

Jack hustete auch gleich, weil er sich verschluckt hatte und funkelte ihn an. „Wehe!…“, krächzte er und hustete wieder. „Kommt nicht in Frage.“ Er griff sich sein Glas und trank einen Schluck, dann atmete er tief durch und sah Dave an. „Bitte nicht, das würde mich verrückt machen, wenn ich wüsste, dass du ständig von lüsternen Blicken verfolgt wirst. Na ja… noch mehr als so schon, wenn du normale Klamotten trägst“, versuchte er seinen Ausbruch zu erklären. Das war ihm schon peinlich, dass er sich immer wieder so provozieren ließ, aber er konnte das nicht ändern. Er hatte sich in den letzten Tagen heftig verliebt.

„Tut mir leid, das hab ich nicht gewollt. War doch nur ein Scherz, ich würde doch so nie rumlaufen.“ Da war Dave doch selber viel zu schüchtern für. Zwar mochte er es, wenn Jack ihn so hungrig ansah und sich an ihn kettete, aber wenn es andere taten, fühlte sich der junge Teufel noch immer ziemlich unwohl. „Ich will ja nicht, dass einer auf die Idee kommt, ich wäre noch zu haben“, sagte er in Gedanken und merkte zu spät, was er gesagt hatte. „Öhm... ich meine…“ Doch der Rettungsversuch scheiterte kläglich.

Jacks Kopf ruckte hoch und seine Augen glänzten. „Bist du das nicht mehr?“, rief er und seiner Stimme war anzumerken, wie sehr er es sich wünschte, dass Dave sich in ihn verlieben würde. Er griff Daves Hand, drückte sie liebevoll und hauchte dann einen Kuss darauf. „Ich bin auf jeden Fall nicht mehr zu haben. Mir hat ein gewisser wunderschöner, schwarzäugiger Teufel so dermaßen den Kopf verdreht, dass ich niemanden mehr möchte, außer ihn.“

„Hm“, machte Dave, es war ihm ja so peinlich, dass er mal wieder zu schnell geredet hatte, ohne seine Worte zu zensieren. Aber so war es nun einmal. Jack war seine Welt geworden. Er brauchte nichts anderes mehr, auch wenn er seine Mutter schon vermisste. „Ich habe für dich mein Leben aufgegeben, Jack, glaubst du allen Ernstes, mich könnte auch nur noch ein einziger Mensch oder Teufel interessieren außer dir?“, fragte er leise und holte tief Luft. So war es nun mal, auch wenn sich Dave das nicht eingestehen wollte.

„Dave“, sagte Jack leise und kam zu seinem Freund rüber. Er kniete sich neben dessen Stuhl und nahm ihn in die Arme. Dieses Geständnis haute ihn vollkommen um und er vergrub erst einmal tief atmend sein Gesicht in Daves Halsbeuge. Erst dann sah er wieder auf und lächelte ihn an.

„Ich liebe dich, mein süßer Teufel“, sagte er leise und feierlich, denn das hatte er bisher noch nicht gesagt. „Jeden Tag ein wenig mehr und ich werde dich ganz bestimmt nicht mehr loslassen, solange du das nicht willst.“

„Ich hoffe nur, dass du das nicht eines Tages bereust“, sagte Dave leise, er konnte mit diesem Geständnis nicht umgehen. Zwar war es genau das, was er gern hatte hören wollen, dass er der einzige für Jack war, doch jetzt, wo er es wusste, übermannte es ihn. „Ich hänge an dir, Jack. Ob ich dich liebe, weiß ich nicht. Aber du bist alles, was ich brauche.“ Gefühle waren etwas, mit dem Dave nur schwer umgehen konnte. Teufel waren nicht gerade für ihre Gefühlsduselei bekannt. Menschen waren anders, sie redeten öfter und sie redeten offener. Noch war Dave in dieser Welt nicht ganz angekommen.

„Solange du mich bei dir haben willst und es dich nicht stört, dass ich dir sage und zeige, dass ich dich liebe, kann ich damit leben.“ Jack küsste Dave und drückte ihn fest an sich. Er merkte, wie verwirrt der junge Teufel war und gab ihm Halt. „Weißt du, ich habe mich in meinem Leben auch noch nicht wirklich verliebt, bis heute. Du wirst es wissen, wenn es soweit ist, denn es ist ein wirklich unglaubliches Gefühl.“

„Unglaublich“, murmelte Dave leise. „Jeder Tag hier ist unglaublich. Ich mag es, neben dir zu liegen, dich zu küssen, dich anzufassen.“ Dave wusste selber noch nicht so richtig, was eigentlich mit ihm passierte. Er hatte das Kribbeln in seinem Bauch immer darauf geschoben, dass er sich in der oberen Welt erst anpassen musste und sein Körper mit der Kälte umgehen musste, mit dem Essen und der Luft. Aber vielleicht musste er das ja gar nicht, sondern mit etwas ganz anderem?

„Lass dir Zeit, Liebling. Es bringt gar nichts, etwas zu erzwingen, aber das, was du sagst, gibt mir Hoffnung, dass du mir eines Tages auch sagen wirst, dass du mich liebst.“ Noch einmal verband er ihre Lippen zu einem zärtlichen Kuss, dann sah er Dave liebevoll an und erhob sich wieder. Sein Küchenboden war etwas zu hart, um lange darauf zu knien. Er setzte sich wieder auf seinen Platz und atmete tief durch, dann lachte er befreit, denn seine Gefühle einmal laut auszusprechen hatte ihm gut getan.

„Wird schon werden.“ Verlegen kratzte sich Dave hinter dem Ohr und sein Schweif peitschte immer wieder zuckend durch die Luft. Bald würde er ohne ihn auskommen müssen. Es war eine seltsame Vorstellung, dass etwas, was er seit seiner Geburt hatte, nicht mehr da sein sollte. War es das wert?

Darüber wollte der Teufel nicht nachdenken, sondern er zog seinen Teller wieder zu sich, denn er hatte Hunger.

Jack tat es ihm gleich. Das Essen war etwas abgekühlt und hatte nun genau die richtige Temperatur zum Essen, aber immer wieder lächelte er zu Dave rüber und fing schließlich den zuckenden Schwanz ein, um ihn beruhigend zu streicheln. „Also kommst du gleich mit?“, griff er ihr ursprüngliches Thema wieder auf, damit sie beide wieder etwas ruhiger wurden.

„Ja, ich glaube schon. Mc Bommel wird mich nicht vermissen und ich würde schon gern sehen, wo du jeden Abend hin gehst. Ich muss mir ja auch was suchen, wenn ich hier bleiben will. Kann mich ja nicht immer von dir durchfüttern lassen“, sagte Dave und zeigte sich entschlossen. Er wollte Jack nicht auf der Tasche liegen und er wollte sich durchbeißen. Wenn schon nicht als Teufel, dann vielleicht als Mensch.

„Mach dir da mal keinen Kopf. Du wirst schon was finden und solange bleibt es eben, wie es ist. Ich verdiene genug, um dich und deine Katze mit zu versorgen.“ Jack sah das ziemlich gelassen. Dave würde seinen Weg machen, da war er sich sicher und solange er selber weiterhin eine große Rolle im Leben seines Teufelchens innehatte, half er ihm, so weit er konnte.

„Hm, aber das gefällt mir jetzt schon nicht“, gestand Dave. Es war ja nicht so, dass er ungern Geschenke annahm, aber wenn er Jack nichts zurückgeben konnte, vor allem nicht das, was der sich so wünschte, dann fühlte sich der Teufel einfach nur mies. Auch wenn man das den Ausgeburten der Hölle nicht zutrauen wollte, sie hatten durchaus ein Gerechtigkeitsempfinden. Mc Bommel wohl eher weniger, ihm war es ziemlich egal, von wem er etwas bekam, so lange er etwas bekam. Der machte sich da nicht solche Gedanken wie Dave, der schon wieder nervös mit dem Schwanz wedelte.

„Süßer, du bist gerade ein paar Tage hier. Setz dich selber nicht so unter Druck, dann regelt sich alles meist von selber. Ich finde es wirklich toll, dass du dir solche Gedanken machst, aber das brauchst du nicht. Wenn du Arbeit hast, schmeißen wir zusammen und bis dahin bleibt es, wie es ist.“ Jack drückte lächelnd Daves Hand und wechselte dann einfach das Thema. „Tanzt du übrigens gerne?“, fragte er unvermittelt, weil ihm das gerade einfiel. „Wenn ja, wird es dir bei uns bestimmt gut gefallen.“

„Ja, schon, ich hatte nur selten die Chance dazu“, sagte Dave, etwas irritiert über den abrupten Themenwechsel. „Es ist ja nicht so, dass ich es besonders gut könnte, aber ich bewege mich eigentlich ganz gern.“ Dave stocherte in seinem Essen und kaute lustlos, obwohl es sehr lecker war. Er griff sich noch etwas von der Würze, träufelte sie drüber und sah wieder zu Jack. „Warum fragst du?“

„Nur so, weil ich ja in einer Disco arbeite und da eben viel getanzt wird. Es erleichtert einem den Aufenthalt ungemein, wenn man gerne tanzt und vielleicht haben wir zwischendrin mal ein wenig Zeit, gemeinsam zu tanzen.“ Jack sah von seinem Teller auf und stutzte. „Was ist los, Schatz? Hab ich was Verkehrtes gesagt?“, fragte er und legte den Kopf schief.

„Nein, nein. Schon okay“, wehrte der Teufel ab. „Wie gesagt, ich tanze ganz gern, aber ich mag es nicht, wenn ich wieder so begafft werde, wie auf der Straße. Ich meine, ich find's ja schon erregend, wenn du mich so ansiehst und wenn du eifersüchtig wirst, aber wenn sie mich wieder umarmen und an sich reißen, dann finde ich das weniger klasse. Gibt es auch Orte dort, wo man mich nicht antatscht?“, fragte Dave nachdenklich und drückte Jacks Hand fester.

„Mein Büro, da tatsche nur ich“, lachte Jack leise, aber man sah ihm an, dass er nur einen Scherz machte. „Es gibt überall immer mal wieder ruhige Ecken, wo man ein wenig ausruhen und sich unterhalten kann. Dort hat man seine Ruhe und wird nicht belästigt, da sorgen meine Leute für. Ganz am Anfang, als wir aufgemacht haben, haben wir die Gäste gefragt, was sie gerne hätten, damit sie sich wohl fühlen und einen großen Teil der Wünsche haben wir umgesetzt, soweit möglich und diese Ruhezonen gehören dazu.“

„Ich soll also in deinem Büro für dich tanzen, ja?“, lachte Dave nun herzlich und leckte sich anzüglich über die Lippen. „Du Schwerenöter.“ Doch sein Herz schlug wild in seiner Brust, denn die Vorstellung war irgendwie anregend. Dave konnte das nicht leugnen. Vielleicht würde er das wirklich machen, wenn Jack Pause hatte, dann hatten sie beide was davon. Dave lachte leise.

„Also, wehren würde ich mich dagegen nicht“, grinste Jack, dem die Vorstellung auch gefiel. „Wir können uns ja abwechseln. Mal tanze ich für dich und dann du für mich.“ Er schob sich die letzte Gabel in den Mund und klopfte auf sein Bein. Das war das Zeichen für Mc Bommel, dass er auch noch etwas bekam und er sprang auf Jacks Schoß. Der hatte schon ein paar Fleischstücke rausgefischt, die er der großen Katze nun fütterte.

„Oh Katze, ab morgen werden wir joggen gehen, du Pummel-Bommel“, knurrte Dave, der sich schon eine Leine und eine Route ausgesucht hatte. Doch Mc Bommel ignorierte ihn mit Leidenschaft und Hingabe. Das würden sie erst mal sehen, ob es wirklich so weit kam. Mit einem gezielten Blick würde er das Schlimmste schon zu verhindern wissen. Dave seufzte und wandte sich wieder Jack zu, den sah er sowieso viel lieber an. Der ignorierte ihn nur sehr selten. „Wir werden sehen, wer von uns beiden den anderen schneller heiß machen kann“, lachte er und zeigte seine Fänge.

„Wie ungerecht, da verliere ich doch, denn du brauchst eigentlich gar nichts zu tun, damit ich heiß auf dich werde. Das bin ich nämlich immer“, lachte Jack und gab Bommel das letzte Stückchen. Der große Kater rollte sich auf seinem Schoß zusammen und holte sich seine ihm zustehenden Streicheleinheiten ab. Er hatte sich erstaunlich schnell eingelebt und Jack als Mitbewohner akzeptiert.

„Und alles, was ich bei dir an Hitze auslöse, bekommt mein Kater. Dauernd wird der gestreichelt. Ich werde langsam eifersüchtig“, knurrte Dave. Auch wenn es nur gespielt war, so barg es doch einen Funken Wahrheit. Er würde jetzt lieber auf Jacks Schoß sitzen, doch sie wussten beide, wie das endete und wenn sie nicht die Notbremse zogen, dann war alles vorbei. Das wollten sie beide nicht.

„Nicht mehr lange, Liebling, dann werde ich dir zeigen, wie sehr ich dich begehre.“ Jack zog Daves Hand zu sich und streifte sie mit den Lippen, dabei sah er ihm in die Augen. Es war schwerer, als sie gedacht hatten. Sie zogen sich gegenseitig unwahrscheinlich an und ein paar Mal hatten sie nur noch mit Mühe und Not die Kurve gekriegt, darum waren sie jetzt vorsichtiger und ließen es erst gar nicht soweit kommen. Aber dieses Warten schürte ihr Feuer und ihre Gier aufeinander, so dass es von Tag zu Tag schwerer wurde.

„Ich hätte nicht gedacht, dass vier Wochen so an den Nerven zerren können“, murmelte Dave. Und wenn er bedachte, dass noch nicht einmal die erste Woche richtig um war, machte ihn das ziemlich depressiv. Zum Glück war Jack arbeiten, wenn Dave ins Bett ging und wenn Jack heim kam und schlief, war es schwer, nein zu sagen. Heute hatte er wieder nicht widerstehen können und Jack hemmungslos geküsst, bis der Mensch sie trennen musste. Am liebsten würde der Teufel noch drei Wochen schlafen und alles an sich vorbei ziehen lassen.

Das war Folter!

„Und ich wollte die Frist sogar auf acht Wochen erweitern. Wie gut, dass dein Vater da nicht drauf eingegangen ist.“ Allein die Vorstellung ließ Jack schaudern. „Ich habe so etwas noch nie erlebt. Es kann nicht nur daran liegen, dass wir nicht dürfen, dass ich dich unbedingt will.“ Jack hob den Kater hoch und setzte ihn auf dem Boden ab und zog Dave auf seinen Schoß. „Wir schaffen das, denn sonst werde ich dich verlieren und das ist nicht akzeptabel.“

„Ich weiß nicht, wie lange ich dir noch widerstehen kann“, nuschelte Dave und drängte sich an seinen Freund. „Deinen Wangen, deiner Nase, deinen Lippen“, machte er weiter und seine Finger strichen die Spur nach, die Dave aufzählte. Nun lagen seine Finger verspielt auf Jacks Lippen und es war so schwer, sie nicht schon wieder zu küssen. Das war doch Wahnsinn! Langsam wurde der Teufel verrückt und schloss die Augen. Er war nicht stark, wie er glaubte. Er ließ sich viel zu schnell verleiten.

Jack küsste die Fingerspitzen und lächelte dann. „Bald brauchst du mir nicht mehr zu widerstehen, dann darfst du mit mir machen, was du möchtest.“ Er legte seine Stirn gegen Daves und seufzte leise. „Wir schaffen das und wenn die vier Wochen rum sind, nehme ich mir Urlaub und wir schließen uns für ein paar Tage hier ein und lassen uns von niemandem stören.“

„Und was machen wir mit Mc Bommel?“, fragte Dave und sah nach dem Kater, der gerade auf dem Teppich saß und anfing, sich zu putzen. „So wie ich ihn kenne, wird er verhungern, wenn wir uns ein paar Tage nicht blicken lassen“, lachte der Teufel und stellte sich das gerade vor, wie der Kater die Schlafzimmertür zerkratzte und erbärmlich miaute. „Lass uns die restlichen Wochen mit so viel Arbeit wie nur möglich voll packen. Wir dürfen nicht mehr aus den Augen gucken können, dann kommen wir vielleicht auch nicht auf dumme Gedanken“, schlug er vor.

„Bommelchen ist der einzige, der uns stören darf.“ Der Kater war Jack in den letzten Tagen wirklich ans Herz gewachsen. Er machte es dem Menschen auch leicht, ließ sich streicheln und herzen. „Gut, halten wir uns beschäftigt. Das wird wohl wirklich das einzige sein, dass uns von Dummheiten abhält.“ Jack strich Dave über die Wange und grinste schief. „Und damit fangen wir gleich nach diesem Kuss an.“ Und schon lagen seine Lippen auf denen seines Teufelchens und er küsste ihn innig.

Erst wollte Dave noch protestieren, dass sie vernünftig sein müssten, doch auch damit konnten sie nach dem Kuss anfangen. Also ließ er seine langen, schlanken Finger in Jacks Haar verschwinden und strich gierig hindurch. Ab und an verhakte er sich darin, drängte so Jacks Kopf weiter in den Nacken, um in intensiver schmecken zu können.

Immer weiter dehnten sie ihren Kuss aus, aber Jack ließ ihn nicht ausufern und beendete ihn, als sie Luft holen mussten. Wieder legte er seine Stirn an Daves und hielt ihn fest. „Ich würde alles dafür geben, dass wir jetzt nicht aufhören müssten, nur meine Seele nicht, denn ohne sie könnte ich dich nicht lieben.“

„Ich weiß doch, Jack.“ Mit einem sichtlich schlechten Gewissen, weil er sich wieder nicht hatte beherrschen können, erhob sich der junge Teufel langsam. „Lass uns etwas machen, wozu ich beide Hände brauche, sonst geht das wieder so los“, lachte er und griff sich seinen Teller, um ihn zu leeren.

„Hey, ist doch nicht deine Schuld. Ich habe angefangen.“ Jack sah Dave nach und seufzte leise. „Ich geh dann schon mal duschen und zieh mich an, dann gehst du und wir haben so wieder eine Weile überbrückt. Dann gehen wir zur Arbeit und dort sind wir unter Beobachtung, so dass wir hoffentlich nicht mehr in Versuchung kommen.“

„Ja, hoffentlich“, lachte Dave, der gerade mit dem Gedanken spielte, den Geschirrspüler wieder auszuräumen und mit der Hand zu spülen, nur damit er etwas zu tun hatte und abgelenkt war. Er kam sich ziemlich verzweifelt vor und lachte leise über sich selber. An die Spüle gelehnt sah er sich zu Jack um. „Na los. Husch. Ab ins Bad", sagte er und raffte seinen Bademantel fester um sich.

„Mach ich.“ Aber Jack ging nicht sofort ins Bad, sondern kam noch einmal zu Dave, zog ihn so eng an sich, wie es ging, und küsste ihn verlangend, wenn auch nur kurz und machte sich dann schnell auf ins Bad, wo man ihn kurz darauf quietschen hörte, weil er das Wasser auf kalt gestellt hatte.

Er blieb dann noch ein wenig unter dem warmen Wasser und er überlegte, wie er Dave dabei helfen konnte einen Job zu finden. Eine halbe Stunde später stand er mit einem seiner neuen Anzüge bekleidet in der Wohnzimmertür und beobachtete seinen Schatz dabei, wie er mit Mc Bommel schmuste. Der große Kater hatte sich gerade so lang wie es nur ging auf der Couch ausgebreitet, damit auch jeder Zentimeter beschmust werden konnte, während Dave in seiner üblichen Hüfthose und einem nachlässig geknöpften Hemd vor der Couch hockte und seinen Kater verwöhnte. „Dickes Ding. Ab morgen gehen die Uhren anders“, drohte er ihm wieder, lachte aber, als Mc Bommel nur gähnte und sich auf den Bauch drehte.

Nachlässig strich Daves Schweif noch über den Teppich. Er würde ihn erst ins Hosenbein stopfen, wenn sie gingen.

„Ich seh das schon kommen, dass du joggst und unser Bommel lässt sich dabei von dir tragen“, lachte Jack leise und kam zu ihnen rüber. Er kniete sich neben Dave und streichelte den großen Kater mit, so dass der zufrieden und laut schnurrte. Es juckte ihm in den Fingern, Daves Schwanz einzufangen und darüber zu streichen, aber so aufgeheizt, wie die Stimmung zwischen ihnen gerade war, war das keine gute Idee. „Sollen wir los? Dann kann ich dir noch in Ruhe alles zeigen, bevor der Club aufmacht.“

„Okay, machen wir los. Dann kann sich Bommel mental darauf vorbereiten, morgen einen Marathon zu laufen, nicht wahr, Dicker?“ Dave klopfte dem Kater noch mal das Fell, dann erhob er sich und verstaute den Schweif, band sich ein Tuch über die Haare, wie es modern war. Das sah besser aus als die Mütze und war weniger auffällig. Den schwarzen Mantel wieder drüber, dann sah er an Jack hoch und runter. „Okay, so nehm ich dich mit“, lachte er und küsste ihn kurz, sprang aber gleich wieder weg, damit er nicht wieder auf dumme Ideen kam.

„Da hab ich aber Glück gehabt“, lachte Jack und schnappte sich Daves Hand. So ganz und gar wollte er auf seinen Teufel nicht verzichten und Händchenhalten war ziemlich ungefährlich – hoffte er. „Ciao, Katze“, rief er Mc Bommel zu und zog Dave zur Tür. „Sag mal, Schatz, was hältst du denn davon, wenn wir uns nach einem kleinen Häuschen für uns umgucken? Mit einem großen Garten, wo Bommelchen sich austoben kann?“, fragte er, als sie die Treppe runter gingen. So mitten in der Stadt konnten sie den Kater nicht rauslassen und nur in der Wohnung hatte er zu wenig Bewegung.

„Ich werde das Gefühl nicht los, du meinst das völlig ernst“, sagte der junge Teufel und blieb stehen, so dass Jack ihn ansehen musste. Daves Hände zitterten. Wie weit plante Jack denn? Das ging Dave entschieden zu schnell. Nicht, weil er Jack nicht bei sich haben wollte oder ihn nicht in seiner Zukunft sah, sondern eher lag es daran, dass er Angst hatte, die Erwartungen, die Jack an ihn hatte, nicht erfüllen zu können. Das ging alles Knall auf Fall und für Dave war das zu viel auf einmal. Er gab es nicht gern zu, dass er damit nicht klar kam, denn er hing an Jack, er wollte alles tun, damit er ihn nicht verlassen musste.

„Hey, Teufelchen“, sagte Jack weich und zog Dave an sich. „Ich spiele schon länger mit dem Gedanken, hab es aber immer vor mir her geschoben, weil ich nicht wirklich Zeit hatte, etwas zu suchen. Ich möchte raus aus der Stadt. Auf der Arbeit ist es laut und hektisch, da möchte ich in meiner Freizeit ein wenig Ruhe und Frieden haben.“ Er strich Dave über den Rücken und küsste ihn sanft. „Lass uns doch einfach mal unverbindlich gucken. Uns hetzt doch keiner.“

„Hm, okay.“ Ganz überzeugt war der junge Teufel noch nicht, doch er nickte. So lange nicht er allein und Mc Bommel der Grund waren, warum Jack sein Leben auf den Kopf stellen wollte, so lange konnte Dave damit leben. „Warte, bis ich auch Geld verdiene und es mit finanzieren kann“, sagte er, denn noch immer wurmte es ihn, dass er nicht in der Lage war, sich selbst zu tragen. Wie erbärmlich. Als Teufel hatte er schon nichts auf die Reihe bekommen, als Mensch ging das jetzt genauso los. Dave war einfach zu ungeduldig.

„Klar, warum nicht. Es soll ja ein Heim für uns drei werden. Da suchen wir es gemeinsam aus und finanzieren es gemeinsam.“ Jack drückte Dave noch einmal an sich, dann zog er ihn zum Wagen. Dabei fiel ihm noch etwas ein. „Hast du einen Führerschein?“, fragte er und öffnete die Türen. „Wenn wir wirklich aufs Land ziehen sollten, wäre es von Vorteil, wenn du fahren könntest.“

„Teufel werden gerufen. In der Hölle haben wir Dimensionstore. Glaubst du allen Ernstes, es gibt auch nur einen einzigen Teufel, der sich dann an so etwas Veraltetes wie Autos klammert?“, fragte Dave und lachte. Er stellte sich gerade das Gewühl da unten vor, wenn an Stelle der Tore jeder sein eigenes Auto hätte. Allerdings hatte Jack Recht, wenn Dave blieb, war er kein Teufel mehr. Er musste einer von ihnen werden und sich fortbewegen wie ein Mensch. Wenn er nicht alles zu Fuß angehen wollte, braucht er ein Fortbewegungsmittel.

„Wow, Dimensionstore. Da kann ich mit meinem Auto natürlich nicht mithalten“, lachte Jack und hielt Dave die Beifahrertür auf. „Gut, dann würde ich sagen, suchen wir dir eine gute Fahrschule.“ Er setzte sich selber und startete den Motor. Routiniert lenkte er den Wagen aus der Parklücke und fuhr zur Disco. In zwei Stunden würde sie öffnen, also hatte er noch genug Zeit, Dave alles zu zeigen und seine Arbeit zu erledigen.

„Na, was glaubst du, wie ein Teufel, der eben noch in Spanien eine Seele geholt hat, eine Minute später in Tokio landen kann? Mit euren Autos wäre man da ’ne Weile unterwegs, würde ich sagen.“ Nun wirkte Dave doch ein bisschen stolz, dass er war, was er war. Diese Art zu reisen hatte ihre Vorzüge, das musste er zugeben, darauf zu verzichten war sicher nicht leicht, aber nicht unmöglich. Nach und nach und mit jedem Tag ein bisschen mehr, ging ihm auf, was sich alles ändern würde, wenn er seine Welt verließ. Doch nichts war dabei, was es wert wäre, auf den Tausch zu verzichten.

Nur Jack zählte. Daves Blick wanderte heimlich zu ihm und er lächelte.

Eine von Jacks Händen legte sich auf Daves Knie und drückte es leicht. „So was ist wirklich praktisch, aber für Menschen wohl nicht das Richtige. Zumindest jetzt noch nicht. Aber es wäre schon cool, wenn man die einmal wenigstens benutzen könnte.“ Der Weg zum Club war nicht wirklich weit und schon wenige Minuten später kamen sie vor dem großen Gebäude im Industriegebiet an. Jack parkte seinen Wagen auf dem bewachten Parkplatz für die Angestellten und stieg aus.

Dave tat es ihm gleich und sah sich erst einmal um. Bis auf in die Stadt zum Einkaufen war er ja noch nicht wirklich raus gekommen. „Ganz schön groß“, murmelte er und drehte sich einmal um sich selber, sah an der fünfstöckigen Fassade nach oben und dann wieder zu Jack. „Hier treibst du dich also rum, während ich alleine im Bett liege, hm?“, lachte er, schlug sich aber auf den Mund, als er jemanden über den Parkplatz kommen sah.

Aber Jack lachte nur und zog Dave für einen Kuss zu sich. „Mach dir keine Gedanken. Das hier ist eine Schwulendisco und jeder hier weiß, dass ich auf Männer stehe. Es wird hier also niemand komisch gucken oder die Nase rümpfen, wenn du mich küsst oder so etwas wie eben sagst.“ Noch einmal küsste er seinen Teufel und nahm dann seine Hand. „Außer Martin vielleicht. Ihm gehört der Club und er ist mein bester Freund.“

Das hatte Dave jetzt nicht nur verwirrt, es hatte ihn auch verunsichert. Der beste Freund von Jack mochte es also nicht, wenn Jack ihn küsste? Das war nicht gut. Dave wurde unsicher und zog seine Hände zurück, schob sie in die Taschen seines Mantels und zog den Kopf ein. In was war er da nur wieder rein gerutscht. „Tut mir leid“, sagte der junge Teufel, irgendwie fühlte er sich gerade fehl am Platze. Besser, er hielt erst einmal den Mund und suchte seinen Platz, ehe er noch mal den Mund aufmachte.

„Was…?“, fragte Jack und sah Dave an, aber dann fiel ihm auf, was er gesagt hatte und lachte leise. „Entschuldige, das hab ich jetzt falsch ausgedrückt. Martin wird neugierig auf dich sein, denn bisher habe ich noch nie jemanden in mein Leben gelassen. Ich hatte One Nights oder manchmal auch ein paar Nächte mehr, aber mehr auch nicht. Ich habe mit diesen Männern geschlafen und sie dann wieder vergessen. Er hat mitbekommen, dass sich die letzten Tage etwas verändert hat, weil ich mich verändert habe, und wird es sich nicht nehmen lassen, dich genau zu beschnuppern.“

„Ach so, okay“, sagte Dave und straffte sich wieder etwas. Er war wohl wirklich noch nicht reif für die Oberwelt. Angefüllt mit Komplexen und hochgradig nervös war er wohl im Augenblick für diese Art von Scherzen nicht zu haben. „Na ja, soll er schnuppern. Ich bin frisch gewaschen“, stellte Dave fest und grinste schief, holte abermals tief Luft. „Und außerdem bin ich total nervös.“

Wenn sein Vater ihn hören würde, wie er sich hier gab, Luzifer würde ihn wohl verstoßen.

Jack nahm wieder Daves Hand und drückte sie. „Brauchst du nicht und wenn Martin zu intensiv schnuppert, hau ich ihm auf die Finger.“ Er konnte es nicht verhindern, dass er ein wenig knurrig klang, denn allein die Vorstellung, dass jemand sich an Dave ranmachen könnte, gefiel ihm überhaupt nicht.

„Bleib erst einmal bei mir, bis du alles gesehen hast und alle wissen, wer du bist, dann kannst du dich frei bewegen, ohne dass jemand etwas sagt.“

„Ja, mach ich“, versprach Dave und sah sich wieder etwas intensiver um. Vor der Tür standen bereits zwei Männer, die wohl dafür sorgten, dass nur Leute durch diese Tür gingen, die hinter den Fassaden auch wirklich was zu suchen hatten. Dave straffte sich, weil er nicht aussehen wollte wie ein verschüchtertes Mädchen und setzte ein neutrales Lächeln auf. Los ging's!

Jack nickte den beiden Männern zu und öffnete die Tür mit seiner Codekarte. Noch war es still in dem großen Gebäude, aber das würde sich in einiger Zeit ändern. Dann hämmerten die Bässe laut durch die Mauern und ließen sie mitschwingen.

Durch die Gänge führte er seinen Schatz zum Aufzug, der ihn zu seinem Büro brachte. „Da sind wir. Hier verbringe ich den Großteil meiner Zeit, wenn ich nicht Zuhause bin“, sagte er lächelnd und ließ Dave in den großen Raum. Er war gemütlich eingerichtet, mit hellen Farben und großen Fenstern, auch wenn dort abends nicht viel zu sehen war.

Wichtiger aber waren die Unmengen von Monitoren, die eine Wand komplett ausfüllten. Davor ein Pult mit hunderten Knöpfchen, Schaltern und Tasten. Neugierig ging Dave näher, denn noch waren die Bildschirme alle dunkel. „Spanner“, lachte Dave anzüglich und legte den Kopf schief. „Vor welcher Kamera muss ich mich denn ausziehen, damit du das hier drinnen auch haarklein mitbekommst, hm?“ Langsam wurde der Teufel wieder sicherer, denn hier waren sie allein.

„Das kannst du machen, wo du willst. Von hier oben kann ich dich überall finden, wenn du dich in den öffentlich zugänglichen Räumen befindest. Sogar in den Darkrooms. Dort sind Infrarot-Kameras, damit wir auch dort Kontrolle haben.“ Jack lachte leise und zog Dave zu sich. „Aber einfacher wäre es, wenn du dich hier ausziehen würdest. So ganz ohne Kamera finde ich das nämlich viel schöner und anregender.“

„Gut zu wissen“, lachte Dave und ließ den Mantel fallen, während sich sein Schweif wieder aus seiner misslichen Lage befreite. Er hatte zwar keinen Schimmer, wozu Darkrooms eigentlich da waren, aber schön, dass man sie überwachen konnte. „Wenn ich mich langweile, lasse ich einfach irgendwo meine Kleider fallen“, lachte er und streckte sich, während er sich weiter umsah. Eine Couch, ein Sessel hinter dem Schaltpult. Gegensprechanlagen und dazu noch ein bisschen andere Schnickschnack-Technik. Eher uninteressant, im Gegensatz zu der Couch, auf die er sich fallen ließ.

„Ja, da kannst du sicher sein, dass dir dann nicht mehr langweilig ist, weil du alle Hände voll damit zu tun haben wirst, aufdringliche Verehrer abzuwimmeln und ich werde auch keine Langeweile mehr haben, weil ich sofort zu dir laufen werde, um dich zu retten.“ Jack ließ sich neben Dave fallen und griff sich den Schwanz. Seine Finger strichen sacht über die weichen, hellen Haare und er lehnte sich an seinen Schatz. „Aber eigentlich wäre es mir lieber, wenn du das nicht machen würdest, denn ich möchte nicht, dass dich jeder so sieht.“

„Ich will auch gar nicht, dass ein anderer mich je so sehen wird wie du“, gestand Dave, dass er nur einen Scherz gemacht hatte, um Jack ein bisschen zu ärgern. Erst wollte er ihm seinen Schweif entziehen, aber das gute Gefühl, die Hitze, die ihn in kleinen Schüben durchlief, war zu gut, als dass Dave sich darum bringen wollte. „Küss mich noch mal, damit ich mich nicht langweile und dann lass uns alles ansehen."

Dem Wunsch kam Jack auch gleich gerne und ausgiebig nach. Er zog Dave so lange näher, bis er auf seinen Schoß kletterte. „Das weiß ich, Teufelchen, und das gefällt mir wirklich gut, dass du das nur für mich machen möchtest.“ Er beschmuste seinen Schatz noch eine Weile und dann seufzte er. Es war besser, wenn sie wieder aufhörten, denn ihr Atem wurde immer schneller und schwerer. „Na los, machen wir dir einen Ausweis, damit du überall hin darfst und dann zeig ich dir alles.“

„Einen Ausweis? Ich bin ja richtig wichtig“, lachte Dave, als er sich das Hemd wieder richtete und Jack sich erheben ließ. Er folgte ihm auch gleich rüber zum Schreibtisch, wo die gesamte Anlage hochgefahren wurde. „Brauchst du da auch ein Bild von mir oder geht das ohne?“, wollte er neugierig wissen und fing nun an zu studieren, was die Monitore ihm zeigten. So bekam er schon mal ein erstes Bild von der Disco und ihren verwinkelten Ecken.

„Sicher bist du wichtig und ich brauche ein Foto von dir. Das machen wir gleich hier und geben es in den Computer ein. Dann drucken wir deinen Ausweis und laminieren ihn ein. Mit einem hübschen Band dran hängt er dann um deinen Hals und gewährt dir überall Zugang.“ Jack holte die Kamera aus seinem Schreibtisch und ging zu Dave rüber, der gerade die ganzen Schalter ausprobierte und so die einzelnen Kameras bewegte. Es war noch fast niemand da, darum war auch nicht viel zu sehen, außer der Putzkolonne, die alles auf Vordermann brachte. Aber für einen Teufel, für den das alles noch neu war, war das schon aufregend genug. Er fing an, einzelne mit der Kamera zu verfolgen und wenn sie den Raum wechselten, suchte er sie auf einem anderen Bildschirm.

Bis er hinter einer Bar einen jungen Kellner erblickte, der dann für eine ganze Weile beobachtet wurde, dabei peitschte Daves Schwanz wild hin und her.

„Hey, du machst das gut. So schnell hat bisher noch niemand begriffen, wie das funktioniert.“ Jack küsste Dave in den Nacken und sah ihm noch ein wenig beim Spielen zu. Schließlich zeigte er ihm einen Monitor, der farblich anders war. „Das ist einer der Darkrooms. Dort kann man sich anonym vergnügen und damit dort niemand zu etwas gezwungen wird, was er nicht möchte, sind die Kameras da“, erklärte er.

Langsam wandte sich Dave zu ihm um. „Vergnügen?“, fragte er, weil er nicht gleich begriff, was Jack meinte, doch als sein Hirn endlich schaltete, wurde er leicht rot um die Nase. „So was machen die hier? In aller Öffentlichkeit? Einfach so?“, rief er ziemlich entrüstet, fasste sich aber schnell wieder. „Na hoffentlich verirre ich mich nicht da hin“, murmelte Dave und sah aber noch mal genauer hin. Das war wohl der Trieb seiner menschlichen Seite, die Gier nach dem Andersartigen. Aber der Raum war leer. Nicht mal eine Putzkolonne.

„Viele stehen auf schnellen Sex, ohne weitere Verpflichtungen und da sind diese Räume ideal. Ich persönlich mag sie auch nicht.“ Jack zog Dave vor eine der Wände und machte das Foto, das er für den Ausweis brauchte und gab es gleich in den Computer. Er füllte alles aus und druckte ihn. Den fertigen Ausweis hing er Dave um den Hals und küsste ihn. „Dann mal los, mit der Besichtigung. Nun darfst du überall hin.“

„Schneller Sex ohne Verpflichtung“, murmelte der junge Teufel immer noch vor sich hin. Das hatte ihn wohl ein bisschen aus der Bahn geworfen. Was es nicht alles gab. Und da hieß es immer, der Teufel hätte die Sünde erfunden. Dabei gab es so was bei ihnen in der Hölle ganz bestimmt nicht. „Ihr Menschen seid echt komisch“, murmelte Dave und besah sich seinen Ausweis, lachte, als er das Foto sah.

„Ist doch gut geworden“, grinste Jack. Er nahm Dave an die Hand und zog ihn zu einem großen Spiegel und drückte auf einen Schalter daneben. Kaum war das passiert, wurde der Spiegel durchsichtig und gab den Blick auf den großen Hauptraum der Diskothek frei. In unmittelbarer Nähe hingen die großen Käfige, in denen die GoGo-Tänzer sonst zu finden waren und die Massen anheizten.

„Wow!“ Dave löste sich von seinem Freund und kam ganz nah an die Wand heran. Die Käfige übten eine anziehende Faszination auf ihn aus und er starrte die silbern glänzenden Stangen eine ganze Weile nur an. „Was macht man damit?“, wollte er wissen. Alles andere war schlagartig uninteressant geworden.

„In ihnen wird getanzt. Wir haben Tänzer angestellt, die so die Stimmung aufheizen. In jeder Abteilung hängen welche und man kann sie je nach Bedarf höher oder tiefer hängen. So gibt es zum Beispiel beliebte Tänzer, die werden tiefer runter gelassen, damit man sie besser sehen kann. Manchmal stehen die Käfige auch direkt auf der Tanzfläche, dann werden sie mit Maschendraht ausgekleidet, damit niemand die Tänzer berühren kann“, gab Jack bereitwillig Auskunft und zeigte Dave auch den Gang, über den die Tänzer in luftiger Höhe zu den Käfigen kamen.

Wie paralysiert starrte der junge Teufel auf die Käfige und versuchte sich das vorzustellen. Ein treibender Rhythmus, der durch die Adern peitschte und das Blut zum kochen brachte, ein paar kurze Klamotten, denn mehr brauchte man in der Hitze bestimmt nicht. Und sich dann einfach gehen lassen und von allen angestarrt werden. Er wusste selbst nicht, warum ihn das erregte, während ihm draußen Menschen und ihre Blicke nur Angst machten.

Grinsend beobachtete Jack ihn. „Macht dich das an?“, raunte er ihm ins Ohr und schlang von hinten die Arme um ihn. „Ich habe es selber auch schon ab und zu mal gemacht und ich war durchaus beliebt.“ Er lachte leise, als er sich daran erinnerte und was es für ein Gefühl gewesen war, dort oben zu hängen.

„Ja, komischerweise machen mich diese Dinger ziemlich an“, gestand Dave, auch wenn er nicht wusste warum. Sie beflügelten seine Gedanken, seine Fantasie und katapultierte sie in Höhen, die für den jungen Teufel und seine auferlegte Enthaltsamkeit nicht gut waren. „Das würde ich auch gern mal machen“, gestand er leise und lehnte sich gegen den starken Körper, der ihn fest hielt.

„Hmm… schau'n wir mal. Vielleicht lässt sich da mal was machen.“ Ohne dass er es merkte, schlossen seine Arme sich enger um Dave und er knurrte leise. Der Gedanke, dass tausend lüsterne Blicke Dave verschlingen würden, behagte ihm gar nicht. Der Teufel gehörte ihm und er wollte ihn nicht teilen. „Liebe dich“, murmelte er in Daves Ohr und atmete tief durch, um sich wieder zu beruhigen.

Dave kicherte, aber nur ganz leise, denn ihm war der Zwiespalt in seinem Freund nicht entgangen. „Es wird an meiner Entscheidung, dass ich nur dir gehöre, nichts ändern, Jack. Ich will's nur mal ausprobieren, wie berauschend das sein wird. Ich mal mir das jetzt so gigantisch aus und dann ist es gar nicht so toll und ich will das sowieso nie wieder machen“, versuchte er zu beschwichtigen, aber so richtig glaubwürdig war er dabei wohl nicht, denn er zitterte immer noch am ganzen Leib bei der Vorstellung.

„Ich weiß, Teufelchen, aber ich weiß auch, was das für ein Gefühl ist, dort oben zu tanzen und zu wissen, dass da unten Männer stehen, die einen mit ihren Blicken verschlingen und sich vorstellen, dich zu bekommen.“ Jack ließ wieder lockerer und legte sein Kinn auf Daves Schulter. „Wenn du es wirklich gerne machen möchtest, werde ich es dir ermöglichen. Du bist nicht mein Eigentum und hast einen freien Willen.“

„Aber du bist mir wichtig und wenn es dir nicht gefällt, dann möchte ich das nicht“, erklärte Dave und versuchte seiner Stimme einen neutralen Tonfall zu geben. Auch wenn es schade war, so war es doch die Wahrheit. Es war ihm wichtiger, dass Jack ihn mochte, als dass er der feuchte Traum von Kerlen wurde, die er nicht kannte und die ihm egal waren. „Komm, lass uns gehen“, sagte er schließlich. Die Stimmung gefiel ihm nicht. „Ich bin wichtig und will jedem meinen neuen Ausweis zeigen.“

„Schau'n wir mal.“ Noch ein kleiner Kuss landete auf Daves Wange, dann nahm Jack ihn wieder an die Hand. „Ja, du bist wichtig und das sollen alle sehen“, lachte er leise und zog seinen Schatz aus seinem Büro, runter in die große Halle. Er grüßte alle, die ihnen begegneten, stellte ihnen Dave aber nicht vor und grinste, weil er wusste, dass man ihm mit offenem Mund hinterher sah. Bisher hatte er noch nie jemanden mitgebracht und jeder fragte sich, wer dieser große, gut aussehende Kerl war.

Dave aber entging das Interesse an seiner Person fast gänzlich, denn er sah sich gerade um. Bars und Tische an den Seiten, in der Mitte eine Tanzfläche auf unterschiedlichen Höhen. Ein Teil war umrandet von einer Mauer. Stangen reichten in einem weitmaschigen Gewirr vom Boden bis zur Decke, damit man sich daran auch ein bisschen schaffen konnte. Dave stellte sich gerade wieder vor, wie das wohl war, wenn dort halbnackte Kerle ihre akrobatischen Übungen zu fordernden Melodien vollführten und konnte nicht anders, als hart zu schlucken. Erst langsam wurde ihm bewusst, welcher Verlockung Jack eigentlich jeden Abend aufs Neue ausgesetzt war. Langsam sah er sich zu ihm um, wirkte nachdenklich dabei.

Jack war gerade dabei die Bar zu kontrollieren und sah auf, als er den Blick auf sich spürte. Er lächelte und winkte ihm zu, dann kam er zu ihm rüber. „Sollen wir weitergehen? Es gibt noch mehr Räume. Dies ist der größte, aber die anderen sind auch nicht viel kleiner.“ Er war sich bewusst, dass sie von mehreren Augenpaaren beobachtet wurden, als er Dave an sich zog und ihn küsste, aber das war ihm egal.

„Ja, können wir“, sagte Dave und atmete tief durch. Es war ein unangenehmes Gefühl, sich vorzustellen, welche Verlockungen täglich auf Jack hernieder gingen. Es nagte an ihm und unbewusst legte Dave seine Hand auf den Bauch, strich kurz darüber, als würde er es damit vertreiben können. Nachdenklich schweifte sein Blick weiter. Auch die Kellner hier waren richtige Eyecatcher!

„Was ist?“, fragte Jack, dem die nachdenkliche Stimmung seines Schatzes auffiel. Er zog ihn näher und streichelte ihm über den Rücken. Dave sah ihn an und man sah an seiner Mimik, dass er überlegte, was er nun sagen sollte. Sollte er es abstreiten? Oder sollte er Jack sagen, was ihm durch den Kopf gegangen war? Der junge Teufel rollte die Schultern und senkte den Blick. „Mir ging nur gerade auf, welchen Verlockungen du hier täglich ausgesetzt bist und ich habe mich gefragt, wie lange es dauern wird, bis du mich über hast, weil einer von hier dir den Kopf verdreht“, gestand er und atmete tief durch.

„Niemals“, sagte Jack, ohne zu überlegen und es war sein voller Ernst. Daves skeptischer Blick ließ ihn allerdings näher erklären, warum er sich da so sicher war. „Das hier alles, die Tänzer, die Kellner, sehe ich jeden Abend, seit vielen Jahren und ich habe nie auch nur in Erwägung gezogen, etwas mit einem von ihnen anzufangen, auch wenn mehrere es durchaus darauf angelegt haben. Ich habe eine Weile ab und zu einen der Gäste abgeschleppt, bis ich auch damit aufgehört habe, weil es nicht das war, was ich wollte.“ Er sah Dave fest in die Augen und lächelte. „Du bist das, was ich will und darum können hier so viele gut aussehende Männer rumlaufen, wie sie wollen, denn ich hab jemanden, zu dem ich nach Hause kommen kann.“

„Danke“, sagte Dave leise. Irgendwie war es genau das, was er hatte hören wollen und ein sanftes Lächeln legte sich auf seine Lippen. „Ich hab mir nur gerade vorgestellt, wie die halbnackten Kerle vor deiner Nase tanzen und wie… na ja, ich könnte es verstehen, wenn du schwach wirst. Irgendwann wird jeder schwach“, versuchte sich Dave zu erklären, doch er wollte nicht mehr reden, sondern schob Jack Besitz ergreifend gegen die Bar in dessen Rücken und küsste ihn ausgehungert.

Jack ließ ihn gewähren und vielen ihrer heimlichen Beobachter wurde ziemlich heiß, als sie sie so zusammen sahen. Dieser große, blonde Typ, musste wirklich etwas besonderes sein, allein schon deswegen, weil Jack sich dominieren ließ. Etwas, was bisher noch nie vorgekommen war.

„Ich weiß, was ich habe und ich werde das nicht aufs Spiel setzen, für ein schnelles Abenteuer. Ich liebe dich und darum wird das nicht passieren“, wisperte er leise nach dem Kuss und küsste Dave nun seinerseits. Der ließ sich einfach fallen, er wusste, dass er nicht enttäuscht werden würde. Er spürte das irgendwie einfach. Jack war das, was er immer gesucht hatte, nur dass der junge Teufel immer beim falschen Geschlecht gesucht hatte. Er wollte nicht nur beschützen, er wollte auch beschützt werden, wenn es nötig war. Genau diese Mischung, die Jack so perfekt beherrschte.

„Danke“, murmelte er nur immer wieder gegen Jacks Lippen, ehe er sie erneut einnahm, seine Hände wild durch dessen Haar streichen ließ.

Sie standen eine Weile so und küssten sich und sie brauchten es beide, um sich einander zu versichern. Danach sah Jack Dave lächelnd an. „Tanz, wenn du es möchtest. Mir ist gerade klar geworden, was es für dich bedeuten muss, dass ich hier arbeite. Ich vertraue dir und deswegen werde ich meine Eifersucht bekämpfen, so gut ich kann.“

„Ich guck mir das erst mal an“, sagte Dave, um nicht gleich abzulehnen oder zuzusagen. Es reizte ihn noch immer, keine Frage, aber er wollte auch nicht, dass Jack sich mies dabei fühlte, wenn Dave sich präsentierte wie billiges Rindfleisch. Er musste selber noch mal darüber nachdenken und Jack beobachten. Wenn es seinem Freund zu sehr gegen den Strich ging, dann würde Dave die Finger davon lassen.

„Mach das.“ Jack lachte und drehte sich mit Dave zusammen einmal im Kreis. „Komm, ich zeig dir den Rest und dann stell ich dich all den neugierigen Spannern vor, die uns schon die ganze Zeit beobachten." Er nahm Dave wieder an die Hand und lief mit ihm in den nächsten Raum. Das war die Gothic Abteilung und alles wirkte düster, aber trotzdem war es gemütlich dort und sein Teufelchen bekam leuchtende Augen. Es mochte Klischee behaftet sein, dass der Teufel sich dem Düsteren und Mystischen zuwendete, doch dieser Raum war ganz sein Geschmack.

Viel Leder, viel Chrom, Kreuze und einzelne kleinere Bereiche, die wie Grüfte gestaltet waren. Metallene Zäune, wie man sie von Friedhofsmauern kannte, bildeten Akzente und umrahmten auch einen Teil der Tanzfläche. „Ist ja geil!“, rief Dave und riss sich los, lief auf die Tanzfläche und strich in einem Rhythmus, der nur in seinem Kopf zu existieren schien, an den Stäben entlang, ging in die Knie, kam wieder hoch, ließ sich weit nach hinten fallen und kam mit Schwung wieder hoch.

Das war herrlich hier!

„Kann es sein, dass wir deinen Lieblingsraum gefunden haben?“ Jack lachte und kam zu Dave. Er legte von hinten die Arme um ihn und bewegte sich mit ihm zusammen zu der unhörbaren Melodie. Er deutete nach oben, so dass sein Schatz die Käfige sehen konnte. Sie bestanden aus den gleichen Gittern, wie die Umrandungen und passten so hervorragend in den Raum.

Abrupt blieb Dave stehen. „Ist das geil!“, entfuhr es ihm und in dem leeren Raum schallte das ziemlich, doch das war egal. Hier konnte er nicht mehr nein sagen, das ging nicht! „Da will ich rein, egal was passiert.“ Ehrfürchtig sah er nach oben und er wurde steif, starrte nur noch. Seine Augen leuchteten rot auf.

„Wer kann bei so einem Anblick schon nein sagen“, schnurrte Jack und biss Dave sanft in den Hals. Die glühenden Augen hatten ihm einen Schauer über den Rücken gejagt und ihm mal wieder gezeigt, was sein Freund eigentlich war und das war ziemlich antörnend. „Ich verspreche dir, dass ich dabei sein werde, wenn du dein Debüt hier gibst. Das will ich auf keinen Fall verpassen.“

„Das hoffe ich doch. Für wen sollte ich mich denn sonst aufreiben, hm?“, sagte Dave leise und ließ eine seiner Hände durch Jacks schwarze Haare streichen, doch sein Blick lag auf diesen Käfigen. Er wusste ja selber nicht, warum ihn jetzt der Ehrgeiz gepackt hatte, sich seinem Freund und all den anderen zu präsentieren, aber sein Hormonhaushalt verlangte irgendwie danach, wenn er sich schon sonst nicht abreagieren konnte.

„Nur für mich“, wisperte Jack leise und zog Dave so nahe es ging zu sich. „Es ist wirklich berauschend, dort oben zu tanzen und wenn es dir gefällt, kannst du es ruhig öfter machen. Ich kann mir vorstellen, dass du der absolute Hit dort oben sein wirst.“ Auch wenn ihm der Gedanke, dass viele Augen seinen Freund betrachteten, nicht gefiel, so wollte er doch, dass Dave glücklich war und wenn das Käfigtanzen dazu gehörte, dann sollte er es eben machen. Doch Dave antwortete auf das Angebot nicht. Er schloss nur die Augen und lächelte.

„Was ihr hier oben alles habt“, sagte er nur. Auch wenn die Oberwelt ihre Seiten hatte, die weniger schön waren, so gab es doch überwiegend Dinge, die Dave viel mehr behagten als in der Hölle. Selbst an die Kälte hatte er sich gewöhnt und es war schneller gegangen als gedacht. Er war schon viel zu intensiv infiziert worden, als dass er auf das alles noch verzichten konnte. Es war wie eine Sucht und so küsste er Jack wieder ausgehungert, um sich den nächsten Schub zu holen.

Jack würde ihn auch nicht mehr gehen lassen. Dave war alles, was er immer gewollt hatte und er würde sogar noch viel länger auf Sex verzichten, wenn es sein müsste. Immer wieder ließ er sich von seinem Freund erobern und gegen die Umgrenzung schieben. Seine Hände legten sich auf den strammen Hintern und massierten den Schwanzansatz. „Wir hatten hier aber nie das, was ich gesucht habe. Das lebte in der Hölle“, sagte er weich.

Abrupt löste sich Dave und sah Jack an, lächelte. „Da kannst du mal sehen“, lachte er leise und legte übermütig den Kopf nach hinten in den Nacken. „Aber jetzt bin ich ja da und in drei Wochen ist alles im grünen Bereich.“ Dann konnte sie nichts mehr trennen - nichts und niemand, höchsten Jack, aber das glaubte Dave irgendwie nicht mehr. Es war so anders, in seinem Kopf drehte sich alles. Sein Magen war in Aufruhr. In einer fließenden Bewegung strich sein Kinn von Jacks Nase bis hinab auf den Schritt, doch dann richtete sich der junge Teufel wieder auf. Sie spielten schon wieder mit dem Feuer, das war nicht gut!

„Nur noch drei Wochen“, seufzte Jack und atmete tief durch. Wie gerne würde er sich Dave jetzt schnappen und ihm zeigen, wie sehr er ihn liebte. „Komm, ich zeig dir noch die anderen Räume, denn wenn nicht, werden sie mich in einen der Käfige sperren müssen.“ Wenn er es auch bedauerte, so brachte er wieder etwas Abstand zwischen sie und griff sich wieder Daves Hand. „Nur noch drei Wochen.“

„Sag nicht so was“, knurrte Dave übertrieben dramatisch. „Was glaubst du, wie heiß mich das machen würde, dich in einem solchen Käfig zu sehen. Wie du dich an den Stäben entlang gleiten lässt, nach und nach deine Kleider verlierst, weil es da oben so warm ist. Schweiß rinnt deinen Körper hinab... wah!“ Dave schüttelte den Kopf und straffte sich. „Los, lass uns gehen“, lachte er und sah sich zu seinem Freund um.

„Wir sind wirklich fürchterlich“, lachte Jack und ließ sich ziehen. „Irgendwann einmal werde ich so für dich tanzen und dann kommst du zu mir in den Käfig und wir tanzen zusammen.“ Er drückte Daves Hand und zeigte ihm noch die anderen drei Räume. Den Techno-, den Hip-Hop- und den Hardrock- Bereich. Der Club hatte für wirklich jeden etwas und darum war auch immer sehr viel los. „Möchtest du was trinken?“, fragte Jack nach der Runde. Sie waren wieder im ersten Raum, den, den Jack von seinem Büro aus durch die Scheibe beobachten konnte.

„Klar, warum nicht. Da kommt meine Zunge wenigstens nicht auf dumme Gedanken und meine Hände sind auch für eine Weile beschäftigt“, lachte Dave. Jack hatte Recht: sie waren unmöglich! Wie sollte das erst werden, wenn sie sich nicht mehr zurückhalten mussten?

Die Bar war schon besetzt, darum zog Jack Dave dorthin. Er winkte dem Barkeeper zu, der ihn angrinste und zu ihnen rüber kam. „Na, was kann ich euch zwei Hübschen denn anbieten?“, fragte Mark grinsend. „Aber ich sag's euch gleich: Getränke gibt es nur gegen Informationen. Wenn ich nämlich nicht herausbekomme, was es mit deinem schnuckeligen Begleiter auf sich hat, werde ich gesteinigt.“ Der Barkeeper sah Jack durchdringend an und der lachte.

„Also, als erstes mal: Finger weg von Dave, der gehört nämlich ganz allein mir und du kannst den neugierigen Nasen auch mitteilen, dass ich mich endlich verliebt habe. Mit Haut und Haaren.“

Dave, dem diese Worte auch nicht entgangen waren, senkte den Blick. Er kam sich vor wie ein Weltwunder, dabei hatten die noch nicht mal den Schwanz, die Hörner und die Flügel gesehen. Der junge Barkeeper starrte ihn an, Dave spürte die Blicke förmlich auf seiner Haut brennen.

„Du?“, fragte Mark nur, man konnte seiner Stimme und seinem Gesicht entnehmen, dass er fassungslos war. „Es geschehen noch Zeichen und Wunder, das muss doch mit dem Teufel zugehen.“

Dave grinste bei den Worten nur, wenn der Mensch nur wüsste, wie nah er der Wahrheit kam. Es irritierte den jungen Barkeeper etwas, dass Jack und Dave gleichzeitig in lautes Lachen ausbrachen und ihm partout nicht erklären wollten, warum. „Ja, mich hat es wirklich erwischt und ich bin einfach nur glücklich, was aber nicht heißt, dass ich jetzt weniger streng sein werde.“ Er bestellte für sich eine Cola und zog Dave zu sich. „Wenn das erst einmal die Runde macht, werden wir uns nicht mehr retten können. Ich glaube, es läuft sogar eine Wette, wann es passieren wird.“

Etwas fragend sah Dave seinen Freund an. „Wann was passieren wird?“, fragte er, weil er einfach nicht begriff, während Mark für den Sicherheitschef die Cola fertig machte und Dave erwartungsvoll ansah, ob er auch was trinken wollte. Doch der wollte erst einmal eine Antwort auf seine Frage. Das drängte mehr, als die trockene Kehle.

„Es läuft eine Wette darüber, wann ich mich verlieben werde“, erklärte Jack ihm und hauchte ihm gleich noch einen Kuss auf die Lippen, was Mark entzückt seufzen ließ.

„Da kann man ja richtig neidisch werden. Ich will auch so einen Schnuckel“, brummte er leise und stieß Jack an.

„Ne, ne“, sagte der auch gleich und raffte Dave näher, als wenn er Angst hätte, dass er ihm weggenommen werden könnte. Dave ließ es geschehen und lachte leise.

„Er hat einfach die besten Argumente, die ich mir nur denken kann", erklärte er entschuldigend und schmiegte sich wieder gegen Jack.

Weil Dave keine Wünsche geäußert hatte, bekam er auch eine Cola und an der fing der junge Teufel auch gleich an sich festzuhalten. Nicht, dass er seine vorwitzigen Finger noch unter Jacks Hemd schob.

„Das ist wirklich gemein“, lachte Mark. „Ihr kommt ja alleine zurecht und wenn ihr noch etwas möchtet, nehmt euch einfach. Ich gehe jetzt die Neuigkeiten verbreiten.“ Grinsend winkte er ihnen zu und verschwand.

Jack hob die Hand und wandte sich dann wieder an Dave. „Und, was sagst du? Könntest du es öfter hier aushalten. Die nächsten Wochen würde ich dich nämlich gerne jeden Abend mitnehmen.“

Noch einmal sah Dave sich um, jetzt, wo er wusste, wo er suchen musste, sah er auch nach oben, zu dem Spiegel, hinter dem Jacks Büro lag, auf die Käfige davor. „Ich glaube schon. So lange nicht jeder versuchen wird, mich dir abspenstig zu machen“, lachte er. Auch wenn er den Rummel um seine Person nicht so schätzte, war es doch ein erhebendes Gefühl, so begehrt zu werden. Auch wenn er die Männer gar nicht kannte.

„Das wird wohl nicht passieren, denn sie hängen an ihrem Job.“ Jack stieß mit Dave an und nahm einen Schluck. „Aber trotzdem wirst du Aufsehen erregen und wirst viele Komplimente erhalten, aber wenn du deutlich klar machst, dass du kein Interesse hast, werden sie dich in Ruhe lassen.“ Auch wenn er es lieber lassen sollte, küsste er Dave noch einmal hungrig. „Magst du heute schon in den Käfig? Wenn ja, suchen wir dir im Fundus ein passendes Kostüm raus.“

„Du meinst, ich kann das einfach so? Habt ihr keine Tänzer, die für die Käfige gebucht sind?“, fragte Dave etwas verwirrt, es ging ihm etwas zu schnell, aber er war so wild drauf, sich endlich einmal die angestaute Energie aus dem Leib zu tanzen, dass er eigentlich nicht nein sagen konnte und grinsend nickte. Dabei hob er eine Braue. „Soll ich hinten oder vor deiner Nase?“, wollte er frech wissen.

„Wenn ich es mir aussuchen kann, dann hätte ich dich bitte gerne vor meiner Nase. Dann kann ich dich von meinem Büro aus beobachten und keiner wird sehen, wie ich anfange zu sabbern und mich an der Scheibe reibe“, lachte Jack leise und trank sein Glas leer. „Wir haben mehr Käfige als Tänzer und sie bestimmen selber, wo sie tanzen möchten. Nur sollte in jedem Raum mindestens einer sein.“

„Ach, so läuft das“, sagte Dave und lachte, als er sich noch mal gegen Jack rieb und wieder einen Schluck trank, um sich abzulenken. „Allerdings würde ich es zu gern sehen, wie du dich an der Scheibe reibst und dabei... ah!“ Dave musste sich wieder stoppen, denn der Drang, über Jack herzufallen, war größer denn je. Die Hitze, die sich um sie herum bildete, die Luft, die sich elektrisierte. Lange hielt er das nicht mehr aus.

„Hör auf, Schatz“, sagte Jack ein wenig gequält, denn nicht nur Dave kämpfte mit seiner Beherrschung. Allein die Tatsache, dass er seine Seele verlor, ließ ihn nicht alles vergessen. „Es ist so schwer, dir zu widerstehen. Nur zu gerne würde ich dich lieben und…“ Jack brach ab und vergrub sein Gesicht an Daves Halsbeuge. „Es ist wunderschön und erschreckend zugleich, wie sehr ich dich will. So etwas hatte ich noch nie.“

„Ich auch nicht“, murmelte Dave leise und strich mit seinen Händen durch Jacks Haare, als er ihn umarmte. „Aber wir schaffen das. Sind doch nur noch drei Wochen, wir stehen das durch. Dann kann uns keiner mehr was. Niemand!“ Dave musste auch sich selbst immer wieder Mut zusprechen, doch er wusste, warum er diese Qualen auf sich nahm - er hatte das Ziel vor Augen und dieses Ziel war es wert. Definitiv.

„Drei Wochen können schrecklich lang sein, aber wir schaffen das. Genau, wie du es sagst.“ Jack straffte sich wieder und lächelte Dave an. „Komm, ich zeig dir die Kostüme.“ Er rutschte von seinem Hocker und zog seinen Freund mit sich. „Du willst sehen, wie ich mich nach dir verzehre, während du tanzt?“, fragte er mit einem frechen Grinsen. „Was hältst du davon, wenn ich im Käfig neben dir tanze, damit du es sehen kannst?“

„Dann sehen dich ja alle anderen auch. Ich weiß nicht, ob mir das gefallen würde“, sagte Dave, lachte aber. Es war ja nicht so, als würde er Jack vor allen verstecken wollen, aber es gab Dinge, die wollte der junge Teufel einfach nicht teilen. Lachend schüttelte er den Kopf, das war doch alles total verrückt. Er griff die Hand in seiner fester und ließ sich ziehen.

„Ach Schatz, wir sind echt nicht mehr zu retten und das will ich auch gar nicht. Durch dich ist mein Leben wunderbar und aufregend geworden und ich hoffe, dass es nach diesen drei Wochen noch schöner wird.“ Jack führte Dave an den Garderoben vorbei, zu dem Raum, in dem die Kostüme aufbewahrt wurden und deutete mit dem Arm hinein. „Such dir aus, womit du mich in den Wahnsinn treiben möchtest.“

„Such mit aus. Ich will ja nicht, dass du dann einen Herzkasper bekommst und ich dich nur noch im Krankenhaus besuchen kann, wo du dich dann nicht wehren kannst und deine Seele loswirst“, sagte Dave, schnüffelte aber schon durch einen Berg von Federn, Stoffen und Schuhen. Das war ja wie im Kaufhaus hier. Für was sollte man sich denn da entscheiden?

„Also, wenn du da oben tanzt, wirst du nicht sehr viel anhaben und man wird deine Hörner, den Schwanz und die Flügel sehen, also brauchen wir etwas, bei dem die Leute denken, dass es zum Kostüm gehört“, überlegte Jack und kam Dave hinterher. „Also wäre es am besten, dich als Teufel zu verkleiden.“

Nun drehte sich Dave wieder um und lachte. „Ja, ich werde mich als Teufel verkleiden“, lachte er und legte den Kopf schief. Die Idee war gar nicht so schlecht. Er zog sich einfach das Hemd aus und öffnete die Hose, während er weiter ging und suchte. Der Schwanz suchte sich den Weg in die Freiheit und half dabei, Kostüme zur Seite zu schieben.

Jack sah ihm hinterher und leckte sich über die Lippen. Dass Dave den Schwanz verlieren würde, war wirklich schade, denn der gefiel ihm ausgesprochen gut, besonders wenn Dave ihn damit umwickelte oder streichelte. Eigentlich gefiel ihm alles an seinem Teufelchen und wenn es nach ihm ginge, sollte Dave alle seine Eigenheiten behalten, aber es war wohl besser, dass sie nicht mehr da waren, wenn er unter den Menschen lebte.

„Was hältst du davon?“ Er hob ein Kostüm hoch, das aus rot-schwarzen Hotpants und einem Umhang und eine Dreizack bestand. „Dazu ein paar schwarze, schwere Stiefel und es wäre perfekt.“

Dave legte den Kopf schief, betrachtete das bisschen Stoff und sah an sich runter. „Ich probier's mal“, sagte er, nahm den Bügel an sich und sah noch mal an sich runter. „N’ bisschen wenig, hm?“, murmelte er und ließ seine Hose fallen, der Schweif half dabei, während seine Finger den Stoff untersuchten.

Zischend zog Jack die Luft ein, denn Dave hatte die Angewohnheit, keine Unterwäsche zu tragen und der Anblick, der sich ihm gerade bot, war nicht gerade förderlich für sein Seelenheil. Er stand einfach nur da und verschlang den herrlichen Körper mit seinen Blicken. Wie gern würde er ihn berühren, aber er beherrschte sich, denn das war viel zu gefährlich. „Auf jeden Fall wäre damit bedeckt, was ich jetzt sehen kann“, murmelte er leise und wandte sich seufzend ab. Das war die reinste Folter.

„Hä?“, machte Dave, der nicht gleich verstand, doch als er an sich herab sah, machte er: „Ups", und brachte seinen nackten Hintern aus Jacks Blickrichtung. Dumm nur, dass er ihm nun die Vorderseite zuwandte und es kein Geheimnis mehr war, was er dort mit sich herum trug. „Doppel-ups!“, murmelte er und hielt die Hände davor und verschwand hoch rot in dem Kleiderständer. Das war ihm nun doch etwas peinlich.

„Schatz“, seufzte Jack und griff sich an die Stirn. „Wie soll ich denn jetzt die kommenden Wochen überstehen, wenn ich weiß, was du herrliches zu bieten hast und ich mir zwangsläufig vorstelle, was ich damit tun möchte.“ Aber er lächelte, denn es war nicht mehr zu ändern. „Aber auch wenn es mir nun noch schwerer fallen wird, bin ich entzückt, dass du wirklich genauso perfekt bist, wie ich es gehofft hatte.“

„Öhm“, machte Dave und lachte, „schön, dass ich dich bestätigen konnte.“ Nur sein Kopf lugte zwischen den Kostümen hervor, während er sich mit Hilfe seines Schwanzes in die Hotpants zwängte. Dann konnte er wieder rauskommen. Er zuppelte an den kurzen Beinen herum, sortierte den Schweif ein und drehte sich um sich selbst, um sich betrachten zu können.

„Heiß“, schnurrte Jack und ging um Dave herum. Dabei strich er ihm über den Körper und genoss die weiche Haut unter seinen Fingern. „Die Gäste werden sich die Finger nach dir lecken. Wenn du hier angestellt wärst, wärst du unter Garantie innerhalb kürzester Zeit der gefragteste Tänzer.“

„Meinst du? Mir ist eher kalt“, sagte Dave nachdenklich und schlang sich den Umhang um, damit der frierende Oberkörper ein bisschen geschützt wurde. „Glaubst du wirklich, wenn ich Spaß daran finde, würden sie mich hier nehmen?“ Der Gedanke gefiel Dave irgendwie ziemlich gut. Nicht nur, weil er dann tanzen konnte, so viel er wollte, er war auch in Jacks Nähe und konnte sich bestaunen lassen. Alles nicht zu verachten, wie er zugeben musste.

„Komm her“, sagte Jack und zog Dave in seine Arme. „Also wenn du Interesse hättest und Martin damit einverstanden ist, warum nicht? Du wolltest doch einen Job und hier könntest du eine Menge Geld verdienen. Je nachdem, wie viel du tanzt.“ Langsam ließ er seine Hände über den glatten Stoff streichen, um Dave zu wärmen und noch ein wenig Nähe zu geben.

„Es klingt verlockend, das muss ich zugeben“, gestand Dave und lehnte sich wieder an seinen Freund. „Hoch oben, von allen beobachtet, in der Hitze der Rhythmen... das wäre zu schön, um wahr zu sein.“ Er hatte nicht im Traum gedacht, dass er so schnell auf eine Job-Chance hoffen konnte, eine so viel versprechende noch dazu. „Wir sollten ihn mal fragen, auch wenn ich ihn noch gar nicht kenne.“

Jack blickte auf seine Uhr. „Noch ist er nicht da. Meist kommt er so eine halbe Stunde bevor wir aufmachen. Wir fragen ihn und wenn er einverstanden ist, wird er sehen wollen, wie du tanzt. Wenn es ihm gefällt, hast du den Job.“ Er küsste Dave und lächelte ihn an. „Martin ist ein wirklich netter Kerl. Ich kenne ihn seit dem Kindergarten. Richtig angefreundet haben wir uns aber erst später, als wir auf dem Gymnasium eingeschult wurden. Er hat immer von einem Club wie diesem geträumt und wir haben ihn zusammen auf die Beine gestellt. Es ist also auch mein Baby.“

„Ich wusste ja noch gar nicht, dass du allein erziehend bist und Kinder hast“, lachte Dave und drehte sich gerade um sich selber, suchte dabei aber schon die Regale ab, ob er passende Schuhe dazu fand. „Aber ich nehm dich auch mit Kind, schließlich hab ich ja auch meinen dicken Kater mit angeschleppt.“ Dave redete nur so vor sich hin, als er auf alle Viere ging und anfing, unter den Regalen zu suchen, wo auch noch Schuhe lagerten. Sein Schweif erwies sich dabei wieder als sehr hilfreich.

Er konnte damit nämlich viel besser unter das Regal greifen, als mit seinen Händen und Jack seufzte mal wieder lautlos bei dem Anblick, der sich ihm bot. Wenn Dave auch noch hier tanzte und er ihn jeden Abend so leicht bekleidet tanzen sehen würde, musste er sich was einfallen lassen, um nicht verrückt zu werden. Er hatte dann ständig das, was er begehrte, vor Augen und durfte es nicht besitzen. Es hatte schon etwas Wahres, dass es hieß, man sollte keine Geschäfte mit dem Teufel machen.

„Die sind cool, jetzt müssen sie nur noch passen“, rief Dave plötzlich und kam wieder vor gekrochen. Sein Schweif hatte sich um ein paar schwere Biker-Stiefel geschlungen, schwarzes Leder mit Eisenbeschlägen, die den Schuhen irgendwie etwas Brutales gaben. Dave aber gefielen sie sehr gut. Das war seine Mode und deswegen schlüpfte er auch gleich hinein. „Irgendwie stört der Umhang, hast du nicht ein Hemd oder so was?“, murmelte er, weil er sich wieder in dem Stoff verheddert hatte.

„Sicher wird sich was finden lassen. Die Hemden hängen dort.“ Jack zeigte auf die linke Seite, dort hingen jede Menge Hemden, in allen Farben und Formen. „Warte, ich such dir was raus.“ Und schon war er auf dem Weg. Er musste sich unbedingt ablenken, denn Dave zog sich gerade die Stiefel an und wackelte dabei sehr aufreizend mit seinem Hintern. Er griff sich ein schlichtes schwarzes Hemd und auch noch ein schwarzes Top, das zu der Hose zu gehören schien, denn es war aus dem gleichen Material und hatte rote Paspeln.

„Ich nehm das Hemd“, sagte Dave gleich und sein Schweif griff sich das Hemd, was Jack ihm gebracht hatte. Tops waren nicht so seine Sache. Sie saßen ihm irgendwie zu eng. Hemden konnten immer noch etwas kaschieren und formen. Also schlüpfte er in das schwarze Hemd, knöpfte wie üblich nur zwei Knöpfe über dem Bauch zu und fühlte sich gleich viel besser. „Perfekt“, erklärte er und drehte sich, „oder?“

„Natürlich ist das perfekt. Du bist für mich immer perfekt, egal was du anhast.“ Jack versuchte sich Dave nicht zu genau anzusehen. „Willst du dich auch noch schminken, dann besorg ich dir, was du brauchst.“ Viele der Tänzer schminkten sich, damit ihre Gesichter besser zu erkennen waren, aber wenn es nach Jack ging, brauchte Dave das gar nicht. Vielleicht ein wenig die Augen betonen, aber nicht mehr.

„Wenn du Kajal da hast, würde mir das völlig reichen“, sagte Dave, als hätte er Jacks Gedanken gelesen, „mehr brauch ich eigentlich nicht.“ Er war nicht der Typ Mann, der viel Farbe trug. Lippenstift und Lidschatten kamen für ihn sowieso nicht in Frage, das war einfach nicht sein Stil. Lieber drehte er sich noch ein bisschen vor dem Spiegel, den er gefunden hatte und zupfte an sich herum. So was hatte er noch nie getragen, aber langsam gefiel es ihm.

„Müsste ich in meinem Büro haben.“ Jack beobachtete Dave dabei, wie er sich betrachtete und lächelte. Sein Teufelchen wirkte richtig glücklich.

Ein Klingeln riss ihn aus seinen Gedanken und er griff nach seinem Handy. Das Lager rief an, denn die bestellten Getränke waren zum Teil falsch geliefert worden und sie wussten nun nicht, ob sie sie annehmen, oder zurückschicken sollten. „Schatz, ich muss ins Lager. Magst du mitkommen oder möchtest du dich noch ein wenig umsehen und dann in mein Büro?“

„Ich komm mit“, sagte der Teufel übermütig, er fühlte sich richtig gut. Das durfte ruhig jeder sehen. Außerdem hatte er langsam Mut gefasst und wollte nun gleich mal ohne Worte erklären, zu wem Jack gehörte und dass an dem keiner mehr zu graben hatte. Also griff er seine Kleider, faltete sie zusammen und schob sie sich unter den Arm, dann war er auch schon zum Aufbruch bereit. „Los geht's.“

„Los geht's“, lachte Jack und legte seinen Arm um Dave. Zusammen schlenderten sie zum Lager und Jack kümmerte sich um das Problem. Das, was falsch geliefert worden war, ließ er zurückgehen, mit der Auflage, dass der Rest bis zur Öffnung des Clubs nachgeliefert wurde. Eigentlich hätte der Lagerverwalter das selber regeln können und das sagte Jack ihm auch. Er war zwar Verwaltungschef, aber ein wenig Eigenverantwortung mussten seine Angestellten schon zeigen. Dave stand nur daneben und sah sich neugierig alles an. Er hörte auch nur mit halbem Ohr zu, denn er checkte gerade den ganzen Alkohol, der hier gelagert wurde.

Es war besser, er hielt sich davon fern, denn er vertrug das Zeug nicht. Nicht auszudenken, was geschah, wenn er sich doch mal wieder daran versuchte. Eine Peinlichkeit im Leben musste reichen. Lieber ging er die ganzen Säfte und Limonaden durch.

Dort fand Jack ihn. Er legte einen Arm um Dave und nahm sich mit der anderen eine Flasche Ananassaft. „Was möchtest du? Wir nehmen sie uns mit ins Büro, denn ich hab nichts mehr oben.“ Er nahm noch eine Flasche Wasser, denn die puren Säfte waren ihm einfach zu süß. „Ich muss noch ein wenig Papierkram erledigen, du kannst meinetwegen solange Fernsehen oder was lesen oder surfen, je nachdem, was du möchtest.“

„Okay.“ Zögerlich und sich mit dem Blick bei Jack versichernd, dass es wirklich okay war, griff er nach einer Flasche Mandarinensaft und ließ sich dann - immer noch in Jacks Arm gekuschelt - wieder aus dem Lager führen. „Ich geh an deinen PC“, beschloss er, denn er hatte da einen Chat gefunden und ein paar nette Leute getroffen, mit denen man einfach nur reden konnte, ohne gleich anzüglich angemacht zu werden.

„Gut, du kriegst den Laptop, dann kannst du dich auf die Couch setzen und ich bleibe am Schreibtisch.“ Es war wohl auch besser, wenn sie wieder etwas Abstand hielten. Langsam wurde es immer schwerer, sich wieder zu stoppen. Jack wusste von dem Chat und fand es ganz gut, dass sein Freund auch zu anderen Kontakt hatte und es war lustig gewesen, wie der Teufel sich an das für ihn unbekannte Gerät rangetastet hatte.

Anfangs hatte der PC in Jacks Wohnung bei jedem zweiten Tastendruck von Dave gepiepst, der Teufel hatte nur noch mit Fingerspitzen die Tasten angefasst und dem PC manchmal mit dem Schwanz gedroht, wenn er gar nicht mehr so wollte, wie Dave das gern gehabt hätte. Doch mittlerweile hatte er begriffen, was er machen musste und kam ganz gut durch den Datendschungel.

„Okay“, erklärte er also nur noch einmal und ließ sich die Treppen hinauf führen, schmiegte sich dabei noch ein bisschen an seinen Freund. Seinen Schweif zog er hinter sich her, damit er aussah wie angenäht. Erst als sie die Bürotür hinter sich geschlossen hatte, änderte sich das und der Schweif wickelte sich um Jack, weil Dave wusste, dass sein Freund das mochte, weil er dann drüber streichen und gleichzeitig seinen Schatz küssen konnte, so wie jetzt.

„So und weil ich dich liebe, lasse ich dich jetzt mit deinem PC alleine und mache mich an die Arbeit. Soll ich die Heizung anstellen? Du hast ja nicht gerade viel an.“

Lachend ging der Teufel zur Couch, sie waren wirklich unmöglich. Das konnte man nicht oft genug betonen. „Ich nehm die Decke, die da liegt, das reicht. Es wäre besser, wir bewahren einen kühlen Kopf“, legte er fest und mischte sich ein Glas voll Saft, ehe er sich fallen ließ und Jack beobachtete.

„Wie du meinst.“ Jack zog sich die Jacke aus und lockerte die Krawatte und startete den PC. Aber bevor er sich hinsetzte, ging er noch einmal schnell zu Dave rüber und küsste ihn. Das war schließlich das Einzige, was sie machen konnten, alles andere war ihnen ja noch verwehrt. Dann machte er sich aber wirklich an die Arbeit und die beanspruchte ihn so, dass er für eine Weile vergaß, dass Dave mit ihm hier war. Erst als es an der Tür klopfte, schreckte er auf und rief automatisch: „Herein“. Ein Lächeln erschien auf seinem Gesicht, als er seinen Freund durch die Tür kommen sah. „Martin“, begrüßte er ihn und stand auf, um ihn zur Begrüßung zu umarmen.

Doch der fertigte ihn nur grinsend mit einem beiläufigen "ja, ja" ab und sah sich erst mal um, bis er gefunden hatte, was er suchte. Dave saß in seiner Ecke von der Couch und hämmerte auf die Tasten ein. Er merkte also gar nicht, dass er unter Beobachtung stand. „Das ist das Schmuckstück also, von dem die ganze Bude hier redet?“, fragte Martin lachend und schloss seinen Freund nun doch in die Arme. Dave war noch immer ahnungslos, strampelte nur gerade die Decke weg, weil ihm warm wurde und platzierte sich - wie auf einem Präsentierteller - der Länge lang auf die Couch.

„Öhm… ja, ich denke schon. Dave hat für ziemlichen Aufruhr gesorgt.“ Verliebt blickte Jack zu seinem Schatz rüber und ließ Martin grinsen.

„Dich hat es ja echt erwischt, mein Lieber“, lachte er leise und Jack wurde sogar ein wenig rot. „Ja, hat es. Wie ein Blitz.“ Martin boxte ihm gegen die Schulter.

„Ich freu mich wirklich für dich. Peter und ich hatten es schon fast aufgegeben. Ist ja auch ungewöhnlich, dass sich ein Mann mit 28 Jahren noch nie verliebt hat. Und dann gleich so was Leckeres, aber was anderes hätte ich von dir auch nicht erwartet.“

Jack sah ihn empört an. „Was soll das denn heißen?“, knurrte er leise. „Ich liebe Dave und das nicht nur, weil er gut aussieht.“

„Is doch schon okay, war doch nur ein Scherz“, lachte Martin und sah sich den jungen Mann noch ein bisschen an, der gar nicht reagierte, sondern in seinen PC vertieft schien. „Sag mal“, Martin kratzte sich am Kopf und strich sich eine der schwarzen Strähnen zurück, „er hat eines unserer Kostüme an. Willst du ihn wirklich der Meute zum Fraß vorwerfen?“ Das konnte er sich ja fast nicht vorstellen.

„Wollen ist gut. Er möchte es gerne probieren und das kann ich ihm doch nicht abschlagen, nur weil ich eifersüchtig bin.“ Dass er das war, war nicht zu übersehen, denn sein Gesicht hatte sich ein wenig verdunkelt. „Er ist vollkommen fasziniert davon und von der Vorstellung, dass ich ihn sabbernd dabei beobachte.“ Jack lachte leise. „Er hat sich in unsere Gothicgruft verliebt.“

„Keine Spielchen am Arbeitslatz, mein Lieber“, lachte Martin und wunderte sich langsam wirklich über Dave, der da lag und sie noch immer nicht zu bemerken schien. Er kicherte nur albern, murmelte was vor sich hin, hämmerte wieder auf die Tasten. Ein schräger Vogel. „Aber gut, mir soll es recht sein. Solche Eye-Catcher hab ich gern in den Käfigen drinnen. An die Stangen auf der Bar lass ich ihn lieber nicht, dann läufst du mir wohl Amok.“ Martin konnte es nicht lassen, seinen Freund aufzuziehen, er hatte viel zu selten die Chance dazu. Das musste ausgenutzt werden.

„Davon kannst du ausgehen. Die Käfige kann ich noch erlauben, aber an die Stangen kommt er nicht“, sprang Jack auch gleich darauf an und brummte, als ihm aufging, dass sein Freund ihn veralberte. „Ich möchte dich mal sehen, wenn Peter der Meute zum Fraß vorgeworfen werden soll. Du würdest mit einem Gewehr neben ihm stehen“, lachte er und knuffte Martin.

Doch der lachte nur. „Nein, würde ich nicht“, erklärte Martin ihm und grinste. „Ich würde großflächig Rattengift in die Gläser tun. Dann muss hinterher weniger sauber gemacht werden“, sagte er und bemerkte etwas aus dem Augenwinkel, was ihn verwirrte.

Sein Blick lag wieder auf Dave und auf dem Schwanz, der anfing zu wedeln und zu peitschen. Martin schüttelte den Kopf. „Was... ist... das?“, fragte er. Alles andere war vergessen.

„Ein Schwanz.“ Jack versuchte erst gar nicht, eine Ausrede zu finden, denn das konnte er nicht erklären, außer mit der Wahrheit. „Daves Schwanz, der nicht zum Kostüm gehört.“ Jack seufzte leise und sah seinen Freund an. „Dave ist kein Mensch, jedenfalls noch nicht. Wenn alles gut geht, wird er es in drei Wochen sein. Solange ist er das, was er seit seiner Geburt ist: ein Teufel.“

Erst mal sagte Martin gar nichts. Er ging auf den jungen Mann zu und griff sich den peitschenden Schwanz aus der Luft, schreckte so Dave hoch, der vor Schreck schrie - Martin erschrak sich und schrie mit, bis die beiden sich ansahen. „Ein Teufel? Wollt ihr mich verarschen?“, fragte Martin. Doch er wirkte nicht ärgerlich, er war verblüfft. Der Schwanz fühlte sich echt an.

Dave hingegen wusste gar nicht, was er sagen sollte. Panik stieg in ihm hoch. Er war enttarnt und Jack hatte das zugelassen? Wie hatte er das nur tun können? Sein angsterfüllter Blick lag auf Jack. Man sah ihm an, dass er am liebsten weglaufen würde, doch Martin stand vor ihm, so dass Dave nicht weg kam.

„Schatz, alles okay. Das ist Martin. Er wird uns nicht verraten“, rief Jack auch gleich und war mit ein paar schnellen Schritten bei Dave und zog ihn an sich. Dabei ging sein warnender Blick zu Martin, ja nichts Falsches zu sagen. „Du hast nicht bemerkt, dass er ins Zimmer gekommen ist und hast mit dem Schwanz gewedelt. Da musste ich ihm die Wahrheit sagen.“ Er konnte das leichte Zittern seines Freundes spüren und küsste ihn sanft zur Beruhigung.

Wie auf Kommando wurde der Schwanz in Martins Hand schlaff und der sah die beiden nur an. Er öffnete seine Hand wieder und trat einen Schritt zur Seite. „Ich bin nicht so entsetzt, wie ich eigentlich sein sollte“, gestand er. „Irgendwie wundert es mich nicht, dass erst einer aus der Hölle kommen muss, um dich an die Kette zu legen. Du kommst doch aus der Hölle, oder?“, wandte er sich an Dave, der nickte nur stumm. Sein Herz war ihm in die Hose gerutscht und nun musterte er Martin. Was für ein Einstieg!

„Ist ’ne lange Geschichte, die ich dir auch noch mal erzählen werde. Auf jeden Fall ist Dave der Mann, den ich liebe.“ Beruhigend strich Jack über Daves Rücken und zog ihn auf seinen Schoß, als er sich setzte. „Er will meine Seele nicht, zumindest nicht mehr.“ Er strich ihm das Tuch von den Haaren, so dass Martin die kleinen Hörner sehen konnte. „Wenn du damit nicht klar kommst, gebe ich eher meinen Job hier auf, als dass ich Dave hergeben würde.“

„Ach, weißt du, was du im Bett hast, ist deine Sache und wenn ein Mensch dir das nicht geben kann, dann eben er hier. Hübsch is’ er ja, ich kann's verstehen“, lachte Martin, auch wenn er noch ein bisschen daran zu knabbern hatte. Wann sah man schon mal einen leibhaftigen Teufel vor sich? Eigentlich hatte er sich die ganz anders vorgestellt. Pelziger, unförmiger. „Hi, ich bin Martin.“ Er reichte Dave die Hand, die der Teufel Zeit verzögert doch noch ergriff.

„Dave“, antwortete er.

Jack atmete erleichtert auf, als sich die Lage entspannte und streichelte Dave über die Schwanzspitze, damit er sich wieder beruhigte. „Wenn alles gut geht, ist Dave in drei Wochen kein Teufel mehr, sondern ein Mensch. Bis dahin wäre es nett, wenn du es für dich behalten würdest, was mein Schatz ist.“

„Hä?“ Nun war Martin doch etwas irritiert. „Aus Teufeln werden Menschen? Muss ich das verstehen oder kann ich auch ohne dieses Wissen weiter leben?“, lachte er, doch der junge Mann faszinierte ihn. Er besah sich die Hörner genauer, auch den langen, beweglichen Schwanz. So was hatte er noch nie gesehen.

„Ich bin nur ein Halbteufel und wenn ich bis in drei Wochen keine Seele mehr bringe, werde ich nie ein Vollteufel. Und da ich das nicht werden, sondern bei Jack bleiben will, darf ich keine Seele fangen. Dann werde ich zur Strafe menschlich“, erklärte sich Dave und holte tief Luft.

„Aha“, war erst einmal alles, was Martin sagte. Er ließ sich neben ihnen auf die Couch fallen und massierte sich die Stirn mit den Fingern. „Ich hatte heute Mittag, als ich aufgestanden bin, schon so eine Ahnung, dass heute ein sehr ungewöhnlicher Tag wird“, lachte er dabei und besah sich das aneinander gekuschelte Pärchen. „Okay, davon möchte ich irgendwann die komplette Erklärung, aber fürs erste reicht mir, was ich weiß.“