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Anders als geplant

„Okay.“ Dave nickte nur und beruhigte sich langsam wieder. Das war aber auch ein Schock gewesen. „Wäre alles nicht passiert, wenn ich meinen Schwanz besser unter Kontrolle hätte, oder?“, murmelte er und grinste schief, als er das Tuch wieder zu sich zog, um es sich erneut über die Haare zu binden. Er musste wirklich vorsichtiger sein. Noch war er keiner von ihnen! Das konnte immer wieder passieren, wenn er nicht aufpasste.

„Das stimmt schon, aber das ist eben ein Reflex und den kann man schlecht kontrollieren.“ Jack half Dave das Tuch festzumachen und küsste ihn gleich noch einmal, weil sie gerade so günstig saßen. Martin besah sich das eine Weile und räusperte sich dann.

„Sag mal, Dave, willst du immer noch in den Käfig? Ich habe nix dagegen. Mal sehen, wie du beim Publikum ankommst.“ Er grinste, als Daves Kopf zu ihm ruckte und Jack ihn anfunkelte, weil er nichts mehr zum küssen hatte.

„Wenn sie einen wie mich immer noch haben wollen, gern“, erklärte Dave mit einem Lächeln, weil er Jacks knurriges Gesicht nicht sehen konnte. „Ich dachte nur, einen wie mich... na ja.“ Dave wusste nicht, wie er sich ausdrücken sollte. „Ich habe mich auch extra als Teufel verkleidet, damit es nicht so auffallen wird.“

„Das Sie lass mal gleich sein. Der Freund meines besten Freundes ist auch mein Freund, egal ob Teufel oder Mensch, solange du ihm nicht wehtust.“ Martin streckte Jack die Zunge raus und wandte sich wieder an Dave. „Warum sollte ich dich nicht mehr wollen. Du bist perfekt für die Käfige. Wenn du auch noch gut tanzen kannst, noch besser. Nicht wenige unserer Gäste kommen wegen der Tänzer.“

„Na ja, ob ich es gut kann, weiß ich nicht. Aber ich tanze gern und ich habe 'ne Menge Energie, die ich loswerden muss“, sagte Dave und erst als Martin grinste und Jack so zweideutig anguckte, als wollte er sagen: „Was denn, keine Ausdauer?“, da ging ihm die Zweideutigkeit seiner Worte auf. Doch jetzt noch dagegen zu reden wäre sicher auch nicht klug. „Ich würde aber gern vor Jacks Fenster.“

„Ah ja.“ Martin grinste noch breiter. „Von mir aus. Tu dir keinen Zwang an. Vielleicht hebt das ja Jacks Ausdauer ein wenig an.“ Er lachte nun leise, denn Jack knurrte und schlug nach ihm. „Mit meiner Ausdauer ist alles in Ordnung, wir dürfen nur nicht, weil ich sonst meine Seele los bin“, knurrte er dabei, ohne nachzudenken und Martin bekam wieder große Augen.

„Wie, ihr dürft nicht? Soll das heißen, dass ihr…? Noch nie…?“ Nun war Martin wirklich platt und vergaß auszuweichen, so dass Jack ihn am Arm traf.

„Autsch“, lachte er und ließ sich ein Stück entfernt wieder auf der Couch nieder und sah Jack an. „Ich glaub's nicht. Dass du dich mal zurückhalten kannst und auf etwas warten. Dass ich das noch erlebe.“

Dave war das Ganze nur peinlich. Hätte er nicht einfach seinen vorlauten Mund halten können, anstatt hier Jack schon wieder in Verlegenheit zu bringen? „Tut mir Leid, Schatz, ich halte ab jetzt meine Klappe“, murmelte er um Verzeihung heischend und küsste Jack zart, damit der ihm vergab.

„Ach lass mal, Süßer. Martin schafft es immer, alles zu erfahren, was in irgendeiner Weise peinlich für mich ist. Ich bin es gewohnt, dass er mich aufzieht.“ Aber trotzdem ließ Jack sich noch einmal küssen, damit die Schmach nicht so groß war.

„Ja genau, so ist das. Vor mir kann man einfach kein Geheimnis haben, habt ihr ja schon gemerkt. Also, warum dürft ihr nicht? Jetzt will ich alles wissen.“ Dave zuckte noch während des Kusses zusammen, löste sich dann aber seufzend. „Weil Jack den ersten Deal hat platzen lassen. Er sagte, für das Motorrad, was er gesehen hatte, würde er seine Seele geben und als ich da war, um den Deal zu machen, meinte er, er verkaufe sich nicht unter Wert. Er wolle meinen Arsch für seine Seele. Mein Vater kam dazu - lange Rede, kurzer Sinn: der Deal steht und wenn wir jetzt noch Sex haben, ehe die Frist für den Deal verstrichen ist, ist Jack seine Seele los und ich werde ein Vollteufel. Wir haben beschlossen, dass wir das irgendwie beide nicht wollen - also heißt es noch ein paar Wochen darben, so!“ Dave holte wieder Luft.

„Oh Mann, einfach gibt’s bei euch wohl nicht.“ Martin schüttelte den Kopf und klopfte beiden auf die Schulter. „Er hat wirklich gesagt, dass er deinen Arsch will?“ Martin wurde ja nicht mehr. Das waren ja Dinge, die er von seinem besten Freund erfuhr, die hätte er nicht für möglich gehalten. „Und dein Vater, Dave, ist also auch ein Teufel, aber nicht 'der' Teufel, oder?“ Nun war seine Neugier angestachelt und er wollte mehr erfahren.

„Wenn du mit 'der Teufel' den Höllenfürsten persönlich meinst? Doch, Luzifer ist mein Vater und der oberste der Teufel, gerade deswegen bin ich ihm etwas peinlich. Meine Mutter ist ein Mensch, musst du wissen, deswegen sehe ich auch anders aus als andere Teufel und Jack hat nicht gesagt, dass er meinen Arsch will, er wollte mich als lebenslanges Sextoy. So sieht's mal aus“, grinste Dave frech, als er seinen Freund hier outete, strich ihm aber liebevoll durch die Haare.

Trotzdem blickte Jack ziemlich schuldbewusst. Es war ihm schon peinlich, dass er sich das gewünscht hatte. „Da hab ich dich ja noch nicht gekannt. Heute würde ich mir ganz was anderes wünschen. Nämlich dass du ein Leben lang bei mir bleibst, weil du mich liebst und ich dich liebe.“

Martin musste schmunzeln. So hatte er Jack auch noch nie erlebt.

„Aha, Luzifers Sohn“, murmelte er leise und riss dann die Augen auf, als ihm aufging, was das bedeutete. „Du hast mit Luzifer um seinen Sohn geschachert? Ja bist du denn bescheuert?“ Martin wurde ja nicht mehr und Jack grinste.

„Hat sich doch gelohnt, oder?“, kicherte er leise und küsste Dave auf die Nase. „Und die drei Wochen Enthaltsamkeit halten wir auch noch aus. Plan schon mal zwei Wochen Urlaub für mich und Dave ein. Wir werden sie brauchen.“

„Nee, is' klar“, murmelte Martin und musste das hier erst mal alles verdauen. Da feilschte der verrückte Hund wirklich mit Luzifer persönlich um den Hintern dessen Sohnes. Lebensmüde war noch nicht intensiv genug, um zu beschreiben, was er im Augenblick von Jack hielt. Aber in einem Punkt musste er Jack Recht geben: gelohnt hatte sich das wohl auf jeden Fall. Ein Wunder nur, dass der Teufel dies zugelassen hatte. Na ja, es sollte sein Schaden nicht sein. Jacks Liebchen, wenn er sich richtig bewegen konnte, konnte eine Bereicherung für das Etablissement sein. Da sagte man nicht nein, egal wo er den Schwanz hatte. Martin lachte, während Dave nun kleinlaut vor sich hin murmelte.

Jack sah ihn an und lächelte liebevoll. „Es ist alles in Ordnung, so, wie es ist und lass dich von Martin nicht ärgern. Wenn er nämlich merkt, dass du darauf anspringst, hört er nicht wieder auf.“ Sanft strichen seine Lippen über Daves Wangen.

Martin räusperte sich, damit er wieder die Aufmerksamkeit hatte. „Weiß Dave schon, wie er in den Käfig kommt? Wenn nicht, wird es langsam Zeit, denn wir machen in einer Viertelstunde auf.“

Daves Kopf ruckte hoch. Na eben, darüber hatte er sich noch gar keine Gedanken gemacht. Die Käfige hingen da oben, er hatte den Gang von weitem gesehen - doch wie kam er dort hoch auf die Galerie? Wurde er da hoch geworfen? „Meine Flügel sind noch etwas klein, um mich zu tragen“, erklärte er und Martin machte schon wieder große Augen.

„Flügel?“, fragte er etwas ungläubig, fasste sich aber wieder. Er wollte nicht allzu dumm aussehen. „Jack, zeig ihm, wie man da hoch kommt“", sagte er stattdessen, um sich abzulenken. Was war das nur für ein Kerl?

„Alles klar, Chef“, lachte Jack und hob Dave von seinem Schoß und stellte ihn auf die Füße. „Dann komm mal mit, kleine Tanzmaus. Ich zeig dir, was du wissen musst.“ Er winkte Martin zu und zog seinen Schatz aus dem Büro. Er führte Dave das Treppenhaus hoch, bis sie auf der Technikebene angekommen waren. „So, hier kommst du in den Käfig.“ Jack drückte auf einen Knopf in dem Bedienfeld, das hier hing und einer der Käfige fuhr nach oben. Er sicherte ihn und öffnete die Tür, damit Dave wusste, wie es ging. „Wichtig ist, dass du nie alleine hier oben bist. Einer unserer Techniker ist immer dabei, wenn die Tänzer einsteigen. Wäre sonst zu gefährlich“, erklärte er seinem Schatz.

„Und wie komm ich wieder raus, wenn ich mal eine Pause brauche oder mal für kleine Teufel muss?“, fragte Dave, stand aber schon in dem Käfig und strich mit den Fingern über die verchromten Stäbe. Sie fühlten sich kalt an, doch Dave war sich sicher, dass sich das bald ändern würde, sobald es losging. Er war so voller Energie, er würde die Stäbe zum Glühen bringen.

Da der Käfig an vier Ketten hing, hing er stabil, auch wenn man sich darin heftig bewegte. Das war gut.

„Hier ist ein Knopf, wenn du den drückst, bekommen die Techniker ein Signal und holen dich hoch.“ Jack zeigte Dave alles. Er war nervös, versuchte es aber nicht zu zeigen. „Normalerweise bleiben die Tänzer eine Stunde in den Käfigen und haben dann eine halbe Stunde Pause. Viele machen aber zwei Stunden und haben dann eine Stunde frei, wenn sie möchten. Das bleibt dir überlassen, aber du musst wenigstens nach drei Stunden eine Pause machen.“

„Okay.“ Dave nickte verstehend und sah sich weiter um. Der Blick von hier oben auf die Tanzfläche war berauschend. Da unten würden sie stehen und zu ihm hinauf sehen, ihm dabei zusehen, wie er sich die Energie aus dem Leib tanzte. Sein Körper zitterte vor Anspannung. Es sollte endlich losgehen, er wollte sich bewegen!

„Ich hab keine Uhr. Hol mich einfach raus, wenn du meinst, es wäre genug“, sagte er und ließ sich in einer flüssigen Bewegung rücklings an den Stangen hinab, kam in die Knie, fiel nach vorn und mit einem kraftvollen Handstand, in den er sich hoch drückte, bekam er mit den Füßen die Stangen zu fassen, um sich daran aufzurichten und Jack frech anzugrinsen. Er griff nach den Stangen, die den Boden bildeten, löste seine Füße und mit einem geschickten Überschlag kam er wieder zum Stehen. Die Größe des Käfigs war perfekt für ihn.

Jack sah ihm mit offenem Mund zu und stöhnte leise. Eins wusste er jetzt schon. Wenn Dave das abzog, wenn die Kunden da waren, wurde er in kürzester Zeit zum Publikumsliebling und Martin konnte gar nicht anders, als ihm einen Vertrag anzubieten.

„Mach ich, aber dort oben ist auch eine Uhr.“ Jack zeigte auf eine kleine Digitalanzeige, in der rechen oberen Ecke und kam zu Dave in den Käfig.

„Ich werde dich nicht aus den Augen lassen, solange du tanzt und ich werde dich vermissen“, sagte er leise und legte seine Arme um seinen Freund.

„Ich bin doch gar nicht weit weg und wenn ich dir zu weit gehe, dann holst du mich einfach wieder raus. Jack, du allein hast es in der Hand und ich werde deinem Wunsch folge leisten. Denn so gern ich mich hier produziere, so wichtig wie du, ist mir kein anderer, okay?“ Dave legte seinen Kopf gegen Jacks Stirn und lächelte. „Und in drei Wochen verbiege ich mich nur für dich, ja?“ Seine Stimme war leise.

„Hmm…“, machte Jack noch ein wenig unentschlossen, aber dann straffte er sich und lächelte. „Ich weiß, Teufelchen, und darum lass ich dich auch machen.“ Er küsste seinen Schatz und hielt ihn fest an sich gedrückt. „Ich kann es kaum erwarten, dass die drei Wochen rum sind und wir endlich ein ganz normales Leben führen können, ohne Angst.“ Er strich Dave über die Wange. „Zeig's ihnen, Schatz. Mach sie heiß und vollkommen wild. Ihnen sollen die Augen raus fallen und die Zungen auf dem Boden schleifen“, sagte er und küsste Dave noch einmal.

„Bist du dir da sicher?“ Dave war unschlüssig, aber das Bild, was er sich bei den Worten vorstellte, ließ ihn lachen. „Und wenn sie auf ihre Zungen treten, können sie nichts mehr trinken und die Umsätze stagnieren. Das ist doch nicht gut fürs Geschäft“, erklärte er, ließ sich dabei aber noch etwas beschmusen, bis langsam die Musik anfing zu spielen, um das Personal schon mal auf alles einzustimmen.

Jack lachte leise und nickte. „Ja, zeig ihnen, wie heiß du bist, aber berühren und küssen darf nur ich dich.“ Jack merkte, dass Dave langsam hibbelig wurde, darum zog er ihn noch einmal an sich und küsste ihn, dann machte er sich los, trat aus dem Käfig und verschloss ihn. Er überprüfte noch einmal alles und ließ Dave dann runter. Auf der Höhe seines Fensters hielt er ihn an und warf seinem Schatz noch eine Kusshand zu, dann lief er schnell zu seinem Büro und stellte sich vor die Scheibe. Zwei weitere Käfige wurden runtergelassen, so dass Dave nicht mehr alleine dort oben war.

Natürlich wurde der Neue kurz beäugt. Sicherlich hatte sich auch schon zu ihnen die Neuigkeit verbreitet, wer das eigentlich war und zu wem er gehörte. Doch zum Glück war die Musik so laut, dass Dave ihr Getuschel oder ihre Bemerkungen nicht hören musste. Lieber ließ er den Rhythmus langsam auf sich wirken, versuchte eins mit ihm zu werden und schloss die Augen. Die Energie in seinem Leib zuckte und pulsierte, bis er nicht mehr anders konnte und mit dem Sound mitging.

Jack ließ ihn dabei nicht aus den Augen. Er stand mit den Händen an die Scheibe gelehnt und verfolgte jede von Daves Bewegungen. Sein Schatz war echt der Hit, wie er es sich gedacht hatte. Es war, als wenn die Käfige ganz allein für ihn gemacht worden waren. Er bewegte sich perfekt zum Sound und durch seine extravaganten Einlagen hatte er schnell die Aufmerksamkeit des Publikums, wie die nach oben deutenden Arme zeigten. Martin würde ihm einen Vertrag anbieten, das war gar keine Frage, denn der stand neben ihm und sah sich diese Vorstellung ebenfalls schweigend an. Doch dann nickte Martin sich zu.

„Dein Teufelchen ist verdammt gut“, sagte er anerkennend und hob die Brauen weit nach oben, als mal wieder passend zu den treibenden Trommeln im Hintergrund geturnt wurde, was das Zeug hergab. „Und hat eine Menge Energie“, konnte er sich dann doch nicht verkneifen zu sticheln. Vier Wochen ohne Sex, Martin war sich sicher, dass Jack das nicht durchstand. Nicht mit solch einer heißen Verlockung. „Wohnt er bei dir?“

„Ja, das Beste, was ich bisher gesehen habe.“ Es war Jacks Stimme nicht anzuhören, ob er darüber erfreut war oder nicht und er sah seinen Freund auch nicht an, denn er ließ Dave nicht aus den Augen. „Ja, er wohnt bei mir und er schläft in meinem Bett.“ Jetzt hörte man deutlich die Frustration in seiner Stimme. „Es ist so schwer, Martin. Ich liebe ihn und will ihm das auch endlich zeigen. Ich werde bald verrückt und nur die Aussicht, Dave und meine Seele zu verlieren, lässt mich das überhaupt schaffen. Sieh ihn dir an. Wie soll man da widerstehen können?“

Martin kam noch etwas näher und legte Jack den Arm um die Schulter. „Er ist nicht von dieser Welt, so viel sehe selbst ich langsam. Aber wenn er bereit ist, sein Leben für dich aufzugeben, solltest du durchhalten. Wenn’s gar nicht geht, penn ein paar Nächte hier, nachdem du ihm erklärt hast warum, denn ich könnte von diesem Kerl auch nicht die Pfoten lassen, das darfst du mir glauben“, sagte er leise. Der Spott war aus seiner Stimme verflogen. Er fragte sich selber nicht, warum er den ganzen Quatsch mit der verlorenen Seele glaubte. Er sah Dave tanzen und das allein sagte ihm, dass dieser Kerl nur ein Teufel sein konnte.

„Danke“, sagte Jack schlicht und noch immer klebten seine Augen an Dave. „Als er so unvermittelt bei mir auftauchte, richtig klassisch aus einer Rauchwolke, da war er für mich nur ein hübsches Gesicht und ein geiler Arsch, den ich haben wollte. Er war da gar nicht begeistert von und ist immer wieder abgehauen, weil er sich das nicht gefallen lassen wollte. Ich hab ihn immer wieder zurückgeholt und schließlich hat Big Daddy eingegriffen. Er bestimmte, dass ich vier Wochen Zeit habe. Der Rest ist echt klassisch. Ich habe mich verliebt und ich hoffe, dass Dave es auch noch wird. Er hat mich gern, aber da er sich bisher nie für Männer interessiert hat, ist es nicht so einfach für ihn, aber ich bin zuversichtlich, denn er will bei mir bleiben.“

„Ach, so ist das“, sagte Martin und holte tief Luft. Das war ja schlimmer als erwartet. Nicht nur, dass sich sein bester Freund einen Teufel an Land gezogen hatte und ihn nicht mit ins Bett nehmen durfte, weil sie sich sonst nie wieder sahen, nein, der Teufel war zu allem Übel auch noch Frischling auf diesem Gebiet. Na, das konnte ja noch was werden. Wenn das mal nicht in einem großen Katzenjammer endete. Aber immerhin wollte der Teufel sein Leben aufgeben und ein Mensch werden - nur für Jack. So schlecht standen die Karten also nicht. „Ich drück dir die Daumen - das muss einfach was werden.“

„Ja, das muss es.“ Jack lächelte und sah kurz zu seinem besten Freund. „Du wirst ihm einen Vertrag geben – richtig?“, fragte er. „Das wäre nicht schlecht. Wenn er sich jeden Abend so auspowert, wird es etwas leichter. Vielleicht sollte ich auch, dann sind wir beide so kaputt, dass wir nur noch tot ins Bett fallen“" Er lachte leise und blickte wieder auf seinen Schatz, der sich in seinem Käfig verausgabte.

„Sieh ihn dir an. Sieh dir das Publikum an. Ich wäre dämlich, wenn ich den gehen lassen würde und da ich nicht dämlich bin, werde ich die Verträge fertig machen. Er soll ihn mitnehmen und lesen und wenn ihm die Bedingungen zusagen, kann er gleich morgen hier fest anfangen“, sagte Martin. Er hatte nicht vor, diesen Mann ungenutzt wieder verschwinden zu lassen. „Chris wird das zwar nicht passen, dass Dave ihn von seinem Olymp stoßen wird, aber damit muss er leben - das Publikum entscheidet.“

„Konkurrenz belebt das Geschäft. Chris hat sich schon viel zu lange auf seiner Beliebtheit ausgeruht und es schleifen lassen. Über kurz oder lang wäre es sowieso passiert, wenn auch nicht so schnell.“ Jack sah auf seine Uhr und stellte fest, dass Dave schon seit mehr als einer Stunde tanzte. Die Zeit war wirklich wie im Flug vergangen. „Ich werde den Vertrag mit ihm durchgehen und nun werde ich ihn aus dem Käfig holen. Mal schauen, was er sagt.“ Er klopfte Martin auf die Schulter und ging dann seinen Schatz befreien.

„Mann, Junge, du leidest ja völlig unter Entzugserscheinungen“, lachte Martin und schüttelte den Kopf. Wenn das jetzt jeden Abend so wurde, dass Jack wachte wie ein Kettenhund, dann dürfte das lustig werden. Schon deswegen würde sich Martin dann ein paar kleine zeitliche Gemeinheiten ausdenken.

Dave hingegen ahnte von all dem noch nichts. Er hatte sich völlig in der Musik verloren, tobte sich aus und hatte angefangen, auf erotisch anzügliche Weise mit dem Publikum unter sich zu spielen.

Darum holte Jack ihn auch nicht gleich hoch, sondern beobachtete ihn noch eine Weile von oben. Erst als fast zwei Stunden um waren, setzte er die Winden in Gang und holte Dave zu sich hoch. Seine Augen leuchteten, als er seinen Schatz sah. Das Hemd klebte verschwitzt an seinem Freund und betonte so den Oberkörper und der Rest freie Haut glänzte vor Schweiß. „Wie war's?“, fragte er gleich und half Dave auszusteigen. Kaum bei sich, zog er ihn an sich und küsste ihn ausgehungert. Die letzten Stunden hatten nicht nur das Publikum, sondern auch ihn aufgeheizt und das brach jetzt durch, als er Dave fast verschlang.

Selbst auch aufgestachelt von seinem Tun hieß Dave diesen Kuss nur allzu gern willkommen. Das Tanzen war eine gute Methode seine Energie abzubauen, aber die sexuellen Spannungen suchten sich andere Kanäle. „Es ist so geil!“, murmelte er gegen Jacks Lippen, küsste ihn immer wieder ausgehungert. Nur gut, dass man von unten nicht hier hoch sehen konnte und sie so dem Publikum nicht die Illusion raubten.

„Du warst der absolute Hit. Du kannst hier arbeiten, wenn du magst. Martin lässt die Verträge fertig machen.“ Jack hängte Dave das Handtuch über die Schultern, das er mitgebracht hatte und wischte ihm über das Gesicht. „Liebe dich“, murmelte er dabei und küsste Dave wieder. So sehr ihn seine Eifersucht auch gequält hatte, so sehr freute er sich auch, dass sein Freund so strahlte. „Komm, gehen wir in mein Büro. Da kannst du duschen, dich umziehen und vor allen Dingen etwas trinken und essen.“

Dave nickte nur zu den Vorschlägen. Sein Körper war so voll von Endorphinen, dass er gar nicht auf seine Bedürfnisse gehört hatte. Sein Kopf war wie im Rausch, alles drehte sich um ihn, die Schreie des Publikums hatten ihn immer weiter getrieben. „Das ist der Wahnsinn“, plapperte er los und ließ sich von Jack führen, während er schwärmte.

„Ja, das stimmt. Es ist einfach unglaublich, wenn man dort oben tanzt.“ Jack kannte das Gefühl selber und konnte es seinem Schatz nachfühlen. Er hatte den Arm um Dave gelegt und den Schwanz um seinen Arm gewickelt, damit sein Teufelchen nicht wieder aufgeregt damit wedelte.

„Das Publikum war begeistert von dir. Du wirst wohl unser neuer Star werden.“

Dave sah zu ihm rüber. „Ja, ich glaube, sie mögen mich. Aber es macht auch so viel Spaß, sie aufzustacheln, ihnen zu zeigen, was sie nicht haben dürfen. Ich glaube, da kommt wieder mal meine sadistische Ader durch, die jedem Teufel eigen ist.“ Er lachte und strich sich in einer schnellen Bewegung das Tuch von den Haaren. Es war total verschwitzt und nun, wo der Höhenflug langsam nachließ, kühlte sein Körper aus. Er musste wirklich duschen.

„Ich hoffe, die lebst du nicht an mir aus“, lachte Jack und kniff Dave frech in den Hintern. Eigentlich hatte er da keine Befürchtungen, aber er wollte Dave ein wenig ärgern. In seinem Büro führte er seinen Freund gleich zur Dusche, wo schon ein flauschiges, angewärmtes Badetuch und ein bequemer Bademantel auf ihn warteten. „Dusch dich ausgiebig, ich besorg in der Zwischenzeit etwas Leckeres für uns.“ Noch einmal küsste er seinen Schatz, dann schloss er die Tür und machte sich auf den Weg.

Dave verschwand derweil unter der Dusche. Es war gar nicht so leicht, aus den klebenden Klamotten raus zu kommen. Er hängte sie auch gleich erst mal auf, damit sie trocknen konnten, ehe sie in den Wäschekorb flogen. Das warme Wasser auf seiner prickelnden Haut war anfangs schmerzlich, doch langsam gewöhnte sich der Teufel daran. Seine Arme lehnten an den Fliesen, sein Kopf lehnte darauf, während sein Schweif die Temperatur nachregelte. Es würde schwer werden, darauf zu verzichten. Dave seufzte.

Jack holte inzwischen Sandwichs, die für die Angestellten bereit standen. Für sich noch zusätzlich einen Salat und etwas Obst für Dave. Dazu Kaffee, Tee und Wasser. Das war auch einer der Gründe, warum die Angestellten sich hier sehr wohl fühlten. Sie wurden nicht nur gut bezahlt, sie hatten auch viele Vergünstigungen, die sonst in dieser Branche nicht üblich waren. Mit seinem voll gepackten Tablett kam Jack wieder in sein Büro und rief laut, dass er wieder da sei.

„Ja, bin gleich fertig!“, rief Dave zurück. Er hatte völlig die Zeit vergessen und schreckte auf. Sein Schweif drehte das Wasser ab, während er schon nach den Handtüchern griff, sich kurz abrubbelte und dann in den weichen Bademantel schlüpfte. Jack hatte sogar an ein paar dicke Socken gedachte. Dave grinste, das war so süß! Jack war schon ein toller Mann. Nicht nur, weil er sich für Dave interessierte, sondern auch, weil er stumm mitdachte, er war einfach da. Es war leicht, sich fallen zu lassen, denn Dave wusste, Jack würde ihn auffangen. Und jedes Mal wenn er an ihn dachte, war da dieses warme Gefühl im Bauch, das kribbelte und prickelte und ihn ganz nervös machte.

Jack sah ihm lächelnd entgegen. Er hatte sich auf die bequeme Couch gesetzt und klopfte neben sich. „Ist dir warm genug?“, fragte er besorgt, denn Dave sollte ja keine Erkältung kriegen. Er reichte Dave eine Tasse mit Früchtetee, den er besonders gerne trank und nahm sich den Kaffee. „Greif zu, du musst doch hungrig sein. Tanzen ist anstrengend.“

„Ja, das merke ich jetzt erst, wie mein Körper nach Wasser und Essen schreit. Da unten in dem Käfig hab ich das gar nicht gemerkt. Ich war wirklich wie im Rausch, das ist besser als jede Droge.“ Dave war immer noch nicht fertig mit Schwärmen, ließ sich aber auf die Couch fallen und lehnte sich gegen Jack. Jetzt wo der Rausch nachließ, kamen Ermüdungserscheinungen. Ihm fehlte wohl noch die Ausdauer. Seine Finger klammerten sich um die heiße Tasse und Dave gähnte.

„Schön, dass es dir gefallen hat.“ Jack küsste Dave auf die Stirn und schnupperte kurz an den noch feuchten Haaren. Wie immer roch sein Teufelchen verlockend und er musste sich losreißen. „Hier.“ Er hielt ihm den Teller mit den Sandwichs hin und nahm sich selber eins mit Thunfisch. „Wenn du magst, kannst du dich ein wenig hier hinlegen. Ich muss auch noch ein wenig arbeiten. Bisher bin ich nicht wirklich dazu gekommen.“

„Ach echt? Was hat dich denn abgelenkt?“, fragte Dave und machte dabei ein unschuldiges Gesicht, das so gar nicht zu dem Vamp passen wollte, der gerade fast zwei Stunden in seinem Käfig gewütet hatte. Er blinkerte mit den Wimpern, doch dann musste der Teufel lachen. „Ich werde brav hier bleiben und nicht wieder in den Käfig gehen, damit du endlich mal zum Arbeiten kommst, hm, Schatz?“

„Du bist ein richtiger, kleiner Engel“, schnurrte Jack und zog Dave zu einem Kuss zu sich. „Wie soll das nur werden, wenn du hier arbeitest? Irgendwann wird Martin mich feuern, weil ich nur noch sabbernd vor dem Spiegel hängen werde.“ Das würde noch hart, aber da musste er durch. „Du solltest langsam anfangen und dich nach und nach steigern. So haben wir es mit den andern auch gemacht. Erst nach ein paar Wochen haben sie eine ganze Schicht durchgehalten.“

„Okay, wenn das hier so human geregelt ist, dann mach ich davon gern Gebrauch. Ich bin ziemlich kaputt. Auch harmlose, kleine Teufel brauchen wohl Ruhe“, sagte Dave und fing an zu essen. Die Brote waren einfach aber gut und so kaute er erst einmal eine ganze Weile nur an den Sandwichs. „Aber wenn es dich weniger ablenkt, kann ich auch hinten im Gothic Raum tanzen, da siehst du mich nicht“, flötete er nach einer Weile mit seiner unschuldigsten Stimme und sein Schweif wedelte frech hinter seinem Rücken herum, weil er sich seinen Weg aus dem Mantel gesucht hatte.

„Nich' wirklich“, hustete Jack und trank einen Schluck Kaffee. „Wenn du hier vorne tanzt, kann ich dich vom Schreibtisch aus sehen. Da kann ich wenigstens so tun, als wenn ich arbeiten würde.“ Er raffte Dave an sich und fing den Schwanz ein. „War ein Scherz, Liebling. Du kannst tanzen, wo du möchtest. Ich werde mich daran gewöhnen müssen, sonst werde ich verrückt.“

„Aber wir können ja erst mal so anfangen. Ich tanze weiter hier und wenn du den Spiegel ausmachst, siehst du mich auch nicht. Und wenn du nicht mehr auf mich verzichten kannst, dann kannst du ihn ja wieder aktivieren. Und wenn es dann mal ein paar Stunden geht, dann geh ich in die anderen Räume, wäre das eine Idee?“, fragte Dave, denn er wollte Jack wirklich nicht vor den Kopf stoßen, nur weil er gerade seine neue Freiheit entdeckte, die Jack ihm erst ermöglicht hatte.

„Du bist wirklich ein Schatz und ziemlich clever“, schmunzelte Jack, aber innerlich war er über die Lösung wirklich froh. „Ich werde mich schon dran gewöhnen. Ich war noch nie in meinem Leben eifersüchtig und das muss ich erst mal verdauen, was das für ein Gefühl ist.“ Er küsste Dave und nahm sich dann seinen Salat.

„Und ich war noch nie verliebt und muss erst mal begreifen, wie das funktioniert“, platzte Dave heraus und holte tief Luft. Vielleicht war er es schon lange und hatte es nur nicht begriffen. Diese Ungewissheit fraß an ihm. Der Schweif zuckte nervös in Jacks Hand und der junge Teufel seufzte. Warum war das denn nur so kompliziert? Konnte man nicht einfach aufwachen und wissen, dass man verliebt war?

„Komm her, Schatz“, sagte Jack auch sofort und drückte Dave an sich. „Das wird schon. Da musste jeder einmal durch. Ich war auch noch nie vorher verliebt und irgendwann wusste ich es. Bei dir wird es nicht anders sein.“ Sie waren beide Neulinge auf diesem Gebiet. „Ich sag dir mal, was ich fühle. Mein Herz klopft laut, wenn ich dich nur sehe und ich möchte keine Sekunde ohne dich sein und wenn du mich ansiehst oder mich berührst, fliegen tausende von Schmetterlingen in meinem Bauch und es kribbelt überall. Ich möchte dich einfach immer bei mir haben.“

„Hm“, machte Dave, „irgendwie kommt mir das alles ziemlich bekannt vor“, lachte der junge Teufel und sah Jack wieder an, küsste ihn kurz. „Das Herzklopfen, das Flimmern im Bauch, dich sehen wollen, nicht ohne dich sein wollen. Ich glaub, ich bin's schon und hab's nicht gemerkt.“ Dave überlegte noch einmal angestrengt: ja, das war gut möglich. Nervös kaute er auf seiner Unterlippe.

Jack öffnete den Mund, um etwas zu sagen, aber schloss ihn wieder, ohne dass ein Ton raus kam, aber dann breitete sich ein wirklich glückliches Lächeln auf seinem Gesicht aus. Er nahm Daves Gesicht in seine Hände und küsste ihn dann mit all der Liebe, die er für ihn empfand.

„Lass es einfach auf dich zukommen und wehr dich nicht dagegen.“

„Kann verliebt zu sein nicht so sein wie Grippe? Man wacht auf, hat eine Triefnase und geschwollene Augen und weiß: aha - ich bin verliebt“, murmelte Dave nachdenklich vor sich hin. „Man würde in den Spiegel gucken und es wissen.“ Das machte Dave nun wirklich Kopfzerbrechen. Sein Schweif riss sich los und er wedelte nervös damit herum.

Leise lachend kitzelte Jack seinen Schatz und küsste ihn dann. „Du bist wirklich manchmal ein kleiner Spinner, aber ein ganz lieber“, kicherte er leise und kraulte Dave an den Hörneransätzen. Jack mochte das Kribbeln der Entladungen, die unweigerlich folgten. „Mach dir doch keinen Stress. Ich erwarte nicht, dass du mir sagst, dass du mich liebst. Mir reicht es, dass du gerne bei mir bist und dich in meiner Nähe wohl fühlst.“

„Ich würde mich in meiner Haut aber noch wohler fühlen, wenn ich wüsste, woran ich bei mir selber bin.“ Dave stemmte sich etwas höher, um Jack zu küssen. „Ich weiß, dass du mit allem zufrieden bist, was ich tue, aber ich selber würde mich besser fühlen, wenn ich wüsste, was mit mir ist. Ich bin so nervös und ich weiß nicht, ob es an der Oberwelt liegt oder nur ganz alleine an dir.“ Seine Finger strichen über Jacks Gesicht, durch die Haare, trafen sich in dessen Nacken.

„Ich kann nicht sagen, dass ich nicht hoffe, dass das nur an mir liegt. Ich liebe dich und wünsche mir nichts mehr, als dass du mich auch liebst.“ Jack strich Dave durch die Haare und lächelte. „Alles was du fühlst, fühle ich auch und ich liebe dich, also gehe ich davon aus, dass du auch etwas für mich empfindest. Aber Gewissheit kannst nur du dir geben.“

„Ja, ich weiß“, sagte Dave resigniert. Genau das war ja das Problem. Es konnte ihm keiner abnehmen. „Lass uns das Thema ändern, das macht mich irgendwie depressiv, darüber zu grübeln“, gestand er leise und schmiegte sich wieder an seinen Freund. „Erzähl mir, was du noch arbeiten musst und wobei ich nicht stören darf.“ Er machte ein interessiertes Gesicht und griff sich noch ein Brot.

Jack streichelte ihm über den Rücken und ging auf den Themenwechsel ein. „Eigentlich störst du mich nicht. Ich muss nur einiges an Papierkram erledigen, einige Telefongespräche führen. Eine Runde durch den ganzen Club machen und sehen, ob alles gut läuft oder es Probleme gibt. Ich kontrolliere die Bestände und bestelle nach, was fehlt oder bald ausgeht. Dabei kannst du mich begleiten, wenn du magst.“

„Ja, mach ich bestimmt.“ Hier allein zu bleiben behagte Dave nämlich nicht. Er schenkte sich noch etwas Tee nach und sah sich suchend nach seinen Klamotten um, die er irgendwie heute in der ganzen Disco verteilt hatte. Aber sie lagen alle wieder auf einem Stuhl. Jack hatte sie wohl eingesammelt. Wie lieb. Dave grinste. „Ich mag hier nicht alleine rum hängen. So müde bin ich nicht, außerdem bin ich neugierig wie die Sünde. Mal sehen, wer dir alles nach gafft und wen ich beißen muss.“

„Küss mich lieber, das ist viel effektiver, denn so schrecken wir gleich auch die ab, die was von dir wollen.“ Jack lachte leise und die leicht bedrückte Stimmung von vorhin verflüchtigte sich. „Ruh dich erst noch etwas aus, ich mach das, was ich hier erledigen muss und danach gehen wir gemeinsam unsere Runde und danach gehen wir nach Hause.“

„Ja, das klingt gut. So machen wir das. Sobald einer uns ansieht, werden wir uns küssen und dann werden wir keinen Meter mehr voran kommen, weil wir nur noch damit beschäftigt sind Prophylaxe zu betreiben“, lachte der Teufel und rollte sich auf der Couch zusammen. Er wirkte dabei sehr zufrieden. „Kann sein, dass Mc Bommel uns nachher nicht mal mehr mit seinem pelzigen Hintern anguckt, weil wir ihn so lange allein gelassen haben. Aber da muss der Dicke durch.“

„Wenn es sein muss. Ich will dich nicht teilen, auch nicht in Gedanken.“ Jack strich Dave noch einmal durch die Haare, dann ging er zu seinem Schreibtisch. Seinen Kaffee und sein Essen nahm er mit, denn das aß er immer so zwischendurch. „Meinst du, Mc Bommel wird beleidigt sein? Darf ich ihn ein wenig verwöhnen, damit er wieder milde gestimmt ist? Ich geh auch mit ihm joggen, wenn es sein muss.“

„Du musst dich entscheiden. Willst du ihn verwöhnen oder mit ihm joggen“, lachte Dave, der seinen bequemen Kater doch viel zu gut kannte. Jeder, der ihn zu schnellen Bewegungen reizen wollte, würde bis ans Lebensende missachtet werden. Wenn Jack das auf sich nehmen wollte? „Beides geht nicht.“ Dave streckte sich auf der Couch der Länge lang aus und er musste zugeben, dass es Absicht war, dass sein Schweif steil in die Höhe stand und dabei den Bademantel von Daves Unterleib hob und der kleine, runde Po blank lag.

„Okay, dann verwöhn ich ihn“, lachte Jack. Der Kater war ihm schon richtig ans Herz gewachsen. Das große Tier hatte sich wirklich schnell eingelebt und ihn als Teil seines Reviers akzeptiert. Er kam oft zum Schmusen zu ihm und oft lag er bei ihnen mit im Bett, wenn sie schliefen. Jack seufzte leise bei Daves Anblick und er stützte seinen Kopf auf eine Hand und betrachtete sich das Bild verträumt. Wie gerne würde er jetzt rüber gehen und über diese herrlichen Rundungen streicheln und noch ganz andere Dinge machen.

„Ja, hab ich mir doch gedacht“, lachte Dave und rollte sich auf die Seite, damit er Jack besser ansehen konnte, doch er bedeckte dieses Mal die wichtigsten Stellen, auch wenn Jack jetzt schon wusste, wie er drunter aussah. „Du verwöhnst ihn und ich gehe mit ihm joggen und er wird mich für den Rest meines Lebens hassen. So habt ihr euch das also gedacht.“ Seine Augen fingen an zu funkeln. „Wart nur, in ein paar Wochen wirst du keine Zeit mehr haben, Mc Bommel zu verwöhnen.“ Dabei zeigte er die spitzen Fänge.

„Wenn es nur schon so weit wäre.“ Jack bedauerte es, dass ihm die Aussicht genommen wurde und er seufzte wieder leise. Entgegen jeder Vernunft stand er auf und kniete sich neben Dave auf den Boden. „Halt mich auf, wenn es gefährlich wird“, wisperte er leise und küsste seinen Schatz verzehrend. Dabei strich seine Hand am Bein hoch und legte sich schließlich auf den festen Hintern. Sanft streichelte er die festen Rundungen und knetete sie leicht. Es war einfach herrlich, wenn auch gefährlich, endlich einmal mehr zu tun, als nur Küsse zu tauschen, aber er konnte einfach nicht mehr.

„Hm“, murmelte Dave nur noch, doch er würde den Teufel tun! Es fühlte sich so gut an, so verdammt gut! Die fremden Finger auf seiner nackten Haut, die Dominanz, die sie über seinen Körper erreichen wollten. Nein, sich dagegen zu wehren, brachte er nicht über sich. Im Gegenteil brachte er sich den massierenden Händen noch entgegen und zog Jack weiter zu sich, küsste ihn immer intensiver und seine Hände fingen an, Jack das Hemd aufzuknöpfen. Er wollte ihn auch spüren, nicht nur den blöden Stoff.

Herrlich!

Nichts anderes konnte Jack denken. Als Dave sich nicht gegen seine Berührungen wehrte und ihnen sogar noch entgegen kam, wurde er mutiger und mit einer geschickten Bewegung seines Armes öffnete er den Gürtel des Bademantels und ließ seinen Finger auf Wanderschaft gehen. So ganz nebenbei entledigte er sich seiner Jacke und seines Hemdes, das Dave geöffnet hatte. Leise stöhnte er in ihren Kuss, als seine Finger über die weiche, warme Haut strichen.

„Liebe dich“, murmelte er leise und drückte Dave leicht nach hinten und kletterte zu ihm auf die Couch. Dort nahm ihn sein Teufelchen mit offenen Armen in Empfang und schmiegte sich der Länge nach an ihn, wollte ihn an so vielen Stellen auf seiner Haut spüren wie es nur ging. „Dich auch“, murmelte er immer wieder und küsste Jack hungrig. Mehr und mehr gierte er danach, endlich zu bekommen, was sein Leib so begehrte.

„Fass mich härter an, fass mich überall an!“, forderte er heiser zwischen zwei Küssen.

Nur zu gern kam Jack Daves Wunsch nach, aber er hielt mitten in der Bewegung inne, als ihm aufging, was Dave da gerade gesagt hatte. „Dave“, sagte er heiser und seine Augen strahlten, als er sich wieder vorbeugte und sein Teufelchen hungrig küsste. Langsam rieb er seinen Schoß gegen den seines Freundes und stöhnte leise auf. Das war einfach nur herrlich und sollte nie wieder aufhören. Wie nahe sie an einer Katastrophe waren, blendete er vollkommen aus, denn er wollte nur noch genießen.

Dave ging es nicht anders. Seine Hände glitten über Jacks Rücken, tiefer und tiefer, bis sie sich auf den Hintern legten und ihn so immer intensiver gegen sich drückten. Das war so gut, so verdammt gut! Sein Blut kochte durch seinen Leib, sein Kopf war wie Brausepulver. Zwar hatte er irgendwie das Gefühl, dass da noch etwas war, was er nicht vergessen sollte, doch das Hochgefühl, das durch ihn hindurch tobte, spülte alles weg.

„Gut!“, keuchte er und bog den Rücken durch, brachte sich Jack so noch mehr entgegen.

Jack war fasziniert von der Leidenschaft, die auf Daves Gesicht zu sehen war und ließ alle Vorsicht und Bedenken fallen. Sanft knabberte er sich über den herrlichen Körper, den er so sehr begehrte. Immer wieder nippten seine Lippen über die heiße Haut und beruhigten die kleinen, roten Male, die seine Zähne hinterlassen hatten.

Es wäre wohl unweigerlich der schlimmste Fall eingetreten, der ihnen passieren konnte, hätte sich Jacks Bürotür nicht geöffnet und wäre Martin nicht ins Zimmer gekommen. „Jack, hast du schon…“, sagte er beim Eintreten und blieb dann, wie vor die Wand gelaufen, stehen. Das Bild, das sich ihm bot, trieb ihm das Blut ins Gesicht und auch noch in ein anderes Körperteil.

Wie üblich bemerkte Dave ihn gar nicht, seine Finger strichen immer hektischer über Jacks Rücken, spürte aber, wie der sich verspannte. Sein Schweif peitschte aufgebracht die Rückenlehne der Couch und er knurrte, weil Jack sich von ihm löste. „Hey“, knurrte der junge Teufel und seine Augen glühten, zwischen den Hörnern zischten die Blitze vor Erregung.

„Schatz.“ Jack schloss die Augen und fluchte leise, beruhigte sich aber schnell wieder und küsste Dave sanft. „Wir… äh… sind nicht mehr alleine. Martin ist da und hat uns sozusagen gerettet.“ Er deutete mit dem Kopf zur Tür, wo sein Freund noch immer stand und auf sie starrte. Jack streckte sich ein wenig und zog die Decke über sie. Erst dann ließ er sich von Dave gleiten und legte sich neben ihn. Dabei hielt er ihn aber weiter im Arm.

„Ach... du…“ Dave lief feuerrot an, obwohl er in seiner Lust schon ziemlich geglüht hatte. Was hatten sie getan? Waren sie denn völlig verrückt? Das hätte aber mehr als schief gehen können! Das beste Zeichen, dass etwas passieren musste. So konnte das nicht weiter gehen. Sie machten sich noch wahnsinnig! „Jack, ich halte das nicht mehr aus“, murmelte er leise und kroch unter die Decke. Er fühlte sich beschissen, sein Leib brannte und es gab keine Aussicht auf Heilung.

Jack strich ihm über den Rücken und seufzte leise. „Mir geht es nicht anders. Ich will dich und ich weiß nicht, wie lange ich mich noch zurückhalten kann.“ Um nicht wieder in Versuchung zu kommen, setzte er sich auf und strich sich über das Gesicht und vergrub es dann in seinen Händen.

Martin löste sich aus seiner Erstarrung und kam zu ihnen rüber. Er setzte sich in einen Sessel und räusperte sich. „Ihr habt ein echtes Problem, würde ich mal sagen. Wenn ihr so weitermacht, schafft ihr es nie, euch drei Wochen zurückzuhalten.“

Dave unter seine Decke stöhnte nur und der Schwanz, das einzige, was noch von ihm vor guckte, wedelte aggressiv hin und her. Er fühlte sich unwohl, wie unter Strom und das hörte einfach nicht auf.

„Das weiß ich selber“, knurrte Jack, denn ihm ging es nicht anders. Sein Körper war noch immer aufgepeitscht und verlangte nach Erlösung, aber das durften sie nicht. „Tut mir leid, war nicht so gemeint“, sagte er aber gleich, denn Martin hatte sie schließlich gerettet. Er blickte zu seinem Freund und grinste schief. „Was sollen wir denn machen?“

„Gute Frage, Jack“, sagte Martin, der immer noch ziemlich fasziniert den wedelnden Schwanz betrachtete. „Wenn ihr noch länger aufeinander hockt, dann wird irgendwann mal keiner da sein, der euch bremst, Jungs. Ich sehe da nur einen Weg, auch wenn er mir genauso wenig gefallen wird wie euch, denn ich brauche euch gut gelaunt und ausgeglichen hier.“ Er sah seinen besten Freund an, der wohl schon ahnte, auf was das hinaus laufen sollte. „Geht euch ein bisschen aus dem Weg.“

„Nein“, war auch die erste und recht heftige Reaktion und Jack raffte Dave unter seiner Decke an sich. „Das geht auch gar nicht. Dave wohnt bei mir. Ich kann ihn und Mc Bommel doch nicht rauswerfen.“ Schon als er die Worte aussprach, wusste er, dass es wohl keine andere Möglichkeit gab und er senkte den Blick. „Okay, aber Dave bleibt in meiner Wohnung. Ich werde für die Zeit woanders unterkriechen.“

Die Decke in seiner Hand bewegte sich und Daves Kopf wand sich aus dem schweren Stoff. „Was?“, fragte er hektisch und setzte sich auf. „Du willst mich alleine lassen? Das kannst du nicht machen, das...“, fing er an, doch noch während er sprach schien er zu begreifen, dass es keine andere Rettung für sie gab. Er senkte den Kopf und seufzte. Der Gedanke schmerzte.

„Doch nicht die ganze Zeit, Liebling. Ich werde nur woanders schlafen. Wir sehen uns hier und ich hole dich auch jeden Tag zur Arbeit ab und das mache ich so früh, dass wir noch ein wenig kuscheln und schmusen können, bevor wir losmüssen.“ Die Worte fielen ihm schwer, denn er wollte Dave nicht alleine lassen. „Wir können jederzeit telefonieren. Du kriegst eins meiner Handys, dann kannst du mich jederzeit anrufen, wenn du möchtest.“

Dave nickte nicht, er wirkte geknickt. Es gefiel ihm nicht, dann hätte er auch in der Hölle bleiben können. „Ich werde zurückgehen, ruf mich, wenn ich zur Arbeit kommen soll und... na ja, vielleicht wäre das die beste Idee. Ich würde Mc Bommel aber bei dir lassen. Er hat sich jetzt gerade daran gewöhnt und ich will ihn nicht schon wieder entwurzeln, für ein paar Wochen und dann wieder. Der Deal steht ja, du musst mich nur rufen, dann bin ich da“, sagte Dave tapfer, aber seine Worte schmerzten. Er wollte Jack nicht verlassen und er wollte schon gar nicht, dass er seine eigene Wohnung verließ.

Jack biss sich auf die Lippe, denn Daves Anblick tat ihm in der Seele weh. „Nein, ich möchte nicht, dass du dorthin zurückgehst“, sagte er schließlich entschlossen. „Es ist nicht so, dass ich deinem Vater nicht traue, aber der Gedanke, dass du dort unten hockst, ertrage ich nicht.“ Er zog Dave zu sich und küsste ihn liebevoll. „Wir werden beide weiterhin mit Mc Bommel in meiner Wohnung leben. Wir werden uns zusammennehmen. Ich schlafe im Gästezimmer und erst wenn es gar nicht mehr geht, werden wir uns noch einmal überlegen, was wir machen können. Aber dass du zurück in die Hölle gehst, ist keine Option.“

„Und was ist, wenn Martin das nächste mal nicht stören kommt? Wenn du dann einen hässlichen Vollteufel im Bett hast und mich außerdem nicht mehr kennst, weil du deine Seele los bist? Nein, Jack. Wir haben doch eben beide gesehen, dass wir nicht willensstark genug sind. Ich will dich nicht verlieren. Es wäre das Beste, wenn ich für die restliche Zeit noch einmal abtauche.“ Warum wollte Jack das nicht einsehen?

Der Blick, der Dave traf, war todtraurig, aber in ihm konnte man auch die Zustimmung sehen. „Ich liebe dich, Dave, und das will ich nie vergessen.“ Jack zog Dave fest an sich und vergrub sein Gesicht in seinen Haaren. „Weißt du, was du vorhin zu mir gesagt hast? Ich möchte das noch viel öfter hören. Die Hölle ist wahrscheinlich der sicherste Ort für dich.“

Kurz überlegte der Teufel und wurde rot. Er erinnerte sich sehr wohl daran, was er gesagt hatte und lächelte verlegen. „Ich will's auch noch 'ne Weile sagen, deswegen werde ich dann mein Zeug packen und verschwinden. Pass gut auf den Dicken auf und verwöhn ihn nicht so sehr.“ Es fiel Dave schwer. Zurück in die Hölle, blöde Fragen, Vorhaltungen. Er hatte keine Lust darauf, aber hier oben war er gerade dabei, sich das Schönste, was ihm je in seinem Leben passiert war, zu versauen. Das durfte nicht passieren.

„Ich rufe dich dann morgen eine Stunde bevor wir zur Arbeit müssen, damit du noch ein wenig mit Bommelchen und mir kuscheln kannst, ja?“, erklärte Jack gleich und verteilte kleine Küsse über Daves ganzes Gesicht. „Ich vermisse dich jetzt schon, aber ich weiß, warum ich das tue und wenn du es alleine nicht mehr aushältst, komm zu mir, auch wenn ich dich nicht gerufen habe.“ Fest hielt er sein Teufelchen an sich gedrückt und wollte ihn gar nicht loslassen.

„Ich kann nur zu dir kommen, wenn du mich rufst, Jack, so sind nun einmal die Bedingungen. Ich hab dir doch gesagt, die Hölle ist kein Wochenendhotel, wo jeder kommt und geht, wann er will. Wir verlassen sie nur, wenn ein Auftrag anliegt.“ Kurz streifte sein Blick Martin, der ihnen nur stumm zusah und sie gar nicht stören wollte. Dave schlang die Decke um sich und ging, um sich umzuziehen. Die beiden Männer sahen ihm nur nach.

„Meint er mit Hölle DIE Hölle?“, fragte Martin, der sich das irgendwie jetzt nicht vorstellen konnte. Dave passte nicht in das Bild von Kohle, Hitze und Fegefeuer.

Jack nickte und sah Martin erst an, als Dave im Bad verschwand. „Ja, genau diese Hölle ist gemeint. Sie ist heiß und nicht sehr gastlich, wie ich erfahren habe, also genauso, wie man sich das vorstellt.“ Er ließ sich nach hinten fallen und schlug wütend auf die Sitzfläche. „Warum? Da verliebe ich mich endlich und bin glücklich wie noch nie in meinem Leben und dann so was.“

„Was genau kotzt dich an? Dass er ist, was er ist? Dass du den Deal mit seinem Vater geschlossen hast? Dass ihr eure Hormone nicht unter Kontrolle habt? Was davon ist es, Jack?“, fragte Martin, doch er hatte keinen Spott in seiner Stimme. Es war reine Neugier. Wenn sie wussten, was es war, vielleicht fand sich ja ein Weg, das alles etwas zu mildern? Es gefiel ihm nämlich gar nicht, seinen besten Freund so zu sehen. Eigentlich hatte er gedacht, wenn der sich mal verliebte, dann sah er rosa Sternchen. Im Augenblick aber waren sie beide der Hölle näher als dem Himmel mit den rosa Wolken.

„Nein, was er ist spielt keine Rolle und ohne den Deal mit seinem Vater hätten wir uns nicht verliebt. Es sind wohl eher unsere Hormone und die Tatsache, dass wir unsere Liebe nicht ausleben dürfen.“ Jack schlug wieder auf die Couch ein und fluchte leise. „Ich will nicht, dass er geht. Ich habe einfach Angst, dass er nicht wiederkommt. Sein Vater ist der Fürst der Hölle und ich glaube nicht, dass er ihn so einfach gehen lässt, wenn er erst einmal wieder dort unten ist.“

„Dann finde eine Alternative und zwar schnell, denn der Junge ist so korrekt. Alles was damit zusammenhängt, dass du ausziehst oder dass ihr es noch einmal versucht, obwohl ihr wisst, wie geil ihr auf einander seid, wird nicht funktionieren“, überlegte Martin. Teufel kamen also nur nach oben, wenn man sie rief. Das war nicht gut. Vielleicht hatte der Fürst der Hölle wirklich schon gemerkt, was mit seinem Sohn los war und würde ihn auf seinen Weg bringen.

„Ich habe noch die Wohnung, die ich vor drei Monaten gekauft habe, damit das Geld nicht an die Steuer fließt. Wie wäre es, er zieht dort für ein paar Wochen ein. Ihr seid getrennt, du bist in deiner Bude und er muss nicht zurück“, versuchte Martin zu helfen.

„Ich werde ihn fragen.“ Jack versuchte nicht resigniert zu klingen, aber er fürchtete, dass Dave sich darauf nicht einlassen würde. Er wollte niemandem zur Last fallen und Martin wohl erst recht nicht. Erstens, weil er ihn nicht kannte und zweitens, weil er immerhin sein Boss war. „Drück uns die Daumen, dass er es annimmt, denn sonst gehen uns die Möglichkeiten aus.“

Dave indessen hatte sich in dem Badezimmer verbarrikadiert und versuchte zu begreifen, was die letzten Minuten passiert war. Sie waren wirklich so in Hitze gewesen, dass ihnen alles - auch ihre Zukunft - egal gewesen war. Wie Tiere hatten sie jede Beherrschung verloren. Das war ihm noch nie passiert. Jack ließ jede Sicherung bei ihm durchbrennen. Noch drei Wochen standen sie einfach nicht durch!

Besser, sie sahen sich nicht, bis alles vorbei war, doch ließ Luzifer seinen Sohn noch weg, wenn er wieder versagt hatte und die Seele verloren war?

Immer wieder blickte Jack zur Badtür und je länger sie geschlossen war und Dave nicht herauskam, umso mehr Sorgen machte Jack sich. Schließlich stand er auf und klopfte leise. „Liebling, alles in Ordnung?“, fragte er leise. „Komm doch bitte raus. Martin hat einen Vorschlag, den wir besprechen sollten. Dann musst du nicht in die Hölle zurück.“

Dave seufzte lautlos hinter der Tür. Warum wollte Jack denn nicht begreifen, dass es nur den einen Weg gab? Alles andere führte sie doch viel zu sehr in Versuchung, als dass man es in Erwägung ziehen konnte. Wenn Dave wusste, wo Jack war, wo er für ihn jederzeit zu erreichen war, würde er diese Chance auch nutzen! Dave war nur in der Hölle sicher, warum begriff der Mensch das nicht? Er seufzte noch einmal und holte tief Luft, dann öffnete er die Tür und trat heraus.

Dort wurde er gleich von zwei Armen umfangen und gegen einen kräftigen Körper gezogen. Jack strich mit der Nase durch die Haare in Daves Nacken und küsste ihn dann sanft dort. „Geh nicht in die Hölle. Ich habe Angst, dass ich dich dann nie wieder sehe“, murmelte er dabei und zog seine Arme fester. „Dein Vater wird merken, was los ist und dann wird er den Deal für nichtig erklären und dich nicht mehr in meine Nähe lassen.“

„Und wenn ich hier bleibe, haben wir uns nicht unter Kontrolle“, beharrte Dave. Warum begriff Jack denn nur nicht? „Auch wenn du auf der Gästecouch pennst, weiß ich, wo du bist und kann zu dir kriechen. Das ist mir alles zu heikel! Versteh das doch mal!“, versuchte Dave sich also zu erklären. Es war ja nicht so, als wollte er mit fliegenden Fahnen zurück in die Hölle, weil er so gern dort war. Ihm fiel es auch schwer.

Jack drehte Dave in seinen Armen. „Schatz, ich weiß das alles, aber in der Hölle bist du auch nicht sicher. Ich kann dich jederzeit rufen und das werde ich tun, weil ich Angst um dich habe.“ Es war wirklich eine verzwickte Situation, in der sie steckten. „Martin hat vorgeschlagen, dass du die nächsten drei Wochen in einer seiner Wohnungen bleiben kannst. Dort bist du weit genug von mir weg, so dass wir nicht in Versuchung kommen, aber nicht so weit, dass ich Angst um dich habe.“

Daves Blick wanderte zu seinem neuen Chef rüber und er sah ihn undeutbar an. „Da ziehen wir jemanden mit in die Sache hinein, den das nichts angeht, Jack“, sagte der junge Teufel und sah seinen Freund wieder an. „Nicht, dass ich undankbar wäre, aber wenn Vater mitkriegt, was ich hier eigentlich treibe, anstatt deine Seele zu bekommen, dann wird seine Rache grausam sein. Es reicht, wenn es uns beide erwischt.“

Nun musste Jack wirklich schlucken. An diese Möglichkeit hatte er ja noch gar nicht gedacht. „Du meinst, er würde Martin bestrafen, weil er uns geholfen hat?“ Die Antwort konnte er sich denken, bevor Dave leicht nickte und Jack gab sich geschlagen. Dass Martin etwas passierte, wollte er auf keinen Fall. „Es gefällt mir trotzdem nicht“, sagte er leise, aber er würde Dave gehen lassen, so schwer es ihm auch fiel.

„Hallo?“, sagte Dave etwas irritiert. „Wir reden hier über den Höllenfürsten. Glaubst du allen Ernstes, Luzifer macht sich da einen großen Kopf drum, was mit Menschen passiert? Er braucht ihre Seelen, nicht ihre Körper oder ihren Gemütszustand. Paps ist kein Wohltäter“, sagte Dave und legte den Kopf in den Nacken. Jack anzusehen brachte er nicht fertig. „Es geht nicht darum, was dir gefällt. Es geht darum, dass ich mache, was du willst und ich deine Seele kriege. Alles andere ist ihm egal und gegen die Regeln.“

Den Kopf hängen lassend, seufzte Jack leise. „Das habe ich bisher wohl verdrängt.“ Seine Arme schlossen sich fester um Dave und Jack legte seine Stirn auf die Schulter seines Freundes. „Mit ihm reden und erklären was los ist, bringt auch nicht viel, nehme ich mal an. Dann werde ich dich auch nie mehr wieder sehen.“ Das war alles so aussichtslos, aber Jack wollte sich nicht geschlagen geben. Wie hieß es so schön: Wer nichts wagt, der nichts gewinnt. „Ich hoffe, du bist ein guter Schauspieler, denn sonst fliegen wir schneller auf, als uns lieb ist.“

„Ich werd mir Mühe geben, vor allem muss ich mir etwas einfallen lassen, warum ich nach einer Woche noch immer nicht deine Seele habe. Luzifer wird das wissen wollen und ich werde mir etwas überlegen.“ Dave war völlig in Gedanken. Er malte sich langsam aus, was jetzt auf ihn zukam, sobald er zurückging. Er würde auch erklären müssen, warum Mc Bommel bei Jack geblieben war. Der junge Teufel seufzte. Er musste mit seiner Mutter reden, vielleicht wusste die Rat.

So hingen sie kurz schweigend ihren Gedanken nach, bis Martin sich dezent räusperte. Ihm tat es wirklich in der Seele weh, seinen besten Freund so zu sehen. „Jungs, kann ich euch kurz alleine lassen, ohne dass ihr gleich wieder Blödsinn macht? Ich hab noch ein paar dringenden Sachen zu erledigen.“ Er wirkte unentschlossen, aber Jack nickte. „Geh ruhig, wir werden brav sein.“

„Wehe, wenn nicht, dann komm ich persönlich in die Hölle und trete deine Seele durch das Fegefeuer“, erklärte Martin, ging aber nach einem letzten Blick auf die beiden dann wirklich. Dave grinste nur schief. „Ich hab Angst vor uns, Jack. Wie kann man nur so geil sein und sein Leben dabei riskieren?“ Er verstand es wirklich nicht, obwohl er dabei gewesen war.

„Ich weiß nicht. So etwas hatte ich auch noch nie. Ich habe noch nie so derartig den Kopf verloren, dass mir alles andere egal ist.“ Jack grinste schief und küsste Dave vorsichtig auf die Lippen. „Ich liebe dich. Daran wird es wohl liegen. Ich möchte endlich, dass wir eins sein können und ich dir auch zeigen kann, wie sehr ich dich liebe und begehre.“ Jack wusste nur eins. Dave würde er nie wieder gehen lassen, wenn er erst einmal ein Mensch war. Nicht nach dem, was sie durchmachen mussten, um endlich zusammen sein zu können.

„Und damit das nicht wieder passiert, werde ich gehen. Ruf mich, wenn ich arbeiten muss und sonst - auch wenn es mir schwer fällt - sollten wir uns so selten sehen wie nur möglich. Wir sollten auch nicht allein sein, denn wir haben eben gesehen, zu was das führt.“ Dave fing an zu planen und löste sich langsam von Jack. Er hatte nämlich schon wieder den Drang, sich an ihn zu schmiegen und ihn zu küssen.

Nur ungern ließ Jack ihn gehen. Er fühlte sich verlassen und ihm war kalt, weil ihm die vertraute Wärme von Daves Körper fehlte. Er wollte es ihm aber nicht noch schwerer machen, darum sagte er nichts, aber seine Arme umschlangen ihn selbst. „Machen wir das so und sag deinem Vater doch einfach, dass ich ein wenig verärgert bin, weil du dich noch immer widersetzt. Darum schick ich dich immer wieder weg und hab beschlossen, dass Mc Bommel bei mir bleibt, weil du ihn vermissen wirst und ich dich so bestrafen kann.“

„Okay, ich werde das mal versuchen“, sagte Dave und nickte, sah aber wieder auf Jack. Es schmerzte, ihn so zu sehen, doch es war nun einmal das Beste! „Ich geh dann jetzt“, sagte er und sein Schweif wedelte aufgebracht. „Sag Martin einen lieben Gruß und danke und ruf mich, wenn ich gebraucht werde.“ Daves Stimme wurde immer leiser. Er fühlte sich unwohl. Ihre Zukunft war ungewiss.

„Ja, du solltet wohl gehen“, stimmte Jack ihm leise zu, „aber nicht, ohne dass ich dich noch einmal umarmen und küssen kann.“ Vorsichtig zog er Dave wieder an sich und hielt ihn einfach nur fest. Er wollte sich dieses Gefühl einprägen, den Geruch und die Wärme seines Schatzes. Er wollte sich daran erinnern, wenn er alleine in seinem Bett lag.

„Okay, aber bitte, halt dich zurück, wenn ich schon zu schwach bin, mich gegen deine Reize zu wehren“, sagte Dave und ließ es geschehen. Er ließ sich ziehen, ließ sich küssen und versuchte es nicht zu genießen, doch es ging nicht. Jede Berührung, jeder der kleinen Küsse ließen ihm Schauer über den Rücken laufen. Er seufzte in jeden Kuss, in jedes Streicheln. Er wollte nicht weg, doch er musste.

Jack versuchte es wirklich, sich zurückzuhalten, auch wenn es ihm schwer fiel. Er ließ Dave schließlich los und trat einen Schritt zurück. „Ich werde gut auf Bommelchen aufpassen und ständig an dich denken, Liebling.“ Noch einmal beugte er sich vor und küsste Dave hungrig, dann ging er ein paar Schritte auf Abstand. „Geh besser, sonst wird das nichts mehr. Ich rufe dich, wenn ich morgen hier bin, dann können wir wenigstens ein klein wenig Zeit miteinander verbringen.“

„Ja, das mach ich. Ich werde von dir träumen, das kann mir keiner verbieten. Liebe dich.“ Und dann war der Teufel in einer Rauchwolke verschwunden, noch ehe Jack etwas hätte sagen können. Abschiedsszenen waren einfach nicht sein Ding und noch länger hätte er es nicht ertragen.

Trotz der ganzen Situation musste Jack lächeln. Das zu hören, war das Schönste, was er sich vorstellen konnte „Liebe dich auch“, rief er Dave nach, auch wenn der das wohl nicht mehr hörte. „Ich werde dich vermissen.“ Aber dann straffte er sich und ging an seinen Schreibtisch. Arbeit war noch immer das beste Mittel gegen Sehnsucht.



+++



Keine Sekunde nach seinem Verschwinden war Dave schon in der Hölle, genau genommen in der Verwaltung, wo jeder Eingang und Ausgang akribisch registriert wurde. Er hinterließ seinen Daumenabdruck und loggte sich ein und musste dann ein Formular ausfüllen, warum er auf der Oberfläche gewesen war und mit welchem Resultat. Schweren Herzens erklärte er, er hätte die Seele, an der er arbeitete, noch nicht bekommen, weil der Mensch sich weigere und wäre zur Strafe von ihm zurück in die Hölle geschickt worden, um über seinen Stolz nachzudenken.

Der Beamte sah ihn geringschätzig an. Wie auch immer es geschehen war, es hatte sich in der Hölle herumgesprochen, welches Ultimatum Luzifer seinem Sohn gestellt hatte und jeder wusste, was nun folgen würde. Der Höllenfürst würde toben, soviel war klar.

„Ich habe es notiert“, entließ der Beamte ihn und konnte sich ein gehässiges Grinsen nicht verkneifen. Dave sah es sehr wohl, doch es war ihm zu gering, sich darüber jetzt zu echauffieren. Es brachte doch sowieso nichts, außer neuen Tratsch. Da waren die Teufel den Menschen, die sie so verachteten, doch ziemlich ähnlich.

Dave lachte leise, als er ging und schlug als erstes den Weg zu seinem Quartier ein. Mal sehen, ob er da ankam oder ob er gleich abgepasst wurde, zum Rapport.

Er war auch noch nicht wirklich weit gekommen, als der Sekretär seines Vaters ihn abpasste. „Dein Vater will dich sehen – sofort“, sagte er knapp und war auch schon wieder weg. Er musste noch schnell etwas erledigen, was ihm nicht wirklich passte, denn so bekam er nicht mit, wie der Chef seinen missratenen Sohn zusammenfaltete. Irgendwie hatte er das Gefühl, das war Absicht. Luzifer wollte dabei wohl keine Zeugen. Na ja, ihm würde es egal sein. Er würde es sowieso als Erster erfahren.

Dave wiederum seufzte, murmelte nur etwas vor sich hin, doch dann folgte er der Anweisung und schlenderte, gelassener als er wirklich war, zum Büro des Oberteufels, klopfte und trat ein. Schließlich wurde er erwartet.

„Na endlich“, wurde er auch gleich ungnädig empfangen. Luzifer hatte schlechte Laune, das sah man sofort, denn aus seinen Nasenlöchern kamen unablässig Rauchwolken. „Ich will eine Erklärung, warum du diese wirklich leicht zu bekommene Seele noch immer nicht hast und jetzt sogar von ihm zurückgeschickt wurdest“, schrie er auch gleich und die Faust des Oberteufels krachte mit solcher Wucht auf den Schreibtisch, dass das Holz ächzte.

Dave blieb also erst mal an der Tür stehen und begrüßte seinen Vater höflich. Er wusste selber, dass der Oberteufel nicht viel wert auf Etikette legte, aber damit konnte man ihn immer mal aus der Fassung bringen.

„Jack Hunter hat keinerlei Gefühl dafür, wie man bekommt, was man will. Ich werde mich nicht für so was verkaufen und in meinem Vertrag steht nicht, dass ich mich so dermaßen demütigen lassen muss. Also, entweder lernt der Kerl, wie man sich benimmt oder der Deal wird noch eine Weile dauern“, sagte Dave, doch er wusste auch, egal was er sagen würde, es würde immer das Falsche sein.

Das sah man auch gleich daran, dass die Rauchwolken sich in Flammen verwandelten und der Schreibtisch nach dem nächsten Schlag mit der Faust in die Knie ging. „David Faustus Glokinius, das glaub ich doch wohl nicht. Du wirst doch wohl mal für eine Weile deinen Stolz vergessen können. Du wirst schon nicht daran sterben, diesem Menschen seinen Willen zu geben. Danach bist du ihn doch los und musst ihn nie wieder sehen.“

„Klasse! Bin ich eine Hure, oder was? So tief werde ich nicht sinken, schon gar nicht für eine Seele. Ich weiß auch, wie wichtig sie sind und dass sie mein Eintrittsgeld in die Gilde der Vollteufel sind. Aber wenn ich einmal meine Würde über Bord werfe, wirst du verlangen, dass ich es jedes Mal wieder mache, denn ich hab's ja schon mal gemacht und das fällt aus. Soll sich der Kerl ’nen Stricher suchen!“, brüllte Dave, doch der Gedanke schmerzte. Auch nur die Vorstellung allein, Jack könnte sich für die Zeit einen anderen suchen. Aber Dave ließ sich nichts anmerken.

„Würde – pah.“ Daves Vater winkte ab und schnaubte geringschätzig. „Was gehen uns die Moralvorstellungen der Menschen an. Teufel stehen über solchen Dingen und wir tun was nötig ist, um eine Seele zu bekommen.“ Wie oft musste er seinem missratenen Sohn das denn noch erklären. „Du weißt, was dich erwartet, wenn du versagst. Versager haben in der Hölle nichts verloren und vor allen Dingen solche nicht, die sich keine Mühe geben.“

„Keine Mühe geben?“ Nun schnaubte Dave. Er musste das Bild wahren, schließlich hatte sein Vater ja eigentlich Recht. „Wie oft hast du denn schon deinen Arsch hingehalten und warst mir ein gutes Vorbild in diesem Fall, hm?“, fragte er frech, weil er langsam die Nase voll hatte. Er kannte keinen anderen Teufel, der das je hätte tun müssen. Sie waren einfach zu hässlich, als dass ein Mensch das fordern würde. Warum also ausgerechnet er? Nur weil er anders war?

„Jetzt werd mal nicht frech“, explodierte Luzifer auch gleich und seine Augen glühten rot vor Wut. „Ich hätte kein Problem damit, wenn ich dafür eine Seele bekomme.“ So langsam hatte er aber wirklich die Nase voll von seinem zimperlichen Sohn. „Verschwinde, bevor ich es mir noch anders überlege und den Deal für geplatzt erkläre und dich in die dunkelsten Tiefen der Hölle verbanne“, schrie er laut und gab dem Schreibtisch den Rest.

„Mach doch“, gab sich Dave gleichgültig und zuckte mit den Schultern. Hoffentlich hatte er es jetzt nicht übertrieben! Angst und Sorge beschlichen ihn, dass Luzifer sich den Fall etwas genauer ansehen könnte und dann dahinter kam, was eigentlich gerade vor seiner Nase passierte. Dave wandte sich um und ging aus dem Raum, musste auf dem Flur aber erst mal verschnaufen. Er hatte Probleme, die Luft hier unten zu atmen. Es drückte auf der Lunge.

Seine Mutter, die gerade um die Ecke kam, sah das und blickte besorgt. Sie hatte gehört, dass Dave wieder da war und sich gedacht, dass er bei seinem Vater war. „Dave“, rief sie und kam zu ihm. Sie schloss ihn in ihre Arme und stellte sich auf die Zehenspitzen, damit sie ihm einen Kuss auf die Wange hauchen konnte. „Komm mit in meine Räume, da können wir uns bei einer Tasse Kakao unterhalten.“ Irgendetwas musste passiert sein, dass ihr Sohn wieder da war, und seinem Gesicht nach nichts Gutes.

„Hi, Mom“, lachte Dave leise, doch es fiel ihm noch immer schwer. „Renn nur nicht so. Die schwere Luft macht mir etwas Probleme“, gestand er und nahm seine Mutter in den Arm, um langsam mit ihr durch die Flure zu laufen. Sie war die einzige, die er vermissen würde, wenn sein Deal mit Jack wirklich scheiterte. „Hab dich vermisst“, sagte er leise.

„Aber doch wohl nicht so sehr, dass du wieder da bist.“ Rihana lehnte sich bei ihrem Sohn an und ging langsam mit ihm zu ihren Gemächern. Sie war ein wenig besorgt. Dave sah nicht gut aus und etwas schien ihm mächtig zu schaffen zu machen. „Aber egal was es ist, ich freue mich, dich zu sehen und wieder bei mir zu haben. Es war so ruhig ohne dich, die letzte Woche. Niemand der auf einen Plausch zu mir gekommen ist und mich zum Lachen gebracht hat.“

Es war sicher nicht ihre Absicht, doch sie machte damit Dave das Herz schwer. Genau das war das Problem. Wenn er hier blieb, sah er Jack nie wieder, wenn er zu Jack ging, musste er seine Mutter allein hier lassen. Allein mit diesen durchgeknallten Teufeln. Egal wie er sich entscheiden würde, einen geliebten Menschen würde er verlieren. „Es ist schwer“, murmelte er.

„Ach, Schatz“, sagte sie leise und drückte seine Hand. Sie öffnete ihre Zimmertür und schob Dave hinein. Wie immer ließ ihr Sohn sich gleich auf einem der bequemen Sofas nieder und zog die Füße an sich. Rihana ging in die kleine Küche und machte den Kakao, wobei sie es lieber süß als scharf mochte, auch wenn ein wenig Chili den Weg in ihre Tasse fand. „Also, dann erzähl mal, was los ist“, sagte sie, als sie ihm seine Tasse reichte und setzte sich zu Dave.

„Ich hätte Jack fast die Seele genommen. Wir konnten uns nicht mehr beherrschen und hatten uns nicht mehr unter Kontrolle. Zum Glück kam mein neuer Chef rein und wir haben zurück gefunden. Aber ohne das wäre es wohl passiert und ich wäre jetzt einer von denen da draußen und Jack wäre ein seelenloses Arschloch“, fing er an zu erklären, warum er nun doch wieder hier war. „Wir brauchen Abstand.“

„Oh“, machte Rihana und wurde rot, als sie sich vorstellte, was ihr Sohn ihr da gerade erzählte, aber dann lachte sie leise. „So schade es für dich ist, dass du jetzt nicht mehr bei deinem Jack sein kannst, so sehr freue ich mich für dich. Du scheinst dir nun sicher zu sein, dass du das Richtige tust, wenn du oben auf der Erde bleibst.“ Sie strich Dave durch die Haare und lehnte sich an ihn. „Dein neuer Chef? Sag nicht, du hast schon Arbeit gefunden. Erzähl.“

„Ja, war mehr ein Zufall.“ Und so fing Dave an zu erzählen, von Jacks Job und wie sie durch die Disco gegangen waren, von den Käfigen und dem Spiegel und wie er getanzt hatte. Wieder kam er ins Schwärmen, wie es war, so begehrt zu sein und dass Martin ziemlich begeistert war, weil das Publikum ihn liebte. „Deswegen würde er mich gern als Tänzer unter Vertrag nehmen, aber das ist schon gut, nur heute war es nicht gut. Jack hat mich beim Tanzen beobachtet und das hat ihn und mich so heiß gemacht, dass wir... na ja, du weißt schon“, lachte Dave, auch wenn es eigentlich nicht komisch war.

Seine Mutter hatte schweigend zugehört und immer wieder gelächelt, wenn ihr Sohn geschwärmt hatte. Besonders, wenn er von Jack erzählte. „Wenn du daran Freude hast, dann mach das. Ich hab dir ja immer gesagt, dass du ein hübscher Bursche bist, aber du hast es mir ja nie geglaubt.“ Sie piekste ihn in die Seite und zwinkerte ihm zu, aber dann wurde sie ernst. „Jetzt müssen wir nur aufpassen, dass dein Vater nicht quer schlägt. Du weißt, dass er manchmal recht unberechenbar ist, aber wenn er das tut, werde ich ihm schon klar machen, dass er das zu akzeptieren hat.“

„Na ja, wenn auffällt, das Bommel oben geblieben ist, dann bin ich in Erklärungsnotstand. Jack meinte, ich solle sagen, er hätte Bommel als Druckmittel bei sich behalten. Ich hätte ja auch in eine der Wohnungen von meinem neuen Chef ziehen können, aber das war mir alles zu heikel. Ich bin so wild nach Jack, das ist nicht mehr feierlich. Peinlich geradezu. Ich vergesse alles um mich herum. Ich will nur noch ihn anfassen und küssen und ich will nicht aufhören, obwohl ich weiß, dass ich es muss.

Deswegen bin ich hier. Jack war zwar dagegen, aber was sollte ich machen? Wenn ich auffliege, ist dann sowieso alles vorbei. Aber ich werde hier unten nicht glücklich. Ich bin kein Teufel, so wie sie, das habe ich jetzt begriffen. Ich bin mehr Mensch, als ich je gedacht hätte. Das hier ist nicht meine Welt.“

Seine Mutter nickte und nippte an ihrem Kakao. „Ja, ich denke auch, dass du auf der Erde bleiben solltest. So schwer es mir auch fällt, ich muss sagen, dort passt du wirklich besser hin. Es würde sich hier für dich nicht viel ändern, auch wenn du ein Vollteufel wärst. Teufel sind engstirnig und du würdest immer der Außenseiter bleiben. Bei mir trauen sie sich nicht, was zu sagen, weil sie wissen, dass dein Vater mich liebt und manchmal glaub ich, dass sie deswegen so sehr auf dir herumhacken.“ Rihana seufzte leise. Für sie war klar, dass sie ihrem Sohn helfen musste. „Ich werde mich um deinen Vater kümmern, wenn es sein muss. Ich weiß da so ein paar Dinge, die helfen, um ihn zu überzeugen.“

„Danke, Mom“, sagte Dave leise und kuschelte sich noch etwas dichter. „Ich bin gerade mal eine Stunde hier unten und er fehlt mir schon. Ich könnte wahnsinnig werden. Er hat gesagt, er ruft mich erst, wenn wir arbeiten müssen. Ich halte das kaum aus.“ Dave wusste selber, dass er klang wie ein Weichei, wie ein Waschlappen, aber was sollte er machen? Er vermisste Jack und es tat weh.

„Du liebst ihn.“ Rihana lächelte, es war offensichtlich und sie kannte ihren Jungen doch viel zu gut. „Es ist wahrscheinlich besser so, dass ihr euch so wenig wie möglich seht, bis die vier Wochen zu Ende sind. Denk immer daran, wie euer Leben sein wird, wenn du endlich bei ihm sein kannst. Du bist stark, glaub mir. Ich kenne dich. Du hast dich nie unterkriegen lassen, wie sehr die Teufel dich auch getriezt haben.“ Sie legte ihre Arme um Dave und küsste ihn auf die Stirn. „Ich bin stolz auf dich, das kannst du glauben.“

„Aber was mache ich, wenn er in den Wochen, wo ich nicht bei ihm bin, merkt, dass ich eigentlich doch nicht das bin, was er sucht. Klar, wir waren heiß aufeinander, aber das kann ja auch wieder abkühlen. Er sieht jeden Abend die schönsten Kerle. Er hat dort schon einige abgeschleppt. Ich muss nur daran denken, dann werde ich wahnsinnig“, gestand er leise. Es war ja nicht so, dass er an Jack zweifelte, aber die Versuchung vor Augen und angefüllt mit Hormonen, das konnte doch nicht gut gehen. Das Leben war ungerecht.

„Ach, Schatz. Ich kenn deinen Jack nicht, aber bei dem, was du mir über ihn erzählt hast, glaube ich das nicht. Du musst ihm einfach vertrauen und wenn du es nicht kannst, dann ist er es auch nicht wert, von dir geliebt zu werden.“ Rihana wusste, dass ihre Worte ihren Sohn nicht wirklich aufheitern würden, darum lächelte sie leicht. „Ich hatte gehofft, dass du noch einmal hierher kommst. Ich habe noch ein paar Dinge für dich, die dir auf der Erde nützlich sein können.“

Verwirrt über den plötzlichen Themenwechsel sah Dave seine Mutter erst einmal nur an. „Man wird sehen“, schloss der das Thema Jack für sich selber auch noch einmal ab, wenn auch nur laut. In sich drinnen würde es wohl ein täglicher Kampf werden, nicht zu wissen, ob Jack ihn noch sehen wollte und ihn rief oder ob er eines Tages verstummen würde.

„Aber was willst du mir geben?“, fragte er, um sich selbst abzulenken und sah sich neugierig um.

Rihana lachte leise. Sie kannte ihren kleinen Liebling doch ganz gut und neugierig war er schon immer gewesen. Sie stand auf, ging zum Schrank und öffnete eine Schublade. Sie kam mit einem Bündel Papieren zu ihm zurück.

„Als ich vor vielen Jahren deinen Vater traf und mich in ihn verliebte, war ich, in menschlichen Maßstäben, eine gute Partie. Meine Eltern waren gestorben und ich hatte alles geerbt. Das Geld und die Aktien gibt es immer noch. Sie werden von einem Notar verwaltet, den ich damit beauftragt habe. Das Vermögen hat sich seit dem sogar noch vergrößert und nun bekommst du es, damit es dir dort oben leichter fällt, dich zurecht zu finden. Geld öffnet einem viele Türen dort oben.“

„Wow!“ Zu mehr war Dave erst einmal nicht in der Lage. Er war völlig geplättet. „Danke“, stammelt er und sah auf die ganzen Papiere, die seine Mutter ihm in die Hand drückte. „Lieber als das Geld wäre mir ein Weg, dich zu sehen, wenn ich die Hölle nicht mehr betreten darf“, flüsterte er, denn irgendwie bekam das langsam alles etwas Endgültiges. Kein Zurück. „Wenn ich dann weg bin, dann bist du ganz alleine unter diesen Trotteln.“

„Ach, mit denen werde ich schon fertig. Ich habe noch jede Menge Pfannen.“ Rihana lachte und zog Dave in ihre Arme. „Ja, das wird schwierig, aber nicht unmöglich. Du glaubst doch nicht, dass ich meinen kleinen Liebling ganz alleine dort oben in der rauen Welt lasse und ihn nicht mehr sehe.“ Sie zwinkerte Dave zu und knuddelte ihn dann kräftig.

„Dein Vater mag ein sturer, aufbrausender Ignorant sein, der sich auf sein Teufelstatut zu viel einbildet, aber er liebt mich und er liebt dich, auch wenn er das nicht zeigt. Er will nur das Beste für dich. Das Problem ist nur, dass das, was er für das Beste hält, nicht das Beste für dich ist.“

„Mal sehen, ob er mich noch liebt, wenn er erfährt, dass ich ihn hintergehe und anstatt ein Teufel zu werden, es vorziehe, ein Seelenträger zu werden. Und vielleicht kommt der Tag, wo man ihm meine Seele bringt. Paps wird sauer sein, das weiß ich. Dabei möchte ich doch nur endlich glücklich werden unter Leuten, die mich respektieren. Hier unten hat mich doch nie einer wie einen Gleichwertigen behandelt, da oben ist das anders. Sie mögen mich. So wie ich bin. Ich brauche keine Hufe und keine Flügel.“ Dave redete einfach, es tat so gut, sich alles mal von der Seele zu werfen. Jack wollte er mit so was nicht immer belasten.

„Sicher wird er dich lieben. Er wird wüten, er wird etwas zerschlagen, er wird schreien und toben, aber er wird dich immer noch lieben.“ Rihana sah ihren Sohn ernst an. „Ich werde nicht zulassen, dass er dein Glück zerstört, wenn dieser Jack das ist. Ich habe ihm schon gesagt, dass ich ihn verlasse, wenn er irgendwelche hinterhältigen Tricks versucht und er weiß, dass das nicht nur eine Drohung ist.“ Es war deutlich im Gesicht von Daves Mutter zu sehen, dass sie ihre Worte vollkommen ernst meinte. „Du bist mein Sohn, niemand tut dir etwas.“

„Danke, Mama“, sagte Dave, lachte aber leise. Rihana war gute drei Köpfe kleiner als der Oberteufel und doch hielt sie den Teufel aller Teufel in ihren zarten Händen. Man mochte es kaum glauben, wenn man sie nur sah. „Ich hoffe, dass eines Tages auch der Tag kommen wird, an dem Dad zu mir kommt und mir sagt, dass es gut war, was ich gemacht habe. Das es gut war, dass ich mein Leben selber in die Hand genommen habe und ausgestiegen bin, aus einem Weg, der nicht für mich bestimmt war.“ Auch wenn Dave immer so tat, als wären ihm die Teufel egal, als konnten sie ihm alle mal da, wo er am schönsten war, doch so war es nicht. Es war ihm wohl wichtig, dass sein Vater respektierte, was er tat.

„Er wird kommen, auch wenn es noch dauern kann.“ Und wenn sie da ein wenig nachhelfen musste. Wenn es um ihre Familie ging, ließ Rihana sich auf keine Kompromisse ein und da waren ihr die Befindlichkeiten des Oberteufels völlig egal. Für sie war er in erster Linie ihr Ehemann und Daves Vater, alles andere war zweitrangig.

„So und nun lassen wir die trüben Gedanken. Alles wird gut und wir werden uns, so oft es nur geht, sehen.“

„Das wäre schön. Du musst ihn kennen lernen. Er ist toll.“ Dave lächelte sie an und griff sich wieder seinen Kakao, schlürfte leise. „Er kümmert sich so lieb, er liest mir jeden Wunsch von den Augen ab und Bommel hat ihn noch nicht ein einziges Mal gebissen. Das zeigt doch, wie nett er ist.“ Wieder fing er an zu schwärmen. Es war schwer, hier zu sein und Jack nicht in seiner Nähe zu haben. Was würde er dafür geben, ihn jetzt einfach nur zu sehen. Wie er Dave anlächelte, ihm sagte, dass er, so wie er war, gut war.

Rihana sah Dave an und lächelte. Sein Glück tropfte ihm praktisch aus jeder Pore und seine Augen glänzten, wie zwei schwarze Diamanten. „Ich freue mich schon darauf, ihn kennen zu lernen und wenn mein Sohn sich in ihn verliebt, dann muss er einfach nett sein und ehrlich gesagt, hast du das auch verdient.“ Sie strich Dave durch die Haare. „Dein Bommel mag ihn? Besser geht es doch gar nicht und wenn er mit diesem eigenwilligen Kater zurechtkommt, halt ihn fest.“

„Was heißt denn hier eigenwillig“, lachte Dave. „Mc Bommel ist die liebste Katze, die es je in der Hölle gegeben hat.“ Dass er auch die einzige Katze war, spielte dabei nur eine ganz, ganz kleine Rolle. „Außerdem passt Bommel zu mir, er ist so wie ich. Sehr süß, extrem anhänglich und begehrenswert. Nie wieder werdet ihr hier unten solch einen prachtvollen Kater haben. Ihr werdet euch noch nach ihm sehnen, das prophezeie ich dir“, lachte er und schloss die Augen. Ob Jack noch arbeiten war? Ob er an sein Teufelchen dachte? Er griff seinen Schweif und strich darüber, so wie Jack es immer getan hatte.

„Ich werde ihn wirklich vermissen. Es wird mir fehlen, dass er immer zu mir gekommen ist, wenn du unterwegs warst. Sogar dein Vater ist nicht immun gegen ihn. Ich habe ihn mehr als einmal dabei beobachtet, wie er deinen Süßen beschmust hat, wenn er glaubte, dass es keiner sieht.“ Rihana kicherte, als sie sich daran erinnerte.

„Ja, er ist wie du und es ist schön, dass endlich einmal jemand erkennt, was du für ein Prachtkerl bist.“

„Es ist plötzlich um so vieles einfacher, Mom. Keiner sieht mich dort oben schräg an. Ich sehe aus wie sie. Na ja, von den kleinen Insignien eines Teufels mal abgesehen, aber in ein paar Wochen bin ich sie los und bin ein Mensch. Hier unten war ich immer nur der Pausenclown. Kein Mädchen wollte mit mir ausgehen, die Kerle haben nur gelacht, wie ich aussehe, der Zurückgebliebene. Dort oben ist es so leicht. Ich gehe auf die Straße und sie lächeln mich an. Keiner zeigt mit Fingern auf mich. Es war schwer, sich daran zu gewöhnen, Mom, doch jetzt... dort oben mögen sie mich.“

„Das ist wirklich schön und auch dass du nicht mehr alleine bist, auch wenn ich so wohl nie Enkelkinder haben werde, aber das macht nichts.“ Rihana sah das wirklich als kein Problem an. Solange ihr kleiner Liebling glücklich war, war alles nebensächlich. „Wie ist das eigentlich mit der Temperatur. Kommst du besser mit der Kühle dort oben zurecht oder frierst du immer noch so sehr? Ich werde dir etwas Warmes stricken, damit du etwas hast, das dich an mich erinnert, wenn wir uns nicht sehen.“

„Ja, strick mir was, auch wenn ich im Augenblick ganz gut damit klar komme. Die ersten Tage waren grausam. Ich habe nur gezittert und Jack hat mich in dicke Klamotten und unter Decken gestopft. Aber jetzt geht’s. Bei meinem Job komme ich selbst in kurzen Hosen richtig ins Schwitzen und Bommel scheint es dort oben sowieso besser zu gehen. Er schnauft nicht mehr so.“ Dave war wirklich glücklich darüber, dass es seinem Katerchen nun besser ging, auch wenn sie noch nicht zusammen joggen waren. Ob Jack mit ihm gehen würde?

Egal was Dave auch sagte, seine Gedanken landeten zum Schluss immer bei ein und demselben Thema: Jack. Sehnsucht war schmerzlich.

„Okay, dann stricke ich was für dich und deinen Schatz. Dazu muss ich aber wissen, wie groß er ist, damit es auch passt.“ Rihana freute sich darauf, mal endlich wieder zu stricken. Seit sie in der Hölle lebte, hatte sie nur etwas gestrickt, als Dave unterwegs war, denn für warme Stricksachen war hier nicht wirklich Bedarf. „Ich werde mir ansehen, wo du arbeitest. Ich möchte schließlich wissen, was du da oben so treibst und Discos gab es zu meiner Zeit noch nicht und ich wollte das alles schon lange einmal kennen lernen.“

„Dann wird es Zeit, dass du aus dem Mief hier mal raus kommst. Es wird dir gefallen. Es ist so ganz anders. Ich weiß gar nicht, warum ich immer nur nach oben gegangen bin, die Seele geholt habe und wieder verschwunden bin. Mir ist so viel entgangen, was ich hier vermisse. Ich komme mir vor wie ein Hinterhofkind, was auf die Straße raus gelaufen ist. Ich mag nicht mehr in den Hinterhof zurück.“ Dave holte tief Luft und sah seine Mutter wieder an. „Ich weiß, ich klinge bestimmt undankbar, aber ich weiß jetzt endlich, wo ich hin gehöre.“

Daves Mutter lachte leise. „Im Gegensatz zu vielen anderen, bin ich freiwillig hier und ich habe es nie bereut, deinem Vater hierher gefolgt zu sein. Für die Meisten ist er der furchteinflößende Höllenfürst, aber ich weiß, dass er auch ein sehr liebvoller und aufmerksamer Ehemann und Vater sein kann.“ Sie lächelte, als sie sich an die Zeit erinnerte, als sie sich kennen gelernt hatten und die erste Zeit ihrer Ehe.

„Nein, du bist nicht undankbar. Weißt du, die Teufel sollen gar nicht so unbedingt wissen, dass es auf der Erde durchaus schön sein kann. Dein Vater hat Angst, dass ihm seine Teufel wegrennen.“ Sie zwinkerte ihrem Sohn zu und kniff ihm gut gelaunt in die Wangen. „Was ich ein wenig vermisse, ist die Sonne oder der Wind und das Meer. Dort war ich immer gern. Meine Eltern sind mit mir immer dort hin gefahren, als ich noch ein Kind war.“

„Weißt du, dass Menschen ziemlich auf meinen Schwanz stehen? Er löste eine gewisse Faszination bei ihnen aus. Ich glaube, Vater tut gut daran, seinen Untergebenen nicht zu zeigen, wie gut es ihnen dort oben gehen könnte“, überlegte Dave und streckte sich. Doch dann war das Thema auch schon gestorben. „Das Meer. Der Wind. Ich werde das alles ausprobieren, wenn die drei Wochen überstanden sind und vielleicht kommst du ja mal mit?“

„Vielleicht mach ich das, aber nicht jetzt. Mein lieber Sohn, es ist spät und du gehst schlafen.“ Rihana sah Dave streng an, aber nicht lange, dann lachte sie wieder. „Los husch, du hast nun einen Job und dafür musst du ausgeschlafen sein. Oder möchtest du deinem Schatz mit dunklen Augenringen begegnen?“

„Nein, wohl eher nicht. Er soll mich ja morgen noch erkennen“, lachte Dave und umarmte seine Mutter noch einmal, küsste sie auf die Stirn und verabschiedete sich. Es hatte ihm gut getan, hier zu sitzen, mit ihr, einfach nur zu reden und sich sagen zu lassen, dass es gut war, wie er sich entschieden hatte. Zu wissen, dass sie an seiner Seite war, gab ihm Mut.

Langsam schlenderte er durch die leeren Flure und fiel nach ein paar Minuten müde ins Bett.