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Anders als geplant

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„Dave, setz dich hin, du machst mich verrückt“, rief Rihana aus der Küche, wo sie etwas zu Essen für ihren Sohn und seinen Schatz vorbereitete. Sie hatten den Tag gemeinsam verbracht und sie hatte versucht, ihren kleinen Liebling, so gut es ging, abzulenken, aber nun klappte das nicht mehr. Dave wartete darauf, dass Jack ihn rief und mit jeder Minute, die verstrich, wurde er nervöser. „Er wird dich schon gleich rufen, keine Sorge. Hier, nimm schon mal das Essen, damit du es nicht vergisst. Solange du hier bist, möchte ich dich noch verwöhnen.“

„Aber er hat gesagt, er will mich nicht gehen lassen. Er hat gesagt, er wird mich vermissen. Aber jetzt meldet er sich gar nicht. Da ist doch was faul. Da ist doch was passiert. Er hat gemerkt, dass er mich nicht mehr will, weil ich zu viel Ärger bedeute. Wer legt sich schon mit Luzifer an und schachert um dessen Sohn. Keiner ist so dumm.“ Dave redete und redete, wendete und durchschritt das Zimmer erneut. Er war so nervös, seine Finger waren - obwohl es hier unten heiß war - eiskalt und sein Schwanz wedelte wie verrückt.

„Schatz, er wird dich rufen. Wenn nicht, lernt er mich kennen und er wird sich wünschen, dass er es mit deinem Vater zu tun hätte.“ Rihana machte ein böses Gesicht, aber dann lachte sie wieder. „So wie du ihn mir geschildert hast, wird er dich rufen, denn er ist verrückt nach dir.“ Sie hielt Dave in seinem Lauf auf und drückte ihn an sich.



Mit ihrer Einschätzung hatte sie Recht. Jack tigerte genauso nervös wie Dave durch sein Büro und wartete auf Martin. Sein Freund hatte ihm nämlich das Versprechen abgenommen, Dave erst zu rufen, wenn er auch da war, damit sie keinen Blödsinn machten. Allerdings war Martin noch auf dem Weg und Jack schon fast dem Wahnsinn nah, als dieser endlich ankam.

„Wo warst du?“, wurde Martin wenig freundlich empfangen und die Tür war noch nicht ganz hinter ihm geschlossen, als Jack laut sagte: „Ich möchte, dass Dave zu mir kommt.“

Und wie jedes Mal, wenn der junge Teufel aus der Hölle zu ihm hinauf stieg, bildete sich eine Rauchwolke, die sich verdichtete und aus der dann Dave herausgesprungen kam. Er stellte das Essen seiner Mutter auf den Boden und sprang, ohne ein Wort, Jack erst einmal an den Hals, warf ihn so auf die Couch, vor der er stand und küsste ihn ausgehungert, während sich Martin nur auf die Schulter klopfte. Etwas in der Art hatte er doch erwartet.

Fest ineinander verschlungen, dauerte es ein paar Minuten, bis Martin sich Gehör verschaffen konnte und wieder wahrgenommen wurde. „Hallo, Dave. Starker Auftritt“, lachte Martin zur Begrüßung. „Los, runter von meinem Freund und Hände dort, wo ich sie sehen kann“, kommandierte er grinsend. Ja, das machte wirklich Spaß, Jack in die Parade zu fahren und ihn ein wenig zu ärgern, was auch hervorragend klappte, wie das leise Knurren zeigte.

Dave hingegen - der den zweiten Mann in dem Raum nicht bemerkt hatte - erschrak sich fast zu Tode und rutschte aus Versehen von der Couch, verbog sich dabei den Schwanz und jammerte, als er Martin ansah. „Menno!“, knurrte der junge Teufel und kam gar nicht dazu, die Hände hoch zu nehmen, weil er seinen Schwanz erst einmal untersuchen musste. Er lehnte sich gegen Jacks Beine und murmelte vor sich hin.

„Blödmann“, murrte Jack und zog Dave wieder zu sich hoch. Zusammen mit ihm strich er über den Schwanz und murmelte immer wieder leise: „Ich liebe dich“, in das Ohr seines Lieblings. „Wie war es unten? Hat dein Vater sehr getobt oder hat er was gemerkt?“, fragte er neugierig und seine Lippen strichen schon wieder über das geliebte Gesicht und verteilten Küsse. „Ich habe dich schrecklich vermisst und wenn mein treuloser Freund nicht Stunden zu spät gekommen wäre, hätte ich dich schon viel eher gerufen.“

„Ich hab dich auch schon so sehr vermisst. Ich dachte schon, du willst mich gar nicht mehr wieder sehen. Ich hab meiner Mutter Rillen in den Teppich gelaufen und mein alter Herr, na frage nicht. Da kamen Flammen aus der Nase und ein Schreibtisch hat das Zeitliche gesegnet, als ich ihn fragte, ob er mir nicht ein Vorbild sein und auch mal seinen Arsch für eine Seele hinhalten will“, lachte Dave und ließ sich beschmusen. Er wusste, was Jack hören wollte, doch noch gingen ihm die Worte nicht so leicht über die Lippen, auch wenn er sie spürte. Martin wurde mit Absicht einfach ignoriert.

„Is nich wahr?“ Jack riss die Augen auf und kicherte. „Das hast du wirklich gesagt? Ganz schön frech, mein Teufelchen. Kein Wunder, dass er getobt hat.“ Er machte es Dave gleich und ignorierte Martin, der immer mal wieder: „Auseinander“, „Hände hoch“, „Runter von Jack“, und ähnliches rief und sichtlich Spaß daran hatte. Sie blendeten alles aus und genossen einfach, wieder zusammen zu sein, sich berühren und küssen zu können. „Warum sollte ich dich nicht mehr wollen? Glaub doch nicht so was. Ich liebe dich und daran wird sich auch nichts ändern.“

„Ja, ich weiß doch, Jack. Aber als ich da unten saß und die Zeit nicht verging und ich von dir auch nichts gehört habe...“, fing der junge Teufel an zu reden, küsste Jack aber immer wieder nach jedem Wort. Er musste sich seiner einfach versichern, zu lange hatte er auf ihn verzichten müssen. „Aber stimmt. Vater war echt geladen“, lachte er nach einer Weile. „Aber was labert er mich auch voll, ich solle meinen Stolz vergessen und die Beine breit machen. Bin ich eine Hure, oder was, die ihren Körper gegen eine Seele verschachert?“ Man hörte deutlich, wie erbost der junge Teufel darüber war und zwischen seinen Hörnchen zuckten die Blitze.

„Das bist du ganz bestimmt nicht. Wie kann er nur so etwas von dir verlangen?“ Jack konnte das wirklich nicht verstehen, besonders, dass ein Vater so etwas von seinem Sohn verlangte. Sanft strich er Dave durch die Haare und fing die kleinen Blitze ein, die seinen Körper wieder so schön prickeln ließen. „In drei Wochen ist es vorbei und du kannst bei mir bleiben und dein Vater kann nicht mehr solche Dinge von dir verlangen.“ Jack vergrub sein Gesicht in Daves Halsbeuge und atmete den geliebten Geruch tief ein.

„Bommelchen geht es gut. Er war ein wenig irritiert und verstört, weil du nicht mit nach Hause gekommen bist, aber ich habe ihn getröstet und er hat bei mir geschlafen. Aber lieber hätte ich dich im Arm gehalten, auch wenn er kein schlechter Ersatz war. Heute Mittag bin ich mit ihm rausgegangen. Joggen. Er ist sogar ganze 5 Meter mitgelaufen und danach hat er sich, um meinen Hals gelegt, tragen lassen.“ Jack lachte leise, als er sich daran erinnerte und wie doof die Leute geguckt hatten.

„Ja, das sieht Bommel ähnlich. Warum soll ich mich bewegen, wenn es doch Leute gibt, die das für mich tun. Dass er noch selber frisst und sich nicht intravenös ernähren lässt, wundert mich sowieso.“ Dave lachte und die Sorgen mit seinem Vater waren vergessen. Lieber stellte er sich Bommel auf seinem Thron vor und erklärte, dass Bommel das nur so lange machen dürfte, wie Dave nicht da war. In drei Wochen würde nur noch Dave auf ihm herum lungern und ihn in Besitz nehmen und weil Dave seinen neuen Chef schon wieder ausgeblendet hatte, fing er an zu erzählen, was er gern mit Jack alles anstellen würde.

Er wurde abrupt unterbrochen, als sich eine Hand auf seinen Mund legte. „Aus. Kein Wort mehr“, rief Martin mit ungewöhnlich rotem Gesicht. „Auseinander mit euch. Ich bin euer Freund – schon vergessen? Freunde darf man nicht foltern, so wie ihr das gerade tut. Ich bin auch nur ein Mann und mit einer sehr lebhaften Phantasie gesegnet.“ Ohne viel Federlesens schubste er Dave von Jacks Schoß und drängelte sich dann zwischen sie. „Ihr haltet Abstand und ihr redet nicht mehr über Dinge, die ich nicht wissen sollte oder möchte – klar?“, bestimmte er und holte tief Luft. Was hatte er sich mit den zwei beiden bloß aufgehalst. Aber da er auch nicht zulassen konnte, dass diese beiden im Strudel ihrer Hormone untergingen und Jack seine Seele verlor und er selber somit nicht nur einen Freund, sondern auch einen fähigen Mitarbeiter, musste er die beiden eben immer mal stoppen, auch wenn es denen nicht behagte.

Dave knurrte leise, als er plötzlich ziemlich weit von Jack entfernt hockte und ließ seinen Schweif heimlich zu ihm tasten. Sie hatten sich doch viel zu lange nicht gesehen. Martin war herzlos!

Auch Jack murrte. So hatte er sich das aber nicht vorgestellt, als er Martin gebeten hatte, ein wenig auf sie aufzupassen. Auch wenn er wusste, dass sein Freund Recht hatte, so behagte es ihm gar nicht, dass er Dave nicht mehr berühren konnte. Erst als er die Schwanzspitze fühlte, die sich hinter ihm durchschlängelte, war er wieder versöhnt und fing sie ein. Sanft streichelte er das, was ihm von Dave geblieben war, achtete aber darauf, dass Martin das nicht mitbekam. Er sah sich um und entdeckte schließlich den Beutel auf dem Boden. „Was hast du denn mitgebracht?“, fragte er deswegen. Das schien ihm unverfänglich genug.

„Ach so, Mama hat gekocht und hat mir ein bisschen was gegeben, von dem sie meint, es könnte mir hier oben ein paar Türen öffnen“, erklärte der junge Teufel, doch weil Jack ihn gerade so schön streichelte, wollte er sich auch nicht erheben. „Mom hat Chili gekocht, keine Sorge. Sie ist ein Mensch, sie kocht nicht so scharf wie ich und ein paar Dokumente über Bankkonten und so was.“

„Essen aus der Hölle?“, rief Martin auch gleich und sprang auf, so dass Jack kicherte und Dave wieder zu sich zog. „Er ist ziemlich verfressen, musst du wissen und so eine Chance, echtes Höllenchili zu probieren, lässt er sich nicht entgehen.“ Grinsend sah er zu, wie sein Freund den Topf öffnete und sich gleich bei dem köstlichen Duft über die Lippen leckte. Ohne weiter nachzudenken steckte er einen Finger hinein, damit er ihn ablecken konnte und jaulte auf, weil das Chili noch kochend heiß war. Immer noch jammernd landete der Topf auf dem Tisch und Martin verschwand im Bad, um sich den Finger zu kühlen. „Dokumente über Bankkonten? Die sehen wir uns nachher mal an. Martin kennt sich in solchen Dingen gut aus. Er wird wissen, was damit zu tun ist.“

„Wenn er das Chili meiner Mutter überlebt“, lachte Dave leise und genoss es sichtlich, dass er sich wieder an Jack schmiegen konnte. „Du hast mir so gefehlt. Das Bett war so leer und ich war so alleine. Wenn ich bedenke, dass wir das noch 22 Tage durchstehen sollen…“ Der junge Teufel seufzte leise, er wollte nicht wieder gehen und allein sein. Dort unten fühlte er sich nicht mehr wohl. Das war nicht länger sein Zuhause.

„Du mir auch, mein Liebling. Du mir auch.“ Jack seufzte mit Dave zusammen und grinste dann. „Ich hab dir was mitgebracht, damit du nachts nicht mehr so alleine bist.“ Jack stand kurz auf und holte etwas aus seiner Schreibtischschublade. Er gab Mephi an Dave weiter. Jack hatte das kleine Plüschtier aufgebürstet und nett zurecht gemacht, mit einem seiner Shirts, dass er extra die letzte Nacht getragen hatte, damit es seinen Geruch annahm.

Daves Augen leuchteten. „Mephi!“, rief er und kam zu Jack rüber, riss den kleinen Plüschteufel an sich und umklammerte ihn. Doch dann überließ er ihn wieder seinem Schwanz und nutzte Martins Ausflug ins Bad, um Jack auf den Schreibtisch zu schubsen und ihn noch einmal ausgehungert zu küssen. Er musste seine emotionalen Tanks fluten, damit er wieder davon zehren konnte, wenn er abermals ging.

„Diese Reaktion hatte ich erhofft“, seufzte Jack zufrieden und ließ sich ganz auf den Schreibtisch sinken, so dass Dave auf ihm lag. Wie von selbst fuhren seine Hände über den Rücken seines Freundes und legten sich schließlich auf Daves Hintern. Sanft kneteten sie die festen Muskeln und gleichzeitig ließ er sich von seinem Schatz erobern. Was konnte es schöneres geben? Ganz hinten, in seinem Kopf, malte seine Phantasie ihm da so einiges aus, aber das würgte er schnell ab, weil es sonst unweigerlich wieder eskalierte.

Martin tat auch seinen Teil dazu. Er war wieder aus dem Bad zurück und verteilte fröhlich summend leichte Schläge auf beiden Köpfen. „Los auseinander, wir essen jetzt Chili“, legte er fest und beobachte fasziniert den Schwanz, der aufgebracht mit einem Plüschteufel nach ihm schlug.

„Ich nicht“, erklärte Dave, löste sich aber nur widerwillig von Jack. Er wusste ja, dass Martin Recht hatte, aber fair war es trotzdem nicht. Langsam kletterte er von Jack runter, blieb aber auf dem Schreibtisch hocken. „Wenn ich noch tanzen soll, kann ich mich jetzt nicht voll stopfen. Lasst mir einfach was übrig. Aber zur Not kann mir Mom ja nachher noch was kochen.“ Dave holte Mephi wieder zu sich, wenn er Jack schon nicht so haben durfte, wie er wollte und drückte seine Nase in das Shirt.

„Mehr für uns“, freute Martin sich völlig unbeeindruckt und holte Teller und Besteck aus der kleinen Miniküche, die zu Jacks Büro gehörte. „Da ist ja auch noch leckeres, selbstgemachtes Brot“, rief er entzückt und riss sich gleich ein Stückchen ab. Daves Papiere legte er neben seinen Teller und gab Jack und sich selbst Chili. Dann war er erst einmal beschäftigt zu genießen und die Kochkunst von Mama Teufel zu loben, so dass die beiden Liebenden wieder etwas schmusen konnten, ohne sich gleich Kopfnüsse einzufangen.

„Ich werd's ihr ausrichten“, sagte Dave nur nachlässig und schmuste sich wieder an seinen Freund ran. Durch den Spiegel sah man, dass unten noch nicht viel los war. Dave musste sich also noch nicht beeilen und sich umziehen. Er lehnte an Jack und ließ sich streicheln, schloss dabei genießend die Augen. „Wenn das jetzt jeden Tag so wird, dann kann ich in 22 Tagen für nichts mehr garantieren!“

Dave konnte bestimmt die Schauer spüren, die seine Worte durch den Körper seines Freundes schickten und Jack stöhnte ganz leise, als er sich das vorstellte. „Das hoffe ich doch sehr. Ich will dich wild und zügellos. Verrückt nach mir und meinem Körper“, wisperte er rau und bevor er weiter sprach, küsste er Dave hungrig, ja fast gierig. „Du sollst mich besitzen, mich dein machen und somit zum glücklichsten Mann auf dieser Welt.“

„Das werde ich“, flüsterte Dave gegen seine Lippen, „das werde ich und du wirst dich wundern, was noch alles in mir stecken wird.“ Als er sich der Zweideutigkeit bewusst wurde, musste Dave lachen, doch dann war sein Feuer wieder da. Seine Hände griffen Jack fester, bis ihm jemand in die Hand stach. Als Dave aufsah, funkelte ihn Martin an. „Jungs, ich verstehe eure Lage. Aber wenn ihr euch hier gegenseitig wieder geil macht wie zwei Hamster, habt ihr auch nichts gekonnt.“

Es war schon niedlich, wie die zwei, wie auf Kommando, die Köpfe hängen ließen und so strich Martin ihnen durch die Haare und so ganz unabsichtlich und nebenbei über Daves Hörnchen. Das reizte ihn schon lange, genauso wie der Schwanz, aber zu fragen, ob er mal anfassen durfte, hatte er sich nicht getraut.

„Dafür bin ich doch da, dass ihr zusammen sein könnt, aber keinen Blödsinn macht – was auch bitter nötig ist, wie ich mal feststellen muss. Ihr seid schlimmer als eine Horde pubertierender Jungschwuler in einem Darkroom“, konnte Martin sich nicht verkneifen zu sticheln und nahm sogar den Schlag gegen seinen Arm einfach so hin, weil der Anblick, zwei rot glühender Riesenkerle, ihn mehr als nur ein wenig dafür entschädigte.

Auch wenn es Dave nicht gefiel, er musste seufzend zugeben, dass Martin ja irgendwie Recht hatte. Welcher Freund band sich schon einen solch heiklen Job an die Hacken, zwei notgeile Kerle zu hüten und sie vom Sex abzuhalten. Er konnte Martin ja verstehen und Dave wurde nicht müde, sich selber zu erklären, wie Recht er hatte, doch es war doch so schwer! „Jack, iss was, ich setz mich so lange da rüber“, sagte er und griff sich wieder Mephi mit dem Schwanz, um zusammengefallen zur Couch zu schlurfen.

Jack sah ihm hinterher und wollte schon aufspringen, aber Martins Hand auf seinem Arm hielt ihn zurück. „Mach, was er sagt. Du hast doch bestimmt den ganzen Tag nichts gegessen, wie ich dich kenne.“ Er kannte seinen Freund und wenn es ihm nicht gut ging, vergaß der einfach zu essen. „Wenn du das, was ihr euch gerade versprochen habt, auch halten willst, solltest du mehr auf dich achten, sonst liegst du schneller in der Klinik, als dir lieb ist.“ Er drückte Jack den Löffel in die Hand und lächelte ihm zu.

„Ich weiß, aber es ist so schwer. Ich liebe Dave und dass wir noch so lange warten müssen, ist einfach nicht fair.“ Jack nahm einen Löffel und hob die Augenbrauen. „Lecker“, rief er begeistert und nahm gleich noch einen. Erst jetzt merkte er, wie viel Hunger er hatte.

„Du hast meinem Vater sogar acht Wochen angeboten. Sei froh, dass er so ungeduldig ist“, rief Dave zu ihm rüber und freute sich, dass Mamas Chili so gut ankam. Er musste sich das Rezept geben lassen, vielleicht konnte er das ja auch mal kochen.

So lange wie die beiden aßen, kuschelte Dave also mit Mephi, den er ziemlich vernachlässigt hatte und rollte die Schultern. „Ich werd mich dann auch mal umziehen. Kann ja nicht mehr lange dauern, oder?“

Jack sah auf seine Uhr und nickte. „Eine halbe Stunde noch. Du musst aber nicht gleich sofort raus. Du kannst anfangen, wann du möchtest. Magst du heute in die Gruft?“ Er musste wohl nicht extra erwähnen, dass es für sie beide besser war, wenn er Dave nicht die ganze Zeit vor Augen hatte.

„Wenn dort noch was frei ist, dann werde ich dort hin gehen. Es hat uns gestern nicht gut getan, dass du mich dabei sehen konntest, wie ich getanzt habe. Ich verspreche auch, du bist der Einzige, der mich aus dem Käfig holen darf, hm?“, bot Dave gleich eine Versöhnung an und lächelte. „Wir schaffen das schon. Wirst sehen. In ein paar Tagen führen wir uns nicht mehr auf wie die Wilden.“

„Na, dein Wort in Gottes Ohr“, lachte Martin und Dave knurrte.

„Ich sag Bescheid, dass sie dir einen Käfig frei halten sollen.“ Jack griff auch gleich zum Telefon und rief im Raum der Tänzer an.

„Alles klar. Chris wird auch dort sein. Er war bisher unser beliebtester Tänzer. Sicher hat er schon gehört, was du drauf hast und will sich wohl mit dir messen. Du könntest ihm ohne Schwierigkeiten den Rang ablaufen. Er hat auch einen Faible für die Gruft.“

„Hm“, machte Dave, „muss das sein? Ich will keinem den Rang ablaufen. Ich will auch nicht, dass jemand mich schneidet, nur weil er in mir eine Gefahr sieht. Das hatte ich da unten zuhauf, da muss ich das hier oben nicht auch noch haben.“ Dave mochte es gar nicht, mit anderen im Wettstreit stehen zu müssen. Das hatte er schon in den Seelenstatistiken nicht gemocht und jetzt ging das hier weiter. „Dann gib mir einen anderen Raum, ich habe keinen Bock auf Ärger.“ Für solche Spielchen war er heute wirklich nicht zu haben. Er wollte seinen Job gut machen, mehr nicht.

„Nein, so schlimm wird es nicht werden. Chris ist zwar eine kleine Primadonna, aber er erkennt an, wenn jemand besser ist als er. Es wird ihn anspornen.“ Jack hatte aufgegessen und kam zu Dave rüber. „Ihr beide könnt ein wirklich erstklassiges Team werden. Die Gäste werden sich gar nicht mehr einkriegen, wenn ihr zusammen tanzt. Probier es. Wenn es dir nicht gefällt, dann hol ich dich raus und du kannst woanders hin.“

„Na, gut“, lenkte Dave ein und war schon wieder versöhnt, weil er Jack wieder bei sich hatte. „Aber für Zickenterror habe ich im Augenblick keinen Nerv. Er kann mich dumm anmachen, wenn die 22 Tage um sind. Im Augenblick aber will ich nur meinen Job machen und so viel wie möglich schlafen, damit die Zeit vergeht.“ Da hatte er keinen Nerv für gestürzte Götter.

„Ach, was. Chris ist eigentlich ganz umgänglich und nett. Er ist schon stolz darauf, dass das Publikum ihn liebt, aber er ist auch teamfähig und wenn er jemanden auf seinem Level hat, dann wird ihm das gut tun und wenn ihr zusammen tanzt, werdet ihr einfach nur grandios sein.“ Jack schmuste durch Daves Haare und küsste ihn dann. „Er ist genau dein Gegenteil. Klein, zierlich, lange, schwarze Haare. Ihr wärt wirklich ein geniales Team.“

Grinsend legte Dave den Kopf schief und umfing Jacks Gesicht mit seinen Händen. „Bilde ich mir das nur ein oder versuchst du gerade wie verrückt mich an einen anderen Kerl abzutreten, mit dem ich dann ja ein Team bilden kann?“, lachte er frech und zur Strafe für diesen Frevel wurde Jack jetzt auch nicht geküsst.

„Hey.“ Jack versuchte an Daves Lippen ranzukommen, lachte schließlich frech und zog Dave an sich. „Solange jeder von euch in einem eigenen Käfig steckt und ihr nur miteinander tanzt, kannst du mit Chris gerne ein Team bilden. Alles andere ist tabu, da bin nur ich dein Teampartner.“

„Aber für drei Wochen noch nicht dein IN-Team-Partner“, rief sich Martin lachend in Erinnerung, der sich aber verabschieden musste, weil er noch ein paar Dinge regeln wollte, ehe geöffnet wurde. „Ich lege es euch ans Herz, reißt euch jetzt bitte zusammen!“, sagte er ernst, ehe er sich nochmals für das Essen bedankte und ging.

Dave nickte noch immer, als die Tür schon lange zu war. „Er hat Recht. Machen wir uns für den Abend fertig, ich hab Angst, dass ich dir sonst nicht widerstehen kann.“

„Hmm“, machte Jack noch ein wenig unentschlossen. Eigentlich wollte er lieber noch ein wenig mit Dave hier sitzen und einfach dessen Nähe genießen, aber dann nickte er doch. „Na komm, suchen wir dir was Heißes für die Gruft. Ich hab da auch schon was im Auge. Mal schauen, ob es da ist.“ Er nahm sein Teufelchen an die Hand und ging mit ihm zum Kostümfundus. Er ging gleich weiter zu den Lederklamotten und wühlte ein wenig bei den Hosen. „Da ist sie ja“, rief er schließlich und hielt eine der Hosen so hoch, dass Dave sie sehen konnte. Sie war aus schwarzem Leder, unten ausgestellt und hatte an den Seiten Einsätze aus Spitze.

„Ich hab sie auch schon mal getragen oder besser, ich war bisher der einzige, der sie getragen hat, weil sie keinem sonst passt und dazu…“ Er ging zu den Hemden und holte eins hervor, das aussah wie man es sich bei einem Edelmann im Barock vorstellte: Mit Rüschen und viel von der gleichen Spitze an der Knopfleiste entlang und an den Ärmelenden, die auch in der Hose verarbeitet war. Beides ganz in schwarz.

Wenn man aber genau hinsah, war es keine reine Spitze, sondern elastisch. Man konnte sich in diesen Kleidern also sehr gut bewegen, ohne dass sie gleich kaputt gingen. Das war für Daves Zwecke ziemlich praktisch. Grinsend kam er näher. „Ich darf deine Hose anziehen, das muss wahre Liebe sein“, lachte er und schob Jack kurz in den Kleiderständer, küsste ihn und zog sich gleich mit einem Sprung und seiner Beute wieder zurück, während sein Schweif herausfordernd wedelte.

Wie gerne hätte Jack ihn sich jetzt gegriffen, aber er blieb, wo er war und leckte sich über die Lippen. „Aber immer doch.“ So wie Dave da vor ihm stand, war er Versuchung pur. Genau das, was er gar nicht gebrauchen konnte. „Hör auf zu wedeln, sonst muss ich dir leider den Hintern versohlen, wegen seelischer Grausamkeit“, knurrte er leise, griff sich schnell den Schwanz und küsste die Schwanzspitze. „Los, umziehen Süßer, ich warte draußen.“

„Öh... ja“, machte Dave und sah auf seinen Schwanz, folgte aber der Anweisung und zog sich tiefer in den Fundus zurück. Nur nach und nach ging ihm auf, was er schon wieder begonnen hatte und rügte sich selbst dafür, dass er sich wirklich kein bisschen unter Kontrolle hatte. Er musste sich zusammenreißen, wenn er es Jack nicht noch schwerer machen wollte, als dieser es sowieso schon hatte, denn Dave selbst war willenlos in dessen Nähe, von ihm musste Jack nicht erwarten, dass er ein Techtelmechtel ausschlug.

Jack lehnte an der Wand neben der Tür und verbot sich daran zu denken, dass Dave unter seiner Hose wohl wieder nichts tragen würde und wie sehr es ihm gefallen hatte, was er gestern gesehen hatte. Sein Schatz war wirklich gut ausgestattet, genau so, wie Jack es mochte und dazu noch die hellen Haare, die einfach dazu einluden hindurch zu fahren. „Argh!“, machte Jack und ließ seinen Kopf einmal kräftig gegen die Wand knallen, damit er wieder klarer wurde.

Der dumpfe Aufschlag war auch drinnen zu hören, doch weil Dave gerade mal wieder nackt durch die Gegend sprang, ließ er es lieber, zu gucken, was passiert war. Er wusste es und wollte es nicht noch schlimmer machen. Also beeilte er sich nur, in die Klamotten zu steigen und drehte sich kurz um sich selbst. Die Stiefel von gestern standen noch in Jacks Büro, die würde er wieder dazu anziehen, weil man so die Stahlbeschläge an der Spitze gut sehen konnte und ordnete noch mal die Stofffalten, als er aus der Tür trat. „Fertig“, erklärte er und sah sich Jack an, ob er Schaden genommen hatte.

Schien aber nicht so und auch die Wand zierte kein Blutfleck. „Wow“, entkam es begeistert Jacks Lippen und langsam ging er um Dave herum. „Als wenn es für dich gemacht wäre“, sagte er leise und strich mit einem Finger über die Spitze am rechten Bein. „Aber etwas fehlt noch, dann ist es perfekt.“ Jack stellte sich hinter Dave und holte aus seiner Hosentasche die Silberkette, die er gekauft hatte und hängte sie Dave um. „Damit du etwas hast, das dich an mich erinnert, wenn wir uns nicht sehen“, wisperte er leise dabei und küsste ihn in den Nacken.

Dave erschauerte, Wellen von Emotionen durchliefen ihn und er wusste gar nicht, was er sagen sollte. Er hatte nichts, was er Jack hätte geben können. Er hatte an so was gar nicht gedacht und er schämte sich dafür. Eine Hand legte sich auf das Amulett auf seinem Hals, die andere umfing Jack, der noch immer hinter ihm stand. Das silberne Amulett war rund, in seiner Mitte der Baum des Lebens, dessen Äste und Wurzeln sich zu einem Kreis verwoben und ihn umschlossen. „Danke“, flüsterte Dave nur und schloss die Augen.

Jack lächelte und seine Arme schlossen sich fest um Dave. „Ich liebe dich“, sagte er schlicht und blieb einfach noch ein wenig so stehen. Gleich würde Dave in seinem Käfig verschwinden und er musste wieder auf ihn verzichten. „Ich werde ab und zu vorbeischauen, ob es dir gut geht, ja? Und spätestens nach zwei Stunden hol ich dich wieder ab.“ Er ließ Dave los, aber ließ einen Arm um dessen Hüfte geschlungen. „Los geht's. Die Gäste wollen was sehen.“

„Ja, wollen sie wohl“, sagte Dave leise und schmiegte sich an Jack an. Er ließ sich führen, als er leise murmelte: „Ich dich auch und das weißt du.“ Sein Schweif legte sich um Jack und Dave seufzte. Wenn doch nur schon alles vorbei wäre. Dann müsste er sich jetzt nicht zurückhalten. Dann könnte er Jack hier im Flur gegen die Wand drücken, könnte ihn küssen, ihm die Kleider vom Leib... „Hm“, stöhnte er und versuchte diese Gedanken wieder loszuwerden. Also biss er sich auf die Zunge, das wirkte meistens.

„Ja, das weiß ich.“ Jacks liebevoller Blick ging zu Dave rüber und er küsste ihn sanft. „Ich bin so froh, dass ich dich getroffen habe“, wisperte er dabei und merkte die Schauer, die er wieder durch den kräftigen Körper jagte. Er sah Dave an und kicherte. „Kopf gegen Wand hauen hilft auch.“ Man konnte fast sehen, was in dem Kopf des Teufels vorging und er musste seinen Schatz einfach ein wenig ärgern.

„Idiot!“, grinste Dave schief. „Lass das. Nicht, dass ich dann in drei Wochen einen dummen Mann habe, weil er sich das Hirn geprellt hat und es entfernt werden musste.“ Dave zeigte seine blutige Zunge. „So geht’s auch“, erklärte er und streckte sich noch einmal. Sie waren wie Kinder, aber wirklich. Nur gut, dass Martin gerade nicht bei ihnen war.

Aber solange sie nur rumalberten und keinen schwerwiegenden Blödsinn machten, konnte ihr Chef da eigentlich nichts gegen haben. Alles, was die Zwei voneinander ablenkte, war da willkommen. Jack lachte leise. „Dann bin ich hirnlos und du blutleer in drei Wochen. Beides nicht so prickelnd. Wir werden uns was anderes überlegen müssen.“ Er führte Dave zu der Galerie, die zur Gruft gehörte und holte einen der Käfige hoch. Die Tanzfläche unter ihnen war schon gut gefüllt und die ersten Besucher starrten nach oben, damit sie auch nicht verpassten, welcher Tänzer sie gleich aufheizen würde.

„Aber blutleer passe ich doch perfekt hier hin, zumindest Martin dürfte dann mit mir ziemlich zufrieden sein“, lachte Dave und sah sich um. Jetzt, wo der Raum in Benutzung war, war er noch verlockender. Leichte Nebelschwaden waberten über die Tanzfläche. Die Jungs - vereinzelt auch Mädels - trugen die traditionellen Klamotten und wieder einmal musste Dave feststellen, dass er diesen Look mochte. Vielleicht sollte er sich auch mal damit eindecken. Ein langer Gehrock und Hemden.

„Er ist auch schon jetzt mit dir zufrieden. Du hast ziemlich für Wirbel gesorgt und auf unserer Homepage kamen jede Menge Mails an, mit Fragen nach dir. Besonders oft wurde gefragt, ob du noch zu haben bist und welchen Typ Mann du bevorzugst.“ Jack lachte, als er daran dachte, wie Martin fast die Augen übergegangen waren, als er die ganzen Mails gelesen hatte. „Dabei warst du erst ein Mal und nur kurz draußen. Normalerweise kommen die Reaktionen nicht so schnell.“

„Ich werde das Gefühl nicht los, ich bin eine gute Nummer“, lachte Dave leise, doch er musste zugeben, dass er mit dieser Art Resonanz nicht gerechnet hatte. Nun, er hatte mit ein paar Besuchern auf der Tanzfläche unter sich gespielt und ihnen gezeigt, was er hatte und was er konnte, aber dass dies gleich zu solchen Aufläufen führen würde, war nicht geplant gewesen. „Was habt ihr ihnen gesagt? Bin ich noch zu haben? Und auf welchen Typ Mann steh ich denn so?“, grinste er frech und sah Jack eindringlich an. Das wollte er noch wissen, ehe er sich erneut der Meute anbot.

„Wir haben noch gar nichts gesagt“, lachte Jack mit und legte sein Arme um Dave. „Wir werden sie noch ein wenig hinhalten. Hier und da einen Hinweis geben, aber nie so viel, dass etwas Wichtiges verraten wird. Wir werden das Geheimnis um dich noch etwas schüren und dich so noch interessanter machen. Das belebt das Geschäft ungemein, weil viele kommen werden, um dich zu sehen.“

„Na ja, so lange sie nicht wie im Zoo mit Erdnüssen werfen, um mich aus meinem Käfig zu locken, soll es mir recht sein und so lange du weißt, zu wem ich gehöre, ist es mir auch recht“, sagte Dave und küsste Jack noch einmal tief, ehe er sich langsam rückwärts gehend von ihm löste und tiefer in den Käfig trat. Ein Suchscheinwerfer umkreiste den Käfig immer wieder, wohl um die Neugier der Massen zu fördern und zu puschen.

„Ich werde dich abholen und zwischendurch zusehen“, versprach Jack und verschloss die Tür. Er winkte Dave noch einmal zu sich und küsste ihn durch die Stäbe hindurch, dann ließ er ihn runter. Ein Raunen ging durch die Masse, als sie erkannten, dass er der Neue sein musste und vereinzelt wurde geklatscht, als ein neues Lied erklang und Dave zu tanzen begann. Jack stand noch eine Weile auf der Galerie und musste sich schließlich losreißen und gehen.

Dave aber war wieder in seinem Element. Er konnte sich produzieren, mit seinen Jüngern spielen und er genoss die Aufmerksamkeit sichtlich, die ihm entgegen gebracht wurde. Als hätte er sein Leben lang nichts anderes gemacht, ließ er sich vom Rhythmus tragen, höher und höher, spielte mit der Melodie und mit seinem Leib und nutzte die Größe des Käfigs akrobatisch perfekt aus.

Für ihn verging die Zeit wie im Flug, wobei sie bei Jack zu kriechen schien. Ein wenig lag es auch an der Buchführung, der er sich widmete. Er mochte das gar nicht, aber sie lenkte ihn perfekt von schädlichen Gedanken ab, da er sich konzentrieren musste. Immer wieder ging sein Blick zur Uhr und als endlich fast zwei Stunde rum waren, stellte er das Chili auf den Herd, um es zu erwärmen und legte Dave bequeme Sachen raus, die er von Zuhause mitgenommen hatte, damit ihnen nicht wieder das Gleiche wie gestern widerfuhr. Als alles erledigt war, ging er los, seinen Schatz abholen.

Schon als er sich über die Galerie dem Raum näherte hörte er das Toben, das laute Singen im Chor zu den Liedern, die gespielt wurden. Es war wie ein Hexenkessel, die Luft war elektrisiert und Chris und Dave gaben ihr Bestes. Schnell hatten sie den Dreh raus, sich einigermaßen synchron zu bewegen, als sie einfachere Übungen turnten und dann fließend wieder dazu übergingen, dem Publikum zu zeigen, was sie noch so drauf hatten.

Hitze und der Geruch von Vanille schlug Jack entgegen, denn mit dem Nebel waren sie hier nicht sparsam gewesen.

Jack sah kurz auf die Menge und ein zufriedenes Grinsen erschien auf seinem Gesicht. Wie er es vermutet hatte, kamen Dave und Chris gut klar und so holte er beide hoch, denn Chris war auch seit zwei Stunden im Käfig. Er öffnete Daves Käfigtür und hatte gleich zwei Arme voll Teufel, der sich verschwitzt, heiß und atemberaubend sexy an ihn drückte und fast in einem Kuss verschlang. „Ich muss wohl nicht fragen, ob es dir gefallen hat“, lachte er leise und winkte Chris zu, der zu ihnen kam und sich an die Wand hinter ihnen lehnte.

„So viel zu der Frage, ob er noch zu haben ist, hm?“, lachte der junge Mann und band sich die Haare, die sich in der letzten Stunde gelöst hatten, wieder fester. Dave aber ignorierte alles um sich herum. Er musste diese Energie, die er dort getankt hatte, loswerden. Nur gut, dass Jack sich gleich den Schweif gegriffen hatte, sonst würde er wieder wedeln wie eine Pappel im Wind.

So dauerte es noch ein wenig, bis Jack auf Chris Frage antworten konnte. „Ja, der Süße ist meiner und ich gehöre ihm“, sagte er und grinste breit. „Dann will ich euch mal offiziell vorstellen. Chris, das ist Dave und Dave, das ist Chris und wie ich vermutet habe, seid ihr ein wirklich tolles und heißes Team. Die Meute da unten hat schon lange nicht mehr so getobt.“

„Ja, das kann man wohl sagen. Wo hast du das Schmuckstück denn ausgegraben?“ Chris reichte dem jungen Teufel die Hand und grinste ihn an, während Dave auch artig grüßte. Doch er schmiegte sich immer noch an Jack, musste seinen Puls erst einmal wieder runter takten lassen, um wieder richtig zu Atem zu kommen.

„Ich hatte ihn in einer Schmuckschatulle, damit er nicht abhanden kommt. Aber was nutzt einem der schönste Schmuck, wenn man ihn nicht zeigt, darum hab ich ihn rausgelassen“, lachte Jack und küsste Dave liebevoll. „So hopp, ihr seid verschwitzt. Ab unter die Dusche mit euch und dann ruht ihr euch aus, damit ihr gleich noch mal raus könnt und das Publikum glücklich ist.“ Er legte seinen anderen Arm um Chris’ Schulter und führte beide wieder in das ruhigere Treppenhaus.

„Sozusagen ein Springteufelchen aus der Schachtel, hm?“, lachte Chris und betrachtete sich Dave jetzt mal bei Licht. Diese platinblonden Haare und das feine Gesicht. Er war ungemein groß und gut trainiert. Kein Wunder, dass Jack da nicht nein sagen konnte. „Ich würde an deiner Stelle auf ihn aufpassen. Es dürften sich einige finden, die ihn dir gern abspenstig machen wollen.“

Wie gut, dass er nicht wusste, wie Recht er mit seiner Bemerkung hatte und beide hatten sie nicht vor, Chris zu erzählen, wer Dave wirklich war. „Natürlich pass ich auf ihn auf. Mein Schmuckstück wird niemanden sonst schmücken.“

Chris sah ihn an und schüttelte dann den Kopf. „Dass ich das noch erlebe, dass du dich verliebst, hätte ich echt nicht gedacht. Ich dachte, du machst deinem Nachnamen weiterhin alle Ehre und schleichst als einsamer Jäger durchs Leben.“

Jack schnickte ihm gegen das Ohr und lachte. „Nein, nein, die Zeiten sind vorbei. Ich habe gefunden, was ich immer gesucht habe und alle anderen reizen mich nicht mehr. Mein Teufelchen ist alles, was ich brauche.“

Kurz zuckte Dave, doch dann begriff er, dass es nur ein Kosename war und dass es nichts damit zu tun hatte, was er war. Zumindest nicht für Chris, der nur grinste. „Na ja, da hab ich doch noch mal Glück, dass du dich mit mir zufrieden gibst, hm?“, lachte Dave leise und schob besitzergreifend eine seiner Hände um Jack, fuhr unter die Jacke und in den Hosenbund. Aber nur die Fingerspitzen verschwanden, damit er nichts anrichtete, was sie dann wieder stoppen mussten.

Aber trotzdem machte diese Geste Jack mehr als glücklich und er ließ seine Hand unter das Hemd schlüpfen und über die heiße Haut streicheln. „Sagen wir, wir hatten beide Glück.“ Er küsste Dave und ließ dann Chris los, der in eine andere Richtung musste und ging langsam mit Dave zu seinem Büro. „Ich sagte doch, er ist nett und nicht zickig. Ihr wart wirklich grandios zusammen.“

„Ja, er ist wirklich gut und er kann sich gut anpassen. Er hat auch echt coole Ideen. Wenn ich endlich richtig hier bin und keine Angst haben muss, dass jede Minute mein alter Herr hinter mir steht und wissen will, wo deine Seele ist, muss ich mit ihm mal ein Konzept ausarbeiten“, überlegte Dave. „Aber nicht jetzt.“ Wieder schmiegte er sich an Jack und als sie in dem Büro angekommen waren, drückte er ihn gegen die Wand.

„Dacht ich’s mir doch“, lachte Martin, der das neugierig beobachtete und auf der Couch auf seine Pappenheimer gewartet hatte.

„Och, Menno“, maulte Jack, aber er grinste und küsste Dave extra leidenschaftlich, damit ihr Privatspanner auch was zu gucken hatte. Dabei drehte er sie beide, so dass der Teufel nun gegen die Wand gedrückt wurde, aber er ließ es nicht ausufern und ließ Dave nach ein paar Minuten los. „Geh duschen, Liebling, ich mach das Essen fertig und würge Martin ein wenig, weil er einem aber auch alles verderben kann.“

„Hey!“, wehrte Martin auch gleich ab und ging auf Abwehr, „Ich bin doch nur hier, weil ich Dave den Vertrag bringen wollte und ihm gratulieren, weil er so beliebt ist und ich wollte darauf aufpassen, dass du ja nichts anstellst, was meinen beliebten Tänzer in irgendeiner Form gefährden könnte, anstatt ein Mensch, ein Teufel zu werden“, klärte Martin auf, während Dave lachend im Bad verschwand, dabei aber frech mit dem Schwanz wedelte.

„Und leckeres Chili abfassen. Woher weißt du eigentlich immer, wo es was Leckeres gibt? Hast du in jedem Raum Geruchssensoren eingebaut und wenn es lecker riecht, klingelt in deinem Büro ein Alarm?“, fragte Jack ziemlich amüsiert, denn Martin musste schon wieder genascht haben, denn vor ihm auf dem Tisch lag ein Löffel mit Resten roter Soße.

„Na ja, als ihr mich vorhin rausgeworfen habt, war der Topf noch halb voll. Da dachte ich, ich such mir schnell noch was, ehe ihr die Reste vertilgt habt. Wann hat man schon mal die Chance, von Luzifers Frau bekocht zu werden, hm?“ Martin ließ sich nicht aus der Fassung bringen. Er wusste eben, wo es was zu holen gab und außerdem gab er ja auch regelmäßig was aus. Es hielt sich also die Waage.

„Du bist echt schräg.“ Jack holte drei Teller, packte das restliche Brot in einen Korb und legte Besteck dazu. „Ein Glas Wein oder fährst du selber?“ Martin ließ sich meistens von seinem Schatz zur Arbeit bringen und fuhr dann mit einem Taxi nach Hause, aber ab und zu fuhr er doch selber. „Hast du Peter eigentlich von Dave erzählt?“, fragte er, als er die Gläser hinstellte. Eigentlich hatte Martin vor seinem Lebensgefährten keine Geheimnisse, aber Jack wusste nicht, ob es Dave Recht war, wenn noch jemand sein Geheimnis kannte. Wie zur Beruhigung schüttelte Martin den Kopf.

„Ich hab ihm nur gesagt, dass du jemanden abgeschleppt hast und der jetzt für mich arbeiten wird, weil er gut ist. Die Details, den Schwanz und die Hörner und seinen Stammbaum betreffend habe ich ihm verschwiegen. Ich weiß nicht, wie Dave das finden würde, wenn es die Runde macht. Dass ich es weiß, lag auch nur daran, dass er mich nicht bemerkt hat und der Schwanz eben ziemlich auffällig ist“, erklärte Martin. „Und in ein paar Wochen wäre es sowieso hinfällig.“

„Danke.“ Mehr brauchte es nicht. Martin würde es verstehen. „Schatz, beeil dich, wenn du noch etwas essen willst. Eine gefräßige Raupe macht sich gerade über das Chili her“, rief er laut, denn Martin tigerte schon wieder mit seinem Löffel bewaffnet zum Topf und zuckte ertappt zusammen.

„Gar nicht wahr. Ich wollte ihn nur auf den Tisch stellen und vorher prüfen, ob er heiß genug ist“, rechtfertigte er sich und klaute sich grinsend noch einen Löffel und hustete, weil er sich den Mund verbrannte.

„Siehste. Kleine Sünden bestraft der liebe Gott sofort“, lachte Jack und brachte das Chili in Sicherheit.

„Oder Mama Teufels Chili“, knurrte Martin und hechelte, um seine Zunge zu kühlen. Wie fies war das denn!

Dave hingegen duschte sich eilig und trocknete sich ab. Wohlweislich hatte er sich die bereitgelegten Klamotten mitgenommen und schlüpfte hinein, ordnete sich noch mal die Haare und trat wider hinaus ins Büro. „Habt ihr eigentlich nichts zu tun?“, lachte er und griff sich von dem Saft, denn er gestern mitgebracht hatte.

„Ich war schon fleißig. Bei dem da bin ich mir nicht so sicher. Schließlich ist er Chef und kann alles delegieren.“ Vorsorglich brachte Jack sich hinter Dave in Sicherheit und nutzte gleich die Chance, ihn zu küssen.

„Ich hab mir mal die Papiere deiner Mutter durchgesehen. Sie sind nicht nur nützlich, sondern auch sehr wertvoll. Allein die Aktien sind ein Vermögen wert, von den Bankkonten ganz zu schweigen. Du bist ein reicher Mann.“

„Oh“, machte Dave nur und legte den Kopf schief, um Jack besser ansehen zu können. „Wirklich?“ Er war zwar davon ausgegangen, dass er ein kleines Startkapital damit in Händen halten würde, aber dass es so viel wert sein sollte? „Das werde ich ihr nachher gleich einmal sagen müssen, wenn ich wieder zurück bin.“ Neugierig sah er auf die Blätter, die noch immer auf Jacks Schreibtisch lagen. Wer hätte gedacht, dass ein bisschen bedrucktes Papier so viel Macht haben konnte.

„Japp. Alles ist zwar noch in DM, aber das umschreiben zu lassen, dürfte nicht das Problem sein. Ich habe es mal so grob überschlagen und ein paar Millionen Euro kommen da durchaus zusammen. Vielleicht sogar noch mehr, wenn man die Aktien zu einem guten Kurs verkaufen würde. Aber das besprechen wir noch einmal, denn nötig ist es auf keinen Fall.“ Jack schob Dave vor sich her zum Tisch und setzte ihn auf seinen Stuhl.

Martin saß schon und hatte die Kelle in der Hand. „Wow, eine gute Partie“, grinste er und Jack streckte ihm die Zunge raus. „Auch wenn nicht, das spielt keine Rolle. Ich liebe ihn, das ist alles, was zählt.“

Nur Dave musste noch ein bisschen schlucken. Da konnte er aber eine Menge Katzenfutter für Mc Bommel kaufen. Na eben, sein Katerchen. „Sag mal, wenn er ganz lieb ist und nicht deine Kabel frisst, kannst du mir morgen Bommel mitbringen? Er fehlt mir. Ich würde ihn gern mal wieder beschmusen.“

„Sicher bring ich dir deinen kleinen Liebling mit und da er nicht selber laufen muss, wird er sich auch nicht wehren. Soll ich mit ihm übrigens wieder die fünf Meter joggen? Vielleicht werden es morgen sogar schon sechs und in ein paar Jahren hundert.“ Jack lachte. Er hatte noch keine Katze erlebt, die so bewegungsfaul war und doch so voller Leben steckte.

„Ich werde das Gefühl nicht los, du machst dich über Bommel lustig!“, knurrte Dave, grinste aber. Er konnte sich das so richtig vorstellen, wie Bommel seine Meter lief und sich dann einfach fallen ließ und sich nicht mehr bewegte. Das hatte er früher schon getan. Luzifer selbst war schon mehr als einmal über die Katze gefallen, weil er damit nicht gerechnet hatte. Aber wo Mc Bommel lag, da lag er und bewegte sich keinen Meter. Zum Glück neigte er nicht zum verfetten, trotz seines Appetits und seiner Bewegungsunlust.

„Würde ich nie. Ich mag das kleine Monster schon viel zu sehr. Er tanzt mir auf der Nase rum und ich lass es zu.“ Jack nahm seinen gefüllten Teller entgegen und nahm sich etwas Brot. „Ich bring ihn morgen mit und ihr könnt euch auf der Couch beschmusen und wenn ich aus dem Büro muss, nehm ich ihn einfach mit. Das um meinen Hals liegen haben wir geübt und es klappt gut.“

„Hallo? Werde ich auch mal aufgeklärt?“, fragte Martin, der sich das jetzt eine ganze Weile angehört hatte. „Ist das ein Hase, oder was?“

„Nein, ein Kater, mein Kater. Ich habe ihn mitgebracht, weil ich ja bei Jack bleiben wollte. Ich wusste ja nicht, dass ich so schnell zurück in die Hölle muss. Und damit Mc Bommel nicht immer hin und her geschleppt wird, hab ich ihn dagelassen. Aber ich möchte ihn gern sehen“, erklärte Dave und lachte.

„In der Hölle gibt es Katzen?“, fragte Martin, winkte aber gleich ab, weil er darauf keine Antwort erwartete. Schließlich war es offensichtlich, denn sonst wäre er nicht Daves Haustier. „Na, auf den bin ich ja mal gespannt. So wie sich das anhört, wird er nicht klein und quirlig sein. Solange er nicht die Pflanzen in meinem Büro zerfleddert, soll es mir Recht sein.“ Damit war das Thema abgeschlossen, denn Katzen waren nicht Martins Lieblingstiere, auch wenn man nicht sagen konnte, dass er sie nicht mochte.

„Bommel ist eine norwegische Waldkatze und ziemlich groß und eigentlich viel zu faul, um etwas zu zerlegen. Mom hat ihn mir mitgebracht. In der Hölle gibt es keine Tiere. Zumindest nicht so wie auf der Erde, als Haustiere. Für die meisten ist es dort zu warm. Bommel konnte nur existieren, weil er täglich Mittelchen bekommen hat, die seinen Körper an die Hitze angepasst haben. Hier oben geht es ihm besser“, erklärte Dave trotzdem noch und fing endlich an zu essen, denn er hatte Hunger.

„Aha.“ Was man nicht alles erfuhr, wenn man nur Fragen stellte, grinste Martin innerlich und tat es Dave gleich. Er hatte zwar vorhin schon was gegessen, aber so ein wenig Chili passte noch rein. „Sag mal, ich glaube, ich sollte in deinen Vertrag schreiben, dass du die nächsten drei Wochen täglich Essen mitzubringen hast“, überlegte er laut und klopfte sich für diese Idee auf die Schulter.

„Ich weiß nur nicht, ob Mutter von der Idee so begeistert sein wird“, sagte Dave, grinste aber. Sicher hätte seine Mutter Zeit und Freude hätte sie bestimmt auch. Vor allen Dingen, weil Dave ihr helfen konnte und so abgelenkt war und nicht wieder nervend durch das Zimmer lief, wie ein Tiger im Käfig.

„Du machst das schon“, erklärte Martin gönnerhaft und Jack amüsierte sich über die zwei. Es war so, als wenn sie sich schon ewig kannten und das freute ihn, denn das der Mann, den er liebte, sich mit seinen Freunden verstand, war ihm wichtig. Unter dem Tisch legte er eine Hand auf Daves Bein und strich darüber. Das erinnerte ihn wieder an die erste zögerliche Berührung in der Pizzeria. „Was haltet ihr denn davon, wenn wir zwischendurch auch mal Pizza bestellen, dann hat Daves Mutter nicht so viel Arbeit?“

„Ja, so eine Diabolo wie letztes Mal und ein bisschen Tabasco dazu“, sagte Dave und grinste. „Ich muss das Zeug noch genießen, so lange ich es vertrage. Ich weiß ja nicht, wie das sein wird, wenn ich nichts Diabolisches mehr an mir habe und mit jeder Zelle ein Mensch bin.“ Er hatte zwar schon gehört, dass Teufel zur Bestrafung zum Mensch gemacht worden waren, degradiert sozusagen, doch was genau da mit ihnen passiert war, das war nirgends vermerkt worden. Er musste seine Mutter mal fragen.

„Vielleicht verträgst du dann nicht mehr so viel Tabasco, aber auch manche Menschen essen Scharfes sehr gerne.“ Jack lehnte sich satt zurück und beobachtete Dave beim Essen. „Sag mal, Martin, hatten wir nicht noch irgendwo diese Funk-Sprechgarnituren? Dave und Chris könnten sie gut gebrauchen, dann können sie sich während des Tanzens noch besser abstimmen.“

Kurz hob Martin eine Braue. Die Idee war nicht schlecht. Sie hatten das schon einmal mit einem anderen Tänzer und Chris probiert, doch der konnte Chris' schnellen und ausgefallenen Bewegungen nicht folgen und deswegen waren sie davon abgekommen. Aber bei den beiden jetzt könnte das gut klappen. „Klar, die liegen bei mir im Schrank. Wollt ihr sie gleich haben oder reicht es morgen? Weiß Chris, was ihr vorhabt?“

„Morgen reicht. Ist mir gerade eingefallen. Dave wusste auch noch nichts davon. Ich hab sie ein wenig beobachtet. Sie können es auch ganz gut ohne, aber so, könnten sie spontane Sachen einfach besser und schneller umsetzen.“ Jack gefiel die Idee ziemlich gut und es war zu überlegen, ob man aus beiden nicht ein dauerhaftes Team machen sollte. Sie sollten sich wirklich mal zusammensetzen. „Was sagst du dazu?“, wandte er sich an Dave.

„Warum nicht. Chris ist umgänglich, geschickt und gelenkig. Mit ihm wird sich bestimmt gut arbeiten lassen und wenn man aus einer Spontaneität eine gute Show machen kann, warum nicht.“ Auch Dave war schon aufgefallen, dass einige nur zum Gucken kamen. Sie tanzten selber nicht, sondern saßen da, mit dem Drink in der Hand und verloren sich ganz in der Beobachtung der Tänzer. Fast wie in Trance starrten sie nur noch nach oben, blinzelten nicht, bewegten sich nicht. Zu wissen, dass man selber es war, was diese Männer so faszinierte, war berauschend, anders konnte Dave das nicht beschreiben.

„Gut, dann fragen wir ihn, was er davon hält.“ Jack nickte und nahm sich das gleich für morgen vor, wenn Dave da war. „Möchtest du heute noch raus oder hast du genug“, fragte er seinen Schatz. Dave schien nicht mehr ganz so erschöpft zu sein, wie gestern, auch wenn er sich nicht weniger verausgabt hatte.

„Ich weiß nicht. Einerseits wäre ich gern noch ein bisschen bei dir, aber da habe ich wieder Angst, dass es so läuft wie gestern. Andererseits würde ich auch gern noch etwas toben, aber dann werde ich noch mehr sexualisiert und weiß nicht, wo ich das ablassen soll“, grübelte Dave und spielte mit dem Bund des Pullovers, den er trug.

„Dann würde ich sagen, bleib noch ein wenig bei mir, denn so gerne ich dich auch tanzen sehe, wenn du dann nicht schlafen kannst, dann lieber nicht. Martin bleibt noch ein wenig hier. Einiges von seiner Arbeit kann er von hier aus machen und wir kuscheln noch ein wenig.“ Diese Lösung gefiel ihm noch am besten, auch wenn sie nicht ideal war.

„Und ihr beiden könnt davon ausgehen, dass ich meinen Job gut machen werde und es nicht wieder zu solchen Exzessen kommen lasse wie gestern. Ich habe von Dave mehr gesehen, als dir, mein lieber Jack, lieb sein wird.“ Martin lachte leise, während der junge Teufel rot anlief und seinen Schwanz zu sich zog, um ihn zu kneten und zu biegen, wie so oft, wenn er nervös war. Er brummelte Unverständliches in sich hinein und trank lieber etwas, ehe er Martin noch wütende Blicke rüberwarf.

„Danke“, sagte Jack, den es gerade gar nicht störte, was Martin gesehen hatte, solange Dave noch ein wenig bei ihm blieb. Er zog seinen Schatz auf seinen Schoß und legte ihm das Kinn auf die Schulter. „Ist doch nicht so schlimm. Er hat zwar gesehen, was du zu bieten hast, aber er wird es nie berühren oder besitzen dürfen. Das darf nur ich.“

Nur machte er es für Dave so nicht leichter. Er musste sich wohl erst daran gewöhnen, dass Menschen mit Sex anders umgingen als die Teufel. Offener und vor allen Dingen auch ungezwungener. Er holte tief Luft und ließ sich gegen Jack sinken. Seine Nähe half dem Teufel immer noch am besten, in seiner neuen Wahlheimat Fuß zu fassen. Er wollte so viele Eindrücke von ihm mit in sein altes Zimmer nehmen, wie es nur ging. Bald war das nicht mehr nötig. Aber noch musste er einen Grossteil des Tages von Erinnerungen leben.

Sie blendeten Martin einfach aus, der sich an den Schreibtisch setzte, und genossen die Zeit, die sie noch zusammen verbringen konnten. Sie küssten und streichelten sich – in dem von Martin vorgegebenen Rahmen und unterhielten sich leise. Es war wirklich ein Glück, dass Jack und Martin Freunde waren und es nichts machte, wenn er nicht so viel arbeitete wie sonst. Nicht jeder Chef hatte Verständnis für so was.

Doch ewig konnte Dave nicht bleiben, er spürte den Drang, sich intensiver an Jack zu reiben, ihm die Kleider vom Leib zu reißen. Seine Gedanken kanalisierten sich alle in eine einzige Richtung und das war definitiv nicht gut! So löste er sich langsam, auch wenn es schwer fiel, zog Mephi, der neben ihnen hockte, langsam zu sich. „Ich werd gehen, ehe ich jetzt etwas tue, was Martin nicht sehen will“, grinste er schief und holte tief Luft.

„Ist wohl besser, auch, wenn ich es nicht möchte.“ Jack sah Dave an und zog ihn dann noch einmal für einen hungrigen Kuss zu sich, dann rückte er wieder ab. „Morgen bring ich dann Bommel mit und sag deiner Mutter, danke für das Essen und dass es sehr lecker war.“ Er seufzte leise und strich noch einmal über Daves Wange. „Ich werde an dich denken, bevor ich einschlafe.“

„Ich werd an dich denken, so lange, bis wir uns wiedersehen. Schmus für mich ein bisschen mit Bommel, ich werd Mephi an mich drücken.“ Mehr blieb Dave nicht, doch morgen kam er ja wieder. Ein Tag war überstanden, morgen waren es nur noch 21. Langsam erhob sich Dave und suchte sein Zeug zusammen. Die Dokumente ließ er bei Jack. Luzifer hätte ihm dafür wohl den Kopf abgerissen, ihm einfach zu vertrauen, doch Dave tat es.

Das konnte er auch, denn Jack würde nichts tun, was Dave schaden würde. Er wollte sich mit Martin zusammen darum kümmern, dass sein Schatz den größtmöglichen Gewinn aus den Wertpapieren und Aktien zog.

„Mach ich alles.“ Jack stand auf und zog Dave mit sich hoch. „Schlaf schön.“ Noch einmal verband er zärtlich ihre Lippen, dann ging er einen Schritt zurück, damit Dave gehen konnte.

„Tschüssi“, murmelte der junge Teufel noch, sah sich noch einmal um und griff sich alles, was er mitnehmen musste. Noch ein letzter, erhaschter Kuss, dann war er weg - wie üblich in seiner Rauchwolke und mit den Worten: „Liebe dich.“



+++



So oder ähnlich verging Tag um Tag. Jack rief Dave, wenn er auf der Arbeit war. Sie verbrachten soviel Zeit wie möglich miteinander und Dave wurde in der Zeit einer der Stars des Clubs. Mittlerweile wurde sogar angekündigt, in welcher der fünf Abteilungen er mit Chris zusammen tanzte. Martin war mehr als zufrieden, denn seit dem war der Umsatz merklich gestiegen.

So vergingen die Wochen und der ersehnte Tag rückte immer näher. Jack hatte schon alles, was machbar war, vorbereitet, so hatte er Dave einen Personalausweis besorgt und Konten eröffnet, damit er über sein Geld verfügen konnte. Martin, mit seinen Beziehungen, hatte ihm dabei geholfen und so war alles vorbereitet, für den Moment, wenn aus einem Teufel ein Mensch werden würde.

Nun saßen sie wieder in Jacks Büro, obwohl der heute Urlaub hatte. Doch zu Hause wusste er nicht genau, ob er Dave widerstehen konnte oder ob er ihn nicht doch viel zu früh rief und auf der Zielstrecke noch alles kaputt machte. Martin war bei ihm, wie üblich und beobachtete Jack, wie er Rillen in den Teppich lief. „Setz dich mal wieder hin, das ist ja nicht zum Aushalten. Wie geil kann man eigentlich auf Sex sein?“, stichelte er, denn heute war der Tag der Tage.

Ihn traf ein böser Blick. „Das fragt ja genau der Richtige“, knurrte Jack, seufzte aber. „Du glaubst gar nicht, wie froh ich bin, dass bis heute alles gut gegangen ist. Ich konnte die letzten Tage kaum schlafen, weil ich jede Minute damit gerechnet habe, dass ein fuchsteufelswilder Luzifer bei mir in der Wohnung steht, weil er gemerkt hat, was gespielt wird.“ Jack blieb kurz stehen, setzte seinen Weg aber gleich wieder fort. „Ich bin so aufgeregt. Endlich kann Dave bei mir bleiben.“

„Dave hat doch gesagt, dass seine Mutter schon dafür sorgen wollte, dass ihr Mann sich nicht einmischt, auch wenn er dahinter kommen sollte“, versuchte Martin zu beruhigen, doch er konnte durchaus verstehen, dass Jack nervös wurde. Doch das hieß ja noch lange nicht, dass er nicht versuchen sollte, seinen Freund abzulenken. Sie hatten sich entschieden, Dave erst eine Stunde vor Ende des Ultimatums zu rufen, damit sie - sollten sich die beiden hormongetriebenen Kerle doch kaum noch beherrschen können - nicht mehr allzu lange warten musste. Martin hatte auch versprechen müssen, sich aus der Affäre zu ziehen, ohne aufzufallen, sobald es heißer wurde und die Zeit dran war.

„Ja schon, aber wir haben es hier mit dem Oberteufel zu tun und…“ Jack ließ den Rest des Satzes offen, denn Martin wusste auch so, was er meinte, schließlich hatten sie sich in den letzten Wochen oft genug darüber unterhalten. „Ach Martin, ich kann es kaum erwarten, dass es endlich soweit ist und nicht nur, weil ich heiß auf Sex bin. Ich möchte Dave einfach immer bei mir haben. Mit ihm einschlafen und auch wieder aufwachen.“

„Ich kann dich doch verstehen, aber vermasselt es nicht auf den letzten Metern. Ich weiß, das wäre euer beider Ende. Ich mag dich und ihn zu gern, als dass ich euch einfach so in euer Schicksal entlassen kann“, sagte Martin und erhob sich, kam langsam zu Jack rüber, der schon wieder gewendet hatte und zurück lief, quer durch sein Zimmer. „Mach uns einen Kaffee, dann ist wieder etwas Zeit vergangen.“ Auch sein Blick wanderte zur Uhr. Noch zwei Stunden, dann sollte alles vorbei sein. Hoffentlich war es auch so.

„Woran merkst du eigentlich, dass der Deal vorbei ist?“, fragte Martin plötzlich.

Jack war schon auf dem Weg in seine Küche und drehte sich kurz um. „Dave meinte, wenn die Zeit um ist, verschwinden sein Schwanz und alles andere, was ihn als Teufel auszeichnet. Mehr wusste er auch nicht, da niemand in der Hölle mehr Kontakt zu denen hatte, die Mensch geworden sind.“ Er machte die Kaffeemaschine fertig und stellte sie an. „Wir werden uns überraschen lassen müssen.“

„Schade eigentlich, ich hatte mich an seinen Schwanz gewöhnt. Sah irgendwie heiß aus, das muss ich schon zugeben. Aber ich finde, es ist ein kleiner Verlust, verglichen damit, dass ich dann endlich nicht mehr auf euch aufpassen muss“, überlegte Martin und lachte, „oder besser doch! Nicht dass Dave seine Auftritte versäumt, weil sein Lover ihn nicht vom Schreibtisch runter lässt“, lachte er und zog den Kopf ein.

„Blödmann.“ Jack täuschte einen Angriff an, aber lachte dann. Er legte einen Arm um Martins Schultern und wuschelte ihm durch die Haare. „Darum solltest du uns ja auch zwei Wochen frei geben, damit wir uns austoben können und das Verlangen, dass ich Dave regelmäßig auf meinem Schreibtisch vernasche, nicht mehr so groß ist.“ Er grinste breit und knuffte Martin in die Seite. „Mir wird das alles auch fehlen. Der Schwanz ist wirklich praktisch und vielseitig einsetzbar, aber ich denke, das werde ich verschmerzen, wenn Dave endlich für immer bei mir ist.“

„Ich wünsch's euch. Gib mir dann einfach ein Zeichen, wenn ich verschwinden soll.“ Martin ging noch einmal durch den Raum und zum Spiegel. Die Männer auf der Tanzfläche tobten und in den Käfigen zeigten Chris und ein anderer Tänzer, was sie konnten. Seit Dave hier arbeitete, hatte auch die Tänzer, die schon länger hier waren, wieder der Ehrgeiz gepackt, sich etwas Neues einfallen zu lassen. „Das mit dem Urlaub geht klar, keine Frage. Ich tu doch was ich kann.“

„Fein. Das weiß Dave noch gar nicht, dass wir Urlaub haben. Ich wollte ein paar Tage mit ihm ans Meer fahren. Er hat es noch nie gesehen und ich wollte ihn überraschen.“ Dave hatte in der ersten Woche einen Bericht von der Ostsee gesehen und war so fasziniert davon gewesen, dass Jack sich da schon vorgenommen hatte, mit ihm Urlaub zu machen. Mal sehen, was das Teufelchen dazu sagte. So viel Wasser, endlose Strände und dort, wo Jack hin wollte, waren kaum Touristen. Sie waren dort so gut wie allein.

„Urlaub“, schwärmte Martin, „das hätte ich auch gern mal wieder, aber Peter ist ja nur am Arbeiten. Ich glaube, ich werde ihm die Pistole auf die Brust setzen und wenn ihr wieder da seid, werde ich ihn mal kidnappen und verschwinden“, überlegte Martin und grinste dabei lasziv.

„Du musstest dich ja unbedingt in einen Workaholic verlieben. Selber Schuld.“ Jack lachte. Martin und Peter waren schon seit einigen Jahren zusammen und seit sie sich kannten, jammerte Martin darüber, dass sein Schatz zu viel arbeitete. Darum entführte er ihn halbwegs regelmäßig und zerrte ihn so von seinem Schreibtisch fort. „Mach das. Ich glaube, dein Herzblatt erwartet es schon fast, dass du ihn entführst. Das hält die Liebe frisch.“

Aufhorchend hob Martin eine Braue und lachte leise. Gab ihm wirklich der Neuling in Sachen Liebe Ratschläge, wie er sein Liebesleben aufzupolieren hatte? Noch keine vier Wochen in festen Händen und schon alles besser wissen? Doch Martin sagte nichts, lachte nur leise. Er sah es Jack nach, denn er hatte Recht. Peter rechnete heimlich schon damit, dass Martin ihn wegschleifte und Martin wusste, dass Peter es wusste. „Wann kommt dein Teufelchen denn?“

„Wenn ich ihn rufe.“ Jack sah auf die Uhr und seufzte. Seit er das letzte Mal drauf gesehen hatte, waren erst zehn Minuten vergangen. „Eigentlich wollte ich ihn in ungefähr einer Stunde rufen, aber ich möchte nicht so lange warten. Ich vermisse ihn so schrecklich.“ Wieder nahm er die Runden durch sein Büro auf, um sich abzulenken. „Was meinst du?“, fragte er schließlich, denn Martin musste ja auf sie aufpassen.

„Jack, mir ist das egal. Sobald ich einen Reißverschluss eurer Hosen zippen höre, schlage ich euch auf den Kopf. Da ist es mir ziemlich egal, wie spät das ist. So lange Dave noch einen Schwanz hat, bleiben die Hosen oben. So einfach ist das“, lachte Martin. Erst hatte er Jack ja vorschlagen wollen, noch eine Runde durch die Räume zu machen, damit die Zeit verging, doch Jack wäre nicht bei der Sache. Sollte er sich sein Teufelchen herholen und noch ein bisschen mit dem Schweif spielen, solange er noch da war.

Das Strahlen, das bei den Worten auf Jacks Gesicht erschien, war es allemal wert, sich länger als nötig mit zwei hormontriefenden Verliebten herumzuschlagen. „Na, ruf ihn schon. Du kannst es doch kaum erwarten“, lachte Martin und ging zum Schreibtisch, damit er nicht im Weg war.

„Ich möchte, dass Dave zu mir kommt“, rief Jack zum letzten Mal, wie er hoffte und breitete schon mal seine Arme aus. Wie erwartet kam der Rauch, verdichtete sich und einen Augenblick später sprang Dave aus der Wolke, ließ seine Reisetasche mit den letzten Sachen fallen und sprang auf Jack zu. „Hi, Martin“, grüßte er aufs Geradewohl, weil Martin immer da war, wenn er hier auftauchte und grinste, als der zurück grüßte. Doch da hingen seine Lippen schon an Jacks. Endlich. So viele Stunden hatte er darauf verzichten müssen!

Diesen Anblick kannte Martin jetzt schon zur genüge. Die Zwei verschmolzen praktisch zu einer Person und nicht einmal ein Blatt Papier passte mehr zwischen sie. „Endlich“, murmelte Jack zwischen den Küssen. Ganz langsam dirigierte er Dave zur Couch und setzte sich. Dabei zog er seinen Schatz auf seinen Schoß. „Liebe dich“, sagte er leise und langsam wurde er wieder ruhig.

„Ich dich auch.“ Dave hatte keine Probleme mehr, die Worte über seine Lippen zu bringen, denn es war nun einmal so. Er liebte Jack mit Haut und Haaren und allem was er hatte und es war ein herrliches Gefühl. „Und ich geh nie wieder weg“, murmelte der junge Teufel und küsste sich langsam über Jacks Gesicht.

„Das ist das Beste daran, das du nie wieder gehen wirst.“ Jack ließ sich beschmusen und ließ sich mit genießend geschlossenen Augen gegen die Sofalehne sinken. Mc Bommel hatte er heute Zuhause gelassen, denn für das, was er mit Dave vorhatte, war er nur störend, denn so heiß wie sie aufeinander waren, kamen sie bestimmt nicht vorher nach Hause, bis sie über einander herfielen.

Da war der Kater hier nur fehl am Platze. Wenn sich schon Krallen in Jacks Rücken schlugen und blutige Striemen rissen, dann sollten es Daves Nägel sein. „Mom hat versprochen, uns in ein paar Wochen mal zu besuchen“, keuchte Dave, er war von den vielen Küssen ganz außer Atem. Aber noch hatte er nicht genug. Er spürte noch immer das Defizit, er brauchte mehr. Also trafen sich wieder ihre Lippen.

„Schön, ich freu mich schon, sie endlich mal kennen zu lernen“, murmelte Jack zwischen den Küssen. Dass er auch ein wenig Angst davor hatte, verriet er nicht. Es musste eine außergewöhnliche Frau sein, die den Höllenfürsten liebte und seit vielen Jahren mit ihm verheiratet war. Da war es besser, vorsichtig zu sein. Sein Kopf reagierte gar nicht gut auf Bratpfannen. Er hatte ja nicht mal Hörner, die seine Schädeldecke vor dem Schlimmsten bewahren konnten.

Daves Blick ging kurz zur Uhr über der Tür und er seufzte. Noch immer über eine Stunde! Seine Mutter hatte versprochen, seinen Vater zu beschäftigen, damit er nicht plötzlich hier auftauchte und Dave seinen Schatz genießen durfte, sobald er die Chance dazu hatte. Hoffentlich ging alles gut! Er ließ seine Stirn gegen Jacks sinken und rieb darüber. „Ich kann's kaum noch erwarten“, flüsterte er leise und streichelte Jack noch einmal mit seinem Schweif. Bald war alles vorbei.

„Frag mich mal.“ Genauso wie Dave seufzte Jack und atmete dann tief durch. „Eigentlich schade, dass er verschwinden wird. Man könnte bestimmt jede Menge netter Sachen mit ihm anstellen.“ Seine Finger strichen über die weichen Härchen am Schweif und ein verträumter Ausdruck erschien auf seinem Gesicht und dann lachte er. „Ach, Schatz. Egal, ob mit oder ohne Schwanz. Ich liebe dich.“

„Na, das hoffe ich doch. Denn der wird mir leider weggenommen, wenn man mich zum Mensch degradiert“, lachte Dave leise, doch ihm ging es ähnlich. Er hing an seinem Lieblingskörperteil. Aber es war nicht zu ändern. Er musste ganz in diese Welt tauchen und seine Heimat verlassen, wenn er endlich sein eigenes Leben führen wollte. Das war eben der Eintrittspreis.

„Degradiert?“, knurrte Martin, das klang ja gerade so, als hielten sich Teufel für was Besseres. Na, das waren ja Aussichten. Gerade beschloss er, nie seine Seele einen von denen anzubieten. So was Leckeres wie Dave würde sowieso nicht erscheinen, denn er war der einzige seiner Art dort unten gewesen. Und bald gab es niemanden wie ihn mehr dort. Martin sah zu seinen Freunden und musste lächeln. Sie wirkten so glücklich und so verliebt. Immer wieder mussten sie sich berühren und küssen.

Das erinnerte ihn sehr an die erste Zeit mit Peter. Sie hatten einfach nicht die Finger voneinander lassen können und eigentlich war es immer noch so, auch nach den vielen Jahren, die sie schon zusammen waren. Darum holte er sein Handy aus der Hosentasche und schrieb seinem Liebling ein paar nette Zeilen. Die beiden anderen hatten ihn ja sowieso schon aus ihren Gedanken gestrichen. Dave hatte die Augen sowieso geschlossen und ließ sich beschmusen, bot Jack so ziemlich alles an, was man beschmusen konnte. Sein Schweif wedelte ganz aufgeregt, wenn Jack ihn berührte und der junge Teufel stöhnte leise.

Immer wieder wanderte Daves Blick zur Uhr, doch die Zeiger wirkten wie festgeklebt, gingen sogar rückwärts, denn es waren nur zwei Minuten, die er der Erlösung näher gekommen war.

Jack gab sich alle Mühe Dave und sich selber abzulenken. Seine Hände und Lippen erkundeten Daves Körper. Um mehr Freiheiten zu haben knöpfte er langsam Daves Hemd auf und streifte es ihm von den Schultern. Er wusste, dass Martin sie nicht aus den Augen ließ und gerade diese Tatsache gab noch einen kleinen Extra-Kick, denn je heißer es zwischen ihm und seinem Teufelchen wurde, umso unruhiger wurde Martin. Sie waren heute Nacht bestimmt nicht das einzige Paar, das eine wilde Nacht haben würde. Und Martin wusste ganz genau, dass es Absicht war und knurrte leise. Die beiden gehörten ja verboten. Wenn das so weiter ging, packte er sie in einen Käfig, sollte sich das tobende Party-Volk an ihnen ergötzen. Dann taten die beiden wenigstens noch einen guten Dienst.

„Jack“, flüsterte Dave immer wieder, wimmerte leise, denn er hatte noch immer im Hinterkopf, dass sie auf der Kante balancierten. Wenn sie unvorsichtig wurden, landeten sie beide in der Hölle und mit dem Wissen im Kopf war es nicht gerade leichter, den Verlockungen zu widerstehen. „Aufhören“, murmelte er halbherzig.

So war es nicht verwunderlich, dass ihn niemand hörte und noch war es nicht so gefährlich, dass Martin es nicht noch ein wenig genießen konnte. Erst als das Stöhnen auf der Couch immer lauter wurde und Dave schließlich mit verzücktem Gesichtausdruck unter Jack lag, wurde es Zeit einzugreifen und Martin wäre nicht Martin, wenn er sich dabei nicht gleich für das rächen würde, was ihm die letzten Wochen angetan wurde. Also stand er auf, ging zum Kühlschrank und holte zwei Eiswürfel, die er schnell hinten in Jacks Kragen steckte. Wie erwartet, sprang sein Freund sofort kreischend hoch und versuchte sie aus seinem Hemd und von seinem Körper zu kriegen, was nicht leicht war, wenn man gleichzeitig seinem besten Freund den Hals umdrehen wollte.

Ein wenig irritiert sah Dave dem ganzen mit verklärtem Gesichtsausdruck zu, verstand nicht, warum die glühende Hitze, die ihn und seine Lust eben noch genährt hatte, plötzlich verschwunden war. Er sah nur Jack auf und ab springen, fluchend nach Martin treten, der lachend hinter dem Schreibtisch verschwand. „Mensch Jungs, noch 45 Minuten, die werdet ihr doch durchstehen, ohne gleich geil zu werden. Ihr seid doch keine 14 Jahre alt“, stichelte er und lachte.

„Bleib stehen!“, knurrte Jack, der das Eiswürfel-Problem gelöst hatte, indem er sich einfach das Hemd ausgezogen hatte. Nun lagen die beiden Störenfriede auf dem Teppich und schmolzen vor sich hin. Er jagte Martin ein paar Mal um den Schreibtisch, aber dann musste er lachen. Die Situation war so absurd. Er sah zu Dave rüber, der sie grinsend beobachtete und ging wieder zu ihm. Sanft strich er ihm durch die Haare und über die Hörnchen. „Nein, 14 sind wir nicht mehr, aber das ändert nichts daran, dass ich Dave nicht widerstehen kann“, sagte er leise und küsste ihn.

„Wenn du ihn allerdings so niedlich behalten willst, solltest du das und ich werde nicht müde werden, euch das zu erklären. Es sind noch immer 40 Minuten“, sagte Martin und setzte sich wieder. Er hatte zwar damit gerechnet, dass die beiden so kurz vor dem Ziel außer Rand und Band geraten würden, doch dass sie so schnell heiß laufen würden, hatte selbst er sich nicht träumen lassen.

Dave saß nun wieder auf der Couch und beobachtete mit verklärtem Blick seinen halb nackten Freund. Das war ja irgendwie auch nicht ganz fair.

Und die Uhr schien zu stehen. Er seufzte.

„Ich weiß und ich bin dir wirklich dankbar, für das, was du tust, aber Eiswürfel sind echt fies.“ Jack grinste schief und zog Dave zu sich. „Möchtest du was essen oder trinken, Schatz?“, fragte er. So bekamen sie wieder ein paar Minuten rum. Er musste sich wirklich etwas einfallen lassen, um Martin zu danken, für das, was er für sie getan hatte. Zum Glück kannte er seinen Freund schon lange genug, um zu wissen, was ihm gefallen würde.

„Ja, trinken wäre nicht übel. Zum Essen bin ich zu aufgeregt. Ich weiß ja nicht, was mit mir passieren wird, wenn die Frist um ist. Ob ich wirklich verstoßen werde oder ob Vater nicht doch einknickt und mir noch eine letzte Chance gibt und dann war das ganze Warten hier umsonst“, sprach der junge Teufel die Gedanken aus, die er schon den ganzen Tag hatte. Er hatte sie nicht einmal mit seiner Mutter geteilt. Mit ihr hatte er nur heimlich Abschied gefeiert und wollte sie nicht mit so was aufregen.

Jack zog ihn an sich und küsste ihn auf die Stirn. Er konnte nicht leugnen, dass er ähnliche Gedanken gehabt hatte, aber er wollte sie nicht wahrhaben. Das durfte einfach nicht passieren. Das Schicksal konnte nicht so grausam sein und ihm Dave wieder wegnehmen, wo er ihn doch gerade erst gefunden hatte. „Ich hoffe einfach auf die Sturheit deines Vaters und das Geschick deiner Mutter“, murmelte er leise und streichelte seinem Teufelchen über den Rücken und die Flügel.

„Ja, darauf kann ich nur hoffen“, sagte Dave und holte noch mal tief Luft. „Versprich mir, dass du erst Schweinskram mit mir machst, wenn der Schwanz weg ist, egal wie sehr ich dich anflehe, okay?“, murmelte er und kroch wieder dichter zu Jack, versuchte aber dabei so wenig erregend wie nur möglich zu wirken.

Was praktisch unmöglich war, denn alles an Dave wirkte auf Jack erregend, aber er gab ihm sein Versprechen. „Ich werde dich für die letzten Wochen in unserer kleinen privaten Hölle entschädigen, sobald wir sicher sind, dass du ein Mensch bist.“ Er machte sich von Dave los und holte ihm ein Glas Mandarinensaft. Er selber nahm sich nur Wasser, auch wenn ihm eher der Sinn nach etwas Hochprozentigem war, aber das wäre keine gute Idee. Wenn Dave schon nicht die Kraft hatte zu widerstehen, musste Jack das tun und dafür brauchte er einen klaren Kopf.

Dave knöpfte sich wieder das Hemd zu und rutschte in seine Ecke der Couch. Fast inquisitorisch sah er zur Uhr, doch die ließ sich von seinem scharfen Blick nicht beirren - noch immer waren es über 30 Minuten. Und seine Hose spannte, er konnte da gar nichts mehr gegen tun. Keine abartigen Gedanken halfen, kein Ruf nach Rationalität. Beherrscht von der Gier nach seinem Freund schloss Dave kurz die Augen. Das war doch verrückt.

„Warte, ich helfe dir“, hörte er Martins Stimme hinter sich und spürte dessen Hände auf seinen Schultern. Erst ganz leicht begann er zu massieren und half dem Teufel so, sich zu entspannen. Er hatte es einfach nicht mehr mit ansehen können. „Nicht mehr lange, Dave. Die letzten Minuten schafft ihr auch noch.“ Er wusste nicht, ob es helfen würde, aber einen Versuch war es wert. „Du, Dave“, fragte er zögernd und etwas verlegen. „darf ich deinen Schwanz auch einmal berühren?“ Bisher hatte er sich nicht getraut zu fragen, denn Jack hatte ihm gesagt, dass er eine der erogenen Zonen der Teufel war, aber bald war er weg und diese Chance bekam er nie wieder.

Zögerlich sah Dave sich um und blickte Martin an. Unsicher suchte er Jacks Blick, korrigierte sich aber wieder. „Ja, wenn du willst“, sagte er und reichte seinen Schweif langsam zu Martin. Unsicher wackelte er mit der Spitze und machte sich auf die Berührungen gefasst, versuchte ihnen entgegen zu wirken, um sich nicht noch weiter treiben zu lassen.

Ganz vorsichtig, um Dave auch ja nicht wehzutun, strich Martin mit den Fingerspitzen über den Schwanz. Es war anders, als er sich das vorgestellt hatte. Der Schwanz war warm und weich und gar nicht so nackt, wie er gedacht hatte. „Danke“, murmelte er nach dieser kurzen Berührung und legte seine Hände wieder auf Daves Schulter.

„Schon okay. Wenn ich Glück habe, ist er sowieso nicht mehr lange da, auch wenn ich ihn irgendwie vermissen werde“, sagte Dave und seufzte wieder. Wie magisch angezogen ging sein Blick wieder zur Uhr. 28 Minuten noch. Die Zeit schien sich einen Spaß mit ihm zu erlauben. So leerte er langsam sein Glas und versuchte sich im mentalen rezitieren von alten Gedichten aus der Schule. Doch viel war nicht hängen geblieben und er kam nicht weit.

„Ich glaube, ich würde ihn auch vermissen, an deiner Stelle. Ich habe schließlich gesehen, was du alles damit machen kannst und so eine dritte Hand ist manchmal wirklich praktisch.“ Martin lachte leise und ließ von Dave ab. Egal, was er tun würde, es half nicht, darum schob er Jack wieder näher an Dave. Sollten sie sich wieder miteinander beschäftigen, das war wohl das einzige, was sie von der Uhr ablenken konnte. Er passte schon auf, dass nichts Schlimmes passierte.

Und Dave zog seinen Freund auch gleich wieder zu sich. Er war so nervös, dass seine Finger wieder zitterten. Sein Magen flatterte schmerzlich. Es war die Ungewissheit, was noch kommen sollte, die an ihm fraß.

Ob es wehtat, ein Mensch zu werden? Strafen taten meistens weh. Doch er verdrängte den Gedanken und küsste Jack wieder ausgehungert.

Zufrieden zog Martin sich an den Schreibtisch zurück, nahm sich eine Tasse Kaffee. Er ging ins Internet und suchte nach einem Reiseziel, zu dem er seinen Schatz entführen konnte, wenn Jack und Dave wieder da waren. Er lachte leise über sich selbst, als er ganz unbewusst etwas suchte, wo es kalt war. Sie hatten einmal zusammen Winterurlaub gemacht. Es war mit einer der schönsten Urlaube geworden, die sie gemeinsam verbracht hatten. Vom Schnee und der Gegend hatten sie nicht viel mitbekommen, auch wenn sie jeden Tag draußen gewesen waren. Sie hatten jede sich bietende Gelegenheit genutzt, sich aneinander zu kuscheln und zu schmusen, am liebsten vor dem großen Kamin in ihrem Zimmer. Noch immer musste er lächeln, wenn er daran dachte. Ja, so einen Urlaub wollte er wieder haben, denn in ihrem Leben drohte die Romantik zu verschwinden, weil sie beide zuviel arbeiteten und sich selten sahen.

Immer wieder warf er einen prüfenden Blick auf seine Verliebten, aber dort war noch alles im grünen Bereich, auch wenn Dave schon wieder sein Hemd verloren hatte, auf der Couch lag und sich von Jack jedes Stückchen freie Haut küssen ließ. Es war ein schwerer Kampf gewesen, doch Dave hatte verloren. Die Berührungen auf seiner Haut waren viel zu gut, als dass er noch nein dazu hätte sagen können. Sie fühlten sich so richtig an, dort wo er es wollte, es brauchte. „Tiefer“, forderte er und korrigierte Jacks Hände auf seinen Schritt. Dave schwitzte, er stand in Flammen und doch hatte er das Gefühl, es war noch nicht heiß genug.

Kurz war Jack wie erstarrt, als Dave seine Hände nahm und auf seinen Schritt legte. Bisher hatte er sich noch beherrschen können, aber das funktionierte nicht mehr, als er die pulsierende, heiße Härte unter seinen Fingern spüren konnte. Nichts hatte er sich je dringender gewünscht als diesen Moment. Auch wenn noch immer hinderliches Leder zwischen ihnen war, so war es doch schon so viel mehr, als bisher. Noch 7 Minuten, sagte ihm sein schneller Blick auf die Uhr und er nahm sich wieder ein Stückchen weit die Zügel, ließ sich neben Dave sinken und küsste ihn hungrig, während seine Finger erkundeten, was ihm bisher verwehrt gewesen war.

„Mehr“, forderte Dave gegen seine Lippen, rau rieb der heiße Atem über Jacks trockene Lippen und Dave drängte sich immer fester gegen ihn. Er konnte dies alles kaum noch ertragen, Angst, Gier und die Leidenschaft formten sich in ihm zu einer klebrigen Masse, die sich über sein Hirn gelegt hatte. Sein Denkapparat war völlig außer Gefecht. „Fass mich härter an“, forderte Dave und seine Augen glühten. Es ging ihm nicht schnell genug. Der Stoff störte!

Sie bekamen nicht mit, wie Martin sich auf seinem Stuhl den Schweiß von der Stirn wischte und die Krawatte lockerte. Ihm war heiß. Die leisen Worte und das durch die Küsse gedämpfte Stöhnen waren nicht zu ignorieren und Martin strich sich, ohne es zu merken, über den Körper und erst als seine Hände sich in seinen Schoß legten und harsch über sein mittlerweile hartes Geschlecht rieben, schreckte er auf und wurde rot. Noch 4 Minuten, die musste er aushalten, dann konnte er gehen und in seinem Büro endlich etwas gegen seine schmerzende Erregung unternehmen.

Jack ahnte nichts von den Nöten seines besten Freundes, denn er erfüllte Daves Wunsch. Vorsichtig, damit nichts zu hören war, öffnete er den Reißverschluss der Lederhose und umfing Dave mit festem Griff, so, wie der sich das gewünscht hatte. Doch der geschickte Teufel nutzte die Chance und seinen Schweif, die Hose tiefer zu streifen, bewegte sich heftig unter Jack und entlockte sich selbst immer intensiveres Stöhnen. Sein Atem kam nur noch stoßweise, er hatte das Gefühl, in Flammen zu stehen.

Ein unangenehmer Schmerz, den nur Jack beseitigen konnte, überschwemmte ihn. Warum tat er es nicht. „Nimm mich, verdammt noch mal“, keuchte Dave. Er wurde noch wahnsinnig.

Doch jetzt, so kurz vor ihrem Ziel, ließ Jack sich nicht hetzen. Er wollte Dave mit allen seinen Sinnen genießen und ihm das schönste erste Mal bescheren, was ihm möglich war. „Gleich, mein Liebling“, wisperte er gegen Daves Lippen und zog ihm die Hose ganz von den Beinen, zusammen mit den Strümpfen und ließ seinen Blick über den vor ihm liegenden Körper gleiten. Dave war einfach nur herrlich, wie er nackt und glühend vor ihm lag. Absolut perfekt. Dass Martin noch da war, hatte er vollkommen vergessen, als er sich schnell seiner Kleider entledigte und sich auf Dave sinken ließ. Sofort verschloss er die Lippen seines Teufels mit einem leidenschaftlichen Kuss und stöhnte ungehalten auf, als ihre Geschlechter sich endlich berührten, so wie er sich das in den vielen einsamen Nächten gewünscht hatte.

„Nicht gleich“, knurrte Dave. Er war des Wartens müde. Er hatte zu lange gewartet, konnte und wollte nicht mehr. „Liebe mich!“, forderte er heiser und seine Beine öffneten sich, um sich um Jack zu schlingen, ihn noch dichter zu sich und seiner Glut zu ziehen und ihn zu entfachen. „Jetzt!“

Jack konnte sich nicht mehr wehren. Die schwarzen Augen, die ihn anglühten und der fordernde Körper ließen ihn sich ergeben. Er hoffte nur, dass sie keinen Fehler machten, als er seiner, in den langen Wochen aufgestaute Lust, freien Lauf ließ. Wie eine Welle spülte sie über Dave hinweg und riss ihn mit. Immer heftiger rieb sich Jack an Dave und peitschte sie so immer höher, bis der Teufel seine Augen aufriss.

Irritiert hielt Jack inne und legte den Kopf schief.

„Blau?“, murmelte er leise und seine Stirn legte sich in Falten. Dave hatte doch keine blauen Augen, absolut traumhafte, dunkelblau leuchtende Augen und dann traf es ihn wie ein Blitz. Seine Finger strichen durch Daves Haare und tasteten dann nach den Flügeln und dem Schwanz, aber nichts davon war mehr vorhanden. „Du bist ein Mensch, Liebling. Endlich!“, rief er lachend und umarmte Dave stürmisch. „Du bist ein Mensch. Wir haben es geschafft.“

Doch Dave hörte ihn kaum, die Wandlung hatte ihn wie ein Blitz getroffen. Als hätte man einen Stöpsel gezogen, war die Kraft aus ihm gewichen. Brennender Schmerz rauschte durch seinen Leib und irgendwie ahnte Dave schon, dass es nicht an Jack gelegen hatte. Er fühlte sich jetzt schwächer, irgendwie auch leichter zu zerbrechen, doch er war glücklich.

„Scheint so“, grinste er schief, während er nur aus dem Augenwinkel sah, wie sich da jemand aus dem Büro stahl. „Scheint wirklich so.“ Und seine Lippen suchten wieder Jacks.

Endlich!

Luzifer hatte sein Wort gehalten und seinen Sohn verstoßen! Aber traurig war Dave nicht darüber. Genauso wenig wie Jack, der Dave glücklich in seine Arme schloss. „Wie fühlst du dich?“, fragte er leise und legte sich neben seinen Schatz. Sanft strich er ihm über die Wange und sah ihn liebevoll lächelnd an. Die Lust hatte sich erst einmal verflüchtigt und das war auch gut so, denn Jack wollte nicht wie ein wildes Tier über Dave herfallen. Er wollte ihn lieben und ihm zeigen, wie schön es war, sich dem Mann, den man liebte, hinzugeben.

„Irgendwie seltsam“, sagte Dave und lauschte tief in sich rein. Die Muskeln, die früher den Schwanz zum Wedeln bewegt hatten, waren wohl verkümmert. Er konnte sie nicht mehr spüren, das war ungewohnt. „Aber angenehm seltsam, so, als wäre ich nach Hause gekommen“, sagte er leise und öffnete die Augen, die er eben geschlossen hatte. „Endlich weiß ich, wo ich hin gehöre, hier neben dich, in deine Arme“, murmelte er und kuschelte sich fester. Zwar verspürte er immer noch die Gier und die Lust in sich lodern, doch der Drang, das neue Leben willkommen zu heißen, den Augenblick voll auszukosten, war größer.

„Das ist schön. Ich werde dich immer halten und bei dir sein, solange du das möchtest.“ Das war ein Versprechen, das Jack halten würde. Er hatte den Menschen gefunden, mit dem er den Rest seines Lebens verbringen wollte. „Ich liebe dich, mein Teufelchen.“ Wieder trafen ihre Lippen sich zu einem weiteren Kuss und nach und nach ließ Jack das Feuer zwischen ihnen wieder aufflammen. Sie hatten so lange gewartet.

So behutsam wie nötig, da es für Dave das erste Mal war, aber mit all seiner Leidenschaft, zeigte Jack ihm die körperliche Liebe und gemeinsam ließen sie sich, fest aneinander geklammert auf dem Gipfel ihrer Lust von den nicht enden wollenden Wogen zu den Sternen katapultieren und so endgültig die Hölle hinter sich lassend.

Eine neue Welt.







Ein paar Monate später



„Komm schon her, Bommel“, lachte Dave. Er saß auf der Terrasse seines Hauses - ihres Hauses! - und lockte den tobenden Kater wieder zu sich. Doch Bommel hatte den Maulwurf gefunden, der sich auf der Wiese austobte und fing nun an zu buddeln wie verrückt. Dem Kater hatte der Umzug von der Wohnung ins Grüne wohl am Besten gefallen, denn er streifte von morgens bis abends durch sein Revier und prügelte sich mit jedem Straßenkater, der es wagte Mc-Bommel-Land zu betreten.

Und auch dieser Maulwurf hatte sich keine Erlaubnis geholt, sich hier einzunisten. Dave beobachtete ihn nur und lachte. Er hatte heute frei und ließ sich die letzten Strahlen der warmen Frühlingssonne auf den Bauch scheinen.

Es war nichts mehr von dem faulen Kater zu merken, der sich nur bewegte, wenn nötig, der er noch vor ein paar Monaten gewesen war. Jack kam aus der Terrassentür und musste bei dem Anblick, der fliegenden Erde, schmunzeln. Der Rasen war ruiniert, aber das war egal. Hauptsache Bommel war glücklich. „Hallo, Teufelchen“, wisperte er seinem Schatz ins Ohr und hielt ihm den alkoholfreien Cocktail hin, den er ihm gemixt hatte. Er setzte sich zu Dave auf die Hollywood-Schaukel und legte den Arm um ihn und atmete tief durch. Es war die richtige Entscheidung, hierher zu ziehen, denn hier hatten sie die Ruhe, sich von ihrem stressigen Job zu erholen.

„Danke, Schatz.“ Dave lehnte sich an seinen Freund und zuzzelte an seinem Strohhalm. Langsam hatte er sich in seiner neuen Welt eingelebt und auch wenn er seine Mutter noch vermisste, wog sein neues Zuhause doch vieles auf.

Er war einer von ihnen, war nicht mehr der Exot, der nicht wusste, wohin er gehörte. Er hatte seinen Platz im Universum endlich gefunden.

Und dazu noch jemanden, der ihn über alles liebte, so wie er war. „In einer halben Stunde können wir essen“, sagte Jack und legte Dave den Kopf auf die Schulter. Jeden Abend saßen sie auf der Terrasse und genossen es einfach, beieinander zu sein. Wenn Jack sich an die letzten Monate erinnerte, musste er jedes Mal lächeln. Sie waren nicht immer eitel Sonnenschein, aber auch die wenigen Male, die sie sich gestritten hatten, waren nötig gewesen, um noch näher zueinander zu finden. Es hatte sie stärker gemacht.

Es hatte dazu geführt, dass sie sich sicherer denn je waren, dass sie für einander bestimmt waren. Oft kam Dave nach einer Show mit einem Stapel Nachrichten in Jacks Büro, doch sie landeten alle ungelesen im Altpapier. Er wollte nicht wissen, was darauf stand. Meistens waren es eindeutige Angebote, die Dave einfach nicht mochte. Er wusste, wo er hin gehörte und das reichte ihm völlig.

„Das klingt gut, ich hab schon Hunger und wenn Bommel fertig ist, den Garten neu zu arrangieren, wird er vielleicht auch einen kleinen Appetit verspüren“, lachte Dave. „Oder er fängt sich den Maulwurf.“ Was freilich nur ein Scherz war, denn Bommel fraß nichts, was weglaufen konnte.

„Eher wird er Vegetarier“, kicherte Jack und küsste Dave auf die Wange. Er fühlte sich rundherum wohl. Viele seiner Bekannten hatten komisch geschaut, als er ihnen erzählt hatte, dass er aufs Land wollte, aber es war genau richtig. Genauso wie Dave hatte er sich von seinem früheren Leben verabschiedet und hier hatten sie sich ein gemeinsames, glückliches Leben aufgebaut. Eine eigene, neue Welt für sie beide und Bommel. Aber sie waren hier nicht allein, denn sie teilten sie gerne, mit ihren Freunden, die sehr oft zu Besuch kamen und sie mit noch mehr Leben füllten.

„Oder kommt und streicht dir um die Beine und maunzt dich liebevoll an, damit du ihm seinen Fisch in mundgerechte Stücke schneidest“, lachte Dave, denn der Kater hatte sein neues Herrchen gnadenlos um seine Samtpfoten gewickelt. Jack gab es nicht gern zu, aber Mc Bommel hatte Narrenfreiheit. Plötzlich gab es ein lautes Quieken und ein dreckiger Kater schoss über den Rasen, während aus dem Hügel ein Maulwurf guckte.

Die beiden Männer auf der Terrasse lachten nur so lange, bis der wandelnde Haufen Dreck auf ihren Schoß sprang und sie gleich mit einsaute. Aber sie ärgerten sich nicht, denn dazu war es einfach zu lustig gewesen. Sie umfingen Mc Bommel und beschmusten ihn ausgiebig, damit er sich von seinem Schreck erholte.

Dicht beieinander saßen sie in der untergehenden Sonne und beide dachten an den Tag, als ein junger Teufel in einem Wohnzimmer aufgetaucht war, um eine Seele zu ergattern. Er hatte sie bekommen, auch wenn anders, als geplant und den Mann, der dazu gehörte, gleich noch mit. So konnte es kommen. Man bekam oft mehr, als man gewollt hatte und das war auch gut so.



ENDE