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Rollenspiel Teil 25 bis 28

Kapitel 25


Das Blut rauschte in Duos Ohren, als er sah, dass Gordon Heero noch weiter an die Wand drängte. Heeros Gesichtsausdruck verhieß nichts gutes, und alles in Duo schrie danach seinem Freund zur Hilfe zu kommen. Gordon von Heero wegzuziehen und ihm einige auf die Nase geben, würde Duo nur zu gut zu pass kommen. Seine Finger juckten und wollten sich voller Vorfreude schon zu einer Faust zusammen ballen.

Aber es gab zwei Dinge die ihn von diesem Plan abhielten. Plötzlich - und eigentlich sogar unerwünscht - kam ihm so einiges aus den Gesprächen mit Nadine in den Sinn. Und er wusste in dem Moment mit absoluter Sicherheit, dass es verkehrt war wie ein Neandertaler auf Gordon zuzustürmen und ihn mit Gewalt von Heero zu entfernen. Zwar würde er sich dann für einige erfüllte Sekunden wie der Held in strahlender Rüstung vorkommen, aber das würde Heero nicht im Geringsten helfen.

Wie sollte Heero jemals sein Selbstwertgefühl gegenüber Gordon wieder aufbauen, wenn er nicht die Chance bekam selbst mit dem Zwerg fertig zu werden? Auch wenn es Duo gar nicht passte, es war für seinen Freund besser, wenn er sich jetzt etwas zurück hielt.

Der zweite Grund hatte sehr viel mit dem ersten zu tun. Denn kaum hatte Duo erkannt dass es besser war sich noch zurück zu halten, da konnte er auch sehen wie Heero seine Schultern straffte und einen Schritt von der Wand wegmachte, direkt auf Gordon zu.

Das war die Bestätigung, dass Heero vielleicht keine Hilfe brauchte. Und es war für Duo das eindeutige Zeichen, dass er den ehemaligen Wing Piloten diesen Kampf wirklich allein ausfechten lassen sollte.

Und so biss Duo die Zähne aufeinander und versuchte das Rauschen in seinen Ohren loszuwerden.

Trotzdem wollte er Heero auf keinen Fall allein lassen. Zum Glück stand direkt an der Wandgabelung eine große Grünpflanze an der Duo vorbei schauen musste um die beiden Kontrahenten zu sehen. Er würde an diesem Punkt stehen bleiben und von dort aus alles beobachten. Sollte der Zwerg Heero doch wieder in die absolute Bedrängnis bringen, dann konnte er sich immer noch auf seinen weißen Schimmel schwingen und Heero zur Hilfe eilen.

Für einen kurzen Augenblick überlegte Duo, wieso sein Freund nicht einfach den Fußboden mit Gordon aufwischte. Immerhin war er ein Gundam Pilot gewesen. In einem Kampf Mann gegen Mann würde ihm der Zwerg - auch wenn er Heero um einen Kopf überragte - nichts entgegensetzen können.

Aber dann schalt Duo sich einen Narren. Gordon hatte es in den letzten Jahren geschafft eine unheimliche Macht über Heero zu erlangen. Das hatte nichts mit körperlicher Kraft zu tun, sondern damit wie er den anderen Stück für Stück seines Selbstvertrauens beraubt hatte. Da war es kein Wunder, wenn Heero nicht einmal in der Lage war sich gegen den Zwerg zu wehren.

Duo schüttelte den Kopf, er wollte sich jetzt nicht weiter mit diesen Gedanken beschäftigen. Er wollte stattdessen genau verfolgen was dort in der Nähe der Toilette geschah. Und da er immerhin etliche Meter vom Ort des Geschehens entfernt war, musste er sein Gehör schon gut anstrengen um dann doch mitzubekommen was die beiden sagten. Da konnte er das Rauschen in seinen Ohren nicht wirklich gebrauchen.

"Kommst dir nach der großen Selbstbeweihräucherungsshow wohl ziemlich groß vor, was?" zischte Gordon ärgerlich.

"Lass mich in Ruhe," erklärte Heero und versuchte sich an Gordon vorbei zu drängen.

Doch dieser wich ihm nicht aus und versperrte weiter den Weg. "Ach," erklärte er mit triefendem Sarkasmus. "Bist du dir jetzt zu fein mit mir zu reden? Jetzt nachdem dir tausende ‚Fans' Standing Ovations gegeben haben? Wieviel hat sich Gwen das kosten lassen? Und war dein sexy Begleiter schon im Preis mit inbegriffen?"

Für einen Moment wirkte es so, als wenn Heero der Unterkiefer herunter geklappt wäre vor Erstaunen. Duo konnte es ihm gar nicht verdenken bei dem Unsinn, den Gordon gerade von sich gab.

"Was zum Geier, redest du da?" fragte deshalb auch Heero.

"Ach komm schon. Mir wurde berichtet, dass du schon den ganzen Tag von einem verdammt gut aussehenden Elfen begleitet wirst. Wie solltest du schon jemandem abgekommen, ohne dafür zu bezahlen?"

Das Blut rauschte wieder in Duos Ohren. Aber er konnte trotzdem alles hören. Und so entging ihm zum Glück nicht Heeros sarkastische Erwiderung. "Na, du musst es ja wissen, Gordon." Bei diesem Satz war Heeros Stimme so eisig, dass es Duo kalt den Rücken runter lief. Jeder normale Mensch würde jetzt Reißaus nehmen um sich nicht Heeros Zorn in den Weg zu stellen.

Aber Gordon schien diese Überlebensinstinkte nicht zu besitzen. Er grinste Heero nur anzüglich an und sagte: "Also, was kostet dich das Schneckchen am Tag? Und ist er nur schmückendes Beiwerk oder kannst du seine Dienste auch Nachts in Anspruch nehmen.? Wir wissen ja beide, dass du es so langsam mal wieder richtig nötig haben wirst."

Heeros Stirn war gerunzelt, er wirkte fast, als wenn ihm Rauch aus den Ohren stieg, so wütend war er. Duo bejubelte das. Es hatte lang genug gedauert, dass Heero wütend auf den Zwerg wurde. Da ließ er sich doch fast gerne von dem Arsch beschimpfen. "Dieses schmückende Beiwerk, wie du meinen Begleiter so schön nennst, ist Duo."

Für einen Moment wirkte es so, als wenn diese Neuigkeit Gordon aus dem Konzept bringen könnte. Er sah kurz verwirrt drein und sogar ein wenig ängstlich - auch wenn sich Duo das vielleicht sogar nur einbildete. Doch dann, viel schneller als erhofft, hatte sich Gordon wieder gefangen und spuckte weiter Gift und Galle.

"Ahhh, Duo. Ist dein Ex wieder aus der Versenkung hervor gekrochen und du kannst dich jetzt hinter seinem Mantelsaum verstecken? Darauf hast du doch schon so lange gehofft, nicht?"

Heero starrte den anderen nur an und machte einen halben Schritt zurück, ließ sich wieder von Gordon bedrängen. "Lass mich endlich in Ruhe," erklärte er auch nur ohne großen Nachdruck.

"Ich hab ins Schwarze getroffen, oder?" zischte Gordon. Dann beugte er sich vor. "Aber freu dich nicht zu früh Heero. Auch wenn Duo dich jetzt wieder ranlässt. Du weißt genau, dass du ihm nichts bedeutest."

"Das ist nicht wahr," brach es aus Heero hervor, während er sich versuchte wegzudrehen.

"Natürlich ist es wahr. Du wirst dich doch schließlich noch an damals erinnern. Als er dich wie Dreck behandelt und wie eine heiße Kartoffel fallen gelassen hat."

Duo schnaubte wieder. Er musste sich unheimlich anstrengen nicht sofort auf dieses Arschloch loszugehen. Aber noch wollte er Heero die Chance lassen, sich gegen Gordon zu wehren. Und ja, er wollte auch wissen ob Heero ihn verteidigte. Er wusste, dass dies ziemlich selbstsüchtig war, aber seine Neugierde war stärker.

"Das ist nicht wahr," erklärte Heero.

"Und ob es das ist. Ich war schließlich dabei. Er hat dich wie Dreck behandelt und du hast ihn betrogen. Glaubst du er wird jemals etwas anderes in dir sehen, als einen von seinen unendlich vielen Aufrissen? Wenn ihm irgendwas an dir liegen würde, dann würde er sich für dich interessieren Heero und nicht nur mit dir schlafen."

Plötzlich lachte Heero auf. Dieses Geräusch schien nicht nur Duo zu erschrecken sondern auch Gordon. Dieser machte einen Schritt zurück und gab Heero damit genug Raum sich richtig aufzurichten.

"Gordon, was bist du doch für ein Arschloch," erklärte er immer noch mit einem Lachen im Tonfall.

"Was?" keifte Gordon zurück.

"Du versuchst mir Duo madig zu machen. Und womit? Mit Dingen die eher auf dich, als auf ihn zutreffen. Du bist es doch, der sich jahrelang von mir hat aushalten lassen. Und du hast dich nur für mich, bzw. für meine Arbeit, interessiert um noch mehr Kohle raus zuschlagen. Ich war dir doch schon immer egal. Aber Duo ist mein Freund. Anders als du hegt er keine Hintergedanken."

"Dein Freund, ja? Wie oft hat sich dein feiner Freund denn in den letzten Jahren bei dir blicken lassen? Zweimal im Jahr, und er hatte immer seine neueste Errungenschaft dabei im Arm. Mach dir doch keine falschen Hoffnungen."

Heero schüttelte den Kopf und ging einen weiteren Schritt auf Gordon zu. "Das mach ich auch nicht. Ich weiß dass ich alles mit meinem Fehler von damals kaputt gemacht hab. Aber zumindest kann ich Duos Freund sein. Und du sagst mir nicht, was ich hoffen darf und was nicht."

"Ohhhh du kannst sein Freund sein," ätzte Gordon. "Womit wir wieder beim Thema wären, Heero. Er interessiert sich nicht für das was du tust. Worüber willst du denn mit ihm reden? Alte Kriegsgeschichten? Darauf lässt sich keine Freundschaft aufbauen."

"Du bist so verbohrt, dass du gar nichts mehr mitbekommst Gordon. Duo und ich haben viele gemeinsame Interessen, nicht nur die Gundam Kriege."

"Nenn mir nur einen," forderte Gordon.

Heero lächelte. "Er schreibt als Max Samuel Fantasy Romane. Du weißt, die Serie die mir so gefallen hat. Ich werde daraus mein neues Spiel machen." Aber Heero war noch lange nicht fertig. Er ging einen weiteren Schritt auf Gordon zu, und diesmal musste der Zwerg zurückweichen. "Duo liebt Deathscythe. Und er ist dabei den Rekord zu brechen. Außerdem fängt er an sich an Rollenspielen zu versuchen. Er hat mir gesagt, dass er weiß dass er sich damals nicht immer wie ein Freund verhalten hat. Und ich hab ihm verziehen. Ich vertraue ihm wieder und er hat mir geholfen als du diese ganze Schlammschlacht angezettelt hast. Er ist mein Freund und daran wird niemand, nicht einmal du etwas ändern können."

"So, er ist dein Freund," brachte Gordon hektisch hervor. Er wirkte wie ein Mann, dem sämtlicher Wind aus den Segeln genommen wurde. Aber er konnte trotzdem nicht klein bei geben. "Wie naiv bist du eigentlich Heero? Das ganze ist doch nur ein großes Schauspiel. Inszeniert von deinem ‚Freund' der dich wieder in sein Bett zerren will. Ich kann zwar nicht verstehen wieso, mit einem Stück Holz kann man schließlich mehr Spaß haben als mit dir, aber was anderes steckt da doch auf keinen Fall dahinter."

Duo schäumte vor Wut. Und er hatte es in seinem Versteck nicht mehr ausgehalten. Er war zwar unheimlich stolz darauf, dass und wie Heero ihn verteidigt hatte. Aber da Gordon einfach keine Vernunft annehmen wollte und endlich verschwand, hielt er es für an der Zeit Heero zur Hilfe zu kommen. Die beiden Männer waren so in ihr Streitgespräch vertieft, dass sie nicht bemerkt hatten, wie sich eine kleine Gruppe Schaulustiger um sie gescharrt hatte und erst Recht nicht, dass sich Duo direkt neben sie stellte.

Doch als er seinen Arm um Heeros Hüfte schlang, wurde er von beiden bemerkt. Gordon warf ihm blitzende Blicke zu, die aber an Duo einfach abprallten. Heeros Blick war verwundert und ein wenig beschämt. Aber auch erleichtert. Der ehemalige Wing Pilot hatte sich zwar in diesem ‚Kampf' behauptet aber es hatte ihn nicht wenig Kraft gekostet. Das spürte Duo schon allein daran, dass der Mann in seinem Arm leicht zitterte.

"In einem gebe ich dir Recht, Gordon," erklärte er ohne große Umschweife. "Ich habe Hintergedanken. Ich will Heero wieder, aber nicht so wie du denkst. Ich will ihn als meinen Lebenspartner. Denn ich liebe ihn und habe ihn schon immer geliebt." Er hatte zwar eigentlich nicht vorgehabt, diese Tatsachen einfach so in die Öffentlichkeit hinaus zu posaunen, zumindest nicht bevor er mit Heero darüber in Ruhe geredet hatte und alles geklärt war. Aber er konnte seinen Mund einfach nicht halten. Er wollte Gordon beweisen wie unendlich falsch er doch lag.

"Liebst mich…?" stammelte Heero.

Doch Gordon übertönte das. "Das sind ja ganz neue Neuigkeiten," sagte er hämisch.

"Nein, sind sie nicht," erwiderte Duo. "Und wenn ich nicht so dumm gewesen wäre, und euch euer Schauspiel für die Presse vom Glücklichen Paar nicht abgenommen hätte, dann hätte ich schon vor Jahren um Heero gekämpft. Ihn aus deinen elendigen Klauen befreit. Du bist Abschaum Gordon. Und mir tut jede Sekunde leid die Heero unter dir leiden musste."

"Ha," erklärte Gordon. "Das sagt der Richtige, du hast ihn schließlich abserviert."

"Ja, und das war der größte Fehler meines Lebens. Ein Fehler für den Heero bezahlen musste. Aber ich werde versuchen das wieder gut zu machen." Kam es ihm nur so vor, oder entspannte sich Heero in seinem Arm? Auf jeden Fall fühlte es sich gut an.

"Was zahlt er dir dafür, dass du das sagst?"

Bevor Duo noch etwas sagen konnte, mischte sich wieder Heero ein. "Du verstehst es wirklich nicht, oder? Nicht jeder und nicht alles ist käuflich. Freundschaft ist nicht käuflich. Genauso wenig wie Liebe. Wenn du das nicht begreifen kannst, dann tust du mir wirklich Leid. Gordon. Dann bist du ein verdammt armes Würstchen."

Duo konnte nur mit Mühe ein Lachen unterdrücken. Gerade mit dem ‚armen Würstchen' hatte Heero ins Schwarze getroffen. Und nicht nur das, damit hatte er den anderen auch zu dem Zwerg zurück geschrumpft der er im richtigen Leben war.

Gordon schnaubte vor Wut. Aber ihm schienen keine neuen Argumente, oder keine neuen Beschimpfungen einzufallen. Deshalb drehte er sich weg und ging. "Das wird noch Konsequenzen haben," erklärte er ärgerlich.

Duo hätte vor Freude jubeln können. Aber etwas anderes war wichtiger. Er drehte sich zu Heero um und sah dem ehemaligen Wing Piloten tief in die Augen. Der andere war immer noch etwas verwirrt und geschockt von den Ereignissen aber seine Augen schimmerten Hoffnungsvoll. "Du liebt mich?" fragte er mit leicht zitternder Stimme.

Duo hob die freie Hand und streichelte kurz über Heeros Gesicht. Denn beugte er sich vor und hauchte einen kurzen Kuss auf dessen Mund. "Ja, ich liebe dich. Ich hoffe du kannst mir verzeihen, dass ich es dir nicht früher gesagt hab. Aber.."

Doch in diesem Moment ertönte wieder die Stimme von Gordon in einer sehr unangenehmen Lautstärke. "Das werdet ihr beide noch bereuen," kreischte er über den ganzen Flur. "Ich werde euch fertig machen, ich werde euch durch den Dreck ziehen. Was glaubt ihr, wird die Presse daraus machen, wenn sie erfährt dass Heero sich seinen neuen Bettpartner mit diesem Spiele-Geschäft kaufen muss? Wenn ich mit euch beiden fertig bin, dann könnt ihr euch nirgendwo mehr auf der Straße blicken lassen! Und niemand wird Heero bei der nächsten Convention zu jubeln!"

Duo hatte von dem Zwerg endgültig genug. Ohne groß darüber nachzudenken hatte er in einer schnellen Bewegung seinen Bogen gezückt und einen Pfeil in die Sehne gespannt. Und dann, wie in Zeitlupe ließ er die Sehne los und der Pfeil flog in Gordons Richtung. Traf den Zwerg, der sich inzwischen endlich wieder umgedreht hatte, mitten in den Hintern. Zwar hatte Duo noch nie mit Pfeil und Bogen geschossen, aber er war immerhin ein Gundam Pilot gewesen und wusste wie man zielte. "Uuups," erklärte er süffisant als Gordon schreiend zusammen brach. "Der Pfeil muss sich von allein gelöst haben."



Kapiel 26

Irgendwie brach danach das Chaos aus. Gordon schrie wie am Spieß und die Traube an Schaulustigen um sie herum wurde immer größer. Trotz allem konnte Duo ein zufriedenes Grinsen nicht unterdrücken, immerhin sah Gordon mit dem Pfeil im Hintern sehr viel besser aus. Fand zumindest Duo.

"Oh Gott Duo, was hast du getan?" hauchte Heero entsetzt.

Das ließ Duo für eine Sekunde seinen Siegesrausch vergessen. Und für einen Moment dachte er, dass sich Heero vielleicht Sorgen um das Arschloch machen würde. Doch als er sich zu Heero umdrehte, sah er, dass dieser nur Augen für ihn hatte, den Zwerg nicht einmal beachtete. Schnell ließ Duo den Bogen zu Boden fallen und schlang seinen Arm wieder um Heeros Hüfte. Dann zog er den anderen dicht an sich heran. "Mach dir keine Sorgen," flüsterte er ihm ins Ohr.

"Duo er wird…" fing Heero an mit leicht brüchiger Stimme zu sagen.

Doch er wurde dann von einem aufgeregten Schrei von Gordon unterbrochen. "Polizei, ich verlange die Polizei! Ich wurde angeschossen! Das wirst du noch bereuen, Duo Maxwell!"

Duo konnte über die Drohung nur lachen, doch er bemerkte wie Heero in seinem Arm bei jedem Wort zitterte. Das war es wohl also vor dem Heero sich sorgte. "Heero, der macht sich doch nur lächerlich," beeilte er sich deshalb den anderen zu beruhigen.

"Das hoffe ich," erklärte Heero und lehnte sich tiefer in die Umarmung.

Dann ging alles relativ schnell. Trotz der großen Menschenmenge hatten sich ein paar Sanitäter in Windeseile den Weg an den Ort des Geschehens gebahnt. Duo konnte sehen, wie sie Gordon wohl ein Schmerzmittel verabreichten und ihn auf eine Trage verfrachteten um ihn dann ins nächste Krankenhaus zu bringen. Scheinbar war der Pfeil nicht ganz so leicht zu entfernen.

Und noch während sie Gordon davon trugen hörte der Zwerg nicht auf zu schimpfen und zu lamentieren. "Das wird dich noch teuer zu stehen kommen! Ich werde dich vernichten! Ich werde euch beide vernichten!" skandierte er.

Duo schloss müde seine Augen, vielleicht hätte er doch lieber Gordon den Kiefer brechen sollen. Dann hätte der zumindest Ruhe geben müssen. "Glaub ihm nicht," flüsterte er noch einmal Heero beruhigend zu. Er wollte nicht das der andere sich unnötig sorgen machte.

"Was ist hier passiert?" fragte plötzlich Jamie.

Duo blinzelte, er hatte gar nicht mitbekommen, dass der andere auch hier war. "Was machst du denn hier?" fragte er deshalb perplex.

"Wir haben uns Sorgen gemacht, weil es so lang gedauert hat. Deshalb bin ich euch nachgegangen. Also was ist passiert?"

Duo seufzte, aber er sah keinen Grund Jamie nicht einzuweihen. Sowieso, bei den vielen Leuten die alles gesehen und gehört hatten, würden entsprechende Gerüchte jetzt wohl schon wie ein Lauffeuer durch die Messehallen laufen. "Gordon hat Heero hier aufgelauert und ihn fertig gemacht. Ich bin dazu gekommen und hab ihm höflich aber bestimmt gesagt dass er mir mal den Buckel runterrutschen kann. Dann ist er gegangen, hat aber noch alle möglichen Drohungen ausgestoßen und mir ist ein Pfeil ausgerutscht."

Das grüne Monster zog seine Augenbrauen fragend hoch. "Ausgerutscht?"

"Ja," bestätigte Duo. "Im einen Moment war er noch im Bogen gespannt und im anderen saß er schon in Gordons Hintern. Weiß wirklich nicht wieso sich der Pfeil gelöst hat." Das war zumindest die Geschichte bei der Duo bleiben würde.

Jamie seufzte tief. "Ok, ich denke das wird noch ein Nachspiel haben. Aber lasst mich das alles regeln. Ich bleib hier und werde mit den Offiziellen reden. Gab es Zeugen?"

Duo zeigte einmal in die Runde. "Jeder in der ersten Reihe nehme ich mal an."

"Gut, ihr solltet gehen. Die Presse hat garantiert Wind davon bekommen und es wäre nicht gut wenn die hier über euch herfallen."

"Kein Problem, ich werde Heero nach Hause bringen."

Doch endlich regte sich Heero. "Nein. Ich will wieder zurück zum Wing Stand."

Das überraschte Duo schon, denn Heero wirkte vollkommen ausgelaugt und alle Beschützerinstinkte in Duo wollten ihn so schnell wie möglich in Sicherheit bringen und dort am besten erst einmal in Watte packen. "Bist du dir sicher?" hakte er deshalb nach.

Heero nickte. "Die Autogramstunde ist noch nicht zu Ende. Es wäre eine große Enttäuschung für die Fans. Das ist Gordon nicht wert," trotzig hatte Heero sein Kinn nach vorne geschoben.

Duo musste sehr an sich halten um seinen Freund nicht hier und jetzt zu küssen. Stattdessen drückte er ihn nur dichter an sich. "In Ordnung, wenn du es so willst."

"Sagt Gwen, sie soll die Sicherheit am Stand verstärken. Wenn keine Reporter an den Stand gelassen werden, habt ihr halbwegs Ruhe. Oh und wenn Gwen das arrangiert hat, dann schickt sie am besten zu mir, damit wir gemeinsam hier alles in Ordnung bringen."

Duo nickte. Dann führte er Heero durch die Menge an Schaulustigen. Er hoffte nur, dass Jamie und Gwen die ganze Geschichte wirklich schnell erledigen konnten. Nicht dass er sich wirklich irgendwelche Sorgen machte, aber Heero tat es, und das wollte er so schnell wie möglich entkräften.

Am Stand angelangt, redete Duo wie versprochen mit Gwen, während Heero sich wieder unter seine Fans begab. Er harrte noch ein paar Stunden auf der Convention auf, redete mit allen freundlich und tat sein bestes um den Besuchern nicht die Convention zu vermiesen. Aber Duo merkte nur zu gut, wie angespannt Heero war. Und wie erschöpft. Aber jedes Mal, wenn Duo vorschlug doch zu gehen, blockte Heero ab. Der ehemalige Wing Pilot hatte sich vorgenommen das hier durchzuziehen und das würde er auch tun.

Und um ehrlich zu sein, Duo hatte auch nicht wirklich etwas dagegen, wenn sie noch nicht sofort nach Hause zurückgingen. Denn dort wartete die große Aussprache auf sie beide. Ein Gedanke, der nicht nur Freude in Duo auslöste. Es würde sicherlich nicht einfach für sie beide werden, über alles zu sprechen. Aber immer, wenn Heero ihm einen kurzen Blick mit einem fast verschüchterten Lächeln zuwarf, wurde es Duo warm ums Herz. Außerdem, er hatte ihm schon gesagt, dass er ihn liebte und Heero hatte nicht protestiert. Was sollte da jetzt noch groß für Probleme auf sie warten? Zumindest redete sich Duo das ein um sich Mut zu machen.

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Ein paar Stunden später allerdings wirkte es so, als würde Heero jede Sekunde vor Erschöpfung zusammenklappen, weshalb Duo auch keine Proteste mehr gelten ließ und seinen Freund mit sanfter Gewalt von der Convention entfernte. Aber so sehr schien sich Heero auch gar nicht mehr dagegen zu wehren, denn plötzlich sackte er praktisch in Duos Armen zusammen und sagte, "Bring mich nach Hause." Und es hätte schon die Welt untergehen müssen, damit Duo diesem Befehl nicht nachgekommen wäre.

Gwen hatte wie immer mitgedacht und schon einen Wagen für sie bereitstellen lassen. Zwar hatten die beiden ja immer noch das Hotelzimmer in das sie sich hätten zurückziehen können, aber Heero wollte nach Hause. Und auch Duo hielt es für besser, wenn sie für die Aussprache an einem vertrauten Ort wären. Die Fahrt zu ihrem Appartement verlief nahezu schweigend, aber das konnte auch daran liegen, dass sie nicht unbedingt wollten dass der Fahrer alles mitbekam. Und daran, dass Heero fast einschlief. Der ganze Tag schien kräftemäßig unheimlich an ihm gezerrt zu haben. Duos Herz schwoll vor Stolz an, als er daran dachte, wie sein Freund dem Zwerg die Stirn geboten hatte. Endlich schien sich Heero aus dessen Fängen befreit zu haben.

In der Wohnung angekommen, führte Duo Heero ins Wohnzimmer und sorgte dafür, dass sein Freund sich auf das Sofa setzte, dann wickelte er ihn in eine Wolldecke. Zwar war es nicht übermäßig kalt, aber Heero zitterte schon seit der Aktion mit Gordon. Wahrscheinlich die Erschöpfung oder der Schock. Aber wie auch immer, etwas mehr Wärme konnte nichts schaden.

Er war gerade dabei die letzte Ecke fest zu stopfen, als Heero ihn direkt ansah und fragte, "Stimmt das, was du vorhin gesagt hast? Du liebst mich?"

Ein warmes Lächeln breitete sich auf Duos Gesicht aus. "Ja," sagte er schlicht.

Leider schien Heero darauf verwirrt zu reagieren. "Aber wieso? Wieso jetzt?"

Duo seufzte und setzte sich neben Heero auf das Sofa. "Heero, erinnerst du dich, wie ich dir heute Morgen erklärt hab, ich müsste dir unbedingt etwas sagen?"

Heero nickte.

"Das war es was ich dir sagen wollte. Ich liebe dich und ich möchte dich zurück an meiner Seite haben."

Heero schüttelte ungläubig den Kopf. "Aber wieso?"

Es war zum verzweifeln, zwar hatte Heero sich gegen Gordon aufgelehnt aber Heero schien immer noch an dessen Worte dass niemand sonst ihn haben wollte zu glauben. Aber diesmal musste Duo das bis zum Ende durch diskutieren. Musste den anderen dazu bringen einzusehen, dass er es wert war geliebt zu werden. "Wieso ich dich liebe? Ich kann es dir nicht genau sagen. Vielleicht weil du intelligent und schön bist, weil du mein bester Freund bist… such dir irgendeinen Grund aus. Ich weiß nur, dass ich in all den letzten Jahren etwas wichtiges in meinem Leben vermisst hab. Trotz all der Erfolge, trotz all des Ruhmes hat immer irgendwas gefehlt. Du hast gefehlt, nur hat es mich in meiner Blindheit so viele Jahre gekostet das auch einzusehen. Ich liebe dich und ich hab dich immer schon geliebt!"

"Lüg mich nicht an," herrschte Heero ihn mit einer Kälte an die Duo nicht erwartet hätte. Dann drehte sich der ehemalige Wing Pilot zur Seite.

Doch Duo fasste mit beiden Händen Heeros Gesicht und zwang ihn mit sanften Druck zurück. "Wieso glaubst du dass ich lüge?" fragte er ruhig. Er wusste das er sich von harschen Worten nicht abschrecken lassen durfte. Heero war im Moment sehr verwirrt und verletzlich. Trotzdem hatte die Anklage wehgetan.

"Du kannst nicht jetzt, nach so vielen Jahren ankommen und behaupten dass du mich schon immer geliebt hast. Wenn das wahr wäre, wieso hast du mich damals so behandelt? Ich hab so viel versucht um dir beizustehen, dir zu helfen. Aber du hast mich immer wieder davon gestoßen. Hast mich behandelt wie Dreck und dann… dann ist alles aus den Fugen geraten. Du kannst jetzt nicht behaupten dass du mich da geliebt hast." Heeros Stimme war aufgeregt und das Zittern wurde stärker.

Ohne groß darüber nachzudenken nahm Duo den anderen einfach in die Arme und drückte ihn solange bis das Zittern nachließ. Dann schaute er ihm tief in die Augen. "Heero, ich weiß dass ich damals ein Arsch war. Ich hatte Probleme, wirklich schlimme Probleme und ich hab es an dir ausgelassen. Es tut mir leid und ich hoffe du hast mir inzwischen verziehen oder kannst es irgendwann."

"Ich hab versucht dir zu helfen, aber du hast es nicht zugelassen. Hast mich nur noch weiter von dir weggestoßen. Du hättest dir von mir helfen lassen sollen."

Duo seufzte. "Ich weiß Heero. Und wenn du willst werde ich mich für jede Aktion damals einzeln entschuldigen. Aber so schlimm es sich auch anhört, du konntest mir nicht helfen. Ich war am Abgrund, ich kam mit der neuen Situation nicht zurecht und dein Erfolg, deine Veränderungen haben mich nur noch mehr zum Abgrund getrieben. Ich war neidisch auf dich. Und das ist etwas Schreckliches."

"Aber wenn du mich liebst, wieso konntest du dann neidisch sein?" fragte Heero verwundert.

Duo lachte trocken auf. "Schon erschreckend, oder? Aber so war es. Ich war in einer Situation aus der ich allein nicht heraus kam, aber leider konnte die Person die ich liebte mir nicht helfen. Ich dachte das würde bedeuten, dass es doch keine Liebe ist. Aber eigentlich hat es nur bedeutet dass ich von einer anderen Seite aus Hilfe brauchte. Nur hab ich damals nicht so gesehen und es an dir ausgelassen. Es tut mir leid."

Heero kniff seine Augen kurz zusammen. "Es war so schrecklich. Egal was ich auch gemacht hab, es hat dir nicht gepasst. Du hast mich kritisiert, mich beschimpft und vor deinen Freunden hast du dich für mich geschämt. Ich kam mir so hilflos und so tollpatschig vor. Ich hab alles versucht, aber ich konnte dich nicht erreichen."

"Ich weiß, und ich kann nur wiederholen wie leid es mir tut. Ich war ein Arsch, das lässt sich leider nicht mehr ändern, aber ich hoffe dass du weißt dass ich nicht mehr so bin. Ich hoffe die letzten Wochen haben dir gezeigt, dass ich erwachsen geworden bin."

Heero seufzte, er schien in seiner Erinnerung gefangen zu sein. "Ich hab dich so unendlich geliebt, Duo. Und jedes mal wenn du mich weggestoßen hast, hat es schrecklich wehgetan. Die Wochen wo wir uns nur noch gestritten haben - ich war es so leid. Aber ich hab immer gehofft dass ich dir irgendwann genügen würde, dass ich es dir irgendwann recht machen würde."

Es war ein bittersüßer Augenblick für Duo von Heero zu hören, dass er ihn geliebt hatte. Lag es wirklich nur an seiner eigenen Ignoranz, dass sie damals so auseinander gebrochen waren? Hatten sie jetzt doch wieder eine Chance? Aber in diese Überlegungen schob sich eine weitere Frage. Wenn Heero ihn damals geliebt hatte, wie kam da Gordon ins Spiel? Duo wusste dass er wahrscheinlich nicht fair war, aber dieser Betrug schmerzte ihn immens. "Wieso hast du mit Gordon geschlafen?" fragte er bevor er es sich anders überlegen konnte.

"Es tut mir leid," hauchte Heero und wollte sich wieder wegdrehen.

Doch jetzt wollte Duo endlich eine Antwort auf diese Frage haben. Wie konnte Heero mit diesem Zwerg ins Bett steigen, wenn er ihn doch angeblich geliebt hatte? Anders als er selbst schien er damals ja wohl schon gewusst zu haben dass es Liebe war. Das passte nicht zusammen und seine Verwirrung machte Duo leicht ärgerlich. "Verdammt, sag mir endlich wieso!" herrschte er den anderen an.

Doch schon in der Sekunde wo er sah wie sich Heeros Gesichtszüge vor Schmerz verzogen, hätte sich Duo am liebsten auf die Zunge gebissen und die Frage zurück genommen. Nur das manche Dinge nicht zurück zu nehmen waren.

"Ich weiß es nicht," erklärte Heero.

Duos Kinnladen klappte nach unten. "Du weißt es nicht?" wiederholte er ungläubig.

Heero schwieg. Solange bis Duo sich vorbeugte und ihn sanft an der Schulter stupste. "Bitte rede mit mir," flehte er.

Dann brach es scheinbar endlich aus Heero heraus. "Ich war so sauer auf dich.! Ich hatte mich so sehr auf die Convention gefreut und du hast dich nur darüber lustig gemacht. Hast mir die schlimmsten Dinge an den Kopf geworfen, dabei hab ich mit dem Rollenspiel doch nur angefangen um dich glücklich zu machen. Aber alles was ich tat hat dir nicht gepasst und mich begleiten wolltest du auch nicht. Ich war ärgerlich und ich wollte zumindest für das Wochenende unsere ewigen Streits vergessen." Heero schluckte schwer, während Duo seinen Freund nur erschrocken ansah.

"Gordon ist die ganze Zeit an meiner Seite gewesen und hat mit mir geflirtet. Ich hab zunächst nicht darauf geachtet, schließlich wusste er ja das ich mit dir zusammen bin. Aber Samstag Abend bei der Feier hab ich wohl ein bisschen zuviel getrunken - obwohl ich dachte dass ich nur ein paar Bier gehabt hätte. Ich kann mich an den Abend selbst nicht mehr sehr gut erinnern, aber die anderen haben mir erzählt dass ich wohl ziemlich betrunken gewesen bin." Er kniff wieder seine Augen zusammen. Duo hätte ihn am liebsten jetzt schon in den Arm genommen und getröstet, aber er war zu gebannt von Heeros Erzählung.

"Und dann am nächsten Morgen bin ich aufgewacht und wusste nicht einmal mehr was seit dem Abend passiert war. Aber es war sehr klar dass ich mit Gordon geschlafen hab. Ich kann mich an nichts erinnern. Ich weiß das mit dem Alkohol ist keine Entschuldigung, aber ich weiß wirklich nichts mehr."

Duo stöhnte auf, ihm lief es eiskalt über den Rücken. Dieser verdammte Bastard Gordon. So wie es sich von Heero anhörte - und Duo hatte keine Zweifel daran - dann hatte sich dieses Schwein Heeros Zustand zu Nutze gemacht. Wenn sogar die anderen erkannt hatte, dass Heero betrunken war, dann hätte er es auch wissen müssen. Und verdammt noch mal seine Finger von Heero lassen sollen. Duo knurrte.

Heero zuckte zusammen. "Es tut mir so leid, ich wollte nicht," stammelte er und Tränen begannen aus seinen Augenwinkeln zu laufen.

Duo schallt sich einen Narren. Jetzt dachte Heero dass er auf ihn sauer war. So schnell es ging, nahm er den anderen wieder in seine Arme und streichelte ihn. "Schhhh... es wird ja alles wieder gut," murmelte er.

Aber Heero hörte ihn nicht wirklich. Zwar hatte er seine Arme aus der Wolldecke befreit und klammerte sich jetzt an Duo, aber er schien sich nicht wirklich zu beruhigen. "Ich wollte nur noch nach Hause und mit dir reden. Ich dachte du würdest irgendeine Lösung wissen. Aber als ich es dir gebeichtet hab, da bist du so kalt gewesen. Bist einfach aufgestanden und aus unserem Schlafzimmer ausgezogen. Hast mich einfach weggestoßen."

"Oh Gott Heero. Ich war unter Schock…" presste Duo hervor.

"Und dann am nächsten Wochenende… da hast du… da hast du..." Heero verschluckte sich und konnte nicht weiter sprechen.

"Heero, es tut mir so leid, ich war ein Arsch. Ich hab's damals nicht verstanden," erklärte Duo, aber er bezweifelte immer noch, dass Heero ihn wirklich hörte, denn er schien in seiner eigenen Erinnerung gefangen zu sein.

"Da wusste ich, dass ich dich verloren hab. Es hat so wehgetan. Aber ich konnte nichts machen. Ich wusste dass es zu Ende war. Du wolltest mich nicht mehr. Was ja auch verständlich ist, ich bin kalt, gefühllos und hab dich betrogen. Niemand kann jemanden wie mich wollen. Nur Gordon. Er hat immer wieder angerufen und irgendwann, irgendwann als ich endlich eingesehen hab das du nicht zurück kommst, da hab ich ihm dann nachgegeben."

Duo war bereit sich mal wieder selbst in den Hintern zu treten. So wie sich das anhörte, hätten sie schon damals Chancen gehabt alles wieder gerade zu biegen. Aber er hatte sich in seinem verletzten Stolz schmollend zurückgezogen und Gordon freie Bahn gelassen. Aber das würde er jetzt nicht mehr zulassen. "Heero," rief er beinahe aufgebracht. "Heero hör mir zu."

Der andere wollte wieder zur Seite blicken, aber Duo hielt sein Gesicht fest und blickte ihm tief in die Augen. "Das war damals. Und es tut mir leid. Und ich weiß dass es dir auch leid tut. Aber lass das nicht alles überdecken. Ich liebe dich immer noch. Und die letzten Wochen hier mit dir waren die schönsten meines Lebens. Gib uns beiden bitte noch eine zweite Chance. Ich kann nicht ungeschehen machen, was damals passiert ist, aber ich schwör dir, diesmal meine ich es ernst."

"Ich hab nie aufgehört dich zu lieben," erklärte Heero leise.

Duo jauchzte vor Freude. "Heißt dass wir sind wieder zusammen?" vergewisserte er sich.

Heero schaute wieder weg. "Ich bin es nicht wert, Duo. Du solltest deine Zeit nicht mit mir verschwenden."

Jetzt wurde Duo wirklich sauer. Nicht auf Heero, sondern natürlich auf den Zwerg, aber seine Stimme wurde trotzdem lauter. "Verdammt noch mal Heero. Wann geht es endlich in deinen Kopf, dass Gordon Unrecht hat? Meine Zeit mit dir verschwenden? Das ist keine Verschwendung! Die letzten Jahre ohne dich waren eine Verschwendung! Du hast es doch vorhin selbst gesagt, wir passen zueinander, ergänzen einander. Ich liebe dich, ich will mit dir zusammen sein. In guten und in schlechten Zeiten. Und du kannst nicht behaupten, dass du mich nicht liebst."

"Natürlich tu ich das."

"Na also, wieso sollten wir dann nicht zusammen sein?"

"Es wird nicht einfach."

"Na und? Dann müssen wir halt härter darum kämpfen. Ich weiß auch dass es nicht von heute auf morgen wieder gut wird, oder dass wir uns niemals wieder streiten werden. Aber das ist noch lange kein Grund es nicht zu versuchen."

Heero hatte ihn die ganze Zeit mit großen Augen angestarrt. "Ist das dein ernst?" fragte er dann ungläubig.

Duo beugte sich vor und küsste den anderen. Es war kein tiefer Kuss, aber er war wunderbar und Heeros Hände begannen ihn dichter an sich heran zu ziehen. "So ernst war mir noch niemals etwas in meinem Leben," verkündete Duo.

"Dann ist es ja gut," erwiderte Heero und küsste ihn erneut. 


Kapitel 27

Wenn Duo naiv angenommen hätte, dass nach dem großen Gespräch mit Heero und ihrem Entschluss wieder zusammen zu sein, alles Friede Freude Eierkuchen werden würde, dann wäre Duo herb enttäuscht worden. Zum Glück war ihm vorher schon klar gewesen, dass es bei so vielen offenen Wunden und schlimmen Erinnerungen nicht leicht werden würde.

Und so war er die erste Zeit ständig auf der Hut, versuchte jede Gefühlsregung von Heero schon im voraus zu erkennen und alles richtig zu machen. Heero schien es nicht anders zu ergehen und so tanzten sie beinahe ängstlich umeinander herum. Beide mit der Befürchtung, dass bei einem Schritt in die falsche Richtung ihre Liebe wie ein instabiles Kartenhaus ineinander fallen würde.

Zumindest diese totale Unsicherheit wurde mit jedem Tag besser. Mit jedem Morgen, den sie zusammen aufwachten, mit jeder Umarmung die sie teilten schienen sie beide mehr und mehr zu begreifen, dass sie jetzt wirklich wieder zusammen waren.

Natürlich waren auch diese Gesten nicht immer einfach. Heero schien eine absolute Scheu vor Intimität zu haben. Zwar genoss er Duos Umarmungen und die Küsse, aber dass er selbst etwas initiierte kam so gut wie niemals vor. Fast scheu wartete er darauf dass Duo den ersten Schritt machte, so als wenn er es nicht riskieren wollte um etwas zu bitten und dann abgewiesen zu werden.

Diese Scheu spielte sich natürlich auch beim Sex wieder. Oh, nicht dass sie sofort versucht hätten miteinander zu schlafen. Auch wenn sich Duo so unendlich danach sehnte auch auf diese Weise wieder mit Heero zusammen zu sein, war ihm von vornherein klar gewesen, dass es nicht gut für ihre Beziehung wäre, wenn er sofort mit Heero Sex gehabt hätte. Und so hatten sie es die ersten Tage bei Umarmungen und Küssen belassen, um sich dann langsam weiter vor zu arbeiten.

Doch auch als sie nach knapp einer Woche versuchten Liebe zu machen, war Heero mehr als nur scheu. Es passte nicht zu dem Bild, dass Duo immer noch von dem anderen hatte. In seiner Erinnerung war der Sex mit Heero immer unglaublich aufregend und überwältigend gewesen. Jetzt wagte es Heero kaum, ihn im Bett zu streicheln. Es wirkte so, als wenn er sich nicht trauen würde sich gehen zu lassen, leidenschaftlich zu sein. Da Heero früher damit nie Probleme gehabt hatte, war das wohl eine weitere Hinterlassenschaft aus seiner gemeinsamen Zeit mit Gordon.

Doch Duo ließ sich davon nicht frustrieren. Bildlich gesprochen, biss er die Zähne zusammen und nahm sich vor auch diese Hürde zu überwinden. Und er überhäufte Heero bei jeder sich bietenden Gelegenheit mit Zärtlichkeiten. Versuchte ihn so aus seinem Schneckenhaus wieder hervor zu locken.

Die Tage nach dem Gespräch waren fast wie im Flug verlaufen, auch wenn so unendlich viel geschehen war. Direkt am nächsten Morgen waren sie zunächst von etlichen Telefonanrufen überhäuft worden. Am Abend zuvor hatten sie das Telefon ausgeschaltet und jetzt versuchten alle ihre Freunde mit ihnen in Kontakt zu treten.

Als erstes erwischte sie Quatre. Der blonde Mann hatte aus den Zeitungen erfahren was auf der Convention geschehen war und war ziemlich aufgeregt, so aufgeregt dass Trowa ihn die ganze Zeit über im Arm halten musste, oder er wäre wohl zehn Zentimeter über dem Boden geschwebt.

Duo und Heero gelang es zum Glück recht schnell ihren Freund wieder etwas zu beruhigen. Duo erzählte was genau am Vortag geschehen war, was wohl nicht ganz mit den Horrorgeschichten übereinstimmte, die Gordon über die Presse verlauten ließ.

"Ehrlich, diesmal solltest du wirklich eine einstweilige Verfügung dagegen erwirken," hatte Quatre erklärt.

Heero schien aber genauso wenig begeistert von dieser Idee wie schon zuvor bei dem ersten Rufmord. "Ich will das nicht noch unnötig hochkochen Quatre. Du kennst doch meine Meinung."

Ihr Freund hatte tief geseufzt. "Ja, du hast sie mir ja ausführlich erklärt. Aber diesmal ist es anders. Er greift nicht nur dich an, sondern berichtet dass Duo ein gemeingefährlicher Irrer ist, der ihn ohne Grund angegriffen hat. Und diesmal lässt er sich nicht über etwas aus, dass nur du und Gordon wissen können, diesmal spricht er über einen Streit den ihr in der Öffentlichkeit hattet. Es gab doch Zeugen. Mach dieses Schwein endlich mundtot."

Daraufhin hatte Heero wirklich nachdenklich ausgesehen. Besonders als Quatre erwähnt hatte, dass Gordon sich jetzt über Duo ausließ. Nach einigen Momenten hatte Heero dann genickt. "Ok, ich werde darüber nachdenken. Und mit Gwen reden. Wenn sie auch der gleichen Meinung ist, dann werden wir rechtliche Schritte einleiten."

Daraufhin war Quatre in einem derartigen Jubel ausgebrochen, dass Duo lächelnd Trowa anstarrte. "Was ist denn in Q gefahren?" fragte er den großen, schweigsamen Mann.

Auch Trowa lächelte kurz. "Er ist nur aus dem Häuschen, weil er sich die ganze Zeit schon darauf freut es Gordon endlich heimzuzahlen. Das Heero sich bisher geweigert hat, hat ihm ganz schön zu schaffen gemacht. Er mag es nicht gern, untätig daneben zu stehen, wenn einem Freund wehgetan wird."

Oh wie gut Duo das verstehen konnte. Seit dem allerersten Zeitungsbericht, nein sogar schon seit Heero ihm von der Trennung und dem Grund dazu erzählt hatte, hatte es ihm in den Fingern gejuckt es Gordon mit gleicher Münze heimzuzahlen. "Zumindest hatte er gestern ein Pfeil im Arsch. Er verdient zwar noch viel mehr, aber es war ein Anfang."

"Guter Schuss," bemerkte Trowa anerkennend.

"Nur das Gordon das jetzt ausnutzt um die Öffentlichkeit gegen Duo aufzuwiegeln," erklärte Heero besorgt.

Daraufhin hatte Duo ihm seinen Arm umgelegt und versucht ihn zu beruhigen: "Du hast den Zwerg doch gestern gehört, er hatte sowieso vor mich durch den Dreck zu ziehen. Jetzt wo wir wieder zusammen sind bin ich genauso ein Ziel für ihn wie du."

"Aber du hättest ihm nicht noch extra Munition liefern müssen," hatte Heero erwidert.

Doch das war von Quatres Sturm der Überraschung fast untergegangen. "Ihr seid wieder zusammen?" hatte er atemlos gefragt.

Duo hatte nur genickt und seinen Griff um Heero verstärkt.

"Endlich!" war Quatres Kommentar gewesen. Dann hatte sich ein breites Grinsen auf sein Gesicht gebildet. "Sieben Jahre lang hab ich mir den Mund fusselig geredet! Meinen Glückwunsch. Ach und Duo, solltest du Heero noch einmal so weh tun, dann werde ich dich kastrieren."

"Autsch!" hatte Duo erwidert, wobei er sich nicht klar war, ob er belustigt oder besorgt sein sollte.

"Ich mein es ernst Duo. Ihr zwei seid für einander geschaffen. Also versau es nicht wieder."

"Keine Sorge," hatte Duo ihn beruhigt. "Diesmal ist es für immer."

Danach hatten sie das Gespräch beendet, doch das Vidphone blieb nicht lange still. Kaum hatte Quatre aufgelegt, als auch schon Gwen anrief.

Sie wusste ebenfalls von den verleumderischen Artikeln zu berichten. Und sie schien genau wie Quatre ziemlich empört über die Berichterstattung zu sein. Als sie von Heero hörte, dass er tatsächlich darüber nachdachte dagegen vorzugehen hatte sie zustimmend genickt. "Vielleicht sollten wir das diesmal tatsächlich tun. Ich werde das mal mit der Rechtsabteilung überprüfen. Außerdem schlage ich vor, dass wir unsere Sicht der Dinge auch an die Öffentlichkeit bringen."

Heero hatte abwehrend die Hände gehoben. "Ich will nicht mit der Presse sprechen. Auf keinen Fall. Du musst mir versprechen, dass kein Journalist an den Wing Stand darf."

"Ich hatte auch nicht an ein Interview gedacht. Sondern an eine kurze und knappe Pressemitteilung. Und vielleicht könnten wir dafür sorgen, dass einige der Zeugen interviewt werden. Wenn bekannt wird, dass Gordon nicht der arme unschuldige Mann ist, der plötzlich ohne Grund von Duo angegriffen wurde, sondern dass er euch vorher bedroht und belästigt hat, werden ihm vielleicht nicht alle Sympathien zufliegen."

Heero hatte fragend zu Duo geschaut, dann hatte er tief geseufzt und Gwen zugestimmt. "OK machen wir es so."

Danach hatten sie noch ein wenig über den kommenden Tag der Convention gesprochen. Duo wurde klar, dass Heero tatsächlich vor hatte sich heute wieder in das Gewühl zu stürzen. Aber irgendwie konnte Duo das auch verstehen. Das war die Veranstaltung auf die sich Heero das ganze Jahr gefreut hatte. Und viel von seinem Erfolg stand im Zusammenhang mit dieser Convention. Außerdem war es gut zu sehen, dass Heero sich nicht mehr verschüchtert zurück ziehen wollte, sondern auch trotz Gordons erneute Lügen die Öffentlichkeit suchte. Das war ein gutes Zeichen. Auch wenn es sicher sehr viel Mut von Heero verlangte.

"OK," hatte Duo gesagt. "Dann werde ich mich wohl auch wieder in dieses Elfenkostüm zwängen. Obwohl mich die Hose fast umbringt."

Doch Gwen hatte ihren Kopf geschüttelt. "Du hast um zehn einen Termin bei der Polizei. Sie wollen deine Aussage wegen gestern. Einer unser Anwälte wird dich nachher abholen und begleiten. Du solltest vielleicht besser nicht als Elfe mit Bogen bei denen auftauchen. Überhaupt könnte dein Kostüm bei denjenigen die Gordons Lügen glauben übel aufstoßen."

"Zur Polizei? Wegen dieser Sache? Oh man, der hat doch echt nicht mehr alle Tassen im Schrank," hatte sich Duo ereifert.

"Und wieso wurde ich nicht geladen?" fragte Heero.

"Weil Gordon natürlich nur Duo angezeigt hat. Macht euch keine Sorgen. Ich hab alles im Griff und unser Anwälte haben schon gestern damit begonnen alle Zeugen direkt zu befragen. Ich erledige das schon. Ihr zwei konzentriert euch jetzt erst einmal auf die Convention und darauf nicht in weitere Schwierigkeiten zu kommen."

Als nächstes hatten dann Wufei und Sally angerufen. Auch sie waren besorgt wegen den Zeitungsberichten. Auch sie waren mehr als erfreut als Heero und Duo verkündeten, dass sie wieder zusammen waren. Und auch Wufei ließ sich zu einer kleinen Warnung gegen Duo, Heero nicht noch einmal so weh zu tun, hinreißen. Duo fragte sich langsam was seine Freunde denn für ein Bild von ihm hatten. Schließlich war das damals ja nicht mit Absicht passiert. Er hatte Heero nicht verletzen wollen. Aber es wäre zu müßig gewesen darüber am Vidphone mit Wufei zu diskutieren. Stattdessen hatte er nur versprochen ab jetzt gut auf Heero aufzupassen. Das schien Wufei zu beruhigen und es brachte ein kleines Lächeln auf Heeros Gesicht.

Danach mussten sie sich kurz trennen. Heero wurde zur Convention abgeholt und Duo von einem langweiligen Anwalt zur nächsten Polizeistation begleitet. Aber entgegen seiner Befürchtungen verlief das Treffen mit den Polizisten ganz ruhig und schnell. Er machte seine Aussage, wobei er sich darauf beschränkte zu erzählen dass Gordon Heero bedrängt und beleidigt hatte, sie alle sich ein wenig gestritten hatten und das zum Schluss aus versehen der Pfeil aus seinem Bogen losgegangen war. Bei der Stelle hatte der Polizist der seine Aussage aufnahm erstaunt seine Augenbrauen hochgezogen, woraufhin der Anwalt sich beeilte zu erklären, dass das alles auf einer Fantasy Convention stattgefunden hatte und Duo - wie so viele andere Teilnehmer auch - verkleidet gewesen war.

Danach verlief der Rest des Tages ungefähr so, wie er angefangen hatte. In einer Tour klingelte Duos Mobiltelefon. Nadine, Dan und viele andere Freunde wollten von ihm wissen was denn gestern passiert war. Nadine war ganz besonders aufgeregt, weil sie ausgerechnet das verpasst hatte. Als er ihr dann erzählt hatte, dass er und Heero wieder zusammen waren, war auch sie in Jubel ausgebrochen. Nachdem sie gehört hatte was Heero ihm alles über die Vergangenheit erzählt hatte war sie allerdings etwas bedrückter. "Dir ist sicher klar, dass ihr noch viele Probleme haben werdet, oder? Solche Schatten verschwinden nicht über Nacht."

Duo hatte lang geseufzt und ihr zugestimmt. "Das ist mir auch bewusst."

"Dann ist es ja gut. Sei vorsichtig mit allem was ihr macht, pass auf dass du Heero nicht überforderst. Ihr werdet nicht sofort wieder bei den guten Zeiten von damals anfangen können. Und wenn dich irgendwas bedrückt, auch wenn es dir noch so klein und nichtig vorkommt, dann sprich mit mir. Mach nicht wieder den Fehler alles in dich hineinzufressen. Oh und vielleicht wäre es für Heero nicht schlecht wenn er auch jemand zum reden findet. Ich weiß er hat Freunde und dich, aber jemand neutrales kann nicht schaden. Ich könnte ihm jemanden empfehlen."

Duo konnte sich zwar nicht vorstellen dass Heero bereit wäre zu einem Therapeuten zu gehen, aber andererseits wusste er selbst wie wichtig es manchmal war mit jemandem über Dinge zu sprechen die man mit sonst niemandem teilen konnte. So sehr er sich auch wünschte, dass Heero sich ihm gänzlich öffnen würde, vielleicht war es zumindest am Anfang besser wenn Heero das zu einer neutralen Person tat. "Ich werde es ihm anbieten," versprach er Nadine.

Danach auf der Convention war es auch sehr merkwürdig. Zwar hatte Gwen den Wing Stand vor der Presse abschottet, aber natürlich hatten all die Fans Zugang. Und diese hatten natürlich auch in der Presse von den gestrigen Ereignissen gelesen. Duo wurde mehr oder weniger offen angestarrt. Aber das alles ertrug er gerne, denn der erleichterte Gesichtsausdruck von Heero als er endlich neben ihm stand hätte Duo noch viel mehr ertragen lassen.

Heeros Freunde waren natürlich auch heute am Stand und hatten Heero umringt. Sie sahen besorgt aber auch glücklich aus. Und Trish ging sogar soweit Duo zu dem guten Schuss zu gratulieren. Sie schienen wirklich nicht sonderlich gut auf Gordon zu sprechen sein.

Vom Rest des Tages bekam Duo dann nicht mehr viel mit, so sehr hatte er sich auf Heero konzentriert. Irgendwann hatte Jamie ihn noch einmal zur Seite genommen und erklärt dass er ihn aus der Wertung für die Cheatermeisterschaft herausgenommen hatte, um nicht noch mehr Wirbel um seine Person zu veranstalten. Das kam Duo nur entgegen. Außerdem hatte er es ja sowieso nie darauf ausgelegt ein Cheat-Meister zu werden. Davon mal abgesehen, dass er bis gestern noch nicht einmal gewusst hatte dass es so was überhaupt gab.

Und so brachten sie relativ ruhig den Tag hinter sich. Die Tage danach wurden etwas stürmischer. Es passierte soviel in so kurzer Zeit. Doch trotz all der Probleme wusste Duo dass er diese Tage niemals würde missen wollen. Es war zwar ein schrecklich langsamer Prozess, aber er konnte doch sehen wie sich Heero ihm mehr und mehr öffnete, wie sie immer dichter zusammen wuchsen.

Natürlich hatten sie viele Dinge und Personen die ihnen dabei halfen. Das wichtigste war natürlich ihrer beider Bereitschaft dem hier eine zweite Chance zu geben. Heero hatte zwar am Anfang Schwierigkeiten gehabt wirklich daran zu glauben dass Duo noch an ihm interessiert war, doch als sich dieses Wissen in ihm festgesetzt hatte, da schien auch Heero Himmel und Hölle in Bewegung setzen zu wollen, nur um ihre Beziehung nicht im Keim zu ersticken. Auch wenn er natürlich in der ersten Zeit immer mal wieder - bewusst oder unbewusst - Duo testete. Versuchte ihn zu reizen nur um dann seine Befürchtungen bestätigt zu sehen, dass Duo in seinem Ärger wieder in alte Verhaltensmuster zurück fallen würde. Doch Duo hatte diese Taktik sofort durchschaut. Nicht dass er jedem möglichen Streit aus dem Weg ging, im Gegenteil wenn es nötig war sagte er Heero auch mal die Meinung. Aber nach jedem Streit nahm er den anderen in seine Arme und versicherte ihm dass er ihn liebte. Mit der Zeit wurden diese Tests weniger und weniger.

Ihre Freunde halfen natürlich auch. Ausnahmslos alle waren erfreut darüber dass sie jetzt wieder zusammen waren. Sogar Heeros Rollenspielclique hatte ihn akzeptiert. Ob es daran lag, dass sie ihn nicht mehr für einen Goldgräber hielten, oder weil er Gordon in den Hintern geschossen hatte wurde nicht klar. Aber sie luden ihn in ihre Mitte ein und er war nur zu glücklich auch dies mit Heero zu teilen.

Quatre, Trowa und Wufei waren natürlich auch zu Besuch gekommen und hatten sie beide mit Glückwünschen überhäuft. So langsam wurde Duo klar, wie viele seiner Freunde schon seit Jahren sehnlichst darauf gewartet hatten, dass er und Heero wieder zusammen kamen. Er musste blind, taub und debil gewesen sein, dass er so viele Jahre gebraucht hatte um zu erkennen dass er Heero liebte.

Dass sie zusammen an dem neuen Project von Wing arbeiten half auch. Jede Woche verbrachten sie etliche Stunden damit über das neue Computerspiel und den Film zu diskutieren. Duo arbeite eng mit den Storyschreibern und den Charakterdesignern zusammen und gemeinsam mit Heero besprach er alles. Es war zwar viel Arbeit, aber sie genossen dieses gemeinsame Projekt. Es war schön, nach so langer Zeit wieder gemeinsam an etwas zu arbeiten.

Und ja, Heero ging zu einem Therapeuten. Zwar nicht besonders häufig, aber es schien ihm zu helfen seine Unsicherheiten abzulegen. Natürlich kam auch das nicht über Nacht, schließlich hatte Gordon jahrelang an seinem Selbstwertgefühl gekratzt. Aber es war ein weiteres Mosaiksteinchen im Heilungsprozess.

Und so unwahrscheinlich es auch klang, aber Gordon half ihnen auch gewaltig. Der Zwerg konnte es natürlich nicht lassen und verbrachte die nächsten Tage und Wochen damit gegen Duo und Heero zu wettern. Er warf ihnen die unglaublichsten Sachen vor. Und anders als bei der ersten Runde der Presseschlacht, gab Heero jetzt nicht klein bei. Oh, er stürmte nicht nach vorne wie Gordon und ließ seinerseits üble Geschichten über den Zwerg ab. Aber er ärgerte sich über diese Berichte. Und er machte seinem Ärger auch Luft. Am Anfang war es nur, weil er nicht wollte das Gordon über Duo herzog, doch langsam aber sicher verteidigte er auch sich selbst. Und nach kurzer Zeit sahen sich Gordon und auch einige Zeitungen einer Unterlassungsklage gegenüber.

Aber nicht nur deswegen war die Schlammschlacht diesmal weniger erfolgreich für Gordon. Diesmal hatte es zu viele Zeugen gegeben, Zeugen die genauso gerne über die Ereignisse auf der Convention berichtete wie Gordon selbst. Und so bröckelte das wohlgefällige Bild des Opfers das Gordon so gerne in der Öffentlichkeit abgab gewaltig.

Wenn man die Berichte und Meinungen dazu im Internet verfolgte - und Duo tat nichts lieber - dann wurde sehr schnell klar wie ätzend die meisten Gordons Verhalten fanden. Es gab regelrechte Sympathiebekundungen für Heero und Duo.

Einer dieser Fans war sogar soweit gegangen und hatte ein kleines lustiges Spiel ins Netz gestellt das den treffenden Namen ‚Verpass dem Arsch ein neues Loch' trug. Im Grunde war es nichts weiter als gezeichnetes Bild, das die Szene nachstellte wo Gordon mit dem Pfeil im Hintern auf dem Boden lag. Natürlich konnte man Gordon nicht wirklich erkennen aber jeder der die entsprechenden Bilder in den Zeitungen gesehen hatte, konnte sich denken bei wem es sich bei dieser Figur handelte. Und das Ziel des Spieles war es, so viele Pfeile wie möglich in einer gewissen Zeitspanne in den Hintern dieser Figur zu schießen. Total simpel und albern, aber es wurde zum großen Hit im Internet. Es wurde massenhaft herunter geladen. Gordon versuchte zwar dagegen vorzugehen, aber da man ihn nicht erkannte, kam er damit nicht durch. Duo liebte dieses Spiel. Er konnte sich damit ewiglich beschäftigen und bei jedem Treffer grinste er wie blöde. Und er wurde in seiner Punktzahl nur von Heero übertroffen.

Ein paar Wochen später lag Duo auf dem gemütlichen Sofa und las sich durch die letzten Kapitel seines Buches. Die Veröffentlichung stand kurz bevor und wenn Duo Dan glauben konnte, dann gab es einen regelrechten Hype um dieses Buch. Nicht nur wegen dem angekündigten Film und das Spiel, sondern auch weil die Fans hofften dadurch mehr über Duo und Heero zu erfahren. Duo war das fast egal, Hauptsache sie mochten später die Geschichte, dann war es nebensächlich aus welchem Grund das Buch gekauft wurde.

Er hatte gerade die letzte Seite in der Hand, als die Wohnungstür aufging und Heero herein kam. Er sah etwas müde aus, aber das war kein Wunder bei den vielen Stunden die er heute in der Firma verbracht hatte. "Ein anstrengender Tag?" fragte Duo deshalb mit hochgezogenen Augenbrauen.

"Hn," sagte Heero kurz angebunden. Dann legte er seinen Mantel ab, zog sich die Schuhe aus und kletterte über Duo um sich zwischen ihm und die Sofalehne zu schieben. Er ruckelte sich kurz zurecht und blieb dann mit seinen Armen um Duo geschlungen und sein Kopf auf dessen Brust liegen. Allein diese Geste ließ Duo beinahe vor Stolz und Gerührtheit zerfließen. Noch vor einem Monat wäre nicht daran zu denken gewesen, jetzt ließ Heero kaum eine Gelegenheit zum kuscheln aus. Nicht dass sich Duo über diese Veränderung beschweren wollte, im Gegenteil.

"Ich wünschte ich wäre nicht so lange fort gewesen," seufzte Heero.

Duo hob die Seite wieder hoch und sagte, "Jetzt bist du ja wieder da. Aber wenn du morgen auch so lange wegbleibst, dann werde ich Gwen wegen Menschenraub anzeigen."

Heero schnaubte, dann hob er seinen Kopf etwas hoch und schielte auf die Seite die Duo in seiner Hand hielt. "Sind das deine letzten Kapitel?"

"Jup, bin endlich fertig." Es hatte länger gedauert als er angenommen hatte, sie mussten den Erscheinungstermin sogar einmal verschieben. Aber er hatte in den letzten Wochen schließlich auch etwas viel wichtigeres gehabt um das er sich kümmern musste. Dan hatte nicht mal mit der Wimper gezuckt als er ihn um mehr Zeit gebeten hatte. Es schien wohl all ihren Freunden klar zu sein, wie wichtig und wie anstrengend diese Wochen für ihn und Heero gewesen waren.

"Kann ich sie lesen?" fragte Heero ganz aufgeregt.

"Natürlich," lachte Duo und fischte nach den anderen Seiten. "Du musst mir ehrlich sagen was du von ihnen hältst. Dan ist begeistert, aber manchmal glaub ich dass er zu sehr auf Kitsch steht."

Heero tat bewusst empört. "Was ich krieg deine Kapitel erst nach deinem Agenten zu lesen?"

Duo beugte sich vor und hauchte einen Kuss auf Heeros Haarschopf. "Du bist zwar mein Partner, aber Dan ist mein Verleger. Damit musst du dich arrangieren."

Heero lachte über den kleinen Witz und schnappte sich dann endlich die Blätter die Duo ihm hinhielt und begann zu lesen.

Duo genoss die Stille der nächsten Minuten und wartete auf das Urteil seines Freundes. Er hoffte so sehr, dass das Ende auch Heero gefallen würde. Er selbst fand es fast zu kitschig, auch wenn Dan das Gegenteil behauptete.

Dann endlich schien Heero fertig zu sein. "Perfekt," sagte er als er die Seiten wieder auf den Fußboden gleiten ließ.

"Meinst du wirklich?" hakte Duo etwas unsicher nach. "Ist das Ende nicht etwas untypisch für meine Bücher?"

Heero schüttelte den Kopf. "Nein, wie hätte es sonst enden sollen?"

"Aber so ein klassisches ‚Sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage' Happy End? Ich mein ich schreib Fantasy und keine Liebesschnulzen."

Heero lachte wieder. "Ist doch egal. Die zwei haben ihr Happy End verdient!"

"Hm, da hast du wohl Recht." Duo kuschelte sich dichter an Heero und küsste ihn wieder auf die Haare. "Und was hast du so den ganzen Tag im Büro getrieben?"

"Ich hab Terrys Anteile seiner Firma aufgekauft. Ich hab ihm genug gezahlt damit er die Schulden auslösen kann und ihm einen Job angeboten."

"Du hast WAS getan?" fragte Duo vollkommen perplex. Damit hatte er nun gar nicht gerechnet. Wie konnte Heero nur diesem Kerl mit dem Gordon ihn betrogen hatte jetzt auch noch Geld hinterher werfen?

Heero zuckte mit den Schultern. "Da das neue Spiel gefloppt ist stand seine Firma kurz vor dem Ruin. Nicht mehr lange und er hätte Konkurs anmelden müssen."

"Das hat er auch verdient," empörte sich Duo. Immerhin hatte Terry ja mit Hilfe der von Gordon gestohlenen Software versucht einen großen Erfolg zu landen. Und wollte damit sogar Wing als führende Spielefirma ablösen. Doch wie Heero prophezeit hatte, hatten die Kunden nicht viel Spaß an dem neuen Spiel. Ab einem gewissen Level spielte es plötzlich verrückt und Terrys Firma war einfach nicht in der Lage einen Patch zu liefern, der diesen Fehler behob. Diese Nachricht hatte sich wie ein Lauffeuer verbreitet und die Kunden mieden das Produkt wie die Pest. Diejenigen die es bereits gekauft hatten, gaben es zurück und verlangten den Kaufpreis wieder. Eine Katastrophe für Terrys Firma.

"Er hat es nicht gewusst," erklärte Heero.

"Was?" fragte Duo. "Du glaubst dieser Ausrede? Wie kann er nicht gewusst haben dass Gordon die Software von dir geklaut hat?"

"Weil Gordon ihm was anders erzählt hat! Gordon hat behauptet es wäre sein eigenes Produkt und ich würde es nur deshalb nicht in den Spielen von Wing einsetzen um ihm nicht den Triumph zu gönnen."

"Schöne Geschichte!" mokierte sich Duo.

"Aber wie ich Gordon kenne nicht unglaubwürdig."

"Trotzdem ist Terry ein Trottel, dass er sich mit Gordon eingelassen hat. Und er hat bei diesem ganzen Pressewirbel mitgemischt. Meinetwegen soll er in der Hölle schmoren."

"Er war mit Gordon nur ein paar Monate zusammen, ich sieben Jahre. Wer ist der größere Trottel, Duo?" fragte Heero plötzlich sehr ernst.

"Fuck Heero. Bei dir war es eine andere Sache. Gordon hat dich total unter Kontrolle gehabt."

"Und woher willst du wissen, dass es mit Terry nicht genauso war? Terry ist auf Gordon herein gefallen und musste dafür noch schlimmer zahlen als ich. Sein Herz hängt an seiner Firma genauso wie meins an Wing. Das er sie jetzt verkaufen muss um wenigstens die Jobs seiner Angestellten zu sichern hat ihn schwer getroffen. Aber er hat es getan um sie zu schützen. Und er hat sich schon vor Wochen von Gordon getrennt. Ihm war der ganze Pressezirkus genauso zuwider wie uns. Nur dass er da noch von Gordon besessen war. Die Augen sind ihm erst nach der Convention geöffnet worden."

Duo überlegte lang. Wahrscheinlich hatte Heero mit seiner Einschätzung Recht. Wenn Heero sagte, dass Terry auch ein Opfer von Gordon war, dann würde es wohl stimmen. "Wie schafft dieser Zwerg es nur immer wieder?" wunderte er sich.

Heero zuckte mit den Schultern. "Er kann ziemlich gewinnend sein, wenn er will. Er hat Terry überredet ihm einen großen Anteil an der Firma zu übertragen. Aber nachher, als das Fiasko abzusehen war, hat er die Anteile so schnell wie möglich veräußert und es Terry überlassen gegen die Katastrophe zu kämpfen. Loyal ist Gordon nur gegen einen Menschen, sich selbst."

"Wen er sich wohl als nächstes zum ausnehmen aussucht?" wunderte sich Duo.

"Wer weiß. Aber egal wer es ist, er wird rechtzeitig von mir und Terry eine Warnung bekommen. Irgendwann wird es keine Dummen mehr geben die auf ihn hereinfallen."

"Du warst nicht dumm!" korrigierte Duo.

"Ich war sieben Jahre mit dem Arsch zusammen," erklärte Heero.

"Ok, dann bist du halt kein Blitzmerker. Dann passt du gut zu mir, ich bin auch so langsam. Und jetzt lass uns von was anderem reden. Was wollen wir heute essen?"

Heero nahm den Versuch das Gespräch in eine andere Richtung zu drängen gerne an. "Ich hätte Lust auf Pizza. Soll ich welche bestellen?"

"Das wäre wunderbar," erklärte Duo.

"Ok," erwiderte Heero und stand widerstrebend auf. "Ich nehme an, du willst eine mit allem drauf."

"Na klar," antwortete Duo.

Heero schüttelte nur den Kopf und wollte sich schon zum Vidphone umdrehen. Dann hielt er inne rund schnappte sich seine Jacke. "Hab ganz vergessen, es war ein Brief für dich an der Rezeption abgegeben worden." Er holte den Umschlag aus seiner Jackentasche und reichte sie Duo.

Duo blickte den Umschlag verwundert an, wieso war er nicht mit der normalen Post gekommen? Der Absender sagte ihm auch nichts und so riss er das Papier ungeduldig auf um den Inhalt zu lesen. Was seine Augen dann sahen, ließen seine Hände zittern. Er wusste nicht ob ihm zum lachen, oder zum weinen sein sollte.

Heero, der scheinbar die Bestellung bei der Pizzeria beendet hatte stupste ihn plötzlich an. "Duo was ist los?" fragte er besorgt.

Duo ließ den Brief sinken und blickte Heero tief in die Augen, dann lachte er kurz trocken auf. "Wir haben uns doch gefragt, wer der nächste Dumme ist den Gordon ausnehmen will."

"Ja, aber was hat das hiermit zu tun? Duo du bist ganz weiß im Gesicht."

Duo schnaubte, dann wedelte er mit dem Brief hin und her. "Ich bin der Dumme!" brach es aus ihm hervor.

"Was? Ich verstehe nicht. Duo beruhige dich."

"Oh Gott," stöhnte Duo auf. Wieso hatte er das nicht kommen sehen? Ob er sich dann anders verhalten hätte? Wahrscheinlich nicht. "Dies ist eine Klageschrift. Gordon verklagt mich wegen gefährlicher Körperverletzung mit einer tödlichen Waffe. Und jetzt kommt's, er verlangt Schmerzensgeld. Hundert Millionen um genau zu sein."

"Hundert Millionen?"

Duo nickte während er fieberhaft überlegte ob er überhaupt soviel Geld besaß. Er war reich, das war klar aber so reich? Sicher kurz nach der Aktion mit der Regierung, aber das Geld hatten sie gespendet. Hundert Millionen! Unfassbar! "Es scheint Gordon hat es satt seine Liebhaber auszunehmen. Jetzt will er an das große Geld. Aber nur über meine Leiche!"



Kapitel 28

"Dieses dreimal verfluchte Arschloch," skandierte Duo und schlug den riesigen Hammer mit voller Wucht gegen die Wand, so dass die ersten Trümmer auf den Boden fielen. Er holte erneut aus.

"Duo könntest du vielleicht für ein paar Sekunden den Hammer zur Seite legen?" fragte Quatre besorgt.

Duo schüttelte energisch den Kopf. "Ich bin grad so schön in Fahrt. Halt mich jetzt nicht auf. Zu irgendwas muss Gordon ja nütze sein," erklärte er und schlug erneut auf den Teil der Wand ein, den sie heute Morgen mit einer Flex vom Rest abgetrennt hatten. Wäre doch gelacht, wenn es ihm bei seiner Wut im Bauch nicht gelingen würde, heute noch den Wanddurchbruch fertig zu bekommen. Und tatsächlich, nach seinem erneuten Schlag polterten die ersten größeren Wandreste auf den Boden. Duo grinste mit sich zufrieden.

Quatre hustete, wahrscheinlich war ihm der aufgewirbelte Staub in die Lungen geraten. "Ich versteh immer noch nicht, warum ihr die Renovierungsarbeiten nicht von Profis erledigen lasst? Oder gleich in eine andere Wohnung zieht."

Duo ließ den Hammer erneut auf die Wand donnern. Dann machte er eine Pause und wischte sich fahrig mit dem Handrücken den Schweiß von der Stirn. "Das ist unser Zuhause," erklärte er. Aber ihm war klar, dass dieser eine kurze Satz noch lange nicht genau beschrieb warum er und Heero das hier taten.

Im Grunde gab es auch keine klare Antwort dafür, nur ein unbestimmtes Gefühl das sie beide antrieb. Nachdem ihnen klar geworden war, dass sie es wieder miteinander versuchen wollten, war nachdem sich all die Aufregung der Convention etwas gelegt hatte, die Frage aufgetaucht wo sie denn jetzt gemeinsam leben wollten.

Für Duo war es eine Entscheidung von weniger als einer Sekunde London Lebewohl zu sagen. Zwar hatte er dort ein paar Freunde, aber ansonsten hielt ihn dort nicht viel. Seine besten Freunde - Quatre, Trowa, Wufei, Dan und Nadine - lebten sowieso nicht da. Und selbst wenn. Er hatte einen Job den er überall ausüben konnte, solange er nur sein Notebook und Strom hatte. Aber Heeros Firma war hier angesiedelt. Für Duo stellte sich noch nicht einmal ernsthaft die Frage ob Heero nicht zu ihm nach London ziehen sollte.

Aber mit der Entscheidung dass sie beide jetzt hier blieben gab es das nächste Problem. Zwar hatte Heero eine große Villa am Stadtrand, aber sie beide wussten sofort, dass sie dort nie leben könnten. Diese Villa war sowieso eher Gordons Idee von einer standesgemäßen Unterbringung gewesen. Heero hatte fast schüchtern gestanden dass es ihm dort nie gefallen hatte. Es war viel zu groß - sie brauchten Dienstboten um das Anwesen in Schuss zu halten, es war viel zu weit von Wing entfernt, die Fahrtzeit - es war eigentlich unsinnig soviel Fahrtzeit jeden Tag auf sich zu nehmen, und das wohl wichtigste Argument gegen die Villa war, dass Gordon sie ausgesucht hatte.

Wenn es nach Duo ginge, könnte Heero das ganze Anwesen in die Luft sprengen oder von einer Abrissbirne dem Erdboden gleich machen lassen, er würde auf jeden Fall dort nicht einziehen. Heero stimmte ihm darin zu, dass sie nicht die Villa zu ihrem Heim machen sollten, aber er fand es praktischer sie zu verkaufen. Angesichts des Wertes konnte Duo es ihm noch nicht einmal verdenken. Obwohl so eine Explosion auch recht cool gewesen wäre.

Aber sie wussten nach dieser Entscheidung zwar genau wo sie nicht leben wollten, hatten trotzdem keine Ahnung was sie stattdessen wählen sollten. So blieben sie zunächst in ihrer alten Wohnung. Und je länger sie dort blieben, und sich ihre Beziehung verfestigte, desto sicherer wurden sie, dass sie diese Wohnung nicht verlassen wollten.

Immerhin es war ihr erstes gemeinsames Heim. Die Erinnerung an die wunderschöne Zeit wo sie es gemeinsam eingerichtet hatten war für beide unglaublich wichtig. Genauso wie die Zeit seit Heero hier zuflucht vor der Presse gesucht hatte. Irgendwie hatte sie diese Wohnung wieder zusammengeschweißt.

Aber sie gestanden sich auch gemeinsam ein, dass es nicht nur schöne Erinnerungen an diese Wohnung gab. Hier hatten sie sich gestritten, hier hatten sie den Kampf um ihre Beziehung verloren. Davon abgesehen dass Duo seine One Night Stands hierher abgeschleppt hatte und Gordon sogar für einige Zeit mit Heero zusammen gewohnt hatte. Diese schlechten Erinnerungen manifestierten sich unter anderem daran, dass sie beide weder im großen Schlafzimmer noch in Duos Raum miteinander schlafen konnten. Der jeweils andere verband einfach zu schmerzhafte Erinnerungen damit. Aber auf die Dauer war das kleine Bett im Arbeitszimmer keine Lösung.

Und so hatten sie zunächst sogar beschlossen sich nach anderen Wohnungen umzusehen. Doch mit jeder die sie besichtigten wurde ihnen klarer, dass dies hier ihr Heim war. Nach langem überlegen war ihnen drei Monate nachdem sie wieder zusammen gekommen waren dann zum Glück die Lösung für ihr Problem eingefallen. Sie würden das wiederholen was sie am Anfang so geliebt hatten, sie würden die Wohnung neu gestalten. Aber diesmal nicht nur neu einrichten, sondern richtig ummodeln. Nach der Renovierung würde nichts mehr so sein wie vorher. Weshalb sie beide jetzt auch fleißig dabei waren Wände zu durchbrechen und andere hochzuziehen.

Es war verdammt viel Arbeit, und sicher wären sie sehr viel schneller und besser dran gewesen jemand dafür einzustellen. Aber gerade dass sie diese Arbeit zusammen taten, so langsam es auch vorangehen würde, empfanden sie als heilsam und schön. Und was waren ein paar Wochen Stress und leben auf einer Baustelle schon im Vergleich mit dem Wissen, dass sie das hier gemeinsam für sich getan hatten?

"Trotzdem," erklärte Quatre mit einem erneuten Husten, "wäre es schön wenn du dich kurz von dieser Arbeit losreißen könntest. Wir müssen noch so einiges wegen Gordon und der Verhandlung besprechen."

Die Wut wallte wieder in Duo hoch. Hundert Millionen! Wie kam dieser verfluchte Mistkerl nur dazu, ihn auf eine derart lächerliche Summe zu verklagen? Als ob irgendein Körperteil an Gordon soviel Wert sein würde? Und ganz sicher nicht dessen verlogener Arsch. Duo nutzte die neue Wut und hämmerte erneut auf die Wand ein. "Hyyyahhhh!" schrie er und schaffte es, dass mehr als die Hälfte der Mauer einstürzte.

"Duo!" kam es von Quatre mit einem leicht genervten Tonfall. "Würdest du dich jetzt bitte auf mich konzentrieren? Die Wand läuft dir schon nicht weg."

Duo wollte schon etwas erwidern, als ihm plötzlich Heero einen großen Becher mit Wasser vor die Nase hielt. "Hier trink," erklärte er ruhig.

Als er das Wasser sah, wurde Duo auf einmal bewusst wie durstig er doch war. Er warf Heero ein verschmitztes Lächeln zu, dann stellte er den Hammer ab, griff er sich den Becher und leerte ihn in einem Zug. Dann seufzte er wieder tief. "Hundert Millionen! Wie kommt der Zwerg nur auf so eine Summe? Als ob sein Arsch das wert wäre!"

Quatre tskte. "Duo er hat die Summe nicht so hoch angesetzt weil er glaubt das sein Hinterteil soviel wert ist."

"Warum denn dann?" ereiferte sich Duo.

Quatre machte einen Gesichtsausdruck, als ob er einem störrischen Kind etwas erklären musste. Duo musste zugeben, dass er wahrscheinlich bisher auch nur mit halbem Ohr zugehört hatte. Kein Wunder, regte ihn die Sache doch viel zu sehr auf. "Bei so einer Klage geht es nicht nur darum zu bemessen, wieviel Schaden dem Opfer entstanden ist."

"Ha! Opfer!" ereiferte sich Duo.

Aber Quatre ging diesmal gar nicht darauf ein sondern redete einfach weiter, "Sondern auch darum, was der Täter tatsächlich als Strafe empfinden würde. Einem Millionär würde eine tausend Dollar Strafe sicherlich weniger ausmachen als z.B. einem Tellerwäscher."

Duo winkte ab. "Das ist mir klar, aber hundert Millionen? Ich hab in meinem Leben noch nicht soviel Geld gehabt."

"Das ist doch auch nur die Forderung in der Klageschrift. Während der Verhandlung wirst du all dein Vermögen und dein Einkommen offen legen müssen und dann wird sich die Strafsumme daran orientieren."

Duo zog eine Fratze. "Wieso geht ihr eigentlich alle davon aus, dass ich verurteilt werde?"

Quatre zuckte mit den Achseln. "Weil du Gordon einen Pfeil in den Hintern geschossen hast! Und fang jetzt nicht mit der Geschichte an, dass sich der Pfeil von allein gelöst hat. Du wolltest Gordon verletzten und das hast du dann getan."

"Er hat es verdient!" beharrte Duo. Was hatte er schon schlimmes getan? Doch nur dem Arschloch endlich mal die Schmerzen spüren lassen die er auch verdiente. In Ordnung, vielleicht hätte er ihm lieber eine runterhauen sollen als den Bogen zu benutzen, aber auf der Convention hatte er vor Wut nicht an eventuelle Konsequenzen gedacht.

Heero schien zu merken wie aufgebracht Duo war und schlang seine Arme um ihn. Dieser Körperkontakt beruhigte Duo auf der Stelle und er war wieder bereit Quatre genau zuzuhören.

"Das bestreitet auch keiner Duo. Aber so wie Gordon es jetzt in der Presse darstellt, bist du ein gemeingefährlicher Irrer der mit tödlichen Waffen auf andere Leute losgeht. Wir können fast froh sein, dass er seine gierigen Hände nur nach deinem Geld ausstreckt. In dieser Zivilklage geht es nur um das Geld, er hätte auch versuchen können dich wegen schwerer, vorsätzlicher Körperverletzung hinter Gitter zu bringen. Darauf stehen ein paar Jahre Gefängnis. Geld zu verlieren dürfte wirklich das geringste Übel sein."

Heeros Griff um Duo wurde bei diesen Worten erschreckend fest. Er klammerte Duo an sich, als ob er Angst hatte, dass dieser im nächsten Moment von ihm gerissen würde. "Ich werde nicht zulassen, dass Gordon Duo ins Gefängnis bringt," knurrte er gefährlich.

Quatre hob beruhigend die Hände. "Keine Panik. Wie ich bereits gesagt hab, ist Gordon nur hinter dem Geld her. Seien wir glücklich für diesen Umstand. Es ist zwar schade, dass Duo ihm wahrscheinlich viel Geld in den Rachen schieben wird - obwohl meine Anwälte versuchen das zu verhindern - aber die Alternative ist schlimmer."

"Das wird Gordon noch bereuen," erklärte Heero eiskalt.

Duo konnte sich ein kleines Grinsen nicht verkneifen. Er liebte es, wenn Heero so Besitz ergreifend war und ihn vor Gordon beschützen wollte. Daran könnte er sich glatt gewöhnen.

Quatre grinste auch, allerdings eher verschmitzt. "Natürlich wird er das. Nur bitte haltet euch beide mit etwaigen Racheaktionen zurück. Zumindest solange bis die Verhandlung beendet ist. Danach können wir uns in Ruhe überlegen wie wir Gordons Leben zur Hölle machen. Und das dann bitte ohne Gewaltanwendung oder sonstige Straftaten. Den Schuss in den Hintern hat er zwar verdient, aber solange Gordon daraus Gewinn schlagen kann, ist es keine Strafe."

So ungern er es auch tat, Duo musste seinem Freund bei dieser Einschätzung Recht geben. "Ok, warten wir bis nach der Verhandlung."

"Ich wusste doch, dass du vernünftig bist," lachte Quatre. "Und da ich jetzt endlich deine Aufmerksamkeit habe können wir noch ein paar Dinge besprechen. Zunächst einmal, ich hab meine besten Anwälte engagiert, sie werden versuchen den Schaden soweit es möglich ist zu minimieren. Aber dafür brauchen sie eure Kooperation. Das heißt, wann immer sie euch etwas fragen oder von euch beiden möchtet dass ihr etwas tut, dann werdet ihr dem folgen. OK?"

Duo blickte sich kurz zu Heero um. Als dieser nickte, stimmte auch Duo zu. Wahrscheinlich hatte Quatre sowieso Recht. Und er würde liebend gerne alles mögliche tun um Gordons Sieg zu verhindern.

"Des Weiteren möchte ich dass Duo eine Aggressionstherapie besucht."

"Bist du verrückt?" echauffierte sich Duo. "Ich bin doch nicht aggressiv!"

"Du hast mit wenigen Schlägen eine ganze Wand zum einstürzen gebracht, nur weil du auf Gordon wütend bist. Aber das ist gar nicht der Punkt. Gordon behauptet in der Presse das du gewalttätig bist und mit deiner Vergangenheit als Gundam Pilot gibt es viele Leute die er davon überzeugen kann. Wir wollen dagegen darstellen dass dieser Ausbruch eine einmalige Sache war und von Gordon provoziert wurde. Wenn du jetzt so eine Therapie besuchst und sich nach ein paar Untersuchungen unsere Sicht der Dinge bestätigt, dann ist das nur ein Pluspunkt für die Verhandlung. Also wirst du es tun." Beim letzten Satz hatte Quatre einen Gesichtsausdruck aufgelegt, der mehr als deutlich machte dass er keinerlei Widerspruch dulden würde.

Also beugte sich Duo seinem Schicksal und sagte, "OK. Auch wenn das wirklich unnötig ist."

"Gut, die Anwälte werden dir mehr Informationen geben. Noch eine Sache, du wirst jetzt zu niemandem mehr sagen, dass dir der Schuss aus Versehen losgegangen ist. Das ist zwar eine amüsante kleine Geschichte, aber wir alle wissen dass sie nicht hundertprozentig wahr ist und viele halten sie für unglaubwürdig. Falls dich irgendjemand zu dieser Sache befragt, dann wirst du keinen Kommentar geben, mit dem Hinweis dass du zu einem laufenden Prozess keine Aussagen machen wirst."

Man war Quatre aber heute streng. "Ok, ich werde also jeden Journalisten mit ‚Kein Kommentar' abspeisen."

"Sehr gut. Das führt mich zum nächsten Punkt. Ihr beide solltet sichtbarer für die Öffentlichkeit werden."

"Bitte was?" fragte Duo entsetzt.

Und Heero fügte noch bedrückt, "Ich will keine Spielchen für die Presse spielen," hinzu.

Quatre hob wieder abwehrend seine Hände. "Ihr sollt euch ja auch nicht verstellen oder der Presse etwas vormachen. Aber Gordon zieht über euch beide her. Zwar haben wir das meiste durch die Unterlassungsklagen unterbunden, aber er hat am Anfang Zweifel gesät. Natürlich sind seine Anschuldigungen unhaltbar und niemand der euch kennt wird sie glauben. Aber es sieht schon merkwürdig aus, dass ihr beide euch nicht mehr zusammen in der Öffentlichkeit blicken lasst. So als würdet ihr euch schämen."

"So ist das nicht," ereiferte sich Duo. Es war nur so, dass sie es genossen allein zu sein. Und Heero immer noch ein wenig Scheu vor der Öffentlichkeit hatte.

"Das weiß ich, das wissen eure Freunde. Aber all die anderen?"

"Sollen wir nur wegen denen ein Schauspiel aufführen? Ich hab keine Lust für die Presse zu posieren," stellte Duo klar. Und er konnte sich nicht vorstellen, dass Heero das wollte.

"Das sollt ihr doch auch gar nicht. Nur das ihr euch nicht vielleicht jeden Abend hier einschließt. Geht zu dem einen oder anderen Fest. Eine Filmpremiere oder so. Veranstaltungen zu deinem neuen Buch Duo. Zeigt einfach - und unaufdringlich - dass ihr zusammen seid. Und dann nutzt das Internet, nutzt die Fanforen. Wenn ihr dort gemeinsam agiert wird sich das wie ein Lauffeuer verbreiten. Das ist nicht viel, das ist nicht übertrieben und normalerweise würdet ihr es doch auch tun. Ihr macht es jetzt nur wegen Gordon nicht."

"Hn," erklärte Heero. "Wir werden darüber nachdenken."

"Das ist gut so," dann blickte Quatre auf die Uhr. "Oh, ich muss los, sonst komm ich noch zu meiner eigenen Vorstandssitzung zu spät. Viel Spaß noch beim renovieren. Trowa und ich kommen übermorgen vorbei." Wie ein Wirbelwind verschwand ihr blonder Freund.

"Also ich glaub, er hat sich nur verdrückt um uns nicht helfen zu müssen," versuchte Duo zu witzeln.

Aber Heero ging nicht darauf ein. Er zog ihn wieder dicht an sich und flüsterte in Duos Ohr: "Ich will dich nicht verlieren." Bei diesem Satz klang unheimliche Angst in Heeros Stimme.

Duo drehte sich in der engen Umarmung so, dass er Hero ins Gesicht blicken konnte. Ein Gesicht das von Sorge gezeichnet war. Vorsichtig hob Duo seine Hand und streichelte Heeros Wange. "Das wirst du nicht."

"Ich lass nicht zu, dass er dich ins Gefängnis bringt."

"Schhhh. Das steht doch gar nicht mehr zur Debatte. Er will nur mein Geld. Ich werde zwar arm wie eine Kirchenmaus sein, aber er wird uns nicht trennen können. Wir gehören zusammen! Für immer!"

Heero vergrub sein Gesicht in Duos Halsbeuge. Für einige Momente standen sich so da, sich aneinander festhaltend. Dann beugte sich Heero zurück und löste die Umarmung. Nur um Duo im nächsten Augenblick hochzuheben und ins angrenzende Wohnzimmer zu tragen.

"Heero, was machst du da?" protestierte Duo lachend, während er versuchte sich aus dem Griff zu befreien. "Wir sind beide mit Staub und Schutt überzogen, wir werden das Zimmer dreckig machen."

"Na und," erklärte Heero und legte Duo schwungvoll auf das Sofa dass ihnen zur Zeit als Nachtquartier diente. "Die Möbel werden nach der Renovierung sowieso entsorgt."

Duo war absolut erstaunt. Das passte doch nicht zu dem ansonsten so ordentlichen Heero. Aber er würde den Teufel tun und jetzt protestieren. Jetzt wo Heero sich auf ihn legte und anfing ihn zu streicheln und zu küssen. Das sie beide schmutzig waren spielte nur noch eine völlig untergeordnete Rolle. Viel wichtiger war es, dass Heero endlich einmal die Initiative ergriff.

Forsch fing der ehemalige Wing Pilot an seine Hände über Duos Körper gleiten zu lassen und ihn fordernd zu küssen. Nur zu gerne öffnete Duo sich diesen Liebkosungen. Es geschah immer noch viel zu selten, dass Heero ihr Zusammensein initiierte oder bestimmte. Da würde er garantiert nichts tun um das jetzt im Keim zu ersticken. Im Gegenteil er ließ seine Hände genauso fordernd über Heeros Körper gleiten. Heero hatte ja auch Recht, das Sofa würde sowieso bald verschwinden, was machte es, wenn sie es jetzt mit Bauschutt verschmutzten?

Ihre Bewegungen wurden heftiger und sie fingen an, sich gegenseitig die Kleider praktisch von Leib zu reißen. "Für immer!" erklärte Heero wieder, dann begann er damit sich Duos Oberkörper entlang zu küssen. Als sich sein Mund um Duos rechte Brustwarze schloss und er daran knabberte, schrie Duo auf und drückte ihn fest an sich.

Ungestüm und voller Verlangen kämpften sie sich weiter aus ihrer Kleidung. Heftiger Atem erfüllte den Raum, während sie gegenseitig versuchten soviel von dem anderen zu spüren wie nur möglich.

Duo schwebte ihm siebten Himmel. So war der Sex früher so oft gewesen. Er hatte nichts gegen das langsame und ruhige Spiel, die sanfte Verführung die jetzt so oft im Vordergrund stand. Im Gegenteil, er liebte es wie sie Liebe machten. Aber in manchen Situationen, war es auch wundervoll sich dem Bedürfnis hinzugeben sich so schnell wie möglich zu vereinen.

Innerhalb kürzester Zeit hatte Heero Duo vorbereitet und sich tief in ihn geschoben. Als sich ihre Körper zu einem vereinigten schrie Duo auf. So sollte es sein, sie waren eins! Niemand würde sie jemals wieder trennen können. Das war ein Mantra das Duo wieder und wieder aufsagte, während Heero sie beide zur Ekstase stieß.

Danach lagen sie beide schwitzend und nach Atem ringend auf dem Sofa, ihre Arme und Beine immer noch ineinander verwoben. "Oh wow," flüsterte Duo und drückte Heero noch enger an sich. Wie hatte er nur all die Jahre ohne Heero leben können? Wieso hatte er nicht früher gemerkt, dass seine eine Hälfte fehlte?

Heero lag schwer atmend auf Duo und brauchte ein paar Augenblicke länger seine Sprache wieder zu finden. Dann knabberte er kurz an Duos Hals und sagte, "Heirate mich!"

Mit allem hätte Duo gerechnet, nur nicht damit. Tausend Gedanken purzelten durch sein überrumpeltes Gehirn. Selbst nach einigen Momenten war er nur dazu fähig, "Wieso?" zu fragen.

Diese Frage schien nicht besonders gut bei Heero anzukommen. Duo bemerkte wie sich der andere versuchte von ihm zu lösen. "Du hast gesagt ‚für immer' Duo. Heirat bedeutet genau das." Heeros Stimme klang dabei unendlich enttäuscht und auch etwas verletzt.

Duo handelte schnell, er würde nicht schon wieder ein Missverständnis zwischen sie kommen lassen. "Ja, das bedeutet es. Und ich werde mit Freuden alles mögliche schwören was mich an dich bindet. Aber wieso jetzt? Hat das irgendwas mit Quatre zu tun?"

"Mit Quatre?" Heeros Stimme war ehrlich erstaunt.

"Ja, mit seiner Forderung dass wir sichtbarer werden. Ich werde nicht heiraten damit wir irgendwelche Leute die wir gar nicht kennen davon überzeugen, dass wir tatsächlich zusammen sind. Wenn ich heirate, dann soll es keine Farce für die Presse sein."

"Oh nein Duo. So ist es nicht. Auf keinen Fall. Nein. Nur…. Es ist nur für uns," stotterte Heero und versuchte sich aus Duos Umarmung zu befreien.

Duo konnte merken wie aufgeregt der andere war. Das er noch nicht einmal an die Presse gedacht hatte, als er seine Frage gestellt hatte. ‚Nur für uns' hatte Heero gesagt und Duo wurde sofort bewusst wie richtig Heero damit lag. Vielleicht brauchten sie dieses bindende Versprechen, dieses ‚In guten wie in schlechten Tagen' um sich daran festzuhalten. Sie wussten zwar beide, dass sie sich niemals wieder loslassen würden, aber dies durch eine Heirat zu bestätigen konnte garantiert nicht schaden.

Schnell zog Duo Heero wieder an sich. "Ist ok, ich hab verstanden," erklärte er und presste seine Lippen auf die des anderen.

Nach einem tiefen Kuss blickte Heero Duo tief in die Augen und fragte, "Das heißt?"

"Das bedeutet, dass ich dich mit Freuden heiraten werde. Aber erst wenn diese ganze Geschichte mit der Verhandlung abgeschlossen ist."

"Wieso so lange warten?" Heero klang etwas enttäuscht.

Das brachte Duo fast zum lachen. Immerhin war die Verhandlung nur knapp zwei Monate entfernt. Das klang nicht wirklich nach einer langen Wartezeit. Aber manchmal konnte Heero richtiggehend ungeduldig sein. "Ich will nicht dass diese Hochzeit irgendjemand interessiert. Sie ist für uns und soll nicht in der Presse verheizt werden oder in dem Prozess zur Sprache kommen." Außerdem wollte er nicht, dass plötzlich Heeros Vermögen auch mit auf dem Spiel stand. Schlimm genug dass er Gordons Taschen füllen würde.

Absolute Glückseeligkeit breitete sich auf Heeros Gesicht aus. "Aber danach."

"Danach!" bestätigte Duo und küsste den anderen erneut. Danach würden sie ihr Happy End bekommen.