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Rollenspiel - Teil 33 bis Epilog

Kapitel 33

Duo wusste plötzlich wie sich Heero gestern gefühlt hatte. Weil er genau dasselbe empfand. Ihm war als wenn er vor Stolz auf Heero fast zerbersten würde. Der andere hatte die Befragung einfach hervorragend gemeistert. Vielleicht nicht immer am Geschicktesten was die Verhandlung anging, aber am Besten im Bezug auf Gordon.

Dies schien der letzte Schritt für Heero zu sein sich von dem Zwerg und dessen Lügen zu lösen. Duo wäre am liebsten aufgesprungen und hätte Heero umarmt, aber das würde vor Gericht nicht gut kommen, deshalb nahm er sich fest vor dies am Abend nachzuholen. Bei diesem Gedanken stahl sich ein kleines Lächeln auf sein Gesicht.

Und er würde auch mit Nadine über das ganze reden, er war sicher dass sie die gleiche Meinung wie er teilte. Dass Heero sich jetzt endgültig vom Zwerg gelöst hatte. Vielleicht mussten sie am Ende Gordon für diese Verhandlung noch dankbar sein.

Trotz allem hegte Duo natürlich auch eine fast grenzenlose Wut gegenüber Gordon. Wie kam der dazu seinen ehemaligen Partner so schlimm in der Öffentlichkeit darzustellen? Zwar waren sie von ihm nichts anderes gewöhnt aber es empörte Duo trotzdem immer wieder.

Während Duo mit all diesen Gedanken beschäftigt war, ging die Verhandlung weiter. Es wurden weitere Zeugen befragt die den Streit auf der Convention mehr oder weniger von Anfang an mitbekommen hatten. Aus den Aussagen dieser Zeugen gab es allerdings nicht viele Neuigkeiten zu erfahren. Es waren unbeteiligter Zuschauer die teilweise noch nicht einmal gehört hatten was gesagt wurde. Und so rundeten ihre Aussagen nur das ab, was Gordon, Heero und Duo schon vorher erzählt hatten.

Aus diesem Grund verlief die Befragung dieser Zeugen ohne große Höhepunkte und war recht schnell beendet. Duo nutzte das um hin und wieder kleine Blicke nach hinten auf Heero zu stehlen. Und wann immer sich ihre Blicke trafen wurde Duo ganz warm ums Herz. Trotz all der Anschuldigungen von Gordons Anwalt war Heero absolut beherrscht, hatte sich also nicht aus der Ruhe bringen lassen. Was Duo nur noch stolzer sein ließ.

Im Anschluss an die Augenzeugen kam dann Gordons Arzt an die Reihe. Ausführlich berichtete dieser wie schmerzhaft die Verletzung doch gewesen wäre und welche Art der Behandlung vorgenommen werden musste. Dadurch erfuhr Duo auch, dass sich Gordon einer Schönheits-OP unterzogen hatte um die kleine Narbe von dem Pfeilschuss entfernen zu lassen.

An dieser Stelle musste Duo fast lachen. Was war Gordon doch für ein Weichei. Nicht nur dass er wochenlang nicht sitzen konnte, sondern dass er auch noch die Narbe entfernen ließ. Eine drei Zentimeter lange Narbe. Duo schüttelte empört den Kopf. Im Krieg hatten er und die anderen sich bei weitaus schlimmeren Verletzungen höchsten nen Pflaster draufgepatscht und einfach weiter gemacht.

Aber Gordon war nie im Krieg gewesen, hatte nie irgendwelche Entbehrungen ertragen müssen. Vielleicht war diese Nichtigkeit deshalb eine große Sache für ihn. Trotzdem konnte sich Duo darüber nur amüsieren. Gordon blieb einfach ein armes Würstchen.

Auch die Befragung des Arztes ging relativ schnell vorbei. Duos Anwälte hatten wenig nachfragen, wollten nur wissen wie lange die Behandlung denn tatsächlich gedauert hatte und wieviel sie insgesamt gekostet hatte. Knapp 40000 hatte Gordon für die Herstellung seines Gesäßes bezahlt. Völlig überteuert wie Duo fand.

Der Zeuge der danach an die Reihe kam überraschte Duo. Es war der Besitzer des Ladens wo Duo sein Elfenoutfit gekauft hatte.

Erstaunlicherweise ging Gordons Anwalt den armen Mann ziemlich hart an. Ließ in seiner Befragung sogar mehrmals durchschimmern dass er ihn im Grunde vorwarf eine gefährliche Waffe in die Hände eines unstabilen Mannes gegeben zu haben.

"Sie als verantwortungsbewusster Geschäftsmann werden den Angeklagten doch sicherlich darauf hingewiesen haben, dass die Waffe funktionstüchtig ist, oder? Weil wenn nicht, dann könnte man das das Fahrlässigkeit auslegen," sagte Thompson süffisant.

Der große Mann im Zeugenstand schnaubte nur abfällig. "Was soll das? Wollen Sie mich dazu bringen zu sagen ich hätte Mr. Maxwell alles erklärt nur um meine eigenen Arsch zu retten?"

Duo konnte hören wie einige Leute im Zuschauerraum leise kicherten. Irgendwie war Thompson nicht subtil genug an die Sache herangegangen.

"Ich verlange dass dieser Satz aus dem Protokoll gestrichen wird," verlangte Gordons Anwalt. Dann sagte er, "Antworten Sie auf die Frage Mr. Meiers."

Der Ladenbesitzer rollte deutlich mit den Augen. "In meinem Geschäft hängen einige Hinweisschilder das alle meine Waren funktionstüchtig sind. Da ich normalerweise nur Kunden haben die sich in der Szene auskennen erachte ich es nicht für nötig beim Kauf noch einmal darauf hinzuweisen."

"Also kann Mr. Maxwell von der Tödlichkeit der Waffe gewusst haben."

Er große Mann schnaubte, "Da ist nichts tödliches dran."

"Mein Mandant wurde immerhin getroffen."

"Aber soweit ich weiß nur im Hintern. Und es ist auch nur die Spitze des Pfeils eingedrungen. Wenn es eine tödliche Waffe hätte sein sollen, hätte mehr von dem Pfeil stecken bleiben müssen. Außerdem beschießen sich meine Kunden normalerweise nicht. Wir sind ein friedliches Völkchen."

"Das tut hier nichts zur Sache. Kann Mr. Maxwell gewusst haben dass die Waffe funktionstüchtig ist?"

"Ja," sagte der Ladenbesitzer zerknirscht. "Aber…"

"Mehr will ich gar nicht wissen, Mr. Meiers," unterbrach ihn Thompson und drehte sich weg.

Sofort sprang Mathiews auf. "Mr. Meiers glauben Sie persönlich dass Mr. Maxwell das gewusst hat?"

"Ich denke nicht."

"Wieso nicht?"

"Nun, es war schon ziemlich offensichtlich dass er zum ersten Mal in so einem Laden wie dem meinen war. Er lief mit großen Augen herum. Der war so überwältigt von all den verschiedenen Outfits dass er wahrscheinlich die Schilder nicht beachtet hat. Außerdem waren er und seine Begleiter eher mit der Passform der Hose beschäftigt als zu erkunden ob der Bogen auch wirklich funktioniert. Für ihn war das nur ein Accessoire."

"Wenn Sie gesehen haben dass er so neu in der Szene war, wieso haben Sie ihn dann nicht auf die Gefährlichkeit hingewiesen."

"Wie gesagt, wir sind ein friedfertiges Völkchen. In all den Jahren die ich in der Szene bin hat es noch nie einen Unfall mit den Bögen oder Schwertern gegeben. Mr. Maxwell machte auf mich nicht den Eindruck dass er mit der Waffe irgendjemanden angreifen würde. Im Gegenteil er hat gelacht, war fröhlich und aufgeregt wegen der Convention. Ich kann doch nicht jeden meiner Kunden per se für einen gemeingefährlichen Irren halten. Wieso soll jetzt mein Bogen an der ganzen Sache Schuld sein? So wie ich das sehe, wäre die ganze Sache doch nicht passiert, wenn sich der Kläger nicht wie ein Wildschein aufgeführt hätte."

"Einspruch!" empörte sich Gordons Anwalt.

Duo musste kichern und tat sein bestes das zu verbergen. Seiner Meinung nach hatte der Ladenbesitzer den Nagel auf den Kopf getroffen. Leider wurde seine schöne Bemerkung aus dem Protokoll gestrichen.

Danach waren dann tatsächlich alle Befragungen beendet. Duo konnte es selbst fast nicht glauben, aber andererseits wer sollte denn jetzt noch als Zeugen auftreten? Er wusste dass seine Anwälte zwar mal was von Leumundszeugen gemurmelt hatten, aber das hatten sie schon vor Wochen wieder verworfen. Sie hatten sich entschieden dass Duo niemanden brauchte der aussagte dass er normalerweise ein netter Mensch war. Das hätte das ganze nur zu sehr aufgebläht, und evtl. Gordons Unterstellungen nur noch Vorschub geleistet.

Nach einer kleinen Pause ging es dann in den vorerst letzten Teil der Verhandlung. Sowohl Gordons Anwälte als auch Duos fassten all die Ereignisse und all die Punkt die sie für wichtig befanden zusammen.

Duo hörte dabei nur mit einem halben Ohr zu. So langsam fand er dass die Sache oft genug durchgekaut worden war. Seine Meinung nach hatte der Prozess nichts wirklich neues oder wichtiges ans Licht gebracht.

Nachdem die Anwälte fertig waren, erklärte der Gerichtsdiener dass sich der Richter jetzt zur Urteilsfindung zurück ziehen würde.

"Was passiert jetzt?" fragte Duo seine Anwälte verwundert.

"Richter Garrison wird über alles nachdenken und dann das Urteil verkünden," antwortete Kirk.

"Wie lange wird das dauern?" fragte Duo.

"Da gibt es keine Beschränkungen," antwortete Mathiews. "Es könnte sein dass er das Urteil heute noch verkündet oder erst morgen. Oder sogar noch später. Wobei ich nicht glaube dass er länger als einen Tag brauchen wird."

In der Zwischenzeit waren alle Zuschauer aufgestanden und es herrschte im Saal ein kommen und gehen. Heero war an die Anklagebank getreten und hatte seinen Arm um Duo gelegt. "Wie sieht es aus?" fragte er mit einem Hauch von Besorgnis in der Stimme.

Das interessierte Duo auch ungemein.

Kirk und Mathiews zuckten simultan mit der Schulter. "Es gab eigentlich keine großen Überraschungen," erklärte Mathiews. "Mr. Jones hat bei einigen Sachen gepunktet, wir bei anderen. Es hängt wirklich davon ab ob der Richter aus all den Informationen das Gesamtbild zusammenfügen kann oder nicht."

"Aber wir hegen große Hoffnungen in Richter Garrison," fügte Kirk mit einem Grinsen hinzu.

Duo drückte die Daumen das seine Anwälte Recht behielten.

"Dann kann ich Duo also erstmal entführen?" vergewisserte sich Heero.

"Natürlich, wir rufen euch an, sollte sich hier überraschend schnell etwas ergeben."

"Wohin willst du mich entführen?" verlangte Duo zu wissen.

Ein kleines Lächeln umspielte Heero. "Wir müssen zum Flughafen um Dan und Sally abzuholen."

"Was machen die zwei denn hier?" nicht das sich Duo beschweren würde aber er hatte nicht mehr damit gerechnet sie zu sehen.

"Na die sind wegen der Party gekommen. Und der Überraschung."

"Welche Party?" Duo war völlig perplex.

"Die wo wir unseren Sieg über Gordon feiern," erklärte Heero mit fester Stimme.

Das war eine nette Idee, das konnte Duo nicht abstreiten. "Aber was ist wenn ich den Prozess verlier?"

"Dann haben wir trotzdem über Gordon gesiegt. Weil der Zwerg endlich aus unserem Leben verschwindet."

"Hä, stimmt. Das ist ein guter Grund für eine Party." Duo war aufgestanden und lehnte sich an Heero. "Dann lass uns mal unsere Freunde abholen." Aber noch während sie zum Ausgang gingen fiel Duo noch etwas ein. "Was für eine Überraschung?" fragte er erstaunt.

Heero lachte leise, seine Augen strahlten dabei so sehr, dass es Duo fast von der Frage ablenkte. "Baka, wenn ich es dir jetzt verrate dann ist das doch keine Überraschung mehr."

"Menno," grummelte Duo, aber er wusste wann er sich geschlagen geben musste. Im Geheimhalten von Dingen war Heero nämlich fast unschlagbar.

Die Fahrt zum Flughafen verlief dann relativ ereignislos. Sie hatten eine große Limousine genommen damit auch alle ehemaligen Gundam Piloten herein passten. Wobei Wufei der aufgeregteste von ihnen war. Duo fand es fast niedlich wie sehr sich Wufei nach nur ein paar Tagen Trennung von Sally doch auf ein Wiedersehen freute. Wenn Duo nicht immer noch ein wenig von der Verhandlung abgelenkt gewesen wäre, dann hätte er sich mit Freuden über daran gemacht seinen Freund deswegen zu necken.

Auch ansonsten herrschte eine eher gelassene Atmosphäre in dem Auto. Als ob es abgesprochen gewesen wäre redete niemand über den Prozess. Aber das war auch ganz gut so. Immerhin war die Sache jetzt so gut wie vorbei. Verändern ließ sich sowieso nichts mehr und Duo wollte sich nicht noch unnötig Gedanken machen. Da tat es ganz gut von den anderen abgelenkt zu werden.

Die Maschinen von Dan und Sally landeten kurz hintereinander und schon bald hatten sie die Neuankömmlinge eingesammelt. Duo war erst noch für einen Moment verwundert als er sah dass Dan auch seine bessere Hälfte mitgenommen hatte, vergaß aber deshalb nachzufragen, als Dan ihm praktisch sofort zur Begrüßung vorwarf keine Kapitel geschrieben zu haben.

Für einen Moment stand Duo da und machte seine beste Goldfischimitation, bis es in seinem Gehirn klick machte und er Dan lachend darauf hinwies dass er im Moment ja an gar keinem Buch schrieb. Dann begann er einen langen Ungerechtigkeits-Dialog und beschwerte sich lachend darüber dass Agenten doch immer nur das eine wollte.

Alles in allem waren sie relativ ausgelassen und guter Stimmung. Duo war sich sicher, dass das Nachlassen der Anspannung dafür verantwortlich war, aber er würde den Teufel tun und sich beschweren.

Doch als dann auf ihrem Weg zurück in die Stadt plötzlich Duos Mobiltelefon klingelte, herrschte im Auto eine fast erdrückende Stille. Jeder schien zu ahnen was dieser Anruf bedeutete.

"Das war Kirk," erklärte Duo nachdem er das Gespräch beendet hatte. "Der Richter ist bereit das Urteil zu verkünden."

Heero umarmte ihn. "Das war ja unheimlich schnell. Ist das ein gutes, oder ein schlechtes Zeichen?"

Duo zuckte mit den Schultern. "Keine Ahnung. Lass es uns einfach hinter uns bringen, ok. Bald werden wir es ja wissen." Trotz seiner tapferen Worte wurde Duo bewusst dass er dennoch leicht zitterte. Er wusste dass es nur um Geld ging. Er wusste das egal was jetzt passierte sie zumindest Gordon los waren, aber an die Nieren ging es ihm trotzdem.

Wieder im Gericht angekommen mussten sie feststellen dass die Neuigkeit der Urteilsverkündung sich scheinbar wie ein Lauffeuer verbreitet hatte, denn der Saal war nicht weniger voll als am Beginn des Prozesses.

Nicht lange nachdem Duo und seine Anwälte sich gesetzt hatten, kam auch Gordon und sein Anhang. Und nur Augenblicke später erschien Richter Garrison.

Im Saal herrschte beinah Totenstille als der Richter das Wort ergriff. "Ich muss sagen, dass mich dieser Prozess auf vielen Ebenen erstaunt hat. Betrachtet man das Medieninteresse, die Prominenz der Beteiligten, den Tatort, die Tatwaffe und die Summe um die es in dieser Verhandlung geht, dann scheint das ganze eine schillernde Geschichte zu sein.

Wir haben viel gehört in dieser Verhandlung. Wir haben davon gehört dass der Angeklagte einer der berühmt berüchtigten Gundam Piloten war. Wir haben Andeutungen über Gewaltpotential und über unglaubliche Vorgänge in einer Beziehung gehört. Dinge die auch schon vor dem Prozess weidlich in der so genannten Boulevardpresse ausgeweidet wurden. Wobei sich die eine Seite eher in Schweigen gehüllt hat, während die andere ein Ölfass nach dem nächsten ins Feuer kippte.

Doch nimmt man all diesen Glamour weg, wenn man sich nicht mehr auf das Drumherum und auf die Geschichte der beteiligten Personen achtet, dann der Fall eigentlich sehr banal. Es ist eine beinahe klassische Konstellation eines Liebesdreiecks. Auf der einen Seite haben wir ein Paar das sich vor einiger Zeit getrennt hat. Es herrscht aus welchen Gründen auch immer auch nach all der Zeit noch böses Blut zwischen ihnen. Sie treffen aufeinander, es gibt einen Streit, der neue Lebensgefährte des einen Partners taucht auf und plötzlich wird jemand verletzt.

Sie können mir glauben, wenn ich Ihnen sage das ich diese Art von Fällen schon dutzende Male in meiner Karriere gesehen hab.

Und normalerweise wird so ein Fall noch nicht einmal verhandelt. Was gäbe es auch dass ein Prozess entscheiden könnte, dass nicht schon vorher klar auf der Hand lag. Beide Parteien geben zu dass es ein Wortgefecht gegeben hat. Der Angeklagte hat vor Gericht niemals behauptet nicht verantwortlich für die Verletzung des Klägers zu sein. Er hat zwar erklärt dass ihn die Worte des Klägers erst zu seiner Tat gereizt hat, aber er hat dem Kläger trotzdem nicht die Schuld zugewiesen.

Trotz dieser Banalität gab es diesen Prozess. Und es gab ein Medienaufruhr wie ich ihn selbst bei einigen Mordfällen nicht erlebt hab. Und in diesem Prozess wurden unheimlich viele wunde Punkte der drei Beteiligten ans Licht gezerrt, obwohl dies eigentlich für den Prozess nicht wirklich nötig gewesen wäre.

Aber wie schon angedeutet, das wichtige für mich als Richter ist nicht der Glamour sondern die eigentlichen Tatsachen. Und an die muss ich mich bei der Urteilsverkündung halten. Mr. Maxwell, hiermit verurteile ich Sie zu folgendem: Sie werden die gesamten Kosten für den Prozess übernehmen. Außerdem werden Sie Mr. Jones die Kosten für seine ärztliche Behandlung erstatten. Darüber hinaus werden Sie einer Sozialen Einrichtung Ihrer Wahl den Betrag von 50000 Credits spenden. Und zu Guter Letzt verurteile Ich Sie dazu an den Kläger ein Schmerzensgeld in Höhe von 10 Credits zahlen. Gegen dieses Urteil kann kein Widerspruch eingelegt werden. Diese Farce hat schon genug Zeit des Gerichts verplempert."

Duo glaubte sich verhört zu haben. Das konnte doch wohl nicht passiert sein, oder?

Ein Markerschütternder Schrei von Gordon ertönte. "Was?" rief er empört. Und genau dies ließ Duo glauben dass er doch richtig gehört hatte.

Richter Garrison klopfte mit seinem Hammer. "Ruhe im Gerichtssaal. Mr. Jones das Urteil steht."

"Dieser dreckige Köter hat mich angegriffen und soll nur 10 Credits zahlen?"

"Mr. Jones, wenn Sie jetzt keine Ruhe geben, werde ich Sie wegen Missachtung des Gerichts bestrafen. Und lassen Sie sich von Ihren Anwälten bei Zeiten mal über den Tatbestand der Verleumdung aufklären. Und damit ist die Verhandlung geschlossen."

Wie auf Kommando ertönte unglaublicher Lärm im Saal. Duo grinste unkontrolliert und plötzlich wurde er von allen möglichen Leuten umarmt. Er hatte gesiegt. Denn anders konnte man dieses Urteil nicht interpretieren. "Hä, die 10 Credits sind sogar noch ein größerer Schlag ins Gesicht als wenn Gordon gar nichts bekommen hätte," erklärte Quatre mit seinem besten Haifischgrinsen.

Doch Duo hörte ihm nur mit halben Ohr zu. Stattdessen blickte er tief in Heeros Augen und konnte sein Glück nicht fassen. "Es ist vorbei," sagte er.

Heero zog ihn schnell in seine Arme und drückte ihm einen langen Kuss auf die Lippen. Als sie sich endlich heftig Atmend von einander lösten bestätigte er, "Es ist vorbei."

Ja, es war vorbei. Zwar hatte Duo das noch immer nicht vollkommen verinnerlicht, aber er war sich sicher dass er das bald tun würde. Eine riesige Last war von ihm gefallen und er fühlte sich plötzlich absolut ausgelaugt, aber auch total voller Energie. Und das beste, Heero lachte ihn an. Heero hielt ihm im Arm. Wen kümmerte da das arme Würstchen dass einige Schritte von ihnen entfernt beim Weg aus dem Saal etwas von der Befangenheit des Richters skandierte.

"Wir sollten aufbrechen zur Party," rief Nadine aufgeregt.

"Und zur Überraschung," fügte Quatre kichernd hinzu. Wie auf Kommando grinsten alle und gingen so schnell es möglich war aus dem Gerichtssaal.

Duo hielt sich etwas zurück. Und da Heero ihn immer noch festhielt, waren sie kurz darauf allein im Saal. "Was ist das für eine Überraschung Heero?" fragte er neugierig. So aufgeregt hatte er Quatre schon lange nicht mehr erlebt.

Heero wand sich erst ein wenig, doch dann rückte er doch mit der Sprache raus. "Ich hab einen Standesbeamten zur Feier beordert."

"Hä," kommentierte Duo. "Wieso?" irgendwie war sein Gehirn zu blockiert um daraus einen Sinn zu machen.

Heero sah für einen kurzen Moment traurig aus. "Du hast gesagt dass du mich heiraten willst wenn die Verhandlung vorbei ist. Und sie ist vorbei. Oder willst du nicht mehr? Ich mein…"

Duo tat das erste was ihm in den Sinn kam um Heeros Geplapper zu unterbrechen. "Du Dummkopf. Natürlich will ich dich noch heiraten. Aber wieso so plötzlich?"

Heero fand seine Selbstsicherheit erstaunlich schnell zurück. "Nun deine Bedingung war dass der Prozess zu Ende ist. Was er ja ist. Und all unsere Freunde sind da. Und wir fliegen für einige Wochen in die Karibik, perfekt für die Flitterwochen. Da dachte ich mir wir können zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen."

Duo musste laut lachen. "Ich liebe es wie gut du organisiert bist," erklärte er. Wirklich jetzt wo er den ersten Schock überwunden hatte hörte sich das ganze nach einem verdammt guten Plan an. Einem Plan den er niemals nicht widersprechen würde.

"Also wirst du es tun? Mich heiraten?" hakte Heero nach.

Duo stupste ihn leicht mit dem Ellenbogen. "Natürlich, das hab ich schon vor Wochen gesagt. Und es gibt nichts was ich lieber tun würde. Nur ich hab für eine Hochzeit nichts passendes zum anziehen," gab er spielerisch zurück.

"Ich dachte mir, wir nehmen die Klamotten von der Convention. Ist doch passend oder?"

Als Antwort musste Duo lang und laut lachen. Die Idee war nicht die schlechteste.



Epilog

Genüsslich räkelte sich Duo auf seiner Liege zurecht und blickte hinaus auf das Meer, wobei seine Augen Heero nahezu gefangen nahmen. Es war aber auch ein zu schöner Anblick wie sein Ehemann mit kräftigen Kraulbewegungen durch das türkisfarbene Meer glitt.

‚Ehemann', bei diesem Wort musste Duo einfach grinsen. So ganz hatte er sich noch nicht daran gewöhnt mit Heero jetzt verheiratet zu sein. Manchmal überkam ihm bei diesem Gedanken sogar ein unwillkürliches kichern. Er hätte sich im Traum niemals vorstellen können Heero zu heiraten, das schien einfach viel zu normal zu sein. Nichts das er jemals mit sich oder dem ehemaligen Wing Piloten in einen Zusammenhang gebracht hätte.

Und doch fühlte es sich unwahrscheinlich gut an. Genauso gut wie der Ehering aus Platin der seine Hand schmückte. Wobei Duo vollkommen unbewusst der Gedanke kam, dass der Ring auch das einzige war, was er gerade trug. Er und Heero waren allein auf dieser luxuriös ausgestatteten Privatinsel und das nutzten sie weidlich aus. Duo hätte sich niemals träumen lassen wieviel Spaß es machte nackt in den sanften Wellen der Lagune zu schwimmen. Ganz besonders viel Spaß da er es zusammen mit Heero tat. Kaum einer ihrer Schwimmausflüge endete ohne eine leidenschaftliche Liebesrunde am Strand.

Sie genossen ihre Flitterwochen in der Karibik so gut es ging. Und wirklich all der Stress der letzten Wochen schien wie auf einen Schlag von ihnen gefallen zu sein, als sie die Insel betreten hatten.

Es mutete aber auch zu sehr wie ein Paradies an. Die Insel war zwar klein, aber wunderschön. Und die Villa war mit allem möglichen Luxus ausgestattet. Wahrscheinlich konnte man sich hier nur wohl fühlen. Alles andere war nicht möglich. Die Sonne und das Meer taten ein Übriges und so hatten Duo und Heero ihre Flitterwochen hier sehr genossen.

Es hatte wahrscheinlich auch ganz viel damit zu tun, dass endlich das Kapitel Gordon beendet zu sein schien. Der Prozess war mit einem Paukenschlag ausgegangen. In seinen kühnsten Träumen hätte Duo das nicht erwartet. Und jedes Mal wenn er an den Urteilsspruch dachte musste er unwillkürlich wieder grinsen. Es war ein einziger großer Schlag gegen Gordon gewesen. Duo machte es nichts aus die Kosten für das Verfahren und für die ärztliche Behandlung zu zahlen. Das waren mehr oder weniger Peanuts für ihn. Und da er ja nun wirklich verantwortlich für die Verletzung von Gordon gewesen war, war es auch nur zu gerecht. Aber was Duo einfach ungemein freute war das Schmerzensgeld für Gordon. Zehn lumpige Credits. Das musste doch für Gordons Ego ein Schlag unter die Gürtellinie gewesen sein.

Fast wünschte sich Duo zu wissen was jetzt gerade in der Welt vor sich ging. Es reizte ihn irgendwie schon zu sehen ob Gordon immer noch soviel für die Boulevardpresse zu berichten wusste. Aber Heero hatte für ihre Flitterwochen auf totale Entspannung gedrängt. Und so hatten sie zwar Internet und auch Telefon, aber selbst wenn sie beinahe täglich mit ihren Freunden redeten, war das Thema Gordon tabu. Duo stimmte damit überein, er wollte auch nicht, dass irgendwas ihre schönen Tage hier überschattete, aber trotzdem, hin und wieder kribbelte es ihm in den Fingern.

Um sich davon abzulenken ließ er seine Gedanken einfach wandern. Das war einfach hier in der entspannenden Ruhe und in der Sonne liegend. Und schon nach einer hundertstel Sekunde war der Prozess vergessen, stattdessen dachte Duo wieder daran dass er und Heero verheiratet waren.

Das war wirklich mal eine Überraschung gewesen. Duo grinste kurz. Zwar hatten sie vorher besprochen zu heiraten, aber irgendwie war es noch nicht so richtig real für Duo gewesen. Es war etwas das irgendwann in der Zukunft passieren würde.

Doch Heero war an die Sache pragmatischer herangegangen. Da Duo bestimmt hatte dass sie nicht vor Ende des Prozesses heiraten würden, hatte Heero einfach beschlossen dass sie es genau an dem Tag dann auch tun sollten. Das war irgendwie so typisch Heero, dass Duo fast zerschmelzen konnte vor Glück.

Ihm war natürlich klar, dass Heero vielleicht auch deshalb auf so eine schnelle Heirat drängte um sie beide fester aneinander zu binden. Um sich zu vergewissern dass er und Duo auch wirklich zusammen bleiben würden. Zu dieser Erkenntnis hatte Duo noch nicht einmal die kurze Warnung von Nadine am Abend der Hochzeit benötigt. Obwohl Warnung war ein zu böses Wort. Seine Freundin hatte ihn nur kurz zur Seite genommen und ihm gesagt dass Heero mit diesem Schritt sicherlich auch diese Angst besänftigen wollte.

Duo hatte als Antwort nur gelacht und Nadine auf die Wange geküsst. Dann hatte er ihr ins Ohr geflüstert dass er das schon vorher gewusst hatte und dass auch er lieber früher als später Heero fester an sich binden wollte. Sie hatten zwar in den Wochen davor gelernt ihre Beziehung diesmal auf solidere Füße zu stellen, aber eine zusätzliche Absicherung schadete auf keinen Fall. Wenn sie jetzt einmal Streit bekommen würden, dann könnten sie nicht so einfach auseinander gehen, Ehen ließen sich nicht ganz so einfach beenden. Sicher, kein Eheversprechen der Welt konnte eine Beziehung die gescheitert war am Leben erhalten, aber es schadete auch nichts, diesen zusätzlichen Sicherheitsgurt zu haben.

Außerdem endeten nicht so alle großen Liebesgeschichten? Mit einer Hochzeit und dem Happily Ever After? Also warum sollten sie das nicht auch bekommen?

An die Hochzeit selbst konnte sich Duo nur noch bruchstückhaft erinnern, er war einfach viel zu überwältigt von den ganzen Ereignissen und stand vor Glück ein wenig neben sich. Aber Heero beruhigte ihn immer und versprach dass sie sich zuhause das Video der Feier ansehen könnten um Duos Erinnerung aufzufrischen.

Was Duo noch wusste war, dass er praktisch drei Zentimeter über den Boden geschwebt hatte vor Glück. Das alle Freunde bei ihnen waren und dass sie verdammt viel Spaß hatten. Soviel Spaß dass Duo noch nicht einmal wegen der immer noch viel zu engen Hose seines Elfenkostüms gejammert hatte. Außerdem hatte Heero später in der Nacht sein bestes getan um mit sanften und leidenschaftlichen Küssen alles wieder gut zu machen.

Wenn der Standesbeamte erstaunt darüber war dass Bräutigam und Bräutigam in Conventionkluft vor ihm standen - genau wie die meisten Hochzeitsgäste, selbst Wufei hatte sich verkleidet - dann zeigte er es nicht. Aber wahrscheinlich war er ähnliche Exzentriken hier in Californien nur zu genüge gewöhnt.

Die Zeremonie war dann sehr schlicht und kurz gewesen. Duo hatte mal gehört dass andere Paare sogar ihre Schwüre selbst schrieben. Das war nichts das ihm oder Heero in den Sinn gekommen wäre. Das einfache ‚Ich will' war für sie beide mehr als genug. Wichtig waren keine schönen Worte sondern der Wille es diesmal bis zum Ende durchzuziehen. Niemand würde sie jetzt mehr trennen können. Und genau das hatte Duo gefühlt als sie sich dann vor versammelter Mannschaft geküsst hatten. Es schien wirklich so, als ob sie ihre gemeinsame Zukunft damit besiegelt hätten, auch wenn das noch so kitschig klang. Duo fand dass auch er das Anrecht auf ein wenig Kitsch hatte.

Plötzlich traf etwas eiskaltes seinen von der Sonne aufgeheizten Rücken und Duo schoss mit einem spitzen Schrei nach oben. Wütend blinzelte er zu seinem grinsenden Ehemann und zischte: "Na warte, ich bring dich um." Er war so in seine Gedanken vertieft gewesen dass er gar nicht bemerkt hatte wie Heero aus dem Meer gestiegen war. Was Heero sofort ausgenutzt und ihn hinterrücks mit kaltem Wasser beträufelt hatte. Eine bodenlose Ungerechtigkeit die Duo sicherlich noch rächen würde.

Immer noch grinsend ließ sich Heero auf die Liege neben Duo fallen und erwiderte: "Noch so ein Marathon wie letzte Nacht und du wirst das tatsächlich tun."

"Mach nur so weiter. Das lässt sich ganz einfach einrichten, Freundchen!" gab Duo zurück und legte sich auch wieder hin. Die Idee von Heero war nicht die schlechteste, klang sie doch nach viel Spaß im Bett - und anderswo.

Für einige Momente lagen sie einfach nur schweigend da und genossen es so dicht bei dem anderen zu sein. Dann sprach Heero: "Übermorgen kommt das Boot."

Duo seufzte, diesmal würde das Boot nicht neue Lebensmittel bringen, sondern sie von dieser Trauminsel abholen. "Unglaublich wie die Zeit vergeht. Ich mag gar nicht daran denken wieder in die wirkliche Welt zurück zu kehren. Ich wette mit dir, wir werden noch nicht einmal drei Sekunden in der Wohnung sein, dann wird Dan anrufen und mich löchern wann ich denn endlich mit dem neuen Buch anfange. Der Mensch ist ein geborener Sklaventreiber."

"Gwen wird ihn sicher um längen schlagen. Und sie hat sicherlich eine seitenlange Agenda die ich am ersten Tag im Büro abarbeiten muss."

Sie grinsten sich beide an, dann grinste Duo breit: "Irgendwie vermiss ich den Stress ja auch ein bisschen."

Heero lachte befreit: "Baka! Ich doch auch. Es ist schön auch mal auszuspannen, aber wir lieben unsere Arbeit einfach viel zu sehr um für längere Zeit nichts zu tun."

Dem konnte Duo nur zustimmen. Er freute sich darauf wieder in die Tasten zu hauen, in seinem Kopf hatte er sich schon den Plot für das nächste Buch zurecht gelegt. Und er freute sich auch darauf weiter an dem Computerspiel und dem Film zu arbeiten. Ihm würde sicherlich vor Erstaunen der Unterkiefer runterfallen wenn er erstmal all die Fortschritte der letzten Wochen begutachtet hatte. Nur auf eines freute er sich nicht. "Was Gordon wohl jetzt in petto hat?" fragte er ohne groß Nachzudenken.

Heero rollte sich zu ihm herüber und ließ seine Hand leicht auf Duos Hüfte liegen. "Muss er denn irgendwas vorhaben?"

Duo wackelte mit dem Kopf. "Du kennst doch Gordon. Der wird niemals aufgeben."

Für einen Herzschlag herrschte totale Ruhe, dann sagte Heero mit einem fast bestimmenden Tonfall, "Es wird jetzt enden."

"Aber Heero…" versuchte Duo.

Doch Heero schüttelte den Kopf. "Gordon hat verloren und das wird auch er einsehen müssen. Ich will ihn nicht mehr in meinem Leben haben. Nicht einmal als Dolch in meinem Rücken. Sollte er tatsächlich wieder mit einer Medienschlacht anfangen, dann wird er diesmal von unseren Anwälten saures bekommen. Ansonsten ignoriere ich ihn. Er hat keine Macht mehr über uns."

Duo schwieg kurz dann sagte er mit Bedauern in der Stimme: "Nur irgendwie hab ich das Gefühl dass er nicht… dass er nicht genug leidet." Was Besseres fiel Duo nicht ein. Es war schwer das Gefühl zu beschreiben das er immer noch hegte wenn er an Gordon dachte. "Er hat dir, er hat uns so sehr wehgetan. Da scheint es mir fast zu profan ihn mit den zehn Credits zu bestrafen. Das kann doch nicht alles sein, oder? Wo bleibt die große Rache an dem Arschloch?"

"Muss es denn eine Rache geben?" fragte Heero mit ernstem Blick zurück.

"Ja!" entfuhr es Duo. "Er muss für alles bezahlen. Wenn nicht, dann glaubt er am Ende noch dass er gewonnen hat."

Heero schüttelte den Kopf. "Ich will aber mein Leben nicht nach Gordon richten - das habe ich viel zu lang getan. Ich bin jetzt von ihm frei und so soll es auch bleiben. Ich möchte nicht mehr Gedanken an Gordon verschwenden als unumgänglich."

Duo überlegte, er konnte Heero verstehen. Aber irgendwie schien es ihm trotzdem dass Gordon zu leicht davon kam. Doch als er diesen Gedanken äußerte winkte Heero ab. "Er kommt nicht davon Duo. Ich glaub du kannst dir gar nicht vorstellen wie sehr Gordon das Urteil des Richters getroffen hat. Da ist sicherlich mehr als eine Seifenblase geplatzt. Nicht nur wir werden darüber lachen, sondern auch Millionen andere Menschen die davon lesen. Und wenn Gordon außer Geld etwas am Herzen liegt, dann das Bild das die Öffentlichkeit von ihm hat.

Und das ist noch lange nicht alles, so wie ich Quatre einschätze wird er wie ein Bluthund auf Gordons finanzieller Fährte sein. Wann immer der ein gutes Geschäft anpeilt, wird Q es vereiteln. Ihm wird sicherlich was einfallen wie er nur Gordon und nicht anderen Investoren schaden kann. Und wenn sich das erstmal herumgesprochen hat, dann wird Gordon es sehr schwer in der Finanzwelt haben, niemand legt sich gerne mit Quatre an. Versteh mich nicht falsch, gegen diese kleinen ‚Racheakte' habe ich gar nichts. Quatre braucht sowieso ein Hobby um ihn ein wenig zu beschäftigen, sonst hat er in zehn Jahren die ganze Welt aufgekauft. Das will ich ihm nicht nehmen und ich werde mich darüber auch amüsieren können.

Doch ich will nicht dass du und ich jetzt immer wieder über mögliche Rachefeldzüge nachdenken. Jeder Gedanke den wir an Gordon verschwenden ist einer zuviel."

Duo zweifelte noch. "Ich weiß nicht, kann das wirklich schon alles sein?"

Heero beugte sich endlich vollkommen zu Duo herüber und küsste ihn besitzergreifend. "Können wir uns nicht einfach dadurch ‚rächen' dass wir bis an das Ende unserer Tage glücklich sind? Ist das nicht die schlimmste Strafe für Gordon? Denn er wird niemals jemanden finden der ihn lieben kann - oder den er lieben könnte. Er wird allein sein und wenn er sich zu oft mit Quatre anlegt auch arm. Wir hingegen sind glücklich. Heute, morgen und auch in zehn Jahren. Das ist etwas das ihm mehr wehtun wird als jeder Pfeil in seinem verräterischen Hintern."

Beim letzten Satz prustete Duo los, es amüsierte ihn immer wieder wenn er an den Pfeil in Gordons Hintern dachte. "Ok, OK," sagte er lachend. "Ich gebe mich geschlagen. Unsere neue Langzeit-Rache-Strategie heißt also glücklich sein. Stell ich mir interessant und spannend vor. Nur ich hatte mich schon so sehr darauf gefreut in meinem neuesten Buch so einen total schleimigen Zwergen-Charakter einzubauen. Eine Figur die jeder von Anhieb an hassen und verachten wird. Ich hab mir gedacht dass Gordon Pate für diesen Charakter abgeben soll. Nur wenn du nicht willst, dann lass ich es wohl lieber."

Heero küsste ihn erneut. "Hn," sagte er mit einer sexy Stimme. "Das ist gar nicht mal so eine schlechte Idee. Du darfst es nur nicht zu offensichtlich machen, damit er nicht sofort wieder Anwälte anheuert. Aber keine Angst, unsere Fans werden die Andeutungen sofort verstehen. Also gut, diese kleine Sache können wir noch machen."

Duos Augen leuchteten. "Wunderbar," sagte er und diesmal war er es der Heero besitzergreifend zu sich zog und küsste. "Wir werden uns also durch absolutes Glücklichsein und durch diese Figur in meinem Roman rächen. Oh und vielleicht könnten wir in dem neuen Spiel einen der Bösewichter auch nach Gordons Vorbild gestalten, ich liebe es ihn in Computerspielen fertig zu machen. Und dann könnten wir auch noch…"

Während aus Duo all die verschiedenen Ideen sprudelten, hatte er seine Arme um seinen Ehemann geschlungen und drückte ihn fest an sich. Auch wenn ihm noch tausend andere Arten der Rache einfielen, die beste war schon beschlossene Sache. Und das schöne daran, ‚Glücklichsein' war nicht nur eine Rache an Gordon, sondern genau das was er und Heero verdient hatten. Für jetzt und für alle Zeiten.

Ende