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Seelenschmerz


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Seelenschmerz


Die Nacht war über das kleine Dorf herein gebrochen. Wind und Regen peitschten über die Häuser und machten die Nacht so ungemütlich.
Der junge Mann zog die Knie noch ein Stück weiter an seinen gekrümmten Körper. Der Schmerz in seinem Innern war fast unerträglich.
Er fühlte sich so schwach, so hilflos.
Nur eine kleine Kerze erhellte den dunklen Raum und zeigte das Leben was sich darin verbarg. Offenbarte einen jungen Mann, dessen Kopf auf seinen Knien ruhte. Braune, lange Haare verdeckten das sonst so freundliche Gesicht.
Keine einzige Regung war zu vernehmen. Nur das gelegentliche Schluchzen. Es durchdrang die Stille des Raumes und zeigte so deutlich seine Qual. 

Die Tränen die sich über Christian Gesicht bahnten, waren Wut, Angst und Schmerz.
Tiefer Schmerz.
Schon seit langem hatte er sich nicht mehr so gefühlt. So einsam und verlassen.
Die ganze Welt war gegen ihn. Selbst Jan, der einzige Mensch in seinem verrückten Leben war sauer auf ihn. Wegen einem dummen Missverständnis.
Ein weiterer Schluchzer entrann Christians Kehle.
So hatte er das doch gar nicht gemeint. Jan hatte ihm nicht mal zugehört. Das einzige was Jan verstanden hatte, oder vielleicht was er auch bloß hören wollte, war die Tatsache das er, Christian, ihm die Schuld gab. Jan für etwas verantwortlich machte, was nicht einmal seine Schuld war.
Es war Angst. Reine Angst. 

Die Angst, das was er in seinem Leben erlebt hatte noch einmal zu wiederholen. Diesen Schmerz noch einmal erleben zu müssen. Belogen, betrogen und verarscht zu werden.
Natürlich war Jan nicht so.
Da war sich Christian sicher.
Was hätte der junge Mann auch davon gehabt, Christian etwas vorzuspielen? Das hätte nie einen Sinn ergeben. Für was hätte er ihn an sich binden sollen, wenn er ihn nicht wollte? Was hätte Jan davon haben sollen?
Fragen, die sich Chris nicht beantworten konnte.
Die Leere und Kälte in seinem Innern machten es ihm schwer rational darüber nachzudenken.
Die Einsamkeit die er seit Monaten nicht mehr gespürt hatte, brach wieder über ihm zusammen. Sie raubte ihm das letzte bisschen Leben. 

Er mochte Jan doch so sehr.
Er war zu dem wichtigsten Menschen in seinem Leben aufgestiegen. Außerdem brauchte er ihn. Jan war der einzige, der diese Schatten vertreiben konnte.
Aber er hatte es noch nicht geschafft Chris die Angst zu nehmen. Davor wieder verarscht zu werden. Zu oft war das schon geschehen.
Das alles hatte ihn so verändert. Hatte aus dem einst so fröhlichen jungen Mann, einen Menschen gemacht, der es vorzog alleine zu sein. Der nie wieder hatte etwas empfinden wollen. Gefühle machten schwach. Sie machten krank und zerstörten.
Sie lösten das unterschiedlichste Verhalten aus. Aber meinst aber nur bestehend aus Schmerz. Tiefem Schmerz.
Glück war etwas was er ihn Sachen Liebe noch nie gehabt hatte.
Seine Zeit mit Toni war nur von Schmerzen gezeichnet gewesen. 

Am Telefon hatte Toni ihm die Welt zu Füßen gelegt. Er hatten ihm immer gesagt, wie sehr er ihn liebte. Wie wichtig er doch war und wie sehr er ihn vermisste.
Das sie doch nur zusammen glücklich sein könnten.
Ja, am Telefon war die Welt in Ordnung gewesen. Aber wenn sie sich gesehen haben. Dann sah das alles ganz anders aus. Solange jemand dabei war, war Toni ein Gentleman. Lieb, freundlich, zärtlich, alles. Aber so bald sie alleine waren, änderte sich dieser Mann.
Zwar hatte er nie Hand an Chris gelegt, aber er hatte ihn seelisch gequält. Hatte ihm in diesem Bereich fast alles genommen.
Irgendwann war eine SMS gekommen. Sie hatte alles verändert.
In ihr hatte er Chris beleidigt und beschimpft. Er sei zu langweilig und der Sex sei zu schlecht. Und er, Toni, brauchte etwas frisches. 

Erst einige Zeit später hatte Chris erfahren, das Toni ihn betrogen hatte.
Der Schmerz war fast übermächtig gewesen.
Alles, sein ganzes Leben war in sich zusammen gebrochen. Belogen und betrogen zu werden. Diesen Schmerz zu spüren.
Vielleicht hatte er es ja gar nicht anders verdient?
Vielleicht war es für ihn bestimmt gewesen zu leiden. Ohne Gefühle zu leben und nur benutzt zu werden?
Aber irgendwann hatte es aufgehört.
Dann spülte das Schicksal ihm Tommy vor die Füße. 

Am Anfang war Chris glücklich gewesen, aber dann musste er entdecken, wer Tommy wirklich war und was er wollte. Er wollte ihn nur fürs Bett. Sonst hatte Chris nie ein Mitspracherecht gehabt. Alles hatte er erdulden müssen. Ohne jemals etwas fragen zu dürfen. Sein Aufgabe war es bloß gewesen, den Mund zu halten und Nachts die Beine breit zu machen. Für etwas anderes wollte ihn Tommy nicht.
Einen Monat und viele Grausamkeiten später, hatte Chris diese Schmerzen beendet. Für Tommy war nichts weiter als ein Zeitvertreib gewesen.
Diese, wie sollte man sie nennen, Beziehung hatte ihm dann den Rest gegeben. 

Für Chris war es unmöglich geworden jemanden zu vertrauen. Es ging ihm nicht direkt um das Fremdgehen. Sondern viel eher um die Tatsache jemanden zu glauben was er sagte. An Versprechen zu glauben, die nie eingelöst wurden. Einfach nur anderen zu vertrauen, zu glauben, sich darauf zu verlassen.
Vielleicht war es ein Fehler. Oder eher eine Schwäche.
Aber wie konnten man nach alle diesen Schmerzen, jemanden vertrauen?
Ein lautes Schniefen zerteilte die Stille und drückte alle Schmerzen aus.
Er fühlte sich so schuldig. Obwohl er doch gar nichts weiter getan hatte. 

Er hatte doch nur wissen wollen, was mit Jan los war. Warum er sich plötzlich so kalt und distanziert verhalten hatte.
Zuerst war alles in Ordnung gewesen. Sie hatten sich am Telefon so super verstanden.
Und dann? Was war dann, innerhalb zwei Tage passiert?
Er würde es wohl nie herausfinden. Vielleicht gab es da auch gar nichts herauszufinden. Aber sein Gefühl konnte ihn doch nicht so täuschen. Oder etwas doch?
War das alles nur Einbildung gewesen?
Waren es verdrängte Erinnerungen und Angst Jan zu verlieren, die ihn dazu brachten so zu denken?
Er wollte Jan nicht verlieren. 

Er wollte mit diesem Mann glücklich sein. Sein Leben verbringen.
Einfach alles vergessen und diese Einsamkeit in seinem Innern vertreiben.
Jan hätte so oft die Chance gehabt mit ihm zu schlafen, aber er hat es nie getan. War dies nicht ein gutes Zeichen? Das es ihm nicht bloß um Sex ging?
Aber er wäre nicht Chris gewesen, wenn sein Kopf nicht eine andere Erklärung dafür gehabt hätte.
Vielleicht ekelte sich Jan ja auch davor ihn zu berühren, ihn zu küssen, mit ihm zu schlafen? Vielleicht fand er ihn abstoßend?
Aber warum dann ihre Gespräche? Wieso hatte er dann so traurig geklungen, das sie sich Weihnachten nicht sehen konnten? Es war ein Hauch von Bedauern in seiner Stimme gewesen. So wie es klang, hatte es ihm wirklich leid getan.
Warum hatte Jan gesagt, das er Chris lieb hatte? 

Der junge Mann hob den Kopf und schrie.
Es war ihm egal ob ihm jemand hören würden.
Diese Zweifel, der Schmerz, das war einfach zu viel.
Wie viel konnte ein Mensch ertragen?
Wenn Jan ihn jetzt sehen könnte, würde er ihn auslachen, wie so viele so andere.
Es gab niemanden, der Chris verstehen konnte.
Selbst seine beste Freundin Mandy hatte sich von ihm abgewendet, weil sie Jan nicht mochte. Aber gegen Gefühle kann man doch nichts machen. 

Nur Christin hörte ihm noch zu. Sie hatte immer ein offenes Ohr für ihn.
Mochte es doch stimmen, das Jan ihn schon sehr oft unglücklich gemacht hatte, aber er, er liebte diesen Mann.
Auch wenn er das doch gar nicht wollte. Er wollte nichts mehr empfinden. Nie wieder, hatte er sich geschworen. Aber dann war Jan aufgetaucht. Ihr Verhältnis war so widersprüchlich gewesen. Mit so vielen Höhen und Tiefen. Für eine kurze Zeit war es auch vorbei gewesen. Aber sie hatten sich wieder gefunden. Zuerst sehr zögerlich. Dennoch war daraus etwas wunderbares entstanden. 

Etwas was Chris Kraft gegeben hatte. So lange da keine Zweifel waren.
Es waren nicht zur Zweifel an Jan, sondern viel eher an sich selber.
War er dem ganzen gewachsen? Wusste er war er wollte? Würde er eine erneute Erniedrigung überhaupt überleben?
Seine Stirn presste sich gegen das kalte Glas der Fensterscheibe. Die Augen starr in die Dunkelheit gerichtet.
Er war egoistisch. Er dachte nur an sich. Hatte Jan nicht auch schlimme Dinge in seiner Vergangenheit erlebt? Ja natürlich.
Jan war doch selber betrogen wurden. Dann konnte er womöglich auch verstehen wie sich Chris jetzt fühlte. Wie verlassen, einsam und schwach. 

Die Regentropfen prasselten vor die Fensterscheibe und verliefen wie seine Tränen. Was sollte er bloß tun? Für seine etwas ungeschickten Worte hatte er sich ja schon entschuldigt. Aber wie sollte es jetzt weiter gehen?
Chris wusste es nicht.
Vielleicht würde sich Jan bei ihm melden und sie konnten darüber reden.
Bis dahin würde ihn seine Seele immer daran erinnern wer er doch war. Das er es nicht verdient hatte geliebt zu werden.
Seine Rettung war ein Mann, der ihm einfach alles bedeute. Der ihm wichtiger war, als irgendetwas in seinem jämmerlichen Leben.
Jan......


~~~~~OWARI~~~~~