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Chibi love - Teil 18 - 21

18. Nachhilfe für Masaki


Grummelnd saß Hiro in der Geschichtsstunde. Die Tage bis Montag waren viel zu schnell vergangen und nun hatte er seinen eigenen Bruder schon seit einer Woche als Geschichtslehrer. Von allen Seiten wurden Youichiru schmachtende Blicke zugeworfen. Einige der Schüler kannten ihn sogar noch von seiner Zeit als Referendar.
Hiro schielte zu seinem Chibi rüber, der wie immer alles fleißig mitschrieb. Der Kleine hatte es echt gut, dass ihm Schule Spaß machte. Nur in Japanisch, da haperte es etwas, denn seine Interpretationen zählten nicht zu den Besten.


Interessiert verfolgte Masaki Youichirus Unterricht. Er hätte nie gedacht, dass ihm Geschichte mal Spaß machen könnte, aber der schwarzhaarige Mann gestaltete die Stunden wirklich abwechslungsreich und machte es immer spannend. Er versuchte den Schülern so viel wie möglich auf angenehme Weise zu vermitteln. In Musik war es dasselbe. Er sprach über die großen Musiker so, als würden sie noch leben und erzählte Geschichten, was gewesen wäre, wenn sie jetzt noch leben würden.
Masaki hatte mit auf einmal das Gefühl beobachtet zu werden. Und tatsächlich, Hiro sah ihn verträumt an und lächelte. Zaghaft lächelte Masaki zurück, wand sich dann aber wieder schweren Herzens dem Unterricht zu.


Youichiru hatte bemerkt, dass sein Bruder den Kleinen schon seit fünf Minuten unentwegt anstarrte. Ihm war ja klar, dass die beiden Zeit miteinander verbringen wollten, aber konnte sich Hiro nicht so zusammenreißen wie Masaki, der gab sich ja wenigstens Mühe, ihm zuzuhören.
Was sein musste, musste nun mal sein, verwandt hin oder her.

„Maruyama!“, rief er in die Klasse.

Keine Reaktion. War ja klar. Etwas verärgert, weil sein eigener Bruder ihn nicht für voll zu nehmen schien, knurrte er:

„HIRO!“

Erschrocken fuhr der Angesprochene zusammen.

„Ja?“

„Pass gefälligst auf oder ich sehe mich gezwungen, dich vor die Tür zu setzten.“


Leicht wütend sah Hiro den ‚Lehrer’ an. Was konnte er denn dafür, dass er Youichiru nicht als Lehrer sah. Er war nun mal sein Bruder und der redete ihn nie mit seinem Familiennamen an, dementsprechend reagierte Hiro auch nicht, wenn er ihn aufrief.
Es war die blödeste Idee überhaupt gewesen, dass der Direktor ausgerechnet seine Klasse für den neuen Geschichts- und Musiklehrer ausgesucht hatte.

„Hast du verstanden?“, hakte Youichiru nach.

„Ja, Maruyama-sensei!“

Gott war das komisch, jemanden mit demselben Nachnamen anzureden und die andern Schüler kringelten sich fast vor Lachen.


~*~*~*~*~*~


Immer noch leicht säuerlich ging Hiro neben seinem Bruder her. Neben ihm lief auch noch Masaki, der ziemlich nervös zu sein schien.

„Mach dir keine Sorgen, so schlimm wird der Aufsatz schon nicht.“, versuchte Youichiru den Kleineren zu beruhigen.

„Das sagst du so leicht, ich bin so mies in Japanisch.“

„Wird schon schief gehen, Chibi.“, lächelte Hiro.

„Genau das befürchte ich ja!“

„Na dann, man sieht sich.“

Youichiru verabschiedete sich von den Beiden und ging weiter, während Masaki und Hiro ins Zimmer gingen, wo der „böse“ Japanischlehrer schon mit gezücktem Zettel auf sie wartete.


~*~*~*~*~*~


Zwei Tage später erhielten die Schüler diese Zettel korrigiert wieder zurück. Der Lehrer verteilte alles und gab zu jedem noch seinen Kommentar dazu ab.

„Gut gemacht, Tsuburagi, Sie werden immer besser.“
„Ich hatte mehr von Ihnen erwartet, Arima.“
„Wie immer sehr vielversprechend, Maruyama.“

Nun war auch Masaki an der Reihe. Unruhig rutschte er auf seinem Stuhl hin und her.

„Ich möchte nach der Stunde mit Ihnen reden, Saehara.“, flüsterte der ältere Mann und legte den Zettel auf den Tisch.

Geschockt sah Masaki seinem Lehrer nach und dann auf sein Blatt. Unübersehbar sprang ihm seine Note in roter Schrift ins Auge: 23%. Das war weniger als nichts und noch schlechter als die letzte Arbeit.
Seufzend vergrub Masaki sein Gesicht in den Händen.


Besorgt schielte Hiro zu seinem Chibi, der zu verzweifeln schien. Er hatte nicht mitbekommen, was der Lehrer geflüstert hatte, denn er war viel zu beschäftigt gewesen, seine 86% zu bestaunen, sodass er den Kleinen total vergessen hatte.
Als er aber sah, was Masaki für eine Note hatte, konnte er sich so ungefähr denken, was der Japanischlehrer gewollt hatte, denn es war schon die dritte Arbeit in Folge, die so schlecht ausgefallen war und dieses Mal war es schlimmer als je zuvor.


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Brav ging Masaki zu seinem Sensei, Hiro wollte draußen auf ihn warten, weil der Lehrer alle rausgeschickt hatte. Eindringlich sah dieser den Jüngsten seiner Schützlinge an.

„Saehara, was ist mit Ihnen los? Ich weiß von den anderen Lehrern, dass Sie überall gute Noten haben und auch keine Schwierigkeiten haben mitzukommen, was ich sehr bewundere, da Sie ja wesentlich jünger sind als die anderen. Aber warum fällt es ihnen so schwer, Texte zu interpretieren? Ginge es um die Rechtschreibung, würde ich Ihnen immer 100% geben, doch was Sie an Texten verfassen, ist milde gesagt nicht verständlich. Darum habe ich mir gedacht, dass es vielleicht gut wäre, wenn Ihnen ein anderer Schüler Nachhilfe gibt, da Sie ja anscheinend nicht verstehen, was ich von Ihnen verlange.“

Betreten sah Masaki zu Boden. Musste der denn alles so direkt sagen? Er wusste selber, wie er in den anderen Fächern stand und wo seine Schwächen lagen. Er entschied sich, besser nichts zu sagen und den Lehrer einfach weitersprechen zu lassen.

„Heute nach der Schule ist Ihre erste Stunde, da es dringend notwendig ist, dass Sie so schnell wie möglich den Stoff begreifen. Ich habe Kôji Furuhata aus der 11d als Ihre Nachhilfe ausgewählt, da ich der Meinung bin, dass er die besten Vorraussetzungen hat. Sie treffen ihn dann in Raum 302. Sie können gehen.“

So schnell es ging verließ Masaki das Zimmer. Anfangs wusste er nicht so recht, was er von den Nachhilfestunden halten sollte, da einige Schüler doch recht seltsam auf ihn reagierten, aber wenn es Kôji war, von dem er sich etwas beibringen lassen musste, dann war das in Ordnung. Natürlich wäre es ihm lieber gewesen, wenn Hiro den Job übernommen hätte, allerdings war er sich nicht sicher, ob er dann wirklich etwas lernen würde, zumal Hiros Nähe ihn immer etwas ablenkte. Diesem erzählte er aber lieber nicht, wer ihm in Japanisch auf die Sprünge helfen sollte, denn dann wäre Hiro garantiert an die Decke gegangen.


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Unglücklicherweise bestand Hiro darauf, seinen Chibi noch bis zum Zimmer zu bringen und Masaki hoffte inständig, dass Kôji noch nicht da war.
Vor dem Raum 302 stoppten beide. Die Gänge waren schon längst verlassen, denn alle Schüler machten sich immer so schnell wie möglich aus dem Staub.

„Bist du sicher, dass ich nicht auf dich warten soll?“, fragte Hiro nun schon zum dritten Mal.

„Ja, bin ich mir, du kannst wirklich nach Hause gehen. Wir haben eh nicht denselben Heinweg.“

„Für dich würde ich aber immer einen Umweg machen.“, raunte Hiro und Masakis Wangen bekamen eine gesunde Röte.

Wenn sein Freund so etwas sagte, schaffte Masaki es nie, seine natürlich Farbe bei zu behalten. Seine momentane Gesichtsfarbe wurde noch etwas dunkler, als Hiro ihn sanft an den Schultern packte und sich zu ihm hinunter beugte.


Hiro hoffte inständig, dass sein Chibi jetzt keinen Rückzieher machte. Seit ihrem letzten Kuss war schon soviel Zeit vergangen und er hielt es einfach nicht mehr aus, er musste sich einfach sicher sein, ob diese Lippen wirklich so weich waren und gut schmeckten, wie er es in Erinnerung hatte.
Leicht legte Hiro seine Lippen auf die des Jüngeren und verstärkte nur langsam den Druck. Er blinzelte leicht und stellte zufrieden fest, dass sein Kleiner die Augen genießerisch geschlossen hatte. Hiro fand es schade, dass er immer noch nicht wusste, wie sein Gegenüber schmeckte, denn einen richtigen Kuss hatte es zwischen ihnen noch nicht gegeben. Aber er wollte seinen Chibi auch nicht drängen und schon gar nicht hier in der Schule, schließlich konnte doch noch jemand vorbeikommen.
Schnell löste sich Hiro wieder von Masaki, der etwas enttäuscht seufzte und ihn auch dementsprechend ansah.

„Bis Morgen, Chibi.“, sagte Hiro, dann ging er, allerdings nicht ohne ein mulmiges Gefühl in der Magengegend zu haben.


Sehnsüchtig sah Masaki dem Älteren nach. Mit jedem Tag wurde er sich sicherer, dass auch er Hiro wirklich liebte. Allerdings gab es da Dinge, die Masaki gerne geändert hätte und manche, die er einfach nicht verstand.

„Ts, ts, ts. Ganz schön mutig von Maruyama, muss ich schon sagen. Er kann froh sein, dass euch niemand gesehen hat, aber das könnte man ja ändern.“

Erschrocken drehte sich Masaki um. Er beruhigte sich allerdings, als er merkte, dass es Kôji war, der in der offenen Tür stand.

„Was meinst du?“, fragte Masaki verständnislos.

Bestimmend schob der blonde Junge ihn ins Klassenzimmer und schloss die Tür.

„Ganz einfach. Hätte euch einer der Lehrer gesehen, hättet ihr, oder eher Maruyama, ziemlichen Ärger bekommen. Schülern ist es verboten, ihre Gefühle in der Öffentlichkeit offen zu zeigen. Du kannst dir hoffentlich denken, was passiert, wenn man zwei Jungen beim Küssen entdeckt. In eurem Falle hätte Maruyama alles abbekommen, da du noch minderjährig bist. So, setz dich da hin.“

Kôji wies mit der Hand auf einen Stuhl, aber Masaki sah ihn nur geschockt an.

„Aber warum hat Hiro das dann gemacht?“

„Wahrscheinlich weil er glaubte, dass euch niemand sehen würde, aber ich hab alles gesehen.“, grinste der Ältere fies.

„WAS? Du wirst es doch aber niemanden verraten, oder Kôji-san?“

Flehend sah Masaki den anderen an. Er wusste ja, wie sehr Kôji Hiro verabscheute und dass er bestimmt keine Gelegenheit auslassen würde, um ihm eins auszuwischen.


Schmunzelnd sah Kôji den Kleinen an, der bittend die Hände vor der Brust gefaltet hatte und ihn aus feuchtglänzenden Augen ansah. Einfach zu süß der Zwerg, aber anscheinend war Maruyama ihm schon so wichtig, dass er keine Chance hatte. Aber man sollte ja bekanntlich nicht aufgeben.

„Nein, keine Sorge, ich werde nichts verraten, vor allem nicht, weil du mich Kôji-san nennst, obwohl ich dir gesagt habe, dass du das nicht tun sollst.“

„Danke, Kôji-san!“, strahlte Masaki nun wieder und setzte sich brav auf den angebotenen Stuhl.

„So, wir können anfangen.“


~*~*~*~*~*~


Kôji sah man die Verzweiflung an. Er hätte nicht gedacht, dass es diesem Genie so schwer fiel, ein wirklich simples Gedicht zu interpretieren. Nicht nur, dass er Anapher und Metapher durcheinander brachte, er interpretierte einfach alles falsch. Es war zwar interessant, was er so zusammenreimte, aber in einer Arbeit zählte das nun mal nicht.

„Ich würde sagen, wir hören erst einmal auf und wir reden über etwas anderes, vielleicht wird dein Köpfchen dann klarer.“

„Is gut.“

„Also, erzähl mal, wie lange bist du jetzt mit Maruyama zusammen?“

„Na ja, ich weiß eigentlich nicht, ob wir zusammen sind.“

„Was, hat dich Maruyama etwa zu dem Kuss gezwungen?“

„Nein, natürlich nicht, es ist nur... na ja...Hiro und ich wir verbringen nicht viel Zeit zusammen. Meistens sehen wir uns nur in der Schule und manchmal bringt er mich nach Hause, aber unternehmen tun wir nichts, seit er es mir gesagt hat. Ständig hat irgendeiner von uns etwas zu tun.“

Masaki seufzte kellertief und wurde immer kleiner auf seinem Stuhl.

„Was hat er dir gesagt?“, hakte Kôji nach.

„Na, dass er in mich verliebt ist.“, nuschelte der Kleinere errötend.

„Und wie lange ist das jetzt her?“

„Zirka drei Wochen.“

„Aha.“

Eine Weile herrschte Schweigen, in dem jeder seinen Gedanken nachhing, ehe Masaki wieder das Wort ergriff.

„Du, Kôji-san, darf ich dich was fragen?“

„Klar.“

„Warum küssen alle Erwachsenen eigentlich mit Zunge?“

„Wie kommst du denn jetzt da drauf?“

„Na ja, sowohl du als auch Hiro, ihr wolltet mich beide mit Zunge küssen und ich würde halt gern wissen, warum. Ich find es ja schon eklig, wenn ich nur daran denke.“

Um seiner Aussage Gewicht zu geben, schüttelte er sich leicht. Schmunzelnd nahm Kôji dies zur Kenntnis. Der Kleine war einfach süß.


„Das kann ich dir nicht erklären, es ist einfach schön, aber das verstehst du vielleicht noch nicht, weil du noch zu jung bist. Aber ich kann dir ja zeigen, wie schön es sein kann.“, hauchte Kôji.

Verständnislos sah Masaki den Älteren. Wie wollte er es ihm denn zeigen?
Er verstand allerdings was Kôji meinte, als der sich mit halbgeschlossenen Augen immer mehr zu ihm beugte. Masaki wusste nicht, was er machen sollte. Wegstoßen konnte er ihn nicht, dafür war der andere zu stark und wehtun wollte er ihm auch nicht, schließlich mochte er ihn schon irgendwie ganz gern. Also tat er das Einzige, was ihm im Moment einfiel: An Kôjis Gewissen appellieren.

„Kôji-san, nicht, du hast es versprochen.“

„Ich weiß, aber du wolltest es doch wissen.“

„Schon, aber nicht so. Versteh doch, ich mag dich, du bist mein Freund, aber...mehr nicht.“

Kôji setzte sich wieder ordentlich hin und sah Masaki enttäuscht an.

„Hab ich denn wenigstens eine Chance?“

„Zurzeit nicht, tut mir Leid!“

„Schon gut, ich bin selbst schuld, wäre ich von Anfang an netter zu dir gewesen... Egal, lassen wir das und machen lieber weiter, vielleicht ist dein Kopf ja jetzt klarer.“

Aber dem war nicht so. Masaki dachte nun noch viel mehr über andere Dinge nach, als über die Interpretation. Es tat ihm so schrecklich leid, dass er Kôji nicht dasselbe entgegenbringen konnte, aber er liebte nun mal Hiro. Obwohl, wenn er Hiro nicht kennen würde und Kôji wirklich netter gewesen wäre, er hätte sich auch in ihn verlieben können.
Schnell schüttelte Masaki den Kopf, über so etwas sollte er gar nicht erst nachdenken, das brachte nur Probleme, sofern man diesen TV-Soaps glauben konnte.


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Nach der Nachhilfestunde verabschiedete sich Masaki lächelnd von Kôji, der immer noch einen niedergeschlagenen Ausdruck in den Augen hatte.
Schweren Herzens machte sich Masaki auf den Heimweg. Ihm fielen bald die Augen heraus, als er sah, wer da noch am Schultor stand. Freudestrahlend rannte er auf den Größeren zu und wollte ihm um den Hals fallen, stoppte dann aber doch lieber, als er sich daran erinnerte, was Kôji ihm gesagt hatte.

„Hiro-san, du hast ja doch auf mich gewartet.“

„Klar, was dachtest du denn?“

„Du hast eine ganze Stunde hier gestanden, das ist echt lieb von dir.“

Masaki war überglücklich, dass der andere doch nicht gegangen war und sich wegen ihm sogar die Beine in den Bauch gestanden hatte.


Hiro fing an nervös zu lächeln und hoffte nur, dass es seinem Chibi nicht auffiel, denn eigentlich hatte er die Stunde in dem kleinen Café um die Ecke gesessen und sich mit Klassenkameraden unterhalten. Aber wenn sein Kleiner es so darstellen wollte und es ihn glücklich machte, warum dann die Wahrheit sagen und alle Träume zunichte machen? Also einfach den Mund halten und lächeln.
Apropos Mund. Dieser süße Mund vor ihm zog ihn schon wieder magisch an. Irgendwie sollte er dagegen mal was unternehmen, aber nicht jetzt, sein Chibi würde schon nichts dagegen haben, noch einen Kuss zu bekommen.


Da hatte sich der Gute allerdings geirrt und als er sich Masaki näherte, wich der ihm schnell aus.

„Hiro-san, nicht!“

„Warum, vorher hat es dir doch auch nichts ausgemacht?“

„Wenn uns jemand sieht, dann bekommst du aber Ärger.“

„Aber es sieht uns doch keiner.“

„Und wenn doch,...schließlich hat Kôji uns auch gesehen.“

Unsicher sah Masaki auf den Boden. Nun war es raus und wie er vermutet hatte, fing Hiro mehr oder weniger an zu toben.

„WAS? Wie konnte er uns sehen? Wenn er es jemandem erzählt, dann...“, knurrte Hiro.

„Nein, nein, er hat mir versprochen, nichts zu sagen.“

„Und du glaubst ihm das?“

„Ja, ich glaube ihm.“

„Das kann doch...Wie hast du ihn eigentlich getroffen?“

„Er ist mein Nachhilfelehrer.“, antwortete Masaki kleinlaut.

„Er ist was???“

„Ja, aber er ist wirklich gut und ich versteh es auch.“, log der Kleinere, um seinen Freund wenigstens etwas zu beruhigen.

Das nützte allerdings nicht viel und Hiro wetterte noch eine ganze Weile weiter, während er Masaki nach Haus brachte.


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Aber jeder beruhigt sich irgendwann und so auch Hiro. Besonders, als sein Chibi schüchtern seine Hand ergriff und ihre Finger miteinander verflocht. Es war das erste Mal, dass der Kleine so etwas tat und Hiro konnte sich sogar sehr daran gewöhnen, immer so mit ihm verbunden zu sein.

„Du, Hiro-san,“, unterbrach der Kleinere die durchaus angenehme Stille, „sind wir nun zusammen?“

Überrascht über diese Frage sah er in das leicht gerötete Gesicht seines Chibis, der ihn erwartungsvoll ansah.

„Natürlich, wenn du das möchtest.“, lächelte er.

„Ja, das möchte ich, ganz doll sogar.“, strahlte Masaki und kuschelte sich sogleich an Hiros Arm.

So nah beieinander gingen sie nun die Straße entlang, in Richtung Masakis Wohnung, schließlich musste Hiro seinen Liebling ja noch nach Hause bringen. 



19. Die Vorlieben eines Geschichtslehrers


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So weich und zart wie Seide, das Schönste, was er je gefühlt hatte. Langsam fuhr er mit der Zunge über diese zarte Haut und vernahm die süßen Seufzer, des unter ihm Liegenden. Die sonst so wachen, apfelgrünen Augen waren geschlossen. Entspannt lag der kleine Körper da und genoss die Streicheleinheiten, die ihm der Ältere gab, in vollen Zügen. Verträumt sahen ihn die großen Augen an und leise flüsterte der Kleinere:
„Ich hab dich lieb, Hiro-san.“
Hiro musste lächeln und wollte seinen Chibi gerade innig küssen, als....

~#~#~#~


...plötzlich ein schrilles Klingeln ertönte. Murrend schlug Hiro neben sich und pfefferte den Wecker an die nächste Wand, ehe er sich wieder umdrehte und weiter träumen wollte. Wenigstens in seinen Träumen traute sich der Chibi etwas, allerdings hatte Hiro ein schlechtes Gewissen, weil er so etwas träumte.
Aus dem weiteren Nickerchen wurde jedoch nichts, denn jemand zog ihm einfach die schöne, warme Decke weg.

„Aufstehen, Hi-chan.“, verkündete Youichiru fröhlich.

„Nenn mich nicht so.“, grummelte Hiro, drehte sich auf die andere Seite und zog die Beine an.


Als sich Hiro umdrehte, zeigte er seinem Bruder flüchtig seine Frontansicht und Youichiru fing an zu grinsen.

„Na, heiße Träume von deinem Chibi gehabt?“

Verständnislos linste Hiro den anderen an.

„Was meinst du?“

„Na, sieh doch mal an dir herunter.“

Hiro tat, was Youichiru ihm sagte und seine Augen wurden immer größer.

„Ach du Scheiße!“

Wie von der Tarantel gestochen sprang der Brünette aus dem Bett und hechtete im Eiltempo ins Bad, verfolgt von dem überdimensionalen Grinsen seines Bruders.


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Zur selben Zeit wachte ein 13-jähriger Chibi auf, dessen sonst so glatte und ordentlich gekämmte Haare nach allen Seiten abstanden. Als er einen Blick auf den Wecker geworfen hatte, beschloss Masaki, sich noch einmal hinzulegen und über seinen Traum nachzudenken. Er hatte von Hiro geträumt, wie sie zusammen Eisessen gewesen waren und von ihrem ersten Kuss im Kino, einen Tag, nachdem sie von der Klassenfahrt wieder gekommen waren. Während dieser Woche hatte er immer bei Hiro geschlafen und richtiges Vertrauen zu ihm geschöpft, nie hatte er geglaubt, dass daraus Liebe werden würde. Masaki hatte Hiro zwar von Anfang an gemocht, aber damit hatte er nicht gerechnet.
Über zwei Monate war es nun schon her, dass er die Schule gewechselt hatte und mittlerweile war es Ende Oktober und es fehlten nur noch wenige Tage, bis es November war und sie den ganzen Monat lang Winterferien hatten. Allerdings fragte er sich, warum er im Herbst davon träumte, mit seinem Freund Eisessen zu gehen.

„Egal!“

Er zuckte mit den Schultern und stand auf, ehe er sich für die Schule fertig machte.


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Der kalte Wind zog durch seine Schuluniform und Hiro wünschte sich, dass er doch die etwas dickere Jacke angezogen hätte. Als ihn seine Bruder das erste Mal mit dem Motorrad zur Schule gebracht hatte, war es ja noch wärmer gewesen, aber jetzt musste man ja jeden Moment damit rechnen, dass es plötzlich schneien könnte. Gut, das mit dem Schnee war vielleicht übertrieben, aber es war einfach saukalt.
Sie hatten ungefähr die Hälfte des Weges zur Schule zurückgelegt, als Hiro eine Person auf dem Fußweg vor ihnen auffiel.

„Youichiru, halt da vorne mal an.“

Zwar hatte sein Bruder ihn kaum gehört, aber das Wort ‚Halt’ hatte er verstanden. So hielt die Maschine, bewusst oder unbewusst, genau an der Stelle, wo Hiro es wollte. Schnell nahm er den Helm ab und drückte ihn Youichiru in die Hand.

„Ich geh mit Masaki zur Schule, wir treffen uns dann.“

Kaum hatte er das gesagt, da war der Brünette auch schon zu seinem Chibi gerannt und begrüßte ihn freundlich.


Youichiru sah erst etwas verdattert drein, zuckte dann aber lächelnd mit den Schultern und fuhr weiter. Kaum zu glauben, dass sein Brüderchen sich vor einer Weile noch so dagegen gesträubt hat, in Masaki verliebt zu sein und nun wollte er den Kleinen am liebsten immer in seiner Nähe haben. Und durch das, was er heute Morgen gesehen hatte, vermutete Youichiru, dass Hiro noch mehr wollte, als nur ein bisschen kuscheln. Aber egal, wenn sein Hi-chan Hilfe brauchte, wusste er ja, wo er ihn finden konnte.


~*~*~*~*~*~


Als Youichiru vor der Schule ankam, war von seinem Bruder und dessen Chibi noch nichts zu sehen. Kein Wunder, mit seinem Motorrad war er ja auch trotz roter Ampeln schneller, als die beiden auf ihren zwei Beinen. Außerdem hatten die Zwei bestimmt viel zu reden und kamen deswegen noch zu spät.

*Nein, mein Bruder würde zu spät kommen, aber da gibt Masaki schon acht.*

Er nahm den Helm ab und schob seine Maschine das letzte Stück über den Schulhof zum Parkplatz. Er hätte zwar gleich dort hinfahren können, aber er genoss es lieber, wie die Mädchen ihn und die Jungen sein Motorrad ansahen.
Als Youichiru so über den Hof lief, fiel ihm ein strohblonder Schopf auf, der auf ihn zukam. Er hatte diesen Jungen schon oft gesehen und wusste auch, dass er in die 11d ging, aber seinen Namen kannte er nicht. Der Kleinere sah richtig gut aus, auch wenn seine grauen Augen etwas kalt wirkten. Der Schwarzhaarige hoffte schon, dass der Junge ihn ansprechen würde, doch der dachte gar nicht daran, sondern ging stur an ihm vorbei, als hätte er ihn gar nicht gesehen.


Natürlich hatte Kôji den jungen Lehrer gesehen und wusste auch, wer er war, aber gerade deswegen wollte er nichts mit diesem zu tun haben. Schon als Maruyama-sensei der Schule vorgestellt wurde, war Kôji heilfroh, dass er den Bruder des kleinen Maruyama nicht als Lehrer hatte. Zwar interessierte es ihn schon, was die Maschine so draufhatte, aber er würde sich bestimmt nicht diese Blöße geben und so tun, als ob er den Älteren leiden könnte.


~*~*~*~*~*~


Als Hiro und Masaki an der Schule ankamen, war Youichiru schon längst verschwunden, stattdessen warteten Takashi und Himeko ungeduldig auf die zwei Verliebten. Klar waren ihre Freunde nicht so dumm, wie sie taten. Himeko hatte schon längst gemerkt, dass Masaki mehr an Hiro hing als am Anfang und Takashi waren die Blicke nicht entgangen, die Hiro dem Chibi zuwarf, wenn er glaubte, unbeobachtet zu sein. Takashi und Himeko hatten aber in stiller Übereinkunft beschlossen, ihre Freunde nicht darauf anzusprechen. Die beiden würden es ihnen schon noch sagen, wenn sie sich sicher waren, dass es das richtige war, was sie für den anderen fühlten.


Gespielt grimmig sah Himeko Hiro und dann den Chibi an, während sie die Arme vor der Brust verschränkte und ungeduldig mit dem Fuß auf den Boden tippte.

„Sagt mal, was glaubt ihr eigentlich, wie spät es ist? Wir warten schon geschlagene 10 Minuten auf euch zwei Trantüten.“, giftete sie leicht und sah Hiro vorwurfsvoll an.
„Daran bist doch garantiert du schuld, denn unser Chibi würde nie zu spät kommen. Du hast einen schlechten Einfluss auf ihn.“

„Ach, reg dich nicht so auf, Himeko-chan, das gibt nur hässliche Falten.“, versuchte Hiro seine Freundin zu beschwichtigen.
„Und außerdem konntest du so etwas Zeit mit Takashi verbringen.“, fügte er noch grinsend hinzu.

Takashi wurde hellhörig und Himeko errötete etwas.

„Soll das etwa eine Anspielung sein?“

„Aber nein, wo denkst du hin, das war nur eine Feststellung.“

„Du legst es wirklich auf Ärger an, nicht war, Hiroshi?“

Beide fingen sich wie so oft zu kabbeln an, wobei Takashi nur den Kopf schütteln konnte und Masaki leise anfing zu kichern.

„Kaum zu glauben, dass ihr mal zusammen wart.“, stellte der Blauhaarige beiläufig fest.

„Ja, ich kann es auch kaum glauben.“, sagte Hiro theatralisch und griff sich an den Kopf.

„So, dafür, dass du es nicht glauben kannst, wundert es mich, dass du mich gefragt hast, ob ich mit dir gehe.“, entgegnete Himeko triumphierend.

„Ach, hab ich das?“

„Ja, hast du!“

„Das ist mir wohl glatt entfallen.“

Verlegen kratzte er sich am Hinterkopf und grinste etwas dämlich. Nun musste nicht nur Masaki lachen, sondern auch die anderen. Himeko fand es schön, Hiro mal wieder richtig lachen zu sehen, denn egal wie schön ihre Zeit zusammen gewesen war, so glücklich wie jetzt hatte er damals nicht ausgesehen. Masaki hatte einen guten Einfluss auf den Älteren und auch der Kleine sah wesentlich fröhlicher aus als in den ersten zwei Monaten. Sie hoffte nur, dass es für die beiden nicht noch ein böses Erwachen gab.


Plötzlich läutete die Schulglocke und wie aufgeschreckte Hühner rannten alle Schüler so schnell wie möglich ins Gebäude.


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Schnaufend erreichten die vier Freunde das Klassenzimmer und ließen sich erschöpft in ihre Stühle plumpsen. Wie konnten die Lehrer nur so gemein sein und zwischen dem Vorklingeln und dem Stundenbeginn gerade mal zwei Minuten Zeit geben. Da waren alle arm dran, die zu spät kamen und auch Hiro hatte das schon öfters erfahren müssen.

„So ein Mist. Ich hab gedacht, ich hab es eingepackt.“

Verwundert sah Hiro zu seinem Chibi, der erst in seiner Tasche wühlte und alles Mögliche rauskramte, dann wieder unordentlich einpackte und die Klappe des Tische hochhob, um zu sehen, das dort auch nicht das war, was er suchte.

„Was ist denn los, Chibi?“

„Ich hab mein Mathebuch vergessen und da waren meine Hausaufgaben drin.“

„Hä? Schreibt man die nicht eigentlich in seinen Hefter?“

„Doch schon, aber ich hatte gestern keine Lust, das Blatt noch einzuheften und hab’s deswegen ins Buch gelegt und nun hab ich’s nicht mit.“

Hiro fing an zu grinsen. Zwar tat ihm sein Chibi leid, aber es war einfach zu süß, wie der Kleine einen Schmollmund zog und böse seine Tischplatte ansah, nur wegen ein paar Hausaufgaben.

„Was gibt’s da zu grinsen?“, fragte der Chibi wütend.

„Ach, ich hätte nur nicht gedacht, dass du mal unordentlich mit deinem Schulmaterial umgehst.“

Immer noch schmollend steckte Masaki dem Älteren die Zunge raus und drehte sich weg. Am liebsten hätte Hiro sich seinen Spatz jetzt einfach geschnappt und richtig durchgeknuddelt. Anscheinend dachten das auch ein paar Mädchen, als er ihre verzückten Blicke sah, die sich auf das Klassenmaskottchen gerichtet hatten. Egal, wer hätte sich nicht gern den Kleinen aufs Sofa gesetzt mit den Worten: „Dich behalt ich!“?


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Der Unterricht war mal wieder sterbenslangweilig. Wie er Sozialkunde hasste, auch wenn er recht gute Noten schrieb...
Normalerweise schrieb sein Chibi immer fleißig mit, aber heute schien er irgendwie abwesend.

„Eh, Chibi, was ist los?“, flüsterte und hoffte, das seine Lehrerin es nicht hörte.

Masaki sah den Älteren verwundert an und der erschrak etwas. Der Kleine war total blass und seine Augen sahen aus, als würden sie ihm jeden Moment zufallen. Außerdem hatte er einen etwas glasigen Blick. Das war am Morgen aber noch nicht so gewesen, daran hätte er sich erinnert.

„Ich hab nicht so besonders gut geschlafen, aber mach dir keine Sorgen.“

Masaki zwang sich ein Lächeln ab, was sehr gequält aussah und da sollte er sich keine Sorgen machen?
Entschlossen sagte er der Lehrerin, dass es Masaki nicht gut ging und brachte den Kleinen ins Krankenzimmer.


Dort war allerdings weder die Krankenschwester noch sonst ein Lehrer. Also legte Hiro seinen Chibi einfach in ein Bett und deckte ihn zu, ehe er sich auf die Suche begab.


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Nach etwa 10 Minuten kam er dann wieder mit der Krankenschwester, die Masaki untersuchte und Fieber maß. Es stellte sich heraus, dass Masaki leicht erhöhte Temperatur hatte und wahrscheinlich übermüdet war. Hiro beschloss, bei seinem kleinen Freund zu bleiben, der schon seelenruhig schlief, da sowieso nur noch ein paar Minuten Unterricht war und da lohnte es sich nicht, zurück zu gehen, meinte zumindest Hiro. Takashi oder Himeko würden schon seine und die Sachen des Chibi mitnehmen oder ihnen bringen.


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Es klingelte zur großen Pause und wie Hiro es sich schon gedacht hatte, kamen seine Freunde ins Krankenzimmer und erkundigten sich nach Masakis Befinden. Als Himeko hörte, dass er übermüdet war, fing sie an zu wettern, dass er noch viel zu jung war und sie es nicht verstehen konnte, wie man ihn gleich in so eine hohe Klasse hatte versetzten können. Das hatte sie schon öfter gesagt, wenn der Chibi mit leichten Augenringen auftauchte oder ständig gähnte, und Hiro gab ihr Recht. Andererseits, wäre der Kleine nicht versetzt worden, dann hätte Hiro ihn nie kennen gelernt und das wäre doch sehr schade gewesen.


Masaki bekam von dem ganzen Trubel nichts mit. Er schlief wie ein Stein, selbst als Himeko richtig laut wurde, und träumte von seinem geliebten Hiro, wie sie zusammen am Meer waren und Muscheln für seine Schwester sammelten.


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Kaum dass sich Himeko und Takashi verabschiedet hatten, wachte Masaki auf, rieb sich verschlafen die Augen und sah Hiro total verpennt an. Sein Chibi war wirklich ein richtiger Chibi.

„Na, gut geschlafen?“, fragte er lächelnd.

Als Antwort bekam er ein Nicken und ein bestätigendes Gähnen.

„Weißt du, wovon ich geträumt habe?“, fragte Masaki zuckersüß.

„Nein, wovon?“

„Von dir. Du hast mit mir Muscheln für meine Schwester gesammelt. Du, Hiro-san, kommst du denn nun mal mit zu Nanami-chan, sie würde dich wirklich gern kennen lernen!“

„Ich kann’s versuchen, aber nur, wenn es deinen Eltern nichts ausmacht.“

„Nein, denen macht das gar nicht aus, ich und Nanami-chan haben sie schon gefragt.“

„Na schön. Ihr fahrt wieder dieses Wochenende, stimmt’s?“

„Ja, also kommst du mit?“

„Ich steh Punkt 10 Uhr bei euch auf der Matte, in Ordnung?“

„Ja, das ist schön.“


Masaki war plötzlich gar nicht mehr müde und umarmte Hiro, der auf der Bettkante saß und kuschelte sich an dessen Brust. Hiro war einfach so schön warm und gemütlich und roch auch immer so gut. Dieses wohlige Gefühl verstärkte sich noch, als Hiro anfing, ihn sanft im Nacken zu kraulen.

„Das ist noch schöner.“, nuschelte der Kleine glücklich.


Die traute Zweisamkeit wurde je unterbrochen, als die Tür plötzlich aufgeschoben wurde. Schnell lösten sich Hiro und Masaki wieder und sahen erschrocken zur Tür, die aber schon längst wieder geschlossen war und an der ein grinsender Kôji lehnte.

„Kôji-san!“, sagte Masaki freundlich, während Hiro: „Furuhata!“, knurre.

Der blonde Junge kam auf die beiden zu und blieb vor dem Bett stehen.

„Ts, ts, ts, also wirklich Maruyama, ich hätte nicht von dir gedacht, dass du Saeharas Situation so schamlos ausnutzt.“

Hiro wollte etwas erwidern, doch überging Kôji ihn einfach und wand sich lächelnd Masaki zu.

„Na, geht’s dir schon besser, Kleiner?“

„Ja, war nur übermüdet, aber jetzt fühl ich mich wieder fit“, grinste Masaki breit.

„Das ist schön.“

Kôji wuschelte dem Kleineren freundschaftlich durch die Haare und Hiro platzt plötzlich der Kragen. Er schubste den Älteren von seinem Chibi weg und stellte sich schützend vor hin. Kôji taumelte ein paar Schritte rückwärts, ehe er Hiro vernichten ansah.

„Sag mal, hast du sie nicht mehr alle, Maruyama?“

„Lass deine Finger von Masaki, du hast ihm schon genug wehgetan.“


Hilflos klammerte sich Masaki an Hiros Arm, damit dieser nicht einfach auf Kôji losging.

„Hiro-san, hör auf, er hat doch nichts gemacht.“

„Aber er würde es bestimmt tun.“

„Nein, würde er nicht, dass weiß ich.“

„Ach, bist du jetzt plötzlich auf seiner Seite?“

„Was...aber...“

„Schmeißt dich erst in meine Arme und lässt dich dann vom Nächstbesten trösten. Danke, darauf kann ich verzichten!“

Wütend machte sich Hiro von Masaki los und ging kochend zu Tür.


Als er sie gerade aufmachen wollte, kam Youichiru ihm entgegen, der dessen Blick nicht übersah.

„He, Hiro, was ist denn mit dir los?“

„Lass mich in Ruhe!“, fauchte der nur und war verschwunden.

Verwundert, weil er keine Ahnung hatte, was er verbrochen hatte, sah er sich im Raum um. In der einen Ecke stand der blonde Junge vom Morgen und sah sauer und betreten zu Boden und auf dem Bett kauerte Masaki, der immer noch die Tür ansah.

„Hiro-san...“, flüsterte der Kleine, als er plötzlich die Hände in seinem Gesicht vergrub und anfing zu weinen.

„Kann mir mal einer sagen, was hier los war?“

„Zur falschen Zeit am falschen Ort“, gab der Blonde von sich und wollte gehen, blieb dann aber vor dem Lehrer stehen. „Sie sollten Ihrem Bruder mal sagen, dass er nicht gleich auszurasten braucht, wenn jemand seinem Chibi durch die Haare wuschelt.“

„Was weißt du über Hiro und Masaki?“, fragte Youichiru nach.

„Mehr als gut ist, aber keine Sorge, ich sag nichts, davon hätte ich sowieso nichts.“

Ehe der Blonde nun wirklich ging, drehte er sich noch mal zu Masaki um.

„Tut mir leid, Saehara, aber das war wirklich nicht meine Absicht.“

„Ich weiß, Kôji-san“, schniefte der Chibi.


Als Kôji gegangen war, setzte sich Youichiru zu Masaki, der im alles erzählte und sich selber immer wieder durch kleinere Schluchzer unterbrach. Nachdem, was Masaki ihm erzählte, konnte er verstehen, dass Hiro so bissig auf den blonden Schönling reagierte, aber dass er nicht gemerkt hatte, das er seinen Chibi verletzte, wunderte den Schwarzhaarigen schon sehr.
Youichiru beschloss für sich, Kôji im Auge zu behalten und notfalls einzugreifen, denn trotz allem gefiel ihm der Blonde. So gesehen war er genau sein Typ.


~*~*~*~*~*~


Hiro saß grimmig in der Klasse, Masaki hatte er entschuldigen lassen und sagte, dass er keine Ahnung hatte, wann ihr Jüngster sich wieder zu ihnen gesellen würde. Als Himeko und Takashi ihn fragten, ob irgendetwas passiert sei, sah er sie nur böse an und zischte, dass sie das nichts anginge. Ein eindeutiges Zeichen, dass er sich mit seinem Schatz verkracht hatte.
Das Schlimmste an der ganzen Sache war, dass Hiro nicht wütend auf seinen Chibi oder Kôji war, sondern auf sich selbst, weil er so schrecklich eifersüchtig geworden war und Masaki auch noch angeschrieen hatte. Aber es hatte so verdammt wehgetan, als er Kôji in Schutz genommen hatte und ihm genauso zu vertrauen schien, wie Hiro. Konnte es vielleicht sein, dass er für seinen Chibi nicht der Einzige war, sondern er auch Gefühle für den Blonden empfand? Bis jetzt hatte sich Masaki nur von ihm durch die Haare wuscheln lassen und dann kam dieser Kôji...Ahrg, wenn er nur daran dachte, kochte schon wieder alles in ihm und er hätte dem anderen am liebsten in die Fresse geschlagen. Aber leider ging das nicht einfach so aus heiterem Himmel, dann hätte es echt Stunk gegeben und sein Chibi wäre enttäuscht von ihm gewesen, wenn er es nicht schon war.

*Ich muss mich bei ihm entschuldigen, das steht fest, aber wie?*


~*~*~*~*~*~


Hiro wusste einfach nicht, was er machen sollte. Den ganzen Tag wartete er darauf, dass Masaki wiederkam, aber er kam nicht, blieb wie vom Erdboden verschluckt. Als die Schule zu Ende war, rannte Hiro sofort ins Krankenzimmer, aber von Masaki war keine Spur. Alle Betten waren fein säuberlich gemacht und nichts deutete darauf ihn, dass jemand je hier gewesen war.

„Wenn du Saehara suchst, der sitzt draußen auf einer Bank, heult sich die Augen aus und zermartert sich das Hirn, was er falsch gemacht hat.“

Erschrocken zuckte Hiro zusammen und sah neben sich. Im Gang, an die Tür gelehnt, stand Kôji mit verschränkten Armen und sah hinaus aus dem Fenster.

„Eigentlich müsste ich dich jetzt verprügeln, weil du dem Kleinen so wehgetan hast“, sagte Kôji ruhig und stieß sich von der Wand ab, ehe er Hiro ansah und weiter sprach. „Aber ich weiß auch, dass du der Einzige bist, der ihn wieder aufheitern kann, also geh zu ihm hin und entschuldige dich. Solltest du das aber nicht tun, mach ich meine Drohung wahr und dann kannst du dir sicher sein, dass ich dir deinen Chibi wegnehme.“

Ohne weitere Worte drehte sich Kôji um und ging. Reichlich verdattert sah Hiro dem anderen nach und hatte plötzlich das Gefühl, dass der gar kein so schlechter Kerl war, wie er immer tat. Zumindest schien ihm Masaki etwas zu bedeuten.
Hiro klatschte sich mit der flachen Hand gegen die Stirn und rannte nach draußen, um seinen Chibi zu suchen, der irgendwo saß und sich Vorwürfe machte.


Schmunzelnd blickte Kôji Maruyama hinterher. Zwar konnte er ihn nicht leiden, aber er war sich sicher, dass ihm Masakis wohl genauso am Herzen lag, wie ihm selbst.
Er fuhr erschrocken zusammen, als sich eine Hand auf seine Schulter legte. Er fuhr mit dem Kopf herum und sah Maruyamas Bruder hinter sich, der ihn angrinste. Was wollte der denn hier und hatte er etwa gesehen, was er gemacht hatte.

„Das war eine gute Tat, Furuhata, wirklich.“

„Das war selbstverständlich, schließlich war ich ja irgendwie dran schuld.“

„Du magst Masaki, hab ich recht?“, fragte der Geschichtslehrer nun ziemlich nah an seinem Ohr.

Kalte Schauer liefen Kôji über den Rücken und er machte sich schnell los.

„Was...was geht Sie das an?“, stammelte er.

Der Typ war ihm nicht ganz geheuer, so verhielt sich doch kein normaler Lehrer.

„Was ist los, Furuhata, hab ich dich irgendwie erschreckt?“, fragte Maruyama-sensei unschuldig.

Nein, der Typ war bestimmt nicht normal, sonst hätte der doch gemerkt, dass er was falsch gemacht hatte.

„Lassen...lassen Sie mich bloß in Ruhe.“

Schnell nahm Kôji die Beine in die Hand und flüchtete. Der Lehrer hatte irgendwie einen Schaden.


Grinsend sah Youichiru dem Jüngeren nach. Anscheinend hatte er voll ins Schwarze getroffen, was Masaki anging und es war auch gut zu wissen, dass der Junge vom selben Ufer war wie er. Zwar war ihm verboten worden, sich mit einem Schüler einzulassen, aber von Ärgern und ein bisschen Flirten hatte keiner was gesagt.


~*~*~*~*~*~


Nicht weit vom Eingang entfernt sah Hiro Masaki zusammengesunken auf einer der Bänke sitzen, die hier und da standen. Auch der Kleinere hatte seinen Freund bemerkt und stand hastig auf, als Hiro immer näher kam.

„Hiro-san, es... Es tut mir leid... Ich mein...ich wollte nicht.“

Erschrocken sah Hiro in die verheulten, apfelgrünen Augen, die ihn flehend ansah. Das war doch nicht die Möglichkeit, dass sein Chibi sich jetzt bei ihm entschuldigte, obwohl er doch an allem schuld war?
Schnell zog Hiro den Jüngeren an sich und legte seine Arme beschützend um ihn, während er seinen Kopf in dessen Halsbeuge vergrub.

„Es tut mir leid, Chibi, ich war so dumm und so grundlos eifersüchtig. Ich hab dich einfach angeschrieen, obwohl du überhaupt nichts dafür konntest. Ich wollte dir doch nicht mehr wehtun und nun hab ich es doch getan. Bitte, verzeih mir.“


Masaki war perplex über Hiros Worte und es erinnerte ihn stark an den Tag der Klassenfahrt, als sie alle wandern gewesen waren. Damals hatte Hiro ihm versprochen, dass er ihm nicht mehr verletzten wollte, hatte aber auch gesagt, dass er oft sprach, ohne nachzudenken. Und das war heute geschehen. Doch was Masaki am meisten wunderte war, dass Hiro sich nicht einfach bei ihm entschuldigte, sondern ihn um Verzeihung bat. Er hatte nun die Fäden in der Hand, er konnte nun bestimmen, ob Hiro sich gut oder schlecht fühlte und die Antwort darauf war leicht gefunden.
Masaki erwiderte die Umarmung und drückte sich ganz fest an den anderen, damit der auch merkte, wie gern er ihn hatte.

„Ich verzeih dir“, flüsterte Masaki in Hiros Schulter und schmiegte sich weiter an ihn.

Es hatte doch gar keinen Sinn, sich wegen so einer Sache zu streiten und wenn Hiro seinen Fehler einsah, dann war doch alles in Ordnung. Fragte sich nur, für wie lange? 



20. Erstes Treffen und aufkommende Probleme


Da saß er nun auf engstem Raum neben seinem Chibi und durfte noch nicht mal mit ihm Händchen halten. Stattdessen spielte er nun magnetisches Schach, das extra für Reisen erfunden worden war. Gut, es war seine Idee gewesen, dass sich die beiden so unauffällig wie möglich verhielten, da ja auch Masakis Eltern mit im Auto saßen und sie ihn garantiert rausgeschmissen hätten, wenn er ihrem Jungen zu nahe gekommen wäre, aber musste sein Chibi sich so sehr daran halten? Denn es war nun mal wie es war: Masaki war im Gegensatz zu Hiro noch minderjährig. Außerdem würde sich doch jeder Erwachsene fragen, was ein 17-Jähriger mit einem 13-Jährigen wollte, auch wenn es um eine Jungen-Mädchen-Beziehung gehen würde.

„Alles klar bei euch?“, fragte Herr Saehara.

Er musste Hiros mürrischen Blick wohl bemerkt haben und auch sein Chibi fing leise an zu kichern.

„Ja, Papa, alles in Ordnung, Hiro-san verliert nur nicht so gerne.“

„Was heißt hier verliert nicht gerne? Wie soll ich denn gewinnen, wenn du mir Schach erst beigebracht hast?“

Gereizt sah Hiro den Kleineren an, der ihn nur zuckersüß anlächelte.

„Sei nicht beleidig, ist doch nur ein Spiel.“

„Ja, ja.“


Masaki und Hiro waren so in ihr Spiel vertieft, das Masaki eigentlich leicht gewinnen konnte, aber er wollte Hiro eine Chance geben, sodass sie nicht sahen, dass Masakis Eltern die ganze Fahrt über lächelten. Sie freuten sich für ihren Sohn, dass er endlich einen richtig guten Freund, wenn nicht sogar einen besten Freund, gefunden hatte, der auch etwas mit ihm unternahm und sich um ihn kümmerte. Früher hatte Masaki oft alleine zu Hause gesessen und Bücher gelesen, die nur etwas mit Schule zutun gehabt hatten, da er mit seinen Hausaufgaben immer schon sehr schnell fertig gewesen war.
Ihr Sohn war wirklich ein sehr intelligentes Kind, aber erst jetzt schien er seine Kindheit wirklich zu genießen. Immer öfter sahen sie ihn vor dem Fernseher sitzen und Animes schauen, etwas, was er früher nur sehr, sehr selten getan hatte, und wenn er merkte, dass sie ihn ‚erwischt’ hatten, dann sagte er immer:

„Hiro-san hat gesagt, dass ich mir das unbedingt ansehen muss!“

Anfangs wussten sie zwar nicht, warum ein 17-jähriger sich mit einem halben Kind beschäftigte, aber sie schienen sich ja bestens zu verstehen und das war die Hauptsache. Solange ihr Masaki glücklich war, hatten seine Eltern nichts gegen Hiro einzuwenden.


~*~*~*~*~*~


Sechs Stunden dauerte die Fahrt, die zwei Pausen nicht mit dazu gerechnet, ehe sie ankamen, sodass es Hiro nicht mehr wunderte, dass die Saeharas nur aller zwei bis drei Wochen zu Masakis Schwester führen. Früher war das bestimmt anders gewesen und sie fuhren fast jeden Tag, aber mit der Zeit legt sich so etwas seltsamerweise immer.


Der Brünette staunte nicht schlecht, als er den riesigen Komplex sah, in dem Masakis Schwester untergebracht war. Masaki hatte ihm zwar erzählt, dass es hier eine Schule gab, in die die zu behandelnden Kinder gingen, aber er hätte nie erwartet, dass das ganze wie ein kleines Dorf wirkte. Im Zentrum stand ein großes Gebäude, wahrscheinlich die Hauptklinik, und drum herum viele kleine Häuser. Auf dem Weg zum Eingang sahen sie viele Eltern, die mit ihren Kindern draußen waren, aber auch Erwachsene, die besucht wurden. Nie hatte Hiro erwartet, so viele Leute zu sehen. Selbst als sein Bruder mal im Krankenhaus gelegen hatte, weil er mit dem Motorrad einen Unfall gehabt hatte, waren ihm nicht so viele Menschen, besonders in seinem Alter und jünger, über den Weg gelaufen.
Sie gingen auf eines der Vier-Etagenhäuser zu. Es war nicht groß, aber hoch. Mit dem Fahrstuhl fuhren sie in den 3. Stock. Masaki war schon ganz hibbelig, wobei Hiro eher etwas nervös war, schließlich wusste er nicht recht, wie er sich Masakis Schwester gegenüber verhalten sollte. Er hatte noch nie etwas mit ‚Behinderten’ zutun. Besonders hatte er Angst davor. Etwas Falsches zu sagen, was ja bei ihm öfters der Fall war.


~*~*~*~*~*~


Als sie das Zimmer des Mädchens betraten, saß Nanami an ihrem Schreibtisch und malte. Als sie ihre Familie erblickte, strahlte sie wie immer übers ganze Gesicht und fuhr auf ihre Eltern zu. Sie begrüßte sie, indem sie jeden drückte und ihm ein Küsschen auf die Wange gab. Etwas hinter den anderen sah das braunhaarige Mädchen Hiro stehen und lächelte ihn freundlich an. Er sah irgendwie verloren aus.

„Hallo, du bist bestimmt Maruyama, oder?“


„Ja, guten Tag, Saehara“

Hiro ging auf das zierliche Mädchen zu und gab ihr die Hand.

„Es freut mich, dass du einmal mit gekommen bist, schließlich hat mein Bruder schon soviel von dir und den anderen erzählt, dass ich mir einfach ein eigenes Bild schaffen müsste.“

Hiro grinste schief. Sein Chibi hatte also Vieles erzählt, hoffentlich nur Gutes und nicht zuviel, denn aus der Freundschaft war ja nun doch mehr geworden.


Masaki saß einfach nur auf Nanami Bett und freute sich, dass sich nicht nur seine Eltern mit Hiro zu verstehen schienen, sondern auch seine Schwester. Blieb nur noch abzuwarten, ob es auch so blieb.


~*~*~*~*~*~


Sie redeten über dieses und jenes, die Schule und die Arbeit. Hiro hielt sich eher im Hintergrund und beobachtete seinen Chibi, wie er ausgelassen mit seiner Schwester redete. Trotz allem kam sich der 17-jährige Schüler fehl am Platz vor und beschloss für sich, nicht mehr mit zukommen, egal wie sehr sein Kleiner betteln würde. Diesen Tag sollte Masaki lieber nur mit seiner Familie verbringen und er gehörte auf keinen Fall hierher.
Während sie so redeten, stellte sich heraus, dass Nanami noch ein paar Dinge brauchte, wie einen neuen Füller, einen Block und noch etwas, was sie nur ihrer Mutter sagte. Masakis Eltern beschlossen, in die nahe gelegene Stadt zu gehen und Masaki gleich mit zu nehmen, da seiner Mutter einfiel, das er mal wieder neue Sachen brauchte. Sie baten Hiro solange bei ihrer Tochter zu bleiben, was dieser auch bereitwillig tat, was sollte er auch sonst machen?


Ein Gespräch kam zwischen den beiden jedoch nicht zustande. So schwiegen sie sich eine Zeit lang nur an, doch irgendwann brach Nanami die Stille.

„Maruyama?“

„Ja?“

„Sag mal ehrlich, warum gibst du dich mit meinem Bruder ab, er ist doch viel jünger als du?“

Etwas vorwurfsvoll sahen ihn Nanami Augen an und erst jetzt fiel ihm auf, dass sie auch grün waren, aber nicht so intensiv wie die seines Chibis. Überhaupt sahen sich die beiden recht ähnlich.

„Na ja, so genau ... weiß ich das gar nicht, es ... hat sich einfach so ergeben. Er ist nett und irgendwie hab ich das Gefühl...als hätte ich einen kleinen Bruder. Ja, so irgendwie.“, stammelte Hiro und das war noch nicht mal gelogen.

Er hatte noch nie darüber nachgedacht, warum er den Kleinen gleich von Anfang an akzeptiert hatte. Was daraus geworden war, sah er, aber wie es angefangen hatte, konnte er nicht sagen. An Liebe auf den ersten Blick glaubte er zwar nicht, aber irgendwie so musste es wohl so gewesen sein, denn er hatte ja schon nach einer Woche begonnen sich komisch zu benehmen.


Nanami musste kichern, als sie Hiros verlegenen Gesichtsausdruck bemerkte. Anscheinend war es ihm peinlich einfach zu sagen, dass er Masaki gern hatte. Stattdessen plapperte er irgendwas daher.

„Maruyama, könntest du mir einen Gefallen tun?“, fragte sie freundlich, einen Kicheranfall unterdrückend.

„Kommt drauf an.“

„Würdest du mich ein bisschen durch die Gänge schieben, ich hock schon den ganzen Tag hier drin.“

Bittend sah die Jüngere ihn an. Den Blick hatte sie sich bei ihrem Brüderchen abgeguckt, denn damit bekam er auch jeden rum, wenn er wollte. Allerdings hatte sie eher das Gefühl, dass er das unabsichtlich tat.

„Von mir aus, aber willst du nicht lieber raus?“

„Ich würde gerne, aber ich darf nicht. Ich lass meinen Eltern eine Nachricht da, damit sie wissen, wo wir sind, wenn sie wieder kommen.“


~*~*~*~*~*~


Gesagt, getan und keine fünf Minuten später schob Hiro den Rollstuhl durch den 3. Stock. Es kamen ihnen immer wieder andere Patienten entgegen, die Nanami freundlich grüßte. Im Großen und Ganzen sah das Haus eher nach einem Internat aus, als wie eine Klinik. Aber wenn man für unbestimmte Zeit hier war, so wie Nanami, dann war diese Atmosphäre bestimmt das Richtige. Hiro konnte gar nicht glauben, dass dieses zierliche Mädchen noch nicht durchgedreht war. Also, er wäre es, wenn er schon seit acht Jahren hier leben müsste und er seine Familie immer nur am Wochenende sehen würde.

„Masaki-chan muss dich sehr gern haben.“, holte ihn Nanamis Stimme aus seinen Gedanken zurück.

*Wenn du wüsstest, wie gern er mich hat…?*

„Weißt du, Maruyama, mein Bruder hat mir alles erzählt.“

*Ach du Scheiße, wirklich alles?*

„Von seinen Klassenkameraden, von dir und von deiner Freundin. Ich bin wirklich froh, dass ihr euch wieder vertragen habt, denn er sah sehr geknickt damals aus. Apropos, wie geht es deiner Freundin?“

*Hä, welche Freundin? Ich hab keine Freundin? Oder meint sie etwa Arisu?*

„Ich hab keine Freundin, zumindest nicht mehr.“

„Nicht? Warum?“

*Mann, ist die neugierig.*

„Na ja, hat nicht so besonders funktioniert.“

„Oh, das tut mir leid. Hast du denn schon jemand anderen im Auge?“

*Verdammt noch mal wo bin ich hier, etwa beim Verhör?*

„Ja, da gibt es schon jemanden.“

*Warum hab ich ihr eigentlich geantwortet?*

„Wie sieht sie denn aus?.“

Hiro musste bei dem Wort ‚sie’ schmunzeln, denn das passte nun gar nicht. Aber sagen kann er es ihr ja, zumindest grob.

„Also, ‚sie’ hat braune Haare und grüne Augen, ist schlank und kleiner als ich.“

Vor seinem geistigen Auge formte sich das Gesicht seines süßen Chibis, wie er ihn anlächelte. Und irgendwie mogelte sich da auch wieder das Bild ein, als er nackt vor ihm gestanden hatte, was ihm die Röte ins Gesicht trieb.


Hiro war so in seine Gedanken vertieft, dass er nicht merkt, dass auch Nanami leicht rot wurde, schließlich passte diese grobe Beschreibung genau zu ihr. Außerdem konnte sie nicht leugnen, dass sie Hiro anziehend fand, besonders wenn er lächelte oder verlegen drein sah, wie im Moment. Sie fand ihn schon vom ersten Moment an sympathisch, da war es vielleicht gar nicht so schlecht, dass ihr Bruder mit ihm befreundet war


~*~*~*~*~*~


Nachdem sie über alles Mögliche geredet hatten, fuhr Hiro Nanami wieder zu ihrem Zimmer zurück, wo ihre Eltern und Masaki schon warteten. Zwar wunderte es den Kleinen, warum seine Schwester beinahe strahlte, aber wenn sie glücklich war, konnte er ja nur zufrieden sein.


Es wurde noch ein schöner Nachmittag, an dem sich auch Hiro beteiligte. Als es dann Zeit wurde zu gehen, nahm Nanami ihren Bruder noch mal schnell zur Seite und flüsterte ihm etwas ins Ohr.

„Du hattest recht, Maruyama sieht wirklich gut aus. Du kannst ihn ruhig öfter mitbringen.“

Etwas verwundert sah Masaki seine Schwester an, als sie leicht errötete, ehe bei ihm der Groschen fiel. Ein ungutes Gefühl machte sich in ihm breit, als er auch Hiro ansah, der auch sehr zufrieden zu sein schien.


~*~*~*~*~*~


Auf der Fahrt sagte Masaki nicht ein Wort, sondern sah hinaus in die dunkle Nacht. Was würde wohl passieren, wenn seine Familie erfuhr, dass Hiro für ihn nicht einfach nur ein guter Freund war, sondern sehr viel mehr?. Und was war passiert, als er nicht da gewesen war? Ob seine Schwester sich auch in Hiro verliebt hatte?
Irgendwann wurde er des Denkens müde und schlief ein.


Eine halbe Stunde später war sein Kopf an Hiros Schulter gelehnt und dieser hatte ihre Hände unbemerkt ineinander verschlungen, aber so, dass es Masakis Eltern nicht sehen konnten. Immer wieder betrachtete er seinen Chibi, wie er friedlich vor sich hinschlummerte und sich unbewusst immer näher an Hiro schmiegte.


~*~*~*~*~*~


Nach einer für Hiro endlosen Fahrt, kamen sie gegen zehn Uhr abends an. Zu spät merkten sie, dass sie Hiro mit zu ihrer Wohnung gefahren hatten, obwohl sie ihn eigentlich hatten absetzten wollen.

„Ach was, kein Problem. Ich wohne ja nicht so weit.“, entgegnete Hiro gelassen.

Ihm machte es gar nichts aus, noch ein bisschen durch die Gegend zu laufen.

„Aber es ist schon spät und du bist doch bestimmt müde.“, widersprach Masaki.
„Mama, kann Hiro nicht heute hier schlafen, morgen ist doch eh keine Schule.“

„Von mir aus.“

„Das ist sehr freundlich, aber...“

‚...nicht nötig’, wollte Hiro eigentlich sagen, aber sein Chibi hatte ihn einfach unsanft und unbemerkt in die Seite geknufft, um ihm zu verstehen zu geben, dass er die Klappe halten sollte.


Masaki sah gar nicht ein, dass Hiro jetzt einfach so ging. Dass es spät war, war nur die halbe Wahrheit. Er wollte einfach nur etwas Zeit alleine mit Hiro verbringen, denn eigentlich hatte er heute noch gar nichts von ihm gehabt. Gut, sie haben sich auf der Fahrt unterhalten, aber sie waren nie allein gewesen und im Geheimen war Masaki eifersüchtig, weil seine Schwester, die Hiro nun gar nicht kannte, alleine mit ihm gewesen war. Normalerweise war es nicht typisch für ihn, so zu denken, aber Hiro hatte schon einiges in seinem Leben verändert.


~*~*~*~*~*~


Am Ende bekam Masaki seinen Willen und ein Futon wurde noch in sein Zimmer gelegt, auf dem Hiro schlafen sollte. Der bedankte sich für die Gastfreundschaft und rief seine Eltern an, dass er hier schlafen würde. Leider war Youichiru am Telefon, da seine Eltern noch weg waren. Sein großer Bruder konnte es natürlich nicht lassen, anzügliche Bemerkungen zu machen, sodass Hiro den Hörer krachend auf die Gabel schlug. Für seinen kleinen Wutausbruch entschuldigte er sich natürlich.


~*~*~*~*~*~


Masaki lag in seinem Bett, allerdings konnte er einfach nicht einschlafen, genauso wie Hiro, der neben dem Bett auf dem Futon lag.

„Chibi, bist du noch wach?“, fragte der Ältere.

„Hm.“

„Hast du deiner Schwester etwas von uns erzählt?“

„Nein.“

„Warum nicht?“

„Weil es sie nichts angeht.“, kam es geflüstert zurück.
„Und außerdem wissen Takashi und Himeko es auch nicht.“

„Glaub mir, sie wissen es.“, gab Hiro nun in normaler Tonlage von sich.

Überrascht befreite sich Masaki aus der Decke und krabbelte zum Rand des Bettes, um Hiro anzusehen.

„Bist du dir sicher, Hiro-san?“

„Na ja, wenn Takashi es nicht weiß, dann auf alle Fälle Himeko. Mädchen haben irgendwie einen sechsten Sinn für so etwas.“

Hiro richtete sich etwas auf und stützte sich auf seine Unterarme. Lange sah er seinen Chibi einfach nur an, ehe er ihm sanft eine Hand in den Nacken legte und ihn zu sich runter zog.
Masakis Herz fing immer schneller an zu schlagen, während sich Hiros Gesicht seinem stetig näherte.

„Hiro-san...“


„Hm.“

Hiro konnte es gar nicht mehr erwarten diese süßen Lippen zu spüren, die seine Küsse immer noch so unschuldig erwiderten wie beim ersten Mal.

„Ich fall runter, wenn du weiter so ziehst.“

Dieser Satz machte Hiro dann doch sehr stutzig, aber er hatte jetzt keine Lust, sich darüber aufzuregen, also sagte er einfach: „Ist doch egal!“, und zog den Kleineren ganz auf sich. Zwar traf der Kuss so ins Leere, aber er konnte wenigstens mit ihm kuscheln.


Überrumpelt lag Masaki auf Hiros ganzem Körper und konnte seinen gleichmäßig Herzschlag an seinem Ohr schlagen hören. Es war ein seltsames Gefühl, den anderen so nah zu spüren, aber auch sehr angenehm und so kuschelte er sich in die starken Arme, die ihn besitzergreifend umschlangen. Eines seiner Beine war zwischen Hiros gerutscht, aber das machte ja nichts.


Auch Hiro bemerkte, dass Masakis Oberschenkel auf seinem Schritt lag. Und als der Kleine sich dann auch noch bewegte und leicht darüber rieb, lag der braunhaarige Junge stocksteif da und ohrfeigte sich selber für diese blöde Idee. Wenn er jetzt nicht etwas tat, würde er seinen Schatz bestimmt verschrecken.

„He, Chibi, wollen wir nicht lieber in dein Bett, das ist größer.“, versuchte Hiro sich aus dieser unangenehmen Situation zu befreien.

„Nein, ist gerade so gemütlich...“

„Ach komm schon.“

„Nö, ich steh nicht auf.“, entgegnete sein Chibi trotzig und klammerte sich noch mehr an ihn.

Seufzend richtete sich Hiro auf, sodass sich Masaki gezwungenermaßen auch erheben musste, wenn er nicht unsanft auf dem Boden landen wollte.
Schnell schob der Ältere seine Arme hinter den Rücken und die Kniekehlen des Chibis, wodurch er ihn besser ins Bett tragen konnte.


Masaki spürte die weiche Matratze unter sich, als Hiro ihn langsam absetzte, sich dann ebenfalls hinlegte und die Decke über sie beide zog. Ganz still lag Masaki neben seinem Freund und sah ihn einfach nur verträumt an und genoss es, wie er ihm über die Wange streichelte. Es war so angenehm war und ein leichtes Kribbeln jagte durch seinen Bauch.
Liebevoll sahen ihn die himmelblauen Augen an, als sie plötzlich einen spitzbübischen Ausdruck bekamen.

„Ich muss mir ja noch etwas von dir abholen.“, hauchte Hiro sanft.

Verständnislos sah Masaki seinen älteren Freund an. Er verstand überhaupt nicht, was der andere von ihm wollte.

„Was willst du dir denn abholen, ich habe doch nichts für dich.“


Das saß. Mit diesem kleinen naiven Satz hatte sein süßer Chibi die ganze Atmosphäre zunichte gemacht. Jedem anderen wäre klar gewesen, was Hiro wollte, aber nein, der Kleine musste natürlich wieder einen auf unschuldig machen.
Grummelnd drehte Hiro Masaki den Rücken zu. Er war sauer, enttäuscht und resigniert. Er wollte doch nur einen Kuss haben, aber der Chibi schien irgendwie auf der Leitung zu stehen.

„Du bist halt doch nur ein Kind.“, entwich es Hiro, ohne dass er es eigentlich wollte.

„Was soll das denn heißen?“

„Nichts, vergiss es.“ entgegnete er patzig.

Leider hatte das böser geklungen, als es eigentlich sollte, denn Hiro spürte, dass auch Masaki sich umdrehte und ihm den Rücken kehrte. Außerdem schien er ihn mit seinen Worten mal wieder verletzt zu haben, sonst würde er sich nicht einfach so von ihm abwenden.


Traurig starrte Masaki auf seinen Schreibtisch. Warum hatte Hiro das gesagt? Natürlich war Masaki noch ein Kind, das musste er doch wissen. Woher sollte er denn wissen, was Hiro meinte, er konnte doch keine Gedanken lesen. Sowieso hatte Masaki das Gefühl, dass sein Freund sich schon den ganzen Abend so merkwürdig benahm. Konnte es vielleicht sein, dass er die Nase voll von ihm hatte und lieber mit jemand anderem zusammen sein wollte? Wenn Masaki nur wüsste, was passiert war, als Hiro und Nanami alleine gewesen waren. Seine Schwester hatte so zufrieden ausgesehen, als hätte sie etwas ganz Tolles erfahren oder bekommen.
Gequält von solchen Gedanken rutschte der Kleine mehr unter die Decke, als wolle er sich vor etwas schützen. Er wollte nicht, dass Hiro ihn nicht mehr mochte, dafür hatte er ihn viel zu lieb.
Sanft legte sich ein Arm um seine Hüfte und zog ihn näher an den warmen Körper hinter ihm. Mehr aus Reflex kuschelte er sich an diesen, obwohl er gekränkt war. Er erschrak etwas, als Hiros Hand sich unter sein Schlafshirt schlich und anfing, ihn am Bauch zu streicheln. Eigentlich wollte er die Hand dort weg schlagen, aber er war auch neugierig, was noch passieren würde. Außerdem konnte er nicht leugnen, dass es schön war, auch wenn es etwas kitzelte.

„Es tut mir leid.“, flüsterte der Ältere nah an seinem Ohr und fing an leicht daran zu knabbern.


Unbemerkt wanderte die Hand immer höher und auch brachte Hiro seine Zunge an Masakis Ohr mit zum Einsatz. Er nahm gar nicht wahr, dass sich sein Chibi immer mehr verkrampfte und von ihm weg wollte. Wie in Trance streichelte er über den fragilen Oberkörper.
Erst die gequälte Stimme des Kleinen ließ ihn wieder klarer denken.

„Hiro-san, hör auf, das ist eklig.“

Ruckartig ließ Hiro von ihm ab und sah das zusammen gekauerte Bündel an. Was hatte er jetzt schon wieder für einen Mist gemacht, konnte er seine Hormone denn nicht im Zaum halten?

„Du bist halt doch ein Kind.“, seufzte er mehr zu sich selbst und drehte sich wieder weg.

Vielleicht wäre es besser, wenn er nicht hier liegen bliebe, sondern wieder in sein Bett gehen würde.
Gesagt, getan. Er schob die Decke zur Seite und wollte gerade aufstehen, als sich Masaki unerwartet an ihn klammerte.

„Geh nicht! Du kannst von mir aus weiter machen, aber bitte sei dann wieder mein Freund.“

Verständnislos sah Hiro in die großen Augen, die ihn flehend ansahen, aber auch eine Spur von Angst schwang in dem Blick mit. Irgendwie hatte der Kleine was in den falschen Hals bekommen. Wie kam er überhaupt auf den Gedanken, dass er nicht mehr sein Freund war?

„Was redest du denn da?“, fragte Hiro ungläubig.

„Na, du bist doch böse auf mich, aber wenn du weiter machen kannst, dann hast du mich doch wieder gern, oder?“

Hä, was sollte denn das jetzt? Sein Chibi wollte etwas mit sich machen lassen, was er nicht wollte, nur damit Hiro ihn weiter mochte? Das war doch absoluter Blödsinn!


Masaki war traurig, er wollte Hiro nicht verlieren. Wenn es ihm so wichtig war, was immer er da auch gemacht hatte, dann konnte er auch weitermachen, Hauptsache, er mochte ihn dann wieder. Zugegeben, er hatte Angst vor dem was passierte, weil er nicht wusste, was es war, aber für Hiro würde er alles tun, solang er nur bei ihm blieb.
Ernst sahen ihn nun die himmelblauen Augen an, die er selbst in der Nacht erkennen konnte.

„Masaki, sag so etwas nie wieder, hörst du?! Wenn dir etwas nicht gefällt, dann ist das in Ordnung und du solltest es nicht tun, nur damit dich jemand mag, egal wer. Außerdem bin ich nicht auf dich sauer, sondern auf mich, weil ich vergessen habe, dass du immer noch ein Kind bist. Ich hab dich immer noch sehr, sehr gern und daran wird sich auch so schnell nichts ändern, das verspreche ich dir.“

„Wirklich nicht, auch wenn ich, wie du sagst, noch ein Kind bin?“

„Nein, ich hab es mir so ausgesucht und damit muss ich klar kommen, nicht du!“

Liebevoll strich Hiro Masaki ein paar Strähnen aus dem Gesicht, ehe er im einen sanften Kuss auf die Stirn gab und noch mal zärtlich über die Wange strich.

„Ich werde heute trotzdem lieber auf dem Futon schlafen, das ist besser.“

„Na gut, wenn du meinst.“

Etwas traurig war Masaki schon, als Hiro sich wieder auf sein Nachtlager legte. Zwar hatte er seine Aktion als sehr unangenehm empfunden, aber trotzdem fehlte im Hiros Nähe. Um dies etwas zu überbrücken, rutschte er ganz nah an den Rand seines Bettes, um Hiro noch näher zu sein und dieser registrierte dies mit einem zufriedenen Lächeln.



21. Ein Schritt in die richtige Richtung (Teil 1)

Kaum dass Hiro am nächsten Morgen erwachte, musste er schmunzeln. Schon im Schlaf hatte er bemerkt, wie sich sein Chibi regelrecht an ihn klammerte.
Seine Vermutung wurde noch bestätigt, als er neben sich sah und direkt in Masakis schlafendes Gesicht blickte.
*Dieser Frechdachs! Hat er sich doch einfach zu mir gelegt. Aber irgendwie süß.*
Ein unglaubliches Glücksgefühl machte sich in dem braunhaarigen Jungen breit, wusste er doch nun, dass sein Chibi sich nicht vor ihm fürchtete, wegen dem, was den Abend zuvor passiert war. Er musste wirklich lernen sich zusammen zu reißen. Hiro konnte sich erinnern, dass er früher nicht so gewesen war. Als er mit Himeko zusammen gewesen war, hatten sie sich gerade mal geküsst, aber nie zusammen in einem Bett geschlafen. Gut, sie hatten zusammen gekuschelt, aber das war es dann auch schon gewesen.
In Gedanken versunken strich er eine verirrte Strähne aus dem kindlichen Gesicht. Ungläubig schüttelte er den Kopf.
*Ich liege mit einem 13-jährigen in einem Bett und träume immer öfter von ihm. Hätte mir das einer vor einem halben Jahr erzählt, ich hätte ihn für verrückt erklärt. Ich kann nur für uns beide hoffen, dass ich nicht pädophil [1] bin. Schon allein, weil ich dir das nicht antun will.*
Sanft streichelte Hiro über die Wange seines Chibis, der ein zufriedenes Seufzen von sich gab.


Zufrieden nahm Masaki die sanften Streicheleinheiten wahr. Er war schon etwas länger wach, aber er hatte einfach keine Lust aufzustehen, dafür war es viel zu warm und gemütlich unter der Decke. Außerdem hatte er ja ein großes Kuscheltier, das ihn unbewusst wärmte. Gut, Hiro hatte zwar gesagt, dass Masaki in seinem Bett bleiben sollte, aber er hatte einfach nicht einschlafen können und als er sich sicher war, dass sein Freund fest schlief, hatte er sich einfach zu ihm geschlichen. Das Hiro darüber verärgert sein könnte, daran hatte er nicht einen Augenblick gedacht und das bestätigte sich ja nun auch, sonst würde der Ältere jetzt nicht so lieb zu ihm sein.
Immer noch so tuend, als würde er schlafen, rutschte Masaki noch etwas weiter zu Hiro und kuschelte sich an ihn.


Hiro verzog das Gesicht, denn irgendetwas drückte gegen seine Rippen, als sein Chibi sich an ihn kuschelte. Verwundert griff er zwischen sie und hatte plötzlich ein weißes Hasenohr samt Stoffhase in der Hand. Dem Ausdruck auf dem Gesicht des Kuscheltiers zu urteilen, war der auch nicht besonders begeistert über seine Lage gewesen. Seufzend ließ er das Tier auf die Bettdecke sinken. Keine fünf Sekunden später tastete eine kleine Hand die Oberfläche ab, auf der Suche nach dem verschollenen Etwas.
Grinsend beobachtet Hiro, wie sein Chibi das Gesicht missbilligend verzog, als er nicht auf Anhieb das fand, was er wollte, nur weil er zu faul war die Augen auf zu machen.

„Suchst du was Bestimmtes, Chibi?“


Brummelnd öffnete Masaki nun doch seine Augen. Erst sah er Hiro an, dann schnappte er sich seinen Hasen und knuddelte ihn, bevor er sich wieder in die Decke einmummelte. Allerdings hielt ihn Hiro davon ab wieder einzuschlafen, denn der hatte beschlossen, ein Gespräch mit ihm anzufangen. Wie gemein!

„Sag mal, du schleppst das Vieh wohl überall mit hin?“

„Das ist kein Vieh,“, grummelte Masaki böse, „außerdem hast du mich auf der Klassenfahrt mit ihm getröstet.“

„Erinnere mich nicht daran. Zum Glück hat das keiner mitbekommen, das war so peinlich.“

„Fand ich gar nicht. Ich fand das sehr lieb, da hab ich zum ersten Mal gemerkt, dass ich nicht jedem egal bin.“


Ein zufriedener Ausdruck hatte sich auf Masakis Gesicht gelegt und Hiro beschloss, die Sache einfach so im Raum stehen zu lassen. Es hatte ja eh keinen Sinn, den Kleinen vom Gegenteil zu überzeugen.


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Noch etwa zehn Minuten lagen sie so da, ehe Hiro sich aufrichtete und sich durch die Haare fuhr. Mussten die am Morgen immer so durcheinander sein?

„Ich sollte jetzt besser gehen, schließlich war es nicht geplant, dass ich hier schlafe und ich will deinen Eltern keine Umstände machen.“

„Machst du nicht, die sind eh nicht da.“, sagte Masaki beiläufig, während er sich kräftig streckte.

Mit allem hatte Hiro gerechnet aber mit damit nicht, dementsprechend sah er jetzt auch dumm aus der Wäsche.

„Deine Eltern lassen dich einfach so mit mir alleine, einem eigentlich Fremden?“
*Ich will gar nicht wissen was passieren könnte, wenn Masaki den falschen Menschen vertraut!*

Masaki nickte bestätigend, stand auf und wühlte in seinem Schrank nach frischen Sachen.

„Anscheinend vertrauen sie dir, denn sonst sagen sie immer der Nachbarin, dass sie auf mich aufpassen soll, aber ich mag die gar nicht.“

„Und wo sind deine Eltern jetzt, wenn ich fragen darf?“

„Mama ist bei einem älteren Herrn und macht für ihn den Haushalt und Papa bei der Arbeit.“

„Am Sonntag?“

„Jap, weil er gestern nicht gekommen ist. Aber ihm macht das nichts aus, denn er mag seine Arbeit. Willst du auch duschen gehen?“, fragte der Chibi, während er ein großes Handtuch aus dem Schrank zog.

Hiro nickte etwas überfordert, über den plötzlichen Themenwechsel.

„Gut, geh schon mal ins Bad, ich bring dir dann ein Handtuch.“

Hiro tat wie ihm befohlen nahm seine Sachen und machte sich auf den Weg ins bad. Schwer zu finden war es nicht bei der recht kleinen Wohnung.


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Nach ein paar Minuten fand Masaki, was er gesucht hatte und betrat das Badezimmer. Hiro stand schon unter der Dusche und ließ es sich gut gehen.

„Ich leg dein Handtuch auf die Waschmaschine.“, sagte der Kleine.

„In Ordnung.“

Masaki verließ darauf jedoch nicht das Bad, sondern setzte sich auf den Wannenrand und beobachtete seinen Freund durch das Milchglas. Gespannt betrachtete er, wie Hiro einfach nur unter dem Wasserstrahl stand.
Verlegen sah Masaki auf den gefliesten Boden. Es war ihm peinlich, dass er seinen Freund einfach so anstarrte und der bekam noch nicht einmal etwas davon mit. Aber ein Verlangen brannte in Masaki und er musste Hiro einfach fragen, egal was dieser dann sagen würde.

„Du, Hiro-san?“, fragte Masaki schüchtern und er konnte sehen, dass der Ältere etwas zusammen schreckte.

Anscheinend hatte er geglaubt, das Masaki schon längst weg wäre.

„Was ist denn?“

„Darf ich mit dir duschen?“

Masaki wurde noch röter und glich nun schon einer Tomate. Es hörte sich irgendwie komischer an wenn er es sagte, als wenn er es dachte. Ein seltsames Gefühl.


Und Hiro? Der stand nur stocksteif in der Duschkabine und wusste nicht, was er darauf jetzt antworten sollte. Irgendwie ging das alles ziemlich schnell. Aber wahrscheinlich hatte sich sein Chibi mal wieder nichts dabei gedacht, schließlich hatte er ihn schon mal nackt gesehen und zusammen gebadet hatten sie auch schon. Trotzdem war das jetzt einfach etwas anderes. Damals waren sie nicht zusammen, wobei sich Hiro manchmal fragte, ob das überhaupt so war. Er hatte den Verdacht, dass sein Kleiner seine Gefühle falsch deutete und er Hiro nicht liebte, sondern einfach nur Zuneigung für ihm empfand. Da bestand dann doch ein großer Unterschied.
Aber wieder zum eigentlichen Thema: Sollte Hiro nun ‚Ja’ sagen? Masaki würde es sicher nichts ausmachen, sonst hätte er ja nicht gefragt, aber wie sah es bei ihm aus? Wenn er sich daran erinnerte, was auf der Klassenfahrt passieret war... Nein, daran wollte er lieber nicht denken. Es war sowieso ein Wunder gewesen, das sein Chibi ES nicht bemerkt hatte, sondern nur seinen roten Kopf. Was sollte er jetzt nur machen?

„Hiro?“

Die unsichere Stimme des Chibis ließ ihn wieder aus seinen Gedanken auftauchen. Er hatte gar nicht bemerkt, dass er so lange einfach nur stumm dagestanden hatte. Anscheinend hatte Masaki sein Schweigen aber falsch gedeutet und schien zu glauben, dass Hiro nun verärgert war, denn ein leichtes Zittern schwang in der hellen Stimme mit.

„Meinetwegen, wenn du unbedingt willst.“

Irgendwie bereute Hiro was er gesagt hatte, aber er konnte seinem Chibi einfach nichts abschlagen.


Flink schälte sich Masaki aus seinem Pyjama, griff noch schnell nach dem Duschbad seines Vaters und stieg dann zu Hiro unter die Dusche. Der hatte sich mit dem Rücken zu ihm gedreht und vermied es ihn anzusehen.
Masaki betrachtete Hiros Rücken sehr interessiert. Er hatte sich seit der Klassenfahrt verändert. Das Kreuz war nun etwas breiter und auch die Schultern und Muskeln wirkten wesentlich straffer als damals. Das Masaki nie so aussehen würde wusste er, aber ihm gefiel der Gedanke sich für immer an eine starke Schulter zu lehnen, die ihm Halt gab.
Vorsichtig, um nicht zuviel zu verschwenden, drückte er etwas von der flüssigen Seife auf seine Hand und begann damit, als wäre es ganz normal, Hiros Rücken einzuseifen.


Erschrocken durch die plötzliche Berührung von zarten Händen auf seiner Haut fuhr er herum und hielt die Hände seines Chibis eisern fest. Geschockt sahen himmelblaue Augen in apfelgrüne, die nicht verstanden, was los war.

„Was tust du da?“, fragte Hiro verwirrt.

Noch immer sah Masaki ihn verwundert an.

„Ich...wollte dir nur den Rücken waschen. Ich dachte, es könnte dir gefallen.“

Ja, Masaki hatte nachgedacht und Hiro, der hatte an gar nichts gedacht. Er war einfach nur erschrocken, hatte nicht damit gerechnet und in einem kleinen Hinterstübchen hatte sich vielleicht auch schon der Gedanke gebildet, was passieren konnte, wenn er die unbeabsichtigten Streicheleinheiten zu sehr genoss.
Irgendetwas musste er jetzt sagen, denn sein Kleiner sah ihn immer noch nichtsverstehend an.

„Danke, aber das muss nicht sein. Ich will sowieso gehen.“

Hiro griff nach dem Duschgel und fing an, sich selber zu waschen.
Masaki stand immer noch einfach neben ihm, ehe er es seinem Freund gleichtat.


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Als sie fertig waren, stiegen sie aus der Dusche, trockneten sich ab und zogen sich an. Schnurstracks marschierte Masaki in die Küche und sah im Kühlschrank nach, was sie noch so zu Essen da hatten.

„Was möchtest du essen, Hiro-san?“

„Nichts.“, kam es aus dem Flur.

Verwundert machte Masaki den Kühlschrank wieder zu und ging zu seinem Freund. Der stand mal wieder mit dem Rücken zu ihm und zog sich seine Schuhe an. Seine Jacke trug er bereits.

„Was machst du da?“, verlangte Masaki zu wissen.

„Ich werde jetzt nach Hause gehen.“

Hiros Stimme klang endgültig, so als könnte ihn nichts davon abhalten, das zu tun, was er wollte.

„Warum denn? Du kannst doch noch frühstücken und meine Eltern sind auch nicht da. Bleib doch bitte noch!“

„Tut mir leid, Chibi, aber ich muss noch Hausaufgaben machen.“

„Aber, die kannst du doch auch hier machen.“

„Ne, lass mal gut sein, am Ende schreib ich doch nur bei dir ab.“

Hiro ging auf Masaki zu und gab ihm einen leichten Kuss auf die Stirn.

„Also, bis Montag.“, damit verabschiedete sich Hiro und ging.

Traurig und verletzt starrte Masaki auf die geschlossene Wohnungstür. Hiro war einfach so gegangen. Dabei wollte er doch noch etwas Zeit mit ihm verbringen. War es denn falsch, mit dem, den man mochte so lange wie möglich zusammen zu sein? Und was sollte diese Ausrede, von wegen Hausaufgaben? Die hätte er auch hier machen können und wenn Hiro es ernst damit meinte, dann hätte er sich nicht von Masaki abgeschrieben, wäre er geblieben.
Aus einem unerfindlichen Grund kam sich Masaki richtig verarscht vor. Die Hausaufgaben waren nicht der Grund gewesen, warum Hiro gegangen war, sondern er, dessen war sich Masaki sicher. Hiro war vor ihm geflüchtet und er wusste nicht warum.
Nur noch verschwommen sah Masaki die Tür vor sich, ehe er auf den Boden sank und anfing zu weinen.


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An die Wand des Fahrstuhls gelehnt fuhr Hiro nach unten, während er die leuchtenden Zahlen beobachtete, die ihm anzeigten, in welchem Stock er sich befand. Mit seinen Gedanken war er jedoch ganz wo anders. Natürlich hatte er den verletzten Blick seines Chibis bemerkt und er fragte sich, warum er das gemacht hatte. Er war regelrecht aus Masakis Wohnung geflüchtet, ohne jeglichen Grund. Gut, für ihn hatte es einen, er wollte seinen Kleinen nicht plötzlich wieder überrumpeln, so wie in der Nacht. Er hatte sich schon in der Dusche zusammen reißen müssen, Masaki nicht einfach an sich zu ziehen und nie wieder los zu lassen. Aber für Masaki schien es grundlos, denn die Ausrede mit den Hausaufgaben hatte er ihm bestimmt nicht abgenommen.
Der Fahrstuhl kam im Erdgeschoss an und die Tür ging auf. Unentschlossen sah Hiro auf Ausgangstür, die dem Fahrstuhl gegenüber war. Plötzlich ging ein Ruck durch ihn. Er drückte auf den Knopf für den zwölften Stock und die Tür schloss sich wieder. Er hatte einen Entschluss gefasst.


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Immer noch weinend saß Masaki auf dem Flurboden, als es plötzlich klingelte. Schnell wischte er sich die Tränen wag und stand auf. Wie überrascht war er jedoch, als Hiro wieder vor ihm stand und ihn irgendwie schuldbewusst ansah.

„Willst du mit zu mir kommen?“, fragte der Ältere ernst.

Masakis rot geweinte Augen fingen an zu leuchten. Natürlich wollte er, was für eine Frage. Schnell schrieb er einen Zettel an seine Eltern und hinterließ auch die Telefonnummer der Maruyamas, ehe er sich hastig anzog und mit Hiro zum Fahrstuhl ging. Vielleicht würde der Tag doch noch schön werden.


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Gelangweilt saß Masaki an dem kleinen japanischen Tisch und sah Hiro dabei zu, wie der angespannt an seinem Bleistift kaute und versuchte die Matheaufgaben zu lösen. Masaki war schon längst fertig. Zwar hatte er seinem Freunde Hilfe angeboten, aber der hatte gemeint, er würde es alleine schaffen. Von wegen!
Tief seufzte der braunhaarige Junge und ließ seinen Kopf auf die Arme sinken, die auf dem Tisch lagen. Entschuldigend sahen ihn himmelblaue Augen an.

„Tut mir leid, Chibi, aber ich muss das einfach auch selber hinbekommen.“

„Schon gut, versteh ich ja irgendwie. Ich geh mal zu Youichiru, dann kannst du dich vielleicht auch besser konzentrieren.“

Also stand Masaki auf und ging hinaus, ohne zu wissen, wie recht er mit seinem im Scherz gemeinten Satz hatte.


Kaum war der Kleine nämlich verschwunden, atmete Hiro erleichtert aus. Seine ganze Anspannung fiel von ihm ab. Es war zwar verrückt, aber die Anwesenheit seines Chibis machte ihn nervös und auch die Schulaufgaben hatten als Ablenkung nicht geholfen. Allerdings musste er sie nun machen, denn jetzt konnte er sich vielleicht mehr darauf fixieren, obwohl seine Gedanken schon wieder zu dem Chibi glitten. Er hatte geglaubt, dass es besser wäre, seine Zeit mit Masaki bei sich zu verbringen, denn hier war immer noch seine Mutter und Youichiru, die einfach hätten ins Zimmer platzen können. So konnte ja eigentlich nichts Schlimmes passieren


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Ach ja, wie liebte Youichiru seine freien Wochenenden, vor allem wenn er mal nichts für die Schule machen musste. Naja, so ganz stimmte das nicht, eigentlich müsste er noch Arbeiten korrigieren, aber das hatte Zeit und als Lehrer konnte er sich das ruhig mal erlauben. Außerdem war es doch viel besser einen Manga zu lesen, besonders so einen. Ein Yaoi-Manga war doch immer wieder etwas schönes. Schon erstaunlich auf was für Ideen einige Zeichnerinnen kamen. Überhaupt verwunderte es Youichiru, dass vorwiegend Mädchen so etwas lasen und es auch noch toll fanden. Wirklich eine seltsame Gesellschaft, aber er entsprach ja auch nicht der Norm. Aber was war schon normal?
Ein zaghaftes Klopfen ließ ihn leicht aufschrecken, hatte er doch nicht damit gerechnet. Hastig schlug er den Manga zu und stopfte ihn unter die Bettdecke, während er den Störenfried hinein bat.
Aus irgendeinem Grund war der Schwarzhaarige gar nicht so verwundert, den Freund seines Bruders vor sich zu haben.

„Na, wo drückt der Schuh?“, fragte Youichiru grinsend.

„Wie kommst du darauf, dass ich ein Problem hätte?“

Normalerweise hätte Youichiru dem Kleinen sofort geglaubt, wenn da nicht diese verräterische Röte auf dessen Wangen gewesen wäre.

„Ganz einfach, weil selten jemand zu mir ins Zimmer kommt, nur um sich dann übers Wetter zu unterhalten! Also, was ist los?“

„Na ja,...“, druckste Masaki herum und nestelte dabei an seinem T-Shirt herum.

Youichiru sah es schon kommen, dass der Saum bald ganz ausgeleiert und kaputt sein würde, wenn der Chibi das weiter so machte.
Also klopfte er mit der Hand auf das Bett und bedeutete Masaki somit, sich neben ihn zu setzen. Der tat das auch, allerdings sah er Youichiru nicht an.


Jetzt wo er im Zimmer des Älteren war, war es Masaki doch peinlich darüber zu reden. Er war sich nicht ganz sicher, ob er sich bei Youichiru Hilfe holen sollte, schließlich war er ja jetzt sein Lehrer.
Masaki stutzte, als er irgendetwas Hartes unter der Bettdecke spürte. Da es ihn sehr vom bequemen Sitzen abhielt, steckte er einfach seine Hand unter die Decke und holte dieses Etwas heraus. Erstaunt besah er sich den Manga. Zwar hatte er auch welche, aber nur von Yu-Gi-Oh! und Hikaru no Go, aber der in seiner Hand sah irgendwie anders aus. Neugierig blätterte er durch und seine Augen wurden immer größer. Was war denn das?
Ehe er sich den Inhalt jedoch genauer betrachten konnte, nahm Youichiru es im aus der Hand und verstaute es schnell in einem Schubfach. Täuschte sich Masaki oder war Youichiru wirklich etwas rot? Nun war Masakis Neugier erst richtig geweckt.

„Was war das für ein Manga?“

„Keiner für kleine Jungs.“, antwortet Youichiru knapp.


„So und nun zu deinem Problem.“

Oh Mann, das war knapp gewesen. Wie hatte er auch so blöd sein können? Er hatte doch total vergessen, dass der Yaoi noch unter seiner Decke lag. Egal, zu spät. Nun hieß es, den Chibi ablenken, dass er sich nicht mehr an das Gesehene erinnerte und nachfragte. Schien auch ganz gut zu klappen, denn schon wieder errötete der Kleine leicht.

*Hiro, was hast du gemacht?*, dachte er gleich.

„Na ja...“

„Soweit waren wir schon. Willst du nun mit mir reden oder nicht?“, fragte Youichiru freundlich.

Nun war auch er neugierig, das konnte er nicht leugnen.

„Doch schon, aber...es ist mir peinlich.“

„Los sag schon, was hat Hiro gemacht?“

Verdattert sah Masaki ihn an. Das sah ja niedlich aus, wie der guckte. Wenn Youichiru nicht wüsste, dass Masaki Hiros Freund war und er nicht auf Minderjährige stand, dann hätte er sich bestimmt für den Kleinen interessiert. Aber das wäre ja dann beinahe so, als hätte er was mit seinem kleinen Bruder, denn so empfand er für Masaki.

„Woher weißt du, dass es etwas mit Hiro zutun hat?“, platzte es erstaunt aus dem Chibi heraus.

„Was sollte es denn sonst sein?“, entgegnete Youichiru verschmitz

„Na ja, also...Hiro hat etwas gemacht...und zwar hat er...“

Wieder wurde Masaki rot. Gott, dem Kleinen musste man ja alles aus der Nase ziehen.

„Tief durchatmen und dann einfach anfangen.“

Tief holte Masaki Luft und fing dann noch mal von vorne an.

„Hiro hat letzte Nacht mit mir in einem Bett geschlafen. Er hat mich am Bauch gestreichelt und weil ich neugierig war, was noch passieren würde, hab ich nichts gemacht. Dann ist er jedoch höher gewandert und hat angefangen an meinem Ohr zu knabbern und zu lecken. Und jetzt wollte ich wissen, warum er das gemacht hat, denn ich fand es total eklig.“

Zum Ende hin hatte Masaki immer schneller gesprochen, sodass Youichiru kaum nachkam und sah ihn nun erwartungsvoll aus großen Augen an.
Da hatte Hiro sich ja was geleistet. Da würde er wohl mal ein ernstes Bruder-Bruder-Gespräch führen müssen, aber jetzt galt es erst einmal dem Chibi alles zu erklären, seinen Bruder konnte Youichiru auch noch später zusammenstauchen. Also wirklich, Masaki muss sich ja total erschrocken haben.
Freundlich wie immer sah der 25-Jährige den Jungen an.

„So merkwürdig das jetzt auch für dich klingt, aber Hiro wollte dir eigentlich zeigen, dass er dich gern hat.“

„Das ist aber ne komische Art, das auszudrücken.“

„Das kannst du wahrscheinlich noch nicht verstehen, weil du noch ein Kind bist.“

„Dasselbe hat Hiro auch gesagt.“, entgegnete Masaki traurig.

Nachdenklich sah Youichiru den Kleinen an. Die Unerfahrenheit in Punkto Liebe machte die Beziehung zwischen ihm und Hiro wirklich problematisch. Er konnte seinen Bruder schon verstehen, denn diese kindlich naive Art war auf ihre Weise recht anziehend. Es musste doch eine Möglichkeit geben, Masaki alles zu erklären, aber auch so, dass er es wirklich verstand. Aber wie? Youichiru war sich sicher, dass er nicht ständig alles erklären konnte, denn irgendwann wurde es auch für ihn peinlich und schließlich wollte er auch nicht alles über das Liebesleben seines Bruders wissen, auch wenn das bei ihm schwer vorstellbar war.
Sein Blick glitt zu dem Regal, in dem ein paar Mangas standen. Die von der harmloseren Sorte und da hatte er die Idee, wie er dem Chibi alles erklären konnte und dessen Fragen beantwortet wurden.


Verwundert sah Masaki auf, als er merkte, dass sich die Matratze leicht hob. Neugierig sah er dem Älteren dabei zu, wie der in einem Regal rumstöberte und etwas zu suchen schien. Ein Lächeln stahl sich auf das Gesicht des Mannes, als er das Gesuchte fand. Wortlos trat er auf Masaki zu und reichte ihm einen Manga. Nichts verstehend sah der Grünäugige ihn an. Trotzdem nahm er es entgegen und besah sich den Titel: Mitsuki no Himitsu (Geheimnisse des Vollmonds) [2]. Auf dem Cover war ein Junge abgebildet, der auf einem Dach saß und den Vollmond im Rücken hatte. Ein schönes Bild eigentlich, aber was sollte Masaki damit.

„Worum geht es da?“, fragte er Youichiru, der sich nun auch wieder hingesetzt hatte.

„Lies es einfach, glaub mir, du wirst schon noch merken warum ich es dir gegeben habe. Wenn du das nächste Mal kommst, gebe ich dir den zweiten Band.“

„Na gut. Danke.“

„Kein Problem. Du solltest wieder zu Hiro, er vermisst dich bestimmt schon!“

„Ja, vielleicht hast du recht.“

Fröhlich verließ Masaki Youichirus Zimmer und ging wieder zu Hiro. Wie weit der wohl mit seinen Aufgaben gekommen war? Egal, jetzt würde es Masaki sicher nicht langweilig werden, schließlich hatte er etwas zum lesen.


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Misstrauisch beäugte Hiro seinen Chibi über den Rand seines Mathebuches hinweg. Seit der Kleine von Youichiru zurückgekommen war, las er wie gebannt in dem Manga. Was war an dem Ding denn so interessant? Hoffentlich war es nicht einer dieser Yaoi-Mangas, die sein Bruder ständig verschlang. Als er 14 gewesen war, hatte er aus Neugierde mal etwas in Youichirus Zimmer rumgeschnüffelt und auch die Nase in dessen Mangas gesteckt. Allerdings hatte ihn der Lesegeschmack seines Bruders regelrecht abgeschreckt. Jetzt war er sich nicht mehr so sicher, ob er das nicht sogar toll fand. Allerdings wollte er es nicht herausfinden, denn sonst würde er wahrscheinlich bald völlig durchdrehen.

„Sag mal, was liest du da eigentlich?“, fragte er schließlich neugierig.

„Einen Manga.“, antwortet Masaki nur knapp.

„Das sehe ich auch. Worum geht es?“

„Das sage ich dir, wenn ich fertig bin, dauert nicht mehr lang, OK?“

Grummelnd, weil er nun genauso schlau war wie am Anfang, wand er sich wieder seinen Aufgaben zu. Eigentlich hätte man ja meinen müssen, dass er nun langsam mal fertig war, zumal ja der Grund seiner Unkonzentriertheit verschwunden gewesen war, aber dem war nicht so. Hiro hatte sich genauso schlecht ohne Masaki konzentrieren können, wie mit ihm. Es war zum aus der Haut fahren. Mit ihm konnte er nicht und ohne ihn auch nicht. Da half nur eines, es so gut wie möglich versuchen. Noch dazu lenke ihn der Manga ab, denn er wollte endlich wissen, was für einen Müll Yoichiru dem naiven Chibi angedreht hatte. Obwohl, das war vielleicht ein bisschen hart gegenüber seinem Bruder.