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Der Weg aus dem Bett

Original [PG-16]

keine Warnungen
 
Inhalt: Wie kompliziert kann es sein, morgens aus dem Bett zu finden? 

Widmung: Burzeltagsgeschenk für Fich, hatte dir doch noch etwas nicht-Deprimierendes versprochen ; )



Der Weg aus dem Bett

Ich stand amüsiert vor meinem Bett und betrachtete meinen scheinbar friedlich vor sich hinschlummernden Schatz. Bereits vor mehreren Stunden war ich aufgestanden und hatte ein wenig gelesen, aber jetzt war es höchste Zeit für ein Frühstück, und das wollte ich nicht alleine zu mir nehmen. Also würde ich wohl meinen Schatz endlich aus dem Bett schmeißen müssen. Aber wie?
Der notorische Langschläfer hatte sich einfach so wieder in seine Decke gekuschelt und den Kopf unter dem Kissen vergraben, weil es da ja so schön dunkel war und ganz bestimmt noch nicht Aufstehzeit, und gab vor, von nichts etwas mitzubekommen. 

Irgendwie konnte ich ihn ja verstehen: ein Morgenmuffel, der jeden Tag schon um sieben raus musste, sich langsam aber sicher auf Arbeit schlich, nur weil erwartet wurde, dass man allerspätestens halb neun da war, und dann wahrscheinlich zwei Stunden lang nur Blödsinn anstellte, weil er zu gar nichts zu gebrauchen war und die nächsten vier Stunden damit zubrachte, den Blödsinn wieder zu entwirren und dann mal noch vier Stunden normale Arbeit leistete. Tja, und dann ging er ja auch noch zu seinem heißgeliebten Training und kam wenigstens dreimal in der Woche nicht vor halb 12 Uhr abends nach Hause. Klar, dass er dann wenigstens am Wochenende ausschlafen wollte. Aber war es nicht genauso fies, mich dann jedes Mal fast verhungern zu lassen? Und das nur, weil wir ausgemacht hatten, gemeinsam zu frühstücken, wenigstens am Wochenende. 

Letztes Wochenende war der Aufstehspaß fast eskaliert. Und das nur, weil ich ihm das Kissen und die Decke gemaust hatte, allerdings auch erst nachdem wir bereits zwei Stunden diskutiert hatten, ob es denn wirklich schon so spät sei und ob denn diese Uhrzeit wirklich ein ausreichender Grund sei, schon aufzustehen. Zum Glück hatte mir dann Richards knurrender Magen Recht gegeben. Wie ein begossener Pudel hatte dieser daraufhin leicht zweifelnd in seinem Bett gesessen und mit seinem Bauch geschimpft. So ein Verräter, nur weil es leckere Nutella-Brötchen gab, war das doch noch lange kein Grund zum Aufstehen. 

Und heute? Eigentlich war er ja seit zwei Stunden wach, na ja, was man eben so wach nennt. Aber er hatte bereits leise murrend kundgetan, dass es ihm nicht gefiel, zu so nachtschlafender Zeit seines wärmenden Kuscheltieres beraubt worden zu sein und hatte sich kurzerhand unter beiden Decken versteckt, damit ihn ja kein Sonnenstrahl, oder noch schlimmer: der geringste Hauch von Kälte, fand. 

Vorsichtig pirschte ich mich näher. Wenn ich zu früh entdeckt wurde, kam ich nicht mehr aus diesem Bett raus. Na ja, jedenfalls nicht rechtzeitig vor dem Verhungern. Außerdem wollten wir ja noch meine Schwester besuchen. Der Zeitplan mit allen Eventualitäten begann eng zu werden. 

Als ich endlich nahe genug am Bett stand und trotzdem außerhalb der wahrscheinlichen Reichweite von Richards langen kleine-Georgs-in-das-Bett-zerr-Armen, beugte ich mich vorsichtig vor und küsste meinen Freund zart auf das unvorsichtiger Weise unter dem Kissen hervorlugende Ohr. Ein leises und genießendes, dem zufriedenem Schnurren eines Katers nicht unähnliches „Hmmm“ war die einzige Reaktion. 

„Du, Schatz, Zeit zum Aufstehen“, wisperte ich leise, dummerweise auch nicht feststellend sondern eher fragend. Kein Wunder, dass die einzige Antwort ein entschiedenes „Nö“ war. „Auch dann nicht, wenn ich kurz vorm Verhungern bin? Oder, dass wir in nicht ganz vier Stunden bei meinem Schwesterchen aufkreuzen sollen?“, fragte ich leicht entrüstet und quengelnd klingend. Allerdings war auch diesmal nur ein heftiges Wackeln des Kissens, hervorgerufen durch ein entschieden verneinendes Kopfschütteln die einzige Antwort. 

„Wieso denn nicht?“, wollte ich dann doch mal noch wissen, gespannt auf die neueste Begründung. Letztens meinte er doch tatsächlich, dass ich eh das Bettzeug waschen wolle, dann könnten wir es vorher ja auch richtig voll krümeln. Pff, selbst Schuld, er hatte sich dann von den Krümeln überall pieksen lassen, nicht ich. 

Auch die gut nachzuvollziehende Begründung, unter der Decke sei es so schön warm und kuschelig und draußen doch so bitter, bitter kalt, hatte ich schon gehört. Und, so muss ich ‚leider’ gestehen, dieser Tag im Bett war herrlich gewesen: Ein bisschen vor sich hin dösen, die Wärme und Geborgenheit des anderen genießen und auch ein wenig, sehr befriedigender und wieder müde machender Sex, schnurrrr. 

Doch die Antwort heute schoss echt den Vogel ab. „Der Weg ist doch sooo weit und verwirrend“, hatte er doch allen Ernstes behauptet. Etwas irritiert blickte ich auf den sich immer noch nicht weiter regenden Hügel unter den Decken. Häh, weiter Weg? Und das wo wir letztens festgestellt hatten, dass unser kleines, französisches Bettchen schon fast zu klein ist für uns zwei große, starke Kerle; nur 1,40 Meter mal zwei Meter maß die Matratze darin. Bestimmt nicht groß genug, um sich darin zu verirren.
Spöttisch fragte ich, ob ich eventuell einen Wegweiser aufstellen sollte. 

Ein beleidigt klingendes „Hmpf“ war die einzige Reaktion. Also versuchte ich es weiter: „Was ist denn an sich hinsetzen, zwei Füße auf den Boden stellen und dann das Gewicht auf eben diese zu verlagern, so lang und verwirrend?“ 

Empört kam die Antwort: „Du hast da was Entscheidendes übersehen!“ Dicht gefolgt von einer längeren, leicht genuschelten Erklärung, bei der ich einfach nur schmunzeln musste. Ich biss mir sogar auf die Lippen, um nicht laut heraus zu lachen. Das würde mein Schatz nur wieder falsch verstehen, so am frühen Morgen. Ich liebe meine Schlafmütze wirklich, vielleicht gerade auch wegen solcher Aktionen wie dieser. 

Hatte er doch allen Ernstes erklärt, welch schrecklichen Kampf er jeden Morgen auf sich nähme, nur um aus dem Bett zu kommen, gar nicht zu reden von den danach folgenden Schrecken in Form von zum Beispiel eiskalter Duschen (so 35 °C Wassertemperatur) oder kein Nutella zum Frühstück (strafender Blick in meine Richtung, nur weil ich tatsächlich einmal nicht, nur wegen der potentiell vor dem Wochenende alle werdenden Glases, schon mitten in der Woche einkaufen war). 

So müsse er als erstes gaaanz langsam und vorsichtig seinen Kopf unter dem Kissen hervorziehen, nicht dass dieses ihn noch einfangen und festnageln würde. Und kaum hätte er das erfolgreich geschafft, müsse er schon aufpassen, dass ihn die ach so liebe, liebe, blöde Sonne nicht gleich noch erblinden lässt, bei den ganzen hellen, strahlenden Blitzen, die sie, nur um ihn zu ärgern, jeden Morgen genau und ausschließlich zu unserem Fenster herein schickt und genau seine Augen trifft, meine ja nie. 

Und sobald er sich mit der beißenden Helligkeit abgefunden hätte und er völlig resigniert hinnehmen würde, dass er doch zu so nachtschlafender Zeit aufstehen müsse, würde er sich mitten ins Bett hocken und der Verräter von wohlig warmer Decke rutscht jedes Mal einfach so von seinen Schultern und lässt ihn fast erfrieren. Aber mit ihm nicht! So leicht lässt er nicht einfach zu, dass man ihn dem Erfrierungstod überlässt. Er schnappt sich einfach den Überläufer von Decke, dreht ihn um 90° und legt ihn sich wie einen Mantel um die Schultern. Wieder einmal gerade so der scheußlichen Kälte entkommen. Und meistens hockt er da so leise vor sich hinbibbernd fünf Minuten rum, ehe er sich was anzieht. 

Und dann müsse er zu so früher Stunde Schwerstarbeit leisten: Wo hat er nur seine Socken am Abend vorher liegen lassen? Und wo die Unterwäsche, das T-Shirt...? 

Um das mal für heute zusammen zu fassen: Die Socken liegen am Fußende vor dem Bett, die frische Unterhose etwa in Kopfhöhe daneben und das T-Shirt irgendwo auf meiner Seite, der Pullover liegt auf dem Schränkchen und die Jeans, die er hoffentlich in den Wäschekorb räumen wird, auf dem Sofa im Wohnzimmer. Ihm Ordnung beibringen zu wollen, habe ich schon lange aufgegeben.
Aber dann ist ja auch ganz klar, wie der Weg aus dem Bett aussieht, oder?
Mir jedenfalls nicht. 

Also, er kauert sich unter der Decke zusammen, damit ja kein Windhauch die todbringende Kälte hereinlassen könnte, und robbt vorsichtig zum Fußende. Blitzschnell schießt ein Arm unter dem Haufen Decken hervor und sucht etwas langsamer die Socken. Kaum hat er beide in seiner Hand, verschwindet der Arm wieder unter der Decke und der Haufen bewegt sich wieder Richtung Bettmitte. Kurz darauf lugt ein verstrubbelter Kopf aus dem Deckenhaufen heraus und blitzschnell werden die Socken übergestreift. Zumindest könne er jetzt nicht mehr erfrieren, wo doch wenigstens die Füße warm sind, erklärt er mir daraufhin spitzbübisch grinsend, sich im Schneidersitz niederlassend. Dann wird noch einmal die Decke fester gerafft, bevor er sich auf den Weg zu seiner Unterhose macht. 

Ein leckerer, theoretisch immer noch nackter Hintern streckt sich mir dabei entgegen, allerdings zur Unkenntlichkeit unter mehreren Decken versteckt, als er sich nunmehr auf den Knien hockend nach vorn beugt, die Schultern in die Matratze gepresst, sieht er erst mal nach, wo denn nun genau in Kopfhöhe auf seiner Bettseite die Unterhose liegen könnte. Sobald er sie entdeckt hat, schnappt er sie sich und rollt sich zur Bettmitte zurück, immer darauf achtend, dass ja kein Hauch von Kälte mit unter die Decken gelangen könnte. Dann wird noch einmal ein wenig mit der Decke gekuschelt, schließlich muss diese ja dann den Rest des Tages auf ihn verzichten. 

Und dann wird auf ähnliche Weise das T-Shirt eingesammelt und unter der Decke übergestreift. Was ich richtig fies finde dabei? In dem Maße wie das T-Shirt seinen Körper bedeckt, folgt auch die Decke nach unten. Und ich dachte, ich könnte meinen halbnackten, wohlproportionierten Schatz noch ein wenig bewundern. Tja, muss ich wohl auf ein anderes Mal hoffen. 

Und dann springt er doch tatsächlich einfach so aus dem Bett, wieselflink hin zu seinem Pullover, den er auch in null-komma-nix übergestreift hat. Nichts ist mehr zu bemerken von den vorher doch so behäbigen und langsamen Bewegungen. Scheinbar putzmunter ist er auch an mir vorbei gestürmt, nicht ohne mir schnell in den Po zu kneifen, und betrachtet ein wenig verblüfft seine völlig verdreckte Jeans. Die hat gestern bestimmt noch nicht so ausgesehen, oder? 

Aber auch dieses Problem lässt sich beseitigen. Nunmehr vollständig bekleidet baut er sich vor mir auf und malt mir seinen Weg aus dem Bett mit dem Zeigefinger in die Luft: einmal kreuz die quer und zurück, sozusagen. Und dann erklärt er, immer noch um Ernst in seiner Stimme bemüht, dass dieser Weg jeden Tag anders aussehe, was ja nun nicht nur oberfies sei, sondern auch verwirrend sein könne, was ich wohl unbestritten zugeben müsse, jawohl. Heftig nickend verzieht er sich dann erst mal ins Bad, während ich immer noch grinsend, ob dieser Verrücktheit, das Frühstück vorbereite. 

Also mal ehrlich: was ist an Decke von sich rollen, sich aufsetzen und alle Anziehsachen (die übrigens alle ordentlich gefaltet auf einem Stapel liegen) schnappen und im Bad verschwinden so schwer? Aber so war mein Schatz schon immer: warum einfach, wenn es auch chaotisch geht? 

Nach einem wirklich gemütlichen Frühstück, können wir dann auch endlich die zweistündige Fahrt zu meiner frisch verheirateten Schwester antreten. Aus Rücksicht auf die liebe Verwandtschaft hat sie uns einfach eine Woche später zu sich bestellt. Hoffentlich ist ihr Mann wenigstens vernünftig und hoffentlich haute Richard nicht einen seiner netten Sprüche raus, nicht dass dies unser einziger und letzter offizieller Besuch wird.
 

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