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Dating f?r Dummies - Teil 1 bis 4

Noch etwas zur Erklärung, ihr werdet im Laufe der Geschichte immer mal wieder lesen, dass Duo etwas in seinen ‚Blog’ einträgt. Als ich gestern darüber nachdachte wie ich das wohl am besten in der Geschichte präsentier ist mir der Wahnsinnsgedanke gekommen doch diesen ‚Blog’ tatsächlich auch herzustellen. Heute hab ich dann ewiglich daran gebastelt. Ihr könnt ihn besuchen und ich hoffe er gefällt euch.
Ihr findet ihn unter
http://oddities-bitchin-n-stuff.blogspot.com/  

Wenn ihr ihn besucht, werdet ihr erkennen das die Einträge dort länger sind als das was ich hier in der Geschichte präsentieren werde. Und es wird wohl auch Berichte über Dates geben die es erst gar nicht oder nur ganz kurz in DfD schaffen. Also sollte es sich tatsächlich für euch lohnen mal einen Blick zu riskieren. Natürlich könnt ihr dort auch eure Meinung zu Duos Einträgen kund tun und ihm ein paar Tipps für die Suche nach Mr. Right geben.

Ich hoffe mal das Experiment kommt bei euch an. Und jetzt viel Spaß bei diesem Kapitel



Kapitel 1

>> HAH! Ich werds ihr zeigen. Immerhin bin ich der Meister des Flirtens. Wäre doch gelacht wenn ich nicht schon bald einen neuen hab. Als ob das sooo schwierig wäre. Zumindest nicht für jemanden der so gut aussieht und so nett ist wie ich. Also macht euch bereit, der braided Baka ist auf der Jagd.

Übrigens wenn einer von euch ne tolle Idee hat wie man den Traumtypen findet, nur her damit. Wir wollen ja schließlich nicht das Hilde gewinnt, oder? >>

Ohne groß darüber nachzudenken tippte Duo die letzten zwei Absätze seines Posts. Dann las er sich noch einmal den ganzen Text durch, lächelte ein paar mal und klickte auf ‚senden’.

Zufrieden vor sich hinsummend schaute sich Duo das Ergebnis seiner ganzen Arbeit an. Es war mal wieder absolut typisch für ihn. Eigentlich hatte er sich ja heute Morgen an den Computer setzten wollen um sich auf die Suche nach dem Traummann zu machen. Bei dem knappen Zeitfenster das Hilde ihm zugestanden hatte, musste Duo jede Sekunde nutzen um zu gewinnen. Zwar war die Wette mehr als albern, das gestand sich Duo nur zu gerne ein, aber das hieß ja noch lange nicht dass er klein bei geben würde. So weit käme es noch. Er würde es Hilde schon zeigen.

Aber als er gleich nach dem Frühstück – das wegen all des Weins den er gestern genossen hatte eher einem Katerfrühstück glich – den Computer angemacht hatte um mit der Suche anzufangen, da wurde er plötzlich von einer anderen Idee überrannt. Und da er an akuter Aufschieberitis litt war er dem plötzlichen Impuls sofort nachgegangen.

Ihm war nämlich die Absurdität der ganzen Sache aufgegangen. Und irgendwie musste er jemandem davon erzählen. Es brannte ihm praktisch auf der Zunge, wie ein übles Jucken das man nicht wegbekam. Normalerweise würde er jetzt Hilde anrufen und stundenlang mit ihr über diesen Schwachsinn herziehen. Aber sie war schließlich Schuld an seiner Lage. Und er würde den Teufel tun und zugeben wie albern das ganze war.

All seine anderen Freunde wollte er auch nicht mit hineinziehen. Denn schließlich hatte er sich überlegt sie um Hilfe bei der ‚Suche nach Mr. Right’ zu helfen. Wenn die wüssten dass es Duo nur darum ging eine Wette zu gewinnen, dann würden sie ihn entweder ausschelten, sich über ihn lustig machen, oder sich weigern ihm bei der Suche zu helfen. Wahrscheinlich alles drei, aber der letzte Punkt war das was Duo am meisten störte. Denn wenn ihm seine Freunde keine passenden Partner zum verkuppeln finden könnten, wer dann?

Und so war Duo auf die plötzliche Idee verfallen sich einen neuen Blog anzulegen um dort nach Herzenslaune über seine Situation herzuziehen, was ihm wahrscheinlich sogar unheimlich Spaß machen würde. Er liebte es in seinem Blog Einträge über Gott und die Welt zu machen, es kam ihm immer so vor als wenn er tatsächlich mit anderen Leuten reden würde. Und bei der Flut von Kommentaren war das ja wohl auch tatsächlich so. Aber seinen alten Blog konnte er natürlich nicht nehmen, da auch all seine Freunde die Adresse kannten und ihn oft und gerne besuchten. Also musste ein neuer her.
Lange hatte er deshalb über einen neuen Online Namen gegrübelt. Schließlich konnte er sich nicht wieder als ‚Duo Maxwell’ zeigen. Das wäre zu auffällig. Dann war ihm etwas eingefallen, das er letztens in einem Anime gehört und sich sehr darüber amüsiert hatte. Und da ‚braided Baka’ so herrlich auf ihn passte nahm er das einfach als Name.

Zwei Stunden später betrachtete Duo sein Werk. Es hatte länger gedauert als er gedacht hatte, wahrscheinlich weil er von drei verschiedenen Anrufen und einer Onlinejagd nach seltenen Konzertkarten unterbrochen worden war. Alles in allem gefiel ihm sein neuer Blog. Besonders der Titel – war neben dem Namen die Sache über die er am längsten gerätselt hatte. Und in seinem ersten Eintrag konnte er sich so richtig schön über die Wette aufregen.

Und weil Duo von Grund aus sehr neugierig war, hatte er natürlich auch sofort einen Counter eingebaut. Er wollte nur zu gerne wissen ob es überhaupt Leute auf seinen Blog locken würde. Vielleicht würde er sogar Kommentare bekommen. Grinsend blickte Duo auf seinen Monitor, das wäre lustig. Vielleicht bekam er so ja auch noch ein paar neue Ideen für seine Jagd.

Als er endlich alles fertig hatte, spielte er noch ein paar Runden Spider Solitär. Dabei merkte er gar nicht wie die Zeit verging. Erst sein knurrender Magen machte ihm deutlich das es inzwischen schon später Nachmittag war und das er inzwischen schon wieder Hunger hatte. Also griff Duo zum Telefon und bestellte sich ne Pizza mit allem drauf. Heute würde er keine Zeit mit dem Kochen verschwenden.

Eine halbe Stunde später wurde die Pizza geliefert und Duo biss fast gierig in sein erstes Stück. Pizza war wirklich die beste Erfindung überhaupt. Ok, sie kam knapp hinter dem Internet aber nur ganz knapp.

Bei dem Gedanken an das Internet wurde Duo bewusst dass er ja immer noch nicht mit der Suche angefangen hatte. Seufzend setzte er sich wieder an den Computer und loggte sich auf seinem Lieblingsportal ein. Das war eine Seite für Schwule aus der Gegend und er hatte schon ziemlich viele interessante Leute dort kennen gelernt. Auch ziemlich heiße Bekanntschaften. Und wenn er sich richtig entsann, dann gab’s da auch eine Partnersuchbörse. Das schien ihm perfekt für den Beginn seiner Suche.

Voller Elan klickte sich Duo durch verschiedene Links, bastelte an seinem Account und machte sich dann daran die Liste der ‚Partner gesucht’ Nutzer zu durchforsten.

Nach einer halben Stunde musste Duo erkennen dass das Portal zwar viele Nutzer hatte, aber das die Mehrheit von ihnen wohl nur ein heißes Date, einen One Night Stand oder eine Online-Affäre suchten. Diejenigen die auf etwas längerfristiges aus waren, schienen absolut in der Minderheit zu sein. Duo betrachtete stirnrunzelnd den kümmerlichen Rest der Suchenden – nur ein einziger von ihnen traf überhaupt Duos Geschmack. Alle anderen wirkten schon in ihrem Profil entweder wie die letzten Langweiler oder wie notgeile Arschlöcher. Und sein Bedarf an den Alex’ dieser Welt war ausreichend gedeckt.

Aber zumindest den einen würde Duo anschreiben. Er war zwar vom Aussehen nicht hundertprozentig Duos Typ aber er war trotzdem mehr als ansehnlich. Und sie schienen die gleichen Interessen zu haben. Also tippte Duo eine kurze Mail und stellt sich dem Unbekannten vor. Er war mal gespannt ob er Antwort bekommen würde.

Nachdem das erledigt war surfte Duo noch weiter im Netz. Aber soviel er auch suchte, die meisten anderen Partnersuchseiten schienen sich eher mit dem ‚Er sucht Sie’ statt dem ‚Er such Er’ zu beschäftigen. Oder die interessanten Kandidaten lebten viel zu weit weg. Kurz überlegte Duo ob er Hilde wohl davon überzeugen könnte das sein Traumtyp 200 km weit weg wohnte. Immerhin, in so einer Fernbeziehung könnte sich niemand über das Chaos in seiner Wohnung aufregen.

Aber irgendwie bezweifelte Duo das Hilde da seiner stichfesten Argumentation folgen würde. Sie war ja manchmal ziemlich eigensinnig und uneinsichtig.

Nach diesen Enttäuschungen klickte Duo sich aus dem Internet aus. Soviel zu den Methoden des 21. Jahrhunderts. Aber ok, es gab ja noch Plan B. Duo schnappte sich eine Tüte mit Chips und machte es sich auf seinem Sofa gemütlich. Dann griff er sein Telefon und rief seine Freunde an. Und er erzählte ihnen, dass er die ständigen Kurzbeziehungen satt hatte. Und er bat sie, ihm doch zu sagen, wenn sie von Freunden oder Bekannten wussten denen es genauso ging und die zu ihm passen würden. Seine Freunde konnten ihn am besten einschätzen, die würden sicher den richtigen für ihn finden.

Und erst als einer seiner Gesprächspartner nachhakte ob seine Reaktion auf die Eskapade mit Alex nicht etwas zu früh oder zu drastisch war, wurde Duo eins bewusst. Nämlich das er den ganzen Tag nicht an das Arschloch gedacht hatte. Er hatte keinen Schmerz und noch nicht einmal Bitterkeit wegen des abrupten Ende ihrer ‚Beziehung’ verspürt. Er hatte wohl tatsächlich niemals wirklich was für den Typen empfunden. Was jetzt natürlich gut war. Also war diese alberne Wette doch zumindest zu einem nütze. Er saß nicht rum und fühlte sich miserabel, zumindest dafür würde er Hilde danken.

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Am nächsten Morgen musste Duo sich fast dazu zwingen aufzustehen. Was aber nur an der schrecklichen Uhrzeit lag – er hatte diesen Monat die ‚Frühschicht’. Daran ändern konnte er nichts, aber mögen musste er die Situation noch lange nicht.

Trotzdem, nach zwei Bechern Kaffee fühlte er sich fast wie ein Mensch und er machte sich zügig auf den Weg ins Funkhaus. An seinem Schreibtisch angekommen machte er sich daran die Musikliste für seine Sendungen zu gestalten. Er mischte das Beste aus den Charts mit einigen Hits der vergangenen Jahre. Und auch ein paar seiner Lieblingsstücke brachte er unter. Und er schaffte es die größten Liebesschnulzen auszulassen.

Mit sich und der Liste zufrieden summte er vor sich hin während er ins Büro seiner Redakteurin ging. „Sarah, ich hoffe du hast was spannendes für mich,“ begrüßte er die dunkelhaarige Frau.

„George Bush wurde von Aliens entführt, die Regierung legalisiert Drogen und die Fernsehsender versprechen keine Telenovelas mehr zu senden,“ antworte Sarah mit einem trockenen Lächeln und überreichte ihn einen weiteren Zettel.

„Cool,“ sagte Duo während er das Papier überflog. Nun, es waren nicht gerade Berichte über eine Hundeshow oder etwas ähnlich Niveauvolles, aber die Themen die Sarah gerade so leichthin erfunden hatte, waren ihm lieber. Aber als kleiner Moderator bei einem Lokalsender musste man nehmen was man bekam. Es hätte ja auch schlimmer kommen können, er hätte auch Wetterfee werden können.

Duo wollte schon gehen um sich mit den Themen der Sendung vertraut zu machen, als er sich einer plötzlichen Idee folgend wieder zu Sarah umdrehte und es ohne große Vorwarnung aus ihm herausplatzte, „Sag mal, wie hast du Steve eigentlich kennen gelernt?“ Sarah hatte erst vor kurzem geheiratet und Duo erinnerte sich noch mit Freuden an das nette Fest. Und daran wie glücklich die beiden ausgesehen hatten.

„Tja… ähm,“ stotterte die sonst durch nichts zu erschütternde junge Frau. „Also ok, ich hab ihn über ne Partneragentur kennen gelernt.“

„Oh,“ entfuhr es Duo.

Doch Sarah redete schnell weiter. „Das ist gar nicht so schlimm wie sich das anhört,“ sprudelte es aus ihr heraus.

„Nun ja,“ gab Duo zu bedenken. „Es wirkt schon ziemlich altmodisch. Ich mein mit Internet und so, muss man doch nicht wirklich zu einer Agentur gehen. Ich stell mir da immer als Chefin so ein Barbera Cartland Verschnitt vor die einem in einem rosa Büro empfängt und was von der Heiligkeit der Ehe faselt. Und die Kunden sind fast noch schlimmer, Verlierer die sich an den letzten Strohalm klammern,“ entfuhr es Duo ohne groß Nachzudenken.

Sarah lachte, lang und laut. „Das denken wahrscheinlich viele. Nein im Ernst, das war auch meine erste Idee. Aber alles andere hat nicht so recht klappen wollen. Dann hab ich den Tipp für diese Agentur bekommen. Und die ist klasse. Ganz anders als man es sich vorstellt. Und das mit den Kunden stimmt auch nicht. Das sind ganz normale Menschen wie du und ich. Aber man kann sich sicher sein das sie es ernst meinen. Wer die Preise dieser Agentur bezahlt, der will wirklich jemanden fürs Leben finden und nicht nur einen heißen Flirt. Und du siehst es ja, bei mir und Steve hat’s sofort geklappt.“

„Hm,“ überlegte Duo. Vielleicht hatte sie da ja ein Argument. Hatte er sich gestern nicht noch darüber geärgert, dass er nur passende Leute gefunden hatte die kaum mehr als einen One Night Stand im Sinn hatten? „Und wie läuft das normalerweise so ab?“

Sarah zuckte mit den Schultern. „Wie es in einer normalen Agentur abläuft weiß ich nicht. Bei ‚Power Matches’ ist es auf jeden Fall so, dass man erst einmal eine Art Persönlichkeitstest macht. Dann gibt man an was man sucht und Doro – das ist die Chefin - macht sich auf die Suche. Man zahlt nur einmal einen Eintrittsbeitrag und kann sich dann solange mit anderen Kunden treffen bis man entweder den richtigen gefunden hat, oder Doro’s Kartei durchprobiert hat. Oh und ganz wichtig, sie gibt einem auch viele Tipps wie man sich verhalten soll. Macht regelrechte Trainings. Sie ist echt die Beste.“

Duo war hin und her gerissen. Er hätte sich niemals träumen lassen das er mal in Sachen Liebe professionelle Hilfe bräuchte, bitte das war eindeutig was für Verlierer. Aber andererseits was hatte er denn zu verlieren? Außer seinem Stolz wenn Hilde davon erfahren würde. „Und betreut sie nur Normalos oder auch…“

Sarah grinste. „Doro wird garantiert auch was für dich finden. Hier,“ sie fischte in ihrer großen Handtasche und reichte ihm dann eine Visitenkarte. „Ruf sie gleich an. Eigentlich gibt es ne lange Wartezeit um einen Termin bei ihr zu bekommen, aber wenn du meinen Namen nennst, und dann noch erwähnst dass du Moderator bist, nimmt sie dich vielleicht gleich dran. Gegen etwas kostenlose Werbung hat auch Doro nichts einzuwenden.“

Nachdenklich nahm Duo die Karte. Er war immer noch nicht hundertprozentig davon überzeugt die Dienste dieser ‚Kupplerin’ in Anspruch zu nehmen. Aber irgendwie nagte auch die Neugierde an ihm. Wie das wohl von statten ging? Welche Tipps sie auf Lager hatte? Und welche Dates sie ihm besorgen konnte? Fragen die es Duo fast unmöglich machten, es nicht auszuprobieren.

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Als Duo sich später Dorothy Catalonias musterndem Blick ausgesetzt sah, fragte sich Duo ob es wirklich so eine gute Idee gewesen war die Nummer auf der Visitenkarte anzurufen. Wie Sarah es vorhergesehen hatte, hatte ihr Name ausgereicht um Duo einen schnellen Termin zu ermöglichen. Weshalb er noch am selben Tag im Büro von ‚Power Matches’ saß. Fast ging es Duo sogar zu schnell, eigentlich hatte er sich noch nicht mit dem Prinzip der Idee angefreundet. Aber andererseits tickte der Countdown. Er wollte ja schließlich nicht das Hilde Recht behielt.

„Hallo Duo, ich bin Dorothy, aber du kannst mich gerne Doro nennen. Und ich bin sicher, dass ich dir zu deinem Traumpartner verhelfen kann.“ Die blonde Frau wirkte mehr als selbstsicher.

Duo ruckelte sich etwas in dem bequemen Sessel zurecht und lächelte kurz. „Das hoffe ich doch sehr.“

Doro winkte ab. „Bei meiner Erfolgsquote können wir davon ausgehen dass es klappt. Aber bevor wir wirklich anfangen werde ich dir erklären wie ‚Power Matches’ funktioniert.“

„Ok.“ Das interessierte Duo wirklich sehr.

„Also, du kennst das ja sicher von einigen Partnerbörsen usw. Ich habe hier einen Fragebogen den wir zusammen ausfüllen werden, und ich bitte dich bei dem Gespräch so ehrlich wie möglich zu sein. Aber anders als bei diesen großen Organisationen werden deine Daten nicht in eine Datenbank gegeben und der Computer sucht dann deinen perfekten Partner, sondern ich werde versuchen durch unsere Unterhaltungen ein Gespür für dich zu entwickeln. Und dann werde ich für dich die passenden Männer aussuchen.“

„Kein Computer?“ fragte Duo erstaunt.

Die blonde Frau zuckte nur mit den Schultern. „Natürlich benutze ich auch einen Computer zur Verwaltung. Aber ich hab es lieber wenn ich diejenige bin die etwas entscheidet und nicht ein seelenloses Stück Silizium. Auch wenn ich für diese Einstellung von meinem besten Freund immer schief angeschaut werde. Ich bin ziemlich gut im Lesen von Menschen und ich weiß sehr genau wer zu wem passt. Wobei ich mich nicht auf so etwas albernes wie Horoskope oder festgelegte Matchingpoints von Computerprogrammen verlassen will. Ich muss einfach ein gutes Gefühl bei den Leuten haben. Und wie gesagt, ich hab eine ziemlich hohe Trefferquote.“

Duo zuckte mit den Schultern, im Grunde war es ihm egal wer jetzt die Auswahl traf. Hauptsache es kam was bei den Dates rum. Und Doro wirkte ziemlich sicher was ihre Arbeitsweise anging.

„Noch etwas, du wirst in dem Fragebogen nichts finden wo du das Aussehen, das Alter oder ähnliches deines Traumpartners beschreibst.“

Das erstaunte Duo dann doch. „Wieso?“ fragte er mit hochgezogener Augenbraue.

„Weil jeder ‚groß, gunkel, gut gebaut und wahnsinnig reich’ als Traummann angeben wird. Also können wir uns das gleich ganz sparen.“

Duo musste lachen, wahrscheinlich hatte Doro Recht. „Wahnsinnig reich gehört zum Aussehen?“

„Klar doch. Du ahnst ja gar nicht wie attraktiv jemand mit ein paar Millionen plötzlich sein kann.“

Duo wusste nicht ob er sich mit einem Grottenolm abgeben könnte nur weil er reich war, aber er konnte nicht leugnen dass es nicht verkehrt wäre, wenn sein zukünftiger Partner auch etwas Kleingeld hatte. Es wäre schön auch mal eingeladen zu werden und nicht wieder an einem Blutegel zu hängen der ihm sein hart erarbeitetes Geld aus den Taschen sog.

Doro setzte sich eine Brille auf und nahm einen Stift zur Hand. „Lass uns anfangen. Erzähl mir ein bisschen über dich und deinen Tagesablauf.“

Am Anfang war die Unterhaltung noch ein wenig stockend und Dorothy musste öfters Fragen einwerfen um sie in Gang zu halten. Aber schon nach knapp einer Viertelstunde hatte Duo die Umgebung und den eigentlichen Grund für sein Hiersein vergessen. Er plauderte mit Doro wie mit einer alten Freundin und alles in allem war es sehr angenehm.

Doro machte sich nebenbei viele Notizen. Dann als Duo meinte er hätte schon stundenlang geredet sagte sie endlich, „Ich glaube das reicht fürs erste.“

„Und, bin ich ein hoffnungsloser Fall?“ witzelte Duo.

Dorothy lachte als Antwort. „Im Gegenteil. Mit deinem Charme und so offen und freundlich wie du dich heute gezeigt hast sollte es wirklich kein Problem sein jemanden für dich zu finden. Ich weiß sogar schon mit wem ich dich als erstes zusammen bringen werde. Mit ein bisschen Glück ist die Suche dann sofort beendet. Ihr passt einfach perfekt zusammen.“

„Oh, so schnell?“ Mit allem hätte Duo gerechnet, aber nicht damit.

„Tja,“ lächelte Doro. „Das kommt davon wenn man keinen Computer benutzt. Ok, das beste ist wenn ich ihn kontaktiere und so bald wie möglich ein Date für euch ausmache. Hättest du Morgen Nachmittag Zeit?“

Duo nickte nur, von ihrer Schnelligkeit vollkommen überfahren.

„Wunderbar. Ich ruf dich nachher an und teile dir die Details mit.“

Dorothy wirkte so sicher, das ungewollt die Schmetterlinge in Duos Bauch anfingen zu flattern. Sollte er wirklich so schnell schon seinen Traummann kennen lernen? Und wie würde das erste Date ablaufen? Irgendwie konnte er es kaum noch erwarten.



Kapitel 2

Duo beeilte sich ungemein um so schnell wie möglich nach Hause zu kommen. Er war ein wenig länger auf der Arbeit aufgehalten worden als er gedacht hatte und fühlte langsam wie der Zeitdruck auf ihm lastete. Ob er vielleicht Dorothy anrufen und bitten sollte das Date um eine halbe Stunde nach hinten zu schieben?

Aber irgendwie wollte Duo das auch nicht. Er war sowieso schon aufgeregt genug und ein weiteres Telefonat mit der ‚Scary Lady’ würde ihm vielleicht nicht unbedingt helfen. Duo wunderte sich sehr wie aufgeregt er im Grunde war. Fast fühlte er sich wie ein Teenager bei seiner ersten Verabredung. Man sollte doch meinen, das man als erwachsener und erfahrener Mann einem Date ruhiger entgegen sehen würde.

Aber seit er gestern Abend auf seinem AB die Nachricht mit den Date-Details von Dorothy gefunden hatte, schienen aufgeregte Schmetterlinge ihr Hauptquartier in Duos Magen aufgeschlagen zu haben. Und egal was Duo tat, er wurde nur noch hibbeliger.

Zum Glück hatte er zumindest bei der Arbeit abschalten können. Er hätte heute auch wirklich keinen Rüffel wegen einer schlechten Moderation vertragen können.

Hastig öffnete Duo die Tür zu seinem Apartment und huschte herein. Schnell schmiss er seine Jacke in die grobe Richtung der Garderobe und zog die Schuhe aus ohne sich die Zeit zu nehmen die Schürsenkel zu öffnen. Dabei schaffte er es irgendwie sich den Zeh des linken Fußes am Türrahmen anzustoßen. Laut fluchend und einen Indianerschmerztanz aufführend hüpfte Duo durch seine kleine Wohnung. Als er auf seinem Weg ins Schlafzimmer an seinem Notebook vorbeikam nahm er sich die eine Sekunde und schaltete das Gerät an. Er war richtig neugierig ob es neue Nachrichten auf seinem Blog gab. Soviel Zeit musste halt sein. Und während der Computer bootete setzte Duo seinen hüpfenden Weg fort.

Im Schlafzimmer angekommen öffnete Duo die Schranktüren und schaute kritisch hinein. Was sollte er nur anziehen? Vielleicht wäre es doch besser gewesen wenn er noch mal mit Dorothy über das Date geredet hätte. Aber er war gestern zu aufgeregt gewesen um allein zu Hause zu hocken und war zu Freunden gegangen. Eigentlich nur um ein bisschen mit ihnen zu quatschen, aber dann hatten sie mit dem Pokerspielen angefangen, was bis tief in die Nacht gegangen war. Und so hatte er zu Hause nur eine knappe Nachricht von Doro gefunden, die ihm mitteilte das er seinen Traumprinzen heute um 17:00 Uhr in einer Cocktailbar treffen sollte. Doro hatte für sie einen Tisch bestellt.

Duo wunderte sich immer noch über den Ort den Dorothy ausgewählt hatte. Wäre ein Restaurant nicht besser gewesen? Oder ein Club? Sogar Kino wäre ihm besser erschienen als ne Cocktailbar. Was machte man da nur? Sitzen und trinken, ok aber sonst? Und was zog man zu so etwas an?

Das war im Moment Duos größtes Problem. Er betrachtete seine Arbeitsoutfits und entschied sich gegen sie. Genau wie die Clubbing-Klamotten. In denen sah er zwar unverschämt heiß aus, aber er befürchtete das er mit ihnen in so einem Schickimicki Laden auffallen würde. Unangenehm auffallen.

Dann kam Duo die rettende Idee. Er würde einfach Sachen nehmen die er auch in einem Nobelrestaurant anziehen könnte. Das konnte sicher nicht falsch sein. Also schnappte er sich mit sicherer Hand seine schwarze Stoffhose. Und das amethystfarbene Seidenhemd. Dazu noch die guten Schuhe und fertig war sein Outfit. Zum Glück brauchte er sich um seine Frisur keinerlei Gedanken machen.

Ein Blick auf die Uhr zeigte ihm, dass es inzwischen schon viertel vor vier war. Rasch legte er die Sachen auf sein ungemachtes Bett und hastete ins kleine Badezimmer. Nach einer schnellen Dusche nahm er sich sogar noch ein paar Minuten seinen Zopf neu zu flechten und dann schlüpfte er in die ausgewählten Klamotten.

Kritisch betrachtete Duo sich im Spiegelbild. Er sah gut aus, das konnte er nicht leugnen. Aber irgendwie fehlte noch der letzte Pfiff. Vielleicht sollte er doch ein anderes Hemd anziehen? Vielleicht das ganz bunte? Hin und her gerissen, schnappte sich Duo auf jeden Fall schon mal die Kette mit dem Kreuz und legte sie an. Wenn er jetzt noch ein paar Knöpfe des Hemdes offen stehen ließ, dann konnte sein Date nicht nur sein Kreuz sehen, sondern auch viel von seiner Brust. Was ja nichts schaden konnte. Immerhin sollte man ja seine Pluspunkte betonen. Vielleicht könnte er auch noch eine etwas engere Hose finden die seinen Hintern besser zur Geltung brachte. Duo war hin und her gerissen.

Nach langem hin und her war Duo endlich mit seinen Klamotten zufrieden und verließ aufgeregt die Wohnung. Angesichts der Location und weil er nicht wusste wie es dort mit Parkplätzen bestellt war, ging er nicht zu seinem kleinen alten Auto sondern lief zum Straßenrand und winkte eines der vorbeifahrenden Taxis herbei. So musste er sich wenigstens um nichts mehr Sorgen zu machen.

Während er im Taxi saß und darauf wartete das sie bei der Cocktailbar ankamen, hatte Duos Gehirn nach langem endlich wieder Zeit zum Nachdenken. Und sofort kamen auch alle Fragen die ihm seit gestern Nachmittag durch den Kopf gingen wieder zurück.

Wie er wohl war, dieser Typ den Dorothy für ihn ausgesucht hatte? Duo hoffte sehr dass sie Recht hatte und sie wirklich so gut zusammen passen würden. Diese Art von Stress wollte er nicht oft mitmachen müssen. Wieviel einfacher war es da doch, in einem Club einfach jemand anzuflirten. Ein paar heiße Blicke, ein aufregender Tanz und sofort wussten beide Bescheid. Heutzutage brauchte man noch nicht einmal mehr einen ausgefallenen Anmachspruch. Man konnte auch ganz zufällig in der tanzenden Masse sich an jemandem reiben und ihm so seine Absichten klar machen. Dieser ganze Affentanz mit sich zu treffen um zu reden und sich besser kennen zu lernen war doch albern.

Dann seufzte Duo tief. Es sei denn natürlich man suchte nach etwas mehr als einem One Night Stand. Da schien es von Nöten zu sein sich besser kennen zu lernen. Aber einen Vorteil hatte Duo zumindest, er konnte Reden wie ein Wasserfall, also sollte das bei dem Treffen kein Problem darstellen. Dieser Gedanke beruhigte Duo ein wenig.

Als Duo die Cocktailbar dann betrat wurden ihm schlagartig zwei Dinge klar, zum einen das es zwar ziemlich Schickimicki war, er es hier aber trotzdem aushalten konnte, zum anderen das er viel zu früh war. Ein Blick auf die Uhr zeigten ihm das er sogar ne halbe Stunde hatte bevor sein Date ankommen würde. Da hatte er sich wohl doch ein wenig zu sehr beeilt.

Nur was sollte er in der Zwischenzeit tun? Bei dem Gedanken sich schon an den Tisch zu setzten und wie der letzte übermotivierte Loser zu wirken zog sich Duo der Magen zusammen – was die Schmetterlinge aus Platzgründen gar nicht mochten. Also zuckte Duo kurz mit den Schultern und wandte sich in die Richtung der Bar. Dort setzte er sich so geschickt an den Tresen, dass er ziemlich freie Sicht auf den Eingang hatte. Hier könnte er in Ruhe auf sein Date warten.

Schnell scannte Duo über die ausliegende Cocktailkarte. Hhhm, das war wirklich nicht seine Liga, bei kaum einem der Namen wusste er was sich dahinter verbarg. Nur bei dem ‚Eskimo-Cocktail’ war sich Duo ziemlich sicher dass es sich um pures Wasser handelte. Aber im Grunde war es sowieso egal, er wollte nur ein Glas um sich daran festhalten zu können bis sein Traummann erschien, also winkte Duo einen der Barkeeper zu sich und zeigte aufs Geratewohl auf einen der Namen.

Kurze Zeit später stand vor ihm ein ziemlich großes Glas mit einer rötlich bunten Flüssigkeit und Obst darin. Vorsichtig hob Duo das Glas an und nahm einen kleinen Schluck. Und dann noch einen, weil die Flüssigkeit ziemlich gut schmeckte. Süß – aber nicht zu süß – und überhaupt nicht scharf. Eigentlich stand Duo zwar eher auf schlichtere Getränke, z.B. Bier oder Whiskey, aber an dieses Schickimicki Gesöff könnte er sich auch glatt gewöhnen.

Mehr aus langweile und weil er sehr aufgeregt war trank Duo einen kleinen Schluck nach dem nächsten. Viel zu früh schien das Glas leer geworden sein. Fast ungläubig guckte Duo auf die kümmerlichen Reste im Glas und dann wieder auf die Uhr. Es war immer noch zu früh für das Date. Duo zuckte mit den Schultern, er würde sich jetzt nicht wieder aus der gerade gefundenen Ruhe herauskatapultieren, deshalb bestellte er sich schnell noch einmal den Drink. An dem Glas konnte er sich so schön festhalten. Außerdem schien den Schmetterlingen die Flüssigkeit wie Nektar zu gefallen.

Genau in dem Moment wo Duos Uhr auf Punkt 17:00 Uhr umsprang, öffnete sich die Tür zur Bar. Und sofort flatterten die Schmetterlinge wieder aufgeregt in Duos Magen. Und richtig es kam ein einzelner Mann herein. Schnell ließ Duo seine Augen über ihn wandern. Als erstes fiel ihm die relativ gut gebaute Figur des Mannes auf, die allerdings in ziemlich langweilige Jeans und dunkelgrünem T-Shirt verhüllt waren. Nicht gerade die Klamotten die Duo für ein Date ausgewählt hatte. Aber vielleicht hatte der andere ja genauso viel Probleme gehabt die richtige Kleidung für eine Cocktailbar zu finden.

Nach diesem kurzen Gedankenabschweifer bemerkte Duo die leicht asiatischen Züge auf dem Gesicht des Mannes, den stolzen Blick, das feste Kinn und die wunderbar unordentlichen Haare. Doch das Aussehen des Unbekannten entsprach ziemlich genau Duos Typ. Wie hatte Dorothy das so schön zusammen gefasst? „Groß, dunkel und gut aussehend“ wenn er jetzt noch wahnsinnig reich war, dann war es Duos Traummann. Bei dem Gedanken musste Duo fast kichern und bei dem versuch das zu unterdrücken wäre ihm fast der Schluck von seinem Getränk das er gerade im Mund hatte durch die Nase wieder heraus gekommen. Puh wie peinlich. Aber zum Glück hatte das niemand gemerkt.

Aus den Augenwinkeln bekam er noch mit, dass der Mann einen der Kellner ansprach und daraufhin zu einem Tisch in einer Nischenecke geführt wurde. Hastig stand Duo auf und schnappte sich sein Glas. Er wollte jetzt natürlich auch so schnell wie möglich an den Tisch gehen, nicht das der andere ihn noch für unpünktlich hielt.

Auf dem Weg zum Tisch fing er den gleichen Kellner ab und vergewisserte sich, dass das auch der Tisch war den Dorothy Catalonia bestellt hatte. Den falschen Mann anzusprechen wäre sicher auch absolut peinlich geworden.

Als er dann nur noch zwei Schritte von dem Tisch entfernt war, holte er tief Luft, ermahnte die Schmetterlinge endlich Ruhe zu geben und setzte sein gewinnendes Lächeln auf. „Hi, ich bin Duo. Ich glaub wir sind verabredet.“ Strahlend trat er direkt neben den anderen Mann und wollte ihn per Handschlag begrüßen.

Allerdings hatte Duo in seiner Aufregung vergessen, dass er immer noch das Glas mit dem Cocktail in der Hand hielt. Durch die plötzliche Bewegung schwappte einige Flüssigkeit auf die Tischdecke. Als Duo das bemerkte entfuhr ihm ein schnelles „Verdammte Scheiße.“ Dann schlug er sich mit der anderen Hand vor den Mund und nuschelte leise „Tschuldigung.“

Für eine Sekunde schien es, als würde die Zeit still stehen. Der junge Mann der an dem Tisch saß hatte sich bei Duos erster Begrüßung zu ihm umgedreht. Und er hatte beinah entsetzt auf die schwappende Flüssigkeit geschaut. Der Blick den er Duo jetzt zu warf war eher kühl als freundlich. „Hn,“ sagte er nur.

Duo setzte sich schnell hin, weil er glaubte das unter diesem Blick seine Knie zusammen klappen würden, außerdem hatte er ein leicht drehendes Gefühl im Kopf. „Das tut mir ja so leid. Normalerweise schütte ich meine Cocktails nicht durch die Gegend. Das heißt normalerweise trink ich keine Cocktails.“ Duo redete ohne Punkt und ohne Komma. Die Worte sprudelten einfach nur so aus ihm heraus. Wobei ihm auffiel das einige der Konsonanten schwieriger als sonst auszusprechen waren. Um sich selbst in seinem Redestrom zu stoppen, trank er in einem hastigen Schluck den Rest des Cocktails aus.

„Kann ja jedem mal passieren,“ erklärte der andere Mann mit einer wunderschönen aber leicht monotonen Stimme. „Mein Name ist Heero Yuy.“ Er streckte seine Hand über den Tisch.

Schnell stellte Duo das Glas ab und ergriff die Hand. „Duo, Duo Maxwell.“ Duo war leicht verwirrt. Seine Freunde hätten sich bei dieser Aktion vor Lachen fast auf dem Boden gewälzt. Immerhin, es konnte wirklich jedem mal passieren. Also wieso schaute ihn der junge Mann so furchtbar streng an? Verstand er etwa keinen Spaß. Meine Güte und der sollte zu Duo passen? Duo wusste nicht wie er jetzt reagieren sollte. Vom Aussehen war sein Gegenüber ja ganz ok, aber so langsam bezweifelte Duo, dass sie wirklich zusammen passten. Aber er wollte auch nicht zu vorschnell urteilen. Dorothy hatte sicher einen guten Grund gehabt. „Heero? Wie in Held?“ fragte Duo nach. Das konnte doch wohl nicht wirklich der Name des Typen sein, oder?

„Heero wie in Heero,“ kam es relativ kühl zurück.

Zum Glück trat während der kleinen Pause im Gespräch der Kellner an ihren Tisch heran. „Was darf ich ihnen bringen?“ fragte er.

Duo zeigte sofort auf das Glas das vor ihm stand. „Ich hätte gern noch einen von der Sorte.“

Der Kellner nickte und wandte seine Aufmerksamkeit „Und was ist mit Ihnen?“

„Ich hätte gern ein Glas Wasser,“ erklärte Duos Date.

Duo konnte sich nichts langweiligeres vorstellen das man in einer Cocktailbar bestellen konnte. Dann erinnerte er sich an das was er auf der Karte gelesen hatte. „Das heißt hier Eskimococktail.“ Bei der Erinnerung an diesen ungewöhnlichen Namen musste Duo kichern.

Scheinbar schien Heero das nicht so lustig zu finden, denn er warf Duo wieder diesen strengen Blick zu. „Ein Glas Wasser,“ wiederholte er noch einmal und der Kellner verließ den Tisch.

Duo wurde leicht unwohl. Konnte der Typ nicht reden und nicht lachen? Wieso meinte Doro nur das sie zusammen passen würden? Diese Frage beschäftigte Duo immer mehr und es machte Duo nervös, genauso wie das Schweigen das erneut am Tisch herrschte nachdem der Kellner gegangen war. Und wie immer wenn Duo nervös wurde, zappelte er auf dem Stuhl herum und sein Mund stand nicht still. „So, Dorothy glaubt also das wir zusammen passen. Leider hat sie mir nicht viel von dir erzählt. Vielleicht sollten wir uns erstmal ein bisschen besser vorstellen. Also ich bin Duo, aber das hab ich ja schon gesagt. Ich arbeite bei unserem Lokalsender als Moderator, deshalb rede ich wahrscheinlich auch so viel. Ich liebe es auszugehen und zu tanzen. Generell treff ich mich gerne mit Freunden und mach einen drauf. Gestern erst hab ich die halbe Nacht Poker gespielt. Nein kein Strippoker, sondern nur ganz normalen.“ Duo machte ein kurze Pause da er Luft holen musste.

„Hn!“ war die Erwiderung von Heero.

Das war wieder nicht die Reaktion die Duo erwartet hatte. Konnte der Typ seine Zähne nicht auseinander bewegen? Wie sollte er mit jemandem zusammen kommen dem er jedes Wort einzeln aus der Nase ziehen musste? Duo wurde immer klarer dass dies hier eine ganz dumme Idee war. Allerdings widerstrebte es ihm jetzt schon aufzugeben. Es musste doch einen Grund geben wieso Dorothy dachte dass sie zusammen passen würden. Also biss Duo die Zähne zusammen und versuchte es weiter, nicht gewillt schon so schnell die Flinte ins Korn zu werfen. „Und was ist mir dir?“ fragte er weil ihm nichts besseres einfiel.

„Ich spiele kein Poker. Weder Strip noch irgendein anderen.“ Erneut ein strafender Blick.

Duo kam kräftig ins schwimmen, so langsam gingen auch ihm die Gesprächspunkte aus. Es nervte ihn zwar das er jede Information einzeln aus dem Typen heraus kitzeln musste, aber scheinbar gab es keine andere Möglichkeit. „Ok, was machst du dann beruflich, wenn ich fragen darf?“

Zum ersten mal schien es so, als wenn sich Heero tatsächlich für eine Sekunde entspannte. „Ich entwerfe Computerprogramme und Sicherheitssysteme.“

„Oh wie interessant,“ sagte Duo obwohl er das gar nicht fand. Dorothy hatte ihn tatsächlich mit einem Computergeek zusammen getan? Das konnte doch wohl nicht wirklich ihr ernst sein, oder? Duo zweifelte immer mehr an dem Erfolg dieses Abends. „Arbeitest du für eine bekannte Firma?“ Duo fiel wirklich rein gar nichts ein, was man einen Programmierer über seine Arbeit fragen konnte. ‚Wie ist das Binäre System? Immer noch Null und Eins?’ würde sicher nicht auf Gegenliebe bei diesem strengen jungen Mann stoßen.

„Ich hab eine eigene Firma. Ich arbeite von zu Hause aus.“

„Vermisst du da nicht den menschlichen Kontakt?“ sprudelte es aus Duo heraus.

Der junge Mann schien verwirrt. „Wieso? Ich hab genügend Kontakt mit meinen Kunden. Außerdem brauch ich von meinem Bett bis zu meinem Arbeitsplatz nur ne halbe Minute. Das ist unschlagbar.“

Unschlagbar langweilig. Duo würde eingehen wenn er nicht jeden Tag mit seinen Kollegen quatschen könnte. Aber zumindest erklärte es wieso Heero keine Ahnung zu haben schien wie man sich in einem normalen Gespräch benahm. Dem fehlte es entschieden an sozialen Kontakten. „Oh dann arbeitest du auch nackt?“ sagte Duo ohne groß darüber nachzudenken. Wenn Heero das täte dann wäre vielleicht zumindest eine aufregende Faser an ihm. Ansonsten schrie sein ganzes Auftreten nur nach Langweiler.

Heero strafte ihn erneut mit einem bitterbösen Blick und sagte nichts. Die Gesprächspause die entstand machte Duo nur noch nervöser. Ihm gingen so langsam alle netten Sprüche und Fragen aus. Zum Glück erschien genau in dem Moment wieder der Kellner und stellte die bestellten Getränke vor ihnen ab. Duo schnappte sich sein Glas und trank es in einem langen Schluck leer. „Noch einmal das gleiche,“ ordnete er an.

Als der Kellner wieder gegangen war wandte sich Duo wieder an Heero. Es musste doch irgendwie möglich sein den endlich zum reden zu bringen. Herauszufinden wieso Dorothy glaubte dass sie zusammen passten. „Also aus welchem Grund hast du dich in die Liste der Scary Lady eingetragen?“ fragte er, weil das das einzige war das ihm gerade einfiel.

„Scary Lady?“ wiederholte Heero mit hochgezogener Augenbraue.

Duo kicherte laut. „Na Doro. Ich mein mit den Augenbrauen ist sie doch ziemlich furchterregend. Ein Wunder das ihr die Kunden nicht davon laufen. Ziemlich herrisch ist sie auch.“

„Dorothy ist meine älteste und beste Freundin,“ kam es kalt von Heero zurück.

Duo spürte wie er puderrot im Gesicht wurde. „Ooooops. So hab ich das nicht gemeint,“ beeilte er sich zu sagen. „Sie ist sicher eine nette Person, aber die Augenbrauen. Ich mein…“ Duo wusste selbst nicht was er sagen wollte.

Doch dann wurde jedes weitere Wort in seinem Mund abgedreht als sich Heero plötzlich erhob und sein Portemonnaie herauszog. Akribisch nahm er einen Schein daraus und legte ihn auf den Tisch. Dann wandte er sich wieder zu Duo der ihn verwundert anblickte. „Das führt hier doch zu nichts. Ich hab mich nur zu diesem Date bereit erklärt weil Dorothy behauptet hat du wärst nett. Und das bist du nicht. Wir sollten das hier einfach vergessen.“

„Ich hab das doch nicht bös gemeint!“ empörte sich Duo. Was fiel dem anderen ein ihn hier sitzen zu lassen? Er und nicht nett. Hah, er war die netteste Person weit und breit. Außerdem wenn hier einer enttäuscht sein sollte, dann doch wohl er. Wo ihn die Scary Lady doch mit diesem Megalangweiler zusammen bringen wollte. Er hatte alles versucht und diesem Langweiler eine Chance nach der nächsten gegeben!

„Du bist betrunken, du bist laut, du bist einfach unmöglich. Sorry wir passen nicht zusammen.“ Und mit diesen Worten ging Heero einfach davon. Duo starrte ihm für einige Augenblicke vollkommen perplex nach. Was zum Geier war denn da gerade abgelaufen? „Fuck!“ kommentierte er die Situation. 


Kapitel 3


‚Hallo DM,
vielen Dank für deine Mail, sie hat mich sehr gefreut. Und nachdem ich dein Profil im Portal gelesen hab, denke ich auch dass wir uns unbedingt mal treffen sollten. Zurzeit bin ich wegen einer Geschäftsreise leider nicht in der Stadt – weswegen ich mich auch erst jetzt melde - aber am Wochenende bin ich wieder zurück. Wie wäre es wenn wir uns am Samstagabend bei ‚Joe’s’ zum essen treffen? Danach könnten wir ja weiter ins Nightwish und noch eine Runde tanzen.
Bitte melde dich, wenn dir das zusagt.

Cat’

Duo las die Mail schon zum zweiten Mal und ein kleines Grinsen machte sich auf seinem Gesicht breit. Er hatte endlich Antwort auf seine Mail in der Internetpartnersuchbörse bekommen. Und es wirkte tatsächlich so, als wenn der Typ den er angeschrieben hatte zu ihm passen könnte. Das Joe’s und das Nightwish waren auch für Duo zwei Orte die er Samstags sehr gerne besuchte. Das Restaurant lag praktisch gleich neben dem Nachtclub und ziemlich viele der Nightwish Besucher gingen dorthin um sich vor dem Tanzen gehen noch mal zu stärken. Außerdem gab es dort die leckersten Burger weit und breit. Zumindest schienen er und Q den gleichen Geschmack zu haben. Das war doch mal viel versprechend.

Deshalb tippte Duo auch schnell an einer positiven Antwort. Das er schon in ein paar Tagen das nächste Date hatte hellte seine Stimmung ungemein auf. Nach dem Desaster vom Abend vorher war das auch unbedingt nötig.

Duo stöhnte auf, als er an den gestrigen Abend zurückdachte. Er hatte sich selten so peinlich berührt gefühlt wie in dem Moment, als der Typ – Heero – ihn einfach hatte sitzen lassen.

Was fiel dem eigentlich ein? Wie konnte er es wagen nach so wenigen Minuten einfach zu gehen? Und dann noch behaupten dass es an Duo gelegen hatte. Wenn es gerecht zugegangen wäre, dann hätte Duo als erstes gehen müssen. Mann war das eine Pleite gewesen. Heero hatte zwar ganz nett ausgesehen, aber er war ja so ein Langweiler! Computergeek, das passte wie die Faust aufs Auge.

Wie konnte die Scary Lady nur auf die absolut unglaubliche Idee kommen, dass er und dieser scheintote Langweiler zusammen passen würden? Duo dachte sich richtig in Rage. Gestern Abend war er noch zu bestürzt über den plötzlichen Aufbruch von Heero gewesen, da war er nur ein wenig ärgerlich und sehr durcheinander gewesen, aber jetzt, jetzt war er wirklich wütend.

Und von Sekunde zu Sekunde wurde er wütender. Wie kam dieser Heero eigentlich dazu ihn sitzen zu lassen? Ok, er hatte diesen einen Witz über Dorothy gemacht, aber meine Güte – Duo rollte mit den Augen. Ihre Augenbrauen waren ja wohl auch scary – und er zweifelte ernsthaft daran dass er der erste Mensch war der jemals eine Bemerkung über Dorothys Augenbrauen gemacht hatte. Und immerhin hatte er sich zumindest bemüht dieses Date zum funktionieren zu bringen, während Heero es noch nicht einmal für nötig befunden hatte sich nette Kleidung anzuziehen. Und sich jedes verdammte Wort einzeln aus der Nase ziehen ließ. Kein Wunder dass dies nicht funktioniert hatte. Aber an Duo hatte es absolut nicht gelegen. Das musste hier mal festgestellt werden.

Schnell tippte Duo seine Gedanken in seinen Blog. Es half ihm sich zu beruhigen. Immerhin hatte er einen langen Arbeitstag vor sich, da konnte er es sich nicht leisten so schlecht gelaunt zu sein. Die schrecklichen Kopfschmerzen die er wohl wegen dieser süßlichen Cocktails hatte, waren schon schlimm genug.

Aber auf jeden Fall nahm sich Duo vor, heute Abend zu Dorothy zu gehen und eine Erklärung zu verlangen. Immerhin hatte er ziemlich viel Geld für diese Partnersuche ausgegeben. Da konnte er wohl verlangen, dass sie ihn nicht mit jemanden zu verkuppeln versuchte, der so überhaupt nicht zu ihm passte. Ein Blinder mit Krückstock hätte aus tausend Kilometer Entfernung erkennen können dass aus ihm und diesem Computerkuschler nie etwas werden würde.

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Die langen Stunden im Sender dämpften etwas von Duos Ärger über den gestrigen Abend. Trotzdem, als Sarah ihn denn fragte wie sein erstes Date verlaufen wäre, da knurrte er sie nur an. Zum Glück bemerkte sie wohl schnell dass sie besser nicht noch weiter nachhaken sollte und suchte schnell das Weite. Was auch gut so war, denn Duo wollte es sich auf keinen Fall mit seiner Redakteurin verderben.

Nach einem langen Arbeitstag machte sich Duo dann auf den Weg zum Büro der Scary Lady. Er hatte in der Mittagspause dort angerufen und einen Termin gemacht. Schließlich wollte er den weiten Weg nicht umsonst gemacht haben. Während seiner Fahrt durch die Stadt nahm er sich genau vor, was er ihr alles sagen wollte. Schließlich musste er seiner Empörung ausreichend Luft machen. Dieser Schreckliche Abend hatte die ganze Zeit an ihm genagt und irgendjemand musste dafür jetzt bezahlen. Das war mal sicher.

Voller Elan betrat er dann auch Dorothys Büro. Und er wollte gerade zu seiner langen und ausgefeilten Schimpftirade ausholen, als Dorothy ihn um Nanosekunden schlug. „Ich bin sehr enttäuscht von dir Duo. Sehr, sehr enttäuscht,“ sagte sie mit vorwurfsvollem Ton.

Völlig überrumpelt konnte Duo nur noch ein, „Das mit der ‚Scary Lady’ war nicht so gemeint!“, von sich geben. Natürlich hatte Heero alles seiner ‚besten Freundin’ brühwarm erzählt. Wahrscheinlich noch gleich am letzten Abend. Die alte Petze. Wenn Duo Zeit gehabt hätte, dann hätte er jetzt wieder richtig ärgerlich auf Heero werden können.

Dorothy machte eine wegwischende Bewegung mit ihrer rechten Hand. „Ach papperlapapp. Da hab ich schon weitaus schlimmere und weniger zutreffende Spitznamen bekommen. Wirklich, ‚Scary Lady’ gefällt mir sogar richtig gut. Nein, es geht hier darum, wie du das Date mit Heero versaut hast.“

„Wie ich WAS hab?“ Duos Stimme überschlug sich fast vor Empörung. „Wenn hier einer etwas versaut hat dann doch wohl dieser Langweiler, der mich einfach sitzengelassen hat! Und das nachdem ich mich so angestrengt hab die ganze Sache zum Laufen zu bringen!“

Dorothy seufzte kurz und warf ihm einen vernichtenden Blick zu. „Wenn ‚anstrengen’ bei dir bedeutet dich vor einem Date vollaufen zu lassen, dann muss ich mir wirklich noch einmal überlegen ob ich dich als Kunde weiter betreuen möchte.“

„Was heißt hier vollaufen? Das ist eine maßlose Übertreibung!“ Duo wusste vor Empörung gar nicht mehr was er sagen sollte.

Der Blick, mit dem Dorothy diese Aussage erwiderte war sicherlich waffenscheinpflichtig. „Also laut Heeros Beschreibung hattest du schon zu Beginn des Dates zwei Cocktails. Entspricht das vielleicht nicht der Wahrheit?“

Duo rutschte unruhig auf seinem Stuhl hin und her, er kam sich vor wie bei einem Kreuzverhör. „Na gut, das stimmt schon, aber das heißt noch lange nicht dass ich betrunken war.“ Er verschränkte seine Arme abwehrend vor seinen Brustkorb.

„Bist du sicher?“ Dorothys Augenbraue zuckte fragend nach oben. „Wieviele Drinks waren es an dem Abend insgesamt?“

Duo fühlte sich merklich unwohl, aber er kam erst gar nicht auf den Gedanken etwas falsches zu antworten: „Drei!“

„Aha,“ die junge Frau lehnte sich in ihrem komfortablen Bürostuhl zurück. „Drei Cocktails… und das in vielleicht einer halben Stunde? In einem Laden der sehr großzügig mit Vodka und Co. umgeht? Du kannst mir ja viel erzählen Duo, aber nach drei Cocktails in so einer kurzen Zeitspanne musst du zumindest ziemlich angeschickert gewesen sein. Dein Verhalten hat Heero absolut abgeschreckt.“

Vielleicht hatte die Scary Lady ja sogar Recht, aber Duo war noch lange nicht bereicht einfach klein beizugeben. „Nun, dann hättest du vielleicht nicht eine Cocktailbar für das Date aussuchen sollen, oder?“ gab er zurück. „Was macht man sonst schon dort als Cocktails trinken?“

Dorothy seufzte tief. „Man trinkt vielleicht einen, ganz langsam. Und schüttet sich nicht mehrere wie Brause runter. Vielleicht weißt du das noch nicht, aber betrunkene Leute wirken auf andere immer abschreckend.“

„Ich war nicht betrunken!“

„Laut Heeros Aussage warst du fahrig, laut und hast unglaublich dumme Witze gerissen. Entschuldige aber für mich hört sich das eindeutig betrunken an. Und es zeigt mir dass du keine Ahnung davon hast wie man sich auf einem Date zu benehmen hat. Oder dass es dir mit der ganzen Sache nicht ernst ist. Ich kann als Kunden aber niemanden gebrauchen, für den das hier nur ein Spiel ist. Die Menschen die ich betreue sind auf der Suche nach einer festen Beziehung, und so eine Suche ist anstrengend und man kann schon durch Kleinigkeiten entmutigt werden. Heero ist jetzt durch das fehlgeschlagene Date so abgeschreckt dass er mir verboten hat weitere passende Kandidaten zu suchen. Und das ist eine große Enttäuschung für mich. Nicht nur dass Heero mein bester Freund ist, nein ich war wirklich der Meinung dass ihr zwei wie geschaffen füreinander seid. Jetzt muss ich einsehen, dass mein Radar wohl doch nicht so gut ist wie ich dachte. Und solche Zweifel kann ich auch nicht gebrauchen.“

Jetzt wurde es Duo aber wirklich zu bunt. „Wenn du wirklich glaubst dass dieser Langweiler und ich zusammen passen, dann ist vielleicht wirklich etwas mit deinem ‚Radar’ nicht in Ordnung. Ich glaub kaum, dass es jemand gibt, der noch weniger mit mir gemeinsam hat als dieser Computergeek. Mein Gott, da könnte ich doch gleich einen Speicherchip daten, kann auch nicht langweiliger sein.“

Dorothy schüttelte den Kopf. „Heero ist doch kein Langweiler,“ entfuhr es ihr.

Duo lachte kurz auf. „Da er dein bester Freund ist, bist du wohl scheinbar nicht ganz unparteiisch. Aber lass dir gesagt sein, er ist langweilig. Er hat nichts geredet, hat auf keinen Witz reagiert. So sieht für mich mein Traummann auf jeden Fall nicht aus. Ich will jemand der lustig ist, und gut gelaunt. Mit dem man Pferde stehlen kann. Der gern tanzen geht und die Sau rauslassen und der sich nicht in seiner Wohnung hinter dem Computer verschanzt damit er mit der Welt nicht agieren muss.“

„Hast du schon mal was von ‚Gegensätze ziehen sich an’ gehört? Glaubst du wirklich dass du jemanden brauchst der genauso ist wie du selbst? Oder wäre es nicht besser einen Partner zu haben der dich komplettiert? Der dich auch manchmal bremst wenn du kurz davor bist über das Ziel hinaus zu schießen? Jemand der etwas ruhiger ist als du?“

Duo schüttelte vehement den Kopf. „Nein, das suche ich garantiert nicht. Ich brauche niemanden der mich ‚bremst’ oder der mich vor Langeweile einschlafen lässt. Ich will einen Partner der genauso drauf ist wie ich.“

Dorothy blickte ihn wieder streng an. „Mit so jemand wirst du nicht glücklich werden. Zumindest nicht auf Dauer.“

„Das ist ja wohl immer noch meine Entscheidung oder?“ empörte sich Duo erneut. So langsam kam er sich vor, als wenn Hilde ihm einen ihrer guten Ratschläge gab. Aber was er von seiner besten Freundin so gerade eben noch ertragen konnte – zumindest hin und wieder einmal – von einer beinahe Fremden wie Dorothy würde er es sich auf jeden Fall nicht sagen lassen.

„Stimmt, es ist deine Entscheidung was du willst,“ sagte Dorothy ganz ruhig. „Aber wie ich vorhin schon erklärt habe, ich kann in meiner Agentur niemanden als Kunden gebrauchen, von dem ich annehme dass er es nicht ernst meint. Und dein Verhalten gestern und heute hier bei mir lassen mich wirklich ein wenig daran zweifeln ob du wirklich schon bereit für eine Partnersuche bist. Ich würde dir daher vorschlagen das alles noch einmal zu überdenken und versuchen dir wirklich klar darüber zu werden was du in einem Partner suchst, und warum. Und bitte versuch auch darüber nach zu denken, ob es wohl unterschiedliche Anforderungen an einen Partner für eine kurze Zeit oder fürs Leben gibt. Und wenn ja, warum? Vielleicht werden dir die Antworten so einige interessante Erkenntnisse für deine Suche geben.“

Duo fühlte sich mehr als unwohl. Hatte Dorothy ihm gerade mitgeteilt, dass sie ihn nicht mehr vertreten würde? Das war doch wohl ungeheuerlich. „Hey, ich hab immerhin bezahlt. So einfach lass ich mich nicht abspeisen,“ grummelte er.

Dorothy schüttelte den Kopf. „Keine Bange, das Geld bekommst du wieder. Und wenn du ein wenig über die Dinge dich ich dir gesagt hab nachgedacht hast dann werde ich dich auch liebend gern wieder in meine Kartei aufnehmen. Ehrlich. Ich finde du bist ein netter, sympathischer Kerl, ich werde dir mit Freuden einen Partner suchen. Aber nur wenn du auch wirklich soweit bist. Alles andere ist nur vergebliche Liebesmüh und es kann darin enden, dass anderen Menschen dabei wehgetan wird. Also wird es wohl noch ein wenig dauern, bis ich dich wieder unter meine Fittiche nehme.“ Und mit diesen Worten entließ Dorothy Duo.



Kapitel 4

Den Rest der Woche verbrachte Duo damit sich über Doro und Heero aufzuregen. Er fand es ziemlich dreist von Dorothy dass sie ihn so einfach rauswerfen konnte und behauptete dass er gar nicht bereit für eine Beziehung war. Das war ja wohl immer noch an ihm zu entscheiden.

So war seine Laune natürlich in den darauf folgenden Tagen nicht die allerbeste. Nur eines stimmte ihn ein wenig fröhlich, und das war das Date das er am Samstag hatte. Dieses Date würde klappen, da war sich Duo sicher, und dann könnte er Doro mal gehörig eine lange Nase drehen.

Aber unbewusst schienen trotzdem ein paar von Dorothys Aussagen bei Duo gefruchtet zu haben, denn er versuchte nicht ganz so aufgeregt wie beim Date mit Heero zu sein. Und als er wieder zu früh zum Date erschien, setzte er sich einfach an einen Tisch und bestellte sich ein Wasser. Es konnte ja tatsächlich sein, dass sie mit den Cocktails nicht vollkommen unrecht gehabt hatte. Bei diesem Date wollte er nicht überdrehter wirken als er normalerweise war.

Erstaunlicherweise waren die Schmetterlinge heute auch etwas ruhiger als beim ersten Mal. Sicher, sie flatterten auch aufgeregt umher, aber sie schienen seinen Magen nicht zum bersten bringen zu wollen. Tatsächlich schien da ihm diesmal niemand gesagt hatte dass dieser Cat sein Traummann sein könnte, der Druck nicht ganz so groß zu sein. Duo beschloss dies als gutes Omen zu nehmen.

Mitten in diese Gedanken trat plötzlich ein junger Mann an seinen Tisch. „Hi, bist du D.M.?“ fragte er.

Duo blickte auf. Vor ihm stand der Typ dessen Bild er in der Partnerbörse gesehen hatte. Und ja, in Natura sah er auch super aus. Ein engelsgleiches Gesicht mit meerblauen Augen war umrahmt von blonden Haaren. Die Figur des Mannes war auch super, und an Klamotten hatte er praktisch das gleiche gewählt wie Duo. Enge Lederhosen und ein nettes Hemd. Im Grunde die ganz normale Nightwish Kleidung.

Zwar entsprach der Mann nicht wirklich Duos Idealtyp - dazu war er zu blond und zu klein – aber er sah verdammt gut aus. So gut dass Duo wirklich nichts dagegen hatte mit ihm ein Date zu haben, im Gegenteil. „Und du bist Cat, oder?“ grinste Duo den anderen an und reichte ihm seine Hand.

Der junge Mann ergriff die Hand und schüttelte sie mit einem kräftigen, ehrlichen Händedruck. „Ja. Kannst mich aber auch gerne Quatre nennen, das ist mein richtiger Name.“

Ein Lächeln machte sich auf Duos Gesicht breit. „Quatre, wie ungewöhnlich. Mein Name ist Duo.“

Quatre setzte sich ihm gegenüber und lächelte auch. „Auch nicht grad ein Allerweltsname.“

„Schuldig im Sinne der Anklage.“ Duo fühlte sich wohl. Dass er hier so unbeschwert mit Quatre Scherze machen konnte war doch ein sehr guter Anfang. „Setz dich,“ bot er dem anderen Mann an. „Dann können wir was bestellen, ich hab richtig Kohldampf.“

Der Blonde lachte kurz auf. „Nicht nur du. Hab den ganzen Tag nichts gegessen, weil ich mit genug Platz für Joe’s Spezialitäten lassen wollte. Den DeLuxe Burger kann ich praktisch schon auf meiner Zunge schmecken.“

Duo auch und ihm lief bei dem Gedanken praktisch das Wasser im Mund zusammen. Er schnappte sich eine der Speisekarten und überflog sie schnell um zu entscheiden was er denn zu dem Burger dazu bestellen sollte.

Quatre hatte sich ebenfalls eine der Karten genommen. „Mhmmm, was hältst du davon, wenn wir uns den gemischten Saucenteller zu Pommes bestellen? Ich liebe Joe’s Trüffelmajonaise.“

Duo warf einen kurzen Blick auf den Preis. Hier merkte man schon dass Joe’s mehr war als nur ein Burgergrill. Niemand sonst würde auf die Idee kommen zu Pommes Trüffelmajonaise anzubieten. Der Preis für den Saucenteller war dann auch am oberen Ende der Skala. Aber andererseits hörte es sich auch interessant an die vielen verschiedenen Saucen zu probieren. „Klar, wieso nicht.“

Nachdem das entschieden war, winkten sie schnell einen der Kellner heran und gaben ihre Bestellung auf. Während sie auf das Essen warteten entsprang ohne große Probleme oder Peinlichkeit eine sehr entspannte Unterhaltung zwischen ihren. Duo schien es fast so, als wenn er Quatre schon lange kennen würde, und dabei wusste noch praktisch gar nichts von ihm. Es war spannend mehr zu erfahren und trotzdem sehr entspannt weil es sich überhaupt nicht mit dem krampfartigen Date mit Heero vergleichen ließ.

„Ich liebe das Joe’s einfach,“ entfuhr es Quatre.

Duo nickte zustimmend. Der Laden war wirklich klasse, und er besuchte ihn nicht nur deshalb regelmäßig weil er praktischerweise neben seiner Lieblingsdisko lag. „Was gibt’s am Joe’s auch nicht zu lieben. Genauso wie das Nightwish. Ich war richtig erstaunt als du die Läden vorgeschlagen hast.“

„Das Nightwish und Joe’s ist doch die beste Kombination die unsere Stadt zu bieten hat,“ grinste Quatre.

„Wie kommt es dann das ich dich noch nie gesehen hab? Ich mein ich bin ziemlich regelmäßig hier.“

Der blonde Mann lehnte sich entspannt zurück. „Die letzten 4 Jahre war ich kaum in der Stadt. Ich hab im Ausland studiert und ein paar Praktika gemacht, war praktisch immer auf der Achse. Wenn ich mal hier war, dann um die Familie zu besuchen. Da war kaum Zeit fürs Ausgehen. Erst als ich vor ein paar Monaten wieder dauerhaft hierher zurück gekommen bin hab ich wieder angefangen hierher zu kommen. Und hab zum Glück festgestellt dass sich kaum etwas verändert hat.“

„In unserer kleinen Stadt wird sich doch nie etwas ändern,“ gab Duo zu bedenken. „Im Ausland studiert, das hört sich spannend an. Ich hab’s nur bis hierher geschafft. Wo warst du denn?“

„Boston, Sydney, Shanghai und ne ganze Weile in der Schweiz.“

Duo verschluckte sich fast an dem Bier das er gerade trank. „Wow, du bist ja ganz schön herum gekommen.“ Das hörte sich wirklich interessanter an als sein Werdegang vom kleinen Dorf an der Westküste bis hier in die Kleinstadt in der er auch nach dem Studium geblieben war.

„Mein Vater war immer der Ansicht dass meine Ausbildung so weit gefächert sein soll wie nur möglich. Ich sollte die verschiedenen Kulturen kennen lernen, erfahren wie dort Geschäfte gemacht werden. Um mich darauf vorzubereiten die Leitung unserer Firma zu übernehmen. Weshalb er mich dann auch in den unterschiedlichsten Niederlassungen unseres Konzerns hat arbeiten lassen.“

Plötzlich ratterte etwas in Duos Gehirn, er arbeitete nicht umsonst in einem Radiosender und berichtete über lokale Nachrichten. Außerdem war der Name Quatre wirklich ungewöhnlich. „Kann es sein dass du Winner mit Nachnamen heißt?“ sprudelte es aus ihm heraus.

Quatre lachte kurz auf. „Schuldig im Sinne der Anklage,“ wiederholte er Duos Worte von vorhin.

„Oh Mann,“ sagte Duo. „Quatre Winner.“ Er pfiff leise.

Quatres hellblaue Augen verdunkelten sich für eine Sekunde. „Ändert das jetzt irgendwas zwischen uns?“

Duo musste nicht lang überlegen, im Gegenteil. Vollkommen spontan lachte er auf und schüttelte den Kopf. „Außer der Tatsache dass du die Trüffelmajonaise alleine zahlen darfst nicht.“ Dann nach einer kurzen Pause hakte er nach, „Hast du deshalb manchmal Probleme?“

Quatre wiegte mit dem Kopf. „Ich würde es nicht Probleme nennen. Aber ja, es gibt genügend Leute die nicht mich als Person sehen, sonder nur eine wandelnde Geldbörse.“

„Und ich dachte immer Multimillionäre hätten es viel leichter als wir Normalsterblichen.“

Quatre grinste kurz. „Multimilliardäre,“ gab er verschmitzt zu bedenken.

Und wirklich, genau dieses eine Wort war es dass die ganze Situation sofort entspannte. Duo lachte auf und Quatre folgte ihm gleich.

Kurze Zeit später hatten sie endlich das Essen vor sich stehen und langten beide mit gehörigem Hunger zu. Wobei sie immer noch angeregt miteinander redeten. Es war wirklich erstaunlich wie gut sie miteinander reden konnten. Und wieviel sie miteinander gemeinsam hatten. Sie mochten die gleichen Bücher, die gleichen Filme, die gleiche Musik. Ihr Humor war ziemlich ähnlich, überhaupt, sie hatten viel Spaß zusammen.

„Wie bist du eigentlich dazu gekommen eine Anzeige in dem Forum aufzugeben?“ fragte Duo. Er konnte sich echt kaum vorstellen das jemand so nettes, gut aussehendes und reiches wie Quatre auf diese Art einen Partner finden musste.

„Das war ein Geschenk meiner Schwestern. Sie fanden dass ich viel zu viel arbeite und endlich mal jemand kennen lernen sollte. Deshalb haben die ohne mein Wissen ein Account für mich angelegt und eine Anzeige aufgegeben. Ich will mich ja auch gar nicht beschweren, es war total lieb gemeint aber ich finde schon dass sich meine Schwestern aus meinem ‚nicht existenten’ Liebesleben raushalten sollten.“

„Ok, das kann ich gut verstehen. Wieviele hast du denn?“

„40,“ kam es wie aus der Pistole geschossen von Quatre zurück. Als Duo sich fast an seinem Bissen vom Burger verschluckt hatte hob der Blonde entschuldigend seine Arme und lachte. „Ok das ist leicht übertrieben. Es sind nur vier, aber ehrlich manchmal kommen die mir wie 40 vor. Kann auch nicht weniger anstrengend sein. Und natürlich sind alle älter als ich und vollkommen darauf erpicht mich zu verkuppeln.“ Er rollte theatralisch mit seinen Augen.

„Hatten sie schon viel Erfolg mit der Anzeige?“

Quatre schüttelte den Kopf. „Nicht so wirklich. Bisher bist du der absolut interessanteste.“

Duo wurde unwillkürlich rot im Gesicht. Er versuchte das zu verdecken indem er schnell weiter redete, „Nun, wie ich das sehe, scheint das Portal in der Hinsicht echt nicht der Bringer zu sein. Bis auf deine Anzeige waren alle halbwegs interessanten Anzeigen nicht auf der Partnerschaftsseite, sondern bei den One-Night-Stands oder den Online Affären. Es sind wohl nur die Grottenolme die etwas Langfristiges suchen.“

„Deprimierend, nicht wahr?“ meinte Quatre. „Oder es ist einfach nur das falsche Portal. Und außerdem es kommt ja nicht auf die Menge an. Solang man einen findet der passt, ist das doch ausreichend, oder?“

So wohl wie sich Duo im Moment mit dem Blonden fühlte konnte er dem nur zustimmen.

Auch nachdem sie mit dem Essen fertig waren, blieben sie noch für eine lange Weile am Tisch sitzen und redeten über Gott und die Welt. So als wenn sie sich schon seit Ewigkeiten kennen würden. Es war einer der entspanntesten Abende die Duo jemals erlebt hatte.

Viel später gingen sie dann doch ins Nightwish. Und hier zeigte sich noch mehr wie sehr sie sich ähnelten. Sie tanzten zusammen alle anderen Besucher unter den Tisch. Während sie sich gemeinsam zu der Musik bewegten kam es Duo so vor als wenn sie das schon tausendmal zusammen getan hätten. Sie lachten, und hatten unheimlich viel Spaß. Soviel Spaß, dass Duo nicht einmal für ne Sekunde überlegen musste ob er Quatre noch mit auf einen Kaffee zu sich nach Hause einladen sollte.

Der Blonde war genau das was er gesucht hatte. Sie passten zusammen, hatten die gleichen Interessen und Duo fühlte sich in seiner Gegenwart nur wohl. Und natürlich konnte er das schon nach einem Abend entscheiden. Hilde hatte halt einfach einen Knall.

Und so kam es dass in die beiden in den frühren Morgenstunden gemeinsam Duos Wohnung betraten. „Herzlich willkommen in meinem kleinen Reich. Am besten du übersiehst die Unordnung einfach. Und entschuldige dass es nicht so luxuriös ist wie bei dir Zuhause,“ sagte Duo während er die Haustür schloss.

„Hey macht doch nichts. Dafür sind wir hier ungestört. Bei mir zu Hause würden uns jetzt garantiert meine Schwestern beobachten.“

Duo zog eine Grimasse. „Lieber nicht,“ erklärte er. „So, wie möchtest du deinen Kaffee?“ fragte er. Natürlich war ihm klar dass der Kaffee nur ein Vorwand gewesen war. Quatre war das garantiert auch bewusst und trotzdem fand Duo dass er das versprochene Getränk auch ruhig anbieten könnte.

„Heiß,“ erklärte Quatre. Doch bevor Duo sich zur Küche aufmachen konnte, hatte der Blonde ihn auch schon an den Armen gepackt und zu sich heran gezogen. Eine hundertstel Sekunde später presste er seine Lippen auf die von Duo und sie begannen sich wie wild zu küssen.

Es dauerte eine Weile bevor sie den Kuss brachen. Verwirrt und nach Atem ringend raunte Duo, „Was zum Teufel war das?“

Quatre schüttelte erstaunt den Kopf. „Keine Ahnung. Heißt das du hast auch nichts gefühlt?“

Duo lachte kurz auf. Es war schon ganz schön peinlich zuzugeben. Aber es führte kein Weg daran vorbei. Obwohl sie beide ihr bestes gegeben hatten, hatte er bei dem Kuss nicht das geringste Kribbeln gespürt. Sicher, Quatre war vom Aussehen nicht sein absoluter Traummann, aber er sah trotzdem verdammt gut aus. Und sie verstanden sich doch so super. Da sollte sich ein Zungenkuss nicht so fromm und so verkehrt anfühlen. „Lass es uns noch mal versuchen,“ bat er. Vielleicht waren sie gerade nur zu überrascht gewesen.

Langsam näherten sich ihre Köpfe wieder. Wieder trafen sich ihre Münder und sie beide taten ihr bestes um diesen Kuss zu einem Erfolg werden zu lassen. Aber es war vergebliche Liebesmüh. „Verdammt,“ brach es aus Duo hervor als er den Kuss wieder beendete. Schnell wandte er sich ab und setzte sich auf das Sofa. Frustriert verbarg er sein Gesicht in seinen Handflächen. „Es klappt einfach nicht.“

„Scheiße,“ stimmte Quatre ihm zu. „Ich hatte echt gehofft dass was aus uns werden kann. Verdammt, ich mag dich. Wieso ist da nichts?“

„Es ist so, als wenn ich meinen Bruder küssen würde!“ erklärte Duo. „Nicht dass ich einen hätte, aber so würde sich das anfühlen da bin ich mir sicher.“ Er war verwirrt. Bisher hatte er noch nie Probleme gehabt sich von einem leidlich attraktiven Mann anturnen zu lassen. Verdammt, Quatre sah gut aus, sie mochten sich. Da sollten ihre Körper jawohl gefälligst kooperieren können. Was stimmte nur nicht mit ihm?

Für eine Weile saßen sie beide dicht an dicht und schwiegen. Die Stimmung war von heiter aufgeregt auf Miserabel gesunken.

„Ich denke ein weiterer Versuch wird auch nichts bringen, oder?“ fragte Quatre irgendwann.

Duo schüttelte den Kopf. „Tut mir leid Q. So unendlich leid. Ich hatte echt gehofft dass es klappen würde. Der Abend war so super, ich mag dich. Ich weiß echt nicht was hier abgeht.“

„Ist ja nicht allein deine Schuld,“ erklärte Quatre. „Du bist der netteste Typ den ich seit langem getroffen hab. Fuck, wieso klappt es nicht?“

„Wenn ich meiner Freundin glauben darf, dann wahrscheinlich weil wir nicht füreinander bestimmt sind. Obwohl mich das bisher noch nie davon abgehalten hätte heißen Sex mit den falschen Typen zu haben. Wieso dann keinen heißen Sex mit dem richtigen?“

Sie schweigen wieder, denn keiner von ihnen kannte die Antwort. Dann machte Quatre plötzlich anstallten zu gehen. „Sehen wir den Tatsachen ins Auge, Duo. Aus uns wird nichts.“

Doch als der Blonde gehen wollte, wurde Duo etwas bewusst. „Ich will dich nicht verlieren Quatre,“ erklärte er.

„Aber es funkt nicht zwischen uns,“ gab der andere zurück.

Duo drehte sich zu ihm um und schaute ihm fest in die Augen. „Ok, dann sprühen zwischen uns vielleicht keine Funken. Aber ich mag dich. Ich hatte unheimlich viel Spaß heute Abend. Ich weiß das klingt abgedroschen und normalerweise würden ich jeden der mir so etwas sagt mein Knie dorthin stoßen wo es wirklich weh tut, aber können wir nicht Freunde sein?“

Quatre überlegte für eine Weile. Dann nickte er. „Es wäre wirklich schade drum. Einen guten Freund kann man immer gebrauchen.“

Erleichtert fielen sie beide sich in die Arme. Wieder kam es Duo vor als wenn er einen Bruder drücken würde. Oder halt seinen besten Freund.

„Oh Mann, und ich hatte schon gehofft endlich den Typen fürs Leben zu finden,“ grummelte Quatre noch mal kurz.

Duo hatte das auch gehofft, aber er wollte sich auch nicht von dieser erneuten Niederlage runterziehen lassen. Und schließlich hatte die Sache ja auch noch etwas gutes. Er hatte einen Freund gefunden. „Hey, dann suchen wir jetzt halt gemeinsam nach Mr. Perfect. Macht zusammen sowieso mehr Spaß.“