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Chibi love - Teil 22 - 23

22. Ein Schritt in die richtige Richtung (Teil 2)


Nach einer weiteren Viertelstunde war Masaki endlich fertig und bereit seinem Freund zu sagen, was er da gelesen hatte.
Hiro legte seinen Stift zur Seite und setzte sich bequem im Schneidersitz hin. Masaki krabbelte schnell um den Tisch herum, setzte sich auf Hiros Schoß und lehnte sich an ihn.

„Na dann erzähl mal, Chibi, worum geht es in dem Ding?“

Auffordernd tippte Hiro gegen das Cover. Kichernd öffnete Masaki das Buch und fing an zu erzählen.

„Ok. Es geht, glaube ich, hauptsächlich um zwei Jungen.“

Hiro wurde hellhörig. Hatte er bis jetzt die Hoffnung gehabt, dass es sich noch um einen normalen Manga handelte, war diese nun verpufft. Hätte er sich eigentlich denken können, dass da nur so was dabei raus kommen konnte, wenn Youichiru einen Manga rausrückte.

„Beide gehen in dieselbe Klasse, haben aber nicht viel mit einander am Hut. Während sich Kato eher im Hintergrund hält und wenig mit seinen Klassenkameraden unternimmt, ist Shincho mit allen befreundet und ein Aufreißer und Playboy...Steht zumindest so drin. Als sie dann Sport haben, fällt Shincho beim Basketball aus Versehen auf Kato. Beide küssen sich mehr oder weniger.“

Masaki zeigte auf ein Bild, auf dem ein dunkelhaariger Junge auf einem anderen lag und sich ihre Lippen nur ganz leicht berührten.

„Von da an fangen beide immer an zu streiten und das, obwohl sich Shincho mehrmals entschuldigt hat. Die Streitereien finde ich aber lustig, weil sie immer an den unmöglichsten Stellen vorkommen. Meistens regt sich Kato auf, wenn Shincho ihn berührt oder nur streift. Dadurch entstehen die herrlichsten Missverständnisse. So sagen zum Beispiel ihre Mitschüler, dass sie einen Ehekrach haben, wenn sie sich streiten, und werden dann von Kato und Shincho angeschrieen, dass sie sie nicht mehr alle hätten. Das ist aber auch das Einzige, in dem sie sich einig sind.“

„Ich kann Kato irgendwie verstehen. Ich wäre auch nicht begeistert, wenn mir so was passiert, aber ob ich deswegen so nachtragend wäre?“, sprach Hiro dazwischen.

„Hm, hab ich mir auch schon überlegt. Dann müsste ich jetzt eigentlich immer noch auf dich sauer sein.“

Hiro wusste ganz genau, dass sein Chibi auf ihren ersten Kuss im Kino anspielte, der so ja eigentlich nicht geplant gewesen war. Andererseits wären sie dann wahrscheinlich noch nicht zusammen.
Doch von den Gedanken seines Freundes bemerkte Masaki nichts und erzählte munter weiter.

„Bei einem etwas heftigeren Streit, bricht Kato plötzlich zusammen, aber Shincho kann ihn noch auffangen und bringt ihn ins Krankenzimmer, wo er auch auf den Jüngeren aufpasst. Dabei betrachtet er den anderen die ganze Zeit und denkt über ihn nach. Und aus was auch immer für Gründen küsst Shincho Kato, aber dieses Mal mit Absicht und dann ist der Manga zu Ende.“

„Was, das war alles?“

Ungläubig nahm Hiro Masaki das Buch aus der Hand und blätterte es durch. Tatsächlich, das war alles. Zwar hatte Masaki Kleinigkeiten ausgelassen, aber im Groben stimmte, was er erzählt hatte.


Gespannt sah Masaki dabei zu, wie Hiros Hände die Seiten durchblätterten. Hiro hatte schöne Hände, schlanke Finger und trotzdem wirkten sie männlich. Schon seltsam, wie unterschiedlich Hände aussehen konnten. Zwar hatte er auch lange Finger, aber seine Hand war kleiner und schmaler. Zur Probe legte er seine auf Hiros und siehe da, es stimmte.

„Was machst du denn da?“, fragte Hiro belustigt.

„Ich hab was überprüft und festgestellt, dass es stimmt.“

„So, und was stimmt?“

„Dass deine Hände ganz anders sind als meine.“

„Eigentlich logisch, oder?!“

Masaki tat so, als würde er ernsthaft überlegen und spürte förmlich, wie Hiro hinter ihm grinste.

„Ja, eigentlich schon.“, sagte der Kleine schließlich.
„Du, Hiro-san?“

„Ja?“

„Etwas musst du mir erklären.“

Er nahm Hiro den Manga aus der Hand, blätterte zum Schluss und deutet auf eine Szene, in der Shincho sein Gesicht in Katos Halsbeuge vergrub und in dem nächsten Bild hatte Kato einen dunklen Fleck am Hals. Im Klartext: Shincho hatte Kato einfach einen Knutschfleck verpasst.

„Warum macht Shincho das?“, fragte Masaki neugierig.

„Na, das steht doch da: „Damit du mich nicht vergisst.“ Das sagt er doch.“

„Ja, schon, aber warum verpasst er Kato einen Knutschfleck?“

„Was weiß ich. Ist vielleicht seine Art zu zeigen, dass er Kato gern hat.“, entgegnete Hiro mehr schlecht als recht. Dass er keine Lust hatte, sich mit Masaki über dieses Thema zu unterhalten, merkte dieser mal wieder nicht.

„Meinst du so, wie du mir zeigen wolltest, dass du mich magst?“


„Hä?“

„Gestern Abend. Youichiru hat gesagt, dass du das nur gemacht hast, weil du mir zeigen wolltest, dass du mich lieb hast.“

Verdattert sah Hiro den Chibi auf seinem Schoß an. Also hatte die Sache seinen Kleinen doch beschäftigt und er hatte nichts davon bemerkt, er hatte eigentlich nur über sich nachgedacht. An Masakis Gefühle hatte er zwar auch gedacht, aber nicht so intensiv. Irgendwie fühlte er sich jetzt furchtbar schlecht, denn er hatte ihm ja nicht mal erklärt, warum er das gemacht hatte und sein Bruder hatte mal wieder alles mehr oder weniger gerettet. Dafür musste er sich bei Gelegenheit mal bedanken.
Sanft legte er seinen Kopf auf die schmalen Schultern seines Freundes und legte seine Hände auf dessen Bauch.

„Weißt du, Chibi, es gibt auch noch einen anderen Grund, warum man jemanden einen Knutschfleck gibt.“

„So, welchen denn?“

„Man macht es, um seinen Freund oder seine Freundin zu kennzeichnen.“

„Warum das denn?“

„Damit jeder sieht, das sie oder er schon vergeben ist. Es ist so etwas wie ein Besetzt-Zeichen.“

„Äm... Das verstehe ich nicht.“

Hiro seufzte. Warum konnte sein Chibi nicht einmal etwas verstehen, ohne dass man es ihm haarklein erklären musste...

„Zum Beispiel: Ein Mädchen geht in eine Disco und wird von einem Jungen angesprochen. Dann sieht er plötzlich einen Knutschfleck an ihrem Hals und schon weiß er, dass dieses Mädchen einen Freund hat und macht sich vom Acker. Die meisten verstecken das aber. Also, wenn ein Mädchen bei uns plötzlich ein Halstuch trägt, ist sie entweder krank oder sie hat so einen Fleck.“

Interessiert hatte Masaki während Hiros Erklärung in den Manga gesehen.

„Also, ist es so etwas Ähnliches wie ein Brandmal?“

„Äh, ja...so in etwa, aber es hält nicht ein Leben lang und ist nicht so schmerzhaft.“

Ebenso wie Masaki sah Hiro einfach nur auf das Bild von Kato und Shincho. Ein Gedanke drängte sich ihm auf, aber sollte er das wirklich tun oder ging er da schon wieder zu weit? Egal, er musste es auf einen Versuch ankommen lassen.

„Masaki,“, flüsterte er leise, „darf ich?“


Ein wohliger Schauer lief Masakis Rücken hinunter, als Hiros warmer Atem seinen Hals mehr als nur streifte und sofort färbten sich seine Wangen in einem gesunden Rot. Seltsamerweise wusste er auch gleich, was Hiro meinte und hatte nicht wirklich deswegen Bedenken. Eher im Gegenteil, er fieberte dem Kommenden eher entgegen.
Ein zaghaftes Nicken war seine Antwort.

„Keine Sorge, ich mache es an einer Stelle, wo man es nicht so schnell sieht.“, sagte Hiro aufmunternd.

Voller Erwartungen schloss Masaki seine Augen und ließ sich etwas nach hinten fallen, während Hiros Gesicht dem äußersten Punkt zwischen Hals und Schulter näherte. Sanft schob der Ältere das störende T-Shirt zur Seite und berührte mit seinen Lippen die weiche Haut. Es war ein seltsames Gefühl als Hiro plötzlich anfing, an der empfindlichen Stelle zu saugen, aber aufregend, daran gab es keinen Zweifel. Ein kalter Schauer durchlief Masaki und eine ganz feine Gänsehaut bildete sich. Allerdings musste Masaki kichern und unterbrach damit die spannende, aber durchaus angenehme Stille. Es kitzelte ihn, als die Zunge von Hiro entschuldigend über die leicht lädierte Stelle leckte.

„Nicht, das kitzelt.“, kicherte Masaki.


Hiro ließ von seinem Chibi ab, als dieser sich leicht unter seiner Berührung wand. Abschätzend betrachtete er sein Werk. Sah doch gar nicht so übel aus für seinen ersten Versuch. Nicht zu groß, aber auch nicht zu klein, Masaki konnte es gut verdecken und es würde trotzdem eine Weile halten.
Aber wie war das gerade, hatte sein Chibi ihn etwa kritisiert? Das konnte er sich natürlich nicht bieten lassen.

„So, das kitzelt also?“, flüsterte er Masaki hinterhältig ins Ohr, worauf sich der Kleinere auch etwas versteifte.
„Dann zeig ich dir jetzt, was wirklich kitzelt!“

Masaki schien schon zu ahnen, was Hiro vorhatte, denn er versuchte sich aus dem nun etwas festeren Griff zu befreien, aber das nützte ihm nichts, denn Hiro hatte schon längst damit begonnen, ihn ordentlich durchzukitzeln. Sein Chibi quietschte und lachte in einer Tour, während er strampelte und versuchte, sich von Hiro zu lösen. Der zierliche Körper wand sich unter den kitzelnden Händen, doch es gab keine Aussicht auf Rettung. Irgendwie schaffte es Hiro, seinen Kleinen auf den Boden zu befördern, um ihn so noch besser quälen zu können. Masaki hatte schon ganz rote Wangen und japste nach Luft. Fasziniert von diesem Bild stoppte Hiro seine Bewegungen und sah einfach nur in glänzende grüne Augen. Schnell hob und senkte sich Masakis Brustkorb, während der warme Atem sein Gesicht streifte.
Unentwegt sahen sich grüne und blaue Augen an, eine seltsame Spannung lag in der Luft. Gemächlich näherte sich Hiro seinem Chibi, nur die zarten und halbgeöffneten Lippen als Ziel vor Augen.

„Hiro-san...“, flüsterte besagter Chibi leise.

„Hm?“

„Du bist schwer!“

Abrupt hielt Hiro inne und starrte den unter sich Liegenden mit großen Augen an. Das konnte doch nicht war sein!
Seufzend ließ der Brünette von dem anderen ab und legte sich auf den Rücken, die Arme über dem Gesicht verschränkt. Warum hatte sein Chibi das nur gesagt? Es war doch so eine tolle Stimmung gewesen, aber das schien dieser gar nicht mitbekommen zu haben.


Verwirrt sah Masaki seinen Freund an. Hatte er denn etwas Falsches gesagt? Anscheinend schon, denn Hiro sah sehr geknickt aus. Aber warum, er hatte doch nur die Wahrheit gesagt? Hiro hatte sich doch wirklich immer mehr auf ihn gelegt und er war nun mal schwerer, sodass er Masaki fast erdrücken konnte.
Langsam drehte sich Masaki zu Hiro und kuschelte sich vorsichtig an ihn.

„Hiro-san, hab ich was falsch gemacht?“

Leicht hob sich einer der Arme und ein himmelblaues Auge linste hervor, welches beim Anblick des Chibis gleich viel freundlicher wurde. Die Arme entfernten sich von Hiros Gesicht, legten sich stattdessen um die Hüften von Masaki und zogen ihn fast gänzlich auf den Größeren.

„Nein, hast du nicht.“

Glücklich lächelte Masaki den Älteren an und schmiegte sich verträumt an dessen Brust. Eine wohlige Wärme umgab Masaki, die eindeutig von Hiro ausging, der ihm sanft über den Rücken streichelte.


~*~*~*~*~*~


Eine sehr lange Zeit bleiben sie einfach so liegen und sagten kein Wort, aber das war auch gar nicht nötig. Aufmerksam lauschte Masaki dem ruhigen Herzschlag und schlief fast darüber ein, während Hiro gedankenverloren an die Decke sah und seinen Chibi im Nacken kraulte, was diesen dazu veranlasste, sich noch mehr an ihn zu kuscheln. Friedlich lagen sie da und genossen die Nähe des anderen und für beide hätte es immer so bleiben können. Langsam hob Masaki seinen Kopf und gab Hiro einen schüchternen Kuss.

„Ich hab dich sehr, sehr lieb.“, flüstern er.

Lächelnd sah Hiro Masaki an und kraulte ihn weiterhin beruhigend.

„Ich hab dich auch sehr lieb.“

Hiro konnte gar nicht so schnell gucken, wie Masaki ihm ebenfalls ein Mal verpasste und ihn dann schelmisch angrinste.

„Jetzt gehörst du mir!“, sagte der Kleine grinsend.

„Spinner.“, entgegnete Hiro liebevoll und wuschelte Masaki durch die Haare, der sich das nur allzu gern gefallen ließ.

*Ich gehör dir doch auch so.*


Ein lautes Knurren unterbrach die schöne Zweisamkeit und Masakis Wangen färbten sich wie auf Kommando leicht rosa.

„Na, Chibi, hast du Hunger?“

Zaghaft nickte dieser und bequemte sich leicht murrend von seiner menschlichen Matratze alias Hiro, weil dieser aufstehen wollte.

„Na dann komm, ich mach uns was, ist ja schon 14.00 Uhr!“


~*~*~*~*~*~


Ungeduldig zappelte Masaki auf dem Küchenstuhl hin und her, während er dabei zusah, wie Hiro das Essen machte. Dieser drehte sich um und wurde auch sofort breit angegrinst. Er konnte es aber verstehen, schließlich sah er mit der Küchenschürze seiner Mutter wirklich lächerlich aus, aber wenn man selbst gemachte Tomatensause zu Spagetti machte, dann war es besser für die Kleidung.

„Hör lieber auf zu kippeln, sonst fällst du noch und frag Youichiru, ob er mitessen will.“

„Ay, Ay, Sir!“

Schneller als ein Wirbelwind sprang Masaki auf und flitzte in den ersten Stock. Kopfschüttelnd sah Hiro ihm nach. In solchen Momenten wurde ihm immer bewusst, dass er ein Kind vor sich hatte und vergaß darüber, dass er selbst noch ein halbes Kind war.


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Mal wieder saß Youichiru über einem seiner Lieblingsmangas am Schreibtisch und hatte ein fettes Grinsen im Gesicht, das schon alleine verriet, worum es in dem Büchlein ging. Ein recht zaghaftes, aber doch energisches Klopfen ließ ihn etwas zusammen zucken. Hatte er denn nie seine Ruhe?
Er legte den Manga weg und zog stattdessen einen Stapel Blätter zu sich, griff nach dem nächstbesten Stift und tat so, als würde er irgendetwas schreiben, denn er war sich sehr, sehr sicher, dass der Chibi seines Bruders vor der Tür stand.

„Komm rein.“, sagte er leicht gereizt.

„Was machst du da?“, fragte Masaki neugierig, als er in der Tür stand.

„Ich korrigiere eure Arbeiten.“

„Wirklich? Heißt das, wir kriegen sie morgen wieder?“

„Ja, wahrscheinlich.“

Mist, jetzt musste er sie doch zu Ende korrigieren. Er hatte aber auch ein Pech.

„Was wolltest du denn?“

Erst jetzt drehte sich Youichiru um und sofort fiel sein Blick auf einen kleinen, aber nicht zu übersehenden roten Fleck, der unter dem T-Shirt-Kragen des Chibis hervorlugte. Dieser bemerkte, wohin die Augen des Älteren gewandert waren und zog plötzlich den Stoff etwas höher. Skeptisch betrachtete Youichiru den Jüngeren, dessen Wangen sich zum wiederholten Male in seiner Gegenwart gerötet hatten.

„Hehe...Hiro-san macht Essen und ich soll dich fragen, ob du mitessen willst.“

„Ja, ja, ruft mich, wenn’s fertig ist.“

„Ist gut.“

Schnell machte sich Masaki wieder aus dem Staub, als wäre ein Bär hinter ihm her. Grinsend legte Youichiru das Kinn in seine Handfläche.

„Ich könnte mich irren, aber das sah verdächtig nach einem Knutschfleck aus...Anscheinend trägt der Manga seine Früchte.“


~*~*~*~*~*~


Langsam ging Masaki die Treppe hinunter. Gedankenverloren strich er über die gerötete Stelle an seinem Halsbeuge.

*Ich verstehe das nicht, warum hab ich mich so erschreckt, als Youichiru-san den Knutschfleck gesehen hat? Vor allem, warum habe ich ihn verstecken wollen? So schlimm ist das doch nicht, es zeigt doch nur, dass mich jemand mag, aber irgendwie...*

Mittlerweile war er wieder in der Küche angekommen und setzte sich auf den Stuhl.

„Und?“, fragte Hiro.

„Wir sollen ihn rufen.“

„Gut.“

Schweigend betrachtete Masaki seinen Freund. Ihm gefiel es einfach, ihn genauer anzusehen und zu versuchen, sich jedes Detail einzuprägen. Während er so vor sich hin starrte, war er mit den Gedanken wieder bei der Szene, die sich in Youichirus Zimmer abgespielt hatte.

*Ich versteh es nicht, warum wurde ich rot und warum war es mir peinlich? Es ist doch nichts Schlimmes, es ist...es ist...*

Hilfesuchend sah er Hiro an, auch wenn er wusste, dass das eigentlich nichts brachte und doch, wusste er auf einmal alles.

*Es ist etwas zwischen mir und Hiro, etwas, was niemanden anderen etwas angeht. Ein Geheimnis zwischen mir und ihm, eine Art Abkommen. Und damit niemand dieses Geheimnis lüften kann...Ja, deswegen verstecken es alle. Auch wenn jeder Bescheid weiß, so ist es trotzdem noch ein Geheimnis. Hiro und mich verbindet etwas. Das macht mich irgendwie glücklich. Ich wünschte, dieses Gefühl würde nie vergehen, es ist so angenehm.*

Lächelnd sah Masaki Hiro an, der sich wieder zu ihm gedreht hatte und ihn leicht verdattert ansah.

„Was ist? Hab ich irgendetwas im Gesicht?“

„Nein, ich bin einfach nur glücklich.“


~*~*~*~*~*~


Hiro hatte sich viel Mühe mit dem Essen gegeben, selbst seine Mutter war begeistert und verdonnerte ihn dazu auch das darauf folgende Wochenende für die Familie zu kochen. Nach dem Essen verzogen sich alle wieder in ihre Zimmer, das heißt: Frau Maruyama putzte das Haus fertig, Youichiru machte sich gezwungenermaßen daran, die Geschichtstests zu korrigieren und Masaki und Hiro übten weiter Mathe. Wobei Masaki derjenige war, der dies anordnete, denn Hiro hätte viel lieber noch etwas mit seinem Chibi gekuschelt und ihm noch ein paar Küsse geklaut, aber das ließ der Kleine nicht zu. Doch so schön der Tag auch war, er ging zu Ende und so musste Masaki auch wieder nach Hause, zumal sie ja morgen Schule hatten.


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Seufzend stieg Masaki aus der Wanne und band sich ein Handtuch um die Hüften. Es war so angenehm warm gewesen, aber seine Haut war schon ganz schrumplig und Abendessen gab es ja auch noch.
Mit dem Handtuch für die Haare wischte er einmal über den beschlagenen Spiegel und schreckte etwas zusammen. Neugierig betrachtete er sich darin oder besser, er sah zum ersten Mal den Knutschfleck an seiner Halsbeuge.

*Jetzt weiß ich, warum Mädchen das verstecken, das sieht ja furchtbar aus. Zum Glück ist es kalt, dann kann ich öfter etwas mit einem Rollkragen anziehen und die Schuluniform müsste es auch verdecken.*

Trotz dieser doch recht negativen Gedanken strich er andächtig über besagte Stelle und bekam einen verträumten Blick. Es hatte sich schon nicht schlecht angefühlt, als ihm Hiro diesen kleinen „Liebesbeweis“ gemacht hatte.
Jedoch veränderte sich sein Gesichtsausdruck und traurig sah er weiterhin in den Spiegel.

*Irgendwie, fühl ich mich mies. Hiro ist immer so nett zu mir und er scheint sich ganz schön zusammen reißen zu müssen, denn er ist immer irgendwie verspannt, wenn er mir nahe ist. Und was mache ich, ich blocke ihn ständig ab. Er hat zwar gesagt, dass er nichts macht, was ich nicht will und ich soll mich auch nicht dazu zwingen, aber ist das denn fair? Er denkt die ganze Zeit an mich, wie ich mich fühle, aber ich denke überhaupt nicht daran, was er empfindet. Na ja, machen kann ich dagegen im Moment sowieso nichts, aber etwas muss sich ändern, fragt sich nur, wann ich den Mut dazu habe.*

Seufzend wand er sich von seinem Ebenbild ab und ging in sein Zimmer. Die nächsten Tage würden schon zeigen, was passieren würde. 



23. Schlafplatzsuche


Überrascht sahen Hiro, Masaki und Takashi ihre Freundin an.

„Was, du lädst uns über die Winterferien ein?“, fragte Takashi ungläubig.

„Ja. Mein Vater besitzt eine Berghütte und er hat mich gefragt, ob ich nicht mit ein paar Freunden kommen möchte. Da dachte ich natürlich sofort an euch und an Risa, Ryo und Asuka“, erklärte Himeko gelassen.

Masaki rechnete schnell zusammen.

„Das wären dann acht Leute in einem Haus!“

„Habt ihr überhaupt so viel Platz?“, hakte Hiro nach.

„Ach ja, das geht schon, mach dir mal keine Sorgen. Also, was ist, kommt ihr?“

„Ich muss erst noch meine Eltern fragen“, räumte Masaki kleinlaut ein.

„Keine Panik, Chibi, dass müssen wir auch.“

Durch Takashis Worte war der Kleinste sofort beruhigt.

„Ach ja, Takashi, du kannst Ojiro-chan ruhig mitbringen, wenn er mit will.“

„Danke, dann hab ich ein Problem weniger, denn es hätte bestimmt Theater gegeben. Du kennst ihn ja.“

Alle nickten, auch Masaki, schließlich wusste er nun auch, dass Ojiro einen ganz schönen Bruderkomplex hatte.


Zur Freude Hiros lud Himeko auch noch Youichiru und Kôji ein. Warum Letzterer eingeladen wurde, wollte sie nicht verraten.


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So kam es, dass sich sieben Jugendliche, ein Halber und ein Knirps auf dem Weg in hoffentlich schöne Winterferien machten. Natürlich hatten alle Eltern die Reise erlaubt und so waren sie von Himekos Vater in einem Minibus abgeholt worden. Youichiru fuhr mit seinem Motorrad, auch wenn es im Winter sehr gefährlich war. Jeder hatte in dem Auto Platz gefunden, da es ein Neunsitzer war. Herr Tsuburagi saß am Steuer, neben ihm seine Tochter und Risa, die sich über Mode unterhielten. Hinter ihnen saßen Ryo und Asuka, die sich unfreiwillig neben Kôji setzen mussten, der nur teilnahmslos aus dem Fenster sah. Warum er mitgekommen war, wusste niemand, nur Hiro hatte so eine Ahnung, dass es etwas mit seinem Chibi zu tun hatte. Dieser saß neben Masaki und Takashi in der letzten Reihe. Ojiro hatte es sich auf dem Schoß seines Bruders gemütlich gemacht und alberte mit Masaki herum. Der Kleine hatte sich riesig gefreut, dass er mit durfte, denn sonst wäre ihm sehr langweilig geworden, da die meisten seiner Freunde auch weg fuhren und sein Vater jetzt immer bis spät in die Nacht arbeiten musste.


Sie fuhren schon eine ganze Weile und noch immer hatte niemand bemerkt, das Hiro die ganze Zeit Masakis Hand hielt. Sie mussten in dem schmalen Wagen etwas dichter zusammen rücken, was ein Glück für beide war. Immer mal wieder errötete Masaki leicht, wenn Hiro seine Hand etwas fester drückte oder sie streichelte. Zwar taten sie so etwas öfter, aber es war trotzdem noch ein merkwürdiges Gefühl, ungewohnt und überhaupt nicht alltäglich. Immer wieder lösten kleine Berührungen von Seiten Hiros ein Kribbeln in ihm aus, das Masaki gar nicht beschreiben konnte und es auch nicht wollte.


~*~*~*~*~*~


Mit offenen Mündern standen alle vor Herrn Tsuburagis Berghütte, die sich als eine nicht gerade kleine Villa heraus stellte.

„Meine Güte Himeko, wie viele Zimmer hat denn dieses Haus?“, frage Risa, als alle in der Eingangshalle standen.

„Mh, mal überlegen...ein Esszimmer, eine große Küche, ein Wohnzimmer, drei Bäder, zwei Schlafzimmer und vier Gästezimmer. Das eine Schlafzimmer gehört meinem Vater und das andere mir.“

„Das ist ja ein kleiner Palast.“, stellte Ojiro freudig fest.

„Und wo sollen wir schlafen?“

Die Frage von Kôji war berechtigt und auch auf die hatte Himeko sofort eine Antwort.

„Risa schläft natürlich bei mir, ihr andern müsst euch in Zweiergruppen aufteilen. Eines der Gästezimmer hat getrennte Betten, alle anderen sind Doppelbetten. Also dann, werdet euch mal einig, Risa und ich bringen derweil unsere Sachen nach oben.“

Gesagt getan. Die zwei Mädchen schnappten sich ihre Koffer und gingen in den 1. Stock. Etwas hilflos blieben die Jungen am Treppenaufgang stehen.

„Und nun?“, fragte Asuka.

„Na was wohl, wir werden uns aufteilen. Gehen wir in ein Zimmer?“

„Klar, warum nicht, Ryo.“

„Gut, Masaki und ich nehmen dann ein anderes“, verkündete Hiro.

Ojiro zog seinen Bruder am Arm.

„Onii-chan, wir gehen doch auch in ein Zimmer, oder?“

„Wenn du das willst, natürlich.“


Abseits von den anderen hörte Kôji dabei zu, wie die Gruppen aufgeteilt wurden. Er war ganz froh, dass niemand mit ihm in ein Zimmer gehen würde, also hatte er eines für sich. Zumindest dachte er das.
Eine Hand legte sich auf seine Schulter, während ihn jemand ansprach.

„Tja, Furuhata, da werden wir uns wohl ein Zimmer teilen müssen.“

Erschrocken fuhr Kôji herum und sah einem zufrieden grinsenden Youichiru ins Gesicht.

„Niemals.“

„Dir bleibt gar keine andere Möglichkeit, es gibt nur vier Gästezimmer.“

Leider musste Kôji dem acht Jahre Älteren zustimmen, doch es gab noch Hoffnung: das Zimmer mit den getrennten Betten. Jedoch war er nicht der einzige, der auf dieses Zimmer scharf war.


Sie gingen die Treppe hinauf und nach links, während die Mädchen nach rechts gegangen waren. In dem langen Gang gab es fünf Türen. Auf der ersten, die am nächsten zur Treppe war, stand groß ‚Bad’ und ein kleines männliches Klomännchen war darauf. Die andern Türen waren mit Nummern von eins bis vier gekennzeichnet und davor war ein großgeschriebenes ‚G’ für Gästezimmer. Da sie sich nicht einigen konnten, wer das Zimmer mit den getrennten Betten bekam, stellte sich jede Gruppe vor eine Tür. Dass das natürlich auch ein paar Streitereien mit sich brachte, war logisch. Als dann soweit alles geklärt war, machten alle die Türen auf und dreimal erklang ein Seufzen und einmal ein freudiger Laut.
Am Ende sah es dann so aus: Takashi und Ojiro hatten das Zimmer mit den getrennten Betten.


~*~*~*~*~*~


Seufzend schmiss Ryo sich auf das Bett.

„So ein Mist, eigentlich hätten wir das Zimmer bekommen sollen!“

„Nimm es nicht so schwer Asuka, immer noch besser, als mit einem Lehrer zusammen in einem Bett zu pennen.“

„Stimmt. Der Arme Furuhata!“

Ein breites und zufriedenes Grinsen zierte die Gesichter der beiden Jungen. Sie machten keine Anstalten, ihren Missfallen gegenüber Kôji zu verstecken. Warum auch, schließlich waren sie allein.


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Zur selben Zeit bei Ojiro und Takashi.

„Onii-chan, ist es wirklich in Ordnung, dass wir zusammen in einem Zimmer sind?“, fragte der kleine Grünhaarige, während er seinem Bruder half die Tasche auszupacken.

„Natürlich, das habe ich dir doch schon gesagt.“

„Ich meine ja nur. Du wärst bestimmt lieber mit Hiro in einem Zimmer gewesen.“

Seufzend rollte Takashi mit den Augen, ehe er seinen Bruder an den Schultern packte und ihn fest ansah.

„Es IST in Ordnung. Außerdem sehe ich die anderen den ganzen Tag, wir schlafen doch nur hier. Also hör auf zu fragen und dir den Kopf zu zerbrechen.“

„Tut mir Leid, Onii-chan.“

„Schon gut. Jetzt lass uns weiter auspacken!“


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Eine Tür weiter.

„Ach, ist das schön weich!“

Glücklich kuschelte sich Masaki in die Kissen, während Hiro ihm amüsiert dabei zusah, ehe auch er sich daran machte, seine Klamotten im Schrank zu verstauen.

„Glaubst du Kôji-san und Youichiru-san werden sich vertragen?“

„So wie ich meinen Bruder kenne, wird es Furuhata nicht leicht haben.“

Hiro konnte sich ein fieses Grinsen nicht verkneifen. Doch sein Chibi setzte sich erschrocken auf.

„Dann müssen wir Kôji-san das sagen!“

Bestimmt ging Hiro auf den Jüngeren zu legte ihm beschwichtigend eine Hand auf den Kopf.

„Lass mal gut sein, so schlimm ist mein Bruder dann doch nicht. Sie werden sich schon irgendwie arrangieren. So und nun pack auch mal aus, Himeko hat gesagt, dass es nach der Ankunft gleich Abendessen gibt.“

Masaki lächelte seinen Freund an und stand dann auf. Das Erste, was er auspackte, war sein Stoffhase, den er auch gleich in der Mitte des Bettes platzierte.


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Und wieder wo anders...
Knurrend stand Kôji vor dem Kleiderschrank und versuchte seine Sachen in sein Fach zu tun, aber etwas lenkte ihn ab. Oder besser, jemand!

„Maruyama-sensei, können Sie das nicht später erledigen?“, presste er gereizt heraus.

Jedoch machte sich der Ältere überhaupt keine Gedanken darüber, sondern tat alles mit einem breiten Grinsen ab. Noch mehr rückte er dem anderen auf die Pelle und schob seine Sachen in das Fach über Kôjis. Dem zur Folge berührte Youichiru Kôjis Rücken mit dem Oberkörper und das immer mehr.

*Das macht der doch mit Absicht!!*, ging es dem strohblonden Jungen die ganze Zeit durch den Kopf.

Er hielt das alles nicht mehr aus. Stocksteif war er zwischen dem Schrank und dem Lehrer eingeklemmt und hielt ein einen Pullover in der Hand, der eigentlich ins Fach gehörte.

*Das hat keinen Sinn.*

Schnell stopfte er das Kleidungsstück in den Schrank und stahl sich unter dem Arm des Älteren hindurch.

„Ich geh essen!“, verkündete Kôji barsch und schmiss die Tür hinter sich zu.

Zurück ließ er einen zufrieden grinsenden Youichiru.


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Das Abendbrot verlief recht ruhig, abgesehen von ein paar kleinen Kabbeleien untereinander. Besonders von Seiten Kôjis, wenn Youichiru ihm beabsichtigt oder unbeabsichtigt näher kam. Die anderen am Tisch störte das aber herzlich wenig. Sie grübelten schon wieder darüber, was sie am kommenden Tag machen könnten. Der Einzige der schwieg war der Hausherr selbst, der es einfach nur zu genießen schien, mal etwas Leben um sich zu haben.


Nach dem Essen setzten sich noch alle gemeinsam ins Wohnzimmer und sahen sich einen Film an. Na ja, mehr oder weniger. Himeko, Risa und Ryo sahen ihn an, wobei Ryo mehr auf Risa achtete, als auf die Handlung des Films. Masaki und Ojiro hatten am Anfang auch noch zugesehen, aber als sie nach einer Weile, überhaupt nicht mehr wussten, worum es ging, fingen sie an mit Asuka und Herrn Tsuburagi Karten zu spielen. Kôji hatte sich in einen Sessel gesetzt und las ein Buch, während Hiro, Takashi und Youichiru über das Lehren der Lehrer sprachen, wobei Youichiru nicht unbedingt auf der Seite seiner Kollegen stand.
Als die Ersten, also Ojiro und Masaki, anfingen zu gähnen und sich über Müdigkeit äußerten, beschlossen alle ins Bett zu gehen.


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Etwas unentschlossen sah Masaki Hiro an, der bereits in dem Doppelbett lag und ein Buch las.

*Soll ich oder soll ich nicht.*

Den Älteren nicht aus den Augen lassend hockte er sich auf das Bett.

*Ach was soll’s!*

Einmal holte Masaki tief Luft, ehe er Hiro ansprach.

„Hiro-san?“

„Hm?“

„Wür...würdest du mich küssen?“


Skeptisch hob Hiro eine Augenbraue und sah seinen Chibi eindringlich an, der mit hochrotem Gesicht vor ihm hockte. Seufzend legte er sein Buch weg, obwohl er eigentlich sehr froh war, dass der Kleine Initiative zeigte. Es war sehr, sehr selten, dass er solche Wünsche äußerte.
Hiro hob das Kinn seines Chibis an, damit er ihn ansehen konnte und näherte sich seinem Gesicht, wurde jedoch von Masaki unterbrochen. Verständnislos sah Hiro ihn an. Wollte er jetzt doch nicht?

„Ich...ich möchte...einen...richtigen Kuss“, stotterte Masaki und wurde dabei noch röter.

Dann machte er die Augen zu und streckte sich leicht zu Hiro nach vorne. Der musterte seinen Chibi ganz genau und dessen Gesten sagten etwas ganz anderes. Die apfelgrünen Augen waren fest zusammen gepresst, der sonst so süße Mund zu einem Strich verzogen, der Körper völlig steif und die schmalen Hände krallten sich in die Bettdecke. Diese Symptome ließen keinen Zweifel.


Gespannt wartete Masaki darauf Hiros Lippen zu spüren, aber sie kamen einfach nicht. Hatte er etwas Falsches gesagt? Hatte er Hiro vergrault? Nein, dass nicht, denn hätte sich die Matratze bewegen müssen, aber es geschah ja gar nichts. Kein Ton war zu hören, alles um ihn herum war still.
Unerwartet spürte er plötzlich Hiros Hände an seinen Schultern und den warmen Atem auf seinem Gesicht. Ohne es zu bemerken verkrampfte er sich noch mehr. Doch das, worauf er gewartet hatte, traf nicht seine Lippen, sondern seine Stirn. Hiro hatte ihn auf die Stirn geküsst. Überrascht schlug er die Augen auf und sah Hiro fragend an. Dieser lächelte nur sanft und fuhr dem Chibi durch die Haare.

„Ist schon gut, du musst dich zu nichts zwingen. Das machen wir lieber, wenn die Stimmung passt“, zwinkerte der Ältere, worauf Masaki wieder errötete.


Während Masaki noch darüber nachzudenken schien, legte sich Hiro wieder ordentlich auf seine Seite des Bettes. Schüchtern krabbelte auch Masaki unter die Decke und legte seinen Hasen, den er immer mit sich nahm, zwischen sie.

„Gute Nacht, Hiro-san.“, sagte er leise und kuschelte sich in die Decke.

„Gute Nacht, Masaki-chan.“

Glücklich kuschelte sich Masaki noch mehr ein, denn es war das erste Mal, dass Hiro ihn so genannte hatte.


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Nach einer Stunde waren aber weder Masaki noch Hiro eingeschlafen. Angespannt lagen sie am äußersten Rand ihrer Bettseite und grübelten.

*Das ist doch ein Witz. Wieso bin ich auf einmal so nervös? Ich hab doch schon öfter mit Masaki in einem Bett gelegen. Allerdings waren wir da noch nicht zusammen.*


Ähnliche Gedanken schwirrten auch in dem Köpfchen des Chibis herum.

*Ich würde zu gerne mit Hiro kuscheln, aber ich trau mich nicht zu fragen oder mich einfach zu ihm zu legen. Seit dem wir zusammen sind ist irgendwie alles anders. Ich verstehe das einfach nicht.*

Noch lange dachten beide nach, immer in der Annahme, der andere würde schlafen und so taten sie gar nichts.


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Auch Kôji hatte eine eher unerholsame Nacht. Steif wie ein Brett lag er da, während sich der Lehrer ihm im Schlaf immer mehr näherte.

*Das ist doch alles nicht zufassen. Womit habe ich das verdient? So schrecklich bin ich ja nun auch wieder nicht!*

Sosehr der Strohkopf auch in Gedanken schimpfte, er konnte sich einfach nicht bewegen und etwas gegen die Annäherung Youichirus machen. Als er dann aber unerwartet den Atem des Älteren an seinem Hals spürte, war er von seiner Lähmung befreit.

„Das reicht!“

Er setzte sich auf und drückte den anderen von sich weg.

„He, wachen Sie auf, sofort!!“

Aber selbst sein Geschrei brachte nichts, stattdessen schlang sich ein Arm um seine Hüfte und der Lehrer schmiegte sich an ihn. Einer Tomate gleich saß Kôji nun da, wobei nicht zu sagen war, ob aus Wut oder aus Scham. Letztendlich befreite er sich von dem aufdringlichen Herren, schnappte sich sein Bettzeug und verschwand aus dem Zimmer, mit dem Ziel, es sich auf der Couch im Wohnzimmer gemütlich zu machen.


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Am nächsten Morgen trottete Asuka zum Herrenbadezimmer, bewaffnet mit allem, was ein junger Mann für die tägliche Wäsche brauchte. Jedoch tat sich ein kleines Problem auf: Das Bad war bereits besetzt.

„He, wer ist drin?“

„Ich bin es“, kam eine helle Stimme von drinnen und danach ein Gurgeln. „Bin gleich fertig.“

Etwa eine Minute später stand ein putzmunterer Chibi vor Asuka und begrüßte ihn.

„Guten Morgen, Asuka-san.“

„Morgen, Chibi. Gut geschlafen?“

„Na ja, es ging so.“

„Wieso, hat Hiro geschnarcht?“

„Nein, nein.“

„Morgen.“

„Guten Morgen, Takashi-san.“

„Morgen, Takashi“, sagte nun auch Asuka.

„Ich geh dann mal runter“, verkündete der Chibi und verschwand.

Asuka wollte gerade das Bad betreten, als ihm vor der Nase die Tür zugeschlagen wurde.

„Verdammt noch mal, Takashi, mach auf, ich war eher da als du!“


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Eine Etage tiefer kam ein Grummeln aus Richtung Couch. Gähnend streckte sich Kôji, wobei ein paar Knochen krachten, anscheinend war die Couch doch nicht so bequem gewesen, als Masaki das Wohnzimmer betrat.

„Guten Morgen, Kôji-san. Was machst du denn hier unten? Hat Youichiru-san sich breitgemacht?“

„So könnte man es auch nennen. Was ist denn da oben nur los?“

Masaki ließ sich neben Kôji auf das Sofa plumpsen und kicherte.

„Asuka-san wollte ins Bad, aber als ich mit ihm geredet habe, hat sich Takashi-san ins Bad geschlichen und nun streiten sie sich.“

„So, so...“

Es brauchte nicht erwähnt zuwerden, dass Kôji sich nicht für die Einzelheiten interessierte, ein einfaches ‚Streit’ hätte ihm auch genügt. Tja, aber so war der Zwerg nun mal, kindlich-naiv. 


Fortsetzung folgt