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Der Weihnachtswunsch

Original [PG] [beendet] 

Warnungen: keine

Teaser : 
Ich glaub, ich habe eine Weihnachtserscheinung. Und was für eine!! Ich sehe doch tatsächlich einen Engel durch die Tür kommen.



Der Weihnachtswunsch


„Amen“.
„Amen“ antworte ich brav mit den anderen im Chor und das Echo hallt in dem großen Kuppelbau wider und verstärkt die Stimmgewalt der, bestimmt hundert Kirchgänger, noch.
Unbemerkt verdrehe ich die Augen und linse vorsichtig nach links. Meine Mutter schaut andächtig nach vorne, hängt förmlich an den Lippen von Pastor Bruhne, während mein Vater mit gefalteten Händen dasitzt, aber ein wenig unbeteiligt wirkt. Ich dachte, den Kirchen geht es so schlecht, abnehmende Teilnehmerzahlen und so weiter, aber jetzt ist es proppevoll. Dicht an dicht drängen sich Familien, viele Omas und Opas und führen ihr gut einstudiertes Ballett aus ’Aufstehen, Setzen, Beten, Vater Unser-Sagen’ auf.

Ach, aber heute ist es ja auch was anderes. Es ist der vierte Advent und da wird traditionell in unserer Kirche das Krippenspiel aufgeführt und da kommen natürlich alle Familienmitglieder, um zu gucken, wie sich der Spross, als Joseph, Maria, Engel, oder auch nur lausiger Schäfer, macht.

Hey, aus keinem anderen Grund bin ich hier, denn eigentlich vermeide ich Kirchbesuche. Also, ich hab jetzt nichts dagegen, keine direkte Abneigung oder so, aber ich halte es für völlig überflüssig, extra in die Kirche, egal welcher Religion, zu gehen, um mit Gott zu reden.
Ich habe meine eigene, ganz persönliche Abmachung mit Ihm. Ich glaube, dass es ihn gibt, das er allerdings wesentlich unaufdringlicher ist, als die Kirche uns weismachen will. Außerdem sind wir übereingekommen, dass die katholische Kirche schon lange nicht mehr in seinem Sinne handelt. Ich meine, mal ehrlich, wie kann man denn Nächstenliebe predigen und dann Homosexualität verachten? Also, nee, da kommen wir einfach nicht zusammen, die katholische Kirche und ich. Gott sei Dank bin ich evangelisch, ganz davon abgesehen, dass ich, wie schon erwähnt, nicht viel von kirchlichen Regeln und dem ganzen Brimborium halte.

Zurück zu der Tatsache, warum ich trotzdem an diesem eiskalte Dezembertag in dem großen Steintempel sitze und etliche Kirchenlieder über mich ergehen lasse: Mein kleiner Bruder Nick.
Oh, ich würde mir nie verzeihen, wenn ich das verpassen würde, der kleine Nick als Schäfer Nummer drei. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube, er darf sogar mal einen Satz sagen.

Hauptsächlich bin ich mitgekommen, um mich später über alle Peinlichkeiten, die so passieren könnten, lustig zu machen. Und natürlich, weil meine Eltern der Meinung sind, dass so ein gemütlicher Kirchennachmittag für die ganze Familie zur vorweihnachtlichen Stimmung dazu gehört und ich, trotz meiner 18 Jahre immer noch ein Teil der Familie bin, der gefälligst bei solchen Aktivitäten dabei zu sein hat.
Oh Gott, klinge ich etwa gerade wie ein Weihnachtsmuffel?
Dann liegt ihr aber mal ganz gepflegt daneben!
Ich LIEBE Weihnachten!
Das sind doch alles Volldeppen, die behaupten, Weihnachten wäre abgeschmackt, kommerzialisiert und überhaupt überflüssig. So ein Unsinn!

Ich liebe den Geruch der Kerzen und grünen Tannenzweige, das feine Aroma von frischgebackenen Weihnachtsplätzchen, die gemütlichen Familienabende und .....ja klar, auch das Geschenke auspacken unterm Weihnachtsbaum. Aber genauso sehr liebe ich es, Geschenke zu machen, zu sehen wie Mama über das ganze Gesicht strahlt, weil ich mich erinnert habe, welches Parfum sie sich schon seit einer Ewigkeit wünscht und zuzugucken wie Nick vor Begeisterung über ein neues Videospiel auf und ab hüpft und mir um den Hals fällt. Ich glaube, ich liebe wirklich ALLES an Weihnachten, das Davor, das Danach und selbst die Kirchenbesuche sind nicht unbedingt sooo furchtbar.

Langsam bewegen wir uns zum Ausgang, leider, na ja, oder zum Glück für Nick, ist absolut nichts peinliches passiert, es war sogar wirklich süß. Pastor Bruhne steht vorne und verabschiedet die Gemeinde. Wir sind fast die Letzten, die das Kirchenschiff verlassen und der große, blonde Mann mit der schwarzen Kutte nimmt es als Gelegenheit, um sich ein bisschen mit meinen Eltern, die gut mit ihm befreundet sind, zu unterhalten. Etwas gelangweilt, aber mit einem freundlich Lächeln stehe ich daneben.

„Na Tobi, dich habe ich ja lange nicht gesehen. Ist jetzt dein letztes Jahr in der Schule, nicht wahr? Hast du schon Pläne für die Zukunft gemacht?“

„Ähm, na ja, ich werde wahrscheinlich studieren gehen. Was genau und wo, da bin ich mir noch nicht so sicher“, antworte ich etwas verlegen, weil mir das Thema ein wenig unangenehm ist. Immer wollen alle von mir wissen, was ich mit meinem Leben anfangen, was ich studieren, wo ich leben will und was aus mir werden soll. Und ich bin schon glücklich, wenn der Tag einigermaßen gut läuft, ich mit Freunden am Wochenende ausgehen kann und meine heimlichen Affären nicht auffliegen.

„Du hast ja auch noch ein wenig Zeit. Ich würde mich sehr freuen, wenn du heute Abend mit deinen Eltern bei uns zum Essen vorbei kommen würdest, dann hätte Paul etwas Gesellschaft. Du erinnerst dich doch noch an meinen Sohn? Er ist über die Ferien zu Hause und würde sich bestimmt freuen, wenn du kommst. Er hat hier nicht mehr sehr viele Freunde.“

Moment. Sohn? Über die Ferien zu Hause? Da war doch mal was... Ahhh!! Der Kleine ist doch so'n Wunderkind und geht deshalb auf ein Internat für Hochbegabte und wenn mich nicht alles täuscht, ist der Knirps viel jünger als ich. Also, mindestens zwei Jahre, was soll ich denn mit dem anstellen? Aber so, wie Mama ihre dauergewellten, braunen Haare zurückstreicht und mir einen mehr als auffordernden Blick zuwirft, habe ich gar keine andere Wahl, als ja zu sagen. Mit einem recht großen Anteil geheuchelter Begeisterung, ergebe ich mich also in mein Schicksal.

Schon drei Stunden später stehen wir mit rot gefrorenen Nasen, dick eingemummt in unsere Wintermäntel, vor der Tür des Pfarrhauses. Die zierliche Frau Bruhne öffnet uns freudestrahlend und begrüßt uns herzlich. Wow, also eins muss man ihnen lassen, von Weihnachten versteht diese Familie was. Überall an den Wänden sind kleine Tannenzweige mit roten und goldenen Schleifen angebracht und als wir das Wohnzimmer betreten, verschlägt es mir fast die Sprache, so riesig ist der Adventskranz, der über dem niedrigen Couchtisch schwebt.
Und wie es duftet!!! So richtig nach Weihnachten, die herrliche, unbeschreibliche Mischung aus Gerüchen, die in mir ein wohliges Kribbeln auslöst und mich gemütlich in dem Sessel zurücklehnen lässt. Vielleicht war es doch keine so schlechte Idee mitzukommen.

Meine Eltern trinken Rotwein und unterhalten sich ganz gut mit dem Pastorenehepaar, ich höre nur mit halbem Ohr hin und bin ziemlich entspannt, als die dunkle Holztür aufgeht.
Ich glaub, ich habe eine Weihnachtserscheinung.
Und was für eine!! Ich sehe doch tatsächlich einen Engel durch die Tür kommen.
Gerade will ich mir die Augen reiben, als mich die Erkenntnis trifft. Das muss Paul sein! Und, ich schlucke aufgeregt, er sieht absolut atemberaubend aus. Goldblondes Haar hängt ihm gelockt bis auf die Schultern, sein Gesicht ist unglaublich niedlich, gesegnet mit blassrosa Lippen, hohen Wangenknochen und so strahlend großen, blauen Augen, dass man wirklich glauben muss, man hat es mit einem überirdischen Wesen zu tun. Er wirkt betörend zart und anmutig und das er breitbeinig, mit Händen in den Hosentaschen, dasteht unterstreicht diesen Eindruck nur noch. Errötend wende ich mich endlich von diesem bezaubernden Bild ab, bevor es noch peinlich wird und ich anfange zu sabbern.
Gott, wie kannst du etwas so verdammt Süßes erschaffen und mich damit so quälen? Ich glaube nach diesem Abend sollten wir ein ernstes Wort miteinander wechseln.

Jetzt muss ich doch wieder hingucken und mir bricht der Schweiß aus, als ich sehe wie er seinen Mund zu einem niedlichen Flunsch zieht und bockig die Stirn kraust. Erst jetzt bemerke ich, worum es geht. Sein Vater ist anscheinend nicht so begeistert über die Wahl seiner Klamotten und Schuhe. Also, mir gefällt es. Er trägt einen schlichten schwarzen Pulli, eine helle Jeans, die nicht weit aber auch nicht eng ist und... okay, ziemlich ausgelatschte pink-lila?! karierte Vans. Ich runzele die Stirn.
Er sieht aus wie die personifizierte Unschuld, aber die Schuhe und der hervorblitzende Nietengürtel verändern den Eindruck.
Er ist heiß!
Verdammt! Oh Gott, ich überstehe das Essen nicht.
Pastor Bruhne hat anscheinend mit einem, ein wenig verstimmten Gesichtsausdruck, nachgegeben, wahrscheinlich nur, um Streitigkeiten vor den Gästen, also uns, zu vermeiden. Wie es aussieht, ist wohl nicht alles Friede, Freude, Weihnachtsglück in diesem Haus.

Auf einmal werde ich vorgestellt und blicke in diese tiefblauen Augen, die mich gleichgültig mustern, während mir heißkalte Schauer den Köper rauf und runter jagen und mein Herz plötzlich sehr viel schneller schlägt. Ich spüre, wie ich schon wieder erröte und bemühe mich krampfhaft, ein unverbindliches Lächeln in mein Gesicht zu zaubern.

Beim Essen sitzt er mir direkt gegenüber und ich schäme mich vor mir selbst, weil ich so unglaublich unsicher bin und trotzdem die Gedanken nicht abstellen kann, die sich nur um diesen blonden Jungen drehen. Wieso hat man immer dann schmutzige Fantasien, wenn sie absolut unangebracht sind? Ich meine, er ist der Sohn unseres Pfarrers und außerdem erst sechzehn. Die innere Stimme, die mir zuflüstert, dass ich mit sechzehn meine Unschuld verloren habe und ganz scharf auf Sex war, ist nicht gerade hilfreich.
Beim Anblick seiner schmalen Hände und der feingliedrigen Finger, kann ich einfach nicht anders, als mir vorzustellen, wie sie sich auf meiner Haut anfühlen würden, wenn er mich da anfasst, wo ich es gern habe und... Verdammt Tobi! Reiß dich zusammen! Zur Ablenkung denke ich an Weihnachten. Gut. Jesu’ Geburt. Frieden. Geschenke. Gemütlichkeit. Besinnlichkeit. Sinnlichkeit... ich beiße mir auf die Lippe.
NICHT GUT!

Ich bin so mit meinen Gedanken, beziehungsweise der Kontrolle dieser, beschäftigt, dass ich fast gar nichts von dem wahrscheinlich grandiosen Essen schmecke, sondern nur versuche, es, so schnell wie möglich, hinter mich zu bringen. Endlich ist auch das Dessert geschafft und eigentlich... also, wir könnten doch jetzt gehen oder nicht?

„Paul, wie wär’s, wenn du Tobi mal dein Zimmer zeigst. Ihr habt doch keine Lust, hier, mit uns alten Leuten, herumzusitzen.“

Meine Güte, er redet mit ihm, als wäre er sechs und nicht sechzehn. Moment mal! Was? Ich soll... unbehaglich sehe ich über den Tisch... mit ihm... allein? Er scheint allerdings auch nicht gerade begeistert zu sein, denn er verzieht sein Gesicht - natürlich auf absolut anbetungswürdige Art und Weise – und bedeutet mir mit einem lässigen Fingerzeig zu folgen.
Schweigend gehe ich hinter ihm die Treppe hoch und ringe mit mir selbst. Meine böse, masochistische Seite gewinnt und ich sehe hoch, direkt auf seinen verführerischen, kleinen Po und im nächsten Moment hab ich das Gefühl mein Herz bleibt stehen. Sagte ich eben, seine Hose ist nicht eng? Nun, beim Steigen der großen Stufen schmiegt sie sich an seinen Hintern und überlässt rein gar nichts meiner Fantasie und, als wäre das nicht schlimm genug, kann ich durch zwei riesenhafte Risse direkt unterhalb der Rundungen auf seine milchig zarte Haut gucken. Das ist zuviel für mich! Ich unterdrücke ein erregtes und überraschtes Keuchen und starre zu Boden, kann aber nichts dagegen tun, dass meine Hose enger und enger wird. Scheiße!

Als wir endlich in seinem Zimmer sind und er mich, Gott sei Dank, keines Blickes würdigt, sondern sich auf ein bunt gemustertes Sofa fallen lässt, habe ich Zeit, mich ein bisschen zu sammeln und sein Zimmer zu betrachten. Ich muss sagen, ich bin erstaunt. Es sieht aus wie das Zimmer eines Zehnjährigen. Hässliche Jugend-Holzmöbel, der blaue Teppich mit den kindischen Mustern und dazu dieses schreiend bunte Sofa... Kann mir nicht vorstellen, dass er das ausgesucht hat.

„Nett“, lüge ich, nur um endlich das Schweigen zu brechen.
Zweifelnd zieht er eine der geschwungenen Augenbrauen in die Höhe und streicht sich über die blonden Locken. „Wenn du meinst.“

„Ehrlich gesagt, ich find's scheußlich.“

Erstaunt blickt er mich an und ich habe das Gefühl, dass er mich zum ersten Mal wirklich ansieht. Plötzlich lächelt er und ich kann gar nicht anders, als auf seine rosigen, glänzenden Lippen zu starren. Ich bemerke erst, dass irgendwas nicht stimmt, als sein Grinsen immer breiter - und... dreckiger ?? - wird. Ich hätte nicht gedacht, dass dieses Engelsgesicht so gucken kann. Siedendheiß überkommt es mich, als ich merke, auf was sein Blick gerichtet ist und möchte auf der Stelle vor Scham im Boden versinken. Er schaut ungeniert direkt auf meine Körpermitte, dort wo sich unter der feinen Ausgeh-Hose nur allzu deutlich meine aufkeimende Erregung abzeichnet.

Blitzschnell drehe ich mich um, vergrabe, laut vor Peinlichkeit aufstöhnend, mein Gesicht in den Händen. Nur nebenbei, völlig in meinem imaginären Loch verkrochen, bemerke ich, wie er an mir vorbei zur Tür geht, sich dagegen lehnt und mir so den einzigen Fluchtweg abschneidet. Ich atme heftig ein und aus und versuche mich zu beruhigen. Verdammt, ich bin 18 und kein pubertärer Teenie mehr... und außerdem... vielleicht war es gar nicht so offensichtlich? Natürlich, deshalb hat er auch so eindeutig dort hingeguckt!
Einige Augenblicke stehen wir so da und die Verlegenheit lähmt meine Arme und Beine.

„Sag mal, mach ich dich an?“, wispert er auf einmal lasziv. Erstaunt nehme ich die Hände von meinem wahrscheinlich hochroten Gesicht und traue meinen Augen nicht, als er sich vor meinen Augen aus seinem Pullover schält. Sein Körper ist makellos und zum vernaschen schön. Fasziniert folge ich seinen Fingern, die anfangen, zaghaft über die schmale, blasse Brust zu streicheln, sanft mit den rosafarbenen Nippeln spielen und dann vorsichtig, fast schon unschuldig bis zum Hosenbund wandern.

„Hör auf damit!“, verlange ich krächzend, schaffe es endlich mich wegzudrehen und tief durchzuatmen.

„... oh... mhh... tut mir leid“, murmelt er nach einer Weile äußerst zerknirscht. Verwundert drehe ich mich doch wieder um. Also, mit dieser Reaktion habe ich nicht gerechnet. Ich hätte schwören können, dass er ganz genau wusste, was und warum er das getan hat, so selbstsicher, wie er mich eben angefunkelt hat. Doch von diesem Bild ist nichts mehr zu sehen.
Hilflos lehnt er an der Tür, den Oberkörper mit den dünnen Armen umschlungen und schaut, jetzt selbst etwas verschämt, zu mir.

Ähm, irgendwie bin ich mit der Situation ziemlich überfordert, habe aber das Gefühl, als der Ältere und Reifere die Stimmung ein wenig entspannen zu müssen. Obwohl die Beule in meiner Hose mich nicht gerade seriös oder gar ernstzunehmend wirken lässt.

„Komm, zieh dich wieder an“, sage ich schließlich sanft, bücke mich und reiche ihm seinen Pulli. Schweigend streift er ihn wieder über und ich muss hart schlucken, als ich die Tränen in den großen Augen entdecke, die er zu verbergen versucht. „Hey“, meine ich verunsichert und mache einen Schritt auf ihn zu.

„Es tut mir leid“, entgegnet er mit unerwartet fester Stimme und wischt sich schnell über die Augen. Also irgendwas läuft hier schief, ich würde langsam echt gerne wissen, was mit ihm los ist und was das Ganze eben sollte.
„Was tut dir leid?“
„Na... du weißt schon...“Unruhig spielen seine Hände miteinander und langsam geht er wieder auf das Sofa zu und lässt sich fallen. Völlig zusammengesunken sitzt er da, bis er unvermutet weiterspricht. “Ich dachte, dass du mich irgendwie magst. Also auf eine bestimmt Art mögen, wenn du verstehst... und...“, er stockt, aber ich sehe genau wie er sich zusammen reißt, um mir alles zu erzählen, „ich wollte dich provozieren.“
Ähm, okay... irgendwie hab ich das immer noch nicht ganz verstanden. „Provozieren? Aber weshalb denn?“

„Ich wollte, dass du Dinge mit mir machst, die du sonst wahrscheinlich nur mit Frauen machst, kapiert?!“, antwortet er trotzig und irgendwie ein wenig wütend. „Ich dachte halt, du würdest auf mich stehen, und dann hast du gesagt, ich soll aufhören, also hab ich mich wohl geirrt... und... es tut mir echt leid. Du sagst es doch nicht meinen Eltern, oder?“

„Wie? Ähm, was? Nein, natürlich sage ich deine Eltern nichts, obwohl ich gerade nicht ganz verstehe wovon du redest.“ Verwirrt setze ich mich zu ihm und realisiere erst, als er erschrocken von mir wegrückt, dass ich ihm viel zu nah gekommen bin. Seine riesigen Augen sind erschrocken geweitet und sein flacher Atem geht nur noch stoßweise, während er mich wie hypnotisiert betrachtet, dabei aber ans Ende der Couch rückt.
Irgendwann muss aber mal Schluss sein! Der Süße benimmt sich eindeutig nicht ganz normal. Ich meine, welcher normale Junge hätte sich denn ausgezogen, wenn er bemerkt hätte, dass sein Gast, den er gerade mal seit einer Stunde kennt, mit einer eindeutigen Beule in seinem Zimmer steht und einen mit einem gierigen Blick betrachtet. Verdammt, hab ich gierig geguckt? Und kann es sein... Nein, oder? Er wollte mich provozieren, damit ich... ihn küsse, oder so?
Weil ich gesagt habe, er soll aufhören, nimmt er an, ich würde doch auf Frauen stehen und meine vorherige Reaktion auf seinen entzückenden Körper war nur Zufall, oder was?

„Du, Paul“, meine ich zögernd, „du hast dich nicht geirrt.“, und nehme all meinen Mut zusammen, rutsche nah an ihn heran und lege vorsichtig einen Arm auf seine zarten Schultern. Mit den Fingerspitzen drehe ich sein abgewendetes Gesicht wieder zu mir, erwidere den fragenden und irgendwie erwartungsvollen Blick, den er mir schenkt und nähere mich ganz behutsam seinen so verführerischen Lippen.
Sie sind weich und anschmiegsam und ich glaube, ich habe noch nie etwas Süßeres gekostet, als diesen hingebungsvollen Mund. Gerade als ich denke, wie unschuldig dieser einfache Kuss doch ist, stupst eine kleine Zunge gegen meine Lippen und sofort erfüllt ein aufgeregtes Kribbeln meinen Körper. Unsere Zungen treffen sich und irgendwie ist gar nichts Unschuldiges mehr an diesem Kuss. Er wird immer fordernder, drängender, seufzt so hingerissen, das mir ganz warm wird und ich nicht anders kann, als seinen schmalen Körper mit meinen Händen zu umfassen. Erregt stöhne ich in seinen Mund, als er, ohne unsere Verbindung zu lösen, auf meinen Schoß klettert und dabei über meinen Schritt reibt. Rittlings sitzt er auf mir, umschlingt mich mit seinen schlanken Beinen und irgendwie habe ich das Gefühl, jetzt, in diesem Moment, die Kontrolle zu verlieren.
Himmel!
Ich habe sie längst verloren und bin diesem unwiderstehlichen Bengel auf mir hilflos ausgeliefert. Und ich habe garantiert nicht vor, irgendetwas daran zu ändern. Oh Gott, es ist einfach zu gut und es fühlt sich so richtig an, wie er sich an mich schmiegt, als wären wir eins oder... einfach füreinander bestimmt.
Ich glaube, da spricht der Weihnachtskitsch aus mir, so bin ich normalerweise nämlich nicht, aber irgendwie kann ich gerade an nichts Anderes denken, als das dieses Jahr bestimmt das schönste Weihnachtsfest aller Zeiten wird!!

Atemlos lösen wir uns, seine Wangen sind hinreißend gerötet und sein Blick trifft mich direkt in mein Herz. Okay, okay auch ein wenig tiefer bleibe ich nicht ungerührt, aber es ist irgendwie mehr, so etwas habe ich noch nie gespürt. Als wäre ein unsichtbares Band zwischen uns, das uns verbindet und das mir glauben macht, ihn nie wieder loslassen zu können.

„Danke“ haucht er mit einem ergebenen Blick nach oben. So gut wie die Chemie zwischen uns auch stimmt, an der Kommunikation müssen wir noch arbeiten, denn ich weiß schon wieder nicht genau, was ich davon halten soll.
„Hast du mir gerade Danke für den Kuss gesagt?“, frage ich ein wenig belustigt, streichele aber gleichzeitig über die seidige Haut an seiner Hüfte, damit er es nicht falsch auffasst.

„Tzzz...“, stößt er spöttisch die Luft aus, aber seine Augen funkeln. „Ich hab dem Christkind gedankt, dass mein Weihnachtswunsch doch noch in Erfüllung gegangen ist.“ Er lächelt schelmisch und mit jeder weiteren Geste und jeder neuen Regung, die ich in seinem niedlichen Gesicht entdecke, verliebe ich mich ein wenig mehr in ihn und obwohl ich ihn erst ein paar Stunden kenne, macht mir das keine Angst.

Er kuschelt sich dichter an mich und legt seine Arme um meinen Hals. Und in diesem Moment ist mir völlig egal, dass seine und meine Eltern unten sitzen, dass es einen Skandal geben könnte, wenn sie uns hier sehen, mir ist egal, was irgendjemand über mich denken könnte, obwohl ich sonst immer eine panische Angst davor hatte, mich zu zeigen wie ich wirklich bin. Aber mit ihm in meinem Arm, sind diese Ängste wie weggeblasen und ich habe das sichere Gefühl, dass alles gut werden wird.

Hey, schließlich ist doch Weihnachten, das Fest der Liebe!