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Chibi love Teil 24 - 25

24. Schnee, Fremde und ne Party


Nach dem Frühstück zogen sich alle warm an und fuhren los. Sie wollten Skilaufen gehen, allerdings mussten sie dafür mit dem Auto etwas weiter fahren. Es war November und nur in den höheren Regionen lag schon genügend Schnee. Das konnte sich allerdings ändern und Youichiru hatte Bedenken, ob es so klug war, nach der Woche wieder mit dem Motorrad zurück zufahren. Aber darüber konnte er auch noch später nachdenken. Im Moment saß der Schwarzhaarige am Steuer des Kleinbusses, denn Herr Tsuburagi war zu Hause geblieben, da er noch ein paar Gäste aus der Gegend erwartete.
Während Youichiru also fuhr und sich auf die Straße konzentrierte, hörte er mit einem Ohr den ‚Kleinen’ zu.


„Himeko-san, wie kommt es eigentlich, dass ihr so ein großes Haus habt?“, fragte Masaki so nebenbei.

„Haus?! Das ist fast ein Schloss! Ich hätte mich heute morgen beinahe verlaufen“, sagte Ojiro und zog dabei ein Schnute.

Er mochte es gar nicht, sich zu verlaufen und dann auch noch von einem grinsenden Asuka gefunden zu werden war auch nicht so toll. Der hatte den Kleinen nämlich beim Frühstück die ganze Zeit damit aufgezogen und sich über seine Größe lustig gemacht. Das Ende vom Lied war, dass er von Takashi eine Kopfnuss kassiert hatte, die ihm jetzt noch leichtes Schädelbrummen verursachte.

„Weißt du, Masaki-chan“, begann Risa, „unsere liebe Himeko hat ganz schön viel Geld, sie gehört sozusagen zu den höheren Töchtern.“

„Wirklich?“, fragte der Chibi erstaunt.

Er hatte immer geglaubt, dass alle Leute, die viel Geld hatten, ganz geizig wären und ständig nur von ihrem Reichtum sprachen.

„Hör auf damit, du weißt, dass ich das nicht mag“, protestierte Himeko.

„Wie seid ihr denn reich geworden?“, wollte nun der kleinste Chibi wissen.

„Das weiß ich nicht, aber das meiste Geld kommt von Seiten meiner Mutter. Wobei meine Großeltern mit ihrem Tempel auch nicht gerade arm waren. Meine Eltern lernten sich kennen und so kam das Geld zusammen und wurde mehr. Eigentlich sollte mein Vater nämlich den Tempel weiter führen, aber er suchte sich lieber einen Job und schaffte es bis in die Chefetage. Na ja, und meine Mutter hatte den Tempel so in ihr Herz geschlossen, dass sie nun weiter macht.“

Verdutzt sah Masaki seine Freundin an. Irgendetwas passte nicht zusammen und das beschäftigte ihn schon eine Weile.

„Hattest du nicht mal gesagt, dein Vater lebt im Ausland?“

„Ja, tut er auch, aber jedes Jahr kommt er zu den Winterferien nach Hause und bleibt dann bis nach Neujahr.“

„Und warum ist deine Mama nicht mit?“

„Meine Eltern sind zwar noch verheiratet, aber eigentlich sind sie eher wie Bruder und Schwester. Sie haben sich nur nicht scheiden lassen, damit der andere etwas davon hat, sollte einer sterben. Wir verbringen nur Silvester als Familie zusammen. Zieh nicht so ein trauriges Gesicht, Masaki-chan, so schlimm ist das nicht. Ich bin es gewohnt, ich kenn es gar nicht anders.“


Trotz Himekos Worten war Masaki traurig. Er wusste von seiner Schwester, wie es war, die Familie nur ab und zu mal zu sehen. Seine Eltern wollten sie in dieser Woche besuchen und er war hier mit seinen Freunden und amüsierte sich, während Nanami im Rollstuhl saß und nur das Rehabilitationszentrum kannte.


~*~*~*~*~*~


Etwas wackelig stand Ojiro auf seinen Ski und sah den Berg hinunter zu seinem Bruder und den anderen.

„Komm schon, Ojiro-chan!“, feuerte Masaki den Kleineren an.

Aber der traute sich trotzdem nicht. Kein Wunder, es war ja auch das erste Mal, dass er Ski fuhr.

„Sag mal, Asuka, wo ist eigentlich Ryo abgeblieben?“, fragte Hiro, während sie warteten.

„Der ist mit Himeko und Risa zum Langlauf. Wenn du mich fragst, hat er ein Auge auf Risa geworfen. Aber warum auch nicht, süß ist sie ja.“

„Bist du eifersüchtig?“

„Red nicht so einen Quatsch. Du weiß genau, für mich gibt es nur eines im Leben. Sport, Sport, Sport und Sport!“

Masakis erschrockenes Rufen drang ungedämpft an ihre Ohren und brachte sie wieder ins Geschehen zurück.

„OJIRO-CHAN!“

Überrascht sahen die beiden auf und erkannten, wie der kleine Junge ungebremst den Berg hinunter schoss, ohne das er es wollte. Wild fuchtelte er mit den Armen, an denen die Ski-Stöcke hingen, um irgendwie das Gleichgewicht zu halten. Aber wie war es zu dieser Situation gekommen?


Ojiro hatte einfach nur oben gestanden und mit sich gerungen, ob er das wirklich tun sollte, als ihn plötzlich jemand von hinten angerempelt hatte. Ein kleines bisschen hatten sich die Ski bewegt, dann hatte sie für einen kurzen Moment wieder angehalten, bevor sie mit einer irren Geschwindigkeit den Berg runter rasten gemeinsam mit Ojiro, der vergeblich versucht alles wieder in Ordnung zu bringen. Von unten hatten ihn Masaki und sein Bruder erschrocken angesehen, doch sie konnten nicht wirklich etwas tun, denn sie würden viel zu lang brauchen, um zu ihm zu kommen und in dieser Zeit, wäre er schon längst unten gewesen.


Noch immer ruderte Ojiro mit den Armen, als sich plötzlich einer der vielen Skifahrer mit seine Ski querstellte, um nicht wegzurutschen und den Arm ausstreckte. Keine drei Sekunden später prallte Ojiro mit dem Oberkörper an diesen und wurde von starken Armen an der unfreiwilligen Fahrt gehindert. Wie ein nasser Sack hing der Kleine in den Armen und dicke Tränen kullerten ihm über Wangen.


Die anderen hatten von unten alles beobachtet. So schnell wie möglich schnallte Takashi sich die Ski ab und lief seinem kleinen Bruder entgegen. Die anderen taten es ihm gleich.
Kaum hatte der Mini-Chibi Takashi entdeckt, verkroch er sich auch schon Schutz suchend in der Halsbeuge seines Bruders, während der sich zu ihm hinunter gekniet hatte und ihm die Ski ab machte.
Als sich Ojiro wieder von dem Schreck erholt hatte, entließ Takashi ihn aus der Umarmung und sah den etwa gleichaltrigen Retter seines Bruders dankbar an.

„Danke.“

„Ja, danke, dass du mich gerettet hast“, sagte Ojiro leise, während er sich an Takashis Arm klammerte.

„Schon gut, hab ich gern gemacht“, grinste der Braunhaarige freundlich.

Takashi konnte sehen, wie sich ihnen ein Mädchen näherte, dass elegant den Berg hinunter fuhr und bei ihnen stoppte.

„Hey, Yamato, ist alles in Ordnung?“, fragte sie den fremden Jungen.

„Ja, ja, mach dir keine Sorgen, Hanami. Ach ja, mein Name ist Yamato Matsuura und das ist meine Kusine Hanami Hatorija.“, stellte er sich vor.

„Hallo“, antwortete Hanami.

„Mein Name ist Takashi Honda und das ist mein Bruder Ojiro.“

„Ich bin Asuka Takahashi, das ist Hiroshi Maruyama und der Knirps da heißt Masaki Saehara“, schloss der Schwarzhaarige sich seinem Freund an.

„Ich bin kein Knirps“, empörte sich Masaki.

„Das wissen wir doch, Chibi!“, grinste Asuka scheinheilig und wuschelte dem Kleiner durch die Haare.

Das machte Masaki nur noch wütender und er fing an zu zetern und eher schlecht als recht auf Asuka einzuschlagen. Da der Chibi nicht stark war, tat es dem wesentlich Größeren auch nicht weh, es amüsiert ihn eher. Genauso wie die anderen und die neuen Bekannten. Auch Ojiro fand das sehr lustig und hatte seine Horrorfahrt schon wieder vergessen.


Plötzlich fuhr ein stinksaurer Kôji an ihnen vorbei Richtung Gaststätte. Ein paar Sekunden später kam auch ein zufriedener Youichiru zu der kleinen Gruppe. Hiro hatte so das Gefühl, dass sein ach so anständiger, großer Bruder –Wer’s glaubt, wird selig – nicht ganz unschuldig an der schlechten Laune seines Feindes war. Aber ihm konnte es nur recht sein. Solange Youichiru Kôji ablenkte und beschäftigte, kam der nicht so einfach an Hiros Chibi heran.


Nachdem auch Youichiru erfahren hatte, was passiert war und wer die anderen waren, beschlossen alle, es Kôji gleich zu tun und in die Gaststätte zu gehen. Dort setzen sie sich an einen großen Tisch. Kôji saß sehr weit weg von ihnen und schien auch froh darüber zu sein. Es dauerte nicht lange, da kamen auch Himeko, Risa und Ryo von ihrem Langlauf zurück und setzten sich zu ihnen.


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Sie erfuhren, dass Hanami und Yamato zusammen mit ihrem Sportverein hier Urlaub machten und in einem Ferienhaus untergebracht waren, das nicht weit von Herrn Tsuburagis Haus war und in dem sie allein waren.

„He, was haltet ihr davon, wenn ihr heute zu uns kommt?“, fragte Hanami in die Runde. „Wir machen heute eine kleine Party, da unsere Aufsichtsperson nicht da ist. Was ist, habt ihr Lust?“

„Klar, warum nicht!“, stimmte Himeko begeistert zu.

Auch die anderen waren hellauf begeistert, das war doch eine nette Abwechslung für den Abend. So konnten sie auch mal andere kennen lernen. Nur zwei von ihnen sah man an, dass sie mit sich rangen.

„Lust schon,“ begann Takashi, „aber...“

Sein Blick blieb bei seinem kleinen Bruder hängen und auch Hiro sah seinen Chibi von der Seite an. Sie konnten die Kleinen doch nicht mit auf eine Party nehmen, auf der nur Siebzehn- oder Achtzehnjährige waren und der Alkohol wahrscheinlich in Massen fließen würde. Die beiden wollten schon gern hin, aber Masaki und Ojiro einfach da lassen, während sie sich amüsierten, fanden sie auch nicht so toll.
Sie wurden beide in ihren Gedanken unterbrochen, als Hanami ergeben seufzte.

„Na schön, ihr könnt sie mitbringen. Aber aufpassen müsst ihr, klar!“

Sie zwinkerte allen vieren zu und damit war die Planung für den Abend gemacht.


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Himekos Vater war anfangs nicht so begeistert, dass seine Tochter und ihre Freunde zu wildfremden Leuten gehen wollten, doch Youichiru konnte den besorgten Mann beruhigen und versprach, auf die ‚Kleinen’ – womit er alle meinte – aufzupassen. Youichiru hatte ein unglaubliche Überredungskunst und konnte einfach jeden Erwachsenen davon überzeugen, dass er verantwortungsbewusst und vertrauenswürdig war. Manchmal entsprach das zwar der Wahrheit, aber er hatte es auch ganz schön auf dem Kerbholz und das nicht erst seit den letzten Jahren, sondern schon immer.
Kôji wurde nicht gefragt, ob er überhaupt mit wollte, sondern einfach mit vereinten Kräften mitgeschleift. Dass das nicht ganz einfach war, stand außer Frage, doch mit Youichirus Hilfe, der dem Guten etwas mehr auf die Pelle rückte als sonst, war auch dieses Problem leichter zu lösen gewesen.
Widerspenstig ließ sich der junge Mann in den Wagen neben Youichiru, den Fahrer, verfrachten, damit er auch ja nicht auf dumme Gedanken kam. Das zerknirschte Gesicht von Kôji sorgte bei allen für Erheiterung, nur Masaki tat der blonde Junge leid.


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Zur vereinbarten Zeit kamen sie mit dem Kleinbus an dem Ferienhaus an, wo sie Hanami schon erwartete.

„Da seit ihr ja! Die Party ist gerade in vollem Gange“, empfing sie die anderen strahlend.

Sie führte ihre Gäste ins Haus, wo man schon Musik und Stimmengewirr hören konnte. Ihre Jacken legten sie in der Garderobe ab. Und nun sah Masaki auch, was die anderen anhatten.


Ryo trug ein schlichtes weißes Hemd und eine alltägliche, etwas ramponierte Jeans, wodurch er nicht besonders auffiel. Allerdings hatte er seine blauen Haare aufgestylt, sodass sie etwas struppig wirkten. Alles in allem ein netter Anblick, wie er fand.
Asuka war dagegen das genau Gegenteil. Enganliegendes schwarzes Muskel-Shirt, eine schwarze Lederhose, die besonders seine langen Beine betonte und eine silberne Kette zierten seinen Körper.
Auch Takashi hatte sich eher an etwas Schlichtes gehalten, was bei ihm ein grünes Shirt mit einem weißen Aufdruck darstellte und eine lässige Jeans. Ojiro trug etwas ähnliches wie sein Bruder, nur war sein Shirt weinrot.
Himeko und Risa hatten sich beide für ein Top mit Glitzereffekt entschieden und einen kurzen Rock. Dazu hatten sie sich noch dezent geschminkt, was bei den wenigsten Mädchen heutzutage der Fall war. Masaki fand, dass die beiden die hübschesten Mädchen waren, die er je gesehen hat, mit Ausnahme seiner Schwester natürlich, und das sagte er ihnen auch. Sie freuten sich sehr über dieses Kompliment und bedankten sich dafür mit einem Küsschen auf die Wange, wodurch Masaki gleich wieder Asukas Aufmerksamkeit hatte.

„Du kleiner Casanova, du hast es ja faustdick hinter den Ohren.“

Masaki tat einfach mal so, als hätte er es nicht gehört, wobei der Rotton auf seinen Wangen eher das Gegenteil verriet.
Als Nächsten nahm der Chibi Youichiru unter die Lupe. Er trug ein rotes Hemd, bei dem die ersten drei und die letzten zwei Knöpfe offen waren, sodass man von der Brust und dem Bauch schon genügend sah. Auf die weibliche Gesellschaft übte das anscheinend eine große Anziehungskraft aus. Zu diesem Hemd trug er eine schwarze Stoffhose, die sich flüssig um seine Beine legte. Ja, der Ältere sah wirklich gut aus, dass musste Masaki zugeben, und er hatte schon wieder Spaß daran, Kôji die Ferien zur Hölle zu machen, dabei hatten sie gerade erst begonnen. Kôjis Sachen sahen so aus, als hätte er wahllos etwas aus dem Schrank gegriffen, was er wahrscheinlich auch getan hatte, denn er hatte ja eigentlich gar keine Lust gehabt mitzukommen. Ein dicker blauer Pullover, unter dem ein weißes Shirt hervorlugte und eine alte ausgewaschene Jeans. Trotzdem sah er immer noch gut aus, auch wenn er so nicht wirklich zu den anderen passte und das wollte er bestimmt auch nicht.


Masaki schreckte aus seinen Beobachtungen auf, als sich eine Hand auf seine Schulter legte.

„Steh nicht so rum, Chibi, geh schon rein. Es wird dich schon niemand fressen, da pass ich auf.“

Lächelnd dreht sich der Junge zu seinem Freund um.

„Ich weiß, Hiro-san“, sagte er knapp und damit schob ihn der Ältere in das Gedränge.

Unauffällig sah Masaki den anderen an. Ja, Hiros Outfit gefiel ihm am besten von allen. Sein Freund trug ein blauweißes Shirt mit Kragen und eine dunkelbraune Jeans. Eigentlich waren es stinknormale Klamotten und trotzdem fand Masaki Hiro einfach...umwerfend darin.
Neben all diesen gutaussehenden Leuten, kam er sich in seinem roten Kapuzenshirt und den normalen Jeans doch recht fehl am Platz vor. Ojiro schien damit keine Probleme zu haben, denn ihn hatten schon ein paar nette Mädchen gefragt, wer er denn sei. Er tanzte einfach zwischen den Größeren und schien sich um nichts Sorgen zu machen.


Hiro bemerkte, dass sein Chibi sich unwohl fühlte und beinahe neidisch Takashis Bruder ansah, der ausgelassen mit irgendwelchen Mädchen redete. Hiro sah sich einmal im Raum um und schätzte die Anzahl der Anwesenden auf ein bisschen über 20 Gäste. Überwiegend waren wirklich Jungen oder junge Männer anwesend. Dagegen standen 12 Mädchen oder junge Frauen, wenn man so wollte, aber auch nur, wenn es hoch kam.
Hiro hatte gar nicht bemerkt, dass sein Chibi sich zu den Getränken geschlichen hatte und sich nun ein Glas Cola eingoss, wobei er nachdenklich auf die tanzende Meute sah. Denn sitzen tat wirklich keiner. Alle tanzten und unterhielten sich dabei.


Noch eine ganze Weile stand er einfach neben Masaki und trank selbst ein Bier, während sein Chibi bestimmt schon an seinem vierten Glas nippte. Hiro konnte es einfach nicht mehr mitansehen, wie Masaki sehnsüchtig zu den anderen sah, sich aber nicht zu trauen schien mit zutanzen.
Entschlossen stellte der brünette Junge seine leere Bierflasche neben die vielen der anderen Gäste, nahm dem Kleinen das noch halbvolle Glas aus der Hand und schleifte ihn zur Tanzfläche. So hatte Masaki gar keine andere Chance außer mit zu tanzen. Und siehe da, der Chibi stellte sich gar nicht so schlecht an.


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Als die meisten schon ziemlich angeheitert waren – darunter auch Hiro und Co. – beschlossen sie ein kleines Partyspiel zu spielen. Oder besser gesagt, Yamato und ein Kumpel von ihm beschlossen es und die anderen mussten mitmachen.

„Das Spiel heißt russische Post und ist ganz einfach“, begann Yamato zu erklären. „Einer oder eine stellt sich in einen Schrank oder in einer Kammer, Hauptsache es ist dunkel. Ich werde vor der Tür stehen und fragen, was er denn von der russischen Post möchte. Es gibt vier Möglichkeiten: Umarmung, Streicheln, Kuss und Rakete.“

„Was ist denn die Rakete?“, wollte Ojiro neugierig wissen.

„Das wird erst verraten, wenn jemand so mutig ist und es sich wünscht. Wenn der Betroffene gesagt hat, was er will, werde ich auf verschiedene Leute im Raum zeigen und fragen, ob er es sein soll. Antwort nur mit ja oder nein möglich. Und wenn man sich entschieden hat, dann muss man es auch durchziehen. Das wäre es im Wesentlichen, den Rest bekommt ihr im Spiel mit. Die beiden Kleinen machen auch mit, Ausnahmen gibt es nicht.“

„Und damit das Ganze noch etwas spannender wird“, mischte sich nun plötzlich Hanami ein, „ und ihr Jungs euch ein bisschen blamiert, wird bei der Wahl nicht auf das Geschlecht geachtet, alle sind gleichberechtigt.“

Damit war alles geklärt. Nur die Frage, wer als Erster in die kleine Abstellkammer sollte, die direkt an den Wohnraum angrenzte, blieb erst noch ungeklärt.


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Nach etlichem Hin und Her meldete sich ein Mädchen mit wilder Lockenmähne freiwillig. Kaum war sie in dem Raum verschwunden, da klopfte Yamato auch schon an die Tür.

„Ja?“, kam es von drinnen.

„Hier ist die russische Post,“, versuchte Yamato mit einem russischen Akzent zu sagen, was bei den anderen allerdings nur Gelächter auslöste, da es unheimlich komisch klang, wenn ein Japaner mit einem russischen Akzent sprach.
Also ließ Yamato dies bleiben.

„Ich habe einen Brief für Sie. Wie möchten Sie ihn? Umarmung, Streicheln oder Kuss?“

„Umarmung“, sagte das Mädchen etwas zögerlich.

Yamato drehte sich zu den Anwesenden um, die nun auf den Sofas, in den Sesseln und auf dem Boden saßen. Er streckte den Arm aus und zeigte auf einen Jungen mit Brille.

„Er?“

„Nein.“

„Er?“, fragte er weiter, wobei er allerdings auf Himeko zeigte.

Er musste noch zweimal fragen, dann hatte sie sich entschieden. Ein wenig schüchtern ging der Junge vom Anfang in die Kammer und nach einer halben Minute kam das Mädchen heraus. Der Junge musste drinnen bleiben.
So ging das Spiel immer weiter und man konnte sich nie sicher sein, ob das Geschlecht auch stimmte, das Yamato ansagte. So war es ein doch recht faires Spiel.


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Alle amüsierten sich prächtig und Ryo grinste nur so vor sich hin, seit er von Risa einen Kuss bekommen hatte. Zwar versuchte Asuka seinen Freund immer wieder anzusprechen, doch das war zwecklos.
Nun hatte es auch Ojiro erwischt, der vom Schoß seines Bruders hüpfte und fröhlich auf die Tür zu lief. Takashi war das eigentlich gar nicht recht. Aber Ojiro war schneller weg, als er nach ihm greifen konnte.


In der Kammer war es wirklich stockdunkel, aber das störte ihn nicht. Nach ein paar Sekunden hatte er sich daran gewöhnt und erkannte das Mädchen, dass vor ihm dran gewesen war.

„Hallo“, lächelte er freundlich.

„So, du bist also derjenige, dem ich einen Kuss geben darf? Na, dann komm mal her, Kleiner.“

Der Chibi trat wie ihm befohlen auf das Mädchen zu, während sie sich zu ihm runterbeugte und ihm einen kleinen Kuss auf die Wange gab. Damit war die Sache erledigt und das Mädchen ging raus.
Ojiro stand noch etwas verwundert da. Er hatte gedacht, das ihm irgendwie komisch werden und er dann so ein seltsames Gesicht wie Ryo machen würde. Aber er fühlte sich wie immer. Er verstand wirklich nicht, warum die älteren Jungen so scharf darauf waren, in die Kammer zu kommen, wenn ein Mädchen ‚Kuss’ sagte. War doch nichts dabei!
Es klopfte an die Tür und ihm auch er wurde vor die Wahl gestellt.

„Umarmung“, sagte er gleich.

Er hatte sich seine Antwort schon lange vorher überlegt. Kuss und Streicheln kamen nicht in Frage, zumal er ja auch an einen Jungen geraten könnte und darauf hatte er keine Lust. Da war Umarmen schon einfacher.
Etwas überrascht war er dann schon, als Youichiru plötzlich vor ihm stand und ihn angrinste. Die strahlend weißen Zähne konnte man sogar im Dunkeln erkennen.

„Na, was ist, wolltest du mich nicht umarmen?“, fragte der Ältere leise.

Ojiro ergab sich in sein Schicksal und Youichiru war ihm lieber als irgendein Fremder. Also ging der Kleinere mit ausgebreiteten Armen auf ihn zu und umarmte ihn. Wobei es eher ein Knuddeln war, da Ojiro seinen Kopf an Youichirus Bauch schmiegte, schließlich war der andere 50 Zentimeter größer als er. Eigentlich war es gar nicht so unangenehm, fast wie bei seinem Bruder, mal von dem Geruch nach Rauch abgesehen.
Er löste sich etwas widerwillig von dem Älteren, weil er schön warm und kuschelig war, aber er konnte ja nicht ewig hier so stehen und das Spiel aufhalten.


~*~*~*~*~*~


Gelangweilt saß Kôji auf einem der Sessel und trank schon an seinem fünften Bier. Sein Blick war schon etwas glasig, aber er war noch nicht ganz weg. Er hatte keine Ahnung, warum er soviel trank, denn eigentlich tat er das nur sehr selten und dann auch nur in Maßen und nicht in Massen.
Nur am Rande hatte er wahr genommen, dass der grüne Zwerg – sprich Ojiro- in die Kammer musste und danach dieser dämliche Lehrer. Er konnte sich schon vorstellen, dass der andere seine Finger nicht bei sich lassen konnte und den Kleinen irgendwie belästigte. Aber was ging es ihn an, war ja nicht sein Bruder. Er war zum Glück als Einzelkind geboren!
So was und so ähnliche Dinge dachte er, während sein Blick die ganze Zeit auf Masaki lag, der sich mit den anderen unterhielt und es sich in Hiros Nähe bequem gemacht hatte. Jedes Mal, wenn Kôji die beiden zusammen sah, fragte er sich, was an Hiro so besonders war, dass der Knirps ihm nicht mehr von der Seite wich. Kôji fand, dass er bei weitem besser aussah als der Brünette, der immer so tat, als könnte er nichts Böses tun und ja so fürsorglich mit dem Chibi umging.
Außerdem waren sowohl Kôji als auch Masaki die einzigen, die noch nicht dran gewesen waren. Das musste doch Schicksal sein, zumal Hiro zwei Mal ein Mädchen umarmen musste. Noch eindeutiger ging es doch bald nicht mehr. Jetzt war nur noch zu hoffen, dass Masaki das auch erkannte.
Er wurde in seinen Gedanken unsanft unterbrochen, als man ihn von der Seite anstieß und er sich dadurch an seinem Bier verschluckte.

„Verdammt noch mal, was soll der Scheiß?“, fauchte er, ehe er wieder anfing zu husten.

„Du bist dran“, sagte ein Mädchen freundlich.

„Womit?“

„Mit reingehen! Der da drin wartet schon ungeduldig, dass du endlich reingehst“, kommentierte ein Junge seine Unwissenheit, während ein anderer ihn aus dem Sessel hievte und ihn zur Abstellkammer schob.

Nur wiederwillig ließ Kôji sich das gefallen, sah er doch in den Gesichtern der anderen Gäste, dass sie ganz genau wussten, dass er keine Ahnung hatte, wer drin war. Das Einzige, was er wusste war, dass es ein Junge sein musste, schließlich hatte der andere gesagt ‚DER da drin wartet...’. Auf die Idee nachzusehen, wer nicht mehr anwesend war, darauf kam Kôji nicht, dazu war sein Hirn dann doch zu benebelt und zu verblüfft, dass es ihn nun doch erwischt hatte.
Etwas unsanft wurde Kôji in den Raum geschubst und wäre beinahe hingeflogen, fand aber noch rechtzeitig sein Gleichgewicht wieder.

„Mist“, fluchte er leise.

Er konnte überhaupt nichts sehen und von außen drangen Stimmen an sein Ohr.

„Da bin ich aber gespannt....Rakete....wir werden sehen“, war alles was er verstand.

Rakete? War es das, was der andere sich ausgesucht hatte? Konnte schon sein, aber was war die Rakete? Er hätte wirklich weniger trinken sollen und sich weniger...
Wieder wurde er in seinen Gedanken unterbrochen, als er an den Schultern fest gehalten wurde und sich fordernd fremde Lippen auf seine legten. Erschrocken riss Kôji die Augen auf und verkrampfte sich. Es war das erste Mal, das er geküsst wurde und nicht küsste. Zuerst wollte er protestieren und den anderen wegschubsen, aber mit der Zeit fand er Gefallen daran, mal nicht der Aktive zu sein und einem anderen die Führung zu überlassen. Das war mit Abstand der beste Zungenkuss, den er bis jetzt je gehabt hatte. Und das waren nicht gerade wenig.


Mit Freude stellte Youichiru fest, dass es Kôji zu gefallen schien, nachdem er erst so verkrampft war, und er vernahm auch das leise Seufzen, als sie sich wieder trennten.

„Du bist ja doch ganz handzahm, wenn man weiß, wie man es anstellen muss!“, stellte er schmunzelnd fest.

Allerdings hätte er das besser nicht sagen sollen, denn plötzlich stieß Kôji ihn von sich und schrie ihn an, ehe er aus der Kammer stürmte.


Verdutzt sahen die anderen Gäste dabei zu, wie Kôji an ihnen vorbei stürzte und fluchtartig das Haus verließ. Es dauerte keine zehn Sekunden, da ging der Ältere ihm auch schon nach.

„Macht ruhig weiter, ich hol ihn schon“, damit schloss er die Wohnungstür hinter sich, nach dem er seine und Kôjis Jacke von der Garderobe genommen hatte.


Verwirrt und etwas eingeschüchtert sah Masaki Hiro an. Genau wie die anderen hatte er keine Ahnung, was passiert war, aber es musste etwas mit dem Spiel zu tun haben. Man beschloss, das Spiel abzubrechen, da irgendwie keiner mehr Lust darauf hatte. Sie tanzten noch etwas und es hatten sich sogar drei Pärchen gebildet. Auch Ryo und Risa kamen sich etwas näher, wobei eher Risa diejenige war, die erzählte und mit Ryo Händchen hielt, während er ihr einfach nur zuhörte und immer wieder ungläubig auf ihre verflochtenen Hände sah. Der Gute konnte es anscheinend nicht glauben, dass seine Angebetete ihn erhört hatte.


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Zur selben Zeit saß Kôji auf einer Bank und fror erbärmlich. Warum hatte er auch vergessen, seine Jacke mitzunehmen? Ach ja, weil er Hals über Kopf davon gerannt war, denn sein Lehrer hatte ihn geküsst. Bedrängen war die eine Sache, Küssen eine ganz andere.
Zitternd schlang er seine Arme um den Körper. Wie hatte Maruyama-sensei nur so etwas tun können, immer hin war er sein Lehrer und sollte eigentlich als Vorbild dienen. Und trotzdem konnte Kôji einfach nicht den Gedanken verdrängen, dass der Kuss unbeschreiblich gewesen war.


Leise näherte sich Youichiru dem Jüngeren. Er hatte ihn gleich erkannt, zumal er auch der Einzige war, der bei der Kälte raus gegangen war. Er setzte sich neben den anderen, der ihn noch nicht bemerkt hatte und legte dem frierenden Jungen die Jacke über die Schultern.

„Wie geht es dir?“, fragte er leise, um Kôji nicht zu erschrecken.

Aber irgendwie kam wieder alles anders, als er es eigentlich geplant hatte. Kôji sprang von der Bank auf und sah ihn wütend an. Die braune Jacke fiel ihm von den Schultern, direkt in den glitzernden Schnee.

„Wie es mir geht? Wie es mir geht?? Super geht es mir!!“, antwortete er schon fast hysterisch. „Ich habe mich in einen nervigen Knips verknallt, der nichts besseres zu tun hat, als die ganze Zeit am Rockzipfel des ach so tollen Maruyama zu hängen; habe einen Lehrer geküsst, der gleichzeitig auch noch der Bruder von diesem Arsch ist und das Beste ist, es hat mir auch noch gefallen. Und da fragen Sie noch wie es mir geht?? SCHEISSE GEHT ES MIR!!!! SIND SIE JETZT ZU FRIEDEN?!“

Die letzten Worte hatte er dem Älteren wütend ins Gesicht geschrienen, ehe er wieder ins Haus stürmte.


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Den ganzen restlichen Abend verkroch sich der strohblonde Junge in einer Ecke und trank ein Bier nach dem anderen. Als die neun Freunde dann endlich gehen wollten, war Kôji auf einem Sessel eingeschlafen und einfach nicht zum aufwachen zu bewegen. So trug Youichiru den Schlafenden zum Auto, während sich die anderen bei ihren Gastgebern bedankten.
Alles in allem war es ein sehr schöner Abend gewesen und es wurde ausgemacht, sich in den verbleibenden fünf Tag noch einmal zu treffen.


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Als sie endlich gegen 2 Uhr morgens ankamen, schlief Herr Tsuburagi bereits und auch alle anderen wünschten sich noch eine gute Nacht, ehe sie zu Bett gingen.


Vorsichtig legte Youichiru den Kleineren ins Bett, vorher hatte er ihm allerdings noch die unbequeme Jeans und den viel zu dicken Pullover ausgezogen, ehe er ihn zudeckte und ihm ein paar Strähnen aus dem Gesicht strich.


Durch eine sanfte Berührung lichtete sich etwas der Schleier der Müdigkeit und Kôji konnte die Umrisse seines Lehrers erkennen. Der Ältere sagte, nein flüsterte etwas, aber Kôji konnte es nicht verstehen, aber es klang wie: „Es tut mir Leid.“, dann wurden seine Lider wieder schwer und er schlief bis zum späten Morgen durch.


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Schweigend lagen Masaki und Hiro in ihrem Bett, jedoch jeder wieder an der äußersten Kante seiner Seite. Wieso waren sie sich auf einmal so fremd? Seit sie angekommen waren, hatte Hiro Masaki noch nicht einmal in den Arm genommen, dabei war es doch sonst ganz anders. Masaki vermisste Hiro regelrecht, auch wenn das total dämlich klang.
Masaki hielt es einfach nicht mehr aus. Ruckartig saß er aufrecht und sah Hiro energisch entgegen. Dieser sah ihn verwundert an

„Was ist?“

„Zeig mir, was eine Rakete ist!“

„Bitte?“

„Du hast mich schon verstanden. Ich...ich will wissen wie das ist...ein Zungenkuss.“


Tief durchatmend setzte sich nun auch Hiro ihn und sah seinen Chibi in die Augen. Positiv war schon mal, dass da keine Furcht zu sehnen war, aber trotzdem...

„Chibi, wir haben doch schon gestern darüber geredet. Wenn du es nicht willst, dann ist das...hmpf...“

Perplex sah Hiro seinen Freund an. Der Kleine hatte blitzschnell sein Gesicht mit beiden Händen umfasst und presste seine Lippen auf Hiros. Das war mehr Initiative, als Hiro dem Kleinen zugetraut hätte. Anscheinend meinte er es wirklich ernst...und er schmeckte so süß.
Aber es war einfach der falsche Ort und die falsche Zeit. Zumal Hiro auch etwas getrunken hatte und sich selbst nicht wirklich vertraute.
Sanft aber bestimmt schob er Masaki von sich, der sich nur widerwillig von ihm trennte.


„Aber ich will es doch!“, flüsterte er weinerlich.

„Ich weiß, aber nicht jetzt.“

„Warum?“

Hiro gab ihm darauf keine Antwort mehr, sondern nahm ihn in den Arm und legte sich hin. Etwas unsicher kuschelte sich Masaki an ihn. Ihm war es plötzlich völlig egal, ob er etwas falsch gemacht hatte, denn nun so bei Hiro zu liegen, war es allemal wert. 



Kapitel 25 – Was passiert, wenn Kôji schmollt? (Teil 1)


Verschlafen blinzelte Masaki in die Sonne, die durch das Fenster des Zimmers schien. Mürrisch, da er noch gar nicht aufwachen wollte, kuschelte er sich wieder an seinen Nachbarn und verbarg das Gesicht an dessen Brust. Wieder glücklich mit der Welt und sich rückte Masaki immer näher an Hiro heran, der ihn seinerseits näher an sich zog.
Dem Chibi gefiel das Gefühl, Hiros nackte Haut an seiner Wange zu spüren. So weich und warm. Ungemein wohltuend.
Nur sehr langsam sickerte diese Information in Masakis noch leicht vernebeltes Hirn.

*Moment...Haut? Kein Stoff? Da...stimmt doch was nicht!*

Ganz vorsichtig öffnete der Brünette ein Augen und sah direkt auf ein Stück freigelegte Haut. Ohne ersichtlichen Grund wurde Masaki immer röter und nervöser. Er erinnerte sich mit einem Mal an den Traum, den er von sich und Hiro gehabt hatte.

*Oh nein, ich hab doch nicht wirklich davon geträumt das Hiro da...Nein, nein, nein, DAS kann einfach nicht sein. Oh Gott, ich hätte den zweiten Band von Mitsuki no Himitsu doch nicht vorm Schlafen lesen sollen. Aber was Shincho da mit Kato gemacht hat...ich hätte nicht gedacht, dass das wirklich geht. Aber ich frag mich, ob es wirklich so...gut ist, wie Kato sagte? AH, nein...das ist die völlig falsche Richtung! Ich muss an was anderes denken. Ich hab doch früher nie an so was gedacht!*


Durch die ständigen Bewegungen seines Chibis, der in seinen Armen lag, wurde nun auch Hiro richtig wach und unruhig. Was war denn heute Morgen nur los?
Prüfend sah er den Kleineren an, der mittlerweile einer überreifen Tomate Konkurrenz machte. Wenn Hiro es nicht besser wissen würde, würde er glauben, dass sein Chibi schmutzige Gedanken hatte. Aber das war unmöglich! Vielleicht bekam er ja keine Luft mehr oder ihm war etwas peinlich? Aber was?

„He, stimmt etwas nicht, Masaki-chan?“, fragte Hiro besorgt.

Fast sofort schüttelte Masaki energisch den Kopf und versuchte sein rotes Gesicht zu verstecken. Einfach nur niedlich!

„Nein...Nein, nein. All...alles in Ordnung, Hiro...-san.“

Irgendwie klang dieses Gestottere aber nicht sehr überzeugend, doch Hiro konnte die Wahrheit ja schlecht aus ihm heraus quetschen. Irgendetwas hatte sein Chibi, das stand fest. Er wirkte ja geradezu verstört.
Sanft küsste Hiro den Jüngeren auf die Stirn und strich ihm beruhigend durchs Haar.

„Dann ist gut. Lass uns noch etwas schlafen, der Abend war lang.“

„OK.“

Schutzsuchend kuschelte sich Masaki an den Älteren und Hiro glaubte sogar ihn kurz schnurren zu hören, was eigentlich unmöglich war. Aber es gab ja so einige Dinge, die er über seinen Freund noch nicht wusste.


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Ein paar Stunden später öffneten sich zwei verschlafene graue Augen und sahen sich irritiert um. Langsam richtete sich Kôji etwas auf. Allerdings schien das nicht so gut gewesen zu sein, denn ein aufkommendes Schwindel- und Übelkeitsgefühl machte sich bei ihm breit, sodass er sich mit einem kläglichen Stöhnen schneller als ihm lieb war wieder hinlegten musste.

*Scheiße, mein Kopf. Ich trink nie wieder so viel. Und das alles nur wegen diesem beschissenen Lehrer. Pf, Aufpasser, wer’s glaubt! Ah, ... ich sollte nicht so viel denken. Verdammt, ist mir schlecht. Am besten, ich versuch jetzt langsam aufzustehen und aufs Klo zu kommen, sonst passiert noch etwas Schlimmes.*

Gerade als er seinen – wie er fand – viel zu schweren Körper aus dem Bett hieven wollte, hielten ihn zwei Hände davon ab, die ihn sanft wieder zurück in die Kissen drückten.

„Du solltest lieber liegen bleiben“, meinte Youichiru bestimmt, der immer noch auf seiner Seite des Bettes lag.

„Von Ihnen lass ich mir gar nichts sagen“, keifte Kôji zurück, was er aber sofort bereute, da es ihn an seine Kopfschmerzen erinnerte.

Trotz allem versuchte der Blonde es wieder, wurde aber abermals von Youichiru zurück gewiesen.

„Ich hab gesagt, du sollst liegen bleiben.“

„Ich muss aber aufs Klo und wenn Sie nicht wollen, dass ich Ihnen das Bett voll kotze, dann lassen Sie mich jetzt gehen!“


Etwas fassungslos sah Youichiru den Jüngeren an. Er hätte nicht gedacht, dass der Kleine schon wieder so fit war, dass er ihn anbrüllen konnte. Anscheinend hatte er auch nicht vergessen, was am Tag zuvor passiert war, wie Youichiru gehofft hatte, denn sonst würde er ihn jetzt nicht so ankeifen und mit Blicken durchbohren.
Aber irgendwie sah er auch niedlich aus, wie er da mit vor Anstrengung geröteten Wangen neben ihm lag und ihn aus immer noch nebligen Augen giftig ansah. Ja, Youichiru würde so schnell nicht von dem blonden Sturkopf loskommen, dafür war es schon zu spät.
Schmunzelnd stand der Schwarzhaarige auf und ging um das Bett herum, ehe er Kôji die Decke wegzog und ihn hochhob.


Erschrocken klammerte sich Kôji an den Hals seines Lehrers.

„He, was soll das?“, fragte er wütend.

„Du willst doch ins Bad, also bring ich dich hin.“

„So hab ich das aber nicht gemeint!“

Doch der Lehrer stellte einfach auf taub und ging mit seiner Last aus dem Zimmer in Richtung Bad. Nur widerwillig, weil er sowieso keine andere Möglichkeit hatte, ließ Kôji es geschehen, ließ es aber nicht aus den Lehrer böse anzusehen.


Im Bad angekommen setzte Youichiru den auf den Beinen schwachen Kôji auf den Badewannenrand, da er sonst umgekippt wäre.
Erst jetzt, nach dem Kôji die Kälte der Keramik an seiner Haut fühlte, bemerkte er, dass er nur noch sein Hemd, seine Socken und seine Shorts von dem gestrigen Abend trug.

„Wo ist meine Hose?“, fragte er zischend, wie eine giftige Schlange.

„Ich hab sie dir ausgezogen.“

Die grauen Augen des Blonden weiteten sich ins Unermessliche und sein Gesicht wurde bleich.

„SIE HABEN WAS?“, fuhr er den Älteren an.

Dabei erhob er sich von der Wanne und wollte einen Schritt auf den anderen zugehen, um ihm gehörig die Meinung zu sagen, aber da machte sein Körper nicht mit. Durch die ruckartige und unerwartete Bewegung streikten seine Beine, sein Magen und sein Kopf. Die Knie fühlten sich an wie Pudding, sein Magen machte Anstalten, alles hinaus zu drücken, was nicht hineingehörte und in seinem Kopf hämmerte es, als wären Handwerker zu Besuch, die eben mal seinen Gleichgewichtssinn lahm legten.
Das Ende vom Lied war, das er zum wiederholten Male in den Armen seines ach so verachtungswürdigen Lehrers lag und sich wünschte, niemals Alkohol getrunken zu haben.


„Alles in Ordnung?“, fragte Youichiru wirklich besorgt, schließlich hatte er ja irgendwie mit
Schuld an dem Zustand des anderen.

„Sieht das so aus?!“, kam ihm eine bissige Antwort entgegen. „Lassen Sie mich endlich los, ich muss mal aufs Klo.“

Nur widerwillig tat der Schwarzhaarige das und ließ Koji los, der auch gleich auf einen reichlichen Abstand ging und an der Wand Halt suchte.

„Und was ist, wenn du wieder umfällst?“

„Dann wäre das nicht das erste Mal und nun, HAUEN SIE ENDLICH AB!“

Youichiru sah, wie Kôji bereits eine Duschgelflasche in der Hand hielt und nicht zögern würde, diese gegen ihn zu benutzen.
Brav, da er ja kein Unmensch war und auch nicht wollte, das Kôji mit seinem Gezeter das ganze Haus aufweckte, ging er aus dem Bad und schloss die Tür hinter sich. Allerdings blieb er neben dieser stehen, für den Fall der Fälle, Kôji würde doch noch seine Hilfe brauchen, auch wenn er niemals danach fragen würde.


Dem war allerdings nicht so. Bleich und erschöpft kam Kôji aus dem Bad. Er hatte sich noch schnell abgeduscht und wollte nun nur noch schlafen. Er hätte nie gedacht, dass das Stehen unter warmem Wasser so anstrengend sein konnte.
Er hatte den Älteren nicht bemerkt, der geduldig vor der Tür gewartet hatte und den entkräfteten Jungen nun wieder ohne Vorwarnung auf die Arme nahm. Instinktiv hielt der Blonde sich an dem Shirt von Youichiru fest, gab aber keinen Mucks von sich. Er war viel zu geschafft, um etwas dagegen zu unternehmen.


Youichiru wunderte sich zwar, dass Kôji plötzlich so handzahm war, aber es konnte ihm nur recht sein, denn so hatte er keine Schwierigkeiten, den Kleineren wieder ins Bett zu legen und ihn ordentlich zuzudecken. Zusätzlich legte er noch eine Steppdecke über die Federdecke, ehe er das Fenster öffnete und frische, kalte Luft in das Zimmer strömte.

„Versuch noch etwas zu schlafen. Ich sehe später noch mal nach dir“, erklärte Youichiru, ehe er das Zimmer verließ.


Etwas überrumpelt lag Kôji nun unter den warmen Decken. So richtig wurde er aus dem Verhalten seines Lehrers nicht schlau. Machte der sich echte Sorgen oder kam da eher der Lehrerinstinkt durch, der diesem befahl, auf ihre Schützlinge Acht zu geben und ihnen wo es nur ging zu helfen. Nach sehr kurzem Überlegen war Kôji sich sicher, dass es der Lehrerinstinkt war und schlief seelenruhig ein.


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Der restliche Tag bis zum späten Nachmittag verlief ereignislos. Nach dem alle wach geworden waren und ausgiebig gefrühstückt hatten, waren sie noch einmal Ski fahren gegangen, selbst Himekos Vater ließ sich das nicht nehmen und auch Ojiro stellte sich wieder tapfer auf die ‚verfluchten Bretter’, wie er sie nun nannte. Nur Kôji war daheim geblieben und hatte auch nichts davon mitbekommen, dass die anderen weg waren. Youichiru hatte zwar nach ihm gesehen und wollte ihn auch fragen, ob er sich soweit wieder fit fühlte, dass er mitkommen konnte, aber als er dann den friedlich schlafenden Jungen gesehen hatte, konnte er ihn einfach nicht wecken. Also hatte er ihm einen Zettel hinterlassen, auf dem alles stand.
Leider hatten die Freunde ihren Ausflug wegen eines plötzlich immer stärker werdenden Schneefalls abbrechen müssen, sodass sie zum Mittag wieder da gewesen waren.


Seitdem hatte es nicht mehr aufgehört zu schneien und so beschäftigten sich alle mit etwas anderem. Zuerst hatten sie alle ferngesehen, aber als Ojiro dann darauf bestand, Animes zu gucken, setzte Asuka sich als Erster ab und fing an mit sich selbst Karten zu spielen, was reichlich albern aussah. Es dauerte nicht lange und Herr Tsuburagi gesellte sich zu ihm. Himeko und Risa unterhielten sich, wobei Ryo die Hand des braunhaarigen Mädchens hielt und geduldig zuhörte, auch wenn er nur die Hälfte verstand. Nach einer gewissen Zeit wurden die beiden Mädchen dann von Ojiro darauf aufmerksam gemacht, bitte etwas leiser zu sein, da er nicht mehr verstand, was bei Inu Yasha gesprochen wurde. Takashi verzog sich mit einem Buch in eine ruhigere Ecke. Schon lange hatte er es lesen wollen, aber war nie dazu gekommen. Währenddessen beobachtete Youichiru, wie Hiro skeptisch den zweiten Teil von Mitsuki no Himitsu durchblätterte, den er dem Chibi gegeben hatte. Des Öfteren schnellte skeptisch eine Augenbraue von Hiro nach oben und gleich darauf sah er seinen Bruder mit fast vernichtendem Blick an. Dieser grinste allerdings nur, während Masaki versuchte, nicht zu auffällig rot zu werden. Anscheinend schien der Kleine langsam zu wissen, wie der Hase in der Welt der Großen lief. Das war genau das, was Youichiru erreichen wollte.


„Sagt mal, was lest ihr da eigentlich?“

Sowohl Masaki als auch Hiro schreckten auf, als Ojiro-chan sie dies unerwartet fragte. Neugierig rückte der Chibi auf der Couch immer näher an Masaki heran, der Hiro vor Schreck den Manga aus der Hand gerissen hatte und es nun hinter seinem Rücken versteckte.

„Ach komm schon, Masaki-chan, zeig her!“

Ungeduldig kam Ojiro immer näher und drängte den Brünetten damit immer mehr in die Enge, oder besser zu Hiro hin. Es dauerte auch gar nicht lange, da saß Masaki schon fast auf Hiros Schoß.
Hilfesuchend sah der grünäugige Chibi seinen Freund an, doch dem fiel auf die Schnelle auch nichts Passendes ein. Also sagte er mal schnell das, was ihm als erstes einfiel, um Ojiro und die anderen abzulenken.

„Sagt mal, wo ist eigentlich Furuhata? Den hab ich schon den ganzen Tag über nicht gesehen.“

„Na so was, seit wann interessierst du dich denn dafür, Hi-chan?!“, grinste Youichiru wissend.

„Ich wollt’s halt wissen und nenn mich nicht Hi-chan!!!“

In der Zwischenzeit brachte Masaki den Manga unbemerkt hinter Hiros Rücken in Sicherheit und merkte sich in einer hinteren Ecke, den neuen Spitznamen für Hiro. Irgendwie fand er ihn niedlich und es sah richtig süß aus, wenn Hiro sich darüber aufregte.


Sauer sah Hiro seinen Bruder an. Das war ja wohl das Letzte. Es reichte schon, wenn er ihn zu Hause Hi-chan nannte, aber dass seine Freunde dass jetzt auch wussten... Er konnte nur froh sein, dass Kôji nicht in der Nähe war, der hätte ihn nie wieder ernst genommen.

„Also, dass letzte Mal hab ich Furuhata gesehen, als ich mir was zu trinken geholt habe“, unterbrach Ryo den anbahnenden Geschwisterstreit.

Überrascht drehten sich alle zu ihm, was ihm dann doch etwas merkwürdig vorkam.

„Und warum ist er dann nicht hier?“, wollte Risa wissen.

„Sei doch froh, dann brauchen wir uns nicht seine schlechte Laune antun.“

„Sag das nicht, Asuka, er ist immer noch mein Gast.“

„Ich hab ihn ja gefragt, ob er mit reinkommen will, aber er hat nur den Kopf geschüttelt und ist Richtung Ausgang gegangen.“

„Was und dass sagst du erst jetzt?“

Alarmiert sprang Youichiru auf und hastete die Treppen in den ersten Stock hoch.
Prüfend sah Takashi Ryo an.

„Es ist doch schon eine halbe Stunde her, seit du dir was geholt hast, oder?“

„Ja, kann sein.“

„Und du bist dir sicher, dass er rausgegangen ist, bei dem Schneesturm?“, mischte sich nun auch Herr Tsuburagi ein, schließlich konnte dem Jungen etwas passiert sein.

„Das weiß ich nicht, aber könnte gut möglich sein.“

„Oben ist er nicht!“

Youichiru stand im Türrahmen und zog sich bereits seine Jacke an.

„Was hast du vor?“

„Ich werde ihn suchen gehen, was sonst? So wie es ihm geht, kann er bei dem Wetter noch nicht weit gekommen sein.“

„Aber du gehst nicht allein, ich komm mit!“

„Wir kommen auch mit!“

Sanft schob Hiro seinen Chibi von sich weg, damit er sein Jacke holen konnte und Ryo, Takashi und Asuka folgten ihm.

„Ich werde hier bleiben und die Bergwache informieren“, sagte Himekos Vater.


Es dauerte keine zwei Minuten, da waren die fünf jungen Männer auch schon fertig.
Überraschenderweise kam auch Masaki in fertiger Montur die Treppen runter und stellte sich demonstrativ zu den anderen.

„Ich komm auch mit!“

„Nein, das wirst du nicht“, entgegnete Hiro seltsam ruhig.

„Doch, das werde ich!“

„Das wirst du nicht, hast du verstanden?!“

„Du hast mir gar nichts zu sagen!“

„DU WIRST HIER BLEIBEN!!“

Erschrocken wich Masaki ein paar Schritte zurück. So böse hatte Hiro ihn noch nie angesehen und auch die anderen wunderten sich über die plötzlich so Angst einflößende Stimme, die keine Widerworte duldete.
Nach dieser doch recht kurzen aber deftigen Auseinandersetzung, verließen Youichiru und die anderen das Haus, um nach Kôji zu suchen.


Freundlich legte Risa Masaki eine Hand auf die Schulter, als er traurig und geknickt auf die geschlossene Tür sah.

„Hiro hat recht. Es ist besser wenn du hier bleibst. Wenn du helfen möchtest, dann lenk Ojiro-chan ein bisschen ab. Das wird dir auch helfen.“

Masaki nahm alles still zur Kenntnis, aber er hatte ganz andere Pläne.


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Der Schneesturm war viel heftiger, als sie gedacht hatten und die fünf hatten wirklich Mühe vorwärts zu kommen. Nur Youichiru schritt vorne weg, als würde ihm das alles gar nichts ausmachen, was allerdings nicht stimmte. Er hatte genauso zu tun wie die anderen.

„Verdammt, so finden wir ihn nie!“, stellte Asuka knurrend fest.

Takashi wollte gerade etwas erwidern, als eine Stimme aus der Ferne zu ihnen herüber schallte. Sie drehten sich um und konnten einen Schatten in dem ganzen Weiß ausmachen, der sich ihnen näherte.

„Youichiru-san!“

„Das kann doch nicht wahr sein.“

Verärgert kam Hiro dem Chibi entgegen, genau wie seine Freunde.

„Sag mal hast du nicht zugehört? DU solltest zu Hause bleiben!“, fuhr der Brünette den Jüngeren an.

Der zuckte wegen der harten Worte zusammen und wurde noch etwas kleiner.

„Aber ich wollte doch helfen.“

„Du hilfst aber nicht, du hältst uns nur auf. Geh wieder heim!“

„Das ist keine gute Idee, Hiro“, griff Takashi ein.

„Ach, und warum nicht?“

„Der Sturm wird immer schlimmer. Die Gefahr, dass er sich verläuft, ist viel zu groß. Wir müssen ihn wohl oder übel mitnehmen.“

„Na schön. Aber du bleibst in meiner Nähe, hast du verstanden.“

Grob packte Hiro Masaki an der Hand und zog ihn hinter sich her.

„Und glaub bloß nicht, dass das nicht noch ein Nachspiel hat!“


Betreten sah Masaki auf die dichte Schneedecke und ließ sich mitziehen. Er verstand nicht, warum Hiro nur so wütend war. Er wollte doch nur helfen, was war denn schlimm daran?


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Unruhig lief Himeko im Haus herum, ehe sie ins Wohnzimmer kam, wo ihr Vater mit den Rettungskräften telefonierte und ihnen die Situation und das Aussehen der Jungen beschrieb.

„Ojiro-chan, hast du Masaki gesehen?“

„Nein, nicht mehr, seit mein Bruder und die anderen gegangen sind.“

„Seltsam, ich hatte ihm doch gesagt, dass er sich mit dir beschäftigen soll.“

„Hat er aber nicht, Risa.“

Himeko hatte plötzlich einen schrecklichen Gedanken und Risa schien es ähnlich zu gehen.

„Oh nein, er wird doch nicht ...“

„...den anderen gefolgt sein?“

Aber leider waren sich beide ziemlich sicher, dass es so war.


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Sie liefen nun schon eine ganze Weile, doch noch immer hatten sie keine Spur von Kôji gefunden. Hiro lief mit Masaki an der Hand als Letzter, da sein Chibi noch mehr Probleme hatte als sie. Unerwartet zog Masaki ihn nach unten, sodass sie beide in den Schnee fielen.

„Masaki, alles in Ordnung?“

„Ja, ich bin nur gestolpert.“

„Komm steh auf, sonst verlieren wir die andern!“

Doch da war es auch schon zu spät. Sie konnten niemanden mehr ausmachen. Ängstlich und frierend drückte Masaki sich an Hiro.

„Wo sind die anderen?“

„Das weiß ich nicht.“

„Und was machen wir jetzt, Hiro-san?“

„Erst mal warten wir. Hoffentlich merken sie schnell, dass wir nicht mehr da sind.“


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„Youichiru, nicht so schnell!“, rief Asuka durch den Sturm, doch der Ältere schien ihn nicht zu hören.

„Misst, ich kann ihn kaum noch sehen. YOUICHIRU!“

Aber es half nichts. Immer mehr verschwand der Ältere in der weißen Pracht, bis nichts mehr von ihm zusehen war.

„Er ist weg!“

„Nicht nur er“, stellte Takashi trocken fest, als er sich um drehte.

„Masaki und Hiro sind auch verschwunden.“

„Das kann doch nicht wahr sein. Und was machen wir jetzt?“

„Auf jeden Fall müssen wir zusammen bleiben. Es hat keinen Sinn uns zu trennen und sie zu suchen, am Ende verlaufen wir uns nur selbst. Versuchen wir wieder zurück zu kommen, dass ist im Moment das Beste.“

„Aber wir sollten etwas hier lassen, damit wir und andere wissen, dass hier in der Nähe jemand war oder ist.“

Damit nahm Ryo seinen Schal ab und band ihn fest um einen Baum. Sie konnten nur noch hoffen und zwar darauf, dass der Sturm sich bald legte und es den anderen gut ging.



Fortsetzung folgt