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Dating f?r Dummies Teil 5 bis 8

Kapitel 5

Quatre blieb dann doch noch über Nacht. Allerdings nicht wegen dem offensichtlichen, sondern weil sie beide noch stundenlang darüber beratschlagten wie sie wohl am besten – und am schnellsten – den Typen fürs Leben finden könnten.

Sie lachten unheimlich viel, als sie sich gegenseitig die absurdesten Ideen zuwarfen. Es war wirklich so als wenn sie sich schon seit Ewigkeiten kennen würden. Insofern hatten sie sich gesucht und gefunden.

Gemeinsam durchforsteten sie noch einmal die Partnergesuche auf ihrem Internetportal, aber auch zu zweit fanden sie dort nichts was das Interesse von einem von ihnen weckte. Quatre wollte aber mit der neuen Technik noch nicht ganz abschließen und so meldeten sie sich fast im Morgengrauen noch gemeinsam bei einer anderen Partnersuchbörse an.

Während sie zusammen die Persönlichkeitsbeschreibungen verfassten lachten sie so lang und laut, dass Duo manchmal fast der Atem stehen blieb. So viel Spaß hatte er schon lange nicht mehr gehabt. Er freute sich in Quatre einen so guten Freund gefunden zu haben, auch wenn er es trotzdem bedauerte dass es nicht mehr zwischen ihnen gab. Quatre wäre als Partner perfekt gewesen. Aber da ihre Körper einfach nicht kooperierten, blieb wohl nur die gute Freundschaft. Wie Duo sich fast zähnefletschend eingestehen musste. Dabei hätte er so gern mit Quatre die Wette gewonnen. Hilde wäre der Unterkiefer garantiert heruntergefallen, wenn er so schnell den Mann fürs Leben gefunden hätte – und noch dazu einen Multimilliardär.

Aber es half ja nichts über vergossene Milch zu heulen – zumindest behauptete das das Sprichwort. Und deshalb konzentrierte sich Duo lieber darauf auf der neuen Internetseite nach interessanten Typen zu suchen. Und zusammen mit Quatre ein paar nette E-Mails zu verfassen.

Am Ende der langen Nacht saßen sie noch gemütlich bei einem großen Frühstück und machten Pläne für das nächste Wochenende. Auch wenn sie es mit der Suche im Internet noch nicht aufgegeben hatten, am Samstag würden sie gemeinsam das Nightwish unsicher machen und versuchen dort jemanden zu finden. Und falls das nicht klappen sollte, dann hätten sie zumindest viel Spaß beim tanzen gehabt. Diese Art von Pläne gefiel Duo sehr.

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Am Dienstagabend saß Duo dann gemütlich auf Hildes Couch und schaute mit ihr zusammen ihre Lieblingsserie – wie jede Woche wenn es ihr Dienstplan zuließ.

Wie immer lachten und scherzten sie während der Sendung. Doch als die erste Werbung anfing wandte sich Hilde einem ganz anderen Thema zu. „Wie läuft es denn mit deiner Suche nach Mr. Perfekt? Schon Erfolg gehabt?“

Duo überlegte ob man es irgendwie als Erfolg definieren könnte, dass er von dem Computerkuschler am Tisch sitzen gelassen, von Doro aus der Kundenkartei geworfen und von seinem eigenen Körper bei Quatre in Stich gelassen wurde. Aber da selbst ihm – dem ungekrönten König der Ausflüchte – dazu nichts einfiel wiegte er nur mit dem Kopf und nuschelte, „Es geht voran.“

„Was?“ fragte Hilde halb entsetzt. „Du bist schon seit fast drei Wochen dabei und hast noch niemanden gefunden? Duo, du lässt nach.“

„Ha, ha, ha,“ gab Duo zurück. Dann grinste er breit. „Es geht ja schließlich nicht darum irgendjemand zu finden. Sondern einen perfekten langfristigen Partner. Das geht nicht von heute auf morgen,“ rieb er Hilde ihre eigenen Worte unter die Nase.

„Hmppf,“ antwortete seine Freundin, stichelte aber nicht dagegen an. Dann nach einer halben Minute Schweigen fragte sie, „Was hast du denn bisher angestellt? Schon jemand nettes gefunden?“

„Jemand nettes schon,“ sagte Duo. Als er sah wie die freudige Neugierde sich auf Hildes Gesicht ausbreitete fügte er aber schnell hinzu, „Allerdings ist er nichts für mich. Zumindest nichts anderes als ein guter Freund. Sonst hatte ich nur ein Date – was aber ziemlich in die Hose gegangen ist. Gott du kannst dir den Typen nicht vorstellen, ein Langweiler wie er im Buche steht. Mehr hab ich bisher noch nicht gemacht. Naja außer im Internet die Partnerbörsen abgeklappert. Es ist alles noch im Anfangsstadium. Aber Freitag hab ich das nächste Date. Schaun wir mal was daraus wird.“

„Wir können die dusselige Wette auch sein lassen,“ erklärte Hilde.

„Ha, das sagst du nur weil du befürchtest zu verlieren,“ grinste Duo zurück. „Nein, nein. Die Wette bleibt schön so bestehen. Ich werde dich vernichtend schlagen.“

„Als ob,“ gab Hilde mit einem Augenrollen zurück. Dann knuffte sie ihm mit ihren Ellenbogen verspielt in die Seite und sie konzentrierten sich wieder auf die Serie die im Fernseher lief.

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Freitagabend fand Duo noch entspannter als beim letzten Date. So langsam schien er Routine zu bekommen was das anging. Nicht halb so aufgeregt wie letzte Woche suchte Duo sich ein paar Klamotten zusammen und ging im Geiste noch einmal die Pläne für heute Abend durch.

Er war mit einem von den Typen aus der Partnerschaftsbörse verabredet. Sein Date – Owen – hatte vorgeschlagen dass sie zusammen essen gehen sollten. Da Duo das Restaurant kannte und sehr mochte hatte er gerne zugestimmt, auch wenn er die Aussicht auf nur ein Essen eigentlich ziemlich langweilig fand. Aber andererseits wer wusste was der Abend im Anschluss noch bringen würde.

Pünktlich betrat er das Tie-Pan und seine Geschmacksknospen schlugen praktisch schon Purzelbäume als von einem der Kellner an seinen Tisch geführt wurde. Immer wenn er und seine Freunde etwas besonderes zu feiern hatten, gingen sie hier – im ihrer Meinung nach besten chinesischen Restaurant der Stadt – essen. Insofern hatte Owen schon einen Stein bei Duo im Brett, dafür dass er das Tie-Pan ausgesucht hatte.

Als er sich dem Tisch näherte saugte Duo schnell den Anblick seines Dates in sich auf. Das Foto das Owen ihm geschickt hatte war dem Typen wirklich gerecht gewesen. Braune Haare, langweilige Brille und ein etwas hagerer Körperbau. Aber alles in allem nicht wirklich schlecht. Zwar etwas langweilig aber nicht jeder konnte ein Adonis sein. Und mit einer anderen Frisur könnte Owen auch gleich viel interessanter aussehen.

Und mit anderen Klamotten wie Duo mit einem raschen Blick feststellte als Owen aufstand um ihn zu begrüßen. Meine Güte, wer trug schon so einen langweiligen, mausgrauen Anzug im Restaurant? So etwas außerhalb eines Büros – und auch das nur wenn man in der Buchhaltung arbeite – zu tragen war ja schon fast ein Schwerverbrechen gegen die Mode.

Und überhaupt, wer trug denn einen Anzug in einem Laden wie dem Tie-Pan? Sicher, es war ein sehr gutes und auch teures Restaurant, aber man musste sich doch nicht wie für eine Konfirmation herausputzen um hier essen zu gehen. Duo fand dass er mit seiner schwarzen Stoffhose und dem guten aber schlichten dunkellila Hemd viel besser in den Laden passte, als sein Gegenüber.

Aber dann schüttelte Duo innerlich seinen Kopf und ermahnte sich nicht so oberflächlich zu sein. Was sagte die Klamottenwahl schließlich über einen Menschen aus? Vielleicht war Owen auch nur aufgeregt gewesen und hatte sich deshalb vergriffen. War alles sicher schon mal passiert, unter anderem auch Duo selbst.

Und deshalb lächelte Duo so freundlich und ermutigend wie es nur ging zur Begrüßung und schüttelte Owens Hand. Was dann allerdings eine wirkliche Enttäuschung für Duo war. Er mochte einen kräftigen und ehrlichen Händedruck, während Owens Hand weich und fast leblos in seiner liegen blieb. Seufzend beschloss Duo das in den hintersten Winkel seines Gehirns zu verbannen. Zusammen mit der fast unangenehmen Frage wie sich wohl diese leblose Hand auf seinem Körper anfühlen würde. Er wollte sich den Appetit nicht verderben.

Er setzte sich Owen gegenüber und versuchte ein möglichst angenehmes Gespräch anzufangen. Schließlich mussten sie sich ja noch besser kennenlernen.

Aber schon nach wenigen Fragen von Duo, steuerte Owen das Gespräch in eine vollkommen andere Richtung. „Das ist ein schönes Restaurant, oder?“

Dem konnte Duo nur mit einem Nicken zustimmen. Es war natürlich wie die meisten chinesischen Restaurants etwas überladen eingerichtet, aber dafür mit etwas mehr Stil und etwas weniger Kitsch als viele andere.

„Als ich das erste mal hierher gekommen bin, wäre ich fast umgekehrt als ich es von draußen gesehen hab. Wie jemand in so einem hässlichen Gebäude ein gutes Restaurant aufmachen kann, geht über meinen Horizont. Damit schrecken die sicherlich viele Kunden ab. Wahrscheinlich wissen nur Eingeweihte wie gut das Essen hier ist.“

Duo versuchte so gut es ging seine Stirn nicht zu runzeln. Die Stimme von Owen hatte ziemlich herablassend geklungen und das gefiel Duo nicht wirklich. Er hätte seinem Gegenüber erzählen können dass das Tie-Pan drei Jahre hintereinander den Preis des besten Restaurants der Stadt gewonnen hatte und deshalb bekannt wie ein bunter Hund war und er hätte ihm erklären können dass dies hier früher ein Schnellimbiss gewesen war und die Restaurantbesitzer praktisch Wunder bei der Renovierung vollbracht hatten. Aber irgendwie hatte Duo keine Lust dazu. Sollte Owen doch weiter seine Meinung haben.

„Übrigens, ich weiß ja nicht wie gut du dich in der chinesischen Küche auskennst,“ redete Owen weiter. „Aber wenn du bei irgendwas auf der Karte Hilfe brauchst, dann frag nur. Ich kann dir jedes Gericht erklären.“

Duo rollte fast mit den Augen. Wie kam Owen dazu anzunehmen dass er Hilfe brauchte? Sicher, das Tie-Pan war kein billiges Restaurant aber Duo nagte auch nicht am Hungertuch. Er war praktisch ein Stammkunde hier und kannte die Speisekarte so gut wie auswendig. Weshalb er jetzt auch gar nicht erst einen Blick herein warf. Er wusste sowieso was er bestellen würde.

Einen Augenblick später war plötzlich der Kellner an ihrem Tisch und Owen begann zu bestellen. „Ich hätte gern die Ente süß-sauer und eine Pekingsuppe. Duo was ist mit dir? Hast du schon gewählt oder soll ich für dich was aussuchen?“

„Nicht nötig, danke,“ sagte Duo schnell. Ente süß-sauer, wie langweilig. Und der wollte ihm beim Bestellen helfen? Duo wandte sich mit einem lächeln an den Kellner und sagte, „Einmal die 832 und die 122, außerdem hätte ich gerne ein Schingabier und ich würde gerne mit Stäbchen essen.“

Wenn Owen bemerkt hatte, dass Duo die Nummern wusste ohne in die Karte zu blicken, dann ließ er sich das nicht anmerken. Aber irgendwie glaubte Duo nicht dass sein Gegenüber so gut als Schauspieler war. Sicher hatte er es gar nicht erst zur Kenntnis genommen. Duo hatte immer mehr das Gefühl, dass dieses Date auch nicht von Erfolg gekrönt sein würde. Naja zumindest würde er was leckeres zu essen bekommen.

„Oh, du willst dich an Stäbchen versuchen? Soll ich dir zeigen wie es geht?“ ratterte Owen auf seine herablassende Art runter.

Duo lächelte nur und schüttelte den Kopf. Er hatte zwar nie wie Quatre in China gelebt, aber er hatte sich während seines Studiums praktisch nur vom Chinesen um die Ecke ernährt. Er konnte mit Stäbchen fast besser umgehen als mit normalem Besteck.

Während sie auf das Essen warteten versuchte Duo wieder Smalltalk zu machen, aber Owen schien partout die Unterhaltung an sich reißen zu wollen. Und immer wieder schimmerte in dem was er sagte ein unangenehm gönnerhafter Ton durch. Etwas auf das Duo normalerweise ziemlich allergisch reagierte.

Aber irgendwie hatte Duo keine Lust auf die besserwisserischen Anekdoten von Owen einzugehen. Das würde ihm wirklich nur den Appetit verderben.

„Ich hab Wirtschaftswissenschaften studiert und als einer der Jahresbesten abgeschlossen. Jetzt arbeite ich bei der großen Versicherung als Abteilungsleiter. Wie ist es mit dir Duo? Ich nehme nicht an dass du für deinen Beruf – was war das noch mal gleich? – ein Studium benötigst, oder?“

Duo zählte innerlich bis zehn. „Radiomoderator,“ antwortete er kurz angebunden. Und er verbiss es sich Owen zu erzählen dass er mit großem Erfolg Anglistik Politik und Geschichte studiert hatte. Sicher, er war kein berühmter Journalist bei einer großen Zeitung geworden wie er es sich am Anfang des Studiums erträumt hatte, aber er liebte seinen Job und war mehr als zufrieden mit seinem Leben.

„Interessant. Was braucht man da schon groß als Einstiegsqualifikation. Außer einer angenehmen Stimme natürlich.“

Duo hätte ihm erzählen können, dass er und seine Kollegen die Beiträge recherchieren und schreiben mussten. Dass sie mehr taten als nur das nächste Lied anzukündigen. Aber er war sich so gut wie sicher dass Owen ihm noch nicht einmal zuhören würde.

Zum Glück kam endlich das Essen und Duo konzentrierte sich darauf. Seine Suppe – die Spezialität des Hauses – war wieder einmal köstlich und so scharf dass sie Duo beinahe den Atem raubte. Aber er liebte ihren Geschmack und es war garantiert tausendmal besser als die Pekingsuppe die es in jedem anderen Restaurant auch gab. Und die man sich nach Duos Meinung nur bestellte wenn man sich an nichts anderes traute. Oder ein totaler Langweiler war.

Auch sein Hauptgang war um Längen besser als das was Owen sich bestellt hatte. Wieder fragte sich Duo, wie jemand der Ente süß-sauer bestellte dazu kam ihm anzubieten bei der Auswahl zu helfen? Nicht dass was gegen Ente süß-sauer zu sagen war. Aber es war halt eines der Gerichte die jeder aß. Es mochte super lecker sein, aber es war langweilig.

Während des Essens selbst versuchte Duo sich nicht weiter an Owen zu stören. Was aber schwierig war, besonders als der Mann, der selbst kaum mit seinen Stäbchen zurrecht kam sich anbot Duo zu zeigen wie es wirklich ging.

Duo hatte an diesem Abend schon so oft ein Augenrollen unterdrückt dass er inzwischen Kopfschmerzen davon bekam. Das hier war ein absoluter Reinfall. Und während Owen weiter langweilige und herablassende Geschichten aus seinem Arbeitsleben erzählte hoffte Duo nur, dass der Abend so schnell wie möglich zu Ende gehen würde.

Er würde in den nächsten Tagen mit seinen Freunden wieder hierher kommen müssen um das Tie-Pan nicht länger mit Owen zu verbinden. Es wäre sehr schade um dieses gute Restaurant.

Später, als sie fertig waren mit dem Essen und der Kellner kam um zu fragen ob sie getrennt oder zusammen bezahlen würden, sagte Duo mit fester Stimme, „Getrennt! Definitiv getrennt.“ 



Kapitel 6

„Also ich glaub auf einer Idiotenskala von eins bis zehn hat der mindestens die 26 erreicht,“ grummelte Duo und trank einen Schluck aus seiner Bierflasche.

Quatre der ihm gegenübersaß lachte laut auf. Duo warf ihm einen treudoofen Hundeblick zu. „Das ist nicht lustig,“ erklärte er.

Quatre lachte erneut. „Doch das ist es. Und das würdest du auch sehen, wenn du nicht so sehr damit beschäftigt wärst dich über den Typen aufzuregen. Ich mein auf Arschlöcher kann man immer wieder treffen, was glaubst du wie oft ich solchen Besserwissern im Job gegenüber steh. Lass es einfach an dir abprallen und amüsier dich.“

Duo wiegte seinen Kopf hin und her. Wahrscheinlich hatte Quatre Recht. Und dass er hier zum zwanzigsten Mal darüber lamentierte was für ein Idiot dieser Owen doch gewesen war half sicher nicht. Vor allem da sie im Nightwish waren. Sie wollten tanzen und Spaß haben und nicht stundenlang über schreckliche Verabredungen sprechen. „Ok, ich zieh nen Schlussstrich unter die Sache. Das Date mit Owen war eine Katastrophe – und ich bin nur froh dass ich den Typen nie wieder in meinem Leben sehen muss.“

Quatre grinste. „Das ist die richtige Einstellung. Los komm tanzen.“ Mit diesen Worten zog er Duo einfach auf die gut gefüllte Tanzfläche. Nicht dass Duo sich groß gewehrt hätte. Er wollte nichts lieber als sich der genialen Musik hinzugeben.

Und genau das taten sie auch. Quatre war ein genauso guter und genauso fanatischer Tänzer wie Duo, so kam es dass sie eine ganze Weile nur mit sich und der Musik beschäftigt war.

Solange bis ein halb erschöpfter Quatre sich zu Duo beugte und ihm ein „Ich brauch was zu trinken,“ ins Ohr schrie – um die Musik zu übertönen.

Da Duo auch Flüssigkeit vertragen konnte, nickte er und folgte Quatre an die Bar. Sie bestellten sich beide Wasser zum Durstlöschen und lehnten sich genüsslich an die Theke. Hier war die Musik etwas leiser und man konnte sich ziemlich gut unterhalten.

„Die Musik die sie heute auflegen ist ja mal wieder der Wahnsinn,“ erklärte Quatre mit einem leicht verträumten Gesichtsausdruck.

Duo nickte. „Einer der Gründe wieso ich das Nightwish so liebe. Gute Musik und guter Service.“

„Und eine nicht enden wollende Anzahl von gut aussehenden Kerlen, die ich am liebsten alle flachlegen würde“ fügte Quatre hinzu.

„Quatre, ich bin entsetzt,“ tadelte Duo mit gespielt empörter Stimme. „So etwas aus deinem Mund zu hören.“

Quatre lachte nur und stupste ihn an der Schulter an. „Als ob du nicht das gleiche denken würdest.

Duo grinste. „Ich darf das auch. Du bist viel zu gut erzogen dafür.“

Quatre, der gerade einen tiefen Schluck aus der Wasserflasche genommen hatte musste unwillkürlich losprusten, was dazu führte dass er einiges von dem Wasser in der Gegend verteilte. „Duo!“ rief er empört.

„Was denn?“ Duo legte sein bestes Unschuldslammgesicht auf.

Quatre war wohl klar dass er diese Diskussion nicht gewinnen würde, deshalb verwarf er sie mit einer abfälligen Handbewegung. Dann beugte er sich fast verschwörerisch zu Duo. „Da wir gerade von gut aussehenden Kerlen sprechen. Da verschlingt dich einer schon ne ganze Weile mit seinen Augen.“

„Was? Wo? Wer?“ fragte Duo und blickte sich wild suchend um.

„Er steht hinter dir. Rote Haare, geiles Outfit. Nicht schlecht, Herr Specht.“

Neugierig drehte sich Duo um. Und da er nur einen einzigen rothaarigen Mann sah, gab es auch keine Zweifel wen Quatre meinte. „Der ist alt!“ verkündete Duo.

Sein Freund schnaubte kurz. „Ende Dreißig. Höchstens Anfang Vierzig,“ erwiderte er.

„Das sind mehr als zehn Jahre, vielleicht sogar fünfzehn,“ gab Duo zu bedenken.

Quatre zuckte mit den Schultern. „Na und? Er ist heiß. Sicher sehr erfahren. Und an dir interessiert. Was machen da schon ein paar Jahre?“

Duo war hin und her gerissen. Eigentlich fand er große Altersunterschiede nicht gut. Aber andererseits hatte Quatre auch Recht. Der Typ hatte verdammt heiß ausgesehen. Und selbst auf dem kurzen Blick hatte Duo erkannt dass ihn eine Wolke der Selbstsicherheit umschwebte, etwas das Duo nicht unattraktiv fand.

Aber noch bevor er sich dazu durchringen konnte sich umzudrehen und offen mit dem Typen zu flirten, stand plötzlich jemand ganz dicht neben ihm und flüsterte „Hallo Schönheit!“ mit einer tiefen und unglaublich sexy Stimme in sein Ohr.

Die Stimme jagte einige wohlige Schauer über Duos Rücken – auch wenn er sich nicht sicher war ob er ‚Schönheit’ als Kosename mochte. Duo drehte sich langsam um und betrachtete den Typen. Von nahem sah er noch besser aus. Er war groß – größer als Duo – und hatte breite Schultern die in einem verdammt teuren Partyoutfit steckten. Die Lederhosen die wie eine zweite Haut an dem Mann hingen verdeckten nichts und Duo bemerkte dass sein Mund wässrig wurde. Altersunterschied hin oder her, es würde sicherlich nicht schaden ein wenig mit dem Mann zu flirten. „Hallo Fremder!“ gab Duo deshalb zurück und pflanzte sein tausend Watt Grinsen auf sein Gesicht.

Mit absoluter Selbstsicherheit legte der Mann seine Hand um Duos Hüfte und streichelte Sekundenkurz seinen Hintern. „Lust auf tanzen?“ fragte er.

„Auf jeden Fall!“ antwortete Duo. Dann drückte er schnell Quatre seine Flasche in die Hand und zwinkerte seinem Freund zu.

Der Mann führte Duo zur Tanzfläche. Als sie sie erreicht hatten, stellte er sich ganz dicht hinter Duo und umarmte ihn von hinten. Langsam fing er an sich zum Rhythmus der Musik zu bewegen. Seine Lippen waren wieder an Duos Ohr. „Mein Name ist übrigens Treize.“

Der enge Körperkontakt ließ Duo ganz weich in den Knien werden. Was hatte Quatre vorhin noch vermutet? Das der Typ sehr erfahren sei? Zumindest wusste er gut wie man langhaarige Radiomoderatoren um den Verstand brachte. „Und ich heiß Duo,“ erklärte er mit tiefer, kehliger Stimme. Und als Treizes Hände weiter über seinen Körper wanderten, fragte sich Duo ernsthaft, ob das Nightwish gerade die Temperatur nach oben geregelt hatte.

Sie tanzten noch ein paar Minuten weiter so, doch dann drehte sich Duo zu Treize um. Er wollte den Mann genauer betrachten. Und auch selbst mit seinen Händen auf Wanderschaft gehen.

Die Musik im Nightwish wummerte, machte eine normale Unterhaltung fast unmöglich. Aber das war eh egal, denn seit dem dritten Lied küssten Duo und Treize sich leidenschaftlich.

Duo kam sich vor wie im Traum. Sicher er hatte schon so einige Typen im Nightwish aufgegabelt. Aber so schnell und so überwältigend hatte ihn dabei noch niemand angeflirtet. Treize wusste wirklich was er zu tun hatte. Und Duo war sich einer Sache absolut sicher. Egal wie die Nacht auch ausgehen würde, sein Körper fand den von Treize mehr als anregend. Zwischen ihnen schlugen die Funken dass sie damit leicht den ganzen Club beleuchten konnten.

„Oh Gott Duo, du machst mich so heiß. Ich könnte dich hier und jetzt verschlingen.“

„Dito,“ konnte Duo noch murmeln, bevor Treize ihm wieder die Zunge tief in den Mund steckte. Sie küssten sich, als wenn sie einander die Mandeln entfernen wollten. Aber als Duo dann seinen Kopf um einige Zentimeter zurück zog um endlich wieder atmen zu können, stellte er mit fast heiserer Stimme noch etwas wichtiges fest. „Ich steh nicht so auf die kurzen Nummern auf dem Klo.“

Treizes Mund fing seinen wieder ein. „Das wäre auch ne absolute Verschwendung.“ Seine Hände kneteten dabei Duos Hintern wie um seinen Punkt zu untermauern. „Dich will ich die ganze Nacht genießen.“

Duo war sich jetzt absolut sicher dass die Betreiber von Nightwish versuchten den Club in eine Sauna zu verwandeln. Es musste inzwischen mindestens achtzig Grad haben. „Mhmmmm,“ konnte er nur als Antwort stöhnen. Treizes Hände lenkten ihn zu sehr ab um richtige Worte zu bilden.

Doch dann brachte Treize plötzlich etwas Abstand zwischen sie. Er streichelte kurz Duos Gesicht und sagte dann fast traurig. „Und das ist das Problem. Zumindest für heute. Ich hab morgen früh – also in ein paar Stunden ein paar wichtige Termine. Die Zeit ist viel zu kurz.“

Duo wusste nicht ob er traurig, ärgerlich oder belustigt sein sollte. Das war eine Wendung mit der er nicht wirklich gerechnet hatte. „Termine? Am Sonntag?“ stammelte er.

Treize beugte sich wieder zu seinem Ohrläppchen vor, knabberte ein wenig daran rum und sagte dann. „So ist das Business. Immer 24/7. Aber morgen Abend hab ich frei. Wollen wir uns nicht auf einen Drink treffen und dann sehen wie es mit uns zweien weiter geht?“

Ah, das beruhigte Duo. Vor allem die Aussicht sich erst noch mal mit Treize zu treffen wo man sich vielleicht besser unterhalten konnte war nicht die schlechteste. Frustrierend für heute Nacht, weil die Hormone in Duos Körper verrückt spielten, aber auf lange Sicht besser. „Drink hört sich gut an.“

„Perfekt. Lass uns ins Turandot gehen.“

Duo schüttelte leicht den Kopf. „Keine Ahnung wo das ist.“

Treize runzelte kurz die Stirn, dann zuckte er mit de Schultern. „Ist zu kompliziert zu erklären. Am besten wir treffen uns vor dem alten Rathaus und gehen dann das letzte Stück zusammen. Passt dir neunzehn Uhr?“

„Guter Plan.“ Duo grinste zustimmend und wurde mit einem neuen Kuss belohnt.

Sie tanzten noch zu einem weiteren Lied, dann sagte Treize, „Ich muss leider los. Wenn ich nicht mindestens fünf Stunden Schlaf bekomm, dann ziehen die mich morgen früh gnadenlos über den Tisch. Bis morgen Abend, Schönheit.“

Treize zog Duo an den Schultern zu sich heran und gab ihm einen derart intensiven Kuss, dass Duos Zehen sich zusammenrollten. Das war Duo schon lange nicht mehr passiert. Als sie den Kuss brachen konnte Duo nur völlig außer Atem nach Luft schnappen und ein „Ja, bis Morgen,“ stammeln. Dann sah er auch schon wie Treize sich elegant den Weg nach draußen bahnte.

Duo wusste nicht wie lange er Treize hinterher starrte, aber plötzlich stand jemand neben ihm und pfiff so laut das es ohne Probleme die Musik übertönte. „Das waren ein paar verdammt heiße Tänze.“

Duo drehte sich zur Seite und sah wie ihn Quatre wie ein Honigkuchenpferd anstrahlte. „Hast du uns die ganze Zeit beobachtet?“

„Fast die ganze Zeit,“ gab der blonde Mann zu. „Ich war neugierig wie sich das zwischen euch entwickelt. Und ihr habt eine ziemlich heiße Show geliefert. Wie wollt ihr die Choreographie nennen? Sex on the dancefloor?“

„Gna, Gna, Gna,“ gab Duo zurück während er ziemlich damit beschäftigt war nicht rot anzulaufen.

„Und was ist jetzt mit dir und ihm?“

„Er heißt Treize. Und wir haben morgen ein Date.“ Plötzlich war Duo in Gedanken damit beschäftigt ob das Date mit Treize zählen würde, falls tatsächlich aus ihnen was werden würde, da man ja seine Tanzeinlage mit ihm auch schon als Date werten könnte. Immerhin war die Bedingung ja nur ein einziges Date zu haben, oder? Aber dann wurde Duo klar dass er nur gewettet hatte nach einem Date den anderen richtig einschätzen zu können. Und das war ja schließlich geschehen. Er war an Treize interessiert und wollte sich wieder mit ihm treffen, da würde Hilde ihm keinen Strick draus drehen können.

„Wow, ein Date. Das geht ja richtig schnell bei dir. Wieso hab ich nie so ein Glück?“ fragte Quatre.

Duo schlang seinen Arm um die Schulter seines Freundes. „Hey keine Panik wir finden auch noch jemanden für dich. Wirst schon sehen.“

„Aber das kann noch Ewigkeiten dauern. Am Mittwoch flieg ich erstmal für über ne Woche auf Dienstreise.“ Quatre zog eine Schnute.

Das sah derart niedlich aus, dass Duo lachen musste. „Du tust ja so als wenn du ins Exil geschickt wirst.“

„Ist doch auch fast so. Hier passieren die interessantesten Dinge und ich muss durch die Weltgeschichte reisen.“

Duo lachte laut. „Quatre, du solltest mal deine Prioritäten neu ordnen. Und ich verspreche dir, dir alles wichtige sofort brühwarm zu erzählen.“

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Wie nicht anders zu erwarten, war die Nacht dann ziemlich frustrierend für Duo. Viel zu gerne hätte er die aufgeheizten Hormone mit Treizes Hilfe wieder beruhigt. Und nachdem er den ganzen Abend die unglaublichen Hände des anderen auf seinen Körper gespürt hatte, war es ein wenig enttäuschend sich jetzt selbst berühren zu müssen.

Am nächsten Tag blieb er lange im Bett und versuchte soviel Schlaf zu holen wie nur möglich, denn wer wusste schon ob er in der nächsten Nacht Zeit dazu hatte. Duo hoffte sehr das er mit was anderem beschäftigt sein würde.

Erst am späten Nachmittag stand er endgültig auf und fing langsam damit an sich für das Date fertig zu machen.

Duo wusste immer noch nicht was das Turandot für ein Laden war. Aber da Treize Highclass war, war es das wohl auch. Was natürlich Duos Kleidungsauswahl erheblich einschränkte. Nach langem überlegen entschied er sich wieder für die schwarze Stoffhose und für ein gutes Hemd. Darüber noch ein Jackett das ihn intellektuell aussehen ließ. Man konnte ja nie wissen.

Ein paar Minuten zu früh erreichte er dann das alte Rathaus, praktisch den Mittelpunkt der Stadt. Treize war aber schon da und wartete auf ihn. Duo strahlte ihn an. Irgendwie hatte er schon befürchtet der andere würde nicht kommen, warum auch immer.

Treize lächelte auch, und zog Duo dann dicht an sich und küsste ihn tief. „Hallo Schönheit,“ erklärte er. „Dann lass uns mal losgehen.“ Treize schlang seinen Arm um Duos Hüfte und führte ihn nach links.

„Hast du heute an mich gedacht?“ fragte Treize plötzlich während er sie durch die Altstadt manövrierte.

„Die ganze Zeit,“ gab Duo zu. „Es war ziemlich frustrierend ohne dich ins Bett zu gehen.“ Duo hielt nichts von falscher Scham. Er fühlte sich zu Treize hingezogen und er hätte ohne Probleme mit ihm heute Nacht geschlafen. Wieso das also nicht zugeben. „Und du?“

„Ein paar Mal. Immer an den unpassendsten Stellen natürlich.“ Erklärte Treize. „Zum Glück hab ich das Geschäft trotzdem erfolgreich abgeschlossen. Das müssen wir heute Nacht feiern.“

„Oh ja,“ war Duos ehrliche Antwort.

Dann hatten sie anscheinend das Turandot erreicht. Duo schaute sich neugierig um, als sie den Laden betraten. Er hatte richtig geraten, dass hier war absolute highclass. Edelstes Mobiliar und Gäste die alle aussahen als wenn sie einer teuren Modezeitschrift entsprungen wären.

Treize zog ihn wieder an sich, küsste ihn tief und ließ seine Hände freizügig über Duos Hintern streicheln. Komischerweise erregte das Duo nicht ganz so sehr wie gestern Abend. „Geh schon mal an die Bar und bestell dir was. Ich muss noch ein paar Leuten guten Tag sagen. Socialising und so. Bin gleich wieder bei dir.“

Duo zuckte die Schultern, er war zwar etwas erstaunt wieso er Treize denn nicht bei der Begrüßungstour begleiten sollte, aber andererseits hatte er auch nicht viel Lust Leuten vorgestellt zu werden die er vielleicht nie wieder sehen würde. Deshalb befolgte er einfach Treizes Vorschlag.

An der Bar musste Duo dann Stirnrunzelnd feststellen dass es außer irgendwelchen Schickimicki Designerbieren nichts anständiges zu trinken gab. Zumindest nicht wenn man auf Cocktails verzichten wollte. Und davon war er für die nächsten Jahre geheilt. Also schickte Duo eine Entschuldigung zum Biergott und ließ sich eines von den komischen Gemischfläschchen geben. Unglaublich was heute so alles Modern war.

Er lehnte sich an die Theke und ließ seinen Blick über den Laden wandern. Schnell fand er Treize der scheinbar in ein sehr angeregtes Gespräch gefangen war. Duo runzelte die Stirn, hatte Treize nicht gesagt dass er nur kurz Hallo sagen wollte?

Es schien allerdings eine ziemlich lange Begrüßung zu sein, denn fünf Minuten später stand Treize immer noch bei der Gruppe. Nur dass die inzwischen angewachsen war. Treize begrüßte jeden der dazu kam mit zwei Wangenküssen und schien sich prächtig zu amüsieren.

Dann, gerade als Duo am überlegen war ob er nicht auch dorthin gehen sollte, entfernte sich Treize aus der Gruppe. Duo lehnte sich erleichtert wieder zurück. Wurde auch langsam Zeit dass der andere wieder zu ihm kam. Er hatte das Bier schon fast ausgetrunken und verspürte nicht wirklich das Verlangen nach einer weiteren Flasche.

Doch statt zu ihm zu gehen, hielt Treize bei der nächsten etwas größeren Gruppe an, und die Begrüßungszeremonie begann von vorne.

Duo wurde langsam wütend. Er schaute auf die Uhr, sie waren jetzt schon seit einer halben Stunde in dem Laden und Treize ließ ihn einfach an der Theke stehen. Was sollte das? Sie hatten doch ein Date, oder?

Klar, im Grunde hatten sie sich eher dazu verabredet sich heute Nacht gemeinsam durch die Laken zu wühlen, aber Treize hatte ihn in die Bar eingeladen. Und das sollte verdammt noch mal auch bedeuten dass der andere etwas Zeit mit ihm verbrachte. Und nicht nur mit den anderen Gästen der Bar. Duo schäumte vor Wut.

Mit einem lauten Scheppern stellte er die Flasche auf der Theke ab und wandte sich an den Barkeeper um sich doch noch eine weitere zu bestellen.

Der Barkeeper grinste ihn schief an. „Das macht er immer so,“ erklärte er während er vor Duo die Flasche abstellte.

Duo zog die Augenbrauen hoch. „Wer macht was?“

„Na Treize,“ der Barkeeper zeigte mit seinem Kopf in die Richtung des rothaarigen Mannes. „Er bringt immer seinen neuesten Aufriss her um mit ihm anzugeben, damit auch alle die Gelegenheit haben das Frischfleisch zu begutachten. Erst wenn er mit jedem hier im Laden gesprochen hat, wird ihm wieder einfallen das du überhaupt existierst.“

Duos Stirnrunzeln wurde tiefer. „Und das lassen sich seine Eroberungen gefallen?“

Der Barkeeper zuckte mit den Schultern. „Natürlich. Er ist Treize. Unglaublich heiß. Unglaublich mächtig, er ist groß im Geschäft. So mancher würde alles tun um ihn ein paar Nächte lang das Bett zu wärmen.“

Die Bier-Plörre in Duos Mund verwandelte sich in ekelig schmeckenden Abschaum. Für was hielt ihn Treize? Für was hielten ihn die anderen hier im Raum? Duo wusste er hatte in seinem Leben schon einige Fehler begangen, aber er war bei weitem nicht doof genug für diesen hier.

Er stellte die Flasche wieder ab und fischte einen Geldschein aus seiner Hosentasche. „Nun, zu dieser Sorte gehöre ich zumindest nicht. Stimmt so.“ Und mit diesen Worten drehte er sich um und ging.


Kapitel 7

Duo gähnte ausgiebig, er konnte kaum seine Augen aufhalten. Aber das war ja auch kein Wunder, nachdem er fast die gesamte Nacht mit Quatre telefoniert hatte um sich über den mehr als miserablen Abend auszulassen.

Was für ein Glück dass sein neuer Freund Multimilliardär war, so konnte sich dieser die immensen Mobiltelefonkosten ohne Probleme leisten. Außerdem war Quatre ein sehr guter Zuhörer. Während sich Duo bei ihm auskotzte wurde seine Wut über das verpatzte Date und den grandiosen Fehlgriff Treize etwas geringer. Er konnte sogar ein wenig über den affektierten Angeber grinsen.

Und so konnte er dann auch lachend ablehnen, als Quatre völlig ernst anbot Treize in den Ruin zu treiben. Das wäre ein leichtes für ihn, hatte sein Freund behauptet. Zwar wollte Duo das nicht anzweifeln, aber die Arbeit musste sich Quatre deshalb trotzdem nicht machen. Duo fand dass Treize auch schon so ein armes Würstchen war.

Allerdings würde Duo es sich nicht nehmen lassen über die Buschtrommeln verkünden zu lassen was für ein Arschloch Treize war. Vielleicht würde diese Warnung nicht viele erreichen, oder abschrecken, aber jeder der nicht mehr auf Treize hereinfallen würde, wäre ein kleiner Sieg.

Trotzdem war Duo am nächsten Morgen sehr müde zur Arbeit erschienen. Damit hatte er zwar schon gerechnet, allerdings hatte er gedacht dass seine Müdigkeit einen viel schöneren Grund haben würde.

Duo tat was jeder in dieser Situation machen würde, er kippte sich drei Tassen Kaffee rein und stürzte sich auf die Arbeit. Wäre ja gelacht wenn er sich von so einem aufgeblasenen Casanova runterziehen lassen würde.

Als die Müdigkeit so langsam nachließ und einem unbestimmten dumpfen Gefühl bei gleichzeitiger hektischer Betriebsamkeit zurückließ kam plötzlich eine von Duos Kolleginnen vorsichtig auf ihn zu.

„Hey Duo. Ist es wahr was Sarah erzählt?“ fragte Jennifer leicht nervös.

„Was?“ erwiderte Duo erstaunt. Sarah erzählte schließlich viel, sie war immerhin ihre Redakteurin.

„Na, Sarah hat erwähnt dass du auf der Suche nach einem Partner bist. Stimmt das?“

Duo zählte innerlich bis zehn, um nicht aus tiefstem Herzen aufzustöhnen. Er wollte eigentlich gar nicht daran erinnert werden dass er gerade auf der Suche nach Mr. Right war. Bisher hatte er nur Dates mit den absolut verkehrten Typen gehabt. Er nahm bei dieser Betrachtung Quatre mal raus. So langsam kam sich Duo wie die absolute Niete vor was Dates anging. Soviel Pech wie er konnte doch ein einzelner nicht haben, oder? Aber das würde er jetzt garantiert nicht seiner Kollegin erzählen. „Ja, das stimmt,“ sagte er deshalb mit einem halbwegs gezwungenen Lächeln. „Hab aber noch nicht den richtigen gefunden,“ fügte er noch hinzu.

„Prima,“ Jennifer strahlte. „Ich kenn nämlich jemanden der absolut perfekt zu dir passen würde. Und er ist auch Single.“

Duo unterdrückte den Impuls mit den Augen nach oben zu rollen. Jennifer wollte ihn verkuppeln. Als ob er das nötig hatte. Doch bevor Duo eine entsprechend negative Antwort geben konnte, überlegte er es sich anders. Immerhin er hatte doch schon so gut wie alles andere ausprobiert. Und war jedes Mal kläglich gescheitert. Vielleicht war es da mal ne gute Alternative sich von Freunden verkuppeln zu lassen. Die kannten einen immerhin und wussten sicher viel besser wer zu einem passte. „Kenn ich ihn?“ fragte Duo deshalb. Er war sich ziemlich sicher dass er die meisten von Jennifers Freunden kannte.

Die blonde Frau schüttelte mit dem Kopf. „Wahrscheinlich nicht. Es ist ein Bekannter von mir. Eher der Freund eines Freundes. Aber ihr passt sicher gut zusammen.“

Das hörte sich schon weniger vertrauenerweckend an. „Wie ist er denn so?“ hakte Duo nach.

Jennifer lachte. „Nett.“

Jetzt rollte Duo wirklich mit den Augen. „Jen, du weißt doch ‚nett’ ist ein Synonym für hässlich. Gib mir was das mich motiviert den Typen zu treffen.“

Ihr Lachen wurde lauter. „Nicht jeder der nett ist, ist auch hässlich. Also gut, Trowa ist groß, dunkel, gut gebaut und tanzt wie ein Profi. Reicht das?“

Der ungewöhnliche Vorname kam Duo gänzlich unbekannt vor, also war es klar, dass er den Mann nicht kannte. Aber groß und dunkel hörte sich gut an. „Es macht mich zumindest neugierig. Was macht er als Beruf?“ Duo wollte sicher gehen nicht wieder mit so einem Computerkuschler verkuppelt zu werden.

„Er ist Maler.“

Ah, ein Handwerker. Das wäre mal ne Abwechslung nach diesem angeberischem Businesstypen Treize. „Also gut, ich versuch eine Verabredung mit ihm,“ stimmte Duo zu.

„Prima. Pass auf ich versuch ihn gleich zu erreichen. Gibt es einen Termin diese Woche wo du nicht kannst?“

„Samstag,“ antwortete Duo. Da war er wieder mit Quatre verabredet um die Clubs unsicher zu machen.

Jennifer war eine Frau der Tat und schon ein paar Minuten später war Duo um ein Date reicher. „Trowa hatte einen recht vollen Terminkalender. Außer am Samstag konnte er nur Donnerstag. Jetzt wirst du da mit ihm ins Theater gehen. Er besorgt die Karten und trifft dich ne halbe Stunde vorher im Theaterfoyer.“

Das war mal ganz was anders. Zwar konnte man sich während einer Vorstellung nicht sonderlich gut unterhalten, weshalb Duo das niemals für ein Date ausgewählt hätte, aber andererseits hatten sie ja vorher und auch nachher noch genug Zeit zum Reden. Auf jeden Fall war es eine Abwechslung zu den Verabredungen die er bisher hatte. Also erstmal positiv. „Ähm, in welches Stück gehen wir denn?“ hakte er noch nach. Er wollte nicht völlig unvorbereitet ins Theater gehen.

„Oh, das hab ich ganz vergessen zu fragen.“ Jennifer sah schon so aus, als wenn sie zum Telefon greifen wollte um Trowa noch einmal anzurufen. Doch dann überlegte sie es sich anders: „Eine Freundin von mir war letzte Woche im Theater. Da haben die ‚Ernst sein ist alles’ von Oskar Wilde gespielt. Ich nehme mal an, dass es das gleiche Stück sein wird. Du kannst aber sicher auch im Internet nachgucken.“

Das Theaterstück kannte Duo sogar. Er hatte vor ein paar Jahren die Verfilmung gesehen und sich dabei sehr amüsiert. Der Wortwitz war brillant gewesen und er hatte keinerlei Probleme damit sich das noch einmal anzuschauen. Und vor allem musste Trowa einen ziemlich gleichen Humor wie Duo haben, wenn er dieses Stück ausgewählt hatte. Das ließ sich doch schon mal gut an.

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Die nächsten Tage waren dann etwas ruhiger für Duo. Beziehungsweise er beruhigte sich langsam über das schreckliche Date mit Treize und blickte wieder etwas zuversichtlicher in die Zukunft.

Er hatte nicht nur das Date mit diesem Trowa, sondern auch noch eine Essensverabredung für Freitagabend. Wieder mit jemandem von dem Internetportal. Duo versuchte jetzt mit jedem der halbwegs interessant klang ein Treffen auszumachen. Wenn er die Wette gewinnen wollte, musste er langsam mal einen Zahn zulegen, und durfte sich vor allem von den Rückschlägen nicht entmutigen lassen.

Zum Glück war Donnerstag ein Feiertag und dadurch hatte Duo ein langes Wochenende. So konnte er sich von all den Abendveranstaltungen immer gleich wieder erholen. Duo fand das auch fast nötig. So oft war er schon lange nicht mehr auf der Piste gewesen. Zwar traf er sich andauernd mit seinen Freunden aber eine Verabredung war doch etwas ganz anders. Auch wenn es langsam zur Routine für Duo wurde.

Pünktlich betrat Duo am Donnerstag das Theaterfoyer. Er hatte Jennifer gefragt wie Trowa denn aussehen würde, damit er ihn gleich erkennen konnte. Jen hatte nur gekichert und gesagt das er eine ungewöhnliche Frisur hatte. Mehr hatte sie dann aber nicht verraten, sondern nur gesagt dass Duo ihn schon erkennen würde.

Und nachdem Duo einmal die große Halle mit seinen Blicken durchwandert war, musste er Jen recht geben. Er hatte Trowa sofort erkannt. Und ja, es war eine merkwürdige Frisur. Duo schmunzelte leicht als er auf den Mann zuging, dessen eine Gesichtshälfte von einem stylischen Pony bedeckt wurde.

Nach ein paar Schritten, schien der andere ihn auch erkannt zu haben und ging ebenfalls auf ihn zu. Sie trafen sich fast in der Mitte. Duo lächelte breit und hielt dem anderen seine Hand hin. „Hi, ich nehm an du bist Trowa.“

Die sichtbare Hälfte des Gesichts seines Gegenübers erhellte sich. „Und du musst Duo sein. Jennifer hat gesagt, ich würde dich an deinem Zopf erkennen.“

Seine Kollegin hatte scheinbar nicht nur ihre Frisuren akkurat beschrieben, Duo fand auch sonst, dass Trowa so aussah wie er ihn sich vorgestellt hatte. Er war groß – fast einen Kopf größer als er selbst. Und dunkel. Und ja, sein Köper wirkte auch sehr gut. Außerdem hatte er einen festen und ehrlichen Händedruck. Das war alles schon mal ganz positiv, fand Duo.

Sie kamen auch relativ schnell in ein nettes Gespräch. Zwar schien Trowa eher von der stillen Sorte zu sein, aber der bestritt dennoch recht unverkrampft seinen Teil der Unterhaltung. „Woher kennst du eigentlich Jennifer?“ fragte Duo nach den ersten Runden des Kennenlernens.

„Ich hab sie auf ein paar Ausstellungen gesehen, wir wurden einander vorgestellt und haben uns recht gut verstanden.“

„Freund eines Freundes also?“ grinste Duo.

„Eher Bekannter eines Bekannten,“ gab Trowa mit einem leicht verschmitzten Ausdruck zurück.

„Ja, so ist Jen. Immer recht großzügig was ihre Freundesliste angeht. Aber sie ist unheimlich nett.“

„Du kennst sie von der Arbeit, nicht? Wie ist das so beim Radiosender? Wie wählt ihr die Musik aus?“

Duo fand es leicht darauf mit Freude zu antworten. Trowa schien wirklich interessiert an seiner Arbeit und nach den letzten verkorksten Dates kam sich Duo zum ersten mal nicht so vor als wenn sein Gegenüber ihn für unterbelichtet hielt nur weil er beim Radio arbeitete.

So redeten sie eine Weile, doch dann als ein Gong ertönte um anzuzeigen dass das Stück in wenigen Minuten beginnen würde, gingen sie zu den Treppen. „Ich hab Karten für die Loge bekommen. Von unseren Plätzen aus werden wir das gesamte Bühnenbild genießen können.“

Duo nickte nur. Dann sah er dass auf einer Anzeigetafel ‚Die Fliege an der Wand’ stand. Er runzelte die Stirn, seiner Meinung nach wurde dort immer angezeigt welches Stück denn gespielt wurde.

Als er Trowa danach fragte, gab dieser einen kurzen belustigen Ton von sich, „Ernst sein ist alles wird erst wieder am Samstag gegeben. Die zwei Stücke wechseln sich ab.“

„Ok,“ murmelte Duo. Soviel also dazu ein Stück zu sehen dass er kannte und mochte. Er hatte keine Ahnung was dieses ‚Die Fliege an der Wand’ sein sollte. Davon hatte er noch nie gehört. Aber er wollte sich auch nicht unbedingt die Blöße geben und jetzt nachzufragen. Es war ja eh zu spät, sie würden das Stück jetzt ansehen. Duo hoffte nur, dass es so was ähnliches wie die ‚Mausefalle’ sein würde. Einen Krimi könnte er jetzt auch gut vertragen.

Ungefähr eine halbe Stunde später wusste Duo definitiv dass das einzige Mysterium in dem Stück das Stück selber war. Obwohl vielleicht wäre Verbrechen eine bessere Bezeichnung.

Duo wusste nicht ob er jetzt, verwundert, erstaunt oder bestürzt sein sollte. Vielleicht war sein Gehirn auch viel zu überfordert um all die verschiedenen Sinneseindrücke aufzunehmen und richtig einzuordnen. Oder sein Gehirn hatte sich zum eigenen Schutz irgendwohin auf Urlaub verzogen.

Duo konnte das was auf der Bühne passierte noch nicht einmal genau beschreiben, dafür war es viel zu unverständlich. Es fing schon mit dem Bühnenbild an. Das schien nur aus einer Bürstenanlage einer Autowaschstraße zu bestehen. Warum auch immer. Außerdem hingen ausgestopfte Hunde von der Decke. Sehr viele davon. Fliegen hätte Duo ja noch verstehen können, aber Hunde?

Und dann das Stück selbst. Soweit es Duo mitbekam, hatte es gar keine Handlung. Zumindest keine die irgendjemand mit gesundem Menschenverstand verstehen konnte. In der linken Ecke der Bühne standen vier schwarz gekleidete Männer die unablässig in einer Art Kanon etwas sangen, etwas dass sich nach angestrengtem Zuhören als eine Bedienungsanleitung für einen Videorekorder entpuppte.

In der rechten Ecke stand eine einzelne Frau, die einem sackähnlichen Gebilde gekleidet war auf dem unzählige Glocken hingen. Alle paar Minuten schrie sie in glaszerschmetternder Höhe „Konsum!“.

Aber das war noch nicht alles, ebenfalls alle paar Minuten liefen ein paar Männer die Hirschgeweihe auf dem Kopf trugen über die Bühne, gefolgt von lachenden Frauen die sie mit Farbbeuteln bewarfen.

Und während der ganzen Zeit stand ein etwas älterer Mann in der Mitte der Bühne und redete mit dem Publikum als wenn es ein alter Freund wäre. Wobei er teilweise schrie, und teilweise so leise sprach das Duo nicht mitbekam was er denn sagte. Obwohl Duo sich inzwischen wirklich sicher war, dass dadurch das Stück auch nicht verständlicher werden würde.

Er kam sich vor als wenn er eine Dichterlesung der Asgothen von Kria miterleben würde. Und er überlegte fast beiläufig ob er sich dann wie der Mittelgalaktische Kunstklau-Beirat eines seiner Beine abknabbern müsste um dem hier zu entgehen. Oder ob sich sein Dickdarm nach oben stülpen könnte um sein Gehirn zu erwürgen. Zumindest könnte er so bei Verstand sterben.

Dann schüttelte er den Kopf und schalt sich, dass er viel zu viel ‚Per Anhalter durch die Galaxis’ las. Trotzdem, der Wunsch dieser Qual hier zu entkommen wuchs mit jeder Minute.

Endlich fiel der Vorhang und die Lichter gingen wieder an. Die Besucher klatschten so euphorisch dass Duo sich nur knapp davon abhalten konnte hysterisch zu lachen. Er brauchte jetzt was zu trinken. Vielleicht hatte die Theaterbar ja einen Pangalaktischen Donnergurgler im Angebot. Ohne das würde er die zweite Hälfte des Stückes sicher nicht überstehen.

Als er dann mit Trowa in der Vorhalle stand bemerkte er zwei Dinge. Zum einen dass er mit dem Bier das er gerade trank – etwas stärkeres gab es an der Bar nicht – nicht in der Lage sein würde sein Gehirn soweit zu betäuben um den Rest des Stückes ohne Schmerzen zu überstehen, und dass Trowa und scheinbar auch alle anderen Besucher vollkommen begeistert waren.

Das ging wirklich nicht in Duos Verstand. Er war zwar kein überaus fleißiger Theatergänger, aber er hielt sich was Kultur betraf trotzdem nicht für vollkommen unbeleckt. Er kannte die Klassiker, und er mochte auch viele. Er schreckte auch vor einer Oper in Italienisch nicht zurück. Aber das hier, das war absolute Qual. Es war zu abstrus um darin irgendeinen Sinn zu erkennen, und Sinn war das was Duo doch ganz gerne in solchen Aufführungen wieder fand.

Er nahm einen weiteren tiefen Schluck, vielleicht könnte er ja noch eine zweite Flasche schaffen bevor die Pause zu ende war. Dann fasste er sich ein Herz. „Worum geht es in dem Stück?“ fragte er.

„Ist das nicht offensichtlich?“ erwiderte Trowa.

Duo verschluckte sich fast. Er hatte schon einen entsprechenden Kommentar auf den Lippen, aber den verkniff er sich lieber. Trowa schien die Fliege wirklich zu gefallen und nichts konnte ein Date schneller den Bach runter gehen lassen, als eine Beleidigung des Geschmacks vom Gegenüber. „Es hat sich mir noch nicht so ganz erschlossen,“ antworte Duo statt dessen.

„Nun, dass Stück ist eine surreale, dadaistische Darstellung über das Leben im Allgemeinen.“

„Ahhhh,“ sagte Duo lang gestreckt. „Das hab ich mir dann auch schon gedacht.“ In seinem Inneren machte er sich eine Notiz niemals wieder in ein Theaterstück zu gehen in dessen Beschreibung die Wörter ‚surreal’ oder ‚dadaistisch’ vorkamen. „Aber was ist zum Beispiel die Rolle dieser Frau die die ganze Zeit ‚Konsum’ kreischt?“

„Sie soll uns daran erinnern, dass das der Sinn des Lebens nicht nur im Materialismus liegt. Im Grunde repräsentiert sie die Fliege an der Wand.“

„Aha,“ gab Duo zurück. „Und wieso kreischt sie dabei so?“

Trowa schenkte ihm ein fast gönnerhaftes Lächeln. „Um uns aufzuschrecken natürlich. Die Schauspielerin ist übrigens meine Schwester.“

Duo verschluckte sich fast wieder an seinem Bier. Trowas Schwester stand kreischend auf der Bühne? Na, zumindest würde das erklären wieso Trowa überhaupt in so ein Stück ging. Das war nichts, was Duo normalerweise mit einem ehrlichen Handwerker in Verbindung bringen würde. Aber bevor er noch darauf antworten konnte, läutete wieder der Gong und alle Besucher strömten in den Zuschauerraum. Duo hoffte nur, dass die zweite Hälfte besser werden würde.

Sie wurde es natürlich nicht. Im Gegenteil. Alles war wie gehabt, nur dass jetzt ein weiterer Mann in der Mitte der Bühne stand und in einer Tour kleine Stäbe aus einem Korb nahm, nur um die dann zu zerbrechen und wortlos neben sich fallen zu lassen.

Gleichzeitig begann die Kreischlady – also Trowas Schwester – damit sich eine Glocke nach der anderen vom Kleid zu reißen. Und dann, als alle Glocken am Boden lagen öffnete sie das Sackähnliche Gebilde und stand dann nackt auf der Bühne, während sie weiter ‚Konsum’ schrie.

Duos Augen öffneten sich weit vor Schreck. Er hatte ja schon viel erlebt, aber dass er die Schwester eines Dates früher nackt sah, als das Date selbst, nicht. Und Duo fand auch dass es kein besonders schöner Anblick war, wie sie so völlig entblößt im harten Scheinwerferlicht stand. Sie war nicht nackt um schön oder erotisch zu sein. Soviel verstand selbst Duo. Wahrscheinlich sollte sie nur so die Hoffnungslosigkeit der Menschheit symbolisieren oder so.

Was auch immer, es war Duo egal. Er hoffte nur dass das Magengrimmen dass er gerade verspürte nicht doch sein Dickdarm war. Er würde diesen Abend gerne überleben.

Anscheinend ging sein Gehirn danach tatsächlich in Winterschlaf oder durch einen Riss im Raum-Zeitkontinuum wurde er an das Ende des Stückes gebeamt, egal wie, es schien so als wenn kurz darauf das Stück zu Ende war. Und Duo bemerkte das erst als die anderen Besucher aufgeregt klatschten.

Froh noch bei Verstand zu sein, klatschte Duo höflich mit. Immerhin war Trowas Schwester eine der Verbrecherinnen – äh Schauspielerinnen. Da konnte er nicht Buhrufen oder mit Tomaten werfen.

Unendlich glücklich die Qual überstanden zu haben, folgte Duo Trowa in das Foyer.

Etwas unschlüssig blickte Duo sein Gegenüber dann an. Der andere hatte zwar einen schrecklichen Geschmack was Theaterstücke anging, aber sonst war er ja nicht wirklich un-nett. Duo wollte das Date noch nicht für gescheitert erklären. „Was machen wir jetzt?“ fragte er deshalb.

„Wir könnten ins ‚Da’, dort haben sie heute eine Soiree mit Zwölftonmusik. Sicher sehr interessant.“

Duo bemühte sich kläglich seine Meinung zum Thema Zwölftonmusik von seinem Gesicht zu verbannen. Das war seiner Meinung nach wirklich nur Krach. Er wusste nicht ob es schlimmer war als die Lieder von Modern Talking, aber er war sich sicher, dass beide Unterarten der Musik es nicht wert waren gehört zu werden. Trowa schien einen wirklich eigenartigen Geschmack zu haben. Oder er versuchte verkrampft sich als Kulturfreund zu geben. Andererseits wirkte Trowa viel zu entspannt und zu vertraut in dieser Umgebung dass es eine Aufschneiderei sein könnte.

„Umpf,“ antworte Duo schnell. „Lieber nicht. Ich hab eher gehofft wir würden vielleicht ins Nightwish gehen. Noch ein bisschen tanzen? Jennifer hat gesagt du wärst ein toller Tänzer.“

„Sorry, ich bin vor ein paar Tagen umgeknickt. Da will ich meinen Fuß lieber noch schonen.“

Das konnte natürlich stimmen, es konnte auch eine total offensichtliche Ausflucht sein. Irgendwie hatte Duo das untrügliche Gefühl, dass sich die Verabredung mit Trowa dem Ende näherte. Es war sozusagen ein Kultur-Clash zwischen ihnen. „Das ist schade,“ gab er noch zu bedenken, bot aber nicht an Trowa doch zu der Zwölftonmusik zu begleiten. Er war sich sicher, dass seine Sinne das heute nicht mehr überstehen würden.

Er und Trowa standen sich noch für ein paar Minuten unschlüssig gegenüber. Jeder von ihnen schien zu überlegen ob er noch etwas anbieten könnte um das Date zu verlängern, aber keiner brachte etwas zur Sprache. Und so verabschiedeten sie sich Augenblicke später von einander. Und keiner fragte den anderen nach dessen Telefonnummer.



Kapitel 8 - Eine riesen Überraschung


"Ich glaub man kann mit Fug und Recht behaupten, dass ich einfach nicht für dieses Dating Spiel gemacht bin. Am besten ist es vielleicht, wenn ich gleich ganz aufgeb," grummelte Duo zu Quatre. Sie standen nebeneinander in der Schlange zu einem relativ neuen, und angeblich total heißen Club an. Trotz, oder gerade wegen der langen Schlange war sich Duo jetzt schon sicher, dass er dem Nightwish treu bleiben würde. Nur heute hatte er irgendwie keine Lust gehabt dorthin zu gehen. Bei seinem Glück würde er garantiert Treize über dem Weg laufen, und dann könnte er für nichts garantieren. Weshalb sie spontan beschlossen hatten den anderen Club mal auszuprobieren.

"Wie kommst du nur auf die Idee?" fragte Quatre.

"Weil ich bisher nur die schlimmsten Katastrophen erlebt hab. Diese Woche war der blanke Horror." Duo schüttelte sich bei der Erinnerung an die zwei Dates die er neben dem missglückten Abend mit Treize noch gehabt hatte.

"So schlimm kann es doch auf keinen Fall gewesen sein," erwiderte Quatre gut gelaunt.

"Hallo???" empörte sich Duo. "Ich war gestern essen in einem Veganischem Restaurant. Schlimmer geht's nicht mehr."

Duo war sich sicher, dass Quatre gerade ein Lächeln unterdrückte. "Und das ist nicht komisch!" stellte er deshalb noch mal fest.

"Also ich weiß ja nicht. Wenn die Gesellschaft nett ist, spielt doch das Restaurant keine Rolle."

Duo rollte jetzt wirklich mit den Augen. "Normalerweise hast du Recht. Aber wir reden hier von einem Veganischen Restaurant. Ganz davon abgesehen dass ich noch nicht mal wusste dass unsere Stadt so etwas hat, wer geht wohl dorthin zum essen? Ein kleiner Tipp, es sind keine normalen Esser."

"Duo, du wirst doch wohl jetzt nicht sagen, dass du Vorurteile gegen Veganer hast?"

Duo seufzte. "Versteh mich nicht falsch Q. Ich hab nichts gegen Vegetarier. Verdammt wenn das nicht so ein Klischee wäre, wäre würde ich jetzt sagen dass meine beste Freundin Vegetarierin ist. Und ich esse in unserer Kantine mindestens genauso oft das vegetarische Menu wie das ‚normale'. Aber Veganer? Das ist ne vollkommen andere Spezies. Wenn ich gestern nicht zufälligerweise Turnschuhe statt meiner Lederschuhe angehabt hätte, dann hätten die mich garantiert gelyncht."

Quatre lachte laut auf. "Ich bin sicher du übertreibst."

Duo schüttelte vehement den Kopf. "Nein, tue ich nicht. Du hättest das mal erleben sollen. Während des ganzen Essens hat Rick - so hieß der Typ - mir in epischer Länge erzählt wie verwerflich doch unser normales Essverhalten ist. Als er dann irgendwann meinte, dass wer wirklich im Einklang mit der Natur sein will, sich eigentlich nur von Fallobst ernähren dürfte hab ich echt aufgegeben. Er schien ja ansonsten ganz nett zu sein, aber diesen Stresslevel brauch ich nicht. Ich bin ein Fleischesser und hab kein schlechtes Gewissen dabei. Ich will Leder tragen und mir nicht bei jedem Apfel den ich essen möchte fragen müssen ob ich dadurch den Kreislauf der Natur beeinflusse. Irgendwo ist mal gut!"

Quatre hob abwehrend die Hände. "OK, ich sehe ein, dass das Date ziemlich anstrengend gewesen ist. Aber deswegen gleich aufgeben? Ziemlich drastisch oder?"

Duo schnaubte. "Du hast gut reden. Während du es dir auf deiner Geschäftsreise gemütlich gemacht hast, hab ich hier leiden müssen. Es war ja nicht nur Rick der Veganer, sondern das andere Date war genauso katastrophal."

"Davon hast du noch gar nichts erzählt. Was war denn damit los?"

"Wir waren im Theater!"

"Ja und? Ich liebe das Theater." Quatre strahlte.

"Und es lief ‚Die Fliege an der Wand'." Duo war immer noch erstaunt, dass sein Gehirn scheinbar keinen bleibenden Schaden an dem Abend erlitten hatte.

"Oh," sagte Quatre aufgeregt. "Das ist so ein tolles Stück. Ich war schon zweimal drin."

Duo betrachtete seinen Freund, als ob ihm gerade ein zweiter Kopf gewachsen wäre. "Du warst da zweimal drin? Freiwillig?" Das war ein Konzept das Duo einfach nicht verstehen konnte.

"Oh ja. Hab selten so eine ergreifende und dadaistische Annäherung an den Sinn des Lebens erlebt. Besonders gut hat mir die Einfachheit des Bühnenbildes gefallen."

"Wer bist du, und was hast du mit dem wirklichen Quatre getan?" fragte Duo entsetzt. Es konnte doch wohl nicht sein, dass sein Freund diesen Quatsch mit Soße mochte und verstand?

"Ich weiß echt nicht was du hast," erwiderte Quatre. "Das Stück war doch wirklich gut. Ich hab schon sehr viel Schlimmeres gesehen."

Und das merkwürdige war, dass Duo ihm das sogar abnehmen konnte. Plötzlich wurde ihm bewusst, dass er und sein Freund eine vollkommen andere Bildung genossen hatten. Wahrscheinlich war es in einer Familie wie den Winners normal schon Kinder mit in so abgedrehte Theaterstücke zu schleifen. Und vielleicht konnte Quatre in dieser Art Stücke tatsächlich mehr sehen als Duo. Trotz dass sie sich in so vielen Dingen total ähnlich waren, gab es diese absoluten Unterschiede. Duo schnaubte. "Erinnere mich daran, nie mit dir ins Theater zu gehen," witzelte er.

Quatre zog eine kleine Schnute. "Wieso das denn?" aber das laute Lachen am Ende seines Satzes zeigte dass er ganz genau den Grund kannte. Duo fiel in das Lachen mit ein und sie hatten noch viel Spaß bis sie endlich in den Club eingelassen wurden.

Nach knapp zwei Stunden war sich Duo absolut sicher, dass dieser Laden dem Nightwish nicht gefährlich werden konnte. Sicher, er würde immer ein großes Publikum haben, aber nicht wirklich das, was Duo suchte. Die Musik war nicht schlecht und auch die Einrichtung war ok, aber das Nightwish hatte irgendwie etwas besonders, das dieser neue, fast gelackte Laden einfach nicht besaß. Trotzdem amüsierte sich Duo recht gut. Es war nicht schlecht von Zeit zu Zeit auch mal woanders zu sein. Außerdem war das Tanzen mit Quatre sehr viel interessanter als all die quälenden Dates die er diese Woche gehabt hatte.

"Ich brauch dringend was zu trinken," schrie Quatre in sein Ohr.

Da auch Duo das Gefühl hatte langsam auszutrocknen, nickte er nur und folgte seinen Freund zur nahe gelegenen Bar. Dort bestellten sie sich beide jeweils eine Flasche Wasser. Tanzen machte extrem durstig.

"Ist nett hier," nuschelte Quatre zwischen zwei Schlucken. "Nicht so toll wie im Nightwish aber nett."

Duo nickte bestätigend. Seine Augen ließ er dabei über all die anderen Gäste schweifen. "Ist nen etwas anderes Publikum als im Nightwish."

"Das ist doch gut. Dann trifft man mal Leute die man noch nicht kennt. Offiziell sind wir schließlich ja noch auf der Suche nach Mr. Right. Da schadet es nichts mal die Jagdgründe zu wechseln."

Duo musste breit grinsen. Quatre hatte ja so Recht. Wenn sie immer nur im selben Teich fischen würden, dann mussten sie sich nicht wundern wenn sie immer nur die gleichen Typen trafen. Was Duo daran erinnerte dass er so damit beschäftigt war über seine Katastrophen dates zu jammern, dass er Quatre noch gar nicht gefragt hatte wie es denn bei seiner Suche aussah. Ein schöner Freund war er. "Wie läuft es denn bei dir?" hakte er deshalb gleich mal nach. Zum Glück war in der Nähe der Bar die Musik ein wenig gedämpft, so dass man zumindest halbwegs normal miteinender reden konnte. So normal wie es in einem Club halt möglich war.

Quatre winkte ab. "Bisher noch kein Date - war einfach zu sehr mit der Firma beschäftigt. Aber ich hab mich mit ein paar netten Typen gemailt. Vielleicht mach ich für nächste Woche mal ein Treffen aus. Bin da nicht sonderlich in Eile."

Duo schüttelte den Kopf. "Tss, ich will das irgendwie lieber heute als morgen hinter mich bringen." Und das nicht nur wegen der Wette die er mit Hilde am Laufen hatte. So langsam gingen ihm die ganzen Dates - und die Katastrophen - auf die Nerven. Er wollte wieder seine Ruhe haben.

"Wie heißt es so schön? You can't hurry love. Ich gehe es lieber etwas gemütlicher an. Wenn es passieren soll, dann passiert es."

"Also mit der Philosophie hättest du eigentlich gar keine Anzeige im Internetforum aufgeben brauchen," witzelte Duo.

Quatre grinste verstohlen. "Naja, das Schicksal kann sicher den einen oder anderen Anschubser vertragen."

Duo lachte. Sein Freund war wirklich unbezahlbar.

Sie standen noch eine Weile an der Bar und betrachteten weiter die anderen Gäste des Clubs. Dann zog Quatre plötzlich laut die Luft ein und seine Hand vergrub sich in Duos Arm. "Oh wow," sagte er.

"Was ist?" fragte Duo verwundert.

"Schau dir diesen absolut göttlichen Typen an," erklärte Quatre und mit einer schnellen Bewegung schob er Duos Kopf in eine bestimmte Richtung.

Duo versuchte sich auf die ganzen Menschen vor ihm zu konzentrieren und zu erahnen wer denn Quatres Aufmerksamkeit erregt hatte. "Wen meinst du?"

"Den großen Tänzer. Oh man ist der heiß, den könnt ich von oben bis unten abschlecken."

Duos Augen fokussierten sich und ihm war auf einmal klar wen Quatre meinte. ‚Groß, dunkel und tanzt wie ein Profi', so hatte ihn Jennifer beschrieben, und Duo musste neidlos zugeben dass sie damit absolut Recht hatte. Trowa bewegte sich zu der Musik, als ob sie ein Teil von ihm wäre. Und er sah dabei verdammt gut aus.

"Also den würde ich garantiert nicht von der Bettkante schubsen," sagte Quatre mit leuchtenden Augen. "Im Gegenteil, daran festbinden und nie wieder loslassen."

"Quatre du sabberst ja fast," witzelte Duo, während er immer noch versuchte zu verstehen wieso sein Freund derart auf Trowa reagierte. Er hatte den Maler zwar bis auf den Kultur-Clash ganz nett gefunden und er sah sicherlich ganz gut aus, aber trotzdem schien Quatres Reaktion etwas übertrieben zu sein.

"Wie könnte ich bei dem Anblick nicht sabbern? Der Mann ist ein Gott. Ich will ihn! Ob er auf Kerle steht?"

"Er war mein Date vom Mittwoch."

"Also ist er schwul. Und Single. Yeah!" Quatre war wirklich begeistert. Doch dann verdunkelte sich sein Gesicht kurz. "Wieso hast du so einen Typen davon ziehen lassen Duo? Der ist doch perfekt."

"Nicht für mich Q. ‚Die Fliege an der Wand' ist echt nichts für mich."

Quatre sah ihn kurz verständnislos an, doch dann zuckte er mit den Schultern. "Dein Verlust. Oh man, wie komm ich nur an den Typen ran?"

Duo kicherte: "Indem du ihn anbaggerst?" Er wusste schließlich aus erster Hand, dass Quatre nicht ganz unbeleckt war was das anging.

"Oh Gott, ich glaub ich bringt keinen Ton raus. Der wird mich für durchgeknallt halten."

"Wenn du zu ihm hingehst und ihm deine Zunge in den Mund schiebst, wirst du nicht viel reden müssen," gab Duo gutgelaunt zurück. Irgendwie hatte es etwas lustiges an sich seinen Freund so hin und her gerissen zu erleben.

"Duo!"

Duo hob abwehrend seine Hände. "Ok, ok. Ich kann meinen Stolz runter schlucken und dir Trowa vorstellen."

Quatre schien vollkommen erleichtert zu sein. Dann runzelte er kurz die Stirn. "Er heißt Trowa?"

"Ungewöhnlicher Name, was? Könnte glatt unserem Club beitreten. Trowa Barton. Er ist Maler."

"DAS ist Trowa Barton?" Quatres Stimme schien fast überzuschlagen. "Oh mein Gott, wenn ich gewusst hätte dass er so aussieht, dann hätte ich die letzte Vernissage garantiert nicht verpasst."

Jetzt war es an Duo ein paar Fragezeichen über den Kopf zu haben. "Was?" fragte er deshalb intelligent.

"Trowa Barton ist in der Kunstszene als der heißeste neue Maler bekannt. Ich selbst hab zwei Bilder von ihm. Wer hätte gedacht dass er noch viel perfekter ist als seine gesamten Werke."

Langsam holte Duos Gehirn auf. Trowa war Maler. Aber nicht wie er gedacht hatte, sondern ein Künstler. Kein Wunder dass der auf Sachen wie Zwölftonmusik stand. Da hätte Jennifer ihn aber auch mal vorwarnen können. "Ich hab noch nie von ihm gehört," gab Duo zu.

Quatre blickte ihn ungläubig an. "Aber er ist doch so berühmt. Erst vor ein paar Wochen ist eines seiner Bilder ins Modern Art Museum aufgenommen worden. Er ist praktisch ein Berühmtheit. Oh Gott, du musst mich ihm vorstellen."

"Ja, ja. Das mach ich ja. Nur solltest du nen bisschen dein Fangirl-gehabe runterschrauben," stichelte Duo gutmütig.

Erwachsen wie er war, antwortete Quatre indem er seine Zunge rausstreckte. Doch dann wurde er wieder ganz ernst. "Oh man, hoffentlich blamier ich mich nicht."

Duo schüttelte jetzt wirklich seinen Kopf. "Q, ist ja schön dich mal so aufgeregt zu erleben. Aber mach dir keinen Kopf. Du siehst verdammt gut aus und bist der netteste Typ den ich kenn. Wenn Trowa dich nicht mögen sollte, dann ist es sein Fehler, nicht deiner. Und jetzt los Tiger, hau ihn mit deinem Charme um." Nach dieser kleinen Motivationsrede schubste Duo Quatre an und zog ihn mit sich zu dem tanzenden Trowa.

Zum Glück hielt sich dieser eher am Rand der Tanzfläche auf, so dass sie sich nicht durch eine Menschenmenge schieben mussten. Duo war es irgendwie ein wenig peinlich jetzt auf Trowa zu treffen. Zwar waren sie nach dem Date nicht im bösen auseinander gegangen, aber es hatte trotzdem noch nicht einmal zum Austausch von Telefonnummern gereicht. Aber für Quatre würde er dieses Vorstellen trotzdem hinter sich bringen. Er konnte sich zwar nicht vorstellen dass Trowa tatsächlich der Mr. Perfekt für seinen blonden Freund war, aber ein nettes Date hatte sich dieser trotzdem verdient.

Als sie Trowa erreicht hatten, tippte Duo ihn kurz an der Schulter an. Der große Mann drehte sich erstaunt zu ihnen. Als er Duo erkannte lächelte er kurz. "Hey Duo. Spaßig das wir uns hier treffen."

Duo fand es ganz in Ordnung dass Trowa seinen Namen nicht vergessen hatte, das war schon mal ein nettes Zeichen. "Besonders wo ich dachte dass du deinen Fuß schonen willst?" konnte sich Duo nicht verkneifen. Wenn sie nach dem Theaterstück noch tanzen gegangen wären, dann wäre das Date vielleicht nicht ganz so katastrophal verlaufen.

"Dem Fuß geht's wieder gut. Und da ich ihn so lange schonen musste, hat's mich echt gejuckt mal wieder tanzen zu gehen."

Plötzlich merkte Duo, wie ihn Quatre in den Arm kniff. Sein blonder Freund schien ungeduldig zu werden. Duo schmunzelte kurz, dann zog er Q nach vorne. "Trowa, ich würde dir gerne einen guten Freund von mir vorstellen. Das hier ist Quatre."

Obwohl die Beleuchtung nicht die beste war, meinte Duo eine leichte Röte auf Quatres Gesicht zu sehen. Sein Freund streckte die Hand aus und sagte, "Freut mich dich kennen zu lernen." Duo hätte am liebsten mit den Augen gerollt. Was war denn mit Q los? So schüchtern hatte er ihn noch nie erlebt.

Doch Quatre setzte noch einen drauf. "Ich bin ein großer Bewunderer…"

Da musste Duo eingreifen, bevor sein Freund sich total blamierte oder wie ein wild gewordener Fan wirkte. "Er ist ein großer Bewunderer deiner Tanzkunst," rief er deshalb hastig dazwischen.

Trowa, dessen Augen unaufhörlich Quatre von oben bis unten begutachtet hatte, lächelte kurz und ergriff die ausgestreckte Hand. "Dann sollte ich dir vielleicht ne etwas größere Probe davon geben." Und damit zog er Quatre an sich und begann fast automatisch zum Takt der Musik zu bewegen.

Duo grinste. Das war ja einfacher gewesen als gedacht. Er entschied dass die beiden für die nächsten Minuten beschäftigt waren und zog sich zur Bar zurück um sie von dort aus zu beobachten.

Die ersten zwei Lieder über war das was die beiden ablieferten noch etwas unkoordiniert und fast schüchtern. Aber mit jeder Bewegung schienen sie sich näher zu kommen und einen gemeinsamen Rhythmus zu finden. Ab dem dritten Lied hätte man wahrscheinlich ein Brecheisen benötigt um sie auseinander zu bringen. Ab dem vierten schienen sie keinen Sauerstoff mehr zu benötigen, denn ihre Münder waren aneinandergeklebt.

Duo wunderte sich, ob es für Quatre genauso gewesen war, als dieser ihn und Treize beobachtet hatte? Er kam nicht umhin zu erkennen wie heiß die beiden zusammen waren und er freute sich für Quatre. Trotzdem kam er sich selbst dabei wie ein absoluter Verlierer vor. Auch wenn Duo das selbst unter Folter abstreiten würde.

Er beobachtete die beiden noch ne ganze Weile, bis er dann entschied, dass die wohl so schnell nicht mehr damit aufhören würden praktisch auf der Tanzfläche Sex zu haben. Und da Duo auch keine Lust mehr verspürte selbst zu tanzen, entschloss er sich zu gehen.

Er schaffte es tatsächlich Quatre für ein paar Sekunden von Trowa wegzulocken um ihm bescheid zu sagen das er gehen würde. Sein blonder Freund sah etwas besorgt aus. "Bist du sauer wenn ich bleib?"

Duo lachte. "Quatsch. Ich hab dich ihm schließlich vorgestellt. Ich wünsch dir viel Spaß. Aber tu nichts, was du morgen bereust."

"Auf keinen Fall," entgegnete Quatre und widmete sich wieder Trowa.

Mit einem halbwegs guten Gefühl machte sich Duo danach auf den Weg nach Hause. Was sollte schon groß passieren? Quatre war erwachsen und konnte verdammt gut auf sich selbst aufpassen.

Umso erstaunter war er, als am nächsten Morgen gegen acht sein Telefon klingelte und die Nummer die das Display anzeigte die von Quatre war. Trotz seiner Müdigkeit reagierte Duo sofort und nahm das Gespräch an. "Was ist los?" fragte er leicht besorgt.

"Guten Morgen Duo," flötete Quatre. "Ich wollt dir nur sagen dass Trowa der Wahnsinn ist. Und das wir heiraten werden."