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Der Liebeszug Teil 5 bis 6

Kapitel 5

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Mit einem leisen Seufzer parkte Heero seinen Jeep auf einer Wiese vor der Stadt, die wohl wegen dem Liebeszug zu einem Parkplatz umfunktioniert worden war. Und wirklich es standen dort mehr Autos, als Heero je in Blackside zusammen gesehen hatte.

Er hatte sich angeboten zu fahren, mit dem Hintergedanken, dass er notfalls früher abhauen konnte. Das hatte den anderen aber nicht gepasst. Und so waren sie dann mit zwei Wagen gekommen. Damit auch wenn einer früher ging, die anderen beiden nicht in Blackside strandeten.

Heero seufzte noch einmal, dann schnappte er sich die vermaledeite Karte mit seiner Startnummer – ihm brannte es immer noch unter den Nägeln es Wufei dafür heimzuzahlen. Was hatte sich sein Freund nur dabei gedacht? Aber jetzt gab es wohl kein Zurück mehr. Und irgendwie würde er den Abend schon überstehen, dass hoffte er zumindest.

Nachdem er aus dem Jeep ausgestiegen war, stellte er sich neben Trowa und Wufei. „Na, dann wollen wir mal!“ erklärte sein Chinesischer Freund mit Aufregung in der Stimme.

Heero schüttelte leicht verwundert seinen Kopf. Inzwischen hatte er zwar akzeptiert, dass Wufei sich wirklich auf diesen Ball der einsamen Herzen freute, aber dass er derart aus dem Häuschen war? Das war eindeutig nicht normal. Und Trowa schien das auch zu finden, denn er zwinkerte Heero belustig zu.

Gemeinsam gingen sie dann in Richtung Festplatz. Und es war tatsächlich unglaublich, wieviel Trubel heute in Blackside herrschte. Und das obwohl der Liebeszug noch gar nicht angekommen war. Aber trotzdem schien ganz Blackside und noch die gesamte Bevölkerung der umliegenden Ortschaften heute auf den Beinen zu sein. Steve hatte vor seinem Pub sogar etliche Holzbänke und Tische aufgestellt und schien das Geschäft seines Lebens zu machen. Entweder durch junge Männer wie Heero, die sich noch Mut für diesen Ball antrinken mussten, oder von amüsierten Zuschauern die gemütlich miterleben wollten, wie ganz Blackside zum Tollhaus wurde.

Als sie dann endlich das Festzelt erreicht hatten – was gar nicht so einfach war, schließlich waren sie nicht die einzigen die dorthin unterwegs waren – wusste Heero nicht ob er erleichtert oder nervös sein sollte. Aber dann beschloss er endlich diese gemischten Gefühle beiseite zu schieben. Wahrscheinlich hatte Trowa Recht mit der Einstellung die dieser dem Ball gegenüber brachte. Er sollte jetzt am besten einfach mit der Menge mitgehen und sich schlicht und ergreifend amüsieren. Selbst wenn die Frauen aus der Stadt schrecklich waren, so sah Heero doch genügend Bekannte in der Menge, mit denen er schon seit Ewigkeiten nicht mehr gesprochen hatte. Es würde also nicht nur langweilig werden.

Um das Festzelt herum war ein relativ weitläufiges Gelände eingezäunt. Dorthinein kamen sie erst, nachdem sie an einem der vielen Eingänge ihre Eintrittskarte vorgezeigt hatten. Diese war erstaunlich günstig gewesen dafür, dass sie auch freies Essen und Trinken auf dem Gelände beinhaltete. Aber Heero hatte gehört, dass die Frauen sehr viel mehr für ihre Karten zahlen mussten. Geschah ihnen ganz Recht fand Heero.

Das Zelt selbst stand auf dem Holzpodest, dessen Aufbau Heero ja vor einer Woche beobachtet hatte. Sah nach solider Arbeit aus, auch wenn es heute nicht regnete und der Grund für diesen Bodenschutz also nicht vorhanden war. Vor dem Zelt gab es auch eine lange Theke und einen riesigen Grillplatz, der schon gut von den Blacksider Junggesellen besucht wurde. „Ist das alles?“ fragte Heero erstaunt.

Wufei – der sich wie der absolute Experte aufführte – schüttelte den Kopf. „Ich denke nicht. In den letzten Jahren gab es auch noch Theken und Essensausgaben im Zelt. Sie wollen einfach dass es sich später ein bisschen mehr verläuft. Und das die Leute zum Reden und sich besser kennen lernen rausgehen können. Kommt, lasst uns reingehen.“

Eines musste Heero zugeben als er das große Zelt betrat – er hatte noch nie in seinem Leben ein derart großes Festzelt gesehen. Es schien jetzt nicht mehr abwegig, dass sich hier später Hunderte von Leuten tummeln würden. In der Mitte des Zeltes konnte er den gefürchteten Laufsteg sehen. Am Rand gab es viele kleine Tische mit Stühlen und auch noch die Theken für Essen und Trinken. Und in einer der hinteren Ecken sah er dann auch den Podest wo später die verschiedenen Bands spielen sollten. Er hatte gehört, dass der Veranstalter diesmal nicht nur Musiker aus der Stadt engagiert hatte, sondern dass auch eine lokale Band auftreten würde. Das würde die Stimmung sicher noch extra anheizen.

Da im Moment noch keine Schlangen an den Tresen waren, holten sie sich zuerst etwas zu trinken. Heero gönnte sich – genau wie seine Freunde – eine Flasche Bier. Zwar würde er später noch fahren müssen, aber jetzt würde ihm ein Bier sicher gut tun. Seine angespannten Nerven etwas beruhigen und ihn entspannen.

Sie prosteten sich zu und dann führte Wufei sie direkt in die Mitte zum Laufsteg. „Wie geht das eigentlich vonstatten?“ fragte Heero.

„Es ist ganz einfach,“ erklärte Wufei. „Sobald deine Nummer aufgerufen wird, steigst du auf den Laufsteg und gehst bis zum Ende und wieder zurück. Langsam gehen, nicht rennen,“ fügte er noch hinzu.

„Hn,“ sagte Heero. Das hörte sich nicht allzu kompliziert an. „Und dann?“

Wufei zuckte mit den Schultern. „Das ist eigentlich schon alles. Während du auf dem Laufsteg bist, wird dein Name und ein paar Infos über dich verkündet. Das gibt den Onnas die Gelegenheit dich schon zu begutachten bevor der Ball wirklich losgeht. Und es scheint die Chancen bei den Frauen wirklich zu erhöhen. Fast alle die in den letzten Jahren hier ihre Ehefrauen gefunden haben, waren auf dem Laufsteg.“

Heero rollte mit den Augen. Er hatte ja nun nicht wirklich vor hier jemanden zu finden. Aber da Wufei sie nun einmal angemeldet hatte blieb ihm nichts anders übrig, als eine gute Mine zum bösen Spiel zu machen.

„Welche Startnummern habt ihr?“ fragte Trowa und hielt seine hoch. „Ich hab 34.“

„Oh, dann ist Heero der erste. Ich hab 52,“ sagte Wufei. „Aber wir werden trotzdem recht zügig hintereinander drankommen. Man ist weniger als eine Minute auf dem Steg. Und es gibt genügend Feiglinge die noch im letzten Moment kneifen.“

Heero fand, dass wenn schon normale Männer vor dieser Sache kniffen, dann hatte er erst Recht allen Grund. Aber er behielt diesen Gedanken für sich.

Es hätte sowieso keinen Sinn gemacht etwas zu sagen, denn in diesem Moment ertönte der laute Pfiff einer Lokomotive. „Oh, die Onnas sind da!“ erklärte Wufei aufgeregt. Jetzt gab es kein zurück mehr. Der Liebeszug hatte Blackside erreicht.

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Als sich der Liebeszug Blackside pünktlich näherte, begann die Stimmung leicht überzuschwappen. Die Frauen wurden unheimlich aufgeregt, viele holten aus ihren Handtaschen noch einmal kleine Spiegel hervor um zu prüfen ob sie immer noch gut aussahen. Und der Geräuschpegel stieg unaufhörlich. Alles in allem wirkte es wie ein aufgeregter Hühnerhaufen, aber was anderes hatte Duo auch gar nicht erwartet.

Insgesamt war die Fahrt aber sogar ruhiger gewesen, als er befürchtet hatte. OK, ihm war relativ oft in den Hintern gekniffen worden, aber das war es dann auch schon. Da hätte auch schlimmeres passieren können. Aber vielleicht hatten auch die zwei Pausen, die er mit Dorothy draußen an der frischen Luft gemacht hatte, geholfen. Sie war definitiv eine Frau mit spitzer Zunge, mit der man sich sehr gut unterhalten konnte.

Quatre hatte kurz vorher noch eine seiner Ansagen gemacht, und als der Zug dann endlich in den traurigen Bahnhof von Blackside einfuhr herrschte zwar ein reges Durcheinander im Zug, aber es ging trotzdem halbwegs zivilisiert zu, als sich die Türen öffneten und die Frauen herausstürmten.

Das war einer der heikelsten Momente am heutigen Abend, und Duo, Quatre und ihre Helfer hatten alle Hände voll zu tun die Frauen in die Richtung des Festzeltes zu dirigieren. Es war kein weiter Weg, höchstens 200m und zum Glück war auch schon vom Bahnhof – wirklich die zwei einsamen Schienenstränge und das Abstellgleis verdienten den Namen eigentlich nicht – aus der Festplatz weithin sichtbar. Und so machte sich der große Pulk laut schnatternd und vibrierend vor Vorfreude auf den Weg.

Neugierig blickte sich Duo um. Der Ort schien wirklich so schlimm zu sein, wie er es sich vorgestellt hatte, aber nach dem grandiosen Bahnhof war das keine sonderliche Überraschung. Die Häuser sahen zwar ordentlich aus, aber sie waren genau das, einfache Häuser. Kein Kino, kein Supermarkt, keine Disco. Duo fragte sich, was die Einwohner von Blackside wohl machten, wenn sie keinen Liebeszug als Unterhaltung hatten. Wahrscheinlich vor Langeweile vorm Fernseher hocken. Kein Wunder, dass der größte Teil der Jugendlichen die Landflucht antrat sobald sie alt genug waren. Hier würde Duo um nichts in der Welt begraben sein.

Der Pulk erreichte mehr oder weniger geordnet den Festplatz. Dort angekommen musste Duo erst einmal anerkennend pfeifen. Das sah schon beeindruckend aus. Er selbst hatte sich nicht um diesen Part der Vorbereitung kümmern können da er noch zwei andere Events betraut hatte. Aber Quatre hatte wie immer hervorragende Arbeit geleistet. Und auch für ein perfektes Timing gesorgt, denn über dem ganzen Platz hing der angenehme Duft von Essen. Etwas das wohl nicht nur Duo aufgefallen war, denn er konnte etliche Damen sehen, die sich gleich an den Grills anstellten um sich zu stärken. Und dort auch schon ins Gespräch mit dem einen oder anderen Blacksider kam. Das lief doch alles besser als erwartet.

Jemand stupste Duo auf die Schulter, als er sich umdrehte sah er Dorothy die ihn mit einem schrägen Lächeln bedachte. „Ich stürz mich jetzt ins Gewühl und pass auf das Relena nicht über einen armen Trottel herfällt,“ erklärte sie. Dann fügte sich noch ein verschmitztes, „Viel Glück,“ hinzu und verschwand in der Menge.

Bei dem Gedanken an Dorothys Cousine schwante Duo böses. Hoffentlich konnte Dorothy sie tatsächlich zur Räson bringen. Auf jeden Fall hatte er Quatre auch schon auf die in pink gekleidete Frau aufmerksam gemacht. Damit sie zur Not eingreifen konnten.

Duo schnupperte noch einmal den herrlichen Grillduft, dann machte er sich auf die Suche nach seinem Partner, wofür er allerdings nur wenige Momente benötigte. Quatre war in einem relativ großen Pulk von Frauen, die um ihn herumwirbelten und die mit ihm lachten und scherzten. Wie nicht anders zu erwarten, fraßen sie ihm praktisch aus der Hand. Aber das hatte seinen guten Grund, befand Duo, schließlich hatte Quatre sieben Schwestern und wusste deshalb wie man eine Horde Frauen bändigte.

Duo bahnte sich seinen Weg und dann stand er auch schon neben seinem Freund. „Sieht alles gut aus,“ sagte er zu ihm.

Quatre schenkte ihm sein strahlendes Lächeln. „Das hab ich dir doch gleich gesagt.“ Er warf ein Blick auf seine Uhr. „Die Laufstegshow wird in knapp einer halben Stunde beginnen. Du kannst dir gerne noch kurz was zu Essen besorgen. Solang du rechtzeitig dort bist um unseren Gästen zu erklären was sie zu tun haben.“

„Danke Q,“ grinste Duo und schon drehte er sich in Richtung Tresen um. Während des Weges konnte er zum ersten Mal so richtig die ganze Atmosphäre in sich aufnehmen. Die zwei Gruppen hatten sich erstaunlich schnell und gut gemischt. Überall sah er Männer und Frauen im Gespräch. Es wurde gelacht und geflirtet. So wie es jetzt aussah, würde der Ball der nach der Laufstegshow begann zu einem vollen Erfolg werden. Vielleicht hatte Quatre ja Recht und es war eine gute Idee diesen Auftrag anzunehmen. Lukrativ war es auf jeden Fall.

Aber nicht nur die Atmosphäre nahm Duo auf seinem Weg in sich auf. Er konnte es nicht sein lassen und bedachte die männliche Bevölkerung mit dem einen oder anderen interessierten Blick. Quatre hatte nicht übertrieben, einige der Landjungen sahen zum Anbeißen aus. Und nur weil Duos durch und durch ein Profi war, konnte er sich davon abhalten ihnen hinterher zu sabbern. Schließlich waren sie alle tabu, aber zum Glück war Schaufensterbummeln nicht verboten.

Den Burger den er am Grill ergatterte hatte er recht schnell gegessen, so dass er nur noch die Flasche mit Wasser in der Hand hielt, als er beim Laufsteg ankam. Dort warteten schon die ersten aufgeregten Herren der Schöpfung auf ihn. Sie hatten wohl die niedrigsten Startnummern und waren begierig darauf dass es endlich losging. Schnell erklärte Duo ihnen noch einmal die Prozedur, und dann war es auch schon soweit.

Sie hatten sich darauf geeinigt, dass Quatre die Ansagen machen würde. Deshalb stand der kleine Blonde oben auf dem Laufsteg im Scheinwerferlicht und lächelte gewinnend in die Menge. Nach viel Gejohle und Gekreische beruhigte sich die Menge soweit, dass sie tatsächlich anfangen konnten und Duo winkte den ersten Mann auf den Laufsteg.

Alles klappte so, wie sie es sich überlegt hatten. Die Männer gingen mehr oder weniger sicher über den Laufsteg und ließen sich begutachten. Es gab immer mal wieder anerkennende Pfiffe und auch mal den einen oder anderen obszönen Kommentar. Aber im Großen und Ganzen lief alles gut ab, nur dass einige der Männer nach ihrem Auftritt eher einer Tomate glichen als alles andere. Duo konnte sich nicht helfen, er fand das irgendwie ganz amüsant.

Dann kam die Nummer 21 und Duo meinte ihm würde der Atem stillstehen. Der Typ sah einfach zum Anbeißen aus. Zwar war er relativ schlicht gekleidet, aber sein Körperbau war umwerfend und seine ungebändigten braunen Haare ließen
Duos Finger jucken, er würde die Mähne nur zu gerne noch mehr durcheinander bringen. Dabei trug der junge Mann einen eher gelangweilten Gesichtsausdruck zur Schau, der ihn kühl und über den Dingen stehend wirken ließ, etwas das ihn für Duo nur noch interessanter machte. Das war der erste Teilnehmer, bei dem er sich wirklich auch die Show ansah und nicht nur darauf achtete den nächsten vorzubereiten.

Duo hätte schwören können, dass der junge Mann einen tiefen Seufzer ausstieß, bevor er auf den Laufsteg ging, doch dann wurde Duo von etwas viel wichtigerem abgelenkt. Die Rückansicht des jungen Mannes war nämlich noch viel aufregender, denn er hatte einen derart tollen Hintern, dass Duos Augen und seine gesamte Aufmerksamkeit darauf gelenkt wurden. Das war ein Hintern, vor dem Duo hätte niederknien können – um dann allerlei interessante Dinge zu tun.

Duo schalt sich einen Narren, denn was nützte es schon einem Kerl hinterher zu hecheln, der hier war um die Frau seines Lebens zu finden? Vergebliche Liebesmüh. Aber das hielt Duo trotzdem nicht davon ab den Auftritt des jungen Mannes sehr genau zu beobachten.

„Die Nummer 21 ist Heero. Heero ist dreißig Jahre alt und lebt allein mit seinem Hund auf seiner Farm. Er liebt die Ruhe und Abgeschiedenheit, würde sie aber gerne mit einer verständnisvollen Frau teilen.“

Heero, der Name passte. Und scheinbar war es nicht nur Duos Eindruck, dass Heero absolut heiß war, auch die anwesenden Frauen die den Laufsteg umlagerten schienen es so zu sehen. Er erntete den größten Applaus und die meisten Pfiffe von allen.

Als Heero wieder vom Laufsteg heruntereilte schien er in sich hinein zu fluchen. Irgendwie fand Duo das amüsant. Mit soviel Aufmerksamkeit hatte der junge Mann wohl nicht gerechnet. Fast fluchtartig bahnte Heero sich seinen Weg aus dem Pulk.

Duo hatte allerdings nicht mehr viel Zeit ihm hinterher zu blicken, denn schon wartete der nächste Kandidat auf seine Chance und Duo musste sich auf seine Arbeit konzentrieren.

Das nächste Mal, dass ihm etwas aus seiner Konzentration riss, war als ein großgewachsener junger Mann auf dem Steg stand. Aber nicht weil Duo ihn besonders attraktiv fand – auch wenn er sicherlich sehr gut aussah – sondern weil der Typ nur Augen für Quatre hatte. Der schien sich einzig und allein auf Quatre zu konzentrieren und ihn fast mit Blicken aufzusaugen. Und das schien auch Duos Freund aufgefallen zu sein, denn um Quatres Nase herum hatte sich eine sehr leichte Röte gebildet. Interessant das ganze. Duo grinste breit und nahm sich vor seinen Freund damit später so richtig schön aufzuziehen.

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Heero war kurz davor in den Boden zu versinken. Als wenn es nicht schon schlimm genug gewesen wäre dass er auf diesen schrecklichen Ball gehen musste und dann sogar noch auf diese Fleischbeschau auf dem Laufsteg. Doch dann hatte Wufei auch noch den schrecklichsten Schwachsinn über ihn verkünden lassen. Wie kam sein Freund nur dazu? Einzig und allein der Gedanke, dass es allen anderen nicht besser ging hielt ihn davon ab Wufei gleich an Ort und Stelle zu töten.

Aber die ganze Erfahrung der letzten Minuten würde er trotzdem nicht so schnell vergessen. Er hatte sich da oben im Rampenlicht einfach schrecklich gefühlt. Und als dann die Pfiffe und obszönen Rufe anfingen war er wirklich kurz davor gewesen alle Anwesenden mit seinem Deathglare zu bedenken. Und er wunderte sich, wieso es so viele Männer gab, die hierbei mitmachten. Das war kein Spaß mehr – zumindest nicht nach Heeros Maßstäben. Am liebsten wäre er jetzt schon nach Hause gefahren.

Es gab nur zwei Dinge die ihn davon abhielten. Zum einen war es viel zu früh um dieser Veranstaltung schon den Rücken zu kehren, zum anderen wollte er auch sehen wie sich seine Freunde machten.

Trowa kam ja relativ schnell hinter ihm so dass Heero nicht lange warten musste. Im Gegensatz zu ihm schien sich Trowa dort oben auf dem Laufsteg auch halbwegs wohl zu fühlen. Oder es konnte daran liegen, dass sein schweigsamer Freund mit seinen Gedanken bei etwas ganz anderem war. Heero konnte nur zu genau erkennen, dass Trowa weder auf die Menge noch auf die Ansage – die auch mal wieder nur Müll enthielt – achtete. Sondern sich vollkommen auf den Ansager konzentrierte. Heero rollte mit den Augen. Das war ja so klar, dass Trowa sich von dem Blonden würde ablenken lassen. Schließlich war der genau Trowas Typ. Hoffentlich bemerkte das niemand sonst. Aber dem Jubel nach zu schließen, den Trowa mit seinem Auftritt erreichte hatte es keiner gesehen.

Ein paar Momente später stand Trowa neben Heero, seinen Blick immer noch direkt auf den Ansager gerichtet. „Das hat Spaß gemacht,“ verkündete er.

Heero rollte erneut mit den Augen. „Hast du überhaupt mitbekommen, was Wufei da über dich hat verkünden lassen?“

„Ähm… nein,“ zuckte Trowa mit den Schultern. „Ist doch auch egal.“

Heero seufzte, von seinem Freund würde er wohl keine Unterstützung erhalten. Gespannt wartete Heero darauf, dass Wufei endlich an der Reihe wäre. Danach könnten sie vielleicht endlich sich etwas aus dem größten Gewühl entfernen. Heero meinte nämlich immer noch alle Blicke auf sich zu spüren. Etwas, dass ihm mehr als unangenehm war.

Endlich war es soweit und Wufeis Auftritt rückte näher. Doch nach der 51 kam erst einmal niemand auf den Laufsteg. Heero runzelte schon verwundert die Stirn und fragte sich, was mit seinem Freund geschehen sein mochte. Bis zu dem Moment, wo der Ansager dann verkündete, „Oh, es schient so als wenn Nr. 52 kalte Füße bekommen hat. Machen wir also weiter mit Nr. 53.“

Heero kochte vor Wut. Wufei hatte gekniffen? Wufei, der ihnen diese ganze Sache erst eingebrockt hatte? Derselbe Wufei der vorhin noch großspurig über diejenigen hergezogen war die sich nicht auf den Laufsteg trauten? Es brodelte in Heero. Er liebte Wufei als Freund doch das schrie nach Rache. Nach gemeiner, heimtückischer Rache. Und Heero hatte auch schon die perfekte Idee. 



Kapitel 6

Ungefähr eine halbe Stunde später gesellte sich Wufei dann auch endlich wieder zu ihnen. Angeblich hatte er plötzlich auf die Toilette gehen müssen und deshalb seinen großen Auftritt verpasst. Nicht einmal Wufei schien von dieser Ausrede überzeugt zu sein, denn er blickte die ganze Zeit verschämt auf den Boden.

Natürlich hätte es durchaus sein können, dass er plötzlich das Festzelt hätte verlassen müssen. Aber wenn es tatsächlich nicht nur darum hätte gehen sollen sich vor der ultimativen Fleischbeschau zu verdrücken, dann hätte er jetzt zu den Organisatoren gehen können und sie bitten ihn jetzt noch einmal reinzuschieben. Immerhin sollte die Laufstegshow noch ein wenig andauern. Aber das tat Wufei nicht.

Eigentlich hätte Heero seinem besten Freund hier und jetzt die Leviten lesen und ihn langsam und genüsslich erwürgen sollen. Nicht nur dass er sich gedrückt hatte, sondern dass er auch so eine absolut lächerliche Ausrede verwendete war unglaublich. Und das von einem Gerechtigkeitsfanatiker wie Wufei! Aber die absolute Zerknirschtheit die der junge Chinese an den Tag legte hielt ihn doch davon ab. Es war nur zu ersichtlich, dass Wufei selbst am besten wusste was für einen Unsinn er hier veranstaltet hatte. Also ließ Heero noch einmal Gnade vor Recht ergehen. Natürlich würde er sich trotzdem an seinem Freund rächen, das war mal klar. Wo er sich doch schon so einen schönen Plan ausgedacht hatte.

Und so standen die drei Freunde im Festzelt, tranken aus ihren Bierflaschen und beobachteten den Rest der Laufstegshow. Die Veranstalter zogen das Programm recht zügig durch und nur knapp eine Viertelstunde später wurde auch schon der letzte arme Trottel über den Steg gehetzt. Danach begann fast augenblicklich im hinteren Teil des Zeltes eine Band zu spielen. Und mehr oder weniger schnell begannen auch die ersten Pärchen zu tanzen.

Heero betrachtete das ganze Gewühl mit gemischten Gefühlen. Er fragte sich wirklich was er hier sollte. Trowa hatte ihm die ganze Zeit versichert, dass sie trotz allem irgendwie Spaß auf dem Ball haben würden, und so hatte Heero sich auch schon darauf gefreut mit seinem Freund alles zu beobachten und entsprechend zu kommentieren. Aber Trowa war im Moment – eigentlich schon seit seinem Auftritt auf dem Laufsteg – mit etwas anderem beschäftigt. Heero erkannte nur zu genau, dass sein Freund den blonden Jungen Mann immer noch mit den Augen verfolgte, jede Bewegung des anderen praktisch aufsog.

Heero seufzte, auf eine intelligente Konversation mit Trowa brauchte er jetzt wirklich nicht zu hoffen. Nicht dass Trowa normalerweise sehr gesprächig war, aber sonst hörte er zumindest zu!

Mit Wufei als Unterhaltung brauchte Heero auch nicht zu rechnen. Der stand immer noch mit puterrotem Kopf neben ihnen und schien seinen Blick noch nicht einmal vom Holzboden erheben zu können. Heero nahm einen weiteren Schluck und rollte mit seinen Augen. Das versprach jetzt ja wirklich langweilig zu werden.

Gelangweilt ließ Heero deshalb seinen Blick über den Rest der Festgesellschaft wandern. Es gab tatsächlich schon etliche Tanzpaare und es war schon irgendwie belustigend zu beobachten wie einige der Blacksider Junggesellen sich am Tanzen versuchten. Verdammt, wie gern würde Heero jetzt ein paar bissige Bemerkungen darüber machen und von Trowa oder Wufei einen Lacher ernten.

Dann fiel sein Blick auf etwas, mit dem er nicht wirklich hier gerechnet hatte. Und Heero musste seine ganze Willenskraft aufbringen um nicht plötzlich mit heraushängender Zunge dazustehen. Der Anblick war aber auch zu interessant.

Denn inmitten dieser Horde von wild gewordenen Onnas und hoffnungsvollen Junggesellen konnte er einen Mann erkennen der genau Heeros Typ war. Groß, schlank und unglaublich lange Haare. Heero schluckte schwer. Wenn er so jemanden in einer Bar in der Stadt erspähen würde, dann würde er sofort alles dransetzen um mit ihm ins Gespräch zu kommen. Aber hier?

Es war niemand den Heero kannte, nicht einmal vom sehen, also schloss er daraus, dass er zum Organisationsteam gehörte, genau wie der Blondschopf den Trowa ja so faszinierend fand. Aber das bedeutete noch lange nicht, dass Heero jetzt wie Trowa wie eine Statue rumstehen würde. So wie der Langhaarige von Frauen umzingelt wurde und mit praktisch jeder flirtete, war es sowieso vergebliche Liebesmüh. Verdammt sie waren hier auf einem Ball der einsamen Herzen für Männlein und Weiblein!

Heero zwang sich praktisch seinen Blick von dem umwerfenden Kerl abzuwenden. Er würde sich hier jetzt nicht lächerlich machen. Zumindest nicht lächerlicher als sowieso schon. Am besten er lenkte sich irgendwie ab. Es wurde sowieso Zeit, dass er weiter an seiner Rache arbeitete. Er musste nur noch die richtige Person dafür finden.

Doch gerade als er sich daran machen wollte, den Raum nach etwaigen Kandidatinnen zu durchforsten, da bemerkte er wie plötzlich eine junge Frau vor ihm stand und ihn mit leuchtenden Augen anlächelte.

Das erste was Heero außer diesen Augen auffiel, war dass das Mädchen vollkommen in Pink gehüllt war. Sie sah aus wie eine übergroße rosa Zuckerwatte. Doch dann trat sich Heero selbst in den Hintern, so ein Gedanke schickte sich einfach nicht, mochte er auch noch so wahr sein. Heero nickte kurz und sagte ein knappes, „Guten Abend.“

Daraufhin fing die junge Frau fas unkontrolliert an zu giggeln. Heero rollte wieder mit den Augen. Dann bemerkte er, dass die Frau wahrscheinlich wollte, dass er sie zum Tanzen aufforderte. Das verwirrte ihn, konnte sie ihn nicht einfach fragen, statt hier kichernd rumzustehen? Das hier war schließlich kein offizieller Ball wo eine Damenwahl extra angesagt werden musste, so wie Heero das bei den anderen tanzenden Paaren mitgekriegt hatte, waren hier sowieso eher die Frauen diejenigen, die die Männer ansprachen.

Plötzlich kriegte er einen kurzen Stoß in die Rippen. „Bitte sie zum Tanz,“ erklärte Wufei leise.

Heero seufzte wieder, aber dann war es ihm eh egal. Ein Tanz konnte nicht schaden, würde ihn vielleicht sogar von allem ablenken. Außerdem vielleicht würde er so schneller die richtige Person für seine Rache finden. Deshalb reichte er der jungen Frau die Hand. „Wollen wir vielleicht tanzen?“ fragte er.

Sie fing an zu strahlen, kicherte wieder und ihre Augenlieder flatterten, als wenn sie in eine Steckdose gegriffen hätte. „Oh, mein Held!“ erklärte sie seufzend und Heero wusste dass er einen großen Fehler begangen hatte.

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Soweit schien bisher alles glatt gelaufen zu sein. Reibungsloser, als dass Duo es für möglich gehalten hatte. Die Laufstegshow war gut angekommen und schon nach nur wenigen Liedern war die Tanzfläche gut gefüllt. Überall konnte man Gelächter hören. Die meisten Teilnehmer am Ball der einsamen Herzen schienen sich zu amüsieren.

Wie nicht anders zu erwarten hatte sich auch eine große Traube von Verehrerinnen an Duos Fußstapfen geklammert. Das passierte ihm eigentlich auf jedem Fest. Ganz wie es Duos Art war, lachte und flirtete er mit allen und schaffte es nach und nach sie in Richtung der Blacksider Junggesellen zu schieben. Immer schön höflich zu den Gästen, das war sein Erfolgsrezept.

Immer wieder ließ er seinen Blick über alle Gäste schweifen, versuchte so zu sehen ob es irgendwo zu Problemen kommen könnte. Aber es schienen sich wirklich alle gut zu amüsieren. Dann bemerkte er, dass dieser knackige Typ von der Laufstegshow jetzt mit dem pinken Monster tanzte. Duo schüttelte sich. Zwar kannte er Relena nicht persönlich, aber das was Dorothy ihm über ihre Cousine erzählte hatte, reichte aus um Duo großes Mitleid mit dem jungen Mann empfinden zu lassen.

Er nahm sich vor, das weiter im Auge zu behalten. Ein Tanz war soweit noch nicht schlimm, Hauptsache niemand wurde in diese Hochzeitsfalle gelockt. Vielleicht sollte er den Mann nachher mal vorsorglich warnen? Das hatte natürlich gar nichts damit zu tun, dass er ihn gerne noch einmal von nahem sehen wollte.

Dann schalt sich Duo einen großen Idioten und machte sich stattdessen auf, seinen Partner zu finden. Quatre stand immer noch in der Nähe des Laufsteges und er hatte auch immer noch diesen leichten Rotschimmer im Gesicht. Duo musste unbewusst grinsen. „Was ist los?“ neckte er seinen Freund.

Quatre wurde noch eine Spur röter. „Er beobachtet mich immer noch,“ sagte er beinah verhuscht.

„Wer?“ neckte Duo, obwohl er genau wusste, wenn Quatre meinte. Die Reaktion seines Freundes auf dem Laufsteg war ja nur zu eindeutig gewesen.

„Na die Nr. 34,“ erklärte Quatre. „Was mach ich jetzt nur?“

Das erstaunte Duo nun schon. Quatre war nämlich alles, nur kein Kind von Traurigkeit. Im Gegenteil, er liebte es im Mittelpunkt zu stehen und hatte meistens so viele Bewunderer wie Finger an der Hand, wenn er privat ausging. Und normalerweise war Quatre eher ein Verfechter von ‚Angriff ist die Beste Verteidigung’. Dass er sich hier damit begnügte scheue Blicke hin und her zu werfen war definitiv nicht Quatres normales Verhalten. „Sprich ihn an,“ erklärte Duo deshalb auch.

„Meinst du wirklich?“ gab Quatre zurück.

Duo musste jetzt wirklich mit den Augen rollen. Was war denn in seinen Freund gefahren? So kannte er ihn ja gar nicht. „Also Q. So wie ich die Sache sehe, hat dein großer, dunkler, schweigsamer Verehrer noch nicht für eine Sekunde seine Augen von dir genommen. Diese Party und alle anwesenden Jungesellinnen scheinen ihn nicht im Mindesten zu interessieren. Also los, sprich ihn an. Es ist ja nicht so, als wenn du einer Kundin jemandem wegnehmen würdest.“ Dabei lachte sich Duo innerlich halb tot. Das er es noch einmal erleben durfte, dass Quatre, der große Manipulator, verschüchtert war.

„Ich glaub du hast Recht,“ erklärte jetzt auch Q. Seine Schüchternheit schien plötzlich wie weggeflogen zu sein und er sprach wieder mit seiner Ich-kam-ich-sah-ich-siegte-Stimme. Wenn Quatre etwas haben wollte, dann bekam er es auch.

Duo sah seinem Freund für einen Augenblick grinsend hinterher. Dann schaute er sich wieder bei den tanzenden Paaren um. Hoffentlich war Nr. 21 inzwischen aus den Fängen der rosa Pest entronnen.

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Eines war Heero sehr schnell klar geworden – Relena, das Mädchen mit dem er gerade tanzte – war sicherlich nicht die Richtige für seinen Racheplan. Das hatte nicht einmal Wufei verdient.

Schon nach zehn Sekunden wusste Heero, dass er einen sehr großen Fehler begannen hatte, als er die junge Frau zum Tanzen aufgefordert hatte. Nach zwanzig Sekunden suchte er verzweifelt nach Möglichkeiten ihr zu entkommen und nach dreißig Sekunden hatte er sein Gehör soweit abgeschaltet, dass er ihr grenzdebiles Gebabbel nicht mehr ertragen musste.

Es war einfach schrecklich, sie hatte die ganze Zeit nur gekichert und ihm die wohl albernsten Blicke zugeworfen die man sich nur denken konnte. Wahrscheinlich sollte es verführerisch wirken, aber auf Heero machte es eher den Eindruck einer Mondkuh auf Drogen. Außerdem bestand sie darauf ihn ‚mein Held’ zu nennen, ein schreckliches Wortspiel – sie hatte aus seinem Namen erst ‚Hero’ und dann ‚mein Held’ gemacht. Heero biss die Zähne fest zusammen und hoffte darauf, dass der Tanz recht bald vorbei gehen würde.

„Ich finde es wichtig eine Familie zu gründen, findest du nicht auch?“ fragte sie ohne wirklich eine Antwort zu erwarten. „Das ist überhaupt das schönste im Leben, sich um eine Familie zu kümmern. Jede Frau sollte ihr möglichstes tun um ihrem Mann und ihren Kindern ein wunderbares Heim zu bereiten. Wenn wir alle uns nur darum kümmern würden, dann wäre die Welt ein besserer Ort. Es würde sicherlich keine Kriege und keine Katastrophen mehr geben.“

Heero hatte das Gefühl, dass sich sein Gehirn verflüssigte und versuchte aus seinen Ohren herauszulaufen. Das waren ja schreckliche Ansichten die sie da von sich gab. Nicht einmal Wufei war derart verbohrt. Ob er sie vielleicht doch Wufei vorstellen sollte? Um ihm zu zeigen wie schwachsinnig seine Ansichten waren? Aber das hatte der andere wahrscheinlich wirklich nicht verdient.

Relena schien wirklich nicht zu bemerken, dass ihr Tanzpartner ihr überhaupt nicht zuhörte und plapperte weiter: „Diese angeblich so emanzipierten Frauen sind doch im Grunde alles Verräterinnen an der menschlichen Rasse. Mit ihrem Egoismus sorgen sie dafür, dass wir kurz vor dem Aussterben sind. Und wofür? Dass sie ihr angeblich so freies, selbstbestimmtes Leben führen. Nimm zum Beispiel meine Cousine. Dorothy ist schon dreißig und hat noch keine Kinder, noch nicht einmal einen Mann. Sie behauptet auch immer, dass sie niemanden will, weil ein Mann sie nur in ihrer Karriere behindert. Aber ich bitte dich, was ist eine Frau ohne einen starken Mann der sie vor der Welt beschützt? So wie du es sicher tun wirst mein Held.“ Sie kicherte erneut. „Nur frage ich mich, wenn sie doch wirklich niemanden braucht, wieso ist sie dann mit mir auf diesen Ball gekommen?“

Das weckte plötzlich Heeros Interesse. Eine echte, klassische Karrierefrau hier auf dem Ball? Wahrscheinlich war sie mitgekommen um ihre Cousine in Schach zu halten, dies war zumindest ein Grund, der Heero sofort einfallen würde. Aber diese Dorothy hörte sich genau nach der Frau an, die er suchte. „Sie ist mit dir gekommen?“ hakte er deshalb nach. „Wo ist sie denn?“

Relena blickte sich kurz suchend um, dann zeigte sie in eine bestimmte Richtung. „Dort hinten. Sie hat weißblonde Haare und trägt dieses obszöne rote Kleid.“

Heeros Blick folgte Relenas Angaben und plötzlich musste er kurz lächeln. Ja, diese Dorothy schien wirklich genau die Frau zu sein, die er suchte. Ihre ganze Haltung schrie nach Arroganz und Gelangweiltheit. Oh ja, sie war genau die Richtige.

Ein paar Augenblicke war dann auch endlich der Tanz zu ende. Heero verbeugte sich kurz vor Relena und wollte schon die Flucht ergreifen. Doch die junge Frau hielt ihm einfach am Arm fest. „Mein Held, wollen wir nicht auch noch den nächsten Tanz gemeinsam bestreiten?“

Nicht einmal, wenn die Hölle zufrieren würde. Aber das konnte er ihr ja nicht so einfach an den Kopf werfen. Stattdessen sagte er ausweichend, „Vielleicht später. Ich hab jetzt etwas wichtiges zu tun.“

Sie kicherte wieder. „Natürlich. Ich werde auf dich warten mein Held. Wir haben noch so viel wegen der Hochzeit zu besprechen.“

Heero fragte sich plötzlich in welchem Film er jetzt gerade teleportiert worden war. Aber er hielt es für besser nicht darauf einzugehen, sondern so schnell wie möglich so viel Abstand wie möglich zwischen sie beide zu bringen.

Deshalb eilte er zu seinen Freunden zurück. Trowa schien noch nicht einmal bemerkt zu haben, dass er weg gewesen war. „Und wie war der Tanz?“ fragte deshalb nur Wufei interessiert.

Heero schüttelte sich. „Haltet euch von der rosa Zuckerwatte fern. Ich glaub die ist aus einer Irrenanstalt entlaufen.“

„Übertreib nicht so maßlos,“ grummelte Wufei.

„Hn,“ sagte Heero. Er hatte schließlich überhaupt gar nichts übertrieben.
Dann sagte er zu seinen beiden Freunden, „Ich will was zu trinken holen. Soll ich euch was mitbringen?“

Mit dem Auftrag noch zwei Flaschen Bier zu besorgen machte sich Heero auf die Besuchermenge zu durchforsten. Doch anstatt sich auf dem schnellsten Wege zu der Theke zu begeben, steuerte er erst einmal die weißblonde Frau an. Als er vor ihr stehen blieb, hob sie fragend ihre Augenbrauen. Sie strahlte so viel kühle Eleganz und Überheblichkeit aus, dass sich Heero wirklich sicher war, die richtige Wahl getroffen zu haben. „Ja?“ fragte sie kurz angebunden.

Heero setzte sein freundlichstes Gesicht auf. „Ma’am ich hätte da eine große Bitte.“

Die Augenbrauen wurden noch höher gezogen. „Die da lautet?“ gab sie kalt zurück.

Heero lächelte. „Sehen Sie dahinten in die zwei Männer stehen? Den großgewachsenen Braunhaarigen und den Chinesen mit dem Zopf? Das sind meine Freund.“

„Und?“

„Und Wufei, das ist der Chinese. Ist absolut fasziniert von Ihnen. Er würde Sie zu gern zu einem Tanz auffordern.“

Die Augenbrauen wanderten noch höher, obwohl Heero nicht gedacht hätte, dass das möglich wäre. „Wieso kommt er dann nicht selbst hierher und bittet mich um einen Tanz?“

„Weil Wufei vollkommen schüchtern ist. Wenn er wüsste dass ich jetzt mit ihnen spreche würde er vor Scham im Boden versinken.“ Und wirklich, gerade war Wufei mal wieder intensiv damit beschäftigt den Fußboden zu begutachten. „Wufei ist wirklich ein guter Mann. Aber halt sehr schüchtern. Und manchmal versteckt er seine Schüchternheit hinter großen Tönen. Aber in seinem Inneren ist er ein sehr netter, guter Mann. Er braucht nur eine Frau die ihn entsprechend leitet.“

„Und wieso sollte mich das interessieren?“ fragte sie wieder mit kalter Stimme.

Jetzt lächelte Heero noch tiefer. „Weil Sie wie eine Frau wirken, die vor keiner Herausforderung kneift. Ganz im Gegenteil. Ma’am!“ sagte Heero und wollte sich wegdrehen, als die blonde Frau ihn am Oberarm festhielt.

„Gib es zu, dieser Wufei ist ein Arschloch und Sie wollen ihn für irgendwas bestrafen indem Sie mich auf ihn ansetzen.“ Dabei funkelten ihre Augen gefährlich.

Heero beschloss, dass es besser war ihr reinen Wein einzuschenken. „Er ist kein Arschloch, sondern einer meiner besten Freunde. Aber er hat sehr altmodische Ansichten. Und er verdient eine kleine Abreibung.“

Ein interessantes kleines Lächeln umspielte die Dorothys Lippen: „Was hat er denn so böses angestellt?“

„Er ist schuld das ich hier bin. Und dass ich auf den Laufsteg musste – wovor er selbst gekniffen hat! Und er ist auch schuld daran, dass ich mit Relena getanzt hab!“

„Oh ich sehe. Er hat es wahrlich verdient. Keine Sorge, Ihr Freund ist bei mir in den besten Händen.“

Heero musste auch lächeln. Seine Rache an Wufei war in die nächste Stufe getreten.


Fortsetzung folgt