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Chibi love - Teil 26 - 27

Kapitel 26 - Was passiert, wenn Kôji schmollt? (Teil 2)


„Hiro-san, ich hab Angst und mir ist kalt“, schniefte Masaki.

„Glaubst du, mir nicht?“, entgegnete Hiro ungewohnt aggressiv.

Er merkte sehr wohl, dass sein Chibi auf Grund dieser Worte zusammen zuckte, aber daran konnte und wollte er auch nichts ändern.

Seit mindestens einer halben Stunde liefen sie nun schon durch das dichte Schneetreiben. Hiro hatte beschlossen, dass es besser war, wieder etwas abwärts zu gehen, damit sie sich bewegten und nicht erfroren, als wenn sie die ganze Zeit nur dastanden und warteten.

Zwar hatte der Sturm nachgelassen, trotzdem fielen die Schneeflocken noch in Massen und wenn sie nicht bald etwas zum Unterstehen fanden... Nein, soweit wollte Hiro dann doch nicht denken.

Eigentlich war er auch mehr um das Wohl seines Chibis besorgt, als um sein eigenes. Warum hatte Masaki ihnen aber auch folgen müssen? Es war ja lieb gemeint, aber absolut unüberlegt. Da war er schon so ein super schlaues Köpfchen und dann so was.


Traurig sah Masaki Hiro an. Er mochte es nicht, wenn der Ältere auf ihn böse war und ihn so anfuhr. Am liebsten hätte er geweint, aber das verkniff er sich, da die Tränen ja gefrieren konnten und das wollte er nicht.

Zitternd schlang er die Arme um sich, aber wirklich helfen tat es auch nicht. Langsam verstand Masaki auch, warum Hiro so darauf bestanden hatte, dass er zu Hause blieb. Es war seine Schuld, dass sie die anderen verloren hatten und er merkte, dass die Kälte ihm ganz schön zusetzte.

„Geht es noch, Masaki?“

„Ja, geht schon.“

Dass das eine glatte Lüge war, musste er Hiro ja nicht sagen, denn er wollte ihm nicht noch mehr Schwierigkeiten machen, als sie ohnehin schon hatten.


Angestrengt versuchte Hiro in die Ferne zu sehen, was nicht wirklich einfach war, aber ein großer dunkler Schatten hatte seine Aufmerksamkeit erregt.

*Das sieht aus wie...*

„Masaki, da hinten ist eine Hütte. Komm.“

Hiro nahm Masaki an der Hand und rannte mit ihm den restlichen Weg, bis sie an der hölzernen Hütte ankamen.

Ungeduldig rüttelte Hiro an der Türklinke, aber die Tür wollte einfach nicht aufgehen.

„Verdammt.“

Suchend ging er um die Hütte herum, als er auch endlich ein Fenster fand, durch dass er die Tür von innen sehen konnte. Er konnte sie also doch aufbekommen

„Wir sollten weiter gehen“, meinte Masaki, als Hiro wieder zu ihm kam.

„Nein, wer weiß, wann wir wieder so ein Glück haben.“

„Aber...“

„Du wolltest doch helfen, oder? Dann drück gegen die Tür, wenn ich es sage.“

„Gut.“

„Eins, zwei, drei, Los!“

Masaki drückte mit aller Kraft, die er noch hatte gegen die Tür, während Hiro etwas Anlauf nahm und versuchte die Tür mit seiner Schulter aufzubekommen. Aber sie gab noch nicht wirklich nach.

„Los, noch mal. Eins, zwei, drei, Los!“

Ein Knacken ertönte. Es würde nicht mehr lange dauern.

„Aller guten Dinge sind drei. Also...Eins, zwei, drei, Los!“

Und wirklich, die Tür sprang plötzlich auf und die beiden Jungen stolperten in den kleinen Raum. Schnell schloss Hiro die Tür und legte den Riegel um, damit die Tür auch zu blieb.

„Hier sind wir erst einmal geschützt.“


~*~*~*~*~*~


Unaufhaltsam stapfte Youichiru durch den hohen Schnee, aber er war froh, dass der Schneesturm nachgelassen hatte. Erst vor Kurzem hatte er mitbekommen, dass die anderen nicht mehr hinter ihm waren. Er war daraufhin wieder etwas zurück gegangen, doch er hatte bemerkt, dass auch nach längerer Zeit nur seine Fußspuren zu sehen waren. Also schlussfolgerte er, dass er die anderen schon sehr zeitig verloren hatte, doch daran konnte er jetzt auch nichts mehr ändern. Sie würden schon zurecht kommen, da war er sich sicher.
Viel wichtiger war es, Kôji zu finden. Youichiru war sich sicher, dass er irgendwo hier war. Sogar mehr als nur sicher, er wusste es.

„Hilfe!“

Überrascht drehte der Schwarzhaarige sich um. Da war doch eine Stimme gewesen.

„Hilfe! Ist da jemand?“

Ja, da war ganz sicher jemand. Das konnte doch nur Kôji sein.

„Ruf weiter, ich folge deiner Stimme!“, befahl Youichiru und machte sich daran, wieder etwas zurückzugehen.

„Hier bin ich! Hier her!“

Es war schwer, nur einem Laut zufolgen, aber Youichiru gab nicht auf. Nicht wo er jetzt schon so nah war. Denn mit jedem Schritt, den er näher kam, konnte er Kôjis Stimme deutlicher hören.


Rufend und wartend saß Kôji in dem kalten Schnee, als sich ihm eine große dunkle Gestallt näherte. Je näher sie jedoch kam, desto mehr wünschte sich der Blonde, sie würde wieder gehen.

„Kôji, ist alles ok?“

„Sieht das so aus?“, fauchte Kôji wie schon so oft zurück und deutete dabei auf sein rechtes Bein, dass unter einem schweren Ast eingeklemmt war.
„Glauben Sie ich lieg hier zum Spaß? Aber von mir aus können Sie auch wieder gehen, ich brauche IHRE Hilfe ganz bestimmt nicht. Hauen Sie schon ab, es wird schon jemand anderes kommen.“

Ein klatschendes Geräusch durchdrang die Laute des Windes. Erschrocken sah Kôji in die verärgerten Augen seines Lehrers, während er eine Hand an seine linke Wange legte, die sich langsam rot färbte. Es war zwar nicht das erste Mal, dass er eine Ohrfeig bekam, aber diese tat mehr weh als die andere.

„Wie kommst du dazu, mich so anzufahren? Außerdem glaubst du doch nicht wirklich, dass sich jemand bei diesem Wetter hier her verirrt, oder? Wenn ja, dann bist du wirklich naiv.“

„Aber Sie sind doch auch hier...“, erwiderte Kôji kleinlaut.

„Aber ich hab dich gesucht! Egal, jetzt müssen wir erst einmal den Ast weg bekommen.“

Damit packte er ihn an und versuchte ihn hochzuheben.

„Hilf mit!“, wies er Kôji an, worauf dieser versuchte, den dicken Ast von unten hochzuheben.

„Geschafft“, stellte Youichiru erleichtert fest, ehe er das Bein genauer untersuchte. „Dafür dass du die ganze Zeit hier gelegen hast, siehst du noch ganz fit aus.“

„Ich war vorher oben, in einer Höhle. Au, nicht so doll! Als der Sturm etwas nach ließ, wollte ich wieder zurück, aber dann ist der Ast unerwartet runtergefallen. Den Rest, haben Sie ja gesehen“, beendete Kôji seine Ausführung.

„Ja, das habe ich. Deinem Bein scheint es einigermaßen zu gehen, aber laufen wirst du damit nicht können. Wir sollten zu der Höhle, von der du gesprochen hast. Jetzt mit dir irgendwo hin zulaufen wäre zu gefährlich.“

„Und wie soll ich Sie da hin führen, wenn ich nicht laufen kann?“

„Ich trag dich.“

„WAS? Niemals!“

„Stell dich nicht so an oder willst du noch ein blaue Wange, damit du wieder klar denkst? Also steig auf.“

Nur widerwillig ließ Kôji sich von Youichiru huckepack zurück zu der Höhle tragen, aber Widerworte hatten bei diesem Mann sowieso keinen Sinn. Vielleicht würde er es irgendwann noch mal versuchen, wenn er nicht in so einer demütigenden Situation war.


~*~*~*~*~*~


Niedergeschlagen kamen Takashi, Ryo und Asuka wieder am Haus der Tsuburagis an. Drinnen wurden sie schon von den anderen erwartet.

„Wo sind denn die andern?“, fragte Himeko gleich, als sie nur die drei Jungen sah.

„Wir haben sie verloren. Hiro und Masaki sind hinter uns zurück geblieben. Youichiru ist vor unseren Augen ins Nichts verschwunden“, erklärte Asuka, während er seine Sachen auszog.
„Wir haben zwar versucht Masaki und Hiro noch zu finden, aber sie waren schon weg.“

„Als wir zurück gingen, kam uns schon ein Trupp entgegen. Wir haben ihnen gesagt, dass etwas höher ein Schal an einem Baum befestigt ist und dass wir ab da die einen unterhalb und den anderen oberhalb verloren haben. Bleibt nur zu hoffen, dass sie irgendwo dort in der Nähe sind“, sagte Takashi, während er seinem Bruder durchs Haar strich.

Ojiro hatte sich gleich an seinen Bruder geklammert, als er ihn gesehen hatte. Auch er machte sich Sorgen, das konnte man ihm ansehen.

Niedergeschlagen setzten sich alle wieder ins Wohnzimmer. Auch sie konnten nur noch warten und hoffen. So hatte sich niemand ihren Urlaub vorgestellt.


~*~*~*~*~*~


Schweigend saßen Masaki und Hiro nebeneinander auf dem kleinen Bett, dass nur für eine Person zu sein schien. Auch sonst war die kleine Hütte nur spartanisch eingerichtet und anscheinend nicht für den Winter gemacht. Es gab nirgendwo einen Ofen oder einen Kamin, an dem man sich hätte wärmen können. Nur ein niedriger Holztisch, ein passender Stuhl und eine leere Kommode standen noch darin.

Masaki fror immer noch schrecklich, aber er traute sich nicht, an Hiro heranzurücken und etwas mit ihm zu kuscheln, um sich wieder aufzuwärmen. Irgendwie war es ja seine Schuld, dass beide nun hier drin festsaßen und weder vor noch zurück konnten.

„Bist du mir noch böse, Hiro-san?“, fragte Masaki ganz vorsichtig.

„Ich bin nicht böse, ich bin enttäuscht! Ich hab doch nicht zum Spaß gesagt, dass du bei Himeko bleiben sollst. Du siehst doch, wo das hin geführt hat. Du hast Angst und du frierst und ich kann dir nicht helfen, weil’s mir genauso geht. Ich will doch nicht, dass dir etwas passiert.“

Sanft streichelte Hiro durch Masakis Haare, ehe er ihn zu sich zog und ihn in den Arm nahm, was der Kleine sehr begrüßte, schließlich wollte er schon die ganze Zeit nichts anderes. Ihm wurde auch wirklich gleich etwas wärmer. Natürlich konnte er sich das auch einbilden, aber das wollte er nicht glauben.

„Es tut mir leid, Hiro-san. Ich wollte doch nur helfen.“

„Ich weiß, aber jetzt ist es eh zu spät.“

Masaki schmiegte sich noch mehr an seinen Freund und wollte am liebsten in ihn hineinkriechen, schließlich schämte er sich auch ein bisschen. Was hatte er sich nur dabei gedacht?

Sanft wurde er von Hiro wieder zurück geschoben und sein Kinn wurde leicht angehoben, sodass Masaki Hiro ansehen musste. Aber die blauen Augen sahen ihn nicht vorwurfsvoll an, so wie er gedacht hatte. Ganz im Gegenteil. Sie waren klar, freundlich und irgendwie...noch etwas anderes, was Masaki nicht definieren konnte. Allerdings kam ihm der Blick bekannt vor und instinktiv wusste er auch, was er zu tun hatte. Ganz langsam schlossen er seine Augen , als er bemerkt, dass Hiros Gesicht sich seinem näherte.


Erleichtert hatte Hiro mitangesehen, wie sich die apfelgrünen Augen geschlossen hatten und sein Chibi sich ihm ganz leicht entgegenstreckte. Eine sanfte Röte hatte sich auf dem kindlichen Gesicht ausgebreitet, sodass Hiro am liebsten gar nicht die Augen geschlossen hätte, so süß war der Anblick, den sein Kleiner ihm bot.

Ganz vorsichtig, damit er Masaki nicht doch noch verschreckte, legte er seine Lippe auf die des anderen, ehe auch er seine Augen schloss. Erst jetzt, nach dem er wieder diese unglaubliche Süße schmeckte, wurde ihm bewusste, wie lange es nun schon her war, seit sie sich das letzte Mal geküsst hatten. Fast schon ein ganzer Monat. Er intensivierte ihren Kuss noch etwas und zog seinen Chibi besitzergreifend an sich heran. Das war einfach viel zu lang her.

Nein, Hiro konnte und wollte nicht mehr warten. Er musste endlich wissen, wie Masaki schmeckte und er hatte es irgendwie im Gefühl, dass jetzt die beste Zeit dafür war.

Langsam öffnete er seinen Mund und strich ganz vorsichtig über Masakis Lippen. Die Reaktion, die darauf folgte, kannte er schon.


Erschrocken durch die plötzlich auftauchende tastende Zunge löste Masaki den vorher noch so angenehmen Kuss, indem er seinen Kopf zur Seite drehte. Es war so schön gewesen, wieder Hiros sanfte Lippen zu spüren und sich fallen zu lassen, aber seine Zunge hatte ihn wie schon das erste Mal verschreckt.

Eigentlich wollte Masaki am liebsten Reißaus nehmen, aber Hiro hielt ihn eisern fest und zwang ihn sanft, aber bestimmt, ihn wieder anzusehen.

„Vertrau mir“, sagte Hiro zärtlich und strich ihm eine Strähne aus der Stirn.

Schüchtern sah Masaki in die schönsten himmelblauen Augen die er kannte, die nur darauf warteten, dass er Hiro ein Zeichen gab, weiter zu machen. Allerdings war er sich nicht ganz sicher. Konnte er Hiro denn vertrauen und tat er es überhaupt? Andererseits war Hiro so geduldig mit ihm, zwang ihn zu nichts, was ihm schaden könnte und lügen konnten diese Augen auch nicht. Also blieb ihm ja schon gar nichts anderes mehr übrig, als seine Augen wieder zu schließen und dem Älteren einfach zu vertrauen.

Anscheinend war das genau das Zeichen, auf das Hiro gewartet hatte. Liebevoll legte er seine Hand auf Masakis Wange und strich mit dem Daumen ganz zart über Masakis Lippen, die sich schon fast von allein einen kleinen Spalt öffneten. Ein unbeschreibliches Kribbeln breitete sich in dem jungen Körper aus, gepaart mit Aufregung und Neugier, aber auch mit etwas Angst vor dem Unbekannten.

Masakis Herz schlug immer schneller, er konnte schon gar nicht mehr zählen, so schnell schien es ihm. Und dann spürte er Hiros Lippen auf den seinigen und die Zunge in seinem Mund.
Erschrocken riss Masaki die Augen auf. Es war eklig, nass, glitschig und überhaupt nicht schön. Nein, ganz und gar nicht.

Und trotzdem schloss er wieder seine Augen, denn er hatte Hiro versprochen, ihm zu vertrauen. Hiro erkundete geduldig Masakis Mundhöhle und je länger das Ganze dauerte, desto mehr ließ das Unwohlsein nach und das Kribbeln nahm wieder von Masakis Körper Besitz.

Der Kleine bemerkte, dass seine eigene Zunge die ganze Zeit ganz ruhig da lag. Also bewegte er sie mal, da es langsam unangenehm wurde, und stieß dabei gegen Hiros. Erschrocken, weil es doch ein merkwürdiges Gefühl war, wollte er sie wieder in die vorige Position bringen, doch da suchte Hiros Zunge auch schon wieder die seinige. Und ehe Masaki es sich versah handelte er nur noch nach Instinkt und beide Zungen umschlangen sich. Es war fast wie Fangen spielen.
Masaki musste wegen diesem Gedanken unweigerlich etwas schmunzeln, aber dann konzentrierte er sich wieder. Am Ende wusste er schon gar nicht mehr, warum er sich eigentlich so gegen einen Zungenkuss gesträubt hatte.


Glücklich, dass sein Chibi es doch noch zu genießen schien, nach dem er Anfangs plötzlich so steif gewesen war, löste Hiro ihren ersten richtige Kuss und er hoffte inständig, dass es nicht auch ihr Letzter war.

Zärtlich streichelte er die roten Wangen seines noch leicht überrumpelt wirkenden Chibis, der ihn ein bisschen verklärt ansah.

„Na, war es so schlimm?“, fragte er leise.

„Wow...“, hauchte der Angesprochene nur.

Zu mehr schien er nicht in der Lage zu sein. Hiro hatte zwar gehofft, das es dem Kleinen gefallen würde, aber mit solch einer doch recht eindeutigen Antwort hatte er nicht gerechnet. Da konnte er sich ja richtig geehrt fühlen.

Als Masaki zu begreifen schien, was er mehr oder weniger gesagt hatte und als er merkte, wie Hiro ihn ansah, wurde er noch röter und hielt sich peinlich berührt die Hände vor den Mund. Sein Chibi war einfach zu süß, da konnte Hiro einfach nicht anders, als die Hände von Masakis Mund zu nehmen und ihm einfach noch einen Kuss zu geben. Allerdings einen normalen, schließlich wollte er ihn nicht zu sehr überfordern und ein kleines Problem hatten sie ja immer noch. Der Schneefall hatte noch nicht aufgehört.


Masaki wollte eigentlich etwas erwidern, war aber zu überrascht von Hiros Aktion und davon, dass dieser ihn jetzt einfach wieder zu sich zog und in den Arm nahm. Ein bisschen kam Masaki sich vor wie eine willenlose Puppe, mit der man alles machen konnte, aber solange es Hiro war, war das in Ordnung. Da brauchte er sich keine Sorgen machen.

Apropos Sorgen, da fiel ihm etwas ein.

„Du, Hiro-san, glaubst du, Kôji-san geht es gut?“

„Denk schon, der ist hart im Nehmen und so wie ich ihn kenne, sitzt er bereits bei Himeko zu Hause im Sessel und trinkt warmen Tee. Glaub mir Chibi, dem geht es gut.“


~*~*~*~*~*~


Bedrückendes Stille herrschte in der kleinen Höhle, in der Youichiru und Kôji Schutz gesucht hatten. Der blonde Junge war gleich zu Anfang weit von Youichiru weggerutscht, mehr in die Höhle hinein. Seitdem waren ungefähr 10 Minuten vergangen und noch immer schwiegen sie sich an. Kôji hatte sowieso kein Bedürfnis, sich mit dem Älteren zu unterhalten, nur Youichiru wurde das Ganze zu albern und zu kindisch.

„Ist dir kalt?“, fragte er vorsichtig, bereute es im nächsten Moment aber schon überhaupt gefragt zu haben.

„Nein, überhaupt nicht. Ich fühle mich als wäre ich am Äquator. Natürlich ist mir kalt! Müssen Sie immer so dämliche Fragen stellen?“

„Und musst du immer so gereizt sein?“

„Das geht Sie gar nichts an!“

„Und warum bist du abgehauen?“

„Ich bin nicht abgehauen! Ich war spazieren.“

„Die ganze Zeit, allein, bei diesem Wetter?“

„Nein. Ich hab nachgedacht ... und... mich dabei verlaufen.“

Kôji wurde etwas rot, da es ihm peinlich war zuzugeben, dass er Mist gebaut hatte. Er hasste es, belehrt zu werde, weswegen er auch nicht sonderlich viel von Lehrern hielt.


„Wenn du raus wolltest, warum hast du dann nicht gefragt, ob jemand mitkommt? Das wäre in deinem Zustand doch besser gewesen.“

„Mein Zustand geht sie nichts an! Außerdem sahen Sie und die anderen so zufrieden aus, da wollte ich nicht stören. Und ich wollte eigentlich auch gar nicht lange weg bleiben. Ich war dumm. Sind Sie jetzt zufrieden?“

Youichiru sah den Jüngeren erstaunt an. Er hatte sie nicht stören wollen? Dann gab es ja doch noch Hoffnung, dass Kôji nicht ganz so schlimm war, wie Hiro immer sagte. Und wieder konnte Youichiru nicht abstreiten, dass Kôji süß war, wie er da weit neben ihm saß und beschämt den Kopf abwendete. War ihm anscheinend alles sehr peinlich.

Entschlossen stand Youichiru auf und öffnete seine dicke Winterjacke, ehe er sich neben Kôji setzte, der bereits krampfhaft seine Hände aneinander rieb.


Kôji nahm durchaus wahr, dass der Lehrer sich zu ihm setzte, aber er dachte nicht im Traum daran, diesen zu beachten. Es konnte ihm doch völlig egal sein, was der wieder vorhatte.

Allerdings erschrak er sich dann doch, als der Ältere ihn plötzlich auf seinen Schoß zog, die Jack um ihn legte und zuzog. Dadurch wurde Kôji noch mehr an Youichiru gepresst, der seine Arme unter der Jacke um seinen Körper legte und mit der einen Hand seine eigenen umschloss.

„Ich bin zufrieden, wenn du jetzt schön still hältst und dich wärmen lässt. Ich möchte wirklich nicht riskieren, dass du erfrierst. Das muss nicht sein.“

So richtig verstehen konnte Kôji noch nicht, was so plötzlich passiert war und als er es verstand, konnte er es nicht glauben. Dieser Lehrer war nicht normal, aber absolut nicht normal. Alles was er tat, was er sagte, dass ging über jegliches Pflichtgefühl hinaus. Dieser Lehrer hatte eindeutig eine Schraube locker.

Allerdings änderte das nichts an der Tatsache, dass ihm mit der Zeit wirklich warm wurde und ganz so schlimm, wie er gedacht hatte, war es auch nicht. Er fühlte sich nur ein bisschen so, als würden zwei Menschen in einem Schlafsack liegen.


„Wird dir schon wärmer, Kôji?“

„Ja. Aber Sie frieren, das merk ich.“

„Ach was, das geht schon, solang mit dir alles in Ordnung ist.“

„Hören Sie auf so was zu sagen“, entgegnete Kôji, allerdings nicht so bissig wie sonst.

„Du kannst ja richtig niedlich sein.“

„Ich bin nicht niedlich. Saehara ist niedlich oder der andere Gartenzwerg, aber ich nicht!“

Nun war Kôji wieder ganz der Alte. Zufrieden, da ja alles in Ordnung zu sein schien, sah Youichiru flüchtig nach draußen und was er da sah, gefiel ihm ganz gut.

„Sieh nur, es hat aufgehört zu schneien. Jetzt sollte es nicht mehr so schwer sein, den Weg zurück zu finden.“

Also befreite Youichiru den Jüngeren aus seiner Umklammerung und zog sich wieder ordentlich an, ehe Kôji huckepack nahm, um mit ihm wieder hinab zu wandern.


~*~*~*~*~*~


Sehr weit brauchte Youichiru ihn zum Glück nicht zu tragen, denn schon nach ein paar Minuten kam ihnen ein Suchtrupp entgegen, der die zwei Vermissten auch sofort erkannte.

Kôji wurde wegen seinem Bein als erstes gleich ins Krankenhaus gebracht, Youichiru begleitete ihn. Kôji hatte Glück, sein Bein war nur leicht angeknackst, sodass er nicht im Krankenhaus bleiben musste, allerdings konnte er nun nichts mehr unternehmen, denn sein Gipsbein hinderte ihn daran.

Seltsamerweise machte ihm niemand Vorwürfe, alle waren froh, dass es so glimpflich abgelaufen war. Und als seine Eltern ihm am Telefon fragten, ob sie ihn abholen sollten, verneinte er, denn irgendwie war es ja doch ganz schön.

Die restlichen Tage verbrachte Kôji die meiste Zeit im Bett, was keines Wegs unangenehm oder langweilig war, schließlich trug Youichiru ihn jeden Morgen aus dem Bett auf die Couch im Wohnzimmer und am Abend wieder zurück. Zwar stritten sie sich immer noch, wobei das Meiste eher von Kôjis Seite kam, aber alles in allem konnten sie nebeneinander leben, auch wenn Youichiru Kôji des Nachts öfters mal auf die Pelle rückte. Aber mit Absicht tat er es nicht, wie Kôji am Anfang vermutet hatte.


Masaki und Hiro wurden natürlich auch gefunden, allerdings von dem Besitzer der Hütte. Der hatte einfach nur nachsehen wollen, ob noch alles ganz war und hatte nicht schlecht geguckt, als er einen jungen Mann mit einem schlafenden Kind im Arm in seiner Hütte gefunden hatte.
Nachdem Hiro dem älteren Mann alles erzählt hatte, war dieser so freundlich gewesen und hatte sie zurück zum Anwesen der Tsuburagis geführt. Als sie ankamen, waren Kôji und Youichiru bereits da, was den Chibi erst Mal glücklich machte, sah er doch, dass es allen gut ging, mal von Kôjis Gips abgesehen.

Mehr Zeit als sonst verbrachte Masaki trotzdem nicht mit Hiro. Zwar schlief er immer in Hiros Armen ein, aber so einen Kuss wie in der Hütte gab es nicht mehr. Vielleicht mal ein kleiner, flüchtiger, wenn keiner hinsah, aber sonst gar nichts.
Es blieb so gesehen alles beim Alten.


Als die Freunde jedoch von den Vieren wissen wollten, was denn nun genau passiert war, erzählten sie nur, dass sie in einer Hütte beziehungsweise Höhle Unterschlupf gefunden hatte. Damit mussten sich alle zufrieden geben. Dass da noch mehr war, konnten sie sich denken, aber sie fragten nicht, sie hätten es eh nie erfahren.

Und so vergingen die restlichen Tage des Urlaubs ereignislos. Am letzten Tag verabschiedeten sie sich alle von Herrn Tsuburagi, da sie alle abgeholt wurden. Himeko blieb noch eine Woche bei ihrem Vater und dank plötzlich höheren Temperaturen konnte Youichiru ohne Probleme mit seinem Motorrad nach Hause fahren.

Es dauerte auch nicht mehr lang, da waren die Winterferien auch schon wieder vorbei.



27. Die Bedeutung von selbstgemachten Bentos


Es war der erste Tag nach den Winterferien, genauer gesagt der 1. Dezember. Seit zwei Tagen konnte man auch in der Stadt erkennen, dass der Winter Einzug gehalten hatte und Weihnachten vor der Tür stand. Der Schnee fiel zwar nur vereinzelt und blieb nicht liegen, aber er schaffte trotz allem eine winterliche Atmosphäre.


Aufgeregt rannte Masaki in seinen dicken Anorak eingepackt und mit dem Ranzen auf dem Rücken zur Schule. Er konnte es gar nicht erwarten die anderen wieder zu sehen. Unerwartet waren seine Eltern mit ihm und seiner Schwester weggefahren, deshalb hatte er seine Freunde nicht mehr sehen können. Seit langer Zeit hatten der Chibi und seine Familie mal wieder eine Woche Urlaub gemacht. Zu Masakis und Nanamis Überraschung hatten sie diese Zeit in einem Bungalow verbrachten, der nicht weit vom Meer entfernt gelegen hatte. Zwar hatten sie nicht baden gehen können, aber allein der Anblick hatte den Geschwistern gereicht, um sich glücklich zu fühlen.

Die Wege waren eben gewesen, sodass Nanami keine Schwierigkeiten hatte mit ihrem Rollstuhl überall hinzufahren.

Als sie wieder zurück kamen, wollte Masaki alles Hiro erzählen, aber der war mit seinen Eltern für zwei Wochen nach Kyushu geflogen. So hatte der Chibi die restlichen Ferien mehr oder weniger alleine vor dem Fernseher und mit Lernen verbracht. Neben bei hatte er jedoch immer wieder in Youichirus Manga gelesen, den er immer noch hatte. Je öfter er ihn sich angesehen – natürlich nur in seinem Zimmer – desto faszinierter war er. Er musste einfach wissen, wie es weiter ging.

Außer Atem kam Masaki am Schulgelände an. Es dauerte auch nicht lange, da hatte er auch schon seine Freunde entdeckt. Himeko, Takashi, Ryo, Risa, Asuka und natürlich Hiro, dem er regelrecht in die Arme fiel. Ganz fest umarmte er den Älteren. Er hatte ihn ja so sehr vermisst.

„He, und was ist mit uns?“, wollte Himeko wissen.

Mürrisch verschränkte sie die Arme vor der Brust und sah den Chibi strafend an. Der hatte aber nichts Besseres zu tun, als noch mehr zu strahlen und sich an Hiro zu drücken.

„Euch hab ich immer mal wieder gesehen, aber Hiro-kun ganze drei Wochen nicht.“

Schmunzelnd betrachteten die anderen, wie sich Masaki von Hiro den Kopf tätscheln ließ und dabei wie ein kleines schmusendes Kätzchen aussah, während Himeko einmal theatralisch seufzte.

„Ach ja, der Zauber der ersten großen Liebe.“

Abrupt hielten sowohl Hiro als auch Masaki inne, ehe sie sich von einander lösten und der Chibi Himeko mit hochrotem Gesicht ansah.

„Wie kommst du denn auf so was, Himeko-san?“

„Hab ich mit einem Wort erwähnt, das ich euch meine?!“

Masaki wurde, wenn das noch möglich war, noch roter und wäre am liebsten im nächsten Erdloch verschwunden. Er kam sich ziemlich dämlich und veräppelt vor.

Zum Glück rettete ihn die Schulklingel vor weiteren Missverständnissen und peinlichen Situationen.
Sie wollten gerade reingehen, als Masaki Kôji sah, der gerade auf Krücken durch das Schultor humpelte.

„Geht schon mal vor, ich komme dann nach.“

Seine Freunde drehten sich zu ihm um, da er einfach stehen geblieben war.

„Was ist denn?“, fragte Risa gleich.

„Ich möchte nur auf Kôji-san warten, das ist alles.“


Langsam ging Hiro auf Masaki zu und sah ihm fest in die Augen. Er traute Kôji immer noch nicht. Er hatte immer noch die Befürchtung, dass sein Chibi Kôji vielleicht doch noch mehr mögen könnte, als ihn. Wenn das wirklich passieren würde, Hiro wüsste nicht, was er dann tun würde.

„Bist du dir sicher, Chibi?“

„Ja. Mach dir keine Sorgen, Hiro-kun“, versicherte Masaki ihm lächelnd.

Nur widerwillig ließ Hiro Masaki allein, aber nicht ohne ihm noch einmal unauffällig und leicht über die Wange zu streicheln. Es würde sich wohl erst in den nächsten Tagen zeigen, ob sich viel zwischen ihnen verändert hatte. Aber eine kleine Veränderung gab es ja schon und das machte Hiro schon ganz glücklich.


~*~*~*~*~*~


Grummelnd stieg Kôji die Treppen in den dritten Stock hoch. Auf der einen Seite eine Krücke als Stütze, auf der anderen das Geländer, an dem er sich fest hielt und neben ihm ein Gartenzwerg, der seine andere Krücke und die Schultasche trug und immer brav auf ihn wartete.

*Der Junge ist echt zu nett für diese Welt. Maruyama sollte das echt zu schätzen wissen!*

Eigentlich hatte Kôji nicht gedacht, dass sein Bein so lange zum Heilen brauchen würde, aber er war ja selbst schuld. Hätte er auf den Arzt gehört und es nicht gleich überanstrengt, dann wäre wahrscheinlich schon alles halbwegs in Ordnung.

„Tut es sehr weh, Kôji-san?“

„Nein, nur wenn ich wo dagegen trete.“

Leider passierte das viel zu oft. Denn sobald er daran dachte, wem er das zu verdanken hatte, nämlich Maruyama-sensei, musste er einfach irgendwo dagegen treten. Dann tat ihm sein Bein höllisch weh und er musste wieder an Maruyama-sensei denken und trat gleich noch mal gegen etwas. Es war ein ewiger Kreislauf. Meist hörte er erst auf, wenn seine Mutter ihn aufhielt oder er nicht mehr stehen konnte.


Ungläubig sah Masaki den Älteren an. Was hatte er denn für einen Grund, irgendwo dagegen zu treten? So etwas Seltsames hatte er ja noch nie gehört. Das klang ja fast so, als würde sich Kôji mit Absicht weh tun.

„Was ich dich schon längst mal fragen wollte, Masaki, was ist in der Berghütte noch passiert?“

„Hä, wa...was meinst du?“, stotterte Masaki und konnte es nicht verhindern rot zu werden.

Allein der Gedanke an seinen ersten richtigen Kuss löste ein Kribbeln in ihm aus, das von der Nase bis zu den Zehenspitzen reichte.

„Na ja, ich hab das Gefühl, dass da doch was recht Wichtiges passiert ist.“

„Wie...wie kommst du denn da drauf? Da könnte ich dich ja genauso gut fragen, ob bei dir und Youichiru-san was passiert ist.“

Nun war es an Kôji rot zu werden, was Masaki doch sehr überraschte. Hatte er etwa voll ins Schwarze getroffen?

„Ist denn etwas passiert?“, fragte er unschuldig nach.

Darauf hin wurde Kôji noch mehr verlegen und riss ihm Tasche und Krücke aus der Hand.

„So ein Quatsch! Den Rest kann ich auch alleine gehen!“, sagte er, da sie ihre Etage erreicht hatten.

Kichernd sah Masaki dem davon humpelnden Kôji nach. Anscheinend hatte Youichiru doch einen bleibenden Eindruck bei dem Blonden hinterlassen.


~*~*~*~*~*~


Zehn Minuten später als die anderen Schüler betrat Masaki mit gesenktem Kopf das Klassenzimmer.

„Saehara-san, warum kommen Sie so spät?“, fragte Maruyama-sensei nach.

„Ich hab Kôji-san noch geholfen, er hatte sich doch am Bein verletzt.“

„Ach so. Gut, dann setz dich leise an deinen Platz und ihr anderen löst weiter eure Aufgaben!“

Aufatmend ging Masaki an seinen Platz. Er konnte von Glück reden, dass sie Youichiru in der ersten Stunde hatten, sonst hätte er wahrscheinlich draußen stehen müssen. Aber so...

So leise wie möglich setzte er sich hin und packte seine Sachen aus, als ihn jemand leicht von der Seite anstupste.

„Tut mir Leid, aber ich konnte es ihm nicht mehr sagen“, entschuldige sich Hiro flüsternd.

„Ist nicht schlimm, Hiro-kun“, lächelte Masaki munter zurück.

„Ruhe dahinten“, ermahnte Youichiru die beiden, doch sie hatten ganz genau sein leichtes Grinsen gesehen, woraufhin auch sie sich wieder verschmitzt lächelnd ihren Aufgaben zuwandten.


~*~*~*~*~*~


Missmutig sah das Klassenmaskottchen Masaki das Blech mit den Keksen an, das er gerade aus dem Ofen geholt hatte. So sahen sie ja wunder schon aus, aber als Takashi, der Vielfraß, sich gleich drei von ihnen in den Mund gesteckt hatte, da er es hatte abwarten können, war sein Gesicht in wenigen Sekunden kalkweiß geworden und er hatte nichts eiliger zu tun gehabt, als die zerkauten Kekse in den nächsten Mülleimer zu spucken. Mit anderen Worten, die Kekse waren außen hui und innen pfui.

„Tut mir leid, Chibi.“, beteuerte der blauhaarige Junge noch einmal, das er seine Abneigung so offensichtlich gezeigt hatte.

„Du kannst ja nichts dafür, Takashi-san, wenn sie eklig schmecken.“

Traurig kippte Masaki die Kekse in den Mülleimer. Und dabei hatte er sich solche Mühe gegeben. Er war halt nicht für die Hausarbeit geschaffen. Er konnte nicht kochen, nicht backen und auch nicht nähen. Hauswirtschaft war auch einzige Fach, in dem er eine Drei hatte. Alles Einsen auf dem Zeugnis, aber eine Drei in Hauswirtschaft. Das war wirklich kläglich.

„Mach dir nichts daraus, Masaki-kun, meine Kekse sind verbrannt.“, versuchte Risa den Kleineren zu trösten und zeigte ihm einen ihrer Kekse.

„Ja, aber deine schmecken trotzdem.“, moserte er herum und zeigte dabei auf Ryo, der schon die Hälfte der Kekse auf Risas Blech allein verputzt hatte.

„Ich mach dir einen Vorschlag, Masaki-chan. Risa kommt heute zu mir, da ich ihr beim Kochen helfen soll. Was hältst du davon, wenn ich es dir auch gleich beibringe?“, wollte Himeko den Kleinen trösten.

„Dürfte ich das denn, Himeko-san?“

„Natürlich, warum nicht? Diesmal bleibt meine Küche bestimmt sauber, denn die zwei Chaoten sind ja nicht mit dabei.“

„Hey.“, entrüsteten sich Takashi und Hiro und zogen beide ein beleidigtes Gesicht.


~*~*~*~*~*~


Lustlos und entnervt humpelte Kôji durch die Gänge, auf dem Weg zum Physiksaal. Nicht einer seiner Klassenkameraden hatte auf ihn gewartet, alle hatten nur ‚Bis Später’ gerufen und waren dann auch gleich verschwunden. Und so was schimpfte sich nun Freunde. Da war ja der Gartenzwerg noch netter und aufmerksamer gewesen.

*Was er wohl jetzt macht? Ob er Ärger wegen mir bekommen hat? Bestimmt, aber im Grunde ist es ja seine eigene Schuld, er hätte mir ja nicht helfen müssen. Aber süß war es schon und unterhalten haben wir uns auch ganz gut. Es war richtig niedlich, als er rot geworden ist. Schade, dass ich nicht der Grund war.*

Ganz in Gedanken an einen naiven, aber niedlichen Zwerg versunken, merkte Kôji nicht, dass sich ihm sein persönliches personifiziertes Unheil näherte, in Form von Youichiru Maruyama, seines Zeichens Geschichtslehrer an seiner Schule und Bruder seines erklärten Feindes.

„200 Yen für deine Gedanken!“

Überrascht drehte Kôji sich um und war fast zu Tode erschrocken, als das Gesicht von Youichiru näher war, als er eigentlich gedacht hatte. Schnell versuchte er auf Abstand zu gehen, um diese unangenehme Nähe los zu werden.

„Was wollen Sie denn hier?“, zischte der blonde Junge ungehalten.

„Dasselbe könnte ich dich fragen. Hast du nicht eigentlich schon seit einer Minute Unterricht?“

„Versuchen Sie doch mal mit Krücken und einem Gipsbein vom dritten in den ersten Stock zu kommen und das in fünf Minuten!!“


Unbeeindruckt von dem Gemeckere seines Schülers, den er noch nicht mal unterrichtete, ging Youichiru neben ihm weiter. Er machte sich wirklich Gedanken über Kôjis Zustand. Anscheinend war das Bein doch komplizierter gebrochen als er gedacht hatte, denn ansonsten würde er ja nach drei Wochen nicht so lahm sein, oder?

„Wo musst du hin?“, fragte er so nebenbei, denn er hatte einen Entschluss gefasst, auch wenn der Kôji nicht unbedingt gefallen würde.

„In den Physiksaal.“

„Gut, das ist nicht mehr weit. Bleib mal stehen.“

Aus was auch immer für einem Grund tat Kôji das, was sein Lehrer sagte und ehe er sich’s versah, hatte er die Krücken ganz normal in der Hand und Youichiru trug ihn auf Händen durch den noch menschenleeren Gang.

„He, was soll das? Sind Sie verrückt geworden?!“

„Erstens: Ich trage dich zum Physiksaal, weil du noch ewig brauchen würdest, zweitens: Nein bin ich nicht und drittens: Wie redest du eigentlich mit einem Lehrer?“

„Es tut mir ja leid, aber nach dem was Sie getan haben, kann ich Sie einfach nicht mehr als Lehrer sehen!“

„So, und als was dann?“

Provozierend neigte Youichiru seinen Kopf in Kôjis Richtung, der daraufhin etwas rot wurde, als sich das Gesicht des anderen näherte. Zwar wusste er genau, was der blonde Junge meinte, aber warum die Situation nicht ausnutzen und ihn etwas ärgern?

„Ver...verdammt noch mal! Lassen Sie mich runter, sofort.“

Wie ein kleines wildes Kind fing Koji an zu zappeln und Youichiru hatte Mühe, den nur wenige Zentimeter Kleineren nicht fallen zu lassen.

„Schon gut, wir sind eh da.“

Vorsichtig, aber auch darauf bedacht, nicht von einer der Krücken getroffen zu werden, setzte er den zeternden Jungen auf seine Füße und machte dann, dass er weg kam. Ein wütender Kôji mit Krücken war keine schöne Aussicht auf Erfolg. Na ja, er konnte es ja weiter probieren. Und je mehr sich Kôji wehrte, desto reizvoller war es für ihn.


Immer noch mit einer Stinkwut im Bauch betrat Kôji das Klassenzimmer. Sein Lehrer wollte ihn anfahren, warum er denn zu spät sei, aber als er den wütenden, ja fast schon dämonischen Blick bemerkte, hielt er lieber den Mund.

*Ich hasse Sie, Maruyama-sensei!!*


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Nach der Schule verabschiedeten sich Masaki und Risa ausgiebig von ihren Freunden. Risa gab dem eher schüchternen Ryo einen laaaaaangen Kuss, bei dem der Blauhaarige rot wurde und Asuka genervt die Augen verdrehte. Masaki indes umarmte Hiro länger als nötig, wobei Himeko an jemand Bestimmten dachte, von dem sie gern umarmt werden würde.

Die sieben Freunde trennten sich und Himeko machte sich mit dem Chibi und ihrer Freundin auf den Weg zum Tempel in dem sie mit ihrer Familie lebte.


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Auch wenn Masaki die modern und luxuriös eingerichtet Küche der Tsuburagis schon kannte, so stand er trotzdem wieder mit großen Augen in ihr, als er seinen Ranzen zu Risas Tasche stellte.

„Mach den Mund zu, Chibi, sonst kommen Fliegen rein“, grinste Risa verschmitzt.

Leicht grummelnd über diese Bemerkung setzte sich Masaki auf einen der hohen Stühle, die an der Theke standen.

„Mach es dir nicht zu gemütlich, Masaki-chan, wir wollen gleich anfangen“, sagte Himeko.

„Sag mal, was kochen wir eigentlich?“

„Risa wollte, dass ich ihr zeige, wie man ein Bento macht. Sie möchte Ryo gerne eines machen.“

Damit machten sie sich an die Arbeit. Während Himeko sich um den Reis kümmerte, der in seiner Zubereitung doch sehr komplex war, beauftragte sie Masaki und Risa damit ,das Gemüse zu schälen, den Fisch falls nötig zu entgräten und dann für das Maki-Sushi in Streifen zu schneiden.

„Sag mal, Risa, warum möchtest du Ryo denn ein Bento machen, er holt sich doch immer etwas aus der Mensa und Takashi isst ihm auch nicht alles weg, so wie mir“, wollte Masaki nach einer Weile neugierig wissen.

„Das stimmt schon, aber es geht auch weniger um das Essen.“

„Und um was dann?“

„Das weißt du wirklich nicht?“, fragte Himeko erstaunt, als sie den Reistopf auf den Tisch stellte.

„Nein, woher denn? Du bringst mir doch auch immer was mit, weil Takashi immer betteln kommt. Warum sollte das dann bei Risa anders sein?“

„Für uns Mädchen geht es aber um mehr. Viele Jungs sehen es zwar nur als Essen an, aber wir wollen damit ausdrücken, dass wir sie mögen. Wir stellen uns am späten Abend noch hin, nur um für unseren Liebsten etwas Schmackhaftes zu machen.“

„Aha, dann sagst du mir damit also immer, dass du mich lieb hast. Dann ist das, was du jetzt vorbereitest, auch für mich?!“, begeisterte sich Masaki.

Himeko jedoch sah ihn entschuldigend und ein wenig peinlich berührt an.

„Tut mir leid, Masaki-chan, aber das ist für jemand anderen.“

„Wirklich, dann hast du jemanden, den du magst?“

„Ja schon...irgendwie...“

„Von wegen ,irgendwie’. Du bist total in Takashi verschossen!“, platzte es aus Risa heraus.

„RISA!!“, fauchte Himeko ihre Freundin an, während Masaki ganz große Augen bekam.

„Wirklich, das ist ja toll“, freute sich der Chibi, „und ich hatte mir schon Sorgen gemacht, dass du traurig wirst, wenn du erfährst, dass ich mit Hiro zusammen bin.“

Lächelnd sah er die beiden vor Überraschung wortlosen Mädchen an, ehe er sich erschrocken die Hände vor den Mund hielt und sich hochrot umdrehte. Das hatte er doch gar nicht sagen wollen, schließlich hatten er und Hiro ja vereinbart, dass es ein Geheimnis bleiben sollte. Was konnte er denn jetzt noch tun? Ob sie ihm glauben würden, wenn er sage, dass das nur ein Scherz war?

Vorsichtig guckte er Himeko und Risa an, die in Erwartung auf eine Erklärung auf ihn herunter starrten.

*Wohl eher nicht! Wenn...wenn Himeko oder Risa es weiter erzählen, dann bekommt Hiro großen Ärger und dann darf ich ihn vielleicht nie wieder sehen. Aber ich will ihn sehen, ganz oft sogar. Es tut mir leid, Hiro, jetzt hab ich alles kaputt gemacht.*


Unbemerkt schlichen sich kleine Tränen in Masakis Augen und ehe Himeko und Risa sich’s versahen, fing er auch schon bitterlich an zu schluchzen. Himeko ging auf den kleinen Jungen zu und umarmte ihn vorsichtig.

„He, Masaki-chan, warum weinst du denn?“

„Ich hab...Hiro-kun versprochen, dass ich nichts sage. Und jetzt, jetzt hab ich mein Versprechen gebrochen.“

„Nein, hast du nicht. Wir haben schon lange vermutet, das da mehr zwischen euch ist. Besonders seit den Ferien. Hast du denn noch gar nicht bemerkt, dass du ihn nicht mehr mit –san, sondern mit –kun anredest?“

„Was? Tu ich das?“, fragte Masaki überrascht und wischte sich die Tränen weg.

„Ja, tust du. Aber das macht nichts.“

„Keine Sorge, Chibi, wir verraten nichts“, versicherte Risa und wuschelte ihm durchs Haar.

„Weißt du was, Masaki-kun, du machst jetzt für Hiro ein Bento. Du musst es alleine zubereiten, aber keine Panik, ich helfe dir natürlich.“

„Aber, du hast doch gesagt, dass nur Mädchen Jungs etwas schenken. Sieht das nicht seltsam aus, wenn ich Hiro plötzlich etwas gebe?“

„Ach was. Jeder denkt doch, dass du und Hiro eine sehr enge Freundschaft habt, da macht das auch nichts. Außerdem bist du jünger als wir, noch ein Grund ihm ohne Bedenken ein Bento zu machen.“, beteuerte Risa.

„Na gut, aber nur, wenn Himeko Takashi morgen auch ihr Bento gibt.“

„Aber das ist Erpressung!“

„Na gut, dann verrat ich es ihm eben.“

„Nein, nein. Ich gebe es ihm, aber sag nichts.“

Damit war es beschlossen und alle drei machten sich daran, für ihre Liebsten etwas Feineszu zaubern.


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Am nächsten Tag in der großen Pause mussten alle Schüler drin bleiben, da es wie aus Eimern goss.

Tief durchatmend holte Masaki eine kleine viereckige Kiste, die in einem türkisblauen Tuch eingewickelt war, heraus und hielt sie Hiro, der gerade mit einer Klassenkameradin sprach, hin, ohne ihn dabei anzusehen.

„Hier, das ist für dich. Ich weiß, es sieht nicht toll aus und wenn du es nicht magst oder Angst hast, dass ich dich vergifte, weil ich ja nicht besonders gut kochen kann, dann versteh ich das voll und ganz.“


Schmunzelnd betrachtete Hiro seinen Chibi und packte neben bei das Bento aus. Das war ja süß, was er da so vor sich hin brabbelte und sich mit jedem Wort entschuldigte, ob wohl er noch gar nicht Hiros Meinung wusste.

„Und na ja....“

„Mh, das schmeckt richtig gut, Chibi.“

„Was? Wirklich?“, fragte Masaki erstaunt nach.

„Ja, wirklich. Hast du sehr gut gemacht. Danke. Ich hoffe doch mal, so was Leckeres bekomme ich irgendwann noch mal.“

„Ja, klar, wenn du das möchtest.“

Glücklich beobachtete Masaki, wie Hiro nacheinander die Sushistücke verspeiste und schielte immer mal zu Takashis Tisch, an dem nun auch Himeko stand.


„Hier, kannst du haben.“, sagte Himeko gespielt mürrisch, als Takashi aus sah.

„Na so was, wie komm ich denn zu der Ehre?“

„Bild dir bloß nichts darauf ein. Das ist nur, damit du Masaki-chan nicht immer alles weg isst. Wenn du es nicht willst, meinetwegen.“

„Ach was, ich wäre ja dumm, wenn ich Essen von dir ablehnen würde, schließlich bist du die beste Köchin, die ich kenne.“

Wissend lächelte Takashi und nahm Himeko die Box ab. Ein ganz feiner und ein ganz feiner Rotschimmer legte sich auf ihre Wangen. Das schien ja noch viel versprechend mit den beiden zu werden.