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Der Liebeszug - Teil 9 bis 10

Kapitel 9

Heeros Gehirn versuchte verzweifelt mit seinem Körper Schritt zu halten. Aber irgendwie hatte Heero das Gefühl, dass es nicht sonderlich erfolgreich damit war. Aber es war ja in den letzten Minuten – war tatsächlich erst so wenig Zeit vergangen? – viel zu viel passiert.

Erst der Angriff der rosa Zuckerwatte. Heero schüttelte sich bei der Erinnerung erneut. Wie konnte jemand nur so verbohrt sein und völlig neben der Realität existieren? Er hatte doch nun wirklich nichts anderes getan als einmal mit ihr zu tanzen, sie die meiste Zeit anzuschweigen und ansonsten vor ihr zu flüchten. Wie konnte sie da in ihrem kleinen Hirn die Idee heranzüchten, dass sie beide für einander bestimmt waren? Wenn er morgen seinen Freunden davon berichten würde, dann würden die ihm garantiert nicht glauben. So etwas konnte keiner glauben.

Aber dann war ja Duo gekommen und hatte ihn gerettet. Auf eine sehr interessante Art und Weise. Gegen diese Art von Rettung würde Heero wohl niemals etwas haben. Er hatte sogar für einige Augenblicke alles um sich herum – selbst die nervige rosa Wolke – vergessen als sie sich so tief und innig geküsst hatten. Und er wäre am liebsten sofort an Ort und Stelle über diesen heißen Mann der sich an ihn presste hergefallen. Im Prinzip hatte er das sogar getan, denn das waren schon keine einfachen Küsse mehr, sondern eindeutiges Vorspiel.

Nach einigen kruden Worten und Drohungen hatten sie es dann gemeinsam geschafft Relena zu verjagen. Hoffentlich endgültig. Zwar schien sie immer noch der irrigen Meinung zu sein ihn von seiner ‚Krankheit’ heilen zu können, doch der angedrohte Skandal schien seine Wirkung nicht verfehlt zu haben. Im Grunde musste die Frau noch armseliger sein, als Heero von ihr gedacht hatte, wenn sie sich von so etwas vertreiben ließ. Nicht das er sich beschweren wollte! Im Gegenteil.

Aber als sie die rosa Wolke empört davon schwebte, da hatte Heero es trotzdem nicht über sich gebracht Duo wieder los zu lassen. Der andere fühlte sich einfach zu gut in seinen Armen an und machte die wunderbarsten Geräusche wenn er ihn streichelte und küsste.

Um ehrlich zu sein, Heero war so erregt gewesen, dass er selbst wenn er es gewollt hätte nicht mehr mit seinem Gehirn hätte denken können. Zum Glück schien es Duo ähnlich zu gehen und so war die Frage nicht mehr, ob sie übereinander herfallen würden, sondern wo.

Duos erste Idee schien perfekt zu sein. Aber leider war das Büro schon besetzt. Ausgerechnet von Trowa und dem blonden Kollegen von Duo. OK, Heero war klar dass Trowa absolut fasziniert von dem Blonden war – zwei Stunden schüchterndes Starren war eine verdammt gute Indikation gewesen. Aber das Trowa sofort mit dem anderen in dem Büro verschwunden war, passte doch nicht so wirklich zu seinem ruhigen Freund. Normalerweise brauchte dieser schon das eine oder andere Treffen, bevor mit jemandem intim wurde. Andererseits schien Duo sich über seinen Freund überhaupt nicht zu wundern, also vielleicht war der Blonde die treibende Kraft dahinter. Nicht dass es wirklich viel brauchte um einen Mann zum Sex zu treiben.

Aber dass das Büro schon von den beiden anderen besetzt gewesen war, hatte einen ziemlichen Dämpfer für Duos und seine Pläne bedeutet. Sie hatten beide wie dumme Schuljungen dagestanden und verzweifelt überlegt, was sie denn jetzt tun sollten. Und da Heeros Gehirn immer noch nicht zu seinem Körper aufgeschlossen hatte, war Heero der Vorschlag mit seinem Haus herausgerutscht. Nicht nur herausgerutscht, als Duo nicht sofort darauf angesprungen war, hatte er diesen sogar noch extra überredet.

Und jetzt, während sie beide so schnell es unauffällig ging zu seinem Jeep eilten, kamen Heero doch leichte Zweifel. War es richtig Duo mit zu sich nach Hause zu nehmen? Er hatte noch nie jemanden mit dorthin genommen. Und es fühlte sich fast unanständig an, einen bloßen One Night Stand dorthin zu bringen, in sein ruhiges Heim.

Aber was sollten sie denn sonst tun? Überall konnte er Menschen sehen, Paare oder kleine Grüppchen. Hier gab es nirgendwo einen ruhigen Ort. Hier würde er es nirgendwo riskieren können, mit Duo Sex zu haben. Und der Gedanke, das ganze gleich ganz sein zu lassen, wurde sofort als unrealistisch verbannt. Er würde garantiert nicht darauf verzichten Duo zu haben.

„Hier, das ist mein Auto,“ sagte Heero und stellte sich neben seinen Jeep.

Duo umrundete das Gefährt und stieg dann auf den Beifahrersitz ein. „Ganz schön voll hier,“ erklärte er mit einem Blick auf den Rest des Parkplatzes.

Heero musste ihm bei dieser Beobachtung zustimmen. Wieder waren überall kleine Grüppchen von Leuten zu sehen die sich scheinbar sehr gut unterhielten. Und auch das eine oder andere Pärchen, das in einem der Wägen saß und sich küsste. „Euer Ball der einsamen Herzen scheint ein voller Erfolg zu sein,“ stellte er fest.

„Hey, wir sind auch gut,“ bestätigte Duo lachend und warf seinen Zopf über die Schulter.

Dieser Anblick ließ Heero in tiefster Kehle knurren. Er würde am liebsten hier und jetzt schon über diesen unglaublichen Mann herfallen. Aber wie Duo schon gesagt hatte, es war ziemlich belebt auf dem Parkplatz. Viel zu belebt. Eilig stieß Heero den Schlüssel in das Zündschloss und startete den Wagen. Nur noch zwanzig Minuten und sie würden sein Haus erreicht haben.

Während Heero so schnell wie möglich durch die Nacht fuhr, hatte sich eine fast gespannte Ruhe in dem Jeep ausgebreitet. Heero setzte ein paar mal an um die Stille zu durchbrechen, aber was sagte man schon zu einem Kerl, den man eigentlich gar nicht kannte und nur zum Sex mit nach Hause schleppte?

Er war zwar beileibe nicht unerfahren was One Night Stands anging – im Gegenteil er hatte sie fast zu einer Kunstform perfektioniert – aber normalerweise nahm er seinen Partner dann nur bis zur nächsten dunklen Ecke oder Hotel mit. Für beides hatte er noch nie länger als ein paar Minuten gebraucht, Minuten die sowieso mit heißen Küssen und heftigem Streicheln angefüllt waren. Doch jetzt hier im Auto, wo er sich tatsächlich auf das Fahren konzentrieren musste und sie für längere Zeit nur einander als Gesellschaft hatten, da sah die Sache etwas anders aus. Und es ließ auch seinem Gehirn genug Zeit ihn wieder einzuholen und ihm Gewissensbisse zu verpassen. War es wirklich richtig, diesen jungen Mann nur für eine heiße Nacht mit zu sich nach Hause zu nehmen? Was würden seine Eltern davon halten? Heero stöhnte entnervt auf. Wieso kamen ihm solche unsinnigen Gedanken.

Eine Hand tätschelte ihn sanft auf seinem rechten Knie. „Hast du es dir anders überlegt?“ fragte Duo mit einem besorgten Unterton.

Hatte er es sich anders überlegt? Heero schüttelte den Kopf. „Nein. Natürlich nicht! Es ist nur so, du bist der erste den ich mit zu mir nach Hause bringe.“

„Oh… wohnst du nicht allein?“

Heero schüttelte wieder den Kopf. „Nein, das Haus gehört ganz allein mir. Aber… aber meine Eltern haben früher dort gewohnt. Und es fühlt sich irgendwie komisch an. Ach ich weiß auch nicht.“ Es war zum verzweifeln, aber Heero konnte nicht genau beschreiben was er gerade fühlte. Wahrscheinlich weil er es selbst nicht genau wusste.

Die Hand drücke sein Knie mitfühlend. „Hey ich versteh dich vollkommen.“

„Tust du?“ Heero war wirklich erstaunt.

„Jupp. Ich hab zwar nie jemanden mit zu meinen Eltern gebracht, aber seit der Uni wohne ich mit Quatre zusammen. Es ist immer merkwürdig jemanden mit in die Wohnung zu bringen. Obwohl...“ Duo machte eine kurze Pause. „Eigentlich hab wohl nur ich damit Probleme.“

Heero lachte trocken auf. „Lässt dein Freund nichts anbrennen?“

„Hm, so direkt will ich es nicht ausdrücken. Aber ja, Quatre liebt es diverse Bewunderer zu haben. Ich hoffe das stört dich nicht.“

Heero zuckte mit den Schultern. „Warum sollte es mich stören? Trowa und er sind sicher erwachsen genug um zu wissen was sie tun.“

„Ja, uns den Raum wegnehmen!“ empörte sich Duo.

Trotz seiner eher angespannten Laune musste Heero doch aus tiefstem Herzen lachen. „Keine Panik. Gleich sind wir ja da. Und ich wette wir werden es bequemer haben als sie.“

„Das hoffe ich doch sehr,“ erklärte Duo und beugte sich vor um Heeros Nacken zu küssen. Heero reagierte entsprechend, indem er das Gas weiter durchtrat. Wäre doch gelacht wenn sie das Haus nicht in neuer Rekordzeit erreichen würden.

Nach einer scheinbar unendlich langen Zeitspanne – die in Wirklichkeit nur 17 Minuten betrug – brachte Heero den Jeep endlich vor seinem Haus zum stehen. „Wir sind da,“ erklärte er unnötiger Weise.

Duo hantierte mit seinem Anschnallgurt und lachte auf. „Ach, sach an.“ Dann beugte er sich wieder zu Heero herüber, doch diesmal nicht um dessen Nacken zu liebkosen sondern um ihm einen tiefen Zungenkuss zu geben. Erst als sie beide meinten keine Luft mehr zu bekommen, brachen sie schwer atmend den Kuss. „Ich nehme an, du willst nicht erst die große Besichtigungstour?“ witzelte Heero.

„Mich interessiert im Moment eigentlich nur eins, dein Schlafzimmer,“ gab Duo trocken zurück. Beide lachten auf und stiegen gleichzeitig aus den Wagen.

Wie ein gut geölter Blitz preschte Wing heran und bellte vor Freude weil sein Herrchen wieder da war. Schwanzwedelnd sprang er an Heero hoch und ließ sich den Kopf tätscheln.

Dann sprang er mit einem lauten „Wuff!“ in Duos Richtung und schnupperte neugierig an dem jungen Mann.

Duo machte einen halben Schritt zurück. „Ähm,“ murmelte er verschreckt.

Heero war erstaunt, doch dann fiel ihm ein, dass die Leute in der Stadt wahrscheinlich so große Hunde nicht gewöhnt waren. Schon gar keine die sie einfach so ansprangen. „Du musst keine Angst haben, Wing tut dir nichts.“

„Ich hab auch keine Angst,“ beharrte Duo, obwohl Wing gerade an ihm hochsprang. „Aber wieso tut er das?“

Heero pfiff einmal und Wing sprang sofort auf den Boden und warf seinem Herrchen einen erstaunten Blick zu. „Er ist nur neugierig, weil er dich nicht kennt.“ Heero kniete sich neben den englischen Setter und kraulte dessen Kopf. „Das ist Duo. Er ist keine Gefahr. Er ist ein Gast.“ Dann blickte er zu Duo hoch. „Reich ihm deine Hand, damit er sie beschnuppern kann. Und du kannst ihn auch kraulen. Wing tut keiner Menschenseele was. Zumindest nicht solang ich es ihm nicht befehle.“

„Toll, das macht die ganze Sache gleich viel leichter,“ ätzte Duo. Doch er hielt seine Hand vor die Nase des Hundes und er begann sogar mit der anderen hinter dessen Ohren zu kraulen.

„Im Grunde seines Herzens ist Wing ein Schmusebär. Aber pssst, das ist ein Geheimnis. Schließlich soll er mein Grund und Boden vor unerwünschten Eindringlingen schützen.“

„Hab ich denn jetzt den Test bestanden?“ fragte Duo.

Heero grinste. „Klar, er hat dich jetzt als ‚Freund’ gespeichert. Guter Junge,“ sagte er noch einmal zu seinem Hund und tätschelte mit beiden Händen seine Seiten. „Wir können jetzt reingehen. Er wird dir nichts tun.“

„Kommt er auch mit?“ fragte Duo.

Heero schüttelte den Kopf. „Meistens schon, aber ich glaub er würde heute nur stören. Nicht wahr Wing? Los, lauf,“ befahl er und der Hund rannte fröhlich jappend in die Nacht.

„Puh, ich glaub die zukünftige Schwiegermutter zu treffen kann nicht anstrengender sein,“ witzelte Duo.

„Hey,“ empörte sich Heero grinsend. „Wing hat keine Giftzähne.“ Sie lachten beide. „Los lass uns reingehen. Bevor Wing zurück kommt und entscheidet dass er zu gerne sehen will was sein Herrchen mit dem Gast vorhat.“

Duo errötete, was im Licht der Türlaterne gut zu erkennen war. „Ich dachte wir hatten uns darauf geeinigt keine Zuschauer zu wollen. Also los.“

Heero musste immer noch schmunzeln, dann schloss er die Eingangstür auf und erklärte, „Willkommen in meinem bescheidenen Heim.“

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Duo betrat das Haus und blickte sich sofort neugierig um. Zwar hatte er gesagt, dass er nur an einem Raum interessiert war, aber irgendwie siegte seine Neugierde doch.

Was er sah war nicht ganz das was er erwartet hatte. Gleich hinter der Haustür fing ein großer Raum an, indem es sowohl eine Sofaecke gegenüber einem Kamin, als auch einen großen Esstisch gab. Und viele, viele Bücherregale. Es war rustikal, aber gemütlich.

Duo wippte von einem Fuß auf den anderen, er war sich nicht wirklich sicher was er jetzt tun sollte. Sofort über Heero herfallen? Erst noch versuchen etwas Konversation zu betreiben? Das war einer der Gründe, weswegen er nicht so sonderlich viel von One Night Stands hielt, er kam sich am Anfang meist etwas peinlich berührt vor.

„Willst du was trinken?“ fragte ihn in dem Moment Heero.

Dankbar für die Ablenkung antwortete Duo, „Gerne. Hast du Wein da?“

„Ist dir roter recht?“

Duo nickte.

„Gut, ich hab nämlich keinen anderen,“ sagte Heero, drehte sich nach links und verschwand in der Küche.

Duo folgte ihm grinsend. „Was hättest du jetzt gemacht, wenn ich weißen hätte haben wollen?“

„Dich ablenken?“ vermutete Heero verschmitzt. Dann öffnete er einen Schrank und holte eine Flasche hervor. „Ich hoffe der ist in Ordnung für dich. Nichts besonderes, aber ziemlich lecker. Hab ich gestern erst aufgemacht.“

Duo zuckte mit den Schultern, „Ich werde hier jetzt keine große Weinprobe veranstalten und dir erzählen wie viele Aromen man im Abgang herausschmecken kann.“

Heero lachte kurz und trocken. Dann hatte er auch schon ein großes Glas mit dem Rotwein gefüllt und Duo gereicht. Danach öffnete er einen riesigen Kühlschrank und holte sich selbst eine Flasche Bier hervor.

Duo nahm einen kleinen Schluck. „Lecker,“ verkündete er. Dann blickte er sich anerkennend in dem Raum um. „Eine verdammt gut ausgerüstete Küche hast du.“ Von der Hälfte der Geräte die hier standen kannte er noch nicht einmal die Funktion.

Heero zuckte kurz mit den Schultern. „Ich koch gern. Auch wenn es für einen allein eher weniger Spaß macht.“

„Du kannst kochen, cool,“ entfuhr es Duo neidvoll. Weder er noch Quatre hatten diese Aufgabe je gemeistert. Ihre Kochkunst bestand darin die Mikrowelle richtig zu bedienen und die Nummern der besten Bringdienste auswendig zu kennen.

Heero nahm einen langen Schluck aus seiner Flasche, wobei Duo fasziniert beobachtete wie sich sein Adamsapfel dabei bewegte. Mjamm. Ihm fiel wieder ein wozu sie eigentlich hierher gekommen waren.

„Macht es dir was aus, wenn ich noch mal kurz rausgehe?“ fragte Heero plötzlich.

„Hä?“ damit hatte Duo jetzt ja nun gar nicht gerechnet.

„Nur für ein paar Minuten. Ich will nur kurz sicher gehen, dass mit den Tieren alles in Ordnung ist. Bin gleich wieder da.“ Und ohne groß auf eine Antwort zu warten, verschwand Heero durch eine Tür die scheinbar von der Küche zur Veranda führte.

Hm, Duo war verwirrt. Aber dann zuckte er mit den Schultern. Sie hatten jetzt so lang gewartet, da waren ein paar weitere Minuten auch nicht mehr schlimm. Er trank das Glas in einem Zug aus und füllte es erneut. Vielleicht war sogar genug Zeit dass der Wein etwas wirkte und er etwas lockerer wurde.

Aber er hatte auch keine Lust einfach in der Küche stehen zu bleiben. Und da er nicht annahm, dass Heero etwas dagegen hatte, wenn er sich noch ein wenig umsah, ging er zurück in das große Wohn/Esszimmer.

Auch beim zweiten Blick war es immer noch rustikal und gemütlich. Aber jetzt wo er etwas mehr Zeit für seine Beobachtungen hatte, vielen Duo doch mehr Kleinigkeiten auf. Wie zum Beispiel das aufgeschlagene Buch, dass auf der zusammengefalteten Wolldecke auf dem Sofa lag. Oder dass der Fernseher wohl nicht so häufig benutzt wurde, wie eine kleine Staubschicht auf der Fernbedienung verriet. Duo musste schmunzeln, denn er hielt auch nicht soviel vom fernsehen.

Ok, gelogen, eigentlich liebte er es, nur kam nie etwas interessantes. Und falls dann doch mal eine interessante Serie ausgestrahlt wurde, dann sorgte sein Job immer dafür, dass er die Hälfte der Folgen nicht mitbekam. Deshalb liebte Duo ja auch so die DVDs. Er hatte eine unwahrscheinlich große Sammlung an Filmen und Serien.

Mit diesen Gedanken beschäftigt wanderte Duo weiter durch den Raum. Eine Tür die er öffnete führte in ein großes und strahlend sauberes Bad. Hier warf Duo allerdings nur einen kurzen Blick hinein. Der nächste Raum war dann aber interessanter.

Dies schien Heeros Arbeitszimmer zu sein. Und wenn Duo gedacht hatte, dass das Wohnzimmer schon von Bücherregalen übersäht war, dann erkannte er jetzt, dass dies noch steigerungsfähig war. Praktisch jeder Fitzel an Wand war mit ihnen überhäuft und in ihnen Bücher und Ordner, während ein riesiger Schreibtisch vor einer langen Fensterreihe stand.

Aber das erstaunlichste war, dass auf diesem Schreibtisch drei Computer standen. Wozu brauchte jemand drei Computer? Duo hatte einen im Büro und eine alte Möhre zu Hause zum surfen. Aber drei Computer in einem Raum? Während er etwas verwundert dastand bemerkte er, dass die Bücher in den Regalen sich scheinbar auch ausschließlich mit Computer oder Computersprachen beschäftigten. Wirklich nichts, was man auf einer Farm am Arsch der Welt erwarten würde.

„Ah, hier bist du,“ flüsterte Heero plötzlich in sein Ohr. Ohne das Duo es bemerkt hatte, war der andere dicht hinter ihn getreten und umarmte ihn jetzt sogar.

Duo grinste, das fühlte sich verdammt gut an. „Alles in Ordnung?“ fragte er, während er sich in die Umarmung zurück lehnte.

Heero knabberte an seinem Ohr. „Ja, alles in Ordnung. Und du, hast du was interessantes entdeckt?“

„Wozu brauchst du all diese Computer?“ sprudelte es aus Duo hervor, obwohl sein Körper eigentlich jetzt andere Prioritäten hatte. „Bist du ein Spielefreak.?“

Duo bemerkte wie der Mann hinter ihm mit den Schultern zuckte. „Ich spiele zwar manchmal auch, aber ich brauch die für meinen Job.“

„Als Farmer?“

Heero lachte wieder trocken. „Als Programmierer. Ich bewirtschafte nur einen sehr kleinen Teil der Farm, der Rest ist verpachtet.“

„Aber was hält dich dann hier in Blackside?“ Duo konnte nicht verstehen, wieso nicht jeder der dazu in der Lage war von hier verschwand.

„Das ist meine Heimat,“ erklärte Heero. Dann nach einer kurzen Pause knabberte er wieder an Duos Hals. „Soll ich dir jetzt den Rest des Hauses zeigen.“

„Woran hast du denn da gedacht?“ neckte Duo.

„An das Schlafzimmer.“

Oh Gott, Heero klang sogar umwerfend wenn er mit dieser tiefen Stimme etwas sagte. Duos Knie wurden allein bei dem Ton und bei dem Gedanken an das Schlafzimmer weich. Schnell trank er das Glas leer und stellte es ab. Dann drehte er sich zu Heero um und zog ihn zu einem leidenschaftlichen Kuss zu sich. „Wird auch Zeit das du endlich fragst.“

Innerhalb kürzester Zeit waren sie aus dem Arbeitszimmer heraus und in das nächste gestolpert, wobei sie sich niemals für lange losließen. In dem Schlafzimmer angekommen blinzelte Duo erst einmal kurz. Es war der bisher kleinste Raum und der am schlichtesten eingerichtete. Ein Schrank, ein breites Bett und ein kleiner Nachtisch. Das war alles. Nur dass die Wand am Bettkopfende in einem tiefen rot gehalten war, ließ den Raum gemütlich statt klinisch wirken.

Aber eigentlich hatte Duo nicht wirklich Zeit sich die Einrichtung anzuschauen, denn Heeros Hände waren überall auf seinem Körper und auch er war ziemlich damit beschäftig den anderen zu erkunden. Für einige Momente standen sie einfach so da, dicht aneinander gepresst und wild küssend.

Dann begann Heero damit Duos Hemd aufzuknöpfen und ihm den störenden Stoff vom Körper zu schieben. Etwas, dass Duo nur begrüßte und mit einem tiefen Stöhnen kommentierte. Seine Finger waren aber auch nicht untätig und zupften und zerrten an Heeros Hemd.

Als dieser sich dann daran machte Duo aus seiner Hose zu befreien, stutzte er kurz. Verwundert hielt er plötzlich das Pfefferspray und die Handschellen vor Duos Gesicht.

Duo wurde auf der Stelle tiefrot und stotterte, „Nur für den Notfall um mich der weiblichen Liebeszuggäste zu erwehren.“

Heero hob zweifelnd seine Augenbraun. Er schielte noch einmal auf die Handschellen und murmelte, „Kinky!“ bevor er beide Sachen auf den Boden gleiten ließ und sich wieder daran machte Duos Hose zu öffnen.

Duo wollte schon protestieren. Er war nicht kinky. Nun ja, meistens zumindest nicht. Aber als Heeros Hände ohne störenden Stoff über seinen Hintern glitten, war ihm sowieso alles egal. Sollte der andere ihn doch halten für was er wollte, Hauptsache sie machten hier so schnell wie möglich weiter!

Fast widerstrebend befreite sich Duo aus der Umarmung und legte sich dann auf das Bett. „Komm her Cowboy,“ lockte er mit lustvernebelter Stimme.

Das schien sich Heero nicht zweimal sagen zu lassen, denn im nächsten Augenblick lag er auf Duo drauf. Ihre nackten Körper trafen einander und sie beide stöhnten auf.

Oh ja, genau das war es, was Duo jetzt brauchte. Während seine Lippen forschend nach Heeros jagten wanderten seine Hände über dessen Rücken. Heeros harter Körper schien nur aus wohl trainierten Muskeln zu bestehen. Wie hatte Quatre es noch so schön genannt? Keine Muckiebudenschönheiten sondern von harter Arbeit gestählte Männerkörper. Das nebenberufliche Arbeiten auf der Farm schien Heero verdammt gut in Schuss zu halten.

„Oh Gott, du bist so heiß!“ entfuhr es Heero in dem Moment.

Duo kicherte, als der andere wieder sein empfindliches Ohrläppchen bearbeitete. „Das ist ein Kompliment das ich nur zu gern zurückgebe!“ sagte er heftig atmend. Um einen Moment später tief aufzustöhnen, als Heeros Hände seinen Penis erreichten und anfingen diesen zu streicheln.

„Goooootttttt!“ entfuhr es Duo und er drückte seinen Kopf genussvoll nach hinten in das Kissen durch. Offenbarte so seinen Hals und Heero fing sofort an ihn dort zu küssen und sanft mit den Zähnen zu beknabbern. Das würde sicher morgen eine Menge sichtbarer Knutschflecke geben, aber Duo war das so was von egal.

Stattdessen schlang er seine Beine um Heeros Hüfte und drückte den anderen noch fester an sich. Vorspiel gut und schön, aber er wollte jetzt endlich den nächsten Schritt machen. „Hast du was da?“ fragte er heiser.

Heero schien ihn sofort zu verstehen. Er nickte kurz, dann rollte er sie beide gemeinsam ein wenig zur Seite, so dass er den Nachtschrank erreichen konnte. Während er mit der einen Hand in einer der Schubladen wühlte, strich er mit der anderen immer wieder über Duos Penis und trieb diesen so langsam aber sicher die Wände hoch.

Dann landete ein Kondompäckchen und eine Tube Gleitgel neben ihnen auf dem Bett. Duo grinste, endlich konnte die wirkliche Action beginnen. Heero schnappte sich die Tube und richtete sich etwas auf um besseren Zugang zu bekommen. Schnell hatte er die Tube aufgeschraubt und einen großzügigen Klacks des Gels auf seine Finger gedrückt. Und mit diesen Fingern bewegte er sich unaufhaltsam auf Duos Eingang zu.

Duo stöhnte aus tiefster Kehle auf, als er den Finger mit dem kühlen Gel spürte. Und im nächsten Moment bemerkte wie dieser Finger langsam aber bestimmt in ihn geschoben wurde. Verdammt tat das gut! „Schneller“ wies er den anderen an. Dann klaubte er sich die Kondompackung und riss die Schutzfolie auf. Mit geübten Fingern griff er zwischen ihre beiden Körper und suchte nach Heeros Penis. Dann begann er damit das Kondom über Heeros Männlichkeit zu schieben. So würden sie etwas Zeit sparen.

„Duo!“ stieß Heero hervor als der dessen Hände bemerkte. Er hielt in seinen Bewegungen inne während sein Schwanz vor Aufregung pulsierte.

Duo hob seinen Kopf hoch und knabberte an Heeros Ohrläppchen. „Mach schnell, ich will nicht mehr lange warten!“ befahl er. Dann schnappte er sich die Tube mit Gleitgel und begann Heeros Penis großzügig damit einzuschmieren.

„Hrrrmmmpfg!“ stieß Heero hervor. Doch dann schien er sich wieder zu fangen und er konzentrierte sich wieder auf seine Aufgabe. Ein zweiter Finger folgte dem ersten schnell und angestachelt von dem was Duo da mit seinem Lieblingskörperteil machte, beeilte er sich den Langhaarigen so schnell es ging zu weiten.

„Komm schon, ich bin bereit!“ erklärte Duo und ruckelte sich so zurecht, dass Heero etwas an ihm herunter rutschte.

Scheinbar schien es keiner weiteren Aufforderung mehr zu bedürfen, denn Heero schnappte sich Duos linkes Bein, schob es über seine Schulter und positionierte sich. Dann mit einem einzigen langsamen aber stetigem Stoß drang er bis zum Anschlag in Duo ein.

„Jaaaaa!“ entfuhr es Duo und er drückte Heero mit seinem anderen Bein noch fester an und in sich. Das fühlte sich so gut an! Er konnte Heero in sich spüren, konnte spüren wie der andere in ihm pulsierte, ihn in Besitz nahm. Es war einfach berauschend.

Genauso berauschend, wie das Gefühl als Heero endlich anfing sich zu bewegen. Vor und zurück. Und immer wieder schaffte er es Duos Prostata zu treffen. Das war ein so unglaubliches Gefühl dass Duo dachte vor Lust den Verstand zu verlieren während er sich synchron zu Heero bewegte.

Das Schlafzimmer wurde von Stöhnen, Wimmern und heftigen Atem gefüllt, während ihre beiden Körper immer wieder aufeinander klatschten. Jedes mal wenn Heero Duos Prostata traf, sah dieser Sterne vor seinem inneren Auge. Es war ein derart tolles Gefühl von Heero praktisch in die Matratze gerammt zu werden, dass Duo am liebsten niemals ein Ende davon gehabt hätte.

Aber während sich der andre mit soviel Macht in ihm bewegte, baute sich die Erregung weiter und weiter in Duo auf. Und er wusste dass er früher oder später endlich die Erlösung brauchte. Er musste kommen, auch wenn es das Ende von diesem tollen Gefühl bedeuten würde. „Oh Gott, Heero!“ stieß er hervor.

Heero hatte inzwischen eine Hand zwischen ihrer beider Körper geschoben und begann erneut damit Duos Penis zu streicheln. Dieser doppelten Stimulation konnte Duo nichts entgegen setzen und einige Augenblicke später kam er schreiend in Heeros Hand.

Sein Körper spannte sich vollkommen and und dadurch pferchte er auch Heero tief in sich ein. „Hrrrmmmpfg!“ machte Heero wieder und dann konnte Duo mit seinen vernebelten Sinnen spüren wie sich der andere in ihm ergoss.

Danach brach Heero heftig atmend auf ihm zusammen. Für einige Moment blieben sie so regungslos liegen. Dann schob sich Heero langsam aus Duo heraus. Dieser wimmerte bei dem Gefühl des Verlustes. Heero richtete sich kurz auf und warf ein Handtuch in Duos Richtung.

Dieser nahm das Tuch um sich halbwegs sauber zu wischen. Dann lächelte er zu Heero. „Oh, wow!“ erklärte er begeistert. Eine Sekunde später war er tief und fest eingeschlafen. 


Kapitel 10

Wie jeden Morgen wurde Heero kurz vor Sonnenaufgang von seiner inneren Uhr geweckt. Egal wie spät er am vorherigen Tag noch auf gewesen war, er wurde immer so früh wach. Aber das war etwas, das sich ganz automatisch ergab. Schließlich hatte er Tiere zu versorgen, die gar nicht davon begeistert wären, wenn Heero einfach mal verschlafen würde.

Trotzdem war heute Morgen irgendwas anders. Als Heero seine Augen öffnete bemerkte er auch sofort was. Ein leichtes Lächeln huschte über sein Gesicht, als ihm klar wurde, dass er heute Nacht mit jemandem das Bett geteilt hatte. Und es war ein unglaublich schönes Gefühl Duo auch beim aufwachen noch in den Armen zu halten. Ungewohnt zwar, aber schön.

Heero gestattete sich den Luxus noch einen Augenblick liegen zu bleiben und an den vorherigen Abend zu denken. Er hätte mit vielem gerechnet, aber nicht dass er jemandem von dem Ball der Einsamen Herzen mit zu sich nach Hause nehmen würde. Die Geschichte mit Relena war natürlich genau aus seinen schlimmsten Alpträumen entsprungen, aber dass Duo ihn dann ‚gerettet’ hatte, war es sogar wert gewesen von diesem durchgedrehten pinken Monster verfolgt zu werden. Mehr als wert gewesen.

Heero kuschelte sich noch einmal an den anderen Mann heran und sog dessen Anblick in sich auf. Duo war einfach heiß. Und verdammt gut aussehend. Heero konnte sein Glück immer noch nicht fassen, dass dieser Mann mit ihm die Nacht verbracht hatte.

Und während er so dalag mit Duo in seinem Arm, da wurde Heero plötzlich bewusst wie Recht Trowa doch hatte. Es wäre schön jemanden zu haben, der das immer mit einem teilen würde. Aber es war natürlich absolutes Wunschdenken. Wer würde schon sein abgeschiedenes Leben in Blackside teilen wollen? Garantiert nicht jemand wie Duo. Und warum sollte der andere auch? Sie hatten eine Nacht miteinander verbracht, aber das hatte natürlich nichts zu bedeuten.

Und deshalb schob Heero diesen unsinnigen Gedanken so weit wie nur irgend möglich nach hinten und löste seine Umarmung. Vorsichtig stand er aus dem Bett auf, bemüht Duo nicht zu wecken. Schnell suchte er sich ein paar Klamotten zurecht und wandte sich dann zu Tür. Ein letztes Mal noch ließ er seinen Blick über Duo wandern. Der andere Mann lag immer noch tief schlafend im Bett nur halb bedeckt von der Decke. Sein unglaublich langes Haar war immer noch gefangen in einem etwas zerzausten Zopf. Friedlich sah der andere im Schlaf aus. Und wunderschön. Heero seufzte leise. Aber er war niemand der sich lange über Dinge Gedanken machte die sowieso nicht möglich waren. Er war ein trockener Realist durch und durch. Und deshalb verließ er ohne weitere Gedanken den Raum.

Nachdem er seine Morgentoilette erledigt hatte, zog er sich an und machte sich auf dem Weg. Kaum hatte er die Tür zur Terrasse geöffnet als ihm auch schon Wing entgegen gerannt kam. Schwanzwedelnd sprang der Hund um Heero herum, freute sich mehr als offensichtlich darüber sein Herrchen wieder zu sehen. Heero musste wieder grinsen und klopfte dem Setter freundlich auf den Rücken. „Na, hast du mich vermisst?“ fragte er.

„Wuff!“ war wie immer Wings Antwort während er mit seinem Kopf Heeros Bein anstieß. Eine klare Aufforderung, dass er dort gekrault werden wollte. Einem Befehl, dem Heero nur zu gerne nachkam. „Tut mir leid dass ich dich gestern ausgeschlossen hab, alter Junge. Doch du hättest nur gestört. Aber keine Angst, dass wird nicht so schnell wieder vorkommen. Schließlich bist du meine einzige Familie, nicht?“ Heero kraulte das Fell seines Hundes. Er würde nie allein sein, solange er Wing hatte.

Nach der ausführlichen Begrüßung stand Heero wieder auf und füllte mit geübten Handgriffen Wings Wasser- und Futterschüsseln. Mit einem lauten „Wuff!“ erklärte Wing dass ihm das nur zu gut gefiel, dann begann der Setter mit einer rasenden Geschwindigkeit zu essen.

Heero beobachtete diesen Anblick kurz, dann ging er weiter zum Stall. Zwar betrieb er die Farm eher als Hobby und hatte auch so gut wie alle Tiere verkauft, aber ein paar hatte er trotzdem noch. Und auch die mussten versorgt werden. Und dann würde er ein Frühstück für sich und Duo zubereiten, damit der Langhaarige noch etwas in den Magen bekam, bevor er ihn zum Liebeszug zurück bringen musste.

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Duo hörte ein paar unbekannte Geräusche und war auf einen Schlag wach. Etwas orientierungslos blickte er sich um. Das war nicht sein Schlafzimmer, dazu war es viel zu ordentlich!

Doch dann fiel Duo wieder ein wo er sich befand und warum. Er musste kurz grinsen. Wer hätte gedacht, dass er bei diesem Auftrag noch soviel Spaß haben würde? Schmunzelnd kuschelte Duo sich wieder in die Kissen und ließ die letzte Nach Revue passieren. Das war eindeutig heiß gewesen. Auch wenn Quatre ihn später ausschelten würde, weil er die Feier verlassen hatte, das war es mehr als wert. Was für eine Nacht!

Doch der Gedanke an den Liebeszug ließ Duo plötzlich aufrecht im Bett sitzen. Verdammt, der Zug würde doch in aller Frühe wieder zurück in die Stadt fahren. Wenn er da nicht anwesend wäre, dann würde ihn Quatre garantiert bei lebendigem Leibe die Haut abziehen. Und er hätte sogar allen Grund dazu. Wie das pinke Monster gestern gezeigt hatte, konnten ihre Kundinnen unberechenbar sein. Da wurde jeder Mann gebraucht um die im Zaum zu halten. Hektisch blickte sich Duo nach seinen Sachen um. Irgendwo musste es doch auch eine Uhr geben.

Natürlich gab es in einem so ordentlichen Schlafzimmer einen Wecker, wie Duo nach einigen panischen Sekunden feststelle. Und dieser zeigte, dass es erst kurz nach sechs Uhr war. Also früh genug um den Zug nicht zu verpassen. Im Prinzip sogar noch mitten in der Nacht.

Dieser Gedanke brachte Duo zu einer weiteren Frage. Wo war eigentlich Heero? Müsste der nicht so früh noch im Bett sein? Am besten an Duo gekuschelt? Duo kaute verwundert auf seiner Unterlippe.

Doch viel Zeit zum Überlegen blieb ihn nicht, denn ihm wurde plötzlich bewusst, dass er ganz dringend auf die Toilette musste. Leise fluchend schwang er sich aus dem Bett, wobei sein Hintern leicht protestierte. Aber das beachtete Duo in seiner Hast nicht. Er schnappte sich die dünne Decke und wickelte sich darin ein, während er so schnell es ging zum Badezimmer eilte. Zum Glück hatte er ja gestern doch noch mehr als nur das Schlafzimmer gesehen und wusste genau wo sich der Raum befand.

Nachdem er fertig war, stand er noch für einige Momente am Waschbecken. Um endgültig wach zu werden, hatte er sich mehrere Hände voll kaltem Wasser ins Gesicht gespritzt. Es schien zu wirken, denn er fühlte sich nicht mehr müde. Aber er wusste trotzdem noch nicht wirklich, was er jetzt tun sollte. Duo kniff wütend die Augen zusammen. Genau das war es was er an One Night Stands so hasste. Der Morgen danach war immer so merkwürdig. Er wusste dann nie was er in so einer Situation tun oder sagen sollte. Und es verwunderte ihn immer wieder mit welcher Leichtigkeit Quatre das immer wieder meisterte.

Das er nicht wusste wohin Heero verschwunden war, machte die Sache nicht leichter. Wenn der andere mit ihm im Bett gelegen hätte, dann hätten sie vielleicht etwas finden können mit dem sie das komische „Der Morgen danach“ Gefühl hätten vertreiben können. Vorzugsweise mit einer heißen Runde Sex.

Duo seufzte erneut. Es war ihm klar, dass er den anderen wieder wollte. Dazu war die letzte Nacht einfach zu heiß gewesen. Aber wie erklärte man so was einem One Night Stand? Duo blickte erneut in den Spiegel und zuckte mit den Schultern. Das hier war wirklich nicht seine Liga.

Plötzlich hörte er erneut diese komischen Geräusche und diesmal war er wach genug um sie als das Bellen eines Hundes zu identifizieren. Oh ja, Heero besaß ja einen Hund. Duo konnte sich noch viel zu genau an den großen Setter erinnern, der ihn gestern so überschwänglich begrüßt hatte.

Duo beschloss, dass es ihn auch nicht weiter bringen würde, wenn er noch länger im Bad bliebe, deshalb machte er sich entschlossen auf den Weg zurück ins Schlafzimmer. Doch auf halber Strecke blieb er stehen und lauschte erneut. Er hörte Geräusche aus der Küchenrichtung. Und er meinte Kaffee zu riechen. Duo zog die Decke fester um seinen Körper und ging dann zur Küche. Vielleicht würde er ja da Heero finden.

Er hatte mit seiner Vermutung Recht behalten. Denn kaum hatte er den Durchgang zur Küche erreicht, da konnte er auch schon Heero erkennen, der dort hantierte. Duo musste leicht lächeln als ihm klar wurde, dass der andere Frühstück für sie beide zubereitete. Das war doch sehr nett. Nicht ganz so nett wie eine weitere Runde im Bett, aber schon verdammt nah dran. „Guten Morgen Heero,“ begrüßte er den anderen.

Heero, der gerade dabei war einen Korb Brot auf den kleinen Küchentisch abzustellen, blickte erstaunt auf. „Hallo Duo,“ sagte er mit seiner tiefen Stimme. „Du bist schon auf? Gerade wollte ich kommen und dich wecken. Wir haben noch etwas Zeit zum Frühstücken, bevor ich dich zum Liebeszug zurück bringen muss.“

Duo runzelte wieder die Stirn. Irgendwie konnte er Heero nicht lesen. Einerseits war es nett, dass der andere ihm Frühstück machte, andererseits hörte es sich fast so an, als wenn er ihn so schnell wie möglich wieder loswerden wollte. Was Duo natürlich sofort zur Hauptfrage zurück brachte. Was hatte diese Nacht zu bedeuten? Hatte sie überhaupt etwas zu bedeuten? Um seine Enttäuschung und Verwirrung nicht zu sichtbar werden zu lassen, drehte sich Duo schnell um. „Ich zieh mir lieber was an und komm dann zum Frühstück,“ erklärte er noch und eilte dann zurück zum Schlafzimmer.

Dort angekommen, warf er zunächst die Decke zurück aufs Bett, dann schlüpfte er in seine Kleidung, die überall verstreut auf dem Boden lag. Er war etwas ärgerlich über sich selbst. Wieso konnte er mit solchen Situationen nicht gut umgehen? Niemand sonst schien solche Schwierigkeiten zu haben. Verdammt, was war schon dabei? Er hatte mit einem verdammt heißen Kerl eine Nacht verbracht. Sie hatten gefickt. Was war außer viel Spaß schon dabei?

Gar nichts, entschied Duo und schob entschlossen sein Kinn vor. Er war schließlich ein erwachsener Mann und kein kleines Mädchen dass sofort Hochzeitsglocken läuten hörte. Und er war schon gar nicht so realitätsfremd wie die pinke Pest von gestern. Er würde sich Heero garantiert jetzt nicht an den Hals werfen. Wie käme er auch dazu?

Nachdem er seine Gedanken etwas sortiert hatte, konnte Duo wieder zurück zur Küche gehen. Dort angekommen sah er, dass Heero inzwischen den Tisch ganz gedeckt hatte und sein Magen machte ihn darauf aufmerksam, dass ihm im Prinzip alles egal wäre, wenn er nur endlich etwas zum essen bekäme.

„Möchtest du Kaffee oder Tee?“ fragte Heero in diesem Moment.

„Kaffee,“ erwiderte Duo und setzte sich einfach an den Tisch.

„Ok,“ bestätigte Heero. Dann nahm er einen großen Becher und stellte ihn unter eines der vielen Küchengeräte. Nach einem kurzen Druck auf einen Knopf fing auch schon die Maschine an zu surren und frischer Kaffeeduft erfüllte den Raum.

Duos Neugierde meldete sich und er betrachtete die Maschine genauer. „Oh, du hast eine von diesen neumodischen Kaffeedingern. Sind die so gut, wie alle behaupten?“

„Sie sind ziemlich gut. Und halt praktisch wenn man alleine ist. Jetzt muss ich nicht immer eine ganze Kanne kochen, sondern kann mir genau dann den Kaffee machen, den ich in dem Moment will.“ Die Maschine gab ein Klickgeräusch von sich und Heero nahm den Becher an sich. Nach zwei Schritten war er am Küchentisch angelangt, stellte den Becher vor Duo ab und setzte sich ihm gegenüber. „Ich hoffe das Frühstück ist in Ordnung. Ich hätte ja auch Rühreier und Speck machen können, aber ich fürchte uns läuft die Zeit etwas davon.“

Duo lächelte dankbar. „Ist schon in Ordnung. Normalerweise esse ich sowieso nicht so früh. Ich brauch nur eine kleine Stärkung bevor ich mich wieder um die Gäste des Liebeszuges kümmern muss. Ein paar sind ziemlich anstrengend.“

Heero lachte laut auf. „Das kann ich nur bestätigen. Ich muss mich noch mal bei dir für die Rettung bedanken. Ich weiß wirklich nicht, was ich sonst mit Relena gemacht hätte. Sie hat es echt nicht begriffen, dass ich nichts von ihr wollte und ich war kurz davor die Beherrschung zu verlieren.“

„Das hab ich doch gern gemacht,“ bemerkte Duo. Dann beschloss er alles auf eine Karte zu setzen. „Ich hatte viel Spaß heute Nacht. Es war einmalig. Einfach toll.“

Heero blickte ihm tief in die Augen und Duo hoffte schon, dass der andere ihm jetzt sagen würde, dass sie es jederzeit wiederholen könnten. Doch leider sagte Heero nur, „Ja, das war es.“ Dann begann er damit sich ein Brot zu schmieren.

Duo hätte am liebsten aufgestöhnt. Aber das verbot er sich selber. Er würde jetzt nicht zeigen, wie enttäuscht er war. Schließlich war er realistisch. Er würde jetzt nicht enttäuscht sein, weil ein One Night Stand nur ein One Night Stand war. Dazu war er viel zu cool. Und außerdem, Heero war zwar heiß, aber er lebte in Blackside, es war sowieso zum scheitern verurteilt!

Entschlossen schnappte er sich seine Tasse und trank einen großen Schluck. Alles war cool, er war cool und er würde sich garantiert nicht von dieser Sache deprimieren lassen. Soweit käme es noch! 


Fortsetzung folgt