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Schl?sselsuche

Original [NC-14]

keine Warnungen

Inhalt: 
Was Georg so alles durch den Kopf geht, wenn der Kinobesuch mal wieder zu platzen droht. Und wie immer wegen Richard…
(ganz recht: das sind dieselben zwei wie in „Der Weg aus dem Bett“)




Schlüsselsuche


Habe ich schon erzählt, dass ich meinen Freund liebe? Doch, das tue ich wirklich, nur manchmal… Manchmal, da fange ich an zu (ver)zweifeln. So auch jetzt.

Mein Schatz lief völlig konfus durch die Wohnung, nachdem er mich noch mal angefaucht hatte. Ich solle doch nicht so drängeln.

Dabei war doch seit ein paar Tagen klar, dass wir ins Kino wollten, und zwar am anderen Ende der Stadt, mit Freunden. Logisch, dass das Auto schneller ist als die Straßenbahn.

Doch wieso suchte Richard erst jetzt den Autoschlüssel? Wir wollten doch schon vor zehn Minuten losfahren. Also, wieso erst jetzt? Und wieso hat er ihn gestern Abend nicht einfach in den Schlüsselkasten gehängt? Wozu haben wir so ein schickes, kleines Kästchen, gleich im Flur?



Ich vermutete ja schon lange, dass er Ostern liebt. Aber eigentlich sieht er dafür immer viel zu verzweifelt aus. Und trotzdem spielt er das Spiel mindestens einmal die Woche. Und immer wird ein Schlüssel gesucht, mal der Autoschlüssel, so wie heute, dann der Wohnungsschlüssel oder der von der Arbeit oder der vom Trainingskabuff. Hm, der von seinem Fahrrad noch nie. Woran das wohl liegt?

Und immer das gleiche Suchmuster: Zuerst ein kurzer, eher oberflächlicher Blick auf den Tisch in der Küche, der steht direkt neben der Tür, dann ein Blick auf den Computertisch im Wohnzimmer, auch neben der Tür. Ich will ja nichts sagen, in 80% aller Fälle wird er hier fündig.

Doch wehe, wenn nicht. Nächster Fundort ist die Jeans, die er gerade anhat. Nein? Okay, dann die Regenjacke mit ihren schätzungsweise einhundert und drei Taschen. Hektisches Abklopfen aller Taschen, zum Glück klirrt ein Schlüssel so schön, gefolgt von einem langsam panisch werdenden Blick in meine Richtung, wenn nicht. Ja, ich geb’s zu, ich bin ein kleiner „Mister Ungeduld“.

Okay, dann hatte er als letztes vielleicht nicht die Jacke, sondern die Daunenweste an. Wo ist die nur hin verschwunden? Meistens hängt sie über einem Stuhl oder der Sofalehne, zusammen mit einem schönen, warmen Kuschelpullover, und nicht etwa an der Garderobe im Flur. Wäre ja zu einfach.

Wenn er auch hier nicht fündig wird, legt sich seine hübsche Stirn in Falten und er überlegt, ob er doch tatsächlich die Zeit hatte, den gerade gesuchten Schlüssel in seinem Rucksack zu verstecken. Nächstes Problem: den Neuen, den er immer mit auf Arbeit nimmt oder den Alten, fast auseinander fallenden, der sein Sportzeug beherbergt? Meistens bekomme ich einen in die Hand gedrückt und soll nachsehen, während er den anderen holt und der Einfachheit halber gleich auskippt. Manchmal kommen lustige Dinge zu Tage: Was macht der grafikfähige Taschenrechner, den wir übrigens letzte Woche verzweifelt gesucht hatten, zwischen den Kletterschuhen und dem anderen Sportkram? Wollte er erst berechnen, ob er in seinem Projekt jemals am Zielgriff ankommt?

Und wenn wir den Schlüssel dann immer noch nicht gefunden haben, ist guter Rat wirklich teuer. Vor allem, wenn man ihn nicht einfach fragen kann, was er denn gestern Abend, nachdem er vom Training zurückkam, alles so gemacht hat. Von wegen: alles wie immer! Abends gegen Mitternacht nach Hause kommen sieht immer anders aus: wenn er so richtig k.o. ist, lässt er alles stehen und liegen, wie’s gerade kommt und fällt nur noch ins Bett. Aber sonst: da wird noch schnell eine Cola aus dem Keller geholt und in der Küche bei einem späten Abendbrot geleert, oder beim Fernsehen im Wohnzimmer. Manchmal wird noch geduscht, vor allem wenn die Zeit dafür in der Kletterhalle nicht mehr gereicht hat. In seltenen Fällen sogar der Rucksack geleert und das Sportzeug zum Lüften aufgehängt… Und manchmal testet er aus, ob ich wirklich schon tief und fest schlafe, *schnurr* sehr anregend, wirklich.



Okay, Alternativplan: Wo ist der Zweitschlüssel? Na, in der Schublade mit dem wichtigen Kleinkram. Sichtlich erleichtert, dass das drohende Unheil in Gestalt meiner Ungnade abgewendet ist (na ja, die Erleichterung ist ein wenig getrübt, den anderen Schlüssel müssen wir ja spätestens nach der Kinovorstellung trotzdem suchen), öffnet Richard besagte Schublade und kramt darin herum. Gut, da hätten wir: einen Satz Inbusschlüssel, einen Zollstock, ein Netzwerkkabel, einen Adapter für die Maus, ein Computerspiel, das so alt ist, dass es auf keinem unserer Rechner mehr läuft, ein Taschenmesser mit Korkenzieher. Also, doch keinen Autoschlüssel.

Jetzt macht sich mein Schatz gleich um den Verbleib von zwei Schlüsseln Sorgen. Das ist gar nicht gut, wirklich nicht. Seine Stirn kräuselt sich erneut und die Panik kehrt zurück und ein wenig hilflos plumpst er auf seinen eigentlich süßen Knackarsch und kuckt so hilflos drein. Vorsichtig schleiche ich mich an ihn ran und nehme ihn sanft in den Arm und knabbere ein wenig an seinem Hals. „Du, sag’ mal: Wolltest du den Zweitschlüssel nicht deinem Vater geben, damit er uns morgen nicht aus dem Bett klingeln muss?“ Ach, stimmt ja. Bleibt nur das Problem, wo unser Schlüssel abgeblieben ist: Also doch mal gut überlegen, was er gestern Abend so gemacht hat.

Schlussendlich waren wir auch nur fünfzehn Minuten zu spät am Treffpunkt vor dem Kino. Keine Ahnung wie er das ohne Blitze hinbekommen hat. Und unsere Freunde haben auch nicht so viel gespöttelt wie sonst. Sie gewöhnen sich wohl langsam dran und bestellen uns etwas eher als nötig…

Ach so, der Autoschlüssel war übrigens in der linken Gesäßtasche seiner Jeans, die er vor drei Tagen abends vorbildlich in den Wäschekorb geschmissen hat. Und beim Training war er gestern mit dem Rad, es hatte nämlich ausnahmsweise nicht geregnet.