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Chibi love - Teil 30

30. Eine zweite Chance?


Verschlafen öffnete Masaki die Augen. Es war noch früh, das spürte er, ebenso wie er den warmen Körper neben sich wahrnahm. Es war ein schönes Gefühl, die Haut des anderen an der eigenen zu spüren.
Bequem lag er halb auf seinem Freund und hatte so keine Probleme, dessen schlafendes Gesicht zu betrachten. Friedlich schlummerte Hiro unter ihm. Er hatte seinen Arm um Masakis Taille gelegt und hielt ihn ganz fest, als hätte er Angst, sein kleiner Chibi könnte plötzlich einfach so verschwinden.

Als Masaki den anderen so schlafen sah, konnte er sich gar nicht vorstellen, dass dieser sich vor ein paar Stunden entkräftet neben ihn gelegt hatte. Aber auch so konnte Masaki es immer noch nicht begreifen, dass sie ES wirklich getan hatten. Eigentlich hatte er nie so weit gehen wollen und Hiro anscheinend auch nicht, doch dann war es einfach passiert. Das Einzige, was noch von ihrer ersten Nacht zeugte war eine leere Kondomverpackung, die unter dem Kopfkissen lag, ihre nackten Körper und der letzte Band von Mitsuki no Himitsu, den sie als Hilfe genommen hatten. 

Aus irgendeinem Grund war Masaki plötzlich der Ablauf der Geschichte klar gewesen und warum Youichiru ihm den dritten und letzten Band noch nicht gegeben hatte, als er mit Hiro noch nicht alles getan hatte, was im zweiten Band vorgekommen war. Anfangs war es zwar komisch gewesen, weil sie in das Buch gucken mussten, um zu wissen, was auf sie zukam, aber am Ende hatten sie sich dann einfach von ihrem Gefühl leiten lassen. Masaki musste zugeben, dass er so etwas noch nie gefühlt hatte und es einfach unbeschreiblich gewesen war. Er war danach so erschöpft gewesen, dass er gleich eingeschlafen war. Er hatte nur noch gespürt, dass Hiro ihn zu sich gezogen hatte, dann war er in einer angenehmen Traumwelt verschwunden.

Trotz dieser schönen und unglaublichen Erinnerungen hatte der Chibi das Gefühl, dass sie etwas getan hatten, was sie nicht hätten tun dürfen. Nicht, dass er es nicht genossen hatte oder es bereute, ganz im Gegenteil, er wollte noch viele solche Moment mit Hiro erleben, aber es war einfach ein nagendes Gefühl, das nicht von ihm abließ.

Sachte Hände fingen an ihn zu streicheln, was seine Aufmerksamkeit automatisch auf den unter ihm Liegenden wendete.

„Was ist denn, Masa-chan, kannst du nicht schlafen?“

„Nein, dass ist es nicht. Ich bin halt einfach aufgewacht, aber jetzt bin ich wieder müde.“, versicherte Masaki und kuschelte sich an seinen Freund. „Hiro-kun, glaubst du, deine Eltern haben uns gehört?“

„Ich weiß es nicht, aber ich denke nicht, so wie du dich im Kissen verbissen hattest. Das hat deine Laute schon ganz gut gedämpft“, entgegnete Hiro grinsend, was ihm einen Knuff von dem erröteten Masaki in die Seite kostete.

„Du bist blöd!“

„Schon gut!“, lächelte Hiro, wurde dann aber ernst. „Hab ich dir eigentlich sehr wehgetan, Masa-chan?“

„Na ja, am Anfang schon, aber dann ... nicht mehr. Allerdings tut mir mein Hintern jetzt doch etwas weh.“

„Das tut mir Leid.“

„Ist schon gut, das war es wert“, versicherte Masaki und küsste seinen Liebsten innig, damit er ihm das auch ja glaubte.

„Wie spät ist es eigentlich?“

„Ich glaube, so etwas gegen fünf.“

„Dann haben wir ja noch etwas Zeit bis wir zur Schule müssen. Komm, lass uns die verleibenden Stunden noch genießen.“

Der Aufforderung folgend schmiegte Masaki sich ganz fest an Hiro. Ein angenehmes Kribbeln durchströmte seinen Körper und ein Schauer lief ihm über den Rücken hinunter, als er den Älteren überall sehr intensiv spürte und ihm nicht ein Körperteil des anderen verborgen blieb. An diese Art des Schlafens konnte er sich wirklich gewöhnen. Denn was gab es Schöneres, als neben Hiro einzuschlafen und auch wieder neben ihm aufzuwachen?


~*~*~*~*~*~


Hiros Eltern schienen nichts von ihren nächtlichen Aktivitäten mitbekommen zu haben und wenn, dann konnten sie es gut verbergen. Youichiru hatte sie auch nicht hören können, denn der war die ganze Nacht weg gewesen und auch am Morgen nicht da. Wo er gewesen war, sollten sie aber bald schneller herausfinden, als ihnen lieb war.


Wie jeden Morgen kamen sie an der Schule an und wie immer hatten Takashi und Himeko auf sie gewartet. Trotzdem hatte Hiro ein seltsames Gefühl. Ständig spürte er Blicke auf sich, als sie durch das Schulgebäude zu ihrem Klassenzimmer gingen. Und an jeder Ecke wurde getuschelt, doch kaum dass sich die Freunde näherten, verstummten alle Gespräche. Irgendetwas stimmte definitiv nicht und das spürte nicht nur er. Auch Takashi und Himeko sahen sich fragend und misstrauisch um und an Masaki konnte man sehen, dass er sich immer unwohler fühlte.

Nichts desto trotz bemühte sich der Chibi um ein Lächeln, als er seine Klassenkammeraden einen guten Morgen wünschte. Himeko und Takashi taten es ihm gleich und setzten sich an ihre Plätze. Nur Hiro wurde eindeutig missbillig und enttäuscht angesehen. Hatte er irgendetwas nicht mitbekommen? Was könnte es denn sein, dass es sich so schnell verbreitet hatte, denn auf dem Weihnachtsfest hatten sie noch alle mit ihm zusammen gelacht.

Selbst als der Unterricht schon eine Weile lief, spürte Hiro die Blicke in seinem Rücken. Es war ein unangenehmes Gefühl und außerdem machte es ihn nervös, sodass er schon die ganze Zeit mit dem Bein zappelte. Normalerweise war er ja nicht so, aber heute...


~*~*~*~*~*~


Endlich klingelte es zur Pause und sofort sammelten sich alle wieder zu Grüppchen zusammen. Hiro wollte zwar nicht lauschen, aber trotzdem bekam er einzelne Wortfetzen der Gespräche mit, als er sein Lunchpaket verspeiste.

„Hast du gehört...“

„Unglaublich, dass hätte ich nicht gedacht...“

„...an der Sporttasche...“

„... und dann hat er...“

„Nein.“ „Doch...“

„...ein Anhänger, wirklich?“

„...der arme...“

„Lass uns unauffällig...“

„...muss man nachsehen...“

„...ob der das schon weiß?“

Das flaue Gefühl in Hiros Magen nahm immer mehr zu und plötzlich hatte er keinen Appetit mehr. Was ging hier nur vor? Redeten sie wirklich über ihn, oder bildete er sich das nur ein?

*Ich mein, viele Leute haben an ihrer Sporttasche einen Anhänger. Vielleicht hat ein anderer ja einen total perversen dran, weswegen sich alle so aufregen. Aber warum habe ich dann das Gefühl, dass sie dabei alle mich ansehen?*

„Hiro-kun, geht es dir nicht gut?“, fragte sein Chibi ihn besorgt.

„Ja, geht schon, Chibi. Ist bei dir noch alles in Ordnung?“

„Mh, alles klar. Ist zwar unangenehm, aber es lässt sich aushalten.“

„Gut.“

Beruhigt legte Hiro seinen Kopf auf den Tisch und betrachtete seinen Freund. Er sah noch genauso aus wie immer. Ein süßes Gesicht, mit einer niedlichen Stupsnase und leuchtend grünen Augen. Und trotzdem war etwas an ihm anders. Anscheinend veränderte so eine Nacht einen Menschen doch.

Hiro wurde aus seinen Tagträumen gerissen, als Asuka sich auf dem Tisch abstützte und ihm entschlossen in die Augen sah. Es musste etwas sehr Wichtiges sein, denn nur sehr selten war der Schwarzhaarige mal wirklich ernst.
Auch Risa und Ryo standen vor Hiro und sahen ihn mit einer Mischung aus Unglauben und Enttäuschung an.

„Sag, dass es nicht wahr ist, Hiro.“

„Hm, wovon redet hier?“,

„Tu nicht so! Das kriegt doch jeder mit! Los, sag schon die Wahrheit.“

Grob packte Asuka Hiro am Kragen und zog ihn zu sich. Hiro konnte aus dem Augenwinkel sehen, dass sie einige Schüler abwartend beobachteten. Anscheinend wollten sie auch etwas von ihm wissen, aber was?

„Ich weiß gar nicht was du von mir hören willst.“

„Asuka, beruhig dich erst mal“, ging Takashi auf seinen Kumpel ein und löste dessen Hände aus Hiros Kragen. „Sag uns erst einmal, worum es geht, ich weiß davon nämlich auch nichts.“

„Überall wird erzählt, dass Hiroshi unseren Chibi bedrängt. Die Gerüchte reichen von Bespannen bis Vergewaltigung.“

„WAS? So was würde ich nie tun, dass solltet ihr wissen.“


Hiro war aufgesprungen und funkelte sein Gegenüber wütend an. Masakis Augen waren groß geworden. Das konnte doch nicht wahr sein. Warum dachten alle plötzlich so etwas Schlechtes von seinem Hiro? Er hatte ihm nie absichtlich wehgetan, ganz im Gegenteil. Wie konnten sie nur so etwas von ihm denken?

„Das wissen wir ja auch, Hiro, aber irgendetwas muss doch dran sein. Vor allem, da eines immer wieder auftaucht“, redete Asuka weiter, diesmal jedoch wesentlich gefasster. „Jemand hat gesehen, wie du Masaki auf der Weihnachtsfeier im Sternenraum geküsst hat. Außerdem hast du einen Fußballanhänger an deiner Tasche, wie es gesagt wird.“

„Wir möchten doch nur wissen, was wirklich passiert ist“, beteuerte Risa, die ja mit Himeko als einzige wusste, dass Masaki und Hiro zusammen waren.

„Sag es uns, bitte. Was sollen wir glauben?.“

Masaki sah, wie Hiro mit sich haderte, ob er wirklich die Wahrheit sagen sollte. Es war eigentlich egal, das wusste Masaki, denn beides würde Folgen haben. Doch wenn es die Wahrheit war, dann konnte er seinem Freund beistehen.

„Die Wahrheit ist…“, begann Masaki leise, wurde jedoch augenblicklich von Hiros Stimme unterbrochen.

„Woher kommen diese Gerüchte?“

„Das weiß ich nicht“, gestand Asuka.

„Aber ich kann es mir denken!“


Er wollte noch etwas sagen, doch da war Hiro auch schon wütend aus dem Zimmer gestürmt. Zuerst wussten die Freunde nicht, was sie tun sollten, doch dann liefen sie ihm nach. Jeder von ihnen hatte gesehen, dass es ihm sehr nah ging und sie wollten nicht wissen, zu was er fähig war, wenn er richtig wütend wurde.


Sie kamen gerade rechtzeitig an, als Hiro Kôji an die Wand drückte und ihm eine verpassen wollte. Takashi und Asuka reagierten schnell, als sie Hiro packten und von dem total überrumpelten Kôji wegzogen.

„Du warst es, nicht war? Du hast diese scheiß Gerüchte in die Welt gesetzt!“

„Verdammt noch mal, ich hab dir vorhin schon gesagt, dass ich nicht weiß, wovon du redest.“

„Tu doch nicht so. Du hasst mich und kannst es nicht ertragen, dass Masaki mit mir zusammen ist und nicht mit dir!“

„Mag sein, dass das vorher so war, aber es hat sich geändert.“

Wütend funkelten sich die zwei Rivalen an. Es war schon sehr lange her, dass sie sich so offensichtlich hasserfüllt gegenüber standen. Keiner der Umstehenden wusste mit dieser Situation umzugehen. Besonders Masaki sah Hiro erschrocken an. In der ganzen Zeit, die sie sich nun kannten, hatte er ihn noch nie so gesehen und das machte ihm Angst.

Glücklicherweise wurde die Aufmerksamkeit der beiden Streithähne auf jemand anderen gelenkt, der sich ihnen mit festen Schritten näherte.

Missmutig sah Youichiru zwischen seinem Bruder und Kôji hin und her. Da Takashi und Asuka Hiro immer noch festhielten, war davon auszugehen, dass er der jenige war, der für diesen Tumult verantwortlich war.

„Worum geht es?“, verlangte er kühl zu wissen, erhielt von seinem Bruder jedoch nur einen warnenden Blick, sich nicht einzumischen.

„Worum es geht? Dieser Arsch hat mich zu einem Perversen gemacht!“, fauchte Hiro trotzdem, während er den Blonden wieder vernichtend ansah.

„Verdammt noch mal! Ich weiß von nichts!“

„Natürlich nicht?! Du hast überhaupt nichts von den ganzen Gesprächen mitbekommen, die seit heute Morgen hier die Runde machen und bei denen es rein zufällig um Masaki und mich geht!?.“

„Nein, habe ich nicht!“

„Red keinen Scheiß! Wer außer dir würde denn davon profitieren?“

„Hiro, beruhig dich wieder! Kôji kann es nicht gewesen sein, da er verschlafen hat“, versicherte Youichiru, wobei er sich demonstrativ auf die Seite des Blonden stellte.

„Und woher willst du das wissen?“

Prüfend sah Hiro in die braunen Augen des Schwarzhaarigen und was er da sah, ließ ihn stocken. In diesem Moment war er von seinem Bruder mehr als nur enttäuscht.

„Das ist ... nicht dein Ernst? Wie ... wie konntest du den selben Scheiß noch mal machen und dann auch noch ausgerechnet mit ihm?!“

„Hiro, du weißt selber, dass man es sich nicht aussuchen kann.“

„Aber...“

Hiro blieben die Worte im Halse stecken, als Risa angerannt kam. Sie war die Einzige gewesen, die dem wütenden Hiro nicht gefolgt war. Stattdessen hatte sie etwas wesentlich Wichtigeres gemacht.

„Hey, Leute, ich weiß jetzt, wer die Gerüchte in die Welt gesetzt hat: Es war Arisu Yoshida.“

„Hiros Ex-Freundin?!“, kam es wie aus einem Munde.

„Ja, sie sagt, sie hat die beiden auf dem Fest gesehen, wie sie sicht geküsst haben. Eigentlich wollte sie Hiro nur eins auswischen, weil er sie einfach hat sitzen lassen und weil sie nun auch wusste wegen wem. Aber sie hätte nicht gedacht, dass sich das innerhalb so kurzer Zeit hochschaukeln würde.“

„Das hilft uns jetzt auch nicht mehr weiter.“

Niedergeschlagen ließ Hiro die Schultern hängen und endlich ließen ihn Takashi und Asuka wieder los. Jeder war ratlos und als Masaki auf seinen Freund zugehen wollte, um ihm zu sagen, dass alles gut werden würde, war da auch schon das nächste Problem. Irgendjemand wollte anscheinend unbedingt verhindern, dass Masaki mit Hiro redete.

>>Maruyama Hiroshi bitte in das Büro des Direktors. Maruyama Hiroshi bitte in das Büro des Direktors.<<

„Kann es denn noch schlimmer kommen?“

Abgrundtief seufzend machte sich Hiro auf den Weg zum Direx, ohne zu merken, dass sein Chibi ihn hatte begleiten wollen. All das Schöne, was sie in der letzten Zeit aufgebaut hatten, schien auf einmal völlig verschwunden zu sein. War es doch von Anfang an ein Fehler gewesen, sich auf die neuen Gefühle eingelassen zu haben?


~*~*~*~*~*~


„Es war nicht zu überhören, dass Sie für Saehara anscheinend mehr hegen als nur freundschaftliche Gefühle. Es ist einfach eine Schande für die gesamte Schule und für Sie. Wie konnten Sie sich so etwas als Klassensprecher und Stellvertreter der 11. Klassenstufe nur erlauben? Ihnen hätte doch klar sein müssen, dass das schwere Folgen haben würde.“

„Ja, Herr Direktor“, entgegnete Hiro mit gesenktem Kopf.

„Ich verstehe Ihre Beweggründe einfach nicht. Es geht ja nicht nur um Sie, sondern auch um Saehara. Haben Sie dabei auch nur einmal an ihn gedacht und was Sie damit anrichten? Ich weiß nicht einmal, was ich seinen Eltern sagen soll. Wissen Sie es vielleicht?“

„Schicken Sie hin auf eine andere Schule zu seinen Altersgenossen. Das würde ich sagen.“

„Und warum?“

Hiro atmete einmal tief durch, ehe er den älteren Mann hinter dem Schreibtisch entschlossen in die Augen sah. Es konnte ja schon gar nicht mehr schlimmer kommen, dann konnte er auch sagen, was er dachte.

„Weil er dahin gehört. Dass er überdurchschnittlich intelligent ist, steht außer Frage, aber er ist noch immer ein Kind und unheimlich naiv. Es tut mir Leid, dass ich soviel Ärger mache, aber ich bereue keinen einzigen Moment. Ich habe nie etwas getan, was Masaki nicht wollte. Aber er gehört nicht hierher. Und das Einzige, das ich bereue, ist, dass ich das nicht früher gemerkt habe.“

„Und was, soll ich Ihrer Ansicht nach jetzt tun?“, fragte der Direktor schon etwas sanfter, denn Hiros Worte klangen ehrlich und auch seine Augen logen nicht.

„Befreien sie mich so lange vom Unterricht, bis Masaki die Schule wechselt, ganz egal wie lange es dauert. Es wäre das Beste für uns beide. Ich verspreche auch, keinen Kontakt mit Masaki aufzunehmen, denn es würde alles nur schlimmer machen und das möchte ich ihm ersparen.“

Beide Anwesende schraken etwas auf, als die Tür zum Büro hektisch geöffnet wurde und Masaki plötzlich im Zimmer stand.

„Ganz egal, was Maruyama-san gesagt hat, glauben Sie ihm nicht. Es ist nicht nur seine Schuld, sondern auch meine. Er war immer nett zu mir und hat nie etwas verlangt, was mir nicht gefiel. Immer wieder hat er gesagt, dass ich im sagen soll, wenn mir etwas nicht passt und letztendlich war ich derjenige, der Maruyama auf dem Fest geküsst hat, nicht er und ich wollte, dass wir zusammen sind. Ich hab ihn wirklich sehr lieb und wenn Sie ihn bestrafen, dann bestrafen Sie auch mich.“

Flehend sahen die großen grünen Augen den Direktor an und der merkte, das eine Sache war, die von beiden Seiten ausging. Bis zuletzt hatte nämlich er noch geglaubt, dass Hiro Masakis Naivität ausgenutzt hatte, aber das war ja augenscheinlich nicht der Fall. Und so überrascht und erschrocken, wie Hiro über das plötzliche Auftreten des Kleinen war, konnte es einfach nicht gespielt sein. Trotzdem merkte er, was Hiro gemeint hatte, als er gesagt hatte, der Kleine würde hier nicht hin gehören. Masaki sprach trotz seiner Intelligenz mit kindlichen Worten und schien noch gar nicht wirklich zu verstehen, wie ernst die Sache war. Eigentlich hatte er etwas sagen wollen, doch Hiro kam ihm zuvor.


„Was suchst du denn hier?“

„Ich wollte dir helfen.“

„Mir helfen...“

Plötzlich machte etwas klick ‚Klick’ in Hiros Kopf. Er wand sich von Masaki ab und fing an bösartig zu lachen.

„Ha, anscheinend wird es Zeit, dass ich dich mal ein bisschen aufkläre. Ich habe nie etwas für dich empfunden. Das alles war doch nur ein Trick und so naiv wie du bist, fällst du natürlich auch noch darauf rein. Ich wollte nur wissen, wie es ist, mit einem Jungen beziehungsweise mit einem Kind zusammen zu sein. Du hast doch nicht wirklich gedacht, dass ich auch nur bis zum Ende dieses Schuljahres mit dir gehen würde. Wer bin ich denn? Ich kann jede haben und wie ich gesehen habe, auch jeden. Also mach dich vom Acker, du Zwerg!“


Geschockt sah Masaki seinen Freund an. Das konnte doch nicht wahr sein. Hiro musste einfach lügen. Aber, er hatte ihm doch vorher auch immer die Wahrheit gesagt, warum dann nicht auch jetzt? Andererseits, war alles laut Hiro, alles was er ihm in den letzten Monaten erzählt hatte, eine Lüge. Aber hieß das dann, dass er jetzt auch log.
Masaki war völlig verwirrt. So viele Dinge schwirrten ihm im Kopf herum und mit jedem Gedanken verschwamm das Bild mehr vor seinen Augen.
Tränen hatten sich gebildet und liefen ihm nun unentwegt über die Wangen. Er hatte doch noch so viel Zeit mit seinem Freund verbringen wollen, hatte ihm noch so viel sagen wollen und noch so vieles mehr.

Völlig aufgelöst rannte Masaki aus dem Direktorat, vorbei an seinen Freunden, einfach nur noch weg.


Schweigend und mit geballten Fäusten stand Hiro immer noch vor dem Tisch Direktors und dieser konnte sehen, dass der junge Mann vor ihm gerade eine sehr schwere Entscheidung getroffen hatte. Lieber sollte der Jüngere ihn hassen und verachten, als irgendetwas anderes zu für ihn zu empfinden. Hass und Wut gingen meist schneller vorbei als die Gewissheit, dass man einen geliebten Menschen aufgeben musste, obwohl man doch Dasselbe empfand.
Eine einzelne Träne lief über das Gesicht des Jungen, welche er so schnell wie möglich weg wischte und den Direktor wieder gefasst ansah, immer noch darauf wartend, was nun geschehen würde. Und plötzlich tat Hiro dem älteren Mann unendlich Leid, doch er konnte nicht wirklich etwas tun, außer...

„Ich werde Saeharas Eltern anrufen und ihnen Ihren Vorschlag als meinen Unterbreiten. Von der Sache zwischen Ihnen und ihm werde ich nichts erwähnen. Allerdings hoffe ich, dass Sie mit Ihren eigenen Eltern reden und auch Ihren Bruder um Rat fragen. Er war vorhin bei mir und hat gekündigt, da er sich anscheinend schon wieder in einen Schüler verliebt hat und es, ich rezitiere: dieses Mal ernst meint und alles tut, was nötig ist, damit ihnen nichts im Wege steht. Tja, sobald er an einer anderen Schule Lehrer ist, kann es ihnen niemand mehr verbieten zusammen zu sein.
Eigentlich dürfte ich dies nicht sagen, aber ich bedauere es, dass Ihre Beziehung zu Saehara nicht auch so einen Ausweg kennt.“

„Kann ich jetzt gehen, Herr Direktor?“

„Ja, ich werde Ihnen Bescheidgeben, ab wann und für wie lange Sie von der Schule suspendiert werden.“

„Darf ich Sie noch etwas fragen, Herr Direktor?“

„Sicher.“

„Wäre Masaki ein Mädchen, hätten Sie dann anders entschieden?“

„Nein, mit Sicherheit nicht, Maruyama.“

„Danke.“


~*~*~*~*~*~


Hiro war lange im Büro des Direktors gewesen, sodass die nächste Stunde schon angefangen hatte. Der alte Mann hatte ihm jedoch erlaubt erst zur nächsten Stunde wieder anwesend zu sein. Und so saß er nun im Hof auf einer Bank, während es wieder angefangen hatte, ein wenig zu schneien.

Es klingelte zur Pause und nur wenige Minuten später, saß Takashi neben seinem besten Freund.

„Masaki weint sich gerade bei Himeko die Augen aus und schluchzt ständig nur deinen Namen. Die Mädchen sind ganz schön sauer auf dich, auch wenn Masaki nicht sagen will, was passiert ist. Sagst du es mir?“

„Ich hab ihm wehgetan. Ich hab gesagt, dass das alles nur ein Trick war und ich nie etwas von ihm wollte.“

„Dass das nicht wahr ist, wissen wir beide. Und, was wirst du nun tun?“

„Nichts. Ich werde solange von der Schule suspendiert, bis Masaki auf eine andere Schule kommt. Der Direx ruft seine Eltern deswegen schon an.“

„War es seine Idee?“

„Nein, meine. Es ist einfach besser so. Es ist schon zu viel passiert, einfach viel zu viel.“

„Ich hab dir von Anfang an gesagt, dass das nicht gut gehen wird.“

„Ich weiß, aber das nützt mir jetzt auch nichts mehr. Ich kann nur hoffen, dass Masaki mich und alles was passiert ist, so schnell wie möglich vergisst und sich ne ordentliche Freundin sucht, eine, die zu ihm passt.“

„Ja, wollen wir das hoffen.“


~*~*~*~*~*~


Hiro blieb nur ein paar Wochen vom Unterricht befreit, genau so lange, wie Masaki noch an ihrer Schule war.
Doch in dieser Zeit veränderte er sich sehr. Er hatte seinen Eltern zwar alles erzählt, wirklich alles, aber ihre Moralpredigten konnte er sich nach einer Weile einfach nicht mehr anhören. Er konnte sich nicht erinnern, dass die beiden bei Youichirus Coming-Out so reagiert hatten. Zwar war sein Bruder auch 17 gewesen, allerdings war sein Loverdamals ein Jahr älter gewesen und nicht vier Jahre jünger, sowie Masaki, und damit Minderjährig.
Sein Verhältnis zu Youichiru konnte man als eisig bezeichnen. Am Anfang sprach Hiro überhaupt nicht mehr mit ihm, da er sich von ihm verraten fühlte, schließlichatte er sich mit Hiros erklärten Feind eingelassen. Außerdem war er eifersüchtig, da sein Bruder Glück hatte und mit dem, den er liebte, zusammen sein konnte, aber Hiro nicht.
Lange hielt der Brünette es jedoch nicht aus, denn er brauchte einfach jemanden, mit dem er reden konnte und der ihn in etwa verstand. Und als er dann zu Neujahr erfuhr, dass sein Bruder wieder auszog, suchte er noch in derselben Nacht seinen Rat und traf eine Entscheidung. Er entschloss sich mit Youichiru zusammen zu ziehen. Er hatte einfach das Gefühl, dass er es nicht mehr bei seinen Eltern aushielt. Nicht das er sie nicht immer noch liebte und respektierte, aber er brauchte einfach Abstand. Die Schule musste er dafür jedoch nicht wechseln.

Jedoch blieb es nicht nur bei der Schulbefreiung. Hiro musste auch alle seine Ämter abgeben und dazu kam noch, dass seine Freunde, bis auf Takashi, sauer auf ihn waren. Hiro hatte den Blauhaarigen darum gebeten, den anderen nichts von dem zu erzählen, was er ihm erzählt hatte, bis Masaki nicht endgültig weg war, da Hiro nicht wollte, dass sich einer seiner Freunde aus Versehen verplapperte.
So war es am ersten Tag, den er wieder in der Schule war, seine Aufgabe, seinen Freunden alles zu erzählen und zu erklären. Im Gegensatz zu seinen Befürchtungen, hatten sie alle für ihn Verständnis, auch wenn sie einiges trotz allem nicht verstanden.
Allerdings konnte er es den anderen an seiner Schule nicht erklären und hatte es auch gar nicht vor. Bis zum Ende seiner Schulzeit wurde er schräg angeguckt, aber er versuchte es zu ignorieren und solang seine Freunde zu ihm hielten war es in Ordnung. Glücklicher Weise reisten seine Zwichtigkeiten mit Kôji nicht ab, was ihm ein Gefühl von Alltag verschaffte und er war seinem Feind sehr dankbar.


Für Masaki war die Zeit ohne Hiro einfach die Schrecklichste in der ganzen Zeit. Doch das Schlimmste war, dass er ihn einfach nicht hassen konnte. Es ging einfach nicht.
Immerwieder hörte er Hiros verletzende Worte, aber jedes Mal tauchten auch die lieben und tröstenden Worte auf, die er einfach nicht aus seinem Kopf verbannen konnte. Er liebte Hiro, ganz gleich ob dieser Gefühle erwidert wurden oder nicht. Vom Altersunterschied mal abgesehen.
Masaki bedauerte es, dass er ihm diese Worte nie gesagt hatte. Die Worte, die einem sagten, wie viel man dem anderen bedeutete. Vielleicht wäre dann alles anders geworden.

Der größte Schock kam jedoch erst, als Masaki von seinen Eltern erfuhr, dass sie in ein Haus umziehen würden, in dem sich auch Nanami trotz ihres Rollstuhls bewegen konnte, denn nach all den Jahren sollte sie endlich wieder zu ihrer Familie. Sie würden wieder eine komplette Familie sein.
Allerdings musste Masaki dafür die Schule wechseln und sollte wieder in die 8. Klasse gehen, so wie es sich für einen Jungen seines Alters gehörte. Dies bedeutete für Masaki einen weiteren Abschied. Doch dieses Mal war er bitterer als die Male davor. In den Jugendlichen hatte er echte Freunde gefunden, die ihn akzeptierten, so wie er war.

Das Schlimmste war jedoch, dass er Hiro nicht noch einmal sah. Zwar hatte er bei dem
Brünetten zu Hause geklingelt, doch Hiro war nicht da gewesen, nur Youichiru und der hatte ihm erklärt, dass Hiro Masaki nicht sehen wollte.
Masaki konnte nicht sagen wie lange und wie oft er geweint hatte, aber was er sagen konnte war, dass sein Herz eine sehr lange Zeit schmerzte, wenn er an Hiro dachte. Es tat auch noch weh, nachdem er die Schule verlassen hatte.

Seine Eltern verstanden nicht, was mit ihrem Sohn los war und auch Nanami kam nicht zu dem Brünetten durch. Masaki erzählte niemandem etwas, denn er wollte nicht daran denken, obwohl er dies die ganze Zeit schon tat. Er glaubte nicht daran, dass er Hiro noch einmal in so einer großen Stadt wie Tokyo sehen würde.



~*~*~*~*~*~



Gelangweilt schlürfte der 17-Jährige an dem Strohhalm des Getränks, dass ihm ein Kellner des Nightmare Clubs vor ein paar Minuten gebracht hatte. Irgend so ein Typ an der Bar hatte es ihm zukommen lassen und als er sich zu ihm umgedreht hatte, hatte der ihm grinsend zugeprostet.
Desinteressiert hatte Masaki sich abgewandt, aber trinken tat er es trotzdem. Es war schon das dritte Getränk an diesem Abend, das er spendiert bekommen hatte.
Seine Freunde tobten sich währenddessen auf der Tanzfläche aus. Nur ihr Pärchen saß ihm gegenüber und holten sich gegenseitig die Mandeln raus.

„Immer dieses Geknutsche“, meinte der zierliche Junge nur mürrisch und blubberte etwas vor sich ihn.

„Ach, Saki-chan, du bist doch nur sauer, weil du niemanden hast“, entgegnete sein Kumpel, als er sich mal von seiner Freundin löste.

„Klar, ich steh voll drauf, dass mir jemand die Zunge in den Hals steckt“, entgegnete Masaki sarkastisch, ehe er sich erhob.

„Willst du schon gehen, Saki-chan?“

„Jep. Zum Tanzen hab ich keinen Bock, da ich es Leid bin, dass mir stumpfsinnige Kerle auf den Hintern glotzen, Durst hab ich auch keinen mehr und Geld hab ich eh keines mit, weil ich ständig was spendiert bekomme. Also, was soll ich noch hier?“

Damit verabschiedete sich Masaki und ging Richtung Ausgang. Nur raus aus dieser verqualmten Disco.


Er war fast an seinem Ziel angekommen, als ihm jemand ins Auge fiel, der mit dem Rücken zu ihm gewandt an einem der höheren Tische saß und sich mit anderen unterhielt.
So wie sie alle aussahen, mussten es Studenten sein. Er kannte keinen von ihnen, trotzdem kam ihm diese Rückansicht bekannt vor.
Der Unbekannte rutschte etwas auf dem Barhocker herum, anscheinend, um bequemer sitzen zu können. Dabei fiel ein Schlüssel aus seiner Hosentasche. Masaki wartete einen Moment, doch anscheinend hatte er es niemand außer ihm bemerkt. Er sah seine Chance gekommen, sich den anderen mal genauer anzusehen.
Schnell lief er zu den Studenten hin und hob den Schlüssel auf. Tief durch atmend tippte Masaki dem Fremden auf die Schulter.

„Entschuldigung, aber du hast deinen Schlüssel fallen lassen“, sagte er freundlich, war sich allerdings nicht sicher, ob man ihn trotz der lauten Musik gehört hatte.

Es dauerte eine weile, ehe der Größere sich überrascht umdrehte.

„Danke, Kleiner“, meinte er nur lächelnd und griff nach dem dargebotenen Stück, ohne Masaki wirklich anzusehen.

Als der aber das Gesicht des Fremden im dämmrigen Licht der Disco erkannte, stockte ihm der Atem und er ließ vor Schreck den Schlüssel wieder fallen, noch bevor der andere ihn an sich nehmen konnte.
Überall hätte Masaki diese himmelblauen Augen wieder erkannt. Die ganze Zeit hatte er nicht daran geglaubt, dass er jemals wieder in diese sehen würde.

„Hiro-san...“

Seine Worte waren nur ein Flüstern, aber sein Gegenüber schien sie genau verstanden zu haben, denn seine Augen wurden groß und sahen ihn nun endlich ungläubig an.

„Ma...Masaki-kun?“

Masaki konnte nichts anderes als nicken, denn er konnte es einfach nicht glauben, dass genau der vor ihm saß, den er die ganzen vier Jahre nicht hatte vergessen können.
Schnell hob er die Schlüssel wieder auf und legte sie vorsichtshalber auf den Tisch. Es war wahrscheinlich am Besten, wenn er jetzt gehen würde, schließlich hatte Hiro ihm vor Jahren auf sehr gemeine Art und Weise klar gemacht, dass er nichts von ihm wollte. Und trotzdem, hatte Masaki sich immer gern an die Zeit mit diesem erinnert.

Sein Vorhaben wurde jedoch mehr oder weniger unbewusst vereitelt, in dem Hiro ihn unerwartet doch noch einmal ansprach.

„Wie geht es dir, Masaki?“

Diese Wort versetzten dem Jüngeren einen kleinen Stich ins Herz, aber er war trotzdem sehr froh, dass Hiro ihn mit seinem Vornamen und nicht mit dem Nachnamen ansprach.

„Ganz gut. Und dir?“

Er merkte schon, dass das ein üblicher Smalltalk werden würde, aber so wie sie sich getrennt hatten, war das doch gar nicht so schlecht, oder?

„Ebenfalls. Ich studier im Moment. Willst...du dich nicht zu uns setzten? Ich würde gerne wissen, was du die letzen Jahre so gemacht hast.“

Und schon war vergessen, dass er eigentlich gehen wollte. Stattdessen setzte Masaki sich etwas unbeholfen und nervös auf den Hocker neben Hiro, der netterweise geräumt worden war.
Hiro stellte ihm die anderen vor und sie unterhielten sich etwas.
Die ganze Zeit musterte Masaki seinen Freund. Seine Haare waren nicht mehr ganz so wirr wie früher und auch sein Gesicht war viel markanter und männlicher geworden, genauso wie sein Körper. Zwar war Hiro immer noch schlank, aber trotzdem gut durchtrainiert. Nur eines hatte sich nicht geändert: seine Augen. Sie sahen ihn immer noch genauso warm an wie am ersten Tag, als sie sich kennen gelernt hatten. Ja, das war noch immer sein Hiro, wie er ihn kannte. Zumindest glaubte er das in diesem Moment.


Genau wie Masaki betrachtete auch Hiro seinen Gegenüber genau.
Sein Chibi war noch gut fünfzehn Zentimeter gewachsen. Auch hatte sich sein Körper sehr verändert. Er war schlank, aber nicht dürr, hatte eine schmale Hüfte und etwas breitere Schultern. Trotzdem hatte er auch etwas Feminines an sich. Das Gesicht war nicht mehr so rund, sondern etwas schmaler und die schönen großen grünen Augen stachen besonders hervor. Seine hellen Haare waren einwenig länger als früher. Doch alles in allem war sein Chibi immer noch süß. Doch er merkte schon bei ihrem Gespräch, dass Masaki sich verändert hatte, nicht nur Äußerlich.


~*~*~*~*~*~


Im Laufe des Abend erfuhren beide mehr von einander.

Masaki ging nun in die 12. Klasse einer Schule im Bezirk Minato, wo auch der Tokyo Tower stand, nur 7 km Luftlinie von Shibuya, dem Bezirk in dem Hiro studierte, entfernt. Wohnen tat er jedoch am Rande von Megura in einem kleinen Haus zusammen mit seinen Eltern und seiner Schwester, während Hiro eine kleine 2-Zimmer-Wohnung in der Nähe seiner Uni bewohnte. Dass Hiro Japanische Geschichte studierte, überraschte Masaki dann doch noch mehr als die Tatsache, dass sie gar nicht so weit von einander entfernt wohnten.

Nach und nach verabschiedeten sich dann doch die einzelnen Studienfreunde von Hiro und zum Schluss blieben nur noch sie beide übrig.

„Oh, schon so spät? Ich sollte lieber gehen, ich hab Morgen früh eine Vorlesung, die darf ich nicht versäumen“, lächelte Hiro. „Es war schön, dich wieder getroffen zu haben, Masaki.“

„Ja, es...hat mich auch sehr gefreut“, versicherte der Jüngere und meinte es auch absolut ehrlich.

Schweigend standen sie sich gegenüber und wussten irgendwie nicht, was sie nun machen sollten. Der Abend war besser gelaufen, als sie beide gedacht hatten und sie hatten sich so gut verstanden, als hätte es die Jahre dazwischen nicht gegeben.

„Na dann werde ich mal...“, begann Hiro.

„Mh...“

„Also, gute Nacht...“

Hiro ging schweigend an Masaki vorbei zum Ausgang, als er plötzlich festgehalten wurde. Mit gesenktem Kopf stand Masaki hinter ihm und hielt einen Zipfel seiner Jacke in der Hand. Er konnte erkennen, dass der immer noch Kleinere leicht gerötete Wangen hatte und mit einem Mal sah er wieder genauso unschuldig und niedlich aus, wie früher.

„Darf ... ich mit zu dir kommen, ... Hiro-san?“

Bittend und etwas verlegen sah Masaki seinen ehemaligen Freund nun doch an, der ihn nach ein paar Minuten schließlich aufmunternd anlächelte.

„Gern, Chibi.“


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Auch wenn das Schicksal nicht immer fair ist, erhält doch jeder eine zweite Chance, selbst die kleinste Liebe. Was man daraus jedoch macht, ist jedem selbst überlassen.

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~*~Owari~*~