Du befindest Dich hier: Geschichten > Geschichten frei bis 16 > Laren > Dating f?r Dummies > Dating f?r Dummies - Teil 9 bis 10

Dating f?r Dummies - Teil 9 bis 10

Kapitel 9 - Merkwürdigkeiten


Völlig überrascht nahm Duo den Telefonhörer von seinem Ohr und starrte fragend darauf. Er konnte grad doch wohl nicht wirklich gehört haben dass Quatre und Trowa heiraten wollten, oder?

Vorsichtig führte er den Hörer wieder an sein Ohr zurück und fragte hoffnungsvoll: "Kannst du das bitte noch mal wiederholen?"

"Trowa und ich werden heiraten," tönte es fröhlich an Duos Ohr.

Oh, doch nicht verhört. Duo schüttelte sich. Normalerweise würde er jetzt annehmen dass er träumen würde, aber das war selbst für einen Traum zu surreal. Und langsam wurde ihm bewusst dass Quatre als sein Freund von ihm auch eine gewisse Reaktion auf diese Neuigkeit erwarten würde. "Das ist… ähm super," stammelte Duo. "Meinen herzlichen Glückwunsch. Aber glaubst du nicht, dass das ein wenig zu schnell ist?" wagte er noch vorsichtig hinzuzufügen. Immerhin konnte er doch wohl nicht zulassen dass sein bester Freund so einen Fehler machte. Auch wenn er sich selbst nicht klar war ob das jetzt ein Fehler war oder nicht. Auf jeden Fall war es zu schnell.

"Ach was. Es war genau wie alle immer sagen. Wenn man den perfekten Partner findet, dann macht es einfach klick und man weiß bescheid. Ich habe nicht vor Trowa jemals wieder gehen zu lassen. Wir sind das perfekte Paar."

Quatres Stimme schwellte fast vor Freude über. Aber langsam wurden auch Duos Gehirnzellen wach und er war wieder in der Lage zusammenhängende Gedanken zu fassen. Außerdem kam ihm die Sache plötzlich mehr als merkwürdig vor. Wer beschloss schon zu heiraten nach nur einer Nacht? Sicher, in Schundromanen passierte das garantiert andauernd. Aber irgendwie glaubte Duo nicht dass Quatre sein Leben nach Schundromanen gestaltete. "Äh, sag mal Quatre, weiß Trowa schon von der bevorstehenden Hochzeit?"

"Nein, bis jetzt noch nicht," kam es gut gelaunt zurück.

"Und du glaubst nicht, dass er dabei auch ein Wörtchen mitzureden hat?" sprudelte es aus Duo hervor bevor er sich auf die Lippen beißen konnte.

"Sicher hat er das," bestätigte Quatre. "Aber da seh ich kein Problem drin. Wir passen zusammen. Und er hat gesagt dass er mit mir zusammen sein will. Natürlich wird das in einer angemessenen Zeit in einer Ehe enden. Wie gesagt den lass ich mir nicht entgehen. Er ist einfach toll."

Für einen Moment überlegte Duo, ob sich das was sein Freund da gerade sagte etwas merkwürdig anhörte. Aber dann schüttelte er den Kopf. Wieso eigentlich nicht. Wenn bei den beiden tatsächlich der Blitz eingeschlagen hatte, dann konnte es doch tatsächlich auch mit einem großen Donner weiter gehen, oder? Außerdem schien Quatre jemand zu sein der in seinem Beruf sehr schnelle und wichtige Entscheidungen in rascher Folge zu treffen hatte, vielleicht spiegelte sich das in seinem Privatleben auch wieder. Und solange Trowa damit einverstanden war, war es ok.

Aber wieso war Trowa damit einverstanden, kam plötzlich eine ungewollte Frage in Duo auf. Eine Frage die natürlich sofort in ihm den Beschützerinstinkt wach rief. "Hast du dir das auch gut überlegt?" fragte er seinen Freund deshalb. "Im Grunde weißt du doch noch gar nichts über Trowa."

"Hey, wir haben uns heute Nacht nicht ausschließlich in den Laken gewälzt," gab Quatre mit einem leicht vorwurfsvollen Tonfall zurück. "Wir haben auch geredet."

"Ja, aber…"

"Nichts aber. Trowa und ich passen perfekt zusammen. Wir mögen die gleichen Dinge, haben den gleichen Geschmack was Musik und Kunst angeht. Außerdem ist er absolut heiß und eine Granate im Bett."

"Das mag schon sein, aber kann es nicht sein dass er sich nur an dich heran gemacht hat weil du Quatre Winner bist?" fragte Duo. Zwar war das Zusammentreffen der beiden nicht so verlaufen, aber wer wusste schon was Trowa dazu geführt hatte aus einem One Night Stand etwas Längeres zu machen? Vielleicht hatte Quatres Reichtum da eine große Rolle gespielt. Nicht dass Duo das wirklich glauben würde, aber im Moment schien er die Rolle des Advocatus Diaboli inne zu haben.

"Natürlich nicht," gab Quatre zurück.

"Aber man hat schon so oft gehört dass sich Künstler an reiche Mäzene heran machen," gab Duo sein Wissen aus der Klatschpresse zum besten. "Woher willst du sicher sein dass er von dir nicht nur Prestige und Geld will?"

"Aus einem einfachen Grund," erwiderte Quatre. Er schien nicht mal böse zu sein weil Duo diese Fragen stelle. Was sehr gut war, denn Duo wollte seinen Freund ja nicht verärgern. "Trowa ist ein ganz bekannter Künstler. Seine Bilder verkaufen sich schon unheimlich gut, sprich er ist vielleicht bei Leibe nicht so reich wie ich, aber er nagt auch nicht am Hungertuch. Und mehr Prestige kann er durch eine Verbindung mit mir auch nicht erlangen. Im Grunde genommen muss ich bei Trowa viel weniger Angst haben dass er in mir nur die wandelnde Geldbörse sieht, als bei jedem potentiellen Partner den ich im Geschäftsleben kennen lernen würde."

Das schien Sinn zu machen und Duo fühlte sich gleich viel besser.

"Ist es wirklich so schlimm das ich jetzt mit Trowa zusammen bin?" fragte plötzlich Quatre.

"Was?" hakte Duo nach. "Ich find das nicht schlimm. Im Gegenteil! Ich freu mich für dich. Ich war nur überrascht dass es so schnell geht. Und als bester Freund musste ich doch sicher sein dass dir nicht über kurz oder lang weh getan wird. Ich nehme meinen Job als bester Freund sehr ernst. Warte nur bis ich Trowa zur Seite nehme um ihn zu erklären was ihm passiert sollte er dich jemals betrügen," beruhigte Duo seinen Freund.

"Du bist unmöglich," erklärte Quatre lachen. "Ich kann doch auf mich selbst aufpassen."

"Klar kannst du das. Aber beste Freunde tun das trotzdem füreinander. Ich erwarte von dir schließlich auch dass du meinem zukünftigen Partner klar machst was ihm passieren könnte wenn er sich daneben benimmt."

"Wirklich absolut unmöglich!" kicherte Quatre.

"Jupp, aber dafür liebst du mich schließlich."

***********************************************************************************************

Ein paar Tage später war es so, als wären Quatre und Trowa schon Ewigkeiten zusammen. Den einen ohne den anderen zu erwischen wurde ziemlich schwer. Irgendwie vermisste Duo die Tage als sein Freund noch nicht in festen Händen war, aber zumindest hoffte er bald auch einen Partner zu haben, damit er sich nicht mehr wie das fünfte Rad am Wagen vorkommen musste.

Aber er konnte mit Fug und Recht sagen, dass Trowa tatsächlich unheimlich nett war und mehr als nur gut zu Quatre passte. Etwas das Duo - und Quatres Familie - wohlwollend zur Kenntnis nahm.

Hin und wieder gelang es Duo trotzdem seinen Freund mal allein zu erwischen. Und wenn es auch nur für eine kurze Einkaufstour war. Grinsend betrat Duo mit Quatre den Laden den sie angesteuert hatten. Sicher, später würden sie sich mit Trowa zum Essen treffen, aber im Moment gehörte sein Freund noch ihm allein.

"Ich glaub hier solltest du fündig werden," erklärte Quatre.

Duo nickte. Das Gefühl hatte er auch. "Zum Glück. Ich hatte echt keine Idee was ich Sarah zum Geburtstag schenken sollte. Da sie der beste Boss überhaupt ist, sollte es aber was tolles sein." Duo schaute sich mit großen Augen in dem nicht gerade kleinen Laden um. Wer hätte gedacht dass es so viele verschiedene Sorten gab? Zumindest der Duft war einzigartig.

"Ok, deine Abteilung ist dort auf der rechten Seite. Ich komm gleich nach, will mich nur kurz bei den Teesorten umschauen."

Duo nickte seinem Freund zu. Dann wandte er sich nach rechts und ging etwas verwundert an den unzähligen Sorten vorbei.

Duo fühlte sich merkwürdig, er mochte es gar nicht so völlig ohne Ahnung auf verschiedene Produkte zu blicken. Fast wünschte er sich dass Quatre jetzt neben ihm stehen würde. Auch wenn Q ein ausgemachter Tee-Fan war, kannte sich dieser sicher besser in Gourmet-Kaffeesorten aus als Duo.

Seufzend schüttelte Duo einmal den Kopf und gab sich selbst einen kleinen Tritt in den Hintern. Es war schließlich nur Kaffee, da sollte er doch wohl in der Lage sein was Gutes zu finden. Seine Augen wanderten weiter über die verschiedenen Regale, dann entdeckte er einen Namen, der ihm aus der Werbung bekannt vorkam.

Fast erleichtert ging Duo zu der speziellen Sorte und war schon dabei eine der - erstaunlich teuren - Packungen hervorzuziehen, als neben ihm eine sympathische Stimme ertönte. "An deiner Stelle würde ich diese Sorte nicht kaufen," wurde ruhig erklärt.

Duo drehte sich zu der Stimme um. Was er sah gefiel ihm gut. Der Mann der ihn angesprochen hatte war ungefähr so groß wie Duo, hatte kurze dunkle Haare und sah verdammt gut aus in dem noblen Anzug den er trug. Normalerweise stand Duo ja nicht unbedingt auf Anzugträger, aber hier war er mehr als bereit eine Ausnahme zu machen. Jetzt musste er nur noch mit dem anderen ins Gespräch kommen, was kein Problem sein würde. "Wieso denn nicht?" fragte Duo mit seinem strahlenden Lächeln.

Sein Gegenüber lächelte ebenfalls, und auch wenn er dabei kaum seine Mundwinkel bewegte erstrahlte es sein Gesicht. "Diese Sorte gibt an etwas zu sein, dass sie nicht ist. Sicher, es ist kein wirklich schlechter Kaffee, aber er ist auch nicht so besonders wie uns die Werbung weismachen möchte. Und auf jeden Fall ist der Preis der Qualität nicht angemessen."

"Oh," erklärte Duo und kratzte sich verlegen am Kopf. "Ich hab den nur ausgewählt weil ich die Sorte aus der Werbung kenn. Ich hab im Grunde keine Ahnung von Kaffee."

Es schien fast so als wenn sein Gegenüber bei dieser Aussage kurz den Kopf schüttelte aber er hatte sich wohl schnell gefangen denn er redete mit freundlichem Tonfall weiter. "Also kein Kaffeetrinker?" fragte er mit hochgezogener Augenbraue.

Duo grinste schelmisch. "Naja Kaffee trinke ich schon manchmal im Büro. Aber bei diesen besonderen Sorten kenn ich mich halt nicht aus. Ich wollte auch nur ein Geburtstagsgeschenk besorgen."

"Bürokaffee… das hört sich schrecklich an," gab der andere freundlich zurück.

"Ist es auch. Und weil Sarah - sie ist mein Boss - auch immer über die ‚Plörre' gejammert hat soll sie jetzt eine Espressomaschine fürs Büro bekommen. Und ich dachte ich steuere etwas Kaffee dazu."

"Du bist wirklich kein Experte," sagte der andere. Auf Duos fragenden Blick hin erklärte er, "Diesen Kaffee kann man nicht für ne Espressomaschine verwenden. Pass auf, ich werd dir beim auswählen helfen. Und vielleicht kann ich dir auch noch etwas mehr über Kaffee beibringen. Mein Name ist übrigens Ianto. Ianto Jones."

"Duo Maxwell!" gab Duo zurück und schüttelte erfreut die Hand des anderen. Wenn es nach ihm ginge, dann würde diese Beratung lange dauern. Vielleicht könnte er den anderen ja sogar zu einem Kaffee einladen. Natürlich nur aus erzieherischen Gründen.

Die nächsten Minuten verliefen mehr als angenehm - auch wenn Duos Kopf bald rauchte bei dem Versuch die ganzen Informationen die Ianto ihm gab aufzunehmen. Duo lächelte die ganze Zeit und versuchte sein bestes mit dem gut aussehenden Mann zu flirten. Zwar konnte er nicht hundertprozentig sagen ob er damit Erfolg hatte - Ianto war ziemlich schwer zu lesen - aber zumindest schien es den anderen nicht abzuschrecken, was Duo als großen Erfolg wertete.

Doch bevor er tatsächlich zu seinem großen Schlag ausholen und Ianto zu dem Kaffee einladen konnte stellte sich plötzlich jemand neben den anderen Mann, schlang seinen Arm um dessen Schulter und verkündete ziemlich laut. "Also wirklich, Ianto. Ich sitz draußen im Auto und warte seit Ewigkeiten dass du von deinem Kaffeeeinkauf zurück kommst und was ist, du flirtest hier fremde Männer an."

Ianto schien kurz schuldbewusst zusammen zu zucken. Genauso wie Duo. Hieß dass, das Ianto schon einen Freund hatte? Wieso hatte der dann nichts gesagt, dann hätte Duo sich das ganze sinnlose flirten sparen können. Neugierig betrachtete Duo den Neuankömmling genauer. Braunes Haar, blaue Augen, ein Grinsen dass fast die ganze Breite des Gesichts einnahm und scheinbar das Selbstvertrauen eines Superstars. Der andere wirkte total ruhig und so als ob ihm die ganze Welt gehörte. Nur so ließ sich wahrscheinlich auch seine merkwürdige Kleidung erklären. Nicht jeder konnte Klamotten aus den Vierzigern tragen ohne sich lächerlich zu machen.

"Sir?" fragte Ianto verwirrt.

Das ließ Duo aufhorchen. Wieso nannte Ianto den Neuankömmling Sir?

Doch bevor Duo auf falsche Gedanken kommen konnte sprach der andere Mann. "Ianto, wie oft hab ich dir schon gesagt dass du mich nicht Sir nennen sollst wenn wir nicht im Dienst sind. Eigentlich auch nicht während wir im Dienst sind, schließlich sind wir nicht beim Militär."

"Wenn du meinst, Jack," erklärte Ianto ruhig.

"Aber kommen wir zu den wichtigen Fragen zurück. Wieso lässt du mich die ganze Zeit allein zurück? Ich mein ich kann verstehen dass du dich mit diesem gut aussehenden Mann flirten wolltest, aber hättest du mir nicht bescheid sagen können?"

"Ich hab nicht geflirtet. Ich hab Duo nur mehr über Kaffee erklärt," gab Ianto zurück.

"Für dich ist das flirten," erklärte Jack. Dann drehte er sich vollends zu Duo um. "Wie gesagt, nicht das ich es ihm verübeln würde. Du bist schließlich heiß. Mein Name ist Jack, Jack Harkness."

Duo war fast völlig überrumpelt von der Macht die Jacks Lächeln ausstrahlte. Ihm wurden die Knie weich und dabei hatte der andere Mann ihm nur seinen Namen genannt. Duo war sich immer noch nicht sicher ob Ianto nun mit ihm geflirtet hatte oder nicht, aber dieser Jack tat es auf jeden Fall. "Ähm und ich heiße Duo Maxwell," gab Duo zurück.

Seine Hand wurde gedrückt und dann grinste Jack ihn wieder an. "Interessanter Name. Und wenn ich das mal so sagen darf, Duo, deine Haare sind der pure Wahnsinn. Öffnest du den Zopf während des Sex? Es muss wunderbar sein seine Hände dadurch fahren zu lassen."

Jup, Duos Knie hatten sich inzwischen in unstabilen Wackelpudding verwandelt. Und er war sich sicher, dass er rot war wie eine Tomate. Irgendwie gaben die zwei ihm total vermischte Signale. Zum einen hatte Jack immer noch seinen Arm fast beschützend um Ianto geschlungen, aber gleichzeitig flirtete er mit Duo als ob es kein Morgen gäbe. Waren die zwei jetzt ein Paar oder nicht? Duo war verwirrt.

Doch dann sah er Iantos Gesichtsausdruck und ihm wurde klar dass dieser von Jacks Verhalten überhaupt nicht amüsiert war. Und irgendwie fand Duo das fast lustig.

Besonders als Ianto ihm plötzlich die Hand schüttelte und sich verabschiedete. "Duo, es war nett dich kennen zulernen. Aber Jack und ich müssen jetzt gehen." Dann schnappte er sich Jacks Arm der um seine Schultern lag und zerrte den anderen mit sich mit.

"Ianto was ist denn mit dir los? Du bist doch sonst nicht so unhöflich und gehst mitten in einer Unterhaltung."

"Das war keine Unterhaltung. Und außerdem müssen wir jetzt schnell weiter."

"Wohin denn?" protestierte Jack.

"Ich hab gesehen dass zwei Läden weiter ein Tätowierungsstudio ist."

"Du bist wirklich kinky, Ianto Jones."

"Ich werd dir endlich ein ‚Finger weg, Eigentum von Ianto Jones' auf die Stirn tätowieren lassen. Vielleicht kann ich dann endlich in Ruhe Einkaufen gehen."

"Ich sag's doch. Kinky."

Duo starrte den beiden mit offenem Mund nach. Er konnte einfach nicht glauben was da gerade passiert war. Drehten die hier im Laden die versteckte Kamera?

Plötzlich stand Quatre neben ihm. "War was los?" fragte der Blonde.

Duo schüttelte den Kopf und sagte, "Nur ein sehr, sehr merkwürdiger Ehestreit." 



Kapitel 10 - Damsel in Distress


Ein paar Tage nach diesem mehr als merkwürdigen Ereignis in dem Kaffeegeschäft saß Duo bei Hilde auf dem Sofa und löffelte einträchtig mit ihr Schokoladeneis. Sie hatten einen sehr gemütlichen Abend gehabt - während sie ihre Lieblinsserie geguckt hatten - und Duo war fast soweit den ganzen Stress der letzten Wochen - denn so unglaublich es klang das ganze Dating war Stress pur - hinter sich zu lassen und zu entspannen.

Aber natürlich war genau dass nicht in Hildes Agenda. Und als seine Freundin ihn fast beiläufig fragte wie denn seine Suche nach Mr. Right verlief, verfiel Duo sofort in Ausflüchte.

Ehrlich, er hätte sich viel lieber bei ihr über die ganzen verpatzten Dates - und die ganzen Idioten da draußen - ausgekotzt. Aber sie hatten ja immer noch die Wette laufen. Und da würde er den Teufel tun und ihr verraten dass er inzwischen mehr als einmal darüber nachgedacht hatte die ganze Sache sein zu lassen. Hilde würde sich darüber tierisch amüsieren, und danach stand Duo nun gerade überhaupt nicht. Weshalb er nur ein halbwegs mürrisches, "Ich bin immer noch am Anfang. So schnell geht es ja dann nun auch nicht. Sind doch erst 5 Wochen," nuschelte.

"Fast 6 Wochen. Und das ist die Hälfte der Zeit die wir abgemacht haben," gab Hilde süffisant - so wie es nur eine beste Freundin konnte - zurück. "Was ist, hat sich dein Zauber verflüchtig? Du hast doch sonst auch immer schneller Ersatz gefunden."

Und weil sie mit dem Kommentar ziemlich genau ins Schwarze getroffen hatte, war Duo nur noch mehr bemüht sich nicht anmerken zu lassen wie Katastrophal einige der Date gewesen waren. Außerdem, es hatte ja schließlich nie an ihm gelegen. Er hatte halt nur gerade eine Pechsträhne was das Auswählen von Kandidaten anging. Konnte er doch nichts dafür wenn plötzlich jeder Angeber, Nerd oder Psychopath meinte mit ihm anbandeln zu müssen. "Na, du hast mir doch vorgeworfen dass meine früheren Auswahlkriterien vielleicht nicht die richtigen waren. Entschuldige dass ich mir diesmal mehr Zeit nehm," grummelte Duo wieder.

"Was, noch keinen heißen Typen gefunden?" Hilde zog die Augenbraue hoch.

"Natürlich!" empörte sich Duo. Und richtig so, schließlich waren etliche der Fehlversuche heiß gewesen. Nur halt immer falsch für ihn. "Aber wie es so schön heißt, ‚you can't hurry love'." Zumindest für Quatre hatte es funktioniert. Noch am gleichen Abend hatte er seine andere Hälfte gefunden. Und wenn Duo nicht so ein guter Freund gewesen wäre, hätte er eventuell ein klitzekleines bisschen neidisch sein können. Entschlossen mummelte er ein weiteren Löffel Eis.

"Oh wow, das mal aus deinem Mund zu hören," giggelte Hilde. "Heißt das, dass du die Wette aufgeben willst? Immerhin beinhaltet sie ja ein gewisses Zeitlimit und du musst dich jetzt beeilen die Liebe zu finden."

"Pfft, ich geb niemals auf," erklärte Duo. Und ignorierte vollkommen die Stimme in seinem Hinterkopf die versuchte ihn daran zu erinnern wie genervt er von der ganzen Suche nach Mr. Right doch schon gewesen war. Er würde den richtigen schon noch finden, und wenn er jetzt noch mehr Typen ausprobieren müsste. Wozu hatte die Woche schließlich 7 Tage? Dann würde er halt beim suchen seine Auswahlkriterien etwas herabsetzen. Hauptsache er fand endlich jemanden.

Hilde lachte ihn gutmütig aus. Wenn er sie nicht so lieben würde, könnte Duo wirklich sauer auf sie sein - andererseits, umgekehrt würde er sie genauso aufziehen. Trotzdem musste er sich auf die Zunge beißen um nicht zu knurren als sie kichernd meinte. "In dieser Stimmung findest du sicher niemanden. Schon gar nicht in den 6 Wochen die noch übrig bleiben. Aber selbst wenn es 10 wären würde es nicht klappen. Deshalb bin ich großzügig, ich gebe dir einen Monat mehr."

"Pft!" war alles was Duo darauf erwiderte. Trotzdem, 4 Wochen mehr waren sicher nicht schlecht. Jetzt hatte er noch zehn Wochen jemanden zu finden. Und das würde er, auf Teufel komm raus!

***********************************************************************************************

Eine Entscheidung die er am Samstag drauf bitter bereute. Leise fluchend eilte Duo suchend durch das ihm unbekannte Haus, immer darauf bemüht sich von dem Lärm der Party möglichst weit weg zu bewegen. Was gar nicht mal so schwer war, da das Gebäude eher ein Herrenhaus war und ziemlich viele Zimmer zu haben schien. Einerseits war das gut, andererseits machte es ihm auch schwerer das verdammte Telefon zu finden.

Duo konnte echt nicht glauben dass er es geschafft hatte ein Date auszumachen, dass sogar noch katastrophaler war als alle bisherigen zusammen. Wahrscheinlich hatte er echt eine Leuchtreklame über seinem Kopf die in blinkenden, neogrünen Buchstaben alle Psychopaten anlockte. Anders ließ es sich nicht erklären.

Zimmertür um Zimmertür öffnete er. Verdammt irgendwo hier musste doch die Bibliothek sein - in der es laut der anderen Gäste ein Telefon geben sollte. Grummelnd und niedergeschlagen schüttelte den Kopf als er wieder eine Niete gezogen hatte. Er musste das Telefon bald finden, denn sicher war Axel - seinem Date - inzwischen aufgefallen dass er verdammt lang auf dem Klo war.

Er öffnete die nächste Tür und ging einen Schritt in den Raum um ihn sich besser anzusehen. Und tatsächlich schien er diesmal Glück gehabt zu haben, wenn die überladenen Bücherregale an den Wänden eine Indikation waren. Duo wollte schon einen tiefen Seufzer der Erleichterung loslassen, als ihm klar wurde, dass ihm gegenüber, in einem tiefen, dunkelroten Lederohrensessel jemand saß und im Schein des knisternden Kaminfeuers ein Buch las.

Den Lärm den Duo beim Öffnen der Tür gemacht hatte, hatte den Lesenden hinter seinem Buch hervorblicken lassen und Duo war so als wenn ihm jemand ein Schwall Eiswasser übergossen hätte. Er wurde mit einem Schlag knallrot im Gesicht und wusste nicht wirklich was er sagen sollte. Denn die Person war kein geringerer als der kuschelweiche Computerschmuser der ihn so schnöde in der Cocktailbar sitzen gelassen hatte. Heute Abend wünschte sich Duo wirklich er könnte auf Befehl im Fußboden versinken. "Ähm…" stammelte er unbeholfen.

Doch bevor Heero der Computerkuschler dem etwas hätte entgegnen können, hörte Duo wie jemand im Flur nach ihm rief. Mit einem herzhaften Fluch auf den Lippen blickte er sich panisch in dem Raum um und setzte dann zu einem gekonnten Hechtsprung an, der ihn hinter dem Sofa landen ließ das nur wenige Schritte neben dem Sessel stand.

Heero sagte zum Glück nichts, aber er zog fragend seine Augenbraue hoch.

Duo betete zu allen Göttern von denen er je gehört hatte - inklusive einiger aus irgendwelchen Fantasy Romanen - und flehte, "Sag nicht dass du mich gesehen hast," in Heeros Richtung. Dann kniff er die Augen zu, in der irren Hoffnung dass ihn das vielleicht irgendwie retten würde.

Ein paar Augenblicke später konnte er schon Schritte hören die in den Raum kamen und die Stimme, deren Klang er in nur zweieinhalb Stunden abgrundtief zu hassen gelernt hatte ertönte: "Hast du Duo gesehen?"

"Bitte?" entgegnete Heero kühl aber höflich.

"Einen jungen Mann, heißes Geschoß. Haare bis zum Hintern. Der muss hier irgendwo sein."

"Siehst du außer mir noch jemand hier im Raum?" antwortete Heero.

"Eigentlich nicht," gab Axel, der Date-Alptraum zurück.

Duo kniff die Augen noch fester zu und versuchte seinen Kopf hinter seinen Armen zu verstecken. Doch auch wenn er von dem Sofa verdeckt und mit dem Rücken zu Axel saß, konnte sich Duo die ganze Szene Detailgetreu vorstellen und lief wie ein Film vor seinem inneren Auge ab.

"Dann hast du deine Antwort ja." Heeros Stimme war inzwischen kühl wie ein Eisberg. "Und jetzt wäre ich dir dankbar wenn du die Tür von draußen zumachen und mich nicht mehr beim lesen stören würdest."

Und so unwahrscheinlich es auch war, Axel schien tatsächlich auf Heeros Worte zu hören und aus dem Raum zu gehen. Nachdem die Tür schon einige Momente geschlossen war, erlaubte Duo sich endlich die Augen zu öffnen und über seine Schulter zu Heero zu blicken. "Ist er wirklich weg?" fragte er hoffnungsvoll.

"Ja," erwiderte Heero.

"Puhhhhhh," schiere Erleichterung strömte aus Duo, er hätte am liebsten gejubelt, aber das wäre vielleicht zu laut gewesen und hätte Axel zurückgebracht.

"Was war das denn grad für eine Aktion?" fragte Heero ihn im einem ziemlich ernsten Tonfall.

Und genau dann wurde Duo bewusst wie absolut durchgeknallt das gewirkt haben musste. Meine Güte er war mit einem Hechtsprung hinter einem Sofa gelandet um Axel nicht zu begegnen. Konnte er sich noch mehr der Peinlichkeit preisgeben?

Bei dieser Frage wurden Duo zwei weitere Sachen klar, zum einen dass der ganze Grund wieso er vor Axel geflohen war schon unangenehm genug war, aber dass er die Geschichte jetzt Heero erklären musste. Dem Typen mit dem er das erste katastrophale Date gehabt hatte. Derjenige der ihn für zu betrunken und durchgeknallt gehalten hatte um sich länger mit ihm abzugeben. DAS war jetzt sicher die Krönung dieses ‚Machen wir Duo lächerlich' Abends. Und sicher würde es Heeros Meinung von ihm nur noch verschlimmern. Auch wenn der sicher gedacht hatte dass das nicht möglich ist.

Duo pustete beschämt Haarsträhnen aus seinem Gesicht. "Öhm, das ist eine lange Geschichte," versuchte er auszuweichen.

Heero klappte das Buch das er in der Hand hielt zu. "Macht nichts, ich hab viel Zeit. Und du auch, denn ich glaube dass der Typ der dich sucht den Flur auf und ab geht."

Mit einem weiteren Seufzer gab sich Duo geschlagen. Aber warum auch nicht, sein Selbstbewusstsein war heute sowieso schon auf Urlaub. "Also der Typ, das war Axel. Und er ist mein Date."

Erstaunlicherweise erschien auf Heeros Mund ein kleines Lächeln, eines das durchaus nicht unangenehm war. "Das hab ich mir schon gedacht. Kennst du ihn schon länger?"

"Bist du des Wahnsinns?" brach es aus Duo heraus. "Das war unser erstes - und wie ich betonen möchte - auch unser letztes Date. Wenn ich diesen Typen nie wieder in meinem Leben sehen muss, dann ist das immer noch zu früh.

"Gut," sagte Heero ohne weiter zu erklären was er damit genau meinte. "Und warum bist du auf der Flucht vor deinem Date?"

Duo knirschte mit den Zähnen. "Das ist eine lange Geschichte," wiederholte er.

Heero grinste süffisant. "Und wir haben immer noch viel Zeit."

Duo erkannte wenn er sich in einem Patt befand. Es passte ihm zwar nicht, aber Heero hatte ihm gerade den Arsch gerettet. Er hatte ihn nicht an Axel verpfiffen und das obwohl sie sich beide das letzte Mal nicht unter den besten Bedingungen verabschiedet hatten.

Und so biss Duo buchstäblich die Zähne zusammen und erzählte von seinem Abend mit Axel. Erzählte wie er den anderen im Internetforum getroffen hatten und sie das Date abgemacht hatten. Wie er sich erst gewundert hatte, dass Axel ihn zu einer Party eines Freundes eingeladen hatte. Weil wer brachte sein Blind Date schon auf eine Party. Duo hatte sich zwar gewundert, hatte sich dann aber auch nichts weiter dabei gedacht. Inzwischen war ihm bei Dates schon alles Recht solange es nicht die Fliege an der Wand war.

Aber seine Verwunderung war dann noch größer geworden. Zum einen als ihm während der Fahrt plötzlich bewusst wurde, dass die Fete nicht in der Stadt, sondern in einem knapp 30 Kilometer entfernten Nachbarort sein würde. Aber schlimmer war die Erkenntnis, dass Axel seine Finger nicht bei sich behalten konnte.

"Der Kerl scheint ‚Nein' nicht zu verstehen. In keiner Sprache der Welt. Und glaube mir, ich hab es ausprobiert," echauffierte sich Duo. "Der hat mich die ganze Zeit vor seinen Freunden angegrabscht und blöde Sprüche losgelassen. Und das obwohl ich ihm mehr als deutlich gesagt habe dass ich mit ihm nicht mal in die Kiste springen würde wenn er der letzte Kerl auf der Erde wäre. Ich mein der ist einfach nur widerlich. Und geht völlig an der Realität vorbei." Duo schüttelte sich.

"Und dann?" hakte Heero mit einem besorgten Unterton nach.

"Mir wurde es echt zu bunt. Am Anfang hatte ich ja noch gehofft dass er vor seinen Freunden vielleicht mal nen Gang zurück schaltet. Aber im Gegenteil. Naja und dann hab ich mich grad mit der ‚Toilettenausrede' davon gemacht. Hier soll es irgendwo ein Telefon geben. Ich will meine Freunde anrufen damit die mich abholen. Den Typen tu ich mir keine Sekunde länger an."

"Gute Entscheidung," lobte Heero und warf ihm das Telefon zu.

Zum ersten Mal am heutigen Abend breitete sich ein echtes Lächeln auf Duos Gesicht aus. "Danke Mann," sagte er zu Heero, der sein Buch wieder aufgeschlagen hatte. Dann begann er mit flinken Fingern die Nummer von Quatre zu wählen.

Nur damit er Minuten später seufzend das Telefon wieder in seinen Schoß gleiten ließ. "Verdammt," entfuhr es ihm.

Heero blickte von seinem Buch auf. "Was ist?"

"Ist keiner da," nuschelte Duo.

"Dann versuch es bei jemand anderem."

Duo lachte auf. "Hab ich schon. All meine Freunde scheinen entweder Dienst zu haben, im Kino oder Konzert zu sein, oder mit ihrer Flamme einen romantischen Abend ohne Telefon zu veranstalten." Duo ärgerte sich am meisten darüber, dass er das schon vorher hatte wissen müssen, schließlich war er zu den Konzerten und den Filmen eingeladen worden. Aber nein, er hatte sich ja für dieses vermaledeite Date entscheiden müssen. "Arrrgllll, ich könnte in die Tischkante beißen."

"Tu das nicht, so wie ich Nichlas kenne ist das eine echte Antiquität."

"Was machst du eigentlich hier?" entfuhr es Duo plötzlich. Irgendwie war das interessanter als an seine peinliche Situation zu denken.

"Doro," antwortete Heero, als ob das alles erklären würde.

"Und?" hakte Duo nach.

"Nichlas, das ist übrigens der Gastgeber, ist Doros Cousin. Und sie schleppt mich immer auf seine Partys mit. Sie behauptet, damit ich unter Leute komm."

Duo konnte sich nicht gegen das Lachen wehren dass heraus wollte. "Aha, und deshalb sitzt du dann in der verlassenen Bibliothek."

Heero lachte auch. "So verlassen ist die heute ja gar nicht. Außerdem ist das von Doro glaub ich nur ne faule Ausrede. Sie will mich nur als Fahrer haben. Aber ist ja auch egal, wenn deine Freunde nicht erreichbar sind und du jetzt sofort von der Fete abhauen willst, wieso rufst du dir nicht nen Taxi? Busse und Bahn kannst du leider am Wochenende um diese Zeit knicken."

Duo pustete wieder die Strähnen aus seinem Haar, er befürchtete dass er wieder rot wurde und wollte das irgendwie überspielen. "Ähm, das geht nicht," stammelte er nur.

"Ok, das ist sicher nicht die billigste Lösung aber du solltest es dir doch leisten können, oder?"

"Normalerweise schon," erklärte Duo. Sein Job war vielleicht nicht der best bezahlteste auf der Welt und er würde nie mit Quatre wetteifern können, aber am Hungertuch nagte er trotzdem nicht. "Aber ich hab vorhin in der Eile es Aufbruchs die falsche Jacke mitgenommen. Die in der meine Geldbörse nicht drin ist."

"Autsch!" sagte Heero mit einer erstaunlich mitfühlenden Stimme.

"Autsch trifft das ziemlich gut," stimmte Duo zu.

"Aber hey, ich glaub das wird den Taxifahrer nicht stören. Du sagst ihm halt einfach dass du das Geld aus der Wohnung holen musst wenn ihr ankommt. Und dann gibst du ihm noch nen Fünfer fürs warten."

Das hörte sich durchaus machbar an, wenn da nicht noch nen anderes Problem gewesen wäre. "Was glaubst du wird die Fahrt kosten?" hakte er nach.

Heero zuckte mit den Schultern. "Kann ich dir nicht so genau sagen, aber ich schätze mal 50."

Duo pfiff leise durch die Zähne. "Ganz schön stolzer Betrag."

"Aber immer noch besser, als sich von einem Kotzbrocken betatschen zu lassen."

"Auch wieder wahr. Aber das bedeutet leider, dass dein Plan nicht funktioniert."

"Wieso?" fragte Heero.

"Weil ich noch genau einen Zwanziger und nen bisschen Klimpergeld in meinem Portemonnaie hab."

"Autsch!" wiederholte Heero.

"Wie wahr. Und mal ehrlich, nen Taxifahrer würde vielleicht auf deinen Plan anspringen. Aber wenn ich dann noch mit ihm zum nächsten Automaten fahren muss um von dort Geld zu holen, dann ist wirklich Ende Gelände. Ich glaub dieser Peinlichkeit setz ich mich echt nicht aus."

Duo rutschte noch tiefer die Sofalehne hinab. Das im Boden versinken erschien ihm immer erstrebenswerter. "Oh Gott, du musst mich für den absoluten Loser halten," brach es aus ihm hervor. Erst war er bei ihrem Date besoffen und jetzt war er diese Damsel in Distress. Duo war sich nicht bewusst, sich jemals schon mal so peinlich berührt gefühlt zu haben.

"Wirklich nicht," entgegnete Heero.

"Was?" Duo war vollkommen überrascht. "Du hältst mich nicht für ne durchgeknallte Drama Queen die die Probleme nur so anzieht?"

"Nein," Heero schüttelte den Kopf. "Du hast einfach nur Pech gehabt. Bist beim Date an ein Arschloch geraten. Was jedem von uns schon mal passiert ist. Das mit dem Geld ist dann nur ausgesprochenes Pech. Und wenn die Fete in der Stadt gewesen wäre, hätte es dich noch nicht mal gestört. Dann wärst du einfach zu Fuß gegangen und hättest diesem Axel den Stinkefinger gezeigt."

"Wenn das nicht 30 Kilometer wären könnte würde es mich vielleicht auch jetzt reizen einfach wegzugehen. Hmmm, ob Nichlas wohl nen Fahrrad verleihen würde?"

Heero lachte. "Ich glaub nicht dass er so was besitzt. Aber hey warum so kompliziert? Ich kann dir das Geld auch einfach leihen."

Duo ertappte sich dabei wie er das nette Angebot fast angenommen hätte. Immerhin würde das sein Problem sofort beheben. Aber, "Nimm es mir nicht übel Heero, aber dabei hätte ich kein gutes Gefühl."

"Wieso nicht?" Heero wirkte ehrlich erstaunt.

"Hey unser erstes Treffen war eine Katastrophe. Ich war betrunken und hab dich so angenervt dass du mich mitten im Date hast sitzen lassen. Und jetzt soll ich mir von dir 50 Taken ausleihen? Das ist viel Geld, da komm ich mir irgendwie blöde vor."

"Ich vertrau dir voll und ganz dass du es mir zurückzahlst."

"Hey darum geht es nicht. Ich komm mir nur selbst so blöd vor. Erst benehm ich mich bei unserem Date völlig daneben und jetzt sollst du mir helfen? Du scheinst nen netter Kerl zu sein, und ich bin die wandelnde Katastrophe die hinter einem Sofa hockt um sich vor seinem neuen Date zu verstecken. Ich weiß, ich mach wahrscheinlich keinen Sinn, aber irgendwie ist das hier meine Suppe und ich muss die allein auslöffeln."

"Und wie? Indem du hinter dem Sofa den Staub von 5 Generationen mit deiner Hose aufwischt?" hakte Heero besorgt nach.

Duo musste unwillkürlich lachen. "Wenn es sein muss auch so. Ich werd mich hier jetzt noch ein wenig verstecken und dann mit Axel nach Hause fahren. Und wenn er seine Finger nicht bei sich behalten kann, dann wird er lernen wie schmerzhaft ein gebrochener Knochen sein kann," entschlossen schob er das Kinn vor und versuchte sich selbst Mut zuzusprechen.

Genau in dem Moment öffnete sich die Tür wieder und in einem blitzartigen Reflex duckte sich Duo noch tiefer.

"Bist du wirklich sicher, dass du Duo nicht gesehen hast?" ertönte die knarzende Stimme von Axel.

"So sicher wie das Amen in der Kirche," entgegnete Heero mit einem unverholendem Abscheu in der Stimme.

"Aber ich hab grad ein paar Leute hier sprechen hören," widersprach Axel.

Duo kniff wieder die Augen zu.

"Das kommt daher, dass ich das Buch laut lese und verschiedene Stimmen für die verschiedenen Personen benutze." Eines musste Duo zugeben, Heero war verdammt schlagfertig. Er hätte sich fast amüsieren können, wenn die ganze Lage nicht so ernst gewesen wäre.

"Wieso?" hakte Axel nach. Er klang dabei ziemlich lallend, so als wenn er dem Alkohol kräftig zugesprochen hätte.

"Ich bin Synchronsprecher und muss für meinen nächsten Auftritt üben." Heero schien nicht mal mit der Wimper zu zucken und diese schlagfertigen Antworten nur so aus dem Ärmel zu schütteln.

"Ok," gab sich Axel endlich geschlagen. "Aber hey, wenn hier nachher so ein heißer Typ, geilem Arsch und langen Haaren vorbei kommt, dann richte Duo aus, dass ich mit Nichlas gesprochen hab. Wir können eines der Gästezimmer kriegen und dann werde ich ihn mal so richtig durchrammeln. Darauf stehen diese Freaks ja," erklärte er mit schmierigem Unterton.

Duo überkam allein schon bei dem Gedanken daran eine Gänsehaut. Er würde garantiert nicht mit DEM Typen in einem Zimmer schlafen. Dann überlegte er wie schlimm wohl ein 30 Kilometer Fußmarsch sein könnte.

Als die Tür endlich wieder ins Schloss fiel und Duo sich wieder traute zu atmen, sprach Heero entschlossen auf, "So das reicht. Ich werde garantiert nicht zulassen, dass du auch nur in die Nähe dieses Neandertalers kommst. Du wirst weder mit ihm nach Hause fahren, noch mit ihm im Gästezimmer schlafen. Du fährst mit mir und Doro. Und damit basta."

Duo hätte aufschreien können vor Erleichterung. Im Moment erschien ihm Heero wie ein Retter auf einem strahlenden Ross. Der andere war zwar immer noch ein Computerkuschler, aber in diesem Augenblick hätte Duo ihm vor Dankbarkeit um den Hals fallen können.