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Geld oder Liebe - Teil 6 bis 7

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Frank erging es nicht anders und ein paar Stunden kam er auch nicht dazu, darüber nachzudenken, was und warum es passiert war, denn die Patienten mussten versorgt werden und Reiner war zwar immer in seiner Nähe, aber sie schafften es nicht, ein paar private Worte zu wechseln. Gerade wollte er zu ihm rüber gehen, weil ein paar Minuten Luft war, da kam eine Schwester zu ihm und holte ihn zu einem Patienten, so dass er Reiner nur einen sehnsüchtigen Blick zuwerfen konnte.

So entlockte er dem Mann ein sanftes Grinsen. Ja, er konnte Frank sehr gut verstehen. Jetzt, wo die Anspannung nachließ und der Adrenalinspiegel wieder sank, gelang es den Gedanken, wieder in den Vordergrund zu drängen und mehr denn je hatte er den unbändigen Drang danach, sich mit Frank zu unterhalten und herauszubekommen, warum das passiert war.

„Nicht dass es mich gestört hätte“, lachte er dabei leise und nahm sich einen Kaffee, auch wenn er nur noch lauwarm war. Er musste sich jetzt irgendwie ablenken, sonst zerfraßen ihn die Gedanken an Frank - seine Zunge, seinen Bauch, seine Finger - noch das Hirn.

Immer wieder blickte Frank auf die Uhr und hoffte, dass nicht noch ein Notfall hereinkam. Er hatte in einer halben Stunde Feierabend und in den letzten Stunden hatte sich keine Gelegenheit ergeben, mit Reiner mal kurz alleine zu sein, so dass sie sich unterhalten konnten, geschweige denn, andere Dinge zu tun. Unwillkürlich musste er grinsen und eigentlich hatte er es aufgegeben, ergründen zu wollen, warum alles passiert war. Es war so und gut. Das Warum war nicht wichtig, wenn sie beide es wollten. Mory kam gerade um eine Ecke und Frank winkte ihm zu. „Alles klar bei dir?“, fragte er ihn, denn auch sein Freund sah etwas gestresst aus.

„Äh?“ Mory sah von seinem Bogen Papier auf, in dem er gerade gelesen hatte und sah sich suchend um, woher die Stimme wohl gekommen war. Da sah er Frank. „Ja, alles klar!“, erzählte er. Er hätte es wohl auch gesagt, wenn es nicht so gewesen wäre. Er wollte schon weiter laufen, weil er noch einen Termin im Labor hatte, doch als er Frank so in sich hinein grinsen sah, konnte er auch nicht anders. „Bei dir auch?“, wollte er wissen und strich sich eine Strähne aus dem Gesicht.

„Keine Ahnung. Ich denke schon, aber genaues kann ich dir erst morgen sagen.“ Frank grinste ein wenig schief, denn er kannte Mory und wusste, dass er mit dieser Antwort nur dessen Neugier geweckt hatte. „Kennst du das, wenn plötzlich etwas passiert und du weißt nicht, was du davon halten sollst? Es ist einfach phantastisch, aber gleichzeitig macht es dir Angst und verwirrt dich?“, erklärte er darum noch und wusste, als er die Worte ausgesprochen hatte, dass er Mory damit nur noch neugieriger machte.

Vergessen waren das Labor und die Blutwerte, die er gegen checken wollte. Er schob Frank an die Wand in seinem Rücken zurück und sah ihn eindringlich an. „Du hast einen aufgerissen - irgendwann zwischen heute morgen und jetzt“, fasste er zusammen, denn vor der Not-OP an dem Motorradfahrer hatte Frank ja noch gesagt, keiner würde Mory die Nase verbeulen, wenn er ihm unanständige Angebote machen würde. Jetzt stand er da und schien verwirrt, weil etwas passiert war, mit dem er nicht gerechnet hatte. „Ist er von unserer Abteilung? Was ist passiert, los raus damit! Ich hab nicht viel Zeit.“ Mory grinste.

Aber Frank schüttelte nur den Kopf und ließ sich dann gegen die Wand fallen. Seine Augen waren geschlossen und er grinste schief. „Nicht böse sein, Mory, aber heute kann ich dir da wirklich noch nichts zu sagen. Da gibt es noch so viele offene Fragen, die erst geklärt werden müssen.“ Er öffnete seine Augen wieder und sah seinen Freund an. Gerade war ihm aufgefallen, dass es nicht nur etwas zwischen Reiner und ihm war – wenn da überhaupt etwas war, sondern dass auch Mory darin verwickelt war. Reiner musste sie beurteilen, aber konnte er das noch? Das war eine verzwickte Situation und die mussten sie erst einmal besprechen. „Du wirst aber der erste sein, der etwas erfährt. Versprochen.“

„Hm.“ Man sah Mory deutlich an, dass er mit der Antwort nicht zufrieden war und dass sein Hirn anfing auf Hochtouren zu laufen. „Aber wehe, ich erfahre es nach allen anderen, was immer es auch ist!“, sagte er, grinste aber. Irgendwie war er sich sicher, dass er der erste und auch der einzige sein würde, denn es wusste keiner weiter, dass Frank auf Männer stand und so sollte das auch bleiben.

„Ich muss, hast Glück, dass ich keine Zeit habe, weiter zu nerven.“ Er knuffte Frank und war dann auch schon wieder weg.

„Nein, du wirst der erste sein.“ Frank sah Mory hinterher, aber er blieb noch an die Wand gelehnt stehen. Das war eine verwickelte Situation. Warum jetzt? Warum musste das ausgerechnet jetzt passieren? Aber er konnte nicht leugnen, dass er so ein Kribbeln schon lange nicht mehr gespürt hatte und dass dieser Kuss einfach wunderschön gewesen war. So kam er nicht weiter, darum stieß er sich von der Wand ab und ging zu den Umkleideräumen und ein Lächeln schlich sich wieder auf seine Züge, denn bald würde er Reiner wieder sehen und sie konnten ungestört ein wenig Zeit verbringen.

Allerdings hetzte Reiner gerade von oben nach unten und von unten nach oben, weil er noch ein paar Protokolle zustellen wollte. Er hätte das auch mit der Hauspost machen können, aber so war er beschäftigt und kam nicht in die Versuchung, Frank zu suchen, nur um ihn zu sehen. Er kam sich sowieso schon so albern vor. Doch als auch das letzte Protokoll zugestellt war und seine Arbeitszeit beendet und er keine Kostenvoranschläge zu prüfen oder Podien vorzubereiten hatte, konnte er einfach mal Schluss machen. Die Sonne stand noch über dem Horizont und er hatte nichts mehr zu tun. Ein seltenes Ereignis und daran musste er sich erst mal gewöhnen. Mit seiner Tasche über der Schulter ging er also, um sich umzuziehen.

Frank griff gerade nach seinem Shirt, als die Tür aufging und Reiner in den Raum trat. Die ganze Zeit hatte er sich gewünscht, dass dies passieren würde, aber nun verharrte er nur mitten in der Bewegung und sah ihn an. „Reiner“, sagte er leise und ließ seine Hand sinken. Nicht weiter darauf achtend, dass er kein Oberteil trug, ging er auf seinen Chefarzt zu und blieb kurz vor ihm stehen. „Weißt du noch, wo ich weitermachen wollte?“, fragte er rau und lehnte eine Hand an die Tür, damit nicht jemand unbemerkt in den Raum kommen konnte.

„Also“, stammelte sein Chef, es wollte so gar nicht zu ihm passen. Doch schnell hatte er sich gefangen, sondierte die Situation und grinste. „Nein, ich habe keinen Schimmer, diese ganze nackte Haut verwirrt mich total. Ich will sie immer nur anfassen“, erklärte er leise, aber mit dem Unterton, der Frank klar machte, dass sie wohl beide das gleiche Ziel hatten. Schwer lehnte er sich also gegen die Tür in seinem Rücken, um zu verhindern, dass sie von außen geöffnet wurde und legte seine Hände auf Franks nackte Seiten. Die Wärme, die er spürte, war atemberaubend. So zog er den jungen Mann schnell dichter zu sich.

„Tz… wie wird man eigentlich Chefarzt, wenn man so vergesslich ist?“, fragte Frank leise lachend, aber ließ sich ziehen. „Ich denke, einmal werde ich dir noch auf die Sprünge helfen, aber dann solltest du es wirklich wissen.“ Die Finger, die über seine Haut strichen, waren angenehm und sorgten dafür, dass sich eine Gänsehaut auf seinem Rücken bildete. Es war einfach nur Wahnsinn, was hier passierte. Langsam beugte er sich vor und erst einmal nippten seine Lippen federleicht über das andere Paar und zogen sich immer wieder zurück, wenn Reiner ihm entgegen kam. „Und, fällt es dir langsam wieder ein?“, schnurrte er leise und ließ sich gegen Reiner sinken.

„Ja, irgendwie war da mal was...“, lachte Reiner, seine Fingerspitzen aber strichen weiter über die warme Haut. Wie lange war das her, dass er einem anderen Mann so nah gewesen war? Dass er ihn so berührt hatte und dass er sich selber dabei so unbeschreiblich gefühlt hatte?

„Aber deine nackte Haut lenkt mich immer noch ab. Ich würde mich zu gern damit beschäftigen“, lachte er leise. Aber weil sich Frank ihm immer noch entzog, legte er eine seiner Hände wieder, wie vorhin auch, in Franks Nacken und hielt ihn fest, damit er endlich wieder die weichen Lippen spüren konnte und die freche Zunge, die sich seiner schon wieder entziehen wollte. Es machte ihn rasend.

„Dann geh ich mal eben und zieh mir was an. Das geht doch nicht, dass so ein bisschen freie Haut den besten Chirurgen, den ich kenne, verwirrt.“ Frank grinste frech und stemmte sich von Reiner weg. Mal sehen, was der dazu sagte. Frank wusste nicht genau warum, aber er war in Spiellaune und jetzt wo Reiner bei ihm war, war es ihm vollkommen egal, dass er sein Chef war. Er wollte einfach nur, dass der Ältere verrückt nach ihm wurde.

„Lass das!“, rief Reiner, ohne darüber nachzudenken und hatte Frank schon nachgesetzt. Er umfing ihn um die Hüfte und schob ihm mit seinem Schwung gegen einen der Spinde. „Tschuldige“, nuschelte Reiner reumütig, als er den blechernen Aufschlag hörte und grinste Frank frech an. „Ich war lange nicht mehr so schön durcheinander, nimm mir das nicht weg, bitte.“ Er flüsterte nur noch, als er sich langsam über Franks Hals küsste. Seine Zunge leckte begierig die Spuren des Tages auf und ließ sich an seinen Sinnen kitzeln. Er bekam einfach nicht genug davon.

Seine Hände strichen wieder die nackten Seiten entlang, doch plötzlich war der Stoff des Bundes viel interessanter, denn er verbarg, was Reiner lockte.

„Hmm“, machte Frank nur und schloss die Augen. Wieder überzog Gänsehaut seinen Oberkörper, aber nicht mehr nur ein wenig, sondern ganzflächig. Seine Hände legten sich auf Reiners Schultern. „Wie sollte ich dir diesen Wunsch abschlagen können“, wisperte er leise und langsam fuhren seine Hände über Reiners Rücken und es gefiel ihm immer weniger, dass er nicht selber die warme Haut spüren konnte, darum fing er an zu zupfen, aber seine Hände verharrten, als er Stimmen vor der Tür hörte. „Mory… vor der Tür“, wisperte er alarmiert und schob Reiner vorsichtig von sich weg.

Der begriff sofort, auch wenn es schade war, den kräftigen, warmen Körper gehen lassen zu müssen. Er strich sich verlegen durch die Haare und ging zu seinem Spind hinter. Keine Sekunde zu früh, denn gerade ging die Tür auf.

„Mory, ich habe Karten fürs Kino. Meine Freundin hat keine Lust. Ich lad dich ein!“, hörte man nun eine weibliche Stimme, während Mory sich durch die Tür schob und nur dankend ablehnte, erklärte, dass er verhindert wäre und dann hilfesuchend auf Frank blickte, der gerade halb nackt durch die Gegend sprang.

„Sabine, er hat was anderes vor, dass sich nicht verschieben lässt und jetzt verschwinde, das hier ist die Männerumkleide“, rief er auch gleich laut und kicherte, als er vor der sich schließenden Tür Gemecker hörte. „Ein hoffnungsloser Fall“, seufzte er und schüttelte den Kopf. Er nahm sich sein Hemd, zog es endlich über und seufzte leise, weil sich Reiners Hände auf seiner Haut viel besser angefühlt hatten. Immer wieder schielte er zu ihm rüber und grinste dümmlich vor sich hin.

Mory musterte ihn dabei genau, doch dann schüttelte er den Kopf. Wer wusste schon, worüber die beiden sich gerade amüsierten. „Hält Bäumchen sie ihnen ein bisschen vom Leib?“, fragte Reiner und steckte sich gerade das Hemd in die Hose, krempelte sich dann die Ärmel etwas auf, weil es noch immer warm war. Seine weißen Krankenhauskleider landeten im Spind am Haken.

„Oh ja, sie ist ein Goldstück!“, sagte Mory, vergessen war die Frage, die auf der Zunge lag und so begann er zu schwärmen, wie sehr er es genossen hatte, dass die Ladys schon vor der Tür abgeblockt wurden und er müsste sich auch so ein Bäumchen zulegen. „Sie können sie später nicht zufällig entbehren?“

Reiner lachte nur. „Keine Chance, Chef.“

„Vielleicht hat sie ja Ableger gezüchtet, die sie weitergibt, in gute Hände, also stell dich gut mit ihr.“ Frank konnte nicht anders, er musste Mory ein wenig ärgern, allein schon, um sich davon abzuhalten, immer zu Reiner rüber zu sehen, der bis gerade eben auch mit freiem Oberkörper vor seinem Spind gestanden hatte. „Sollen wir solange hier bleiben, bis du fertig bist und dich dann in unsere Mitte nehmen? Wir eskortieren dich auch bis zum Auto, wenn du lieb bitte sagst.“

Mory hob eine Braue, als er sich den Kittel von den Schultern streifte. „Frank, du kleiner, fieser Rückenfaller. Ich werde gerade das Gefühl nicht los, als hättest du sichtlich deine Freude daran, mich zu quälen. Ich werde mir das merken und dich die ganze Woche für die Bettpfannen einteilen, so!“ Er öffnete die Schranktür und brachte sie zwischen sich und Frank und grinste. Ihre Neckereien fehlten ihm irgendwie. Er musste sie nachholen.

„Das hat man davon, wenn man einem vermeintlichen Freund einen Gefallen tun will. Cherry wäre bestimmt sehr entzückt, wenn sie von meinem selbstlosen Einsatz, für deine Unberührtheit wüsste.“ Frank schnaubte empört und grinste von Mory ungesehen zu Reiner. „Nie wieder werde ich dich vor dem aufdringlichen Mob beschützen, wenn du es mir so dankst.“

„Das wird auch nicht nötig sein, weil ich bald ein eigenes Büro mit eigenem Bäumchen habe, so!“, legte Mory fest und zog sich die weißen Klamotten aus. „Außerdem werde ich Cherry auch erzählen, wie du dich über mich lustig machst und dich in meinem Elend suhlst.“

Reiner stand nur an seinem Spind und grinste. Die beiden Freunde auseinander zu reißen, sie auf verschiedenen Stationen zu wissen, war eigentlich traurig. Die harmonierten irgendwie. Doch er durfte sich von seinem Drang, Frank nahe zu sein, nicht leiten lassen. Er musste objektiv bleiben, auch wenn es noch schwerer geworden war mit diesem Tag.

„Das wird sich noch zeigen, Mr. Perfect.“ Frank lachte, denn er stellte sich vor, wie Mory sich von Cherry trösten ließ, weil sein Kollege gemein zu ihm gewesen war. „Na dann, ist es ja wohl nicht schlimm, wenn Reiner und ich jetzt gehen. Ich habe nämlich großen Hunger und mein neuer Kollege geht mit mir in ein indisches Restaurant. Du weißt, dass ich da nicht widerstehen kann.“

Mory schob seine Schranktür langsam zu und hob wieder eine Braue. „Ihr duzt euch, ihr geht zum Inder? Noch etwas, was ich wissen sollte!“, fragte er frech und zwinkerte, ohne auch nur zu ahnen, wie nah er der Wahrheit eigentlich kam. Reiner schluckte und wandte sich ab, tat, als hätte er nichts gehört, weil er gerade geschäftig in seinem Spind wühlte und etwas suchte, ohne das er wohl kaum überleben konnte. Zumindest ließ sein hektisches Kramen darauf schließen.

„Nö“, sagte Frank nur und schaffte es, dabei auch völlig aufrichtig zu wirken. „Und das mit dem Duzen. Wenn du nur ein wenig mehr Zeit mit uns verbracht hättest, würdest du das wohl auch tun. Aber nein, du hast dich ja wie ein Mädchen in deinem Büro hinter Bäumchen verschanzt.“ Er streckte seinem Freund die Zunge raus, denn es passierte wirklich selten, dass der Halbasiate wirklich sprachlos war.

Vor allen Dingen für länger als eine Minute. Mory legte den Kopf schief, sah Frank an und versuchte zu verstehen. So lange bis der Groschen gefallen war und er unvermittelt die Schranktür aufriss, aus seinem Spind ein Handtuch suchte und es nach dieser treulosen Tomate, die sich Freund nannte, warf. „Du... du!“, ihm fehlten ja die Worte für so viel Unverschämtheit!

Reiner konnte nicht anders, er musste in sich hinein kichern, als er sah, wie die beiden Ärzte doch allen erstes anfingen zu raufen wie zwei Schuljungen.

Lachend nahm sich Frank das Handtuch und hielt Mory damit auf Abstand, der versuchte, an ihn ran zu kommen. „Mädchen, Mädchen“, stichelte er und ließ das Handtuch kreisen. „Wunderschön, aber ein Mädchen.“ Noch immer lachend wich Frank seinem Freund aus, aber langsam wurde er zurückgedrängt, darum suchte er hinter Reiner Schutz.

„Na? Wer ist jetzt das Mädchen, hm?“, fragte Mory und versuchte um Reiner herum an den falschen Freund heranzukommen. So saß Reiner nun in einer Zwickmühle. Am liebsten hätte er Frank sofort an sich gerissen und ihn - wie der strahlende Ritter in seiner goldenen Rüstung - vor dem Angreifer beschützt, doch dann hätte er sich zwischen sie gestellt und einem von beiden den Vorzug gegeben. Es reichte doch schon, dass sein Herz einen von beiden bevorzugte, sein Körper sowieso, da durfte dies nicht auch noch sein Kopf tun. Also blieb er, wie ein Tierforscher in einem Rudel tobender Junglöwen, ganz steif stehen, machte die Augen zu und hoffte, es würde schnell vorbei gehen und er könnte Frank später, wenn sie allein waren, mit einem zarten Kuss davon überzeugen, dass er jetzt nicht anders handeln konnte.

„Außerdem bist du doch hier das Mädchen!“, sagte Mory plötzlich, „schließlich ist mein Schwanz viel länger als deiner. Das hast du doch selber gesehen“

Reiner konnte nicht anders, er riss die Augen auf und der Mund klappte runter.

„Wie bitte?“ Frank war so aus dem Konzept gebracht, dass er einfach stehen blieb und Mory ihn in den Schwitzkasten nehmen konnte. „Das ist ja mal wohl eine fiese Verleumdung!“ Frank wurde ja nicht mehr und so wehrte er sich nicht, sondern funkelte Mory an.

„Erstens habe ich deinen Schwanz nie gesehen. Hätte ich gerne, gebe ich zu, aber es ist nie passiert. Und zweitens glaub ich gar nicht, dass er größer ist. Das musst du schon beweisen. Wir haben sogar 'nen Schiedsrichter hier. Also los. Wer so was behauptet, muss Beweise liefern.“

Reiner merkte gar nicht, wie ihm erst das Blut in den Kopf schoss, dann wurde er blass. Doch keiner bemerkte es, weil Mory nun lachte und Frank immer wieder sagte, er würde sich gerade sein eigenes Grab schaufeln, er würde sich da auf einen Wettkampf einlassen, den er nicht gewinnen konnte.

Reiner hingegen hatte gerade das Gefühl, in etwas hinein gezogen zu werden, was er nicht überleben konnte. Frank wollte... er wollte... seine Hose... seinen... Reiner schüttelte den Kopf. Das war doch jetzt alles nicht wahr. Seine Augen wurden immer größer, als Mory, von seinem Job als Model gewohnt, dass man ihn beobachtete, sich gerade die Hose aufknöpfte und dabei war, sie über die Hüften zu ziehen. „Na los, du Feigling! Pack auf den Tisch, was du hast, Mädchen.“

Reiner wusste gar nicht, was er sagen sollte. Seine Taktik, einfach still zu halten, bis alles vorbei war, ging irgendwie nicht auf, denn sein Körper reagierte allein auf die Vorstellung, Frank könnte seine Hose auch öffnen.

„Hah… du glaubst wohl, ich habe Angst. Ich brauche mich für nix zu schämen. Ganz im Gegensatz zu einem gewissen Halbasiaten. Das sagt doch alles“, stichelte Frank weiter und seine Hände öffneten den ersten Hosenknopf. Er wusste, was er zu bieten hatte und dass es nur wenige gab, die an ihn herankamen, denn Mutter Natur hatte ihn mehr als ausreichend bedacht.

„Mach dich schon mal bereit, vor Neid zu erblassen.“ Wieder wurde ein Knopf geöffnet und man konnte sehen, dass Frank unter seiner Lederhose keine Unterwäsche trug.

Mory grinste vor sich hin, zog auch seine Knöpfe auf, denn er scheute den Vergleich nicht. Reiner, der nun - lebensmüde wie er war - doch einen kurzen Blick erhascht hatte, lief es heiß den Rücken runter und direkt in die Lendengegend. Er zuckte hoch und atmete noch einmal tief durch und erhob dann seine Stimme, um das Schlimmste - oder das Peinlichste - zu verhindern. „Jungs, keinen Schweinskram, sonst geht’s rüber zu Bingler und ich sorge dafür, dass beide gleich lang werden, klar?“ Bingler war der praktizierende, kosmetische Chirurg und es wäre nicht der erste Penis, den er bearbeiten würde. Um seiner Drohung Nachdruck zu verleihen, sah Reiner beide junge Männer harsch an, sein Chefblick eben.

„So viel kann man sein kleines Würstchen aber gar nicht strecken, auch wenn Bingler eine Koryphäe auf seinem Gebiet ist“, schnaubte Frank, zuckte dann aber doch unter Reiners Blick zusammen. „Er hat angefangen“, giggelte er und zeigte auf Mory, aber es wurde ihm klar, in welcher Situation er gerade war und knöpfte seine Hose wieder zu. „Klein Mory hat noch einmal Glück, aber das heißt nicht, dass ich den Beweis nicht noch einfordern werde.“

Doch nun fühlte Reiner Oberwasser und grinste Frank frech an, während er Mory den Rücken stärkte. „Nein, ich dachte nicht daran, etwas zu verlängert. Der Längere wird einfach aufs Standardmaß gekürzt, das geht schneller und Ruhe ist“, erklärte er und lachte dabei frech. Nicht dass er es je zulassen würde, dass an einem wohl geformten Penis herumgeschnippelt würde, noch weniger, wenn er Frank gehörte, aber ihn zu ärgern machte irgendwie auch Spaß.

„Das ist unfair. Meiner wird gekürzt und Frank sein kurzes Würmchen bleibt unbehelligt.“, maulte nun Mory, grinste Frank aber immer noch herausfordernd an. Er wusste, wie albern das war, was sie hier taten und dass er gerade fast sein bestes Stück vor seinem Chef ausgebreitet hätte, doch irgendwie hatte Reiner seinen Schrecken verloren - warum auch immer.

„Davon träumst du aber auch nur.“ Frank funkelte Mory an und wandte sich dann an Reiner. „Wir beide sprechen noch darüber, dass du mich verstümmeln willst. Dafür wirst du das Essen bezahlen… nein, Mist… das machst du ja sowieso.“ Etwas aus dem Konzept gebracht blinzelte Frank und brach dann in Lachen aus. „Wir sind echt bescheuert, weißt du das? Wenn das irgendjemand mitbekommen hat, kriegt keiner von uns den Job, weil sie uns in die Geschlossene einweisen.“ Sich die Lachtränen aus den Augen wischend ließ er sich auf eine der Bänke sinken und schüttelte den Kopf.

Reiner konnte ihm da nur zustimmen. Wie gern hätte er Frank gesagt, dass er nie im Leben auch nur Hand an seine Länge legen würde, je mehr je besser, er war da ziemlich pragmatisch, doch er schwieg. Morys Gegenwart war einfach nicht die geeignete Kulisse für diese Worte.

„Und ehe noch jemand kommt, sollten wir die Gunst der Stunde nutzen und das Feld räumen, auch wenn so wohl nie geklärt wird, wer hier Wurmkönig ist und wer nicht“, sagte er entschlossen und griff seine Tasche aus dem Schrank, war zum Gehen bereit.

„Wurmkönig?“, kam es empört aus zwei Kehlen und Reiner machte, dass er aus dem Raum kam. Nicht, dass die ganze Diskussion wieder von vorn anfing.

„Das ist ja wohl…“, grummelte Frank, konnte sich aber ein Grinsen nicht verkneifen. So ein frecher Kerl und damit genau nach seinem Geschmack. Nie hätte er vermutet, dass Reiner so sein würde, denn dann wäre er ihm bestimmt schon eher aufgefallen. „Na warte, da reden wir noch drüber“, rief er ihm hinterher und grinste dann Mory an.

„Wirst wohl dein Essen alleine bezahlen müssen, hm?“, lachte der Halbasiat und strich sich eine der blonden Strähnen zurück. Weil er keine Lust hatte, allein zu gehen und wieder einer Schar Schwestern in die Arme zu laufen, schloss auch er den Spind, raffte sein Zeug und warf es in die Tasche, während er Frank folgte. „Hätte nicht gedacht, dass der so drauf sein kann.“ Eigentlich war es fast schade, die Abteilung verlassen zu wollen, jetzt, wo ihr Chef langsam etwas auftaute, weil er hinter seiner Mauer aus Akten endlich einmal vorkam.

„Ich auch nicht und ich werde mein Essen nicht selber bezahlen. Ich werde sogar darauf bestehen, dass er die Getränke auch noch übernimmt, so als kleine Wiedergutmachung für diese bösen Verleumdungen.“ Frank klopfte Mory lachend auf die Schulter. „Na komm, bringen wir dich heile bis zum Auto und morgen kannst du uns wieder durch die Gegend scheuchen.“ Er öffnete die Tür und als er Reiner davor stehen sah, musste er lächeln.

So kam Mory nicht dazu, seine Vermutung, Franks gute Laune hätte vielleicht was mit seinem neuen Kollegen zu tun, laut kund zu tun. Reiner hingegen grinste nur. „Na, sind die Wurmkönige fertig? Hab ich noch Schlüsselszenen verpasst, als ich den Laden verlassen habe?“, wollte er wissen und stieß sich mit einer eleganten Bewegung von der Wand ab, an der er gelehnt hatte. Wieder lag sein Blick auf Frank. In normalen Klamotten sah er noch besser aus als in dem sterilen Weiß und selbst da hatte Reiner ihm schon kaum widerstehen können. Wie sollte der Abend nur enden? Darüber hatte er sich eigentlich noch gar keine Gedanken gemacht. Hatten sie das gleiche Ziel?

„Nein, nix verpasst. Wir hatten ja keinen Schiedsrichter mehr“, erklärte Frank feixend. „Das hätte nix gebracht, weil wir uns eh nicht hätten einigen können. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.“ Frank stieß Mory mit dem Ellenbogen in die Rippen und kicherte. Zu dritt gingen sie den Korridor zum Ausgang entlang und ihr Plan schien aufzugehen, denn keine der Schwestern, die ihnen entgegen kamen, traute sich, Mory anzusprechen. Was vielleicht auch an Reiners abweisendem Blick lag, den er in vielen Jahren seines Lebens geradezu perfektioniert hatte. Endlich auf dem großen Parkplatz angekommen, blieb Reiner vor seinem Wagen stehen - sein privater Parkplatz war so ziemlich das einzige Privileg, was er nicht an Mory abgetreten hatte, denn sein schwarzer Volvo war so ziemlich sein Ein und Alles. Den wollte er wohl behütet bei sich wissen. „Nehmen wir meinen Wa... fährst du selber?“, korrigierte sich Reiner. Wer wusste schon, was Mory in seine Worte interpretierte, er sah sie sowieso schon so forschend an.

„Nee, ich komm selten mit dem Auto zur Arbeit, wenn wir deinen nehmen könnten, wäre das prima. Mein Fahrrad lass ich einfach hier stehen, das klaut schon keiner.“ Frank machte sich da keine Gedanken. Er wohnte nicht allzu weit von der Klinik und zur Not konnte er auch laufen. Aber vielleicht brauchte er das gar nicht, denn er hatte die Hoffnung, dass ein gewisser Herr mit einem schwarzen Volvo morgen früh da sein würde und mit ihm zusammen zur Arbeit fuhr.

„So, ab zu deinem Vater. Wir sehen uns morgen“, verabschiedete er Mory und stellt sich an die Beifahrertür, damit sie losfahren konnten.

Mory besah sich die beiden noch einmal. Das Grinsen war von seinen Lippen gewichen und machte einem irgendwie wissenden Ausdruck platz. Irgendwas stimmte da nicht und er würde verdammt sein wollen, wenn die Zwei nicht etwas vor ihm verheimlichten. Doch er sagte nichts. Frank hatte versprochen, morgen mit ihm darüber zu reden - das musste ihm genügen, auch wenn es nicht leicht war. „Macht's gut“, sagte er noch und wandte sich ab, bemerkte erst hinterher, dass man das durchaus auch anders verstehen konnte und grinste. Gab es da etwa noch mehr, was man über Reiner nicht wusste?

Etwas irritiert sah Reiner ihm nach.




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„Was ist?“, fragte Frank leise, aber dann ging ihm ein Licht auf, was Reiner beschäftigte. „Wir sollten reden. Vielleicht wäre es besser, wenn wir Kino und Restaurant sein lassen und zu mir fahren. Wir bestellen uns etwas zu essen und besprechen, was werden soll.“ Er milderte seine Worte aber mit einem liebevollen Lächeln ab. „Weißt du, Reiner, unser Timing hätte wahrscheinlich nicht schlechter sein können, aber das heißt nicht, dass ich deswegen einen Rückzieher mache. Nur, wir sollten uns überlegen, wie wir das angehen.“

„Hm“, machte Reiner nur, als er sich in den Wagen schwang. „Vielleicht hast du Recht.“ Irgendwie schmeckte ihm gar nicht, was ihm jetzt bevor stand, doch er wusste so gut wie Frank, dass es unumgänglich war. Sie mussten reden und vor allen Dingen mussten sie Mory zumindest die Angst nehmen, Frank würde sich mit seiner Neigung einen Vorteil verschaffen wollen. „Wie wäre es, ich bestelle jetzt telefonisch was beim Inder, sie machen es außer Haus fertig und wir nehmen es mit, hm?“ Denn ganz wollte er auf das Essen, auf das sich Frank so gefreut hatte, nicht verzichten.

„Hmm… das wäre wirklich toll.“ Frank setzte sich neben Reiner und seine Hand legte sich auf dessen Oberschenkel. Sanft strichen seine Finger über den rauen Stoff und er lächelte. „Schon verrückt, was heute alles passiert ist, aber ich möchte nicht eine Minute davon missen.“ Er wollte nicht, dass Reiner den Eindruck bekam, dass er etwas bereute. „Vor allen Dingen möchte ich noch jede Menge solcher Minuten haben, allerdings ohne Störungen.“

„Da wäre mein abgeschiedenes Büro mit einem wachenden Bäumchen wohl geeigneter gewesen, hm?“, lachte Reiner leise. Er sah Mory nach, wie er in seinen schwarzen Sportwagen stieg und sich dann vom Parkplatz machte. Irgendwie bekam Reiner ein schlechtes Gewissen. Seine Hand aber legte sich auf die von Frank und er grinste ihn an. „Wer hätte gedacht, dass du... na ja, du weißt, was ich sagen will. Und dann hab ich alter Knacker auch noch eine Chance bei dir.“ Weil er nicht wusste, was er jetzt noch sagen sollte, ohne dass es verzweifelt und albern klang, nahm er schnell sein Handy und machte die Bestellung, um etwas Zeit zu gewinnen.

Frank sah ihm dabei zu und er drehte seine Hand so, dass er seine Finger mit Reiners verschränken konnte. Er wartete bis das Gespräch beendet war, dann sah er sich um. Niemand war da, drum beugte er sich vor und hauchte Reiner einen sanften Kuss auf die Lippen. „Ach komm, warum solltest du keine Chancen bei mir haben? Und du bist doch auch nicht alt. Zuneigung hat doch nichts mit dem Alter oder dem Aussehen zu tun, zumindest nicht vorrangig.“

„Hm.“ Irgendwie benutzte Reiner dieses Wort, was eigentlich gar kein Wort war, ziemlich inflationär, doch ihm fiel gerade nichts anderes ein. „Kann sein“, brachte er dann doch noch über die Lippen und grinste. „Eigentlich ist es auch egal, was ich denke. Du magst mich, du gefällst mir - mehr muss ich nicht wissen.“ Seine Finger griffen fester in Franks Hand und er zog ihre Hände so dichter zu sich, bis er die Fingerspitzen küssen konnte.

Es dauerte noch ein paar Minuten, bis die Gerichte fertig waren und die paar Kilometer bis in die Rüttenscheider Straße waren schnell zurückgelegt. Also startete er den Wagen noch nicht, sondern sah einfach nur Frank in die Augen.

„Hätte ich früher begriffen, warum du mich so anziehst, hätten wir jetzt nicht das Problem, hm?“

„Wahrscheinlich nicht, wenn du mir dabei schon eher gezeigt hättest, wie du wirklich bist.“ Frank lachte leise, schüttelte dann aber den Kopf. „Aber leider waren wir beide blind und nun müssen wir eine Lösung finden, mit der wir alle drei leben können, ohne dass sich einer übervorteilt fühlt.“ Seine Finger strichen über Reiners und gerade jetzt, in diesem Moment, wurde ihm deutlich klar, dass er das nicht mehr missen wollte. „Was ich aber nicht diskutieren werde, ist die Möglichkeit, dass wir es lassen, denn dazu bin ich nicht bereit. Für alles andere gibt es eine Lösung.“

Reiner lachte leise und es klang irgendwie befreiend. Es war ein wunderbar angenehmes Gefühl zu wissen, dass Frank so um ihn kämpfte und ihn nicht verlassen wollte, obwohl sie noch nicht einmal einen Tag miteinander verbracht hatten. Vielleicht dachte er ja anders drüber, wenn es im Bett nicht so heißblütig zuging, wie ein junger Mann das gern hätte? Reiner wurde unsicher, doch er überspielte es. „Ja, wir finden einen Weg, mit dem alle drei gut klar kommen und keiner wird uns nachsagen, ich hätte dich bevorzugt... also zumindest nicht im beruflichen Sinne.“ Er lachte wieder, bei dieser Doppeldeutigkeit.

„Damit kann ich sehr gut leben.“ Frank nutzte die getönten Scheiben aus und lehnte sich ein wenig an Reiner. Er hob ihre verbundenen Hände und sein Blick wurde weich. „Ist schon alles seltsam, aber es ist wunderschön, besonders weil es so unerwartet gekommen ist.“ Seinen Kopf legte er auf die Schulter seines neuen Freundes. „Ich werde morgen mit Mory reden. Das bin ich ihm schuldig, denn er ist ein Freund. Er scheint etwas zu ahnen, so wie er geguckt hat und ich möchte vermeiden, dass er etwas Falsches denkt.“

„Ja“, Reiner nickte unvermittelt, „das müssen wir tun. Ich will nicht, dass er denkt, ich würde dich in den Posten heben, nur weil du mir schöne Augen gemacht hast, oder so was. Das wäre deiner nicht würdig.“ Doch langsam wurde das Problem akut, er musste etwas finden, wie er beide, vor allem aber den Rest im Krankenhaus, davon überzeugen konnte, dass - sollte Frank das Rennen machen - nur seine berufliche Qualifikation entschieden hatte und nichts anderes. Das war nicht leicht. Tratsch verteilte sich besser als die Wahrheit.

„Lass uns beim Essen darüber reden, ja.“ Frank küsste Reiner zart auf den Hals, dann löste er sich wieder von ihm. Sich wieder richtig hinsetzend lächelte er zu ihm rüber. „Lass uns das Essen holen und dann machen wir es uns bei mir gemütlich und lernen uns besser kennen.“ Sein Blick verriet, dass er dabei nicht nur an Unterhaltungen dachte, denn seine Augen blitzten.

„Ja, ich war schon eine Weile scharf darauf, dich mal so richtig...“, Reiner machte eine Kunstpause und grinste frech, als er den Wagen anließ, „kennen zu lernen.“ Und so wie er es sagte, war klar, dass auch er kein Mikadospielen im Sinn hatte, außer die Stäbe waren größer und griffiger. Er grinste blöd bei seinem mentalen Vergleich und lenkte den Wagen vom Parkplatz.

„Aber du hast Recht, wir müssen das klären und mit Mory besprechen“, sagte er nach einer ganzen Weile, auch wenn sie das schon hunderte Male in der letzten Stunde festgestellt hatten. Wirklich Ruhe hatten sie wohl erst mit einer Entscheidung.

Frank lachte leise und wieder lief dieses Kribbeln durch seinen Körper, das er heute schon so oft gespürt hatte und das er nicht mehr missen wollte. Seine Hand legte er wieder auf Reiners Bein, so dass er ihn nicht störte und behinderte und strich ein wenig in Gedanken versunken den Oberschenkel entlang. „Schon eine Weile?“, fragte er schließlich und seine Augen wurden groß. „Das hast du aber gut verborgen, denn ich habe immer gedacht, dass du mich nicht magst.“

„Ich dich nicht mögen?“ Reiner lachte leise. „So würde ich das nicht sagen. Ich fand dich hübsch, aber da ich nicht auf die Idee gekommen wäre, dass du Männer bevorzugst, habe ich mich auch nicht weiter darum gekümmert. Und da ich mich in nichts verrennen wollte, habe ich eben... na ja, ich habe dich behandelt wie jeden anderen auch.“ Reiner wusste selber, dass er nicht gerade den Ruf als Menschenfreund hatte, aber so war er nun einmal.

„Ich hoffe aber, dass das jetzt aufhört.“ Lachend beugte Frank sich zu Reiner rüber und küsste ihn auf die Wange. „Ich bin immer froher darüber, dass du dir diesen Wettstreit ausgedacht hast, denn ohne, wäre uns viel entgangen, was sehr schade wäre, denn du bist so vollkommen anders, als ich geglaubt habe. Hätte ich das früher gewusst, hätte ich schon eher versucht dich näher kennen zu lernen.“

„Wow.“ Reiner lachte, lenkte den Wagen aber dann über die Schnellstraße und zu seinem Lieblingsinder. „„Das klingt ja fast wie ein Kompliment. Hör auf, ich werde ja ganz rot!“ Als er nicht schalten musste, legte sich seine Hand kurz auf die seines neuen Freundes.

Seines Freundes.

Wie lange war es her, dass diese Gedanken sein Denken erfüllt hatten? Wie lange war es her, dass er sich so übermütig gefühlt hatte. Eindeutig viel zu lange, konstatierte er für sich und lächelte an einer roten Ampel zu Frank rüber.

„Das war auch als Kompliment gemeint. Schließlich habe ich von dir auch schon welche gehört.“ Frank lehnte sich zurück in den bequemen Sitz und schloss die Augen, dabei lächelte er leicht, als er sich den ganzen Tag noch einmal vor Augen führte. Es war schon verrückt, dass ein paar unbedachte Worte ihn nun hier her geführt hatten. Aber was daraus werden würde, konnte er noch gar nicht sagen, denn er wusste so wenig über Reiner und auch nicht, ob er überhaupt eine Beziehung wollte. Aber diese Gedanken schob er erst einmal beiseite, das konnten sie später klären. „Was hast du überhaupt bestellt?“, fragte er deswegen, um sich auf andere Gedanken zu bringen.

„Chicken Curry und ein Gemüsecurry. Dazu Reis und Fladenbrot und ein paar Dips. Und einen halben Liter Lassi. Ich kann nicht ohne das Zeug.“ Reiner lachte leise. Dabei war es nur süßer Joghurt, aber keiner schmeckte so gut wie der im Lokal. „Wenn du noch was anderes möchtest, können wir sicher noch was dazu bestellen. Eine Vorspeise oder so was?“ Reiner sah kurz neben sich, griff wieder die Hand auf seinem Bein und drückte sie sanft.

„Nein, das hört sich gut an und ich hoffe, es sind reichliche Portionen, denn ich habe Hunger. Heute war so viel los, dass ich wahrscheinlich, genauso wie du, nicht zum Essen gekommen bin. Wenn es geht, hätte ich gerne noch einen halben Liter Lassi mit Mangogeschmack, wenn es das dort gibt und ruhig zwei Portionen von dem Brot, denn das esse ich besonders gerne.“ Frank lief schon allein bei dem Gedanken das Wasser im Mund zusammen und er schmatzte leise. So brachte er Reiner zum Lachen und er knurrte leise, als er wieder schalten musste.

Da er sich nun seinem Ziel näherte, kam er nicht dazu, wieder Franks Hand zu greifen, doch er versicherte ihm, dass er die Bestellung noch ergänzen würde. Er könnte ja nicht zulassen, dass sein Liebling, jetzt wo er Frank endlich so nennen konnte, vor Hunger verging.

„Liebling“, flüsterte Frank leise und grinste. Das hörte sich gut an, wie Reiner das sagte und ließ ihn hoffen, dass er nicht nur ein schnelles Abenteuer suchte.

Ein wenig ungeduldig wartete er darauf, dass sein Freund zurückkam, denn er hatte gerade das unbändige Verlangen, ihm zu zeigen, wie sehr er sich über dieses Kosewort freute. Da war Reiner immer vor seiner Nase gewesen und doch hatten sie beide nichts voneinander geahnt. Das Leben nahm manchmal wirklich verschlungene Wege. Aber es führte schlussendlich auf einen Weg was zusammen gehörte.

„Ich habe dein Lassi und etwas mehr Brot“, erklärte Reiner, als er das Essen auf die Rückbank stellte und guckte nicht schlecht, als er mit einem Kuss empfangen wurde, kaum dass er wieder saß. „Wow, womit habe ich denn das verdient? Dann kaufe ich dir jeden Tag Lassi“, lachte er und zog Frank dichter zu sich, um ihn noch einmal zu küssen.

„Hmm, das wäre wirklich nicht schlecht, denn das Zeug ist wirklich sehr lecker“, lachte Frank leise zwischen zwei Küssen. „Aber um ganz sicher zu gehen, dass du so empfangen wirst, solltest du so oft es nur geht Liebling zu mir sagen, denn dann habe ich einfach den Drang, dich zu schnappen und zu küssen.“ Er lachte noch immer, als er sich so nahe es ging an Reiner schob und ihn noch einmal tief und leidenschaftlich küsste. Er löste sich auch nicht gleich von ihm, als der Kuss beendet war, sondern blieb noch ein wenig so sitzen und strich seinem Freund über die Wange und den Hals bis hinunter zur Brust. Aber dann seufzte er doch, denn ihr Essen wurde sonst noch kalt. „Fahr uns so schnell es geht zu mir oder zu dir, Schatz. Je nachdem was näher ist.“

Reiner machte immer noch große Augen. Ihm selber war gar nicht aufgefallen, wie er Frank genannt hatte, doch von ihm als Schatz bezeichnet zu werden, als etwas Wertvolles, Kostbares, ließ es ihm heiß den Rücken runter laufen - das ging durch seinen Gehörgang wie Öl und entlockte ihm ein Grinsen. „Zu dir, meine Bude kenn ich schon. Außerdem ist nicht aufgeräumt!“, erklärte er und startete wieder den Wagen, fügte aber noch ein „Liebling“, hinten an.

„Rrrr…“, machte Frank leise und küsste Reiner kurz auf die Wange, denn beim Fahren war ihm das sonst zu riskant. „Wirklich aufgeräumt ist bei mir auch nicht, aber ich denke, weil du genauso ein Chaot bist wie ich, wird es dich nicht stören. Die wichtigsten Orte, wie Stühle, Tisch, Couch und Bett sind frei.“ Erst als er zu Ende gesprochen hatte, fiel ihm auf, was er da gerade gesagt hatte und er wurde rot. „Also das… nicht dass… ich wollte nicht…“, stammelte er leise , aber dann grinste er wieder. „Ach was soll's, ich bin ein Mann und ich bin heiß auf dich, natürlich will ich dich in meinem Bett. Etwas anderes zu behaupten wäre geheuchelt.“

„Und ich hasse Heuchler“, lachte Reiner und strich Frank über die Wange. Er parkte immer noch, auch wenn der Motor schon lief. „Was glaubst du, wie heiß ich im Laufe dieses Tages getourt bin? Jedes Mal kam irgendeiner stören, wenn ich dich besser kennen lernen wollte und als ihr dann auch noch nichts besseres zu tun hattet, als eure Hosen aufzureißen und die... du weißt es selber, du warst dabei.“ Reiner lachte, als er sich das wieder in Erinnerung rief. „Zu wissen, dass du unter diesem heißen Leder nichts trägst, macht mich gerade ziemlich... rrrr.“

„Das hört man doch gerne und ist auch gut zu wissen“, wisperte Frank leise und sah Reiner von unten glühend an. Er packte ihn einfach am Kragen und zog ihn zu sich. Sanft knabberten sich seine Lippen vom Hals an aufwärts zu dem anderen Paar. „Aber erst wird gegessen, dann kannst du wieder anfangen mich näher kennen zu lernen und niemand wird uns stören, denn wir werden Klingel und Telefon ausstellen und auch die Handys werden ausgestellt. Dann hast du alle Zeit der Welt, deinem Forscherdrang nachzugehen.“

„Und wenn ein Notfall kommt und sie uns rein rufen?“, intervenierte Reiner, aber nur halbherzig. Er würde den Teufel tun und Frank von seinen Liebkosungen abhalten, lieber ließ er den Motor noch einmal verstummen. Das hier wollte er genießen. Seine Zellen schrieen danach, berührt und liebkost zu werden, jede Faser seiner Haut, jedes Haar, alles in ihm hatte sich nach diesen Berührungen gesehnt. Es war ein Reflex, dass er den Sitz nach hinten kippen ließ und Frank dabei mit sich zog.

Erschrocken keuchte Frank auf, aber dann lachte er leise und samtig. „Du überraschst mich immer wieder“, kicherte er leise und machte es sich auf Reiner gemütlich, indem er so weit auf ihn krabbelte, dass sie beide es gemütlich hatten. „Es gibt noch andere Ärzte und zurzeit ist Mory Chefarzt, soll er doch zu den Notfällen gerufen werden.“ Frank wusste, dass er gerade ungerecht war, aber ab und zu fand er, konnte man ruhig egoistisch sein.

Reiner lachte nur. „Frecher Kerl, wenn der arme Mory das wüsste.“

Langsam strichen seine Finger durch das schwarze Haar und er sah Frank immer wieder dabei an, so als müsste er sich erst überzeugen, dass dieser Tag Wirklichkeit war. Und er war wirklich! Absolut wirklich.

Doch langsam begann er mehr als nur mit einem Lächeln auf Franks Nähe zu reagieren. Sein Körper wollte mehr, viel mehr. „Liebling, lass uns... fahren“, keuchte er leise und schloss kurz die Augen, „ehe ich nicht mehr in der Lage dazu bin, weil mir die Hormone aus den Augen quellen.“

„Weiß er aber nicht“, kicherte Frank und ruckelte ein wenig rum, bis er das leise Keuchen hörte. Schmunzelnd sah er auf Reiner runter und ein warmes Lächeln erschien auf seinem Gesicht. Er beugte sich vor und nippte sanft über die weichen Lippen, seufzte dann leise. „Das sollten wir wohl wirklich tun, denn sonst könnte es sein, dass unser Essen kalt wird, weil ich gleich hier im Auto über dich herfalle und das, wo ich so was eigentlich gar nicht mag.“ Noch einmal küsste er seinen neuen Freund, dann krabbelte er von ihm runter, aber nicht, ohne vorher noch einmal mit seinem über Reiners Schritt zu reiben.

So entlockte er ihm noch einmal ein kehliges Knurren und er sah Frank forschend an, als er seinen Sitz wieder in die Senkrechte brachte. „Was magst du nicht? Über mich her fallen? Kaltes Essen oder gleich hier?“, grinste er frech. Wann hatte er das letzte Mal so Doppeldeutiges gesagt. Er fühlte sich mit seinen 40 Jahren als wäre er wieder 14 und das erste mal verliebt.

Verliebt.

Er hatte sich immer eingebildet, nach Jeremy käme nichts mehr, er könnte das kein weitres mal - doch nun begriff Reiner, dass es sehr wohl eine Zeit nach ihm gab, mit all den seltsamen Gefühlen, dem verdrehten Kopf, dem Flimmern im Bauch, dem Zittern in den Händen.

Und alles nur wegen Frank. Also küsste er ihn, ohne ihm zu erklären warum und startet endlich den Wagen.

„Hmm“, machte Frank leise und fuhr mit seiner Zunge über seine Lippen. „Gleich hier, im Auto, ist nicht so mein Ding und kaltes Essen auch nicht.“ Er lachte leise und strich Reiner einmal sanft über das Bein, dann grinste er frech. „Alles andere wirst du schon noch merken, aber dafür habe ich lieber etwas mehr Platz, damit ich auch alles genau erforschen und begutachten kann.“

„Und wenn es dir nicht gefällt, schleifst du mich rüber zu Bingler, in die Plastische oder wie?“, wollte Reiner lachend wissen, legte aber nun den Gang ein und fuhr endlich los. Franks Adresse hatte er aus der Personalakte und wo das war, wusste er auch so.

„Nein, ganz bestimmt nicht. Das mache ich selber, dann brauche ich nichts groß erklären. Das wird doch sonst nicht so, wie ich es haben will.“ Frank lachte und lehnte seinen Kopf an Reiners Schulter, als sie an einer Ampel halten mussten. „Nein, keine Sorge, ich doktere nicht an meinen Freunden herum. Sie dürfen so bleiben wie sie sind, denn ich säße nicht hier, wenn du mir so, wie du bist, nicht gefallen würdest.“

„Na, dann habe ich ja noch mal Glück gehabt, hm?“ Reiner strich seinem Freund kurz über das Knie, doch dann war auch schon wieder grün und es ging weiter, den gleichen Weg zurück, den sie gekommen waren, denn Frank wohnte in der Nähe der Klinik. Wenn der Verkehr es zuließ, fuhr Reiner auch etwas schneller. Natürlich nur, weil das Essen kalt wurde und nicht, weil er gern intensiver von Frank erkundet werden wollte. Er grinste frech bei diesem Gedanken.



Frank fiel erst nach einer Weile auf, dass er Reiner noch gar nicht gesagt hatte, wo er wohnte, dieser aber ganz genau zu wissen schien, wo er hin musste. „Sag mal, Schatz, kann es sein, dass du mehr über mich weißt, als ich angenommen habe?“, fragte er mit einem leisen Lachen. „Du fährst mir sehr zielstrebig, so als wenn du wüsstest, wo ich wohne. Nicht dass ich da was gegen hätte, denn dann brauch ich dir nicht erklären, wo du lang sollst, aber das gibt mir doch schon zu denken.“

„Du weißt aber schon, dass ich dein Chef bin, dass deine Personalakte über meinen Tisch ging und dass ich grundsätzlich alles genau behalte, was ich lese?“, fragte Reiner keck zurück. Er wusste doch selber am besten, dass das nicht ganz stimmte. Zwar gingen die Akten wirklich über seinen Tisch, aber solche Unwichtigkeiten wie persönliche Daten koppelte er aus dem Merk-Strang einfach aus. Viel mehr hatte er sich die Akte von Frank kopiert, um sie in Ruhe zu studieren, nicht nur seinen Werdegang, vor allem das Persönliche.

„Aha“, machte Frank nur mit hochgezogener Braue und dann kicherte er albern. Irgendwie fand er es süß, dass Reiner wohl schon länger ein Auge auf ihn geworfen zu haben schien. „Was für eine Begabung. Du bist zu beneiden.“ Sie waren schon wieder in de Nähe der Klinik und Frank fragte sich, was Reiner wohl von seiner Wohnung halten würde. Er hatte sich sofort in die Wohnung verliebt, als er sie gesehen hatte. Sie bestand praktisch aus einem großen Raum, von dem nur die Toilette mit einer Dusche abgetrennt war. Da Frank aber für sein Leben gern badete, stand die Wanne frei im Wohnraum und konnte durch Paravents verborgen werden, was allerdings nur selten passierte. So konnte er in der Wanne liegen und Fernsehen, wenn ihm danach war.

Ein Luxus, den man irgendwann wirklich zu schätzen lernte.

„Ja, ich bin zu beneiden - nicht wahr?“, lachte Reiner ausgelassen. Mittlerweile erfüllte der Duft von Chicken-Curry den ganzen Fahrgastraum und sein Magen fing an, ihm zu erklären, wie schön es wäre, er würde etwas von diesen Speisen bekommen. Er wollte diesen Abend einfach mit allen Sinnen genießen. Über Mory und den Tratsch in der Klinik konnten sie vielleicht morgen immer noch nachdenken.

„Unbedingt, schließlich hast du mich“, lachte Frank und beugte sich zu einem kurzen Kuss auf die Wange rüber. Er war einfach gut drauf und je näher sie seiner Wohnung kamen, desto aufgeregter wurde er. Wie lange war es eigentlich her, dass er jemanden mit in seine Wohnung genommen hatte? Schon ein paar Monate, seit er sich von seinem letzten Freund, der auf der ganzen Linie eine Enttäuschung gewesen war, getrennt hatte.

Als Reiner den Wagen endlich vor einem klassischen Altbau geparkt hatte, sah er zu Frank rüber. „Ich habe dich also?“, sagte er leise. Irgendwie klang es wie eine Offerte.

Frank gehörte ihm, ihm allein - er wollte das so. „Klingt irgendwie verlockend“, und deswegen zog er seinen Frank auch noch einmal fest an sich und küsste ihn. Aber nur kurz, er hatte Hunger und wollte dorthin, wo sie hoffentlich ungestört waren.

„Wenn du das möchtest.“ Zum ersten Mal wurde Frank ein wenig unsicher, denn sie hatten noch überhaupt nicht darüber geredet, was sie nun eigentlich hatten. Vielleicht war Reiner ja gar nicht auf eine Beziehung aus. Darum fiel sein Lächeln auch ein wenig schief aus, als er sich die Tüte mit dem Essen schnappte, aber dann schüttelte er den Kopf. Das würden sie noch klären und ein Essen zu zweit, war genau der richtige Rahmen dafür.

„Komm“, sagte er weich und hielt seinem Freund die Hand hin.

Reiner griff sich noch seine Tasche, weil er weder die Unterlagen, die darinnen waren, noch seinen PC gern im Auto ließ. Doch dann verriegelte er den Volvo und griff die gereichte Hand. Zwar hatte er sich schon einmal in dieser Straße umgesehen, doch nun fuhr er nicht nur an dem grünen Altbau vorbei, er ging hinein. Der Flur war wie immer in diesen Häusern angenehm kühl, Reiner fröstelte sogar leicht. Er musste nicht fragen, um zu wissen, dass Frank unter dem Dach wohnte.

„Wenn du wüsstest, was ich alles möchte“, sagte er viel später und grinste Frank frech an.

„Das finde ich schon raus, keine Sorge.“ Frank lehnte sich kurz an Reiner und raubte sich einen Kuss, erst dann ging er mit ihm die Treppen hoch und ließ ihn in seine Wohnung. „Fühl dich wie Zuhause“, sagte er leise und sein Blick huschte durch den großen Raum, aber so unordentlich, wie er befürchtet hatte, war es nicht. Ein paar Dinge lagen herum und sein Bett war nicht gemacht, aber sonst war es ordentlich und auch in der Küchenecke stapelte sich nicht viel Geschirr, nur das, was er zum Frühstück benutzt hatte. Darum trat er zur Seite und machte eine einladende Handbewegung, der Reiner sofort folgte. Die Neugier zerfraß ihn geradezu. Er hatte sich oft vorgestellt, wie Frank wohl leben würde, doch was er sah, verschlug ihm dann doch etwas den Atem - das war nicht das, was er Frank zugetraut hätte. Reiner stand in einem einzigen Raum. Er war groß, hoch und hell. Das schrägste daran war vielleicht die Badewanne, direkt in der Mitte des Raumes. Keine Mauern, keine Zimmertür, eine antike Wanne, mit wunderschönen, alten, gepflegten Armaturen. Unweit stand ein großer Fernseher, der sowohl von der Wanne als auch von der Couch weiter hinten als auch vom Bett aus eingesehen werden konnte.

Doch als Reiner das Bett, was er eben nur mit einem Blick gestreift hatte, noch einmal betrachtete und feststellte, dass es keine Beine hatte, sondern mit starken Industrieketten von der Decke hing, fing er an zu lachen. „Schwebt man da auf Wolke sieben?“, wollte er wissen und ging langsam durch die Wohnung.

„Probier es aus“, lachte Frank, der diese Reaktion auf sein Bett schon kannte. Fast alle seiner Freunde und Bekannten hatten sich wenigstens einmal hineingelegt, um zu ergründen, was es für ein Gefühl war. „Ich schlafe immer sehr gut darin und von anderen hat es noch nie Beschwerden gegeben.“

Er ließ Reiner durch die Wohnung streichen und deckte in der Zwischenzeit den Tisch und heute gab er sich richtig Mühe. Das Geschirr passte farblich zur Tischdecke, genauso wie die Kerzen in dem antiken silbernen Leuchter, den er von seiner Oma geerbt hatte. Er mochte diesen Mix aus Antiquitäten und modernen Möbeln, darum hatte er auch das alte Sofa, mit der geschnitzten Rückenlehne, neu aufarbeiten lassen und es diente ihm nun als bequemer Leseplatz im Erker.

Reiner ging weiter, besah sich das eine oder andere, auch den großen und doch fast unauffälligen Schrank, der sich geradezu perfekt in das Gesamtbild einfügte, ohne es zu erschlagen. Immer wieder sah er sich um, blickte zu Frank zurück, ging dann aber doch weiter. Neugier trieb ihn, denn er wollte so viel wie nur möglich über Frank erfahren und eine Wohnung sagte viel über ihren Besitzer.

Schlussendlich setzte er sich doch auf das Bett, das leicht anfing zu schaukeln und grinste zu Frank rüber. „Hält das was aus?“, fragte er offen heraus, denn in seiner Leidenschaft entwickelte Reiner mitunter ziemliche Kraft.

Erst einmal hob sich nur eine Augenbraue, dann erschien ein breites, dreckiges Grinsen auf Franks Gesicht. „Die Ketten halten mindestens zwei Elefanten aus, da mach dir mal keine Sorgen.“ Er lachte und kam zu Reiner rüber. Vor dem Bett blieb er stehen und stieß es an, so dass es ein wenig mehr schaukelte. „Man kann es auch mit zwei Riegeln an der Kopfseite fixieren. Ich hatte schon jemand im Bett, der seekrank geworden ist.“

„Aha.“ Irgendwie gefiel Reiner die Vorstellung gar nicht, dass Frank schon andere im Bett gehabt hatte. Er war nicht naiv, er wusste selber, dass der junge Mann ganz bestimmt nicht mehr unberührt war, aber in der letzten Stunde betonte er Reiners Vorgänger doch etwas zu intensiv.

„Lass uns essen“, warf er also das Thema völlig um und erhob sich, grinste dabei schief. Er wusste selber, dass er die Stimmung kaputt gemacht hatte.

Ein wenig überfahren blieb Frank alleine stehen und fragte sich, was denn gerade passiert war. Er rief sich ins Gedächtnis, was er gesagt hatte und da fiel es ihm wie Schuppen von den Augen. Schnell ging er Reiner hinterher und schlang von hinten die Arme um ihn, bevor er den Tisch erreicht hatte.

„Schatz, in meinem Bett haben schon viele Männer gelegen und auch geschlafen, Frauen auch, aber mit mir geschlafen hat darin erst einer und das ist auch schon eine ganze Weile her“, wisperte er ihm ins Ohr und hauchte ihm einen Kuss darauf.

Reiner wurde rot, er fühlte sich ertappt und kam sich so kindisch vor. „Ich weiß selber, dass es albern ist, Frank“, sagte er leise, doch er zog die Hände um seinen Bauch fester, „aber mir vorzustellen…“ Reiner brach ab. Er wollte das nicht aussprechen. Er wusste, was er wissen wollte und mehr ging ihn vorerst auch nichts an. „Lass uns trotzdem essen, hm?“, sagte er also und zog Frank hinter seinem Rücken vor, um ihn richtig küssen zu können und sich so zu entschuldigen, weil er die Stimmung ruiniert hatte.

„Ja, bevor alles kalt wird. Das wäre sehr schade, denn es riecht einfach lecker.“ Trotz seiner Worte löste Frank sich noch nicht von Reiner, sondern zog ihn noch einmal näher und küsste ihn noch einmal. „Verbinden wir das Angenehme mit dem Nützlichen und reden beim Essen, damit solche Irritationen nicht mehr vorkommen. Danach haben wir alle Zeit der Welt für uns.“

Reiner grinste nur schief. Er fühlte sich immer noch ertappt. „Tut mir Leid“, wurde er nicht müde zu beteuern, denn so war es nun einmal. Es tat ihm wirklich Leid, dass er seinem Liebling solche Sorgen machte, doch er selber war viel zu unsicher. Frank war jung, er war erfolgreich, er war gut aussehend. Warum war so ein Mann solo? Doch sicher nicht, weil er auf seinen Chef gewartet hatte. „Kommt nicht wieder vor“, versprach er und küsste Frank wieder, lachte leise.

„Hey, ist doch alles okay.“ Frank strich Reiner über die Wange und lehnte sich an ihn. „Wir sind hier alleine. Ich werde deine Fragen, die du zu haben scheinst, beantworten. Ich werde ehrlich sein, denn das ist für mich sehr wichtig.“ Er nahm ihn bei der Hand und zog ihn zum Tisch, wo das Essen dampfte und die Kerzen ein warmes Licht verbreiteten.

„Wir kennen uns noch zu wenig, als dass wir wissen, was der andere meint, wenn er etwas sagt, darum werden wir das jetzt ändern.“ Frank drückte Reiner auf einen Stuhl und küsste ihn noch einmal, dann setzte er sich ebenfalls und gab ihnen etwas auf die Teller. „Möchtest du etwas von dem Mango-Lassi?“, fragte er und hielt die Flasche hoch.

„Muss ich dann auch mein süßes Lassi teilen?“, fragte Reiner frech und lachte leise. „Nein, quatsch, war nur ein Scherz. Trink es ruhig allein. Ich habe ja ein eigenes. Du magst es doch.“ Lieber bewaffnete sich Reiner mit dem Besteck, denn nun rebellierte nicht nur der leere Magen, sondern auch sein Speichelfluss war kaum noch zu kontrollieren.

„Weißt du, Frank. Es ist schön, mit dir über alles reden zu können, aber bitte fühle dich nicht verpflichtet, mir alles sagen zu müssen.“ Reiner wusste nicht, ob Frank ihn verstand. Es war nicht so, dass er Ehrlichkeit nicht schätze, doch er mochte die Vorstellung nicht, wenn alles zur Pflicht wurde.

„Hmm.“ Frank legte den Kopf schief und lächelte dann. Er griff sich Reiners Hand und drückte sie kurz. „Mach ruhig, wenn es etwas gibt, was ich nicht erzählen mag, sag ich das schon. Später wahrscheinlich, aber noch nicht jetzt. Mach dir keine Gedanken. Wenn es mir was ausmachen würde, hätte ich es nicht angeboten.“ Er schüttete sich sein Glas voll und hob es an die Lippen. Er nahm einen Schluck und leckte sich nicht danach die Lippen ab, sondern küsste Reiner, damit er auch etwas davon hatte. Und weil der ein guter Gast war, schlug er die Offerte nicht aus, sondern ließ seine Lippen und seine Zunge so lange über die süße Köstlichkeit wandern, bis Franks Lippen wieder sauber waren, was aber noch lange kein Grund war, sich von diesen süchtig machenden Lippen zu lösen.

Er bettelte um Einlass und reckte sich weiter über den Tisch.

Franks Lippen verzogen sich zu einem Lächeln und ließen Reiner so die Gelegenheit, ihn zu erobern, denn ihm gefiel die Art und Weise, wie sein neuer Freund es tat, denn er nahm es nicht für selbstverständlich. Seine Hand strich über Reiners Arm, hoch zu dessen Nacken und zog ihn näher. Wenn sie so weitermachten, kamen sie doch nicht mehr zum Essen, denn sie konnten einfach nicht voneinander lassen und das sah er als gutes Zeichen.

Sie küssten sich noch eine ganze Weile, so lange, bis sich Reiners Magen wieder meldete und das dunkle Grummeln in der stillen Wohnung nicht zu überhören war. Irritiert löste er den Kuss und sah Frank entschuldigend an. „Ich hatte heute noch nichts weiter!“, erklärte er sich, leckte sich aber demonstrativ die Lippen, damit Frank begriff, dass er den Kuss nur unter erschwerten Bedingungen gelöst hatte und später gern wieder darauf zurückkam.

„Du solltest essen, denn ich habe noch einiges mit dir vor.“ Samtig und dunkel schwebte Franks Stimme durch den stillen Raum und noch einmal zog er Reiner zu einem kurzen Kuss zu sich, dann setzte er sich wieder richtig hin und nahm seine Gabel. Als wenn nichts gewesen wäre, begann er zu essen, nur die Blicke, die er seinem Gegenüber zuwarf, glühten und versprachen alles.

„Na, das hoffe ich doch“, murmelte Reiner leise und grinste über seinen Tellerrand, beeilte sich aber mit essen, denn er spürte den Hunger langsam schmerzlich. Es zog im Magen und das lag an diesem Tage ausnahmsweise mal nicht daran, dass er Frank in seiner Nähe hatte.

„Wir sollten Mory morgen etwas sagen“, brachte er das Gespräch nun doch auf das unleidliche Thema. Doch er war sich sicher, er würde seinen Abend nicht genießen können, wenn ihnen dies immer noch im Nacken saß. Er fühlte sich dabei wie ein Verräter.

Frank ließ seine Gabel sinken und stützte sein Kinn, auf eine Hand. Leise seufzend nickte er und nahm erst einmal einen Schluck Lassi, bevor er antwortete. „Ja, das hatte ich sowieso vor. Ich möchte nicht, dass er glaubt, nun schlechtere Chancen auf den Job zu haben.“ Frank legte seine Gabel nun endgültig hin. „Was ich aber noch weniger möchte, ist dir Schwierigkeiten zu machen, darum erwäge ich ernsthaft, meine Bewerbung zurückzuziehen, damit niemand sagen kann, dass ich den Job nur bekommen habe, weil ich mit dir zusammen bin, wenn ich ihn kriegen sollte. Da warte ich lieber auf die nächste Chance.“

„Frank, weißt du, was du da sagst? Du schmeißt eine Menge Geld weg“, sagte Reiner leise. Es war kein Vorwurf, es war Erstaunen, wie einfach Frank so etwas sagen konnte. „Du bist gut, du bist wie geschaffen dafür. Ich weiß nicht, wann in der Klinik mal wieder eine Stelle frei werden würde, auf deren Profil du passt und da...“ Er wusste nicht so richtig, was er sagen sollte, aber es war ein unglaublich warmes Gefühl im Bauch, dass Frank auf den Job verzichten wollte, aber nicht auf ihn.

Frank schüttelte den Kopf und lächelte. „Geld war für mich bei der Bewerbung nicht vorrangig. Ich komme mit dem, was ich habe, gut aus. Klar wäre es nicht schlecht, ein größeres Polster zu haben, aber Geld ist nicht alles. Außerdem könnten wir so noch ein wenig zusammen in einer Abteilung arbeiten, was mir sehr gut gefallen würde.“ Er nahm Reiners Hand und strich sanft über den Handrücken. „Für mich gibt es über kurz oder lang eine andere Stelle und wie ich die geheimen Kanäle habe läuten hören, will der Graf vielleicht eine neue Abteilung aufmachen. Eine Kinderchirurgie. Das wäre sogar noch etwas, was ich noch lieber machen würde. Vielleicht habe ich Glück und das Gerücht stimmt, wenn nicht, warte ich einfach noch.“

Reiner legte seine Hand auf Franks und sah ihn ernst an. Er hatte das Gerücht zwar auch verlauten hören, doch er war sich noch lange nicht sicher, ob es auch wirklich an dem war. „Frank, ich habe einfach Angst davor, dass du für einen Kerl, den du kaum kennst, alles hinwirfst. Ich will nicht, dass du es in ein paar Wochen bereust, den Rückzieher gemacht zu haben, verstehst du? Noch sind wir im Taumel der Euphorie.“ Reiner wusste selber, wie das klang und entschärfte seine Worte. „Du bist toll und du bist das Beste, was mir passieren konnte, Frank, aber ich weiß nicht, ob du in ein paar Wochen über mich auch noch so denkst.“

„Stimmt, keiner weiß, was in ein paar Wochen sein wird, aber das ändert nichts an meinem Entschluss, denn es geht um das Jetzt und da finde ich, bin ich es dir, Mory und auch mir schuldig. Wenn es nicht so sein sollte, gibt es niemanden außer mir, den ich dafür verantwortlich machen kann, denn ich entscheide es ganz allein. Am liebsten wäre mir natürlich, dass meine Entscheidung auch noch in Wochen, Monaten oder Jahren noch die richtige war.“ Frank lächelte, aber man konnte sehen, dass er sich davon nicht abbringen lassen würde, wenn er es wirklich durchziehen wollte.

„Du bist wirklich stur“, lachte Reiner. Die Dimension, in der Frank dachte und plante, war verblüffend, ließ aber hoffen. „Ich hoffe nur, du bereust es nicht irgendwann und wirst mich hassen. Das möchte ich nicht, weißt du? Du bist was Besonderes.“ Nun legte er seine Gabel endgültig weg und strich Frank wieder durch das Gesicht, schob Haare hinter das Ohr und liebkoste die Wange. „Ich weiß nicht, wie ich mich als Liebhaber mache, ich hatte erst einen von der Sorte und der ist mir weggelaufen.“

„Reiner, das könnte nur passieren, wenn du das Gleiche mit mir machst, wie mit deiner Frau und deinem Geliebten. Dann würde ich dich verlassen, aber ich gehe nicht davon aus, dass du das immer machst.“ Frank stand auf und zog Reiner zur Couch, denn er war ihm einfach zu weit weg. Der erste Hunger war gestillt und wenn er wieder kommen würde, konnten sie sich etwas warm machen. Er platzierte seinen Freund auf dem bequemen Möbel und setzte sich ganz nahe zu ihm, so dass er sich an ihn kuscheln konnte.

„Es kommt nicht darauf an, wie viele Freunde du schon hattest, nun hast du mich und alles ist sowieso anders, denn jeder ist verschieden. Probieren wir es einfach aus, wie wir zusammen passen, in jeder Hinsicht. Jede Beziehung ist ein Neuanfang und nicht mit der vorherigen zu vergleichen.“

„Ja, vielleicht hast du recht, Liebling. Vielleicht mach ich mir wirklich zu viele Gedanken, aber ich will dich nicht enttäuschen. Du bist ein toller Mann, ein guter Kollege und eine Bereicherung für uns alle. Auch wenn ich nicht abstreiten kann, dass ich mich am meisten an dir bereichern möchte.“ Und schon zog er Frank dichter zu sich. Er musste immer noch verstehen, dass der junge Arzt, mit einer viel versprechenden Karriere, lieber bei ihm blieb, als einen guten Job anzunehmen. Dafür musste er doch belohnt werden.

„Dann fang doch einfach damit an, dich zu bereichern. Jetzt wo ich weiß, wie du wirklich bist, gebe ich es dir gerne, weil ich weiß, dass ich genauso viel zurückbekomme.“ Frank sah Reiner fest in die Augen und zog ihn dann zu einem intensiven Kuss zu sich, der an Intensität immer mehr zunahm und die Leidenschaft überkochen ließ. Das Essen war vergessen, die Welt um sie herum war vergessen, als die Lust sie überspülte.



+++



Sein erster Weg am nächsten Morgen brachte Frank ins Personalbüro, wo er seine Bewerbung zurückzog und alle irritierte, weil er dabei glücklich vor sich hinlächelte. Dann ging er zu Mory und bestätigte ihm, was dieser eigentlich schon seit gestern geahnt hatte.

Leise klopfte Frank an den Türrahmen, denn Mory, war in ein Buch vertieft. Bäumchen hatte ihn einfach durch gelassen, nachdem Reiner ihr ein Zeichen gegeben hatte. Er blieb draußen, denn Frank wollte alleine mit seinem Freund reden. Er fand, dass Mory eine Erklärung verdient hatte, warum er auf den Posten verzichtete.

„Hast du kurz Zeit für mich?“, fragte er vorsichtig, denn es konnte ja sein, dass sein Freund nur auf dem Sprung war.

„Hey“ Mory lächelte als er aufsah und strich sich eine Strähne hinter das Ohr. „Klar, für dich immer. Setz dich. Sieht ein bisschen wüst aus, aber ich habe das gleich wieder im Griff“, grinste er und schob alles etwas zusammen. „Was gibt’s denn?“

Frank kam näher und setzte sich. „Lass ruhig, mich stört Chaos nicht, wie du weißt.“ Frank lächelte nervös und spielte mit dem Stethoskop, das er um den Hals hängen hatte. „Ich wollte dir etwas sagen, denn ich möchte nicht, dass du es von jemand anders hörst. Ich habe meine Bewerbung zurückgezogen. Wenn du ihn noch möchtest, ist der Chefarztposten deiner.“

„Wie bitte?“, fragte Mory nun doch etwas perplex und klappte sein Buch dabei zu. „Warum?“, fragte er, doch dann schien ihm ein Licht aufzugehen. Man sah es in seinen Augen. Erkennen blitzte darinnen. „Ist es wegen dem Ureigentümer des Zimmers?“, fragte er also auf den Kopf zu.

Erst nickte Frank nur, dann lachte er. „War das so offensichtlich, dass ich mich verliebt habe? Du hast Recht, ich ziehe meine Bewerbung wegen Reiner zurück. Ich möchte nicht, dass es irgendwann heißt, dass ich den Posten nur bekommen hätte, weil ich ein Verhältnis mit Reiner habe. Falls er sich für mich entschieden hätte. Da greife ich lieber vor und du bist für den Posten genauso qualifiziert wie ich.“

Eigentlich freute er sich mit ihm, aber so ganz konnte er es nicht lassen, seinen Freund ein wenig leiden zu lassen, indem er ihn ohne Worte, einfach nur anguckte und ihn damit verunsicherte. Lange hielt er das aber nicht durch und zog seinen Freund in die Arme.

„Du musst das nicht tun, das weißt du. Ich vertraue euch, dass ihr eure Liebe nicht ausnutzt. Aber wo ich doch schon so qualifiziert wie du bin, wäre ich dumm, wenn ich das nicht akzeptieren würde. Komm, gehen wir deinen Schatz erlösen, der bestimmt schon ganz nervös wartet.“

Mory ließ Frank los und öffnete die Bürotür, sein Blick fiel gleich auf Reiner, der an Bäumchens Schreibtisch lehnte, allerdings war der verwaist, denn die Sekretärin war einige Kopien machen. „Na los, erlös ihn“, lachte Mory und schob Frank in Reiners Arme. Das Leben war manchmal schon komisch, aber er wollte sich nicht beschweren, denn es gab Zufälle im Leben, die niemand voraussehen konnte. So wie diese unverhoffte Liebe, die drei Menschen glücklich gemacht hatte.





ENDE

Danke fürs lesen ....    =^.^=