Du befindest Dich hier: Geschichten > Geschichten frei bis 16 > Britta & Fich > Ein Kätzchen für Oma Hilde > Ein Kätzchen für Oma Hilde - Teil 13 bis 16

Ein Kätzchen für Oma Hilde - Teil 13 bis 16

13



Maung wurde wach, weil ihm warm war. Er wollte die Decke von sich werfen, doch das ging nicht so leicht, wie er es erwartet hatte. Noch im Halbschlaf regte er sich, doch die Hitze an seinem Rücken blieb. Als hätte ihn ein Hammer getroffen war Maung schlagartig wach, als er die Tragweite seiner Situation begriff. Was ihn zum Schwitzen brachte, war nicht die Decke, sondern Roman. Der Kerl lag hinter dem nackten Kater - dicht an dicht. Maung spürte nur zu deutlich, was die Shorts, die Roman trug, eigentlich verbergen sollte. Das war nicht gut. Gar nicht gut.

Der Kater begann leicht zu zittern. Die Nervosität kam zurück und so fing er instinktiv an zu schwänzeln. Dass sein Schwanz dabei immer wieder über Romans Körper strich, merkte er noch nicht einmal. Er lag steif wie ein Brett.

Roman bekam mit, dass sich etwas veränderte. Sein Schlaf war nicht mehr so tief. In etwas mehr als einer Stunde würde sein Wecker klingeln. „Was’n los, Schatz?“, fragte er nuschelnd, mehr schlafend als wach und zog Maung näher und drehte ihn dabei um. Er fühlte sich wohl und das sollte sich auch nicht ändern. „Komm her, ich wärm dich.“ Er ging davon aus, dass Maung zitterte, weil ihm kalt war und wollte ihn wärmen. Noch halb schlafend küsste er den Kater auf die Lippen und seufzte zufrieden. Maung wusste nicht, wie ihm geschah, doch seine Instinkte gewannen die Oberhand und er nahm sich einfach, was er schon seit Tagen wollte. Wenn nicht jetzt, wann dann? Er drückte seine Lippen ebenfalls auf Romans, auch wenn die Nase verstopft war und er nur schlecht Luft bekam. Er wollte diese Nähe so sehr und so intensivierte er den Kuss immer mehr, drehte sich in Romans Armen und drängte sich an ihn, nackt wie er war. Sein Schwanz peitschte nervös unter der Decke und seine Nägel gruben sich sanft, aber bestimmt in Romans Schultern.

Für Roman war dies ein Traum, denn in der Realität konnte das ja nicht passieren, darum ließ er Maung gewähren und schob ihn nicht weg. „Schön“, murmelte er leise und streichelte über den Rücken seines Freundes. Er ließ sich in diesem Kuss führen und folgte Maung, als er dessen Zunge an seinen Lippen spürte. Er genoss diesen Kuss, denn er war anders, als die Küsse, die er mit seinen Affären getauscht hatte.

Es lag mehr Dominanz darinnen. Maung ließ sich nicht einfach küssen, er versuchte die Oberhand zu gewinnen, auch wenn er sich immer wieder ganz kurz lösen musste, um Luft zu holen, was durch die verstopfte Nase leider unmöglich war. Doch der Kater war in eine Art Blutrausch verfallen und so schob er sich langsam auf Roman, drängte ihn dazu, sich auf den Rücken zu legen und intensivierte den Kuss, als seine Zunge durch Romans Lippen glitt.

Er konnte keine Gegenwehr spüren. Warum auch?! Roman wähnte sich in einem Traum und dagegen konnte man sich nicht wehren. Irgendwie war es auch ganz aufregend, einmal derjenige zu sein, der geküsst wurde. Aber das hieß nicht, dass er untätig war. Roman strich über Maungs Körper und ließ sich küssen. „Was für ein Traum“, murmelte er in der kurzen Unterbrechung und grinste zufrieden.

Maung hörte die Worte und dachte sich seinen Teil, doch er konnte nicht aufhören, auch wenn ihm bewusst war, dass er diese Zuneigung unter normalen Umständen niemals bekommen würde. Gerade deswegen legte er sich noch mehr ins Zeug. Er wollte davon zehren, wenn Roman das nächste Mal anfing zu kuscheln, ohne zu wissen, was er eigentlich anrichtete und was er Maung damit antat.

Maung konnte Roman noch ein paar Minuten genießen, erst dann wurden seine Küsse immer weniger erwidert, weil Roman langsam wieder einschlief. Seine Hand blieb auf Maungs Rücken liegen und ein kleines Lächeln lag auf seinem Gesicht. Wenn sein Wecker klingelte, war für ihn das, was gerade passiert war, nur ein Traum. Ein sehr schöner Traum.

„Gemeiner Kerl“, murmelte Maung und ließ sich langsam von Roman gleiten. Nur gut, dass der nicht spürte, was im Körper des Katers vor sich ging. Er fühlte sich im Augenblick noch schlechter als vorher. Frustriert biss er in sein Kissen, um nicht zu schreien und zog den schlafenden Tsuki wieder an sich. „Du bist nicht so gemein zu mir, hm Süßer?“ So schloss auch Maung wieder die Augen.

Roman murrte leise, als sein Wecker klingelte und zog die Decke über den Kopf. Nur seine Hand kam aus der warmen Höhle und schaltete den Störenfried aus. Es war gerade so gemütlich und da wollte er noch nicht aufstehen. Er konnte sich erinnern, dass er was Schönes geträumt hatte und dass er dabei jemanden geküsst hatte. „Bist du wach?“, fragte er Maung leise und drehte sich zu ihm um und genau in dem Moment fiel ihm ein, wen er in seinem Traum geküsst hatte.

„Nein“, knurrte der Kater und zog die Decke noch etwas höher. Nur Lucky langweilte sich bereits zu Tode und war für jede Regung dankbar, die passierte. Also kroch er unter der Decke von Maung zu Roman und kroch auf essen Brust so weit nach oben, bis er unter der Decke vorgucken und Roman direkt in die Augen sehen konnte. „Mau“, erklärte er, mochte Roman daraus lesen, was immer er wollte.

„Hallo Lucky“, begrüßte Roman den kleinen Kater etwas abwesend, weil er damit zu kämpfen hatte, was ihm gerade eingefallen war. In seinem Traum hatte er Maung geküsst und es hatte ihm gefallen. Sehr sogar. Er musste schlucken und sah unsicher auf Maung, aber das half ihm nicht. Ziemlich verwirrt kraulte Roman Lucky und ließ den Traum noch einmal Revue passieren. Sie hatten sich geküsst und auch jetzt liefen angenehme Schauer durch seinen Körper, nur wenn er daran dachte. Was hatte das zu bedeuten?

Doch er musste teuer dafür bezahlen, dass er den kleinen Entdecker so lieblos begrüßt hatte und ihm nicht seine ganze Aufmerksamkeit schenkte. Lucky fauchte ihn an und gab ihm eine mit der Pfote. Maung hörte es genau und lachte leise unter der Decke. Es war ja nicht so, dass er Roman alles schlechte dieser Welt an den Hals wünschte, aber ein kleines bisschen Strafe für die schändliche Behandlung seinerseits war doch nicht verkehrt.

„Ey“, brummte Roman gutmütig und nun bekam Lucky die Aufmerksamkeit, die ihm zustand. Er wurde gestreichelt und geknuddelt, genauso wie seine Schwester, die, angelockt von den Geräuschen, auch angeschlichen kam. „Schläft Tsuki noch?“, fragte er Maung und strich seinem Freund kurz über den Rücken.

„Ja“, kam es lauter als beabsichtigt von Maung, denn er verspannte sich. Sein Körper reagierte auf Romans Berührungen, ohne Zutun des Katers. Er konnte es nicht steuern, was mit ihm passiert und seine Erkältung sorgte zusätzlich für Kopfschmerzen. Seine trockenen Lippen erinnerten Maung nur zu deutlich daran, was passiert war und was Roman verdrängte. Doch Maung konnte es nicht, sein Körper ließ das nicht zu.

„Okay, dann nehme ich die zwei Rabauken mit runter und mache uns Frühstück.“ Roman war ein wenig irritiert, weil Maung so abweisend wirkte und sich noch nicht einmal zu ihm drehte. Er tat es aber damit ab, dass der Kater noch müde und ein wenig krank war. „Bleibt noch liegen, ich bringe das Frühstück hoch.“ Roman wollte die Kurzen ein wenig verwöhnen, denn heute sollten sie geimpft und auch gechipt werden und das war sicher nicht angenehm. Hoffentlich nahmen sie ihm das nicht übel. Er sollte sich etwas einfallen lassen, um sie gleich hinterher zu bestechen, sonst wurde er sein Leben lang nur noch mit Zähnen und Klauen begrüßt.

„Hm“, knurrte Maung unter seiner Decke und kam erst heraus gekrochen, als die Tür des Schlafzimmers geschlossen wurde. Von außen, versteht sich. „Blödmann“, maulte der Kater und hatte nun auch Tsuki geweckt, der sich erst einmal träge in alle Richtungen streckte, sich dann aber wieder unter die Decke verzog, die Maung frustriert von sich geworfen hatte. Sein Lieblingskörperteil stand sinnlos in der Gegend herum und der Übeltäter hatte sich verzogen. Das konnte ja noch was werden. Doch weil ihm schnell kalt wurde, zog er die Decke wieder zu sich und kroch darunter, hatte so nun aber den armen Tsuki freigelegt, der resigniert der wandernden Decke hinterher kroch, um sich in der Wärme zu verstecken. Aber zumindest machte er seinem Frust lautstark Luft. Er maunzte anklagend, als er erneut unter der Decke verschwand und hoffte, nicht gleich wieder im Freien zu liegen.

Roman unten in der Küche machte das Frühstück und zischte immer wieder leise schmerzvoll auf. Lucky und Feli rochen etwas zu fressen und versuchten ständig, an Romans nackten Beinen hochzuklettern, was natürlich nicht ohne kleinere Kratzer ging.

„Jetzt ist aber gut“, sagte er schließlich und brachte beide wieder hoch ins Schlafzimmer. Dort konnte er sie im Laufstall zwischenparken, bis er fertig war. Er musste nur die Tür zu machen, denn zumindest Lucky hatte ja den Trick bereits raus, das Gatter zu verlassen, wie es ihm beliebte. Und deswegen dauerte es gar nicht lange, bis er zusammen mit seiner ebenfalls frustrierten aber lernfähigen Schwester zurück ins Bett kroch, zu dem noch viel frustrierteren Maung. Frust an allen Fronten. Nur Tsuki war zufrieden, denn er konnte weiter schlafen und musste nicht frieren.

„Na, ihr Süßen? Hat er euch auch abgeschoben?“, murmelte Maung leise und kraulte die beiden Kätzchen.

Roman ahnte nichts von dem, was er angerichtet hatte und verteilte das Katzenfutter auf drei Schälchen. Die Kleinen sollten zuerst etwas bekommen, damit er und Maung nachher Ruhe hatten.

„Essen“, rief er gut gelaunt, als er ins Schlafzimmer kam und stellte die Schalen in das Gatter. Die drei Kätzchen kamen dazu und schon wurde gierig geschlungen. Zumindest zwei von dreien, denn Tsuki musste erst mal begreifen, dass er schon wieder unter der flauschig warmen Decke vorgezerrt worden war und suchte vergeblich danach. Maung war versucht, seinen kleinen Liebling wieder zu sich zu holen, so verwirrt wie der im Gatter hockte.

„Pass auf, der Fette frisst deinen Napf leer!“, rief Maung aufgebracht, als sich Lucky doch allen Ernstes erst einmal über Tsukis Futter hermachen wollte, um seine eigenen Ressourcen zu schonen. „Hinterhältiger, kleiner Kater, von wem du das wohl hast“, fragte er und sah dabei Roman provozierend an.

„Hey, was soll das denn. Lucky ist nicht fett“, verteidigte Roman seinen kleinen Schatz, hinderte ihn aber daran, Tsuki zu beklauen. Er schob ihn zurück an seinen Napf und setzte Tsuki an seinen, damit er auch etwas essen konnte. Roman sah zu Maung und hatte das Gefühl, gerade nicht besonders gern gesehen zu sein, konnte es sich aber nicht erklären.

„Er hat eben noch geschlafen“, knurrte Maung und beobachtete Tsuki. Dann konnte er Roman noch ein bisschen ignorieren und musste sich nicht daran erinnern, was vor ein paar Stunden passiert war. Maung fühlte sich elend und es war sicherlich nicht fair, was er im Augenblick mit Roman tat. Doch er konnte nicht anders. Und krank zu sein und nicht einfach aufstehen und weggehen zu können, weil er nämlich nichts an hatte und sich so, wie er war, nicht zeigen wollte, war demütigend.

„Oh, das wusste ich nicht.“ Roman strich Tsuki entschuldigend über den Rücken und seufzte. Maung hatte was, aber so wie er sich verhielt, wollte er nicht fragen. „Ich mach Frühstück“, sagte er darum. „Passt du solange auf sie auf? Ich bringe alles hoch.“

„Ja sicher.“ Maung versuchte nicht allzu erleichtert zu klingen, dass Roman wieder ging. Verdammt, das war nicht okay, was er tat. Roman hatte in seiner naiven Art, an ihn heran zu gehen, doch nichts Falsches getan und ihn dafür zu bestrafen, dass er nicht so fühlte wie Maung, war nicht richtig. Doch sein augenblicklicher Zustand entbehrte leider jeglicher Logik. „Sorry“, sagte er also noch, als Roman zur Tür ging und zog die Decke bis unter die Nase. Im Augenblick konnte sich Maung selber nicht ertragen.

„Okay.“ Roman lächelte kurz, als er sich noch einmal umdrehte. Er wusste zwar immer noch nicht, was eigentlich los war, aber er hoffte, dass es jetzt vorbei war. Mit dem Frühstück kam er wieder zurück ins Zimmer und wunderte sich gar nicht, dass Maung die Kleinen wieder ins Bett geholt hatte. „Familienkuscheln?“, lachte er leise und suchte sich ein freies Plätzchen.

„Wenn du es so nennen möchtest“, sagte Maung und versuchte sich an einem Lächeln. Seine Familie war nicht hier und auch wenn die Kleinen süß waren und seinen Schutz brauchten, waren sie nicht seine Familie. Und Roman? Der hatte ihn gekauft und er bemühte sich wirklich redlich. Doch er stellte sich manchmal sehr naiv an. Er griff nach dem Kakao, der sicher für ihn war und erblickte schon wieder das Antibiotika. Lecker war es nicht, doch es musste sein, das hatte er begriffen. Und auch, dass er es bis zum Ende nehmen musste, wenn er ganz gesund werden wollte.

„Ja, dachte ich eigentlich.“ Roman war ein wenig enttäuscht, dass Maung das offensichtlich nicht so sah, aber er sagte nichts weiter dazu. Das war sowieso schon so ein merkwürdiger, ungemütlicher Morgen und diese Diskussion, die unweigerlich folgen würde, machte ihn auch nicht besser. Darum nahm er sich lieber etwas zu Essen und spielte nebenbei mit den Kätzchen, die über das Bett stromerten und neugierig waren, was auf dem Tablett stand.

„Zu einer Familie gehört mehr, als sich die Wohnung zu teilen“, sagte Maung leise, noch ehe er darüber nachgedacht hatte und entschuldigte sich sofort für seine Worte. Verdammt, seit Roman ihn geküsst hatte, war alles aus dem Gefüge und Maung nutzte jede Ecke, um sie zu touchieren. So ließ er den Kopf hängen und die Ohren, zog die Decke wieder höher und schnappte sich Tsuki, weil Feli und Lucky schon wieder um das Frühstück schlichen, als hätte sie seit Wochen kein Futter bekommen.

„Es tut mir Leid, Maung“, murmelte Roman leise. Seine Eltern waren schuld, dass Maung nicht mehr bei seiner Familie war. „Für mich gehörst du zu meiner Familie, aber ich glaube, ich kann verstehen, dass du das noch nicht so siehst.“ Roman seufzte und strich Maung über die Wange. „Wir haben dich einfach von deiner Familie weggeholt, ohne dass du etwas dagegen tun konntest.“

„Schon okay“, sagte Maung, auch wenn es das eigentlich nicht war. „Wir wussten alle, dass dies eines Tages passieren würde. Dafür wurden wir gezüchtet.“ Der Gedanke schmerzte immer wieder, auch wenn Maung so tat, als wäre es das normalste der Welt. „Wir sollten essen, wenn wir pünktlich in der Praxis sein wollen“, lenkte er also ab und hoffte, dass Roman den offensichtlichen Themenwechsel als das verstand, was er war: ein Hinweis darauf, dass Maung darüber nicht reden wollte, weil es wehtat.

Roman nickte und ließ das Thema fallen. Er aß noch ein wenig, aber der Appetit war ihm vergangen. Darum räumte er das Tablett weg, als Maung seine Medikamente genommen hatte und nichts mehr wollte. „Ich mach mich fertig“, murmelte er und ging duschen. Sie mussten sich wirklich langsam beeilen, wenn sie pünktlich sein wollten.

Maung sah ihm nach und er spürte nur zu deutlich, was er schon wieder angerichtet hatte. Es stand unter Strafe, seinen Herrn nicht zu erfreuen. Ob Roman das wusste? Ob er ihm das der Fairness halber sagen sollte? Maung haderte mit sich selbst und auch Tsuki war ihm da keine Hilfe. „Ich mach immer nur Mist, hm? Pass nur auf, dass das nicht noch auf dich abfärbt, Kleiner“, murmelte er leise und drückte das Katerchen an sich, eh auch er aus dem Bett kroch, um sich einer Katzenwäsche im Gästebad zu unterziehen.

Sie redeten nicht mehr miteinander, bis sie weg mussten. Roman hatte die Kleinen in eine weich und warm ausgelegte Transportkiste gesteckt, damit sie im Auto nicht rumstromerten und vielleicht noch unter das Gaspedal kamen. Das passte ihnen zwar nicht, aber da ließ er nicht mit sich handeln. Nun stand er mit ihnen im Flur und wartete auf Maung, der sich gerade die Jacke anzog. Aber in dieser Stimmung wollte Roman nicht los, darum zog er Maung zu sich, umarmte ihn kurz und küsste ihn auf die Stirn.

„Roman“, sagte Maung leise, doch weiter kam er nicht. Er hatte nicht den Mut auszusprechen, was wirklich in ihm arbeitete und was Roman anrichtete. Mit Worten schien er nicht sonderlich geschickt, denn immer wenn er es versucht hatte, war die Situation unerträglich geworden. Deswegen lächelte Maung schmerzlich und lehnte sich kurz gegen Roman, wie sich das für ein gutes Haustier gehörte. Er seufzte lautlos und löste sich, damit sie los konnten.

Sie redeten nicht viel auf der Fahrt und auch nicht, als sie in der Praxis ankamen. Maung setzte sich mit den Kleinen auf sein Bett und Roman brachte das Spielzeug und die anderen Sachen, die sie mitgenommen hatten, zu ihnen. Es herrschte immer noch eine merkwürdige Stimmung zwischen ihnen. Roman hatte öfter mal angesetzt, etwas zu sagen, es dann aber doch nicht getan, weil er befürchtete, alles noch schlimmer zu machen.

Auch an Martina ging diese Stimmung nicht vorbei, die sich gleich wieder bei den kleinen Katzen eingefunden hatte. Und auch wenn die Neugier sie schier auffraß und sie eigentlich eine Menge von den beiden wissen wollte, ließ sie es lieber bleiben. Die Atmosphäre war zum Schneiden und es blieb nur zu hoffen, dass sich das bald änderte, denn es fraß an aller Nerven. Maung kroch wieder in sein Bett und Tsuki blieb bei ihm, immer in der Hoffnung, endlich ausschlafen zu dürfen, während der Entdecker und seine kleine Schwester nun durch das Zimmer stromerten.

„Schön, dass sie so munter sind. Fressen sie gut?“, fragte sie grinsend, weil Lucky gerade auf dem Hintern gelandet war und sich lautstark beschwerte. Martina wollte Maung noch nicht alleine lassen und wählte ein unverfängliches Thema. Die drei Kleinen waren da immer eine gute Wahl. Roman war gerade nicht da und da erzählte Maung vielleicht, was los war.

„Gut fressen? Alles was sich nicht bewegt“, lachte Maung und beguckte sich den wildfarbenen Kater. Er hatte sich schon wieder aufgerappelt und jetzt war der Ball fällig, der es gewagt hatte, ihn zu Fall zu bringen. Der Kleine schien nachtragend zu sein. „Nur bei Tsuki muss ich aufpassen, dass er genug bekommt, denn er kann sich gegen Lucky nicht durchsetzen.“ Und schon hatte er seinen kleinen Liebling wieder im Arm.

„Du machst das schon, so wie du dich um ihn kümmerst.“ Martina strich dem kleinen Kater vorsichtig über das Köpfchen, damit er nicht wach wurde. Tsuki hatte es endlich geschafft, wieder einzuschlafen. „Und wie geht es dir? Fühlst du dich immer noch krank oder wird es besser?“, fragte sie und sah sich Maung genau an. Der Kater wirkte zwar etwas deprimiert, aber er wirkte nicht mehr krank, auch wenn er noch immer husten musste.

„Na ja, geht so“, gab er zu. „Ich bin schnell schlapp und erschöpft. Das dauert sicher noch ein bisschen, bis sich das wieder gegeben hat. Außerdem ist die Nase zu und ich kann...“ Fast hätte er sich darüber beschwert, dass er beim Küssen nur schlecht Luft bekam, doch dann wäre Martina neugierig geworden. Das wollte Maung nicht. Er musste vergessen, was passiert war, denn Roman hatte das auch getan. „Ach geht schon“, wiegelte er also ab.

„Das wird schon wieder.“ Martina strich Maung durch die Haare und lächelte. „Ich muss los. Leider macht sich meine Arbeit nicht von alleine. Eigentlich wollte Roman die Kleinen noch impfen, bevor die Sprechstunde beginnt, aber lassen wir Tsuki schlafen. Das können wir auch nachher in der Mittagspause noch machen.“

„Ja, der arme Kerl ist heute schon mehrfach geweckt worden“, sagte Maung mit einem tiefen Seufzer. Er konnte sich das richtig vorstellen, wie gemein das war, wenn man schlafen wollte und nicht durfte. „Aber ist das überhaupt normal, dass er so viel schläft. Nicht dass er krank ist.“ Sein Blick ging zu Tsukis Geschwistern, die tobten, als gäbe es kein morgen.

„Ich glaube nicht, dass er krank ist, aber zur Sicherheit sollte Roman das nachprüfen und ihn noch einmal untersuchen. Die zwei kleinen Dicken haben genug Reserven um zu toben. Tsuki ist noch ein wenig dünn, da muss er haushalten.“ Martina sah Maung lächelnd an. „Ich denke, er ist bisher ein wenig zu kurz gekommen, was das Futter anbelangt.“

„Fiese Bande“, nuschelte er ganz leise in Richtung von Lucky und Feli, die gerade die angelehnte Tür entdeckt hatten. Doch er grinste. So war die Natur eben. Der stärkste überlebt. Doch sein Tsuki würde auch leben und ganz stark werden. Das würden sie schon sehen. „Öhm, ist es richtig, dass die beiden gerade auf den Flur stromern?“, fragte er, als Roman die Tür aufmachte, um noch einmal nach allen zu sehen und ihm die Kurzen durch die Beine schlüpften.

„Nee, eigentlich nicht“, lachte Roman und setzte den Kurzen hinterher. Es war gar nicht so leicht, sie wieder einzufangen, denn sie waren flink, aber Roman bekam das hin, denn er hatte schon etwas Übung darin. Die kleine Jagd hatte seine Laune gebessert und so lächelte er wieder, als er zu Maung und Martina zurückkam. „Die zwei sind schlimmer als ein Sack Flöhe.“

„Eigentlich ist es Glück, dass Tsuki zurückhaltender ist. Hm? Schließlich hast du nur zwei Hände“, entgegnete Maung und es schien wieder wie vorher. Er bekam die schmollende Feli und den fauchenden Lucky auch noch in seine Obhut und nun war er wieder Raubtierbändiger.

„Ich glaube, das ist nur Show. Der kleine Schleicher hat es bestimmt faustdick hinter den Ohren. Er hat so was Freches in seinem Blick.“ Roman meinte das nicht wirklich ernst, sondern wollte Maung nur ein wenig ärgern. „Glaub mir, gib ihm noch ein paar Tage und er wird mit seinen Geschwistern das Haus unsicher machen.“

„Was Freches in seinem Blick“, knurrte Maung und griff sich seinen Liebling, um ihm in die Äuglein zu sehen. Dass der Kleine wieder geweckt wurde, musste jetzt leider in Kauf genommen werden, schließlich ging es hier um den guten Ruf des Kleinen. Freilich maunzte er aufgebracht und schien für heute die Schnauze gestrichen voll zu haben. Nirgendwo hatte man seine Ruhe. Klar, dass er in seiner jetzigen Verfassung schon etwas Verschlagenes im Blick hatte. Aber das hätte wohl jeder, der nicht ausgeschlafen war und sich heimlich Rache schwor.

„Siehst du“, grinste Roman. Er konnte es auch nicht lassen, Maung zu ärgern. Gern würde er noch ein wenig hier sitzen bleiben, aber die Uhr zeigte, dass sie keine Zeit mehr hatten. Heute war ein vollgepackter Tag mit einer recht komplizierten Operation, die länger dauerte. „Wir müssen“, sagte er seufzend.

„Okay.“ Maung nickte und packte Tsuki zurück unter die Decke, wo er sich meckernd ein Plätzchen suchte und vielleicht endlich in Ruhe gelassen wurde, um zu schlafen. Auch Maung legte sich wieder hin, denn er war noch nicht ganz wieder auf dem Posten und Lucky und Feli konnten sich gut alleine bespaßen. Nun war Maung also allein und er wusste noch nicht, ob das besser war als Romans Nähe, die er nicht ertragen konnte. Er fühlte sich durch den Wolf gedreht und stöhnte leise. 



14

Wie sollte das nur weitergehen? Dass Roman auf einmal nicht mehr seine Nähe suchte oder ihn berühren oder halten wollte, damit war nicht zu rechnen. Maung rollte sich unter der Decke zusammen und so fand Roman ihn, als er kurz zwischen zwei Patienten herein sah. Es war ruhig, denn Feli und Lucky hatten sich wohl müde getobt. Sie lagen schlafend im Körbchen und hatten sich aneinander gekuschelt. Maung döste nur und so sah er kurz auf und wackelte neugierig mit den Ohren, als er Roman sah. Er lächelte, weil er nicht wusste, was er sagen sollte. Verlegen griff er sich den Tee, den Martina vorhin gebracht hatte und trank einen Schluck. „Na?“, sagte er schließlich, weil es doch sehr still war.

„Ich wollte nur einmal kurz nach euch sehen.“ Roman setzte sich wieder vor das Bett und fuhr sich durch die Haare. „Gleich muss ich einen Hund operieren, der sich die Bänder an seinem Hinterbein angerissen hat. Das wird etwas länger dauern und ich habe keine Zeit für dich. Wenn ihr Hunger bekommt, in der Küche ist alles, was ihr braucht.“

„Ja, okay.“ Maung nickte heftig und setzte sich auf. Kurz sah er sich um. Dort lag das Tuch, was er sich um den Kopf band, damit keiner die Ohren sah und die lange Schlafhose, die er überziehen konnte, um den langen Schwanz zu verbergen. Denn wenn Roman seinen Patienten erklären sollte, was Maung eigentlich war, dann hatten sie ein Problem. Zumal das ja nicht mal Romans Praxis war.

„Gut. Wünsch mir Glück, dass alles ohne Komplikationen verläuft. Der arme Kerl ist nicht mehr der Jüngste und das macht die Narkose ein wenig kritisch.“ Roman lehnte sich bei Maung an und tankte so ein wenig Kraft für die nächsten Stunden. Dabei wurde er wieder an seinen Traum erinnert und er musste lächeln. Er hatte sich dabei so wohl gefühlt, wie nur selten vorher. Ob er Maung irgendwann einmal sagen sollte, was er geträumt hatte oder würde das die zarten Bande des Vertrauens, das der Kater gerade anfing zu fassen, zerstören?

„Du machst das schon“, sagte Maung und drückte Romans Hand, lächelte noch einmal, als der junge Arzt den Raum wieder verließ. Es war noch nicht wieder wie früher und die Anspannung machte Maung fast verrückt. Es musste etwas passieren. Alles war besser als diese Spannungen.

Die nächsten zwei Stunden hatte Roman keine Zeit über ihre Probleme nachzudenken. Er operierte mit Martinas Hilfe den alten Boxer und blieb bei ihm, bis er wieder aus der Narkose erwachte. Es hatte während des Eingriffs leichte Probleme mit dem Kreislauf des Hundes gegeben, aber das hatten sie zum Glück wieder in den Griff bekommen. Erst als Roman sicher war, dass alles gut überstanden war, ließ er den Boxer in seiner Box alleine und konnte sich den blutigen Kittel ausziehen.

„Das war gute Arbeit, dafür dass du eigentlich nur an der Uni lehrst“, grinste Martina und stupste Roman mit der Hüfte an. Auch ihr war nicht verborgen geblieben, dass er etwas nervös gewesen war. Doch er hatte sich souverän geschlagen. „Los, ab zu den Katzen, ich mach das hier schon“, sagte sie und grinste ihn an. Roman war hibbelig, wenn er Maung eine Weile nicht gesehen hatte, doch sie sprach ihn lieber nicht darauf an. Wer wusste schon, was das für ein Fettnapf war. Wahrscheinlich reichte der bis zum Knie.

„Danke. Ich finde, jeder Dozent sollte ab und zu in einer Praxis arbeiten, damit er wieder weiß, was für ein anstrengender Job das ist und seine Studenten darauf vorbereiten kann. Man verweichlicht schon sehr hinter seinem Schreibtisch.“ Das merkte er an seinem Rücken, der ziemlich schmerzte, darum streckte er sich und seufzte, als die Wirbel knackten. Jetzt fühlte er sich besser und öffnete vorsichtig die Tür zu Maungs Zimmer. Nicht dass wieder kleine Kätzchen flüchteten. Doch die lungerten gerade vor ihren Schalen, denn Maung hatte ihnen Futter geholt. Nun hockte er neben ihnen und hatte ein strenges Auge darauf, dass Tsuki bekam, was ihm zustand, und der Kleine haute tüchtig rein. „So ist es gut“, sagte er und unter dem Tuch, was er immer noch trug, wackelten seine Ohren aufgebracht. Aus dem Hosenbein guckte noch die Schwanzspitze.

„Hallo ihr Süßen“, rief Roman leise, weil er Maung nicht erschrecken wollte und kam ins Zimmer. „Geht es euch gut?“ Das Bett sah einladend aus, darum legte Roman sich hin. Das tat seinem Rücken gut. „Sollen wir etwas zu essen bestellen?“, fragte er, denn er hatte Hunger.

Maung hatte sich umgedreht und erhob sich langsam. So konnte er auf Roman hinab sehen, der einladend drapiert auf der Matratze lag. Kurz leckte sich der Kater über die Lippen und konnte es gerade noch vermeiden, sich auf seinen Herrn zu werfen. „Sicher, warum nicht.“ Auch Maung hatte Hunger, doch er hätte sich auch mit einer Scheibe Brot zufrieden gegeben. Aber leckeres Lieferessen war um einiges besser.

„Worauf hast du denn Hunger?“ Roman seufzte leise, als die Rückenschmerzen nach ließen und die Spannung der letzten Stunden von ihm abfiel. „Ich persönlich wäre für Pizza mit ganz viel Käse, aber eigentlich ist mir egal, was ich esse, Hauptsache es ist reichlich.“

Maung lachte leise und war versucht, sich fallen zu lassen und sich auf Roman zusammenzurollen. Doch das würde nur wieder in einem Desaster enden. „Ich will was mit Fisch. Wenn es das auf einer Pizza gibt, dann bin ich auch dabei“, erklärte er und wollte aus Jux fragen, ob er als Kater denn auch eine Mauspizza bekommen könnte. Doch er vermied das lieber, denn er hatte Sorge, dass Roman das wirklich erreichen konnte und dann hatte Maung ein Problem, denn er mochte keine Mäuse.

„Sicher gibt es das. Du hast die Auswahl zwischen Thunfisch oder Meeresfrüchte.“ Jetzt wo die Aussicht gut stand, Pizza zu bekommen, leckte Roman sich über die Lippen und seine Lebensgeister kamen zurück. „Jetzt müssen wir nur noch wissen, was Martina will, dann können wir bestellen.“ Er setzte sich auf und übermütig zog er Maung, der immer noch vor dem Bett stand zu sich.

Dass er ihm dabei auf den Schoß fiel, war nicht geplant, aber es passierte, weil Maung versuchte, sich irgendwie abzufangen. Zwar fielen Katzen immer auf die Pfoten, aber nicht wenn sie seitlich aus dem Konzept gebracht wurden und so klammerte er erschrocken an Romans Hals und wusste im ersten Augenblick nicht, wie ihm geschehen war.

„Stör ich?“, lachte Martina, die mit einem Glas Saft kam und lässig in der Tür lehnte. Sie grinste wie ein Honigkuchenpferdchen und Maung hatte das Gefühl, bei etwas ertappt worden zu sein.

„Ja“, lachte Roman und legte das Kinn auf Maungs Schulter ab. „Wir möchten Pizza, du auch?“, fragte er und streckte seiner Freundin die Zunge raus. Gerade fühlte er sich richtig wohl und er hoffte, dass die Spannungen von heute Morgen endlich verflogen waren. Er wollte nicht, dass die Harmonie der letzten Tage wieder verschwand.

„Sicher will ich auch was zu essen. Kann ja wohl nicht wahr sein“, lachte sie und schüttelte den Kopf. Sie wusste das Bild nicht einzuordnen und auch nicht, warum Maung sich so verspannte. Sie hatte eigentlich geglaubt, der Kater würde Roman wollen.

„Ich will Fisch“, piepste Maung und erschrak sich vor sich selbst. Was war denn mit seiner Stimme los? Hilfe suchend sah er sich um. Was sollte er tun?

„Kannst du bestellen, Tina? Maung möchte Thunfisch und ich bitte eine Calzone“, bat Roman seine Sprechstundenhilfe mit einem schiefen Grinsen. Er wollte sie loswerden, auch wenn das nicht sehr nett war, aber er musste mit Maung reden. Ihm war nicht entgangen, dass der Kater sich völlig verspannt hatte und er wollte wissen warum.

„Okay. Und zur Strafe, dass ich vor die Tür geschickt werde, bestelle ich auf deine Kosten“, lachte sie, verließ aber den Raum, denn sie spürte das elektrisierte Plasma um die beiden wabern. Da war doch was im Busch, was sie nicht wusste. Eigentlich durfte das nicht angehen, doch sie würde das schon noch erfahren. So konnte Maung ihr mit Panik in den Augen nur noch hinterher sehen.

„Danke, ist okay“, rief Roman ihr hinterher und holte tief Luft, als die Tür geschlossen wurde. Jetzt war er mit Maung alleine, aber wusste nicht, wie er es anfangen sollte. „Maung“, fing er an, aber sein Kopf war leer. Er wollte seinen Freund nicht drängen, aber es ließ ihm einfach keine Ruhe, dass sie sich voneinander entfernten. „Was habe ich falsch gemacht, dass du mich nicht mehr in deiner Nähe haben möchtest“, platzte es dann aus ihm heraus, bevor er es verhindern konnte.

Maung schluckte. Etwas in der Art hatte er erwartet, doch nun traf es ihn doch in aller Härte. So versuchte er Roman nicht anzusehen und holte tief Luft. Er löste sich aus der Umarmung, doch er blieb auf dessen Schoß sitzen, um Roman nicht völlig zu verstören. „Dein Traum“, sagte Maung leise und wusste nicht, ob er das richtige tat. Aber Roman jetzt anzulügen und Ausflüchte zu finden, empfand er nicht als richtig. „Das war keiner.“

Roman blinzelte und sah Maung entgeistert an. „Mein Traum“, stammelte er und wurde blass. „Ich… das… oh mein Gott, das tut mir Leid. Ich habe dich…?“ Roman war wirklich geschockt, das sah man ihm an. „Ich dachte wirklich, dass es ein Traum ist. Das habe ich noch nie gemacht. Bitte, das musst du mir glauben.“ Was musste Maung nur von ihm denken? „Es tut mir wirklich Leid.“

Enttäuscht senkte Maung den Kopf. Was hatte er auch erwartet? Dass Roman ihn anlächelte und erneut küsste? War er nicht schon etwas zu alt für solche Kindereien? „Schon okay“, sagte er also neutral und erhob sich. „Muss dir nicht Leid tun.“ Ohne sich umzusehen, kniete sich Maung wieder auf den Boden, wo Tsuki gerade mit seinen Geschwistern unter dem Bett her tobte.

Roman saß immer noch vollkommen geschockt auf dem Bett und versuchte zu verstehen, was in der letzten Nacht passiert war. Er hatte Maung geküsst. Er erinnerte sich noch an jede Minute davon, auch an das Gefühl, das er dabei gehabt hatte und er schämte sich dafür, denn es hatte sich nicht verändert. Maung hatte jedes Recht, sich von ihm fern zu halten. Wahrscheinlich hatte er Angst davor, wieder zu etwas gezwungen zu werden. Er musste versuchen, Maung zu erklären, dass so etwas nie wieder passieren würde. „Ich weiß nicht, wie ich dich dazu zwingen konnte. Niemand darf so etwas tun und ich weiß, dass es dafür keine Entschuldigung gibt. Du hast jedes Recht wütend auf mich zu sein.“

„Hab ich nicht“, sagte Maung leise und versuchte sich mit den Kätzchen abzulenken. Doch die Verräter ließen sich nicht von ihm greifen, sondern schossen unter dem Gästebett herum. Verdammt, warum entschuldigte sich Roman ständig? Er hatte doch gar nichts getan! Es machte Maung wütend und so schoss er hoch, funkelte auf Roman hinab und verengte die Augen zu Schlitzen.

„Ich habe nicht das Recht, auf dich wütend zu sein, verstehst du? Weil ich dich geküsst habe und nicht umgekehrt“, schrie er und wandte sich wieder um. Er rechnete damit, jetzt vor die Tür gesetzt zu werden und suchte sich die Socken, damit es nicht ganz so kalt wurde da draußen. Es hatte wieder angefangen zu schneien.

Das war jetzt eindeutig zu schnell gegangen und Roman saß völlig überfordert auf dem Bett und sah Maung zu, wie er sich anzog. Aber plötzlich kam Leben in ihn und er zog Maung so lange am Arm, bis er sich zu ihm setzen musste. „Ich habe dich also zu nichts gezwungen?“, fragte er noch einmal nach und ein Stein fiel ihm vom Herzen. Das hätte er sich niemals verzeihen können. „Ich bin so froh, das kannst du dir gar nicht vorstellen“, murmelte er erleichtert und zog Maung in eine feste Umarmung. „Es hat mir nämlich gefallen und den Gedanken, dich gezwungen zu haben, hätte ich nicht ertragen können.“

„Hä?“ Jetzt war es an Maung, extrem intelligente Laute zu machen, weil er nicht mehr hinterher kam. Sollte Roman ihn nicht rauswerfen? Er hatte ihm eben erklärt, dass er sich über ihn geworfen und ihm einen Kuss aufgedrückt hatte. Und was machte der Idiot? Knuddelte ihn wie einen Teddy und war froh, weil es ihm gefallen hatte? An welcher Stelle des Drehbuchs Maung den Faden verloren hatte, wusste er selbst nicht mehr. Nur dass er ihn verloren hatte, das wusste der Kater definitiv.

„Bin ich froh.“ Roman lehnte sich bei Maung an und ließ ihn nicht los. Es tat einfach gut, seinen Freund wieder im Arm zu haben. „Es ist nicht schlimm, dass du mich geküsst hast, keine Sorge.“ Er ließ Maung ein wenig lockerer, damit er ihn ansehen konnte. „Alles wieder gut? Ich bin so froh, dass du nicht böse auf mich bist.“

„Was?“, platzte es aus Maung heraus. Der Kater wirkte fassungslos. „Alles wieder gut? Ich falle über dich her, küsse dich und alles, was du sagst, ist: alles wieder gut. Sollte ein Kerl nicht anders reagieren, wenn ihm ein anderer Kerl die Zunge in den Hals steckt? Du hast doch ständig Weiber!“ Maung platzte einfach alles heraus, was ihm in den Sinn kam. Er war verwirrt, er wusste nicht, wo oben und unten war und was Roman hier veranstaltete, machte ihn völlig fertig. Er zitterte.

„Sollte ich wahrscheinlich.“ Roman grinste und zuckte mit den Schultern. „Ich bin einfach nur froh, dass du mir nicht böse bist und außerdem hat es mir gefallen. Als ich glaubte, dass es ein Traum war und auch, als ich erfahren habe, dass es keiner war. Da wäre es doch ziemlich sinnlos, mich aufzuregen. Allerdings bin ich neugierig, warum du es getan hast.“

Roman wusste, dass das wohl nicht gerade üblich war, wie er reagierte und er war selber erstaunt, dass es so war. „Vielleicht liegt es daran, dass ich dich gern habe, ganz im Gegensatz zu den Frauen, die ich küsse. Wahrscheinlich hat es mich deshalb nicht gestört, dass du auch ein Mann bist.“

„Hä?“, machte Maung wieder. Er hatte Tränen in den Augen, weil für ihn dies alles keinen Sinn ergab. Was redete Roman denn da? Er fühlte sich in die Enge getrieben und rettete sich mit dem Rücken an die Wand. Ängstlich sah er Roman an. „Was soll das heißen, du magst die Frauen nicht, die du küsst? Du hast mit ihnen Sex gehabt, das habe ich gerochen. Tag für Tag. Wie kannst du... du magst mich? Ich...“ in Maungs Kopf drehte sich alles. Er konnte nicht mehr und sank langsam an der Wand zusammen. Tsuki eilte zu ihm, um zu sehen, was mit ihm war.

„Maung!“ Erschrocken griff Roman wieder fester zu und zog den Kater an sich. „Alles ist gut, Süßer.“ Beruhigend strich er Maung über den Rücken und nahm Tsuki auf, der völlig aufgelöst maunzte und über den Boden trippelte. „Natürlich mag ich dich. Was dachtest du denn? Und das mit den Frauen… na ja.“ Es war Roman ein wenig peinlich, dass Maung das mitbekommen hatte. „Stimmt schon, dass ich was mit ihnen hatte, aber deswegen mag ich sie doch nicht. Es war Sex, mehr nicht.“

„Was glaubst du denn, wofür ich da bin, hm? Wofür Catboys gezüchtet werden? Zum Schmusen? Wach auf Roman! Wir sind Sextoys.“ Maung schrie. Er war am Ende. Sein ganzer Leib zitterte und nun war doch sowieso alles egal. Die Kiste war so verfahren, wenn das noch gut ausging, dann war Maung bereit an eine höhere Macht zu glauben. Er hatte nicht mehr den Mut, Roman noch anzusehen. Er war eine billige Hure, mehr nicht. Was würde Roman jetzt von ihm denken? Die Kuschelei dürfte vorbei sein. Wenigstens musste Maung dann nicht mehr diese unerträgliche Nähe verkraften, die ihn fast wahnsinnig machte.

„Sextoy?“ Roman war vollkommen erstarrt im ersten Moment und in seinem Kopf überschlug sich alles. Das konnte doch nicht sein. So was konnte man doch niemandem antun. Vor allen Dingen nicht Maung. „Nein, das bist du nicht“, sagte er entschlossen und hielt Maung fest. „Egal, was man dir erzählt hat, du bist so etwas nicht. Du bist mein Freund. Hörst du? Niemand darf so etwas zu dir sagen. Das lasse ich nicht zu.“

„Roman“, sagte Maung leise. Die Kraft hatte ihn verlassen. Gerade so, als hätte jemand den Stöpsel gezogen. Er löste sich behutsam von Roman und sank wieder auf den Boden, wo Tsuki maunzend noch auf ihn wartete. So nahm er den Kleinen lächelnd an sich und schloss die Augen. Die Tränen brannten. Roman hatte leicht reden. Der ahnte doch gar nicht, wie es in Maung wirklich aussah und was er sich mehr als alles andere wünschte. Es war zum Weglaufen.

So wie Maung dort saß, schnitt es Roman ins Herz. Sein Freund war unglücklich, das konnte er spüren und auch, dass er selber etwas damit zutun hatte. „Maung“, sagte er leise und kletterte vom Bett neben Maung, weil er wollte, dass der Kater ihn ansah. „Rede mit mir, bitte. Wie soll ich dich verstehen, wenn ich gar nichts über dich weiß?“, sagte er behutsam und legte ihm eine Hand auf die Schulter.

Doch Maung senkte wieder den Kopf. „Ich kann dir das nicht sagen“, erklärte er mit erstickter Stimme und drückte den kleinen Tsuki fest an sich. „Ich kann es wirklich nicht.“ Wie sollte er Roman sagen, dass er sich verliebt hatte?

Er!

Das Ding!

Ein Kerl!

Das war doch unmöglich. „Wo Martina wohl bleibt?“, lenkte er ab und sah zur Tür, denn er spürte ihre Freundin davor und sie hatte Angst hereinzuplatzen. Er konnte sie hören.

Der abrupte Themenwechsel brachte Roman völlig aus der Fassung. „Martina?“, fragte er verwirrt, aber da hatte Maung schon nach ihr gerufen und sie kam mit drei Pizzaschachteln in den Raum. Was sie sehen konnte, gefiel ihr gar nicht. Irgendetwas war passiert, denn ihre beiden Freunde guckten bedröppelt. Noch schlimmer als am Morgen. Doch sie wagte nicht zu fragen und tat so, als würde sie nichts bemerken.

„Das riecht gut“, sagte Maung und erhob sich, um ihr entgegen zu kommen. Er war so froh über die Ablenkung. Er ließ Roman allein am Boden zurück, der auf seinen Fersen saß und nicht wusste, was eigentlich mit ihm passiert war. Es tat Maung weh, zu sehen, wie er den Kopf hängen ließ, doch er konnte ihm nicht die Wahrheit sagen. Es war alles so aufgeladen. Dabei schlug Maungs Herz wie wild, weil Roman ihm so nah gewesen war. Dessen Lippen waren nur Zentimeter entfernt gewesen, die Versuchung pur. Doch nicht in diesem Augenblick.

Roman sah zu Martina und Maung rüber, die die Schachteln öffneten, um zu sehen, was darin war und nahm seine Pizza entgegen. Er fühlte sich wie gelähmt, vollkommen ohne Gefühl. Er aß, ohne etwas zu schmecken, völlig automatisch und klappte die Schachtel nach der Hälfte zu, weil er nichts mehr runter bekam. In seinem Kopf wirbelte alles durcheinander und er konnte keinen klaren Gedanken fassen. Er wusste nicht, was er machen sollte. Maung wollte nicht mit ihm reden und jetzt, wo Martina da war, ging das sowieso nicht. Darum stand er auf und ging hinaus. Er brauchte ein wenig Abstand, deshalb fing er an, alles für die Impfungen der drei Kleinen vorzubereiten.

„Dicke Luft?“, fragte Martina, die noch immer nicht wusste, was eigentlich los war. Sie kannte Roman schon lange. Sie kannte den alten und den neuen, doch so hatte sie ihn noch nie erlebt. Und Maung, mit seinen hängenden Ohren, wirkte auch nicht gerade wie das blühende Leben. Und irgendetwas sagte ihr, dass das nicht an seiner Erkältung lag.

„Wie üblich“, sagte Maung aber nur. Das konnte Martina jetzt interpretieren wie sie wollte. Ähnlich wie Roman, wollte er das vor Martina vorerst nicht ausbreiten. Vielleicht, wenn sie beide allein ins Reine gekommen waren, aber nicht in dieser unerträglichen Schwebe. Und das war nicht leicht, denn Maung war kurz vor dem Platzen. Er wollte reden - ja wirklich, doch er wusste nicht wie. Er hatte wohl heute schon genug Falsches gesagt.

„Och man, ich hatte nach den letzten Tagen wirklich gehofft, dass das jetzt vorbei ist.“ Martina seufzte und strich Maung durch die Haare und nahm ihn in den Arm. Warum kamen die zwei nur nicht miteinander aus? Sie kam aber nicht mehr dazu, Maung noch weiter zu fragen, denn Roman kam zurück und sah sie an. „Hilfst du mir, die Kleinen zu impfen?“, fragte er, denn ganz alleine konnte er das nicht machen. „Dann haben sie es hinter sich.“

„Ja, sicher.“ Martina erhob sich sofort und stellte den Rest ihrer Pizza auf den Tisch, während sie sich noch im vorbeigehen Feli vom Bett griff. Sie lag da gerade so einlandend herum. Lucky war ebenso schnell gegriffen, denn den musste man nur in der Nähe der Pizzaschachteln suchen. Nur Tsuki hatte sich unter das Bett verkrochen, als hätte er geahnt, was gleich auf ihn zukommen sollte.

Roman übernahm es, den Kleinsten einzusammeln und strich ihm über die Öhrchen. „Wird nicht schlimm werden. Ich pass auf“, murmelte er liebevoll. Spritzen waren nie angenehm, aber es musste sein und hinterher gab es für jeden ein Leckerchen. Tsuki wirkte ein wenig ängstlich, als Roman mit ihm aus dem Raum ging und maunzte, da half auch alles Kraulen nicht.

„Ich komme mit“, erklärte Maung also, denn dass sein kleiner Liebling so schrie, konnte er nicht ertragen. Schnell war das Tuch wieder über die Ohren gebunden, der Schwanz steckte noch im Hosenbein. So konnte nichts passieren, sollte er doch von einem Patienten gesehen werden.

So trabte die kleine Karawane in den Behandlungsraum, wo schon alles bereitlag. Das Impfserum war aufgezogen, die Impfpässe vorbereitet und auch die Spritzen mit den Chips lagen griffbereit. Da er Tsuki schon einmal in der Hand hatte, war er auch der erste. „Kann einer von euch ihn bitte festhalten?“, bat Roman und setzt das Katerchen auf dem Behandlungstisch ab, damit er anfangen konnte.

Natürlich war Maung gleich zur Stelle. Da gab es doch gar keine Frage. Er nahm Tsuki noch einmal auf, beschmuste ihn und flüsterte ihm leise etwas zu, ehe er ihn auf den kalten Tisch setzte und fest hielt. Er spürte genau, dass Tsuki das nicht mochte, doch es musste sein, wenn der Kleine gesund bleiben sollte. „Na los“, sagte Maung, als sie beide so weit waren und versuchte zu verdrängen, was eben zwischen ihm und Roman passiert war. Was wohl in ihm vor ging?

Roman versuchte Maung nicht anzusehen, weil er jetzt das Chaos in seinem Kopf nicht gebrauchen konnte. Er konzentrierte sich allein auf Tsuki und so war die Impfung schnell erledigt. Der Kleine hatte nur ein wenig protestiert und das wohl eher, weil er sich eingeengt fühlte, als vor Schmerzen. Die dickere Kanüle des Chips war da schon etwas schmerzhafter und Tsuki meckerte laut. „Schon vorbei, mein Süßer“, sagte Roman schnell und hielt dem Kater zur Belohnung seinen Finger hin, auf den er Vitaminpaste gegeben hatte, die Tsuki ablecken konnte. Was allerdings noch lange nicht hieß, dass er nicht auch ein kleines bisschen zubeißen würde, denn irgendwie musste auch ein sehr kleiner Kater seinen Frust loswerden.

„Los beiß noch mal“, feuerte Maung seinen kleinen Liebling an und stichelte ein bisschen. So versuchte er, wieder Normalität zwischen sie zu bringen, denn im Augenblick wusste er nicht, wie er sich verhalten sollte. Er lief wie auf rohen Eiern.

„Aber nur einmal noch. Es waren ja schließlich auch nur zwei Piekser.“ Roman schmunzelte, als Tsuki auch gleich noch einmal beherzt zubiss und nahm ihn hoch. „Wir sind quitt“, bestimmte er grinsend und gab ihn wieder Maung. Dabei berührten sich kurz ihre Finger und schon war das Chaos in Romans Kopf wieder da. „Der nächste Freiwillige, bitte“, lenkte er schnell ab und sah Martina an, die ihm Lucky in die Hand drückte.

Weil Roman unmöglich gleichzeitig das mopsfidele Katerchen bändigen und spritzen konnte, und Martina gerade Feli, die ahnte, was ihr blühte, bändigen musste, verschwand Tsuki kurzerhand wieder in Maungs Pullover und so konnte er Lucky greifen und ein wenig beruhigen. Er redete auf das Katerchen ein, doch der war für so was wie: „Tut doch gar nicht weh“, absolut nicht zugänglich. Das wollte bitteschön er entscheiden, was hier weh tat und was nicht.

„Hey, Dicker, jetzt mach nicht so einen Aufstand, du bist doch der große unerschrockene Entdecker“, versuchte Roman es und die erste Spritze bekam Lucky gar nicht mit. Den Chip dafür umso mehr. Wütend schlug er um sich und erwischte Maung an der Hand. Darum nahm Roman ihn gleich hoch und streichelte ihn beruhigend. „Tut es sehr weh?“, fragte er Maung und fühlte sich schlecht. Lucky war schließlich sein Liebling und er fühlte sich für ihn verantwortlich.

„Geht schon“, sagte Maung und wollte instinktiv das Blut weglecken. Doch da er noch nicht wusste, ob die Kleinen wirklich kerngesund waren, ließ er es bleiben und nahm das Desinfektionstuch, das Marina ihm reichte. „Halb so wild, meine Geschwister haben mir größere Schrammen verpasst.“ Aus dem Halsausschnitt seines Pullovers guckte schon wieder Tsuki, alarmiert durch Luckys Terror.

„Komm, wir tauschen. Die junge Dame braucht ja auch noch ihre Packung“, sagte Martina und nahm den meckernden Lucky an sich, um ihn zu beruhigen.

„Ja, aber erst noch eine kleine Belohnung, das hab ich ihm versprochen.“ Roman hielt Lucky die Vitamintube hin, damit er auch ein Leckerchen bekam, erst dann versorgte er Feli, die nicht weniger ungehalten war wie ihr Bruder, nur das diesmal Roman die Krallen abbekam. „Geschafft“, stöhnte Roman grinsend, als alles vorbei war und nahm Martina Lucky ab. Der Kleine war immer noch etwas verstimmt und brummte. Wie konnte man nur so schändlich mit ihm umgehen.

Die junge Dame hatte es wohl am besten weggesteckt, denn sie stromerte schon durch das Behandlungszimmer und untersuchte alles, was ihr in den Weg kam. Tsuki hingegen beguckte sich alles aus großer Höhe und Lucky spielte den Beleidigten, damit er noch eine zweite Belohnung kam.

„Ich nehm sie wieder mit ins Hinterzimmer und lege mich hin“, erklärte Maung plötzlich in die Stille und sammelte die Rabauken ein.

„Ja, das ist wohl das Beste. Ich bringe ihnen noch etwas zur Belohnung, weil sie so tapfer waren.“ Roman gab Lucky ab und räumte gleich die gebrauchten Spritzen weg, damit sich niemand daran verletzte. Er war ganz froh, dass Maung nicht mehr in seiner Nähe war, auch wenn er sich dafür schämte, dass er seinen Freund im Moment nicht um sich haben konnte.

Mit Feli im Arm, Lucky auf der Schulter und Tsuki unter seinem Pullover machte sich Maung also wieder auf in seine Ecke. Und kaum war der Kopf etwas frei, kam ihr Streit von eben wieder. „Pf“, machte Maung, als er sich daran erinnerte, wie Roman gesagt hatte, niemand dürfte Maung ein Sextoy nennen. Der war ja lustig. Ob der auch nur den Schimmer eine Ahnung hatte, dass Maung nur dafür ausgebildet worden war?

Wohl nicht, sonst hätte er nicht so entsetzt ausgesehen. Ob er sich ekelte? Ob er deswegen anfing, Maung aus dem Weg zu gehen? Wenn man nicht darauf achtete, merkte man es kaum, doch Maung spürte es deutlich - die Ablehnung. Er hatte mit seiner Ehrlichkeit alles nur noch schlimmer gemacht.

Maung konnte Roman auch nicht danach fragen, denn sein Freund kam nur kurz zu ihm und gab ihm ein paar Leckerchen für die Katzen. Roman setzte einmal an, etwas zu sagen, aber er tat es letztendlich doch nicht. Sie hatten keine Zeit für das Gespräch, das daraus vielleicht folgen würde. Darum streichelte er nur die Kätzchen noch einmal, dann ging er wieder. Bald begann sowieso die Sprechstunde.

Maung hätte ihm folgen können und Roman zur Rede stellen, doch er wusste so gut wie sein Herr, dass es keinen Sinn hatte, etwas Derartiges zwischen Tür und Angel zu diskutieren. So mussten sie warten, bis sie daheim waren. War nur die Frage, wie lange das noch Maungs Heim war, nachdem Roman wusste, wie er veranlagt war. Vielleicht wurde ihm der Kater doch zu suspekt und er wollte mit dem perversen Ding nie wieder etwas zu tun haben. Maung schüttelte den Kopf und sank in sein Bett. Es war zum Mäuse melken.

Roman versuchte sich auf seine Arbeit zu konzentrieren, denn da durfte er sich keine Fehler erlauben. Trotzdem musste Martina ihm ab und zu etwas zweimal sagen, weil er mit seinen Gedanken ganz woanders war. Den Patienten fiel es wahrscheinlich gar nicht auf, aber seiner langjährigen Freundin schon und langsam machte sie sich Sorgen. „Roman, was ist los? Kann ich dir helfen?“, fragte sie schließlich, aber der Tierarzt schüttelte den Kopf. „Nein, danke, das muss ich alleine klären. Da kannst du mir leider nicht helfen.“

„Okay. Wenn du doch reden willst, du weißt, wo du mich findest“, sagte sie und versuchte nicht enttäuscht zu klingen. Schließlich hatte ihr Maung durch die Blume das gleiche zu verstehen gegeben. Nur hatte sie das ungute Gefühl, dass die beiden einfach an einander vorbei redeten. Oder warum schepperte es ständig?

„Ja, danke.“ Roman sah Martina an und lächelte kurz. Es war schon schön, zu wissen, dass man Freunde hatte, die immer für einen da waren.

Nur half ihm das überhaupt nicht. So nach und nach ging ihm auf, was das, was Maung ihm gesagt hatte, zu bedeuten hatte. Komischerweise störte ihn die Tatsache, dass sein Freund wohl auf Männer stand, überhaupt nicht. Allerdings diese Sextoy-Geschichte schon, weil er nicht wusste, wie er das bewerten sollte. Was genau das eigentlich bedeutete, wollte er sich gar nicht vor Augen führen. Das machte ihn ganz kirre und half ihm bei seinem eigentlichen Problem kein Stück weiter: wie sollte er Maung begegnen? Wie sollte der Abend zu Hause werden? Würden sie sich aus dem Weg gehen? Würden sie sich anschreien? Roman wusste es nicht und das machte ihm Angst.

Er wollte seinen Freund nicht wieder verlieren. Er mochte Maung und hatte ihn gerne in seiner Nähe. Aber ging das noch? Im Nachhinein fiel ihm auf, dass der Kater sich oft verspannt hatte, bei ihren Umarmungen. Vielleicht wollte Maung ja gar nicht bei ihm bleiben. Das war alles so frustrierend und das Chaos in seinem Kopf wurde immer größer anstatt kleiner, je länger er darüber nachdachte.

Sie mussten reden, ob Maung das wollte oder nicht. Es führte kein Weg daran vorbei. Vielleicht sollte er sich mit ihm einschließen, so lange bis Maung wieder der Kragen platzte. Vorhin hatte er auch nicht gerade freiwillig die Wahrheit gesagt. Eigentlich sollte Roman ja froh sein, dass Maung ehrlich zu ihm gewesen war. Er hätte lügen können und hatte es nicht getan. Doch das änderte an seinem aktuellen Zustand nicht viel und er wusste nicht, ob es ihm nicht lieber gewesen wäre, Maung hätte ihn belogen.

Hin und her flogen seine Gedanken, wirbelten alles durcheinander und schließlich hatte Roman das Gefühl, laut schreien zu müssen, wenn er nicht verrückt werden wollte. Seit der Mittagspause war er nicht mehr bei Maung gewesen und darum hatte er zusätzlich ein schlechtes Gewissen. Sein Freund war immer noch nicht wirklich gesund und musste sich um drei quirlige, kleine Katzen kümmern.

Doch er wagte sich nicht zu Maung und je länger er ihm fern blieb und je länger er ihr nächstes Treffen hinauszögerte, umso mehr verließ ihn der Mut. Es war ein Teufelskreis, in den er geraten war, und Martina konnte das nicht mehr mit ansehen. Das Wartezimmer war leer und in der letzten Stunde hatten sie für heute auch keine Termine mehr. „Mach Schluss, mit dir ist heute kein Blumentopf mehr zu gewinnen“, sagte sie offen. Warum um den heißen Brei reden?

„Aber das geht doch nicht“, wollte Roman aufbegehren, aber unter Martinas strengem Blick, senkte er den Kopf und seufzte. Jetzt konnte er sich nicht mehr hinter seiner Arbeit verstecken. Jetzt musste er sich seinen Problemen stellen. „Sagst du Maung Bescheid und hilfst ihm?“, bat er seine Freundin und schämte sich dafür, so feige zu sein.

„Sicher, wenn du mir sagst, was hier so wichtiges zu tun ist, dass du deine kleinen, pelzigen Lieblinge nicht selber holst.“ Martina hatte Roman jetzt zehn Minuten lang beobachtet, sein Gesicht, seine Lippen, die Falten, die sich in seine Stirn furchten. Hier ging einiges nicht mit rechten Dingen zu und sie würde nicht helfen, dass die beiden sich wieder entfernten.

„Ehrlich? Alles, was mir einen Vorwand gibt, nicht zu ihm zu gehen.“ Roman fuhr sich durch die Haare und lehnte sich an die Wand hinter sich. „Ich kann das jetzt nicht, weil ich keine Ahnung habe, was ich machen soll und ich will das Gespräch, das wir führen müssen, nicht hier führen, nur weil mir die Nerven durchgegangen sind. Bitte, Tina, hilf mir und frag nicht, warum das so ist.“

„O-Okay“, sagte Martina gedehnt. Sie verstand kein Wort, aber sie begriff, dass Roman völlig aufgelöst war. Also drang sie nicht tiefer, sondern nickte. „Aber irgendwann will ich wissen, was hier passiert ist, Roman. Ich stecke da auch mit drinnen, denn ich mag Maung sehr und ich möchte, dass es ihm gut geht und ich möchte auch wissen, wie es mit ihm weiter geht.“ Sie sprach es, während sie den Raum verließ, um zu Maung zu gehen.

„Ja, irgendwann“, murmelte Roman leise und stieß sich von der Wand ab. Er zog seinen Kittel aus und ließ seinen Blick einmal durch den Untersuchungsraum schweifen. Martina hatte schon alles für den nächsten Tag vorbereitet, so blieb ihm wirklich nichts mehr zu tun, außer seinen Kittel aufzuhängen und sich seine Jacke anzuziehen. Dann musste er gehen und traf im Flur auf Martina und Maung. Ohne etwas zu sagen, nahm er den Katzenkorb und brachte ihn zum Auto.

„Mach's gut, Kleiner, bis morgen“, sagte sie leise und zog Maung noch einmal in ihre Arme. Blieb nur zu hoffen, dass sie Maung morgen wieder sah. Das erste Mal wusste sie nicht, was werden würde und das machte auch sie langsam unsicher.



15

„Ja, bis morgen“, sagte Maung und nickte. Er wirkte müde und abgekämpft. Angst sprach aus seinen Augen, als er Roman schweigend zum Auto folgte, sich auf den Sitz fallen ließ und sich anschnallte. Diese Stille machte ihm fast physische Schmerzen. Doch er wusste nicht, was er sagen sollte.

Roman ging es nicht anders. Er schwieg den ganze Weg, bis nach Hause und auch dort, sagte er erst einmal nichts. Er ließ die Kätzchen aus der Kiste, streichelte jeden noch einmal und ging dann in die Küche. Sie mussten reden, da kam er nicht drum rum, aber dann wollte er etwas haben, woran er sich festhalten konnte. Darum machte er zwei Tassen heißen Kakao. Den brachte er mit einem Teller Plätzchen ins Wohnzimmer, wo Maung sich auf der Couch zusammengerollt hatte.

„Und?“, hatte Maung gesagt, noch ehe er sich selbst hätte davon abhalten können. Vielleicht wollte er es auch gar nicht, denn er war angespannt wie lange nicht. Irgendetwas musste passieren und wenn er die Chance hatte, seine Spannungen mit Worten raus zu lassen dann war das immer noch besser als gar nichts. Seine schmalen Augen musterten Roman und er sah mit Genugtuung, dass es dem nicht besser ging als Maung selbst.

Roman seufzte und grinste schief. „Wir sollten uns unterhalten.“ Er setzte sich zu Maung auf die Couch und stellte eine der Tassen vor ihm auf dem Tisch ab. Der Kakao war eine Art Entschuldigung dafür, dass er Maung den ganzen Tag gemieden hatte. „Es tut mir Leid, dass ich dir den ganzen Tag aus dem Weg gegangen bin, aber ich war vollkommen durcheinander“, erklärte er leise und konnte seinen Freund dabei nicht ansehen.

„Hast du gut verborgen, hat man fast gar nicht gemerkt“, frotzelte Maung, grinste aber, damit Roman nicht glaubte, er würde ihn hier am ausgestreckten Arm verhungern lassen. „Aber ich denke, du hast dich über mich informiert? Dann dürfte es doch für dich nicht neu sein, dass solche wie ich nur von Männern gekauft werden und auch wozu wir da sind, war kein Geheimnis.“ Der Kater war zu aufgekratzt um sich jetzt seinem Kakao zu widmen. Dann hätte man noch mehr gesehen, wie er vor Anspannung zitterte.

„Ich wusste das nicht, ehrlich.“ Roman verzog das Gesicht, denn er wollte nicht auch noch bestätigt haben, dass das, was ihm den ganzen Tag durch den Kopf ging, wahr war. „Ich habe nur nachgefragt, welche Medikamente ich dir geben kann. Das war alles. Ich habe wohl unbewusst geahnt, was ich auf Fragen über dich erfahren hätte, darum habe ich es nicht getan.“ Roman fühlte sich elend, denn das, was diese Firma trieb, war in seinen Augen unmoralisch und er fühlte sich mitschuldig. Er drehte seine Tasse zwischen den Händen und sah Maung an. „Wenn ich dich nicht mögen würde, wäre mir das vielleicht egal, aber ich habe dich gern und darum ist es das nicht.“

„Äh?“, war so ziemlich alles, was Maung von sich geben konnte. Im Kopf hatte er gerade einen ellenlangen Monolog über die Blödheit nicht zu fragen vorbereitet, doch der löschte sich gerade selbsttätig, als er Romans Worte langsam verarbeitete. Er mochte ihn? Wie meinte der das? Skeptisch blicke der Kater auf seinen Herrn und setzte sich dabei auf, damit er Roman besser ansehen konnte. „Wie? Du magst mich?“, fragte er also, weil er das jetzt wissen wollte. Was hatte er schon zu verlieren?

„Sicher mag ich dich! Dachtest du, ich mag dich immer noch nicht, so wie am Anfang?“ Roman blickte Maung überrascht an. „Also ich knuddel bestimmt niemanden, den ich nicht mag. Schon gar keinen Mann… obwohl Frauen auch nicht.“ Schief grinsend sah Roman Maung an. „Du bist ein Freund. Ich habe dich gern bei mir. Mit dir kann ich lachen, reden, Spaß haben und all die Dinge, die man eben mit einem Freund machen kann.“

Nur nicht die Dinge, die man mit einem Gespielen macht, fügte Maung im Kopf frustriert hinzu, doch er lächelte, weil er Roman nicht vor den Kopf schlagen wollte. „Heißt das, meine Ohren sind jetzt sicher? Daran wird nicht mehr... au!“ Irritiert sah Maung auf sein Bein, an dessen Hose sich gerade Tsuki zu ihm nach oben hangelte. So nahm er den Kleinen auf und streichelte durch das sandfarbene Fell. Die Ablenkung kam ihm sehr gelegen.

„Ja, sind sie. Einmal ein zerkratztes Gesicht reicht.“ Roman lächelte und suchte kurz die anderen Kätzchen. Feli und Lucky stromerten gemeinsam durchs Wohnzimmer und suchten bestimmt was Essbares. „Maung, wir hatten einen denkbar schlechten Start. Meine Eltern haben ziemliches Chaos angerichtet und du musstest es ausbaden.“

„Japp“, sagte Maung ziemlich kurz angebunden, weil er leider nicht wusste, was er erwidern sollte. Was sagte man in einem Augenblick wie diesem, wenn alles in einem nach Sex schrie und das Gegenüber dafür nicht empfänglich zu sein schien? „Bin eh gespannt, was die sagen, wenn sie sehen, was deine Oma bekommen wird.“ Er zuckte die Schultern und ärgerte lieber Tsuki, der wehrte sich nämlich seit seiner Spritze mehr als vorher.

„Meine Mutter wird erst sehr überrascht sein, dann sehr entzückt und dann wird sie dich päppeln, weil du ja viel zu dünn bist.“ Roman sah das schon so richtig vor sich, wie seine Mutter Maung adoptierte. „Na ja, sie wird Oma was anderes besorgen. Die drei wirst du übrigens auch bald kennen lernen. Meine Eltern kommen am Samstag wieder und holen meine Oma von ihrer Schwester ab. Sie wird dann noch ein oder zwei Tage hier bleiben.“

„Oh. Volles Haus“, sagte Maung und erhob sich. Er guckte an sich hinab, hob den Pullover, um seinen Bauch zu sehen und kniff sich in die Seite. „Außerdem bin ich nicht zu dünn. Ich bin genau so wie die Kunden einen wie mich haben wollen. Deine Mutter wird mich füttern können, wie sie will, unser Stoffwechsel ist dafür ausgelegt, kein Fett anzusetzen“, erzählte er frei von der Leber weg und sah dabei leider nicht Romans Gesicht, sonst hätte er sich auf die Zunge gebissen.

„Da hast du es echt gut“, seufzte Roman. „Ich muss ziemlich aufpassen, dass ich nicht zunehme. Ohne regelmäßigen Sport geh ich auf wie ein Hefekloß.“ Noch heute hatte er daran zu knabbern, wie er als Jugendlicher ausgesehen hatte, aber er wollte da nicht dran denken, darum lächelte er. Er besah sich Maung und erst jetzt kam bei ihm an, was er noch gesagt hatte. „Warum dürfen die so etwas machen? Die haben dich verkauft. Das allein ist schon ungeheuerlich. Aber dich zu verkaufen, mit dem Wissen, dass du ein Sextoy sein sollst, ist abartig. So was kann doch nicht legal sein.“

Unverständlich blickte Maung auf Roman hinab und ließ den Pullover sinken. „Ja und?“, fragte er, weil er nicht ganz mit kam. Doch dann schien der Groschen zu fallen, wenn auch centweise. „Roman“, sagte er also und setzte sich wieder, „nur weil etwas nicht legal ist, heißt das noch lange nicht, dass Menschen sich vom Geld verdienen abhalten lassen. Egal auf wessen Kosten und zu welchem Risiko. Wenn die Summe stimmt, wird alles verkauft. Wirklich alles!“

„Ja, aber…“ Roman konnte die Antwort nicht verstehen und auch nicht, das Maung so ruhig dabei blieb. „Wozu gibt es Gesetze? Man kann doch nicht Menschen verkaufen. Ich mag mir gar nicht vorstellen, was mit dir passiert wäre, wenn meine Eltern dich nicht gekauft hätten. Das so ein Perverser…“ Es schnürte Roman förmlich den Hals zu, zu wissen was Maung erwartet hätte, wenn er bei jemand anderem gelandet wäre.

„Roman, auch wenn du es nicht hören willst. Dafür werden wir gezüchtet und dafür werden wir ausgebildet. Geld regiert die Welt. Nur der Preis entscheidet. Ich bin froh, dass ich hier bin, das stimmt“, sagte er mit Nachdruck, damit Roman begriff, dass Maung ihm dafür sehr dankbar war, auch wenn es eigentlich nur aus Versehen passiert war. „Denk einfach nicht mehr drüber nach, wenn es dir solche Kopfschmerzen bereitet. Denn du kannst es nicht ändern. Du glaubst nicht, wie der Markt für solche wie mich floriert und wo die Geldsäcke sitzen.“ Maung schüttelte sich und nun wollte er doch seinen Kakao. Also zog er die Tasse zu sich, ließ Tsuki schnuppern und fauchte leise, als der seine kleine Pfote rein tauchte, um sie abzulecken.

Roman musste grinsen, weil Tsuki nicht erfreut war, dass seine Pfote festgehalten wurde, damit er nicht alles voll kleckerte. Aber er musste erst noch etwas loswerden, bevor er half den kleinen Kater wieder zu säubern. „Egal, wozu du auch gezüchtet wurdest. Du musst nichts tun, was du nicht möchtest. Niemand wird dich zu etwas zwingen. Ich nicht und meine Eltern auch nicht.“ Roman wollte, das Maung das wusste. Allein von der Vorstellung, dass Maung so etwas von ihm glauben konnte, wurde ihm schlecht.

„Das weiß ich, Roman“, sagte Maung und konnte sich gerade noch verkneifen, das: „Sonst wäre ich schon längst ausgeglichener“, was ihm noch auf der Zunge lag, ebenfalls auszusprechen. Es hatte keinen Sinn. Er selbst war keinen Schritt weiter. Er wusste nicht, wo er bei Roman stand und dass der ihn mochte, bedeutete gar nichts, zumindest nicht im hormontechnischen Sinne. Doch wenn das so weiter ging, dann wurde Maung noch verrückt. Er war eben nun einmal dafür gezüchtet. Er konnte ohne Sex nicht ewig leben. Doch sollte er Roman das sagen? Das war ihm sicher unangenehm.

„Dann ist gut.“ Roman atmete erleichtert aus und wischte Tsuki die Pfote mit einem Taschentuch ab, auch wenn der kleine Kerl protestierte. Er nahm ihn Maung aus der Hand und streichelte ihn. Dabei sah er immer wieder zu seinem Freund rüber. „Hat es dir gefallen, mich zu küssen?“, fragte er unvermittelt, weil ihn das schon beschäftigte, seit Maung ihm das erzählt hatte.

Der abrupte Themenwechsel in die falsche Richtung hatte Maung so irritiert, dass er nickte und ein blödes: „Du kannst dusselige Fragen stellen“, in den Raum warf. Doch dann grinste er. „Ich hätte es nicht getan, wenn es mir nicht gefallen hätte.“ Und ich hätte nicht die dämliche Tussi rausgeekelt, wenn ich dich nicht haben wollen würde. Doch das verkniff sich Maung wieder wohlweislich, das wäre für Roman im Augenblick einfach zu viel. Vielleicht sollte der Kater das kleine Flämmlein nähren, was gerade aufflackerte, und sich vorerst damit zufrieden geben. Auch wenn das beileibe nicht leicht war. Er stand unter Strom.

„So, so“, murmelte Roman leise und wurde doch glatt etwas rot um die Nase. Er senkte schnell den Kopf und tat so, als wenn er ganz dringend Tsuki beschmusen musste, damit Maung das nicht mitbekam. „Mir-hat’s-auch-gefallen“, nuschelte er schnell und leise, sah aber nicht dabei auf, weil ihm das irgendwie peinlich war.

Wenn ihn sein Traum nämlich nicht täuschte, hatte er mit der Küsserei angefangen und das brachte ihn doch ziemlich durcheinander. Man konnte zwar nicht sagen, dass Maung der männlichste aller Kerle war, die Roman je gesehen hatte, doch selbst vor sich selbst konnte er sich nicht damit rausreden, dass er den Kater für eine junge Dame gehalten hatte. So war das nämlich nicht. Er wusste sehr wohl, was Maung war, schließlich hatte er ihn schon nackt gesehen.

Doch er kam nicht dazu, weiter zu grübeln, weil Tsuki ihn in den Finger biss. Er hatte die Nase gestrichen voll davon, gestreichelt zu werden. Wenn das so weiter ging, hatte er bald keine Haare mehr auf dem Rücken - wie sah das denn aus?

In seinem Alter?

„Autsch!“ Reflexartig zog Roman seine Hände weg und Tsuki nutzte die Gelegenheit, sich aus dem Staub zu machen. „Was soll das denn, du Zwerg?“, brummte Roman und sah dem Katerchen hinterher, der zu seinen Geschwistern lief. „Dein Haustier wird echt langsam frech. Ich hatte doch Recht, der Kurze ist verschlagen. Der hat nur so schüchtern getan. Der hat es faustdick hinter den Ohren.“

„Tja, vielleicht hast du ihn auch erst mit deinen Spritzen geweckt und er hat gemerkt, was in ihm steckt?“, mutmaßte Maung und sah dem kleinen Kater hinterher. Er war ganz froh, dass Tsuki sich wohl noch machte und sich nicht die Butter vom Brot klauen ließ. Doch dann sah er mit blinkendem Augenaufschlag Roman an und strich ihm über den malträtierten Finger. „Soll ich dich trösten?“, bot er mit rauchiger Stimme an, doch dann schüttelte Maung den Kopf. War er denn noch zu retten? Deswegen griff er schnell seinen Kakao und schoss hoch. „Lass uns Essen suchen, ich sterbe vor Hunger.“ Gelogen, aber auf die Schnelle fiel ihm nichts Besseres ein.

„Erst trösten und dann bestell ich uns Sushi. Auf Kochen habe ich heute keine Lust mehr.“ Roman hielt Maung seinen Finger hin, damit sein Freund sehen konnte, wie dringend er Trost brauchte. Schließlich hatte ein gefährliches Raubtier seinen Finger fast abgebissen. „Ist deiner. Darum musst du Schadensbegrenzung betreiben. Ich bin schwer verletzt.“

Maung wusste im ersten Augenblick nicht, was er sagen sollte, auch im zweiten war er noch nicht zurechnungsfähig, sondern stand mit seiner Tasse vor der Couch und sah Roman fragend an. Was erwartete der jetzt? Das, was Maung dachte oder doch nur einen Scherz? Der Kater stellte seine Tasse wieder ab und nahm den Finger in seine Hände, dann fasste er all seinen Mut, den er in den Ecken seines Körpers finden konnte und führte den Finger an seine Lippen. Auch wenn er dabei vor Aufregung zitterte.

Roman ließ ihn dabei nicht aus den Augen. Es war wie ein Zwang, den er sich selber nicht erklären konnte. Das Gefühl, als die Lippen seine Fingerspitze berührten, war völlig unerwartet und er blinzelte. Wie ein leichter Stromschlag fuhr es durch seinen Körper, bis zu den Zehen und ließ ihn leise seufzen. Er zog Maung zu sich, bis der Kater auf seinem Schoß saß und lehnte sich an ihn. „Kannst du mich umarmen?“, bat er leise. Er brauchte das jetzt einfach.

„Ja, sicher“, sagte Maung, noch einen Tick verwirrter als sowieso schon, doch er schloss seine Arme schweigend um Roman. So hatte er wieder diesen unglaublichen Duft um sich, der ihn fast verrückt werden ließ. Doch Maung versuchte sich zu beherrschen und schluckte einen Hustenreiz gequält runter. Das war das letzte, was er jetzt gebrauchen konnte. Er war aufgeregt.

„Danke.“ Roman genoss die Umarmung und legte seine Arme um Maung. Die Spannung des Tages fiel von ihm ab und erst jetzt hatte er das Gefühl, dass alles wieder in Ordnung war. Er fühlte sich geborgen. Sanft streichelte er Maung über den Rücken, als der seinem Hustenreiz nachgeben musste. „Nicht dagegen ankämpfen, das macht es nur noch schlimmer“, sagte er leise und hielt seinen Freund fest.

„Ich kann dich ja schlecht anhusten“, presste Maung krampfhaft hervor und löste sich kurz, um richtig durchzuhusten. Aber als er Romans enttäuschtes Gesicht bemerkte, sank er wieder auf dessen Schoß, auch wenn sein Hormonhaushalt gerade Amok lief, ohne Geiseln zu nehmen. Doch was tat man nicht alles, als netter Kater von nebenan. Apropos netter Kater! „Ey, Dicker“, fauchte Maung plötzlich, weil der Rabauke doch allen Ernstes den kleinen Tsuki unter sich begraben hatte beim Raufen.

„Er tut ihm doch nix“, verteidigte Roman gleich seinen Liebling und wurde dafür streng angesehen. „Tsuki geht’s gut. Da.“ Roman zeigte auf das Knäuel, wo Tsuki sich gerade unter Lucky hervorwuselte und sich nun seinerseits auf den größeren Bruder stürzte und ihn damit zu Fall brachte. „Der Kurze weiß sich schon zu wehren und ein bisschen Training tut ihm ganz gut.“

„Wenn meinem kleinen Liebling nachher eine Pfote fehlt, dann wirst du was erleben“, knurrte Maung gutmütig und lachte, als Feli, die unter der Heizung schlief, aufgebracht fauchte, weil sie von dem gelb-grauen Knäuel skrupellos überrollt wurde. Das war schon ein Trio Infernale. Doch dann waren die drei Kleinen auch schon wieder vergessen und mit einem tiefen Atemzug schmiegte sich der Kater an Roman.

„Keine Sorge, ich passe auf ihn auf, genauso wie auf dich.“ Roman küsste Maung auf die Schläfe und zog ihn einmal vorsichtig am Ohr. So ganz konnte er es nicht lassen, seinen Freund zu ärgern. Noch heute Mittag hatte er sich nicht vorstellen können, dass sie jetzt wieder derart zusammen saßen und er war froh, dass es so war. „Hunger“, murmelte er plötzlich. Er packte Maung fester und stand mit ihm auf. Sie wollten ja was bestellen und dafür mussten sie an den Laptop im Arbeitszimmer.

Erschrocken über den plötzlichen Positionswechsel krallte sich Maung noch fester. Im ersten Reflex wollte er die Krallen ausfahren, ließ es dann aber, weil er Roman damit den halben Rücken aufgerissen hätte. So schlang er lieber zusätzlich zu seinen Armen noch seine Beine um seinen Herrn und drängte so seinen Hintern unweigerlich gegen Romans Schoß. Er war wohl doch masochistisch veranlagt. Maung seufzte leise.

Mit seiner Fracht setzte Roman sich an den Schreibtisch und suchte die Seite seines Sushi-Lieferanten raus. Er leckte sich über die Lippen, als er die Bilder der kleinen Köstlichkeiten sah. „Such dir was aus, Süßer. Nimm worauf du Hunger hast.“ Er selber nahm auf jeden Fall noch eine Suppe zu seinem Sushi, weil er heute richtige Lust hatte zu schlemmen. Womit er nicht gerechnet hatte, waren wohl Maungs Lippen, die seine Zunge einfingen. „Ich hab, was ich will“, knurrte der Kater leise, doch dann merkte er wieder, was er getan hatte und riss die Lieferkarte förmlich an sich. „Sashimi bitte für mich. Hier, das Menü 2 mit Thunfisch und Lachs!“

„Okay. Menü 2 mit Lachs und Kussfisch“, murmelte Roman. Zu sagen, er wäre verwirrt, wäre eine Untertreibung. Er war völlig durcheinander. Dieser Kuss hatte ihn vollkommen überrascht und er fühlte sich wieder wie bei seinem Traum. „Noch mal“, sagte er, ohne darüber nachzudenken, was er da verlangte. Er wollte dieses Kribbeln wieder, das sich von seinen Lippen über den ganzen Körper ausbreitete.

Ohne zu zögern tat Maung ihm den Gefallen, denn hätte er noch lange darüber nachgedacht, hätte ihm am Ende wohl der Mut gefehlt. „Kussfisch“, murmelte er gegen Romans Lippen, doch dann wollte er nicht mehr reden. Er rieb seine Lippen erst sanft, dann fester über Romans Mund und seine Zunge suchte sich den schmalen Spalt dazwischen. Er war wie in einem Rausch, er brauchte seine Droge. Immer mehr.

„Hmm.“ Roman ließ sich nach hinten an die Lehne des Stuhls sinken und schloss die Augen. Da war es wieder! Das Gefühl, dass er in seinem Traum gehabt hatte. Dieses Kribbeln, das seinen Körper durchzog und die Wärme, die sich in seinem Bauch ausbreitete. Noch nie hatte er so etwas bei einem Kuss gespürt und er konnte nicht genug bekommen.

Darum forderte er Maung heraus, damit der ja nicht auf die Idee kam, den Kuss zu beenden. Doch der dachte gar nicht daran. Sein Hormonpegel lief langsam über und so folgte er Roman und ließ sich wieder auf dessen Schoß sinken, rieb mit seinem Schritt harsch über dessen Brust und drängte mit seinem immer intensiver werden Kuss Romans Kopf weit in den Nacken. Seine Finger griffen in das blonde Haar, nicht zu fest, aber doch bestimmend. Unbewusst wandte er an, was er gelernt hatte.

Er war dazu ausgebildet, zu verführen und seinem Herrn den größtmöglichen Genuss zu bereiten. Und Roman genoss gerade, daran bestand kein Zweifel. Es war für Roman vollkommen neu, derjenige zu sein, der etwas empfing. Normalerweise musste er geben, weil es so von ihm verlangte wurde und bei seinen Frauen wollte er es auch nicht anders. Erst noch zögernd fuhren seine Hände über Maungs schmalen Rücken und als sie den Schwanz zu fassen bekamen, streichelten sie durch das weiche Fell.

Ein Stöhnen wurde gegen seine Lippen gehaucht, denn Maung war dort extrem empfindlich. Wenn er an dieser Stelle richtig berührt wurde, dann zerfloss er fast vor Genuss. Verdammt war das gut. Solche Berührungen hatte er vermisst und doch waren sie nicht wie die seines Lehrmeisters. Sie waren anders, ungeschickter, aber dafür intensiver. So gruben sich seine Nägel doch langsam in Romans Schultern. Maung konnte es nicht vermeiden.

Der leichte Schmerz brachte Roman wieder ein wenig zur Besinnung. Zumindest so weit, dass er realisierte, was sie gerade machten. Behutsam zog er sich aus dem Kuss zurück und atmete tief durch, als ihre Lippen sich lösten. Sein Herz klopfte zum Zerspringen und im ersten Impuls wollte er Maung gleich wieder in eine wilde Knutscherei verwickeln. „Wow“, murmelte er leise und schloss die Augen. Seine Lippen brannten, aber das machte gar nichts. Das war es auf jeden Fall wert gewesen.

Nur löste er so auch Maung aus seiner Ekstase und der rutschte ein Stück ab, denn sonst würde Roman zu deutlich an seiner Brust spüren, was der Kater eigentlich wollte. Ihm reichten Küsse nicht mehr. Er war wild vor Verlangen und sich zu zügeln war nicht leicht. Ganz bestimmt nicht. Sein Atem ging hastig und seine Augen glitzerten. Er leckte sich die geschwollenen Lippen. „Thunfisch und Lachs!“, grinste er frech.

„Sollst du kriegen, Süßer.“ Roman grinste zurück und beugte sich vor, damit er an den Laptop kam. Er tippte ihre Bestellung ein und legte sein Kinn dabei auf Maungs Schulter. Jetzt dauerte es ungefähr eine halbe Stunde, bis ihr Essen kam und sein Blick blieb wieder auf Maungs Lippen hängen. Ab und zu hatte er die spitzen Zähne gespürt und das war wirklich etwas Einmaliges gewesen. „Du kannst toll küssen“, seufzte er leise und seine Augen bekamen einen schwärmenden Ausdruck.

Seine erste Reaktion, Roman zu erklären, dass er das schließlich gelernt hatte, drängte der Kater zurück. Es hätte die Stimmung sicher verdorben, weil es seinem Herrn ein weiteres Mal vor Augen geführt hätte, was Maung eigentlich war. „Du bist auch nicht übel“, gab er aber lachend zu und konnte verstehen, warum die Frauen Roman nachliefen. Er wollte noch etwas sagen, doch da gab es unten im Wohnzimmer einen Schlag und ein Kätzchen maunzte. Wie es klang, war das wohl Feli. Maung schoss hoch.



16

Roman kam kaum hinterher, so wie Maung die Treppe runter flitzte. Hoffentlich war den Kleinen nichts passiert. Es hatte sich wie ein zerspringender Blumentopf angehört und wenn der eines der Kätzchen getroffen hatte… Nicht auszudenken, dass eins der Süßen verletzt wurde. Darum hatte er auch erst keinen Blick für die Scherben, sondern suchte nach den Kleinen und als alle drei Köpfchen unter der Couch hervorlugten war er etwa beruhigter. Maung hockte bereits davor und fischte einen nach dem anderen darunter hervor. „Gib sie her, ich schaue nach, ob ihnen nichts passiert ist.“ Erst wenn Roman sie untersucht hatte, war er wirklich beruhigt.

Maung schnurrte beruhigend, denn die kleinen Herzchen hämmerten wie verrückt. Die Kleinen hatten sich unter Garantie erschrocken. „Schau dir besonders Feli an“, murmelte Maung, als er die Katzen abgab, er hatte da so einen Verdacht, wie das gelaufen war.

Sicher war der wehrlose Blumentopf zwei raufenden Katerchen im Weg gewesen und war der schlafenden Feli unter der Heizung direkt vor die Nase gefallen.

„Okay.“ Roman setzte die beiden Jungs auf seinen Schoß und untersuchte Feli. Sie hatte nichts abbekommen, außer ein wenig Blumenerde unter den Pfoten und im Fell, darum bekam Maung sie wieder, damit er sich die anderen beiden anschauen konnte. Die beiden Jungs waren auch unverletzt, darum streichelte Roman sie, bis die kleinen Herzchen wieder normal schlugen und sie wieder rumzappelten. „Ich kümmere mich um die Scherben“, sagte er und setzte die zwei ab, damit er aufstehen konnte.

Doch noch ehe die beiden Missetäter flüchten konnte, hatte sich Maung beide im Genick gegriffen, sowohl Lucky aus auch Tsuki. Er hielt sich die fauchenden Bündel vor das Gesicht und sah sie strafend an. „Ist mir egal, wer angefangen hat. Noch so eine Aktion und ich jage euch durchs Haus“, erklärte er ihnen, ehe er sie dann doch runter ließ. Als hätten sie ihn und die Drohung genau verstanden, drehten sie sich noch mal zu ihm um, fauchten aufgebracht und machten, dass sie weg kamen. Nur Feli stromerte wieder auf ihren warmen Platz unter der Heizung, unweit der Unglücksstelle.

Das machte es Roman nicht gerade leichter, als er mit Besen und Kehrschaufel wiederkam, aber er ließ sie weiter dort liegen und sie bekam so auch noch ein paar Streicheleinheiten. Die Blume war hin, also landete sie mit den Scherben im Mülleimer. Das war aber nicht wirklich ein Problem, es war keine der Lieblingsblumen seiner Mutter gewesen und er konnte sie ohne Probleme ersetzen.

„Ich glaube, Tsuki taut auf“, murmelte Maung und hing über der Lehne der Couch. Seine Ohren wackelten suchend und lauschten nach den kleinen Katern. Dabei zuckte sein Schwanz angespannt. Was die wohl als nächstes anstellten? „Ist bestimmt Luckys Einfluss“, sagte er nachdenklich, sah dabei Roman aber schelmisch an. Maung wusste nur zu gut, wie Roman seinen Liebling verteidigte.

„Was soll das denn heißen? Lucky ist ein ganz lieber“, ereiferte Roman sich wie erwartet und schnappte sich Maungs Schwanz, um leicht daran zu ziehen. „Dein Tsuki hat es faustdick hinter den Ohren, das hab ich gleich gesehen. Der hat so was Freches im Blick. Wahrscheinlich hat er Lucky angestiftet.“ Roman musste grinsen, als er das sagte, denn es war ihm klar, dass er Maung so zum Widerspruch reizte.

„Tsuki? Der kleine Tsuki? Der würde so was nie machen!“ Maung schoss herum und schubste Roman so mit Schwung in den Sessel, um ihm auf den Schoß zu klettern. „Nein, nein. Lucky wird ihn geärgert haben und gejagt, so dass der arme Kleine sich nicht anders zu helfen wusste, als dorthin zu flüchten, wo der Dicke ihm nicht folgen kann“, sagte er heftig nickend und hatte wieder ein Auge auf die beiden Kater. Wer einmal Mist baute, legte damit meistens den Grundstein für eine lange Tradition.

„Ja, der kleine Tsuki, der immer so schüchtern tut. Die sind meist die Schlimmsten.“ Roman konnte es auch nicht lassen Maung zu ärgern. Sein Katerchen sprang immer so gut darauf an. „Mein Lucky ist viel zu gutmütig, um das zu durchschauen und lässt sich das gefallen, weil er ein ganz lieber Schatz ist.“ Roman strich Maung über den Rücken, weil Maung gerade so günstig saß und strich ihm auch wieder über den Schwanz. Er merkte das gar nicht mehr, weil er das automatisch machte, wenn er Fell unter den Fingern hatte.

Der Kater bog den Rücken durch und schnurrte leise, doch dann verengte er gespielt angriffslustig die Augen. „Ja, ja. Wer's glaubt. Der Dicke ist doch der Macho“, lachte er und deutete auf Lucky, der sich gerade in einem Pantoffel verbissen hatte, während Tsuki in dem anderen saß, dass nur noch die Ohren raus guckten. „Da sieht man doch, wer hier der Troublemaker ist und wer das liebe Katerchen!“ Sein Kinn legte er auf Romans Schulter, weil er so die Katzen besser beobachten konnte. Vielleicht aber auch, weil er so Romans Lippen wieder näher kam.

„Ts, das ist doch nur Show. Wahrscheinlich zerbeißt der kleine Schleicher den Schuh gerade von innen, damit wir denken, er wäre brav.“ Roman gab sich so schnell nicht geschlagen. Das machte doch viel zu viel Spaß. Er drehte seinen Kopf ein wenig, damit er auch etwas sehen konnte. Lucky kämpfte verbissen und Roman war richtig stolz auf ihn, dass er so ein starkes Kerlchen war. Die Lieblingslatschen seines Vaters waren aber auch ein hartnäckiger Gegner.

„Ja, ja. Stell dich nur schützend vor den Raufbold“, lachte Maung und strich Roman dabei gedankenverloren durch die blonden Haare, drehte sie um seine Finger und zog leicht daran.

„Ich beschütze die, die ich liebe“, murmelte Roman abgelenkt, denn jetzt merkte er, wie nah Maung ihm war. Ihr Kuss von vorhin kam ihm wieder in den Sinn. Noch nie hatte er so etwas gespürt und eigentlich hätte er nichts dagegen, dort weiter zu machen und das verwirrte ihn ziemlich. Darum sah er Maung nur an und folgte dem leichten Zug, bis ihre Stirnen sich berührten.

Maung wusste nicht, was er darauf noch sagen sollte und so schwiegen sie eine Weile. Alles, was man hörte, war Lucky, der den Latsch zu besiegen versuchte und Feli, die zufrieden unter der Heizung schnurrte. Die Finger, die seinen Schwanz streichelten, allerdings machten Maung ganz kirre und so war das Klingeln an der Tür wirklich ein Zeichen des Himmels und er sandte lautlos einen Dank nach oben. „Futter“, rief er also aufgekratzt und sprang auf.

Roman zuckte zusammen, weil er sich erschrocken hatte und seufzte. Was war die letzten Tage nur mit ihm los? Sein Leben hatte sich vollkommen gewandelt, ohne dass er etwas dagegen tun konnte oder wollte. Maung hatte alles durcheinander gebracht.

Etwas langsamer folgte er seinem Freund, der schon die Tüte mit ihrem Essen in Empfang genommen hatte und mit der Nase in der Tüte hing. Roman bezahlte und folgte Maung ins Wohnzimmer, wo der Kater bereits anfing, alles auf dem Tisch auszubreiten.

„Das sieht gut aus.“ Maung leckte sich über die Lippen und sortierte alles ein bisschen durch, damit es übersichtlicher wurde. Doch dann hastete er in die Küche und holte Teller, während der halb verhungerte Lucky schon wieder - dicht ans Parkett gedrückt - zum Tisch geschlichen kam. Es roch verlockend und vielleicht fiel für ihn ja was ab.

„Nix da Dicker, das ist nicht für dich“, lachte Roman, aber Lucky fühlte sich nicht angesprochen und schlich weiter. Roman beobachtete ihn dabei und musste grinsen.

So ganz hatte Lucky das Anschleichen wohl noch nicht verinnerlicht, denn sein Schwanz wedelte aufgeregt senkrecht in der Luft und zeigte überdeutlich, wo der kleine Racker gerade war. Mal davon abgesehen, dass der Tarneffekt als graue Katze auf kahlem hellbraunen Parkett nicht gerade effektiv war.

Er merkte noch nicht einmal, dass Maung hinter ihn trat und ganz vorsichtig mit einem Zeh ein Hinterpfötchen festhielt. Lucky zog, stolperte und schoss fauchend herum. Und schon hatte Maung den Streitkater am Zeh, während Tsuki die Gunst der Ablenkung nutzte und nun neben Roman auf der Couch saß.

Dort blieb er aber nicht lange, denn mit einem beherzten Sprung landete der kleine Kater mitten zwischen dem Essen und ohne weiter nachzudenken, schoss eine Pfote vor, um etwas zu klauen, aber er hatte kein Glück. Roman hob ihn hoch und hielt ihn in Maungs Richtung. „Was hab ich gesagt? Mein Lucky wurde bestimmt von deinem Tsuki angestiftet, damit er sich selber was klauen kann“, lachte er und Tsuki gab ihm gerade Recht, denn er fauchte und strampelte wie wild, weil er zurück auf den Tisch wollte.

„Ich glaube eher, dass man den armen Kleinen vorgeschickt hat, weil er so süß ist und keiner ihm widerstehen kann und Lucky wollte dann die Beute wegschleppen.“ Maung war von der Schuld seines Lieblings immer noch nicht überzeugt und raufte lieber mit Lucky, der über das glatte Parkett rutschte, wenn er Anlauf nehmen wollte.

„Boah, du lässt aber auch gar nichts gelten. Tsuki hat wirklich Glück, dass er sich dich ausgesucht hat. Einigen wir uns darauf, dass beide frech sind.“ Roman knuddelte Tsuki und winkte Maung zu sich. „Bring den Rabauken mit. Ich finde, sie haben sich verdient, etwas für ihren Einsatz zu bekommen, oder wie siehst du das?“

Maung imitierte eine Maus, um auch Feli zu sich zu locken und wirklich drehte die junge Dame die Ohren und guckte. „Na komm“, sagte er und hatte Lucky schon auf dem Arm. Doch den Fisch wollte er den Kleinen lieber nicht geben, also schnappte er sich noch die Brekkies-Kiste und klapperte damit. Den Ton kannten die drei Entdecker schon ziemlich gut und sprangen wie wild darauf an. Selbst Tsuki vergaß das Essen auf dem Tisch und hüpfte nun um Maung herum.

Roman sah ihnen zu und wieder einmal war er froh, dass die drei Kätzchen bei ihnen gelandet waren. Sie waren einfach süß. „Komm, sie haben genug und ich habe Hunger“, lockte er Maung und klopfte neben sich auf die Couch. Seine Suppe wurde auch nicht wärmer, je länger sie rum stand und zur Untermalung seiner Worte knurrte sein Magen laut und vernehmlich.

„Ah, okay.“ Maung nickte und stellte die Schachtel außer Reichweite von kleinen Pfoten und machte sich auch endlich über sein Sushi her, während die drei am Boden ihre Leckerchen verputzten. „Sieht das gut aus! Und wie das riecht!“ Und schon hatte Maung den ersten Happen im Mund, nuschelte aber dann noch ein: „Gu'n 'tit“, auch wenn man mit vollem Mund eigentlich nicht sprach.

„Du auch.“ Roman hatte schon den Deckel seiner Suppenschüssel in der Hand und schnupperte. Sein Löffel tauchte gleich in die dampfende Flüssigkeit und verschwand in seinem Mund. „Lecker“, murmelte er begeistert und wiederholte das gleich noch einmal. Erst dann nahm er sich etwas von seinem Sushi und tauchte es in die Sojasoße. Wie immer waren die Happen superlecker.

So ließen sie es sich beide schmecken und als sie fertig waren, waren alle Verpackungen leer. Sie waren satt und zufrieden und so lehnte sich Maung nach hinten und strich sich über den vollen Bauch. Das war gut. Er leckte sich noch einmal über die Finger und schnurrte laut und zufrieden.

„Wenn ich das könnte, würde ich das jetzt wohl auch tun.“ Roman sah grinsend zu Maung rüber und legte sein Ohr auf dessen Brust, damit er dem Schnurren nachfühlen konnte. Das war einer der Gründe, warum er Katzen sehr gern um sich hatte. Er mochte dieses Geräusch unwahrscheinlich. Es beruhigte ihn immer.

Kurz hielt Maung die Luft an und wusste nicht, was er sagen sollte. Doch dann machte er weiter, denn Roman schien es zu mögen. Mit geschlossenen Augen lag er gegen die Rückenlehne der Couch gedrückt und erinnerte sich an den ganzen verrückten Tag. An alles. An die Küsse, dass Roman ihn mochte und dass Maung keinen Schimmer hatte, wie der das eigentlich meinte. Die Nacht dürfte die Hölle werden.

Sehr lange blieb Roman aber so nicht liegen, weil er Maung mit seinem Gewicht nicht zu sehr belasten wollte. Aber er blieb so nahe neben seinem Freund gelehnt, dass er das Schnurren noch hören konnte. „Ich bin so voll, ich brauche einen Wodka zur Verdauung, du auch?“, fragte Roman und sah Maung an, der immer noch mit geschlossenen Augen neben ihm lehnte.

„Ja“, sagte Maung, weil er keinen Schimmer hatte, was das eigentlich sein sollte. Doch wenn Roman das wollte, wollte Maung das auch. Kaum war Roman weg, hatte er schon wieder Tsuki auf dem Bauch liegen, als hätte der kleine Kater nur auf seine Chance gelauert. Der Rest vom Trio Infernale stromerte wohl irgendwo herum.

„Hey, du Zwerg, da wollte ich wieder hin“, brummte Roman grinsend, als er mit zwei gefüllten Gläsern wieder zu Maung kam. Er stellte sie ab und stupste Tsuki an, der es gar nicht schätzte, gestört zu werden. So schnell ließ er sich nicht vertreiben, darum fauchte er frech und seine Tatze schlug nach Roman. Das ließ der sich nicht gefallen und so wurde Tsuki kurzerhand auf dem Boden abgesetzt und Romans Kopf landete wieder auf Maungs Brust.

Der sah dem kleinen, sandfarbenen Kater hinterher, der leise meckernd wohl auf der Suche nach seinen Geschwistern war. „Wenn er jetzt mit mir schmollt und nicht mehr bei mir im Bett schlafen will, dann musst du dir aber was einfallen lassen“, sagte Maung, doch es kribbelte in seinem ganzen Körper, als ihm klar wurde, dass Roman eigentlich gerade ein ganz kleines bisschen um ihn gekämpft hatte. Leise lachte er über sich und seine Albernheit.

„Wenn er schmollt, dann mit mir, denn ich habe ihn ja auf den Boden gesetzt.“ Grinsend sah Roman zu Tsuki und streckte dem kleinen Kater die Zunge raus, auch wenn das albern war, aber er fühlte sich gerade einfach rundherum gut. Er nahm eins der Gläser vom Tisch und gab es an Maung weiter. Erst dann nahm er seins und prostete seinem Freund zu.

„Na, du hast gut reden. Sicherlich denkt der arme Kleine jetzt, ich würde dich ihm vorziehen und er würde nicht mehr geliebt. Das ist doch grausam!“ Maung wurde gespielt theatralisch und schüttete sich das weiße Zeug in den Mund, weil er Durst hatte. Doch er riss die Augen auf und schüttelte sich nach dem Schlucken, denn das Zeug war scharf und er suchte mit den Augen nach etwas zum Nachspülen. Der Drang das Brennen loszuwerden wurde immer größer. Und so kam der sonst verdrängte Hustenreiz wieder durch.

Roman wollte noch etwas Freches erwidern, aber als Maung anfing zu husten, hielt er erschrocken inne. „Mist“, fluchte er leise, denn er hatte ganz vergessen, dass Maung ja keinen Alkohol trank. „Trinken“, röchelte Maung und Roman lief schnell zum Tisch und holte ein Glas Wasser. Vorsichtig klopfte Roman seinem Freund auf den Rücken und zog ihn an sich. „Tut mir Leid, ich hätte dich vorwarnen sollen.“

Maung trank gierig und beruhigte sich langsam wieder. „Man, das Zeug ist ja lebensgefährlich“, murmelte er leise und holte tief Luft. Der Hals brannte noch immer, vielleicht auch, weil er vom Husten immer noch rau und angegriffen war. „Nette Erfahrung, muss ich aber nicht noch mal haben“, stellte Maung klar und rollte die Schultern. Er fühlte sich verspannt. Schief grinsend sah er zu Roman.

„Na ja, lebensgefährlich nicht, aber wenn man es nicht gewohnt ist, muss man schon mal husten.“ Roman hatte ein richtig schlechtes Gewissen, das sah man ihm auch an. Ihm selber hatte der kleine Wodka nichts ausgemacht. „Ich habe gar nicht dran gedacht, dass du ja Alkohol nicht gewohnt bist. Wenn du noch einmal was trinken möchtest, fangen wir mit harmloseren Sachen an.“

„Glühwein!“ Maung grinste, denn der war ja noch offen. Morgen auf dem Weihnachtsmarkt war er ihm versprochen worden und deswegen hatte Maung auch alles daran gesetzt, nicht mehr krank zu erscheinen. Dass er jetzt von seinem eigenen Körper so boykottiert worden war, wurmte ihn ein wenig, doch er hoffte, dass Roman morgen keinen Rückzieher machte. „Der war so schön süß“, sinnierte Maung sich erinnernd, auch wenn der Tag danach die Hölle gewesen war mit den rasenden Kopfschmerzen.

„Ja, morgen gibt es Glühwein für dich“, lachte Roman und wuschelte Maung durch die Haare. „Stimmt, der ist süß. Apropos süß. Wir müssen Martina fragen, ob sie so lange auf unsere Dreierbande aufpasst. Die können wir ja nicht mit auf den Weihnachtsmarkt nehmen.“ Hoffentlich hatte sie auch Zeit, denn sonst mussten sie ihr Vorhaben verschieben. Er sollte sie vielleicht gleich mal anrufen und nachfragen. „Möchtest du heute noch etwas von dem Fruchtpunsch? Den darfst du trinken.“

„Klar, warum nicht. Wenn schon überfressen und dem Sterben nahe, dann richtig.“ Maung ruckelte so lange unzufrieden auf der Couch herum, bis er liegen konnte und es dauerte keine Minute, da hatte Tsuki seinen Platz wieder erobert, drehte sich zweimal um sich selbst und rollte sich dann auf Maung zusammen. „Schelm“, lachte Maung, lauschte aber auf Romans Telefonat.

Natürlich ging das nicht schnell, denn Martina machte sich Sorgen und so musste Roman sie beruhigen, dass alles wieder in Ordnung war. Er erklärte ihr zwar nicht genau, was los gewesen war, aber er konnte ihr klar machen, dass es Maung gerade sehr gut ging und sich das auch nicht ändern würde. Nebenbei wärmte er den Fruchtpunsch auf und brachte ihn zu Maung ins Wohnzimmer und setzte sich zu ihm. „Sie nimmt die Süßen morgen, wenn wir ihr etwas vom Markt mitbringen.“

„Fein, fein“, sagte Maung und klatschte in die Hände. Mit geschlossenen Augen ließ er das weiche Aroma auf sich wirken, was die Tasse in Romans Händen im ganzen Zimmer verströmte. Es war herrlich. Wer hätte vor ein paar Tagen noch gedacht, dass der Idiot richtig nett sein konnte? Maung grinste frech und öffnete ein Auge, konnte sich aber nicht aufsetzen, weil Tsuki warnend knurrte. Wehe er wurde gleich wieder vertrieben. So lief das aber nicht.

„Wenn ich ihn jetzt versuche hoch zu nehmen, wird mir wohl mindestens ein Finger fehlen.“ Roman grinste, weil Tsuki sicher ganz genau wusste, was er vorhatte und knurrend zu ihm rüberschielte. „Ach was soll’s, ich riskier es. Ich heb ihn hoch, du setzt dich schnell auf und bevor er fauchen und kratzen kann, setze ich ihn wieder bei dir ab.“

Ganz sicher, dass es funktionierte, war er sich nicht, aber sie mussten es versuchen. Und so griff er Tsuki schneller als der kleine, schläfrige Kater gucken konnte und Tsuki lag schon wieder auf Maungs Bauch, noch ehe er sich echauffieren konnte. Als wäre nichts gewesen, strich Maung seinem Kleinen durch das Fell, griff sich mit der anderen aber den leckeren Punsch und trank gierig, auch wenn es ziemlich heiß war.

So friedlich verlief der Rest des Abends. Einträchtig nebeneinander sitzend sahen sie fern und beschmusten die drei Kätzchen, die sich nach und nach bei ihnen einfanden. Sie wurden ausgiebig gekrault, bis sie alle drei tief und fest schliefen. „Gehen wir auch schlafen?“ Roman musste gähnen und Maung wirkte auch nicht mehr ganz wach.

Er legte Lucky, der auf seinem Bauch schlief zu seinen Geschwistern und stand auf, um das Körbchen zu holen. Darin konnte er die Kätzchen bequem hoch tragen. Maung taumelte hinterher und verschwand kurz im Bad, doch dann warf er gedankenverloren seine Kleider von sich und kroch unter die Decke. Während Roman auch im Bad war, arrangierte er die drei kleinen Kätzchen zwischen ihren Schlafstätten, denn eines war Maung klar: Wenn er diese Nacht wieder über Roman herfiel, dann gab er sich nicht mit Küssen zufrieden. Also musste er vorsorgen und stellte sich schlafend, als Roman zurückkam.

Vorsichtig schlüpfte Roman zu den vier Katzen, damit er niemanden weckte. Er fand es schade, dass Maung schon schlief und er ihn nicht in die Arme nehmen konnte. „Schlaft gut“, flüsterte er leise und küsste Maung auf die Stirn, so wie er es fast jeden Abend bisher gemacht hatte. Er fühlte sich ein wenig alleine und es fehlte ihm, mit Maung in den Armen einzuschlafen. Dabei war ihm nicht einmal bewusst, warum eigentlich, den normalerweise war er nicht so verschmust.

Maung kroch noch etwas tiefer unter seine Decke und versteifte sich, damit er nicht aus versehen noch Blödsinn machte. Ach verdammt, er war frustriert wie jeden Abend. Lange hielt er das nicht mehr aus, besonders wenn Roman weiterhin so zutraulich war und Maung, ohne es zu wissen, das Leben schwer machte.

Roman brauchte ein wenig, bis er in den Schlaf kam und das auch erst, als er einen Arm ausstreckte und seine Finger eine von Maungs Haarsträhnen zu fassen bekamen.

Maung seufzte und drehte sich auf den Rücken. Im Dunkeln starrte er an die Decke, doch da er ebenso gut sah wie im Hellen, wandte er sich kurz zu Roman um, der endlich schlief. „Ich war ein braver Kater, ob der Weihnachtsmann mir bringt, was ich mir wünsche?“, fragte er leise und zog den schlafenden Tsuki dicht an sich, um ihn zu beschmusen.