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Weihnachtszeit - Teil 3 bis 4

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„Ist schon komisch, wieder hier zu sein.“ Gregor sah an der Fassade vom KaDeWe hoch. So lange, war er nicht weg gewesen, aber in den drei Wochen hatte sich einiges verändert. Bald war er Abteilungsleiter und schon jetzt wurde er in seinen neuen Job eingearbeitet, damit sein alter Chef bald in Rente gehen konnte. Bisher war er mehr oder weniger einer unter den vielen Technikern des großen Kaufhauses gewesen und jetzt arbeiteten sie für ihn. Ein wenig Bammel hatte er schon davor. Vor allem weil er dann die Verantwortung trug. Er war dann nicht mehr derjenige, der die Kühltruhe reparierte, wenn sein Schatz anrief. Er war dann der, der sich um die Einsatzpläne kümmern musste, die Jungs anleiten. Er würde viel mehr Verantwortung tragen und mit besten Wissen und Gewissen seinen Männern zur Seite stehen.

„Ach, Schatz!“ Thomas neben ihm lachte leise. „So viel hat sich doch gar nicht verändert“, sagte er schelmisch, denn das war gelogen. Als Gregor nach Aachen gefahren war, war die Fassade noch schlicht gewesen - jetzt war sie weihnachtlich geschmückt. Tannenbäume und Lichterketten, wohin das Auge blickte. Thomas' Augen leuchteten, denn daheim hatte er noch am Samstag einen Rundumschlag gemacht und alles wieder in seine Kisten geräumt, die Wäsche ausgetauscht. Selbst der Kühlschrank war nicht verschon geblieben. Er war gründlich gewesen.

„Na los.“ Gregor drückte kurz Thomas' Hand, dann gingen sie zum Personaleingang, wo ein paar ihrer Kollegen sie lachend begrüßten und erklärten, dass es auch Zeit wurde, dass Gregor wieder da war, denn sonst hätten sie Thomas irgendwann gefesselt und geknebelt. Gregor lachte nur und zog seinen Schatz noch für einen Kuss an sich.

„Sehen wir uns in der Pause? Du kannst dir ja mein neues Büro angucken, oben in der Chefetage.“ Nun musste er doch grinsen und seine Augenbrauen wippten.

„Ah! Liebling vom Chef“, knurrte Vera gutmütig und lachte leise, schlug Gregor aber aufmunternd auf die Schulter. „Los, mach dich nach oben. Thomas wird ja jetzt wieder genießbar sein, wir werden ihm schon nichts tun.“

„Man, kann ich nette Freunde haben!“, murmelte Thomas gespielt knurrig und knöpfte sich die wärmende Jacke auf, weil das Kaufhaus gut geheizt war. „Schon um denen zu entkommen werde ich mich in deine starken Arme flüchten müssen.“

Gregor zeigte Vera eine lange Nase und küsste Thomas noch mal demonstrativ. „Wenn sie böse zu dir sind, sag Bescheid, dann komm ich und verhau sie“, flüsterte er ihm noch ins Ohr, dann erst ließ er ihn los und ging zu dem Fahrstuhl. Er winkte noch einmal und schickte Thomas einen Luftkuss, als die Türen sich öffneten und er stieg ein. „Auf in den Kampf“, murmelte er leise und straffte sich. Man sollte ihm nicht ansehen dass er sich unwohl fühlte.

„So, Schatzi wieder weg.“ Vera hakte sich bei ihrem Kollegen ein und geleitete ihn zu den Schränken, wo Thomas wie üblich seine Sachen einschloss. Während er sich von den dicken Klamotten befreite und seine Arbeitskleidung richtete, spürte er die prüfenden Blicke. „Was?“, fragte er also, als er den Schrank schloss und sich grinsend zu ihr umdrehte.

„Na, wie war das Wochenende?“, fragte Vera grinsend und hakte sich wieder ein. Sie war neugierig, auch wenn sie es immer abstritt. „Was hat er für ein Gefühl bei seiner Prüfung? Ist sie gut gelaufen, oder haben wir umsonst gelitten?“

„Nein, er meinte das wäre gut gelaufen. Er hat ein gutes Gefühl und das glaube ich ihm auch. Er weiß nämlich, dass ich ihm die Hölle heiß mache, wenn meine drei Wochen Abstinenz umsonst gewesen waren. Schon deswegen wird er es nicht wagen durchzufallen“, lachte Thomas und sah sich um. Es war herrlich hier. Überall Weihnachten - Musik verbreitete Stimmung, der riesige Baum im Foyer, der Weihnachtsmann davor. Es war das kleine Paradies.

„Dann haben wir ja bald eine große Party zu feiern.“ Vera grinste über das ganze Gesicht, denn sie liebte Partys über alles. „Du und deine Weihnachtsmanie“, lachte sie und stupste Thomas in die Seite. „Wie kann man nur so Weihnachtsverrückt sein. Ich mag das ja auch, aber du bist echt schlimm. Kaum siehst du einen geschmückten Baum leuchten deine Augen.“

„Da kann ich doch auch nichts dafür“, murmelte Thomas, grinste aber, als er merkte, dass er sich gedankenverloren auf die Brüstung gestützt hatte, um den Baum anzusehen. „Außerdem muss ich mich hier satt sehen“, sagte er, doch dann biss er sich auf die Zunge. Das gehörte hier nicht hin. „Los, nach oben, sonst gehen die Türen auf und wir sind noch nicht an unserem Platz“, lenkte er ab und zog Vera hinter sch her zum Aufzug.

„Ey.“ Vera stolperte hinter ihm her und sah ihn von der Seite an. Sie hatte seine Worte gehört und auch den kurzen Schatten gesehen, der über Thomas' Gesicht gezogen war und das verstand sie nicht. „Wieso? Du hast doch die halbe Dekoabteilung aufgekauft? Bei dir Zuhause muss es doch aussehen, wie im Weihnachtswunderland.“

„Na ja, ich hab's nicht aufgebaut“, log Thomas, weil er nicht zugeben wollte, dass er alles wegen Gregor wieder abgebaut hatte. Er war eben ein Junkie. Auch wenn sein Freund mit dem einen oder anderen Gimmick hätte leben können, wäre es für Thomas wie eine Dosis gewesen und der Drang nach mehr wäre unbändig geworden. Darauf hatte er keine Lust. „Greg mag's nicht so. Da hab ich es in den Kisten gelassen. Aber es fühlt sich gut an, zu wissen, dass man es hat.“ Er grinste.

Vera sah Thomas prüfend an, aber sagte nichts. Da war mehr als ihr Freund zugeben wollte, aber wenn er so vage blieb, wollte er darüber nicht reden und das musste sie akzeptieren. Ihn zu drängen, brachte gar nichts, das wusste sie. „Na ja, dann kommst du die nächsten Wochen auf jeden Fall gerne zur Arbeit“, grinste sie und ließ es dabei bewenden. Wenn Thomas reden wollte, kam er von alleine.

„Als ob ich sonst nicht gern zur Arbeit gekommen wäre.“ Der Job im KaDeWe war doch der Traum schlechthin gewesen. Er hatte sich eigentlich nur beworben, weil die Stellenbeschreibung so geklungen hatte, als wäre sie für ihn gemacht worden. Erfolg hatte er sich nicht dabei erhofft. Als ihm allerdings beim Vorstellungsgespräch eher durch Zufall der Elektriker über den Weg gelaufen war, hatte Thomas gewusst, dass er alles daran setzen musste, diesen Job zu kriegen. Und so war es ja dann auch gewesen.

„Schon allein wegen dir komme ich doch jeden Morgen“, schmeichelte er Vera, als sie ihren Stand endlich erreicht hatten.

„Schmeichler. Aber warum lebst du dann mit Gregor zusammen und hast dich nicht in mich rettungslos verliebt?“, fragte sie schmollend und war schon dabei, die ersten Torten aus dem Kühlhaus zu holen, die Thomas gestern gebacken hatte. Es waren alle ausnahmslos Kunstwerke, die sich wunderbar verkauften, denn sie schmeckten auch hervorragend. Doch er buk nicht nur hinter den Kulissen - eigentlich war es seine Aufgabe, die Kunstwerke zu zaubern, während man ihm auf die Finger schauen konnte.

„Weil du oben zu viel und unten zu wenig hast, um wirklich für mich Spaß zu bedeuten“, lachte Thomas frech und suchte sich die Liste für die Kuchen und Brote, die heute zu machen waren. Sie belieferten nicht nur die Kunden sondern auch die anderen Stände in der Abteilung, die vielleicht zu ihren Gerichten Baguette oder Chiabata reichen wollten. Also musste er sich ran halten.

„Irgendwas ist immer, bei den schönen Männern. Ich kann machen, was ich will, sie wollen mich einfach nicht“, seufzte Vera gespielt. Sie lebte seit Jahren glücklich in einer Beziehung, was sie aber nicht davon abhielt, auf Teufel komm raus zu flirten. Bei Thomas hatte sie sogar die offizielle Erlaubnis ihres Freundes, denn er wusste, dass der große Blonde keine Gefahr war. „Ach übrigens. Meine Mutter hat übermorgen Geburtstag, denkst du an ihre Torte? Seit ich ihr einmal ein Stück deiner Himbeertorte mitgebracht habe, schwärmt sie davon.“

„Natürlich denke ich daran. Ich hab doch extra einen großen Zettel am Memo-Bord und der wird morgen abgearbeitet. Deine Mutter wird nicht ohne eine leckere Proske-Torte dastehen“, lachte er und irgendwie war er auch stolz auf seine Arbeit. Denn nicht nur Veras Mutter, auch andere Stammkunden kamen regelmäßig und schworen auf seine Kreationen. Mittlerweile hatte das KaDeWe sogar einen Lieferservice eingerichtet. Das gehörte einfach zum guten Ton.

„Bestimmte Wünsche für die Deko?“

„Mach es weihnachtlich. Meine Mom ist fast so ein Weihnachtsfreak wie du.“ Vera lachte, denn bei ihren Eltern wurde schon ab Anfang November die Deko nach und nach auf Weihnachten umgestellt, damit dann pünktlich zum ersten Advent alles bereit war. „Ich backe ihr auch einen Kuchen, aber den wird wohl keiner beachten, denn solche Meisterwerke wie du kriege ich nicht zustande.“

„Ich könnte ja einen nicht so schönen Kuchen backen, damit deiner besser aussieht“, bot er lachend an. Vielleicht hätte er sagen sollen: Ach Vera, dein Kuchen wird auch schön sein, doch er ärgerte seine Freundin zu gern. Schnell band er sich noch die Schürze fester und fing an, sich seine Zutaten zusammenzusuchen, damit er gleich loslegen und zeigen konnte, was er alles gelernt hatte und vor allem, was er sich selber beigebracht hatte. Doch seine Gedanken waren bei Gregor.

„Du bist gemein“, schmollte Vera sofort und schob die Unterlippe vor. „Wer dich zum Freund hat, braucht keine Feinde mehr. Der arme Gregor tut mir wirklich Leid. Der hat bestimmt den Abteilungsleiter Posten nur angenommen, damit er jemand anderen schicken kann, wenn du wieder die Kühltheke kaputt machst. Er braucht nämlich Ruhe vor dir.“ Sie grinste breit und strecke Thomas noch einmal die Zunge raus, aber dann hatte sie keine Zeit mehr, denn die ersten Kunden kamen in die Abteilung.

„Da reden wir noch mal drüber“, zischte Thomas, hatte aber schon sein gewinnbringendes Herzensbrecher-Lächeln aufgesetzt. Von wegen Gregor könnte einem Leid tun. Das stimmte doch gar nicht. Gregor ging es gut bei ihm - nur wegen Gregor hatte Thomas sein Weihnachtsparadies wieder abgebaut. Sollte noch mal einer sagen, dass der sich nur versetzen ließ, damit er Thomas nicht mehr besuchen musste. Frechheit. Auch wenn es nur ein Scherz gewesen war, es hatte einen Stich gegeben, aber was sollte es? Er war in letzter Zeit sowieso etwas dünnhäutig. Das gab sich wieder.

Er stürzte sich in seine Arbeit, denn die lenkte ihn noch am effektivsten ab. Wenn er mit Teig, Sahne und all den anderen Dingen hantieren konnte, die man für eine Torte brauchte, war er in seinem Element und er vergaß völlig die Zeit. Darum war er auch etwas überrascht, als Vera den Kopf in seine Backstube steckte und mit zwei Wärmebehältern für Essen wedelte. „Bei Gisi am Stand gibt es heute Bratnudeln. Sie hat mir was für dich und Greg mitgegeben. Ist eh Zeit Pause zu machen“, erklärte sie und stellte das Essen ab. „Ich gehe dann, wenn du wieder da bist.“

„Oh?“ Es war eine Angewohnheit, die ihm schon seine Mutter nicht hatte abgewöhnen können, sich die dreckigen Finger an der Hose sauber zu wischen. Das machte sich mit klebrigem Teig besonders gut. „Danke. Rufst du schnell bei Greg oben an? Ich wasch mir so lange die Hände und laufe dann gleich rauf!“, sagte er und grinste. Egal aus welchem Grund er seinen Freund sehen konnte, wenn er es konnte, war Thomas immer zufrieden. Er konnte seine Verliebtheit noch immer nicht begreifen - so war er früher nie gewesen. Doch das war jetzt egal. Es war schön.

„Mach ich, Großer.“ Schon hatte sie das Haustelefon in der Hand und wählte die Nummer der Technik. „Herr Stiller, hier ist Vera, die Assistentin von unserem Konditor Herr Proske. Ich soll ihnen ausrichten, dass Herr Proske gleich zu ihnen in das Büro kommt. Er erwartet, dass sie alles für eine erholsame Pause in die Wege leiten, wenn er gleich mit dem gemeinsamen Mahl zu ihnen kommt“, erklärte sie todernst und Gregor am anderen Ende lachte.

„Alles klar, ich werde ihn erwarten. Vielen Dank, für die Benachrichtigung“, sagte er genauso ernst und legte auf.

Thomas hingegen sah sie mit einem ziemlich fragwürdigen Gesichtsausdruck an? „Was sollte das denn? Ein einfaches: 'mach dich nackig, dein Babe bringt Futter!' hätte es doch auch getan.“ Was musste man da noch so viele Worte drum machen? Er zuckte die Schultern und wusch sich die Hände und sah Vera mit Genuss dabei zu, wie ihre Wangen rot wurden.

„Thommy, du bist echt unmöglich“, schimpfte sie und schüttelte den Kopf, damit sie die Bilder, die gerade durch ihren Kopf schwirrten, loswurde, aber das ging nicht. „Das ist so fies, wo ich doch so eine lebhafte Fantasie habe“, murmelte sie und wurde noch eine Nuance roter. „Macht nicht so lange, ich hab auch Hunger“, nuschelte sie noch und ging wieder zu ihrer Theke. Arbeiten war immer noch die beste Ablenkung.

„Keine Sorge, wir sind von der schnellen Sorte. Außerdem müssen wir üben, ungestörte Augenblicke zu nutzen, weil sich für demnächst meine kleine Schwester angesagt hat. So ich bin weg.“ Die sauberen, aber nassen Hände wurden noch mal an der Arbeitshose abgewischt, die er nach dem Essen wechseln sollte, weil er sich so nicht vor die Kunden wagen sollte, und dann war er auch schon beim Personalaufzug und auf dem Weg nach oben.

Gregor stand vor dem Aufzug, als der sich öffnete und lachte ihn an. Hatte er doch gewusst, dass Thomas nicht die Treppe nehmen würde. „Hallo, Liebling“, sagte er weich und zog Thomas in seine Arme. „Hab dich vermisst“, nuschelte er und atmete tief durch. „Du riechst so lecker nach Kuchen, da könnt ich dich glatt anknabbern.“

„Mach ruhig“, lachte Thomas und ließ sich in Gregors neues Büro ziehen. „So lange du mir nur Körperteile abknabberst, die nicht gleich auffallen und ich deswegen nicht meinen Job verliere, ist das völlig legitim. Denn ich lege es ja schließlich darauf an, dass du deine flinken Finger nicht von mir lassen kannst.“ Thomas ließ sich küssen und schlug die Tür hinter sich mit einem Fuß zu, ehe er sich gegen das Holz sinken ließ.

„Meine Finger werde ich nie von dir lassen, aber ich werde nicht knabbern, weil ich mich dann um eine menge Spaß bringen würde, wenn nichts mehr von dir da ist.“ Gregor presste sich fest an Thomas und wollte die weichen Lippen gar nicht mehr freigeben. Immer wieder nippte er an ihnen und eroberte sie nach kurzen Pausen wieder. Wie gerne wäre er zwischendurch zu Thomas runter in die Backstube gegangen, aber er hatte einfach keine Zeit dazu gehabt. Er arbeitete sich in die ganzen Akten und Papiere ein, das dauerte leider seine Zeit und ein Ende war noch nicht in Sicht.

„Ach, Schatz. Ich bin jung, das wächst alles nach. Friss mich ruhig an, ich steh auf deine scharfen Zähne, wenn sie meine Haut reizen. Wenn sie zusammen mit deiner Zunge über meine Eier knabbern“, stöhnte er ungehalten und er erschauerte.

Gregor ging es nicht besser. Er stand darauf, wenn Thomas so etwas sagte. Er löste sich ein wenig und sah seinen Geliebten an. „Du willst wirklich hier…?“, fragte er, denn bisher hatten sie es auf der Arbeit noch nie getan, aber da hatten sie auch noch kein abschließbares Büro gehabt. Das war gefährlich, aber absolut geil.

„Vera hat meine Worte an dich völlig falsch wiedergegeben. Sie sollte sagen: Mach dich nackig, Thomas kommt gleich! Wir hätten jetzt schon weiter sein können“, keuchte er und seine Augen glimmten raubtierhaft. Ohne auch nur auf Gregors Antwort zu warten, hoffte er, dass sein Schatz verstanden hatte und schloss einfach den Schlüssel herum, während seine andere Hand schon mit Gregors Gürtel beschäftigt war. Die Tüte mit dem Essen hing nun an der Türklinke.

„Du solltest ihr demnächst genauere Anweisungen geben.“ Gregor wusste genau, was Thomas von ihm erwartete und zog ihn zum Schreibtisch.

Dort angekommen, setzte er seinen Schatz darauf und riss ihm praktisch die Hose vom Leib und gab Thomas, was er sich wünschte. Schließlich wusste er ganz genau, was er tun musste, um seinen Schatz höher und höher zu treiben. Er liebte es ihn immer schneller und lustvoller zu verwöhnen, so dass Thomas nicht lange widerstehen konnte und sich seinem Geliebten ergeben musste.



„Du bist und bleibst ... der Beste und ich glaube ... du hast eine neue Bestzeit von mir gefordert.“ Träge hob Thomas den Kopf, weil die Farben langsam wieder kamen - doch er nahm sein Umfeld noch nicht wirklich wahr.

„Hmm.“ Gregor kniete noch immer mit geschlossenen Augen vor dem Schreibtisch und für ihn war die Welt gerade sehr in Ordnung. Eingehüllt in Thomas' Geruch hätte er Stunden so verbringen können. Gedankenverloren streichelte er über Thomas' Bauch und Leiste und malte Figuren mit dessen Sperma.

Langsam richtete sein Geliebter sich auf und grinste, als er sah, was Gregor im Gesicht hatte. „Schatz, hab ich nicht gesagt, du sollst dich doch beim Spielen nicht immer so dreckig machen“, lachte er leise, weil er langsam wieder zu Atem gekommen war und zog Gregor langsam zu sich, um ihn zu küssen. Die Gier war befriedigt, nun wollte er ein bisschen schmusen. Auch wenn er halb nackt auf dem neuen Schreibtisch seines Freundes lag.

„Nicht meine Schuld“, nuschelte Gregor, wie ein Kind und sah Thomas unschuldig an, „das hat mir jemand ins Gesicht gespritzt. Da konnt ich nix für. Nicht schimpfen.“ Suchend sah Gregor sich um, aber er konnte nichts finden, womit sie sich ein wenig säubern konnten, denn auf so eine Einweihung seines Büros war er nicht gefasst gewesen. Feuchttücher und Kleenex besorgen, machte er sich eine geistige Notiz, aber dann widmete er seine Aufmerksamkeit wieder Thomas und ließ sich küssen.

„Du solltest noch einen kleinen Waschtisch hier rein stellen lassen. Eine Dusche wäre perfekt. Damit ich dich sauber machen kann, wenn der böse Kerl wieder kommt, der dich so schmutzig gemacht hat. So kann ich dich doch nicht in der Chefetage herumlaufen lassen.“ Grinsend wischte Thomas seinem Schatz über das Gesicht und hatte nun klebrige Finger. Sauberer aber war Gregor noch immer nicht.

„Na, die Gesichter möchte ich sehen, wenn ich die Anträge einreiche.“ Gregor lachte und streckte sich ein wenig. Seine Schubladen hatte er schon eingeräumt und er war sich sicher, dass auch Taschentücher dabei gewesen waren. „Gefunden“, triumphierte er und schwenkte die kleine Packung vor Thomas' Nase. Er rieb sich über das Gesicht und versuchte auch seine Haare zu säubern. „Besser als Haargel“, kicherte er, weil einzelne Strähnen abstanden wie gegelt.

„Tut mir Leid, Schatz“, sagte Thomas reumütig und versuchte die Strähnen wieder Gregors Frisur anzupassen. Doch das war gar nicht so leicht. Widerspenstig standen sie ab und wollten wohl peinliche Fragen provozieren, die kleinen Mistdinger. Kurz war Thomas versucht sie abzuschneiden, doch das hätte wohl Gregors Ego zerstört. Er hing doch an seinen seidig weichen Haaren. Und Thomas ja auch.

„Aber mir geht’s entschieden besser und ich habe endlich Hunger“, lachte er leise und ließ sich saubermachen.

„Ist doch nicht schlimm, Schatz. Das krieg ich schon wieder hin.“ Ein wenig Wasser und ein Kamm, brachten das wieder in Ordnung. Gregor wischte die letzten Spuren ihrer Lust weg, auch vom Schreibtisch, wo sein Erguss gelandet war und küsste noch einmal sanft Thomas' Männlichkeit, bevor er ihn aufstehen ließ. „Dann hol ich mal das Essen. Mach es dir auf der Couch bequem.“

„Ich zieh vielleicht erst mal die Hose wieder an und du schließt auf, für den Fall, dass doch jemand was von dir will. Der wird blöde Fragen stellen, warum du abschließt“, lachte Thomas und griff sich seine Arbeitshose. Bei der fielen Flecken nicht auf. Die musste er sowieso noch wechseln, ehe er in seine Schaubäckerei zurückkehrte.

„Schade.“ Gregor kam auf halbem Wege zurück und vergrub seine Nase noch einmal kurz in Thomas' Schoß, erst dann ließ er ihn sich anziehen. „Was gibt es denn Leckeres?“, fragte er und holte die Tüte von der Türklinke. Er schloss auf und sein Blick war ein wenig enttäuscht, als kein Kuchen dabei war. „Kein Nachtisch?“, schmollte er und seufzte.

„Ich hatte keine Zeit noch Nachtisch zusammenzupacken. Aber ich packe für zu Hause ein paar Stücken ein, die wir uns dann ganz in Ruhe schmecken lassen können. Da bleibt noch was von der Nugatfüllung für die Torte von Veras Mutter übrig. Ich glaube, die wirkt verführend auf deinem Bauch“, murmelte Thomas und ließ sich auf einen der Sessel fallen. Er fühlte sich unglaublich entspannt, er konnte das gar nicht in Worte fassen.

„Deswegen musst du dich jetzt mit Bratnudeln zufrieden geben. Das Luxus-Dinner gibt es dann zu Hause.“

„Okay, das lass ich als Entschuldigung gelten.“ Gregor reichte Thomas eine Schachtel und eine Gabel und setzte sich ebenfalls hin. „Ich habe ja eher Schluss als du. Erst wollte ich auf dich warten, aber ich glaube, ich fahre nach Hause und mach Essen, damit wir dann den Kuchen essen können. Nicht, dass der noch schlecht wird“. Gregor grinste und schob sich eine Gabel Nudeln in den Mund.

„Ja, das will ja keiner. Wenn ich schon stundenlang am heißen Herd stehe und schufte, dann sollst du es auch genießen dürfen.“ Thomas griff sich die zweite Schale und fing ebenfalls an zu essen. Nudeln waren sowieso seine Leibspeise, ob Chinesisch, Thai oder Italienisch. Ob gekocht, gebraten oder gebacken. Wenn es nach ihm ginge, könnte er das jeden Tag essen und sein fürsorglicher Schatz sorgte fleißig dafür, dass die vielen Kohlenhydrate gar nicht erst den Weg auf Thomas' Hüften fanden.

„Das wäre eine unwahrscheinliche Verschwendung, wo deine Torten doch immer so lecker sind.“ Allein schon bei dem Gedanken lief Gregor das Wasser im Mund zusammen und er fuhr sich mit der Zunge über die Lippen. „Besondere Wünsche fürs Essen heute Abend?“, lachte er. „Nudeln ist schon klar, aber was dazu?“

„Überrasch mich“, lachte Thomas. Er wollte sich keine Gedanken machen. Wenn es ums Essen ging, war er zwar experimentierfreudig, aber Gregor kochte gut und bodenständig. „Vielleicht was mit Fleisch und Pilz-Sahne-Soße“, überlegte er, denn auf eine normale Tomatensoße hatte er heute keine Lust. Nachdenklich aß er und lehnte sich dabei an Gregor an und sein geschultes Auge bemerkte sofort, dass hier nicht ein einziger Hinweis darauf zu finden war, dass gestern der erste Advent gewesen war.

„Gut, mach ich. Mir wird schon was Leckeres einfallen.“ Gregor küsste Thomas auf den Scheitel und stellte seine Schachtel weg. Er hatte nicht viel Hunger und er konnte immer noch etwas essen, wenn er über seinen Akten und Plänen hing. Jetzt war sein Schatz bei ihm und er wollte noch ein wenig von ihm haben. „Ist noch ein wenig kahl. Morgen nehme ich ein Bild von dir mit, das kommt auf meinen Schreibtisch, damit ich dich ansehen kann, wann ich es möchte und brauche.“

„Aber bitte eines, wo ich etwas anhabe, nicht dass es noch zu merkwürdigen Fragen kommt“, sagte Thomas. Doch er aß weiter, denn seine Pause war kurz und während der Arbeit konnte er nicht essen. Das machte ein schlechtes Bild auf die Kunden. Wenn er sich in Gregors Büro umsah, viel ihm noch einiges ein, was hier rein gehörte und wovon die Dekoabteilungen des Hauses überquollen, doch er sagte lieber nichts.

„Natürlich, eins wo du bekleidet bist. Meinst du, ich will hier ständig Leute rumlungern haben, die sehen wollen, was nur ich sehen darf?“ Gregor runzelte die Stirn, denn das wollte er auf keinen Fall. So gern er selber seinen Schatz unbekleidet sah, andere durften das nicht. Da war er eigen. Er legte einen Arm um Thomas und lehnte sich an ihn. „Wird schon wohnlich werden. Noch ein paar Blumen, dann ist es schon gemütlicher.“

„Wir haben Zuhause ja noch die große Banane. Willst du die hier rein stellen?“, lachte Thomas frech und stellte seine leere Schale beiseite, um sich zufrieden den Bauch zu reiben. Er wusste genau, dass Nani Gregors Heiligtum war und sich dieser Pflanze niemand außer er selbst zu nähern hatte. Schon gar nicht mit unlauteren Absichten wie einer Lichterkette. Selbst Manuela war schon in der Bewegung erstarrt, als ein herrisches „Halt!“, sie davon abgehalten hatte, ihren kalten Kaffee ungesehen in Nanis Topf zu entsorgen.

„Scha-hatz“, kam es sofort und Gregor knuffte seinen Liebling gegen den Arm. „Ich kann doch Nani nicht durch die Kälte schleppen. Die erfriert mir doch und geht ein. Nein, nein, Nani bleibt, wo sie ist und wenn sie dann mal Ableger hat, nehme ich dann einen mit.“ Gregor wischte Thomas mit einem Finger über die Wange und küsste ihn. „Ich sag ihr, dass du sie loswerden willst, dann kriegst du keine von ihren superleckeren Bananen, wenn dann mal welche dran sein sollten“, lachte er dabei.

„Du weißt schon, dass das die Früchte des Todes sein werden, weil eine Banane eingeht, wenn sie einmal getragen hat?“, flötete Thomas. Auf die Bananen war er nicht so verrückt, er ärgerte lieber seinen Schatz. „Und habe ich dir schon erzählt, dass ich letztens in ihren Topf achtundzwanzig Litchi-Kerne vergraben habe? Die werden bestimmt bald alle aufgehen, dann ist sie nicht mehr so allein. Das freut sie bestimmt.“ Thomas fiel es schwer ernst zu bleiben, weil das nämlich nicht stimmte, doch es gelang ihm ganz gut, wie er fand.

„Wie bitte?“ Gregor ließ sogar Thomas vor Schreck los und sah ihn an. „28 Kerne, die meiner Nani die Nährstoffe klauen? Tut mir Leid, Liebling. Essen und Nachtischorgie fallen aus, ich muss Nani retten und mich bei ihr für diese Behandlung entschuldigen, sonst wird sie noch welk vor Gram.“ Er war sich nicht sicher, ob sein Schatz ihn auf den Arm nehmen wollte, oder nicht, denn zu zutrauen war Thomas so etwas durchaus.

Im Augenblick aber saß besagter Schatz auf der Couch und sah Gregor forschend an. „Du streichst mir die Verwöhnkur, nur weil ich dafür gesorgt habe, dass Nani nicht mehr so alleine ist? Das finde ich nicht in Ordnung, Schatz, wirklich nicht.“, sagte er leise und wirkte niedergeschlagen. „Du liebst sie mehr als mich, stimmt's?“, seufzte er leise und kringelte sich innerlich vor Lachen - es wurde Zeit, dass sie sich ein Haustier zulegten, damit Nani endlich ihre Ruhe hatte.

„Natürlich liebe ich dich mehr als Nani, aber...,“ Gregors Arme legten sich sofort um Thomas. „Nani kann sich doch gegen so viele Topfbesetzer gar nicht wehren. Die werden ihre Wurzeln um die von Nani schlingen und sie so langsam verdrängen. Täglich wird sie schwächer werden und das ist wirklich ein Notfall. Ich muss sie retten, weil ich ihr doch versprochen habe, auf sie aufzupassen.“

„Ja, das klingt erbärmlich. Aber wusstest du, dass Litchies Pfahlwurzeln ausbilden, die sich kaum nach der Seite hin verzweigen? So schlecht würde es deiner Nani also mit ihren neuen Freunden gar nicht gehen - fast schade, dass ich gar keine Kerne rein getan habe. Ich würde gern sehen, wie du sie ausgräbst“, lachte er leise und sah seinen Schatz frech an. „Und jetzt flüchte ich lieber!“

„Oh, du.“ Gregor schnaubte empört und hielt Thomas fest, der aufspringen wollte. „Freche Kröte.“ Er hätte sich das wirklich denken können, aber immer wieder fiel er auf seinen kleinen Schauspieler rein. Er zog seinen Schatz an sich und küsste ihn sanft. „Ich liebe dich, du Frechdachs.“

„Und ich liebe es, wenn du deine Banane rettest, Schatz. Du bist amüsanter als jedes Fernsehprogramm - und erotischer noch dazu“, flüsterte Thomas, doch er musste sich wirklich langsam wieder nach unten bewegen. Schließlich musste er noch eine saubere Hose anziehen und dann wieder pünktlich am Stand sein. „Aber ich muss, Greg. Sonst kommt mich Vera holen und das wollen wir ja alle nicht.“

„Schade.“ Gregor legte seinen Kopf auf Thomas' Schulter. „Das ist etwas, was ich wirklich vermisse. Jetzt schon. Ich kann nicht einfach mal bei dir vorbei kommen, wenn ich von einem Auftrag zum nächsten bin. Wahrscheinlich würde keiner etwas sagen, wenn ich ab und zu mein Büro verlasse, aber ich möchte nicht, dass Gerüchte entstehen.“

„Ist vielleicht auch besser so“, sagte Thomas und strich seinem Schatz durch die Haare. „Sparen wir uns unsere Zuneigung bis zu Hause auf. Und dann geht’s dort rund“, lachte er frech, weil er nicht wollte, dass Gregor traurig wurde. „Und jetzt sei wieder wichtig und ich mach mich auch ein bisschen nützlich.“ Er küsste Gregor noch einmal und erhob sich endgültig.

„Du bist immer nützlich.“ Gregor folgte Thomas, so weit wie er konnte, ohne den Kuss zu lösen. „Ich komme auf jeden Fall noch bei dir vorbei, wenn ich Feierabend mache. Schließlich muss ich noch leckere Zutaten für unser Essen einkaufen.“ Er brachte Thomas zur Tür und zog ihn noch einmal an sich. Die Nase in der Halsbeuge seines Schatzes atmete er noch einmal tief ein, erst dann ließ er ihn los.

„Ja, komm ruhig vorbei. Ich bin da!“ Noch ein letzter Kuss, dann war Thomas schon im Fahrstuhl verschwunden. Er eilte in die Räume der Belegschaft, wechselte die Arbeitshose und machte sich endlich wieder, mit Eile aber nicht mit Hast, an seinen Job. „Kannst Futter fassen gehen“, lachte er leise und sah Vera an.

Ihr Blick glitt über Thomas und mit einem Grinsen registrierte sie die frische Hose. „Will ich wissen, warum du dich umziehen musstest?“, fragte sie frech und ging gleich in Deckung. Thomas wusste genau, dass sie kitzelig war und nutzte das ab und zu als Bestrafung, wenn sie frech war. „Büro eingeweiht?“

„Was du nur wieder denkst? Ich habe mir vorhin die Teigfinger an der Hose abgewischt und kann so ja schlecht vor den Kunden weiter backen und was das Büro angeht, werde ich deine Neugier sicher nicht befriedigen“, sagte er nur und machte gar keine Anstalten sich ärgern zu lassen. Und weil er gut drauf war und Gregor ihn jetzt nicht sah, setzte er sogar die Weihnachtsmannmütze auf, die von der Geschäftsleitung ausgegeben worden war.

„Ja, ja. War klar, dass du das nicht zugibst.“ Vera streckte Thomas die Zunge raus. Sie hatte auch mit keiner anderen Antwort gerechnet. „Ist sein Büro wenigstens schön, oder hast du das gar nicht bemerkt, weil du deinen Schatz küssen musstest?“ Sie konnte es nicht lassen. Thomas ärgern machte sie einfach zu gerne. Doch irgendwie sprang der heute gar nicht richtig drauf an. Mit beiden Händen schon wieder in der Teigschüssel sah er seine Kollegin kopfschüttelnd an. „Was du nur immer denkst? Wir haben eine Führung durch sein Büro gemacht, diniert und er hat mich zur Tür gebracht. Wo war da denn Zeit für... du weißt schon.“ Nebenher flirtete er mit einer Stammkundin, die jeden Montag zwei Stück Bienenstich kaufte, weil ihre Freundin kam.

„Ist klar. Das kannst du jemandem erzählen, der sich die Hose mit der Kneifzange anzieht“, lachte Vera, nachdem sie der Kundin ihren Kuchen gereicht und noch einen schönen Nachmittag gewünscht hatte. Sie lehnte in der Tür zur Backstube und sah Thomas an. „Weil die Führung so toll war, wirkst du auch wie eine Katze, die an der Sahne genascht hat. So richtig zufrieden.“

„Irrtum, Hübsche!“ Thomas bekam ein diabolisches Grinsen und er sah Vera herausfordernd an. „Greg war der Kater, der an der Sahne geleckt hat“, konnte er sich nicht verkneifen und „und jetzt mach, dass du essen gehst.“

Sie hätte es wissen müssen, denn sie kannte Thomas schließlich, aber trotzdem wurde sie rot. „Thomas, das ist fies, jetzt krieg ich das nicht mehr aus dem Kopf.“ Sie kam schnell in die Backstube und knuffte ihren Freund. „Ich geh besser wirklich zur Pause, damit du mir nicht noch mehr erzählst und ich vor Scham sterben muss.“

„Hey, ich antworte nur auf deine Fragen, Kleines“, nuschelte er in John-Wayne-Manier und grinste dreckig. Er konnte eben einfach nicht anders. „Du hast gefragt - ich habe geantwortet. Wenn du das nicht hören willst, Lady, frag nicht.“ Doch dann musste Thomas lachen. Sie waren so albern!

„Du bist fürchterlich, aber genau deswegen mag ich dich so gerne.“ Vera schlang kurz ihre Arme um Thomas und streckte sich, damit sie ihm einen Kuss auf die Wange drücken konnte. „Soll ich dir etwas mitbringen? Ich wollte kurz zu den Weihnachtssachen. Mal schauen, ob ich noch etwas für meine Mutter finde.“

Thomas’ Augen wurden groß und glänzten. Ohne es zu merken nickte er. „Ein kleines Rentier für meine Vitrine hier und vielleicht noch ein bisschen Lametta und einen Weihnachtsmann, damit das Rentier nicht so alleine ist und ein bisschen Naschwerk mit viel Zimt und...“ fing er an und merkte erst jetzt, was er tat. „Bring einfach was Kleines mit, damit es weihnachtlich wird“, murmelte er leise.

„Okay, Süßer, was ist los?“ Vera kam wieder näher zu Thomas und sah ihn forschend an. „Ich soll nur irgendetwas mitbringen? Das kenn ich nicht von dir, denn normalerweise, weißt du sehr genau, was du möchtest und das ist bestimmt nicht nur etwas Kleines, sondern eher üppig. Irgendetwas stimmt nicht und warum hast du deine Wohnung nicht geschmückt?“

„Ich“, begann Thomas und wechselte kurz einen Blick. Veras Vertretung am Verkauf war schon da. „Nichts weiter. Ich wollte nur, dass du mich überraschst und jetzt geh essen, denn Claire wird nicht ewig für dich einspringen“, lenkte er ab. Er wollte darüber nicht reden, weil er nicht wusste, in welches Licht er Gregor damit vielleicht rückte. Sie würden sich eben arrangieren und Thomas würde sich daran gewöhnen, keine Frage. Es würde nur etwas dauern.

„Okay.“ Vera sah Thomas an und strich ihm über den Arm. „Verstehe schon, aber wenn du reden möchtest, ich höre dir zu.“ Sie bohrte nicht weiter, aber der kurze, traurige Blick hatte ihr einiges verraten. Es hatte etwas mit Gregor zu tun und mit Weihnachten. Sie konnte zwei und zwei zusammen rechnen. Da gab es wohl ein Problem unter den Liebenden.

„Da gibt es nichts weiter zu reden.“ Vera sollte sich nicht immer solche Sorgen machen. Er kam damit schon klar. Es würde ein wenig an Zeit brauchen, bis er seine Sucht unter Kontrolle hatte und so lange Gregor seinen kleinen Weihnachtsrentieraltar im Schrank nicht fand, war doch alles im grünen Bereich. Nur ab und an eine kleine Spieluhr aufziehen, wenn man allein war. Ein bisschen Weihnachten für die Hosentasche. Reflexartig strich seine Hand über die leere Hosentasche. Er hatte die Spieluhr wohl im Rucksack gelassen beim Umziehen.

„Ich mein ja nur.“ Vera drückte Thomas noch einmal und verließ die Backstube. Sie nahm sich vor, etwas besonders Schönes für Thomas' Vitrine zu suchen, damit ihr Freund wieder lächelte. Sie konnte es gar nicht haben, wie traurig er gerade geguckt hatte. Er sollte lachen und fröhlich sein, so wie sonst auch. „Bis gleich.“

„Ja, bis gleich und iss nicht zu viel“, konnte er sich nicht verkneifen, weil Vera ständig auf Diät war. Keiner wusste, warum oder wo sie noch abnehmen wollte, aber trotzdem war sie ständig im Abnehmwahn. Doch er sah sie schon gar nicht mehr an, denn das nächste auf seiner Liste waren Zimtsterne - da wollte sich Thomas ganz besonders viel Mühe geben und vielleicht eine Tüte voll für sich kaufen, die er in der Bahn essen konnte, ehe er zu Hause ankam.

Vera winkte noch kurz, dann war sie verschwunden. Sie ging erst die Weihnachtssachen holen und brachte für Thomas nicht nur ein wenig mit. Schlussendlich brachte sie ihm einen Schlitten mit Rentieren, einen Weihnachtsmann und Tannenbäumchen, dazu noch ein wenig künstlichen Schnee und Glitzer.

„Bin wieder da“, rief sie durch die Tür und schreckte Thomas auf, der gerade die Kekse mit Puderzuckerglasur bestrich. „Bescherung“, lachte sie und wedelte mit der Tüte.

„Was hast du gemacht?“, fragte Thomas als er die große Tüte sah. Er legte den Pinsel beiseite und besah sich Vera und vor allem ihr Geschenk eindringlich. „Hast du die Deko-Abteilung ausgeräumt? Ich habe doch gar nicht so viel Platz in meinem kleinen Reich hier. Ich muss doch noch arbeiten können“, lachte er und seine Augen leuchteten. Er merkte es noch nicht einmal, aber er war angespannt vor Vorfreude.

„Ist alles so ausgesucht, dass es in deine Vitrine passt und ich habe es nicht gekauft, sondern in der Deko für dich erbettelt. Schließlich profitiert das Haus auch davon, wenn du deine Backstube weihnachtlich herrichtest und so die Kunden anlockst.“ Sie blieb noch kurz stehen, weil sie wissen wollte, ob sie das Richtige gebracht hatte. Es war wir vorgezogene Weihnachten, als Thomas seine Tüte aufmachte. Ein paar der Kunden beobachteten den jungen Mann dabei und lächelten, als er ein Rentier nach dem anderen aus der Tüte zog und es begrüßte, abstellte und weiter suchte. Nach und nach kam die kleine Gruppe zum Vorschein und Thomas seufzte. Wenn das nicht herzig war!

Mit dem Kunstschnee durfte er bei den Lebensmitteln nicht hantieren, doch seinen Schlitten und die Bäume wurden gleich hergerichtet und mit Lametta versehen und damit der Schlitten nicht leer war, legte er ein paar von den frischen Keksen rein, die die Kunden probieren durften.

„Danke!“, strahlte Thomas - er wirkte verändert.

„Hab ich doch gerne gemacht, damit du wieder lächelst und deine Augen leuchten.“ Vera strich Thomas einmal über die Wange und ging dann wieder an ihre Theke. Die Kekse würden wohl nicht lange halten, denn die ersten Kunden probierten schon. Darum ging sie noch einmal zurück. „Wenn du Zeit hast, mach noch ein paar Kekse, aber wenn es geht kleine, sonst sind die so schnell alle. Kleine kann man auch besser in den Mund stecken.“

„Ja, werd ich beachten“, nickte Thomas und war augenblicklich mit Feuereifer bei der Sache. Immer wieder sah er nach seinem kleinen Weihnachtsensemble. Langsam kam die Weihnachtsstimmung wieder und leise summte er die Lieder aus der Lautsprecheranlage im Kaufhaus mit. So sollten die Tage zwischen den Advents-Sonntagen sein. Zuckersüß und kitschig.

Völlig in seine Arbeit versunken, merkte er gar nicht, wie die Zeit verging. Er hatte verschiedene Weihnachtskekse in Miniformat hergestellt und Vera hatte den kleinen Schlitten immer wieder auffüllen müssen, so gut kamen sie an.

„Krieg ich auch eine Kostprobe?“, hörte er auf einmal eine vertraute Stimme. Gregor hatte Feierabend gemacht und wollte sein Versprechen einlösen, sich noch zu verabschieden, bevor er ging. Er beobachtete Thomas schon seit einigen Minuten. Wie er summte und einfach glücklich wirkte bei dem, was er tat. Sein Freund hatte mit seinem Beruf wohl auch seine Berufung gefunden, denn er wirkte einfach nur glücklich dabei.

Thomas guckte auf und lächelte. „Klar, warum denn nicht?“ Er kam ein bisschen näher und sah Gregor noch einmal an. „Bist du schon fertig?“, fragte er und sah auf die Uhr. Wie doch die Zeit verflog, wenn es Spaß machte. „Nimm dir noch ein paar Kekse für den Weg. Ist bestimmt kalt draußen und ich kann doch nicht zulassen, dass du erfrierst oder verhungerst.“ Nur aus dem Augenwinkel sah er, wie Vera grinste.

„Das ist aber lieb von dir. Deine Kekse riechen lecker. In der Bahn werden bestimmt alle neidisch sein.“ Gregor blieb in der Tür stehen, denn es wurde nicht gern gesehen, wenn jemand, der nicht dort arbeitete in die Backstube ging. Er sah sich um und sah die neue Deko. „Gute Idee mit dem Schlitten, das verlockt bestimmt, dass mehr gekauft wird.“

„Ja, war Veras Idee“, sagte Thomas gleich und wies die Idee weit von sich. Er wusste selbst nicht, warum er es tat. Er musste sich doch vor Gregor nicht verstecken, doch er tat es. Also beeilte er sich abzulenken. „Weißt du schon, was du kochen willst? Auf was sollen sich meine Geschmacksknospen einstellen? Und was willst du zum Nachtisch? Was Spezielles? Such dir was aus“ dabei wies er auf die Auslage des Verkaufes.

„Ich dachte an Sahneschnitzel mit Pilzen.“ Neben Nudeln, waren Schnitzel Thomas' zweite Leidenschaft, was das Essen anging zumindest. Denn sonst war Gregor seine größte Leidenschaft. „Zimtsterne, Vanillekipferl, Schwarzweiß Gebäck, auf jeden Fall, ach mach einfach eine kleine Auswahl, alles was du bäckst ist lecker.“ Gregor lächelte Thomas an und flüsterte lautlos ein: ‚ich liebe dich’ rüber, ohne dass ein anderer es mitbekam.

Thomas lächelte und machte ein kleines Tütchen fertig. Er war glücklich darüber, dass das Weihnachtsgebäck bei Gregor ankam. Vielleicht war ja doch noch nicht Hopfen und Malz verloren und sie würden in ein paar Jahren einen schönen Mittelweg gefunden haben und mal zusammen über einen Weihnachtsmarkt schlendern. „Ich beeil mich“, flüsterte er, als er die kleine Tüte über die Theke reichte. „Geht aufs Haus!“

„Vielen Dank“, sagte Gregor laut und strahlte über das ganze Gesicht. Er strich kurz über Thomas' Finger, als er die Tüte entgegen nahm. „Bis nachher“, flüsterte er dabei und nickte dann Vera zu. „Bis morgen, Süße. Du weißt, was du zu tun hast.“ Vera hatte immer die Aufgabe Thomas von ihm zu küssen, wenn er nicht konnte. Allerdings hatte er dafür strenge Regeln aufgestellt, so war ein kurzer Kuss auf die Lippen erlaubt, aber mehr nicht. Sie nickte und grinste und wünschte noch einen guten Tag, als sie ihm nach sah.

Thomas hatte nicht die Gelegenheit hinterher zu sehen, denn zwei junge Damen hielten ihn gefesselt, weil sie für ihre eigenen Rezepte noch ein paar Tipps brauchten. Sie wurden einfach nicht so schön locker wie die von Thomas. Er gab seine Tipps gern weiter, doch er verriet beileibe auch nicht alle.

Gregor sah sich noch einmal um und seufzte leise. Thomas war wirklich beliebt bei den Kunden und manchmal war er ein wenig eifersüchtig auf all die Frauen, die seinen Freund anschmachteten. So wie jetzt, wo eine von ihnen ihm einen kleinen Weihnachtsmann übergab und sein Freund sich strahlend bedankte. Er stellte ihn zu dem kleinen Schlitten und strich einmal darüber. Man konnte sehen, wie sehr er sich freute und Gregor musste daran denken, dass sein Freund wegen ihm Zuhause darauf verzichtete. Es war ja nicht so, als hätte Gregor darauf bestanden, alles wieder in die Verpackung zu räumen - das eine oder andere hatte ihm auch gefallen, nur die geballte Flut hatte er nicht ausgehalten. Doch Thomas war da eigen. Bei ihm hieß es immer ganz oder gar nicht - ein bisschen Weihnachten gab es eben nicht.

Für Thomas war der Job hier wohl ein guter Ausgleich, auch wenn das schade war. Er sollte auch nach Hause kommen und seine Augen sollten leuchten. Gregor grinste. Das taten sie ja auch, zwar nicht wegen der Deko - aber das war egal. So lange sie leuchteten, wenn sie Gregor sahen, war alles in Ordnung.

Noch einmal winkte er, als Thomas kurz aufsah, dann nahm er die Rolltreppe nach unten. Wenn er fertig werden wollte, bis sein Schatz nach Hause kam, musste er sich beeilen, denn er wollte noch den Kaminofen anmachen. Wenn es draußen so kalt war, war es herrlich, sich davor zu setzen und die Wärme zu genießen. Er schnupperte an den Keksen, die noch ein klein wenig warm waren und lächelte. Keksduft und Thomas, das gehörte einfach zusammen.

Als Gregor mit der Rolltreppe nach unten verschwunden war, hatte sich Thomas schon lange wieder in seinem Mehlstaub geworfen und noch ein paar Kekse gemacht, damit auch die letzten Kunden noch in den Genuss von warmen Plätzchen kamen. Sie waren ein wahrer Verkaufsschlager und so wurde Thomas auch nicht müde, neue Rezepte zu suchen, Empfehlungen entgegen zu nehmen und in seinen wenigen freien Minuten zwischendurch, damit er sich die Beine vertreten konnte, im Internet nach den entsprechenden Rezepten zu suchen, die er zu Hause probieren wollte, um sie dann im Großversuch anzubieten. Er war wieder in seinem Element und im Kaufhaus selbst spürte man sowieso nicht ob Tag oder Nacht war. Selbst die Menschenströme rissen nicht ab.

Sie hatten gut zu tun, aber gerade wurde es etwas weniger und da Thomas wieder zwei Bleche mit Probierkeksen fertig hatte, kam Vera zu ihm. „Komm wir machen eine kleine Pause und schlendern in die Weihnachtsabteilung. Ich brauch doch noch etwas für meine Mutter und ich kann mich nicht entscheiden, was ich nehmen soll. Du bist doch Experte und musst mich beraten.“ Sie sah ihn bittend an und hakte sich bei ihm ein.

Nun saß Thomas ganz schön in der Bredouille. Mit einem Blick auf sein kleines Ensemble seufzte er und band sich die Schürze ab. „Okay“, sagt er, obwohl er genau wusste, dass das jetzt die Hölle sein würde und er stark sein musste, um nichts zu kaufen. Das war ihm noch nie geglückt. Er hatte immer etwas Originelles gefunden, was er unbedingt haben musste. Hoffentlich nicht heute!

Claire kümmerte sich weiter um den Verkauf und Thomas folgte Vera mit wild schlagendem Herzen.

Noch immer bei ihm eingehakt zog Vera Thomas ins Erdgeschoss, wo eine richtige Weihnachtswelt aufgebaut war, die das Herz jedes Weihnachtsfreundes aufgehen ließ. Hier gab es alles. Kugeln und Baumbehänge in allen Farben und Formen, Kerzen, Kristall, eben alles, was typisch für Weihnachten war. Vera lenkte ihn zu den Glaswaren und erzählte ihm dabei, was ihr Problem war „Ich habe einen schönen Glasteller gesehen, der meiner Mutter gefallen könnte. Dazu noch eine passende Vase. Sag mir, ob das was wäre.“

„Ja, okay“, kam es etwas kleinlaut und Thomas versuchte sich nicht umzusehen. Überall die Weihnachtsfarben, die Spieluhren, die Plüschtiere und der Schnickschnack, den keiner brauchte, aber jeder kaufte, weil er so süß war. Rentiersocken und sogar eine Gießkanne in der Form eines Weihnachtsmannes. Schnell sah Thomas wieder auf den Boden. Doch selbst auf dem waren Elfchen aufgeklebt, die einen zur Orientierung helfen sollten - Elfchen! So was hatte er noch gar nicht in seiner Sammlung!

„Uah, wie süß“, riss ihn Vera aus seinen Gedanken. So was Herziges hatte sie ja noch gar nicht gesehen. Nici-Schafe mit Weihnachtsmützen. Warum hatte sie die denn vorhin noch nicht gesehen, als sie hier gewesen war? Schon hatte sie eines der weichen Plüschtiere im Arm und drückte es an sich. Sie liebte diese Schafe, seit ihr Freund ihr das erste gekauft hatte. „Sind die nicht süß?“, fragte sie Thomas und strahlte ihn an. „So weich und kuschelig.“

„Ja, niedlich“, murmelte er und sah sich geschäftig auf dem Boden um. Die Spieluhren lockten, die klingenden Glöckchen ebenso. Dann das herzliche „Ho ho ho“ des alten Mannes im roten Mantel. Es war wie eine Folter. „Nette Mütze“, schob er noch hinterher, damit er nicht gleich so abweisend klang. Dabei war das Schäfchen mit dem Schal und der Mütze wirklich süß. Allein die schwarzen Knopfaugen - er musste es nicht sehen, er kannte die süßen Viecher doch.

„Thomas Proske, so langsam reicht es mir. Was ist mit dir los? Normalerweise würdest du durch diese Abteilung hüpfen, wie ein Eichhörnchen auf Drogen und hättest schon beide Arme voll mit Krimskrams.“ Vera funkelte Thomas an und drückte ihm eins der Schafe in die Hände. „Ich will jetzt wissen, was du hast, sonst werde ich ungemütlich.“

Schneller als sie gucken konnte, hatte sie das Schäfchen wieder im Arm und Thomas holte tief Luft. „Gregor. Er hasst Weihnachten wie die Pest und er ist bald gestorben, als ich die Wohnung dekoriert habe. Und deswegen habe ich alles wieder abgebaut und ich muss auch nichts ansehen oder kaufen, da ich es ja sowieso nicht aufstellen kann. Sonst noch Fragen offen?“, knurrte er, weil er es nun doch verraten hatte und er fühlte sich nicht gut dabei. Welches Licht warf das wohl auf seinen Schatz?

„Ach du Scheiße“, entfuhr es Vera und sie sah Thomas ungläubig an. „Er hasst Weihnachten?“ Sie hatte ja schon damit gerechnet, dass es etwas mit Gregor zu tun hatte, aber dass es so schlimm war, hatte sie nie vermutet. „Du hast wirklich alles wieder abgebaut?“ Sie war völlig durch den Wind, denn so sehr, wie Thomas auf Weihnachten stand, war das kaum zu glauben.

„Ja, angefangen bei der Bettwäsche und der Schmusedecke bis hin zu den Zahnbürsten und dem Duschvorhang. Meine Brötchen habe ich heimlich selber gefuttert und alles in Kisten verstaut und auf den Speicher geschafft. Jetzt sieht es wieder aus wie vorher und Gregor geht’s wieder besser“, sagte Thomas und konnte nichts gegen den Wehmut in seiner Stimme tun. „Aber es ist okay“, beeilte er sich zu versichern, „so lange Gregor glücklich ist, bin ich das auch. Auch ohne den Schnickschnack.“ Egal wie süß das kleine Elfchen war, was direkt neben ihm saß und ihn mit seinem breiten Plüschgrinsen anstrahlte.

„Das soll ich dir glauben? Du wirkst nicht sehr glücklich.“ Vera legte das Schaf weg und hakte sich wieder bei Thomas ein. „Darfst du auch keinen Weihnachtsbaum haben?“ Sie wusste wirklich nicht, was sie davon halten sollte. So hatte sie Gregor gar nicht eingeschätzt und dass er Thomas gezwungen hatte, alles an Deko zu entfernen, ließ sie etwas wütend werden. „Das ist doch nicht nur seine Wohnung“, murmelte sie leise.

„Halt. Moment!“ Thomas blieb stehen und sah sie an, denn es war genau das passiert, was Thomas hatte vermeiden wollen. Sie sollte so nicht von seinem Schatz denken, denn er war ein netter Kerl und kein Haustyrann. „Gregor sagte lediglich, es wäre zu viel - ob ich nicht ein bisschen was abbauen könnte. ICH war es der beschlossen hat, alles wegzuräumen, weil ich der Süchti bin. Nur ein bisschen Weihnachten geht bei mir eben nicht. Dann wollte ich lieber gar nichts. Und ja, es ist okay für mich, weil es meine Entscheidung war.“ Starr blickte er nur Vera an und sah weder nach rechts noch nach links.

„Hey, ist ja gut.“ Vera legte die Arme um Thomas und sah ihn entschuldigend an. „Ich weiß, dass du Gregor liebst und so ziemlich alles für ihn tun würdest, genauso wie er für dich, aber ich finde das wirklich etwas heftig. Er mag nicht verlangt haben, dass du alles abbaust, aber er muss dich doch kennen, dass es bei dir nur ganz oder gar nicht gibt. Und gar nichts ist für dich so schlimm, wie für ihn eine Weihnachtswohnung. Du bist nicht glücklich.“

„Und er kriegt mit dem ganzen Zeug einen Flash und hat miese Laune. Ich habe hier noch die Chance mich tagsüber satt zu sehen und dann heim zu gehen. Das ist einfacher als für Gregor nach einem Tag hier auch noch nach Hause zu kommen und im Weihnachtsparadies zu landen. Glaube mir, ich habe mir das überlegt und es ist wirklich okay für mich“, versicherte Thomas mit einem Lächeln und atmete wieder tief durch. Nur ab und an fiel sein Blick auf das reichhaltige Angebot und die Kunden, die sich daran bedienten.

„Okay, Großer. Das muss ich dir glauben.“ Vera war nicht wirklich überzeugt, aber sie bohrte nicht weiter. „Wenn du eine Weihnachtswohnung brauchst und Räume, die du verschönern kannst, komm zu mir und tob dich aus. Frank macht es nichts aus, wenn ich unsere Wohnung dekoriere.“ Sie lächelte zu Thomas hoch und stellte sich auf die Zehenspitzen, damit sie ihm einen Kuss auf die Wange geben konnte. „Okay, hol dir deine Dosis und dann gehen wir wieder an die Arbeit.“

Skeptisch sah Thomas auf seine Freundin und lachte. „Nichts da. Dekoriere du schön selber. Das ist doch keine Pflicht, das ist ein Spaß und Spaß soll es auch machen“, sagte er und griff nun doch nach dem kleinen plüschigen Elfchen mit dem grünen Bauch und den roten Fusselhaaren, was ihn aus den nici-typischen Knopfaugen anstrahlte. Das breite Grinsen bis hinauf zu den spitzen Öhrchen. Den würde er sich kaufen - der war nicht so sehr weihnachtlich gekleidet, dass er als Nicht-Weihnachtself durchgehen konnte. „So wie der aussieht, kann der backen und kann mir helfen“, lachte er leise, als er bezahlte.

„Sicher“, kicherte Vera, die sich ihr Schaf in die Tüte packen ließ. „Beim Backen brauchst du dringend Hilfe.“ Hoffentlich sah Gregor das auch so. Nicht dass Thomas den Kleinen wieder mitbringen musste, weil er Zuhause nicht erwünscht war. Ihr Schaf hatte es da besser, denn es war gern gesehen. Frank mochte die kleinen Viecher auch, auch wenn er es nicht so zeigte. Doch sie hatte ihn schon auf der Couch schlafend gefunden und er hatte eines der Schafe an sich gedrückt.

„Ja, eben! So viele Rezepte wie ich im Kopf behalten muss. Da ist es gut, wenn ich die auf zwei Köpfe verteilen kann, nicht wahr?“ Er stippte mit dem kleinen Elf gegen seine Nase und grinste ihn an. Irgendwie verbreitete das kleine Ding gute Laune.

„Wäre ja nicht zu verantworten, wenn auch nur eins der leckeren Rezepte verloren ginge.“ Vera hakte sich wieder bei Thomas ein und strich der Elfe durch die roten Haare. „Spoony, der Küchenelf“, lachte sie leise dabei. Sie konnte sich richtig vorstellen, wie der Kleine auf Thomas' Anrichte hockte und leicht mit Mehl bestäubt war, weil ihr Freund wieder experimentierte.

„Hm, Löffel? Nein, ich werde ihn Shorty nennen - Kurzer. Ja, das klingt gut. Ne, Shorty?“, lachte er und der Elf nickte. Sie waren sich also einig. Ein kurzer Blick auf die Uhr. Seine Arbeitszeit ging auf ihr Ende zu. In der Weihnachtszeit arbeitete er laut Vertrag viele Überstunden heraus, die er entweder nächstes Jahr abbummeln oder sich auszahlen lassen konnte. Aber er störte sich nicht daran, er hatte viel zu viel Spaß an seinem Job.

„Wegen mir.“ Vera lachte, denn Thomas war genau wie sie. Diese Plüschies waren nicht einfach nur Puppen für sie, sondern viel mehr. Sie waren richtige Persönlichkeiten mit Vorlieben und Abneigungen und sie redete mit ihnen, wie mit lebendigen Menschen. „Pack Shorty auf dem Weg nach Hause unter deine Jacke, sonst erfriert er dir, oder warte, ich nehme euch mit dem Auto mit, dann bin ich sicher, dass er heile ankommt und nicht doch noch unter der Jacke erstickt.“ Sie lachte frech und knuffte Thomas in die Seite.

„Hast du jetzt Angst, dass er erdrückt wird oder dass er erstickt?“, wollte Thomas pikiert wissen, als sie Claire wieder ablösten und ihre letzte Stunde für heute antraten. Shorty fand gleich seinen Weg zwischen die Gewürze, wo er sich umsehen konnte und neue Ideen kreieren, während Thomas noch den Teig für morgen ansetzen und in den Kühlschrank stellen wollte.

„Beides“, lachte Vera frech und machte sich wieder gut gelaunt daran, die letzten Reste auch noch an den Mann und die Frau zu bringen. Viel war abends nicht mehr da und bevor alles weg war, machte sie noch ein kleines Tablett für Thomas fertig. Schließlich hatte er seinem Schatz Nachtisch versprochen. „Hier, nicht vergessen, sonst wird Greggi enttäuscht sein.“ Sie stellte den gut verpackten Kuchen in den Kühlschrank, damit er nicht weich wurde bei der Hitze der Backstube.

„Ah, danke. Mein Schatz hätte mich rausgeschmissen, wenn ich ohne das leckere Futter in der Tür gestanden hätte. Er hat heute extra gekocht, nur damit wir hinterher Nachtisch essen können“, lachte Thomas und guckte verliebt. Es war erschreckend wie sehr er ihn jetzt schon vermisste. Wenn die Stunden bis eben noch geflogen waren - nun kroch die Zeit und fraß an Thomas' Nerven. Er wollte heim.

„Muss Liebe schön sein“, seufzte Vera und lachte. Es war einfach schön zu sehen, wie verliebt die beiden noch waren und sie hoffte, dass das auch so blieb. Frank und sie waren jetzt schon so lange zusammen, dass das ein wenig eingeschlafen war. Nicht, dass sie nur noch aus Gewohnheit zusammen waren, sie liebten sich immer noch, aber dieses Verliebtsein, war ihnen ein wenig abhanden gekommen. „So, räum auf und dann bring ich dich heim, damit ihr euren Schweinskram machen könnt.“

„Du willst doch nur, dass ich dir morgen berichte, aber so wird das nicht laufen, Ferkel!“ Thomas schüttelte den Kopf, als er sich endlich die Hände waschen konnte und für heute keinen Teig mehr anfassen musste. Der Hefeteig durfte über Nacht im lauwarmen Ofen gehen, wenn er lange ging, wurde er besonders gut, hatte zumindest Thomas für sich herausgefunden. Der Mürbeteig war im Kühlschrank. Morgen konnte es also weiter gehen. Schnell wurde noch Shorty gegriffen, sich von den kleinen Rentieren verabschiedet, die nun über Nacht den Stand und die Vorräte bewachen mussten und dann war er in der Umkleide verschwunden.

„Gemeiner Kerl“, rief Vera ihm hinterher und ließ noch einmal den Blick über ihren Stand schweifen. Alles war sauber und aufgeräumt, so konnte es bleiben. Da sie nur ihren Mantel überzog, war sie schneller fertig und wartete unten am Personalausgang auf Thomas. Sie lehnte an der Wand und blickte durch die Glastür nach draußen. Überall leuchteten Lämpchen in den Fenstern und Bäumen und der Schnee, der noch in den Zweigen hing, machte es richtig romantisch.

„So!“ Thomas trat aus dem Fahrstuhl und kam auf seine Freundin zu. Nun trug er wieder seine enge Jeans und einen langen Mantel dazu. Er wirkte jetzt anders als in der Backstube, irgendwie weniger sanft. Doch Shorty hatte er in der Hand, denn der sollte ja sehen, wo es hin ging. Doch er hatte ihm versprochen ihn morgen wieder mit auf Arbeit zu nehmen - schließlich musste er die Rezepte lernen.

„Erst den Kurzen warm verpacken“, erklärte Vera streng, da kannte sie kein Pardon. Plüschies durften nicht frieren. Sie nahm Thomas den kleinen Elfen aus der Hand und steckte ihn so unter den Mantel, dass er noch rausgucken und alles sehen konnte. Zufrieden nickte sie und strich ihm noch einmal durch die Haare. „Wenn er dich nicht gut behandelt, kommst du zu mir“, versprach sie noch und hakte sich wieder ein. „So, jetzt können wir zum Auto.“

„Ich warte auf den Tag, an dem sie uns in die Klapse einliefern“, lachte Thomas ausgelassen und sog die kühle Luft des Abends tief in seine Lungen. Es hatte wieder leicht angefangen zu schneien und er war fast ein bisschen enttäuscht, als sie den Wagen schon erreicht hatten. Doch dann erinnerte er sich dass das Auto ihn zu Gregor bringen konnte. Also stieg er eilig ein.

„Wir sind doch harmlose Irre. Da lohnt sich der Aufwand nicht“, kicherte Vera. Solange Frank nichts gegen ihren Spleen hatte, war alles in Ordnung. Was andere dachten, interessierte sie nicht. „Anschnallen und schon geht es los.“ Sie ließ den Wagen an und befreite die Scheiben noch schnell vom Schnee, dann ließ sie sich wieder neben Thomas fallen und fuhr vorsichtig los, da sie nicht wusste, ob es auch noch glatt war auf den Straßen.



- 04 -



Gregor hatte zu Hause gleich angefangen, das Essen vorzubereiten. Er wirbelte durch die Küche, hörte dabei Musik und naschte die letzten Kekse, die er sich aufgehoben hatte. Alles war soweit fertig, nur noch die Nudeln mussten, kurz bevor Thomas kam, ins Wasser. Sie konnten also gleich essen, wenn sein Schatz da war. Jetzt noch den Ofen anmachen und alles für einen gemütlichen Abend war soweit. Er sah sich um und irgendwie hatte er das Gefühl, das etwas fehlte, aber alles war so, wie es sein sollte. Der Tisch war gedeckt, die Kerzen standen bereit und mussten nur noch angezündet werden, Essen war fertig und der Kamin verbreitete wohlige Wärme. Es war genauso, wie es sein sollte, aber trotzdem war da so ein Gefühl, dass nicht alles komplett war.

Es war wie abgemessen, denn gerade rannte Thomas die Treppen zu ihrer Wohnung nach oben. Shorty steckte immer noch im Mantel. Schließlich musste der ja wissen, wo er lang laufen musste, wenn er doch einmal - Gott möge es verhüten! - verloren ging. Hastig schob Thomas den Schlüssel ins Schloss und sperrte auf. „Bin da-ha - wer no-hoch?“

„Nicht die Mama“, rief Gregor lachend und kam Thomas entgegen. Er musste lächeln, als er seinen Schatz sah und breitete die Arme aus, damit Thomas sich in seine Arme werfen konnte. „Du hast Besuch mitgebracht. Wer ist denn der Süße?“, lachte er leise. „Mag er mitessen, dann muss ich noch einen Teller mehr auf den Tisch stellen.“

„Ich glaube, er wird sich erst einmal umsehen wollen. Er sprach mich in der Plüschtierabteilung an und erklärte mir, er wüsste eine Menge Rezepte, ich sollte ihn mitnehmen. Deswegen ist er hier.“ Erleichtert war Thomas darüber, dass Gregor nicht gleich die Augen verdrehte sondern mitspielte. „Ich glaube, er braucht erst einmal Ruhe und dann ein paar Kekse. Er hat mir nämlich erzählt, das Elfen nur Kekse essen.“ Dann küsste er endlich Gregor.

„Hmm.“ Gregor verschob seine Antwort und schlang seine Arme um Thomas. Er fröstelte ein wenig, weil der Mantel ganz kalt und ein wenig feucht war, aber er ließ seinen Freund nicht los. Viel zu froh war er, ihn endlich wieder zu haben. „Dann müssen wir nachher gucken, ob wir noch welche haben, denn die, die du mir mitgegeben hast, sind alle“, nuschelte er zwischen zwei Küssen, dann eroberte er die geliebten Lippen auch schon wieder.

„Ja, sollten wir.“ Auch Thomas' Antwort war eher etwas unklar, doch er hatte ein Defizit auszugleichen. Erst nach einer kleinen Salve von Küssen löste er sich wieder, um die nassen Schuhe auszuziehen und den Mantel abzulegen. „Ich glaube er wäre sehr traurig, wenn er hungern müsste.“ Shorty saß nun auf Gregors Hand, weil Thomas sich auszog, damit er nicht das Parkett nass machte.

„Niemand muss hier hungern.“ Grinsend sah Gregor sich das kleine Plüschie an und zupfte ihm die Haare wieder in Form, die bei ihrer Begrüßung etwas platt gedrückt worden waren. „Komm, wir schmeißen die Nudeln ins Wasser und es kann sein, dass im Vorratsschrank noch ein paar Kekse sind. Wenn auch nicht so leckere von Thomas selbst gemachte. Wie heißt du überhaupt? Dein Name muss doch mit auf die Klingel, damit deine Kumpel wissen, wo sie schellen müssen.“

„Vera wollte ihn Spoony nennen, doch da stellten sich ihm die Flügel auf und er sah aus wie auf der Flucht. Wir haben uns auf Shorty geeinigt und damit war er zufrieden, nicht wahr?“ Er grinste das kleine Plüschie an, das nun in der Küche auf der Anrichte saß und sich umsehen konnte, während Gregor sich um den Rest vom Essen kümmerte und Thomas seine Streifzüge durch die Töpfe auf dem Herd machte. Sie rochen so verlockend.

„Nee, Shorty passt doch gut.” Gregor ließ Thomas in die Töpfe schauen und auch ein wenig naschen. Er holte die Schnitzel mit der Soße und den Pilzen aus dem Backofen. Er hatte noch etwas Käse drüber gegeben, der nun geschmolzen war und lecker duftete. „Schatz, zündest du die Kerzen an, dann bring ich das Fleisch und das Gemüse schon rüber“, bat er Thomas und küsste ihn kurz.

„Können wir nicht tauschen?“, lachte er und stierte auf die Pfanne mit der Leckerei, während er das Paket mit dem Kuchen, was er vorhin in der Diele stehen gelassen hatte, endlich holte und in den Kühlschrank stellte. Nicht dass die Sahne doch noch schmolz. Schnell hatte er die Kerzen angezündet und saß nun erwartungsvoll bei Tisch, auch wenn die Nudeln noch ein bisschen Zeit brauchten.

„Es wird nicht genascht“, bestimmte Gregor, als er die Pfanne rüberbrachte, auch wenn er wusste, dass Thomas' Gabel gleich im Käse landen würde, wenn er ihm nur den Rücken zudrehte. Deswegen stand das Fleisch auch näher bei Thomas. So war die Kleckergefahr kleiner. Schließlich kannte er seinen Schatz. „Lass noch ein wenig Käse über“, rief er aus der Küche und goss die Nudeln ab.

„Ich hab nicht genascht!“, nuschelte Thomas mit vollem Mund und lachte. Wie hatte er in den letzten Wochen ihre Abendessen vermisst. Den Umstand, dass Gregor ihn so genau kannte, dass er nicht hingucken musste, um zu wissen, was Thomas gerade tat. „Ich würde doch nie ohne dich anfangen zu essen!“, behauptete er gut gelaunt und kaute noch die Reste auf, denn er hatte auch schon die Pilze gekostet. Nicht dass die giftig waren und Gregor noch etwas passierte.

„Ist klar.“ Gregor schüttelte grinsend den Kopf und brachte die Nudeln rüber. Er setzte sich, aber stand gleich wieder auf und küsste Thomas' rechten Mundwinkel. „Da hing noch ein kleiner Käsefaden“, schmunzelte er und küsste seinen Schatz noch einmal richtig, wenn er schon einmal da war. „Schmeckt es wenigstens?“, musste er aber noch fragen, denn ein bisschen ärgern musste er ihn schon.

„Woher soll ich das denn wissen“, konterte Thomas, der sich und seinen entdeckten Diebstahl noch nicht bloß stellen wollte und lachte leise. „Aber es riecht herrlich und es sieht unglaublich aus, jetzt lass uns anfangen, denn sonst sterbe ich noch vor Hunger und der Rest des Abends passiert in der Notaufnahme“, lachte er und strich seinem Schatz durch die Haare.

„Na, so weit lass ich das doch nicht kommen.“ Gregor musste grinsen und zwickte seinen Schatz ganz sanft in die Wange, dann gab er ihm das größte Schnitzel mit viel Käse, Soße und Pilzen auf den Teller. Einen kleinen Berg Nudeln noch dazu und Thomas’ Augen strahlten. „Lass es dir schmecken Babe“, wünschte er noch, als er selber seinen Teller gefüllt hatte und wieder auf seinem Platz saß.

„Da muss ich mich nicht doll anstrengen. Wenn es nur halb so gut schmeckt, wie es riecht, dann wird das ein Gedicht!“ Doch dann hatte er auch schon den Mund voll und stöhnte nickend. Das war wirklich gut! Gregor war ein Gott vor dem Herrn in der Küche und das nicht nur beim Kochen. Thomas grinste dreckig, als er zu seinem Schatz hinüber sah und kaute zufrieden. „Gut!“, sagte er und ließ offen, ob er das Essen meinte, oder seine Gedanken.

„Schön.“ Gregor freute sich darüber, dass es Thomas schmeckte. Er kochte gerne und besonders seinen Schatz verwöhnte er am liebsten. Einen Augeblick sah er Thomas noch zu, aber dann fing er selber an zu essen, denn er hatte auch Hunger und vor allen Dingen, lockte ja noch der Nachtisch, den sie aber wohl nicht hier am Tisch einnehmen würden, sondern eher vor dem Kamin.

Das Essen nahmen sie fast schweigend ein, doch es war ein angenehmes Schweigen. Stille und das Flackern der Kerzen gab dem Abend etwas Andächtiges. Wie Weihnachten eben, dachte Thomas bei sich und lächelte. Sein Blick fiel auf die kleine Elfe - ein Stückchen Weihnachten, das nicht nach Weihnachten aussah. Sie würde nicht in seinem kleinen, versteckten Schrein verschwinden, denn Gregor hatte Shorty schon in die Familie integriert.

Wie immer räumten sie gemeinsam das Geschirr in die Küche. Thomas bestückte den Geschirrspüler und Gregor packte die Reste in den Kühlschrank. Er hatte mehr gekocht, wie oft. Das nahmen sie dann mit zur Arbeit und aßen es in ihrer Mittagspause.

„Nachtisch vor dem Kamin?“, wisperte er Thomas ins Ohr und legte von hinten die Arme um ihn. Sein Freund ließ sich in die ihn haltenden Arme sinken und schloss die Augen. Er liebte diese Harmonie und tat fast alles dafür. „Ja“, flüsterte er und drehte den Kopf so, dass er Gregor küssen konnte. Es war schwer von diesem Mann zu lassen, doch zum Glück musste er das auch nicht, schließlich gehörte er ihm.

„Wie praktisch, dass ich dafür schon alles vorbereitet habe“, murmelte Gregor in den Kuss und drehte Thomas in seinen Armen. Ihn weiterhin mit einem Arm festhaltend, nahm er den Kuchenteller und schob seinen Schatz zur vorbereiteten Spielwiese aus flauschigen Decken und Kissen, so dass sie es bequem hatten.

Thomas strahlte und war für ein paar Augenblicke sprachlos. Es war nicht das erste Mal, dass Gregor ihn so überraschte, doch es war immer wieder traumhaft. „Du bist der tollste Mann, den ich kenne“, flüsterte er und küsste Gregor noch einmal. Was Besseres hätte ihm nicht passieren können und dafür war ein bisschen Verzicht nicht zu viel. Ganz bestimmt nicht, denn er bekam so viel zurück.

„Kann gar nicht sein, denn den tollsten Mann halte ich gerade in meinen Armen und ich gebe den auch nie wieder her.“ Wärme durchflutete Gregor bei Thomas' Liebeserklärung und wieder einmal war er nur glücklich, dass sie sich getroffen hatten. Sanft schubste er seinen Freund auf das weiche Lager und sah mit warm leuchtenden Augen auf ihn hinunter. Wie hin gegossen, lag Thomas da und lockte ihn unwahrscheinlich „Du bist schön“, murmelte er verliebt und kniete sich neben ihn.

„Dann zeig mir, wie sehr du mich willst“, flüsterte Thomas mit brüchiger Stimme. Er wusste selbst nicht, warum er so aufgeregt war. Sie hatten doch nun wirklich nicht ihren ersten Sex und doch war es immer wieder etwas Besonderes - Gregor war etwas Besonderes. Sacht streckte er die Arme nach Gregor aus und zog ihn zu sich, um seinen Schatz für den Rest des Abends zu genießen.



++++



Gedankenverloren blickte Gregor aus dem Fenster seines Büros, auf die Schneeflocken, die zur Erde fielen und alles mit einem weißen Mantel umhüllten. Er konnte sich nicht wirklich auf die Arbeit konzentrieren und so hatte er es einfach aufgegeben. So viel ging ihm durch den Kopf. Die letzten Tage hatten ihn irritiert und er wusste nicht, was er tun sollte. Thomas hatte sich verändert, seit er wieder von seinem Lehrgang zurück war. Auch wenn sein Schatz versuchte, es sich nicht anmerken zu lassen. Er wirkte manchmal abwesend und auch ein wenig traurig. Es hatte nichts mit ihrer Beziehung zu tun, denn die funktionierte wunderbar und ihre Liebe wurde stärker und tiefer mit jedem Tag.

Das Problem war Weihnachten, oder eher Gregors Abneigung dagegen.

Dienstag zum Beispiel hatte Gregor seinen Schatz am Stand besuchen wollen und musste von Vera erfahren, dass er gerade in der Pause wäre. Gregor war also in die Pausenräume der Angestellten gelaufen, doch wen er nicht gefunden hatte, war Thomas. Der stromerte nämlich durch die Weihnachtsabteilungen, streichelte Plüschtiere, schaltete kleine Spieluhren ein. Gregor hatte ihn dabei beobachtet und sich versteckt gehalten. Er wusste selbst nicht, warum er seinem Schatz so hinterher spioniert hatte, doch zumindest war ihm eines klar geworden: so okay, wie Thomas immer behauptete, war es für den Kitsch-Junkie nicht.

Das hatte auch der kleine Schrein gezeigt, den Gregor gestern durch Zufall in einem der Schränke gefunden hatte. Er war wieder etwas eher, als Thomas zu Hause gewesen und war einer leisen Melodie gefolgt, die er nicht zuordnen konnte. In dem Schrank, wo sie ihre Sommerdecken und solche Sachen aufbewahren, die sie im Winter nicht benötigten, hatte Thomas sich eine kleine Weihnachtswelt aufgebaut. Schneemänner, Rentiere, eine Spieluhr, die ihn mit ihrer Melodie hierher geführt hatte, Engelchen, Weihnachtsmänner, eine kleine Lichterkette. Eben alles Dinge, die Thomas liebte. Es war wie ein Schlag für Gregor gewesen, nicht weil er es verabscheute, sondern weil es ihm zeigte, wie sehr Thomas unter dieser Situation leiden musste.

Warum gestand er es Gregor nicht? Jedes Mal, wenn er versuchte, etwas zu dem Thema zu sagen, blockte Thomas mit seinem gewinnenden Lächeln ab, sagte dass er doch im Kaufhaus genug von seiner Droge bekommen würde und ihm hier nichts fehlte. Gregor wusste jetzt nur zu gut, wie sehr das gelogen war, doch wenn Thomas nicht reden wollte, dann konnte er ihn ja schlecht dazu zwingen.

Und warum machte Thomas das heimlich? Gregor hatte ihm doch gesagt, dass er nichts gegen ein bisschen Deko hatte. Es war Thomas' Entscheidung gewesen, alles abzubauen. Er verstand seinen Freund einfach nicht.

Gregor hatte versucht ihm zu helfen und ein paar weihnachtliche Dekostücke besorgt, die nicht so kitschig waren, damit etwas Weihnachten in ihrer Wohnung zu finden war. Thomas hatte sich zwar gefreut und sich überschwänglich bedankt, aber alles wieder in die Schachteln zurückgepackt und weggeräumt. Okay, er hatte ihm gesagt, dass er nicht nur ein wenig Weihnachten feiern konnte, aber so wie es jetzt war, konnte es nicht bleiben. Jeden Tag wurde Thomas ein wenig depressiver.

Der Höhepunkt war Freitag, also gestern, gewesen, als Gregor eine SMS bekommen hatte, Thomas käme später. Darüber hatte er sich noch keine Gedanken gemacht, denn Thomas schob viele Überstunden, weil sie das Geld gut brauchen konnten und es sich für einen Bäcker zu Weihnachten einfach anbot. Doch als Gregor heim gekommen war, roch er nach gebrannten Mandeln und Glühwein, hatte Zuckerwatte und Nugat im Mundwinkel und erklärte, dass Vera ihn auf den Weihnachtsmarkt geschleift hätte.

Dabei wirkte er so glücklich und zufrieden wie die ganzen Tage vorher nicht und auch wenn Gregor ihm das gönnte, so machte es ihn doch auch traurig. Thomas hatte ihn ausgeschlossen und nicht einmal gefragt, ob er mit kommen wollte. Wahrscheinlich weil er befürchtet hatte, dass er es ablehnen würde. Denn dann hätte Thomas den Weihnachtsmarktbesuch mit Vera abgesagt.

Das machte Gregor einmal mehr klar, dass er wohl der einzige war, der an dieser Situation etwas ändern konnte und das ließ ihn wieder seufzen. Er wusste einfach nicht, was er tun sollte.

Vielleicht griff er sich erst einmal Vera, denn im Gegensatz zu seinem Schatz, der heute frei hatte, weil er morgen am verkaufsoffenen Sonntag arbeiten musste, war sie heute im Verkauf am Stand. Er glaubte zwar nicht, dass Thomas sich über ihn bei ihr beschwert hatte oder dass sie Thomas diskreditieren würde, doch er wollte wissen, ob sie nicht eine Idee für die Auflösung dieser Misere hatte.

Bevor er es sich wieder anders überlegte, nahm er den Telefonhörer ab und rief am Stand an. Vera war zwar etwas erstaunt, dass Gregor mit ihr die Pause verbringen wollte, aber sie sagte zu. Schließlich war sie neugierig und so wie Gregor sich angehört hatte, schien es wichtig zu sein. Vera kam ungefähr eine halbe Stunde später zu ihm ins Büro, so hatte Gregor noch Zeit ein paar Häppchen zu besorgen. Manchmal war es wirklich praktisch in dem größten Kaufhaus Berlins zu arbeiten, wo es praktisch alles gab, was das Herz begehrte, und mit dem Angestelltenrabatt auch noch ziemlich erschwinglich.

Kurz nachdem ihm die Bestellungen geliefert worden waren, kam auch schon Vera durch die Tür. Sie hatte ihre Pause etwas nach vorn verlegt, denn es geschah nicht jeden Tag, dass Gregor sie zu sich bat, deswegen hatte sie es vor Neugier kaum noch ausgehalten. „Na?“, sagte sie lächelnd als sie eintrat und auf die Platten blickte. Sie hob eine Braue. Was passierte den hier?

„Hallo, Süße.“ Gregor kam zu ihr rüber und drückte sie zur Begrüßung, so wie er es immer tat. „Schön, dass du da bist. Setz dich doch.“ Er zeigte auf das Sofa und zog sie dann einfach mit sich. Er war nervös und wusste nicht so recht, wie er anfangen sollte. Schließlich war es schon etwas ungewöhnlich, dass er sie fragen musste, was mit seinem Geliebten los war und was er tun sollte.

„Ich folge doch immer blind, wenn hübsche Männer mich zum Essen laden“, lachte sie und ließ sich fallen. Sie hörte die Nachtigall zwar trapsen nach dem gestrigen Besuch auf dem Weihnachtsmarkt. Doch sie konnte sich auch irren, deswegen preschte sie besser nicht vor, sondern wartete, bis Gregor sagte, was er wollte. Denn dass er etwas wollte, war seiner angespannten Haltung anzusehen. „Kann ich helfen?“, fragte sie deswegen, um es leichter zu machen.

Das etwas ganz und gar nicht stimmte, konnte sie daran sehen, dass Gregor ein wenig zusammenzuckte und verlegen hüstelte, denn er wusste auf einmal nicht mehr, ob es so eine gute Idee war, Vera zu fragen, aber jetzt war sie hier und er kam auch nicht mehr um das Gespräch drum herum.

„Thomas“, sagte er darum erst einmal nur und schüttete ihnen etwas zu trinken ein. „Er ist unglücklich.“

„Ja, das kann man so sagen“, entgegnete Vera. Was sollte sie darauf auch sagen? Was Thomas ihr erzählt hatte, hatte er ihr im Vertrauen gesagt. Das konnte sie nicht einfach missbrauchen. Er hatte seine Gründe, warum er Gregor das nicht sagen wollte, doch so wie der Mann aussah, wäre es wohl besser gewesen, Thomas hätte es ihm offen gesagt, denn Gregor sackte ein wenig in sich zusammen und wirkte niedergeschlagen.

„Also doch“, murmelte er leise und ließ die Schultern hängen. Vera musste ihm gar nicht erst sagen, dass er daran schuld war, denn das wusste er. „Weil ich Weihnachten nicht mag.“ Es war schon hart, denn er liebte Thomas über alles und ihm wehzutun war wirklich das letzte, was er wollte.

„Nein, ja - ach, ich weiß doch auch nicht, wie ich das sagen soll“ Vera rutschte auf ihrer Couch hin und her und wusste nicht so recht, wie sie sich in ihrer Haut fühlen sollte. „Er hat immer betont, dass es schon okay sei und dass du wichtiger bist als ein bisschen Weihnachtskitsch. Er hat dir wohl nicht gesagt, dass ihm etwas fehlt, weil er nicht wollte, das du dich dann doch dazu zwingst, die Wohnung zu dekorieren.“ Sie zuckte die Schultern, so richtig hätte das doch sowieso nur Thomas erklären können.

„Aber es ist nicht okay, denn er leidet. Er versucht sich nichts anmerken zu lassen, aber er ist traurig und er hat heimlich in einem unserer Schränke eine kleine Weihnachtswelt aufgebaut, von der er wohl glaubte, dass ich sie nicht finden werde. Hätte ich auch nicht, wenn nicht eine Spieluhr angegangen wäre.“ Gregor raufte sich die Haare und sah Vera traurig an. „Ich liebe ihn und zu sehen, wie er von Tag zu Tag depressiver wird, tut mir weh.“

„Aber es gibt in dem Punkt nun einmal keine Lösung, die euch beiden gut tut“, sagte Vera und griff nun doch zu. Auch wenn es ein heikles Thema war, was sie besprachen, so hatte sie doch Hunger und musste ihre Pause zum Essen nutzten, denn am Stand wurde das nicht gern gesehen - nicht in diesem Haus.

„Wenn er seinen Spleen auslebt, kriegst du den Flash und wenn die Wohnung nicht dekoriert ist, kriegt Thomas Entzugserscheinungen. Er geht zwar immer mal durch das Haus und flutet seine Kitschtanks, aber das scheint einem Weihnachtsfreak wie ihm nicht zu reichen.“ Vera wusste doch auch nicht, was da zu machen war. Sie wusste nur, dass Thomas' Vorgehensweise nicht der richtige Weg war.

„Herrgott noch mal, so eine verdammte Scheiße“, fluchte Gregor und sprang auf. Er konnte nicht ruhig sitzen, wenn er über Probleme nachdachte. „Tschuldigung“, nuschelte er noch leise auf seinem Weg hin und her, sah aber Vera lieber nicht an, denn dass er so die Beherrschung verloren hatte, war ihm peinlich. Es gab eigentlich keine Lösung für sein Problem, außer…

Er blieb stehen und sah Vera nun doch wieder an. „Ich dekoriere die Wohnung wieder so, wie sie war, als ich vom Lehrgang gekommen bin. Was anderes bleibt nicht. Ich liebe Thomas und ein paar Wochen Kitsch zu ertragen ist viel leichter, als ihn traurig zu sehen.“

Hustend hielt sich Vera eine Hand vor den Mund, weil sie gerade gegessen hatte. Nun sah sie Gregor an. „Löbliche Idee, aber bitte sei dir der Konsequenzen bewusst“, sagte sie, denn so wie Thomas erzählt hatte, war das Thema Weihnachten eben keines, was Gregor wirklich schätzte. „Du kommst nach einem Tag hier im Kaufhaus heim und dort geht es weiter. Mach dir bitte vorher bewusst, was das bedeutet. Denn du tust ihm keinen Gefallen, wenn du dann die nächsten Wochen ein Gesicht wie zehn Tage Regenwetter einhängst. Das geht ihm dann nämlich genauso an die Nieren“, gab sie zu bedenken.

„Nein, Vera. Nichts kann schlimmer sein, als so wie es gerade ist. Ich habe nicht grundsätzlich was gegen Weihnachten und vieles, was Thomas besorgt hatte, hat mir gefallen.“ Er musste grinsen, als er an die Kondome dachte. Sie waren das einzige, was Thomas' Wegräumaktion überlebt hatte. „So geht es uns beiden schlecht und wenn Thomas glücklich ist, bin ich es auch. Kein Kitsch kann so schrecklich sein, dass ich das noch einmal zulasse.“

Was sollte Vera darauf sagen? Sie war nicht dabei gewesen als Gregor den totalen Flash in seiner Wohnung bekommen hatte. Sie kannte das nur aus Thomas' Erzählungen. Wenn Gregor glaubte, er musste das tun, würde sie ihm nicht reinreden. Die beiden waren alt genug. „Gut, du hast ja morgen den ganzen Tag Zeit“, grinste sie schief und rollte die Schultern ein wenig. Ob das gut ging?

Ihre Skepsis war zu sehen, aber Gregor hatte einen Entschluss gefasst und den zog er durch. Wenn es nicht funktionierte, mussten er und Thomas sich zusammensetzen und gemeinsam eine Lösung finden, denn sonst ging das jedes Jahr wieder los. „Ich kann mir ja eine weihnachtsfreie Zone im Schrank zulegen, wie Thomas seinen Schrein“, lachte er und ließ sich wieder neben Vera fallen. Doch der war anzusehen, was sie von der flapsigen Bemerkung hielt.

„Und dann wohnst du einen Monat lang im Schrank, oder wie soll ich das verstehen?“, fragte sie und dachte gerade an Thomas, der heute noch einmal auf den Weihnachtsmarkt wollte, ein bisschen auftanken, wie er gesagt hatte. „Aber mach, was du für richtig hältst. Wird schon schief gehen.“

„Es muss Vera, denn so geht es auf keinen Fall weiter. Ich glaube zwar nicht, dass so etwas passiert, aber ich möchte Thomas nicht wegen ein wenig Weihnachtskitsch verlieren.“ Allein die Vorstellung schnürte Gregor die Luft ab. Das durfte er nicht zulassen, denn Thomas war sein Ein und Alles. Mit ihm wollte er sein restliches Leben verbringen.

„Er würde dich doch deswegen nicht verlassen. Er ist momentan etwas deprimiert aber er holt sich seinen Kick schon hier und da.“ Vera fühlte sich mittlerweile unbehaglich. Wie weit dachte Gregor denn? Was nahm das denn für Ausmaße an. „Mach!“, sagte sie schlussendlich nur noch, ehe sie noch etwas Falsches sagte. Sie hatte sich sowieso schon mehr eingemischt als sie je gewollt hatte.

„Mach ich. Danke, Süße“. Auf diese Lösung, wäre Gregor wohl letztendlich auch alleine gekommen, aber Vera hatte das ganze beschleunigt. „Ich werde die Wohnung morgen dekorieren, wenn er auf der Arbeit ist, so dass ich abends fertig bin, auch wenn das knapp wird, denn Thomas hatte Berge von Deko.“

„Na, und ob er das hat. Er hat ja auch deine drei Wochen Abwesenheit genutzt um sich mit Katalogen und Internetversand auf der Couch zu wälzen und ausgefallene Sachen zu finden, die nicht jeder hat.“ Vera hatte auch davon profitiert und das eine oder andere seltene und ausgefallene Stück bekommen. „Kennst du denn all seine Lagerstätten?“, fragte sie schon wieder besser gelaunt.

„Ich habe ihm geholfen, alles wieder abzubauen, darum weiß ich, wo es gelagert wird und vor allen Dingen auch, wo alles hinkommt. Und wenn er doch noch Geheimlager hat, dann werden wir die gemeinsam ausräumen.“ Gregor nahm sich nun auch etwas zu essen, denn jetzt wo er einen Plan hatte, ging es ihm besser. Er hatte auch schon eine Idee, was er Thomas so als kleine Entschuldigung noch kaufen konnte.

„Na gut. Dann will ich aber ein Bild von seinem Gesicht, denn es wird schwer werden ihn nicht gleich anzurufen und ihm zu erzählen, was du vorhast“, grinste Vera und pfiff sich eins. Sollte ja keiner sagen sie wäre ein Erpresser, sie war einfach nur neugierig auf ihr Lieblingspärchen. Manuela war da wohl nicht die einzige.

Gregor hatte die versteckte Drohung durchaus verstanden und knurrte leicht, aber dann grinste er frech. „Tja, liebe Vera, das kann ich dir nicht versprechen, denn ich werde kaum Zeit haben Fotos zu machen, wenn mein Liebling mich gleich anspringt, halb bewusstlos küsst und dann ins Bett zerrt. Du wirst dich mit dem zufrieden geben müssen, was wir dir erzählen.“

„Ha, erzählen!“ Vera stemmte, auch wenn sie saß, die Fäuste in die Seite. „Thomas berichtet immer nur das nötigste und spart die spannenden Details aus und du sagst noch weniger. Womit soll ich mich denn da zufrieden geben? Ihr macht so lange, bis ich eure Wohnung verwanze, damit ich endlich mal sehe, was wirklich abgeht, wenn die Türen sich schließen.“ Eigentlich war sie kein Voyeur, doch sie sprang gern darauf an, weil es Spaß machte - ein Geben und Nehmen, ein Zuspielen von Bällen.

„Du willst wissen, was passiert, wenn wir alleine sind?“ Gregor hob pikiert eine Augenbraue, denn das ging nun wirklich keinen was an, aber weil er gerade erpressbar war, gab er ein wenig preis. „Also, wir sitzen oft gemütlich auf der Couch zusammen und schmusen, wie du das mit Frank wohl auch tust. Wahrscheinlich machen wir nichts anderes als ihr, wenn ihr auch regelmäßigen, heißen und wilden Sex habt, mehrmals täglich.“

„Mehrmals täglich?“, fragte sie skeptisch und zeigte, dass sie das fast nicht glauben konnte. „Das würde ja heißen morgens und abends und auch noch auf Arbeit. Ihr seid ja so verdorben! Und wie kann man so was verheimlichen“, echauffierte sie sich lachend und fühlte sich wieder entschieden wohler als am Anfang ihres Gespräches. „Komm schon, Fakten auf den Tisch. Wann, wo und wie!“

Gregor piekste sie in die Seite und kicherte. „Wo? Überall, wo es sich anbietet und seitdem ich dieses Büro habe…“ Er ließ den Rest offen, denn alles verriet er nun auch nicht. „Das wie werde ich dir nicht verraten, denn alles musst du neugierige Nase gar nicht wissen.“

„Doch das muss ich!“, warf sie gleich zurück und sah sich in dem Büro um. Vom Schreibtisch zur Couch, von der Tür zum Schrank. Wieder kamen Hunderte Bilder, die sie lieber nicht haben wollte und ließen sie rot werden. Vielleicht waren das doch ein paar Informationen zu viel gewesen - zumindest in diesem Augenblick. „Dann frage ich eben Thomas!“, nuschelte sie leise.

„Na, dann viel Spaß dabei, denn ich glaube nicht, dass du viel erfahren wirst.“ Gregor legte einen Arm um Vera und küsste sie auf die Schläfe. „Danke, dass du mir geholfen hast.“ Gregor fühlte sich wirklich besser, jetzt wo er sich entschieden hatte und er war sich sicher, dass es gut gehen würde. „Ich muss dann gleich noch etwas besorgen, bevor ich nach Hause gehe, damit morgen dann alles perfekt wird.“

„Ja mach das - ich krieg das schon aus Thomas raus, mach dir da mal keine Sorgen. Schließlich hat er sich auch am Montag verplappert, was ihr in der Mittagspause so... getrieben habt.“ Sie machte absichtlich eine Kunstpause und grinste Gregor dabei frech an. Leider war es auch das einzige Mal gewesen, dass Thomas hatte etwas verlauten lassen. Den Rest der Woche, der sicherlich ebenfalls ziemlich erregend gewesen war, hatte er geschwiegen.

„Das hat er…?“ Nun wurde Gregor ein wenig rot. Er war ja nicht prüde, aber dass Vera wusste, was sie gemacht hatten, war ihm doch peinlich. Sie musste Thomas wirklich überrumpelt haben, denn sonst, hätte er das nicht erzählt. „Na, wenn du es schon weißt, brauch ich dir ja nichts mehr erzählen“, lachte er.

„Ja, hallo?“ Vera schüttelte den Kopf und langte noch einmal zu. Die Platten waren schließlich immer noch verlockend. „Und was war Dienstag bis Freitag? Da war er in der Pause ja auch immer hier. Ich will wissen, was da los war!“, lachte sie. Eigentlich wollte sie das nicht, aber sie ärgerte Gregor gern und oft hatte sie nicht die Chance dazu.

„Ähnliches, an unterschiedlichen Orten“, grinste Gregor und wusste, dass das Vera nicht wirklich weiterbrachte, aber um weiteren Fragen vorzubeugen, wechselte er das Thema. „Komm doch mit Frank nächste Woche zum Essen vorbei. Dann machen wir uns einen gemütlichen Abend und wir können mal wieder etwas spielen. Dabei kannst du dann mit eigenen Augen sehen, dass es uns gut geht und ich nicht verrückt werde Zuhause.“

„Das sagst du jetzt in deinem jugendlichen Leichtsinn“, lachte sie und hatte den Themenwechsel sehr wohl verstanden und auch respektiert. „Aber wir kommen sicher. Schon weil ich sehen will, was von dem schrägen Zeug Thomas wirklich gekauft hat.“ Wie schon erwähnt war Vera wirklich eine von Neugier geplagte Frau. Ein Blick auf die Uhr ließ sie seufzen. Die Pause ging ihrem Ende zu.

„Alles, Vera. Glaub mir, er hat alles gekauft.“ Gregor grinste schief, denn wenn er alles wieder so herrichtete wie vorher, gab es kein Fleckchen mehr, das nicht weihnachtlich hergerichtet war. „Wir haben sogar weihnachtliches Klopapier und Zahnpasta.“ Wahrscheinlich war ihre Wohnung die weihnachtlichste in ganz Berlin, wenn nicht so gar in Deutschland.

„Oh“, Vera kicherte als sie sich das vorstellte. „Was ist das für ein Gefühl, wenn einem der Schneemann den Hintern abputzt?“, konnte sie sich dann doch nicht verkneifen und schüttelte den Kopf, damit die fragwürdigen Bilder wieder aus ihrem Kopf verschwanden. Das war wirklich nicht förderlich. „Hat er auch die Duschvorhänge und die Bademäntel gekauft?“ Denn den mit dem Rentier hatte sie selber sehr gemocht und überlegt, sich den auch zu kaufen. Er hatte so kuschelweich ausgesehen. Von den Huf-Hauslatschen ganz zu schweigen.

„Ja, hat er. Ich hatte letztes Wochenende immer das Gefühl, dass ich beim Duschen bespannt werde.“ Gregor lachte, als er daran zurückdachte und fand das gar nicht mehr schlimm. „Den Rentiermantel hat er für sich geholt und den roten für mich. Hast du dir schon mal mit einer Zuckerstange die Zähne geputzt? Ist irgendwie lustig.“

„Es gab besseres, glaube mir.“ Jetzt musste Vera das einfach sehen. Wenn Gregor alles wieder an seinen Platz geräumt hatte, musste sie unbedingt vorbei gehen und gucken ob Thomas wirklich beim Einkauf ganze Arbeit geleitet hatte. „Hat er dir eigentlich schon die Socken mit Musik vorgeführt? Und das Shirt mit den aufgenähten Engelsflügelchen? Oder den lustigen Slip mit dem plüschigen Schneemann auf dem Hintern?“

„Nein.“ Gregor war sich gerade nicht sicher, ob Vera ihn auf den Arm nahm und das sah man ihm auch an, aber dann entschied er sich dafür, dass Thomas das alles wirklich gekauft hatte, denn so ein Perfektionist, wie sein Schatz war, da ging das nicht anders. „Das hat er wohl weggepackt, als er sein Wäschefach ausgeräumt hat.“

„Sag ihm ja, wenn ich komme, soll er alles anziehen. Ich will den Schneemannschlüpfer, das Engelchen-Hemd und die singenden Socken! Und wehe da fehlt was.“ Vera lachte über Gregors Gesicht. Der würde sich noch umgucken, was sein Schatz alles aufgetan hatte. Er war wie ein Weihnachtsdetektor. Er fand Dinge, die hatte Vera vorher noch nie gesehen. „Und dazu bitte die Weihnachtsmann-Mütze mit dem blinkenden Geweih. Das sieht bestimmt niedlich aus. Ich werde es fotografieren und Weihnachtskarten davon machen“, legte sie für sich fest.

„Du wirst keine Weihnachtskarten mit meinem halbbekleideten Schatz verschicken. Außer du schickst sie alle an mich, in einem Umschlag, damit der Postbote das nicht sieht.“ Gregor ließ sich nicht anmerken, dass ihn die Vorstellung, Thomas so zu sehen doch schockierte. Einzeln konnte er das ja noch gut ertragen, aber wie es werden würde, wenn er das alles gleichzeitig trug, wusste er nicht, aber dann grinste er. Musste er seinen Liebling einfach schnell ausziehen, dann wurde das schon. Mit bitterer Medizin machte man es ja auch so - Augen zu und runter damit.

„Ach, Greg. Wenn Thomas die Bilder gefallen, wird er sie vielleicht selber verschicken wollen. Außerdem hätte er weit mehr an als ein normaler Engel, die nur ihr zugiges Hemdchen anhaben und sich die Nieren verkühlen.“ Sie erhob sich langsam, denn in fünf Minuten musste sie wieder am Verkauf stehen, auch wenn sie gern noch weiter gemacht hätte.

„Was normale Engel anhaben, ist mir egal. Leicht bekleidet sehe nur ich ihn, da bin ich sehr besitzergreifend.“ Gregor brachte Vera zur Tür und umarmte sie noch einmal. „Sehen wir uns dann Dienstag bei uns? Montag geht nicht, denn da wird mein Liebling sich vom Wochenende erholen müssen.“

„Ich glaube ja eher, er wird sich von dir erholen müssten“, zwinkerte sie und ging zum Fahrstuhl. Sie musste sich beeilen. Vera winkte noch einmal „Tschüss!“ als sich die Türen schlossen. Nun musste sie sich sputen. Man legte in diesem Haus sehr viel wert auf Service und Pünktlichkeit.

Gregor winkte ihr nach und machte sich mit neuem Elan an seine Arbeit. Heute Abend kriegte Thomas ein besonderes Verwöhnprogramm mit einem guten Essen, einem Bad, einer Massage und noch vielen anderen Dingen, die sein Freund liebte. Schließlich musste er morgen, an einem Sonntag arbeiten.



+++



„Wenn ich mich jetzt nicht spute, ist der Bus weg!“ Thomas kroch gerade in seine Schuhe und grinste Gregor an, der auf der Couch saß und ihn dabei beobachtete. Sie hatten beide letzte Nacht ziemlich wenig Schlaf bekommen, doch das hatte weder Thomas noch Gregor gestört. „Geh wieder ins Bett, hm?“, sagte er sanft, als er noch einmal zu seinem Schatz trat und ihm durch die Haare strich. Er küsste ihn zum Abschied und lächelte. „So lange bin ich ja nicht weg. Spätestens um sechs bin ich wieder da“, zumindest hoffte Thomas das.

„Dann fahr ich dich eben mit dem Auto.“ Gregor zog Thomas noch einmal auf seinen Schoß und vertiefte ihren Kuss erneut. Allerdings unterließ er es seine Hände unter den Mantel zu schieben. „Ich liebe dich, Babe, und werde dich vermissen. Ganz schrecklich.“ Er sah seinen Geliebten lächelnd an, aber dann gab er ihn frei. Thomas musste gehen und er selber hatte auch noch sehr viel zu tun, wenn er seinen Schatz am Abend überraschen wollte.

„Ja, schick mich nur raus in die Kälte“, grinste Thomas und griff sich seine Tasche. „Während du wieder ins kuschelig warme Bett kriechst. Verschlaf nur nicht.“ Ein letztes Lächeln, dann war er aus der Tür, weil er nicht mit dem Bus bis zur Haltestelle um die Wette laufen wollte.

„Wenn du wüstest, Süßer, dann würdest du dich krank melden und mir helfen“, grinste Gregor und das sollte was heißen, denn Thomas liebte seine Arbeit. Er sprang auf und lief als erstes ins Schlafzimmer. Betten abziehen und gleich in die Waschmaschine werfen, dann konnte die Wäsche gleich nachher in den Trockner und wieder in den Schrank, wo sie auch bis mindestens nächstes Jahr blieb. „Was nun?“, überlegte er und entschied sich für die Fensterbilder, wenn nachher alles dekoriert war, ging das nicht mehr.

Also huschte er zum großen Einbauschrank in der Diele, wo Thomas, wie er wusste, viele der Kisten verstaut hatte. Er holte die Leiter aus dem deckenhohen Schrank und krabbelte ganz nach oben - dorthin, wo Thomas seine Heiligtümer verstaut hatte. Eine Kiste nach der anderen trug er nach unten, stellte sie erst einmal auf den Boden und stand nun in einem Berg aus Kartons.

Sich am Kopf kratzend sah er sich um. Das war nur eine von mindestens fünf Lagerstätten hier in der Wohnung, die Thomas hatte und im Keller war auch noch einiges. Wie er das alles schaffen sollte, wusste er noch nicht, aber wenn er nicht anfing, wurde das nie was. „Ich hoffe, du weißt, wie sehr ich dich liebe, denn für niemanden sonst, würde ich so etwas tun“, murmelte er leise und nahm den ersten Karton hoch.

Schnell waren die Stellen der Fenster, an die die Bilder sollten, gesäubert. Dann klebten sie. „So, eins erledigt. Bleiben noch siebenhundertachtundvierzig weitere.“ Er legte den Karton weg und krallte sich den nächsten. Küchenutensilien. Tassen, Besteck, Teller - was das weihnachtlich verliebte Kochherz begehrte. Das war schnell erledigt. Der nächste Karton enthielt Schnickschnack zum Hinstellen - also? Wo hin mit Rentieren, Schneemännern und anderem Volk?

Schnell musste er einsehen, dass er die Dekoration nie wieder original hinbekommen würde, also musste er es so machen , wie es ihm gefiel, was auch nicht leichter war, denn eigentlich wollte er nur ein paar ausgewählte Dinge aufstellen, aber das ging nicht. Also dekorierte er tapfer weiter. Immer wieder holte er neue Kartons und irgendwann hatte er das Gefühl, dass es kein Ende nahm. Schön waren die Kartons mit den Wäschestücken. Die Socken, Shorts und Shirts, die Vera erwähnt hatte. Thomas sah darin bestimmt umwerfend aus.

Doch er hatte keine Zeit zu verlieren. Schwärmen konnte er, wenn er fertig war. Die Zeit fraß sich über das Ziffernblatt und er sah nur den Berg der Kartons vor sich. Eben war er dabei das Bett zu beziehen und die Handtücher auszuwechseln, dann war der Duschvorhang dran, egal wie sehr es Gregor davor gruselte.

Darum beeilte er sich damit und machte dann etwas, was er gerne mochte. Er hatte neue Tannenzweige gekauft und dekorierte sie nun mit Kugeln und anderem Krimskrams und sogar Nani bekam eine Lichterkette. Noch Adventskränze auf die Tische und fast fertig. Gregor drehte sich einmal um sich selbst und nickte zufrieden. Es sah anders aus, aber besser kriegte er es nicht hin. Jetzt noch sein Geschenk hinstellen und alles war fertig. Vorsichtig packte Gregor das Plüschrentier in Originalgröße aus und stellte es ins Schlafzimmer. Es hatte im Keller gelagert, in den sich Thomas nur selten verirrte und Gregor hatte es vorhin unter Einsatz seines Lebens die Treppen nach oben verfrachtet. Er hatte gesehen, wie Thomas davor gestanden und es gestreichelt hatte. Dabei hatte er leise mit dem Tier geredet. Auf Rudolph setzte er Shorty mit seinem neuen Elfenfreund in türkis, den er gestern noch gekauft hatte und zwei Kekse.

Jetzt noch Essen kochen, duschen und Kekse backen, dann war er fertig.

Es war gar nicht so leicht, sich den aufdringlichen Duschvorhang vom Leib zu halten, deswegen dauerte seine Dusche auch viel länger als geplant. Immer wieder klebte die Plaste an seinen Beinen, und er musste sich aus dem Ding wieder auswickeln. Vielleicht wäre er schneller gewesen, er hätte gebadet. Hinterher war man ja immer klüger.

Wahrscheinlich musste er sowieso noch einmal duschen, denn nun kam das, vor dem er am meisten Angst hatte. Backen! Was bei Thomas so leicht wirkte und wie von selber von der Hand ging, war für Gregor Schwerstarbeit, denn das konnte er gar nicht. Bisher hatte man noch nichts essen können, was er versucht hatte. Es fing schon bei der Teigherstellung an. Das kriegte er nicht hin, auch wenn er sich genau an das Rezept hielt. Das Endergebnis sah nicht so aus, wie es sollte, aber er kämpfte sich durch und hoffte, dass die Geste zählte.

Wenigstens waren die Kekse hübsch ausgestochen und so schob er sie in den Ofen, während er sich zu einem einfachen Mahl durchgerungen hatte: Schnitzel Wiener Art und Gemüse dazu. Das ging recht fix und so hatte Gregor immer mal ein Auge auf die Kekse, während er die Schnitzel hübsch mit Semmelbröseln anzog und goldbraun briet.

Gut gelaunt vor sich hin summend bereitete er das Essen vor und stellte es warm. „Uah, gleich schon sechs Uhr“, rief Gregor überrascht und lief schnell ins Schlafzimmer. Schließlich musste er sich noch umziehen. Er duschte doch nicht mehr, denn es war nicht mehr genug Zeit, wenn der Duschvorhang überleben sollte. Etwas umständlich schlüpfte er in den Rentiertanga und grinste. Das kleine Tierchen, war gut gefüllt und so was gefiel Thomas bestimmt. Noch schnell Schürze, Puschen und die schreckliche Weihnachtsmütze mit blinkendem Geweih aufgesetzt, dann war er soweit und wurde schon wieder hektisch.

Die Kekse!

Die hatte er vollkommen vergessen und sie rächten sich damit, dass sie Qualmwölkchen aus dem Herd steigen ließen. Kleine, weiße Qualmwölkchen, die Gregor daran hindern wollten, den Ofen je wieder aufzumachen. Doch er musste! Mit gesenktem Kopf schaltete er die Dunstabzugshaube auf höchste Stufe und machte die Tür auf und wich zurück. „Mist! Mist! Mist!“

Todesmutig zog er das Blech raus und besah sich die Bescherung. Etwas arg dunkel, aber noch nicht wirklich angebrannt. Vielleicht fiel es nicht auf, wenn er Puderzucker drauf machte. Er kramte gerade durch die Schränke, als er ein Geräusch an der Tür hörte. Thomas kam nach Hause, für Kekskosmetik war keine Zeit mehr. Darum schnell die Handschuhe angezogen und das Blech geschnappt. Schließlich musste er seinen Schatz begrüßen, wie es sich gehörte.

Der Schlüssel wurde ins Schloss geschoben, dann öffnete sich die Tür und Thomas trat in den Raum, „Schatz, ich“, weiter kam er nicht, weil er sich erst einmal umsehen musste. Das war definitiv nicht die Wohnung, die er heute Morgen verlassen hatte. Unauffällig sah er an das Namensschild an der Tür - und wenn das niemand in einem bösen Scherz ausgetauscht hatte, war das noch seine Wohnung. Also schloss er die Tür und sah auf Gregor in seiner Schürze und der blinkenden Mütze und wusste im ersten Moment nicht, was er sagen sollte, weil ihm unklar war, ob er wachte oder träumte.

„Hallo, Schatz“, sagte Gregor lächelnd, wie Thomas ihn vor einer guten Woche begrüßt hatte und kam einen Schritt näher. „Ich habe dich vermisst. Schön, dass du wieder da bist. Einen Keks?“ Er musste grinsen, denn das Gesicht seines Schatzes war einfach Gold wert.

„Zwei Fragen“, murmelte Thomas und ließ seinen Blick schweifen. Och, er drehte den Kopf nicht, nur seine Augen bewegten sich. Gerade so, als würde dieses Kartenhaus in sich zusammenfallen, wenn er sich auch nur einen Zentimeter bewegte. „Wer sind sie und wo ist mein Freund?“, murmelte er und guckte den Kerl mit der blinkenden Mütze noch einmal an - er sah aus wie Gregor. Aber Gregor bekam schon Pusteln, wenn er nur eine solche Mütze anguckte. An Anziehen war gar nicht zu denken. Was passierte hier? Thomas begriff nicht.

„Moment, ich helfe dir.“ Gregor stellte das Blech ab und kam auf Thomas zu. Er legte den Arm um seinen erstarrten Freund und zog ihn an sich. Erst landete ein Kuss auf der Nasenspitze und als diese unwillig gekraust wurde, küsste er sich tiefer zu den weichen Lippen, die immer noch ein wenig offen standen, weil Thomas noch immer nicht wusste, was los war. Ganz sanft ließ Gregor seine Lippen über die seines Freundes streichen und er hoffte, dass er so die Starre lösen konnte.

Was ein Kuss doch bewirken konnte. Thomas schien sich zu erinnern - wenn auch die Wohnung nicht mehr aussah wie seine. Solange der Schlüssel ins Schloss passte und der gut Aussehende, Halbnackte, der hier wohnte, ihn küsste, konnte doch noch nicht alles verloren sein. Thomas grinste, als er sich löste und sich noch einmal umsah. Seine Finger rutschten dabei unter die Schürze und auf Gregors Hintern. „Was ist passiert?“, wollte er irritiert wissen.

„Ich liebe dich, über alles, das ist passiert.“ Gregor knöpfte Thomas' Mantel auf und legte wieder die Arme um ihn. „Kein Weihnachtkitsch kann so schlimm sein, dass ich zulasse, dass du traurig bist. Mit Kitsch kann ich leben, aber mit einem deprimierten Thomas nicht.“

„Ich“, wollte Thomas intervenieren doch so leicht war das nicht. „Du hast das alles nur wegen mir gemacht? Du bist so süß!“ Wieder und wieder küsste er seinen Schatz und strahlte ihn an. Das war wie der Himmel auf Erden. Seine Hände gruben sich fester in Gregors Hintern und er musste lachen. „Schatz, du riechst angebrannt“, flüsterte er und küsste Gregor noch einmal.

„Natürlich nur für dich. Für niemanden sonst würde ich das tun“, erklärte Gregor zwischen den Küssen und wurde rot, als Thomas ihn auf seinen Geruch ansprach. „Wollte Kekse backen“, nuschelte er undeutlich und vergrub sein Gesicht in Thomas' Halsbeuge. „Ganz angebrannt sind sie nicht, aber essen würde ich sie trotzdem nicht.“

„Du bist so süß!“ Thomas konnte nicht anders, als sich seinen Freund um die Hüften zu greifen und ihn anzuheben und an sich zu drücken. Er drehte sich ausgelassen mit ihm und küsste ihn immer wieder. Gregor war wirklich unglaublich. Thomas' Herz schlug wie wild, er war völlig von der Rolle und er konnte gar nicht sagen, was er als erstes machen wollte. „Liebe dich! Liebe dich! Liebe dich!“, lachte er immer wieder und strahlte seinen Schatz auch weiterhin an.

„Ich dich doch auch, du Weihnachtsverrückter. Über alles und wie verrückt.“ Gregor ließ sich herumwirbeln und lachte mit. Er hatte gehofft, dass Thomas sich freuen würde, aber dass er so ausgelassen war, freute ihn noch mehr. „Aber die Schnitzel können wir essen, die sind perfekt.“

Thomas blieb stehen und setzte seinen Schatz wieder ab. „Schnitzel und eine Wohnung voll Weihnachtskrimskrams? Ich bin tot und im Himmel - ich wusste, dass der Himmel aus Schnickschnack und Schnitzeln bestehen würde, nur dass du hier bist, verwirrt mich. Bist du auch tot?“, lachte er, auch wenn man mit dem Tod keine Scherzte trieb. Heute wollte er mal nicht kleinlich sein.

„Ich werde überall sein, wo du auch bist. Du wirst mich nicht mehr los.“ Gregor hielt sich an Thomas fest und küsste ihn wieder. Darauf hatte er sich schon den ganzen Tag gefreut. „Ich habe aber noch etwas vergessen. Eigentlich wollte ich noch ein Bad einlassen, aber die Kekse sind mir angebrannt und da hab ich das vollkommen vergessen. Es sollte doch genauso werden wie bei deiner Begrüßung für mich.“

„Ich glaube da kann ich großzügig drüber hinwegsehen, denn die Schnitzel sind ein sehr guter Ausgleich für ein Bad. Das nehmen wir dann später - viel später!“, raunte Thomas dunkel und ließ endlich seinen nervenden Mantel fallen. Der störte ihn ungemein und hinderte ihn daran, sich um Gregor zu wickeln wie eine Boa um ihre Beute. „Zur Belohnung für deine Überraschung darfst du mit mir alles machen, was du willst. Ich werde mich nicht wehren. Nur lustvoll stöhnen“ zumindest hoffte er das.

„Das wirst du, Schatz. Das wirst du.“ Bisher war das immer so gewesen, wenn sie miteinander schliefen und auch einmal was Neues ausprobierten, aber das hatte er heute nicht vor. Er wollte nur, dass sie sich liebten, immer und immer wieder, bis sie beide erschöpft und zufrieden waren. Gregor lehnte sich an Thomas und schnuffelte. „Na, wenigstens riechst du lecker nach Keksen und nicht angebrannt“, lachte er leise.

„Was wäre ich denn für ein Konditor, wenn ich die Kekse anbrennen lassen würde?“, lachte er und sah noch einmal nach dem Blech, was auf dem Ofen zum Abkühlen stand. Es sah schon etwas kläglich aus, aber allein dass Gregor sich solche Mühe gegeben hatte, ließ ihn schon wieder grinsen. „Erst Küche oder erst Schlafzimmer“, flüsterte er leise und zog sich den Pullover über den Kopf, während er Gregor langsam rückwärts drängte. Er wollte seinen Schatz genießen - so wie er war.

„Schlafzimmer. Das Essen kann ruhig noch etwas warten, aber ich nicht mehr. Ich habe mich so sehr nach dir gesehnt.“ Damit es schneller ging, legte Gregor Thomas die Arme um den Hals und schlang seine Beine um ihn. „Außerdem hast du dann mehr Hunger und kannst das Essen noch mehr genießen.“

„Als wenn ich dein Essen je nicht genossen hätte“, grinste Thomas diabolisch und spielte am Knoten von Gregors Schürze. Der Tag heute war wirklich unbeschreiblich. Er brauchte kein Weihnachtsgeschenk mehr, er hatte seines schon in Händen - er hatte es täglich in Händen, doch heute wurde ihm wieder besonders bewusst, warum Gregor so einzigartig war.

„Auch wenn heute noch nicht der 24. ist, würde ich gern mein Geschenk auspacken - nicht das es noch verdirbt“, lachte er leise und hatte die Schleife schon aufgezogen.

„Nur zu.“ Gregor löst seine Arme und ließ sich nach hinten aufs Bett fallen, dabei löste sich die Schürze und Thomas konnte den neckischen Tanga sehen, den er anhatte. Grinsend legte er sich so hin, dass sein Schatz einen guten Blick hatte. Schließlich hatte Gregor dieses neckische Teil nur für seinen Freund gekauft.

„Na, wer bist du denn?“, lachte Thomas, als er Rudolph aus Gregors Schoss gucken sah. Er hatte ja schon gemerkt, dass Gregor versuchte sich anzupassen, aber das war herrlich. Lachend schüttelte Thomas den Kopf, machte aber große Augen, als die Nase des Tanga-Tiers anfing zu leuchten - rot.

„Ist das für mich zur Orientierung, damit ich dich nicht verfehle“, lachte er albern und ließ sich einfach neben seinen Freund fallen. Egal welcher Tag heute war, das war sein heiliger Abend - mit Geschenk und Überraschung. Besser konnte es nicht mehr werden.

„Ich wollte auf Nummer sicher gehen.“ Gregor lachte und zog Thomas neben sich. Mit dem Schlafzimmer hatte er sich besonders viel Mühe gegeben. Nicht nur, dass hier der große Rudolph stand, über dem Bett hingen genau, wie über der Wanne mehrere Mistelzweige und überall im Raum standen Kerzenleuchter und große und kleine Kerzen, die ein wunderbares Licht verbreiteten. Da er einige Duftkerzen darunter gemischt hatte, lag ein weihnachtlicher Duft in der Luft und machte alles noch anheimelnder.

„Wäre nicht nötig gewesen, ich bin sowieso völlig von den Socken“, lachte Thomas leise und blickte an die Decke auf einen der Zweige. „Lass uns nicht reden, küss mich lieber - der Mistelzweig verlangt es“, flüsterte er und schloss glücklich die Augen. Vielleicht war Gregor nicht übernacht ebenfalls zum verrückten Weihnachtsterroristen geworden, doch er hatte seine Art Frieden mit dem Kitsch gemacht. Thomas versprach sich selbst, die Sachen nicht länger als nötig herumstehen zu lassen und nach Weihnachten alles abzubauen - aber im Augenblick wollte er nicht an morgen denken, nur an sein Weihnachtsgeschenk, was er über alles liebte.

Lippen trafen sich zu einem ersten Kuss, dem noch sehr viele folgen sollten an diesem Abend. Gregor war einfach nur glücklich, dass seine Überraschung so eine umwerfende Wirkung hatte und Thomas endlich wieder dieses Leuchten in den Augen hatte, das er so sehr liebte. Das zu erhalten, nahm er sich vor und wenn er dafür über seinen Schatten springen musste, war das nur ein geringer Preis, den er gerne bezahlte.

„Liebe dich“, murmelte er leise und schloss die Augen. Dieses Weihnachten würde er lieben – definitiv! 


Ende