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Ein Kätzchen für Oma Hilde - Teil 17 bis 20

17

Am Morgen schlug Roman wie jeden Morgen auf den Wecker und streckte sich. Er musste etwas Schönes geträumt haben, wenn er auch nicht wusste was, denn er musste lächeln und er fühlte sich gut. Als erstes ging sein Blick rüber zu Maung, der noch zu schlafen schien. Heute musste der Kater nicht mehr mit in die Praxis, darum weckte er ihn nicht. Roman schrieb ihm nachher einen Zettel, damit er sich nicht abgeschoben fühlte. Maung war nicht mehr so krank, dass er ständiger Pflege bedurfte und wenn er sich hier im Haus die Zeit mit den kleinen Katzen vertreiben konnte, verging sie für ihn sicher schneller.

Doch erst einmal lagen die vier unter der Decke und ließen den Tag in Ruhe angehen. Nur Lucky kroch träge unter dem Deckbett hervor, streckte sich und gähnte, denn er wollte ins Bad.

„Guten Morgen, Süßer.“ Roman nahm ihn hoch und mit ins Bad. Da mussten sie nämlich beide hin. Noch halb schlafend erledigte Lucky sein Geschäftchen und ließ sich dann wieder zum Bett tragen, wo er augenblicklich unter die Decke krabbelte. Dort war es entschieden wärmer. Roman wäre am liebsten gleich hinterher gekrochen, aber leider ging das nicht.

Er duschte und machte sich fertig. Kochte Kaffee und bereitete etwas für Maung zum Frühstück vor. Schließlich wusste er nicht, ob der Kater kochen konnte. Aber zumindest konnte er schon die Mikrowelle bedienen, darauf konnte man aufbauen. Dazu Brötchen und Tee in einer Thermoskanne. Dann hatte Roman das Gefühl, Maung nicht vernachlässigt zu haben. Schnell war noch Futter für die Zwerge zusammengerührt und er ging noch einmal nach oben.

Er legte den Zettel neben Maung auf den Nachttisch und beugte sich noch einmal runter. „Bis heute Abend, Süßer“, flüsterte er leise und schnuffelte kurz mit der Nase durch Maungs Haare. Er hatte seine Handynummer mit auf den Zettel geschrieben, damit sein Freund ihn erreichen konnte, wenn etwas war. Aber jetzt musste er los und konnte nur hoffen, dass alles glatt ging.

So strich er den Kätzchen noch einmal durch das Fell, doch dann war er auch schon die Treppe runter und aus dem Haus. Zum Glück hatte er nicht gemerkt, dass Maung schon wach war und so warf sich der Kater nun knurrend auf die Seite. So frustriert wie er gestern eingeschlafen war, war er aufgewacht. Zum Glück hatte er sich eine peinliche Knutscherei diese Nacht verkneifen können. Doch wenn er sich vorstellte, dass das jetzt jede Nacht so werden würde?

Na gute Nacht!

Er war ja schon jetzt ziemlich am Ende mit seinen Nerven. Seufzend drehte Maung sich auf den Rücken und entdeckte den Zettel, den Roman hingelegt hatte. Ohne etwas dagegen machen zu können, musste er lächeln. Roman war so anders, wie noch vor seiner Krankheit. Er betüddelte seine Katzen von vorne bis hinten. Maung brauchte eigentlich nur noch runter in die Küche gehen und alles war fertig. Doch er ließ es.

Lieber robbte er zu Romans Seite des Bettes und grub seine Nase selbstzerstörerisch in Romans Kissen. Tief holte er Luft und ließ sich von dessen Duft einhüllen. „Du Blödmann“, knurrte er und lachte, weil Lucky unter der Decke vor kam und ihn anmaunzte. „Nicht du, dein Roman, der mich mag, aber nicht weiß, was er mit mir machen muss.“ Und so stupste er der kleinen Katze gegen die Nase.

Lucky schüttelte sich und tapste zu Maung rüber. Er schmiegte sich an dessen Gesicht und schnurrte, so als wenn er sagen wollte: 'Das wird schon. Der braucht noch ein wenig.' Nur war Maung da nicht von überzeugt. Roman war zwar zutraulich, aber eben hetero. Das schloss schon einmal aus, dass er in Maung mehr sah, als einen Freund. Und zwischen mögen und lieben lagen eben doch Welten.

„Wah!“ Maung drehte sich im Kreis, er kam auf keinen grünen Zweig und so sah er auch nicht gerade frohsinnig in die nächsten Wochen. Wenn sein Hormonhaushalt nicht bald wieder ins Lot kam, wurde er noch wahnsinnig. „Ich brauch Sex!“, schrie er und kroch wieder unter seine Decke.

Doch wie sollte er das anstellen? Roman kam nicht in Frage und einfach losgehen und sich jemanden suchen, konnte er auch nicht. Schließlich gab es an ihm ja ein paar Körperteile, die nicht unbedingt der Norm entsprachen und auf einen Lover, der sich angeekelt von ihm abwandte, hatte er schon gar keine Lust.

„So ein verdammter Mist“, knurrte er ins Kissen. Er war keinen Schritt weiter. Vielleicht sollte er doch noch einmal an die Firma herantreten, die ihn verkauft hatte. Es war zwar eher unwahrscheinlich, aber vielleicht machten sie eine Ausnahme und nahmen ihn doch zurück. Dann hatte Roman sein Geld wieder und konnte seiner Oma einen kleinen Kater kaufen und Maung...

„Dann müsste ich mich von euch auch trennen. Wie gemein“, seufzte er leise und beobachtete, wie Feli sich darauf vorbereitete vom Bett zu springen, aber dann doch lieber an der herabhängenden Decke abwärts hangelte. Eigentlich wollte er auch gar nicht weg von Roman - aber im Augenblick hatte Maung das Gefühl, platzen zu müssen.

Was musste der Idiot ihn auch küssen? Jetzt wusste Maung, wie geschickt Roman mit der Zunge war und das machte es ihm nicht gerade einfacher, sich zurückzuhalten. „Argh.“ Maung drehte sich auf den Rücken und holte sich Tsuki, der auch langsam wach wurde. Nachdenklich kraulte er seinen kleinen Liebling und wusste nicht, ob er sich darauf freuen sollte, abends mit Roman auf den Weihnachtsmarkt zu gehen.

Vielleicht sollte er den Abend so lange ausdehnen, bis er selbst übermüdet ins Bett fiel. Doch das war nicht die Lösung. Maung wusste ganz genau, dass es wieder passieren würde und sobald Roman ihm auch nur das winzigste Signal gab, würde beim Kater alles aussetzen und er fiel über ihn her. Ob er nach dem Kuss endete war fraglich - nein, falsch. Es war nicht fraglich, es war unmöglich. „Sex! Jetzt!“, murmelte er und streichelte Tsuki, der schon wieder die Nase davon voll hatte, ständig geweckt zu werden.

Knurrend machte der kleine Kater sich frei und folgte seiner Schwester, die wieder zu ihrem Lieblingsplatz unter der Wohnzimmerheizung unterwegs war. Nun war Maung wieder alleine und hatte niemanden mehr, um seine Finger zu beschäftigen. Er musste sich unbedingt beschäftigen, damit er nicht noch Amok lief.

Aber was sollte er tun?

Das war doch zum Mäusemelken. Vielleicht nahm er sich ein Buch und las? Denn den ganzen Tag fern zu sehen, das hielt selbst Maung nicht aus. Zwischendrin etwas mit den Kätzchen spielen. Die Zeit würde schon rum gehen. Er erwischte sich dabei, wie er hoffte, dass Roman über Mittag eventuell heim kam, doch dann schüttelte Maung den Kopf. „Bist du blöd?“, fragte er sich allen Ernstes und schoss hoch. Es wirkte, als wollte er vor sich selber weglaufen.

Anstatt, dass es ihm besser ging, wenn Roman nicht da war, machte es ihn völlig verrückt. Egal was er auch tat, nach kurzer Zeit geisterte der Tierarzt durch seinen Kopf. Las er ein Buch, fragte er sich nach ein paar Seiten, ob Roman es auch gelesen hatte. Ging er in die Küche, um etwas zu essen für sich oder die Kleinen zu holen, war sein erster Gedanke auch gleich Roman, weil er ja alles vorbereitet hatte. Was Roman wohl gerade tat? Was Roman wohl gerade dachte? Ob er Maung vermisste?

„AH!“ Der Kater schoss von der Couch wieder hoch, Feli suchte fauchend das Weite und jedes Mal, wenn Maung auf die Uhr sah, hatte er den Eindruck, sie würde rückwärts laufen. „Ich werd noch blöd!“ Und ein weiteres Mal fing er an, ziellos durchs Haus zu laufen.

Hin und Her.

Vom Wohnzimmer zur Küche und von dort wieder zurück, die Treppe rauf ins Schlafzimmer. Aber dort wurde es noch schlimmer, denn hier konnte er Roman auch noch riechen. Seufzend setzte sich Maung aufs Bett und sein Blick fiel auf den Zettel, den sein Freund für ihn da gelassen hatte. Sollte er Roman anrufen? Aber was sollte er sagen?

„Mir ist langweilig? Wie doof!“, knurrte Maung über seinen ersten Gedanken, doch auch Gedanke zwei und drei, die sich mehr um das direkte Vermissen von Roman drehten, hätte er nicht über die Lippen gebracht. Also erhob er sich wieder, steckte den Zettel aber in die Hosentasche und griff sich den ahnungslosen Tsuki, der ihm neugierig gefolgt war und es wohl in dem Moment bereute, als er wieder geknuddelt wurde.

Aber alles Strampeln und Fauchen nützte ihm nichts. Maung war mit seinen Gedanken ganz woanders und streichelte den kleinen Kater automatisch. Mit den Gedanken war Maung bei Roman und ihrer vollkommen verrückten Beziehung der letzten Tage. Warum hatte Roman sich küssen lassen und warum hatte es dem auch noch gefallen? Was hatte das zu bedeuten? Fragen über Fragen, die es Maung nicht leichter machten und Tsuki an den Rand der Verzweiflung brachten, weil er sie ausbaden musste.

Immer auf die Kleinen!

Er beschloss etwas daraus zu lernen und das nächste Mal ganz schnell wegzulaufen, wenn sich Hände ihm näherten. Im Augenblick gab er seine Gegenwehr auf und hing wie ein nasser Sack in Maungs Händen. Vielleicht wurde er ja in Ruhe gelassen, wenn er sich tot stellte. Doch das nutzte nichts, weil Maung das noch nicht einmal bemerkte.

Einen von Martinas Keksen knabbernd war er auf dem gleichen Weg wie schon seit Stunden: Küche - Flur - Wohnzimmer. Nur half es nicht. Roman war ein merkwürdiger Mann, ein hübscher, ein reizvoller, aber auch ein sehr verwirrender. Und Maung mochte es nicht, verwirrt zu werden, denn dann machte er Dinge, die er besser nicht tun sollte und das konnte in diesem Fall böse enden. Roman schien zwar ihre Küsse zu mögen, aber wahrscheinlich nicht, wenn Maung sich in sehr eindeutiger Absicht an ihm rieb, weil seine Triebe mit ihm durchgingen.

In seine Gedanken versunken hielt Maung Tsuki nicht mehr so fest und der nutzte seine Chance und flüchtete. In schützender Entfernung schüttelte er erst einmal das platt gedrückte Fell demonstrativ auf. Ein böser Blick in Richtung Maung, doch der bemerkte gar nicht, dass er seinen kleinen Liebling an den Rand der Verzweiflung getrieben hatte. So wurde er von Tsuki mit Missachtung gestraft, als er sich zu Feli unter die Heizung verzog, während Lucky einen von Mama-Romans Weihnachtselfchen die Bommelmütze nass kaute.

„Blöder Roman“, knurrte Maung und warf sich rücklings auf die Couch, suchte den Zettel wieder aus der Tasche, auch wenn er die Nummer schon auswendig wusste. Wieder ging sein Blick zur Uhr über der Tür - es waren seit dem letzten Mal gerade 20 Minuten vergangen.

Und es dauerte noch endlose Stunden, bis Roman von der Arbeit kam. Wieder ging Maungs Blick auf den Zettel. Um diese Zeit war Roman immer zu ihm gekommen und hatte etwas zusammen mit ihm gegessen. Egal wie krank sich Maung auch gefühlt haben mochte, wenn Roman in seiner Nähe war, ging es ihm deutlich besser.

Nur jetzt war kein Roman da und Maung langweilte sich zu Tode. Seine Verzweiflung zeigte sich auch darin, dass er kurz versucht gewesen war, Roman unter dem Vorwand anzurufen, etwas wäre mit den Kätzchen nicht in Ordnung. Doch das war gelogen und das würde Roman spätestens dann merken, wenn er hier war und das Trio Infernale wild durch die Bude preschte. Dann wäre Roman wütend und sie gingen bestimmt nicht auf den Markt.

Es blieb ihm nur, ein geduldiger Kater zu sein und so griff er sich wieder ein Buch. Doch schon nach wenigen Seiten flog es wieder zur Seite und Maung griff sich die Fernbedienung. Sollte er einen Film ansehen? Roman hatte ihm gezeigt, wie der Videorecorder funktionierte und bei den Filmen im Schrank waren ein paar dabei, die ihm gefallen könnten.

Romans Mutter hatte eine Vorliebe für Zeichentrickfilme, was Maung doch ziemlich entgegenkam. Also war er in einem Satz vor dem Schränkchen unter dem Fernseher und suchte, doch seine Finger zitterten, als er sie über die Rücken der Hüllen gleiten ließ, um zu lesen, was drauf stand. Nichts sprach ihn an und so ließ er sich nach hinten fallen.

„Noch so eine Nacht und ich bespring dich!“, sinnierte er plötzlich völlig zusammenhanglos, denn er spürte die Unruhe und die Gier nach Befriedigung immer stärker werden. Nicht einmal die weichen Schneeflocken, die vor dem Fenster tanzten, konnten ihn heute noch ablenken.

„Ach verdammt“, fluchte Maung und schmiss sich auf den Boden. Er sah zur Decke hoch und so wie er da so lag, erinnerte er sich an den zweiten Tag hier im Haus, wo Roman ihn unter die Dusche gesteckt hatte. Noch heute musste er sich schütteln, wenn er an das Wasser dachte, aber er grinste, als er an Romans fassungsloses Gesicht dachte. Überall hatte Schokolade geklebt. Nicht nur an den Schränken, auch an dem Kater. Er hatte seinen Herrn wohl für kurze Zeit ziemlich entsetzt. Ja, Maung musste zugeben, ihr Start war eine mittlere Katastrophe gewesen. Doch als er krank geworden war, hatte sich vieles geändert.

„Ach, nicht schon wieder!“ Maung seufzte und guckte auf die Uhr - zehn weitere Minuten waren vergangen.

Warum nur kam er bei allem, was er dachte immer wieder zu Roman? Es war wirklich zum Haare raufen. „Argh.“ Maung schlug mit der Faust auf den Teppich und rollte sich dabei auf den Bauch. Wenn das so weiter ging, kratzte er vor Langeweile noch die Tapeten von der Wand. Warum gab es nicht etwas, was ihn von Roman ablenkte? Und schneller als er es verhindern konnte, hatte er Romans Nummer in der Praxis gewählt. Und noch schneller hatte Roman abgenommen und Maung wurde schlagartig klar, was er getan hatte. War er denn noch zu retten? Doch um nicht als blödes Haustier dazustehen, fragte er: „Ist Martina da? Kannst du sie mir mal geben?“

„Ja, sicher.“ Roman war sichtlich irritiert, weil er noch nicht einmal begrüßt wurde, gab das Telefon aber weiter. Er war enttäuscht, das musste er zugeben, denn er hatte sich gefreut Maungs Stimme zu hören. Er vermisste ihn. Neugierig sah er zu Martina rüber, weil er wissen wollte, was sein Freund mit Martina zu besprechen hatte.

„Lass dir jetzt bloß nichts anmerken“, bat Maung. „Nick einfach ab und an und mach 'hm' oder so was. Du musst mich retten!“ Maung klang hysterisch und hastig rasselte er seine Notlage runter, auch dass seine Gedanken nur noch um eines kreisten und er nur aus Versehen angerufen hatte, das Roman aber nicht sagen konnte.

„Hm.“ Martina tat, worum sie gebeten wurde und schielte unauffällig zu Roman rüber, der sie beobachtete. Die zwei waren doch wirklich unmöglich. Dass es Roman nicht passte, dass er ignoriert wurde, konnte sie spüren und darum lächelte sie ihm zu. Nicht das die Stimmung zwischen den beiden wieder kippte. Nur das Maung so von der Rolle war, machte ihr Sorgen. „Wie geht es dir denn, mein Süßer? Du hörst dich nicht mehr so erkältet an.“

„Hä?“ Maung war völlig durcheinander, als das Thema so abrupt umschlug. „Ach so. Ja. Mir geht’s wegen der Erkältung ganz gut. Dein komischer Chef macht mich viel duseliger. Der blöde Vogel. Knutscht rum und sagt auch noch, es gefällt ihm. Ich dreh noch durch!“, redete Maung entrüstet weiter, ohne Luft zu holen und fixierte Lucky, der gerade nichts ahnend über den Teppich stromerte, auf der suche nach einem neuen Gegner.

„Das ist doch toll“, freute sich Martina, „dann steht deinem Weihnachtsmarktbesuch ja nichts im Wege. Ich komme nachher mit und passe solange auf die Kurzen auf.“ Sie wusste, dass sie Maung damit nur noch mehr durcheinander brachte, aber auf das Problem ihres Freundes konnte sie ja nicht antworten. Roman hing sichtlich an Maung, aber wie sehr, das konnte sie auch nicht sagen. Allerdings, was Maung ihr erzählt hatte, machte ihr ein wenig Hoffnung, dass aus den beiden ein Paar werden könnte.

Sie zuckte, als sie ein Kätzchen lauthals zetern und schimpfen hörte. Der unvorsichtige Lucky war dem unbeschäftigten Maung leider doch zu nahe gekommen und wurde jetzt gnadenlos gestreichelt. Es war fast, als könnte man Tsuki lachen hören, weil es jetzt endlich mal einem anderen so erging.

„Wann kommt ihr denn? Ich dreh hier noch durch. Auf der einen Seite da will ich, dass er hier ist. Und wenn er hier ist, will ich, dass er weg geht, weil ich ihn sonst noch bespringe. Ich dreh durch!“ Maung redete einfach, egal ob Martina antwortete. Schon allein es zu formulieren und auszusprechen tat gut.

„Na ja, ein paar Stunden wird es noch dauern. Wir wollten gerade Mittag machen. Sollen wir vorbeikommen?“, fragte sie und musste grinsen, als Roman schon seinen Kittel auszog und seine Jacke holte. Da hatte einer wohl nur auf die richtigen Zauberworte gehofft. „Sag ihm, dass wir etwas zu essen mitbringen“, rief der Tierarzt und klimperte mit den Autoschlüsseln.

Martina konnte Maungs Grinsen nicht sehen, aber sie wusste, dass es da war, als die Stimme des Katers auf einmal viel zufriedener klang. Roman war nicht mehr doof und Lucky war auch schon wieder auf den Boden gesetzt worden. „Beeilt euch. Ich koche Tee!“ Und schon hatte Maung aufgelegt.

Martina guckte den Hörer in ihrer Hand an und lachte leise. Was für ein schräger Vogel und wie schnell doch die Stimmung bei beiden umschlug, wenn sie wussten, sie würden sich gleich sehen. „Idioten, aber ganz liebe.“ Martina schüttelte den Kopf und folgte Roman zum Wagen, der schon warm lief. Er saß ungeduldig hinter dem Steuer.

Roman hielt nur kurz an einer Imbissbude und kaufte Döner für alle. Man konnte fast den Eindruck haben, dass er es eilig hatte, so wie er fuhr. Martinas Frage diesbezüglich, weil sie ihn einfach zu gerne ärgerte, schmetterte er mit der Begründung ab, dass das Essen kalt wurde. So grinste Martina nur, ließ ihren Aushilfschef aber in Ruhe, denn er sollte in seiner Hektik nicht noch einen Unfall bauen.



18

Als sie die Auffahrt hochfuhren, lauerte Maung schon hinter der Tür und riss sie auf, als der Motor verstummte. Seine Augen leuchteten, dagegen konnte er gar nichts tun, weil er sich dessen nicht einmal bewusst war. Auch nicht, dass sein Herz wie wild schlug und er ganz nervös von einem Fuß auf den anderen hibbelte. Nur gut, dass ihn keiner sah, denn er hatte weder die Ohren noch den Schwanz versteckt.

Martina stieg langsamer aus, denn sie wollte die Begrüßung ihrer Freunde nicht stören. So wie Roman Maung gerade umarmte, hätte sie doch nur gestört. Ganz der fürsorgliche Arzt schob er seinen Freund sofort zurück ins Warme, damit die Erkältung nicht gleich wiederkam und wollte schon die Tür hinter sich schließen. „Ey, ich bin auch noch da“, maulte Martina gutmütig und schwenkte die Tüte mit dem Essen. Die wurde Roman auch gleich in die Hand gedrückt, damit sie Maung auch endlich begrüßen konnte.

„Du bist meine Rettung“, seufzte Maung und ließ sich in die Arme seiner Freundin sinken und um die Ecke kamen schon drei dem Hungertode nahe Kätzchen geschossen. Noch die Reste vom eben erbeuteten Futter am Schnäuzchen. Doch Tsuki war ein Dazu-lern-Tsuki und näherte sich Maung nur auf etwas mehr als Armeslänge, denn er hatte eben erst sein Fell wieder in Ordnung gebracht. Dafür bestürmte er jetzt mit seinen Geschwistern zusammen Roman, denn der roch verführerisch. Schneller als er gucken konnte, hangelten sich drei kleine Katzen an seiner Hose hoch und miauten herzerweichend.

„Nichts da, ihr kleinen Schlingel. Ihr habt gerade gegessen und jetzt gibt es nur noch ein paar Leckerli“, lachte Roman und streichelte alle drei.

„Klar, von dir lassen sie sich das gefallen. Ich wurde angemault“, beschwerte sich Maung und erinnerte sich an den verzweifelten Tsuki zurück, wie lädiert der ausgesehen hatte, als der nervöse Maung mit ihm fertig gewesen war. Offen gestanden hätte er nicht anders reagiert als die kleinen Katzen, doch das sagte er nicht, sondern provozierte lieber Roman. Denn er war froh, dass er wieder da war und nutzte die Tüte, in die er gucken wollte, um sich dicht gegen ihn zu schmiegen.

„Na ja, Kinder hören oft eher auf den Papa, als auf die Mama“, lachte Roman und strubbelte Maung durch die Haare. Wie von selbst legte sich sein Arm um den Kater. „Na, alles noch heile, oder haben die drei Zwecken was kaputt gemacht?“, fragte er und schälte sich umständlich aus seiner Jacke, damit er Maung nicht loslassen musste.

„Mama. Ich geb dir gleich Mama“, knurrte Maung und konnte sich gerade noch den Kommentar verkneifen, dass der sich die Bezeichnung nur gefallen lassen würde, wenn Papa sich ordentlich um Mama kümmern würde. Doch er ließ es lieber. Dieser Scherz könnte gewaltig nach hinten losgehen. Lieber zog er Roman aus der Jacke, damit er sich schnell wieder an ihn schmiegen konnte und ließ sich in die Küche führen.

Martina fühlte sich etwas vergessen und folgte mit Abstand, Feli auf dem Arm und Lucky und Tsuki vor sich her scheuchend. Schließlich war den Kurzen ja ein Leckerchen versprochen worden. Sie griff sich also die Packung und verteilte großzügig. Dabei beobachtete sie Maung und Roman, die zusammen den Tisch deckten und die Döner verteilten. Für sie war vollkommen klar, was mit ihren Freunden los war, auch wenn beide das nicht sehen konnten oder wollten. Was, bitte schön, war daran so schwer zu verstehen? Sie berührten sich, wo sie nur konnten und waren unausstehlich, wenn der andere nicht in der Nähe war. Das musste doch selbst zwei Männern auffallen.

Idioten, alle beide.

Sie lachte leise und guckte den Kätzchen hinterher, die ihre Beute in Sicherheit brachten und sich selbst wohl aus der Nähe sie streicheln wollender Hände. Sollte ja keiner sagen, sie wären nicht lernfähig. Doch eigentlich wollte sie gar keiner greifen und beschmusen, denn Maung hing an Roman, kuschelte hier, schnurrte dort und verengte die Augen, als Martina es allen Ernstes wagen wollte, sich neben Roman zu setzen.

Ansatzweise hatte sie auch ein Knurren gehört, darum setzte sie sich demonstrativ kurz neben Roman, als kleine Lektion für Maung. Das war ja wohl eine Frechheit. Aber sie räumte den Platz schnell wieder und nahm sich einen der Teller. Von der gegenüberliegenden Seite des Tisches hatte sie auch viel besser Gelegenheit zu beobachten wie ihre Freunde turtelten. Auch wenn sie das ja nie zugeben würden.

Im Augenblick redeten sie mal wieder über die Kätzchen, als gäbe es kein anderes Thema. Sich selbst ließen sie immer außen vor, doch ständig berührten sie sich und als Maung Roman Soße von der Wange leckte, hob Martina eine Braue. Was ging denn hier ab?

Ihre Augen wurden immer größer, als Roman sich mit einem kurzen Kuss revanchierte. Die zwei waren doch wirklich bekloppt. Die waren verliebt, aber so was von offensichtlich – außer für sich selbst natürlich. Wenn sie das jetzt ansprechen würde, machte sie wohl mehr kaputt, als gut war, denn Roman konnte durchaus uneinsichtig und bockig sein. Da durfte sie wohl nur ganz zaghaft lenkend eingreifen. Und langsam verstand sie Maungs Frust ein bisschen und dass der nicht wusste, woran er war. Was Roman hier bot, war ganz großes Kino, doch selbst sie wusste nicht, was sie von ihrem Freund halten sollte.

Gut gelaunt plante Maung nun seinen Abend auf dem Weihnachtsmarkt und wie viel Glühwein er trinken wollte und was er alles essen wollte. Erst bei dem dritten Glas Glühwein griff Roman ein und schüttelte den Kopf. „Süßer, denk an die Kopfschmerzen am nächsten Tag. Wie wäre es mit einem Glas Wein und einem Punsch, dann geht es dir morgen gut.“ Es fiel ihm schwer, Maung etwas abzuschlagen, aber er erinnerte sich noch zu gut, wie dreckig es seinem Freund gegangen war. Vor allem aber auch, wie unleidlich der Kater hatte sein können.

Martina hingegen verdaute immer noch das: 'Süßer', was Roman wie selbstverständlich über die Lippen gekommen war. Die beiden gehörten geschlagen und wenn sie fragten warum, gleich noch eine. So lange bis denen endlich klar wurde, was hier abging. Es schien ja nichts zu nützen, sie allein in ein Haus zu sperren, denn das bewohnten sie ja schon. Es würde sie nicht wundern, wenn sie auch das Bett teilten. Langsam traute sie den beiden Idioten alles zu!

Jetzt wurde schon wieder geknuddelt und geschmust. Das war doch nicht zum aushalten. „Sagt mal, Jungs“, warf sie ein, als es ihr langsam zu langweilig wurde. „Was haltet ihr davon, wenn Maung und die Kurzen gleich mitkommen? Dann nehme ich die Kätzchen mit zu mir und ihr holt sie dann später ab.“

„Mit in die Praxis?“ Maungs Ohren richteten sich spitz auf und sein Schwanz wedelte hektisch hinter dem Stuhl herum. Dann sah er Roman lauernd an, ohne zu merken, wie bettelnd sein Blick wirkte. Er fragte nicht einmal, wo seine kleinen Lieblinge die Nacht verbrachten oder sonst etwas.

„Ja, sicher. Dein Bett steht ja noch da. Dann wärt ihr nicht die ganze Zeit alleine.“ Roman strahlte Maung an. Wenn Martina den Vorschlag nicht gemacht hätte, dann hätte er das wohl selbst getan. „Gute Idee, Tina, dann brauchen wir nicht hin und her zu fahren. Können die Kleinen bei dir bleiben, wenn es spät wird?“

„Es wird also spät“, lachte sie und schüttelte den Kopf, erklärte aber, dass die Katzen sicher bei ihr bleiben könnten. Sie müssten dann eben nur etwas Equipment mitnehmen. Sie wunderte sich schon nicht mehr darüber, dass Maung nur eifrig nickte, gerade so, als wollte er die Kurzen für eine Nacht loswerden. Was hatten die beiden vor, verdammt?

In der Tür hockte Tsuki und es schien als würde er merken, dass er gerade abgeschoben wurde und sank in sich zusammen. Da lag er nun auf der Türschwelle und Maung, der ihn sah, sprang sofort auf. Roman war eben doch noch nicht die Nummer eins.

Roman sah ihm lächelnd dabei zu, wie Maung den kleinen Kater hochnahm und ihn beschnurrte. „Wenn man sie so sieht, möchte man glatt ein kleiner, sandfarbener Findelkater sein“, murmelte Roman, ohne wirklich zu merken, was er da sagte. „Ich pack zusammen, damit wir gleich los können. Zum Glück passt ja alles ohne Probleme ins Auto.“

Idioten! Martina wurde nicht müde, diesen Gedanken vor sich her zu schieben. Einer wählte Telefonnummern, ohne es zu merken, ein anderer war neidisch auf eine kleine Katze. Die beiden waren schrecklich und nichts sagen zu dürfen, war wiederum für Martina die Hölle. Am liebsten hätte sie Roman und Maung mit den Köpfen zusammengeschlagen, bis der Schalter umfiel. Es war hoffnungslos.

Blieb nur zu hoffen, dass Liebe nicht vollkommen blöd machte und Roman bald merkte, dass er rettungslos verliebt war. So panisch wie Maung heute am Telefon geklungen hatte, besser heute als morgen, denn sonst drehte der Catboy noch durch. Das ließ sie dann auch nicht gerade ruhig an den Abend denken, wenn die Kleinen wirklich bei ihr blieben. Entweder gab's den großen Knall oder verdammt viel heiße Luft. Was es auch sein würde, sie mussten beide Spannungen abbauen.

„Komm, wir holen deine Geschwister!“, schlug Maung seinem Katerchen vor, dass sich mittlerweile auch wieder beschmusen ließ und Martina rief ihm hinterher, dass er vielleicht erst mal etwas essen sollte und nicht schon wieder sinnlos durch die Wohnung schießen. Bei dem ganzen Roman beschnurren und beschmusen war er noch gar nicht dazu gekommen.

„Setz dich, ich sammle die Bande zusammen“, bot Roman an. Er war schon fertig und für den Abend musste er sowieso noch Handschuhe und Mütze holen, denn es wurde bestimmt ziemlich kalt. Außerdem musste er auch für Maung ein paar Klamotten zusammen packen, denn dafür hatte der Kater bestimmt keinen Nerv. Roman grinste, als er sah, wie Maung schmollend Tsuki abgab, um weiter zu essen und Martina verdrehte die Augen. Die waren ja so was von klebrig süß! Kaum zum Aushalten.

„Wir haben noch ein paar herzförmige Handwärmer als Give-away für die Kunden. Nimm dir da zwei weg.“ Das hatte sie sich jetzt nicht verkneifen können, aber sicherlich begriff Roman nicht einmal die Anspielung.

„Oh ja, gute Idee, die können wir bestimmt gut gebrauchen“, rief Roman erfreut und verschwand aus der Küche. Martina konnte es echt nicht fassen. Ihr war gerade sehr danach, ihren Kopf einfach auf den Tisch zu knallen. „Sag mal, Maung, läuft das hier immer so?“, fragte sie und sah ihren Freund lauernd an. „Ist dieses Schmusen normal bei euch?“

Das Gesicht des Katers verzog sich leidend und weil er gerade den Mund voll hatte, konnte er nur nicken. Schmerzlich würgte er den Bissen runter und lauschte, doch Roman wühlte in der oberen Etage. „Ich werd noch blöd“, sagte Maung leise und grinste schief. „Schmusen, küssen - und nicht mehr. Mir Tropfen die Hormone aus den Ohren raus und ich muss mich zusammenreißen, ihn nicht zu bespringen.“ Doch er versuchte mit dem zufrieden zu sein, was er hatte, auch wenn es nicht leicht war.

„Das vorhin war also kein Ausrutscher, als er dich geküsst hat?“ Martina machte große Augen und seufzte. Warum passierte ihr so was nicht mal. Aber bei Maung und Roman lag es nun mal etwas anders. Darum wurde ihre Stimme eindringlich. „Maung, ich weiß, dass es schwer ist, aber gib dir Mühe und reiß dich zusammen. Roman ist zwar zutraulich, aber noch nicht so weit. Er mag dich, aber er weiß noch nicht wie sehr. Lass ihn das Tempo bestimmen.“

„Was glaubst du denn, was ich mache?“, rief Maung plötzlich und schoss hoch. Der Döner landete auf dem Tisch und Maung funkelte sie an. Sah er so aus, als hätte er das nicht begriffen? Er hielt sich doch schon zurück, wo er nur konnte und jetzt so was zu hören, war das letzte, was er gebrauchen konnte. „Ich bin im Bad!“, erklärte er, ehe er noch etwas sagte, was er dann bereute.

Martina sah ihm betroffen hinterher und verfluchte sich innerlich selbst. Das hatte sie ganz bestimmt nicht erreichen wollen. Darum lief sie Maung hinterher und klopfte leise an der Badtür. „Maung, so hab ich das doch nicht gemeint“, rief sie leise, damit Roman sie nicht hörte. „Das war doch nicht als Vorwurf gedacht. Bitte, Süßer, lass mich rein, dann erklär ich dir, wie ich das gemeint habe.“

Doch die Tür blieb zu, denn Maung war verletzt. Gesagt zu bekommen, dass er sich zusammenreißen sollte, war das letzte, was er hatte gebrauchen können. Das tat er doch sowieso jeden Tage, jede Stunde. Davon hatte Martina doch keinen Schimmer. Seine Nerven lagen blank. Mit dem Rücken an der Tür ging sein Atem nur noch flach. Er wollte raus aus dieser Hölle. Warum er die Tür wieder aufschloss, wusste er selbst nicht. Aber Martina da vor der Tür stehen zu lassen, gefiel ihm nicht.

Kaum dass sie den Schlüssel gehört hatte, schlüpfte Martina in das Bad und zog Maung in eine feste Umarmung. „Es tut mir Leid“, murmele sie leise. „Ich habe mich wohl völlig falsch ausgedrückt. Ich möchte doch, dass du glücklich wirst und ich denke, ohne Roman wird das nicht klappen.“ Sie strich Maung durch die Haare und lächelte leicht.

„Ich weiß, dass du zurzeit ziemlich unter Strom stehst und Roman es dir nicht gerade leicht macht, so wie er drauf ist. Es ist nur so, dass unser Schmuser eben erst entdeckt, dass es noch etwas anderes gibt, als all die Frauen, die ihm völlig gleichgültig waren. Er investiert Gefühle und genießt es, in deiner Nähe zu sein, aber er ist unsicher, weil du eben keine Frau bist. Er liebt dich, nur weiß er das noch nicht. Noch redet er sich ein, dass ihr gute Freunde seid.“ Martina grinste spitzbübisch, als sie leicht ironisch weiterredete.

„Bei denen ist es ja auch normal, dass man schmust und sich küsst.“ Sie zog Maung mit zur Badewanne und setzte sich mit ihm auf den Rand. „Maung, als ich sagte, dass du dich zusammenreißen sollst, meinte ich nur, dass du es nicht zu schnell angehst. Romans Gefühlsleben ist gerade ziemlich durcheinander und fragil und wenn er sich bedrängt fühlt, läuft er weg. Er muss von alleine begreifen, dass du alles bist, was er will. Ein paar zarte Schubser in die richtige Richtung, wird er brauchen, aber das müssten wir hinkriegen.“ Sie zwinkerte Maung zu und küsste ihn auf die Wange.

„Er hat wenigstens die Chance zum Weglaufen. Ich nicht“, murmelte der Kater, denn im Augenblick würde er nichts lieber als das. Er wusste nicht, wohin mit sich und seinen Gefühlen, schlimmer noch: mit sich und seinen Hormonen. „Mir wäre es lieber, er lässt diese Schmuseattacken. Ich weiß nicht, wie lange ich mich noch zurückhalten kann.“ Es war ihm egal, was Martina von ihm dachte, er war auch nur ein Mann und seine Geduld reichte nicht ewig. Er war für Sex gezüchtet, ohne ihn zu leben schmerzte körperlich.

„Ich weiß, Süßer. Ich kann nur ahnen, wie es dir gerade geht. Ich weiß auch nicht, wie lange ich das durchhalten würde, aber ich hoffe, dass du das schaffst, denn dann kriegst du das, was du dir wünschst.“ Martina zog die Stirn in Falten und grübelte darüber, wie sie ihrem Freund helfen konnte. „Lass ihn schmusen, auch wenn es dir schwer fällt. Roman braucht Sicherheit und wenn er weiß, dass es dir gefällt, kriegt er sie am ehesten.“

„Ich laufe heiß dabei“, knurrte Maung. „Ich bin dafür gezüchtet, genommen zu werden, verdammt. Mein Körper reagiert nicht wie der von euch Menschen. Wenn nicht bald was passiert, werd ich wahnsinnig oder brenne durch.“ Maung musste es so drastisch formulieren, denn so war es. Immer wieder lauschte er auf den Flur, sicher kam Roman gleich wieder die Treppe runter und würde sie suchen.

„Oh.“ Martina war wirklich schockiert, versuchte es sich aber nicht anmerken zu lassen. „Wir schaffen das, bevor das alles passiert“, bestimmte sie mit grimmiger Miene. Sie würde nicht zulassen, dass so etwas passierte. Wenn nötig, nahm sie sich Roman zur Brust und redete mit ihm. „Gut, wenn Roman wieder anfängt zu schmusen, zeig ihm, dass dir das gefällt und was er damit bei dir auslöst. Hoffen wir, dass das hilft und er merkt, was er will.“

„Oder er merkt, dass ihm ein Schwanz beim Sex genügt, nämlich seiner und alle anderen ihn nur abtörnen“, knurrte Maung und spitzte die Ohren, als er Roman nach ihnen suchen hörte. Außerdem steckte Tsuki gerade neugierig den Kopf zur angelehnten Tür rein. „Na? Hast du uns gesucht? Wo sind denn deine Geschwister?“, lenkte er ab und erhob sich, um Tsuki einzusammeln, der wieder nicht schnell genug war und nun hemmungslos gestreichelt wurde.

„Oder genau das Gegenteil. Was ich eher denke“, rief Martina Maung hinterher und blieb noch etwas sitzen. Sie war nicht wirklich so zuversichtlich, wie sie gerade getan hatte. Roman war immer für eine Überraschung gut und manchmal reagierte er vollkommen anders, als sie erwartet hatte. „Hoffentlich nicht diesmal. Das würde Maung das Herz brechen“, murmelte sie leise und stand nun doch auf. Sie mussten los, denn die Pause war nicht unendlich.

„Dicker, lass das Rentier und komm in den Korb“, murmelte Maung, der nun mit dem Reisekäfig für die drei Kurzen durch die untere Etage lief und hastig alle drei Kätzchen einsammelte. Wie es schien, hatte Roman vorbildlich schon alles eingepackt, was sie und die Katzen bis morgen brauchen würden und so stand er bereits fertig an der Tür. „Boah, Lucky!“ Maung wurde ungeduldig und der kleine Gestreifte begrub sich gerade selbst unter einem Weihnachtsplüschtier neben der Tür.

Er strampelte und fauchte aufgebracht und machte es Maung nicht gerade leicht, ihn hochzunehmen, aber es klappte schließlich doch und Roman nahm ihm den Korb ab. „Die Familie ist komplett, wir können los“, lachte er aufgekratzt, denn er freute sich schon auf den Abend und auch darauf, einmal nicht mit drei kleinen Katzen konkurrieren zu müssen. Einem schönen Abend stand also nichts mehr im Wege.

„Los, ab in den Wagen!“ Martina schlüpfte noch in Jacke und Schuhe und schob Maung vor sich her, damit sie abschließen konnte. Roman verstaute schon die meckernde Fracht im Wagen und machte die Heizung an, denn der Wagen war bereits ausgekühlt und sowohl Maung als auch die Kätzchen waren noch etwas angeschlagen. „Ich hinten!“, legte Martina gleich noch fest, ehe Maung auch nur auf die Idee kam, sich neben den Katzenkorb zu setzen. Der sollte mal schön vorne sitzen. Flüchten war unmöglich und Maung wurde das schnell klar.

„Na komm, es wird kalt im Wagen“, rief Roman ihn und legte den Rückwärtsgang ein, als Maung sich endlich setzte und die Tür schloss. Die Fahrt über sah Roman immer wieder lächelnd zu dem Kater rüber. Es war schon merkwürdig, wie sehr er sich an Maung gewöhnt hatte. Den ganzen Tag über hatte ihm etwas gefehlt und es hatte nicht lange gedauert, bis er gewusst hatte was oder besser wer es war.

Doch der Kater vermied es, dass ihre Blicke sich trafen, wenn sie so nah beieinander saßen. Deswegen drehte er sich oft nach hinten, um die Kätzchen im Käfig zu beobachten. Es war klar, dass Lucky am Gitter hockte und meckerte und in jeden Finger biss, der durch die Stäbe gesteckt wurde. Schließlich war es eine ausgesprochene Frechheit, den großen Entdecker einzusperren, wo er doch gerade dabei gewesen war, einen Kampf zu gewinnen. Sollten die anderen ruhig wissen, dass er darüber ziemlich wütend war.

„Lucky, jetzt ist aber gut“, schimpfte Roman, als sie an einer Ampel standen. Der kleine Kater hatte Maung gekratzt und das konnte er nicht einfach so durchgehen lassen. So was sollte der Dicke sich gar nicht erst angewöhnen. Doch der tat nur mit Fauchen und deutlichem Desinteresse seinen Unmut kund.

„Kann dich ja verstehen“, murmelte Maung leise und drehte sich wieder nach vorn, grinste kurz Roman an, damit der nicht glaubte, er wäre abgeschrieben, doch dann saß er wieder wie ein Steiff-Tier in seinem Sitz und hoffte, dass sie bald in der Praxis waren, wo er wieder etwas mehr Platz zwischen sie bringen konnte.

Martina beobachtete sie von ihrem Platz aus und musste mal wieder feststellen, wie gerne sie alle beide verprügeln würde. „Ich nehme die Katzen und du bringst den Rest“, bestimmte sie, als sie angekommen waren und bedeutete Maung, ihr zu folgen. In ein paar Minuten machte die Praxis wieder auf und bis dahin musste für Maung und die Kleinen ein gemütliches Lager geschaffen werden.

Zum Glück hatten sie das Bett noch nicht abgebaut und die Heizung hatten sie auch höher gedreht, ehe sie in die Pause gegangen waren. Deswegen war es jetzt herrlich warm in dem Zimmer und das Trio Infernale war schon wieder auf und unter der Zudecke unterwegs, während Maung tief durchatmete, denn er hörte Roman schon wieder nahen. Es war merkwürdig, denn er freute sich jedes Mal ihn zu sehen und gleichzeitig lief es ihm kalt den Rücken runter.

Roman grinste, als Lucky auf ihn zugelaufen kam und gleich mit allen Krallen an seiner Hose hing. „Der Kurze ist wohl immer noch verstimmt“, lachte er und störte sich nicht weiter an seinem Anhängsel. Mit Lucky an seinem Bein ging er zu Maung rüber und setzte sich zu ihm aufs Bett. „Brauchst du noch etwas?“, fragte er und lehnte sich bei seinem Freund an. Das hatte er wirklich vermisst.

SEX!, war der erste Gedanke, doch Maung konnte sich gerade noch zurück halten. Lieber saß er still und legte seinen Kopf gegen Romans. Es war so frustrierend und wenn Martina in der Tür stand, hatte Maung nicht einmal den Mut Roman zu küssen, um etwas Dampf abzulassen. Also war der unvorsichtige Tsuki wieder Mode, der gerade nichts ahnend unter der Decke vor gekrochen kam.

Selbst schuld.

Er strampelte und wand sich, aber er hatte keine Chance. Sein Fell wurde zerzaust und verstrubbelt, so dass er nachher bestimmt wieder lange brauchte, es in Ordnung zu bringen. Roman nahm ihn Maung schließlich aus den Händen und setzte ihn zu seinem Bruder auf den Boden. Das konnte man ja nicht mit ansehen, wie jämmerlich der Kurze ihn angesehen hatte.



19

„Ich muss“, seufzte Roman leise und sah Maung an. „Ich guck immer mal wieder rein, wenn ich Zeit habe.“

„Ja, mach das“, sagte Maung gehetzt und kroch unter die Decke, kaum dass Roman sich erhoben hatte. Entschuldigend sah er Tsuki an, der nun auf dem Boden saß und versuchte mit seiner kleinen Zunge das Fell zu sortieren. „Tut mir Leid, Süßer. Ich gelobe Besserung“, grinste er und zog die Decke höher. Ein letzter Blick zu Roman, der langsam die Tür hinter sich zu zog. Dann waren sie allein.

Martina beobachtete Roman, der gerade aussah, als wenn er gerne wieder zurückgegangen wäre. „Komm, du hast ihn den ganzen Abend für dich, da kannst du dich jetzt ruhig auf deine Arbeit konzentrieren“, neckte sie ihn und Roman brummelte etwas so leise, dass sie es nicht verstehen konnte. Er grinste ihr frech zu und öffnete noch einmal die Tür und war mit wenigen Schritten an der Liege. Maung bekam noch einen schnellen Kuss, dann war er auch schon wieder weg und auf dem Weg zum Behandlungszimmer.

Und weil er die Tür offen stehen ließ, konnte Maung ihm nur verwirrt hinterher gucken. Dann sah er Martina und schüttelte den Kopf. „Sag mir noch mal, ich müsste mich zusammenreißen. Sag dem das“, knurrte er leise und zog frustriert die Decke über den Kopf. Doch sein Herz klopfte ihm im Hals und es fühlte sich an, als würde er seinen rasenden Puls noch ganz wo anders spüren.

„Ich werde es versuchen“, seufzte Martina und schloss die Tür, damit die Kätzchen nicht abhauen konnten. Sie war unsicher, was sie jetzt machen sollte, denn einfach zu Roman hingehen und ihm erklären, dass er Maung auch poppen müsste, wenn er ihn küsste, kam bestimmt nicht so gut. Das war wirklich nicht einfach, aber irgendwie musste sie Maung helfen.

Erst einmal waren die Patienten das wichtigste, denn ein Notfall kam gerade in die Praxis. Ein junger Mann trug einen Hund vor sich her mit einer blutigen Pfote, so schickte Martina sie gleich in den Behandlungsraum und so waren sie alle abgelenkt, denn die kaputte Pfote brauchte alle Aufmerksamkeit. Der Hund hatte sich die Pfote zerschnitten, als er in eine Scherbe getreten war und es war zu befürchten, dass er sich auch eine oder mehrere Sehnen durchschnitten hatte.

Martina schickte alle Patienten nach Hause, die nur zu Routineuntersuchungen da waren, da sie nicht absehen konnte, wie lange die Operation dauern würde. Dann eilte sie zu Roman und half ihm die Wunde zu säubern und zu versorgen.

Während Roman den Hund vorbereitete, versuchte Martina den Besitzer zu beruhigen. Der junge Mann war immer noch aufgebracht darüber, was man im Park alles ins Gras warf. Sie reichte ihm noch einen Kaffee, dann eilte sie zu Roman, denn diese OP konnte er nicht allein machen, wenn sie die Pfote retten wollten. Das arme Tier musste in einen ganzen Berg kleiner Scherben geraten sein, denn sie holten noch viel Glas aus den Wunden.

Derweil stromerte ein gelangweilter Maung - die Ohren und den Schwanz getarnt - über den Flur, schon wieder den wehrlosen Tsuki auf dem Arm, doch dieses Mal verwuschelte er dem armen Kerl nicht das Fell und deswegen ließ sich der kleine Kater auch gern durch die Gegend tragen. Feli schlief schon wieder und Lucky rollte sich mit Spielzeug unter dem Bett herum.

Neugierig blickte Maung sich um und als er Romans Stimme hörte, liefen seine Füße ganz automatisch in diese Richtung. Vor dem OP blieb er stehen und blickte durch das Fenster in der Tür. Bisher hatte Maung Roman noch nie arbeiten sehen und fasziniert sah er seinem Herrn dabei zu, wie er die zerschnittene Pfote operierte. Zum Glück hatte es sich nicht bestätigt, dass auch die Sehnen verletzt waren und so hatte der Hund noch einmal Glück im Unglück.

„Hey, was bist du denn für einer“, hörte es Maung plötzlich hinter sich lachen und griff sich erschrocken an den Kopf, doch die Ohren waren noch verborgen. Also drehte er sich um, um zu sehen, wer eigentlich gemeint war und was sah er? Oder besser: wen? Lucky hüpfte angriffslustig durch das Wartezimmer und umkreiste einen Katzenkorb der am Boden stand. „Och Dicker, was machst du denn hier?“, seufzte Maung und ging auf die kleine Fellkugel zu, steckte Tsuki dabei wie gewöhnlich in den Pullover.

„Lucky lass das“, schimpfte er, als der kleine Kater doch allen Ernstes die Katze im Korb anfauchte und versuchte, mit der Pfote nach ihr zu schlagen. So abgelenkt war er ziemlich überrascht, als er auf einmal den Boden unter den Füßen verlor und hochgehoben wurde. „Hey, du Rabauke, meine Cindy ist krank, da solltest du sie nicht noch ärgern“, lachte der junge Mann, zu dem die andere Katze gehörte und strich Lucky über den Rücken.

„Genau, hör's dir an“, knurrte Maung, lächelte den Fremden aber entschuldigend an. „Tut mir Leid, ich habe die Tür nicht richtig zugemacht und der Dicke nutzt jede Chance, die Welt zu erobern. ... Ja, du hast auch noch gefehlt, in unserer Raupensammlung“, begrüßte er Feli, die gucken kommen musste, was hier eigentlich los war. Man könnte ja was verpassen. Hastig brachte Maung alle drei wieder an sich und lächelte gewinnbringend.

„Gott, seid ihr süß“, murmelte der junge Mann und sah Maung lächelnd an. Dabei schloss er den Besitzer der Kätzchen durchaus mit ein. Der war schnuckelig und genau seine Kragenweite. „Sind das Geschwister?“, fragte er weiter, damit der Kleine nicht gleich wieder verschwand.

Maung sah auf und stopfte sich gerade Feli mit unter das Hemd, während Lucky auf seinen Schultern herum turnte. „Ja, vor ein paar Tagen hat ein Mann sie gebracht. Die Mutter war tot und da hat Roman sie zu sich genommen“, erklärte er freimütig und sah auf die Katze im Korb. „Was hat sie? Sehr schlimm?“, fragte er und ging vorsichtig in die Hocke.

„Sie hat sich vor einiger Zeit am Bein verletzt. Ihr geht es schon wieder ganz gut.“ Der junge Mann hockte sich neben Maung und streichelte seine Katze durch das Gitter. „Ihr sollen heute die Fäden gezogen werden.“ Er sah Maung von der Seite an und lächelte. „Roman? Der Tierarzt? Seid ihr befreundet?“, fragte er. „Ich bin übrigens Thomas.“

„Er ist mein...“, fing Maung gedankenverloren an zu reden, stoppte sich aber. Er ist mein Herr, was sollte der junge Mann denn von ihm, mehr aber noch von Roman, denken? Also korrigierte er sich grinsend. „Wir sind befreundet, ja und ich heiße Maung!“ Wie dümmlich er grinste, fiel Maung wohl gar nicht auf, lieber streichelte er Lucky, der fauchend strampelte, weil er Angst um sein schönes Fell hatte.

„Maung? Das ist kein alltäglicher Name, aber er gefällt mir.“ Thomas lächelte Maung an und war vollkommen fasziniert von den blauen Augen. Fast wie Katzenaugen, ging es ihm durch den Kopf. „Und, was machst du hier? Sind die Kleinen krank? Sie sehen eigentlich ganz munter aus.“

„Ja, ja. Denen geht es gut. Manchmal zu gut“, knurrte er den fauchenden, schimpfenden Lucky an und setzte ihn schlussendlich wieder auf den Boden. Das Gestrampel wurde ihm zu viel. „Ich bin auf Besuch und habe mich zu Hause gelangweilt. Deswegen bin ich mitgekommen.“ Okay, er flunkerte ein bisschen, aber zu erklären, was wirklich los war, wäre zu kompliziert gewesen und vielleicht auch peinlich.

Thomas fing Lucky ein, der schon wieder auf Cindy los wollte und lenkte ihn damit ab, dass er mit ihm raufte, was der Kleine auch gleich gerne annahm. „Nur zu Besuch? Schade! Ich wollte dich eigentlich fragen, ob du Lust hättest, mal was zusammen mit mir zu unternehmen. Ich wohne noch nicht lange in Hamburg und kenne kaum jemanden.“ Thomas grinste ein wenig verlegen, weil er so mit der Tür ins Haus gefallen war, aber er wollte diesen Maung einfach näher kennen lernen.

„Oh“, sagte Maung und wirkte etwas verlegen. Doch er setzte sich neben Thomas auf den Stuhl und sah ihn musternd an. Seine Gedanken fuhren Achterbahn, denn er konnte spüren, dass Thomas genau das Interesse an ihm hatte, was Roman fehlte. Wäre es verwerflich, Thomas zu benutzen, um selber wieder klar denken zu können? Maung war unentschlossen.

Thomas wurde ein wenig unbehaglich, weil Maung nichts weiter sagte und senkte den Blick. „War nur so eine Idee. Wenn du nicht willst, ist schon okay“, sagte er leise und setzte Lucky auf den Boden. Da hatte er sich wohl vertan, als er geglaubt hatte, dass Maung interessiert sein könnte.

„Ähm!“, machte Maung hastig und wedelte mit den Armen, weil er nicht wusste, was er sagen sollte. „Ist nicht so, dass ich nicht wollen würde, ich... na ja, ich bin nicht so mobil und bin heute Abend eigentlich schon mit Roman auf dem Weihnachtsmarkt und…“ Maung plapperte einfach los, weil Thomas nicht glauben sollte, er würde ihm nicht gefallen! Der Blonde war ein hübscher Kerl und gut gewachsen. So was schickte man nicht ungenutzt weg, doch er gehörte nun einmal Roman.

„Ach so. Na ja, vielleicht ein andermal.“ Thomas lächelte leicht. Er war zwar etwas enttäuscht, aber so wie es aussah, hatte er sich in Maung doch nicht getäuscht. „Wie lange bist du denn noch hier?“, fragte er, damit er wusste, wie viel Zeit er noch hatte, Maung von sich zu überzeugen.

„Ich glaube, noch bis Weihnachten, dann geht es... keinen Schimmer“, musste er gestehen. Maung wusste, dass Roman ihm mal gesagt hatte, wo er eigentlich wohnte, doch er hatte es vergessen, weil ihm der Name sowieso nichts gesagt hatte. Er wusste ja nicht einmal, wie der Ort hieß, in dem er gerade lebte. „Da sieht man sich ja sicher noch mal irgendwo.“ Maung lächelte und sah Thomas entschuldigend an.

„Noch bis Weihnachten? Da ist ja noch ein wenig Zeit.“ Thomas grinste. Damit ließ sich doch arbeiten. „Du bist heute auf dem Weihnachtsmarkt? Vielleicht sehen wir uns da ja. Ich hatte schon lange vor, einmal darüber zu laufen. Cindy geht es wieder gut, da könnte ich das eigentlich machen.“ Er lächelte Maung zu und zwinkerte.

„Das wäre schön, wenn wir uns da treffen. Schau immer mal an den Glühweinbuden. Ich darf einen haben, hat Roman gesagt.“ Maung grinste und auch wenn man es zum Glück nicht sah, zuckten seine Ohren unter dem Tuch leicht. Seine Fingerspitzen fingen an zu brennen und er wurde merkwürdig nervös. „Roman macht ja die Vertretung eines Freundes. Ist doch nicht seine Praxis. Und bis der wieder da ist, ist Roman hier und so lange bin ich auch hier.“

„Ach so. Dann hoffe ich doch, dass die Vertretung noch länger dauert.“ Thomas lachte leise und strich Tsuki über den Kopf. Das gab ihm die Gelegenheit, wie zufällig über Maungs Haut zu streichen. „Der Kleine hat fast die gleiche Farbe wie deine Haare“, murmelte er leise dabei und sah Maung in die Augen.

„Ja.“ Maungs Stimme war heiser und ein Schauer lief ihm über den Rücken, kratzte das Rückgrat auf und ab. Nur schwer konnte er sich beherrschen, sich nicht angenehm überwältigt zu schütteln. Wie magisch lag ein Lächeln auf seinen Lippen und er erwiderte Thomas' Blick. Die braunen, warmen Augen zogen ihn magisch an. Maung schnurrte ohne es zu merken.

„Das ist ja geil“, murmelt Thomas und beugte sich etwas näher, damit er das Schnurren besser hören konnte. Erst hatte er ja gedacht, dass es die kleine Katze war, aber dafür war es zu laut. Völlig fasziniert strich er über Maungs Hals und zuckte zusammen, als sein Name aufgerufen wurde.

Auch Maung schoss herum, weil er die Stimme erkannte. Martina führte gerade das Herrchen des operierten Hundes in den Aufwachraum, wo er auf seinen Liebling achten konnte, während der langsam zu sich kam und Roman stand in der Tür des Behandlungszimmers und guckte undeutbar. Maung zog den Kopf zwischen die Schultern. Sicher war Roman sauer, weil Maung sich jemandem gezeigt hatte. Also sackte er die drei Zwerge an und erhob sich hastig.

Thomas stand ebenfalls auf und griff sich seinen Katzenkorb. „Ich muss dann wohl. Vielleicht bis nachher“, sagte er schnell und strich noch einmal Tsuki über den Kopf. Er fühlte sich beobachtet und als er sich umsah, sah er direkt in die Augen des Tierarztes, der zu ihm und Maung rüber sah und irgendetwas in dessen Blick machte klar, dass er gerade in fremder Leute Garten wilderte. Oder bildete Thomas sich das nur ein?

„Ja, vielleicht bis nachher“, sagte Maung und ging mit den Kätzchen zurück in sein Zimmer. Romans Blick stach auf der Haut und Maung versuchte ihm zu entkommen. Was war das nur? Hatte er wieder etwas falsch gemacht und Roman war wütend?

Martina wollte eigentlich Maung hinterher, aber so wie Roman geguckt hatte, ließ sie ihren Freund besser nicht mit diesem Typ alleine. So abweisend hatte sie Roman schon lange nicht mehr erlebt. In ihm brodelte es, das konnte sie sehen, aber auch nur, weil sie ihn schon lange genug kannte. Er war nicht unhöflich, aber sehr kühl und er lächelte nicht ein einziges Mal. Vielleicht merkte der Blödkopp jetzt endlich mal, dass er verliebt war.

So war es an Martina, den Halter der Katze ein wenig zu unterhalten, wich aber jedes Mal schnell auf etwas anderes aus, wenn durch die Blume nach Maung gefragt wurde. Roman knurrte dann immer leise und das war kein gutes Zeichen. Doch er kümmerte sich liebevoll um Cindy, da machte er keine Abstriche, denn die Süße konnte ja nichts dafür, dass ihr Herrchen es sich gerade mit dem Arzt verscherzt hatte.

So bekam sie auch ein aufrichtiges Lächeln, als sie es überstanden hatte und auch noch ein Leckerchen, weil sie alles so tapfer ertragen hatte. Allerdings bekam ihr Herrchen nur einen kühlen Händedruck zur Verabschiedung und dann war Roman auch schon aus der Tür. Martina seufzte. Hoffentlich gab es bei Maung und ihm jetzt keinen Streit, aber zum Glück machte sie sich umsonst Sorgen.

Roman lehnte an der Tür. „Na, Süßer“, begrüßte er seinen Freund und sah ihn lächelnd an.

„Ich hab nur mal geguckt was ihr so macht und da ist Lucky ausgerückt und Thomas hat ihn eingefangen“, platzte es plötzlich aus Maung heraus, der die ganze Zeit stocksteif gesessen und überlegt hatte, was passieren würde, wenn Roman zu ihm kam. Um allem vorzugreifen hatte der Kater beschlossen, ehrlich zu sagen, was passiert war und die ganze Zeit wurde dem armen Tsuki das Fell verwurschtelt, der nur noch leidend in seinen Händen hing und es aufgeben hatte, sich zu wehren.

„Maung, du musst dich nicht rechtfertigen. Du bist hier doch nicht eingesperrt.“ Roman stieß sich von der Tür ab und ging zum Bett rüber. Er war Maung nicht böse, auch wenn er nicht begeistert von dem war, was er gesehen hatte. Aber so, wie der Kater dort saß, schnitt ihm das ins Herz, denn er sah ängstlich aus.

„Ach so. Ich dachte, weil du doch...“ Maung brach ab, weil er eigentlich nicht genau wusste, wie er den Satz hätte vollenden sollen. „Aber er war sehr nett.“ Der Kater wirkte nachdenklich und lächelte, als er an den blonden, jungen Mann dachte. „Wie geht es Cindy? Hat sie alles gut überstanden?“, fragte er besorgt und setzte endlich Tsuki ab, der sich erst einmal schüttelte und sich wie jedes Mal daran machte, das Fell wieder zu ordnen.

Roman setzte sich zu Maung und legte den Arm um ihn. „Ja, der Kleinen geht es gut. Die Wunde ist gut verheilt und bald ist sie wieder ganz gesund.“ Auf Thomas ging Roman nicht ein. Dieser Typ hatte mit Maung geflirtet und ihn angefasst. Wenn er nur daran dachte, schnellte Romans Puls in die Höhe und er zog Maung etwas näher zu sich. Der Kater allerdings hatte davon keine Ahnung, er spürte nur, dass in Roman etwas arbeitete. Aber er wagte nicht zu fragen.

„Das ist schön“, sagte er lieber und bezog sich ganz auf Cindy, das war unverfänglich. „Ich pass auch auf, dass Lucky nicht noch einmal ausbüchst.“ Dann herrschte wieder Schweigen und das war nicht sonderlich angenehm. Maungs ganzer Körper stand unter Strom.

„Der Kurze ist wirklich ein Entdecker“, lachte Roman, denn Lucky war schon wieder dabei seine Umgebung zu erkunden. „Ist wirklich nicht schlimm, wenn ihr ein wenig rumlauft. Nur nicht unbedingt im Warteraum, weil dort auch Tiere mit ansteckenden Krankheiten sein können. Das muss ja nicht sein, dass die Kleinen sich was einfangen.“ Roman küsste Maung noch kurz, dann stand er auf. „Noch ungefähr eine Stunde, dann müssten wir durch sein und können uns ins Vergnügen stürzen.“

„Okay.“ Maung nickte heftig. Das klang gut. In einer Stunde ging es auf den Weihnachtsmarkt. Er musste dann zwar seine kleinen Lieblinge abgeben, aber irgendwas war ja immer und er bekam sie morgen wieder. Außerdem waren sie bei Martina in guten Händen. „Ich les noch ein bisschen“, erklärte Maung und griff sich wahllos eine der Zeitschriften, die auf dem Tisch neben dem Gästebett lagen.

„Mach das.“ Roman strich Maung noch einmal durch die Haare und ging dann wieder an die Arbeit. Je schneller er arbeitete, umso kürzer musste sein Freund auf ihn warten. Darum kam er auch nicht mehr zu Maung, bis alle Patienten verarztet waren und Roman konnte seine Prognose fast einhalten. Es hatte zwar alles in allem ein halbe Stunde länger gedauert, aber das hielt sich noch im Rahmen.

„Fertig“, rief er gut gelaunt, als er wieder zu Maung ins Zimmer kam. Dort lief gerade die große Abschiedszene aus Casablanca, denn Maung konnte sich nur schwer von seinen drei Lieblingen trennen, die wieder in ihre Transportbox sollten. Nur der Gedanke an morgen, wenn er sie wieder bei sich haben würde, ließ ihn hoffen. Nicht zu vergessen, dass er somit mit Roman allein war. Das linderte den Schmerz ein bisschen, auch wenn Tsuki extrem jämmerlich aus der Box guckte und Feli nur ungern hinein ging, vom großen Entdecker ganz zu schweigen.

Roman hatte Maung zugesehen, aber damit er sich nicht mehr anhören musste, wie die drei Kleinen sich über die schändliche Behandlung beschwerten, nahm er den Korb und gab ihn an Martina weiter. Maung sah ihnen hinterher und Roman zog ihn in die Arme. „Den Süßen geht es gut. Zieh dich an, dann können wir los.“

„Hm.“ Maung nickte hin und her gerissen und zog sich die Jacke über. Noch einmal sah er dem Korb hinterher, der neben Martina auf dem Schreibtisch stand, weil sie die Abrechnung des Tages noch zu Ende machen wollte, ehe sie auch heimfuhr. „Dann macht's mal gut“, murmelte er und merkte gar nicht, wie er sich schutzsuchend an Roman drängte. Es war, als würde ihm etwas weggenommen, auch wen Maung es besser wusste.



20

Damit Maung abgelenkt wurde, zog Roman ihn aus der Praxis, winkte Martina noch einmal zu und schloss die Tür. Es hatte wieder angefangen zu schneien und die Luft war kalt. „Sollen wir laufen? Der Weihnachtsmarkt ist nur fünf Minuten von hier zu Fuß entfernt“, fragte Roman und zog sich die Mütze an.

„Ja, warum nicht.“ Noch einmal sah Maung zur Tür zurück, doch dann ließ er sich von Roman ziehen und schob die Hände in die Taschen. Es war dunkel und der Wind hatte aufgefrischt, so kroch Maung tiefer in seinen Schal und sah sich neugierig um. Im kalten Licht der Straßenlaternen funkelte der Schnee, der frisch gefallen war. Doch die schmutzigen Ränder an den Straßen fand Maung nicht schön.

Roman sah zu ihm rüber und musste schmunzeln. Den Schal fast bis zur Nase hochgeschoben und die Mütze fast bis in die Augen gezogen, sah man von Maung nicht mehr viel. „Komm her, wenn dir kalt ist, ich wärm dich“, bot er an und lächelte. Roman fühlte sich gut und die Bewegung nach der Arbeit tat gut. Schnuppernd hielt er seine Nase in den Wind. Schon von hier aus konnte man leicht den Geruch von gebrannten Mandeln wahr nehmen. Maung hatte ihn ebenfalls schon in der Nase, genauso wie die gebratenen Würstchen und den Glühwein.

Es war die Melange an Düften, die seine Füße immer schneller laufen ließ. Und weil er bei Roman eingehakt war, weil der den Arm um den frierenden Kater gelegt hatte, musste Roman ebenfalls schneller laufen. Erst als sie die ersten Buden erreichten, wurde Maung langsamer und sah sich neugierig um.

„Erst was essen, damit wir eine gute Grundlage für den Glühwein haben?“, fragte Roman und sah sich schon nach einem Grillstand um. Vielleicht vertrug Maung dann etwas mehr und hatte morgen keinen Kater.

„Ja, warum nicht. Martina hat das letzte Mal so ein Würstchen mit komischer gelber Paste drauf gekauft. Das war heiß aber gut.“ Maung leckte sich die Lippen und sah sich weiter suchend um. Seine Nase wies ihm den Weg und so machte er sich auf ins Gewühl.

Roman ließ sich ziehen und musste über Maung grinsen, der schnüffelnd durch die Menge wuselte und schließlich an einer Bude stehen blieb. Schnell orderte er zwei Würstchen und gab eins an Maung weiter. Während er aß, sah Roman sich um. Der Markt war gut besucht und hin und wieder sah er jemanden, den er kannte und nickte grüßend. Und weil das nicht nur Männer waren, knurrte Maung ab und an unbemerkt, kaute aber weiter an seinem Würstchen und schnurrte zufrieden. Dabei merkte er gar nicht, wie er die Aufmerksamkeit des einen oder anderen auf sich zog. Maung aber leckte sich nur die Finger sauber und wischte sich dann wie eine Katze mit dem Handrücken über die Lippen, um die letzten Reste sich dann noch von der Hand zu lecken.

Roman beobachtete ihn dabei und überzeugte sich selbst davon, dass Maung sauber war, indem er ihn küsste. „Jetzt was Süßes, dann ein wenig bummeln und wenn uns kalt wird: Glühwein? Oder gleich Glühwein?“ Roman grinste. Ihm war es völlig egal, was sie machten. Und weil er Maung nun einmal die Wahl überlassen hatte, wählte der auch grinsend und deutete auf eine Bude unweit ihres Standortes, von der ein herrlich süßer Duft zu ihnen herüber zog.

Heidelbeerglühwein stand auf dem Schild und daran konnte sich Maung noch sehr gut erinnern, denn der war lecker gewesen. Und so wühlte er sich durch die Masse der Leute und nutzte seine katzenhafte Agilität. Roman kam kaum nach.

Immer wieder wurde Roman abgedrängt und schließlich gab er auf. „Maung sichere uns einen Tisch, ich besorg den Glühwein“, rief Roman Maung zu, denn vor der Bude hatte sich einen kleine Schlange gebildet und wenn die alle ihre Getränke hatten, bekamen sie bestimmt keinen Platz mehr.

Sich mit seiner Tasse in irgendeine Ecke stellen, damit sie nicht angerempelt wurden, darauf hatte er keine Lust. Maung nickte heftig und sah sich hastig um. Windgeschützt war noch ein Stehtisch frei und Maung eilte durch die lärmenden, kleinen Grüppchen ohne jemanden anzurempeln. Eine Katze eben. Zufrieden grinsend legte er die Hände auf den Tisch wie auf eine Beute und zuckte zusammen, als sich Finger auf seine legten.

„Hallo, Maung, das ist aber eine Überraschung.“

Von oben grinste Thomas auf ihn hinab und drückte kurz Maungs Finger. „Du hattest ja gesagt, dass ich an den Glühweinständen nach dir Ausschau halten soll.“ Man sah Thomas an, dass er sich freute, Maung wieder zu sehen. Er selber war gerade erst angekommen und hatte nicht wirklich damit gerechnet, seine neue Bekanntschaft so früh wieder zu sehen. Zwar war er etwas früher hier als seine Freunde, mit denen er sich verabredet hatte, um ein bisschen ziellos zu suchen, doch dass er Maung wirklich gefunden hatte, grenzte an ein Wunder.

Ein kleines Weihnachtswunder eben.

„Wie geht es Cindy denn?“, fragte Maung gleich und ließ es zu, dass Thomas' große Hände seine kalten Finger wärmten. Es tat gut, die fremde Wärme zu spüren, auch wenn die Finger durch die Kälte schmerzten. Er hätte vielleicht doch die Handschuhe anziehen sollen, die Roman ihm gegeben hatte.

„Cindy liegt Zuhause auf ihrem Lieblingsplatz und lässt sich von meiner Mitbewohnerin verwöhnen“, lachte Thomas und zog Maungs Finger zum Mund, damit er seinen warmen Atem darüber hauchen konnte.

Nur gut, dass er nicht wusste, dass er gerade mit seinem Leben spielte. Roman ermordete ihn gerade mit Blicken und war kurz davor, Glühwein Glühwein sein zu lassen und zu Maung zu gehen. Was fiel dem Kerl ein, an Maung herum zu griffeln.

„Das ist schön, wenn es ihr schon besser geht. Ist ja wichtig, dass sie wieder auf die Beine kommt. Das Trio Infernale ist heute bei Martina. Die kann man ja noch nicht allein lassen. Die machen doch nur Blödsinn.“ Okay, die machten auch Blödsinn, wenn man dabei war, musste Maung gestehen und kicherte, bekam aber rote Schatten unter den Augen, als er Thomas' Atem auf seiner kalten Haut spürte.

Thomas lachte, als Maung von seinen Kätzchen erzählte und küsste ihn auf die Handfläche. Sowie es aussah, hatte der Kleine nichts dagegen, dass er ihn berührte. Er wollte gerade noch etwas sagen, als zwei dampfende Tassen auf den Tisch gestellt und Maungs Hände aus seinen gezogen wurden. „Was…?“, fragte er überrascht und sah in das wütende Gesicht des Tierarztes, der Maung an sich gerafft hatte.

Für Maung war das schon wieder alles etwas zu schnell gegangen und der Glühwein auf dem Tisch nebelte seine Sinne ein. Vielleicht zum Glück, denn so entging ihm der kleine, stumme Blitzkrieg zwischen Thomas' und Romans wütenden Blicken.

„Oh, Herr Berger“, sagte Thomas aber, um nicht gleich sein Gesicht zu verlieren, „Wer hätte gedacht, dass man sie hier trifft. Ich war eigentlich mit Maung verabredet. Sind sie zusammen hier?“

„Ja, das auch“, antwortete Roman kühl und hoffte, dass dieser Kerl die Andeutung verstand. Seine Arme legten sich etwas fester um Maung und sein Blick sagte deutlich, dass Thomas hier alles andere als erwünscht war.

Überrascht sah Thomas auf Maung, der sich an den Tierarzt lehnte und ziemlich zufrieden aussah. Das hätte ihm Maung aber auch sagen können, als sie sich unterhalten hatten. Für ihn hatte das so geklungen, als wäre Maung nur bei Doktor Berger zu Gast, stattdessen war er dessen Freund. Aber noch wollte Thomas nicht aufgeben, denn Maung hatte seine Avancen doch erwidert. Derart falsch konnte er den jungen Mann nicht verstanden haben. So lächelte er Maung an und ignorierte den Tierarzt.

Maung lächelte zurück über den dampfenden Rand seiner Tasse. Er schien noch nicht begriffen zu haben, was über seinen Kopf hinweg passierte.

Roman knurrte leise, als dieser Thomas ihn einfach ignorierte. So was ließ er nicht mit sich machen. Darum beugte er sich zu Maung runter. „Schmeckt’s, Schatz?“, fragte er leise, aber laut genug, damit dieser Thomas das hören konnte und küsste Maung. Anscheinend musste er deutlicher demonstrieren, zu wem der Kater gehörte.

„Ziemlich kindisch“, knurrte Thomas und ließ es sich nicht nehmen, Maung noch einmal über den Kopf zu streichen, ehe er grußlos ging. Doch selbst wenn er etwas gesagt hätte, hätte es der Kater wohl nicht bemerkt, denn der war gerade im Taumel seiner Gefühle gefangen und wusste nicht, was mit ihm geschah. Ihm wurde die Tasse aus den Händen genommen und er wurde näher an Roman gezogen, der den Kuss intensivierte.

Als seine Lippen Maungs berührt hatten, war Roman nämlich schlagartig etwas klar geworden. Er wollte nicht, dass Maung jemand anderen wollte als ihn. Der Kater gehörte zu ihm und bei niemandem sonst sollten die blauen Augen so leuchten. Im Augenblick aber hing Maung nur selig in seinen Armen und ließ alles mit sich machen. Er erwiderte den Kuss, rieb sich unauffällig an Roman und seine Finger, die ihre Aufgabe als Tassenhalter enthoben worden waren, verschwanden nun unter Romans Jacke. Da war es nicht nur herrlich warm, da fanden sie auch eine Menge, was sich gut anfühlte. Maung grollte zufrieden.

Erst nach einer ganzen Weile löste Roman den Kuss und sah Maung in die Augen. Etwas in ihm hatte sich verändert und das ließ ihn lächeln. Auf einmal ergaben viele Dinge für ihn einen Sinn, die er sich vorher nicht hatte erklären können. „Entschuldige, dass ich dich so überfallen habe, aber es musste sein“, murmelte er leise und streichelte seinem Kater über die Wange.

„Musste sein?“, fragte Maung verwirrt und sein Blick schweifte suchend über die Menge der Leute. Doch Thomas war verschwunden. Maung wusste nicht, ob er darüber traurig oder froh sein sollte, denn er hatte den blonden, jungen Mann eigentlich ziemlich gemocht. Er biss sich auf die Lippen und griff nach seinem Glühwein, der immer noch verlockend duftend auf dem Tisch stand. Doch dann sah er Roman an und lächelte.

Der lächelte zurück und stieß mit seiner Tasse gegen Maungs. „Prost, Schatz“, sagte Roman leise und nahm einen Schluck. Warum nur hatte er nicht vorher gemerkt, was mit ihm los war? Wahrscheinlich musste er diesem Thomas sogar noch dankbar sein. Ohne ihn hätte es wohl noch lange gedauert, bis er begriffen hätte, was mit ihm los war.

Doch Maung hielt noch immer seine Tasse fest umklammert und starrte Roman an. Sein Herz schlug ihm im Hals, das Blut rauschte in den Ohren und Maung fühlte sich einmal mehr unwohl. Nicht nur, weil ein paar der Leute um sie herum sie neugierig beobachtete, mehr noch, weil sein Hormonspiegel hart gegen das Limit schwappte. „Warum hast du das getan?“, fragte er also, denn nichts interessierte ihn im Augenblick mehr.

„Weil du zu mir gehörst.“ Roman wusste, dass seine Antwort Maung wahrscheinlich nicht zufrieden stellen würde. Darum beugte er sich vor und küsste ihn sanft. Ihn störten die Blicke, die ihnen zugeworfen wurden, nicht. Viel schlimmer war für ihn, dass Maung ziemlich verwirrt zu sein schien. „Du gehörst zu mir, und nicht, weil meine Eltern dich gekauft haben, sondern weil ich dich gern habe. Sehr gern sogar.“

„Sehr gern“, wiederholte der Kater nachdenklich. Ob Roman das so meinte wie Maung das gern verstehen wollte? Oder doch wieder anders? So wie mit seinen Küssen, die Appetit auf mehr machten und Maung schlussendlich doch am ausgestreckten Arm verhungern ließen. Oder seine Zärtlichkeiten, die Maung den Verstand raubten und er schlussendlich doch wieder allein und unbefriedigt zurück blieb. „So gern, dass du mit mir schlafen würdest?“, fragte er also frei heraus und versteckte sich hinter seiner Tasse Glühwein, der endlich Trinktemperatur hatte.

Mit vielem hatte Roman ja gerechnet, aber nicht mit dieser Frage. Er musste schlucken, denn darüber hatte er noch gar nicht nachgedacht. Wollte er das? Er sah auf Maung, der nervös mit den Ohren zuckte, wie er durch die Mütze sehen konnte und er wusste die Antwort. „Ja, so gern“, sagte er schlicht, wurde dann aber unsicher. „Möchtest du das denn?“, fragte er leise, denn Roman wusste zwar mittlerweile, was er fühlte, aber nicht, was Maung in ihm sah.

„Ich würde nicht danach fragen“, nuschelte Maung leise, so dass Roman sich automatisch etwas dichter zu ihm beugte, um ihn verstehen zu können. „Mein ganzer Körper ist auf Lust gezüchtet. Wenn du mich küsst, laufe ich heiß. Mich dann unbefriedigt zurück zu lassen, ist nicht nur frustrierend, sondern schmerzvoll.“

Maung senkte den Blick, weil er keinen Schimmer hatte, ob er Roman damit jetzt überfordert hatte. Aber es musste doch endlich einmal zur Sprache kommen. „Ich mag dich auch sehr gern und gerade deswegen wollte ich dich nicht drängen“, erklärte er, um eventuellen Fragen vorzubeugen und trank hastig seine Tasse leer.

Roman brauchte einen Moment, um das zu verarbeiten. Er war geschockt, durcheinander und erfreut auf einmal. Erst jetzt wurde ihm klar, was er Maung die letzten Tage zugemutet hatte. „Ich habe dir Schmerzen zugefügt?“, murmelte er leise und trank von seinem Glühwein, weil er das Chaos in seinem Kopf bekämpfen musste. Er atmete tief durch und stellte seine Tasse weg. Er beugte sich zu Maung runter und lächelte. „Dann werde ich dich erst wieder küssen, wenn wir Zuhause sind, damit so etwas nicht wieder vorkommt.“

Na, das war eigentlich nicht der Effekt, den Maung haben wollte. Doch es war wie ein warmer Sommerregen auf nackter Haut, zu spüren, dass Roman bereit war, auf ihn Rücksicht zu nehmen. Und wenn er Maung dann hinterher umso leidenschaftlicher küsste, wollte der Kater sich jetzt nicht beschweren und grinste verschmitzt über seine Tasse hinweg, die er sich immer noch halb vor das Gesicht hielt.

„Ist hier noch ein bisschen Platz?“, fragte plötzlich eine ältere Dame mit einem Tablett voll Tassen, die verzweifelt eine Ecke suchte, um sie abzustellen.

Roman wechselte einen kurzen Blick mit Maung und nickte der Frau zu. „Sie können den ganzen Tisch haben, wir wollten gerade gehen“, sagte er und trank den Rest Glühwein aus seiner Tasse. Er wollte mit Maung alleine sein, auch wenn er nervös war. Das war alles neu für ihn.

„Komm, Schatz“, sagte er und hielt Maung seine Hand hin. Lächelnd legte der Kater seine Hand hinein und umfing so Romans Finger fest. Die waren schön warm und Maung erschauerte leicht, als die Hitze zu ihm überfloss. Ganz anders als vorhin bei Thomas, irgendwie elektrisierender.

Bereitwillig verzichtete Maung auf Zuckerwatte, Crepes und gebrannte Mandeln und schlängelte sich mit katzenhafter Agilität durch die Masse, nur gebremst von Roman, der wie ein Anker an seiner Hand hing und im Gegenstrom nicht so schnell vorwärts kam wie sein Katerchen.

Roman folgte Maung, so schnell er konnte, und erst als sie den Weihnachtsmarkt hinter sich hatten, blieb er stehen und zog Maung zu sich und küsste ihn. „Tut mir Leid, Süßer, aber ich kann nicht mehr warten, bis wir Zuhause sind“, nuschelte er in den Kuss und umfing Maungs Kopf mit seinen Händen. Jetzt, wo Roman wusste, was er wollte, konnte er nicht mehr warten. Er musste die süßen Lippen wieder an seinen spüren und Maung grinste in den Kuss. Irgendwie hatte er das erwartet und auch ein ganz kleines bisschen erhofft.

Zu warten, bis sie endlich daheim waren - das wäre noch eine ganze, nicht enden wollende Stunde gewesen. Das ungeküsst zu überstehen war reichlich viel verlangt von einem kleinen Kater. Maung ließ sich gegen die Hauswand in seinem Rücken sinken und zog Roman einfach gegen sich, lag so gänzlich im Schatten des großen Körpers.

„Scheint wohl nicht so schlimm zu sein“, schmunzelte Roman, als er den Kuss kurz unterbrach und lächelte sein Katerchen liebevoll an. Er bemerkte, dass Maung leicht zitterte, darum öffnete er seine Jacke und legte sie um seinen Freund. „Du bist ja noch nicht ganz gesund, da sollten wir vorsichtig sein“, erklärte er leise lachend und zog Maung nah an sich.

Der grinste schelmisch nach oben und griff nach Romans Handgelenk. Langsam strichen seine Finger bis zu Romans Hand und zogen sie in seinen Schritt, damit er spüren konnte, was er anrichtete. „Und jetzt sag mir noch einmal, dass es nicht so schlimm zu sein scheint“, sagte er leise und stellte sich auf die Zehnspitzen, um Romans Überraschung in einem Kuss zu ersticken. Nur gut, dass dessen Jacke das nötigste verdeckte.

Im ersten Augenblick wollte Roman seine Hand wieder wegziehen, aber letztendlich tat er es nicht, auch wenn er sich erst etwas unwohl dabei fühlte. Er hatte sich für Maung entschieden, darum ließ er die Hand, wo sie war, und nach den ersten Schrecksekunden löste er den Kuss und sah Maung in die Augen.

„Das war ein bisschen fies“, grinste er schief und lächelte dann. Er spürte die Härte und die Hitze, die von Maung ausstrahlte und noch zaghaft bewegte er seine Finger. Er war nervös und aufgeregt, wie schon lange nicht mehr. Sein Atem ging schnell, aber das Kribbeln, was über seine Hand und seinen Arm durch seinen Körper schoss, war einfach unbeschreiblich erregend.

„Ein bisschen fies?“, fragte Maung nachdenklich und lachte dann erleichtert, auch wenn ihm das ziemlich schnell im Halse stecken blieb. Roman reagierte völlig anders als Maung befürchtet hatte und so verdrehte der Kater nur genießend die Augen. Endlich berührte ihn Roman so, wie Maung es immer gewollt hatte, doch die Örtlichkeit war nicht für das geeignet, was in dem Kater tobte. „Lass uns gehen“, flüsterte er heiser und schloss die Augen. Seine Zunge huschte über seine Lippen und verletzte sich an seinen Fängen. Doch er spürte es gar nicht. Sein ganzer Körper war in Aufruhr.

„Ja, wäre besser“, murmelte Roman abwesend. Sein Blick klebte an Maungs Lippen, auf denen etwas Blut schimmerte und ohne nachzudenken, fing er sie zu einem intensiven Kuss ein. Er konnte sich nicht helfen, seit er sich klar war, dass er Maung liebte, konnte er nicht mehr von ihm lassen. Leise seufzend drängte er sich näher an Maung und seine Hand, die noch immer auf dem Schritt seines Freundes lag, griff fester zu.

Er musste sich förmlich aus dem Kuss reißen, damit er wieder klar wurde. Bei Maung hatte das nicht mehr viel Sinn. Er stöhnte leise, auch wenn er noch versuchte, es zurückzuhalten. Doch er hatte zu lange gedarbt und nun gierte sein Körper nach allem, was Roman ihm geben wollte. Und dass sein Herr so schnell so freigebig war mit seiner Nähe, war fast zu viel für den angeschlagenen Kater.

„Gehen!“, drängte er mit gepresster Stimme, doch sein Unterleib begann sich an der großen, ihn verwöhnenden Hand zu reiben. Es fiel Roman schwer, seine Hand wegzunehmen, aber er tat es doch.

„Komm“, murmelte er leise und nahm Maung an die Hand. Er wollte mit seinem Freund alleine sein, ohne die Möglichkeit, gestört zu werden. „Das Auto ist gleich da vorne. Dort bekommst du noch einen Kuss, der halten muss, bis wir Zuhause sind.“

„Wie grausam“, knurrte Maung und schüttelte sich. Er wollte erst einmal wieder klar im Kopf werden, doch das ging nicht. Die Hormone in seinem Körper lähmten all seine Sinne. Er sah nichts mehr um sich herum, hörte nur noch sein wild schlagendes Herz und seine Haut brannte überall dort, wo Stoff sie bedeckte. Doch er griff Romans Hand fester und zog verschämt sein Gesicht tief in den Schal.

Roman sah lächelnd zu ihm runter und zog Maung schnell zum Auto. Es war wirklich nur einige Meter entfernt, aber man hatte es noch nicht sehen können, weil es hinter einer Ecke stand. Dort angekommen, schloss Roman schnell auf und zog Maung zu sich, als sie beide saßen. „Ich würde dich auch viel lieber ständig küssen, aber dann kommen wir nicht nach Hause und erfrieren“, erklärte er entschuldigend und schälte Maung aus seinem Schal, damit er ihn küssen konnte.

„Es wäre ein Verlust“, murmelte Maung und schälte sich langsam aus der Jacke, ehe er sich anschnallte. Roman hatte gleich die Heizung angestellt, doch der Motor warf noch keine Wärme ab. Aber Maung war heiß, er konnte nichts dagegen tun. Roman hatte ihn schon zu weit gebracht, es gab kein Zurück mehr. Sich noch bis nach Hause gedulden zu müssen, war ein enormer Gewaltakt, der Maungs Konzentration forderte. Wenn er sich auch nur noch einmal gehen ließ, dann war er nicht mehr zu bremsen. Auch nicht von Roman. „Beeil dich bitte!“

Roman wollte sich noch einmal zu Maung beugen und ihn küssen, aber er ließ es lieber, als er Maungs Blick sah. „Ich fahr so schnell es geht“, versprach Roman und manövrierte den Wagen aus der Parklücke. Es fiel ihm schwer, sich auf den Verkehr zu konzentrieren und sein Blick glitt immer wieder zu seinem Freund rüber, der zusammengesunken in seinem Sitz saß. „Geht es dir gut, Schatz?“, fragte er, als sie an einer Ampel halten mussten und griff sich Maungs Hand.

„Ja.“ Maung lächelte, auch wenn er sich stark konzentrieren musste, sich nicht seinem Trieb zu ergeben. Doch dass Roman so in Sorge war, wärmte sein Herz und so drückte er dessen Hand fester, legte sie mit einem entschuldigenden Lächeln aber wieder auf den Schaltknüppel. „Besser nicht, sonst passiert ein Unglück“, erklärte er, weil er Romans fragenden Blick sah. „Ich stehe kurz davor, wild über dich herzufallen, ohne Rücksicht auf Verluste. Jede deiner Berührungen raubt mir aufs Neue die Sinne. Nicht zu erliegen, ist schwerer, als ich je gedacht hätte.“ Seine Stimme war leise und brüchig.

„Oh.“ Mehr bekam Roman nicht raus, aber sein Gesicht sprach Bände. Das er so eine Wirkung auf Maung hatte, ließ ihn erschauern und er musste sich über die plötzlich trockenen Lippen lecken und ihm wurde heiß. „Wir sind bald da“, versprach er mit rauer Stimme und seine Hand griff den Schalthebel fester.

„Gut“, presste Maung hervor und drückte sich tiefer in seinen Sitz. Seine Finger umklammerten den Rand der Sitzfläche, damit er nicht auf dumme Gedanken kam. Es war unglaublich, wie intensiv er plötzlich auf Roman reagierte. Er hatte ja schon geglaubt, die letzten Tage wären die Hölle gewesen, doch im Augenblick wusste der Kater weder ein noch aus. Die Luft des Wagens war mit Romans Lust geschwängert, es strich Maung um die Nase und versuchte ihn noch weiter aufzustacheln. Er stöhnte leise, denn seine Erregung nahm noch zu. Das schmerzte langsam.

Noch nie war Roman die Fahrt nach Hause so lang vorgekommen. Immer wieder streifte sein Blick Maung und er wollte ihn einfach nur in seine Arme ziehen und küssen, damit sein Freund sich nicht mehr so quälen musste. Er war erleichtert, als er den Wagen endlich auf dem Parkplatz vor dem Haus seiner Eltern abstellen konnte. Sie flüchteten förmlich aus dem Auto und Roman fing Maung auf, der vor der Haustür auf ihn zusprang.

Geschickt drehte er sich mit seiner süßen Last durch die geöffnete Tür und schlug sie mit einem gezielten Tritt hinter sich zu. Kaum ließ er Maung, den er schon wieder in einen intensiven Kuss gezogen hatte, zu Atem kommen, da hatte er den Kater auch schon sanft gegen die Tür gedrückt, küsste ihn nun ausgehungerter und Maung schlang Arme und Beine um seinen Freund. Roman war nicht einfach mehr nur sein Herr, der, der ihn gekauft hatte. Er spürte deutlich, dass da mehr war. Mehr als bloße Gier und Verlangen, mehr als nur Besitz. „Lieb mich!“, forderte er also heiser und schälte sich die Klamotten vom Körper, so gut das eben ging.

Roman erschauerte bei den Worten und er sah Maung in die Augen. Erst jetzt wurde ihm mit voller Tragweite klar, was mit ihm passiert war und sein Herz schlug noch ein wenig schneller. Lächelnd sah er seinen Freund an. „Liebe dich. Immer und so oft du willst“, murmelte er und küsste Maung wieder. Er griff sich seinen Freund fester und stieß sich von der Tür ab. Vorsichtig trug er Maung die Treppe hoch zu ihrem Zimmer.

„Dann beweise es“, knurrte Maung und knabberte sich über Romans Hals, blies die störenden Haare mit seinem heißen Atem beiseite und kicherte, als er spürte, wie Romans Körper darauf reagierte. Seine Finger gruben sich in dessen Haare und so fanden sich wieder ihre Lippen zu einem intensiven Kuss. Maung rieb sich auffordernd an seinem Freund und machte klar, dass er keinerlei Verzögerung mehr hinnehmen konnte, weil ihm die Lust schon zu den Augen heraus quoll. So seufzte er zufrieden, als er das Bett unter sich spürte und Romans Körper auf sich.

Roman sah auf Maung hinunter und strich ihm über die Wange. „Sei nachsichtig“, murmelte er verlegen, denn ihm wurde gerade klar, dass er von dem, was nun folgen würde, kaum Ahnung hatte und das machte ihn nervös. Um das zu überspielen, küsste er Maung stürmisch und er hoffte, dass seine Lust seine Ängste fortspülen würde. Maung, der sich an ihm rieb, half ihm dabei.

Und Maung gab sein bestes. Endlich konnte er anwenden, was er gelernt hatte und das bei jemandem, den er mehr begehrte als alles andere. Nicht zu vergleichen mit seinem damaligen Lehrer. So wand sich der Kater geschickt aus seinem Pullover und musste ihren Kuss nur für eine Sekunde unterbrechen. Dann strampelte er seine Hose tiefer und stöhnte ungehalten, als seine Erregung endlich Freiraum hatte. Sein Schweif peitschte wie wild über das Bett und seine Ohren legten sich langsam an. Maung war angespannt wie eine Bogensehne.

Roman löste ihren Kuss und brachte etwas Abstand zwischen ihre Körper. Er wollte Maung ansehen und das, was er sah, ließ seine Augen leuchten. Maung sah herrlich aus in seiner Lust und plötzlich fiel alle Nervosität von Roman ab. Er wollte diesen Mann und alles andere wurde unwichtig. Seine Hand legte sich auf Maungs Brust, wo er den schnellen Herzschlag spüren konnte und beugte sich wieder vor, um seinen Freund zu küssen. Vor ihnen lag eine wundervolle Nacht, da war er sich sicher.