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Ein Kirchenbesuch

Ein Kirchenbesuch

Draußen war es schon lange dunkel und es hatte wieder angefangen zu schneien. Die weiße Pracht verteilte sich überall und verlieh so zusätzlich das Gefühl von Weihnachten.
Überall in den Fenstern glänzten bunte Lichten. Erzeugt von Schwippbögen, Weihnachtsbäumen und allerlei andere Dinge.
Es war eine herrliche Zeit. Der Anblick ließ jedes Kinderherz höher schlagen. Aber auch die Erwachsenen hatten ihre Freude daran. Und das war schließlich der Sinn von Weihnachten. Liebe und Frieden auf der Welt.
Lindsey brachte die letzte Christbaumkugel an den Baum an und lächelte. Sein Werk war beendet. Kurz betrachtete er was er geschaffen hatte, dann wandte er sich zu seinem Freund um. Dieser saß am Tisch und grinste.
„Das sieht super aus, Schatz. Du weist ja das ich nicht viel davon halte. Aber so ist es OK. Deinen Eltern wird es bestimmt auch gefallen,“ meinte Deacon.
Lindsey hob eine Augenbraue und sah seinem Freund in die dunklen Augen.
„Danke. Ich habe mir mit dem Baum auch Mühe gegeben. Du weist doch das ich Weihnachten mag. Das es für dich als Vampir nichts bedeutet, verstehe ich ja, aber lass mir diese Freude.“
Der Vampir musterte den jungen Mann mit den blauen Augen kurz. Dann streckte er die Hand aus. Langsam ging Lindsey auf ihn zu und setzte sich auf dessen Schoss.
Es war unglaublich, aber er, der stolze Anwalt hatte sich in einen Mann und dazu noch einen Vampir verliebt.
Nur zu gut, konnte sich Lindsey noch an ihre erste Begegnung erinnern. Im Grunde war es nur Zufall gewesen, dennoch hatte er sich vom ersten Moment zu dem smarten schwarzhaarigen hingezogen gefühlt.
Ein Lächeln erschien auf seinen Lippen als er daran dachte.
Sie waren sich in der Kanzlei das erste Mal begegnet zu einem Meeting. Es war eigentlich alles wie immer gewesen. Lindsey hatte seinen Mandaten begrüßt und die Besprechung hatte begonnen.
Es war ganz normal gewesen, bis ihn diese unglaublichen Augen trafen. Sein Mandant hatte ihm direkt in die Augen gesehen. Es lag so viel Stolz und Macht darin, aber auch eine gewisse Anziehungskraft. Ein unglaubliches Leuchten.
Es fiel Lindsey so schwer den Blick abzuwenden von diesen Augen.
Das Lächeln wurde breite, als die Bilder vor Lindseys Augen auftauchten.
„Kannst du dich an unsere erste Begegnung in meinem Büro erinnern? Wie du mich angesehen hast? Ich muss gerade daran denken. Was wir bis jetzt auch alles durchgemacht haben. Wie schwer es war, das zu erreichen was wir jetzt haben,“ flüsterte der junge Mann.
Seine Stimme war so ruhig und abwesend.
Deacon schloss die Augen und legte seinen Kopf auf Lindseys Schulter.
Nur zu gut, konnte sich der Vampir daran erinnern.
„Ja, mein hübscher. Ich bin in meinem ganzen Leben noch nie mit einem Mann zusammen gewesen und dann verliebe ich mich ausgerechnet in meinen Anwalt. Aber ich bin hier und ich möchte das auch nicht missen. Egal, was jemals passieren wird, ich werde nicht zulassen das dir etwas geschieht.“
Für einen Moment herrschte Stille. Deacons Arme schlossen sich fester um seinen Freund. Er spürte genau das sein Schatz darüber nachdachte.
„Bitte hör auf. Heute ist Weihnachten und deine Eltern kommen gleich. Du liebst dieses Fest doch. Ich möchte nicht das du es dir wegen dieser Gedanken kaputt machst. Du hast mich schon überredet mit in die Kirche zu gehen, obwohl du weist was das für mich als Vampir bedeutet. Und dann, feiern wir Weihnachten,“ murmelte Deacon.
Langsam wandte sich Lindsey um und sah seinem Schatz in die Augen. Es lag soviel Wärme und Liebe darin. Genießend schloss er die Augen als Deacon seine Wange küsste und sich zu seinem Mund vorarbeitete.
Es war verrückt, aber der Vampir war der Mittelpunkt seines Lebens.
Und er genoss jeden noch so kleinen Moment mit ihm.
Nur zu gern ließ er sich auf den Kuss ein. Vergrub sich für eine Ewigkeit darin.
Langsam wanderten Deacons Hände weiter nach unten, als es klingelte.
Ein Stöhnen entrann dem Vampir. Genervt ließ er von seinem Schatz ab.
„Das sind dann wohl deine Eltern. Perfektes Timing,“ murrte er.
Lindsey lächelte bedauernd und erhob sich. Er stahl sich noch kurz einen Kuss, dann ging er zur Tür. Jetzt wurde es also ernst.
Zwar war das nicht das erste Mal das Lindseys Eltern auf Deacon trafen. Aber sie möchten den Mann an der Seite ihres Sohnes nicht sonderlich. Obwohl sie noch nicht einmal wussten, wer dieser wirklich war.
Der Vampir hielt sich dezent im Hintergrund, als sein Schatz den Besuch begrüßte. Zu seinem Erstaunen war auch Lindseys Schwester, Lori dabei. Sie war die Einzige in der Familie, die Deacon freundlich begrüßt hatte.
„Dann bitte kommt doch rein und macht es euch gemütlich. Bis zur Kirche haben wir noch eine halbe Stunde. Meinen Mann Deacon kennt ihr ja noch,“ erklärte Lindsey.
Zwar wusste er wie lächerlich der Satz klang, aber er konnte ihn sich nicht verkneifen.
Seine Eltern nickten nur und grüßten den Vampir kurz angebunden. Nur Lori grinste ihn an und reichte ihm die Hand.
„Schön dich mal wieder zu sehen. Es ist ja schon lange her. Kommen deine Eltern auch noch, um mit uns Weihnachten zu feiern? Das wäre bestimmt nett,“ wollte die junge Frau wissen. In ihren Augen lag eine sanfte Freundlichkeit.
Deacon erwiderte das Lächeln. Obwohl ihm diese Frage nicht sonderlich gefiel.
„Da hast du wirklich Recht. Wir haben uns eine ganze Weile nicht gesehen. Meine Eltern können leider nicht kommen. Ich habe keine Eltern mehr. Sie sind schon seit einigen Jahren tot.“
Noch während er sprach, spürte er die warme Hand, die sich auf seinen Arm legte. Das Kinn auf Deacons Schulter gelegt, sah Lindsey seinen Schatz an. Er wusste das er keine tröstenden Worte sagen konnte und brauchte. Der Vampir hatte seine Eltern schließlich selbst getötet. Aber das war lange her.
„Oh das tut mir so leid, Deacon,“ sagte Lori.
Aber der Vampir schüttelte nur den Kopf. Was hätte er auch tun sollen? Es war Jahrhunderte her.
„Das ist lieb von dir. Aber wenn es dir recht wäre, möchte ich nicht darüber sprechen.“
Damit gab sich auch Lori zufrieden. Die junge Frau grinste Verständnisvoll.
Zusammen begaben sie sich dann ins Wohnzimmer.
„Möchtet ihr noch einen Kaffee trinken, bevor wir in dir Kirche gehen?“ fragte Lindsey.
Seine Eltern warfen sich nur in einen Blick zu und nickten.
„OK. Dann seid mal lieb zu meinem Schatz.“
Noch bevor Deacon etwas sagen konnte, hatte sich Lindsey einen Kuss gestohlen und war in der Küche verschwunden.
Ein wütendes Knurren baute sich in seiner Kehle auf, was er jedoch schnell unterdrückte. Niemand musste erfahren das er ein Vampir war. Das ging Lindseys Eltern absolut nichts an. Zumal sie den Vampir schon so nicht mochten.
Etwas verloren stand er nun neben dem Baum. Die Arme vor der Brust verschränkt. Die blitzenden Augen auf die Tür gerichtet.
Er hasste es mit Menschen alleine zu sein. Da war er nun der große Deacon Frost, den so viele Vampire und Dämonen fürchteten und dann fühlte er sich unbehaglich in der Gegenwart dieser Menschen. Das war doch lächerlich.
Der einzige Mensch, der in seinem Leben eine Bedeutung hatte war Lindsey. Nur er alleine hatte es geschafft den Vampir etwas zu zähmen und Liebe in sein Herz zu bringen.
„Und Deacon, wie laufen die Geschäfte? Lindsey erzählte uns einmal die haben eine eigene Firma. Die Zeiten für kleine eigene Firmen sind doch im Moment so schlecht,“ sagte John, Lindseys Vater.
Von seinen Gedanken losgerissen sah Deacon ihn einen Moment bloß an.
„Nun ja. Ich bin nicht bloß kleiner Geschäftsmann. Mir gehört die komplette Frost Corporation. Ich denke mal ihnen sagt der Name etwas. Die Geschäfte laufen sehr gut. Ich kann mich nicht beschweren. Zudem haben wir in diesem Jahr ein enormes Umsatzplus gemacht,“ antwortete er schließlich.
Zwar wusste der Vampir das er nicht so angeben sollte, aber es war nun einmal die Wahrheit. Oder zumindest ein Teil davon.
Selbst seine Stimme hatte bei nur diesen paar Worten seine gewohnte Schärfe und Selbstsicherheit wieder. Auch wenn er Lindsey versprochen hatte sich heute zu benehmen, so war er doch kein kleiner Mensch.
Mit Genugtuung sah er wie Johns Augen sich weiteten. Wie der schon ältere Mann erkannte, wer Deacon eigentlich war.
„Oh. Nun das hat unser Sohn nicht erzählt. Ich hatte ja schon bei ihrem Namen überlegt. Aber das sie das nun wirklich sind hätte ich nicht gedacht.“
Bell, die Frau an Johns Seite sah ihn mit einem Ausdruck des Unglaubens an. Aber die Frau witterte auch Geld. Das spürte Deacon deutlich.
Er zuckte nur die Schultern und lächelte.
„Darf ich dich da etwas fragen Deacon?“ mischte sich Lori ein.
Dieser nickte bloß und sah sie an.
„Nun ja. Ich möchte nicht gleich deine Worte oder deinen Stand ausnutzen. Zumal ich auch nicht wusste das du Chef einer ganzen Firma bist. Aber ich würde dich trotzdem gerne fragen. Ich suche einen neuen Job. Vielleicht kannst du oder Lindsey mir helfen. Ich wollte ihn nachher auch mal fragen.“
Die junge Frau senkte den Kopf. Ihre Worte waren mit Scheu gesprochen.
Deacon musterte sie von oben bis unten. Er konnte sich einfach kein Grinsen verkneifen. Die Ähnlichkeit war auch zu offensichtlich.
„Du bist wie dein Bruder. Nur das er mit solchen wie mir jeden Tag zu tun hat. Ich werde dir schon nichts tun nur weil mir eine Firma gehört. Ich denke mal da findet sich bestimmt etwas. Du kannst im neuen Jahr in meinem Büro vorbeikommen und dann sehen wir mal was sich machen lässt,“ gab er schließlich zurück.
Lori sah ihn an und auf ihrem Gesicht breitete sich ein Grinsen aus.
Ohne darüber nachzudenken erhob sich die junge Frau und umarmte Deacon. Sie strahlte ihn dankend an auch wenn er noch nichts getan hatte.
„Hey Schwesterherz, das ist mein Mann. Also Finger weg,“ maulte Lindsey.
Auch wenn seine Wort nur Spaß waren guckte Lori ihn etwas verstört an, lächelte aber und ließ den Vampir los.
Der musterte seinen Schatz nur mit einem belustigten Blick und nahm ihm das Tablett ab.
Die beiden Männern verteilten die Kaffeetassen auf dem Tisch und setzten sich dann ebenfalls dazu.
Die Stimmung am Tisch war etwas lockerer, auch wenn es noch nichts mit Entspannung zu tun hatte. Aber das hatte der Anwalt auch nicht erwartet.
Er warf seinem Mann einen liebevollen Blick zu und legte seine Hand auf dessen Knie. Für einen Moment gönnte er sich den Luxus von einer Familie und einer heilen und normalen Welt. Schließlich war dies selten.
An Deacon gekuschelt beobachtete er seine Eltern, die in ihrem Kaffee rührten und mit Lori sprachen. Dann mischte er sich selbst in das Gespräch.
Die Zeit bis die Kirche anfing, verging wie im Flug.
Kaum war der letzte Kaffee ausgetrunken, zogen sich alle an und begaben sich auf den Weg in die Kirche.
Seine Hand fest mit der von Lindsey verschlungen versuchte sich der Vampir zu beruhigen. Er hasste Kirchen. Schließlich war er ein Untoter. Aber er hatte es seinem Schatz versprochen und er stand zu seinem Versprechen.
Der Weg bis zur Kirche war nicht weit.
Die Blicke der Menschen richteten sich augenblicklich auf Deacon und Lindsey. Es war nur ein kleines Dorf wo sie lebten. Hier war Liebe zwischen Männern immer noch nicht gerne gesehen. Immer wenn sie zusammen das Haus verließen um einfach nur spazieren zu gehen, wurde sie bemustert.
Selbst dumme Sprüche gehörten dazu. Aber das waren beide schon gewöhnt. Es war nichts neues mehr. Es waren nur ganz bestimmte Menschen.
Auch wenn Deacon es hasste so konnte er nichts dagegen tun. Schließlich musste nicht jeder wissen das hier ein Vampir lebte. Das konnte er einfach nicht gebrauchen.
Sie hatten zwar durch ihren Umzug auf dieses kleine Dorf einen recht weiten Weg zur Arbeit, aber die Gefahren in der Stadt waren zu groß. Da hatte Deacon kurzer Hand dieses Haus gekauft. So war er sich sicher das seine Leute, oder Lindseys Mandanten nicht einfach vor der Tür standen. So wie es früher war.
Gemeinsam gingen sie in die Kirche und ließen die Blicke hinter sich.
„Ist das etwa immer so? Die starren euch ja an. Das ist schlimm,“ meinte Lori.
„Das ist für uns nichts Neues. Wir sind halt anders. Das mögen die nicht. Es gibt hier aber auch ganz nette Leute. Nur leider nicht viele. Setzten wir uns doch darüber an die Seite. Da ist der Blick recht gut,“ antwortete ihr Bruder.
Seine Eltern sahen sich einfach bloß an. Sie waren ja auch nicht gerade glücklich das ihr einziger Sohn mit einem Mann zusammen lebte. Da war es auch egal das dieser sehr viel Geld und Macht hatte. Sie mochten es dennoch nicht.
Aber das man ihren Sohn heute zu Heiligabend so böse ansah, tat sehr weh. Wenn man schon keine Homosexualität mochte, musste man diese Männer nicht auch noch so strafen. Das hatte keiner verdient.
So ließen sich die beiden älteren Herrschaften neben ihrer Tochter auf der kalten, grünen Bank nieder.
Es dauerte auch nicht lange, da erschien schon der Pfarrer und begann mit der Predigt. Kurz danach folgte das Grippenspiel.
Dies gehörte einfach zu Heiligabend und es war wie immer sehr schön. Die kleinen Kinder gaben sich ganz große Mühe ihre Rolle perfekt zu spielen.
Sicher gab es auch viele kleine Fehler, aber dennoch waren die Eltern stolz.
Deacon saß an der Wand und versuchte dieses ungute Gefühl in einer Kirche zu sein los zu werden. Die Hand die sich auf dein Bein legte und ihm Kraft gab half ungemein.
Sein Mann kuschelte sich an ihn und genoss einfach mal die Zeit ein normales Leben zu führen. Dies hier in der Kirche so unendlich normal.
Vielleicht hassten es viele andere Leute, aber für den Anwalt war dies einer der schönsten Momente.
Er hatte seinen Mann neben sich, der ihn liebevoll umarmte. Seine Schwester und seine Eltern, die neben ihm saßen.
Ja, so schön konnte Weihnachten sein.
Einfach nur ein Stück Normalität.
Lindsey wandte den Kopf, sah seinen Mann an und küssten ihn. Das ihn dabei mehrer Leute sahen, war ihm egal.
Glücklich ließ er sich von dem Vampir näher ziehen und beobachtete die Kinder die ihr bestes gaben.
Diesen Moment würde er so schnell nicht vergessen.



~~~~~OWARI~~~~~