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Drachenblut - Teil 9 bis 12

09


Azhdahar wischte gerade sein Schwert ab und wollte offensichtlich eine kleine Pause machen und etwas trinken, so wie es aussah, denn er winkte den Diener herbei, der an der Seite mit einer Karaffe Wasser stand.

„Prinz!“, rief Evren also, nachdem er sich mindestens dreimal auf die Zunge gebissen hatte und „Kriechtier“, „Drachi“ oder „Hey du!“ lieber nicht in der Öffentlichkeit vom Stapel ließ, denn er hing an seinen Gliedmaßen. „Hast du eine Minute?“, setzte er noch hinten an, weil der Prinz ihn komisch ansah.

Der Prinz nickte zwar, ließ sich aber noch etwas Zeit und trank erst einmal, danach kam er langsam zu Evren rüber. „Arlan“, grüßte er den Wissenschaftler und musste grinsen. Irgendwie hatte er sich schon gedacht, dass der junge Drache sich Evrens annehmen würde. Der junge Mann war neugierig und wissbegierig und umgänglich. „Was gibt es?“, fragte er grinsend. „Einkaufstour schon beendet?“

„Einkaufen? Wir haben andere Probleme, mein Prinz“, erklärte Evren und lehnte sich an den Flieger. Erst als Azhdahar dicht genug war und sie kaum noch jemand hören konnte, grinste er frech. „Du bist nämlich das Problem, Drachi!“

„Ich?“ Azhdahar zog die Augenbrauen zusammen und seine Augen blitzten kampfeslustig, so dass Arlan nur innerlich seufzte. Die zwei waren aber auch wie Feuer und Wasser. Die fühlten sich anscheinend nicht wohl, wenn sie sich nicht aneinander reiben konnten. Der Prinz sah eindeutig nicht erfreut aus. „Was soll das jetzt wieder heißen?“

„Deine großspurige Art könnte dich ziemlich schnell in die Labore der Menschen bringen. Sie werden Nadeln in dich rein stecken und lauter lustige Sachen. Es sei denn, du bist in der Lage, dich unauffällig zu benehmen und hey!“, Evren lachte frech, „wir wissen beide, dass du das definitiv nicht kannst, Drachi!“ Zufrieden verschränkte Evren die Arme. Er liebte es, Azhdahar eins rein zu würgen.

Arlan verdrehte die Augen. Musste das jetzt sein? Schließlich wollte Evren was von Azhdahar und das war die ganz falsche Vorgehensweise, wie sich jetzt auch zeigte. „Dann bleiben wir eben hier und einige unserer Wissenschaftler, die sich unauffällig benehmen können, gehen zur Erde. Das kann dir doch nur recht sein, so besteht keine Gefahr, dass ich eingefangen werde“, schoss der Prinz auch gleich zurück und knurrte verärgert.

„Arsch!“ Evren hatte schon wieder die Nase voll. Alles, was der Typ konnte, war seine Macht auszuspielen. „Und mit so was ist man nun verbunden.“ Auch wenn Evren wirklich gern zurück wollte, betteln würde er nicht! Er wusste nur zwei Dinge: erstens konnte er mit dem Wissen, was für coole Technik es hier gab, ganz gut leben und Lita war eine gute Beschäftigung und zweitens würde er keinen Finger rühren, die Wissenschaftler auf ihren Trip vorzubereiten.

„Evren, Prinz Azhdahar“, sagte nun Arlan, auch wenn er sich dabei gar nicht wohl fühlte. Besonders als die leuchtenden Augen des Prinzen sich auf ihn legten und nicht gerade freundlich blickten. „Also, was…“, fing er an und schluckte erst einmal, bevor er weiter sprach, aber er duckte sich dabei, denn das, was er gerade machte, war nicht sehr klug. „Auf der Erde läuft alles etwas anders und ihr müsstet euch anpassen, wenn ihr nicht auffallen wollt.“

Azhdahar war immer noch verärgert, aber Arlans ruhige Art ließen ihn wieder etwas runter kommen. „Wie meinst du das?“, fragte er brummig.

„Ich habe eben die Zeit genutzt, mich von Evren über die Erde aufklären zu lassen und was er mir über die Vorherrschaft der Menschen und deren Charakter erzählte, ließ mich nicht gerade positiv an eure Reise denken“, sagte Arlan, der nun einer Art Mittlerrolle eingekommen hatte, weil Evren auf stur geschaltet hatte.

„Natürlich wäre es kein Problem, wenn erst ein Trupp Wissenschaftler ginge, um zu sehen, wie es dort wirklich ist. Aber zum einen zweifle ich, dass sie weit kommen, ohne Evrens Mithilfe, zum anderen glaube ich, dass es länger dauern und ihr noch lange auf eure Umagal warten müsst. Ob es euch gefällt oder nicht Prinz: der Mensch ist nicht zu ersetzen.“

„Das habe ich auch nicht vor.“ Azhdahar sah zu Evren rüber. „Aber alles, was er zu mir sagt, zielt darauf ab, mich zu reizen und das kann er wirklich gut. Ich habe ganz einfach keine Lust auf solchen Mist. Wir beide wollen das gleiche, nur scheint der Mensch von der Erde noch nicht verstanden zu haben, dass wir dafür zusammen arbeiten müssen. Er kann gerne weiterhin frech und abfällig mir gegenüber sein, ich habe kein Problem damit, mit ihm zu streiten, nur bringt ihn das nicht wieder auf die Erde zurück.“ Der Prinz war wirklich angepisst, das war zu merken.

Doch Evren war das egal. „Hör zu, du verunstaltest meinen Körper, weil du glaubst, das zu dürfen und wunderst dich, dass ich nicht freudestrahlend zu deinen Füßen liege? Etwas mehr Respekt mir gegenüber wäre auch nicht verkehrt. Aber lassen wir das – alles, was ich will, ist heim und dich loswerden. Leider brauche ich dazu diese komische Echse, die es nur auf der Erde gibt. Ich werde dir so ein Vieh suchen - und dann trennen sich bitte unsere Wege!“ Evren wollte jetzt gar nicht einsichtig sein. Ganz im Gegenteil - es kochte wieder in ihm hoch.

„Du willst Respekt?“ Azhdahar kam auf Evren zu und griff ihn am Hemd. „Dann solltest du mich auch mit Respekt behandeln. Ich habe dich nicht tätowieren lassen, weil mir das Spaß macht, sondern weil es notwendig war. Ich hätte das auch lassen können und dich jedes Mal retten, wenn ein Drache mit deinem frechen Mundwerk nicht einverstanden ist und dir klar macht, dass das sehr unklug ist.“ Nun war der Prinz wirklich wütend und Arlan ging ein paar Schritte zurück. Das lief gar nicht gut und wahrscheinlich sollte er eingreifen, aber das traute er sich nicht.

„Auf die Idee, mich wenigstens vorher mal zu fragen, bist du doch auch nicht gekommen. Ich vergaß: Sklaven fragt man ja nicht“, knurrte Evren und versuchte sich loszumachen. Der Kerl ging ihm langsam ziemlich auf den Zünder. „Auch wenn du es gemacht hättest, wenn ich nein gesagt hätte, hätte ich das wenigstens gewusst. Du begreifst doch gar nicht, was mich so ankotzt.“ Evren hatte keine Lust mehr, was daran liegen konnte, dass er im Stillen Azhdahar Recht geben musste - doch das würde er ums Verrecken nicht laut kundtun!

„Und was hätte das gebracht? Nur noch mehr Streit und Zickerei. Du erwartest von mir, dass ich mich an deine Welt anpasse, aber du hast das hier nicht nötig. Oder wie soll ich das verstehen?“ Nun war Azhdahar wirklich wütend, was man auch an seinen roten Augen sehen konnte. Niemand außer Evren schaffte es, ihn so schnell wütend zu machen. „Also, wenn du auf die Erde willst, dann erklär mir, was ich lassen und worauf ich achten soll, ansonsten bleibst du hier.“

„Du musst dich nicht anpassen. Das wird keiner von dir erwarten“, knurrte Evren, weil er es nicht ertragen konnte, dass der Drache der Vernünftigere von ihnen beiden war. „Aber wenn du dort auch deine: „Ich bin der Prinz“, Manieren an den Tag legst, wenn sie merken, dass du dich wandeln kannst, wenn sie merken, dass du mehr Kraft als alle hast, bist du mode und sie werden dich nicht mehr aus den Augen lassen. So lenkst du das Interesse nicht nur auf dich und mich, sondern auch auf die Umagals. Ob sie das überleben ist fraglich.“ Evren holte tief Luft und versuchte sich ebenfalls wieder zu fassen.

„Und um mir das zu sagen, musstest du jetzt wieder Streit vom Zaun brechen?“ Azhdahar beruhigte sich langsam wieder und ließ Evren los. „Können wir uns darauf einigen, dass du mir einfach ruhig sagst, wenn du etwas von mir möchtest? Ich bin es wirklich langsam leid, ständig zu streiten, denn eigentlich mache ich das nicht.“

„Es macht aber Spaß“, konnte sich Evren nicht verkneifen, als er sich das Hemd wieder richtete. „Was soll ich denn sonst hier machen? Ich kenn doch keinen außer dich und dich ärgere ich eben, kann ich doch auch nichts dafür.“ So war das nun einmal. Eigentlich war es ja gar nicht Evrens Art, aber bei dem Typen konnte er nicht anders. „Und jetzt?“, fragte er deswegen.

„Dann lernst du eben mehr Leute kennen. Arlan hast du doch auch kennen gelernt.“ Azhdahar wusste nun wirklich nicht, wo das Problem war. „Lita hast du sogar noch näher kennen gelernt. Okay, das habe ich dir vermasselt, aber ich verspreche dir, mich nicht mehr einzumischen, wenn du dich daran hältst, so was erst nach Sonnenuntergang zu machen und nicht, wenn du weißt, dass ich Verpflichtungen habe.“

„Hm.“ Evren nickte zustimmend und holte tief Luft. „Lässt sich drüber reden. Auch wenn es mehr Spaß macht, dich zu ärgern.“ Das hatte er sich doch nicht verkneifen können. „Aber jetzt will ich wissen, was passieren wird. Gehen wir oder die Wissenschaftler. Davon hängt es ab, ob ich den Kontakt zu Lita noch intensiviere oder nicht.“ Schließlich war es nicht fair, wenn er die Kleine erst anmachte und sich dann verdrückte. Und auf andere hatte er eigentlich keine Lust - er wollte heim und neue Technik installieren.

„Du musst damit ja nicht aufhören, denn ich mach das auch gerne, aber nicht so, wie gerade.“ Azhdahar lehnte sich ebenfalls an den Flieger und Arlan beobachtete ihn dabei. Der Prinz benahm sich ungewöhnlich, ob das mit den Veränderungen zu tun hatte, die Evren erwähnt hatte? Der Prinz lenkte ungewöhnlich schnell ein und war fast zahm zu nennen. „Wir werden gehen“, erklärte Azhdahar Evren gerade und wirkte wieder völlig entspannt.

„Gut, dann werde ich von Lita die Finger lassen. Wenn das mit der Umagal nicht klappt und ich wieder hier her zurück muss, damit du weiter hier leben kannst, habe ich dann immer noch genügend Zeit. Ich werde mir einfach die Zeit bis zur Abreise mit Arlan um die Ohren schlagen und so viel Technik hamstern, wie es geht. Schließlich kommt sie dir dann auch zu gute, wenn du auf der Erde bist.“ Evren grinste den Drachen schief an. „Und langsam habe ich Hunger. Essen wir zusammen? Oder hast du besseres vor?“

„Ist deine Entscheidung und wenn du möchtest, können wir gerne zusammen essen.“ Azhdahar stieß sich von dem Flieger ab und streckte sich. „Äh…, Evren, das war doch noch etwas, was wir mit dem Prinzen besprechen wollten, bezüglich des Trainings“, meldete Arlan sich zu Wort und Azhdahar sah Evren an.

„Was ist mit Training?“, fragte er neugierig.

„Denkst du dran, dass du mein Leben riskierst, wenn du dir eine verpassen lässt oder soll ich dich auch nackt unter die kalte Dusche stellen?“, fragte Evren und es war absichtlich provokativ, weil er schlicht nicht aus seiner Haut konnte und wollte. Er grinste. „Also lass dich nicht treffen, sonst ist der kleine Mensch Brei und nichts wird’s mit der Umagal.“

Auch wenn Evren kein Wort verstand, so waren die Flüche, die Azhdahar ausstieß, doch sehr nett anzuhören. Irgendwie melodisch und sehr kraftvoll. Dass Arlan leicht rot wurde, sprach dafür, dass der Prinz sehr gut in so was war. Er schlug gegen den Flieger und sah Evren verstimmt an. „Ich werde das Training umstellen. Es tut mir Leid, ich habe nicht daran gedacht, dass ich dich damit in Gefahr bringe.“

Evrens Gesicht war versteinert, die Augen weit aufgerissen und die Lippen zu einem Strich zusammengepresst. Langsam hob er seine Hand, um sie mit der anderen zu umgreifen. „Ich bitte darum“, sagte er gepresst, denn er hatte den Schlag gegen den Flieger auch gespürt - leider. „Und ich würde es begrüßen, wenn du nur noch auf Kissen einschlägst, nicht auf Metall!“, presste er noch zwischen den Zähnen hervor und musste zustimmen: es war schön, wenn der Schmerz nachließ.

„Verdammt! Zeig her.“ Vorsichtig nahm Azhdahar Evrens Hand und tastete sie ab, ob etwas gebrochen war, aber wie es aussah, schienen sie Glück gehabt zu haben. Er wusste, was er machen musste, um Evren zu helfen und tat das auch gleich. Er drückt ein paar Nervenpunkte, damit der Schmerz nachließ und sah seinen Menschen reumütig an. „Ich sollte das Training wohl ganz lassen. Ich habe keinen Schmerz verspürt und so kann ich nicht sichergehen, dass ich dich nicht doch verletze.“

„Vielleicht weil du ein bisschen mehr gewohnt bist als ich“, sagte Evren, schon wieder versöhnlicher, weil der Schmerz wirklich fast weg war. Ein bisschen wedelte er noch mit der Hand. Aber da sie nicht abfiel, war wohl alles wieder okay. „Ich bin kein Krieger, Azhdahar, ich bin Wissenschaftler.“ Irgendwie tat es ihm fast Leid, dass der Drache nun sein liebstes Hobby aufgeben sollte - dann war der bestimmt in ein paar Tagen ziemlich unleidlich.

„Das ist doch zum verrückt werden“, fluchte Azhdahar. „Wir sollten wirklich zusehen, dass wir eine Umagal finden und hoffen, dass wir damit voneinander getrennt werden. Mit der Zeit wird es besser für dich, weil deine Selbstheilung sich meiner angleichen wird, was heißt, dass deine Wunden so schnell heilen, wie meine.“ Der Prinz strich sich ein paar Haare aus dem Gesicht und seufzte. Das wuchs sich langsam zu einem Alptraum aus.

„Tröstlich. Mal sehen, ob ich bis dahin noch lebe“, murmelte Evren, doch es war kein Vorwurf. „Ich würde sagen wir packen unser Zeug, ich bekomme meine Technik und dann machen wir hier die Biege, suchen das Tupfentier und bringen es hinter uns. Nichts gegen Selbstheilung und ewiges Leben - aber ich mag mich, so wie ich bin, auch ganz gern.“ Von der Tätowierung mal abgesehen, doch das sagte er lieber nicht - das gab nur wieder böses Blut.

„Okay, gehen wir was essen und dann suchst du zusammen, was du mitnehmen willst. Ich kümmere mich um den Rest und morgen früh machen wir uns auf den Weg.“ Es brachte nichts, es aufzuschieben. Je eher sie loskamen umso besser. „Ich geh duschen und dann treffen wir uns in meinem Zimmer oder lieber bei dir?“

„Komm zu mir. Nicht dass ich irgendwelchen Leute in die Hände falle, die mich vielleicht nicht mögen“, sagte Evren. Seine Gedanken lagen dabei bei Worten, die Arlan gesagt hatte. Er war das perfekte Druckmittel für die anderen Drachen, wenn sie Azhdahar loswerden wollten. Sie mussten nicht den mächtigsten Krieger des Volkes töten, wenn es reichte, dem schwachen Menschlein das Genick zu brechen. Vielleicht sollte auch er selbst besser auf sich achten.

„Ist irgendetwas vorgefallen?“, fragte Azhdahar gleich alarmiert. Er sah erst Evren und dann Arlan an, der gleich den Kopf schüttelte. „Nein, Prinz, ich habe Evren nur gesagt, dass er ein wenig aufpassen soll, weil ihr durch ihn angreifbar seid“, erklärte der junge Wissenschaftler schnell.

„Ach so“, der Drachenprinz entspannte sich wieder und fällte eine Entscheidung. „Du bleibst besser in meiner Nähe. So kann ich besser auf dich aufpassen.“

„Okay. Wenn's sein muss. Aber in die Abstellkammer mit der kaputten Tür geh ich nicht wieder zurück“, stellte Evren klar, der sich an sein großes Zimmer und das große Bett schon ziemlich gewöhnt hatte. „Über alles andere können wir reden.“ Er grinste und hob frech eine Braue, ehe er sich wieder von dem Flieger abstieß und andeutete, dass sie gern gehen konnten.

„Welches andere?“ Nicht verstehend hob Azhdahar eine Augenbraue und sah Evren fragend an. Bevor sie losgingen drehte der Prinz sich noch einmal zu Arlan um. „Bring alles, was Evren wollte, in mein Zimmer“, rief er ihm zu und widmete sich dann wieder Evren. „Wenn du auf mein Bett spekulierst, dann wirst du es mit mir teilen müssen, denn überlassen werde ich es dir auf jeden Fall nicht.“

„Mit einem Kerl das Bett teilen?“, fragte Evren etwas skeptisch, doch im Augenblick hatte er nur die Wahl zwischen einem herrlich bequemem Bett, in dem ein Drache herum lungerte, oder einem ziemlich schmalen, harten Ding hinter einer kaputten Tür. „Gut, ich geh mit dir ins Bett“, sagte er also nach seiner Überlegung und grinste dabei dreckig, damit es auch schön anrüchig wirkte. Dann ging er los.

Azhdahar hinter ihm knurrte, aber sagte nichts, denn das brachte nichts, außer dass er sich wieder aufregte, also spielte er das Spiel mit. „Erwarte nur nicht zu viel. Mit Männern habe ich gar keine Erfahrung, aber viel anders, als mit einer Frau, dürfte es nicht sein. Es wird dir schon gefallen.“ Er klapste Evren auf den Po und grinste ihn breit an. Für einen kurzen Augenblick wusste der Mensch nicht, ob der Kerl das ernst meinte und er machte einen Schritt zur Seite.

„Würde ich dir nicht raten“, murmelte Evren und war beschämt, weil sein Witz wie ein Bumerang zu ihm zurückgekommen war. Aber er fasste sich. „Außerdem liege ich oben, nur damit das klar ist!“, legte er also fest.

„Darüber ist das letzte Wort aber noch nicht gesprochen.“ Azhdahar ließ sich nicht ärgern, denn es gefiel ihm viel zu gut, dass Evren wohl mit einer anderen Reaktion gerechnet hatte. „Du kannst jede Frau, die ich schon mal hatte, fragen. Es ist sehr lustvoll, von mir genommen zu werden.“

„Hey! Du merkst nicht mal, wenn du mir fast die Pfote brichst. Glaubst du allen Ernstes, da würde ich einen Brocken wie dich an meinen Hintern ran lassen? Vergiss das mal ganz schnell. Ich bin da etwas gefühlvoller - also werde ich das erledigen. Du liegst bitte unten rum und entspannst dich!“ Nein, Evren dachte ja gar nicht daran, klein bei zu geben - auch wenn sie beide wussten, dass sie hier nur von einem Scherz sprachen.

„Ach, komm. Nun weiß ich doch, dass ich vorsichtig sein muss. Wir machen das auf meine Weise. Ich bin nicht gut darin, mich zu unterwerfen.“ Der Prinz legte Evren einen Arm um die Schulter und zog ihn an sich. „Versuch es doch erst einmal, bevor du es ablehnst. Ich bin sicher, dass du nicht genug bekommen kannst.“

„Träum weiter. Nur weil du ein Drachenweibchen beglücken kannst, heißt das ja noch lange nicht, dass du einem gestandenen Kerl wie mir das Wasser reichen kannst“, sagte Evren, als sie langsam nebeneinander her gingen. Arlan blieb zurück, um sich um die Technik zu kümmern.

Er sah sich die beiden Männer an und schüttelte den Kopf. Das war alles irgendwie ziemlich merkwürdig. Er musste da unbedingt weiter ein Auge drauf haben. Diese Verbindung war wirklich ganz anders und sehr interessant.

„Also jetzt bin ich wirklich beleidigt, Evren. Wir sollten das wohl doch besser vergessen und nur einfach in einem Bett schlafen.“ Azhdahar lachte leise und ließ Evren los. Irgendwie war es doch recht lustig, mit diesem Menschen, wenn er nicht gleich garstig wurde.

„Feigling“, lachte Evren und stimmte zu, es besser bei einer geteilten Liegstatt ohne Verpflichtungen zu belassen. Nicht dass Mamas einzigem Drachi noch etwas passierte. Man wusste ja nie. Außerdem war die Vorstellung, am eigenen Leib zu spüren, was er - vielleicht! theoretisch! - mit Azhdahar machen würde, befremdlich.

Immer noch leise lachend lotste Azhdahar Evren zu einem kleinen Haus. „Nehmen wir den Transporter, das ist schneller. Oder möchtest du lieber einen Flieger.“ Einige der kleinen Fluggeräte standen auch in der Nähe, also war beides möglich. „Warte kurz.“ Der Prinz ging zu einem der Eingabeterminals und tippte darauf herum. „Was bestimmtes zu essen?“, fragte er dabei. Er hatte Hunger nach dem Training und so ging es schneller.

„Was ist das denn jetzt schon wieder?“ Evren hatte die Frage nach dem Transport schon vergessen - das war egal. Es gab neuen technischen Schnickschnack, das war doch viel spannender! „Was macht man damit? Wie funktioniert das? Wie eine E-Mail? Oder eher anders? Sag doch endlich! Ich hätte mit Arlan gehen sollen, der hätte mir das erklären können!“ Evren macht einen langen Hals, doch die Zeichen auf dem Display konnte er nicht deuten.

„Ich schicke der Küche eine Nachricht, was wir essen wollen.“ Etwas irritiert sah der Prinz Evren an und ging ein wenig zur Seite. „Diese Terminals gibt es überall und man kann so Nachrichten verschicken, wenn man nicht direkt mit demjenigen sprechen will. Ist das so was wie deine E-Mail?“

„Japp“, sagte Evren, aber mehr nebenbei, weil er schon wieder damit beschäftigt war, das Terminal zu untersuchen. Er guckte von oben, von unten. Dadurch, dass es aus durchsichtigem Material war - ähnlich Glas - wirkte es absolut futuristisch. Wieder keine Knöpfe, nur Touchpads. „Wenn ich doch wieder... nein, ich will so was auch. Sag das bitte Arlan - am besten über das Ding hier!“, grinste Evren und hatte schon Verwendung dafür gefunden. In seiner Wohnung gab es sicher ein paar Ecken, die man so kommunikativ verbinden konnte.

„Schon überlegt, wie du das ganze hier weg kriegen willst?“ Azhdahar grinste, weil Evren so rumzappelte. „Komm her.“ Er zog Evren vor sich und führte seine Hand über das Touchpad. Dabei erklärt er ihm das System, auch wenn der Mensch die Zeichen nicht lesen konnte. „Du solltest unsere Schrift und Sprache lernen, damit du unsere Technik nutzen kannst.“

„Ja, sollte ich vielleicht“, murmelte Evren und ließ seine neugierigen Finger über das Material gleiten. Es fühlte sich ganz glatt unter seinen Fingern an. Keine Erhebungen, kein gar nichts! „Außerdem habe ich einen großen, starken Drachen, der das gern für mich tragen wird, weil er bestimmt auf der Erde gern in meinem Haus wohnen möchte und nicht nur im Wirtschaftsraum“, lachte er leise und stupste Azhdahar mit einem Ellenbogen in die Seite.

„Ey“, machte der Drache, aber er lachte. „Ich bin nicht dein Träger. Arlan wird schon etwas finden, in dem wir alle deine Wünsche unterbringen können. So, er weiß Bescheid, dass dein Wunschzettel sich erweitert hat.“ Azhdahar ließ Evren noch ein wenig rumtippen und gab ihr Ziel schon mal in den Transporter ein. „Heute Nacht wirst du anfangen zu lernen.“

„Na klasse. Und ich dachte, wir hätten heißen, leidenschaftlichen Sex“, lachte Evren, doch eigentlich war ihm das ganz recht. Irgendwie sahen die Zeichen auf den Schaltflächen denen, die er seit Jahren studierte, ähnlich. Wenn er die Sprache der Drachen lernen konnte, konnte er vielleicht auch die Sprache der alten Völker entziffern, wenn sie wirklich noch von den Menschen abstammten, die einst auf die Erde gebracht worden waren. Nicht auszudenken, was das bedeuten konnte, wenn er endlich alle Zeichen entziffern könnte. Das wäre noch bahnbrechender als der Stein von Rosetta.

„Also, wenn dir das lieber wäre, dann verschieben wir das Lernen.“ Da Evren sich nicht wirklich trennen konnte, zog er ihn zu sich auf den Transporter. „Du kannst auch bei mir im Zimmer weitermachen. Aber wehe, ich kriege böse Anfragen, weil du jemandem ein unsittliches Angebot gemacht hast.“ Warum konnte das zwischen ihnen nicht immer so locker vonstatten gehen? So war der Mensch wirklich eine angenehme Gesellschaft.

„Wenn ich rausbekomme, wie man unsittliche Angebote macht, werde ich allen Jungs und Mädels im Umkreis von drei Tagen eine in deinem Namen schicken“, lachte Evren frech. Nun, da er wieder seiner Technik entrissen wurde, war Azhdahar wieder sein Ziel. Aber er merkte ziemlich schnell, dass er sich damit wohl ein Bein stellte, „oder ich lasse das lieber. Wenn du alle Weibchen dann begatten musst und dich mit den Jungs prügeln, bin ich am Ende des Tages mehr tot als lebendig. Ich sollte mir was einfallen lassen, was mich nicht in Mitleidenschaft zieht.“ Das war gar nicht so leicht.

Azhdahar sah Evren einen Moment wirklich sprachlos an, dann lachte er laut los. „Du bist echt verrückt.“ Der Prinz schüttelte den Kopf und lachte immer noch leise, als sie in sein Zimmer kamen. „Mach es dir gemütlich. Ich dusche und danach essen wir. Wir haben noch einiges zu besprechen, so wie es aussieht. Du solltest mir genau erklären, wie ich mich zu verhalten habe, wenn wir auf der Erde sind.“

„Japp - ich werde dir Benehmen beibringen“, grinste Evren frech, als er sich schon wieder auf Azhdahars breites Bett fallen ließ. „Ich würde auch gern noch einmal duschen und etwas Bequemes anziehen“, rief er Azhdahar noch nach. Doch ehe der auf die Idee kam, ihn gleich mit unter die Dusche zu nehmen, hielt Evren lieber die Klappe. Nicht dass der Kerl doch noch auf komische Ideen kam. Doch dann lachte er - seit wann war er so paranoid?

„Guck in meinen Schrank, ob du was findest“, rief Azhdahar noch, bevor die Badezimmertür sich hinter ihm schloss. Er schüttelte über sich selbst den Kopf. So kannte er sich gar nicht. Normalerweise mochte er es gar nicht, so nah mit jemandem zusammen zu sein, aber Evrens Anwesenheit war angenehm, wenn sie sich nicht gerade zofften. Er fühlte sich sogar besser, viel ruhiger. Der Mensch war wie ein gutes Haustier, wie eine Umagal - nur dass er die Wandlung nicht auslösen konnte. 


10


Während im Bad das Wasser anfing zu rauschen, stromerte Evren neugierig durch das Zimmer des Prinzen. Nicht weil er Kleider suchte, sondern weil er hoffte, versteckte Technik zu finden - es war wie eine Sucht, da konnte er auch nichts dagegen tun. Ein Zivilisationskind konnte einfach nicht aus seiner Haut. Seine Finger suchten die Wände ab und plötzlich hatte er wieder das Hologramm des Drachen von letztens vor sich. Evren grinste zufrieden und fing an, die Symbole auf den Knöpfen zu studieren. Er verglich sie mit denen der Azteken und Maya, ein paar waren ähnlich - ob sie das gleiche bedeuteten oder hatte sich ihr Sinn im Laufe der Zeit geändert?

So fand Azhdahar ihn vor und der Prinz schüttelte den Kopf. Wie konnte man nur so verrückt nach Technik sein? „Was machst du?“, fragte er und strich sich die nassen Haare ein wenig aus dem Gesicht, damit er nicht alles voll tropfte. Dass er vollkommen nackt war, störte ihn überhaupt nicht, schließlich waren sie unter sich. „Versuchst du unsere Sprache zu lernen? Das geht einfacher heute Nacht. Aber warte mal.“ Der Prinz tippte auf der Schaltfläche. „Mit diesem Programm üben wir die Schrift der alten Sprachen. Das müsste dir helfen.“

„Ein bisschen davon habe ich schon ergründen können. Ich studiere auf der Erde einen ausgestorbenen Stamm, der sich Azteken nannte. Sie haben ähnliche Symbole wie diese und das eine oder andere macht Sinn“, murmelte Evren und drückte wieder auf etwas, was in der Sprache der alten Völker so viel wie Gottheit bedeutete und ein riesiger Drachen erschien auf dem Hologramm - Evren zuckte zurück, weil er fast das halbe Zimmer einnahm. Erschrocken griff er sich an die Brust und merkte erst jetzt, dass er dem nackten Prinzen in die Arme gesprungen war.

„Also, mein Vater kann ja ein wenig Furcht einflößend sein, aber so kann er dir nichts tun.“ Azhdahar lachte und hielt Evren fest, der immer noch ein wenig wackelig wirkte. „Er ist eigentlich ungefähr zwei mal so groß“, erklärte er ihm. „Möchtest du auch meine Mutter sehen?“

„Oh - Papa“, murmelte Evren und sah sich den schwarzen Drachen noch einmal an. „Klar, zeig mir mal, wie deine Mom aussieht. Aber erkläre mir lieber, was das Zeichen bedeutet, auf das ich gedrückt habe. Bei den alten Völkern bedeutete es so was wie Gott oder oberste Macht. Zumindest glaubten wir das bis heute.“ Der Mensch kratzte sich am Kopf und sah Azhdahar herausfordernd an - erst jetzt ging ihm auf, dass der Prinz noch nichts trug. Es war wohl typisch Mann, dass man erst einmal abschätzte, was der andere so zu bieten hatte.

„Es bedeutet soviel wie König, Herrscher.“ Azhdahar hob ein wenig die Augenbraue, als er so intensiv gemustert wurde. Schämen musste er sich auf keinen Fall. Er war gut geraten und mehr als großzügig ausgestattet. „Soll ich mich drehen“, fragte er grinsend. Er konnte es auch nicht lassen, Evren zu ärgern.

„Ja, bitte!“ Evren nickte eifrig und lachte leise. „Ich will erst mal sehen, ob sich dein Hintern überhaupt lohnt oder ob ich nicht doch lieber die ganze Nacht über den Symbolen hängen werde, um sie auswendig zu lernen.“ Er hob gespielt spöttisch eine Braue, musste aber neidvoll zugeben, dass er zwar selber nicht gerade von der Natur vernachlässigt worden war, aber mit dem Prinzen nicht mithalten konnte.

„Ob sich mein…? Und ob er das tut.“ Nun hatte Evren ihn aber an seiner empfindlichsten Stelle erwischt. „Mein Hintern lohnt sich immer. Siehst du.“ Azhdahar dreht sich, so dass der Mensch seinen Hintern sehen konnte und spannte ihn ein wenig an, damit er noch besser zur Geltung kam. „Kannst du da mithalten?“, grinste er über die Schulter hinweg.

„Wenn ich das nicht könnte, würde ich den deinigen ja nicht so gleichgültig abtun. Zieh bitte eine Hose drüber und dann erkläre mir, was dieses Symbol hier bedeutet“, ging Evren einfach frech darüber hinweg, auch wenn er innerlich zugeben musste, dass der Kerl, dank seines Trainings, aber wirklich nicht von schlechten Eltern war. Auf der Erde dürfte es schwer werden, kein Aufsehen mit dem Typen zu erregen!

„Pff…“, machte Azhdahar nur und ging zu seinem Schrank. Er zog sich an und kam wieder zu Evren rüber. „Willst du wirklich jetzt schon anfangen? Im Schlaf lernt es sich viel einfacher und effektiver. Macht ihr das nicht?“ Der Prinz wurde langsam wirklich neugierig auf die Erde. Sie schien sich ziemlich von seiner Welt zu unterscheiden.

„Das ist übrigens das Symbol für Königin.“ Er drückte darauf und das Hologramm veränderte sich. Es zeigte jetzt einen silbernen Drachen. Schlanker und nicht so wuchtig, wie der König.

Sie konnte Evren nicht mehr so erschrecken, weil er nun die Ausmaße kannte und so betrachtete er sich nur den Drachen. „Hübsch“, sagte er und sah sich dann doch wieder zu Azhdahar um. „Was soll das, im Schlaf lernen? Das sind Ammenmärchen, die sich Kinder erzählen, wenn sie zu faul sind, sich alles zu merken. Dann legen sie Bücher unter das Kissen und glauben, die Buchstaben würden vom Buch durch das Kissen in den Kopf wandern. Ich bin Wissenschaftler und weiß, dass das so leicht nicht ist.“ Was sollten diese Fragen? Das wusste doch jeder!

„Häh?“ Der Prinz sah Evren ein wenig komisch an. „Wir lernen immer so. Du könntest unsere Sprache innerhalb weniger Nächte lernen. Zumindest das Grundwissen und dann gibt es Übungsprogramme, um das Gelernte zu festigen. Wie macht ihr das denn?“

„Wir lernen es auswendig?“ Evren verstand nicht wirklich. „Wie soll das mit dem Kissen funktionieren - das ist doch totaler Blödsinn oder habt ihr dafür auch noch etwas, was Arlan auf meine Liste setzen müsste?“ Evren lachte, er konnte nicht anders - es war wirklich wie eine Sucht.

„Was für deine Liste“, grinste Azhdahar. Er kramte kurz in einer Schublade und holte ein etwa münzgroßes Teil hervor. „Das wird über Nacht an deiner Stirn befestigt. In ihm ist das, was du lernen willst, gespeichert und das wird über Nacht in dein Gehirn übertragen.“ Er gab das kleine Gerät Evren in die Hand, damit er es sich genau anschauen konnte.

Ungläubig drehte der Mensch es in den Händen. „Und das soll funktionieren?“ Man merkte schon an seiner Stimme, dass er davon definitiv nicht überzeugt war. „Das Gehirn funktioniert über Vernetzungen. Die werden nur beim Lernen geschaltet. Oder bildet das Ding neue Neuronenkopplungen?“, fragte er ungläubig und sah Azhdahar mit offenem Mund an. Langsam war ihm so, als wäre hier schlicht alles möglich.

„Sicher funktioniert das. Wir lernen immer so. Allerdings, wenn du Einzelheiten wissen möchtest, dann solltest du Arlan fragen. Ich bin kein Wissenschaftler. Probier es doch einfach heute Nacht aus, dann weißt du, ob es funktioniert.“ So ganz konnte der Prinz die Aufregung über das kleine Gerät nicht verstehen. Sie waren schon seit ewigen Zeiten im Gebrauch und funktionierten perfekt.

„Sollte ich wohl“, sagte Evren und drückte sich das kleine Gerät an die Stirn. „So?“, fragte er und sah Azhdahar erwartungsvoll an. Müsste er nicht etwas merken? In seinem Kopf sollte doch etwas passieren. Warum merkte er nichts? Als er es los ließ, fiel es runter und Evren konnte es gerade noch auffangen. „Wie soll das halten?“ Und schon untersuchte er es genauer.

„Es ist nicht eingeschaltet und es funktioniert nur im Schlaf.“ Azhdahar hielt es wieder an Evrens Schläfe und drückte auf einen kleinen Schalter. „So jetzt bleibt es da, wo es ist und erst wenn es ausgeschaltet wird, geht es wieder ab.“ Der Prinz zeigte Evren, wie es funktionierte und schickte dann Arlan eine Nachricht, damit er mitbrachte, was sie brauchten.

„Ach so, na ja - macht Sinn.“ Evren fingerte an seiner Stirn herum und versuchte nach oben zu schielen, um es zu sehen. Doch da war nicht viel zu machen. Er würde ja morgen früh merken, ob es Sinn gemacht hatte, das komische Ding zu tragen. „Gibt's eigentlich auch Essen?“, fragte er und setzte sich wieder auf das Bett, denn langsam knurrte der Magen. Abgesehen von seinem Frühstück hatte er heute noch nicht viel in den Magen bekommen.

„Müsste gleich kommen. Geh duschen, wenn du fertig bist, ist es bestimmt da. Soll ich dir etwas zum Anziehen aus deinem Zimmer holen lassen oder willst du erst mal was von mir?“ Azhdahar schmiss sich neben Evren auf das Bett und streckte sich aus. Irgendwie war es komisch, jetzt hier zu sein, denn normalerweise trainierte er noch ein paar Stunden und irgendwie wusste er gerade nichts mit sich anzufangen. Er sollte sich etwas zur Beschäftigung einfallen lassen.

„Wenn du Lust hast, kannst du mein Zeug aus meinem Zimmer holen. Auch meinen Rucksack bitte“, sagte Evren und war schon dabei, sich die Kleider vom Leib zu reißen. Erst wollte er es so machen wie zu Hause, wo er sich wie eine Schlange häutete, auf dem Weg zum Bad, doch er ließ es bleiben und trug alle Kleidungsstücke, die er verloren hatte, mit sich in das Badezimmer. Kurz vor der Tür ließ er noch die Hose fallen und wackelte frech mit seinem Hintern, der ja wesentlich schöner war als der von Azhdahar.

Azhdahar hob spöttisch eine Augenbraue. „Also ehrlich, das ist doch keine Konkurrenz für mein königlich perfektes Hinterteil, auch wenn ich sagen muss, dass deins auch ganz ansehnlich ist“, lachte er und stand auf. „Ich hole deine Sachen, also lass dir ruhig Zeit.“ Der Prinz musste sich einfach bewegen, deswegen klingelte er nicht nach einem Diener, der das erledigte. Er musste wirklich eine Beschäftigung finden, die Evren nicht gefährlich wurde, seinen Körper aber auspowerte.

Lachend verschwand Evren im Bad - das war doch verrückt. Da stritt er sich mit einem Kerl, wer den schöneren Hintern hatte. Das hatte er bis heute auch noch nicht gebracht. Gelinde gesagt, hatten sie ihn noch nie sonderlich interessiert, außer sie waren auf die gleiche Frau scharf wie er selber. Dann geriet man schon einmal aneinander, aber sonst?

Evren stand in dem Bad und sah sich um. Eine Dusche, wie er sie kannte - eine Kabine wo Wasser aus einem Duschkopf lief, suchte er vergebens. Doch er grinste, als er einen Zettel an der Wand fand: hier drücken. Das hatte bestimmt Azhdahar geschrieben, weil er seinen Aushilfs-Umagal schon kannte. Also drückte er brav darauf und Regen setzte ein. Weicher, feiner Regen kam direkt aus der Decke und Evren hatte schon wieder Sternchen in den Augen und grinste. Nun war er für die nächsten Stunden beschäftigt.



„Evren, das Essen ist da.“ Azhdahar steckte seinen Kopf durch die Tür und hoffte, dass der Mensch ihn nun endlich hörte. Schließlich hatte er ihn schon ein paar Mal gerufen. „Ich bring es dir bestimmt nicht. Wenn du Hunger hast, musst du schon wieder unter der Dusche hervor kommen oder soll ich wieder auf kalt stellen?“ Der Prinz grinste und fragte sich, wie man fast eine Stunde duschen konnte. So langsam sollte doch auch Evren sauber sein.

Aber eigentlich war das Sauber werden nicht Evrens Interesse. Er spielte an den Knöpfen und Tasten, konnte das Wasser färben, die Strahlen härter oder weicher machen - und sah sich irritiert um, als er Azhdahar hörte. „Ja, ja!“, murmelte er wie gewohnt und stellte alles aus, grinste den Drachen aber breit an. „Coole Sache!“, konnte er sich nicht verkneifen.

„Auch auf die Liste?“, fragte der Drache spöttisch, denn so langsam konnte er Evrens Blick deuten und so wie der gerade guckte, wollte er die Dusche auch haben. „Wir werden uns was einfallen lassen müssen, denn das kriegen wir nicht alles mit. Vielleicht weiß Arlan eine Lösung.“ Azhdahar warf Evren ein Handtuch zu, damit sie endlich essen konnten. „Komm schon, sonst wird alles kalt.“

„Komm ja schon, friss mir nicht alles weg. Wenn du nicht trainieren kannst, setzt du viel schneller Fett an und dein hübscher Arsch ist hinüber!“, konnte sich Evren nicht verkneifen, als er sich die Haare trocken rubbelte und über das Tattoo auf seiner Brust wischte. Wenn er drauf sah, störte es ihn noch immer, doch es wurde allmählich besser. Er gewöhnte sich wohl daran. Schnell war noch ein Tuch um die Hüften geschwungen, da hatte Evren schon die erste Scheibe Brot in der Hand, zumindest sah es aus wie Brot.

„Wir Drachen werden nicht fett“, knurrte Azhdahar und nahm sich ein großes Stück Fleisch. „Dort drüben, das ist alles für dich. Verschiedene geschmorte Gemüse. Ein Auflauf. Soweit ich weiß, mit Gemüse und Getreide und was das ist, weiß ich nicht“, er zeigte auf kleine gebackene Kugeln. „Probier einfach mal, es ist auf jeden Fall ohne Fleisch.“

„Alles klar.“ Evren griff sich seine Platte mit den verschiedenen Schüsseln und Tellern und machte es sich ebenfalls auf dem breiten Bett gemütlich. Er klopfte sich ein Kissen in den Rücken und lehnte sich gegen einen der Pfosten. „Wann geht’s denn morgen los?“ Nicht dass er noch verschlief und Azhdahar allein ging.

„Wenn alles vorbereitet ist.“ Schulterzuckend sah der Drache von seinem Essen auf. „Kommt drauf an, was du alles noch mitnehmen willst und Arlan braucht Zeit, es zu verpacken. Wir müssen keinen bestimmten Zeitplan einhalten. Du wolltest mir doch noch sagen, was ich brauche, damit ich nicht so sehr auffalle und doch in einem eurer Labore lande.“

„Ach so - ja.“ Evren nickte und kaute runter, weil er gerade eine der Kugeln gekaut hatte. Das war gut, schien frittierter Käse zu sein. Sehr lecker. „Wichtig ist vielleicht, dass du dich nicht wandelst, deine Augenfarbe nicht einfach so veränderst und nicht immer den Prinzen raushängen lässt. Mit der Sprache, das klappt sehr gut. Da wirst du nicht viel Aufsehen erregen, aber so wie du aussiehst, werden dich die Damen umwerben und dich unter die Lupe nehmen. Versuch ein Mensch zu sein.“ Eigentlich doch ganz leicht.

„Dann solltest du darauf achten, dass ich nicht wütend werde, denn die Farbe meiner Augen, wenn ich wütend bin, ist nun mal rot. Da habe ich keinen Einfluss drauf.“ Das konnte wirklich ein Problem werden, denn Azhdahar war schnell reizbar. „Die Frauen machen mir weniger Sorgen, denn Menschenfrauen ziehen mich nicht wirklich an. Aber mich wie ein Mensch benehmen?“ Der Prinz seufzte. Das war ein ziemlicher Brocken, der ihm echt Probleme machte. „Das wird nicht einfach.“

„Es wäre aber nicht übel, wenn es dir gelingen könnte. Dort bist du kein Prinz, Azhdahar, keiner kennt dich. Erwarte also bitte nicht, dass man dich so mit Respekt behandelt wie hier. Es wird oft passieren, dass man dich wie einen Idioten behandelt und so weiter. Bleib ruhig, auch wenn's schwer fällt und wenn die Weiber dich nerven, gib ihnen meine Telefonnummer!“ Das konnte sich Evren dann doch nicht verkneifen.

„Was ist eine Telefonnummer?“ So langsam kamen dem Prinzen Zweifel, ob es eine gute Idee gewesen war, auf die Erde zu gehen. „Ich werde versuchen ruhig zu bleiben, aber immer wird das nicht gelingen. Dann wirst du mir helfen müssen.“ Azhdahar sah Evren an. „Du hast ja selber schon gemerkt, dass ich leicht reizbar bin und das kann ich nicht so einfach abstellen.“

„Ja, da ich sowieso in deiner Nähe sein muss, werde ich da eingreifen können, nur wie wir das machen, wenn ich im Institut arbeiten bin, weiß ich noch nicht. Da müssen wir uns was einfallen lassen.“ Grübelnd kaute Evren auf einem Getreidetaler herum. Er war scharf gewürzt und ebenfalls ziemlich lecker. Vielleicht sollte er auch das eine oder andere Rezept noch hamstern, ehe er von hier verschwand.

„Und Telefonnummern?“, sagte er, als er sich an Azhdahars Frage erinnerte. „Hm“ wie sollte er das erklären? „Bei uns kommuniziert man über die Dinger. Jedes hat eine Nummer und wenn man die Nummer kennt, die das Gerät hat, das eine bestimmte Person hat, kann man auch um den halben Erdball mit der kommunizieren. Weißt du was ich meine?“ Er guckte etwas seltsam.

„Ich kann es mir vorstellen.“ Azhdahar nickte und damit war das Thema erst einmal für ihn erledigt. Spätestens, wenn er auf der Erde war, würde er sehen, was das zu bedeuten hatte. „Jetzt, wo du es sagst. Wir müssen unbedingt austesten, wie weit wir uns voneinander entfernen können. Ich hoffe nicht, dass das nicht auch anders ist als bei den Umagals.“

„Wie ist das denn bei den Umagals?“, fragte Evren, denn er verstand nicht, was der Prinz meinte. Ihre Zimmer lagen mindestens hundert Meter auseinander und Evren hatte nichts gespürt, was ungewöhnlich gewesen wäre. Vielleicht konnte er den Prinzen täglich in einem Café in der Nähe parken, wenn er selber ins Institut musste, was er definitiv einschränken würde, so gut es ging.

„Die Verbindung zu den Umagals ist nicht so fest wie unsere. Sie suchen zwar unsere Nähe, aber sie gehen auch schon mal auf Tour, besonders wenn Paarungszeit ist. Sie können sich mehrere Kilometer entfernen, auch wenn sie das selten tun. Ich müsste sie also nicht ständig mitnehmen, wenn ich hier innerhalb des Tals unterwegs bin.“

„Und warum probieren wir das nicht aus? Los, hoch! Mach dich auf die Socken. Ich werde hier sitzen und warten, bis es weh tut und wenn es weh tut, wirst du das hoffentlich merken. Los, los!“ Lachend schob Evren den Prinzen Richtung Bettrand. „Hop. Wir müssen das doch wissen - das ist wichtig und ich spiele so lange mit deinem Hologramm-Dingens!“ Und wieder hatte Evren strahlende Augen.

„Kann ich vielleicht erst zu Ende essen?“, grummelte Azhdahar, ließ sich aber schieben. Er angelte sich nur noch ein Stück Fleisch, dann machte er sich auf den Weg. Er überlegte, wie er das am besten machen sollte, entschied sich dann aber für einen Flieger. Da konnte er am besten sehen, wie weit sie voneinander weg konnten. Er startete und flog in das Tal.

Evren hingegen zog sich schnell eines der Hemden des Prinzen über und ging auf den Balkon. Er wollte sehen, wie weit sich der Flieger entfernte und still darauf achten, ob sich nicht doch etwas in seinem Körper tat. Je größer die zu wählende Entfernung war, umso besser konnte man sich aus dem Weg gehen. Vielleicht konnten sie sogar in unterschiedlichen Welten leben, auch wenn der Prinz das nicht glauben wollte.

Er war noch nicht wirklich weit gekommen, da fing Azhdahar an, sich unwohl zu fühlen. Es schmerzte nicht, aber er wollte zurück. Der Blick auf den Entfernungsmesser zeigte ihm, dass er Luftlinie noch nicht einmal fünf Kilometer weg war und das ließ ihn fluchen. Aber trotzdem flog er weiter, denn sie mussten ihre Grenzen austesten.

Evren ging es nicht besser. Der Kopf fing an, Probleme zu machen. Es war noch kein Schmerz, aber ein unangenehmes Unwohlsein und der Drang, Azhdahar zu folgen. Doch Evren blieb, wo er war, atmete ruhig und versuchte sich nicht darauf zu konzentrieren, was mit ihm geschah. Er lenkte sich mit dem Blick in das Tal ab und ignorierte, dass ihm Schweiß auf die Stirn trat.

Nach nur knapp sieben Kilometern, musste Azhdahar aufgeben, denn jetzt wurde es für ihn wirklich schmerzhaft. Er konnte deutlich spüren, dass es Evren noch schlimmer ging, darum wendete er schnell und flog zurück. Das war nicht gut. Die Entfernung war einfach zu kurz. Die Umagals konnten sich viel weiter entfernen und es war nicht schmerzhaft. Woran lag das nur?


11


Als er sich seinen Räumen näherte, sah der Prinz, dass Evren nur noch auf dem Boden lag. Zwar hatte er versucht auszuharren und stark zu sein, doch dann war ihm plötzlich - nach einem gewaltigen Stich im Kopf - einfach schwarz geworden.

„Evren“, rief Azhdahar erschrocken und lief zu ihm hin. Zu seiner Beruhigung atmete der Mensch regelmäßig und auch sein Herz schlug normal, so dass wohl keine Gefahr bestand. „Was machst du nur immer, Kleiner?“, murmelte der Prinz und hob Evren hoch. Ihn noch immer an sich haltend, setzte er sich mit dem Menschen aufs Bett und klopfte ihm leicht auf eine Wange.

Es dauerte noch ein paar Minuten, bis auch Evren endlich wieder zu sich kam. Sein Kopf schmerzte und das Licht stach in den Augen, deswegen schloss er sie auch gleich wieder. „Man, war das ein Trip“, murmelte er leise und wirkte resigniert. Er hatte sich mehr erhofft als die paar Kilometer. Wie sollte das noch werden?

„Wie geht es dir? Soll ich einen Heiler holen?“ Evren hatte Kopfschmerzen, das konnte Azhdahar spüren, aber er wusste nicht, wie schlimm es für den Menschen war, denn auch beim Schmerzempfinden unterschieden sich die Rassen. Er regelte die Helligkeit in seinem Zimmer, hielt Evren aber weiter bei sich, denn die Nähe schien ihnen beiden gut zu tun.

„Passt schon“, murmelte Evren und öffnete langsam wieder die Augen. Er grinste schief. „Du bist der erste Kerl, der mich im Arm hält. Ist das 'ne Anmache?“ Na ja, wenn er schon wieder blöde Witze reißen konnte, konnten die Schmerzen auch nicht so schlimm sein.

Der Prinz guckte ein wenig irritiert, aber dann grinste er. „Dir scheint es besser zu gehen, als ich dachte.“ Aber wenn Evren gedacht hatte, dass er gleich losgelassen wurde, hatte er sich getäuscht, denn Azhdahar zog ihn noch ein wenig näher. „So wie die Entfernung uns Schmerzen bereitet, so tut Nähe uns gut. Ich fühle mich besser, wenn du in meiner Nähe bist. Ich werde ruhiger. Das ist wirklich anders, denn normalerweise kann ich Nähe nicht sehr gut ertragen.“

„Und normalerweise kriegt von mir jeder Kerl eine zwischen die Beine, der auf die Idee kommt, mich da anzufassen, wo selten die Sonne hin scheint“, sagte Evren, lachte aber leise. Er hatte sich wirklich verändert. Nicht dass er jetzt schwach und devot geworden wäre und dem weiblichen Geschlecht abschwören würde, aber Azhdahar war auf seltsam vertraute Art angenehm. „Ich sollte dir wohl kein Hotelzimmer suchen, sondern dich bei mir aufnehmen.“

„Ich habe nicht angefasst, sondern nur begutachtet und du hast übrigens damit angefangen. Sogar recht gründlich“, lachte Azhdahar. Er strich Evren eine Haarsträhne aus der Stirn und seufzte. „Wir scheinen nicht nur eine körperliche, sondern auch eine emotionale Bindung zu haben, die stärker wird. Als du hier her gekommen bist, konnte ich dich nicht leiden und jetzt etwas mehr als einen Tag später, halte ich dich und finde das vollkommen okay.“

„Willst du mir sagen, dass du in drei Tagen um meine Hand anhalten wirst?“, grinste Evren albern und machte ein schüchternes Gesicht. Doch dann lachte er laut los. Ähnliches wie Azhdahar hatte er auch schon an sich beobachtet. Doch er hatte es darauf geschoben, dass er Azhdahar als einzigen kannte und es ihn deswegen zu ihm hin zog. Doch da war wohl mehr dahinter.

Azhdahar fiel in das Lachen ein und kitzelte Evren ein wenig. „Wirst du denn ja sagen?“, giggelte er leise und allein das würde jemanden, der ihn kannte, an ihm zweifeln lassen. Azhdahar lachte nicht viel und gegiggelt hatte er noch nie.

„Wenn ich oben liegen darf und du nie wieder an mir herum mäkelst, kommen wir ins Geschäft. Aber ich suche die Vorhänge aus, klar?“ Evren schüttelte über sich selbst den Kopf. Das war doch langsam wirklich nicht mehr normal. Aber es machte Spaß und so rollte er nur die Schultern und angelte nach einer Käsekugel, die gerade in Reichweite war.

„Träum weiter, Kleiner. Das wird wohl nichts.“ Azhdahar griff sich ein Kissen und lehnte sich am Kopfende des Bettes an, behielt Evren aber bei sich. Vorsichtig massierte er über dessen Schläfen, damit die Kopfschmerzen nachließen, denn dass er noch welche hatte, spürte er in seinem eigenen Kopf. „Wie weit ist dieses Institut, von dem du geredet hast, von deiner Wohnung entfernt? Und was ist das überhaupt?“

„Institut. Was ist das eigentlich?“ Evren musste selber überlegen, wie er das erklären konnte. „Gute Frage“, murmelte er und machte es sich etwas gemütlicher. Er trug noch immer nur das Hemd und sonst nichts. „Also, es ist eine Art Forschungsstätte. Im Lateinamerika-Institut forschen wir über die alten Völker, um sie besser zu verstehen. Vielleicht solltest du dir das lieber selber angucken. Ich weiß nicht, wie ich das erklären soll“, gab er zu und angelte wieder nach seinem Essen. Er wusste selbst nicht, wann er sich das letzte Mal solch einen faulen Tag gegönnt hatte.

„Ah, deswegen kommst du auch so gut mit Arlan aus. Es ist also so was Ähnliches wie unsere Labore? Warum auch das noch. Konnte nicht ein Kämpfer durch das Portal kommen, mit dem ich dann über die besten Kampfmethoden fachsimpeln kann?“ Azhdahar seufzte theatralisch, aber er meinte das nicht ernst, denn Evren war für einen Wissenschaftler eine wirklich angenehme Gesellschaft.

„Na, höre mal“, plusterte der sich aber trotzdem auf. „Wenn ihr Ringe mitten im Wald aufbaut, durch die Echsen laufen müssen, dann können doch nur neugierige Wissenschaftler durch das Tor kommen und keine Kämpfer. Die sind doch nicht für den Wald gemacht!“ Kopfschüttelnd zog sich Evren endlich seinen Teller heran, weil er sich nicht immer strecken wollte, um an die Nahrung zu kommen.

„Auch wieder wahr. Muss ich dich wohl oder übel behalten. Aber wie machen wir das jetzt? Muss ich mit in dieses Institut und wenn ja, wie wollen wir das erklären, denn als Wissenschaftler werde ich wohl nicht durchgehen.“ Azhdahar klaute sich eine der Kugeln und hob überrascht die Augenbrauen. Das war lecker. Darum nahm er sich gleich noch eine.

„Hallo? Kannst du mal dein totes Tier essen und mir nicht mein Gemüse-Futter klauen? Geht man so mit seinem Hauswissenschaftler um? Nein, tut man nicht.“ Evren raffte seinen Teller an sich und grinste. „Außerdem hätte ich auch lieber eine Katze als einen Drachen - aber ich muss dich behalten. Also sind wir quitt und für das Institut müssen wir etwas finden. Entweder stelle ich dich als einen Verwandten vor, der sich für meine Arbeit interessiert oder ich setze dich für ein paar Stunden in einem Café aus.“ Doch konnte er das? Würde Azhdahar sich benehmen? „Oder ich arbeite von zu Hause, das wird das beste sein!“, war die Essenz seiner Überlegung.

„Das ist aber lecker.“ Azhdahar klaute sich noch eine Käsekugel, aber dann ließ er Evren sein Essen. „Ich weiß zwar nicht, was ein Café ist, aber ich glaube, da möchte ich nicht ständig sein, denn das hört sich langweilig an und wenn ich mich langweile, werde ich gereizt und das wollten wir doch vermeiden. Ich brauche eine Aufgabe. Nach Möglichkeit etwas, wo ich mich körperlich anstrengen muss.“

„Kein Problem, lauf doch einfach - so lange wie ich drinnen bin - draußen immer um das Gebäude. Du kannst ein lustiges Spiel daraus machen und täglich versuchen, deine Rundenzahl vom Vortag zu toppen. Dann hast du dein Training, langweilst dich nicht und kannst hoffentlich auch keinen Blödsinn machen - das wäre doch perfekt oder nicht?“ Evren sah herausfordernd zu Azhdahar und kaute weiter sein Essen.

„Sehr witzig“, brummte Azhdahar. „Evren, für mich ist das weder witzig noch leicht. Ich habe überhaupt keine Ahnung, was mich erwartet. Nur dass ich nicht ich sein darf, weil ich sonst uns beide in Gefahr bringe. Du hast mittlerweile ja wohl mitgekriegt, dass ich nicht gerade leicht zu händeln bin und wenn ich mich unsicher und unwohl fühle, wird es nicht gerade besser.“

„Komm schon“, Evren sah das noch nicht so eng, „noch glauben sie, ich wäre in Mexiko. Lassen wir sie in dem Glauben. Die ersten Tage bleiben wir in der Wohnung, ich gehe nicht von deiner Seite. Wir werden dich schon anpassen. Dramatisiere das jetzt bitte nicht.“ Um Azhdahar abzulenken, stopfte er ihm noch eine Käsekugel in den Mund und grinste. „Aber eines sollten wir noch machen: Du brauchst einen Pass!“ Das fiel ihm gerade siedend heiß ein.

„'N Pasch? Wasch'n das?“, nuschelte der Prinz mit vollem Mund und sah Evren an. Er teilte nicht ganz die Auffassung seines Menschen, aber er musste sich da auf Evren verlassen, denn nur er konnte ihm sagen, was wichtig war. Er schluckte runter und öffnete gleich wieder den Mund. Diese Käsekugeln waren echt lecker. Vielleicht sollte er auch noch Evrens anderes Essen probieren.

Weil er nicht gleich verstand, warum der Prinz den Mund offen hatte, sah Evren ihn etwas undeutbar an. Doch als er verstand, grinste er. „Hey, bestell dir noch eine Portion, das ist meine“, murmelte er, gab aber noch eine Kugel ab. „Und ein Pass ist ein kleines Buch mit einem Foto und deinem Namen und einer Nummer, die dich identifiziert. Jedes Mal, wenn du dein eigenes Land verlässt und in ein anderes willst, musst du den vorlegen. Nicht nur da, überhaupt. Also...“ Evren kam ins Rudern. Zu was brauchte man so ein Ding eigentlich alles?

„Also brauche ich so ein Ding dringend, wenn ich das richtig verstehe. Nur, wo kriege ich einen her? Zeig mal deinen, vielleicht können wir den kopieren.“ Azhdahar hatte da ziemliches Vertrauen in ihre Wissenschaftler. Die bekamen eigentlich so ziemlich alles hin, nur konnte es manchmal etwas dauern, auch wenn er das bei diesem Pass nicht hoffte.

„Öh - ja.“ Evren schob seinen Teller beiseite, stellte ihn dann aber doch lieber aus der Reichweite des Prinzen. Man wusste ja nie. Drüben auf dem Schreibtisch lag sein Rucksack und in dem hatte er immer seinen Pass stecken. Eingeschweißt, damit er auch mal nass werden konnte. Also holte er die Hülle aus der kleinen Tasche am Rücken, öffnete die Folie und kam mit seinem Pass zurück. „Kopieren ginge, aber es müssen andere Namen, Adressen und Zahlen rein. Vom Foto ganz zu schweigen.“

„Kümmerst du dich um die Daten und Namen? Ich denke, mein richtiges Alter würde einiges an Verwirrung auslösen. Nur, wo kriegen wir so ein Foto her und was ist das?“ Azhdahar besah sich den Pass ganz genau und war eigentlich zuversichtlich, dass sie das kopieren konnten. Dabei schielte er immer wieder zu Evrens Teller, aber er beherrschte sich und nahm sich lieber noch etwas von seinem Fleisch.

„Habt ihr nichts, womit ihr Abbildungen auf Papier bringen könnt? Bei uns heißt das Fotoapparat. Warte mal!“ Plötzlich hatte Evren eine Idee und wenn er Glück hatte, dann war auf seiner Kamera noch Strom. Die Akkus der Ersatzkamera waren noch voll, die Speicherkarte leer. Was wollte er mehr? Er holte die Kamera raus, drückte ab und hatte Azhdahar dabei erwischt, wie er gerade die Augen verdrehte. Lachend besah er sich auf dem kleinen Monitor seinen Schnappschuss.

Dem Prinzen hatte nämlich gar nicht gefallen, dass Evren auf einmal wieder so weit von ihm weg war. Darum zog er ihn wieder an sich, damit er auch sehen konnte, was seinen Menschen so amüsierte. „Also, das kommt nicht in meinen Pass“, legte er fest, aber er musste doch schmunzeln. „Früher gab es so was bei uns auch. Mach ein vorteilhaftes Bild von mir. Arlan und seine Kollegen werden das dann schon auf Papier bekommen.“

„Ich weiß gar nicht, was du gegen das Bild hast. Du, halb nackt. Wenn du weibliche Kontrolleure haben wirst, werden sie gar nicht weiter auf die Daten sehen“, lachte Evren, doch leider wusste er nur zu gut, dass heutzutage Fahndungsfotos vorgeschrieben waren, die elektronisch abgleichbar waren. Das Problem war nur, dass er die Richtlinien für Größe Blickwinkel und so weiter gar nicht im Kopf hatte. Doch sie würden schon was zaubern.

„Zieh dir was an, pudere dich ab und mach dir die Haare. Dann mach ich ein Bild von dir.“

„Och, man. Gerade wo es so gemütlich ist.“ Azhdahar zog gespielt einen Schmollmund, aber fügte sich. „Wenn ich mich aber richtig anziehen muss, dann du aber auch. Sonst kommt Arlan nachher noch auf falsche Gedanken.“ Der Prinz nahm ein kleines Gerät auf und gab ein paar Zeichen ein. Er nickte, als oberhalb das Hologramm von Arlan erschien und fragte, was der Prinz denn wollte. Azhdahar erklärte ihm schnell, dass er zu ihm kommen sollte und trennte die Verbindung wieder.

„Schon klar, ich mach mich fertig und du darfst es untersuchen“, lachte er, als Evren schon wieder neugierig näher gekrochen war und versuchte, mehr zu sehen.

„Du lernst schnell“, lachte Evren und beguckte sich die Knöpfe. „Zieh dir bitte etwas Schlichtes an. Kein Gold oder Uniform oder so was. Das gibt nur blöde Fragen“, sagte er mehr nebenbei, den seine Finger huschten schon wieder über die Tasten.

„So was trage ich nicht.“ Erst einmal ging Azhdahar ins Bad, um seine Haare zu trocknen und suchte sich dann ein schlichtes Hemd raus. Die nicht gerade erfreute Stimme seines Vaters, ließ ihn aufhorchen. „Vater“, rief er schnell und nahm Evren das Gerät aus der Hand. Wahrscheinlich hatte Evren beim Rumspielen aus Versehen die Verbindung zum König hergestellt. „Ich wollte dir nur sagen, dass wir wahrscheinlich morgen aufbrechen werden, wenn alles klappt. Du bist bestimmt beschäftigt, bis dann.“ Der Prinz ließ seinen Vater gar nicht zu Wort kommen und trennte die Verbindung. Er sah zu Evren rüber und kicherte. So was hatte er auch noch nie gemacht.

„Uups“, erklärte der Mensch etwas zeitverzögert und grinste ebenfalls. „Der wird froh sein, wenn ich morgen weg bin.“ Evren ließ nun lieber die Finger von dem Gerät. Nicht dass er noch etwas anstellte, was nicht so leicht zu kitten war. Lieber sah er Azhdahar dabei zu, wie der sich in Kleider warf. „Nimmst du eigentlich Klamotten mit oder sollen wir auf der Erde was kaufen?“ Zufrieden rollte sich Evren wieder über das Bett, bis er neben seinem Teller lag.

„Ich werde ganz bestimmt nicht nackt zur Erde reisen und da ich nicht weiß, wann wir dort etwas bekommen, werde ich einiges mitnehmen.“ Ein wenig unentschlossen stand Azhdahar vor seinem Schrank. „Was würde denn auf der Erde nicht so auffallen?“, fragte er und hielt Evren zwei schlichte Hemden hin.

„Ja. So was zum Beispiel. Dazu ein paar Hosen und Unterwäsche. Der Rest kann ja auch gekauft werden. Man kann übrigens auch auf der Erde Dinge von zu Hause aus bestellen und bekommt sie geliefert. Dazu muss man nicht einmal auf die Straße.“ Evren freute sich allmählich darauf, mit Azhdahar zurück zu kehren. Auch der Gedanke, dass er dann nicht mehr allein wohnte und seine Ruhe hatte, störte ihn kaum - etwas, was ihn noch vor kurzer Zeit auf die Palme getrieben hätte.

„Gut.“ Der Prinz zog eines der Hemden an und fuhr sich noch einmal durch die Haare. „Ich bin schon gespannt auf die Erde, sie ist so anders, als ich es gelernt habe, aber gerade das beunruhigt mich auch. Ich weiß gar nichts und die Menschen dort sind vollkommen anders, als die hier, so dass ich nicht weiß, wie ich mit ihnen umgehen soll. Ich habe gerne alles unter Kontrolle und das schaffe ich ja noch nicht einmal bei dir.“

„Tja, für einen Prinzen wird das schwer werden. Wir haben zwar auch noch ein paar Prinzen verstreut über den Kontinent, aber eigentlich nur als… Ach was weiß ich. Deppen eben. Du wirst sie studieren und lernen unter ihnen zu leben, Azhdahar. Menschen sind zwar nicht der beste Einfall der Natur, aber es gibt auch gute Exemplare.“ Unauffällig machte Evren noch ein paar Bilder.

„So wie du über eure Prinzen redest, gefallen sie dir nicht, also warum soll ich so werden wie sie?“ Azhdahar sah Evren ein wenig irritiert an, denn das hatte er jetzt wirklich nicht verstanden. Er sah sich um, denn er wusste nicht, was er für die Fotos machen sollte. „Wie geht das jetzt? Was muss ich machen? Mich irgendwo hinsetzen oder lieber stehen?“

„Wir brauchen einen einfarbigen Hintergrund. Komm mal mit.“ Evren hatte sich schon erhoben und zerrte den Prinzen quer durch das Zimmer, damit er ihn vor der weißen Wand hinter dem Bett platzieren konnte. So musste es gehen. „Bleib da mal stehen, guck ernst, aber nicht böse“, wies er an und versuchte den Prinzen in einem guten Portrait zu erwischen. „Außerdem sollst du nicht wie die Prinzen werden. War nur ein Beispiel. Wir kriegen dich schon gebogen.“ Da war Evren ziemlich optimistisch. Am liebsten würde er gleich gehen und Azhdahar seine Welt endlich zeigen.

„Was? So langsam komm ich bei dem, was du erzählst, nicht mehr mit.“ Der Prinz war ein wenig überfordert und als Evrens Kamera blitzte, zuckte er zusammen und rieb sich über die Augen. „Was war das denn?“, murmelte er und kniff die Augen zusammen, damit das Flimmern weg ging.

„Das war ein Blitzlicht. Das leuchtet das zu fotografierende Objekt besser aus. Wenn du so weit bist, sag Bescheid, wir machen noch eines!“ Evren beguckte sich das Bild. Es war schon ganz annehmbar. Es strahlte Macht und Stärke aus. Irgendwie seltsam. „Ist wohl besser, wenn ich dir erst mal nichts mehr erzähle. Wir lassen das jetzt alles auf uns zu kommen. Nicht dass ich dich noch wirr mache und dann passiert was, nur weil ich dich irre gemacht habe - also mehr irre, als du bist“, lachte er frech und drückte einfach wieder ab, weil er wusste, wie Azhdahar gleich gucken würde.

Der knurrte wie erwartet und so wurde das auch auf die Speicherkarte gebannt. „Wenn du weiterhin so frech bist, werde ich nicht darum herum kommen, dich zu bestrafen“, murrte Azhdahar launisch, aber er grinste dabei, denn irgendwie konnte er Evren nicht böse sein. Seit der Mensch hier war, lachte er viel mehr und ihn brachte nichts mehr so aus der Fassung. „Muss ich weiter stehen bleiben oder haben wir, was wir brauchen?“

„Hm“ Evren sah sich die Bilder, die er hatte, immer wieder an. „Entscheide selber, ob da was Brauchbares dabei ist und denk nicht mal dran, mich zu bestrafen, wenn du nicht auf dem Balkon schlafen willst. Ich habe nämlich bei mir auch nur ein einziges Bett im Schlafzimmer und da lasse ich nicht jeden rein.“ Dass er noch Gästezimmer in seiner Wohnung hatte, musste Azhdahar ja noch nicht wissen. „Dann landest du nämlich im Wirtschaftsraum.“

„Hey, ich bin ein Prinz, also gehört das Bett ja wohl mir und wenn du ein gutes Haustier bist, darfst du an meinem Fußende schlafen.“ Das mit dem Hauswirtschaftsraum überhörte er mal. Denn auch wenn er nicht wusste, was das war, es hörte sich nicht nach etwas an, das ihm gefallen würde. Er ließ sich zeigen, wie er sich die Bilder ansehen konnte und suchte eins aus, dass ihm richtig erschien.

„Wovon träumst du denn nachts? Am Fußende schlafen. Das ist mein Bett und da bestimme ich, wer rein darf und wer nicht. Und wer sich nicht benehmen kann, fliegt raus. So!“ Evren beguckte sich das Bild noch mal und auch er befand, dass man das für einen Ausweis nehmen konnte, ohne Ärger zu bekommen. Wo blieb nur Arlan?

„Üben wir das erst einmal heute Nacht.“ Azhdahar ließ sich wieder aufs Bett fallen und besah sich Evren, der immer noch nur ein Hemd und ein Handtuch trug. „Ach übrigens, ich schlafe immer nackt. Wie sieht das mit dir aus?“

Evren hob eine Braue, weil er noch nicht wusste, was er darauf jetzt sagen sollte. In seinen Ohren klang das ein bisschen wie eine Anmache. Doch er schüttelte den Kopf - das war Blödsinn! Sie standen beide auf Mädels!

„Ich eigentlich auch - aber ich werde wohl was anziehen, nicht dass sich doch noch jemand meinen entzückenden Hintern greift, während ich den Schlaf der Gerechten schlafe“, stellte er klar und grinste lasziv.

„Glaubst du wirklich, das würde mich aufhalten, wenn ich das vorhätte?“ Sie kamen aber nicht mehr dazu, das zu vertiefen, weil es an der Tür klopfte. „Das wird Arlan sein“, rief Azhdahar und sprang auf. „Zieh dir was an, oder willst du, dass Arlan dich so sieht?“, lachte er und klapste Evren auf den Hintern.

„Was hast du gegen meinen Aufzug? Ich finde mich sehr attraktiv. Schämst du dich etwa meiner?“, lachte Evren, doch er verschwand mit einem Stapel Kleider noch einmal im Bad, während der Prinz die Tür öffnete.



12


„Ihr habt nach mir gerufen. Was ist so wichtig?“, fragte Arlan und sah sich suchend um. „Evrens Liste ist bereits abgearbeitet und die Sachen verstaut. Wir konnten alles in einem Koffer unterbringen und man kann ihn noch tragen. Er ist nicht zu schwer“, erklärte er gleich, damit der Prinz wusste, dass er nicht auf der faulen Haut gelegen hatte.

„Gut, nur glaube ich nicht, dass du schon alles hast. Evrens Liste hat sich verlängert, aber deswegen hab ich dich nicht rufen lassen.“ Azhdahar ließ den jungen Wissenschaftler rein und deutete ihm an, sich zu setzen. Er gab Arlan den Pass und setzte sich ebenfalls. „Ich brauche so etwas, wenn ich auf die Erde gehe. Könnt ihr so etwas nachmachen, dass es wie echt wirkt?“, kam er gleich zur Sache. „Bilder, so wie wir es dafür brauchen, haben wir schon gemacht.“

Arlan nahm das kleine, weinrote Buch in die Hände und blätterte darinnen herum. „Leicht wird es nicht, aber wir können versuchen es zu duplizieren. Was ist das? Wofür wird das benutzt?“, fragte er und las sich durch Evrens Daten.

„So wie ich das verstanden habe, braucht man es, wenn man auf der Erde reisen will. Jeder Mensch hat wohl so etwas. Du kannst es aber nicht einfach duplizieren. Evren meinte, die Daten müssten geändert werden, aber da frag ihn lieber selbst.“ Der Prinz bot Arlan etwas zu trinken und zu essen an, denn er wusste, dass die Wissenschaftler das oft vergaßen, wenn sie beschäftigt waren. „Schafft ihr das bis morgen, denn dann wollen wir los.“

Wieder drehte Arlan den Ausweis in den Händen. Ihm fielen die Streifen im Papier und die Wasserzeichen auf. Auch die durchbrochenen Seiten, die die Identifikationsnummer darstellten. „Eine stoffliche Analyse wird uns das Papier herstellen lassen. Das Bild einzufügen sollte kein Problem sein. Aber wenn wir Daten einfügen sollen, muss Evren uns sagen welche.“ Da war sich Arlan zu unsicher, weil er keinen Schimmer hatte, was das alles bedeutete.

„Das wird er. Ich brauche auf jeden Fall ein Geburtsdatum das passt und so viel ich weiß, auch noch irgendeinen Namen. Bei Evren stehen ja auch zwei. Evren Varell.“ Der Prinz machte ein ratloses Gesicht. „Ich muss ihn fragen, was es damit auf sich hat.“ Azhdahar sah sich den Pass noch einmal an. „Wohl auch noch einen Geburts- und einen Wohnort.“

„Na?“ Evren kam gut gelaunt aus dem Bad und rückte sich noch die Hose zurecht. Er hatte sich über seine Jeans ein enges Shirt gezogen. Die Füße waren noch immer nackt. „Ihr seht so ratlos aus? Kann ich helfen?“, fragte er, als er näher kam.

„Arlan wird den Pass wohl machen können, aber du musst ihm helfen“, murmelte der Prinz abgelenkt, denn Kleidung von der Erde hatte er an Evren noch nicht wirklich gesehen. „So was tragt ihr auf der Erde?“, fragte er neugierig und kam näher. Er strich mit den Fingern über das Shirt und die Hose, damit er den Stoff fühlen konnte. „Nicht schlecht. Könnte mir auch gefallen.“

„Ja, das habe ich noch in einer Tasche von meinem Rucksack gefunden. Weiß auch nicht, warum das noch da drinnen war. Aber ich bin nicht böse drüber. So fühle ich mich wohler.“ Evren drehte sich einmal und grinste, warf sich etwas in Pose, doch dann widmete er sich Arlan. „Wo kann ich dir den helfen?“, wollte er wissen.

Arlan blinzelte einmal, als er angesprochen wurde, denn er war völlig in die Beobachtung der beiden Männer versunken. „Was? Wie? Oh… ja, der Pass.“ Arlan versuchte sich zu konzentrieren, aber leicht fiel ihm das nicht, denn Azhdahar schlich noch immer um Evren rum und berührte ihn immer wieder. Das war vollkommen ungewöhnlich. „Wenn ich Daten einfügen oder ändern soll, dann musst du mir sagen welche und wie.“

Evren kratzte sich am Kopf und kam noch näher, damit er Arlan über die Schulter gucken konnte. „Also da wo Evren steht, muss Azhdahar rein. Da wo Varell steht, muss eben der Nachname des Prinzen rein. Hat er so was? Ein Alter sollten wir für ihn noch festlegen, was auf der Erde realistisch ist und dann vielleicht noch einen Ort, wo er geboren sein könnte. Nehmen wir was aus dem Süden oder aus dem Norden?“ Evren wusste das auch nicht so richtig, aber eigentlich war das auch egal.

„Keine Ahnung, nimm etwas, wo es warm ist.“ Azhdahar wusste auch nicht wieso, aber er kam näher, denn es wurde gerade über etwas bestimmt, was ihn auch anging. „Was ein Nachname ist, weiß ich nicht. Ich heiße Azhdahar, mehr nicht. Muss ich so etwas haben? Dann müssen wir uns was ausdenken.“ Er nahm Arlan Evrens Pass aus der Hand und sah sich dessen Geburtsdatum an. „9.8.1976. Wie alt ist das denn?“, fragte er neugierig, denn schließlich wusste er ja nicht, wie das mit der Zeitrechnung auf der Erde funktionierte. „Du bist erst 31 Jahre alt?“, kicherte er, als er hörte, wie alt sein Mensch war und grinste breit. Das ist ja praktisch noch ein Baby.“ Der Prinz kicherte und gab Arlan das Dokument zurück. „Macht mich ungefähr genauso alt, das müsste hinkommen.“

„Pf. Kann ja nicht jeder alt wie sonst was sein und Falten am Hintern haben so wie du!“ Evren fand das gar nicht lustig, dass er noch ein Baby sein sollte und das sah man seinem Schmollen auch an. „An deiner Stelle würde ich mich nicht ärgern, denn ich habe die Macht Dinge in deinen Pass schreiben zu lassen, von denen du erst auf der Erde merken wirst, welchen Ärger sie bedeuten. Sei also lieb zu mir, alter Mann!“

„Wie lieb hättest du es denn gerne?“, fragte Azhdahar mit wippender Augenbraue und zog Evren zu sich. Arlan sah seinen Prinzen nur mit offenem Mund an und konnte kaum fassen, was er sah. Normalerweise kam ein Mann Azhdahar nur so nahe, kurz bevor er bewusstlos zu Boden ging, weil der Prinz ihn besiegt hatte. Aber diese Angst musste Evren wohl nicht haben, wie es aussah.

„Hey, Drachi - so blöd wie ich's brauche, kannst du mir gar nicht kommen. Ich bekomme meine Rache noch, das kann ich dir versprechen“, grinste Evren frech, doch er wehrte sich nicht gegen die ihn einengende Nähe. „Lebe in Angst vor meiner Rache und mach einfach so weiter.“ Evren überlegte sich gerade, wie er Azhdahar das alles heimzahlen könnte und hatte da schon eine Idee - eine gemeine Idee. Aber gut.

„Angst? Ich habe nie Angst. Vor mir sollte man Angst haben.“ Azhdahar veränderte seine Augen und ließ seine Zähne ein wenig wachsen. Die zwei schienen völlig vergessen zu haben, dass sie nicht alleine waren. Arlan verhielt sich mucksmäuschenstill und machte sich geistig Notizen, über das ungewöhnliche Verhalten des Prinzen. Es hatte fast den Anschein, als würde er flirten. „Rrr“, machte der Prinz und tat so, als wolle er Evren in die Nase beißen, aber dann lachte er.

Evren war nicht besser. Es war als würde er auf die Avancen des Prinzen eingehen - lag das nur daran, dass sie Blut getauscht hatten oder war da noch etwas anderes. Arlan wusste, dass es Männer gab, sowohl bei den Menschen als auch bei den Drachen, die sich zu anderen ihres Geschlechts hingezogen fühlten. Doch der Prinz war keiner von denen - er bevorzugte Frauen. Doch mit keiner war er so vertraut gewesen wie mit Evren.

„Ich soll Angst vor dir haben? Träum weiter. Ich erinnere dich daran, wenn ich dich aus dem Gefängnis hole, weil ich dir gesagt habe, man begrüße sich auf der Erde mit: ‚Hallo, du Wichser’.“

„Das würdest du tun?“ Azhdahar ließ Evren los. „Ich dachte, ich könnte dir vertrauen.“ Der Prinz wirkte enttäuscht, aber seine Augen lachten. Er wusste nicht wieso, aber so etwas traute er Evren einfach nicht zu. „Gut, dann werde ich mich benehmen und schnell lernen, damit du mir nicht mehr so etwas erzählen kannst. Aber trotzdem brauche ich noch einen Nachnamen. Ginge Gidoria? Schließlich bin ich der Prinz von Gidoria.“

„Ja, wegen mir - ich muss dich ja nicht heiraten. Und wenn doch, behalten wir bitte meinen Nachnamen. Der macht mehr her“, lachte Evren, wandte sich aber abrupt wieder Arlan zu, der sich wohl ein wenig langweilte, so wie er da abseits stand. „Also, schreib bei Nachname am besten Gidoria, bei Geburtst... ach gib mal her.“ Ehe er das jetzt alles erzählte, zog er aus seinem Rucksack Stift und Zettel und notierte alles, was die Wissenschaftler beim Kopieren verändern mussten, machte auch gleich Vorschläge und reichte das Arlan. „So.“

„Was soll das denn heißen?“, fragte Azhdahar auch gleich, aber er vergaß seinen Protest, als Evren anfing zu schreiben. „28.10.1977. Wie? Ich bin jünger als du?“, knurrte er und knuffte Evren in die Seite. „Das war klar, dass das jetzt sein musste, nur weil ich ein paar Jahre älter bin. Zumindest hast du mir einen Geburtsort verpasst, bei dem ich mir wohl keine Gedanken machen muss, denn du bist da auch geboren.“

„Tja, du siehst eben noch so jung aus, so lange wie du dich noch nicht wandeln kannst. Und so lange du deine Hose anlässt und keiner deine Falten am Hintern sieht, so lange fliegt der Schwindel auch nicht auf“, lachte Evren zufrieden. So weit kam es noch, dass Azhdahar je wieder Baby zu ihm sagen würde.

„Ich habe keinen faltigen Hintern, das weißt du und…“ Azhdahar hielt abrupt inne, als er Arlans Gesicht sah, der sie sehr interessiert beobachtete und räusperte sich. Er hatte ganz vergessen, dass er und Evren nicht allein waren. Was musste der andere Drache nur von ihm denken? „Du solltest dich vielleicht gleich dran machen, damit das bis morgen was wird und Evrens Wunschkiste herbringen lassen, damit er nachsehen kann, ob auch alles da ist.“

Sofort beugte Arlan den Kopf und nickte. Er fühlte sich erwischt. Ob das Folgen für ihn haben würde, so offen beobachtet zu haben? „Natürlich, Prinz, ich werde das sofort veranlassen!“ Er hatte noch nicht zu Ende gesprochen, da war er schon weg. Evren konnte ihm gerade noch hinterher brüllen, dass er ja vorsichtig mit seinem Pass sein sollte, wenn er keinen Ärger haben wollte und ihm die Kamera mit den Bildern in die Hand drücken. Dann war auch schon die Tür zu. Evren starrte das Holz an. „Was ist denn mit dem los?“

„Keine Ahnung. Er war schon immer sehr eifrig.“ Das war nicht ganz gelogen, aber der Prinz hatte den ängstlichen Blick des jungen Wissenschaftlers aufgefangen und konnte sich denken, warum er so schnell weg war, aber das wollte er jetzt Evren nicht erklären. „Jetzt hast du ihm gar nicht gesagt, was du noch mitnehmen willst. Aber das geht auch morgen noch. Das ist schnell eingepackt.“

„Wah - na eben! Das lustige Bildtelefon, damit ich dich von meinem breiten Schlafzimmerbett aus im Wirtschaftsraum anrufen kann, um dir zu sagen, dass du endlich mal das Licht ausmachen sollst. Mist, das muss ich unbedingt noch haben!“ Evren tat völlig entgeistert, doch innerlich grinste er, weil er sich das gerade bildlich vorstellte: Azhdahar lag im Wirtschaftsraum auf einem Kasten Mineralwasser zusammengerollt und schniefte leise, weil er nicht in den Schlaf kam.

„Das werden wir schon mitnehmen. Keine Sorge. Schon allein, damit wir nicht noch mal zurück müssen, wenn es dir auffällt.“ Azhdahar sah auf sein restliches Essen, aber so richtig appetitlich sah das nicht mehr aus, darum bestellte er kurzerhand noch etwas. Diesmal aber vegetarisch, denn die Käsebällchen waren sehr lecker gewesen und dann wollte er auch zu gern das Andere mal probieren. Vielleicht musste er sich ja daran gewöhnen, wenn es bei Evren auf der Erde auch kein Fleisch gab.

Mit einem überraschten Blick bedachte Evren die Bestellung, doch er sagte nichts dazu. „Kann ich mich jetzt wieder ausziehen und ins Bett legen? Habt ihr so was wie Fernsehen? Ein bisschen sinnlose Beschallung zum Abschalten?“ Evren wollte einfach nur noch faul sein und so gar nichts mehr unternehmen.

„Fernsehen? Nein, damit kann ich leider nicht dienen, aber mach es dir ruhig im Bett bequem. Wir lesen viel, aber damit kannst du im Moment noch nicht viel anfangen. Ich könnte dir aber, damit du weißt, wo du gelandet bist über… wie nennst du das? Holographen mehr über Gidoria zeigen.“

„Hologramme“, verbesserte Evren, nickte aber begeistert. Auch wenn er diesen Planeten morgen verlassen würde, konnte noch ein bisschen Wissen trotzdem nicht schaden. „Okay. Mach das.“ Er ließ die Hose wieder fallen und zog sich das Shirt über den Kopf. „Los, komm her!“, befahl er dem Drachen und machte sich über seinen letzten Gemüsebratling her. Das Gewürz, was hier dominierte, kannte er nicht, aber es war angenehm. Ein mildes Brennen auf den Lippen, aber ein süßlicher Geschmack.

„Ja, gleich.“ Azhdahar tippte noch ein, was sie sehen wollten und zog sich dann, genauso wie Evren, aus und legte sich neben ihn. Das Licht hatte er gedimmt und auf der freien Fläche in seinem Zimmer, vor dem Bett, hatte man den Eindruck eines Dschungels, mit allen dazugehörigen Geräuschen. Man hatte fast den Eindruck, wirklich draußen zu sein.

„Das ist so geil. Dann kann ich im Regenwald filmen und es mir dann angucken. Dann kann ich filmen, wie ich auf meinem Drachen fliege und das können wir uns dann zusammen begutachten“, lachte er leise und knuffte Azhdahar in die Seite. Es war bereits selbstverständlich, dass der Drache den Arm um ihn legte und ihn näher zog. „Und jetzt erzähl mir.“

„Dein Drache?“, spöttelte Azhdahar leicht, aber so wie er Evren kannte, kriegte der, was er wollte und würde auf ihm fliegen, egal wie sehr er sich dagegen wehrte. Hoffentlich bekam sein Vater das dann nicht mit. „Also“, fing er an zu erklären. „Der größte Teil von Gidoria ist von Dschungel bedeckt. Nur ein kleiner Teil ist Weidefläche und Acker. Die Menschen leben unten auf der Erde, die Drachen in den Bergen. Die Tiere im Dschungel werden von uns nicht behelligt, außer manchmal zur Jagd, aber das ist selten. Wir jagen eigentlich nur, wenn wir erwachsen geworden sind. Wir müssen dann das Fleisch für die Feier besorgen.“

„Aha.“ Evren nickte und besah sich die Bilder, die langsam an ihm vorbei zogen und durch ihn hindurch liefen. Er hatte mehr und mehr das Gefühl, das Bett stünde mitten zwischen den Ästen. Es war faszinierend! „Seit ein paar Bekloppte drauf gekommen sind, wie hübsch sich Tropenholz doch als Armaturenbrett für ihre Yacht macht, wird der Regenwald auf der Erde immer weiter abgeholzt. Auch um Anbau von Getreide und Viehzucht praktizieren zu können. Ich glaube, je mehr ich hiervon sehe, umso größer wird der Drang, hier zu bleiben.“

„Ist es wirklich so schlimm auf der Erde? Du kannst gerne hier bleiben, ich habe nichts dagegen. Auch wenn unsere Verbindung gelöst werden konnte.“ Ohne es selbst zu merken kraulte Azhdahar durch Evrens Haare. Sie fühlten sich ganz anders an, als seine. Viel weicher und feiner. Er mochte das Gefühl, durch sie hindurch zu fahren. „Wir Drachen essen so gut wie nie, in unserer Drachenform, weil wir dann sehr schnell alle Tiere ausgerottet hätten, auch wenn wir nicht so viele sind, wie die Menschen. Wir leben doch hier und da müssen wir die Natur doch erhalten.“

„Vielleicht war es ein Fehler von euch, die Erde sich selbst zu überlassen. Mittlerweile gibt es zwar ein paar, die begriffen haben, dass Luxus um jeden Preis ziemlich schnell bedeutet, dass nichts mehr da ist, was man verschwenden kann - doch der Großteil macht so weiter. Wohlstand um jeden Preis. Der Mensch ist leider nicht dazu geboren, ein Führer zu sein. Wenn sie Macht haben, werden sie gierig. Eine höhere Instanz wie die Drachen hätten sie klein halten können, als es noch möglich gewesen war.“ Evren wusste genau, was für ein Armutszeugnis er seiner Rasse ausstellte, doch so war es leider.

„Ja, das kann sein, aber damals war es für uns die richtige Entscheidung. Nach den Kriegen waren wir nicht genug, um zwei Planeten zu besiedeln. Wir mussten erst unseren Planeten wieder zum Blühen bringen. Die Kriege haben Fürchterliches angerichtet.“ Azhdahar zog Evren noch ein wenig näher. Es war für ihn bestimmt nicht einfach, ihm das alles zu erzählen und somit die Menschen in kein gutes Licht zu rücken. „Wenn wir wieder hier sind, sollten wir wirklich überlegen, wie wir das wieder bereinigen können.“

„Mir kämen da spontan ein paar Ideen, aber alle nicht legal“, murmelte Evren und wollte darüber auch nichts mehr sagen, nicht mehr drüber nachdenken. „Zeig mir einfach mehr von Gidoria und wo ich leben werde, wenn wir zurückkehren.“ Verträumt streckte Evren seine Hand nach den Blättern des Hologramms aus und lächelte. Das war einfach herrlich - so was brauchte er auch für sein Schlafzimmer - es war entspannend.

„Ja, machen wir uns erst darüber Gedanken, wenn wir wieder hier sind, denn dann habe ich selber einen Eindruck von der Erde bekommen.“ Azhdahar sah zu Evren rüber und musste bei dessen Gesichtsausdruck lächeln. Er hatte noch nie jemanden gesehen, der sich für so etwas alltägliches, wie dieses Hologramm, wie Evren es nannte, begeistern konnte. „Wenn dir das hier schon gefällt, dann sollte ich dir unsere Welt wohl einmal zeigen. Den Dschungel, die Ebenen, die Seen, die Berge und das Meer. Wenn ich dann endlich erwachsen bin, lasse ich dich vielleicht sogar mit mir fliegen.“

Nun konnte sich Evren ein Grinsen doch nicht mehr verkneifen und er tätschelte Azhdahar die Wange. „Brav!“, lachte er leise und rollte sich noch ein bisschen zu Recht. Er konnte sich kaum erinnern, wann er das letzte Mal so gefaulenzt hatte. Selbst daheim war er meistens mit Übersetzungen und Büchern unterwegs, lud sie sich in die Datenbank seiner Wohnung, damit er sie sich sogar auf dem Monitor im Bad abrufen und weiter arbeiten konnte. Man hielt ihn immer für einen Workaholic - wer ihn jetzt sah, würde ihn kaum erkennen.

Der Prinz wirkte ein wenig irritiert, denn außer seiner Mutter wagte niemand mehr, ihm die Wange zu tätscheln, aber dann zuckte er innerlich mit den Schultern. Evren war eben ein Fall für sich. Er hatte keine Angst vor ihm und sah in ihm nicht den Prinzen, dem man Respekt zollen musste. „Also ärger mich besser nicht, wenn du einmal auf einem Drachen fliegen möchtest. Wie sagtest du so schön? Sei besser lieb zu mir.“

„Hey, ich bin immer lieb zu dir“, lachte Evren, denn sie wussten beide, dass das definitiv nicht der Fall war. Doch was sollte es? Sie hatten einander am Bein. Das bierernst zu nehmen tat nicht gut. „Und jetzt zeig mir noch ein bisschen was, damit ich gern wieder hier her zurückkomme, wenn wir auf der Erde fertig sind.“

Aber bevor Azhdahar Evrens Wunsch nachkommen konnte, klopfte es an der Tür und das Essen wurde gebracht. Der Leibdiener des Prinzen zögerte kaum merklich, als er seinen Herrn mit dem Menschen auf dem Bett liegen sah. Praktisch nackt und in inniger Umarmung. Seine Verwirrung war ihm deutlich anzusehen, aber Azhdahar sah keinerlei Veranlassung dazu, etwas zu sagen. Die Gerüchteküche lief sowieso schon auf Hochtouren, denn seit gestern verhielt er sich anders als sonst.

„Das Essen, Herr“, sagte er und stellte schnell das Tablett auf den Servierwagen, der noch immer neben dem Bett stand, nahm schnell das nicht mehr gebrauchte Geschirr und verließ das Zimmer.

„Der hat aber komisch geguckt“, murmelte Evren, konnte sich aber beim besten Willen nicht vorstellen, was dem Diener aufs Gemüt geschlagen sein könnte. Lieber erhob er sich und zog den Wagen neben sich zum Bett, damit er bequem zulangen konnte.

„Schließlich hat er auch noch nie gesehen, dass ich mit einem Mann im Arm im Bett liege“, grinste Azhdahar und zog Evren wieder zu sich. „Wenn ich es recht bedenke, hat er mich noch nie so gesehen, auch nicht mit einer Frau, weil so etwas bisher noch nie vorgekommen ist.“ Irgendwie war das schon merkwürdig. Es war ja nicht so, dass er keinen Sex hatte, denn eigentlich hatte er den sehr oft, aber das war es auch schon. Hinterher zusammen kuscheln, oder einfach nur zusammen liegen und zu reden oder so etwas, hatte er nie gemacht, weil er das einfach nicht wollte. Das war ihm eindeutig zu viel Nähe gewesen.

„Na, da fühl ich mich gleich mal richtig geschmeichelt“, lachte Evren und klimperte mit den Wimpern. „Dass mein Liebling mich noch nicht aus dem Bett geschmissen... Moment, Sex fällt aus, solange du nicht unten liegen willst. Nur damit das noch einmal klar gestellt worden ist.“ Dann griff sich Evren die entschieden größer gewordene Portion von dem frittierten Käse und fing an sie zu essen, ehe Azhdahar wieder seinen Anteil einforderte.

„Das werden wir noch sehen, Schatz“, knurrte Azhdahar und zwickte Evren mit den Zähnen in den Hals. Er hatte sie ein wenig spitzer werden lassen, damit sein Mensch das auch spürte. Als wenn nichts gewesen wäre, nahm er sich eine Schale mit Gemüse. So was aß er selten, auch wenn er es eigentlich mochte, denn sein Körper brauchte Fleisch.

Reflexartig rieb sich Evren den Biss und sah Azhdahar forschend an. Warum er selbst sich das gefallen ließ, ohne angewidert die Flucht zu ergreifen, war Evren ein Rätsel, doch er schob das alles auf ihre Verbindung. Er sah Azhdahar wohl nur als Person, nicht als Mann im erotischen Sinne. Also kaute er weiter seine Käsekugeln, die er zur Abwechslung einmal in den gereichten Dipp tauchte. Es schmeckte ein bisschen nach Curry, sehr angenehm.