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Ein Kätzchen für Oma Hilde - Teil 21 bis 23

21

Es war noch dunkel, als Maung langsam wieder zu sich kam. Er fühlte sich ruhig und ausgeglichen und so räkelte er sich im Halbschlaf und drängte seine Hände gegen Romans Brust, wie eine junge Katze, die den Milchfluss der Mutter anregen wollte. Immer wieder drückte er vorsichtig und kuschelte sich dann erneut näher. Er hatte sich lange nicht so gut gefühlt und so rollte er sich plötzlich über das Bett. Dass er Roman dabei seiner Decke beraubte, bemerkte er nicht, grinste nur dümmlich und schnurrte laut.

Es dauere nicht lange und Roman brummte leise. Ihm wurde kalt und ihm fehlte etwas. Seine Hand tastete über das Bett, bis sie etwas Warmes berührte. Er rückte näher und kuschelte sich an die schnurrende Wärmequelle. Er lächelte im Schlaf und schlang seine Arme um Maung. Er fühlte sich gut und er seufzte leise. Maung wurde langsam wacher und als er merkte, dass Roman in dem kalten Zimmer immer noch ohne Decke lag, dröselte er sich im Halbschlaf wieder aus seiner Beute und legte sie über sie beide, damit er sich besser an Roman schmusen konnte. Es war der Himmel auf Erden.

„Liebe dich“, murmelte Maung leise und schloss die Augen wieder. Mittlerweile war er gänzlich unter der Decke verschwunden und seine Lippen strichen suchend über Romans Brust.

„Dich auch“, murmelte Roman mehr schlafend als wach. Seine Finger streichelten aber schon über Maungs Rücken und griffen sich schließlich den Schwanz. Er mochte das Gefühl, wie die weichen Haare durch seine Finger glitten. Die weichen Lippen auf seiner Haut weckten ihn langsam und er streckte sich den Küssen entgegen.

Maungs Schnurren wurde zu einem lustgetränkten Stöhnen, denn der Schwanz, vor allem der Ansatz zum Rücken, war eine seiner empfindlichsten Zonen. Noch nicht einmal richtig wach und schon wieder auf dem Weg zu den höchsten Höhen - das war wie im Traum, nur erfüllender. Er konnte nichts dagegen tun, dass seine Beine sich um Romans Hüften schlangen und er seinen Geliebten so auf den Rücken drückte, um auf ihm zum Sitzen zu kommen.

Erst jetzt öffnete Roman seine Augen und sah Maung liebevoll an. „Guten Morgen, mein Schatz“, sagte er leise und zog Maung zu einem Kuss zu sich runter. Er war glücklich, etwas anderes konnte er nicht sagen und darum drückte er Maung fest an sich. Seine Hände streichelten über den Rücken des Katers und verirrten sich immer wieder zur Schwanzwurzel, damit er das leise Stöhnen hören konnte, das ihn schon die letzte Nacht verrückt gemacht hatte.

„Roman“, seufzte Maung immer wieder bettelnd in ihren Kuss, denn diese Berührungen machten ihn wahnsinnig. Er bog den Rücken weit ins Hohlkreuz, um jede noch so kleine Berührung zu spüren und küsste Roman ausgehungert. Das war unbeschreiblich, endlich zu haben, was er begehrte, seit er hier war. Maung war mehr als zufrieden, befriedigt wie noch nie zuvor und so zog er seine Nägel vorsichtig über Romans Seiten. Seine Ohren wackelten aufgeregt.

Roman bog sich ihm entgegen und schloss genießend die Augen. Maung hatte viel zu schnell rausbekommen, wie er ihn verrückt machen konnte. „Kleines Biest“, knurrte er leise und drehte sich mit Maung so, dass er jetzt über ihm lag. Liebevoll sah er auf seinen Freund runter und küsste ihn zärtlich. „Geht es dir gut?“, fragte er leise, denn er hatte die letzte Nacht ziemlich die Kontrolle über sich verloren.

„So gut wie noch nie in meinem Leben“, schnurrte Maung und bog den Rücken wieder durch, brachte so sein Becken gegen Romans Bauch, der spüren konnte, wie gut es dem Kater ging. Und endlich schlug er die Augen auf, lächelte Roman verliebt an. „Du hast mich sehr, sehr glücklich gemacht. Ich finde, ich sollte dir das ruhig einmal sagen.“

Roman schloss verlegen die Augen und wurde etwas rot. Das war alles neu für ihn. Nicht nur einen Mann zu lieben, sondern überhaupt zu lieben. „Du mich auch“, murmelte er schnell und zog Maung zu einem Kuss zu sich, um seine Verlegenheit zu überspielen. Seine Finger strichen durch die weichen Haare und zupften an den Ohren.

Maung kicherte leise, weil er nur zu deutlich spüren konnte, wie verlegen Roman war und das machte ihn noch liebenswerter. „Am liebsten würde ich dich heute gar nicht aus dem Bett lassen, aber deine Patienten brauchen dich wohl, hm?“, fragte er mit belegter Stimme, denn es fiel ihm schwer, sich vorzustellen, dass er Roman die nächsten Stunden wieder teilen sollte. Verliebt spielten seine Finger mit den blonden Strähnen.

„Ja, leider.“ Roman ging es nicht anders. „Aber nur noch heute und morgen, dann ist Pascal wieder da und übernimmt seine Praxis wieder.“ So hatte er noch eine Woche Urlaub bis Weihnachten und die brauchte er auch, denn bisher hatte er erst die wenigsten Weihnachtsgeschenke besorgt. Das war bei ihm aber normal, denn er kaufte sie jedes Jahr auf den letzten Drücker, auch wenn er sich jedes Mal vornahm, das zu ändern. Doch dann kam der Januar und der Februar und er sagte sich: Das hat noch Zeit. Im Sommer dachte sowieso keiner an Weihnachten, dann kam der Oktober und man fing langsam an darüber nachzudenken. Doch erst unter Zeitdruck machte er sich dann wirklich auf. Jedes Jahr aufs Neue.

„Schade, aber nicht zu ändern“, schnurrte Maung und wackelte mit den Ohren, entwand sie so immer wieder Romans Fingern und lachte leise dabei. „Ich weiß nicht, ob es gut ist, wenn ich mit in die Praxis komme. Aber der gestrige Tag ohne dich hier, das war die Hölle“, gestand er leise und schloss wieder die Augen. Rote Schatten lagen auf seinen Wangen.

„Komm mit“, sagte Roman ohne viel nachzudenken. Er wollte Maung in seiner Nähe haben. Es war bestimmt nicht förderlich, wenn er sich ständig Sorgen darum machte, ob es Maung gut ging. Außerdem wollte er die Möglichkeit haben, seinen Freund zu umarmen und zu küssen, wenn er es brauchte. Er strich Maung über die Ohren und musste lachen. Sie benahmen sich albern, aber das war wohl normal bei Frischverliebten.

„Okay. Aber komm mich ab und an besuchen und du musst mich küssen, weil ich sonst ganz traurig werde und deprimiert. Meine Ohren werden kläglich herunter hängen“, murmelte Maung, immer wieder von kleinen Küssen unterbrochen. Er weigerte sich, Roman aufstehen zu lassen, auch wenn sie beide eine Dusche bitter nötig hätten. Maung hatte immer noch den Duft ihrer Erregung der letzten Nacht in der Nase und es war nicht gerade förderlich dabei, sich abzukühlen und aus dem Bett zu bewegen, um den Tag zu beginnen. Maung war nämlich der Meinung, dass der Tag schon ein großer Tag war und auch ganz gut ohne sie beginnen konnte.

„Ich werde so oft zu dir kommen wie ich kann und in der Mittagspause kuscheln wir uns mit den Kurzen zusammen und schmusen.“ Roman legte sich neben Maung und schnuffelte mit seiner Nase durch die Haare seines Freundes. Er konnte noch ein wenig liegen bleiben, aber nur noch ein paar Minuten. Er wollte Maung gerade küssen, als es unten an der Haustür schellte. Erschrocken zuckte er hoch und fragte sich, wer sie zu so früher Morgenstunde aus dem Bett schmiss.

„Nich geh'n“, nuschelte Maung und klammerte sich an Roman fest. Egal wer es war, er sollte wiederkommen, wenn es hell war. Und wenn es der Tag war, der beginnen wollte, dann sollte er schon einmal ohne sie anfangen, sie würden später dazu stoßen. Nicht jetzt. Das Bett war so schön warm und Romans Duft hüllte Maung ein. Das konnte und wollte er unmöglich aufgeben.

So wie Maung an ihm klammerte, war Roman gewillt, den Besucher einfach draußen stehen zu lassen, hatte aber nicht mit der Hartnäckigkeit ihres Besuchs gerechnet. Immer wieder wurde der Klingelknopf gedrückt und so löste Roman sich schließlich doch von Maung und gab ihm noch einen kleinen Kuss. Er schlüpfte in eine Jeans und machte sich auf den Weg nach unten. Jetzt konnte er auch hören, wer draußen stand, denn Martina maulte vor der Tür rum, dass er sich gefälligst beeilen solle, weil ihr kalt war. Sie klopfte und klingelte so lange, bis die Tür endlich geöffnet wurde. „Meine Güte, was dauert denn so lange?“, knurrte sie und drückte Roman frische Brötchen in die Hand, während sie durch die Tür ins Warme schlüpfte und als erstes die drei meckernden Kätzchen aus ihrer Kiste ließ. Die hatten nämlich auch miese Laune nach der Fahrt im kalten Auto.

„Wie riechst du denn?“, knurrte Martina, doch dann ging die Lampe bei ihr an und sie grinste von einem Ohr zum anderen. Hatte sie etwa gerade bei etwas Spannendem gestört? Da kam sie ja gerade richtig. Sie lachte noch viele lauter, als sie Maung oben jammern hörte, er wäre so allein, ob das nicht jemand ändern wollte. Wollte auch jemand, denn Tsuki war schon auf dem Weg nach oben.

Roman brummte verstimmt und sah Tsuki hinterher. So hatte der Morgen nicht laufen sollen. Eigentlich sollte er jetzt bei Maung schmusend im Bett liegen und keine kalten Füße auf den Fliesen bekommen. „Mach schon mal Kaffee“, seufzte er ergeben und gab die Brötchen an Martina zurück. Dann setzte er Tsuki hinterher und fing ihn auf der letzten Stufe ab. Mit ihm auf dem Arm betrat er das Schlafzimmer und grinste. „Deine Lieblingsmänner sind da.“

„Ach, war es Martina?“, fragte Maung und setzte sich auf, streckte dabei seine Arme nach den beiden aus, die langsam auf das Bett zukamen. „Tsuki, süße Maus. Da bist du ja wieder.“ Maungs Augen strahlten und als er Roman ansah noch viel mehr. Ihm wollte das Herz im Leib zerspringen vor Glück und er zog Roman zu sich, um ihn zu küssen, während er Tsuki kraulte und beschmuste.

So konnte Roman nicht antworten, aber das musste er auch nicht, denn Maung konnte Martina unten in der Küche singen hören. „Wenn du nicht willst, das sie gleich hoch kommt, sollten wir aufstehen“, murmelte Roman zwischen den Küssen, drückte Maung aber entgegen seiner Worte wieder zurück in die Kissen und streckte sich halb auf ihm aus, ohne Tsuki zu zerquetschen. Doch der hatte schon wieder die Chance genutzt unter die Decke zu kriechen und zu schlafen. Es war nämlich noch mitten in der Nacht und er noch ziemlich müde.

„Ja, sollten wir“, nuschelte Maung und küsste Roman weiter. Seine Hände lagen auf dem straffen Hintern seines Freundes und massierten ihn fest.

Schließlich durfte er das jetzt und sein Freund hatte auch nichts dagegen, denn Roman rückte noch etwas näher und seufzte zufrieden. Martina und die Kurzen waren aus seinem Kopf gefegt, kamen aber schlagartig wieder, als acht krallenbewehrte Pfötchen auf seinem Rücken landeten. „Was ist denn hier los?“, kicherte Martina, die neben dem Bett stand und interessiert beobachtete, was dort passierte. Und es passierte eine Menge:

Tsuki kam wieder unter der Decke vor und meckerte.

Maung machte große Augen und blieb wie erstarrt liegen, nur seine Hände hatten sich in Romans Hintern verkrallt.

Roman hingegen buckelte wie ein wildes Pony, weil die Krallen wehtaten.

Und die Besitzer der Krallen sprangen zu ihrem Bruder aufs Bett.

„Martina?“, murmelte Maung und blinzelte.

„Guten Morgen, Süßer. Und das es ein guter Morgen ist, kann ich sehen“, grinste sie und ihr Blick wanderte demonstrativ zu Maungs Händen. „Los ab unter die Dusche mit euch – ihr müffelt. Das Frühstück ist fertig und dein Schatz muss zur Arbeit.“ Sie konnte es einfach nicht lassen. Dazu machte das hier einfach viel zu viel Spaß.

„Geh weg“, murmelte Maung und grinste, damit Martina wusste, dass das nicht so gemeint war, wie es vielleicht klang. Er wedelte mit einer Hand nach ihr und zog Roman fester auf sich, schlang noch ein Bein Besitz ergreifend um ihn und schleuderte damit die Decke auf den armen Tsuki. Langsam merkte er, was ihm gefehlt hatte und ließ es passieren. So war er wenigstens für ein paar Augenblicke vor seinen nervigen Geschwistern sicher.

„Ja sicher, ich gehe weg und ihr bleibt einfach liegen. Nix da.“ Martina grinste teuflisch und Roman, der zu ihr hochsah, zog den Kopf ein. Das kannte er schon von früher. So guckte seine Freundin immer, wenn sie etwas ausheckte und meist hatte es ihm nicht gefallen. „Ich gebe euch fünf Minuten, dann bin ich wieder da, mit einem Eimer kaltem Wasser. Also wenn ihr nicht so sauber werden wollt, geht duschen“, lachte sie und ging aus dem Raum. Sie hatte heute schon mehr nackte Männerhaut gesehen, als gut für sie war.

„Hm.“ Maung war froh, als sie wieder alleine waren, doch die drei kleinen Katzen gönnten ihm keine Ruhe mehr. Sie turnten auf ihnen herum, meckerten und knurrten, weil es nämlich vor dem Auto fahren noch kein Futter gegeben hatte. Ziemlich schändliche Behandlung, das. Maung versuchte noch eine Weile, sie zu ignorieren, doch als ihm Lucky ins Ohr zwickte, schoss er hoch und fauchte. Der Kleine aber guckte, als könnte er kein Wässerchen trüben.

„Dein Kater“, maulte Maung anklagend und lachte leise. Sie waren albern, sehr sogar. Und das mochte er.

„Ja, meiner.“ Roman küsste Maung aufs Ohr und griff sich Lucky. „Hallo Rabauke“, begrüßte er den kleinen Kerl und hob danach auch Feli hoch, damit die junge Dame sich nicht vernachlässigt fühlte. „Unsere Familie“, sagte er leise und war sich sicher, dass Maung diesmal keine Einwände mehr hatte. „Du natürlich auch“, grinste er zu Tsuki, der unter der Decke hervorguckte und maunzte.

Maung wollte gerade noch etwas sagen, als er Martina drohen hörte, sie würde schon Wasser in den Eimer lassen. So knurrte der Kater leise und holte tief Luft. „Na los, Schatz. Ergeben wir uns in unser Schicksal und hoffen, dass der Tag schnell vorbei ist und wir wieder zu Hause sind.“ Wie sie das dann allerdings mit den drei hinterlistigen Störenfrieden regelten, wusste Maung noch nicht. Aber er knuddelte sie erst einmal, denn sie hatten ihm irgendwie auch gefehlt.

„Dann lass die drei los. Ich geh nicht alleine duschen“, lachte Roman. Er nahm Maung die Kätzchen aus dem Arm und setze sie auf dem Bett ab. Dann zog er seinen Freund zu sich und stand mit ihm zusammen auf. „Oder du lieber nicht?“, fragte er, weil ihm wieder einfiel, dass Maung und Wasser keine Freunde waren.

„So wie ich rieche, bleibt mir nicht anderes übrig.“ Doch wenn man seinen Freund liebte und von ihm geliebt werden wollte, musste man Opfer bringen. Also warf er die Decke über die drei Kurzen und ließ sich von Roman ins Bad ziehen. „Wir gehen duschen!“, brüllte er nach unten zu Martina, nicht dass die doch noch mit dem kalten Wasser kam. Allein der Gedanke daran ließ Maung erschauern.

„Ist ja auch kein Wunder nach dieser Nacht.“ Roman zog die Badezimmertür hinter ihnen zu und Maung an sich. Ein Kribbeln lief durch seinen Körper, als er unwillkürlich zurückdenken musste. Diese Nacht war das Unglaublichste gewesen, was er bisher erlebt hatte und er hatte schon einiges erlebt. „Ich liebe dich“, sagte er leise und es war das erste Mal, dass er diese Worte aussprach.

Maung strahlte und ließ sich wieder in die Arme seines Freundes sinken, knurrte aber, als er Martina vor der Tür hörte, die ihnen erklärte, dass sie nicht ewig Zeit hätten und sie sich vielleicht etwas beeilen sollten. Egal wobei sie gerade wären.

„Mensch, Tina!“, knurrte Maung, weil die Stimmung hinüber war, grinste aber. Sein Blick lag auf der Dusche und dem Wasser, was schon in die Duschwanne rauschte, weil Roman die Temperatur für seinen Kater angenehm einstellen wollte. Wenn er sich schon überwand, nass zu werden, dann bitte so erträglich wie möglich.

So ließ er sich auch bereitwillig ziehen, als Roman in die Dusche stieg. Als die ersten Tropfen auf Maung fielen, hatte Roman schon das Duschgel zur Hand und verteilte es auf den Schultern seines Freundes. So etwas war für Roman vollkommen neu, da er solch eine Nähe bei seinen Affären nie zugelassen hatte. Langsam strichen seine Hände über Maungs Arme und verteilte den Schaum. Maung ließ es geschehen und drängte sich immer wieder gegen Roman. Doch leider hatten sie nicht ewig Zeit und zu lange wollte Maung sich dem Wasser auch nicht aussetzen. Nur weil es notwendig war, hieß das noch lange nicht, dass sie nun Freunde waren. Das würden sie nie. Dafür war er zu viel Katze.

In einen Bademantel gehüllt kam er aus dem Bad, vor dessen Tür schon wieder vier standen und warteten. „Kaffe wird kalt!“, erklärte Martina zufrieden und stieg wieder nach unten, gefolgt von den Halbverhungerten.

„Geh schon runter, ich zieh mir nur was an und bin dann auch gleich da“, sagte Roman und ging nackt, wie er war, in sein Zimmer. Dem, was gleich kam, stellte er sich lieber komplett bekleidet. Er kam nur kurz nach Maung in der Küche an und als erstes gab er den Kurzen Futter, damit sie nachher halbwegs ruhig frühstücken konnten.

„So“, sagte Martina gedehnt und die beiden jungen Männer ahnten, was nun folgen würde. Maung zog schon den Kopf zwischen die Schultern und sah sie lauernd an. „Jetzt mal Butter bei die Fische. Habt ihr mir etwas zu sagen?“ Sie sah von Maung zu Roman und wieder zurück und machte das so lange, bis einer von beiden endlich mal den Mund aufmachte.

„Nö“, versuchte Roman es, auch wenn er wusste, dass es nichts brachte. Wenn Martina eine Fährte aufgenommen hatte, war sie wie ein Bluthund und gab nicht auf. Aber er wollte sie noch ein wenig zappeln lassen und nahm sich erst einmal Kaffee. Dabei sah er aus den Augenwinkeln, wie seine Freundin die Backen aufblies und etwas sagen wollte. „Wir sind zusammen“, sagte er beiläufig und sah dann lächelnd zu Maung.

„Ach, da wäre ich jetzt gar nicht drauf gekommen“, sagte Martina und schüttelte lachend den Kopf, doch sie ließ es dabei bewenden. Vielleicht war Roman später einmal etwas gesprächiger oder sie krallte sich gleich mal Maung. „Aber ich freu mich für euch und hoffe, dass ihr die nächsten Tage ausgeglichener seid als die letzten.“ Schlimmer ging es ja schließlich fast nicht mehr. Sie lächelte Maung an und wuschelte ihm durch die nassen Haare. Der Kater wirkte sehr zufrieden, das war gut.

Viel Zeit hatten sie nicht mehr, darum wurde es nur ein kurzes Frühstück. Roman packte die Kurzen wieder in ihren Korb, trotz Protesten. Da konnten sie noch so viel strampeln. Bei der Sicherheit seiner Süßen kannte er gar nichts. Maung zog sich währenddessen an und stand nun lächelnd neben Roman, der die Kätzchen auf den Rücksitz stellte. Martina beobachtete Maung und Roman heimlich, als sie sich vor der Fahrt noch einmal küssten und konnte sich ein Seufzen nicht verkneifen. Das war so süß. Und als würde der Himmel den Kitsch noch ein bisschen pflegen wollen, fing es wieder an zu schneien - dicke, weiche Flocken fielen aus dem schwarzen Himmel, denn es war noch immer dunkel draußen.

„Na los!“ Maung drückte sich in den Sitz und dann ging es endlich los. Martina folgte in ihrem Wagen durch die morgendliche Stadt.

In seinem Zimmer in der Praxis richtete sich Maung wieder mit den Kätzchen ein und so wie die letzten Tage auch, kam Roman so oft zu ihm, wie es ihm möglich war. In der Mittagspause bekam Martina dann endlich ihren Bericht, wie Roman und Maung doch endlich zusammen gefunden hatten. Das hatte sie auch wirklich verdient, wie sie fand, denn schließlich hatte sie einiges auf sich nehmen müssen, damit es endlich soweit kam.

Nach der Mittagspause wurde es noch einmal stressig, denn sie bekamen ein paar Notfälle rein, die viel Zeit kosteten und leider hatte Roman auch einen Kampf verloren. Eine seiner Patientinnen hatte er nur noch erlösen können und das ging ihm immer sehr an die Nieren.

Darum war es später als gewöhnlich, als sie die Praxis schlossen und Zuhause verbrachten sie einen gemütlichen Abend mit ihren Kleinen, was Roman schnell den Praxisstress vergessen ließ.

Der Freitag verlief ähnlich und Roman war etwas traurig, dass seine Vertretung schon zu Ende war. Die Arbeit hatte ihm Spaß gemacht, aber er war sich sicher, dass der Kontakt zu Martina nicht abreißen würde, wenn er und Maung wieder in Hannover waren.



22

Maung werkelte in der Küche herum, weil er seinen Schatz mit einem Glühwein verwöhnen wollte und Roman musste schmunzeln, als er den Kater murmeln und brummeln hörte, weil es ihm nicht schnell genug ging. Was brauchte dieser blöde Ofen auch so lange zum warm werden? Und was bildete diese Orange sich ein, sich einfach vor der letzten Schälung unter dem Tisch verstecken zu wollen? So verschwand Maung auf ihrer Spur, so dass nur noch der Schwanz zu sehen war und dann war er fluchend wieder da und machte der Apfelsine ein schnelles Ende. „So!“

Doch endlich war es geschafft und mit zwei Gläsern seines Erfolges kam Maung zurück ins Wohnzimmer, wo Roman gerade die sich ausbreitenden Kätzchen zusammen schob, damit Maung Platz hatte auf der Couch.

Lächelnd sah Roman ihm entgegen und für ihn war klar, dass er den Wein auf jeden Fall köstlich fand, egal, wie er auch schmeckte. Maung hatte sich solche Mühe gegeben. „Danke, Schatz“, sagte er lächelnd und nahm sein Glas entgegen. Er schnupperte und an dem Duft gab es nichts auszusetzen. Er wartete, bis sein Freund neben ihm saß und probierte dann. Überrascht riss er die Augen auf und nahm gleich noch einen Schluck. „Lecker“, murmelte er begeistert und das war nicht gelogen. Der Glühwein war wirklich köstlich.

„Freut mich, wenn's dir schmeckt“, sagte Maung und hatte seine eigene Tasse in den klammen Händen. Morgen kamen schließlich Romans Eltern und auf deren Urteil war Maung gespannt, genau genommen war er nicht nur gespannt, er hatte Angst davor und um sein Katerchen abzulenken hatten sie zusammen im Internet Glühweinrezepte gesucht und schlussendlich eines ausgewählt, für dass sie nicht noch extra hätten einkaufen müssen. So war wieder eine Stunde um und kaum dass Maung saß, hatte er wieder die Uhr im Auge.

„Komm her, Süßer.“ Roman legte einen Arm um Maung. Er konnte seinen Freund ja verstehen. Wahrscheinlich hätte er in der gleichen Situation genauso viel Angst. „Sie werden dich mögen. Besonders meine Mutter. Du bist niedlich, da kann sie gar nicht anders.“ Er hatte Maung das schon oft heute gesagt, aber der war noch nicht überzeugt. „Ich werde dich wahrscheinlich immer aus ihren Armen reißen müssen, wenn ich mit dir schmusen möchte“, lachte Roman und küsste Maung aufs Ohr.

„Na du bist ja optimistisch. Aber du weißt schon, dass ich anders aussehe?“, fragte der Kater skeptisch, denn wegen seines Andersseins machte er sich die meisten Sorgen. Was, wenn Romans Eltern ihren Fehler bemerkten und auf Teufel komm raus ihr Geld zurück haben wollten? Was passierte dann? Dann musste er sich von Roman trennen und der Gedanke war furchtbar. Und deswegen stellte Maung seine Tasse ab und griff sich den unvorsichtigen Tsuki, der auf einem der guten Kissen lag und döste.

„Liebling, meine Eltern werden so etwas nicht machen und wenn das ganz Unwahrscheinliche passieren sollte, dann gebe ich ihnen das Geld, was sie für dich bezahlt haben. Ich gebe dich nicht mehr her, egal warum.“ Roman zog Maung auf seinen Schoß und dessen Gesicht zwischen seine Hände. „Du kannst nicht zurückgegeben werden. Das steht im Vertrag. Ich habe das nachgelesen, an deinem ersten Tag.“ Er küsste seinen Freund sanft und grinste dann. „Da wollte ich dich nämlich zurückgeben, nachdem du mich gekratzt hast.“

„Unverschämtheit. Mich erst mit Katzenfutter vergiften und dann auch noch mich abschieben wollen. Du kannst ja ein Halter sein“, empörte sich Maung gespielt, grinste dann aber. Er zog seinen Pullover etwas gerade und sah Roman verschämt an. Es war ein warmes Gefühl, dass sein Freund ihn nicht mehr hergeben wollte und so strahlte der Kater mit roten Wangen. „Aber Schnitzel braten kannst du“, lenkte er ab, weil er sich schämte.

Roman lachte und umarmte Maung fest. So gefiel ihm sein Freund schon viel besser. „Ich werde versuchen, dass es wenigstens einmal die Woche Schnitzel gibt. Und was dein Anderssein angeht, glaube ich wirklich nicht, dass es meine Eltern stören wird. Es kann sein, dass sie erst etwas irritiert sind, aber wenn sie dich erst einmal kennen lernen, dann wird das schnell vorbei gehen.“

„Und der Rest deiner Freunde? Willst du mich immer verstecken?“, fragte Maung leise, denn er wusste, welche Probleme es mit sich bringen konnte, so zu sein wie er nun einmal war. Wirklich frei, ohne lange Hose und Kopftuch, war er doch nur Zuhause und dann auch nur, wenn sie allein waren oder Eingeweihte sie besuchten. Und zu viele durften das nicht werden, denn sonst kamen sie in Teufels Küche.

Maung seufzte, er grübelte eben zu viel und Tsuki zappelte schon wieder, weil er Sorge um sein schön gepflegtes Fell hatte.

„Nein, ich habe nicht vor dich zu verstecken. Ich kann jetzt noch nicht sagen, wie es werden wird, aber wir finden eine Lösung.“ So weit hatte Roman noch gar nicht gedacht, aber er war optimistisch. Er hatte nicht viele Freunde, aber auf die konnte er sich verlassen. Weil Tsuki schon wieder meckerte, nahm er ihn Maung aus der Hand und setzte ihn zu seinen Geschwistern. „Egal was noch kommt, wir bleiben zusammen.“

Maung seufzte und grinste schief, kuschelte sich aber wieder in Romans Arme und lachte leise, weil Tsuki sein Fell sortierte und sich aus seiner Reichweite trollte. „Ich muss es wohl auf mich zukommen lassen“, murmelte er leise und gähnte. Der Tag war lang gewesen und die vielen Grübeleien raubten Energie. Träge knabberten sich seine Lippen über Romans Hals und leise flüsterte er: „Lass uns ins Bett gehen.“

„Hm. Keine schlechte Idee.“ Roman hatte genießend die Augen geschlossen und lächelte. Er fühlte sich wohl und die Aussicht, mit Maung im Bett zu schmusen, war verlockend. „Aber die Zwerge kommen in den Korb“, grinste er, „ich will nicht von drei Winzlingen abgedrängt werden.“

„Hört, hört“, lachte Maung übermütig und kroch seinem Freund auf den Schoß. „Da werden die armen Kleinen einfach abgeschoben. In den kalten Korb. Frierend, hungrig, jammernd vor Einsamkeit. Kannst du das mit deinem Beruf als Tierarzt verantworten, kleine Kätzchen zu quälen?“ Dabei wackelten Maungs Ohren frech und sein Schwanz strich über Romans Arm.

Roman musste grinsen und öffnete ein Auge. „Also als Tierarzt kann ich das natürlich nicht verantworten, das stimmt.“ Er hatte sich gedacht, dass so etwas in der Richtung von Maung kommen würde und hatte es deswegen auch provoziert. „Aber als dein Geliebter kann ich das ohne Probleme, denn der möchte dich lieben und da stören drei kleine Kätzchen doch ungemein.“

Nun hatte Maung wieder den Schwarzen Peter und der schmollte. Doch dann grinste er wieder. „Ja, da stimme ich dir vollkommen zu, aber hinterher sollten wir sie wieder rauslassen.“ Er betrachtete sich die drei Verrückten auf dem Teppich und schüttelte über sich den Kopf. Es hatte sich viel verändert und so schmiegte er sich fester an Roman, schnurrte dabei betörend.

„Versprochen.“ Roman lachte und küsste seinen Schatz auf die Wange. Er hatte das auch gar nicht anders vorgehabt, aber das musste er ja jetzt nicht zugeben. „Dann könnt ihr mich vierfach beschnurren.“ Er strich Maung über den Rücken und legte ihm das Kinn auf die Schulter. „Na dann los, schnappen wir uns das Trio und verziehen uns nach oben.“

„Ja!“ Voller Vorfreude, die er nur schwer verbergen konnte, schoss Maung hoch und griff sich gleich Feli und Tsuki. Sie hatten keine Chance zu flüchten und machten Terror. Nun redete Maung auf sie ein, damit sie wussten, dass sie nicht ewig gefangen sein würden. Doch im Augenblick war sich jeder notgeile Kater selbst der nächste, als er nach oben flitzte.

Roman kam mit Lucky etwas später nach, weil er noch das Körbchen holen und bequem auspolstern musste. Schließlich sollten die Kurzen es ja warm und weich haben. Alle drei wurden noch kurz auf dem Bett beschmust und so war der Protest nicht ganz so groß, als sie in den Korb kamen. Lächelnd drehte Roman sich wieder zum Bett und krabbelte zu Maung, der auf ihn wartete. „Meins“, flüsterte er leise und zog seinen Kater in einen hungrigen Kuss, der bestimmt nicht der einzige bleiben sollte.



Ein paar Stunden mussten es die kleinen Kätzchen schon in ihrem engen Käfig aushalten, deswegen war es auch nicht verwunderlich, dass Lucky der erste war, der davon flitzte, als Maung - im Halbschlaf - den Käfig öffnete. Er machte sich keine Gedanken mehr darum, wo der Kurze abblieb. Sie waren geschickt genug, nicht die Treppe runter zu purzeln und der Rest war katzensicher. So kuschelte sich Maung wieder an seinen Schatz und schlief, während Lucky durch das Haus stromerte.

Er war auch der erste, der mitbekam, dass etwas Ungewöhnliches passierte. Ganz der große Entdecker schlich er los, um das neue Geräusch zu ergründen. Seine Geschwister folgten ihm etwas langsamer, man wusste ja nie, was da so einen Krach machte. Lucky war das vollkommen egal. Das hier war sein Reich und da durfte sich niemand bewegen, der nicht von ihm genehmigt war. Darum schoss er um die Ecke in den Flur und fauchte aufgebracht, als er die drei fremden Gestalten sah.

„Hoppla, Herbert, pass auf!“, rief Frau Berger, als sie das Licht im Flur anmachte und die kleine, getigerte Katze sah, die aufgebracht fauchend im Flur stand. „Was ist das denn?“ Sie beguckte sich das Tier, hob die Brauen, als noch mehr kamen und wusste im ersten Augenblick nicht, was sie sagen sollte. Unauffällig sah sie sich um, doch das hier war ihr Haus. Hatten sie nicht eigentlich eine ganz andere Katze gekauft? Sollte Roman nicht einen Birma-Kater holen? Wo kamen diese drei kleinen Mäuse her und warum waren die so aufgebracht?

„Och Gottchen, sind die süß“, lachte Oma Hilde und ließ sich von dem Fauchen nicht beeindrucken. Sie besah sich die drei Kätzchen und ihr Blick blieb an dem kleinen Roten kleben, das vorsichtig um die Ecke sah. „Du solltest vielleicht mal deinen Sohn befragen, wenn du nicht weißt, wo die drei Süßen herkommen“, lachte sie und zog ihren Mantel aus.

Lucky kam noch etwas näher, musste aber beleidigt einsehen, dass diese drei sich nicht vertreiben ließen. Im Gegensatz zu Tsuki, der war schon stiften gegangen, denn dem war das hier zu heikel. Nicht dass ihn wieder jemand griff und das schöne Fell verstrubbelte.

„Ich sollte ihn wirklich mal fragen“, sagte Petra und sah auf die Uhr. Es war morgens um vier und sie bekam kurz Skrupel. Doch als ihr Blick wieder auf den kleinen Katzen lag, streifte sie die Schuhe von den Füßen, schlüpfte in ihre Hausschuhe und machte sich auf den Weg nach oben. Mal sehen, ob ihr Sohnemann überhaupt zu Hause war oder wieder mit einer seiner Eroberungen unterwegs.

Sie sah gerade noch eins der Kätzchen in Romans Zimmer verschwinden und lauschte kurz an der Tür. Sie konnte Atmen und Schnurren hören, also war ihr Filius auf jeden Fall zu Hause. Grinsend schlich sie zum Bett und zupfte an einer der hellen Strähnen. Damit hatte sie ihn immer wach bekommen, denn das konnte er überhaupt nicht leiden und wie immer hatte sie Erfolg. „Nich“, murmelte ihr Sohn und wedelte unkoordiniert mit der Hand. „Geh weg, ich bin müde. Wir spielen später“, brummte er und versuchte seinen Kopf aus der Reichweite des Störenfrieds zu bekommen. Dabei zog er die Decke von Maung und der wackelte mit den Ohren, als die plötzlich frei lagen und kalt wurden. Doch er schnurrte noch immer, während Tsuki an der Seite unter die Decke gekrochen war.

„Hm?“ Petra guckte auf das Kissen neben Romans Kopf und konnte das im dunkel des Zimmers nicht richtig einordnen. Also zog sie die Decke tiefer und wusste nicht, wie sie werten sollte, was sie sah. Hatte Romans Freundin wirklich Katzenohren auf? Was trieb ihr Filius denn, wenn sie nicht da waren? Aber sie war fasziniert darüber, wie echt diese Ohren aussahen und sie bewegten sich ja auch.

Sie sahen weich aus und vorsichtig strich sie darüber. Sie erschreckte sich ziemlich, als die Ohren zuckten und quietschte leise. „Was 'n los?“, brummte Roman und öffnete ein Auge. Sie hätten die Kleinen wohl doch besser im Korb gelassen, wenn die so nervten. Er sah sich um, weil er wissen wollte, wer von den Zwergen morgen nichts zu essen bekam und murmelte: „Hallo Mama“, drehte sich wieder um und zuckte einen Herzschlag später hoch. „Mama?“, rief er erschrocken und sah seine Mutter mit großen Augen an. Er war hochgeschossen und hatte dabei unabsichtlich seinen nackten Liebling entblößt, was Petras gänzliche Aufmerksamkeit forderte. „Wer... was... ist das?“, fragte sie mit heiserer Stimme, als sie den sachte über das Laken wedelnden Schweif sah. Sie starrte auf die Ohren, wieder auf den Schwanz und beobachtete mit Unglauben, wie dieses Wesen auf Roman zu robbte und mit der Hand nach der wärmenden Decke suchte.

„Euer Birma-Kater.“ Roman war immer noch etwas geschockt, weil er erst später mit seinen Eltern gerechnet hatte. Er zog die Decke über Maung und strich ihm kurz durch die Haare. „Lass uns unten reden, ich zieh mir nur schnell etwas an.“ Er wollte etwas Zeit gewinnen, um sich zu beruhigen. Die Reaktion seiner Mutter hatte ihn unsicher gemacht. Hatte er sich getäuscht?

„Wie bitte?“ Petra wirkte verwirrt und zog noch einmal kurz die Decke von Maung. Doch der wandte seine übliche Taktik an und rollte sich in die Decke ein, damit ihm die keiner mehr nehmen konnte. Abgesehen von den Ohren guckte nun nicht mehr viel raus. „Was ist das?“, fragte Petra noch einmal und starrte gebannt auf Maung. Nur Tsuki lag wieder im Freien und suchte sich meckernd am Fußende Zugang zu der gefüllten Deckenrolle.

„Wer ist das, heißt das. Er ist kein Ding!“ Roman sagte das schärfer, als er beabsichtigt hatte und es tat ihm sofort Leid. „Tschuldigung, lass uns unten reden. Ich möchte ihn nicht wecken.“ Roman sah seine Mutter entschuldigend an und stand auf. Dass er nackt war, war nicht gerade förderlich für sein Wohlbefinden, genauso wenig wie die Tücher mit den Kondomen drin, die auf dem Boden lagen, aber da konnte er jetzt nichts mehr dran machen. Petra nahm es nur mit einem undeutbaren Blick auf, sah ein letztes Mal auf das Bett und ging vor die Tür. „Na, da bin ich ja mal gespannt. Und dann will ich wissen, was das für Katzen sind.“ Doch ihre Stimme war sanft, nahm ihren Worten so die Schärfe, denn die drei Kleinen waren ja irgendwie schon süß. Also ging sie nach unten und wartete auf der Treppe auf ihren Jungen. Aus dem Augenwinkel sah sie in der Küche ihre Schwiegermutter mit der kleinen, roten Katze schmusen, während der Getigerte schon wieder fauchend im Flur stand und deprimiert wirkte, weil ihn wohl keiner für voll nahm.

Sie musste nicht lange auf Roman warten, denn der hatte sich nur schnell eine Hose und ein Shirt übergezogen. Er setzte sich zu seiner Mutter auf die Stufe und lockte Lucky zu sich. „Ich dachte, ihr kommt erst gegen Mittag“, sagte er leise, weil er nicht wusste, wie er anfangen sollte und hob Lucky hoch, der froh war, dass ihn endlich jemand beachtete. „Sein Name ist Maung Thet Shay und er ist der Birmakater, den ihr bestellt habt.“

„Er ist bitte was?“ Petra begriff immer noch nicht, was ihr Junge da sagte. Er hatte das zwar schon einmal gesagt, doch das ergab für sie keinen Sinn. „Wir hatten einen jungen Kater bestellt, der Oma Gesellschaft leisten sollte. Der Kleine auf der Internet-Seite sah so drollig aus. Aber ich wüsste doch, wenn etwas... jemand wie dieser Maung da oben angeboten worden wäre. Roman, wir sind doch keine Menschenhändler und was ist er eigentlich und warum liegt er nackt in deinem Bett?“ Sie war nicht sicher, ob sie die Antwort darauf wirklich wissen wollte.

Obwohl es eigentlich nicht zum Lachen war, musste Roman grinsen. Genauso hatte er sich das vorgestellt. „Mama, natürlich seid ihr keine Menschenhändler. Die Firma bietet richtige Katzen an, aber eben auch anderes. Wenn ihr schon etwas im Internet bestellt und dazu noch in Amerika, dann solltet ihr vorher nachschlagen, wie das heißt, was ihr wollt. Catboy ist nicht die Übersetzung von ‚junger Kater’. Das ist insbesondere dann ein Fehler, wenn man etwas bei der führenden Genforschungsfirma bestellt, die das, was ihr angegeben habt, auch wirklich züchtet.“ Roman sah seine Mutter an und zuckte mit den Schultern. Das hatte er jetzt einfach sagen müssen. „Und er liegt in meinem Bett, weil ich ihn liebe.“ Seine Mutter war eh schon ziemlich durch den Wind, wie er merken konnte, da konnte dieser Schock auch nicht mehr viel anrichten.

„Aha!“ Mehr konnte Petra erst mal nicht sagen. Sie musste verdauen, was sie gehört hatte und sah ihren Jungen eine Weile an. Dann strich sie ihm lächelnd über die Wange und seufzte. „Wer hätte gedacht, dass du dich mal richtig verliebst. Kein Wunder, dass die Mädels nichts für dich waren, hm?“ Was sollte sie auch sagen? Sie war wirklich froh, denn Roman sah sehr glücklich aus. Über den Rest sollten sie wohl morgen reden. Sie strich dem kleinen Kater einmal über den Rücken und erhob sich langsam. „Na husch, geh zu ihm. Wir gehen auch ins Bett.“

Roman umarmte sie fest und flüsterte ihr: „Danke“, ins Ohr. Er war unheimlich erleichtert und froh, dass seine Mutter anscheinend nichts dagegen hatte, dass ihr Sohn einen Mann liebte. „Du wirst ihn gern haben und nachher erkläre ich euch genau, was alles passiert ist, als ihr weg wart. Gib Oma einen Kuss von mir und sie kann Feli ruhig mit auf ihr Zimmer nehmen.“ Er konnte nämlich sehen, dass die kleine Katze im Arm seiner Großmutter eingeschlafen war. Petra bekam noch einen schnellen Kuss auf die Wange, dann war Roman mit Lucky schon wieder auf dem Weg zurück zu Maung.

Petra sah ihrem Jungen nach und zuckte zusammen, als ihr Mann im Flur erschien. „Und? Was sind das nun für Katzen?“, wollte er wissen und Petra erhob sich. „Weiß ich auch nicht. Er war müde und ist wieder ins Bett. Wir reden nachher. Ich bin auch am Limit!“, sagte sie und gähnte verhalten. Besser sie ging schlafen, denn nachher hatte sie eine Menge Fragen und sie wollte auf jede einzelne eine Antwort haben, die sie zufrieden stellte.

„Gute Nacht“, dann war sie Richtung Bad verschwunden.

„Gute Nacht, Liebes“, rief Herbert ihr hinterher. Er kannte seine Frau schon lange genug, um zu merken, dass da etwas war, das sie beschäftigte, aber er fragte nicht nach. Wenn sie soweit war, redete sie mit ihm. Das kannte er schon. „Wir gehen auch ins Bett, nicht wahr Mutter.“ Er ging in die Küche, wo Oma Hilde immer noch Feli kraulte. „Ich bring deine Tasche ins Gästezimmer.“

„Ja, mach das“, sagte sie mehr beiläufig, denn das kleine Fellknäuel hatte es ihr angetan. Sie war so süß und weich und lieb und verschmust. „Die anderen beiden sind weg? Hat Roman was gesagt, was das für Kätzchen sind? Gehören sie einem Patienten?“ Mit Feli auf dem Arm folgte sie Herbert ins Gästezimmer hinter dem Wohnzimmer.

„Nein, wir wissen auch noch nicht, was es mit den Kleinen auf sich hat. Da müssen wir wohl warten, bis mein Herr Sohn ausgeschlafen hat.“ Herbert lachte leise. Roman war aber auch immer für eine Überraschung gut. „Lass besser die Tür ein wenig auf heute Nacht, damit die Süße raus kann, wenn sie mal muss. Brauchst du noch etwas? Wenn nicht, geh ich auch schlafen.“ Herbert beugte sich vor und gab seiner Mutter einen Kuss auf die Wange.

„Nein, alles bestens. Schlaf gut, war ja ein weiter Weg“, sagte sie und setzte sich zusammen mit Feli auf das Bett, die gleich die Chance nutzte, das Bett zu untersuchen. Das kannte sie nämlich noch nicht, weil diese Tür immer zu gewesen war.

Und so dauerte es noch ein paar Minuten, dann lag das ganze Haus wieder still. Sogar Lucky hatte sich unter der Decke von Roman noch mal aufs Ohr gehauen. Er musste ja ausgeschlafen sein, damit er weiterhin sein Reich verteidigen konnte.



23

Roman hatte nicht das Gefühl ausgeschlafen zu sein, als er wieder wach wurde. Draußen war es schon hell, also konnte es nicht mehr sehr früh sein. Er lauschte ins Haus und konnte seine Mutter in der Küche werkeln hören. So sehr er sich freute, dass seine Familie wieder da war, ein wenig unwohl war ihm schon. Seine Mutter hatte zwar recht gelassen reagiert, aber wie sah es mit seinem Vater und seiner Oma aus? „Sie werden dich mögen, Schatz“, murmelte er leise, auch ein wenig, um sich selbst Mut zu machen und zog seinen Freund an sich.

„Hm“, knurrte Maung verschlafen, denn er döste noch ein bisschen. Die Sonne, die sich langsam über den Horizont wagte und den Schnee auf dem Fensterbrett zum Glitzern brachte, kitzelte den Kater an der Nase und er musste niesen. So setzte er sich murrend langsam auf und sah sich um, sah nur noch, wie Tsuki, den er gerade entblößt hatte, weiter unter die warme Decke kroch. Maung bekam nur noch grinsend den Schwanz zu fassen und Tsuki fauchte warnend.

„Lass ihn, sonst ist er nachher mürrisch“, lachte Roman. Er küsste Maung auf die Schulter und zog ihn zu sich runter. „Morgen, Schatz“, begrüßte er seinen Freund und zog die Decke wieder über sie, achtete aber darauf, dass Tsuki nicht wieder freigelegt wurde. Kleine Krallen im Bein waren nicht sehr angenehm. „Meine Eltern sind wieder da. Sie sind heute Nacht so gegen vier angekommen.“

Maung schluckte und ließ Tsuki schlagartig los, dass der Rest auch von der Bildfläche verschwand. „Sie sind... schon.“ Maungs Ohren zuckten aufgeregt und er lauschte ins Haus. Tatsächlich. Da waren Geräusche und Stimmen und so fing er leicht an zu zittern. Er konnte gar nichts dagegen machen.

Roman strich Maung über den Rücken. „Ich habe kurz mit meiner Mutter gesprochen. Die Kurzen waren wohl unten, als sie angekommen sind und sie wollte wissen, wo sie herkommen. Ich hab mich vielleicht erschrocken, als sie auf einmal neben dem Bett stand.“

„Sie. Stand. Hier?“, brachte Maung brüchig hervor und versuchte das zu begreifen. „Hat sie mich schon gesehen? Schmeißt sie mich jetzt raus?“ Panisch griff Maung nach der Decke. Nackt zu sein, war ihm plötzlich sehr unangenehm. Fest zog er die Decke um sich und hatte nicht einmal ein Auge für den schon wieder entblößten Tsuki. Seine Sorgen waren gänzlich anderer Natur. Was würde jetzt mit ihm passieren?

„Hier wird niemand rausgeschmissen und du schon gar nicht.“ Roman legte seine Arme um die Deckenrolle und schnuffelte seine Nase über die zuckenden Ohren. „Sie hat dich gesehen und war natürlich ziemlich überrascht. Sie hatte sich ihren Neuerwerb etwas anders vorgestellt.“ Roman versuchte Maung zu beruhigen. „Sie ist neugierig auf dich, weil ihr Sohn sich in dich verliebt hat.“

„Ich will mir gar nicht ausmalen, was passiert, wenn sie merken, dass sie für ihr Geld nicht das bekommen haben, was sie bestellt haben.“ Maung ließ sich nicht beruhigen und ihm kamen ganze Herden von Gedanken, was jetzt mit ihm passieren könnte. Und nicht ein einziger davon war angenehm oder endete damit, dass er hier bleiben konnte. Er zitterte immer intensiver und lockte so auch Tsuki zu sich.

„Das weiß sie schon, Liebling und du musst dir keine Gedanken machen. Meine Eltern würden dich nie rauswerfen.“ Roman hielt Maung fester und nahm Tsuki hoch, der maunzend vor ihnen saß. „Du gehörst zu mir und das wird auch so bleiben.“ Er wusste bald nicht mehr, was er noch sagen sollte. Maung hatte so viel Angst, dass er sagen konnte, was er wollte, es kam nicht an. Da konnte wohl nur seine Mutter helfen. „Soll ich sie holen, damit du mit ihr reden kannst?“, fragte er darum und hoffte, dass Maung dann ruhiger wurde.

„Bist du wahnsinnig?“ Maung war so entsetzt, dass er versuchte, sich von Roman zu erntfernen. Dabei verlor die Deckenrolle das Gleichgewicht und plumpste auf den Boden. Es gab einen ordentlichen Schlag, weil Maung sich, so eingewickelt, nicht abfangen konnte.

Tsuki guckte von oben über die Bettkante auf sein Herrchen runter und als es an der Tür klopfte und Petra fragte, was passiert sei, gab es kein zurück.

„Alles in Ordnung. Komm ruhig rein“, rief Roman, bevor Maung ihn daran hindern konnte und hievte den eingewickelten Kater wieder ins Bett, auf seinen Schoß. „Alles wird gut“, flüsterte er lächelnd und küsste Maung zur Beruhigung.

Das war auch das erste, was Petra sah, als sie ins Zimmer blickte und sie musste lächeln. „Guten Morgen“, sagte sie und kam näher. Viel sehen konnte sie nicht, weil Roman seinen Freund zum großen Teil verdeckte. Außerdem zog Maung die Decke so weit über sich, dass man nur noch die Nase sehen konnte. Die Ohren waren gut verborgen, doch weil er Manieren hatte, wünschte auch er einen guten Morgen, musste aber lachen, als der frustrierte, gelangweilte Tsuki dem schlafenden Lucky eine mitgab und dafür gleich Rache spürte.

Meckernd und fauchend rollte sich ein Katzenknäuel über das Bett und Petra lachte mit. Dabei sah sie immer wieder neugierig zu Maung und schließlich beugte sie sich vor und schob dem Kater die Decke vom Kopf. „Hallo“, sagte sie weich und das erste Mal konnte sie ihm ins Gesicht sehen. Sie nahm sich ein paar Augenblicke Zeit, in denen sie den Freund ihres Sohnes nur ansah. Erst dann lächelte sie und strich Maung einmal vorsichtig mit den Fingerspitzen über die Wange. „Geschmack hatte mein Sohn ja schon immer. Das scheint sich nicht geändert zu haben.“

„Hm“, machte Maung und wusste nicht, was er sagen sollte. Weil es ein Kompliment zu sein schien, sagte er noch brav: „Danke“, und zog dann die Decke wieder höher. Er hatte keinen Schimmer, was jetzt noch kam. Er hatte schon genügend Schauermärchen gehört, was mit anderen Catboys passiert war und so presste er die Augen zu und versuchte sich unsichtbar zu machen. Vielleicht half es ja.

Petra wechselte einen Blick mit Roman, der versuchte, ihr mit knappen Gesten zu erklären, was los war und schließlich ging ihr ein Licht auf. „Ich bin froh, dass du gut hier angekommen bist und es dir gut geht. Aber ich denke, da sorgt Roman schon für und wenn nicht, werde ich ihm etwas hinter die Ohren geben. Frühstück ist fertig. Kommt runter, die anderen möchten euch bestimmt auch gern begrüßen.“

Zögerlich machte Maung ein Auge auf und guckte Petra irritiert an, nickte aber heftig, so dass die Decke vom Kopf rutschte und die sandfarbenen Ohren gut zu sehen waren. Außerdem wackelten sie ganz aufgebracht. „Ich werde nicht zurückgeschickt, weil ich falsch bin?“, fragte er leise und rettete endlich Tsuki, der schon wieder unter Lucky begraben wurde. Aber ob die nervös streichelnden Hände das kleinere Übel für das Katerchen waren, blieb abzuwarten.

„Du hattest Angst, wir schicken dich zurück?“ Petra war wirklich geschockt, dass Maung solche Ängste hatte. „Du bist nicht falsch, sondern genau das, was wir bestellt haben. Wenn wir etwas falsch machen, kannst du doch nichts dafür.“ Sie lächelte Maung an und grinste dann. „Außerdem will ich mir ja nicht Romans Gejammer anhören, wenn sein Liebling nicht mehr da ist.“

Etwas schüchtern wandte Maung sich zu Roman um und grinste schief. „Würdest du nerven?“, fragte er und strich schon wieder dem armen Tsuki das Fell wirr. Dann atmete er tief durch und lächelte Petra an. „Danke“, sagte er leise und lehnte sich gegen seinen Schatz. Langsam wurde er ruhiger.

„Darauf kannst du wetten. Ich würde so einen Terror machen, wie meine Eltern das noch nie erlebt haben und sie haben da schon einiges durch mit mir.“ Roman sagte das vollkommen ernst und das meinte er auch so. Er lächelte aber sofort wieder und küsste seinen Freund. Petra stand vom Bett auf. So wie es aussah, hatte sie ihre Aufgabe erfüllt. „Beeilt euch, sonst wird der Kaffee kalt“, rief sie noch von der Tür aus und schloss sie dann hinter sich.

„Ich darf bleiben, hat sie gesagt“, resümierte Maung und wusste im ersten Moment nicht, was er noch sagen sollte. Doch er wirkte sehr erleichtert. „Bleibt nur zu hoffen, dass dein Vater auch ein bisschen Mitleid mit mir hat und mich nicht vor die Tür setzt. Dann darfst du mich behalten und bekommst kein Weihnachtsgeschenk mehr, weil, du hast ja schon eines.“ Maung wickelte sich umständlich aus der Decke und küsste Roman noch einmal, ehe er sich etwas zum Anziehen suchte. Man sollte die Frau Mama schließlich nicht warten lassen.

„Ey, das ist fies“, brummte Roman, aber innerlich musste er grinsen. So wie es aussah, sah Maung wieder positiver in seine Zukunft. „Meine Mutter mag dich, da wird mein Vater nicht auf die Idee kommen, dich nicht zu mögen. Er hängt an seinem Leben.“ Roman lachte und legte sich noch einmal bequem hin, damit er Maung beim Suchen zusehen konnte. Und wie sich das für einen anständigen Kater gehörte, ging er auf die Knie, den weichen Schwanz steil aufgestellt und so suchte er seine Kleider zusammen, die Roman gestern sehr nachlässig im Zimmer verteilt hatte. Dabei fielen ihm auch die Kondome und Taschentücher in die Hände und der Kater wurde knallrot. „Au weia!“, brummte er, hoffentlich hatte Mutter Berger das nicht gesehen! Was sollte sie denn von ihm halten?

Roman lachte nur. Da musste seine Mutter durch. Er sah das nicht so eng, jetzt wo er wusste, dass sie seinen Freund mochte und an seiner Seite respektierte. Er robbte zum Ende des Bettes, denn dann kam er gerade so an Maungs Schwanz und ließ ihn sich durch die Finger gleiten. Eigentlich sollte er sich ja auch anziehen, aber er wollte Maung noch ein paar Minuten für sich haben.

„Hey“, sagte Maung, zog seinen Schwanz aber nicht weg. „Du weißt doch ganz genau, was passiert, wenn du da zu lange rumfingerst und so lange deine Eltern im Haus sind, wird das ganz bestimmt nicht mehr passieren“, erklärte Maung, denn er war immer noch peinlich berührt darüber, dass Romans Mutter wusste, was sie taten. Also raffte er seine Klamotten und brachte sich nun doch aus Romans Reichweite, sonst wurde der Kaffee unten wirklich noch kalt.

„Wie bitte?“ Roman zuckte hoch und guckte ziemlich empört. „Das kannst du nicht machen“, rief er Maung hinterher und sprang aus dem Bett. Er raffte seine Sachen vom Sessel und lief seinem Freund hinterher, der gerade ins Bad verschwinden wollte. „Das ist noch mindestens eine Woche. Das geht aber gar nicht“, maulte er leise und schlüpfte noch schnell ins Bad, bevor die Tür zuging.

„Na glaubst du denn, ich will, dass deine Eltern hören, was wir machen? Vergiss das bloß schnell. Das kommt ja gar nicht in die Tüte!“ Maung war immer noch knallrot im Gesicht. Allein der Gedanke ließ ihn vor Scham im Boden versinken. „Nein, nein, nein!“ Hastig wusch er sich, wie das Katzen eben so taten - schnell und mit nicht ganz so viel Wasser, dafür aber gründlich und zog sich hastig an, ehe Roman noch auf merkwürdige Ideen kam.

„Das werden wir ja noch sehen, Schatz, wenn wir heute Abend im Bett liegen“, grinste Roman, denn ein wenig kannte er sein Katerchen doch schon. Maung war ziemlich empfänglich für alles, was Roman mit ihm machte. Aber jetzt darüber diskutieren wollte er nicht. Maung war gerade wieder etwas beruhigt, da wollte er ihn nicht schon wieder aufregen. Allerdings ließ es der Kater sich nicht nehmen zu erklären, dass er gute Ohren hätte und so lange er etwas hören würde, was wie Romans Eltern klang, so lange könnte Roman betteln, wie er wollte. Da würde nichts passieren.

„Fehlt da nicht jemand?“, fragte er plötzlich, als er vor die Tür kam, wo Tsuki sich langweilte und Lucky seinen Schwanz fing.

„Unsere Süße geht fremd. Als ich wieder ins Bett ging, ist sie auf dem Arm meiner Oma eingeschlafen.“ Roman zog sich schnell zu Ende an und legte einen Arm um Maung. „Ich denke, meine Oma hat ihr Ersatzgeschenk angenommen.“ Er hob die beiden Kater vom Boden auf, denn schließlich sollten die auch begutachtet werden.

„Oh“, machte Maung und plötzlich war deutlich wieder da, was Roman von Anfang an gesagt hatte, nämlich dass die junge Dame ein gutes Geschenk für seine Oma wäre. Maung guckte ein bisschen bedröppelt und ließ die Ohren hängen und so nahm er eilig Tsuki an sich, der es mittlerweile aufgegeben hatte, sein Fell zu sortieren. Er wurde ja sowieso wieder strubbelig. „Mag sie Feli?“ Maung klang deprimiert, als er die Treppe nach unten ging.

„Ja, das scheint so, aber wichtiger finde ich noch, dass unsere Süße meine Oma mag.“ Roman legte wieder einen Arm um Maung und küsste ihn. „Wir müssen sie nicht abgeben. Warten wir die nächsten Tage einfach ab und entscheiden dann, was wir machen.“ Heute fiel es Roman auch schwerer, sich vorzustellen, dass Feli nicht bei ihnen blieb. Die Kleine war ihm auch ans Herz gewachsen und wenn Maung es partout wollte, blieb sie halt bei ihnen.

„Ah, okay.“ Maung nickte und war schon am Fuß der Treppe angekommen, konnte so in die Küche gucken und sah deutlich, dass man ihn mit offener Neugier in den Augen erwartete. Feli tänzelte unter dem Tisch hin und her, Tsuki sprang Maung aus dem Arm und machte, dass er zu den Näpfen kam und Lucky ließ sich auch nicht lange bitte. Nur Maung wurde immer langsamer, bis Roman ihn sanft schieben musste, weil er wie angewurzelt schien.

„Guten Morgen“, rief Roman, um das Schweigen zu durchbrechen. Er zog Maung neben sich und küsste seine Oma auf die Wange. Petra hatte ihren Mann und ihre Schwiegermutter schon informiert, damit sie Maung vielleicht nicht doch noch verschreckten. „Wer ist denn der junge Mann?“, fragte die alte Dame freundlich und lächelte. Sie war zwar etwas irritiert, aber das ließ sie sich nicht anmerken.

„Ich glaube, ich war ihr Weihnachtsgeschenk“, platzte Maung hervor, noch ehe er richtig nachgedacht hatte, weil er irgendetwas sagen wollte. Doch dann senkte er den Kopf und ließ die Ohren hängen. Er entschuldigte sich hastig und stellte sich vor, doch mehr als seinen Namen und sein Alter gab er erst einmal nicht preis. Wenn sie etwas Bestimmtes wissen wollten, würden sie schon fragen.

„Wie, du warst mein Weihnachtsgeschenk? Jetzt nicht mehr?“ Hilde musste sich das Grinsen verkneifen, als sie Romans Gesicht sah. „Ich hätte ganz bestimmt nichts dagegen, so einen hübschen, jungen Mann geschenkt zu bekommen. Auch wenn das ein wenig dekadent ist“, lachte sie und Roman raffte Maung näher an sich. Er wusste, dass seine Oma scherzte, aber trotzdem bekam er Angst, Maung zu verlieren. „Ich finde das nicht in Ordnung, dass mein Enkel jetzt mein Geschenk hat.“

„Ich schon“, musste Maung zugeben und grinste schief, während sich seine Ohren wieder aufrichteten. Zumindest mit Romans Oma lief das besser als Maung befürchtet hatte. Nur dessen Vater saß etwas schief auf seinem Stuhl, denn er versuchte - auffällig unauffällig, Maungs Schwanz zu sehen und beobachtete jede Bewegung dieses Körperteils. „Der ist echt oder?“, fragte er irgendwann und Maung nickte, weil er nicht wusste, was er sagen sollte.

„Cool“, grinste Herbert und brachte seine Frau damit zum Lachen, denn normalerweise gebrauchte ihr Mann solche Worte nicht. „Da mein Mann ja wohl gerade ziemlich sprachlos ist, mach ich das jetzt“, sagte sie schließlich und kam zu Maung. „Herzlich willkommen in unserer Familie, Maung. Ich bin Petra, dort drüben Herbert und die ältere Dame mit der Vorliebe für junge Männer, Oma Hilde“, stellte sie alle vor und grinste in die Runde. „Setzt euch und greift zu. Ich mach Eier.“

„Angenehm.“ Maung verbeugte sich leicht und ließ sich auf einen der Stühle fallen, gleich neben Roman. „Hey, Tsuki. Lass dich von dem Dicken nicht immer vom Napf verdrängen!“, erklärte er seinem Schützling, der schon wieder leise meckernd neben dem Napf saß und keine Chance hatte, weil Lucky sich so breit machte, wie es nur ging und zur Hälfte im Napf verschwunden war. Als er wieder aufblickte, sah er Herbert direkt ins Gesicht, der ihn immer noch musterte, vor allem die Körperteile, die er selbst nicht hatte. Maung wurde wieder unsicher.

„Du bist wirklich ein Catboy?“, fragte Romans Vater und sein Blick lag auf den nervös zuckenden Ohren. Er hatte das gar nicht glauben wollen. Aber jetzt musste er das wohl akzeptieren. Das fiel ihm ein bisschen schwer, denn er hatte sich das nicht vorstellen können, dass es so etwas wirklich gab. „Roman muss ziemlich überrascht gewesen sein, als er dich abgeholt hat. Er hatte ja wohl etwas ganz anderes erwartet.“

„Ja, so kann man das auch umschreiben“, sagte Maung und grinste seinen Freund an, verschwieg aber, was Roman wirklich gesagt hatte. Das war vergeben und vergessen und Maung würde ihm das nicht nachtragen. „Und ja, ich bin ein Catboy. Spezielle Züchtung eben.“ Was sollte er auch sagen? Dass er ein Sextoy war? Was warf das denn für ein Bild auf ihn oder auf Roman. Also verschwieg er es lieber, musste ja auch nicht jeder wissen.

Roman brummte etwas Unverständliches und fing an zu essen, damit er dazu nichts sagen musste. Es war ihm schon peinlich, wenn er daran zurück dachte. „Apropos Katze“, mischte sich Oma Hilde ein, die schon wieder Feli auf dem Arm hatte. Die Kleine hatte letzte Nacht bei ihr im Bett geschlafen und es war schön gewesen heute Morgen von dem leisen Schnurren geweckt zu werden. „Wo kommen denn jetzt die drei kleinen Süßen her und wie heißen sie?“

„Ein Mann hat sie gebracht“, sagte Maung und beobachtete die kleine Katze und die Oma. Er wusste nicht genau, wie er das bewerten sollte. Er wusste nur, dass es ein bisschen im Magen zog. „Die Mutter war tot und die Kurzen haben sie unter dem Baucontainer gefunden und da haben wir sie behalten. Sie heißen Tsuki, Lucky und Feli. Das war Romans Idee“, schob Maung die Aufforderung zu antworten wieder an seinen Freund, denn Mama Berger verteilte gerade lecker duftendes Rührei.

„Die Namen bedeuten alle Glück in verschiedenen Sprachen“, nahm Roman die Aufforderung an. „Die Kleine auf deinem Arm ist Feli, das kommt von Felicitat, der gestreifte ist Lucky und der sandfarbene Tsuki“, erklärte er seiner Oma und wie auf Kommando liefen die beiden Kater gerade durchs Bild, damit auch jeder die Richtigkeit überprüfen konnte. „Sie sind süß. Ich hätte sie auch behalten“, sagte Petra, die Maung gerade etwas Rührei gab und lachte, als ihr Mann leise brummte.

Doch nun war es an Maung, schon wieder ängstlich zu gucken. Nicht dass Roman auf die Idee kam, noch einen der Kater hier zu lassen. Dass die kleine Feli hier blieb und der Oma gehörte, war ja wohl leider nicht mehr zu verhindern, aber Tsuki und Lucky? Fragend sah er Roman an. Der sollt jetzt bloß nichts Falsches sagen, wenn er Maung behalten wollte.

Roman brauchte ein paar Augenblicke, bis er begriff, warum sein Freund ihn auf einmal ängstlich ansah und das auch nur, weil Maung immer wieder zu den Kätzchen sah. Da konnte er gar nicht anders, als ihn zu beruhigen. „Darum behalten wir sie ja auch. Wir haben sie gepäppelt und dann kann man sie doch nicht mehr abgeben. Sie kommen mit uns nach Hannover.“

„Alle drei?“, fragte Maung hoffnungsvoll und stocherte wieder in seinem Essen herum. Dabei ignorierte er auch die Blicke des Vaters, der wohl immer noch zu verstehen versuchte, wie es etwas wie Maung überhaupt geben konnte. Auch ihm konnte man seine Fragen von der Stirn ablesen, aber jeder ignorierte sie. Darüber wollte wohl im Augenblick erst mal keiner nachdenken. Später vielleicht.

„Warum nicht.“ Roman hatte zwar immer noch die Idee, dass Feli bei seiner Oma blieb, aber wenn Maung sie lieber mitnehmen wollte, dann sträubte er sich auch nicht dagegen. Musste sein Freund ihm eben bei der Beschaffung des Ersatzgeschenks helfen. Sie mussten wahrscheinlich sowieso umziehen, da seine Junggesellenwohnung auf Dauer für so viele Bewohner zu klein wurde.

„Okay“, grinste Maung, wagte aber nicht zu Oma Hilde oder Feli zu sehen, die sich schon wieder gegenseitig beschmusten. Der Sieg schmeckte ihm nicht, weil er spürte, dass es nicht richtig war. Feli hätte es als Einzelkatze sicher bei der Oma viel besser und sorgenfreier als mit ihren Raufbrüdern. Nicht zu vergessen, dass beide Kater ihrer Männlichkeit beraubt werden müssten, mit einer Katze im Haus und so kniff Maung unweigerlich die Beine zusammen und stöhnte schmerzverzerrt auf. Schon allein der Gedanke war die Hölle.

„Was ist?“, fragte Roman und sah unter den Tisch, ob einer der Kater Maung gekratzt hatte, aber die zwei tobten gerade aus der Küchentür. Er beugte sich zu Maung rüber, damit er ihm in die Augen sehen konnte. Vorsichtig strich er seinem Freund durch die Haare und küsste ihn dann. Erst als es schon passiert war, fiel ihm auf, was er gemacht hatte und er wurde verlegen. Seine Mutter wusste zwar über sie Bescheid, aber wie sah es mit seinem Vater und seiner Oma aus?

Hilde hatte es kaum bemerkt, denn sie spielte mit Feli und Herbert sah seinen Sohn forschend an. Etwas von der Frau gesagt zu bekommen und es dann selber zu sehen, waren eben doch noch zwei verschiedene paar Schuhe. „Aha“, machte er also, damit klar war, dass er das sehr wohl registriert hatte, nur nicht wusste, was er dazu sagen sollte. Roman war ja alt genug, der musste wissen, was er tat. Das bedurfte keiner großen Reden seines Vaters.

Roman nickte ihm zu und lächelte. Er kannte ihn gut genug, um den knappen Kommentar zu verstehen. Beruhigter widmete er sich wieder seinem Essen und fragte dabei nach dem Urlaub seiner Eltern. Vor lauter Katzen waren sie noch gar nicht dazu gekommen.

„Herrlich. Jede Menge Schnee und fast immer Sonnenschein. Wir konnten jeden Tag unsere Runden auf den Loipen drehen“, schwärmte seine Mutter auch sofort. Sie und ihr Mann liebten Wintersport, ganz im Gegensatz zu Roman, der es eher mit Wasser und Meer hatte. Wenn schon Ski dann Wasserski, wenn schon Sonne, dann bitte auch mit Badehose. Nein, Kälte und dieser nasse Schnee, das war nicht sein Metier. Ob er allerdings Maung für seine Vorlieben begeistern könnte, schien mehr als nur fraglich. Katzen und Wasser? Niemals. Das hatte er oft genug im Bad gemerkt.