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Drachenblut - Teil 29 bis 30

29


„Meine Güte, was ist das denn für ein Irrer?“, murmelte der jüngere der Wachleute und besah sich die Handschellen, die sie abgenommen hatten. Sie waren leicht verbogen.

„Kraft scheint er jedenfalls zu haben, der Typ. Sollten wir Herrn Varell benachrichtigen? Er hat ja eine Telefonnummer für alle Fälle hinterlegt, unter der er immer zu erreichen ist“, sagte Jürgen und sah seinen jungen Kollegen fragend an. Es war kurz vor Mitternacht. In Berlin noch keine Zeit, in der man nicht telefonierte, doch er war unschlüssig.

„Lass uns anrufen, so wie der Kerl tobt, möchte ich den nicht länger als nötig hier behalten. Soll die Polizei mit ihm fertig werden.“ Klaus, der jüngere Kollege, zuckte zusammen, als die Tür erzitterte, weil ihr Gefangener sich dagegen geworfen hatte. „Oder willst du das Risiko eingehen, dass der sich in seiner Raserei verletzt?“

„Okay.“ Jürgen griff sich die Mieterlisten ihrer zu schützenden Objekte und suchte die Nummer von Evren heraus.

Der hatte das Handy schon neben sich liegen, weil er damit gerechnet hatte.

„Sie haben jemanden festgenommen? Oh, ich werde natürlich umgehend erscheinen, es wird doch nicht mein Mitbewohner sein?“, fragte er und tat, als wäre er irgendwo in der Stadt und nicht zwei Ecken weiter, in seinem weichen, warmen Bett, wo er Streuner den Bauch streichelte.

„Wenn ihr Mitbewohner groß, kräftig mit langen, schwarzen Haaren ist, dann schon.“ Klaus zuckte zusammen, als es wieder laut gegen die Tür polterte und lautes Schreien zu hören war. „Es wäre wirklich gut, wenn sie bald kommen würden, denn so, wie der Mann tobt, befürchten wir, dass er sich in seiner Raserei bald selbst verletzt und darauf sind wir nicht eingerichtet. Er wirft sich ständig gegen die Tür. Wir möchten ihn, wenn nötig, so schnell es geht der Polizei übergeben.“

„Nein, bitte nicht!“ Evren schoss hoch. Wenn die Polizei eingeschaltet wurde, dann flog der gefälschte Pass auf. Das war das letzte, was passieren sollte. „Ich werde mich umgehend in die Bahn setzen und zu ihnen kommen. Es kann aber noch ein paar Minuten dauern“, sagte er und war schon aus dem Bett. Es war gelogen, dass er Bahn fahren musste, doch er wollte vermeiden, dass Azhdahar wirklich der Polizei übergeben wurde und die Wachleute sollten glauben, er hätte einen langen Weg vor sich. Denn eigentlich wollte Evren nur, dass der Drache ein bisschen in der Enge schmorte. Das tat ihm sicher gut.

„Er kommt hierher.“ Klaus sah Jürgen an und ging etwas näher zur Tür. „Herr Varell kommt gleich und wenn er es sagt, lassen wir sie gehen“, versuchte er den Tobenden zu beruhigen, aber er hatte nur kurz Erfolg, denn nach ein paar Sekunden wurde wieder an der Tür gerappelt und die Stimme des Inhaftierten wurde zunehmend panischer. „Na toll, nicht nur ein Irrer, sondern ein klaustrophobischer Irrer“, murmelte er und schüttelte den Kopf. Da hatten sie sich ja was aufgehalst.

Derweil stand Evren am Fenster und sah hinaus in den Regen. Na toll! Jetzt wurde er wegen dem dämlichen Kriechtier auch noch nass! Wenn das nichts war, auf das man sich freuen konnte? „Klar, du kannst weiter pennen“, lachte er zu Streuner, der sich gerade streckte und reckte und sich anschließend gleich zu einer Kugel zusammenrollte. Am liebsten hätte sich Evren wieder ins Bett fallen lassen und noch eine halbe Stunde gedöst, doch plötzlich wurde er unruhig. Immer wieder sah er zu den Wänden - bildete er sich das nur ein oder kamen die plötzlich auf ihn zu? Er schüttelte den Kopf und es dauerte ein paar Augenblicke, bis er begriff, dass es Azhdahars Angst war, die ihn ergriff. „Scheiße!“, murmelte er und raffte seine Klamotten. Das entglitt ihm langsam alles.

Azhdahar lehnte inzwischen an einer der Wände und versuchte sich zu beruhigen. Dunkle, enge Räume machten ihm normalerweise nichts aus, aber dieses Gefühl, eingesperrt zu sein, machte ihm Angst und sein Körper rebellierte. Er bekam wieder keine Luft mehr und er hatte keine Filter mit, die ihm helfen konnten. Mittlerweile war er schweißgebadet und völlig fertig. Seine Toberei hatte ihn erschöpft und nur seine Wut, die immer noch loderte, hielt ihn aufrecht.

Er musste auch nicht mehr lange warten, da erschien Evren auf der Wache der Sicherheitsmänner. „Guten Abend“, wünschte er und hatte Azhdahars Pass dabei. „Es war nicht seine Schuld. Ich muss aus Versehen seine Zugangsdaten aus dem Menü gelöscht haben, als ich heute Morgen die Festplatte aufgeräumt habe. Das tut mir so Leid, dass ich ihnen solche Umstände gemacht habe“, fing er gleich an zu erklären, legte seinen und Azhdahars Pass vor, um zu zeigen, dass ihm die Wohnung gehörte und Azhdahar wirklich zu ihm gehörte.

Klaus prüfte die Dokumente und gab sie Evren zurück. „Alles in Ordnung.“ Er nickte Jürgen zu, dass er die Tür öffnen konnte. „Seit ein paar Minuten ist er ruhig, aber ihm scheint es nicht gut zu gehen, wie wir auf den Überwachungskameras gesehen haben. Er atmet schwer, als wenn er keine Luft bekommen würde. Ich war noch nie froher, einen Gast wieder gehen zu sehen.“

„Er kommt nicht von hier. Die Stadt ist ihm fremd. Ich war so unvorsichtig, ihn allein zu lassen, tut mir Leid“, sagte Evren, der sehr wohl spüren konnte, wie Azhdahar litt. Sein Herz schlug wild und Evren wusste nicht, ob das auch wegen Azhdahar war oder weil ihm gerade der Arsch auf Grundeis ging. Er hatte keinen Schimmer, wie der Prinz jetzt reagieren würde. Sicherheitshalber hatte er Filter eingesteckt und reichte sie wortlos dem Drachen, als er in die Zelle ging. „Komm mit.“

Es dauerte ein paar Auenblicke, bis Azhdahar die Filter annahm und in die Nase steckte, aber ansonsten reagierte er nicht auf Evren. Er sah ihn nicht an und ignorierte ihn völlig. Ohne ein Wort ging er an ihm vorbei und aus der Zelle, dort allerdings wartete er, weil er nicht wusste, wie er von hier wieder zur Wohnung kam. Evren nahm noch die Ausweise an sich und bedankte sich beim Personal, dann ging er ebenfalls wortlos einfach los, der Prinz würde ihm schon folgen. Alles was er wollte, war ins Bett und den Drachen neben sich haben, doch das kam wohl leider nicht in Frage - nicht nach der Nacht.

Wieder aus dem Gebäude atmete Azhdahar tief durch und versuchte seinen Körper in den Griff zu bekommen. Das Zittern ließ langsam nach und auch die Panik, die er vorhin gespürt hatte, verflog mit jeder Sekunde, wo er der Zelle entkommen war. Jetzt ging sein Blick immer wieder zu Evren und er knirschte mit den Zähnen. Seine Wut kam wieder zurück und am liebsten hätte er auf etwas eingeprügelt, um sich abzureagieren. Vorzugsweise auf Evren, aber so klar war er noch, dass er wusste, dass das nicht ging.

Sein Gefährte spürte diese Aggression sehr gut und er hatte das ungute Gefühl, dass diese Nacht nicht unblutig zu Ende gehen würde. Er war wohl weit über das Ziel hinaus geschossen. Doch der Kerl hatte ihn so rasend gemacht, dass Evren sich selbst kaum noch wieder erkannt hatte. Nun ging er, den Kopf tief zwischen die Schultern gezogen, durch den Regen, zurück zu seiner Wohnung. Er wollte endlich schlafen.

Dass das ein frommer Wunsch war, merkte er spätestens, als sie in der Wohnung waren und er gleich, nachdem die Tür hinter ihnen zugefallen war, mit dem Rücken an der nächsten Wand landete. „Das hast du nicht umsonst getan“, zischte der Prinz und seine Finger legten sich um Evrens Hals. Noch nie in seinem Leben war Azhdahar so wütend gewesen und dass gerade Evren ihm diese Demütigung angetan hatte, machte es noch viel schlimmer, denn er hatte ihm vertraut.

„Das erzählt mir der richtige, du Arschloch!“, keuchte Evren, denn der Kerl hatte einen ziemlich harten Griff. Er versuchte sich aus dessen Bedrängnis zu lösen, doch er hatte keine Chance. „Lass mich los, ich will ins Bett.“ Er versuchte den Kerl von sich zu schieben, doch der stand wie ein Fels. Angst beschlich Evren, denn er wusste nicht, was passieren würde. Wollte der Kerl ihn jetzt umbringen? Oder nur so lange auf ihn einprügeln, bis der Drache selbst bewusstlos wurde, weil Evren schon am Boden lag?

„Ich wollte nur endlich das tun, was du mir ja schon seit Tagen vorwirfst. Also, was regst du dich auf? Du hast doch angeblich gewusst, dass ich nichts mehr wollte, als Antje ins Bett zu kriegen“, knurrte der Prinz. Er öffnete seine Finger ein wenig, so dass Evren wieder Luft bekam, aber er hielt ihn weiter fest. „Du kennst mich ziemlich schlecht, denn diese Frau widert mich an und das letzte, was ich wollte, war das, was heute Abend geschehen ist. Aber das hast du ja nicht glauben wollen.“

„Na, dafür dass sie dich anwidert, musste ich aber nicht lange auf den Höhepunkt warten!“, zischte Evren, denn ihn ärgerte es am meisten, dass er es hatte miterleben müssen. Er sah Azhdahar in die Augen und versuchte zu ergründen, ob er log oder die Wahrheit sagte - dabei wusste er noch nicht einmal, warum er glauben wollte, dass Antje ihm nichts bedeutete. Das, was gerade in seinem Kopf vorging, war doch krank - definitiv krank! Hastig schüttelte Evren den Kopf.

„Ich wollte es hinter mir haben, denn es ist nur passiert, weil ich wütend auf dich war. Spaß gemacht hat es mir nicht.“ Azhdahar zog Evren von der Wand weg und pinnte ihn gleich an der nächsten fest. Er wollte ihm wehtun, aber noch hatte er sich so weit im Griff, es nicht zu tun. Aber etwas anderes spürte er - Evrens Angst vor ihm und das war ein gutes Gefühl.

„Ja, ich hab gemerkt wie du dich überwinden musstest und jetzt lass mich los, du Arschloch. Ich habe keine Lust, mir anhören zu müssen, wie du es meiner Vorgesetzten besorgst.“ Evren zappelte und wehrte sich nach Leibeskräften - der Typ war doch nicht ganz dicht. Morgen flog der Kerl raus! Evren war es egal, ob es schmerzen würde, wenn sie weiter von einander entfernt waren. Ihm war es egal, ob er noch an diesen Mistkerl gebunden war - er wollte ihn nie wieder sehen, den Bastard!

„Was soll das, Evren?“ Azhdahar wurde das jetzt wirklich zu viel. „Was willst du eigentlich? Seit Tagen suchst du ständig Streit. Du unterstellst mir Dinge, die gar nicht stimmen und willst nicht glauben, was ich dir sage. Ich habe bis heute Abend nichts getan, was wir nicht abgesprochen haben, aber du hast es zu weit getrieben. Selbst von dir lasse ich mir nicht alles gefallen. Also“, Azhdahar sah Evren an, „was ist dein Problem?“

„Mein Problem?“, knurrte Evren aufgebracht. „Mein Problem? Du bist mein Problem!“ Er wurde immer lauter. „Du bist mein Gefährte“, brüllte Evren und riss sein Shirt vom Tattoo auf seiner nackten Haut. Anklagend deutete seine Hand auf das Bild. „Da! ICH bin dein Gefährte, das waren deine Worte - nur ich! Ist das klar? In MIR fließt dein Blut, nur in mir! Du gehörst mir, Azhdahar, ob dir das passt oder nicht. Mir allein und niemand anderem. Gewöhn dich daran, sonst werde ich dir immer wieder die Tour vermasseln.“

„Was?“ Azhdahar sah Evren geschockt an, denn mit so einem Ausbruch hatte er bestimmt nicht gerechnet. Er hatte ihn sogar losgelassen und stand wie paralysiert vor ihm und in seinem Kopf rotierte es. Evrens Ausbruch hatte in ihm etwas hochgebracht, was dort schon gärte, seit sie aufeinander getroffen waren und was er nie hatte greifen oder benennen können. Eine unbestimmte Sehnsucht, die er bisher nie gekannt hatte. Ohne weiter nachzudenken, riss er Evren an sich und küsste ihn. Nicht vorsichtig oder zärtlich, sondern hart und fordernd, weil noch immer Wut durch ihn loderte. Damit brachte er Evren völlig aus dem Konzept.

Verdammt, was passiert hier? Evren hatte keinen Schimmer, er konnte nur auf Azhdahars breiten Rücken trommeln und versuchen, den Bekloppten von sich zu drängen. Bis ihm aufging, dass er das nicht wollte. Er konnte nicht erklären warum - aber genau das hatte er gewollt! Diese Dominanz und Azhdahars alleinige Aufmerksamkeit. Sein Atem ging schneller und so gruben sich seine Finger schmerzlich in den Rücken des Prinzen und er ließ ihn kaum noch zu Atem kommen. Ein Schwall an Emotionen schwappte über ihn hinweg, die er nicht mehr einzeln zu fassen bekam - aber in ihrer Summe machten sie Evren wild.

Es sah fast wie ein Ringkampf aus, so wie sie ineinander verkrallt waren. Azhdahars Finger hatten sich in Evrens Haaren vergraben und hinderten ihn daran, sich zurückzuziehen. Nur langsam wandelte sich seine Wut in nicht weniger brennende Lust, warum er Evren auch wieder gegen die Wand drückte. Er wollte diesen Mann, wie er noch nie jemanden begehrt hatte. Er fragte auch nicht nach dem warum, denn das war ihm vollkommen egal. Alles, was mit Evren zu tun hatte, war einzigartig und dass es irgendwann auf genau das hier hinauslief, was sie verband, hatte er tief in seinem Inneren immer gewusst, wenn auch nicht wahrhaben wollen.

Seinem Gefährten ging es nicht anders - vergessen war alles, was passiert war. Für Evren zählten nur der Augenblick und die Hitze, die ihn durchflutete. Er wusste nicht genau, ob das allein seine Empfindungen waren oder auch Azhdahars darunter gemischt waren - doch es war ihm gleich. Alles, was er noch wollte, war die Energie loswerden, die sich in ihm staute. Sie schlug gegen die Tore, drängte und drückte. „Hm“, entrang es sich seiner Kehle, als er Azhdahar ein Bein stellte und ihn zu Fall brachte. Das ging ihm alles nicht weit genug.

Seine Haut brannte, die Fingerspitzen machten ihn wahnsinnig. Das Gefühl vorhin, in der Dusche, war nur ein billiger Abklatsch dessen, was jetzt durch ihn brandete.

„Evren“, knurrte der Drache, als er sich auf einmal auf der Couch wiederfand, aber er fand sich schnell damit zurecht und seine Hände fuhren unter die Reste von Evrens Shirt und befreiten ihn davon. Es war herrlich, über den starken Körper zu streicheln und er hatte das Gefühl, dass es so sein musste. Immer wieder strichen seine Finger über die heiße Haut und er drückte Evren fest an sich.

„Was?“, knurrte Evren, doch er war nicht bereit, die geschickte Zunge so einfach freizugeben. Azhdahar sollte nicht reden, er sollte dafür sorgen, dass Evren sich endlich besser fühlte. Er hatte das Gefühl, unter Strom zu stehen - jede noch so kleine Bewegung erzeugte Blitze. Die Stromstöße liefen seine Nervenbahnen auf und ab und ließen ihn zittern. Er konnte nichts dagegen tun, dass sein Körper anfing, sich auf dem Prinzen zu bewegen.

Der stöhnte auf, denn so wie Evren sich auf ihm bewegte, war es herrlich. Azhdahar löste kurz den Kuss und drehte sich mit ihm, so dass er mit glühenden Augen auf seinen Gefährten hinab blickte. Seine Finger strichen über das Tattoo und er konnte die Berührungen an seinem eigenen Körper spüren. Das war so ein irres Gefühl, dem er mit geschlossenen Augen nachfühlte, aber viel mehr lockten ihn die weichen Lippen, die leicht geschwollen und glänzend nur darauf warteten, wieder von ihm eingenommen zu werden.

„Mach!“, knurrte Evren und seine Finger fuhren harsch in das schwarze Haar, damit er Azhdahar wieder zu sich ziehen konnte. Es war wie eine Sucht, den Drachen zu küssen und die forschenden Hände auf seiner Haut machten ihn nur noch wilder. Entschlossen winkelte er eines der Beine an, absichtlich rutschte er damit zwischen Azhdahars.

Er konnte das Reißen von Stoff hören, als der Prinz sich das Hemd einfach vom Körper fetzte, damit er Evren endlich Haut an Haut spüren konnte. Er stürzte sich förmlich auf seinen Gefährten. Immer wieder nahm er die Lippen für sich ein und zerrte dabei an Evrens Hose, die ihn unwahrscheinlich störte. Nur die Robustheit der Jeans bewahrte sie davor, in Fetzen gerissen zu werden. Aber Evren verstand sofort und so zog er seine Hände aus den langen Haaren und nestelte den Reißverschluss seiner Hose auf. Nun wand er sich keuchend wie ein Wurm, damit er den Stoff von seinen Beinen streifen konnte. Dass dabei sein Schoß über Azhdahars rieb und er dessen Erregung noch deutlicher spüren konnte, als nur durch ihre Blutsbande, war der helle Wahnsinn.

„Mach!“, keuchte er aufgebracht. Er wollte den Stoff endlich loswerden.

Azhdahar brauchte keine Aufforderung, er war mittlerweile so weit, dass er nur noch ein Ziel hatte, was er ohne Verzögerung durchzog. Innerhalb weniger Augenblicke hatte er Evren und sich selbst von den restlichen Kleidern befreit und konnte seinen Gefährten nun endlich so spüren, wie er es brauchte. Heiß durchströmte ihn die Lust, als ihre Schöße sich berührten und er Evrens Erregung direkt spüren konnte. Fest an ihn gepresst, begann er, sich gegen ihn zu bewegen und endlich die Erlösung zu finden, nach der sein Körper gierte.

Doch Evren gab sich mit dem Reiben nicht mehr zufrieden. Immer noch gierig küsste er Azhdahar, brachte sich dabei selbst fast um den Verstand. Seine Finger aber strichen das Rückgrat seines Prinzen entlang und schoben sich auf den festen Hintern. Er knetete die Rundungen, doch sie waren nicht sein Ziel, denn seine Finger suchten die Hoden, um sie zu verwöhnen.

Ungläubig riss er die Augen auf, als er diese intensive Berührung selbst spüren konnte - das war der helle Wahnsinn! Die Intensität, wenn er mit Azhdahar zusammen war, verdoppelte sich. Unglaublich. Umso mehr er den Drachen erregte, um so weiter trieb er sich selbst.

Auch Azhdahar erzitterte unter dem doppelten Ansturm der Gefühle und kurz hielt er inne. Das war einfach unglaublich und so bewegte er sich wieder gegen Evren. „Mehr“, keuchte er atemlos, denn er wollte nicht mehr warten. Zwischen ihnen hatte sich so viel in den letzten Tagen aufgestaut, so dass er endlich ein Ventil brauchte, um die Anspannung loszuwerden. Seine Hand schob sich zwischen ihre Körper und er umfasste Evren. Das war einfach unglaublich und laut stöhnend gab er sich den Gefühlen hin, die ihn durchströmten. Sie spürten beide, dass nicht mehr viel Zeit vergehen würde, bis sie über die Klippe sprangen. Es war faszinierend, denn nichts blieb vor dem anderen verborgen. Zu spüren, wie Azhdahar auf ihn regierte, ließ Evren ungehemmt aufstöhnen.

Sein Atem floh, seine Finger strichen nur noch fahrig - gleich!

Er spürte es ganz deutlich - sie waren beide nur noch einen Hauch vom Ziel entfernt - gleich!

Immer wieder trafen sich ihre Lippen zu gierigen Küssen, die sie aber immer nur weiter trieben und nicht in der Lage waren zu kühlen. Immer ungehemmter bewegte der Prinz sich gegen Evren und erregte ihn dabei und somit auch sich selbst. Das war einfach unglaublich, was sie gerade erlebten und so intensiv wie nichts, was er in seinem Leben bisher erlebt hatte.

So dauerte es auch nur noch wenige Herzschläge, bis der starke Körper erzitterte und Azhdahar so heftig kam, wie noch niemals zuvor. Er zog Evren mit sich, der sich ungeniert seinem Höhepunkt hingab und ihn sichtlich genoss. Fest an seinen Gefährten geklammert, ließ Evren endlich die Spannung aus seinem gequälten Leib fließen und wurde nur allmählich ruhiger. „Gut!“, keuchte er, denn sein Atem ging noch immer nur stockend - doch er fühlte sich besser, definitiv.

„Genau das.“ Azhdahar hob den Kopf, den er auf Evrens Schulter gelegt hatte und sah ihn an. Er verstand immer noch nicht, was mit ihnen passiert war, aber er wusste, dass es genau das war, was er gewollt hatte. Evren sollte ihm gehören und niemand anderem. Er strich ihm eine verschwitzte Strähne aus dem Gesicht und beugte sich vor, damit er Evren küssen konnte. Sanft und zärtlich strichen seine Lippen über das andere Paar. Jetzt wollte er genießen und Evren hatte nicht vor, sich dagegen zu wehren. Warum auch? Der Kerl verstand sein Handwerk und er war ziemlich befriedigend. Außerdem hatte Evren nun was er wollte - der Prinz war sein.

„Verdammt - das hab ich gebraucht“, nuschelte er gegen Azhdahars Lippen und grinste. Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet er mal in den Armen eines Mannes landen würde? Doch eigentlich war das egal, denn er hatte in den letzten Tagen schon begriffen, was los war. Er hatte es nur nicht glauben wollen.

„Hmm“, machte Azhdahar nur. Er wollte nicht reden, weil das die letzten Tage nur zu Streit geführt hatte, darum fing er Evrens Lippen wieder zu einem Kuss ein. Er mochte dessen Art zu küssen. Er gab sich nicht einfach hin, sondern machte aktiv mit und forderte. Der Prinz rutschte ein wenig zur Seite, damit er nicht mehr mit seinem ganzen Gewicht auf Evren lag, aber sie noch immer so viel Körperkontakt wie möglich hatten. Die Couch konnten sie wohl morgen erst mal sauber machen, doch daran wollte jetzt keiner denken.

Zufrieden gab sich Evren hin und grollte dunkel. Träge streichelte er über Azhdahars Körper und ein Grinsen über die Abstrusität konnte er sich nicht verkneifen.

„Ziemlich verrückt alles, hm?“ murmelte Azhdahar und legte seinen Kopf wieder auf Evrens Schulter. Er fühlte sich wohl, hier zu liegen und die streichelnden Finger zu spüren. Das war auch neu für ihn, denn normalerweise wäre er jetzt unter der Dusche und dann weg. „Jetzt wissen wir, warum es die letzten Tage immer wieder Streit gab. Du warst eifersüchtig“, lachte er leise, denn er ärgerte Evren immer noch gerne.

„Ach, bilde dir nichts drauf ein“, grinste Evren schief, doch er stritt es nicht ab. Es war eben so - der Drache gehörte ihm und wenn es dies hier bedurft hatte, um das zu begreifen, dann hatte es eben so laufen müssen. „Und wenn ich dich noch mal dabei erwische, dass du wo anders herum spielst, Jugendfreund, dann läuft die gleiche Show noch mal.“ Mit verengten Augen sah er Azhdahar an, doch er grinste und legte lieber seine Hände Besitz ergreifend auf den runden, festen Hintern.

Azhdahar knurrte leise und biss Evren leicht in den Hals. „Das gleiche gilt für dich. Ich teile nicht. Du gehörst mir.“ Für ihn gab es keine Frage, dass sie zusammen gehörten und alles, was sich ihnen in den Weg stellte, wurde einfach entfernt. Er raffte Evren an sich und lächelte. „Ich möchte eigentlich gar nicht mehr, dass wir unsere Verbindung verlieren. So wie es jetzt ist, gefällt es mir sehr gut.“

Evren lachte leise und strich eine der langen, schwarzen Strähnen beiseite, weil sie ihn am Hals kitzelte, wenn Azhdahar zu ihm hinab sah. „So was, wie vorhin in der Dusche, will ich nie wieder erleben müssen“, sagte er leise und schloss die Augen. Es war die Hölle gewesen. Sein Körper hatte ihm Lust aufgezwungen, die er nicht gewollt hatte und zu wissen, dass ein anderer bekommen hatte, was Evren begehrte, war grausam gewesen. „Ich will die Verbindung auch nicht lösen“, gab er zu und hoffte, dass das vorhin eine Einmaligkeit gewesen war.

„So etwas wird auch nicht wieder passieren.“ Azhdahar schüttelte sich, als er an den Sex mit Antje dachte. Allein wie diese Frau unter ihm gestöhnt und sich gewunden hatte, hatte ihn einfach nur abgeturnt. „Es war der grauenvollste Sex, den ich in meinem Leben hatte und ich habe Antje deutlich gemacht, dass das ganz bestimmt nicht wiederholt wird.“

„Ich bitte darum, denn sollte das noch mal passieren, wirst du Schmerzen leiden, wie sie noch nie ein Drache vor dir gelitten hat.“ Evren scherzte, doch ein Korn Wahrheit barg es auch. Er würde Derartiges nicht zulassen. „Und jetzt lass uns hoch ins Bett gehen, ich brauche noch ein paar Stunden Schlaf, ehe ich morgen wieder ins Institut kann. Ich muss Bücher abholen, die ich über die Fernleihe geordert habe“, murmelte er, doch er wollte nicht an Arbeit denken. Lieber wollte er Azhdahar noch ein bisschen küssen, auch wenn er langsam anfing zu zittern, weil die Hitze aus seinem Körper wich.

„Ob Streuner damit einverstanden sein wird?“ Azhdahar zweifelte ja daran, aber er fror auch, darum erhob er sich und zog Evren mit. Sein Arm legte sich wie selbstverständlich um den etwas Kleineren und er küsste ihn noch einmal. „Ich hoffe, dass ich nun bessere Chancen als die Katze habe, in deinem Bett liegen zu dürfen“, murmelte er lachend.

„Na ja, zumindest riechst du jetzt nach mir“, lachte Evren und strich verspielt durch die Spuren ihrer Lust, die Azhdahar noch am Bauch klebten. „Die Zeit, in der er verwirrt nachdenkt, wird reichen, um dich ins Bett zu schummeln.“ Er wusste, dass Streuner des Bettes nie ganz verwiesen wurde, schon allein, weil er an seinem Fellbündel hing, aber sein Drachi würde er nicht vertreiben lassen. „Zur Not tarne ich dich jeden Abend!“

„Ich habe bestimmt nichts dagegen.“ Zusammen mit Evren ging er die Treppe zum Schlafzimmer hoch. Evren würde ihn schon vor den spitzen Krallen beschützen und vielleicht wurden er und Streuner ja doch noch Freunde. Sie brauchten ein wenig, bis sie oben waren, denn der Prinz zog seinen Gefährten immer wieder für einen Kuss zu sich. Jetzt wo sie wussten, was mit ihnen los war, konnte er gar nicht mehr genug von Evren bekommen und dem ging es nicht anders.

Deswegen war er dem Drachen wohl aus dem Weg gegangen, weil er wusste, dass er etwas begehrte, was Azhdahar vielleicht nicht bereit war zu geben. Ihn zu berühren, ohne zu wissen, was der Prinz davon hielt, hatte Evren verrückt gemacht, doch plötzlich war alles anders und sie wirkten entspannter. „Dicker, rücken“, forderte er von Streuner, der sich gerade mitten im Bett zusammengerollt hatte und schob den dösenden Kater beiseite, legte sich aber so, dass er zwischen den beiden Streithähnen lag.

Aber heute war wohl kein Streit mehr zu erwarten, denn der Kater brummte nur ein wenig genervt, weil er geweckt wurde und rollte sich gleich wieder zusammen. Er hatte einen anstrengenden Tag hinter sich und musste jetzt schlafen. Azhdahar schmiegte sich dicht an Evren und legte Besitz ergreifend einen Arm und ein Bein um ihn.

„Übermorgen fliegen wir nach Mexiko“, murmelte Evren und gähnte, küsste sich aber noch ein bisschen über Azhdahars Schulter. Sie mussten noch ein bisschen was vorbereiten, aber dann stand ihrem Vorhaben nichts mehr im Weg. Und nun konnte ihn Azhdahar auch gern als seinen Gefährten vorstellen, wenn er das wollte. Evren würde sich nicht mehr dagegen wehren.

„Hmm“, machte der Prinz, denn er knabberte sich gerade Evrens Hals entlang. Er hob aber seinen Kopf und sah Evren in die Augen. „Ich freu mich schon drauf, mit dir nach Mexiko zu fahren und dich dann Zuhause als meinen Gefährten vorzustellen. Mein Partner für den Rest des Lebens.“ Dass es so war, wusste er einfach, denn durch ihre Verbindung würde sich das nicht mehr ändern. Trotzdem lief es Evren bei diesen Worten heiß und kalt den Rücken runter und er lächelte.

„Ich glaube, die ahnen das sowieso schon. Ich trage dein Blut und dein Konterfei auf meiner Brust.“ Er lachte leise und schloss die Augen. Er fragte sich, ob er Azhdahar nur begehrte oder ob er ihn wirklich liebte. Doch darüber konnte er sich auch später noch Gedanken machen, im Augenblick wollte er sich nur an ihn kuscheln, die Decke über sie beide ziehen und schlafen - endlich.



30


„Habt ihr auch wirklich alles eingepackt, damit ihr später von Mexiko weiterreisen könnt?“, fragte Werner und sah Evren an. Er hatte das schon ein paar Mal gefragt, aber er wollte auf Nummer sicher gehen, denn wenn es nicht so war, saßen Evren und Azhdahar ziemlich tief im Schlamassel. Er winkte der Kellnerin, denn er brauchte noch eine Tasse Kaffee. Bis der Flug ging, hatten sie noch Zeit und weil er seine Freunde abgeholt hatte, hatte er keine Zeit gehabt, sich zu Hause noch einen zu machen.

Evren grinste, doch er hatte Mitleid mit seinem Freund. „Ja, alles ist sicher im Gepäck verstaut. Es ist als wissenschaftliche Ausrüstung klassifiziert. Ich glaube nicht, dass es Ärger geben wird. Zur Not haben wir ja noch das Portal, was wir in meiner Wohnung aufgebaut haben. Du kannst es jederzeit benutzen, das weißt du.“ Dafür hatte Arlan gesorgt und auch Azhdahars Daten waren wieder in der Datei für die Türöffnung.

Schwieriger war es gewesen, sich bei seinen Eltern zu melden. Er hatte ihnen gesagt, dass er wieder weg müsste, wie sollte er ihnen auch erklären, dass er vielleicht den Planeten verlassen würde? Nicht vielleicht - er gehörte zu Azhdahar und ging dorthin, wo der Prinz hin ging.

„Du meinst, das geht so einfach? Es gibt wirklich keinen Ärger, wenn ich da auftauche?“ Werner war sich immer noch nicht sicher, ob er tatsächlich eingeladen war, auch wenn Evren und Azhdahar ihm das schon mehr als einmal versichert hatten.

„Werner, Arlan würde dich sehr gern kennen lernen und sich mit dir austauschen, das geht persönlich einfach besser, als über das Bildsprechgerät. Reiche Urlaub ein und komm vorbei. Evren und ich zeigen dir dann Gidoria“, erklärte der Prinz geduldig und lächelte. Er mochte Werner und bezeichnete ihn mittlerweile als Freund.

„Du kannst allerdings auch erst eine Visumsanfrage stellen. Das hat ein paar nicht zu vergessende Vorteile“, lachte Evren und leerte seine Teetasse, weil er Durst hatte. „Zum einen lernen die Drachen, was ein Visum ist, zum anderen kann sich jeder auf den anderen vorbereiten und zum dritten kannst du Angsthase es noch ein bisschen hinaus schieben.“ Er grinste frech, denn er kannte Werner gut genug, dass der kein Angsthase sein wollte.

„Bin kein Angsthase. Ich bin ein furchtloser Forscher, der keine Gefahr kennt“, kam es auch gleich und Werner grinste. „Ich komm aber erst, wenn ihr auch auf Gidoria seid. Meldet euch, damit ich weiß, dass ich Urlaub nehmen muss.“ Es fiel ihm wirklich schwer, die beiden gehen zu lassen und er wäre gerne mitgefahren. Er war schon zu lange hinterm Schreibtisch. „Hoffentlich findet ihr eure Echse schnell.“

„Na ja, ich habe genügend Speicherplatten mit, um sie anzulocken. Die andere habe ich ja leider zermatscht“, murmelte Evren leise und im nachhinein tat es ihm immer noch Leid. Hoffentlich war es nicht die letzte gewesen. Vielleicht sollten sie dort am Portal eine kleine Überwachungsstation für die Echsen einrichten und sie gezielt züchten, damit die Drachen sich auch weiterhin wandeln konnten.

„Außerdem muss ich mindestens noch einmal zurückkommen und meine Katze holen und meinen Eltern Lebwohl sagen.“ Aber daran wollte Evren jetzt noch nicht denken, denn er wusste noch nicht, wie er das machen sollte.

„Okay, dann meld dich einfach, wenn du Streuner holst und ein paar Tage später komm ich euch besuchen.“ Werner wirkte voller Tatendrang und auch wesentlich jünger, jetzt wo er Aussicht auf ein Abenteuer hatte. Das hatte ihm gefehlt. Schreibtischarbeit befriedigte ihn einfach nicht. Er wollte wieder raus. Er wollte unbedingt raus finden, ob noch mehr Götter der Azteken abtrünnige Drachen waren, die einfach auf die Erde gekommen waren.

„So, Jungs.“ Er trank seinen letzten Schluck Kaffee und erhob sich. „Ich muss ins Institut, sonst macht Antje wieder Mist.“

„Ja, besser man guckt ihr auf die Finger. Man kann gar nicht so dumm denken, wie sie ist“, sagte Evren und konnte sich einen neckenden Blick Richtung Azhdahar nicht verkneifen. Er trug es seinem Drachen zwar nicht mehr nach, was passiert war, doch das hieß noch lange nicht, dass er keinen Spaß daran hatte, ihn zu ärgern. Meistens schwor er Rache und die war nicht von schlechten Eltern.

Auch jetzt knurrte der Drache, allein bei der Erwähnung ihres Namens. Er hatte versucht, ihr im Institut aus dem Weg zu gehen, aber sie hatte nicht locker gelassen und so hatte er ihr deutlich klar machen müssen, dass er nicht an ihr interessiert war. Allein die Schimpftirade, die daraufhin gefolgt war, ließ noch immer seine Ohren klingeln. „Wenn sie Ärger macht, schick sie nach Gidoria, wir bändigen sie schon“, grinste er.

„Quatsch, ihr verfüttert sie“, lachte Evren, obwohl er wusste, dass die Drachen nie ihre Menschen verfüttern würden. Sie waren zu wertvoll. Ob Antje da vielleicht die erste Ausnahme war, stand auf einem anderen Blatt. Während die Kellnerin die Tassen abräumte und noch einen schönen Tag wünschte, machten sie sich langsam auf zum Check-In, wo Werner sich endgültig verabschieden musste. Kurz und schmerzlos - dann ging er. Sie sahen sich ja in ein paar Tagen wieder.

„Komm her.“ Azhdahar zog Evren an sich und küsste ihn, als sie alleine waren. Mittlerweile konnte er sich ein Leben ohne Evren und ihre Küsse und Zärtlichkeiten gar nicht mehr vorstellen und er vermisste sie. Hier hielten sie sich zurück, weil sie keine Aufmerksamkeit erregen wollte – zumindest nicht mehr als so schon, aber auf Gidoria brauchten sie das nicht mehr.

„Bald hat diese Fliegerei ein Ende und du kannst endlich ein richtiger Drache werden“, sagte Evren, als er sich gegen Azhdahars Arm lehnte, weil er so tat, als müsste er noch einmal was in der Tasche suchen. Auch ihm stank es, sich verstecken zu müssen, doch mit einem gefälschten Ausweis Aufsehen zu erregen war nicht schlau.

Langsam rückten sie in der Reihe vor.

„Dann fliegst du mit mir.“ Azhdahar freute sich schon darauf, mit Evren zusammen durch die Lüfte zu brausen, doch dazu mussten sie erst noch einiges vorbereiten, denn schließlich sollte sein Gefährte nicht runterfallen. Sie brauchten eine Art Sitz für ihn, auf dem er festgeschnallt werden konnte und sie auch ein paar Dinge mitnehmen konnten. Gleich, wenn er sich wandeln konnte, sollte dafür Maß genommen werden.

„Werden wir eigentlich gleich weiterreisen oder eine Nacht in Mexiko City bleiben?“

„Wir haben gleich einen Anschlussflug. Ich dachte, du wolltest so schnell wie möglich an die Stelle mit dem Altar und dem Portal.“ Evren wirkte unsicher, hatte er das Falsche getan? Er war davon ausgegangen, dass eine Stadt wie Mexiko City Azhdahars Lunge den Rest geben würde. „Wir können aber noch versuchen umzubuchen. Ist eh ein privater Zubringer“, überlegte er und kaute auf der Unterlippe.

„Nein, ist doch prima. Ich wollte doch nur wissen, ob ich auf dem Flug spielen kann oder besser schlafen sollte.“ Azhdahar strich kurz mit dem Finger über Evrens Lippe, damit er nicht mehr kaute und lächelte. „Wenn die Luft dort so schlecht ist, wie du sagst, dann mag ich da nicht unbedingt bleiben, auch wenn wir die Filter haben. Du wirst auch welche tragen.“

„Wenn alles so läuft wie gebucht, dann haben wir nicht viel Aufenthalt. Wir werden direkt vom Flugzeug abgeholt, genau wie unser Gepäck. Wir trappeln zum Einreiseschalter und los geht’s Richtung Dschungel. Ich würde sagen, ein bisschen spielen ist okay, aber dann wird geschlafen“, lachte er. Es war einfach zu verlockend, Azhdahar zu ärgern.

„Du weißt, dass ich am besten schlafen kann, wenn ich mein Schmuse-Haustier im Arm halten kann?“ Der Prinz lachte leise und zwinkerte Evren zu. „Darf ich etwas länger spielen, wenn ich verspreche, keine Schwimmwesten auszupacken und auch keine Masken überprüfe?“, ging er auf das Spiel ein und sah Evren bittend an.

Der legte nachdenklich den Kopf schief. „Eigentlich sollten kleine Drachen früh schlafen gehen, aber wenn du mir versprichst, dass du zusätzlich auch noch auf das Überprüfen der Notausgänge verzichtest, kommen wir ins Geschäft.“ Dass er selber ganz gern in Azhdahars Armen lag, sagte er nicht, das wusste sein Gefährte und außer ihn ging das auch keinen etwas an. „Aber sag deiner Mama nicht, dass du länger auf warst. Sonst darfst du nämlich nie wieder mit mir spielen“, lachte Evren leise und schüttelte über sie den Kopf.

Azhdahar deutete an, seinen Mund zu verschließen und dann den Schlüssel wegzuschmeißen. Das hatte er in einigen Cartoons gesehen und sich nicht mehr eingekriegt vor Lachen. Auch jetzt musste er grinsen. Seit sie beide wussten, dass sie zusammen gehörten, war das Leben einfach herrlich, sie blödelten rum und hatten Spaß und störten sich nur selten an den Blicken schräg von der Seite.

„Gut.“ Evren nickte und sie rückten wieder vor und er holte tief Luft. Jetzt kam es darauf an. Sie waren an der Reihe und wenn der Pass des Prinzen jetzt aufflog, hatten sie mehr als nur ein Problem. Sie hatten beschlossen - sollte es schief gehen, dann ging Azhdahar zurück in die Wohnung und Evren flog allein, baute dort ein Portal und holte Azhdahar nach. Aber wie es aussah, hatten sie Glück. Die Tickets wurden geprüft, das Gepäck gecheckt, die Ausweise begutachtet und dann waren sie durch das erste Hindernis durch.

„Soll ich meiner Mutter ein Geschenk von der Erde mitbringen?“ fragte Azhdahar, als sie am Duty-Free Shop vorbeikamen. War aber nicht sehr ernst gemeint, denn Süßigkeiten, die sie sehr gern mochte, überlebten bestimmt nicht bis zu ihr, denn die mochte Azhdahar auch. Besonders, als er festgestellte hatte, dass es ihr bitteres Chokolatl in süß und zart schmelzend gab. Er war regelrecht süchtig danach. Wie Evren nach seinen Käsebällchen. Sicherheitshalber hatten sie noch ein paar Tafeln in das Gepäck gesteckt, gut verstaut in einer Kühlbox. Wenn eine Tafel überlebte, hatte Mutter Drache auch noch was davon.

„Sie haben hier Schweizer Schokolade“, sagte Evren grinsend, „ich nehme sie auch an mich und verteidige sie mit meinem Körper“, bot er uneigennützig an, grinste aber, als er seine Tasche auf das Laufband für das Röntgengerät stellte und die Hosentaschen leer machte.

„Ist die noch leckerer, als die Deutsche?“, wollte der Drache auch gleich neugierig wissen und legte seinen Rucksack ebenfalls aufs Band. Nun war er in einer Zwickmühle. Wenn Evren die verteidigte, kam er da nicht ran und ob seine Mutter hinterher mit ihm teilte, war auch fraglich. „Können wir nicht ein paar Tafeln mehr kaufen und einen Teil darfst du beschützen und den anderen Teil darf ich essen?“

„Ich habe es noch im Ohr, wie ein stattlicher Drache sich über mich lustig machte, weil ich ständig Käsebällchennachschub brauchte“, lachte Evren kopfschüttelnd und ging durch die Schleuse. Wie üblich war er gut vorbereitet und nichts piepste, weswegen er seinen Besitz auch wieder an sich nehmen durfte. „Aber gut, kaufen wir noch Schweizer Schokolade und zwar reichlich. Und wenn du fett wirst, dann musst du das eben wieder abtrainieren.“ Evren hatte da schon Ideen.

„Ich werde nicht fett, aber ein wenig Training wäre ich nicht abgeneigt.“ Azhdahar strahlte, denn die Aussicht, gleich Schokolade zu bekommen, gefiel ihm. Ihren Vorrat hatte Evren zu dem aufgegebenen Gepäck gepackt, da kam er nicht ran. „Du darfst so viele Käsebällchen essen, wie du möchtest, wenn wir auf Gidoria sind, ich verspreche es“, lachte er und überlegte, ob Werner für ihn nicht auch regelmäßig Schokolade schicken könnte.

„Er wird dir welche mitbringen“, lachte Evren, denn er konnte deutlich lesen, was in Azhdahar vorging. In der Beziehung war er berechenbar. Evren packte auch das Gepäck seines Gefährten zusammen, während der durch die Schleuse ging. Dann hatten sie alles hinter sich und konnten einkaufen.

„Fein, dann gehen wir einkaufen.“ Sehr zu seinem eigenen Erstaunen mochte der Prinz es shoppen zu gehen, auch wenn er das Prinzip des Kaufens an sich nicht wirklich verstand. Aber er war anpassungsfähig, weil es hier nun einmal nur so funktionierte. Er nahm Evren seinen Rucksack ab und gab ihm dafür einen Korb, in den er dann alles an Schokolade packte, was lecker aussah. Besonders diese dreieckigen Toblerone, die hatten es ihm angetan, nachdem er ein Stückchen hatte probieren dürfen. Mit Unglauben sah Evren dabei zu, wie der Drache die Schokolade stapelte, hielt ihn aber davon ab, noch mehr in den Korb zu legen, als sie ihr Limit für den zollfreien Transfer erreicht hatten. Er selber wollte sowieso nichts kaufen. Er konnte also einen Teil der Ware auch auf sich nehmen - doch selbst das hatten sie bereits ausgeschöpft und das erklärte er seinem Drachen auch unauffällig.

„Hmm.“ Azhdahar sah zwischen Korb und Regalen hin und her. Da gab es noch so vieles, was lecker aussah, aber er musste sich wohl oder übel entscheiden, so wie Evren guckte. Darum sortierte er noch einmal um und war dann bereit zu bezahlen. „Ich habe eine Tafel mehr mitgenommen, als wir dürfen, aber die essen wir gleich, bevor wir ins Flugzeug steigen, dann merkt das keiner“, flüsterte er ihm grinsend zu.

„Du wirst gewogen, wusstest du das nicht?“, sagte Evren todernst und grinste, als der Drache ihn irritiert ansah. „War ein Scherz, iss deine Schoko, dann geht es dir besser. Schließlich hat sie Glückshormone und soll dazu führen, die Stimmung aufzuhellen.“ An der Kasse legte er noch einen kleinen Nussriegel für sich selber in den Korb, dann wirkte er zufrieden und zahlte.

„Dafür brauch ich die Schokolade nicht, denn du machst mich glücklich, wenn du bei mir bist“, flüsterte Azhdahar Evren ins Ohr und weil er schon mal so nah dran war und man durch seine Haare nicht sehen konnte, was er machte, küsste er ihn auch gleich noch aufs Ohr. Lächelnd nahm er die Tüte mit ihren Einkäufen entgegen und leckte sich vor lauter Vorfreude über die Lippen, was die junge Verkäuferin kichern ließ.

Evren senkte den Kopf und grinste, als er das Wechselgeld entgegen nahm. Ihm war warm im Bauch geworden und das mochte er. Er mochte im allgemeinen die Gefühle, die Azhdahar in ihm auslösen konnte und langsam begriff er auch, warum er immer von einer Frau zur anderen gewandert war, ohne zu finden, was er suchte - eine Frau konnte ihm das wohl einfach nicht geben. „Lass uns zum Gate gehen, dann sehen wir noch ein bisschen den Flugzeugen zu“, sagte er und griff sich übermütig Azhdahars Hand, während er die fragenden Blicke ignorierte.

Er hatte eindeutig schon von Azhdahar gelernt, der wirklich ein Meister im Ignorieren war. Hand in Hand liefen sie zum Gate. Von hier aus hatten sie einen guten Blick auf den Flughafen. Der Prinz zog Evren zu den hohen Fenstern und setzte sich auf das Podest davor. Er zog Evren so vor sich, dass der zwischen seine Beine passte und sich mit dem Rücken an ihn lehnen konnte. So konnten sie beide etwas sehen und Azhdahar seine Arme um seinen Gefährten legen. „Auch ein Stück?“ Er hatte eine Tafel Schokolade geöffnet und hielt sie Evren hin.

„Ich hab erst mal einen Erdnussriegel. Dann komme ich gern auf dein Angebot zurück“, sagte Evren und präsentierte seine Beute. „Es sei denn, nachher ist nichts mehr da, dann sollte ich doch jetzt schnell ein Stück essen.“ Also biss er ab und kaute zufrieden - das Zeug war wirklich gut.

„Besser jetzt. Die ist immer so schnell leer“, lachte der Prinz und lehnte sich entspannt nach hinten an die Fensterumrandung. Schokolade essend und die Flugzeuge beobachtend genoss er Evrens Nähe und streichelte ihm unauffällig über den Bauch. Er ließ die letzten zwei Tage Revue passieren.

Der Morgen nach ihrem Streit hatte gleich wieder turbulent angefangen, weil Streuner sich wieder von seinem Feind bedrängt fühlte und Rabatz gemacht hatte, bis Evren ihn nach unten in die Küche gebracht hatte, wo er was zu Fressen bekommen hatte. Evren hatte noch ein bisschen auf ihn eingeredet, doch dann war der Kater losgezogen in sein Revier. Allerdings war Streuner nicht das Schlimmste, was Azhdahar an diesem Tag passiert war, denn nach dem anregenden Duschen mit Evren ging's zurück ins Institut, weil Evren dort noch ein paar Sachen abholen musste. Unter anderem auch die Tickets, die Werners Sohn an seinen Vater geschickt hatte. Als hätte sie ihnen aufgelauert, war Antje plötzlich auf der Bildfläche erschienen und dieses Mal hatte Evren sich nicht zurückgezogen - der Drache gehörte ihm und er würde Azhdahar beistehen. Doch das hatte Antje nicht davon abgehalten, Aufklärung zu fordern.

Allerdings hatte sie wohl nicht damit gerechnet, dass der Prinz ein arrogantes Arschloch sein konnte, denn Azhdahar hatte sie kurz und knapp abgefertigt. Dabei hatte er ihr einige für sie sehr unschöne Dinge gesagt, die besonders in Gegenwart ihrer Kollegen extrem peinlich für sie waren. Anschließend hatte er sie, sprachlos wie sie war, einfach stehen gelassen, hatte den Arm um Evren gelegt und ihn geküsst. Später war sie noch einmal keifend auf ihn zu gekommen. Er hatte es ertragen, aber als sie anfing Evren zu beleidigen, war ihm der Kragen geplatzt und er hatte ihr geraten, das lieber zu lassen, wenn sie weiterleben wollte.

Ihre Rettung war Werner gewesen, der das Geschrei im Büro auch gehört hatte und die beiden zu sich befahl. Sie waren noch einmal alles durchgegangen, wie es in Mexiko laufen sollte. Und nun saßen sie hier, starrten aus dem Fenster und sahen dabei zu, wie die Maschine, die sie nach Mexiko City bringen sollte, herangerollt wurde.

„Bald sind wir einfach weg“, sagte Evren leise.

„Wir kommen wieder, Schatz.“ Azhdahar zog Evren an sich und küsste ihn auf die Stirn. „Wir werden auf beiden Welten leben, so lange wie es geht.“ Der Prinz konnte nicht verlangen, dass Evren sein Leben hier aufgab, denn es wäre für seinen Gefährten schlimm, seine Familie und Freunde nicht mehr zu sehen. Außerdem hatte er eh nicht so viele Verpflichtungen auf Gidoria, dass er ständig dort sein musste, zumindest so lange sein Vater König war und das hoffentlich noch für sehr lange Zeit.

„Ja, dann können wir uns ja um die Umagals kümmern und die Drachen suchen, die vielleicht noch unerkannt auf der Erde leben.“ Das interessierte Evren am meisten, ob es wirklich welche gab, die hier lebten, so wie Azhdahars Onkel. Es war eines seiner Ziele, diese zu finden. Und er wollte forschen im Dschungel, den Altar freilegen, untersuchen, kartografieren. Es juckte ihn jetzt schon in den Fingern.

„Ja, das sollten wir. Ich frage mich, ob es was bringen würde, wenn wir einige von den Umagals, die wild bei uns leben, wieder auf die Erde bringen. Es gab da einmal eine Theorie, dass es auf der Erde einen Stoff geben muss, den es auf Gidoria nicht gibt, damit die Verschmelzung funktioniert. Man hat vermutet, dass es etwas mit dem Futter oder den Mineralien im Boden auf sich hat oder der Atmosphäre. Es wäre auf jeden Fall etwas, was man erforschen sollte.“ Azhdahar hatte sich ein wenig mit diesem Thema beschäftigt, als er auf seine Echse gewartet hatte. „So könnte man die Population auf der Erde wieder aufstocken und frisches Blut einkreuzen.“

„Ja!“ Evren nickte begeistert. Er hatte schon beschlossen, womit er seine nächsten Jahre verbringen wollte. Irgendwie waren die Viecher ja auch ganz süß, wenn sie nicht gerade Speicherkarten wegschleppten oder sich zerquetschen ließen. „Was hast du eigentlich gedacht, als du anstelle der Umagal mich gesehen hast. Und sei ja ehrlich, ich merke wenn du lügst“, grinste Evren und so war es wirklich: wenn Azhdahar log, was er selten tat, wurde ihm ungemein heiß, das spürte dann auch Evren.

„Leider.“ Azhdahar lachte und steckte Evren ein Stück Schokolade in den Mund. „Ich war wütend. Sehr sogar. Ich wollte ein vollwertiger Drache werden, damit ich endlich anerkannt werde. Ich musste sowieso schon länger warten, als die normal übliche Zeit. Ich war so wütend, dass ich dich wahrscheinlich getötet hätte, wenn das gegangen wäre, als ich herausgefunden habe, dass wir miteinander verbunden sind.“

„Schmeichelhaft“, knurrte Evren, doch er war nicht böse. Er hatte das hören wollen und es war gut zu wissen, dass sich das geändert hatte. „Ich hoffe, wir finden dein kleines Vieh schnell. Ich frage mich nur, was dann mit mir passiert. Werde ich das auch spüren, wenn ihr Blut sich mit deinem mischt?“ Darüber hatte Evren in den letzten Tagen öfter nachgedacht. Regte das Blut vielleicht auch in ihm etwas an und er wurde mehr wie ein Drache?

„Damals kannte ich dich noch nicht und konnte nicht wissen, dass ich meinen Partner fürs Leben geschenkt bekommen habe. Die Person, die mich und meine Seele erst komplett macht.“ Er küsste Evren, egal ob sie allein waren oder nicht, denn er musste ihm einfach zeigen, wie viel er ihm bedeutete. „Ich weiß nicht, was passiert. Aber ich glaube nicht mehr, dass die Umagal unsere Verbindung lösen kann, dazu ist sie zu stark. Ich habe mir wirklich überlegt, ob wir nicht beide gemeinsam durch das Echsenportal gehen sollen, damit du noch mehr von meinem Blut bekommst und noch mehr Drachenanteile in deine DNS kommen. Größer, mit glühenden Augen und Hörnern könntest du mir auch sehr gefallen.“

„Wie bitte?“ Evren wusste nicht, ob Azhdahar scherzte oder nicht. „Ich soll Hörner kriegen und glühende Augen? Gefalle ich dir etwa nicht, wie ich bin?“, fragte er, doch was er verschwieg war die Angst, die ihn beschlich. Nicht nur, dass Azhdahar vielleicht nicht zufrieden sein könnte, nein, Angst davor, dass er sich veränderte, nicht mehr Evren war.

„Hey.“ Azhdahar zog Evren an sich und verwünschte sich selbst. „Schatz, so habe ich das nicht gemeint. Ich liebe dich, so wie du bist.“ Er redete einfach drauf los, weil er den schnellen Herzschlag und die Angst seines Gefährten spüren konnte. Er merkte dabei nicht, dass er Evren das erste Mal sagte, dass er ihn liebte. „Ich dachte nur, wenn du dich vielleicht mit ein wenig mehr meines Blutes, in eine Zwischenform wandeln könntest, ähnlich meiner, würde es dir vielleicht leichter fallen, unter Drachen zu leben.“

Evren blinzelte. Irgendwie wurde die Erklärung gerade hinfällig. Er sah Azhdahar eine Weile lang nur an und grinste. „Hast du mir gerade im dritten Nebensatz gesagt, dass du mich liebst?“, fragte er nach, weil er sich selber nicht sicher war, ob er das gehört hatte. Trotzdem schlug sein Herz schneller und er grinste dümmlich und das lag nicht daran, dass er Hörner bekommen sollte.

Völlig aus dem Konzept gebracht, sagte Azhdahar: „Hab ich?“, und überlegte, was er gesagt hatte. „Habe ich wirklich“, grinste er schließlich und lachte. „Ich hatte gehofft, dass es dir nicht auffällt.“ Seine Augen blitzten frech, als er Evren zu einem Kuss zu sich zog. „Ich kann's wohl nicht mehr zurücknehmen oder? Gesagt ist gesagt.“

„Untersteh dich und nimm das wieder zurück. Dann bleibe ich nämlich hier und sage dir nicht, dass ich dich auch liebe“, grinste Evren frech und konnte nicht verhindern, dabei extrem dümmlich auszusehen - wie das sprichwörtliche Honigkuchenpferd. Er küsste Azhdahar und bemerkte nur aus dem Augenwinkel, dass Leben in die versammelten Menschen kam. Das Bording begann.

„Ich liebe dich, Kleiner“, wisperte Azhdahar noch leise und bestimmt konnte Evren die Glückswelle, die gerade durch ihn raste, spüren. Sie konnten ihren Kuss aber nicht sehr lange genießen, denn ein Angestellter der Fluggesellschaft räusperte sich dezent in einiger Entfernung, um auf sich aufmerksam zu machen. „Komm, steigen wir ein. An Bord kann ich dir auch noch ganz oft sagen, dass ich dich liebe.“

„Ich bitte darum. Ich würde es dir nicht verzeihen, wenn du solch wichtige Sachen für dich behalten wolltest.“ Evren raffte seine Sachen und reihte sich bei den anderen ein. Es ging ziemlich schnell vorwärts und so dauerte es keine drei Minuten, da standen sie schon im Flugzeug und sichteten ihre Sitzplätze. Natürlich hatte Werners Junge dafür gesorgt, dass sie gute Plätze hatten und Azhdahar am Fenster sitzen konnte.