Du befindest Dich hier: Geschichten > Geschichten frei bis 16 > Britta & Fich > Der lange Weg vom Wölfchen zum Wolf > Der lange Weg vom Wölfchen zum Wolf - Teil 17 bis 20

Der lange Weg vom Wölfchen zum Wolf - Teil 17 bis 20

17 - Die traurige Geschichte vom toten Wurm


Leviathan lenkte Wölfchen immer mit kleinen Richtungsrufen, aber ansonsten ließ er ihn in Ruhe. Erst als sie in die Nähe des Hotels kamen, schloss er auf und betrat mit Wölfchen zusammen die Lobby. Gleich kam ein Hotelboy auf sie zu und verbeugte sich, denn Leviathan war hier bekannt. „Darf ich ihnen das Gepäck abnehmen?“, fragte er Wölfchen. „Ich bringe es dann hoch zu ihrer Suite.“

„Aber ich“, murmelte der kleine Wolf. Was denn für eine Suite? Er hatte doch noch gar nichts bestellt. „Ich brauch doch erst mal ein Zimmer“, murmelte er leise und hoffte, dass der Drache das nicht mitbekam.

„Herr Sarungal hat doch schon eine Suite reservieren lassen“, erklärte der Hotelboy etwas verwirrt und hielt immer noch seine Hand auf, damit Wölfchen ihm seinen Rucksack geben konnte. Aber der kam gar nicht dazu, denn Leviathan zog ihn mit zur Rezeption, wo er höflich begrüßt wurde. „Ist alles vorbereitet?“, fragte der Drache nur knapp nach einem Nicken und übergab dem Portier seine Kreditkarte.

„Das ist Leviathans Zimmer. Aber ich brauche doch auch noch eins. Ich bin Wolf-Rüdiger Fenrir und ich hätte gern was Kleines, nicht so Teures für die Nacht. Morgen muss ich ja sowieso wieder wo anders hin“, fing er an, seine Lebensgeschichte zu erzählen und amüsierte die Bediensteten irgendwie.

„Wölfchen, mein Zimmer ist groß genug für uns zwei. Du kannst sogar einen eigenen Raum zum schlafen haben, wenn du möchtest“, erklärte Leviathan und sah auf Wölfchen runter. Er wollte nicht, dass der Kleine so weit von ihm weg war, denn so wie er gerade drauf war, wollte er ihn nicht alleine lassen. „Außerdem wolltest du doch baden und unsere Suite hat die größte Badewanne.“

„Ui“, machte Wölfchen ehrfürchtig und war nun doch hin und her gerissen. Aber wenn der Drache so darauf bestand, wollte er sich nicht mehr wehren. Im Augenblick wusste er sowieso nicht, was mit ihm los war und alles, was er wollte, war eine warme Badewanne und ein Bett. Ihm tat alles weh. Die Gelenke, die Knochen, der Bauch - das konnte allerdings auch an den vielen Pommes liegen. Ihm war heiß und kalt und so nickte er nur zustimmend und gab sich geschlagen.

„Gut, dann gib dem Pagen deinen Rucksack und dann können wir hochfahren. Wir wohnen ganz oben.“ Selbstverständlich setzte Leviathan sich in Bewegung. Er kannte sich hier aus, denn er hatte mit seiner Familie und auch allein oft hier logiert. Er mochte den Luxus und auch, dass hier alles sehr diskret behandelt wurde. Kein Vergleich zu der Jugendherberge, in der sie die erste Nacht verbracht hatten. Hier mussten sie nicht das Bad teilen, hier würde ihnen keiner vorschreiben, was sie zu tun oder zu lassen hatten und es würde sich auch keiner an Wölfchens Alpträumen stören, die irgendwie zu dem kleinen Wolf gehörten, wie seine Gier nach Puschel und Häschen.

„Ui, Knöpfe“, murmelte Wölfchen, als er im Aufzug war, hütete sich aber davor, draufzudrücken, man wusste ja nie, was dann passierte und so lange der Typ da hinten seinen Rucksack hatte, wollt er nichts tun, was ihn daran hinderte, den jungen Mann im Auge zu behalten - schließlich waren in dem Rucksack seine Schlüpfer! Auch die neuen!

„Den obersten“, grinste Leviathan und nickte Wölfchen zu, der auch ganz schnell drückte, dabei aber den Pagen nicht aus den Augen ließ. Warum, war dem Drachen nicht klar, aber das war auch nicht wichtig. Nach kurzer Fahrt öffneten die Türen sich wieder und der Page brachte sie zu ihrer Tür und öffnete sie. Er kam aber nicht mit rein, denn Leviathan nahm ihm den Rucksack ab und steckte ihm ein Trinkgeld zu. „Home sweet home“, rief er lachend und ging in die Suite. Wölfchen folgte etwas zögerlicher, nachdem er sich die Schuhe an der Tür ausgezogen hatte. Nun wurden die Füße kalt, denn der Flur war mit feinstem, aber kalten Marmor ausgelegt. „Ui“, machte er wieder und wusste nicht, was er sagen sollte. Wie vornehm. Man wusste gar nicht, ob man in einem Zimmer oder in einem Museum war!

„Hier sollen wir wohnen?“, fragte er leise - wie in einem Museum eben.

„Ja, hier werden wir wohnen.“ Leviathan sah sich nicht um, denn er kannte die Räume. „Komm, ich zeig dir, wo du schlafen kannst, wenn du nicht bei mir schlafen möchtest.“ Er ging durch den Wohnraum, der mit einem flauschigen Teppich ausgelegt war, zu einem der Schlafräume, den er immer bewohnt hatte, wenn er mit seiner Familie hier gewesen war.

„Von wollen kann ja nicht die Rede sein“, nuschelte Wölfchen leise, doch er folgte, immer noch von Ehrfurcht gefesselt. Das war ja unglaublich, was er hier alles sah. Sogar ein Kamin! Und da brannte richtiges Feuer. Wenn seine Mutter das sehen könnte. Hastig lief er dem Puschel des Drachen hinterher, der ihm zeigte, in welchem Zimmer Leviathan verschwunden war und er bekam große Augen. So ein großes Bett! Und das wäre ganz allein für ihn? „Boah!“

Seine Augen waren kugelrund und strahlten. Genau das hatte Leviathan erreichen wollte, denn so glich er wieder dem Wölfchen, das er kannte. Was würde der Kleine erst einmal für Augen machen, wenn er die Badewanne sah. Das war nämlich nicht so ein kleines Ding, wo gerade mal eine Person reinpasste, sondern ein richtiges Badebecken mit Sprudeldüsen und sämtlichem Schnickschnack, den man sich vorstellen konnte.

„Das ist ja schön.“ Wölfchen drehte sich im Kreis um sich selbst und guckte sich alles ganz genau an. Die geschmackvollen Vorhänge, das große Bett, die Möbel - es sah immer noch aus wie in einem Museum, aber es war sehr schön. Erst war er noch schüchtern, doch dann konnte er nicht mehr widerstehen, nahm Anlauf und warf sich kreischend auf das große Bett.

Es war einfach zum Lachen, wie der kleine Wolf auf der Matratze herumrollte und sichtlich Spaß hatte. Leviathan beobachtete ihn eine Weile dabei und lehnte sich an einen der hohen Bettpfosten. Für ihn war so ein Leben selbstverständlich und es machte Spaß zu sehen, wie Wölfchen sich freute. „Baden?“, fragte er nach einer Weile, nachdem Wölfchen etwas ruhiger wurde.

„Au ja - baden! Soll ich Wasser warm machen?“ Schwups war der kleine Wolf aus dem Bett und sah sich suchend um. Baden bedeutete bei Fenrirs daheim immer Wasser warm machen und den kleinen Wolf in den Waschzuber stecken. Also machte er sich auf die Suche, um ein bisschen mitzuhelfen.

„Nein, musst du nicht, ist schon alles fertig.“ Leviathan fing den rumhibbelnden Wolf ein und drehte ihn Richtung Badezimmertür. „Nur ausziehen, reinhüpfen und entspannen.“ Die Vorfreude auf das warme Vergnügen ließ den Drachen lächeln und er störte sich auch gar nicht daran, dass Wölfchen gleich wieder, wo er war, seine Kleider fallen ließ. Er hatte sich irgendwie an den Anblick eines nackten Wolfes gewöhnt, ohne dabei etwas zu empfinden - Wölfchen war eben Wölfchen.

„Ui!“, war irgendwie in den letzten Minuten zu Wölfchen Lieblingsvokabel geworden - er benutzte sie fast inflationär. Aber so ein großes Bad war nun einmal Ui, denn das hatte er noch nicht gesehen. Das war größer als das fenrirsche Wohnzimmer! Und der Pool schnupperte lieblich und dampfte ganz warm. Wölfchen vergaß, dass er nicht schwimmen konnte und sprang hinein.

Mit einem großen Platsch ging er unter und Leviathan musste grinsen, aber nur so lange, bis der kleine Wolf japsend und rudernd wieder an die Oberfläche kam und Panik in den Augen hatte. Ohne weiter nachzudenken sprang er hinterher und hielt Wölfchen fest, als der wieder unterzugehen drohte. „Was machst du denn für Sachen?“, grummelte er, aber die Sorge um seinen Freund war deutlich zu hören.

„Das ist tiefer als Mamas Waschzuber“, murmelte Wölfchen und klammerte Halt suchend an dem Drachen. Sein kleines Herz schlug wild und hektisch. Prüfend tastete er mit einem Fuß, doch er fand keinen Grund. Also schlugen sich seine Nägel durch Leviathans Shirt. Er konnte sich nicht einmal darüber wundern, dass der Drache gänzlich bekleidet im Pool stand.

„Ja, sieht so aus.“ Leviathan seufzte leise und hielt Wölfchen weiter fest. Langsam ging er mit seiner Last zu der flacheren Seite des Pools, da wo auch Sitzbänke integriert waren und setzte Wölfchen dort ab. Dort konnte der Kleine unbeschwert planschen, ohne dass er ertrank. Eigentlich sollte er sich ausziehen, aber wenn er daran dachte, wie schwierig es werden würde, sich aus der nassen Lederhose zu pellen, ließ er sich einfach neben Wölfchen nieder.

Weil er nun wieder Boden unter den Füßen hatte, konnte Wölfchen wieder neuen Lebensmut fassen und so schmiegte er sich an seinen Retter. „Du bist mein Held“, murmelte er und schloss die Augen. Das war aber auch tief gewesen! Sein Kopf rieb über Thanos Arm und er bemerkte den Stoff. „Ist dir kalt? Das Wasser ist doch ganz warm. Soll ich dir ausziehen helfen?“, fragte er mit großen Kulleraugen.

„Nein, lass mal, ich mach das schon“, sagte Leviathan schnell und wurde doch glatt rot. Etwas, was ihm nur sehr selten bisher passiert war. Er wusste nicht wieso, aber Wölfchens Worte lösten ein Kribbeln in ihm aus, das er sich nicht erklären konnte. Darum machte er sich frei und zog sich aus. Dass sein Shirt das nicht überlebte, war ihm egal. Es war sowieso schon von Wölfchens Nägeln durchlöchert, daher wurde es einfach auseinander gerissen. Die Hose war schon schwieriger, aber schließlich konnte er sie an die Seite werfen und sich wieder neben Wölfchen niederlassen.

Da saß er nun, den neugierigen, kleinen Wolf neben sich, der allen Ernstes anfing, seinen Körper mit dem von Leviathan zu vergleichen. Dass er keine Flügel und keinen Puschel hatte, fand Wölfchen sowieso doof, darüber musste er sich nicht ereifern. Lieber deutete er auf Thanos Schoß unter Wasser und meinte: „Und damit macht man Sex? Wie denn? Ist doch ganz schlabberig.“

„Was? Sex?“ Erschrocken zuckte Leviathan hoch. Er hatte mit geschlossenen Augen ein wenig gedöst und von der Musterung nichts mitbekommen und sah Wölfchen ein wenig gehetzt an. Sein Herz schlug schnell und es brauchte ein paar Augenblicke, bis Wölfchens Frage zu ihm durchgedrungen war und er ließ sich wieder nach hinten sinken. „Ja, damit macht man Sex und es ist nicht immer schlabberig. Hattest du das noch nicht, dass dein Penis groß und hart wird?“, fragte er und bereute die Frage gleich wieder. Denn so wie Wölfchen gefragt hatte, kannte er das nicht, auch wenn das ungewöhnlich war für sein Alter.

„Penis“, murmelte der kleine Wolf und verzog das Gesicht. Er guckte sich sein Anhängsel an und spielte nun etwas damit herum, doch es lag tot wie ein Wurm in seiner Hand. Von wegen hart und groß. „Nein, war es noch nie. Deiner?“, wollte Wölfchen wissen und guckte nun ungeniert in Leviathans Schoß und schmollte, weil dessen Anhängsel wirklich größer war. Gemein.

„Ja, war er schon und nein, ich zeig es dir nicht“, erklärte Leviathan schnell, als er Wölfchens begeistert neugierigen Blick sah. „Du wirst das schon selber raus finden, eines Tages, wenn es bei dir soweit ist.“

„Wenn es bei mir so weit ist? Und was ist, wenn es bei mir nie so weit ist? Dann merk ich doch nie, wie das aussehen muss! Und ich kann gar keinen Sex haben, das ist doch furchtbar. Jeder hat Sex, nur Wölfchen nicht. Wie ungerecht!“ Knurrig schlug er mit einer Hand aufs Wasser.

Leviathan versuchte wirklich, es zurück zu halten, aber das ging einfach nicht. Er musste lachen. Noch heute Morgen wollte Wölfchen in seinem Leben nie Sex haben, weil das eklig wäre und nun schmollte er, weil er Angst hatte, es nie zu können. „Ach Kleiner, das wird schon noch. Keine Sorge. Du wirst Sex haben. Das klappt bei jedem irgendwann.“

„Na ganz toll. Hattest du schon Sex?“, fragte Wölfchen mit hängenden Ohren. Er hatte vergessen, dass er dabei vielleicht Keime übertragen bekam oder Ba-kerien. Er wollte das, was alle hatten, und nicht immer der Außenseiter sein. Wieder guckte er auf Leviathan. Das war doch ungerecht. „Muss ich mir das wünschen?“, murmelte er und sah sich sein Anhängsel wieder an. „Ich will einen harten Penis!“, versuchte er es also. Doch nichts geschah.

„So wird das nichts, Kleiner.“ Leviathan schüttelte den Kopf und überging die Frage, ob er schon Sex hatte einfach, weil Wölfchen dann bestimmt wieder mehr darüber wissen wollte. „Das kommt von ganz alleine. Wünschen hilft da leider nicht.“

„Wie doof.“ Wölfchen gab auf und beschloss, das nervende Anhängsel einfach zu ignorieren. Er war bis jetzt auch gut ohne das Ding ausgekommen und dieser Sex musste auch nicht sein. Wenn er es recht bedachte, hätte er sich da mit Mädchen einlassen müssen und die waren ja bekanntlich wirklich doof. Also planschte der kleine Wolf ein bisschen durch das warme Wasser und wusch sich an allen wichtigen Stellen.

Leviathan sah ihm dabei zu und ließ sich im warmen Wasser treiben. Er fühlte sich entspannt und zufrieden. Seine Muskeln lockerten sich und auch die Verspannungen wurden weniger. Jetzt brauchte er eigentlich nur noch jemanden, der ihn massierte, dann wäre es perfekt. Immer wieder breitete er seine Flügel aus, damit sie vom warmen Wasser umspült wurden. Ja, so ließ es sich leben. Immer mal ein Auge auf den planschenden Wolf, damit der nicht wieder qualvoll unterging, doch Wölfchen schien begriffen zu haben, dass es nicht ratsam war, weiter zu planschen, als er stehen konnte. Irgendwann hatte er aber die Nase voll, weil er völlig verschrumpelt war und so warf er sich auf die warmen Steine rund um den Pool, damit sein Schweif trocknete.

„Schon genug?“ Leviathan kam zu ihm an den Rand. Er selber konnte noch Stunden hier im warmen Wasser verbringen, aber das war eine Eigenart der Drachen. Sie verbrachten Stunden, wenn möglich, im warmen Wasser. Das lag wohl daran, dass das Drachenreich hoch oben in den Bergen lag, wo es meist sehr kalt und ungemütlich war und die heißen Quellen dort eine gute Möglichkeit boten, sich wieder aufzuwärmen.

„Hunger“, murmelte Wölfchen und rollte sich auf den Bauch, um seinen immer noch tropfnassen Schwanz zu schütteln. Seine Ohren tropften ebenfalls und so schüttelte Wölfchen auch den Kopf, verlor dabei das Gleichgewicht und plumpste wieder ins Wasser, schluckte welches davon und hustete kläglich. Das war echt nicht sein Tag!

„Hoppla.“ Leviathan fischte den nassen Wolf wieder aus dem Wasser und half ihm, sich auf den Rand zu setzen. „Was möchtest du denn essen?“, fragte er, denn er selber konnte auch noch etwas vertragen. Die Pommes hatten nicht lange vorgehalten. „Soll ich uns was bestellen? Das Essen hier ist wirklich lecker.“

„Ist mir eigentlich egal, so lange es nie einen Kopf gehabt hat oder Beine“, erklärte Wölfchen und erhob sich lieber, um sich weiter weg vom Wasser noch einmal ausgiebig zu schütteln, ohne in den Pool zu fallen. Taumelnd suchte er sich ein Handtuch und wickelte sich ein und überließ es Thano, etwas zu essen zu bestellen. Schließlich kannte der sich hier besser aus.

„Okay, so was kommt mir auch nicht auf den Teller.“ Der Drache hievte sich aus dem Wasser und ging zur Gegensprechanlage. Dass er dabei alles um sich herum nass machte, störte ihn nicht. Schnell gab er seine Wünsche durch und ließ sich wieder ins Wasser gleiten. Genüsslich streckte er sich aus und ließ sich wieder im Wasser treiben.

Wölfchen beschloss lieber kein Seewolf mehr zu sein, sondern hockte nun - immer noch nackt und immer noch skeptisch auf sein Anhängsel guckend - auf den warmen Steinen. Er fühlte sich unruhig und er erkannte sich selbst nicht wieder. Warum interessierte es ihn so sehr, Sex haben zu können? Woher kamen diese völlig irren Gedanken? Es konnte doch nicht nur daran liegen, dass Schneewittchen ein Frettchen war! Wölfchen schüttelte sich wieder und wieder, doch diese Unruhe in ihm verschwand nicht.

„Was ist los?“, fragte Leviathan, der wider zu ihm an den Rand gekommen war. Wölfchen benahm sich schon wieder so merkwürdig und der Drache wusste keine Erklärung dafür. Wurde der Kleine krank? „Geht es dir nicht gut? Kriegst du Fieber, oder so was?“ Auch wenn er es nicht wollte, machte Leviathan sich Sorgen um seinen kleinen Freund.

„Ich weiß nicht“, musste Wölfchen zugeben und schüttelte sich wieder. „Mir läuft es heiß und kalt den Rücken runter, ich spüre Unruhe. Ich möchte laufen und sitzen und liegen - alles gleichzeitig. Ich will singen und Stille auf einmal. Es macht mich verrückt.“ Und wieder schüttelte er sich.

Er hatte es geschafft, den Drachen sichtlich zu verwirren, denn der schüttelte nun auch den Kopf, als wenn das helfen würde, Wölfchens Worte zu ordnen, aber das klappte nicht. „Äh“, sagte er darum nur und sah ratlos aus. Mit so was kannte er sich nicht aus. Aber er hievte sich aus dem Wasser und setzte sich neben Wölfchen, nachdem er sich in ein Handtuch gewickelt hatte. „War vielleicht alles ein wenig viel heute“, murmelte er und legte einen Arm um den kleinen Wolf.

„Weiß nicht. Ich weiß nur, dass ich mich gerade selber nicht leiden kann und weglaufen möchte und dann doch wieder nicht. Ich weiß nicht, was ich will und das fühlt sich komisch an. Ich finde das definitiv doof.“ Das war so ziemlich das einzige, was Wölfchen im Augenblick mit Sicherheit wusste. Vielleicht half Gisbert, also krallte sich Wölfchen den tropfnassen Puschel.

Viel konnte Leviathan mit Wölfchens Worten nicht anfangen, dazu waren sie zu verworren. „Vielleicht solltest du etwas essen und dann schlafen gehen“, schlug er vor, denn Schlaf war immer gut, wenn man sich nicht gut fühlte, hatte seine Mutter immer gesagt.

„Ja, sollte ich wohl.“ Wölfchen nickte und war schon wieder im nächsten Dilemma gefangen: allein schlafen und Leviathan endlich einmal Ruhe gönnen, aber auf Gisbert verzichten? Oder doch wieder zu Thano unter die Decke kriechen, sich ankuscheln und wohlbehütet sein. Er wollte doch erwachsen werden, dazu gehörte es wohl auch, ein mutiger Wolf zu werden. Das hatte Wölfchen zwar nie vorgehabt, doch es ging nicht anders.

„Na, dann los. Ziehen wir uns unsere Schlafanzüge an und machen es uns auf der Couch gemütlich.“ Leviathan wuschelte Wölfchen durch die Haare und zupfte ihm an den Ohren, um ihn aufzuheitern. Wölfchen sollte unbeschwert und fröhlich sein, auch wenn das manchmal nervig war. Aber so war der Wolf wenigstens gesund. Das hier war unnatürlich.

„Ja, gut.“ Wölfchen nickte zustimmend und machte sich auf zu seinem Zimmer, wo sein Rucksack lag und wühlte darinnen herum. Erst hatte er wirklich den Schlafanzug anziehen wollen, doch irgendwie war ihm jetzt nach seinem kuscheligen Häschenanzug, also schlüpfte er in diesen.

Leviathan saß schon auf der Couch, hatte die Beine auf die Sitzfläche gezogen und hatte sich etwas von dem Essen genommen, das gerade gebracht worden war. „Nimm dir was und setz dich zu mir“, rief er Wölfchen zu und klopfte neben sich auf die Couch. Und wenn es um Essen ging, ließ sich der junge Wolf ja nicht zweimal bitten. Er packte sich also seinen Teller mit Auflauf und frittiertem Gemüse voll und rollte sich dann wie eine Katze in der Ecke der Couch zusammen, um zu essen. Das Zeug war richtig gut! Extrem lecker! So hatte Mama Wolf nie gekocht.

„Ist lecker, nicht?“, nuschelte Leviathan. „Der Chefkoch weiß, was ich gerne esse und so wie es aussieht, magst du das auch.“ Wölfchen kaute mit dicken Backen und leuchtenden Augen. Im Moment wirkte er wieder wie immer und das beruhigte den Drachen. Es war schon merkwürdig, wie sehr er sich an den kleinen Kerl bereits gewöhnt hatte.

Wölfchen konnte nicht antworten, er kaute und schluckte, stöhnte zufrieden und füllte sich seinen Teller immer wieder, bis er kugelrund war und sich kaum noch regen konnte. „Das war gut“, nuschelte er und streckte sich auf dem Sofa aus. Die Augen fielen ihm langsam zu.

„Du solltest schlafen, Kleiner.“ Leviathan sah sich Wölfchen an, der sich wieder Gisbert geschnappt hatte und mit der Nase hindurch fuhr. Er schlief schon halb. „Möchtest du nicht doch lieber bei mir schlafen?“, fragte er, denn er wollte den Wolf nicht aus den Augen lassen, schließlich ging es dem Kleinen nicht gut.

„Hm“, nuschelte Wölfchen und rollte sich weiter zusammen. Sollte Leviathan dieses Gemurmel interpretieren, wie er wollte, und machen, was er für richtig hielt. So lange Wölfchen sich nicht mehr bewegen musste und den Puschel haben durfte, war ihm alles egal. Er gähnte verhalten und seufzte schmatzend.

„Na, komm her.“ Leviathan hob Wölfchen hoch und trug ihn zu seinem Bett. Es war noch breiter, als das in Wölfchens Zimmer und so hatten sie beide genug Platz. „Schlaf gut“, sagte er leise, aber das hörte Wölfchen schon nicht mehr, denn Gisbert dicht an sich gedrückt, schlief der kleine Wolf schon tief und fest und auch diese Nacht war es nicht anders als die davor. Wölfchen drehte und wendete sich, stöhnte, keuchte, wimmerte und schrie. Leviathan hatte sich irgendwie daran gewöhnt und wurde kaum noch wach, aber er zog Wölfchen, als es ganz schlimm wurde, einfach an sich und gab ihm Gisbert zum zerwühlen und bekauen, weil das bisher immer gewirkt hatte. 



18 - Die Sex-Problematik... eine Nummer größer


Der Morgen lachte bereits durch das Fenster und die Rezeption hatte gerade wie versprochen den Weckruf gestartet, weil die beiden Märchenwesen ja heute ein neues Märchen beziehen sollten. Wölfchen drehte und wendete sich, doch etwas schien anders. Seine Füße brauchten länger, um beim Drehen zu folgen, er verknotete sich seltsam und er hatte das Gefühl zu ersticken, weil der Anzug plötzlich so eng war. Er knurrte ungehalten.

„Halt still, wir haben noch fünf Minuten“, knurrte Leviathan, ohne sich aus seiner Decke zu schälen. Er war nicht gerade ein Morgenmensch und das Gezappel nebenan nervte. Wie sollte man dabei in aller Ruhe wach werden. Nur seine Hand kam unter der Decke hervor und drückte den Knopf der Gegensprechanlage. „Kaffee“, bestellte er nuschelnd. „Sehr viel Kaffee und Kakao und Frühstück. Sie wissen schon, was man da so isst.“

„Und Pommes", krähte Wölfchen und erschrak sich vor sich selbst. Seine Stimme klang rauer, dunkler und so machte er die Augen auf und griff sich an den Hals. Vielleicht war der dick, weil Wölfchen krank geworden war. Doch der Hals war nicht dick. Seine Hände reichten immer noch gut herum - nur der Kragen vom Plüschanzug schnitt ein und außerdem war es im Schritt ziemlich eng. Wölfchen knurrte also und warf sich wieder hin und her.

„Was ist los? Jetzt lieg endlich ruhig“, knurrte Leviathan und sah nun doch endlich zu Wölfchen rüber. Er hatte schon die Hand ausgestreckt, um ihn festzuhalten, aber sie blieb mitten in der Bewegung hängen und er setzte sich ruckartig auf. „Wölfchen? Was ist denn mit dir passiert?“, fragte er verblüfft und sah sich den deutlich gereiften, jungen Wolf in einem viel zu kleinen Hasenkostüm an.

„Weiß nicht, hab mich in meinem Anzug verheddert und mich erkältet", erklärte Wölfchen und konnte nicht mehr anders. Er musste aus diesem Anzug raus. Er spannte und schnitt überall ein. Also machte er sich schweren Herzens aus dem Stoff frei, hoffend, gleich wieder hinein schlüpfen zu können und quietschte erschrocken, als in seinem Schoß etwas herum stand, was gestern noch entschieden kleiner gewesen war. Irritiert blickte er zu dem Drachen und schluckte, dann fiel er einfach um.

„Wölfchen?“ Leviathan beugte sich erschrocken über ihn und als er sah, dass es dem Kleinen gut ging, sah er sich seinen Freund genauer an und pfiff durch die Zähne. Vor ihm lag nicht mehr der kleine Wolf von gestern. Dieser hier war ganz anders. Größer und das nicht nur von der Körpergröße, wie er grinsend feststellte. Nun wusste Wölfchen wohl, dass sein Anhängsel nicht nur schlabberig sein konnte, doch komischerweise half das dem nicht mehr ganz so kleinen Wolf nicht weiter.

„Oh, was ist das?", murmelte er und tippte gegen das harte Ding, erschauerte aber im gleichen Augenblick und hatte keinen Schimmer, was mit ihm passierte. Er tat es noch einmal - das gleiche Ergebnis. Wölfchen schüttelte sich. „Hab ich gerade Sex?"

„Ähm… nee, hast du nicht, aber du könntest.“ Leviathan schmunzelte. „Manchmal gehen Wünsche wohl doch in Erfüllung. Schließlich hast du dir das gestern gewünscht.“ Er wusste, dass das gemein war, aber er konnte nicht anders, als Wölfchen ein wenig zu ärgern. Dabei sah er sich den jungen Wolf genauer an. Er war nicht nur gewachsen, sondern auch wesentlich reifer, zumindest vom Körper her. Er hatte sogar ein paar Muskeln, wenn auch nicht sehr ausgeprägt. Selbst seine Gesichtszüge waren ein wenig männlicher geworden und die Rundungen verschwunden. Ob er so noch niedlich war für die Zuschauer? Doch das spielte im Augenblick keine Rolle. Erst einmal musste Wölfchen begreifen, was passiert war und befand, dass er jetzt genug hier mit diesem harten Ding herum gelegen hätte und wollte die Decke darüber ziehen, doch er zuckte wieder zusammen - Nervenblitze zogen durch seinen Körper und er schwitzte. Was war denn hier los? Hilfesuchend sah er zu Thano.

Der war gerade in einer Zwickmühle. Was sollte er machen. Von alleine ging die Erektion bestimmt nicht mehr weg und Wölfchen wusste nicht, was er machen sollte, aber wenn nicht bald etwas passierte, wurde es sehr unangenehm für den Wolf. „Ja also…“, stammelte er überfordert, was nicht wirklich oft vorkam. „Berühr dich dort, dann wird es besser“, sagte er schließlich, weil er auch nicht weiter wusste.

„Vergiß es - das habe ich eben gemacht. Das tat scheiße weh!" Wölfchen schüttelte den Kopf und wirkte mit seiner derben Aussprache noch viel weniger wie der kleine Wolf von gestern Abend. Irgendwie hatte er plötzlich keine Lust mehr auf diese Sex-Sache, wenn das so wehtat. Wenn er das gewusst hätte! Vorsichtig versuchte Wölfchen das harte Ding zwischen die Beine zu klemmen, doch es schnipste zurück und der Wolf quietschte erschrocken. Hatte sein Anhängsel jetzt ein Eigenleben? Wie beängstigend.

„Du sollst ja auch nicht dagegen schnicken oder drauf hauen“, seufzte Leviathan. „Du bist dort sehr empfindlich geworden und darum musst du vorsichtig sein. Streichle dich, wie du ein Häschen streicheln würdest.“ Das war ein dämlicher Vergleich, das wusste Leviathan, aber was anderes fiel ihm grade nicht ein und er hoffte, das Wölfchen immer noch verrückt nach Hasen war.

Skeptisch - weil er noch nicht glaubte, dass das gut werden könnte - sah Wölfchen Thano an, doch er fing an, über die Haut zu streichen. Es war merkwürdig und schnell hatte er den Drang intensiver zu streicheln. Er konnte nicht mehr aufhören und wusste nicht, was passierte. Schlimmer noch - es war gut! Man sah es an seinem Gesicht und an seinem Atem, der sich deutlich beschleunigt hatte. Die Augen waren geschlossen und Leviathan konnte seinen Blick nicht abwenden.

Immer wieder musste er schlucken und ihm selber wurde warm. Wölfchen so zu sehen war merkwürdig und der Drache wurde unruhig. „Umfass dich mit der Hand und bewege sie dann langsam rauf und runter“, sagte er leise, damit Wölfchen sich nicht erschreckte. Doch die Sorge war umsonst. Der Wolf funktionierte wie von fremden Fäden geleitet - er tat, was der Drache von ihm verlangte, und konnte nicht leugnen, dass es eine Art Genuss war, der ihn wahnsinnig machte. Immer schneller glitten die Finger und die Spannungen in Wölfchens Leib nahmen zu. Er wand sich, bog sich und plötzlich war es, als könnte er fliegen, und er musste diese Befreiung heraus schreien.

Von Wölfchen ungehört, stöhnte Leviathan leise. Zu sehen, wie der junge Wolf sich selbst befriedigte, ging auch an ihm nicht spurlos vorbei. Er selbst wurde erregt, was ihm bei einem Mann noch nie passiert war, allerdings hatte er auch noch nie dabei zugesehen, wie ein anderer es sich selbst besorgte. Es war ihm mehr als peinlich und er versuchte zu verbergen, wie es um ihn stand, indem er sich so drehte, dass man nichts sehen konnte.

„Wow!" Wölfchen lag keuchend in den Laken und versuchte wieder zu sich zu kommen. Was war denn hier passiert? Mal davon abgesehen, dass er jetzt klebrige Finger hatte, war ihm das ziemlich gleich. „Ist das cool. Noch mal." Übermütig rollte sich Wölfchen über das Bett und ringelte sich wie eine Schlange um Thano. Er schnurrte und reckte sich. Er fühlte sich besser - definitiv.

„Was?“ Bevor Leviathan sich bewegen konnte, klebte Wölfchen an ihm – im wahrsten Sinne des Wortes, denn er konnte die Feuchte an seinem Bauch spüren, weil er kein Oberteil angezogen hatte. Er war völlig überrumpelt und wurde rot, denn so wie der Wolf an dem Drachen hing, konnte ihm nicht entgehen, wie es um diesen bestellt war. Wie erregt er selbst war. Peinlich berührt versuchte er sich zu befreien, denn so wie Wölfchen sich auf ihm bewegte, wurde es nur noch schlimmer. Ihm kam der Service für das Frühstück sehr gelegen, denn als es klopfte, hatte Thano die Möglichkeit aufzuspringen und loszulaufen. Er musste ja nur öffnen, sich nicht zeigen - das war weniger peinlich als einem Wolf zum Opfer zu fallen, der gerade seinen Penis und die Freuden damit für sich entdeckte!

Wölfchen blieb verwirrt zurück und knurrte, doch er machte, dass er ins Bad kam. Er bekam nämlich immer nur essen, wenn er sauber war und das war er im Augenblick ganz bestimmt nicht.

Leviathan atmete erleichtert auf und lehnte sich kurz gegen die kühle Wand, als er wieder alleine war. Was war das nur für ein verrückter Morgen? Was war nur mit Wölfchen passiert? Dass es solch plötzliche Wachstumsschübe gab, hatte er auch noch nicht gehört. Der Kleine war doch mindestens um zwei Jahre gereift und auch bestimmt 5 cm gewachsen. Aber noch mehr verwirrte ihn, er selbst. Warum war er nicht gegangen? Warum war er liegengeblieben? Leviathan schüttelte den Kopf, fand aber auch dann keine Antwort.

Zum Glück gab ihm Wölfchen noch eine Gnadenfrist, denn der hopste gerade singend unter der Dusche herum und war wieder etwas mehr der kleine, naive Wolf, der gestern zu Leviathan ins Bett gestiegen war. Erst als Wölfchen unter dem schönen warmen Wasser aufging, dass er jetzt seinen zu eng gewordenen Hasenanzug nicht mehr tragen konnte, weil er darin keine Luft mehr bekam, sank die Stimmung in den Keller und der Katzenjammer begann.

Leviathan horchte auf, als das fröhliche Singen abrupt aufhörte und wollte schon in das Bad stürzen, aber er ließ es bleiben, auch wenn er sich dazu zwingen musste. Wölfchen war kein Kind mehr, wie er heute Morgen eindrucksvoll bewiesen hatte. Er musste lernen, alleine zurecht zu kommen. Allerdings schien das dem Drachen klarer als dem Wölfchen. Das kam nämlich patschnass aus der Dusche gelaufen und murmelte vor sich hin. Dann versuchte er allen Ernstes sich wieder in seinen Anzug zu zwängen, doch das war so gut wie unmöglich. Da hing er nun eingeschnürt, das Anhängsel baumelte noch draußen - es war ein kläglicher Anblick.

„Rudi“, knurrte Leviathan. „Was soll der Blödsinn? Du machst alles nass. So gibt es kein Frühstück.“ Er wusste, dass er ruppig war, aber das war Absicht. Wölfchen sollte merken, dass er nicht so weitermachen konnte wie bisher. „Trockne dich ab und zieh dir was an, was dir passt.“

„Du bist so gemein!" Wölfchen begriff nicht, warum Leviathan plötzlich so gemein zu ihm war, deswegen raffte er sein Zeug, inklusive Fluffy und verschwand wieder im Bad. Was sollte er denn jetzt machen? Dinge anziehen, die ihm passten. Der gemeine Drache hatte gut reden! Der Anzug war das Größte gewesen, was Wölfchen besaß und es war schwer, sich aus dem nun nassen Polyesterfell zu schälen. Er schlüpfte in einen seiner neuen Schlüpfer, doch sogar der kniff und zwickte. Aber Wölfchen ertrug es eben, es interessierte ja doch keinen, wie er sich fühlte.

Leviathan hörte ihn murmeln und schniefen und begriff, was er angerichtet hatte. Wölfchen mochte zwar über Nacht gewachsen sein, aber er war immer noch der naive Wolf, den er vor einigen Tagen getroffen hatte. Er ging zur Badezimmertür und lehnte sich dort an „War nicht so gemeint“, sagte er darum leise und erfasste sofort, welches Problem Wölfchen hatte. „Du brauchst neue Sachen, aber zum Einkaufen haben wir keine Zeit mehr. Ich guck mal, ob ich was habe, was dir passt.“

„Hm", schniefte Wölfchen und stand in seinem wunderschönen, aber leider viel zu engem Schlüpfer vor dem Spiegel. Wie sah er nur aus? Er hatte sich verändert - das bemerkte er jetzt zum ersten Mal. Die Füße waren größer, die Beine länger, das Gesicht sah mehr wie Vater Wolf aus als wie Mutter Wolf. Traurig drückte er Fluffy an sich, denn Wölfchen begriff nicht, was eigentlich passiert war. Er wusste nur, dass das heute Morgen ziemlichen Spaß gemacht hatte.

Leviathan durchwühlte in der Zeit seine Koffer. Ganz unten lagen immer ein paar Sachen, die ihm zwar nicht mehr passten, aber er nahm sie immer wieder mit, weil er sie mochte und nicht wegschmeißen wollte. „Probier das mal“, sagte er, als er wieder im Bad war und reichte Wölfchen eine schwarze Lederhose und ein Shirt. Dazu noch eine seiner Unterhosen, denn mit dem, den er anhatte, lief er sich doch einen Wolf.

„Hm", machte das deprimierte Wölfchen wieder und guckte sehnsüchtig zu seinem Hasenanzug. Doch er schlüpfe aus der engen Unterhose und atmete erleichtert auf, schüttelte untenherum alles noch einmal locker und schlüpfte dann in die Sachen, die der Drache ihm gereicht hatte. Die Hose saß ziemlich eng, aber tat nicht weh und dass das Shirt Schlitze für die Flügel hatte, damit konnte Wölfchen leben. Nur kein Puschel an seinem Hintern - das war schmerzlich.

„Geht doch.“ Leviathan besah sich Wölfchen von allen Seiten und nickte zufrieden. Die Hose passte wie angegossen und wenn Schneewittchen gestern schon von Wölfchens Hintern entzückt war, dann sollte sie ihn mal heute sehen. „Passen dir deine Schuhe noch?“, fragte er, denn wenn nicht, könnte das ein Problem werden.

„Weiß nicht", murmelte Wölfchen und beguckte sich wieder im Spiegel. Er sah jetzt ganz anders aus und er wusste noch nicht, ob ihm das gefallen könnte. Zwar war er jetzt Leviathan ein bisschen ähnlicher geworden, aber er war doch Wölfchen und ein Wölfchen sollte auch wie ein Wölfchen aussehen. Vor allem passte Fluffy jetzt gar nicht mehr in das Bild, das war schrecklich! Doch er versuchte die Schuhe anzuziehen, die neben der Tür standen und schüttelte seufzend den Kopf, die Ohren hingen. In die passte er mit seinen Quadratlatschen beim besten Willen nicht mehr rein.

„Okay, kriegste welche von mir.“ Die waren vielleicht ein wenig groß, aber besser als gar nichts. „Hey“, sagte er schließlich und stupste Wölfchen mit der Schulter an. „Komm frühstücken, sonst wird alles kalt. Es gibt leckere Waffeln und Pfannkuchen.“ Vielleicht heiterte Essen den kleinen Wolf ja wieder auf.

„Ui!" Wölfchen nickte und lief los. Immer der Nase nach war er ziemlich schnell am Tisch angekommen, wo Leviathan schon ein bisschen was hergerichtet hatte und so stürzte sich Wölfchen gleich auf das Essen und versuchte die neuen - geborgten - Kleider nicht sofort zu ramponieren. Das war nicht leicht.

Leviathan folgte ihm nicht sofort, sondern beobachtete Wölfchen eine Weile. An dem Wolf passte nichts mehr zueinander. Sein Körper war jetzt zwar so, wie es für sein Alter sein sollte, aber vom Wesen her war er immer noch der gleiche, kleine Wolf wie gestern. Aber er riss sich los, denn sie hatten nicht mehr viel Zeit, bis sie abgeholt wurden und setzte sich ebenfalls. Er hatte Hunger und er brauchte seinen Kaffee.

„Ob ich noch in den Käfig passe?", fragte Wölfchen unvermittelt, denn wenn er nicht mehr in seinen Anzug passte und die Rolle für Hänsel an seine Größe gebunden war, was passierte, wenn er plötzlich nicht in den Käfig passte? Es war ja nicht so, dass der nicht mehr so kleine Wolf da scharf drauf wäre, doch es gehörte nun einmal zur Rolle und er brauchte doch das Geld für seinen Gemüsegarten.

„Ich denke schon, schließlich wollen sie mich zu dir in den Käfig packen.“ Leviathan erinnerte sich, dass die Fee etwas davon gesagt hatte, dass der Käfig geräumig war und nicht eng. „Wenn es nicht geht, müssen wir die Fee anrufen und das Problem schildern. Dann muss sie uns etwas anderes besorgen.“

„Na gut." Wölfchen nickte und schien überzeugt. Also schaufelte er weiter das Rührei in sich hinein. Es war mit Zwiebeln und Kräutern verfeinert und besonders lecker. Hätte Thano ihm nicht irgendwann den Teller weggenommen und ihn darauf hingewiesen, dass er nachher viel sitzen und kauern würde und Bauchschmerzen bekam, er hätte wohl die ganze Schüssel vertilgt. Irgendwie hatte er jetzt mehr Hunger oder bildete er sich das nur ein?

„Ich lass uns was für die Fahrt einpacken“, seufzte Leviathan, weil Wölfchen die Ohren hängen ließ. „Nachher, wenn du noch auf dem Weg zur Hexe bist, werde ich dir Klamotten über das Märchen-Web bestellen, weil wir keine Zeit haben einzukaufen. So viele zu kleine Sachen hab ich nicht mit. Besondere Wünsche?“, fragte er. Vielleicht heiterte das das Wölfchen wieder auf.

„Puschel", murmelte Wölfchen und guckte auf die halbvolle Rühreischüssel. „Ansonsten ist mir alles andere egal. Vielleicht noch Schlüpfer, die nicht kneifen und..." Wölfchen brach ab. Er war zu peinlich berührt zu erklären, dass sein gewachsenes Anhängsel auch rein passen musste. Woher kam plötzlich diese Scham? Heute Morgen hatte er sich ja noch ganz anders aufgeführt. Allein der Gedanke daran machte es ihm schwer, nicht rot zu werden. Nein, das war heute wirklich nicht sein Tag.

„Okay, ich seh, was sich machen lässt.“ Leviathan sagte lieber nicht, dass er einen Teufel tun würde und Puschel bestellen. Bei dem kleinen Wölfchen hatte das ja noch niedlich ausgesehen, aber jetzt war das nur lächerlich und wenn man über Wölfchen lachte, dann auch über ihn und das vertrug der Drache nicht besonders gut. Er guckte auf die Uhr und sprang auf. „Los, zusammenpacken, die Kutsche kommt in 15 Minuten.“

„Ja." Wölfchen maulte, irgendwie machte er gerade Stimmungsschwankungen durch und so ließ er sich durch die Zimmer schieben, sammelte alles zusammen - auch den nicht mehr passenden Hasenanzug. Ein letzter Blick zurück auf das pompöse Zimmer und dann wurde Wölfchen auf den Flur geschoben. Der Tag konnte beginnen und vielleicht lenkte ihn der Job davon ab, was passiert war.

Er ließ sich in die Kutsche schieben und setzte sich wieder in seine Ecke, versuchte sich klein zu machen, auch wenn das nicht mehr so gut gelang. Er sah so verloren und elend aus, dass Leviathan das nicht mit ansehen konnte. Darum hielt er ihm den Puschel hin und lächelte. Hier waren sie alleine, da machte es nichts, wenn Wölfchen noch ein wenig schnuffelte. Begeistert griff Wölfchen zu und zog die einzige Konstante in seinem turbulenten Leben zu sich. „Ach, Gisbert", murmelte er und hatte heute nicht einmal ein Auge für die Wälder, durch die sie fuhren.

Leviathan beobachtete ihn dabei und seufzte leise. Er musste sich was einfallen lassen, denn so wie Wölfchen drauf war, ging das nicht weiter. Im Märchen wurde erwartet, dass er chaotisch und tollpatschig war und nicht deprimiert. Er grübelte ein wenig und hatte schließlich eine Idee. Nachher, wenn er im Web war, würde er sich darum kümmern. Derweil hielt Wölfchen Zwiegespräch mit dem Puschel und berichtete von den Geschehnissen des Morgens. Die pikanten Stellen, die einen armen Puschel traumatisieren konnten, ließ er besser aus und beschränkte sich auf die Katastrophe mit dem Hasenanzug.

Jetzt wirkte er wieder wie immer, aber Leviathan wusste, dass das blitzschnell umschlagen konnte. Anscheinend war mit dem Wachstumsschub nicht alles vorbei. So wie es aussah, machte Wölfchen eine Turbo-Pubertät durch und das zu einem für sie sehr ungünstigen Zeitpunkt. Im Augenblick hockte er in seiner Ecke, sah ab und an nun doch aus dem Fenster und wunderte sich darüber, dass er nun einen anderen Blick auf die Welt hatte. Er musste sich nicht mehr recken und strecken. Es war ihm unheimlich. Doch zum Glück kam schon das Elternhaus von Hänsel und Gretel in Sicht, wo die Geschichte beginnen sollte.

Leviathan schob ihn aus der Kutsche, weil er nicht so recht wollte und klopfte ihm auf die Schulter. „Du machst das schon. Du weißt, was du machen musst“, versuchte er dem verzagten Wolf Mut zu machen und lächelte. „Ich warte bei der Hexe auf dich und werde zusehen, dass ich schon im Käfig bin, wenn du bei der Hexe ankommst.“


19 - Mädchenspucke und Riesenhäschen


„Ja, okay", murmelte Wölfchen etwas irritiert, weil Gretel ihn so komisch anguckte. Was machte die denn mit den Augenbrauen? Und warum leckte sie sich die Lippen und schob sich die Brüste nach oben? Was war das denn für eine? Am liebsten wäre Wölfchen auf die davon eilende Kutsche aufgesprungen, doch er verpasste den Zeitpunkt. Da stand er nun.

Mit wiegenden Hüften und musterndem Blick kam Gretel auf ihn zu. Na, das war aber mal ein leckeres Teilchen, da konnte Gretel gut verstehen, dass Schneewittchen zugelangt hatte. Ihr Pech, dass sie das so öffentlich gemacht hatte, jetzt war der Schnuckel bei ihr und so etwas passierte ihr ganz bestimmt nicht. „Hallo, wer bist du denn?“, fragte sie kokett, als sie bei Wölfchen angekommen war und klimperte mit den Augenlidern. „Ich spiele die Gretel. Mein Name ist Letha.“

„Ich bin Wölfchen und spiele heute den Hänsel", erklärte sich Wölfchen, ging aber einen Schritt zurück, weil die junge Frau für seinen Geschmack etwas zu dicht aufgeschlossen hatte. Das musste ja nicht sein. Nicht dass die auf dumme Gedanken kam, wie das Frettchen gestern. Nur nicht provozieren. „Wann geht’s los? Wann kommen wir zur Hexe?" Seine Ohren wackelten neugierig.

„Wölfchen“, murmelte Letha und ihre Augen blitzten auf. „Zieh dich um, dann geht es auch schon los und bis zur Hexe hat es noch etwas Zeit. Wir werden nach der Mittagspause durch den Wald zum Hexenhaus gehen.“ Die junge Frau rückte wieder ein wenig näher und schnappte sich Wölfchens Hand. „Komm, ich zeige dir die Garderobe und helfe dir beim Umziehen“, rief sie lachend und zog ihn mit sich.

„Mittagspause? So lange noch? Das kann doch nicht wahr sein. Warum haben wir uns dann so beeilt?" Wölfchen glaubte das doch wirklich nicht. Und warum zerrte diese Irre an seinem Arm herum? Das mochte er gar nicht. Noch weniger, wie die Leute rings herum guckten.

„Weil wir noch ein paar andere Szenen haben, bevor wir zur Hexe kommen.“ Letha sah sich irritiert um. „Du kennst das Märchen doch, oder? Erst gehen wir mit unseren Eltern in den Wald und finden zurück, weil wir Steine gestreut haben, dann erst streuen wir die Brotkrumen und kommen bei der Hexe an“, erklärte sie doch lieber, weil Wölfchen nicht so guckte, als wenn er das wüsste.

„Weiß ich doch", bellte er aber zurück und riss sich los. Er kam sich gerade vor wie ein Lamm auf der Schlachtbank - das war ein ganz ungutes Gefühl. „Und fass mich nicht einfach so an, das gehört sich nicht." Eigentlich war Wölfchen immer aufgeschlossen und freundlich zu jedem. Diese Letha machte es ihm schwer und er wusste noch nicht einmal warum.

„Ist ja gut“, schoss Letha beleidigt zurück. Was sollte das denn? So ging das aber nicht. Wenn Letha sich einen Kerl in den Kopf gesetzt hatte, bekam sie den auch. „Obwohl ich nicht weiß, was du hast. Ich bin freundlich zu dir und du meckerst mich an. Im Märchen gehen wir ständig Hand in Hand. Da ist doch nichts dabei.“

„Wir gehen bitte was?" Nein, das wollte Wölfchen nicht. Er hatte doch gestern gesehen, zu was es führte, wenn man sich anfasste. Das Frettchen hatte auch ständig an ihm rumgefingert und dann war das Märchen gekippt worden. „Dann reicht es ja, wenn du mich anfasst, wenn die Kameras laufen!", erklärte sich der Wolf und folgte einer netten Komparse, die den jungen Mann in seiner Bedrängnis erkannte und ihn zu seiner Garderobe geleiten wollte.

„Verschwinde, er gehört mir“, zischte Letha dem Mädchen zu und drängte sie ab. So weit kam das noch, dass so eine Schnepfe ihr die Beute wegnahm. Mit einem Blick machte sie deutlich, dass sie keine Einmischung mehr duldete. „Komm, ich zeig dir deine Garderobe“, sagte sie lächelnd und freundlich. Den Kleinen musste sie wohl mit Samthandschuhen anpacken, wenn sie ihn bekommen wollte.

„Mach halt." Wölfchen sträubte sich das Fell bei dem Lächeln und er schüttelte sich. Er fühlte sich, als würde er krank werden. Vielleicht sollte er der Fee sagen, dass er heute krank war und gehen? Dann käme er aus dem Einzugsgebiet dieser merkwürdigen Gretel raus. Er folgte ihr mit gebührendem Abstand.

Während sie gingen, erklärte Letha Wölfchen alles, was er wissen musste und wie er wo hinkam. Wo die Toiletten und die Kantine waren und wo die Kameras standen, damit er wusste, wo er nicht im Bild rum stand, wenn er nichts zu tun hatte. Sie machte auch keine Annäherungsversuche mehr. Was nicht hieß, dass sie aufgegeben hatte. Sie hatte nur die Taktik verändert. Vor einer Tür hielt sie an und öffnete sie. „Hier ist deine Garderobe. Ich zieh mich auch um und wir sehen uns gleich oben.“

„Ja, gut." Wölfchen nickte, doch ihr Taktik-Wechsel hatte ihn verunsichert. Er fühlte sich ohne Leviathan furchtbar. So ganz auf sich allein gestellt. Doch es half nichts. Wenn er den Drachen nicht getroffen hätte, müsste er jetzt auch allein hier durch. Also machte er, dass er in die zerschlissenen Kleider kam. Sie waren nun etwas eng, weil Wölfchen gestern noch andere Maße gehabt hatte, doch es ging. So eilte er zurück zum Set.

„Da bist du ja. Dann kann es ja gleich los geh'n“, begrüßte Letha ihn, die in ihrem Kostüm völlig verändert wirkte. Viel jünger und unschuldiger. Sie hielt ihm lächelnd die Hand hin. „Komm, ich stell dir die anderen vor.“

Doch Wölfchen nahm die Hand nicht, denn noch waren keine Kamera am laufen. Er traute Mädchen nicht und seit gestern noch weniger. Lieber sah er sich schwer beschäftigt um und musterte die Leute. Das da mussten seine Märcheneltern sein und das da? Der Regisseur?

Überall wuselten Menschen über das Set, aber ein lauter Ruf, dass sie jetzt endlich anfangen sollten, ließ alle verschwinden und nur die vier Hauptdarsteller blieben übrig. Der Regisseur gab noch Anweisungen, wo jeder zu stehen hatte und dann ging es auch schon los. Letha gab Wölfchen immer wieder kleine Hilfen und schob ihn, wenn es sein musste, unauffällig durch die Gegend, was ihr Gelegenheit gab, ihn immer wieder anzufassen. Und wenn keine Kamera hinguckte, dann glitten ihre Finger auch mal über den festen, runden Hintern des jungen Wolfes oder sie ließ den buschigen Schwanz durch ihre Finger gleiten. Wölfchen zuckte immer wieder, doch weil er nicht schon wieder einen Abbruch provozieren wollte, ertrug er es schweigend.

Letha hielt sich so lange zurück, bis die Kameras nicht mehr auf sie gerichtet waren, nur dass Wölfchen das nicht wusste. Als wenn sie noch immer gefilmt wurden, kam sie näher und drückte sich mit einem ängstlichen Blick an Wölfchen. Schließlich war er ihr großer Bruder und sollte sie beschützen. Ihre Arme legten sich um den Wolf und als er sie fragend ansah, zog sie ihn mit einem Ruck näher und küsste ihn. Dabei nutzte sie aus, dass Wölfchens Mund aufklappte und ließ flugs ihre Zunge auf Entdeckungsreise gehen. Sie konnte nicht ahnen, was sie da anrichtete. Nicht nur, dass der Wolf anfing sich zu wehren, nicht nur, dass er Gretel von sich schubste - nein. Mit heraushängender Zunge lief er im Kreis herum. „Waf hafft du detan!", jammerte er immer wieder und irgendetwas, was so klang, als würde er sterben.

Seine Zunge wischte über Bäume und Sträucher, klar dass die Kamera das einfing, denn dafür hatten sie den Wolf ja angefordert!

„Ih! Mädchenspucke! Das ist so eklig!" Wölfchen spuckte und lief weiter. „Wie kannst du mir einfach was in den Mund stecken! Thano hat gesagt, das darf man nicht. Das überträgt Ba-Ba-ke-rien!", schrie er wie von Sinnen und wischte sich weiter die Zunge. Der Regisseur grinste zufrieden und Wölfchen litt Höllenqualen.

„Sag mal, spinnst du?“, zischte Gretel, die etwas unsanft auf dem Hintern gelandet war. „Das war ein Kuss und kein Mordanschlag. An Küssen stirbt man nicht, sonst würden ja reihenweise Menschen sterben, denn geküsst wird ständig.“ Sie war wütend auf diesen Wolf. So etwas war ihr ja noch nie passiert.

„Man steckt Leuten, die man nicht kennt, nicht einfach was in den Mund. Haben dir das deine Eltern nicht beigebracht? Das ist doch eklig. Überall Keime und widerliche Mädchenspucke!" Wölfchen konnte sich gar nicht wieder beruhigen. Noch immer schüttelte er sich und funkelte die junge Frau wieder an. Erst jetzt erblickte er den Regisseur, der lachend auf seinem Stuhl hing - ob das ein schlechtes Zeichen war? Man sollte bei Märchen doch nicht lachen!

Warum wedelte der auch noch so mit den Händen, als wenn er weitermachen sollte. Wölfchen hatte aber keine Zeit sich darüber Gedanken zu machen, denn diese Gretel griff wieder nach ihm. „Was soll das heißen: widerliche Mädchenspucke?“, knurrte sie. „Außerdem ist es vollkommen normal, dass man sich auf den Mund küsst. Das macht man schon seit tausenden von Jahren so.“ Um das zu verdeutlichen griff sie sich Wölfchen gleich noch einmal und küsste ihn. Ihr Fehler war es, dass ihre Zunge wieder Einlass begehrte und so ging der wilde Ritt von vorn los: Gretel fiel, Wölfchen schrie und leckte über die Bäume, um den ekligen Geschmack nach fremder Spucke und die vielen aggressiven Ba kerien loszuwerden.

Warum rettete ihn denn keiner? Alle guckten nur zu, wie diese Tussi ihm krankmachende Keime in den Hals stopfte. Die Welt war so ungerecht!

Letha hatte jetzt aber wirklich langsam die Nase voll. Dieser Wolf gehörte doch in die Klapsmühle und wenn das so weiter ging, wurde dieses Märchen auch noch gekippt. „Hör auf, dich so anzustellen“, knurrte sie und schleifte Wölfchen an der Hand hinter sich her. „Wir machen jetzt weiter und lass dir ja nicht einfallen, das Märchen zu kippen.“

„Dann hör du auf, mir deinen ekligen Waschlappen in den Hals zu schieben", knurrte Wölfchen, der es nicht ertragen konnte, dass er schuld sein sollte, wenn das Märchen wieder den Bach runter ging. Er war es doch nicht gewesen, der andere mit Keimen verseucht hatte! Er nicht! Doch er folgte ihr erst einmal, wenn auch mit einer Armlänge Abstand.

Ohne große Rücksicht zog Letha das Märchen weiter durch, nur dass sie jetzt keine Hilfestellungen mehr gab und Wölfchen ab und zu stolperte und hinfiel, weil sie ihm in unbeobachteten Momenten ein Beinchen stellte. Sie war wütend. So hatte sie noch niemand behandelt und das durfte auch keiner. Sie war ein Star, da konnte man Respekt erwarten.

Wölfchen stolperte nur hinterher, ließ Steine fallen und der Rest des Märchens ging in einem ziemlichen Schnelldurchlauf. Ohne die Steine hätte sich der kleine Wolf wirklich verirrt und so war er ganz froh, als er wieder auf dem Set ankam, ohne Schaden genommen zu haben.

Nur hatte er keine Zeit zu verschnaufen, denn es ging gleich weiter. Letha war noch immer ruppig zu ihm, aber sie hielt sich zurück, denn der Regisseur hatte ihr ein Zeichen gegeben, dass sie es nicht übertreiben sollte. Nicht das Wölfchen noch die Flucht ergriff. Nun wollte sie das Märchen nur noch fertig kriegen.

Wie im Drehbuch verschlossen die Eltern die Tür, damit die Kinder keine Steine mehr suchen konnten - Wölfchen drückte sich in der Zeit im Zimmer ganz dicht an die Wand und wedelte mit den Armen vor sich, damit er merkte, wann ihm jemand zu nahe kam. Zwar sah er im Dunkeln ziemlich gut, doch sich zweifach abzusichern war einfach besser.

Kaum hatte er sich mit der Situation abgefunden, ging es auch schon weiter. Die Taschen voll Brotkrümel hetzten sie wieder in den Wald. Wölfchen konnte nicht einmal die kleinen Häschen am Wegesrand begrüßen.

Immer wieder wurde er weitergezerrt und angestupst, damit er Brotkrümel verteilte. So stolperte er schließlich auf die Lichtung, auf der sie im Märchen von ihren Eltern zurück gelassen wurden. Eigentlich sollte jetzt Mittagspause sein, aber da sie sich so beeilt hatten, wurde sie weiter nach hinten verschoben, wenn sie am Hexenhaus waren. Das hieß aber auch, es ging weiter und als sie ihren Eltern den Rücken zuwendeten, waren Gretel und Hänsel wieder allein.

Um sich zu beschäftigen, stromerte Wölfchen ein bisschen auf der Lichtung herum, hatte die aufdringliche Gretel aber immer im Blick.

Täusche mich einmal - Schande über dich.

Doch täusche mich zweimal - Schande über mich!

Wölfchen sei wachsam!

Millionen von Keimen lauerten nur darauf, ihn niederzustrecken.

Aber Gretel beachtete ihn gar nicht. Ihre Chance kam noch, sich an diesem Bekloppten zu rächen. Der war doch nicht ganz dicht. Erst einmal brachte sie das Märchen zu Ende, dann konnte dieser Spinner sie aber mal kennen lernen. Dann kam er ihr nicht mehr davon. Aber erst einmal wartete sie, bis das Licht gedimmt wurde und sie anfangen konnten, sich zu verlaufen. Allerdings musste sie den Dödelwolf einsammeln, der sich gerade mit ein paar Karnickeln festgequatscht hatte.

„Hey!" Wölfchen wehrte sich, doch als er die Kamera sah, beeilte er sich, mit ihr zusammen die Wege entlang zu gehen - wie lange dauerte es denn noch, bis er Thano wieder sah und der ihn beschützen konnte?

Lange musste er nicht durch den Wald stolpern, denn Gretel nahm immer wieder Abkürzungen. Sie brauchte eine Pause und vor allen Dingen Alkohol, damit sie den Frust, den sie gerade schob, abbauen konnte. „Los, geh rüber und fang an zu knabbern“, wies sie Wölfchen an, damit sie endlich fertig wurden. Erst etwas irritiert stolperte Wölfchen gegen das Haus, doch dann wurde es schlimmer. Er sah den Brocken Pfefferkuchen nicht, trat darauf, der rollte weg und ließ den armen Wolf gegen eine der Pfefferkuchenwände donnern. Am Fenstersims Halt suchend, hatte er wohl ein bisschen zu viel Vertrauen in die Statik gehabt, denn die ganze Mauer brach zusammen und begrub den armen Wolf unter ihrer schweren Last aus Zuckerguss.

Alle Kameras waren auf ihn gerichtet, als seine Schreie unter dem ganzen Süßkram erstickt wurden und so sah man auch das merkwürdige, große Häschen mit Flügeln, das sofort angestürzt kam und die Lebkuchen- und Zuckergussbrocken nur so durch die Gegend flogen, weil es unbedingt Wölfchen ausgraben wollte. „Wölfchen?“, rief Leviathan leise, als er ihn freigelegt hatte und klopfte ihm sanft auf die Wange, weil der Wolf kein Lebenszeichen von sich gab.

„Njam", schmatzte Wölfchen nur und kaute auf einem Stück Lebkuchen herum. „Noch fünf Minuten, Mami, ich muss erst zur dritten Stunde", nuschelte er dabei und es dauerte ein paar Minuten, bis er wieder zu sich gekommen war. Doch dann leuchteten seine Augen, seine Finger krallten sich ohne sein Zutun in den weichen Plüsch und er schmiegte sich an das Riesenhäschen - es war wie in einem Traum! Er purrte und gurrte und begrabbelte das Häschen wo es nur Plüsch hatte und seufzte immer wieder. „Du bist so süß!"

„Ähh… lass mich los.“ Leviathan versuchte sich zu befreien, aber Wölfchen schien kurzfristig sehr viel stärker geworden zu sein, denn das ging nicht. Der junge Wolf hatte sich um das Drachenhäschen gewickelt und wollte partout nicht loslassen. Er konnte aber auch nicht viel machen, denn der Regisseur ließ die Kamera weiterlaufen, so konnte Leviathan sich nur winden, als immer wieder Finger über seinen Hintern strichen und den Puschel dort kneteten.

„Mein Traum ist wahr geworden - ganz viel Häschen zum kuscheln. Thano, du musst den Anzug unbedingt behalten und im Bett tragen!" Wölfchen war im siebten Himmel, während Gretel gerade die Worte zu verstehen versuchte? Lag da der Schlüssel zur Lösung? War der Wolf etwa mit diesem lächerlichen Flughasen liiert? Dann war es ja kein Wunder, dass er ihr hatte widerstehen können! „Schwuchtel-Wolf", knurrte sie leise vom Bildrand, während im gleichen Augenblick die Hexe auf ihre lädierte Wand starrte und dann auf das seltsam turtelnde Paar - was war das denn?

„Hallo?", rief sie also und versuchte wieder in den Märchenverlauf zu kommen.

„Rudi“, knurrte Leviathan, der im Gegensatz zu Wölfchen mitbekam, was um sie herum vorging und dem es gar nicht gefiel, wie es gerade lief. Er machte sich frei, auch wenn der junge Wolf protestierte. „Wir haben ein Märchen zu spielen, also reiß dich zusammen, denn sonst werde ich den Anzug nicht behalten.“

„Nicht?", fragte Wölfchen und machte große, runde Augen. Sie wurden wässrig und seine Lippen zitterten. Wie konnte Thano nur so grausam sein? „Das mit der Wand war ich nicht, die blöde Kuh hat mich geschubst!", stellte er klar, nicht dass wegen der da noch der Anzug nicht mitgenommen wurde! Der war nämlich groß genug, dass er Wölfchen auch passen konnte. Als er aber die Hexe neben Thano erkannte, verbeugte er sich höflich und grüßte, fragte, ob man ihn vielleicht gleich einsperren könnte.

Mit seinem Häschen natürlich, weil es ihm dort doch zu langweilig wäre so ganz allein und wenn er schon mal dabei war Wünsche zu äußern, dann wollte er auch bitte schön kein Fleisch zum Mästen haben, da er das nicht essen würde. Die sprachlose Hexe nickte nur und Gretel, die mittlerweile wieder neben Wölfchen stand, musterte Leviathan abschätzend. Jetzt war ja klar, warum die letzten Märchen gekippt wurden, damit der Drache seinen Wolf vernaschen konnte. Den beiden würde sie die Suppe versalzen.

„Könnten wir uns vielleicht mal wieder ans Drehbuch halten und nur den Hänsel in den Käfig stecken? Hasen haben in diesem Märchen nichts verloren. Dass die nur Unglück bringen, haben wir bei Rapunzel gesehen!", sagte Gretel und zerrte Hänsel wieder an sich, während Wölfchen die vielen gefallenen Worte erst einmal analysieren musste und ziemlich schnell merkte, dass sie ihm nicht gefielen.

„Thano kommt mit in den Käfig!", ereiferte er sich und sein Schwanz zuckte bedrohlich. „Und wehe du kommst stören mit deiner Mädchenspucke!"

„Macht eure perversen Spielchen wenn ihr Feierabend habt, aber ich lasse mir von euch nicht mein Märchen versauen“, zischte Gretel böse und trat nebenbei, ganz aus Versehen, auf Leviathans Fuß und der Drache knurrte.

„Misch dich besser nicht ein, wenn du deinen Posten noch länger haben möchtest. Ich werde mit in den Käfig gehen, ob es dir passt oder nicht.“ Gretel schnaubte. Die Zwei waren doch nicht ganz dicht. Kamen hier her und glaubten, alles würde nach ihrer Nase gehen. Sie brauchte jetzt dringend eine Pause und was zu trinken. Doch es sollte zumindest noch die erste Szene im Haus gedreht werden, das war allen klar. Deswegen geleitete die Hexe die beiden Kinder in ihr Haus, wie sich das gehörte, die eingerissene Wand kam endlich aus der Kameraeinstellung und konnte heimlich wieder aufgestellt werden und Leviathan ließ sich schon einmal in den Käfig setzen.

Nun war es an der Hexe, den Dödelwolf zu sich zu locken, denn wie Gretel auch, war sie an dem feschen jungen Mann interessiert. Im Gegensatz zu Gretel wusste sie auch von dem Drachen, dass die beiden jungen Männer ganz bestimmt kein Paar waren, sondern Leviathan ein bisschen auf den kleinen Wolf aufpasste. So schickte sie Gretel in die Küche und drückte sich selbst noch ein bisschen in Wölfchens Nähe herum, strich über den Schwanz, über den Hintern. Wölfchen hüpfte immer zuckend zur Seite. Was hatten nur alle mit seinem Hintern?

Sie war nicht sehr begeistert, als die Regieanweisung kam, dass jetzt erst einmal Mittagspause war, aber dann grinste sie. „Komm, wir gehen was essen“, sagte sie zu Wölfchen und nahm ihn am Arm. Noch war der Drache eingesperrt und alleine konnte er sich nicht befreien, denn damit es realistisch wirkte, war der Käfig echt und solange der Hasendrachen dort drin war, konnte er ihr nicht in die Quere Kommen.

Doch Wölfchen weigerte sich, schüttelt den Kopf. „Ich bleibe bei Thano!", legte er fest. Das war nämlich immer noch der einzige, wo er sich wohl fühlte. Der grabbelte ihm nicht am Hintern herum oder machte sonst so komische Sachen mit Zunge und Spucke und Ba-kerien. Diese Mädchen waren ihm alle suspekt.

„Jetzt sei doch nicht albern.“ Die Hexe sah Wölfchen an und überlegte fieberhaft. Sie hatte nicht vor, ihre Beute wieder entwischen zu lassen. Sie wollte diesen Schnuckel unbedingt, weil sich bisher jede an ihm die Zähne ausgebissen hatte. „Dein Thano kommt gut ohne dich zurecht. Er wird versorgt und wartet auf dich.“ Wölfchen musste ja nicht wissen, dass das geschwindelt war.

„Nein", sagte Wölfchen noch bestimmt, doch sein Magen knurrte fürchterlich. Er sah zu Thano zurück, doch der machte keine Zeichen, dass man ihn erretten müsste. Außerdem war er bestimmt schon wieder böse auf ihn. Er hatte geknurrt. Also senkte Wölfchen den Kopf und fügte sich, ging aber auf Abstand, weil er doch nicht schon wieder am Hintern befummelt werden wollte.

Leviathan sah nur noch, wie Wölfchen wegging. Er hatte von alledem nichts mitbekommen, weil einer der Regieassistenten auf ihn eingeredet hatte. „Hey, lasst mich raus hier“, rief er laut und rüttelte an den Stäben. Was sollte das denn? Die wollten ihn doch nicht allen Ernstes hier im Käfig lassen. Er hatte auch Hunger und außerdem konnte er so nicht auf Wölfchen aufpassen.

Der Coup war gelungen. Der ängstliche Wolf irrte neben der Hexe in der Cafeteria herum und suchte sich etwas zu essen. Er hatte für sich beschlossen, den Teller ganz, ganz voll zu packen und dann schnell zu Thano zu laufen, dann konnten sie gemeinsam essen.

Er fühlte sich unwohl, denn überall, wo er auftauchte, wurde getuschelt und das machte ihn noch nervöser, so dass er fast seinen Teller fallen ließ, als die Hexe ihn wieder ansprach und dabei über den Hintern strich. „Komm, dort drüben ist noch ein Tisch frei. Setzen wir uns dahin“, sagte sie und deutete mit dem Kopf auf einen Zweiertisch.

„Nein!" Wölfchen schüttelte den Kopf. Hier konnte er sich unmöglich hinsetzen. Er fühlte sich nicht wohl und ganz ohne Thano, der auf ihn aufpasste, war er in Sorge, dass er viel zu viel anstellte und dann doch noch das Märchen kippte. Außerdem stand doch der tolle, neue Hasenanzug auf der Kippe! Das ging nicht.

Er guckte nicht schlecht, als er gehen wollte und am Schwanz festgehalten wurde. Frechheit!

„Was soll das?“, fragte die Hexe aufgebracht, denn sie war es nicht gewohnt, dass man ihr einfach den Rücken zukehrte. Was bildete dieser Kerl sich eigentlich ein. „Du kommst jetzt mit und keine Widerrede. Willst du mich vor allen hier lächerlich machen? Ich verliere nicht gegen so eine Drachenschwuchtel.“

Irritiert über die fremde Wortwahl sah Wölfchen sich zu der Hexe um, zerrte aber weiter an seinem Schwanz, weil er es nicht mochte, wenn jemand daran zog. Das war seiner, sollte sie sich doch selber einen wachsen lasse, wenn sie gern an so was zog! „Thano ist doch keine Drachenschwuchtel, er ist ein Silberdrachen. Das sieht man doch." Das Kostüm machte es im Augenblick vielleicht etwas schwer zu erkennen, aber deswegen half Wölfchen ja gern aus. „Und ich werde mit ihm essen. Hier sind doch nur Irre, die einem was reinstecken wollen und Ba-kerien verbreiten!" Iecks!

„Wie bitte?“ Mit seinen Worten hatte er die Hexe so verblüfft, dass sie etwas lockerer ließ und Wölfchen seinen Schwanz befreien konnte. „Was redest du da für einen Blödsinn? Hat dieser Drachen dir eingeredet, dass wir Irre sind, oder was?“ So langsam wurde sie richtig wütend. Der Kleine war niedlich, aber sich beleidigen zu lassen, hatte sie bestimmt nicht nötig.

„Ha, von wegen! Thano hat mir doch erst gesagt, dass man nicht einfach fremden Leuten was rein stecken darf. Aber dieses Schneefrettchen wollte mir was reinstecken und diese Gretel hat mir was rein gesteckt und alles war voll Mädchenspucke und krankmachender Ba-kerien! Ihr wollt mich doch alle nur umbringen, ihr Irren. Steckt euch selber was rein!", brüllte er, so laut er konnte und flitzte davon.

Er hörte nicht mehr, wie die Hexe erschrocken Luft schnappte und ihm wütend hinterher sah, weil alle in der Kantine über ihre Abfuhr lachten. Das geschah ihr ganz recht, dass ihr mal jemand die Meinung sagte. Sie glaubte sowieso, dass sie sich mehr als alle anderen rausnehmen konnte, nur weil sie eine der Hauptrollen hatte. „Na warte“, zischte sie leise und knallte ihr Tablett auf einen der Tische und rauschte hinaus. Ihr war der Appetit gründlich vergangen.


20 - Nicht Fisch, nicht Fleisch


Wölfchen indes balancierte den übervollen Teller zurück zum Haus der Hexe und suchte Thano. Warum saß der denn immer noch im Käfig? Hatte man ihm nicht gesagt, der Drache hätte auch Pause? „Ui", machte Wölfchen und hastete zum Käfig. Der Schlüssel steckte zum Glück, aber die Gitterstäbe waren zu eng, Leviathan hatte den Schlüssel von Innen nicht erreichen können. „Hab Essen mitgebracht!", erklärte Wölfchen, als er zu dem Riesenhasen in den Käfig krabbelte und sich als erstes wieder an dem superweichen Puschel verging, der war aber auch was flauschig! Dass er dabei um Thanos Hintern herum kroch, störte Wölfchen nicht die Bohne.

„Lass das“, murrte Leviathan halbherzig, so mehr als Alibi, schließlich hatte er einen Ruf zu verlieren. Aber eigentlich störte es ihn diesmal nicht wirklich, denn Wölfchen hatte ihn befreit. Der Käfig war zwar recht geräumig, aber der Drache mochte es nicht eingesperrt zu sein. Er ließ Wölfchen ein wenig flauschen, aber dann zog er ihn wieder neben sich. „Lass uns essen“, lenkte er ab. Sie wurden sowieso von allen neugierig beobachtet, weil jeder wissen wollte, ob Gretel mit ihrer Anschuldigung Recht hatte, da war es gar nicht gut, wenn er sich die ganze Zeit am Puschel rumfingern ließ.

„Na gut. Essen ist ja auch wichtig und wenn wir gut sind, dann nimmst du den Anzug mit, das hast du versprochen und dann..." Doch weiter kam Wölfchen nicht, weil er eine Tomate in den Mund geschoben bekam, damit er nicht wieder peinliche Sachen über das tragen von Hasenkostümen im Bett plapperte, was jeden lachen ließ und den Drachen zum Pausenclown machte. So verstand Wölfchen, nickte und fing endlich an zu essen. Hier fühlte er sich sicher.

Er lehnte sich bei Leviathan an, damit er wenigstens etwas von dem weichen Fell hatte und kaute genüsslich. Er konnte ja nicht ahnen, dass er von vier zornigen Augen beobachtet wurde. Gretel und die Hexe standen nebeneinander und schmiedeten Rachepläne. So wenig sie sich sonst leiden konnten, aber gemeinsame Ablehnung schweißte zusammen und der Feind meines Feindes sei mein Freund.

„Du wirst diesen Drachen triezen, wo es nur geht, lenk ihn ab, solange du kannst und ich greife mir diese Mimose noch einmal", knurrte Gretel. Ihre Wodka-Fahne verdeckte sie immer sehr effektiv mit Pfefferminz.

„Darauf kannst du wetten. So was lasse ich nicht mit mir machen. Was denken diese Möchtegern-Schauspieler überhaupt? Kommen hier her und glauben, sie könnten das ganze Märchen umkrempeln. Ich werde ihn während der Show aus dem Käfig nehmen und dich hineinstecken. Einen Grund werde ich dafür schon finden und dann kann dieser Wolf was erleben.“ Die Hexe lachte hinterhältig und sah angewidert auf das Paar im Käfig. Das war doch abartig. Der komische Wolf schmiegte sich doch allen Ernstes an den Bauch des Drachen! Wenn die Kinder der Menschen dies sahen, konnten sie das Märchenreich vergessen - keiner wollte sie dann je wieder sehen! Das musste verhindert werden.

Indes knabberte Wölfchen an Gurkenscheiben und Blumenkohlröschen, tauchte den Finger in den Topf Remoulade, seit neuestem seine heimliche Leidenschaft - neben den Puscheln, versteht sich. Er fühlte sich rundum zufrieden und auch Leviathan musste sagen, dass es ihm besser ging, seit Wölfchen in seiner Nähe war. Ohne es zu wollen, hatte er sich Sorgen gemacht und so wie er es einschätzte, war das auch berechtigt gewesen. Schon wieder war Wölfchen von aufdringlichen Frauen belagert und begrabscht worden. So langsam fragte er sich, ob es noch Märchen gab, hinter dessen Kulissen es nicht zuging wie bei Sodom und Gomorrah.

„Hier probier mal." Wölfchen tauchte gekochte Möhren in die Soße und hielt sie Thano hin. Einfach in den Mund schieben durfte er ja nicht, hatte er brav gelernt. Er störte sich auch nicht daran, dass ein paar von der Requisite hier herum stürzten und lachten oder Bilder machten. Satt und zufrieden lag er auf dem Bauch des Drachen und aalte sich. So konnte das Leben immer sein.

Es war schon ein etwas schräger Anblick, den sie boten, denn der Riesenhase lehnte halb liegend an einer Seite des Käfigs und Wölfchen lag zusammengerollt auf ihm drauf und strich verträumt durch das Fell. Leviathan hielt einfach den Mund auf, damit Wölfchen ihn füttern konnte, denn so kam er nicht an den Teller, aber das machte nichts. So gefiel es ihm auch ganz gut. Das sanfte Streicheln lullte ihn ein und machte ihn schläfrig.

„So, genug geschmust." Gretel wurde das langsam zu widerwärtig, denn eigentlich sollte sie es sein, die von dem Wolf so gestreichelt wurde. Sie ertrug dieses Bild einfach nicht und rüttelte an den Gitterstäben vom Käfig. „Los, Hänsel, raus aus dem Käfig, das Märchen geht weiter. Wir haben heute nämlich alle noch was vor und von eurer Tucken-Tour die Nase voll!"

Erschrocken ruckte Leviathan hoch und funkelte Gretel an. Das Wölfchen dabei von seinem Bauch in seinen Schoß purzelte bemerkte er gar nicht. „Dämliche Schnepfe“, knurrte er wütend und war drauf und dran aufzuspringen und sich diese unverschämte Ziege zu greifen, aber es ging nicht, weil Wölfchen so ungünstig lag, dass er nicht hoch kam.

„Meine Güte, kann der dir nicht später einen blasen? Muss das jetzt sein? Wir haben keine Zeit für deine Befriedigung", knurrte Gretel und zerrte den Dödelwolf einfach aus dem Käfig. Dass der dabei stürzte und sich böse die Nase an einem der Stäbe anschlug nahm sie billigend in Kauf, da war der Idiot doch selber dran schuld. Wölfchen jammerte und wimmerte und der Regisseur ließ heimlich filmen, der Kerl war zu gut! Den brauchte er für länger in seinem Märchen.

Es war doch eine gute Entscheidung gewesen, alles, was der kleine Wolf machte, aufzunehmen. Leviathan wollte Wölfchen hinterher, aber die Tür wurde vor seiner Nase zugeschlagen und die Hexe grinste ihn an. „Geh auf deinen Platz und benimm dich. Du bist unwichtig für dieses Märchen und wenn du nicht spurst, werden wir dafür sorgen, dass du ausgetauscht wirst, dann schmust dein Liebchen mit einem anderen.“ Sie war sich nicht mehr sicher, ob Gretel nicht doch recht hatte, dass die Zwei was miteinander hatten, besonders nicht mehr, als der Drache sich wütend gegen die Stäbe schmiss und unflätig fluchte. Er führte sich ja auf wie ein verschmähter Liebhaber!

„Aber die Fee hat versprochen, dass Thano bei mir bleibt! Sie hat es versprochen!" Wölfchen dachte doch gar nicht daran, Thano austauschen zu lassen. Dann würde er mitgehen - ganz klar. Doch vorerst wurde er von Gretel durch die Gegend gezerrt, auf am Boden gezeichnete Markierungen gestellt und angezischt, dass er endlich seine Rolle spielen soll, sonst würde sie ihn fesseln und mit Ba-kerien voll stopfen! Sie hatte begriffen, dass Wölfchen davor absolute Panik hatte, auch wenn er es nicht aussprechen konnte. Und es wirkte, Wölfchen ließ die Ohren hängen und wimmerte leise, er wolle noch nicht sterben. Er wäre doch noch so jung.

„Das werdet ihr noch bereuen“, knurrte Leviathan zu der Hexe und sah zu Wölfchen rüber. „Wenn ihr ihm etwas tut, werde ich euch rösten, egal ob ich dafür die ganze Kulisse abreißen muss. Frag Schneewittchen, die kann dir das bestätigen. Ich werde hier bei ihm bleiben, egal was ihr versuchen werdet. Du weißt, dass ich keine Skrupel habe.“ Er sollte wohl mal klarstellen, wie das hier abzulaufen hatte, denn so wie es aussah, hatten die Hexe und Gretel andere Pläne.

„Ach, halt die Klappe, wir wollen drehen!" Gretel hatte keine gesteigerte Lust, sich von dem merkwürdigen Typen belabern zu lassen. Sie war einfach froh darüber, dass Wölfchen neben ihr brav machte, was er sollte, und auch nur noch leise wimmerte, wenn man ihm den süßen Knackarsch tätschelte, anstatt wieder wegzulaufen. Langsam schien er zu begreifen.

Leviathan konnte nur vor Wut kochend zusehen, wie die zwei Frauen Wölfchen triezten und begrabbelten, so dass der Kleine sich immer kleiner machte. Eigentlich hätte er schon längst im Käfig sein sollen, aber immer wieder fiel einer der beiden Frauen etwas ein, um ihn noch länger bei sich zu behalten. Erst musste er Gerichte probieren, dann musste er einen Nagel in die Wand schlagen, dann sollte er Sachen aus dem obersten Regal holen - natürlich gab Gretel ihm dabei Hilfestellung! Wölfchen hatte langsam die Nase voll. Doch er hielt sich immer vor Augen, wenn er nicht dran schuld sein sollte, dass der Hasenanzug hier blieb, musste er machen, was von ihm erwartet wurde, damit das Märchen gut zu Ende gebracht werden konnte.

Er konnte ja nicht wissen, dass das gar nicht unbedingt erwartet wurde, denn man hatte gemerkt, dass, egal was Wölfchen machte, die Einschaltquoten stiegen. Schließlich griff die Regie ein, denn sie hatten nicht viel Spielraum zum überziehen, also mussten sie Wölfchen endlich in den Käfig lassen, wo er sich gleich an Leviathan drückte. Ängstlich vergrub er sich hinter dem Hasendrachen und wischte sich immer wieder über den Hintern, gerade so, als müsste er da Ba-kerien und andere schlimme Sachen wegwischen. Doch nun schien er wieder zufrieden und lenkte sich mit dem Puschel ab, das beruhigte ihn immer noch am besten, während Gretel anfangen musste zu arbeiten und die Hexe anfing, Hänsel zu mästen. Dabei hatte Wölfchen gerade erst gegessen!

„Füttere mich damit. Wir müssen den Zuschauern ja erklären, warum ich mit in deinem Käfig stecke“, flüsterte Leviathan ihm zu und nahm sich etwas. Er war nicht so satt wie Wölfchen und allein um die Hexe zu ärgern, aß er Wölfchens Essen gerne. So kam Wölfchen auch wieder hinter ihm hervor und befingerte ihn nicht weiter. Das machte ihn irgendwie nervös.

„Ja, gute Idee." Der junge Wolf verfütterte das ganze Zeug mit Leidenschaft und Hingabe und reger Begeisterung und freute sich sogar, weil die Damen des Hauses ihn dabei wütend musterten. Wie verlangt hielt er immer einen Knochen durch die Gitter, wenn gefragt wurde, ob er schon schön fett wäre und so ging das eine ganze Weile. Das gefiel Wölfchen gut. Doch der Regisseur war unzufrieden, es passierte ja gar nichts mehr!

Er überlegte fieberhaft, was er machen sollte, aber dann fiel ihm was ein. Er winkte seinen Assistenten zu sich und schickte ihn in die Küche, um Fleisch zu holen. Wenn er das richtig mitbekommen hatte, waren beide im Käfig Vegetarier. Mal schauen, wie sie darauf reagierten.

Schnell waren ein Fisch und ein Schnitzel besorgt und als erstes landete der Fisch im Käfig. Gutgläubig griff Wölfchen zu, es fühlte sich komisch an - so tierisch. Als er auf seine Hand guckte kreischte er und sprang auf, schlug sich den Kopf am Käfigdach und warf den Fisch weg, dummerweise genau in Thanos Richtung. „Das hat ja Augen! Mein Essen hat Augen! Mein Essen hat mich angeguckt, nimm's weg!", kreischte er immer wieder und hüpfte von einem Fuß auf den anderen, gerade so, als würde er vor Mäusen oder Ratten ausweichen.

Aber sein Thano konnte ihm nicht helfen, denn der klaubte sich gerade den Fisch aus dem Gesicht und spuckte angewidert aus, dann sah man nur noch einen hellen Schein und es roch nach verbranntem Fisch. „Was fällt euch ein, ihr Hirnies. Ich will sofort Wasser und ein Handtuch“, brüllte er wütend, denn Fisch war noch ekelhafter als Fleisch, denn er stank und nun hatte er diesen Fischgestank an sich und bekam ihn nicht weg. Das war schon schlimm, aber schlimmer war es, dass der Anzug auch was abbekommen hatte. Das wurde Wölfchen gerade panisch bewusst, als er die schleimigen Spuren auf dem Polyesterfell sah! Wie von Sinnen rubbelte er also an dem Stoff herum und störte sich nicht im Geringsten daran, dass es Thanos Schoß war, den er bearbeitete. Der schöne neue Hasenanzug! Völlig versaut - es war zum Heulen.

Und die Kamera nahm alles auf.

Feixend ließ der Regisseur ranzoomen, damit auch alles gut zu sehen war und rieb sich die Hände. Das war ein Knüller. Wenn das so weiterging, konnten sie auch auf dem Fetischmarkt erfolgreich senden, so wie der Kleine auf das Hasenplüsch fixiert war.

Leviathan merkte gar nicht wirklich, was Wölfchen machte, denn er tobte weiter, weil alle glotzten, aber keiner mal endlich Wasser und Handtuch holte.

„Der schöne Anzug ruiniert. Das ist so grausam. Rettet doch mal einer den Anzug! Tupfer!" Wölfchen war außer sich - warum rettete denn keiner den Anzug? Er war doch noch so jung!

„Ich geb's auf!" Gretel stand am Bildrand und konnte nicht glauben, was sie sah - das hier hatte mit ihrem Märchen nicht mehr viel zu tun. Sie wusste nicht, was sie noch sagen sollte oder tun, um das Märchen zurück in die richtigen Bahnen zu holen.

Wenn diese zwei Chaoten in ein Märchen einfielen, dann war es nicht mehr zu retten, das musste sie wohl einsehen. „Komm, wir gehen was trinken. Das wird nix mehr. Das heutige Märchen ist jetzt offiziell gestorben“, murmelte sie zu der Hexe und schlurfte zur Kantine.

Was für ein beschissener Tag. Ausgebootet von einem Naivling und einem schwulen Drachenhäschen.

Wenn das kein Grund war, seinen Frust in Wodka zu ertränken? Was dann? Schweigend war auch die Hexe gefolgt, doch Wölfchen und Thano war das noch nicht einmal aufgefallen. Der Drache verlangte nun mit Feuerkugeln nach Wasser und Handtuch und scheuchte so die Assistenten in die richtige Richtung und Wölfchen musste mit Entsetzen feststellen, dass er den Schleim und den Dreck nur tiefer ins Plüsch gerubbelt hatte - das war zu fiel für den kleinen Wolf, er fiel einfach um und blieb liegen.

Wenn er auch außerhalb seiner Wut nichts mitbekam, dass Wölfchen sich auf einmal nicht mehr rührte, das ließ ihn innehalten. „Rudi?“, fragte er und als der sich nicht rührte bückte er sich zu ihm runter und stupste ihn an. Allerdings bewegte der junge Wolf sich nicht und besorgt hob der Drache ihn hoch. „Macht den Käfig auf“, rief er und blickte immer wider auf seinen kleinen Freund, aber keiner schien ihn für voll zu nehmen. „Macht auf, verdammt!", schrie er darum noch lauter. „Mit Wölfchen stimmt was nicht. Wenn ihm etwas passiert, bring ich euch alle um.“

Das war der Augenblick, wo die Kameras aus gingen und sicherlich Werbung für Märchenbücher eingespielt wurde, denn weder Fluchen noch sonstiges, was nicht zum Märchen gehörte, war gestattet. Das hagelte sonst Beschwerden von Eltern, die immer noch die Macht über die Fernbedienung ihrer Kinder hatten. Verhunzte Märchen waren das eine, aber Kinder, die schlimme Wörter lernten, waren etwas anderes.

Deswegen eilten nun auch zwei Assistenten herbei und schlossen den Käfig auf, nahmen den leblosen Wolf an sich und legten ihn auf den Tisch im Hexenhaus.

Leviathan scheuchte alle knurrend weg, die um den Tisch standen und hielt Wölfchen weiter fest. „Rudi“, rief er ihn leise und klopfte ihm vorsichtig auf die Wange. „Was ist denn passiert?“, fragte er und strich seinem Freund durch die Haare. Zu seiner Beruhigung schien der Kleine nur ohnmächtig zu sein, denn er atmete regelmäßig.

„Er war doch noch so jung!", murmelte Wölfchen immer wieder und seine Beine und Arme zuckten. Sein Schwanz wedelte ganz aufgeregt und wischte dabei immer wieder über den Tisch. Dass der Rest, der nur beiseite geschoben worden war, auch zu Boden fiel, war das geringste Problem. „So jung. Und ich habe ihn getötet!"

„Was meinst du? Wen hast du getötet?“ Leviathan wurde aus Wölfchens Worten nicht schlau und tat sie damit ab, dass der Kleine noch nicht ganz wieder bei Sinnen war und fantasierte. Aber da man ja niemanden einfach so aus seinem Wahn schmeißen sollte, spielte er mit. Er zog seinen Freund auf seinen Schoß, damit er es bequemer hatte und kraulte ihn.

„Er war doch noch so jung und so kuschelweich, so flauschig und plüschig und ich habe ihn mit einem Fisch beschmiert. Ihn getötet. Ich wollte das nicht. Vergib mir. Ich bin eines Puschels unwürdig!", lallte Wölfchen vor sich hin und schüttelte sich immer wieder.

„Häh?“ Jetzt war Leviathan vollends verwirrt und es dauerte eine Weile, bis ihm aufging, was Wölfchen meinte, und er lachte erleichtert. „Hey, das kriegen wir wieder hin. Er wird wieder so. Wir bringen ihn in die Reinigung und dann ist der Anzug wieder wie neu.“ Er wiegte den kleinen Wolf hin und her, damit er sich wieder beruhigte und keine Vorwürfe machte.

„Hö?" Wie von Wunderhand kam der Wolf zu sich und setzte sich auf. Mit großen Augen blickte er Thano an und schmiegte sich gegen ihn. „Wirklich? Man kann ihn wiederbeleben? Er ist noch nicht ganz tot?" Na wenn das keine tolle Neuigkeit war. Er war kein Puschelmörder! „Lass uns gehen und ihn reinigen!" Alles andere war vergessen. Wölfchen wollte das gleich erledigen und sein schlechtes Gewissen vertreiben.

„Er wird wieder wie neu.“ Leviathan lachte erleichtert, denn Wölfchen schien es wieder gut zu gehen. Er stand auf und scheuchte erst einmal die Umstehenden weg. Er brauchte nur die Hand zu heben und sie spritzten auseinander, denn dass der Drache mit seinen Feuerbällen zielen konnte, hatten sie gemerkt. „Holt unsere Sachen, wir fahren“, rief er laut und ging mit Wölfchen zu den Kutschen. Er vermied es auch, sich umzuziehen, damit der labile Wolf nicht schon wieder eines Puschels beraubt wurde. Der hatte schon wieder seine Finger an Thanos Hintern, begriff nicht, warum ein paar Komparsen lachten und fingerte in dem weichen Plüsch herum. Das war so schön! Er hätte auch gern wieder seinen eigenen Puschel.

Doch als er die Hexe und Gretel sah, die ihm beide willig und lüstern die Zunge raus streckten, beeilte sich Wölfchen dieses Sündenbabel zu verlassen.

Er zerrte seinen Drachen schon fast am Puschel hinter sich her, so dass der keine weitere Chance hatte als zu folgen. Sonst bestand noch die Gefahr, dass der arme Anzug wirklich noch getötet wurde. „Ins Märchen-Hilton“, wies er den Kutscher noch an und kletterte hinter Wölfchen in die Kutsche.