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03

Catching Santa Claus [Ira]

Türchen 3

Nach einer ruhigen Nacht und einem tiefen Schlaf erwachte Niklas bei Morgengrauen, so wie er es gewöhnt war. Gähnend setzte er sich auf und streckte sich genüsslich, rieb sich den Schlafsand aus den Augen, bevor er registrierte, dass er ja noch voll bekleidet war.

Da musste er wohl gestern eingeschlafen sein... mit Tobi auf dem Schoß. Nik lächelte vergessen und spürte noch die Schwere seines einzigen Freundes auf den Oberschenkeln. Es war schön gewesen und Niklas würde es auch wieder tun, wenn der Jüngere es auch wollte.

Doch jetzt würde der Sohn des Weihnachtsmannes erst mal Brötchen holen so wie gestern. Vielleicht wollte Tobi auch mit ihm laufen? Danach würden sie sicher duschen und dann frühstücken und je nachdem wie lange sie fahren mussten bis zu Tobias' Elternhaus, wahrscheinlich schon bald aufbrechen.

*

Tobi schlief immer noch wie ein Stein.

Aber aus dem Traum wollte er auch nicht unbedingt aufwachen.
Er handelte nämlich von ihm und Niklas, wie sie im Sommer mitten auf einer Wiese ein Picknick machten und sich verliebt ansahen.

Sein Unterbewusstsein zeigte ihn das, was er sich aus tiefstem Herzen wünschte. Niklas als Freund zu haben. Als festen Freund.

Er hatte den Traum schön häufiger gehabt, aber da hatte er immer nicht das Gesicht seiner Begleitung sehen können. Erst jetzt, seitdem er Niki vor zwei Tagen kennen gelernt hatte, hatte sich auch der Traum verändert.

Mit einem glücklichen Lächeln auf den Lippen kuschelte sich der Brauhaarige automatisch tiefer ins Kissen und schwebte weiterhin in seinem Traum.

*

Leise klopfte Niklas am Schlafzimmer an, nachdem er sich umgezogen hatte. Er hatte eine kurze Jogginghose angezogen und wusste, dass ihm nicht kalt werden würde, wenn er sich bewegte. Und immerhin hatte er ja nichts anders und in Jeans, so wie gestern, wollte er nicht nochmal laufen, da es sehr unangenehm gewesen war.

Als Tobias nicht antwortete überlegte Nik doch alleine joggen zu gehen, aber gestern schien Tobi traurig gewesen zu sein, dass er nicht laufen war - das war jedenfalls Niks Eindruck gewesen. Also betrat er leise das Zimmer und hockte sich vor das Bett, blickte auf den eingekuschelten Tobias. "Hey... Tobi... kommst du mit laufen?", flüsterte er leise. Wenn der Dunkelhaarige weiter schlief, würde Niklas wieder leise verschwinden und den Jüngeren schlafen lassen.

*

"Noch fünf Minuten Mama", nuschelte er im Halbschlaf und zog sich das Kissen über den Kopf.

Es brachte ein zwei Minuten, bis sein schlaftrunkenes Hirn ihm mitteilte, das er nicht mehr bei seinen Eltern lebte, es folglich auch nicht seine Mutter sein konnte, die ihn da wecken wollte.

Also hob er das Kissen an und starrte als verschlafenen Augen auf den Störenfried, der ihn um seinen wohlverdienten Schlaf brachte.

"Niki?", murmelte er leise und schloss noch einmal seine Augen, um sie dann schon ein weniger wacher zu öffnen. "Ist was passiert?", wollte er wissen, denn der Blonde befand sich in seinem Schlafzimmer. Bei der Führung hatte Tobi es ihm zeigen wollen, doch Niklas hatte darauf bestanden, es aus zu lassen. Es sei zu Privat.

*

"Nein, nichts ist passiert, ich wollte dich nur fragen ob du mit laufen gehen möchtest. Oder soll ich wieder Brötchen holen und Frühstück machen? So kannst du noch etwas schlafen!", schlug Niklas mit leiser, sanfter Stimme vor. Tobias war irgendwie süß, so wie er da unter den Kissen hervor lugte.

*

"Laufen?", fragte er verwirrt? Morgens brauchte er immer länger bis er voll wach war.

"Ach. Joggen", nuschelte er als der Groschen gefallen war und unterdrückte ein Gähnen. "Klar, wieso nicht. Dann werd ich vielleicht wach."

Der Braunhaarige legte das Kissen neben sich, streckte sich wie eine Katze und stand dann auf.

Irritiert blickte er Niklas an. Kurze Hosen? Da war doch irgendwas? Etwas ganz Wichtiges.

Richtig! Niki hatte ja nur kurze Sachen dabei. Sie hatten gestern ganz vergessen Uli zu fragen.

Mit einem Blick auf seinem Wecker stellte er fest, dass Uli jetzt noch schlafen dürfte.

"Entschuldige, Niki. Wir haben gestern ganz vergessen, bei Uli anzurufen. Der schläft jetzt aber noch. Und meine Hosen sind zu kurz für dich. Wird wohl nichts aus dem Joggen."

Betrübt senkte er seinen Kopf. Dass er nur in Short vor dem Älteren stand, hatte er schon wieder vergessen. Er hatte sich jetzt, wo er halbwegs wach war, so gefreut mit Niklas joggen zu gehen und jetzt wurde nichts daraus.

*

"Wieso sollte nichts draus werden? Mich stört es nicht. Ich bin es kälter gewöhnt und solange ich mich bewege geht es. Du willst doch hoffentlich auch nicht drei Stunden joggen gehen. Und eine halbe Stunde überlebe ich schon. Zieh dir schon was an”, grinste Niklas. Ihn störte Tobis Nacktheit nicht, hatte er doch das gleiche wie der Kleinere.

*

Ungläubig blickte Tobi auf. Niki wollte wirklich mit kurzer Hose joggen gehen? Man musste der abgehärtet sein.

Ein strahlendes Lächeln bildete sich auf seinen Lippen und so umarmte er stürmisch den Größeren. "Danke Niki. Ich Freu mich schon darauf, mit dir laufen zu gehen", gab er zu und flitze dann zu seinem Schrank, suchte sich seine Klamotten heraus.

Dass Niklas noch immer Zimmer war, vergaß er mal wieder, als er sich die Shorts auszog und in warme Kleidung schlüpfte. Nur gut das er mit dem Gesicht zum Schrank stand, sonst wäre im Niki doch aus den Augenwinkeln aufgefallen und er hätte sich eher im Bad eingesperrt, als Joggen zu gehen.

"Fertig", strahlte er dann und verließ sein Zimmer, um sich die Schuhe anzuziehen, sich ein Jacke und Schal zu mummeln und seinen Geldbeutel einzustecken.

*

Niklas hatte nicht hingesehen, als Tobi sich angezogen hatte und hatte sich erst umgedreht, als dieser "fertig" gerufen hatte. Dann folgte Niklas ihm in den Flur, um sich selbst Jacke und Schuhe anzuziehen und die Tür zu öffnen. "Hast du Geld mit?"

*

"Ja hab ich", antwortete Tobias und griff sich noch die Schlüssel, bevor er seine Wohnung verließ und dann die Tür abschloss.

Während er die Treppe runter ging, fragte er: "Auf der Seite raus wo wir uns kennen gelernt haben oder willst du das Dorf auf der anderen Seite verlassen? Mir ist das gleich."

Das stimmte. Tobi war es egal wo er laufen ging, Hauptsache er konnte laufen.

Vor dem Hochhaus atmete er ein paar Mal tief ein und aus und dehnte sich dann vorsichtig. Nicht das er sich noch was tat.

*

"Gestern bin ich die Strecke gelaufen, auf der wir uns begegnet sind. Es ist immerhin die einzige, die ich kenne. Und unterwegs bin ich dann hier im Dorf zu dem Bäcker gegangen, den ich gestern gesehen habe. Wir können jetzt gerne die andere Strecke laufen, damit ich mir noch mehr von der Umgebung einprägen kann", meinte Niklas und begann ebenso sich zu dehnen.

*

Als Tobi fertig war, wartete er noch kurz auf Niklas und dann machten die beiden sich auf den Weg, dieses Mal wirklich auf der anderen Seite aus dem Dorf.

So früh war außer ihnen noch keiner wach. Aber das war ja auch nicht verwunderlich, immerhin war Sonntagmorgen.

Immer wieder, wenn Tobi ausatmete, bildeten sich kleine Wölkchen vor seinem Mund. Verträumt blickte er die Landschaft an, als sie das Dorf hinter sich gelassen hatten. Er liebte diese Idylle.

*

"Es ist wirklich wunderschön hier. Obwohl Schnee liegt und Weihnachten ansteht", grinste Niklas bitter. "Ich weiß nicht ob es mit am Äquator nun besser gefallen würde", seufzte er anschließend und lief mit Tobias auf einer Höhe.

*

"Magst du Weihnachten nicht?", wollte der Braunhaarige wissen und warf einen fragenden Blick zu dem Größeren.

"Dort wäre es warm. Aber ich liebe den Winter und den Schnee. Von dem her, möchte ich jetzt ungern in einem warmen Land sein."

*

"Ich hab genug von Weihnachten, den ganzen Trubel, Geschenken und alldem. Ich will nur meine Ruhe davor. Die Kinder sind die Einzigen, die sich wirklich freuen und noch nicht nur auf die Anzahl und den Preis der Geschenke achten. Aber davon auch nicht alle. Weihnachten war mal das Fest der Liebe und Güte und zu was ist es gemacht worden? Das kannst du doch alles vergessen!", grummelte Niklas.

*

Bei diesen Worten blick Tobias schlagartig stehen und senkte seinen Kopf.

Er mochte Weihnachten, liebte Weihnachten und schmückte jedes Jahr seine Wohnung, buk Unmengen an Plätzchen und kaufte sich einen Baum, den er schmückte.

Hatte Niklas dann auch von ihm genug? Der Gedanke tat weh, wo sie sich doch bisher so gut verstanden hatten. Zwei Tränen lösten sich - aus jedem Auge eine - und brannten auf seiner durch die Temperaturen kalten Haut.

Irgendwas in ihm zog sich zusammen.

*

Niklas blieb ebenso stehen und sah auf Tobis tränende Augen. "Habe ich was Falsches gesagt?", fragte er sofort und trat vor den anderen, nahm dessen Gesicht in die behandschuhten Hände und strich die Tränen weg.

*

"Ich... ich", schniefte Tobi und riss sich dann wieder zusammen.

Verdammt, er war 23 und benahm sich wie ein kleines Kind.

"Du hast gesagt, du hast genug von Weihnachten. Und... und ich liebe Weihnachten. Den Tannenbaum kaufen und schmücken, die Wohnung herrichten, Plätzchen backen und Kreis der Lieben den Abend verbringen."

Tobi verstummt, sei Herz zog sich zusammen, als er die nächste Frage stellte.

"Hast du auch genug von mir?"

Seine grauen Augen, wirkten Dunkel, wie bei einem Sturm und in ihnen stand ein Flehen geschrieben, das dem nicht so war.

*

"Wieso sollte ich genug von dir haben? Mit keinem anderen würde ich meinen Urlaub verbringen wollen als mit dir. Du bist doch mein einziger Freund Tobi und ich mag dich sehr, du Dummkopf", lächelte Niklas und zog Tobias einfach in eine Umarmung.

Dieser umarmte ihn so oft, dass Niklas annahm, es würde diesem Ruhe und Gelassenheit bringen und vielleicht würde diese Umarmung Tobias auch jetzt wieder beruhigen.

"Ich mag Weihnachten nicht mehr weil meine ganze Familie das ganze Jahr von nichts anderem redet. Weil die Kinder heutzutage nur noch auf die Geschenke aus sind und nicht auf die Feiern in der Familie, weil das schmücken der Bäume und Häuser zu Wettbewerben ausgeartet ist, bei dem jeder den anderen übertrumpfen will.

Es ist ein Kampf darum das Beste, Tollste, Teuerste zu haben, in dem alle aus den Augen verloren haben worum es wirklich geht. Deswegen mag ich Weihnachten nicht mehr!"

*

Sofort erwiderte Tobi die Umarmung, versuchte regelrecht in Niklas hin zu kriechen. Erneut liefen lautlose Tränen.

Er hatte solche Angst gehabt, das Niklas ja sagte, ihn hämisch anlachte und dann stehen ließ.

Er hörte sich genau an, was Niklas da sagte. Und er hatte Recht. Das hasste er an den Menschen auch, aber trotzdem konnte es ihm die Freude auf Weihnachten nie verderben.

"Ich bin wirklich ein Dummkopf", nuschelte er in die Jacke des Blonden.

*

"Ja bist du... und mir wird kalt, wenn wir hier rumstehen. Lass uns weiter laufen und wenn du magst zu Hause darüber weiter reden, ja?", bat Niklas und merkte, dass seine Lippen zu zittern begonnen hatten.

Er war wohl doch etwas zu freizügig gekleidet und stehen bleiben war ein großer Fehler, den er momentan beging.

*

Sofort löste er sich von seinem Freund und Schuld blitze in den grauen Augen auf.

Er war schuld, dass Niklas kalt wurde. Er war schuld, wenn Niki krank wurde.

Ein schiefes Lächeln schlich sich auf die Lippen des Braunhaarigen und ehe er es verhindern konnte, stellte er sich auf die Zehenspitzen und hauchte dem Älteren einen Kuss auf die Wange.

"Danke", nuschelte er, bevor er dann wieder weiter lief, als sei nichts gewesen. Sich in Gedanken mit seinem Verstand streitend, wieso er das gemacht hatte.

*

Niklas hielt sich kurz die Wange, bevor er wieder zu Tobias aufholte, die zurückkehrende Wärme begrüßte. Das gerade war sein erster Kuss gewesen von jemandem, mit dem er nicht verwandt war. Wenn es auch nur auf die Wange gewesen war.

*

Na ja, eigentlich der zweite, aber davon wusste Niki ja nichts und wenn es nach Tobi ging, dann würde er das auch nicht so schnell erfahren. Er wollte nicht, dass der Ältere sauer auf ihn wurde.

So liefen sie noch eine Weile schweigend nebeneinander her und kehrten dann wieder um.

Auf ihrem Rückweg hielten sie beim Bäcker und kauften Brötchen und Brezeln. Auch kaufte Tobi eine kleine Packung Einer, weil er Lust auf Frühstückseier hatte.

*

"Dann haben wir ja jetzt alles", lächelte Niklas und nahm den Beutel an sich, ging dann ruhig weiter. "Mit Eiern zu rennen ist vielleicht keine gute Idee", begründete er sein Tempo und lächelte Tobias zu. "Wann fahren wir eigentlich los zu deinen Eltern?"

*

Tobi kicherte leise. Es sei denn sie wollten, Rührei zum Frühstück. Aber es war wirklich nicht gut.

"Du hast Recht", stimmte der Braunhaarige zu.

"Ich mag Rührei schon, aber heute will ich ein Frühstücksei."

Nach kurzer Zeit kamen sie wieder beim Hochhaus an und während Tobi aufschloss, meinte er: "Meine Eltern erwarten uns um drei, zum Kaffee und Kuchen. Beziehungsweise, ist das erst um vier. Aber wir reden vorher immer noch gerne, was in letzter Zeit so passiert ist. Also sollten wir um zwei los, weil wir in der Stadt noch ein bisschen fahren müssen. Das Haus liegt nämlich etwas außerhalb. Aber leider auf der anderen Seite", erklärte der Spielzeugmacher und stieg dann die Treppen hinauf.

*

"Um zwei erst?! Ich hatte gedacht, dass wir eher hätten losfahren müssen. Naja was machen wir bis dahin? Außer von Uli Sachen für mich zu borgen haben wir dann ja nichts weiter vor", murmelte Niklas und betrat die Wohnung, nachdem Tobias aufgeschlossen hatte, zog die dicke Jacke, Schal, Handschuhe und dicke Winterstiefel aus, bevor er die Eier in die Küche trug.

*

Auch Tobi entledigte sich den dicken Sachen und folgte mit den Brötchen in die Küche.

"Ja. Meine Eltern schlafen immer lange und an den Adventssonntagen, trinken wir nur zusammen Kaffee und reden. Gemeinsam zu Mittag oder zu Abendessen wir nur an den Weihnachtsfeiertagen", erklärte der Braunhaarige, stellte die Brötchen auf den Tisch und deckte diesen dann.

Während er die Eier in den Eierkocher stellte und darauf wartete, dass die Eier ihr drei Minuten hatten, richtete Tobi sich eine Tasse Weihnachtstee.

"Was möchtest du trinken?", wollte er von Niki wissen und fügte dann hinzu: "Wir könnten schon mal die Geschenke einpacken oder wir suchen die Weihnachtsdekoration unten aus dem Keller. Ich schmücke meine Wohnung jedes Jahr. Aber keine Angst, so überdreht wie im Spielzeugladen wird es nicht."

*

"Das hoffe ich doch. Und so einen schlechten Geschmack würde ich dir auch gar nichts zutrauen", versicherte Niklas und begann nebenbei den Tisch zu decken. "Aber so haben wir wenigstens was zu tun. Wie sieht es mit einem Weihnachtsbaum aus?"

*

Tobi wurde leicht rot, aber das konnte Niklas zum Glück nicht sehen, weil er mit dem Gesicht zur Mikrowelle stand.

"Einen Baum habe ich noch nicht. Der hat auch noch ein wenig Zeit. Ist ja immerhin erst der 3. Dezember."

In dem Augenblick machten die Eier auf sich aufmerksam und der 23-Jährige schreckte sie mit kaltem Wasser ab, bevor er sie in die Eierbecher stellte und diese zusammen mit Salz auf den Tisch stellte.

"Fehlt noch was?", wollte er wissen, blickte auf den Tisch und holte sich dann seinen fertigen Tee.

*

"Ach ja, ich hätte gerne Saft", fiel Niklas dann ein, als er sich schon gesetzt hatte. Tobi hatte ja vorhin gefragt was er trinken wollte. "Wenn du magst können wir gemeinsam den Baum kaufen. Ich will eigentlich nichts mehr von Weihnachten wissen, aber vielleicht ist es mal ganz schön mit einem Freund zu feiern und du bist ja nicht ganz so schräg und auf Geschenke aus wie viele anderen."

*

Tobias lachte leise und holte dann noch den Saft aus dem Kühlschrank, sowie ein Glas.

Beides stellte er vor Niki, bevor auch er sich setzte und nach einem "Lass es dir schmecken", sein Ei köpfte.

"Nein, ich bin schon froh, wenn ich Menschen um mich habe, die ich liebe und die mich lieben. Dass es Geschenke gibt kann ich nicht ändern, aber die gibt es wohl hauptsächlich, weil ich am selben Tag Geburtstag habe. Sonst brauche ich auch keine", erklärte der Grauäugige und schmierte sich ein Butterbrötchen, das er zu seinem Ei dazu essen wollte.

*

"Ich habe dich schon so eingeschätzt. Jedenfalls nach allem was ich bisher über dich erfahren habe. Und wenn du magst können wir ja gemeinsam kleine Weihnachtsvorbereitungen treffen. Eventuell entdecke ich dadurch meine Liebe zu Weihnachten wieder", meinte Niklas mit etwas Hoffnung in der Stimme. Er wollte ein guter Weihnachtsmann werden, wenn sein Vater ihm diese Aufgabe schon unbedingt übertragen musste...

*

Der Braunhaarige schenkte dem Älteren ein warmes Lächeln.

"Ich würde gerne mit dir den Baum kaufen gehen und gegen Hilfe beim Schmücken und Plätzchen backen habe ich auch nichts einzuwenden, Niki. Es würde mich freuen", erwiderte der Jüngere.

"Und wer weiß, vielleicht hast du ja Recht und findest wieder Gefallen an Weihnachten. Solange du da bist, werd ich auch alle Fälle mein Bestes versuchen."

Ja. Das würde Tobi. Er hatte den Blonden nämlich in sein Herz geschlossen und wollte nur, dass er glücklich war.

*

"Da bin ich mir sicher”, lächelte Niklas warm und schmierte sich dann ein Brötchen mit Leberwurst, begann genüsslich zu frühstücken, immerhin war das Frühstück die wichtigste Mahlzeit des Tages. "Wir können ja zum Mittag noch gemeinsam kochen, oder willst du das ausfallen lassen?"

*

"Ich würde schon gerne eine Kleinigkeit kochen. Rührei und Brot oder so. Denn meine Mutter wird wieder Tonnen von Plätzchen und Linzer auffahren, das kenn ich schon", prophezeite der Brauhaarige.

"Aber das gibt es ja erst um vier und bis dahin würde mir der Magen wieder knurren. Denn zumindest am Wochenende hab ich eigentlich geregelte Mahlzeiten."

Mit dem Ei war er fertig und so schmierte sich der 23-Jährige ein Brötchen mit Nutella und bis mit geschlossenen Augen genießend hinein.

*

"Okay, dann kochen wir was, ich freu mich drauf. Aber kein Ei, denn das hattest du ja gerade und zu viel Ei ist auch nicht gut", grinste Niklas und nahm sich nun ebenfalls eines der gekochten Eier, köpfte es und begann es auszulöffeln.

"Aber nach dem Frühstück würde ich dann trotzdem gerne ein paar Sachen von Uli haben... mir ist nämlich etwas kalt", gestand Niklas dann.

*

Mhm... was konnten sie dann kochen, was auch Niklas schmecken würde?

Nudeln hatten sie erst gehabt, Ei fiel auch aus.

Irgendwo hatte er doch im Eisschrank noch eine Packung Bratkartoffeln gehabt.

"Ich muss gleich mal im Eisschrank schauen. Ich glaub, ich hab da noch irgendwo Bratkartoffeln. Das würde doch zum Mittag gehen", grübelte Tobias laut und trank dann etwas von seinem Tee.

Mit einem Blick auf die Uhr stellte er fest, dass Uli vor einer viertel Stunde aufgestanden war. Sonntags kam immer irgendeine Serie, die Uli aufnahm. Und da sein Videorekorder ab und an sponn, konnte er die Sendungen mit der Zeit nicht mehr einprogrammieren.

"Ja, nach dem Essen gehen wir gleich zu Uli. Ich will ja nicht, dass du krank wirst." Der Kleine schenkte Niki ein warmes Lächeln.

*

"So schnell geht das auch nicht, aber trotzdem danke", erwiderte Niklas das Lächeln und aß sein Ei weiter. "Wenn du nichts findest können wir auch selbst Bratkartoffeln machen, das ist ja nun wirklich nicht schwer", lächelte der Blonde dann.

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"Wenn du mir sagst, wie man das macht, dann gerne", lachte der Spielzeugmacher und seine Augen leuchteten.

"Ich hab nämlich noch nie selbst Bratkartoffeln gemacht", gab er zu und spürte, wie seine Wangen warm wurden. Er lief also rot an. Verlegen blickte Tobias auf den Tisch.

Er konnte kochen, aber bisher hatte er noch nie Bratkartoffeln gemacht.

*

"Klar, bring ich es dir bei wenn du magst. Ist wirklich total einfach und nachher können wir die dann einfach selbst machen. Ich muss gestehen, dass ich noch nie was Gefrorenes oder so eine "Selbstmach-Mischung" benutzt habe.

Ich habe es von meiner Mutter gelernt, dass nur jenes was man selbst gekocht hat wirklich gesund ist und ohne irgendwelche Geschmacksverstärker und Chemikalien schmeckt es auch viel besser. Ich kann zwar nicht alles kochen, aber das was ich kann ist auf jeden Fall gesund und meist auch lecker!"

*

"Lieb von dir, Niki", murmelte der Jüngere und blickte vorsichtig wieder hoch. Nicht das sich der Blonde doch noch über ihn lustig machte.

"Ich koche auch selber. Aber während der Arbeit, muss es halt schnell gehen, damit ich mit den Spielsachen rechtzeitig fertig werde. Da muss dann leider auch ab und an mal meine Gesundheit für leiden", gestand Tobias. "Ja, bring mir bitte noch was bei."

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"Meine Mutter kocht bei uns eigentlich immer, da komme ich mit Vater nur ins Haus, um zu essen und dann ruft auch schon wieder die Arbeit. Aber in den kleinen Pausen die Vater mir immer vergönnt hat habe ich Mutter in der Küche geholfen und dadurch einige ihrer Rezepte gelernt." Niklas seufzte leise. Seine Mutter... sie war die Einzige die er wirklich vermisste.

*

Tobias beugte sich über den Tisch und legte leicht, fast nicht spürbar eine Hand auf Niklas Wange.

"Du vermisst sie, mh?", wisperte er leise. Er wollte dem Blonden nicht zu sehr weh tun.

"Die Option mit dem Brief über einen Chatfreund in Deutschland zu verschicken steht noch. Und ob ihr Internet habt, hast du mir immer noch nicht erzählt. Ich will nur dass du Glücklich bist und wenn das heißt, das deine Eltern erfahren müssen, das es dir gut geht, dann machen wir das", erklärte der Braunhaarige ernst. "Ich will dich zu nichts zwingen, aber ich seh doch dass du zumindest deiner Mutter gegenüber ein schlechtes Gewissen hast."

*

"Ich vermisse sie, ja. Aber nur sie. Und sobald nur irgendwie bekannt wird wo ich bin, wird mein Vater mich holen und dann können wir nicht mehr zusammen sein Tobi...", flüsterte Niklas. "Wir haben keinen Computer, der ans Internet angeschlossen wäre. Ist etwas kompliziert bei uns Internetkabel zu verlegen."

*

Tobias stand auf, lief um den Tisch herum und umarmte Niklas, drückte dessen Gesicht gegen seinen Bauch.

"Sh... ist ja gut. Dann werden wir ihnen nicht Bescheid sagen, dass es dir gut geht. Ich will nicht dass du nur wegen mir zurück musst, wo du doch nie Urlaub hattest, Niki", murmelte er leise und fuhr sanft durch die blonden Locken. "Ich verstehe dass du eine Auszeit brauchst und sie vorbei wäre, wenn bekannt wird wo du bist."

*

Niklas umarmte Tobias an der Hüfte und legte die Wange an Tobis Bauch, schloss die Augen. "Meine Freiheit wäre vorbei, das stimmt. Und wahrscheinlich wird mich mein Vater nie wieder irgendwo alleine hingehen lassen, wenn ich wieder zurück bin."

*

Leise seufzte Tobi.

Sich ewig vor seinem Vater verstecken und nichts von sich hören zu lassen - zumindest ein es geht mir gut - würde es auch nicht besser machen.

Eher würde Niklas Vater noch wütender werden.

Aber es war die Entscheidung des Blonden und wenn der nicht wollte, musste Tobias das akzeptieren. Auch wenn es ihm schwer fiel.

"Ist gut. Ich werde mit dem Thema nicht mehr anfangen, versprochen Niki", gab er schließlich nach. Er wollte nicht, dass Niklas sauer auf ihn war oder enttäuscht.

*

"Ist schon okay. Du hast ja recht und eine Nachricht wäre ganz gut, aber es ist eben zu gefährlich. Selbst wenn ich meinen Vater um einen Urlaub bitten würde in dem Brief, würde er mich holen. Er versteht mich nicht", hauchte Niklas.

"Es ist nicht so, dass Vater mich hasst, er will mich nur so gut es geht auf meine Aufgabe vorbereiten und liebt seinen Job. Er kann nicht verstehen dass es mir nicht genauso geht wie ihm!"

*

Tobias schlang seine Arme enger um Niklas und begann, mit einer Hand leicht den Rücken rauf und runter zu fahren.

Vielleicht würde das den Blonden ein wenig entspannen und beruhigen.

"Vielleicht tut deinem Vater die Zeit auch gut und er sieht, dass es dir nicht so ergeht wie ihm, wenn er Arbeitet. Das du das gar nicht wirklich aus tiefstem Herzen willst", überlegte der Braunhaarige laut. "Das wird sich schon wieder alles klären."

*

"Ich habe ihm das so oft schon gesagt Tobi. Er versteht es nicht. Meine einzige Chance ist es wirklich nach diesem Urlaub neu an die Sache ranzugehen und meine Liebe zu diesem Beruf zu entdecken", lächelte Niklas und legte nun den Kopf in den Nacken, blickte zu Tobias rauf. "Danke, dass du mir zuhörst und meine Sorgen vertreibst!"

*

"Schon okay, Niki. Dafür sind Freunde doch da. Um sich gegenseitig bei Problemen zu helfen. Ich mach das gerne", erklärte Tobias lieb und hauchte den Blonden einen freundschaftlichen Kuss auf die Stirn. Das machte er bei Gabi und Uli auch. Die beiden gehörten quasi zur Familie dazu.

Die eine Hand zog immer noch ihre Bahnen auf Niklas Rücken. "Ich würde auch mitgehen und mit deinem Vater reden, wenn das was helfen sollte", bot der 23-Jährige an.

*

Niklas lachte traurig und schüttelte den Kopf. "Das musst du nicht und es ist auch ziemlich weit bis zu mir. Ich bin froh, dass du jetzt bei mir bist, meinem Vater muss ich aber alleine gegenüber treten", meinte Niklas fest und löste sich dann von Tobias. "Wir sollten jetzt weiter essen."

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"Du kannst jeder Zeit zu mir kommen, wenn was ist", versicherte der Spielzeugmacher und streichelte noch einmal kurz Niklas Wange, bevor er sich wieder an seinen Platz setzte.

Tobias biss wieder in sein Brötchen und nickte. "Ja, wir sollten essen, dann bei Uli vorbeischauen und deine Sachen in die Waschmaschine im Keller stecken. Gleichzeitig können wir den Weihnachtsschmuck unten aus meinem Kellerabteil holen. Okay so die Planung?"

*

"Ja, so ist es okay. Und dann noch Mittag machen und schließlich losfahren. Wann kommen wir von deinen Eltern dann eigentlich wieder?", fragte Niklas weiter nach und genoss den Rest seines Frühstücks.

*

"Na ja, ich bleib für gewöhnlich was um die drei Stunden bei meinen Eltern. Weil ich ja den Sonntag darauf schon wieder bei ihnen sitze. Adventstradition", antwortete Tobias und war nach seinem dritten Brötchen schließlich satt.

Nun hielt er sich an seiner Teetasse fest, lehnte sich zurück und beobachtete Niklas. Er wusste nicht wieso, aber er tat es gerne.

*

"Also zum Abendbrot sind wir dann wohl wieder zu Hause? Dann können wir ja nochmal einen Film sehen, so wie gestern", lächelte Niklas sanft. "Bloß bitte diesmal keinen zum Weinen!"

*

"Ja, so um den Dreh. Meine Mutter versucht zwar jedes Mal mich zum Abendessen zu überreden, aber ich schaffe es immer wieder, abzulehnen und hier zu essen. Nicht dass ich die Gesellschaft meiner Eltern nicht genieße, aber meine Mutter versucht mich jedes Mal fast zu mästen", kicherte Tobias.

Nichts zum weinen? Hatte er da was da?

Oh ja. Jim Carry. Entweder Bruce Allmächtig oder Die Maske. Einer von beiden würde Niklas schon gefallen.

Mit einem leichten Lächeln nickte er sich selbst zu. "Ja, ich hab was zum Lachen da."

*

"Das ist schön, dann haben wir ja für heute Abend was. Fall aber nicht wieder vom Sofa", lachte Niklas und aß auf.

Dann erhob er sich und begann mit Tobi zusammen den Tisch abzuräumen. "Gehst du nun alleine rüber zu Uli oder soll ich mitkommen?"

*

"Nein, diesmal nicht. Da werde ich gleich auf dem Boden liegen, damit das nicht noch einmal passiert", grinste Tobias breit und stellte die Sachen wieder in den Eisschrank.

"Du kommst natürlich mit. Immerhin müssen dir ja die Sachen passen", meinte der Braunhaarige und zog Niklas nach dem Aufräumen an der Hand raus in den Flur und schlüpfte in ein Paar Hausschuhe. Dann stellte er auch Niklas welche hin. "Sie könnten ein wenig zu groß sein, aber es wird schon gehen."

Sie waren von seinem Vater und damit war es schon klar, dass sie ihm zu groß sein müssten. Dann griff sich der Grauäugige den Hausschlüssel und verließ mit seinem Gast die Wohnung.

Abschließen musste er jetzt nicht, sie würden nicht so lange weg bleiben. So stieg Tobi die zwei Etagen hoch.

*

Niklas folgte in den viel zu großen Schlappen langsam und blieb dann mit Tobias gemeinsam vor einer Haustür stehen. Wohl die von Uli. "Schon praktisch, dass deine Freunde alle mit dir im selben Haus wohnen, wie?", grinste er und wartete bis Tobias geklingelt hatte.

Kurz darauf waren Geräusche zu vernehmen und dann öffnete sich auch schon die Tür.

*

"Ja, ist schon klasse. Wir müssen nicht erst noch lange fahren, bis wir einander sehen können", erklärte Tobi und schon fand er sich in einer festen Umarmung wieder.

"Hallo Kätzchen", begrüßte ihn Uli und freute sich wirklich, seinen Kleinen mal wieder zu sehen. Es war jetzt über eine Woche her, wegen der Geschäftsreise.

Tobi protestierte auch gleich. "Wie oft noch, ich bin kein Kätzchen. Nur weil ihr alle Älter seit - auch wenn es bei dir nur einen Monat ist, sollst du mich nicht immer Kätzchen nennen", moserte der Jüngste und fragte dann: "Lässt du uns rein? Wir brauchen deine Hilfe."

Erst jetzt fiel dem Rothaarigen auf, das sein bester Freunde nicht alleine war. "Kommt rein. Du kennst dich hier ja aus, Tobi. Einfach ins Wohnzimmer."

Erst jetzt wurde er von der Umarmung befreit.

Der 23-Jährige lächelte nur und zog Niklas hinter sich her.

*

"Guten Tag“, grüßte Niklas und wurde dann von Tobi an der Hand ins Wohnzimmer gezogen, wo sie sich aufs Sofa nieder ließen. Er hatte sich gerne vorstellen wollen, aber Tobias war schneller gewesen. Deswegen erhob er sich jetzt nochmal, nachdem Uli den Raum betreten hatte. "Ich bin Niklas."

*

"Ich bin Uli, freut mich Niklas", stellte sich der Rothaarige vor und schnappte sich einen Stuhl, ließ sich verkehrt herum darauf nieder.

"Ist dir nicht ein bisschen kalt in den kurzen Hosen?", wollte er neugierig wissen und wandte sich dann Tobi zu, als der mit sprechen anfing.

"Genau deswegen sind wir da, Uli. Ich bin Niklas am Freitag begegnet. Er ist auf Durchreise und hat mich gefragt, wo man Geld umtauschen kann und eine Unterkunft findet. Weil ich sowieso in die Stadt musste, hab ich ihn mitgenommen.

Aber die Maschine in der Bank, um Falschgeld zu bestimmen ist kaputt. Der Techniker ist verständigt, aber das wird ne Weile dauern. Deswegen wohnt er bei mir. Aber er hat nur kurze Sachen dabei, weil er eigentlich auf dem Weg zum Äquator ist. Aber meine Sachen sind ihm zu kurz. Deswegen wollten wir dich fragen, ob du ihm was borgen kannst."

Der Braunhaarige setzte seinen Bettelblick auf. Dem konnte Uli nie wiederstehen.

*

Uli lachte leise und nickte dann. "Na klar Kätzchen, dir kann ich doch nichts abschlagen. Wo willst denn da genau hin zum Äquator?", fragte er dann an Niklas gewandt weiter, der die Schultern zuckte.

"Das hatte ich mir gar nicht überlegt, ich wollte es nur warm und einen Strand haben!", grinste er und erhob sich dann, als Uli ihm bedeutete ihm ins Schlafzimmer zu folgen, wo sie die nächste viertel Stunde rumkramten und anprobierten, bis Niklas schließlich mit dem Arm voller langer Hosen, T-Shirts und Pullover wieder kam.

"Socken hatte ich jetzt nicht in seiner Größe, aber er hat nur eine Größe Größer als du, also die 40 und da kann er sich sicher noch in deine Socken quetschen. Besser als in meinen riesigen Socken zu verschwinden!", lachte Uli wieder.

*

Tobias fauchte bei der Bezeichnung leise auf, schmollte ein bisschen und verschränkte seine Arme vor der Brust.

Wann begriff Uli dass endlich, das er ihn nicht immer so nennen sollte? Eine Woche hatte er das nicht hören müssen und jetzt wieder. Das war das Einzige, was er an Uli nicht leiden konnte.

Der Brauhaarige nickte nur, als die beiden wieder kamen und Niki etwas Warmes zum Anziehen hatte.

"Ach komm schon Kätzchen. Ich nenn dich nun mal gerne so. Wäre dir Küken lieber?", wollte Uli breit grinsend wissen, als er sich wieder auf seinem Stuhl nieder ließ.

*

"Gestern hast du auch wie ein Kätzchen geschnurrt", flüsterte Niklas leise zu Tobi, dass Uli es nicht hörte und lachte dann als dieser rot wurde, wuschelte ihm dann durchs Haar und setzte sich erst mal wieder neben Tobi aufs Sofa, legte die Sachen neben sich.

*

"Das ist auch was anderes, wenn du es mal erwähnst weil ich schnurre oder wenn ich das jedes Mal von Uli zu hören bekomme, wenn ich ihn sehe", schmollte Tobias noch immer.

Aber die Hand in seinen Haaren fühlte sich einfach nur gut an.

"Dann bleib halt bei Kätzchen. Aber ich hab auch einen Namen, weißt du Uli", murmelte er in die Richtung seines besten Freundes. "Aber wie war deine Geschäftsreise?"

*

"Ich weiß ja Tobi", grinste Uli. "Die Geschäftsreise war ganz schön. Halt die neuesten Pflanzen angesehen und viel für den Laden eingekauft. Mein Chef hat ganz schön Geld da auf der Messe gelassen!"

"Was machst du denn?", fragte Niklas sofort neugierig nach. "Oh ich bin Florist." Auf die Antwort Ulis hin staunte Niklas schon nicht schlecht. Der große Klotz Uli kümmerte sich also um Blumen und Pflanzen, alle Achtung!

*

"Na also, dann benutze ihn auch, Uli. Ich nenn dich ja auch nicht Großer, weil du 12 Zentimeter größer bist als ich und Älter", murmelte Tobias.

Oh ja, Uli war wirklich gut. "Seit diesem Jahr macht Uli auch Ikebana. Die japanische Blumensteckkunst", erklärte der Braunhaarige.

Er wusste nicht, ob Niklas wusste, was das war.

"Aber es lohnt sich ja. Euer Geschäft floriert schließlich. Sonst würdet ihr nicht noch eine Aushilfe oder einem Vollzeitangestellten suchen."

*

"Tja. Mittlerweile wird es wirklich zu viel im Laden!", gab Uli zu und Niklas nickte nur. Er wünschte sich auch manchmal eine Aushilfe zu haben und nicht immer alle arbeiten alleine mit seinem Vater machen zu müssen.

*

Tobias wandte seine ganze Aufmerksamkeit Niklas zu. Denn wer wusste schon, wie lange Niki wirklich bleiben würde.

"Und, hast du was passendes Gefunden? Damit du mir nicht doch noch erfrierst. Sonst würden mir erst meine Eltern die Ohren lang ziehen und dann deine", wollte der Braunhaarige wissen.

*

Niklas lachte leise. "Nein ich habe alles. Ich bin nur froh, dass Uli so viele Klamotten hat sonst würde er jetzt sicher nackig rumlaufen müssen, so viel wie er mir gegeben hat. Alleine 5 Jeans hat er mir geborgt", erzählte Niklas und Uli stemmte die Hände in die Hüfte.

"Willst du sagen das passt dir nicht? Ich kann dir auch nur eine geben, wenn dir das lieber ist!" Niklas hob abwehrend die Hände und lachte dann. "Nein Uli, ist schon richtig so. Danke nochmal!"

*

Tobias kicherte leise. Uli brauchte lange, um wirklich eingeschnappt zu sein. Das was er jetzt gerade tat, war nur Show. Das wusste der Braunhaarige aus eigener Erfahrung.

"Auf meine besten Freunde kann ich mich einfach verlassen", erklärte Tobi und erwiderte das warme Lächeln, das er von dem Floristen geschenkt bekam.

"Bist du uns arg böse, wenn wir wieder gehen? Ich wollte die langen Sache, die Niklas am Freitag an hatte, in die Waschmaschine werfen und wir wollten im Keller nach der Deko suchen. Wir sind nämlich heute Mittag bei meinen Eltern zum Kaffee eingeladen. Das habt ihr alles ja schon hinter euch."

Dann wandte er sich an Niki. "Du musst wissen, meine Freunde haben das auch schon alle durchgemacht. Wobei das für Gabi und Uli eigentlich nichts Großartiges war. Die beiden hingen ja seit ihrer Kindheit mit mir rum."

*

Niklas lächelte nur. Er würde das Treffen mit Tobis Eltern schon überstehen, dessen war er sich sicher,

"Na gut, dann verschwindet von hier, wenn ihr noch so viel zu tun habt!", grinste Uli. "Ihr müsst mich aber bald wieder besuchen kommen, damit wir uns mal richtig unterhalten können", bat er und Niklas verabschiedete sich höflich lächelnd, wollte auf Tobi warten, doch Uli bat ihn schon mal vorzugehen, damit er alleine mit Tobi reden konnte.

Verwundert nickte der Blonde und verließ dann die Wohnung, zog die Tür hinter sich zu und wartete im Treppenhaus auf Tobias, während Uli diesen gerade zu sich zog. "Sag mal Kätzchen: ist Niklas dein neuer Freund?"

*

Verwirrt blickte er von Uli zu Niklas, und zuckte dann nur unwissend mit der Schulter.

/Was will Uli denn jetzt von mir?/

Gespannt blickte er den Rothaarigen an und ließ sich ziehen.
Unwillkürlich wurde Tobias rot. Er wünschte es sich, aber es war nicht wahr.

"Nein, Uli. Niki ist nicht mein Freund", erwiderte er leise und seufzte.

Ein sanftes Lächeln schlich sich auf die Lippen des Floristen. "Aber du hättest es gerne."

Ohne aufzublicken nickte Tobias. "Ja. Aber Niklas ist eh wieder weg, wenn er das Geld getauscht hat. Er ist nämlich von zuhause weg gelaufen, weil er Urlaub braucht. Sein Vater will dass Niki seinen Job übernimmt. Aber Niklas will nicht. Deswegen braucht er den Urlaub.

Das was er jetzt am dringendsten braucht, ist ein guter Freund, der einfach für ihn da ist. Also werde ich das für ihn sein. So schwer mir das auch fallen sollte", seufzte er leise.

Uli wusste ja immer, dass der Kleine etwas Besonderes war.

"Ich bin immer für dich da, wenn du wen zum Reden brauchst", versicherte er und wuschelte einmal durch die weichen Haare.

Tobi wusste das natürlich und war dem Älteren dankbar. "Danke Uli. Ich geh dann, damit Niki nicht zu lange warten muss. Bis demnächst", erklärte der Braunhaarige, hauchte dem Größeren einen Kuss auf die Wange und verließ dann die Wohnung, lächelte Niklas an. "Bringen wir schnell die Sachen in meine Wohnung, holen deine Sachen und gehen dann in den Keller."

*

"Ja, machen wir das. Ich möchte mich dann nur noch gerne umziehen, wenn wir runter in den Keller müssen. Da ist es sicher auch etwas kälter, nicht?", fragte Niklas nachdem Tobi wieder zu ihm gekommen war und sie gemeinsam runter in die Wohnung gingen.

Dort verschwand Niklas schnell im Bad, um sich eine der Jeanshosen und einen hellblauen Pullover, der zu seinen Augen passte, anzuziehen und schließlich wieder zu Tobias zu treten. Dem nahm er die Kleidung ab, die er bei ihm kurz gelassen hatte und brachte sich ins Wohnzimmer, um sie dort in seine Tasche zu legen. "Jetzt können wir."

*

Tobias trat in seiner Wohnung mit der Kleidung in die Werkstatt, um die dritte Tasche zu holen, die er noch bei Gabi an die Türe hängen musste.

Danach trat er wieder in den Flur und lehnte sich an die Wand.

Kurz darauf kam auch Niklas wieder und nahm ihm die Sachen ab. "Holst du deine Klamotten von Freitag noch? Dann wasche ich sie. Sonntags wäscht kaum einer im Haus, da sind die Maschinen frei", erklärte der Braunhaarige.

Erst jetzt ließ er seinen Blick an Niklas entlang wandern und sein Herz schlug schneller. Verdammt, in den Sachen sah er einfach zum anbeißen aus. Und der Pullover passte so gut zu seinen Augen. Leise seufzte er auf.

*

"Natürlich hole ich die Sachsen, so war es doch abgemacht" rief Niklas aus dem Wohnzimmer und nahm die schmutzigen Kleidungsstücke an sich. "Musst du dann auch waschen? So haben wir es gleich hinter uns", fragte Niklas weiter und kehrte schließlich mit einem Berg von Klamotten auf seinem Arm zurück in den Flur zu Tobi.

Dieser verschwand kurz darauf mit den Worten: "Ja, ich hab auch noch Wäsche!", im Bad und kam dann selbst mit einem Berg Sachen wieder. "Super, dann können wir ja jetzt", lächelte Niklas und gemeinsam verließen sie die Wohnung, wo Tobi noch mit einem Arm die Wäsche balancierend die Tasche an Gabis Tür hängte und sie dann gemeinsam in den Keller runter gingen.

***

Gerade parkte Tobias seinen Wagen vor dem Haus seiner Eltern. Es hatte schon den Großeltern seines Vaters gehört und war immer an den Sohn der Familie übergegangen.

Auch der 23-Jährige hatte seine Kindheit hier verbracht, bevor er nach der Ausbildung ausgezogen war, um auf eigenen Beinen zu stehen.

Sie hatten den Vormittag damit verbracht, die Wäsche in die Maschine zu stecken, die Kartons mit der Dekoration und dem Baumschmuck in seine Wohnung zu tragen und zu schauen, ob noch alles in Ordnung war.

Tobi hatte in den vergangenen Monaten nämlich hin und wieder in seinem Keller hin und her geräumt, wenn er etwas gesucht hatte.

Zum Essen hatte es wirklich Bratkartoffeln gegeben und Niklas hatte es ihm beigebracht. Das nächste Mal würde er das auch alleine hinbekommen. Hoffte er zumindest.

Und nun standen sie hier, vor dem Haus seiner Eltern und das Pünktlich.

Leise seufzend stellte der Braunhaarige den Motor ab und löste den Sicherheitsgurt.

"Wenn du wieder gehen willst, dann sag mir Bescheid. Es bringt ja nichts, wenn du dich bei meinen Eltern nicht wohl fühlst", erinnerte er den Älteren noch einmal daran.

Seine Familie würde das schon verstehen.

*

"Tobi, du redest so als wären deine Eltern Monster", lächelte Niklas. "So schlimm können sie gar nicht sein und drei Stunden werde ich schon durchhalten", versicherte der Blonde fest und stieg aus dem Wagen.

Sie waren eine ganze Weile gefahren, weswegen seine Knochen knackten als er ausstieg und er erst mal ein bisschen rumgehen musste, um wieder locker zu werden.

*

"Sicher. Manchmal können sie das sein", erwiderte der Braunhaarige und stieg ebenfalls aus, schloss seinen Wagen ab.

"Alles okay bei dir, Niki?", wollte er besorgt wissen, als neben ihn trat.
Als er seinen Namen hörte, blickte er auf und erkannte seine Mutter, die in der Tür stand.

"Wir sind schon entdeckt worden. Zum flüchten ist es jetzt zu spät", witzelte er.

*

Niklas lachte und blickte zu Tobias und dann zu der Frau, die schon die Haustür geöffnet hatte. Das war eindeutig Tobis Mutter, er sah ihr unglaublich ähnlich. Dieselben grauen Augen.

Niklas lächelte sie an und ging dann mit Tobias an seiner Seite zu ihr. "Guten Tag, mein Name ist Niklas Santal und ich danke ihnen für ihre Einladung!"

*

Leoni war beeindruckt von den Manieren dieses jungen Mannes, aber sie zog ihn lächelnd an ihre Brust. "Freut mich sehr, Niklas. Freunde von Tobi sind immer willkommen. Ich bin Leoni", erwiderte sie fröhlich und ließ Niklas dann los, wandte sich ihren Sohn zu.

"Hallo Tobi. Ich freu mich dass ihr da seid", und schon wurde der Braunhaarige in eine Umarmung gezogen.

"Jetzt lass die Jungs doch erst einmal rein kommen, Leoni", ertönte der tiefe Bariton von Stefan aus dem Hausflur.

Sofort ließ Tobis Mutter ihren Sohn los und trat mit leicht roten Wangen einen Schritt zurück, ließ die beiden ins Haus.

*

Niklas war immer noch leicht geschockt, dass er so einfach umarmt wurde. Es war das erste Mal, dass er eine andere Frau als seine Mutter berührt hatte.

Mit roten Wangen blickte er zu Tobi und räusperte sich. "Ist sie immer so"?, flüsterte er dann leise, damit sie es nicht hörte.

*

"Noch viel schlimmer", grinste Tobias und kicherte leicht, als er einen panischen Ausdruck in den himmelblauen Augen sah. "Nein. Sie ist harmlos, solange Dad da ist und sie bremst", murmelte der Braunhaarige leise, damit seine Eltern es nicht hörte.

Dann schnappte er sich Nikis Hand und zog ihn mit sich mit ins Wohnzimmer. Denn alleine würde er sich im Haus verlaufen. Das passierte Fremden immer, schließlich war das Haus nicht gerade klein. Aber Tobi kannte sich hier ja aus.

"Gibst du mir deine Jacke? Dann geh ich sie schnell aufhängen. Und lauf lieber nicht alleine rum. Hier kann man sich nämlich verlaufen", warnte Tobias noch und zog sich selbst seine Jacke aus.

*

Niklas nickte und zog seine Jacke und Schal aus, steckte diesen in den Ärmel der Jacke und gab sie Tobias. "Und die Schuhe?" fragte er dann nach.

"Lass die an, meine Eltern haben eine Putzfrau, da stört es Mum nicht wenn wir die Schuhe anlassen.", erklärte Tobias und verschwand mit den Jacken, während Niklas ihm nur kurz nachsah und sich dann auf das Sofa setzte. Er kam sich doof vor, wenn er nur so in der Gegend herum stand.

*

Geschwind hängte Tobi alles an die Garderobe und machte sich dann schnell wieder auf den Weg zu Niklas. Er wollte ihn nicht zu lange alleine in der Höhle des Löwen lassen.

So setzte er sich wenig später neben Niki auf das Sofa. "Keine Bange", meinte der Braunhaarige leise und schnappte sich eine Hand des Blonden, drückte sie beruhigend. "Du hättest mehr zu fürchten, wenn du mein fester Freund währst."

In dem Augenblick trat Stefan Walt in das Wohnzimmer und nickte den beiden Jungs grüßend zu.

"Deine Mutter hat mir gestern nach dem Telefon überhaupt nichts gesagt. Wer ist denn dein Freund da?", wollte er Banker neugierig wissen.

*

Niklas wollte gerade nachfragen was Tobias gemeint hatte mit dem "festen Freund", als Tobias' Vater ins Zimmer kam. Sofort stand er auf und hielt ihm die Hand hin. "Niklas Santal, Sir. Danke, dass ich hier bei Ihnen sein darf" meinte er nervös und lächelte ihn an, während der Mann seine Hand schüttelte.

*

Stefan lachte warm auf. "Nur nicht so förmlich, mein Junge. Setzt dich, rede normal und nenn mich Stefan. Das machen alle Freunde von Tobias."

Dann ließ sich das Oberhaupt der Familie in einen Sessel fallen.

Ihm gefiel der junge Mann, der dazu höflich war. Nicht das er das nicht auch von Tobis Freunden behaupten konnte. Nur Michael hatte ihm damals nicht gefallen. Aber es hatte ja auch nur ein halbes Jahr gedauert.

Gott sei Dank.

"Ich hoffe, ihr habt Hunger mitgebracht, Jungs. Leoni hat ganze Wagenladungen an Plätzchen gemacht", sprach der 44-Jährige mit gesenkter Stimme und doch hörte seine Frau ihn, als sie gerade das Wohnzimmer betrat.

"Mach den beiden doch keine Angst. So viel ist es doch gar nicht und sie sind doch noch im Wachstum."

Das Tobi schon seit seinem 17 Lebensjahr nicht mehr wuchs, verdrängte die Hausfrau nur all zu gerne.

*

Niklas lachte leise und setzte sich wieder. "Dann solltest du viel mehr Plätzchen als alle anderen essen, so klein wie du bist", neckte Niklas leise Tobias und grinste ihn an, blickte dann auf, als Tobis Mutter mit einer Schüssel voller selbstgemachter Plätzchen ankam und diese auf den Tisch stellte.

"Die sehen sehr gut aus... Leonie." Es war ungewohnt eine Frau, die in dem Alter seiner Mutter war, zu duzen. Vor allem da sie sich gar nicht kannten

*

Mit einem leisen "hey“, stupste er Niklas mit dem Ellenbogen in die Seite und meckerte: "Keiner hat mich lieb."

Dazu machte er große Augen, schob die Unterlippe vor und verschränkte die Arme vor der Brust.

Tobi schmollte mal wieder. Das konnte er mit Hingabe und Leidenschaft.

"Immerhin bin ich nicht klein. Ihr seid alle so groß", stellte er fest.

Leonie lachte nur. Zum einen über den Kommentar ihres Sohnes und zum anderen, über das gesagte von Niklas.

Sie setzte sich auf den anderen Sessel und nahm sich dann selbst ein Plätzchen. "Du kannst auch Mum zu mir sagen, falls dir das leichter fällt. Das machen Uli, Gabi, Phil und Doro auch."

*

Niklas senkte den Blick und räusperte sich dann. "Danke, aber ich habe eine Mutter und... die möchte ich nicht ersetzen", flüsterte er leise und lächelte dann wieder. "Ich bedanke mich schon dafür, dass ich Sie beim Vornamen ansprechen darf."

*

Der Braunhaarige gab sein Schmollen auf - es beachtete ihn ja eh keiner - und wuschelte Niki durch die Haare.

"Dummerchen. Sie will ja auch nicht deine Mum ersetzten. Nur weißt du, manchmal fällt es einem leichter, jemanden so vertraulich anzusprechen, als mit dem Vornamen.

Das ging Doro so. Sie wurde von ihrer Familie sehr streng erzogen. Alles Katholiken. Alles was Älter als sie selbst ist oder auch nur so aussieht, siezt sie. Ihr ist es unendlich schwer gefallen, Mum mit ihrem Namen anzusprechen. Aber Mum ging", erklärte Tobi warm und liebevoll.

*

"Ich krieg das schon hin deine Mutter beim Vornamen zu rufen", versicherte Niklas lächelnd und griff dann nach einem Plätzchen, drückte es Tobias einfach sanft in den Mund und nahm sich dann selbst eines.

*

Der konnte "mhmmhm", darauf erwidern und kaute zufrieden auf dem Plätzchen.

Denn so gut wie seine Mutter bekam er es nicht hin.

Stefan lächelte nur seine Frau an und blickte dann auf die Jungs.
"Erfahre ich jetzt noch, was es mit diesem jungen Mann auf sich hat? Deine Mutter hat mir nichts verraten", wollte Stefan wissen.

*

“Wenn Sie gestatten würde ich gerne...", begann Niklas und erzählte Stefan dann auf dessen Nicken hin, dass er auf Urlaub war und durch einen unglücklichen Zufall in der Schweiz gelandet war, Tobi ihn gefunden und bei sich aufgenommen hatte, weil die Maschinen der Bank kaputt gewesen waren. "Ihr Sohn ist also mein Retter...", endete er und nahm sich noch ein Plätzchen. Die waren echt lecker...

*

Stolz blickte Leoni auf ihren Sohn, der sich schon wieder ein Plätzchen nahm und daran herum knabberte.

Ja, so kannte sie ihren Sohn. Immer hilfsbereit und handelte ganz uneigennützig.

"Und, wie sieht es bei dir aus, Tobi? Immer noch Single oder stehst du demnächst mit der Liebe deines Lebens vor der Tür?", wollte ein breit grinsender Familienvater wissen.

Ihn scherte es nicht im Geringsten, dass das eine ziemlich private Frage war und sie einen Gast hatten. Tobias war das von ihm schon gewohnt und würde auch darauf antworten.

Unauffällig - zumindest hoffte der 23-Jährige das - warf er einen Blick aus den Augenwinkeln auf Niklas und schüttete dann seinen Kopf. "Nein, Dad. Noch immer Solo. Keine neue Flamme in Sicht. Aber auf Enkelkinder könnt ihr ja eh nicht hoffen. Außer mal durch eine Adoption."

Seine Eltern hatten es gut aufgenommen, als er ihnen mit 16 eröffnet hatte, dass er eher dem eigenen Geschlecht zugetan war. Klar, am Anfang war es schon ein kleiner Schock gewesen, weil das bedeutete nie Enkelkinder zu haben. Aber als Tobi darauf erwidert hatte, das er auch welche Adoptieren könnte, waren sie zufrieden gewesen.

*

Niklas wollte eigentlich nicht lauschen, aber immerhin war es eine Gesprächsrunde und da musste man schon aufmerksam sein.

So hörte er auch Tobis Antwort und zog die Augenbraue hoch. Zuerst hatte er gedacht, dass Tobi keine Kinder wollte, doch als das Thema dann auf die Adoption von Kindern kam war er gänzlich verwirrt. Vielleicht war Tobi unfruchtbar. Das war der einzige Grund der Niklas einfiel. Er würde Tobi nachher danach fragen, wenn sie mal alleine waren.

*

"Du hast noch jede Menge Zeit, Tobias", schmunzelte Stefan "und wenn du doch noch Kinder adoptieren solltest, freuen wir uns über Enkel", fügte er an.

Sein Sohn war ja gerade mal 23, da hatte er noch Zeit.

Tobias schenkt seinen Eltern ein warmes Lächeln und lehnte sich im Polster zurück. Er wusste, dass die zwei wichtigsten Menschen in seinem Leben hinter ihm standen und das fühlte sich einfach gut an.

"Was möchtet ihr beiden den Trinken?", wollte Leoni wissen. "Um vier gibt es Kaffee und noch mehr Plätzchen, sowie Linzer Torte."

"Mir reicht ein Glas Wasser, aber ich hol es mir selber. Und du Niki?", wandte sich der Jüngste in der Runde an seinen Untermieter.

*

"Oh ich hätte gerne Orangensaft", bat Niklas. Er trank gerne Saft, war der doch gesund und lecker. "Kann ich dir helfen?", fragte er dann nach.

Wenn Tobi es erlaubte wären sie vielleicht alleine in der Küche und Niklas konnte fragen wie Tobias das alles gemeint hatte.

*

"Wenn du möchtest, Niki. Dann kannst du auch gleich mal Mum's Reich kennen lernen. Sie kocht und backt für ihr Leben gerne", meinte der Spielzeugmacher und stand auf.

Wie konnte er da nein sagen? Er hatte den Blonden gerne in seiner Nähe.

Auch wenn er wusste, dass das irgendwann Probleme geben würde. Spätestens dann, wenn Niklas wieder weg war.

*

Niklas bedankte sich und erhob sich, ging gemeinsam mit Tobias in die Küche, beziehungsweise ließ er sich führen sonst hätte er es sicher nicht gefunden.

"Du hattest Recht, alleine darfst du mich hier nicht stehen lassen, ich würde schrecklich hilflos herumirren", lachte Niklas und hielt sich immer dicht hinter dem Dunkelhaarigen, bis sie in der großen Küche angekommen waren. "Wow..." Staunend sah er sich um. Der Raum war schön groß, die Möbel hell und sauber und vor allem passte alles sehr geschmackvoll zusammen. "Deine Mutter hat Geschmack!"

*

"Hab ich doch gesagt. Das Haus gleicht einem Labyrinth wenn man hier nicht aufgewachsen ist", lachte Tobias und öffnete in der Küche den Kühlschrank, um den Saft und das Mineralwasser heraus zu nehmen.

"Ja. Das Haus haben zwar meine Großeltern gebaut, aber meine Mama hat es, als ihre Eltern gestorben sind, selbst eingerichtet. Mir gefällt es hier auch."

Dann musste der 23-Jährige ein wenig suchen, denn die Gläser standen nicht mehr an dem Platz, an dem sie zuletzt gestanden hatten. Seine Mutter räumte ab und an mal die Schränke um.

*

"Bei Gelegenheit kannst du mich ja vielleicht mal rumführen", lächelte Niklas und nahm den Saft an sich. "Du... sag mal Tobi. Wie meintest du das vorhin? Als du sagtest du kannst keine Kinder kriegen, nur durch Adoption und so. Bist du... vielleicht unfruchtbar?", fragte er dann zögernd. Das Thema war dem Jüngeren sicher unangenehm.

*

Aus großen Augen blickte er Niklas an. Wie kam er denn auf den Gedanken? Das war ziemlich absurd. Aber gut, der Blonde wusste ja gar nicht, das er schwul war.

Fest blickte er dem Älteren in die Augen. "Nein, zumindest nicht das ich wüsste. Mein Arzt hätte es mir gesagt, wenn das der Fall wäre.

Ich stehe auf Männer. Ich bin Schwul und werde deshalb nie eigene Kinder haben können. Meine Eltern wissen das und wären auch über einen Enkel glücklich, der adoptiert ist."

So, nun wusste Niklas es und wenn er ihn deswegen verabscheute, konnte er auch nichts dagegen machen.

*

"Schwul...", widerholte Niklas flüsternd und blickte dann auf die Arbeitsplatte vor sich. Tobias mochte also Männer. Niklas war aufgeklärt worden und wusste dass es auch Menschen gab, die das gleiche Geschlecht begehrten. Er wusste auch, dass das in den Genen lag und viele sich versteckt hielten und früher auch getötet wurden aufgrund ihrer Neigungen.

Niklas fand es gar nicht schlimm und auch als er tief in sich rein hörte störte es ihn nicht, dass Tobi schwul war. Nein, er mochte ihn noch genauso wie vorher. Mit dieser Gewissheit blickte er zu Tobi und lächelte dann warm. "Ein Glück, dass du nicht unfruchtbar bist", lachte er dann einfach. "Das wäre schlimm gewesen!"

*

Sein Herz schlug hart gegen seinen Brustkorb. Wenn Niklas ihn nicht mehr mochte, würde er down sein.

/Es wird wehtun. Das weiß ich jetzt schon. Ich mag Niki zu sehr, als das es nicht wehtun würde, wenn er sich vor mir ekeln würde./

Als der Blonde ihn direkt ansah und leicht lächelte, hielt er die Luft an.

Nach den Worten und dem Lachen zu urteilen, fühlte sich der Ältere nicht abgestoßen.
Erleichtert schloss er die Augen und atmete tief durch. "Und warum? Ich werde auf die herkömmliche Art eh keine Kinder bekommen."

Der Braunhaarige öffnete seine Augen wieder und blickte genau in die blauen des Größeren.

*

"Naja wenn du unfruchtbar wärst könntest du nichts dafür, du müsstest es einfach akzeptieren, aber du hattest die Wahl schwul zu sein und es zu akzeptieren, anzunehmen.

Soweit ich weiß verstecken viele Männer ihr Schwulsein, weil die Gesellschaft es nicht akzeptiert. Sie nehmen sich einfach eine Frau, weil es normal ist und sind ihr Leben lang unglücklich. Aber du hast dich entschieden es zu zeigen und dich zu verteidigen. Du konntest also wählen, während du es einfach nur hättest akzeptieren müssen unfruchtbar zu sein", versuchte Niklas seinen Gedankengang zu erklären und umarmte Tobi dann einfach, um ihm zu zeigen, dass er ihn nicht anders behandeln würde als vorher, ihn immer noch sehr mochte.

*

Sofort erwiderte Tobias die Umarmung, kuschelte sich an den Älteren.

Er war erleichtert, dass Niki ihn immer noch normal behandelte.

"Danke Niki, dass du dich nicht vor mir ekelst", wisperte er. "Ich stehe dazu was ich bin und verstecke es auch nicht. Warum sollte ich? Ich bin glücklich so wie ich bin, obwohl mir zu meinem Glück nur noch ein liebevoller Partner fehlen würde.

Und wenn es wem nicht passt, ist das nicht mein Problem. Man soll mich so akzeptieren wie ich bin oder es bleiben lassen."

*

"Ich akzeptiere und mag dich so wie du bist. Und vor dir ekeln könnte ich mich nie!", versicherte Niklas und drückte Tobi fest an sich. "Wenn ich dir bei deiner Partnersuche im Weg stehe musst du es aber sagen, ja?

Nicht, dass ich dich von deinem Glück abhalte, wo du mir ja so viel Glück beschert hast", lächelte er sanft und wuschelte durch das kurze Haar.

*

Leise seufzte er auf. Die Hand in seinen Haaren fühlte sich einfach zu gut an.

"Nein, du hältst mich nicht von meiner Partnersuche ab, weil ich im Augenblick gar nicht auf der Suche bin. Wenn mich die Liebe findet, dann ist es okay und wenn nicht, dann heißt es halt warten", erklärte der Grauäugige und zuckte mit seinen Schultern.

"Also mach dir deswegen keinen Kopf", versicherte er.

*

"Wenn einer es wert ist von der Liebe gefunden zu werden dann du!" Ich drück dir die Daumen Kleiner", lächelte Niklas sanft und löste sich langsam von Tobias. "Jetzt lass uns die Getränke rüber bringen sonst geben deine Eltern noch eine Vermisstenanzeige raus!"

*

"Danke, Niki", murmelte er Dankbar und löste sich nur sehr ungern von dem warmen Körper.

Der Braunhaarige nickte und suchte sich zwei Gläser aus den Schränken. "Ja, lass uns zurückgehen. Sonst kommt uns Mum noch suchen."

Er griff sich die Flasche und blickte hoch zu Niklas. "Los. Zurück in die Höhle des Löwen. Entweder fragt sie dich über dein Leben aus oder sie erzählt dir haargenau, alles aus meinem Leben. Und wenn du Glück hast, bekommst du auch noch die Babyfotos zu sehen", witzelte der Braunhaarige. Das hatten Phil und Doro schon durch, denn die hatte er erst auf der Sekundarschule kennen gelernt.

*

"Oh ja. Peinliche Babyfotots und noch peinlichere Geschichten aus deiner Kindheit und Jugend", lachte Niklas frech. "Da freu ich mich schon besonders drauf. Ich hoffe deine Mutter lässt mir diese Ehre zuteilwerden", hoffte Niklas ehrlich und trug mit Tobi die Sachen zurück ins Wohnzimmer.

*

Das hatte damals nicht einmal Michael interessiert.

Leise seufzte Tobias auf. Niklas wäre der perfekte Freund, aber nicht zu erreichen.

"Wenn Mum nicht von alleine auf dich zukommt, dann frag einfach. Du kannst dann gar nicht so schnell schauen, da ist sie auch schon aus dem Wohnzimmer raus und sucht die Alben zusammen", versprach der 23-Jährige.

"Da gibt es eine Menge zu erzählen. Da reichen keine drei Stunden."

Kurz darauf betraten die beiden wieder das Wohnzimmer. Tobias stellte seine Beute auf den Tisch, schenkte sich ein Glas ein und setzte sich damit wieder auf das Sofa.

*

"Naja... notfalls bleiben wir etwas länger? Vielleicht doch mal zum Abendbrot?", fragte Niklas Tobias leise und stellte dann den Saft ab. "Wieso wollt ihr denn so lange bleiben?", fragte Stefan sofort, der die letzten Worte Niks gehört hatte.

Der Blonde lächelte sofort verlegen und lachte dann. "Ich bin neugierig auf ein paar Jugendgeschichten und Fotos von Tobi, und er meinte nur zu mir, dass das länger als drei Stunden dauern würde."

*

Stefan und Tobias lachten beide laut auf, als Leoni sofort aufsprang und aus dem Zimmer lief.

"Ich hab es dir doch gesagt", murmelte er Niklas ins Ohr und lehnte sich dann wieder zurück, trank etwas des Wassers.

"Das, kann wirklich lange dauern", prophezeite der Banker und nahm sich selbst ein Plätzchen, die seine Frau jedes Jahr zu Weihnachten backte.

*

"Oh, dann bitte Tobi... lass uns bis nach dem Abendbrot bleiben!", bat Niklas nochmal und sah diesen dann mit großen, flehenden Augen an.

*

"Wahh, kuck nicht so", lachte Tobias und hielt sich die freie Hand vor die Augen. Trotzdem spickte er zwischen den gespreizten Fingern hindurch zu Niklas.

"Okay, okay, wir bleiben noch so lange hier. Damit du dich mit Mum lustig über mich machen kannst", gab der Spielzeugmacher nach.

Wenn er dem Blonden so eine Freude machen konnte, warum nicht?

In dem Augenblick kam seine Mum wieder, den Arm voller Alben.

*

"Danke, danke!", grinste Niklas freudig und machte Platz, damit sich Leoni neben ihn setzen konnte. Dann schlug sie das erste der vielen Fotoalben auf und begann zu erzählen, während sich Niklas neugierig rüber lehnte und staunend lauschte.

***

Stunden später, nachdem sie nur Pausen eingelegt hatten, um Kaffee zu trinken und Abendbrot zu essen, klappte Leoni schließlich das Buch zu und blickte lächelnd zu Niklas. "So das war das letzte. Neuere habe ich nicht, da Tobi ja auch nie von sich selbst Fotos macht."

Der Blonde seufzte leise und lehnte sich dann enttäuscht zurück. "Ach schade..." Es war so schön gewesen den alten Geschichten zu lauschen.

*

Tobias machte seiner Mutter Platz, indem er zu dem freien Sessel flüchtete. Dabei schnappte er sich die Schüssel und futterte mit seinem Vater.

Er mochte den Nachmittag mit seinen Eltern und auch Niklas passt wunderbar in das ganze Bild hinein. Während der ganzen Zeit, unterhielt sich der 23-Jährige mit seinem Vater, über alles uns nichts. Wie es bei ihren jeweiligen Arbeiten so lief, wie es den Freunden und Bekannten so ging.

Zum Abendessen gab es Schnitten, die mochte jeder gerne in der Familie. Sie waren schnell gemacht und man brauchte nicht so viel Geschirr dazu.

"Da musst du Phil fragen. Er wohnt zwar nicht in meinem Hochhaus, aber gegenüber der Bäckerei. Er wird jede Menge Bilder von mir haben", versuchte er den enttäuschten Blonden ein wenig aufzuheitern.

Als die Standuhr acht Mal schlug, blickte Tobias überrascht darauf. Schon so spät? Aber die Bücher waren ja auch voll und seine Mutter wusste eine Menge Geschichten zu erzählen.

"Was meinst du, Niki. Wollen wir los? Wir müssen ja noch eine Stunde fahren."

*

Niklas blickte auf und auf die Uhr, nickte dann sofort. "Ich wusste nicht, dass es schon so spät ist. Tut mir leid, wenn du eher fahren wolltest”, meinte Niklas schuldbewusst an Tobias gewandt und sah wieder zu Leoni. "Danke, dass Sie mir all diese Geschichten erzählt und die Bilder gezeigt haben. Das war sehr schön einen tieferen Einblick in die Jugend Tobis zu gewinnen", bedankte er sich aufrichtig und erhob sich dann.

*

"Ist schon okay", beschwichtigte der Braunhaarige.

Es machte Tobias nichts aus, das sie so lange bei seinen Eltern gewesen waren. Es war schön gewesen, mal wieder so lange mit seinem Vater zu reden.

Auch der Kleinere stand auf und nahm seinen Dad in den Arm. "Es war ein schöner Tag. Bis demnächst, Dad."

"Kommt uns doch mal wieder besuchen", erklärte Stefan. Er würde sich freuen, den jungen Mann wieder zu sehen und dann mehr mit ihm reden zu können.

Er begleitete seine Frau und ihren Besuch hinaus in den Flur, wo er ihnen die Jacken reichte und er sich mit einem Handschlag von Niklas verabschiedete.

*

Niklas schüttelte mit einem Lächeln Stefans Hand und bedankte sich nochmal für den schönen Tag, wandte sich dann Leoni zu, um ihr ebenfalls die Hand zu geben, doch die zog ihn einfach wieder an sich und umarmte ihn und dieses Mal erwiderte Niklas die Umarmung, löste sich mit einem leicht traurigem Ziehen im Bauch. "Es war sehr schön gewesen."

*

Auch Tobias ließ sich von seiner Mutter umarmen und zog sich dann die Jacke an.

"Ja, es war wirklich schön", murmelte Tobias und wünschte seinen Eltern einen gute Nacht, bevor er die Haustüre öffnete und in die Dunkelheit trat.

Sofort flammte die Lampe über der Türe auf, denn die reagierte auf Bewegung.

Im Gegensatz zu heute Mittag, war es noch kälter geworden und kleine Dampfwölkchen bildeten sich, wann immer Tobias ausatmete.

Der Grauäugige lief zu seinem Auto, schloss es auf und stieg ein. Genauso kalt wie innen. Wenn sie los fuhren, würden sie erst einmal die Heizung anschalten.

*

Niklas winkte Tobias' Eltern nochmal zu und schlüpfte dann auf den Beifahrersitz, schlang die Jacke enger um sich. "Ist verdammt kalt geworden”, murmelte er und schnallte sich an. "Dann mal ab nach Hause."

*

"Ja, ich weiß", murmelte der Kleine und steckte den Schlüssel ins Zündschloss. "Ich schalte gleich die Heizung an, wenn wir losgefahren sind."

Er drehte den Schlüssel um und startete den Wagen. Der stotterte vor sich hin und verstummte dann wieder.

Was sollte denn der Schwachsinn?

Erneut versuchte Tobias den Wagen zu starten. Aber diesmal passierte überhaupt nichts mehr.

Verdammt. Hoffentlich war mit dem Motor alles in Ordnung. Was konnte das nur sein? Das war noch nie passiert. Aber die Winter waren bisher auch noch nie so kalt gewesen.

"Niki, du kennst dich nicht zufällig mit Autos aus?", wollte er wissen.

*

"Tut mir leid. Da hab ich keine Ahnung. Fragen wir deinen Vater!", beschloss Niklas und schnallte sich wieder ab, stieg aus dem Wagen, wo ihm Stefan schon entgegen kam.

Tobis Eltern hatten an der Haustür wohl gewartet und gesehen, dass etwas nicht in Ordnung war. "Der Wagen springt nicht an, vielleicht wissen Sie woran es liegt?". Stefan nickte und blickte seinen Sohn durch die Scheibe an. "Versuchs nochmal."

Als Tobias einen erneuten Startversuch durchführte, stotterte der Wagen nur wieder. Der Motor startete aber nicht und schnell war Stefan klar, dass es an der Batterie lag. "Es ist zu kalt. Die Batterie ist zusammengefallen!", seufzte er und öffnete die Motorhaube.

"Ich fürchte da müsst ihr heute Nacht hier bleiben. Ich schließe die Batterie über Nacht ans Ladegerät an und dann könnt ihr morgen früh losfahren!"

*
Tobias stöhnte auf und ließ seinen Kopf auf das Lenkrad fallen.

Das durfte doch wohl nicht wahr sein. Seit sieben Jahren - solange hatte er das Auto schon, war nie so was passiert. Und dann ausgerechnet heute.

Er wollte seinen Eltern doch keine Unannehmlichkeiten machen.

Wo war nur sein Glück geblieben?

"Warum immer ich", murmelte er leise vor sich hin.

Langsam zog er den Schlüssel aus dem Schloss und stieg wieder aus. Mit gesenktem Kopf schloss er das Auto ab. Warum hatte er so ein Pech?

*

Niklas merkte wie betrübt Tobias war und ging zu ihm, legte ihm die Hände auf die Schultern und blickte ihm in die Augen. "Hey, das ist doch kein Weltuntergang! Morgen sind wir wieder bei dir. So schlimm ist es bei deinen Eltern doch gar nicht”, meinte er fest und lächelte aufmunternd.

*

"Das ist es nicht", erklärte der Braunhaarige geknickt. "Ich hab mir damals - als ich ausgezogen bin um auf eigenen Beinen zu stehen - geschworen, meinen Eltern so wenig wie möglich zur Last zu fallen."

Sanft löste er die Hände von seinen Schultern und schlurfte zu seiner Mutter, die noch immer in der Türe stand. "Tut mir leid", murmelte er und war überrascht, das seine Mutter ihn in den Arm nahm.

*

"Hey du kannst doch nichts dafür. Und du weißt, dass wir immer für dich da sind. Morgen früh kannst du wieder in deine Bude und dich alleine durchschlagen, aber heute lässt du dich mal von deiner Mum verwöhnen, ja?", fragte Leoni sanft und küsste ihren Sohn auf die Stirn.

*

"Ich mag das trotzdem nicht", erwiderte der 23-Jährige.

"Ist mein Zimmer noch so wie früher?" Er wollte sich jetzt am liebsten in sein Bett verkriechen und die Welt ausschließen.

Leonie nickte und strich ihrem Sohn über die Haare. "Ja. Aber die anderen Zimmer sind zurzeit nicht bewohnbar. Wir renovieren einige und die Möbel stehen in den anderen. Niklas müsste mit dir im Bett schlafen. Aber es ist ja breit genug."

Währenddessen baute Stefan die Batterie aus, damit er sie im Haus laden konnte. Da war es nicht so kalt.

*

Niklas kam derweil zu Tobias und Leoni und lächelte ihm aufmunternd zu. "Jetzt fallen wir ihnen wohl noch etwas länger zur Last Leoni”, entschuldigte er sich und stellte sich neben Tobi, wuschelte ihm durchs Haar. "Lass den Kopf nicht hängen Kleiner!"

*

"Bin nicht klein", schmollte er halbherzig. Ihm war jetzt absolut nicht nach schmollen oder nach lachen. Er wusste nicht wonach ihm war.

/Doch, nach einer ganz festen Umarmung von Niki wäre mir jetzt/, ging es ihm durch den Kopf.

Fragend blickte er zu Niklas hoch und legte seinen Kopf leicht schräg.

Ob ihm das eigentlich recht wäre? Immerhin, waren seine Eltern ja auch da und es konnte leicht falsch verstanden werden. Aber Niklas und er waren ja Freunde. Da nahm man sich schon mal in den Arm, wenn es einem nicht so gut ging.

*

"War doch nur Spaß.", flüsterte Niklas sanft und betrachtete Tobi, der ihn so voller Sehnsucht anblickte. Er brauchte jetzt Trost, das war sicher.
Also trat Niklas vor und legte einen Arm um ihn. "Lass uns erst mal reingehen. Hier draußen ist es kalt."

Immer noch den Arm um seine Schultern gelegt, führte Niklas den Kleineren ins Haus, blieb dann im Flur stehen, zog sich und ihm die Jacken wieder aus und umarmte ihn dann einfach fest. "Es ist nur diese Nacht... Kopf hoch!"

*

Niki hatte ihn auch ohne Worte verstanden. Das bereitete ihm ein warmes Gefühl im Bauch.

Leicht lehnte er sich an den Blonden, ließ sich nur zu gerne ins Haus führen und der Jacke berauben.

Leise seufzte er auf, als Niklas ihn in die Arme nahm. Schon automatisch schmiegte er sich noch näher an den starken Körper. "Mhm...", murmelte er.

Er wusste doch, dass es nur eine Nacht war. Aber er wollte seine Eltern eben nur noch um Hilfe bitten, wenn etwas wirklich Schlimmes passiert war. Er kannte es nicht, dass man auch einfach mal so bei seinen Eltern schlafen konnte.

*

"Lass dir nicht den Spaß verderben. Wir können uns sicher auch hier vor den Fernseher lümmeln und dann schlafen wir nur eine Nacht hier und morgen nach dem Frühstück fahren wir wieder zurück.

Was hältst du davon, wenn wir auf dem Heimweg gleich den Baum kaufen?", schlug Niklas vor. Er wollte Tobi unbedingt wieder aufmuntern, fuhr ihm streichelnd über den Nacken. Er hatte den Jüngeren furchtbar lieb und konnte es einfach nicht ertragen ihn so traurig zu sehen!

*

Tobias nickte stumm, denn was interessierte ihn jetzt der Baum, wenn er in Niklas Armen liegen konnte.

Leise schnurrte er auf, als er die streichelnde Hand im Nacken spürte. Es tat gut, das der Blonde hier war.

Das sich seine Eltern erfreute Blicke zuwarfen, bekam er gar nicht mehr mit.

Die beiden waren wohl der Meinung, das Niklas gut zu im passte und ihn glücklich machen konnte.

Tobi war ja tief in sich drin, derselben Meinung, aber er war Realist genug um zu wissen, das Niklas wieder gehen würde, wenn er das Geld getauscht hatte. Und ob sie sich dann wieder sahen, das stand auf einem anderen Blatt.

"In Tobias Zimmer gibt es auch einen Fernseher und einen DVD-Recorder. Wenn ihr fernsehen wollt. Natürlich hätten wir auch nichts gegen eure Gesellschaft. Das müsst ihr selbst entscheiden", sprach Leoni und schloss endlich mal die Haustüre. Langsam wurde es nämlich kalt.

*

"Die Entscheidung liegt ganz bei Tobi!", meinte Niklas nur und blickte auf ihn runter. "Also Großer? Was sagst du?"

*

Das war so was von fies. Einfach die Entscheidung auf ihn schieben.

Einerseits wollte er sich gerne mit Niki vor den Fernseher schmeißen und sich kraulen lassen. Aber auf der anderen Seite, wenn er schon mal länger hier war, würde er auch gerne noch mit seiner Mutter reden. Bisher wusste ja nur sein Vater, wir es ihm so ging.

Wieso blieb so was immer an ihm hängen?

Wollte er seine Eltern enttäuschen oder Niklas?

Hilfesuchend hob er seinen Kopf, blickte erst den Rauschegoldengel und dann seine Eltern an.
Als er das versteckte Nicken seinen Vaters sah, seufzte er leise. "Ich... ich würde gerne mit Niki hoch in mein Zimmer und ein bisschen Fernsehen."

Nun war es raus.

*

"Okay, wie du willst.", lächelte Niklas und blickte zu Tobis Eltern. "Dann verabschieden wir uns für heute Abend, wenn Sie es erlauben?!", bat er höflich und Tobis Eltern nickten nur. "Ich wecke euch dann zum Frühstück", hing Leoni noch an und sah ihrem Sohn und Niklas nach, wie sie den Flur entlang gingen.

"Du musst mir jetzt sagen wo wir lang sollen! Sonst verlaufe ich mich", lächelte Niklas nun und sah zu Tobias runter.

*

"Nacht Mum, Dad", murmelte der Braunhaarige. Er wusste immer noch nicht, ob er wirklich das Rrichtige getan hatte.

Aber weder seine Mutter noch sein Vater schienen ihm das Übel zu nehmen.

"Zuerst einmal hier die Treppe rauf, dann links und mein Zimmer erkennt man gleich. Das heißt, wenn Mum das Bild mit der Eisenbahn das sie mir auf Holz gemalt hat, noch an der Türe hängt", erklärte der Braunhaarige.

Seine Mutter hatte ihm damals, als sie seine Leidenschaft für Eisenbahnen gesehen hatte, zu seinem siebten Geburtstag dieses Bild geschenkt, das er sich an die Türe gehängt hatte.

"Mum hat gesagt, das alle anderen Zimmer nicht bewohnbar sind. In einigen streicht sie und in den anderen stehen die Möbel aus den leeren Zimmern. Du... du müsstest also bei mir mit im Bett schlafen, Niki. Aber es ist ein großes. Also genügend Platz", stotterte der 23-Jährige den letzten Satz und spürte, wie er leicht rot wurde.

*

"Das ist nicht schlimm. Du wirst doch sicher nicht über mich herfallen, du Vampir, oder?", grinste Niklas und streichelte ihm durchs Haar, ging den beschrieben Weg und tatsächlich hin an einer Tür das Bild einer Eisenbahn. "Oder mich gar vom Bett runter treten!", meinte Niklas gespielt panisch und öffnete dann die Tür, zog Tobi mit sich nach drinnen.

*

Tobias genoss die Hand in seinen Haaren und würde sich fürs Erste nicht auf den Kommentar mit dem Vampir einlassen. Er wusste dass es nicht so war und Niklas würde er es nachher auch beweisen.

"Nein, so wild bewege ich mich im Bett nicht", erklärte der Braunhaarige und setze in Gedanken dazu "zumindest wenn ich schlafe."

In seinem Zimmer hatte sich wirklich nichts verändert. Außer, dass es gestaubsaugt war. Hier standen zwar keine Eisenbahnen herum, aber überall hingen Bilder: geschossene, ausgeschnittene aus irgendwelchen Magazinen oder selbst gemalte. Wobei sie von Jahr zu Jahr besser geworden waren.

"Fühl dich wie zuhause", murmelte der Braunhaarige und als sein Blick an den großen Bett hingen blieb, musste er lachen. Da lag doch tatsächlich noch das Stoffschaf, die er damals zu seinem dritten bekommen hatte. Seine Oma hatte es ihm damals geschenkt.

*

"Also wenn ich nicht schon vorher von deiner Leidenschaft für Eisenbahnen gewusst hätte, hätte ich es jetzt... leicht vermutet", grinste Niklas und löste sich von Tobi setzte sich aufs Bett und zog das Stoffschaf auf seinen Schoß. "Müssen wir uns jetzt also zu dritt das Bett teilen."

*

Der Braunhaarige erwiderte das Grinsen und setze sich ebenfalls auf das Bett. "Na ja, ich hab halt nun mal eine Leidenschaft für Eisenbahnen", murmelte Tobias und zuckte mit den Schulter.

Dann blickte er auf das Schaf, auf Niklas Schoß. Dass er selbst jetzt gerne da sitzen würde, verdrängte er in den hintersten Winkel seines Kopfes. "Fridolin hab ich zum dritten Geburtstag von der Mama meiner Mum bekommen. Aber sie lebt schon lange nicht mehr.

Er hat immer bei mir im Bett geschlafen. Als ich dann ausgezogen bin, hab ich ihn hier gelassen. Er sollte auf mein Zimmer aufpassen. Er kann auch auf dem Sitzsack schlafen. Ich muss das Schaf nicht unbedingt im Bett haben", erklärte der 23-Jährige.

Leicht beugte er sich zu Niklas und biss ihm kurz, sanft in den Hals. "So, damit wäre bewiesen, dass ich kein Vampir bin. Also musst du keine Angst haben, dass ich in der Nacht über dich herfalle und dir das Blut aussauge."

Ab und zu konnte er ganz schön kindisch sein.

*

Niklas hielt sich erschrocken den Hals und grinste dann. "Ach ja? Kein Vampir? Du hast mich doch gerade gebissen! Toll, wie erkläre ich jetzt meinem Vater, dass sich untot bin?", fragte Nik gespielt verletzt und fiel nach hinten aufs Bett. "Fridolin, beschütze mich!!!"

*

"Ja, ich bin kein Vampir. Sonst hättest du jetzt zwei Löcher im Hals von den Fängen. Aber du kannst ruhig im Bad nachsehen", kicherte Tobias bei Niklas schauspielerischen Fähigkeiten.

"Der wird dir jetzt auch nicht mehr helfen können", rief der Spielzeugmacher und stürzte sich auf Niklas, begann seine Seiten und seinen Bauch mit seinen langen Fingern zu traktieren.

Vielleicht hatte er ja Glück und der Ältere war kitzlig.

*

Und das war Niklas auch.

Lachend wandte er sich unter den kitzelnden Fingern und versuchte sich zu wehren, indem er Fridolin immer wieder sanft auf Tobi schlug, in der Hoffnung, ihn von seiner Attacke abzubringen, ihm dabei aber nicht weh zu tun.

*

Das war doch mal eine schöne Entdeckung.

Munter kitzelte er weiter, ließ seine Hände unter den Pullover geiten und kitzelte weiter. Das brachte mehr, als wenn er auf Stoff kitzeln würde.

Dass Niki ihn immer wieder mit dem Stoffschaf schlug, machte ihm nichts aus. Es war ja weich.

"Ich hab doch gesagt, dass dir Fridolin nicht helfen wird", lachte der Braunhaarige.

Er hatte schon lange nicht mehr so viel Spaß gehabt. Seine Freunde waren alle nicht kitzlig. Nur gut das Niklas noch nicht rausgefunden hatte, das er selbst kitzlig ohne Ende war. Sonst läge er jetzt bestimmt unten.

*

Niklas kreischte und lachte immer abwechselnd, wand sich unter den kitzelnden Fingern und gab schließlich auf. "Gnade, Gnade bitte!!!", keuchte er und warf Fridolin vom Bett, zum Zeichen, dass er unbewaffnet war.

*

Tobias hörte schließlich doch auf. Denn erstens war Niklas jetzt wirklich unbewaffnet und zweites, wollte er ihn nicht kaputt machen.

So ließ er sich einfach neben ihn fallen, kuschelte sich ein seine Seite und strich sanft über die weiche Haut am Bauch.

Unbehaart und glatt wie ein Babypopo. Da könnte er echt schwach werden. Aber Niklas war ein Freund für ihn und nicht sein fester Freund.

"Ausnahmsweise. Das nächste Mal kommst du mir nicht mehr mit einem einfachen Gnade davon", erklärte Tobi und musste selbst Luft holen.

*

"Das war ja ein unfairer Kampf, da musstest du mir einfach die Gnade erweisen", keuchte Niklas immer noch schwer atmend und schloss die Augen, um sich beruhigen zu können. Das streicheln seines Bauches störte ihn nicht, es gefiel ihm sogar, also ließ er Tobi einfach machen.

*

"Ach ja, das war ein unfairer Kampf?", wollte Tobi gespielt eingeschnappt werfen und richtete sich leicht auf, blickte auf den schwer atmenden Blonden hinunter.

Den Wunsch, dass Niklas wegen etwas anderem zu außer Atem war, verdrängte er.

/Verdammt Tobias, halte deine Gedanken im Zaum. Das gehört hier auf keinen Fall hin./

"Wer hatte denn Hilfe von Fridolin? Das warst doch wohl du. Wenn einer unfair gekämpft hat, dann du. Jawohl", beharrte der Kleinere.

*

"Gar nicht, ich brauchte ja auch eine Waffe, um mich etwas zu wehren. Aber Fridolin ist dermaßen unbegabt und gar nicht erprobt darin eine gute Waffe abzugeben, während deine Finger sicher jeden Tag trainiert werden!", meinte Niklas fest und öffnete nun wieder die Augen, blickte zu Tobi hoch.

*

Tobias lachte leise und versank in den blauen Augen. "Meine Freunde sind alle nicht kitzlig. Da bekommen sie auf dem Gebiet kein Training", gab der Braunhaarige zu und seufzte leise.

Der Wunsch, Niklas als seinen festen Freund zu haben, wurde immer schlimmer.

Bevor er noch etwas tat, was er bereuen könnte, ließ Tobias von dem Blonden ab und stand auf.

"Magst du noch einen Film anschauen? Ich muss aber erst mal schauen, was ich da habe. Ich hab schon lange nicht mehr hier DVD geschaut."

*

Niklas blinzelte und richtete sich dann auf die Ellenbogen auf, blickte aus seiner Position zu Tobias und fühlte merkwürdigerweise etwas Bedauern darüber, das Tobi einfach aufgestanden war, ihn nun nicht mehr am Bauch streichelte.

Es hatte Nik tatsächlich gefallen. Sich räuspernd bekam Niklas leicht rote Wangen. Was machte er denn hier? "Ähm ja...Film ist gut. Dann sag mal was du hast... nicht, dass ich mich damit auskennen würde."

*

Tief durchatmend trat Tobias zu seinem Fernseher und besah sich die DVDs die er da hatte.

/Na so was. Noch ein Jim Carry. Ich dachte, ich hätte alle mitgenommen, als ich ausgezogen bin./

Der Braunhaarige zuckte mit den Schultern und nahm die DVD in die Hand. "Der Dumschwätzer mit Jim Carry. Das ist was Lustiges. Wolltest du doch heute Morgen noch sehen", erklärte er und blickte fragend zu Niklas.

Verdammt. Mit den roten Wangen sah er noch niedlicher aus.

*

"Ja, gerne. Was Lustiges ist immer gut", lächelte Niklas und riss sich wieder zusammen, setzte sich auf und zog seinen Pulli zu Recht, ging in den Schneidersitz und blickte zum Fernseher, wo Tobi die DVD einlegte und den Film startete.

*

Danach schnappte er sich noch die beiden Fernbedienungen - falls sie mal auf Pause stellen mussten oder etwas lauter und schmiss sich dann zu Niklas auf das Bett.

Er drehte sich auf den Bauch, legte die beiden Fernbedienungen neben sich und stützte sein Kinn auf seine verschränkten Arme.

"Er wird dir gefallen, da bin ich mir sicher." Jim Carry war sein zweiter Lieblingsschauspieler, gleich nach Robin Williams. "Wenn du was zu knabbern brauchst, sag Bescheid. Dann hol ich dir was."

*

"Etwas zu knabbern wäre gar nicht schlecht, etwas zu trinken auch. Was hältst du davon wenn du nochmal Pause machst und wir zusammen erneut die Küche besuchen?", schlug Niklas vor und blickte zur Seite, dort wo Tobias sich hingelegt hatte.

*

Das ließ sich Tobias nicht zweimal sagen. Sofort stellte er auf Pause, sprang aus dem Bett und hielt Niklas die Hand hin, um ihm aufzuhelfen.

"Lass uns die Küche plündern", grinste er übermütig und zog den Blonden auf die Beine.

Aber anstatt das er die Hand nun wieder los ließ, zog er Niki hinter sich her aus dem Zimmer und dann die Treppe hinunter in die Küche.

"Schaust du mal im Kühlschrank, was da steht? Dann schaue ich im Süßigkeitenschrank", schlug der 23-Jährige vor und löste sich nur widerwillig von der Seite des Blonden.

*

Niklas spürte wie Tobi seine Hand losließ und sah ihm nach, während er einfach den Kühlschrank öffnete. Nachdem er seine Aufmerksamkeit auf seine Aufgabe gerichtet hatte, begann er im Kühlschrank zu kramen und fand allerlei leckere Sachen. "Du sag mal...daraus würden sich prima Sandwiches machen lassen. Hast du so viel Hunger? Ich meine, wir haben ja kürzlich erst zu Abend gegessen."

*

Tobias, der gerade mit seinem Kopf im Süßigkeitenschrank seiner Eltern steckte, zog sich wieder daraus zurück und blickte dann fragend zu Niklas.

"Na ja, eines nehm ich schon. Ich kann es ja dann klein schneiden und immer Stückchenweise essen", überlegte der Braunhaarige und nickte dann.

"Wenn du welche machst, dann mach mir doch bitte eines mit Frischkäse und irgendwas Schinken oder Putenmäßiges drauf. Du bist ein Schatz, Niki", sprach er und suchte dann wieder im Schrank, was sie so an Süßigkeiten da hatten.

Mhm... Popcorn und noch dazu gezuckert. Eher eine Seltenheit. In der Schweiz gab es leider nur gesalzenes. Das musste ihnen also eine Bekannte mitgebracht haben.

"Magst du nur Sandwiches oder auch was Süßes?", wollte Tobi wissen.

*

"Du weißt, dass ich nicht so der süße Typ bin, ich esse lieber was herzhaftes", erwiderte Niklas und zog gerade alle Zutaten aus dem Kühlschrank, die er für die Sandwiches brauchte. "Brettchen und Messer? Dann kann ich anfangen!"

*

Der Spielzeugmacher legte die Packung Popcorn auf die Theke und trat dann zu Niklas.

Lächelnd öffnete er eine Schublade, suchte sich ein scharfes und ein Buttermesser heraus und nahm aus einem der Hängeschränke ein Brettchen heraus.

"Hier, Großer. Aber schneide dich nicht", lächelte der Kleinere und strich dem Blonden einmal über die Seite, bevor er wieder zum Schrank trat und ihn schloss.

Dafür öffnete er den nächsten und holte sich eine Schüssel, in die er den Inhalt der Tüte schüttete.

*

"Ich hoffe, dass ich heil davon komme. Ansonsten musst du wohl den Notarzt rufen", lachte Niklas und schnitt von dem gefundenen Weißbrot sechs Scheiben ab. Dann begann er für Tobi ein, und für sich selbst zwei Sandwiches zu machen, jeweils mit Tomate, Gurke und Salat, aber mit unterschiedlichen Wurst- und Käsebelägen.

*

"Wenn es nicht zu tief ist und du nicht lebenswichtige Teile abschneidest, dann kann ich das auch versorgen", erklärte der Braunhaarige und nahm dann zwei Gläser aus dem Schrank.

Er selbst würde jetzt dann gleich zum Film Cola trinken. "Niki, magst du auch noch was zu trinken mit hoch nehmen? Ich nehm Cola mit", wollte der Jüngere wissen und lehnte sich dann an die Theke, beobachtete die Bewegungen des Blonden.

Wenn er die Nacht mit Niki in einem Bett überstehen würde, dann würde er drei Kreuze machen. Hoffentlich kuschelt er sich in der Nacht nicht an und was noch wichtiger war, das er am nächsten Morgen nicht mit einem kleinen Problem in den südlichen Regionen aufwachte. Das würde mehr als peinlich sein.

*

"Kannst du Tee kochen? Irgendwie mag ich jetzt Früchtetee, natürlich nur, wenn es dir keine Umstände macht", bat Niklas und blickte zu Tobi, leckte sich dabei die Mayonnaise vom Finger.

*

"Klar, kann ich machen", antwortete der Kleinere und wandte sich sofort ab, schluckte tief.

Was musste das auch nur gerade so erotisch aussehen? Oder lag er schon wieder so lange auf dem Trockenen, das er in alles etwas zweideutiges hineininterpretiertes?

Tobi schüttelte den Kopf, stellte das zweite Glas wieder weg und nahm dafür eine Tasse.

Dann allerdings musste er erst einmal die Schränke nach den Teevorräten seiner Mutter suchen. Endlich hatte er den Früchtetee gefunden.

Also kochte er gleich mal eine Kanne Tee und füllte ihn dann, als er fertig war, in eine Thermoskanne. Dann konnte der Blonde so viel trinken, wie er wollte.

Jetzt brauchten sie aber ein Tablett. So suchte sich der Schweizer eines raus, stellte das Glas, die Tasse sowie ein Löffel und die Zuckerdose darauf. Er konnte sich erinnern, dass Niki Zucker zum Tee genommen hatte.

*

Niklas schnitt die Sandwiches nochmal in der Mitte durch und legte sie dann alle auf einen Teller, stellte diesen mit aufs Tablett und lächelte leicht." So ich wär dann so weit."

Gemeinsam gingen sie zurück in Tobis Zimmer, wo Nik, der das Tablett getragen hatte, jenes vors Bett auf den Fußboden stellte und sich dann wieder im Schneidersitz auf dem Bett niederließ.

*

Tobi folgte mit den Getränken und der Popcornschüssel, löschte noch das Licht in der Küche.

In seinem Zimmer stellte er die Flasche und die Kanne vor das Bett auf den Boden, stellte die Schüssel auf das Bett und folgte dann.

Erneut ließ er sich auf dem Bauch nieder und startete den Film.

So einen Fernsehabend mit etwas zum Essen hatte er schon lange nicht mehr gemacht. Aber ihm war die Gesellschaft auch noch nie so willkommen gewesen.

*

Na dann Film ab!", grinste Niklas und griff sich ein Sandwich, füllte Tee in die Tasse und gab einen Löffel Zucker hinzu. Dann konnte es ja losgehen...

*

Tobias schenkte sich umständlich etwas Cola ein, griff sich sein klein geschnittenes Sandwich und ließ sich das erste Stück schmecken.

Irgendwann war auch das leer und der Film schon längst in der Mitte. So ließ sich der Braunhaarige das Popcorn schmecken.

Er war viel zu sehr mit dem Film und dem Lachen beschäftigt, das ihm gar nicht auffiel, das Niklas irgendwann einschlief und zur Seite fiel. Aber das Bett war ja auch groß genug, dass das kein Problem war.

Erst als er den Film abstellte und sich mit der Absicht, Niklas zu fragen wie er den Film fand zu ihm wandte, bemerkte er es.

Er musste sich stark ein Lachen unterdrücken. Der Ältere sah einfach nur süß aus.

Leise beugte er sich über den Blonden, strich ihm sanft mit einer Hand über die Wange und flüsterte ein: "Niklas. Niki wach auf der Film ist zu ende."

*

Niklas grummelte leise vor sich hin und schmiegte sich in die Hand, flüsterte ein leises: "Tobi..." und erwachte nur sehr langsam, schlug die Augen auf und blinzelte müde. "Oh...bin ich schon wieder eingeschlafen? Tut mir leid... jetzt hab ich wohl den Film verpasst."

*

Ein warmes Lächeln schlich sich auf Tobias Lippen, als der Ältere sich in seine Hand schmiegte und ein verschlafenes "Tobi" von sich gab.

Unwillkürlich hielt der Braunhaarige den Atem an, als die Augen des Größeren geöffnet wurden und er in die verschlafenen, leicht verschleierten blauen Tiefen blicken konnte.

"So schöne Augen", nuschelte er halb weg getreten.

Die Frage, ob er wieder eingeschlafen sei, bekam er gar nicht mit.

*

Niklas vernahm die leisen Worte und lächelte leicht. "Danke für das Kompliment.", murmelte er dann und handelte ganz spontan, als er den Arm hob, Tobi im Nacken packte und diesen zu sich runter zog, an seiner Brust platzierte und wieder die Augen schloss.

*

Ein Seufzen verließ die roten Lippen und zufrieden schmiegte er sich an den warmen Körper unter sich.

Verträumt lauschte er dem gleichmäßigen Herzschlag des Älteren.

"Du bist so was von bequem, Niki. Am liebsten würde ich dich behalten", murmelte er selbstvergessen und vergrub sein Gesicht dann schließlich im Nacken des Blonden.

*

"Ich finde es auch schön so! Du bist warm, bei mir zu Hause wärst du die ideale Heizdecke... vorausgesetzt du würdest da nicht erfrieren", lachte Niklas leise und begann Tobi wie gestern im Nacken zu streicheln, wollte das Vibrieren von Tobis Stimme fühlen.

*

Und wie Niklas sich das gewünscht hatte, schnurrte der Braunhaarige auch wieder auf.

"So kalt bei dir? Wo kommst du denn her? Etwa vom Nordpol", wollte er flapsig wissen und schnurrte dann nur noch lauter aus.

Er fühlte sich so geborgen in den Armen des Blonden. Das hatte er immer gesucht. Aber auch hier würde er es nicht finden, denn wenn Niklas wieder weg war, wäre er wieder alleine.

*

"Du wüsstest gar nicht wie Nahe du da an der Wahrheit wärst", murmelte Niklas leise und drehte den Kopf, sodass seine Lippen sich auf Tobis Stirn legten. Niklas wusste nicht warum er das alles tat, wusste nur, dass es sich unglaublich gut anfühlte und dass das wahrscheinlich an Tobi lag.

Denn es war schon anders gewesen Leoni zu umarmen und hatte sich nicht halb so gut angefühlt wie die von Tobi. Aber der hatte ihn ja schon öfter umarmt und Leoni erst zwei Mal.

*

Zufrieden seufzte Tobi bei dem Kuss auf.

Wenn sein Traum von Niklas als festen Freund doch nur wahr werden könnte.

/Aber das wird es nicht. Also genieße das, was du bekommen kannst/, zerstörte sein Verstand die Seifenblase.

Der Kleine unterdrückte ein Gähnen und begann währenddessen sanft über Niklas Seite zu streichen.
"Ich würde am liebsten den ganzen Tag so liegen bleiben", gab er zu.

*

"Den ganzen Tag? Du, da hast du nicht mehr viel Zeit. Es ist bereits in drei Stunden Mitternacht und dann der vierte Dezember. Vielleicht sollten wir uns langsam auch bettfein machen, die Teller und das alles wieder in die Küche schaffen, bevor deine Mutter es vermisst", meinte Niklas, löste sich aber nicht von Tobi.

*

"Meine Mum hat noch mehr Geschirr, da wird sie das bisschen nicht vermissen", murmelte Tobi.

Aber auch er machte keine Anstalten, auf zu stehen.

"Jetzt müsste man zaubern können, da müsste ich nicht aufstehen", überlegte er laut.

Aber schließlich stand der Jüngere dann doch auf, seufzte leise und blickte auf den Blonden hinunter. "Willst du zuerst ins Bad? Es ist grad die Tür gegenüber."

*

"Ich helf dir erst mal die Sachen weg zu schaffen, danach können wir immer noch ums Bad verhandeln. Was mich eher interessiert ist, was ziehen wir zum schlafen an? Wir haben ja nichts mit!", bemerkte Niklas und erhob sich vom Bett.

*

Tobias nahm sich wieder die Getränke und die leere Schüssel und öffnete dann die Türe, damit Niklas mit dem Tablett ohne Probleme aus dem Zimmer kam.

"Vielleicht hat Mum ja dran gedacht und uns was raus gelegt. Wenn, dann dürfte das im Bad auf dem Rand der Badewanne liegen. Und wenn nicht, werden wir wohl in unseren Boxerhshorts schlafen müssen", antwortete der Jüngere.

Kurz darauf kamen sie in der Küche an und verträumten so leise wie möglich die Sachen. Denn seine Eltern lagen schon im Bett. Zumindest sein Vater musste morgen wieder arbeiten.

*

"Wenn wir nur in Unterhosen schlafen, könnte es die Nacht sehr kalt werden!", äußerte Niklas seinen Gedanken und stellte das Tablett auf der Arbeitsfläche in der Küche ab.

Schnell räumten sie das Geschirr in den Spüler und die Getränke wieder in den Kühlschrank, bevor sie leise zurück in Tobias' Zimmer gingen.

*

"Wir schauen, ob wir was im Bad finden. Und wenn nicht, dann schauen wir im begehbaren Kleiderschrank meiner Eltern nach. Die haben nichts dagegen", versicherte der Braunhaarige.

"Und ansonsten können wir ja immer noch ne extra Decke holen. Hier wird keiner erfrieren."

Wieder vor seinem Zimmer angekommen, öffnete er die Türe zum Bad und stellte das Licht an. Auf dem Badewannenrand lag ein weißer Schlafzug - der war von seiner Mutter, weil sie nur zwei Zentimeter größer als er war und der schwarze war von seinem Vater.

"Wir müssen nicht erfrieren", meinte Tobi und nahm sich den weißen Schlafanzug. "Ich geh mich drüben umziehen. In dem Schrank neben dem Waschbecken findest du Handtücher und da müsste auch eine neue Zahnbürste sein. Mum hat so was immer da."

Dann verließ der Kleine das Bad und ging in sein Zimmer, wo er sich umzog.

*

Niklas suchte sich einen Waschlappen, Handtuch und eine Zahnbürste heraus, die tatsächlich vorhanden war, wusch sich und putzte sich die Zähne. Nach benutzen der Toilette zog er sich den Schlafanzug an, knöpfte das Oberteil zu und nahm seine Sachen unter den Arm, bevor er zurück in Tobis Zimmer ging. "So ich denke du willst auch noch ins Bad!"

*

Tobi hatte seine Sachen schon auf einem der Stühle ausgebreitet und hatte mit nacktem Oberkörper gewartet, das er ins Bad konnte.

"Ist gut. Du kannst dir die Seite des Bettes aussuchen. Ich hol dir dann noch ein Kissen und eine Decke", sprach der 23-Jährige und verließ mit dem Oberteil in der Hand sein ehemaliges Kinderzimmer.

Im Bad wusch er sich, putzte sich seine Zähne und zog sich dann das Oberteil an, schloss die kleinen Knöpfe.

Hinter sich löschte er das Licht, und suchte in den Zimmern nach einer Decke und einem Kissen. Da er nicht wusste, wo seine Eltern gerade am Streichen waren und wo sie die anderen Sachen verstaut hatten, brauchte es eine Weile.

Schließlich trat er mit vollen Armen wieder in sein Zimmer.

*

Während des Wartens auf Tobi hatte sich Niklas sie Seite am Fenster ausgesucht und sich bereits in die Decke gekuschelt, sie bis zu Nase gezogen. So kalt wie es heute Nacht war, wäre es wohl besser das Fenster geschlossen zu halten und vielleicht, wenn Tobi es gestattete, konnten sie sich gegenseitig wärmen.

Niklas blickte auf, als Tobi endlich das Zimmer betrat und lächelte leicht. "Ich wollte gerade eine Vermisstenanzeige aufgeben."

*

Tobias lachte leise und tapste Barfuß zum Bett, legte seine Sachen darauf ab.

"Ich musste wegen den Renovierungsarbeiten erst eine Weile suchen, bis ich die Sachen gefunden habe", erklärte der Braunhaarige und kuschelte sich dann selbst ins Bett.

Er drehte sich auf die Seite und stützte seinen Kopf auf dem Ellenbogen ab. "Wir können die Heizung auch noch ein wenig höher stellen, wenn dir zu kalt ist."

*

"Wenn es zu warm ist, kann ich nicht schlafen. Ich... ich hab mir gedacht, wenn du magst können wir uns gegenseitig wärmen?!", fragte Niklas nun ganz leise und bekam rote Wangen, wobei er sich wünschte, dass das Licht im Zimmer aus gewesen wäre.

*

Man, was sah Niklas süß aus, wenn er rote Wangen bekam.

Tobias rutschte etwas mehr in die Mitte und meinte dann lächelnd: "Na komm her. Kuscheln hört sich gut an, damit einem nicht kalt wird."

Er kuschelte gerne mit jemandem, mochte es wenn er im Arm gehalten wurde und auf den beruhigenden Herzschlag hören konnte.

Und bei Niklas genoss er es doppelt. Er hatte sich schon lange nicht mehr so wohl und geborgen gefühlt.

*

Niklas lächelte leicht und legte sich ebenso mehr in die Mitte, zog Tobi dann an sich und bettete wieder dessen Kopf auf seiner Brust, streichelte seinen Haaransatz. "Tobi, ich weiß nicht warum, aber ich mag dich einfach und ich finde es schön, wenn du mir so nah bist..."

*

Tobi kuschelte sich an den starken Körper neben sich und legte seinen Arm quer über Niklas Brustkorb.

"Mir geht es genauso. Ich fühl mich so wohl, so geborgen bei dir. So als würde ich dich schon mein ganzes Leben lang kennen", flüsterte der Braunhaarige, wollte die Atmosphäre die sich eingestellt hatte, nicht zerstören.

"Ich mag dich auch."

*

"Ich dich auch... du bist ja auch mein einziger Freund. Aber ich denke, dass ich dich nicht nur deswegen mag, sondern einfach weil ich deine Art und Weise zu handeln sehr schätze. Deine Stärke und deine guten, sowie schlechten Seiten. Ich bin einfach froh dir begegnet zu sein!", gab Niklas flüsternd zurück und zog die Decke über sie beide.

*

"Ich bin auch froh, dass ich dich getroffen habe. Du gibst mir Geborgenheit, Trost wenn es mir nicht so gut geht, du kannst super kraulen", lachte Tobias "Schlechte Seiten habe ich von dir ja noch nicht kennen gelernt. Nur das du Weihnachten nicht so sehr magst. Aber das ist ja keine schlechte Seite."

Leise seufzte er auf und rieb seine Wange an Niklas Brust. "Ich fühle mich geehrt, dass du mich als Freund ansiehst und bezeichnest."

*

Niklas konnte nichts weiter tun, als einfach zu Lächeln und Tobi seufzend fester ans ich zu ziehen. Die Situation und ihrer beider Gefühle mussten nicht weiter kommentiert werden. Sie waren Freunde und Niklas betete, dass er irgendwie eine Möglichkeit bekommen würde Tobi wieder zu sehen, wenn er erst mal wieder zu Hause war.

"Gute Nacht", wünschte er nach einer Weile der Stille und schloss dann die Augen, drückte auf den Lichtschalter neben dem Bett und dann war es auch schon dunkel im Zimmer. "Schlaf gut!"

*

Auch Tobias hegte den Wunsch und die große Hoffnung, dass sie weiterhin Kontakt halten würden, wenn Niklas wieder unterwegs war.

"Schlaf gut und Träum was Schönes", erwiderte der Jüngere und setzte in Gedanken dazu "am besten von mir."

Diesmal konnte er das Gähnen nicht unterdrücken. Auch seine Augen schlossen sich und kurz darauf war er eingeschlafen.



Braune Blätter [Chaotizitaet]

03 – Joshua



Endlich hörte ich das erlösende Klopfen im Spiegel, das mir anzeigte, dass Josh endlich erreichbar war. Mir fiel ein Stein vom Herzen. Aber natürlich war es mir in diesem Moment dann auch wieder gerade nicht recht, dass Josh jetzt anklingelte, genossen Caleb und ich doch just noch eine letzte gemeinsame Tasse Kaffee, aber Caleb winkte nur ab. „Ich muss eh gleich los. Hab in einer halben Stunde einen Termin. Melde mich, wenn ich fertig bin. Vielleicht kann ich dann gleich nach dem braunen Blatt suchen, falls Josh es bestätigt.“ Damit stürzte er den letzten Schluck seines Kaffees hinunter und griff nach seinem Mantel. Ehe ich mich versah, und noch ehe ich auch nur ansatzweise etwas wie einen Abschiedskuss hätte bekommen können, war er auch schon zur Tür hinaus.

Wenn ich es nicht besser gewusst hätte, hätte ich sein Benehmen in diesem Moment rüde gefunden. Aber ich wusste es besser, und so wusste ich, dass ihm genauso viel daran lag, dem potenziellen braunen Blatt, das er früher am Tag an der Kathedrale gesehen hatte, wieder nach Hause zu helfen, wie ihm daran lag, dass unsere braunen Blätter wieder in unsere Ebene zurückfanden. Und mir ging es ja schließlich nicht anders, weshalb ich Caleb diesbezüglich also keine Vorwürfe machen konnte.

Aus Gewohnheit ging ich hinaus zum Baum der Lebenden. Irgendwie sprach es sich dort am besten mit Josh.

„Hey du Trantüte... Hast du gestern so sehr die Weihnachtsdeko gefeiert, dass du heute nicht aus den Federn gekommen bist?“, begrüßte ich mein Gegenstück mit gutmütigem Spott, kaum dass ich meinen Taschenspiegel aufgeklappt hatte.

Mein Spiegelbild erschien im Glas. Nach all den Jahren hatte ich mich daran gewöhnt, dass dieses Spiegelbild mir nicht alles nachmachte, sondern von alleine zu reden anfing, eben weil es nicht wirklich mein Spiegelbild war. Caleb aber fand es jedes Mal irritierend, wenn er mir bei der Kommunikation mit der anderen Seite über die Schulter blickte. Ein Grund mehr, weshalb er es vorgezogen hatte aufzubrechen, statt abzuwarten, was bei dem Gespräch mit Josh herauskam.

„Mir war nicht nach feiern, hab aber trotzdem ausgeschlafen“, kam es mit einem leisen Seufzer zurück.

Ich rollte innerlich mit den Augen. Hatte Caleb also wahrscheinlich mit seiner Vermutung, dass die beiden auf der anderen Seite sich mal wieder gegenseitig Stress gemacht hatten, Recht gehabt. Zumindest Joshs Tonfall nach zu urteilen. Ich beschloss nicht weiter nachzuhaken, sondern kam gleich zum Kern unseres Gesprächs. „Weshalb ich versucht habe, dich schon den ganzen Tag zu erreichen: Könntest du Cal ausrichten, dass er die Augen nach zwei braunen Blättern...“ Instinktiv hatte ich hinauf in den Baum geblickt, um mich der beiden Verirrten zu vergewissern, und schluckte. Es waren inzwischen drei braune Blätter!

Drei braune Blätter an einem Tag, innerhalb weniger Stunden, hatten wir zuletzt gehabt, als der letzte Harry Potter Band erschienen war. Aber mir war in diesem Moment kein Buch oder Film mit dem heutigen Datum als Erscheinungstag im Gedächtnis, das eine solche Reaktion hervorrufen könnte.

„Nein, korrigiere, drei braune Blätter. Er muss nach drei braunen Blättern Ausschau halten. Ach ja, und Caleb meinte vorhin, er habe bei uns eine verirrte Person aus eurer Ebene gesehen. Hast du ein braunes Blatt am Baum? Er war sich nämlich nicht ganz sicher...“ Ich brach ab, denn ich merkte, wie ich in ein nervöses Plappern verfiel. Aber die rasante Zunahme von braunen Blättern an meinem Baum – ich hatte ihn schließlich kurz vor Mittag erst das letzte Mal kontrolliert, also vor weniger als drei Stunden – machte mir doch Sorgen.

„Drei braune Blätter? Hm, meinst du nicht, du könntest ihn heute selbst anklingeln?“, kam es ein wenig drucksend von Josh.

„Was hast du gestern Schreckliches angestellt, dass du dich heute nicht darüber freust, Cal auf seinem Handy anrufen zu dürfen?“, fragte ich mit leicht schneidendem Ton. Egal wie die Antwort ausfallen würde, ich wollte mir am liebsten vorsorglich mit der flachen Hand gegen die Stirn schlagen, ließ es aber bleiben, konnte Josh es doch sonst sehen.

„Nichts wirklich Schreckliches, immerhin sind wir beide noch am Leben. Aber na ja...“

„Nichts na ja“, unterbrach ich ihn. „Was auch immer du gemacht hast, wenn ich mich jetzt bei ihm wegen der Blätter melde, wo du das sonst immer tust, dann wird er dich obendrein für einen Feigling halten. Und das tue ich uns beiden nicht an!“

„Okay, hast ja Recht, war ein blöder Gedanke. Ich dachte nur eben, es würde ihm zeigen, dass ich auch durchaus bereit bin, ihm seine Ruhe zu lassen, wenn ich ihn nicht gleich wegen der Blätter nerve...“ Josh sah ein wenig geknickt aus.

„Normalerweise würde ich ja sagen, dass wir uns vielleicht noch einen Tag Zeit lassen könnten“, versuchte ich mein Gegenstück aufzumuntern und ihm so zu zeigen, dass seine Idee im Grunde gar nicht so verkehrt war. „Aber nicht, wenn ich gleich drei braune Blätter auf einmal am Baum hab. Und das letzte davon ist innerhalb der letzten drei Stunden aufgetaucht.“

„Schon klar. Da würde ich auch nicht warten wollen.“ Josh nickte.

Die Sache war nämlich die, dass wir pro Tag nur drei Leuten helfen konnten, in ihre Ebene zurückzufinden. Einfach, weil das Ritual sehr anstrengend war und trotz aller besonderen Fähigkeiten, waren Wächter und Scouts eben auch nur Menschen. Menschen, die irgendwann schlicht zu erschöpft waren, um anderen Leuten das Tor in ihre Ebene zu öffnen, ohne dafür nicht einen höllisch hohen Preis zahlen zu müssen.

„Du hast mir noch nicht gesagt, ob Caleb vorhin Recht hatte, als er glaubte ein braunes Blatt von dir gesehen zu haben“, erinnerte ich mich jetzt daran, dass mir Joshs Statusbericht noch fehlte.

„Sorry, bin heute etwas schwerfällig. Zumindest, wenn es um die Offensichtlichkeiten geht... Glaub mir, du willst nicht wissen, wie lange ich heute Morgen gebraucht habe, zu erkennen, dass das Hemd so gar nicht zur Hose passte.... weil ich es auf Links angezogen hatte.“ Josh grinste etwas schief und ich lachte leise.

Im nächsten Moment verging mir das Lachen.

„Shit! Joshua? Wir haben ein Problem! Das kann nicht mehr normal sein! Ich habe nicht weniger als fünf braune Blätter an meinem Baum! Hörst du? Fünf!!“



Fünf Blätter! Caleb musste fünf Verirrte finden. Von denen wir aber nur drei würden heute noch zurückschicken können. Fünf braune Blätter! Das war mehr als bei Harry Potter. Da hatten zwar eine ganze Reihe Blätter braune Stellen aufgewiesen, was darauf hingedeutet hatte, dass die Menschen sich wirklich in die Welt des Buches eingefunden hatten, aber die Flecken waren wieder verschwunden, als die Personen das Buch fertig gelesen hatten und erkannt hatten, dass es eben nur das gewesen war: ein Buch. Die meisten hatten von sich aus den Weg in die Realität zurück gefunden und obgleich wir im Verhältnis während dieser Zeit mehr zu tun bekommen hatten als gewöhnlich, hatte es sich noch im Rahmen gehalten.

Ich überlegte fieberhaft. Überlegte, was die Ursache für diese vielen Blätter sein konnte. Überlegte, wie wir auswählen wollten, wen wir zurückschickten, und wer warten musste. Einfach in der Reihenfolge, in der Caleb sie fand? Was aber, wenn wir ihnen ansahen, dass sie ernsthafte Probleme bekamen, wenn sie länger in diesem Zustand blieben? Für schwache Menschen, die etwa von einer Krankheit geplagt wurden, konnte so ein verirrter Zustand durchaus gefährliche, medizinische Konsequenzen haben. Oder wenn es eine Mutter mit einem Neugeborenen war, der man an den geschwollenen Brüsten und dem noch nicht ganz zurückgegangenen Bauch ansah, dass jemand sie dringend zurück brauchte? Nein, wir würden von Fall zu Fall entscheiden müssen. Und den Rest für die Nacht einquartieren. Schlafen und gleich am nächsten Tag zurückschicken.

Dann überlegte ich weiter, wo wir die braunen Blätter, die notgedrungen über Nacht bleiben mussten, am besten einquartieren sollten. Denn obgleich meine Wohnung über ein Gästezimmer verfügte – eigentlich Calebs Homeoffice, aber es stand eine bequeme Ausklappcouch zum Schlafen darin –, konnte ich nur schlecht schlafen, wenn sich ein braunes Blatt bei mir in der Wohnung befand. Es fühlte sich einfach zu merkwürdig an. Als würde ich die ganze Zeit beobachtet. Als lauerte mir etwas im Dunkeln auf. Zumal die Verirrten in diesem Zustand selbst keinen Schlaf brauchten. Und dies spätestens dann feststellten, wenn sie zu schlafen versuchten.

Wieder am Anfang meines Gedankenkarussells angelangt, überlegte ich, ob ich mich vielleicht mit Inspektor Jones in Verbindung setzen sollte. Dieser konnte vielleicht bei seinen Kollegen vom Rauschgiftdezernat nachfragen, ob es eine neue Modedroge gab, die als Ursache für die Blätterschwemme in Frage kam.

Meine Gedanken jagten sich immer wieder im Kreis, ohne dass ich zu einem nennenswerten Ergebnis gelangt wäre. Erst nacht mehreren Minuten fiel mir ein, dass ich das Wichtigste bislang vernachlässigt hatte. Ich musste ja noch Caleb informieren. Darüber, dass er nach fünf Blättern Ausschau halten musste. Fünf Blätter!



3. Dezember [Laila]
Schnee
Christian und Michael
Es hatte schon wieder angefangen zu schneien. So langsam hatte Christian die Nase voll.
Das war schon das zweite Mal die Woche, dass er nicht mit dem Auto weg konnte. Seine Firma würde sich freuen.
Leise fluchend kuschelte er sich wieder an seinen Freund Michael und schloss die Augen. Dann würden sie diesen Tag eben zusammen im Bett verbringen.
So hatte der Schnee wenigstens etwas Gutes.
Oder sie konnten eine kleine Runde durch das verschneite Dorf drehen. So schön wie die weiße Pracht auch war, sie nervte ungemein.
Michael knurrte leise neben ihm, war aber noch nicht wach. Sein Mann hatte zum Teil einen sehr festen Schlaf.
Grinsend gab er ihm noch einen Kuss, bevor er sich wieder in die Decken
kuschelte und in Morpheus Arme glitt.