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04

Catching Santa Claus [Ira]

Türchen 4

Es war noch dunkel, als Niklas erwachte. Zuerst wusste er nicht wo er sich befand, doch nach einer kurzen Bewegung, wo er Tobi auf seiner Brust murmeln hörte, fiel ihm der gestrige Tag wieder ein. Stimmt ja, sie hatten bei Tobias' Eltern geschlafen, weil die Batterie des Wagens versagt hatte.

Zusammengekuschelt hatten sie sich auch, weil es so wärmer sein würde und... das gab Niklas zu, weil es schön war. Auch jetzt fühlte sich der Blonde wohl und glücklich, dass er Tobi halten konnte. Das lag unter Garantie daran, dass sie so gute Freunde waren. Doch was war das?

Ein kurzes Streifen von Tobis Arm auf seinem Bauch und schon spürte es Niklas in seiner Hose zucken. Nanu? Sofort bekam Niklas rote Wangen. Er war erregt...

Gott, wenn das Tobi mitbekam. Vorsichtig löste er sich von dem kleineren und schlüpfte aus dem Bett, um kurz darauf ins Bad zu huschen. Mannomann. Das war wohl dann doch zu viel Nähe gewesen. Sie waren doch nur Freunde, warum dann war Niklas erregt? Auf jeden Fall musste das schnell beseitigt werden!

Eine Dusche, war dabei nicht schlecht. Also zog er sich aus, nahm sich wieder ein Handtuch aus dem Schrank und stieg dann in die Duschkabine. In seiner Jugend hatte er oft mit seiner Sexualität zu kämpfen gehabt, zumal es dort ja niemanden gegeben hatte mit denen er sie hätte ausleben können. So war seine Hand zu seinem besten Freund geworden und dieser Freund beseitigte jetzt auch seine Erektion, während Niklas sich gegen die Duschwand legte und sich auf die Lippen biss, um nicht laut zu werden...

*

Der Braunhaarige murrte als seine Wärmequelle ihn so schändlich alleine ließ. Also mummelte er sich etwas mehr in die Decke und drehte sich auf den Bauch.

Es war bestimmt noch zu früh zum Aufstehen.

Bis in sein Unterbewusstsein spürte er das Ziehen in seinen Lenden und das war auch, was ihn langsam aufwachen ließ.

Das erste was er war nahm als er erwachte war, das er alleine in dem großen Bett lag. Niklas musste also schon wach sein.

Das zweite war seine Erregung, die gegen die Matratze drückte.

Er war schon lange nicht mehr mit einem morgendlichen Problem aufgewacht. /Das kommt nur davon, weil ich mit Niklas gekuschelt habe und von diesem zugegebenermaßen heißen Traum mit mir und Niki in den Hauptrollen./

Er musste jetzt auf alle Fälle erst einmal kalt duschen. So schlug er die Decke zurück und stand auf. Der Blonde war bestimmt in der Küche und machte Frühstück. So wie gestern eben auch.

Noch immer müde, tapste der 23-Jährige aus seinem Zimmer, öffnete die Badtür und blieb dann wie versteinert in der Tür stehen.

Dort stand er, Hauptperson seines heißen Traumes hinter der milchigen Duschwand und wenn sein Gehirn ihn nicht komplett betrog, hatte Niklas ebenso ein Problem. Nur das der schon einen Schritt weiter als Niki war und sich Abhilfe verschaffte.

Tobias unterdrückte ein Seufzen indem er sich auf die Unterlippe biss und schloss leise wieder die Tür.

Schwer atmend und mit roten Wangen lehnte er sich an die Wand und konnte gar nicht verhindern, dass sein Glied noch ein wenig mehr anschwoll, als sein Kopf ihm wieder dieses Bild zeigte.

Er keuchte leise auf, als sich seine Hand selbstständig machte und in seine Hose wanderte, sich dem Problem annahm.

Was tat er hier denn bloß? Wenn Niklas aus dem Bad kam und ihn hier fand, wie er sich selbst befriedigte. Was würde er dann denken? Das schien sein Körper einzusehen, denn seine Hand bewegte sich schneller auf und ab.

Das Wissen, jederzeit erwischt zu werden, verließ dem Ganzen einen zusätzlichen Reiz.

*

Keuchend sackte Niklas an der Wand zusammen, als er kam und atmete noch eine Weile heftig, bevor er sich abspülte, ordentlich wusch und schließlich aus der Dusche trat. Noch immer peitschte Hitze durch seinen Körper und nach einem Blick in den Spiegel bemerkte er auch, dass er verräterisch rote Wangen hatte. Zum Glück war es immer noch dunkel - wer wusste wie spät es überhaupt war - und wenn er jetzt zurück zu Tobi ins Bett krabbelte würde dieser zum Glück noch schlafen und nichts von seinem kleinen Ausflug mitbekommen.

Also zog sich Niklas nach einem raschen abtrocknen wieder den Schlafanzug an und öffnete die Badtür.

*

Zeitgleich mit Niklas - auch wenn keiner der beiden das wusste - kam Tobis und biss sich dabei fest auf die Unterlippen, damit ihn keiner hörte.

Sein Brustkorb hob und senkte sich schnell, so wie nach einem Marathon und als er die Hand zurück zog, schienen die verräterischen Flecken hell in der Dunkelheit zu leuchten.

Mit wackeligen Beinen kehrte der Braunhaarige in sein Zimmer zurück und beseitigte die Spuren mit den Taschentüchern, die in ihrer Box auf dem Schreibtisch standen. Die Tücher ließ er dann im Papierkorb verschwinden und kuschelte sich zurück ins Bett. Er fühlte sich erschlagen und außerdem würde Niklas demnächst sicher wieder zurückkommen.

Jetzt allerdings konnte der Kleine sich wieder problemlos an den Blonden kuscheln. Weil die Wärmequelle noch nicht zurück war, griff sich Tobias dessen Kissen und drückte es fest an sich, vergrub sein Gesicht in dem weichen Stoff.

/Er riecht so lecker/, war sein Gedanke, denn das Kissen roch nach Niki.

*

Niklas' Wangen wurden noch röter als er wieder Tobis Zimmer betrat und diesen im Bett liegen sah. Wie konnte er nur erregt sein weil sein einziger Freund bei ihm geschlafen hatte. War er etwa auch...schwul?

Naja er hatte ja noch nie ein Mädchen geküsst oder gar mit ihr in einem Bett gelegen. Vielleicht sollte er das mal ausprobieren. Immerhin musste er mal einen Sohn zeugen, dem er seine Aufgabe übergeben konnte. Von dem Gedanken daran mit einem Mädchen loszuziehen, während Tobi zu Hause saß, jagte ihm sofort ein schlechtes Gewissen ein, als würde er ihn betrügen.

Stopp! Niklas musste aufhören das zu denken, SO an Tobi zu denken. Sie waren nur Freunde, mehr nicht!

Entschlossen legte sich Niklas wieder auf seine Seite des Bettes, blickte zu Tobi, der sein Kissen umklammert hatte und seufzte dann leise. Dann eben ohne Kissen. Die Augen schließend drehte er sich auf die Seite, schob die Hände als Kopfkissen unter sein Gesicht, und versuchte wieder einzuschlafen.

*

Sein Herz setzte einen Schlag aus, als Tobias die Zimmertür hörte. Ob Niklas ihm ansehen konnte, was er gemacht hatte? Das sie eigentlich nur die Badtür und die Tür der Dusche voneinander getrennt hatten.

Der Braunhaarige entspannte sich wieder, als er die Matratze ein Stück einsenken spürte und es still im Zimmer blieb.

Tobi vermisste schmerzlich die Wärme des anderen Körpers, wusste gar nicht wie das erst werden sollte, wenn sie erstens wieder in getrennten Betten schliefen und zweites, Niklas sein Geld hatte und dann weg war.

Wehmütig seufzte er auf und rutschte dann Stück für Stück wieder zu Niki, kuschelte sich an ihn. Er konnte nicht anders. Er war schon süchtig nach der Geborgenheit und der Sicherheit, die der Blonde ihm geben konnte.

*

Niklas öffnete sofort die Augen und blickte auf Tobi runter, der sich schon wieder an ihn geschmiegt hatte. Ob der wusste was er ihm, Niklas, damit antat? Oder gar sich selbst?!

Niklas war sich mittlerweile schmerzlich bewusst geworden, dass Tobi sich ja in ihn verlieben könnte, vielleicht schon verliebt war. Und zu Niks Erstaunen war ihm dieser Gedanke nicht unangenehm. Was war nur mit ihm los? Da hatte er mal drei Tage lang einen Freund und schon spielten seine Gefühle verrückt.

Hoffentlich verrannten sie sich da nicht in etwas. Tobi war ihm zwar wichtig, aber sollte Nik gar in ihn verliebt sein wäre das eine Katastrophe. Schon weil es seine Aufgabe als Weihnachtsmann gefährdete. Er könnte so keine Kinder haben und er würde Tobi mit zum Nordpol nehmen wollen, wobei der kleinere dann alles aufgeben musste was er hier hatte.

Das wollte Niklas ihm nicht antun. Er musste seine Gefühle mehr kontrollieren, um sie beide zu schützen.

*

Und Tobi hatte schon mehr als die Hälfte des Weges hinter sich gebracht. Auch wenn er sich dessen nicht so ganz bewusst war.

Sein Herz - das schon lange vor dem Verstand erkannt hatte - das sich der 23-Jährige in seinen Gast verliebt hatte, war es, das ihn immer wieder die Nähe zu Niklas suchen ließ. Das ihn geborgen und gebraucht fühlen ließ.

Und wenn schon. Dann würde er auf die Nase fliegen, wenn der Blonde ihn von sich wies oder wieder ging. Er würde es irgendwie überleben.

Sein Herz hatte also schon angefangen, die Vernunft außer Kraft zu setzen und sich weiter in die Sache zu verrennen, obwohl da schon groß blinkend ein Stoppschild stand.

"Niki", murmelte er leise und ein seliges Lächeln zierte seine Lippen.

*

"Ach Tobi...", seufzte Niklas leise, als er seinen Namen aus Tobis Mund hörte und umarmte ihn jetzt doch, wo er zuvor noch einfach dagelegen hatte. Warum musste er den Kleinen auch so mögen? War das normal?

Niklas brauchte Gewissheit. Vielleicht konnte er in Uli oder Gabi, die er ja noch nicht kannte, einen weiteren Freund finden und so herausfinden, ob es ihm mit diesen beiden auch so erging wie mit Tobi. Oder ob seine Gefühle nur bei dem jüngeren Dunkelhaarigen verrücktspielten, sein Herz schneller schlug und sein Körper sich ebenso nach der Nähe sehnte wie Tobis Körper es offensichtlich tat.

*

Auch ohne das er im Nacken gekrault wurde, fing er an mit Schnurren. Das war ihm bisher noch nie passiert. Aber er fühlte sich so wohl in Niklas Armen. So als wäre er nach einer langen Reise nach Hause gekommen.

Er lehnte sich noch etwas mehr an den Größeren und stellte verwundert fest, das in seinem Bauch irgendwas unterwegs war, denn es kribbelte so schön. Das hatte er das letzte Mal bei Michael gespürt. Aber nicht so stark.

Aber Tobi machte sich keine Gedanken darüber. Er war einfach nur Glücklich und schob das Kribbeln genau darauf. Zu froh war er einfach, das Niklas bei ihm war, ihn ohne Angst in den Arm nahm, auch jetzt noch nachdem er wusste, das Tobi schwul war.

*

Niklas wollte nicht weiter darüber nachdenken was zwischen ihnen nun war. Ob nur Freundschaft oder gar mehr... er wollte einfach jetzt hier bei Tobi sein und wieder mit ihm im Arm einschlafen. Also zog er das Kissen, welches Tobi mitgebracht hatte, wieder unter seinen Kopf, schloss die Augen und schlief wieder ein.

*

Der Kleine war nicht einmal sauer, das ihm das Kissen geklaut wurde. Denn er hatte ja etwas viel besseres, nämlich Niklas.

Und an den konnte er sich jetzt auch viel besser kuscheln, weil kein Kissen mehr im Weg war.

Tobi gähnte noch einmal, denn es war wirklich viel zu früh und schlief dann selber wieder ein. Mit sich und der Welt zufrieden.


Ein paar Stunden Später wurde die Tür geöffnet und ein brauner Haarschopf wurde durch den Spalt gesteckt.

Ein warmes Lächeln breitete sich auf Leonis Gesicht aus, als sie ihren Sohn und Niklas so friedlich und aneinander gekuschelt im Bett sah.

Leise trat sie zum Bett und berührte Niklas und Tobias an der Schulter, sprach dazu: "Aufstehen ihr Schlafmützen. Die Sonne lacht, das Frühstück steht auf dem Tisch und die Batterie ist fertig geladen."

*

Niklas blinzelte und rieb sich dann die Augen, blickte dann erschrocken zu Leoni. "Oh...", murmelte er nur und blickte zu Tobi, der sich selbst erhob. Also konnte er sich nun aufsetzen. "Danke, fürs wecken...", lächelte er Leoni zu und gähnte dann hinter vorgehaltener Hand.

*

Müde setzte sich Tobias auf. Er hatte gar keine Lust aufzustehen. Am liebsten würde er hier mit Niklas liegen bleiben. Aber das ging ja nicht.

Also gähnte er hinter hervorgehaltener Hand und stand dann auf.

"Danke fürs wecken, Mama. Wir kommen gleich", murmelte der Jüngste hier und zog sich einfach das Oberteil über den Kopf, bevor er ins Bad schlurfte, um sich die Zähne zu putzen und zu Duschen.

Während Leoni nur lächelnd das Zimmer wieder verließ und etwas davon murmelte, dass sie die Brötchen aus dem Backofen nehmen müsste.

Tobi war auch ziemlich schnell fertig, trocknete sich ab und tapste mit dem Handtuch um die Hüften zurück in sein Zimmer, um sich anzuziehen. Morgens war er noch etwas verpennt und da dachte er nicht wirklich effizient, wie das er die Klamotten mitnehmen könnte und sich so den Weg sparte.

*

Niklas hatte sich in der Zeit, während Tobi im Bad gewesen war, angezogen. Leider musste er die Sachen von gestern tragen, aber sobald sie zu Hause waren könnte er sich ja nochmal umziehen.

Geduscht hatte er ja heute früh schon und demnach fühlte er sich auch nicht schmutzig, so wie sonst nach dem schlafen. Langsam wacher werdend schlurfte er die Treppe nach unten und sah sich dann um. Wie waren sie gestern nochmal in die Küche gekommen? Ach ja. Sich an den Weg erinnernd fand sich Niklas auch in die Küche und lächelte dort Tobi Eltern am Tisch zu. "Guten Morgen."

*

Nur am Rande fiel dem 23-Jährigen auf, das Niklas nicht mehr im Zimmer war. Aber erst einmal zog er sich an, denn langsam wurde ihm kalt.

Erst dann sah er sich im Zimmer um.

/Niki wird wohl schon unten sein/, ging es ihm durch den Kopf. So hängte er das Handtuch schnell im Bad auf und machte dann, dass er runter kam. Langsam plagte ihn nämlich der Hunger.

"Morgen", murmelte der Braunhaarige als er in die Küche kam und begrüßte jeden mit einem Kuss auf die Wange. Bei seinen Eltern hatte er das auch früher schon gemacht, es war also Routine. Da ging ihm gar nicht auf, das er das bei Niklas noch nie gemacht hatte. Er ließ sich auf einen freien Stuhl nieder und trank erst mal einen Schluck Tee. Der würde ihn schon wach bekommen.

*

Niklas blinzelte verdutzt als Tobi ihn einfach auf die Wange küsste, räusperte sich dann und tat so als wäre nichts gewesen, es war so schon peinlich und Tobis Eltern würden sich nun sicher ihren Teil denken.

Schnell belegte er sein Brötchen mit Wurst und schob Tobi die Nutella zu, weil er doch wusste, dass dieser das süße Zeug so liebte.

*

Herr und Frau Walt, schmunzelten sich gegenseitig an und dachten sich ihren Teil. Tobias war Alt genug um zu wissen, was er tat.

Der Braunhaarige strahlte als Niklas ihm das Nutella zu schob. Er hatte sich also gemerkt, was er morgens am Liebsten aß. Wobei er Nutella eh den ganzen Tag essen könnte.

"Danke Niki", murmelte er dankbar und liebevoll und bestrich sich sein warmes Brötchen gleich mal dick mit der braunen Schokomasse, biss genießend hinein. Das war ein schöner Start in den Tag.

*

"Bitte bitte...", lächelte Niklas nur und aß weiter, wobei sich bald ein Gespräch am Tisch entwickelte, das alle Anwesenden einbezog, sodass sich niemand außen vor fühlte und dass es vor allem nicht so still war bei Tisch.

Nach einer halben Stunde war das Frühstück beendet und gemeinsam wurde abgeräumt. "Wann wollen wir denn dann los?", fragte Niklas an Tobi gewandt, als der Tisch wieder frei geräumt war.

*

Tobias genoss die Atmosphäre und die Gesellschaft derjenigen die er liebte und in Niklas Fall mehr als nur mochte. Vielleicht... vielleicht würde er so etwas öfters machen.

Zumindest mit seiner Familie am Wochenende oder an Feiertagen frühstücken.

Für seinen Geschmack war das Essen viel zu schnell zu Ende und zusammen räumten sie auf.

"Na ja", murmelte der Braunhaarige auf Niklas Frage hin. "Wir müssen noch ein paar Geschenke machen, Kekse backen will ich auch noch und wir wollten einen Baum kaufen gehen. Um die Uhrzeit hat es noch schöne und vor allen Dingen eine große Auswahl, weil die meisten bei der Arbeit sind. Heute Mittag werden dann schon einige weg sein und ich weiß nicht, was der Verkäufer dann wieder neue bekommt."

*

"Also sollten wir besser gleich los, ja?", nahm Niklas an und blickte zu Tobias Eltern die nickten. "Das wär vielleicht das Beste, ich bau dann die Batterie wieder ein!", meinte Stefan und Leoni nickte. "Außerdem sehen wir uns ja sicher nächsten Sonntag wieder."

*

Von Tobias aus ja, und er freute sich schon darauf.

Aber es war mehr als fraglich, das die bei der Bank so lange brauchten, um die Maschine wieder zu reparieren. Also würde er ohne Niklas auftauchen.

Und das machte ihn traurig.

"Ja Mama", murmelte der Spielzeugmacher und folgte seinem Vater raus, wo er sich seine Jacke schnappte.

Er trat in die Kälte hinaus und schaute seinen Vater zu, wie er die Batterie einbaute. Es war immer gut zu wissen, wie das ging.

"Ich möchte, das du glücklich wirst", kam es von Stefan, während er sich die ganze Zeit auf seine Arbeit konzentrierte.

Seine Eltern standen also hinter ihm. Aber was würde ihm das nützen?

"Mit Niki wird das eh nicht gehen. Er ist spätestens dann wieder weg, wenn er das Geld getauscht bekommen hat. Und mit ihm mein Herz", seufzte er leise, ohne das er sich des letzten Satzes bewusst war.

*

"Du bist in ihn verliebt", stellte Stefan trocken fest und schloss die Batterie wieder an. "Ich wäre mir nicht so sicher, dass er dich einfach stehen lässt sobald er das Geld hat. Ich denke, dass du ihm eine Menge bedeutest", meinte er nur.

*

"Ich... ich hab mich in ihn verliebt?", wollte der Kleine ungläubig wissen.

Konnte er sich wirklich innerhalb von drei Tagen Hals über Kopf verliebt haben?

Michael hatte er einen Monat gekannt, bevor sich Gefühle für ihn eingestellt hatten.

"Kann man sich denn so schnell verlieben? Bei Michael hat das länger gedauert", murmelte er und blickte fragend seinen Vater an. Er hatte damit doch überhaupt keine Erfahrung, hatte sich erst einmal verliebt.

Auch wenn bei seinem einzigen festen Freund die Gefühle anders gewesen waren. Irgendwie nicht so intensiv wie bei Niki jetzt.

Und wenn er sich wirklich in Niklas verliebt hatte, wer sagte ihm, dass der Blonde dasselbe fühlte? Ja, das er selbst auch auf Männer stand? Wer gab ihm Gewissheit, dass der Ältere nicht doch gehen würde, wenn er das Geld hatte? Irgendwie standen alle Gedanken gerade Kopf, er konnte keinen von ihnen fassen.

Das einzige was klar war: er hatte Angst. Angst, das Niki die Gefühle nicht genauso erwiderte, nicht mehr in ihm sah als einen guten Freund und einfach ging, sie sich nie wieder sahen. Panische Angst.

*

"Ach Tobi. Man muss euch beide doch nur ansehen. Sowohl ich, als auch deine Mutter, sehen dir doch an, dass du etwas für ihn fühlst. Dass du ihn mit glänzenden Augen ansiehst und du einfach glücklich bist, wenn ihr zusammen seid. Liebe braucht keine Zeit, sie kommt wann sie will!

Bei ihm sehe ich, dass er dich sehr mag und deswegen glaube ich nicht, dass er so einfach gehen wird. Warte es einfach ab! Vielleicht wirst du sehr überrascht über seine Entscheidung sein", lächelte Stefan und blickte dann auf, als auch Niklas in Jacke und Stiefeln nach draußen kam.

*

"Danke Papa", kam es ehrlich dankbar von Tobias und kurz umarmte er seinen Vater, bevor er zu sein er Mutter rannte, die wie gestern Abend in der Haustür stand und auch sie umarmte.

"Wenn du reden willst, kleiner Liebling, dann ruf an oder komm her. Wir sind immer für dich da", flüsterte sie ihm ins Ohr.

Der Braunhaarige nickte nur. "Danke Mama. Bis nächsten Sonntag dann."

Er drückte ihr noch einen Kuss auf die Wange, bevor er Niklas anlächelte. "Lass uns los", meinte er und lief wieder zu seinem Corsa, schloss dann auf.

Wie gestern schon ließ er sich auf den Fahrersitz fallen, steckte den Schlüssel ins Schloss und startete den Wagen.

Und siehe da, er sprang an und schnurrte wie ein Kätzchen. Dann stand einer Nachhausefahrt also nichts mehr im Wege.

*

Niklas lachte auf, als er den Motor anspringen hörte. Dann blickte er zu Stefan und reichte ihm zum Abschied die Hand. Von Leoni hatte er sich noch im Haus verabschiedet. "Ich hoffe wir sehen uns nächsten Sonntag wieder", lächelte Stefan und Niklas nickte einfach, stieg dann in den Wagen und schnallte sich an. "Dann los!"

*

Das ließ Tobias sich nicht zweimal sagen. Noch kurz winkte er durch die Windschutzscheibe seinen Eltern zu, bevor er sich vorsichtig in den spärlichen Verkehr einfädelte.

Sie fuhren eine Weile schweigend vor sich hin und der Braunhaarige lauschte dem Radio das er ausnahmsweise Mal an hatte, um zu hören, ob irgendwo ein Unfall oder ein Stau war. Denn hier gab es unzählige Straßen, die nur von einer Seite befahren werden konnten. Und wenn sie stehen blieben, konnte das eine ganze Weile dauern.

Doch ohne Zwischenfälle fuhren sie vor das Bauernhaus, das nach fünf Kilometern hinter dem Dorf stand. "Komm, Klaus ist bestimmt im Haus. Ich hol hier jedes Jahr meinen Baum. Hier kann ich ihn noch selber schlagen. Klaus geht dann immer mit und zeigt mir die Bäume, die ich für einen bestimmten Preis bekommen kann", erklärte der 23-Jährige und schnallte sich ab.

*

"Wie viel willst du denn zahlen? Ich würde dir ja gerne was dazugeben, aber du weißt ja wie das mit meinem Geld ist...", murmelte Niklas beschämt und blickte mit großen Augen zu Tobi, bevor er sich selbst abschnallte und ausstieg.

*

Tobias stieg aus, ließ den Wagen aber offen. Hier klaute ihn schon keiner.

"Ich gebe immer so zwischen 40 und 50 Franken aus. Das wäre auch dieses Jahr nicht anders, auch wenn du nicht da wärst. Mach dir deswegen also mal keine Sorgen, Niki", sprach der Braunhaarige und trat neben Niklas.

"Aber das ist lieb von dir." Damit stellte er sich auf die Zehenspitzen und hauchte ihm einen Kuss auf die Wange. Danach griff er sich die Hand es Blonden und zog ihn mit zum Haus.

Nur kurz klopfte er, bevor er die Tür öffnete. "Klaus, bist du da? Hier ist Tobias." Kaum hatte Tobi den Mund wieder geschlossen, da kam auch schon der Gesuchte aus einer Tür. "Hallo Tobi. Bist du also wieder wegen einem Baum hier." Mehr eine Feststellung, als eine Frage.

Der 23-Jährige nickte nur. "Klaus, das ist Niklas. Er wohnt zurzeit bei mir. Niki, das ist Klaus. Ein alter Freund der Familie. Zu ihm kommen wir seit ich denken kann und schlagen unseren Weihnachtsbaum selber."

*

Niklas lächelte zur Begrüßung und Tobi und Klaus unterhielten sich noch ein wenig, bevor sie endlich über den Baum sprachen, den Preis den Tobias zahlen wollte aushandelten und Klaus sich schließlich eine Axt schnappte, um sie beide in seinen "Garten" voller Tannenbäume zu führen.

"Also die hier kann ich euch anbieten", bemerkte er dann und präsentierte eine kleine Gruppe von mittelgroßen Tannenbäumen.

*

Ohne groß nachzudenken, kuschelte er sich an Niklas, schnappte sich dessen Arme und legte sie um sich.

"Was meinst du Niki? Von der Größe her, würden sie alle in die Wohnung passen."

Fragend legte er seinen Kopf in den Nacken und blickte zum Rauschegoldengel hoch. "Ich tu mich da jedes Mal schwer", gab er leise zu, vorauf seine Wangen einen leichten roten Ton annahmen.

*

Niklas blickte auf Tobi runter und dann zu Klaus, der sie beide mit hochgezogenen Augenbrauen beobachtete, was Niklas dann doch unangenehm wurde. "Dann schau ich mir mal die Bäume an", meinte er an Tobi gewandt und lächelte ihn an.

Vorsichtig löste er sich von ihm ging dann gleich zu den Bäumen und sah sich diese an. Dabei dachte er allerdings an was ganz anderes.

Wieso musste Tobias ihn denn hier umarmen, vor einem Fremden, und warum denn überhaupt, sie waren doch Freunde?! Mensch... der Kleine war wirklich verknallt in ihn, anders konnte er es nicht deuten und die ganze Zeit hatte Niklas schon darüber nachgedacht, ob er sich vielleicht irrte, weil er ja selbst noch nie verliebt gewesen war, aber so wie Tobias sich verhielt, ihn ansah, immer angefasst werden wollte und sich ansonsten anschmiegte, war es überdeutlich.

Niklas hatte viel über die Liebe gelesen, sie auf der Erde heimlich beobachtet, um herauszufinden wie es war zu lieben, und weil er ja auch wusste, dass Tobias Männer mochte und wohl ihn gerade besonders, konnte er nur diesen einen Schluss ziehen: Tobi war in ihn verliebt.

Heute früh hatte sich Nik ja schon Gedanken über ihre Art von Beziehung gemacht und für sich festgestellt, dass er selbst nicht wusste was er fühlte, ob nun Freundschaft oder gar mehr, war er sich bei Tobi nun ganz sicher. Und bevor Niklas nicht von sich selbst wusste was er wollte und fühlte, würde er Tobi erst mal etwas aus dem Weg gehen, so beschloss er.

Als er sich gedanklich dazu entschieden hatte konnte er sich jetzt auch endlich auf die Tannenbäume konzentrieren, wählte einen besonders schönen aus und fällte ihn dann zusammen mit Klaus, um ihn danach noch in Tobis Auto zu verfrachten. "So, das hätten wir. Jetzt nach Hause und noch schmücken!"

*

Wie von selbst erwiderte der 23-Jährige das Lächeln.

Aber selbst ihm viel auf, das es Niklas unangenehm gewesen war, das Klaus sie so gesehen hatte. Das hatte ihm der Blick den der Ältere zu dem Bauer geworfen hatte, gezeigt.

/Gut. Dann werde ich versuchen, mich zusammen zu reisen und ihn nicht mehr so zu bedrängen. Ich will nicht, das er sauer auf mich wird/, nahm sich Tobias vor. Ob er das auch einhalten konnte, das stand in den Sternen.

Er ließ die Beiden in Ruhe den Baum schlagen, da würde er jetzt eh nur stören und half dann mit, den Baum in seinen Wagen zu bekommen.

Schließlich verabschiedete er sich von Klaus, gab ihm das Geld und wünschte ihm einen schönen Tag.

'Nach Hause' Wie schön sich das doch anhörte. Leise seufzte er auf und verdrängte den Wunsch, dass es doch Wirklichkeit wäre.

Tobias stieg wieder ein und nachdem auch Niklas saß, fuhr er wieder los.

Wenig später hielten sie wieder vor seinem Hochhaus.

*

Niklas hatte auf der Fahrt geschwiegen und nochmal nachgedacht. Er mochte Tobi aber der war in ihn verliebt.

Es würde für den jüngeren Schmerz bedeuten wenn Niklas ging, denn Gefühle, das war dem Blonden klar, konnte man nicht einfach so stoppen bloß weil derjenige, dem man sie schenkte, gegangen war.

Mittlerweile wusste Nik aber nicht mehr, ob er gehen wollte. Tobi war ihm wichtig geworden und auch wenn er nicht wusste was er fühlte oder tun sollte, wollte er nicht allein irgendwo am Äquator Urlaub machen und Tobi zurück lassen. Vielleicht musste er seine Planung nochmal überdenken, aber nicht jetzt.

"Hast du denn einen Ständer für den Baum oben?", fragte er nun Tobi und schnallte sich ab.

*

“Ja, der steht oben auf dem Balkon. Im Keller hat er keinen Platz. Da lagere ich doch noch das Holz, was keinen Platz in der Werkstatt hat“, erklärte Tobias und stieg aus. Er trat zur Tür und schloss sie auf – fixierte sie, damit sie den Tannenbaum leichter hineintragen konnten.

*

"Dann ist gut. Sonst hätten wir gleich noch den Ständer aus dem Keller mit rauf genommen", lächelte Niklas und stieg ebenfalls aus dem Wagen, um den Baum aus dem Auto zu befreien und ihn erst mal nur außen dagegen zu lehnen.

Dann wartete er bis Tobi wieder bei ihm war und mit anpackte, damit sie gemeinsam den Tannenbaum die Treppen nach oben tragen und ihn in Tobias Wohnzimmer stellen konnten. "Hol bitte rasch den Ständer, ich halte ihn so lange."

*

Das ließ sich der Braunhaarige nicht zweimal sagen. Sofort lief er zur Balkontür, öffnete sie und holte den grünen Tannenbaumsteller aus der hintersten Ecke, weil er ihn ja lange nicht brauchte.

Den Stände stellte er in die einzige freie Ecke ihm Wohnzimmer vor dem Fenster und rannte dann wieder raus, um drei Steine zu holen, damit er es beschweren konnte.

Dann trat er wieder zu Niklas und suchte sich zwei freie Stellen, damit er wieder mit anpacken konnte. "So, dann wollen wir ihn reinstellen."

*

"Ich hoffe Klaus hat ihn gut genug abgehackt, sonst müssen wir mit dem Beil nacharbeiten", murmelte Niklas und dirigierte mit Tobi zusammen den Baum zum Ständer, passte ihn ein und glücklicherweise stand er schon gleich nach dem ersten Versuch gerade nach oben und zeigte sich in seiner ganzen Pracht. "Er ist wirklich schön. Lass ihn uns gleich schmücken."

Es schien, dass Niklas doch einiges an Weihnachten wieder zu schätzen lernte.

*

"Klaus weiß was er macht", antwortete der 23-Jährige und war froh, als der schwere Baum endlich stand.

Sonst hatte er ihn jedes Jahr selbst hier hoch getragen und ihn in den Ständer gestellt.

Tobias suchte sich gleich den richtigen Karton auf dem Weihnachtsbaum stand und schob ihn vor den Baum. "Magst du die Kugeln aufhängen oder die Lichterkette?", wollte Tobi wissen und nahm sich den ersten Strohengel aus dem kleinen Karton.

*

"Zuerst sollten wir die Lichterkette draufmachen und danach gemeinsam schmücken. So machen wir es jedenfalls mit unserem Baum", lächelte Niklas und schon bald begannen sie gemeinsam den Baum zu verzieren, in glänzendes Licht zu hüllen und ihn mit prächtigem Weihnachtsschmuck zu verzieren.

*

Es machte viel Spaß, zusammen mit Niklas den Baum zu schmücken. Sonst schmückte er den Baum jedes Jahr alleine, weil seine Freunde sich aus dem Schmücken nicht so viel machten.

Zufrieden blickte er nach einer knappen Stunde auf ihr Werk. "Willst du den Stern auf die Spitze setzten?", wollte Tobias wissen und hielt den silbernen Stern in seinen Händen.

Fragend blickte er zu Niklas hoch. Ihm war es egal, wer die Spitze anbrachte. Aber vielleicht half das ja dem Älteren, das er wieder Spaß an Weihnachten fand.

*

"Wollen wir, zusammen? Mein Freund?", fragte Niklas lächelnd und legte eine Hand an einen Zacken des Sterns, wartete darauf dass Tobi die andere Ecke des Weihnachtsschmuckes ergriff.

*

Die Freudenhüpfer den sein Herz machen wollte, unterdrückte Tobias.

Das 'mein Freund' war nicht so gemeint, wie er es gerne gehabt hätte.

"Ja, zusammen. Als Freunde", bestätigte der Braunhaarige und ergriff die andere Ecke.

Zwar musste sich der 23-Jährige auf die Zehenspitzen stellen damit er den Stern auf die Spitze stecken konnte, aber sie schafften es ihn heil auf den Baum zu bringen.

Tobi ging ein paar Schritte zurück und legte seinen Kopf etwas schräg.

"Ohne angeben zu wollen, er sieht großartig aus. Das haben wir gut gemacht, Niki", sprach er.

*

"Du gibst gerade an, ob du willst oder nicht", lachte Niklas und schüttelte dann über sich selbst den Kopf. "Nein, du hast Recht, er ist wirklich unglaublich schön. Da haben wir gute Arbeit geleistet."

Lächelnd kam er zu Tobi und fuhr ihm schnell durchs Haar. Ach es hatte solchen Spaß gemacht mit Tobias gemeinsam zu schmücken und sein Herz öffnete sich immer weiter für diesen klugen, hübschen Mann.

*

Er genoss die Hand in seinen Haaren. Doch dieses Mal lehnte er sich nicht in sie. Er wiederstand der Versuchung.

Stattdessen schlug er vor, Tee zu kochen und die Spielzeuge fertig zu machen. Denn während Niklas noch die Lok fertig machte, könnte er den kleinen Holzschrank machen, den sich Kate so für das Puppenhaus im Waisenhaus gewünscht hatte.

Die beiden kochten dann schließlich Tee und machten sich in der Werkstatt an die Arbeit. Heute war immerhin schon der vierte und die Geschenke sollten fertig werden.

Dieses Mal vergaßen sie das Mittagessen, denn sie arbeiteten fleißig.

Erst als es Zeit zum Abendessen wurde, kamen sie zurück in die Realität und einigten sich auf Wurst und Brot, weil das schnell ging.

Gerade veräumten sie das Geschirr und die Lebensmittel, als Tobias fragte: "Schauen wir heute Abend wieder fern oder macht jeder was er will?"

*

"Jeder was alleine machen? Also ich weiß nicht was ich machen soll alleine. Du bist doch der einzige den ich kenne, aber vielleicht... ich würde gerne deine Freunde kennen lernen. Wir können doch alle zusammen einen Film sehen", schlug Niklas vor und blickte fragend und gleichzeitig bittend zu Tobias.

*

Dem Blick konnte Tobias nichts abschlagen. So nickte er nur und verließ die Küche, um sich das Telefon zu holen. Erst einmal rief er bei Gabi an. Er hätte auch über den Flur gehen und an ihrer Tür klingeln können. Aber wenn er das machte, bestand die hohe Wahrscheinlichkeit, dass sie ihn gleich da behielt und ihn ausquetsche wie eine reife Zitrone.

Schnell hatte er sich vergewissert, das Gabi zuhause war und auch einem Abend mit Freunden nicht abgeneigt war. Sie hatte einfach die größte Wohnung.

Auch Uli war zu erreichen und versprach, nachdem er zum Sendebeginn seiner Lieblingsserie den Videorekorder angeschaltet hatte, runter zu kommen.

Auch Phil sagte zu und erklärte, er würde Doro fragen und sie dann mitbringen. Auf seinem Weg kam er nämlich am Supermarkt vorbei und da Doros Vater der Laden gehörte, wohnten sie darüber.

“Meine Freunde kommen alle. Wir sind aber drüben bei Gabi, weil es dort einfach mehr Platz hat als bei mir. Und Uli will was Wichtiges aufnehmen, kommt aber dann auch. Ob wir aber zum Fernsehkucken kommen, kann ich dir nicht versprechen. Wenn wir uns alle Treffen, wird das eher ein Spieleabend mit Trivial Pursuit oder mit Monopoly“, warnte er den Älteren lieber mal vor.

*

"Oh das ist dann doch sicher noch lustiger", lächelte Niklas erfreut. Das war seine Chance, so konnte er mehr Leute kennen lernen, sich vielleicht mit ihnen anfreunden und dadurch herausfinden ob er bei ihnen das gleiche fühlte wie bei Tobi, der ihn so lieb ansah, dass er ihn einfach drücken musste. "Danke, dass du mir den Gefallen tust

*

Nur kurz erwiderte Tobias die Umarmung, löste sich dann wieder von dem warmen Körper.

"Ist schon in Ordnung. Der letzte Spieleabend liegt etwas zurück. Ist also auch reiner Eigennutz", grinste er frech. "Magst du schon rüber oder willst du erst noch warten, bis Uli bei Gabi ist? Ihn kennst du ja schon."

*

"Naja vielleicht sollte ich Gabi schon mal kennen lernen, bevor alle anderen da sind!", grübelte Niklas und erhob sich vom Sofa. "Dann lass uns rüber gehen, bitte."

*

Tobias nickte nur. Er konnte die Entscheidung verstehen. Jetzt war es noch ruhig, da konnte er mit Gabi warm werden. Wenn dann alle da waren, gab es ein riesiges Durcheinander, weil alle Niklas kennen lernen wollten. Der 23-Jährige sah es schon bildlich vor sich.

So trat er in den Flur, schlüpfte in seine Hausschuhe und griff sich den Schlüssel. Sie würden zwar nur über den Flur müssen, aber sicher war sicher. Auf einen Einbruch hatte er keine Lust.

Nachdem beide Tobis Wohnung verlassen und Tobias abgeschlossen hatten, traten sie die wenigen Schritte zu Gabis Tür.

Kaum hatte der Jüngere geklingelt, hörte er es aus der Wohnung "einen Augenblick" rufen und kurz darauf Geräusche von Schritten auf Parkett.

*

Niklas war Tobias gefolgt und wartete nun gespannt vor der Tür, hörte die Frauenstimme von innen rufen und bemerkte wie er leicht nervös wurde. Als sich dann die Tür öffnete schluckte Niklas nochmal und lächelte dann, als er die schlanke Schwarzhaarige erblickte, die Tobi sofort umarmte und dann Niklas musterte.

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Die Umarmung ließ Tobias gerne über sich ergehen.

"Friss ihn nicht gleich, Gabi", lachte er und stellte dann doch brav die beiden Parteien vor. "Gabi, das ist Niklas. Er wohnt für ein paar Tage bei mir, bis die Schnarchnasen in der Bank ihre Maschinen repariert haben.

Niklas, das ist Gabi. Meine beste Freundin seitdem ich ein Baby bin. Sie hat immer auf mich aufgepasst, wenn meine Eltern weg wollten."

Gabi ließ ihren Blick noch einmal musternd über den Fremden, der jetzt wenigstens einen Namen hatte gleiten und stellte fest, dass er entweder denselben Modegeschmack wie Uli hatte oder es wirklich die Sachen des Floristen waren.

"Freut mich", erklärte sie und schüttelte einfach mal die Hand des Blonden. "Kommt rein." Damit trat sie einen Schritt zur Seite und ließ die beiden in ihre Wohnung. Phil würde mit Doro kommen, wenn sie denn mit kam.

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Niklas nickte lächelnd und folgte der Schwarzhaarigen in deren Wohnung, ließ sich mit Tobi gemeinsam ins Wohnzimmer führen, wo sie sich nebeneinander auf dem Sofa nieder ließen. Irgendwie war er immer noch nervös, doch Tobias neben ihm, ließ ihn sich etwas beruhigen. "Sie sind also diejenige, die Tobi immer die Geschenke macht?!"

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Gabi ließ sich mit untergeschlagenen Beinen im Sofa gegenüber nieder und lachte dann leise. Sie war es einfach nicht gewöhnt, von gleichaltrigen geduzt zu werden.

"Du kannst ruhig du und Gabi zu mir sagen. Wir sind ungefähr gleich alt. Da finde ich das ein bisschen übertrieben, sie zu sagen", erklärte die 25-Jährige und fügte dann hinzu: "Ja. Das war früher schon immer so und seitdem wir im selben Hochhaus wohnen, basteln wir uns jedes Jahr den Weihnachtskalender. Immer noch besser als einer aus Schokolade. Die halten bei mir eh nie so lange, wie sie eigentlich sollten. Ich hab ihn schon immer früher leer."

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Niklas lachte amüsiert und blickte dann zu Tobi. "Ich denke du machst Tobias mit deinen Geschenken auch mehr glücklich, als mit Schokolade, nicht?", fragte er sanft den Dunkelhaarigen neben sich, der bisher so schweigsam war.

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Der Braunhaarige hatte aus dem Grund geschwiegen, damit sich die beiden etwas kennen lernen konnten. Deswegen hatte Niki ja auch um den Abend mit seinen Freunden gebeten.

Und weil er sich zusammen reißen musste, um sich nicht an den Älteren zu schmiegen. Zu verlockend war die Nähe.

Als er angesprochen wurde, brauchte Tobias einen Moment um zu begreifen, worum sich das Gespräch gedreht hatte. "Ja. Aber wie ich dich kenne, bekomm ich die Bauanleitung eh erst an Weihnachten. Nicht wahr Gabi?"

Das breite Grinsen auf dem Gesicht seiner Nachbarin bestätigte ihm seine Vermutung.

*

Niklas musste erneut lachen und wuschelte Tobi dabei unbewusst durchs Haar, spürte wieder das angenehme Gefühl in seinem Bauch, wenn er Tobi anfasste. Er musste endlich wissen, ob es bei anderen auch so war. Doch er konnte Gabi ja nicht einfach anfassen... .

*

In seinem Innern genoss Tobias die Hand in seinen Haaren. Aber er unterdrückte eine Gefühlsregung.

Gabi würde es schneller wissen als ihm lieb sein konnte und noch zu gut hatte der Spielzeugmacher den Blick im Kopf, mit dem Niklas Klaus heute Morgen bedacht hatte, weil ihm das Ganze peinlich war.

Gabi merkte durchaus, dass mit Tobias etwas nicht in Ordnung war. Immerhin waren sie beste Freunde seit ihrer Kindheit. Um ihm ein wenig Ruhe und Zeit für sich zu geben, stand sie auf. "Niklas, würdest du mir wohl in der Küche helfen, mit den Getränken und den Snacks? Die anderen müssen bald kommen. Du Tobi, könntest inzwischen schon einmal die Spiele raus suchen."

*

"Gern helfe ich", meinte Niklas und erhob sich, wartete bis Tobi seine Bestätigung abgegeben hatte und nun Gabi in die Küche ging, wohin er ihr folgte. "Magst du irgendwas kochen? Oder nur Knabberzeugs und so?", fragte er die Schwarzhaarige, die ungefähr so groß war wie er, und stellte sich neben sie.

*

"Ich hatte vor, ein paar Sandwiches zu machen und ein wenig Rührei. Das hat Phil gerne. Ansonsten wollte ich Lebkuchen, Cracker und Kräuterquark und für den Kleinen Popcorn und Schokowaffeln mit raus nehmen", erklärte Gabi und öffnete den Kühlschrank.

"Wir müssen nur das Rührei und die Sandwiches machen. Der Rest muss dann nur noch auf ein Tablett und rüber ins Wohnzimmer. Ich hoffe es ist okay, das wir alle was spielen. Wenn wir uns nämlich alle bei einem von uns treffen, dann endet das immer in Gesellschaftsspielen. Wie Spiel des Lebens oder Activity oder so was."

*

"Ja, das hat Tobi auch schon gesagt und es stört mich nicht im Geringsten. Ich weiß auch wie alle gespielt werden, auch wenn ich sie selbst noch nie gespielt habe", meinte Niklas und lächelte verlegen. "Ahm...wie meinst du denn das mit "für den Kleinen"?"

*

"Mh...", machte Gabi nur, weil sie gerade die Sachen aus dem Kühlschrank räumte, die sie finden konnte und für Sandwiches geeignet waren.

"Aso. Ich meinte Tobi damit. Er ist der Jüngste von uns vier. Phil, Uli und Doro sind zwar auch 23, aber sie haben alle vor Tobi Geburtstag. Deswegen nennen wir ihn Kleiner, weil wir älter sind. Außer Uli. Der nennt ihn Kätzchen, was Tobias einfach nicht mag."

Schließlich hatte die Schwarzhaarige alles was sie brauchte und schloss den Eischrank wieder. "Kannst du das Rührei machen? Ich weiß was alles auf die Sandwiches muss, das geht schneller als wenn ich dir sage, was drauf soll."

*

"Dass Uli Tobias damit neckt, dass er jünger ist, wusste ich schon. Als ich mir Sachen von ihm borgte hat er Tobi damit auch schon aufgezogen", erzählte Niklas und nahm sich eine kleine Schale, schlug die Eier dort hinein und würzte sie ausreichend mit Salz und Pfeffer, bevor er alles verrührte. "Ich hatte gedacht es würde noch ein Kind mitkommen, so wie du das gerade gesagt hattest."

*

Leise kicherte Gabi. Also hatte sie Recht gehabt, damit dass ihr die Sachen bekannt vorkamen.

"Nein. Wir sind alle noch unverheiratet, Single bis auf Doro - denn die ist schon verlobt - und alle kinderlos. Außerdem werden die Abende immer ziemlich Spät und das wäre für ein kleines Kind nichts", antwortete Gabi, während sie die Sandwiches zubereitete.

Mal mit Ei, Mayo und Salat, mal mit Schinken, Käse und Ketchup oder Salami und Käse. Jeder von ihnen hatte einen anderen Geschmack was Sandwiches anging. In die fertigen steckte sie bunte Spieße, damit dann jeder wusste, welche er essen konnte. Denn jeder hatte eine andere Farbe. "Was isst du denn, Niklas? Auch Sandwiches? Und wenn ja, was soll ich dir drauf machen."

Sie interessierte es, wie sich Niklas und Tobis kennen gelernt hatten. Denn Gabi traf den Blonden zum ersten Mal und aus dem Dorf konnte er nicht sein, sonst hätte sie ihn schon gesehen. "Woher kennt ihr euch? Du und Tobi", wollte sie wissen.

*

"Ich hätte gerne eines mit Schinken, Käse und Salat. Mayonnaise drunter, wenn du hast", bat Niklas und rührte das Rührei in die mittlerweile heiße Pfanne, ließ es sacken und rührte es dann gut durch. "Tobi und ich sind uns begegnet als er joggen war. Ich bin auf der Durchreise in euer Dorf gekommen und lief in Richtung Stadt, als er mich aufgabelte", erzählte er dann.

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Sofort machte sich die 23-Jährige an das gefordert Sandwich.

"Unsere gute Seele", murmelte sie vor sich hin. Das war sie von Tobias schon gewohnt. Aber für gewöhnlich bezog sich das auf Tiere, wenn sie verletzt waren oder herrenlos herum liefen. "Und was hat der Kleine mit den Maschinen bei der Bank gemeint? Da steig ich nicht so ganz durch."

Etwas verlegen lächelnd blickte sie zu dem Blonden.

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"Naja, ich wollte eigentlich Richtung Äquator und musste dann hier Geld wechseln, um ein Flugticket zu kaufen, doch die Bank kann mein Geld momentan nicht auf Echtheit prüfen, weil deren Maschinen defekt sind. Und so großherzig wie Tobi nun mal ist, hat er mich bei sich aufgenommen", erklärte Niklas und musste bei dem Gedanken an die Szene in der Bank sanft lächeln.

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Ein wenig verwundert betrachtete Gabi das Lächeln. So ganz verstand sie es nicht. Wieso begann Niklas bei der Erzählung an ihr Kennenlernen zu lächeln?

So ein Lächeln benutze man eigentlich nur, wenn man sich über irgendetwas freute oder über irgendjemanden. Das hatte sie zumindest von Phil gelernt, der ja Fotografie studierte und Gesten und Mimiken auch lernen musste.

"So ist Tobi nun einmal. Obwohl du der erste Mensch bist, den er bei sich aufgenommen hat. Sonst hat er immer verletzte Tiere angeschleppt oder welche die ausgesetzt wurden, um sie entweder gesund zu pflegen oder ins Tierheim zu bringen, weil er selbst keinen Platz für ein Tier auf Dauer hat."

Gabi stellte die Snacks auf ein Tablett und ging dann auf Suche nach Getränken. Sie wusste nicht so genau, was noch da war.

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"Dann bin ich froh, dass ich der Erste bin. Ich dachte schon, dass Tobi das vielleicht bei jedem machen würde und war besorgt, dass er mal den Falschen aufgabeln würde, einen, der es nicht so gut mit ihm meint", offenbarte Niklas seine Angst und holte das Rührei aus der Pfanne, indem er es auf einen Teller tat und ebenfalls auf das Tablett stellte.

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Es wurde immer mysteriöser. Die Angst, die sie mit viel Mühe aus der Stimme hören konnte und dieses vertrauensvolle Tobi.

So als würde Niklas mehr für den Braunhaarigen empfinden, als nur Dankbarkeit.

Sie musste es auf einen Versuch ankommen lassen, wenn sie ihre Neugierde stillen wollte. Auch auf die Gefahr hin, dass sie falsch lag.

"Ja, Tobias ist wirklich gutgläubig. Aber bisher hat das auch erst eine Person ausgenutzt, die wir kollektiv zur Hölle geschickt haben. Wir hoffen immer noch, dass das dem Kleinen eine Lehre war", seufzte Gabi und fragte dann leise: "Du magst ihn, oder Niklas?"

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"Ja, ich mag ihn sehr. Er ist der einzige Freund, den ich habe", seufzte Niklas leicht und blickte dann auf, sah Gabi neugierig an. "Wie meinst du das? Dass es schon mal einen gab, der Tobias ausgenutzt hat?"

*

Gabi druckste ein wenig herum. "Ich weiß nicht ob ich dir das erzählen darf. Es ist ziemlich Privat."

Da hatte sie ja was angerichtet. Immerhin wusste sie nicht, wie Niklas zu Homosexuellen stand und ob er auch wusste, das Tobi einer war. Sie biss sich auf die Unterlippe, um nichts Falsches zu sagen.

Tobi würde sie köpfen, wenn sie das so einfach ausplauderte und Niklas sich dann vor ihm ekelte. "Vielleicht. Vielleicht solltest du ihn das lieber selber fragen."

Aber mit der Antwort war auch geklärt, warum der Blonde lächelte, wenn er an den Jüngeren dachte. Unter Freunden war es ja auch üblich, sich mit Spitznamen anzureden und das man sich Angst um sie machte.

*

"Oh... na gut. Dann frage ich ihn nachher mal, wenn wir wieder zu Hause sind", beschloss Niklas und nickte leicht. Dann schreckte er leicht zusammen, als es wieder an der Tür klingelte. "Das sind dann wohl die anderen", meinte Gabi und verließ die Küche, während Niklas das Tablett schnappte und es zu Tobi ins Wohnzimmer trug.

*

Freudig begrüßte Gabi die drei die da vor ihrer Tür standen und bat sie hinein. Während Uli schon durch ging, weil er keine Jacke und keine Straßenschuhe an hatte, zogen Doro und Phil eben diese aus und veräumten sie, wie es sich gehörte.

Tobi hatte in der Zwischenzeit alle Spiele zusammen gesucht, die er hatte finden können. Die befanden sich glücklicherweise alle hier, denn auch schon das letzte Mal hatten sie sich alle bei Gabi getroffen und deswegen waren sie Spiele noch hier zu finden.

Er schenkte Niki ein Lächeln als der wieder ins Wohnzimmer kam und begrüßte dann Uli, dem er um den Hals viel. Das wurde von ihm als Jüngster erwartet. Aber es machte ihn nichts aus, denn Tobias ließ sich gerne von seinen Freunden knuddeln.

Aber noch lieber ließ er sich von dem Rauschegoldengel umarmen. Leise seufzte er auf.

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Niklas stellte sich zu Tobias uns musterte die Neuankömmlinge offen, wartete dann bis Tobi ihn vorstellte und er allen die Hand reichen konnte. Das waren also Tobias Freunde!

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Auch Phil und Doro betrachteten den Fremden der ihnen als Niklas vorgestellt wurde, genau. Sie fanden ihn sofort sympathisch, was wohl auch an dem offenen Lächeln und den blauen Augen lag.

Uli freute sich nur den Blonden wieder zu sehen, dann konnten sie sich noch ein wenig besser kennen lernen. Er hatte schon Angst gehabt, dass Niklas wieder weg wäre.

Tobi überließ Niklas seinen Freunden, sie würden ihm schon kein Haar krümmen und folgte Gabi in die Küche, um die Getränke zu holen.

Dort entschuldigte sich die Schwarzhaarige, dass sie Niklas Andeutungen über Michael gemacht hatte und der ihn jetzt bestimmt ausfragen würde, wenn sie wieder unter sich waren. "Ist schon okay, Gabi. Niki weiß, dass ich auf Männer stehe", beruhigte er die Internetspezialistin.

Gabi atmete erleichtert auf. Sie hatte wirklich schon geglaubt, etwas falsch gemacht zu haben.

So widmeten sich sie beiden wieder dem wieso sie in die Küche gekommen waren, den Getränken.

*

Währenddessen wurde Niklas im Wohnzimmer gelöchert und wusste gar nicht welche der Fragen er zuerst beantworten sollte. Zuerst musste er natürlich auch hier erzählen wie sich er und Tobi kennen gelernt hatten, doch zudem wurden auch viele Fragen über ihn selbst gestellt, was er mochte, woher er kam - diese Frage beantwortete er so oberflächlich wie es nur ging - und wie lange er bleiben würde. "Vermutlich so lange bis ich mein Geld wechseln konnte."

*

Auch Doro und Phil hatten Niklas sofort in ihr Herz geschlossen. Das sah man daran, dass sie ihn so viel fragten. Wenn sie sonst Leuten begegneten, die sie nicht mochten, hielten sie sich eher zurück.

Das war auch damals bei Michael so gewesen, aber Tobias hatte dem Ganzen nicht so viel beigemessen. Im Nachhinein konnte er sich sicher sein das ihn seine Menschenkenntnis nicht im Stich ließ, wenn seine Freunde denjenigen auch mochten.

So konnte er das liebevolle Lächeln, das in erster Linie Niki gehörte und auch für alle anderen gedacht war, nicht unterdrücken als er mit Gabi und den Getränken ins Wohnzimmer zurückkehrte und eine heitere Fragerunde vorfand.

"Na Niki, haben dich meine Freunde schon gefressen", wollte er breit grinsend wissen.

*

"Das nicht, aber ausgequetscht wie eine reife Tomate!", lachte Niklas und wiegelte dann die Hände gehoben ab: "Nicht, dass es mich stören würde." Lachend rutschte er beiseite und griff nach Tobi, um ihn neben sich aufs Sofa zu ziehen. Er war wesentlich ruhiger, wenn der Kleinere neben ihm saß.

*

"Gut, dann gibt es morgen zum Mittag Spagetti und Tomatensoße. Dann bist du schon nicht verschwendet und wurdest um sonst ausgequetscht", kicherte Tobias.

Nur zu gerne ließ er sich ziehen, vermied es aber unter allen Umständen sich an den starken Körper neben sich zu lehnen. Immer wieder musste er ich den Satz vorhalten, dass es Niklas peinlich war vor Fremden so gesehen zu werden. Und Gabi, Doro und Phil waren ja Fremde für ihn und Uli wenn man es genau nahm eigentlich aus.

Sie redeten über eine Stunde um sich auf den neusten Stand zu bringen und der Spielzeugmacher hoffte, dass es nicht allzu langweilig für Niki war.

Schließlich kam dann der Wunsch auf, etwas zu spielen und nach einigem hin und her einigte man sich auf Mensch ärger dich nicht.

*

"Mit Alkohol!" schlug Uli sofort grinsend vor und erntete die Zustimmung von Doro und Phil, die ein ebenso breites Grinsen aufgesetzt hatten. Niklas hob verwundert die Augenbrauen, wusste er doch nicht, dass dieses Spiel mit Alkohol gespielt wurde. "Ähm...wie geht denn das?", fragte er daraufhin leise.

Uli war sofort so freundlich ihm die Regeln zu erklären: "Ist im Prinzip genauso wie Mensch-ärgere-dich-nicht, bloß muss man ein Gläschen Schnaps trinken, wenn man eine Figur verliert, also geschmissen wird!"

Niklas erwiderte daraufhin nichts, hatte er doch noch nie Alkohol getrunken.

*

Tobias war das schon gewohnt von den vieren und immer war es Uli, der vorschlug das Spiel mit Schuss zu spielen.

Deswegen hatte der Braunhaarige sich auch schon in seinem Alkoholkonsum gebessert. Aber bei dem Spiel hatte er jedes Mal Pech, sodass er trinken musste und nie nüchtern blieb.

Also baute Tobi das Spiel auf, sicherte sich gleich die schwarzen Männchen und schaffte es beim Auswürfeln als letzter anfangen zu dürfen. Das war die erste Runde immer so. Sie spielten nach den Augen des Würfels und erst beim letzten Spieler ging es dann in gewohnter Runde weiter.

Drei Würfelrunden überstand der Spielzeugmacher, bevor er rausgeschmissen wurde und das Gläschen leeren musste. Auf Ex, wie die anderen verlangten. Der Braunhaarige schüttelte sich, als er den Alkohol geschluckt hatte, aber spielte tapfer weiter.

*

Auch Niklas blieb nicht verschont, hatte er das Spiel zuvor ja niemals gespielt, war übersah er manchmal, dass er ja schmeißen konnte und verlor dadurch ebenso seine Figur.

Schließlich war Gabi die Gewinnerin und Niklas, der fast andauernd geschmissen worden war und sowieso nicht viel vertrug, sturzbetrunken. Kichernd und mit geröteten Wangen lehnte er sich seitlich an Tobi und beglückwünschte Gabi lallend zu ihrem Sieg.

*

Tobias hatte rote Wangen und seine Augen waren schon leicht unfokusiert. Auch er hatte eine Menge trinken müssen, aber er war noch nicht betrunken.

Leise seufzte er auf und schlang wie selbstverständlich den Arm um Niki, als der sich an ihn lehnte. "Ich glaub es ist besser, wenn wir beide gehen. Niklas wird wohl kaum noch in der Lage sein etwas zu spielen und außerdem ist es schon spät. Ihr müsst morgen - oder wohl eher heute alle noch arbeiten", erklärte der 23-Jährige und stand langsam auf, zog den Blonden mit sich hoch.

Sie ließen sich noch von allen knuddeln, bevor sie Gabis Wohnung verließen, er Niklas dabei mehr stütze als das der selber lief. Er brauchte ein paar Anläufe, bis er den Schlüssel im Schloss hatte. Aber schließlich konnten sie die Wohnung doch noch betreten.

*

Niklas kicherte die ganze Zeit übe rund kuschelte sich immer wieder schamlos an den Kleineren, begann mit dessen Haaren zu spielen. "Oh Tob... dasch war so luschtig...", lachte er und lehnte sich noch weiter gegen Tobi, als sie die Wohnung betreten hatten.

*

"Ja und du bist sternhagelvoll", erwiderte der Kleinere, genoss aber schweigend den starken Körper der sich an seinen schmiegte. "Es ist wohl besser, wenn du heute im Bett schläfst. Nicht das du dich in der Nacht noch so sehr drehst, das du auf dem Boden landest."

Vorsichtig bugsierte er den Blonden durch den Flur und hatte alle Hände voll zu tun, das sie nicht irgendwo dagegen liefen. Mehr schlecht als recht schafften die beiden es dann ins Schlafzimmer und behutsam ließ er Niklas aufs Bett gleiten, bevor er die kleine Lampe auf seinem Nachttisch anschaltete.

Er kannte sich in seinem Zimmer auch im Dunkeln aus, aber wenn er Niklas von den Klamotten befreien wollte, dann brauchte er ein wenig Licht.

*

Niklas kicherte weiter und beobachtete Tobi ganz genau, grinste immer wieder breit. "Isch glaub, isch hatte tschu viel Aljohol...", gluckste er und streckte dann die Arme nach Tobias aus. "Du muscht, aber auch hier schlafen..." forderte er.

*

"Ja, du hattest zu viel Alkohol", bestätigte der Braunhaarige und richtete Niklas vorsichtig auf, um ihm den Pullover über den Kopf zu ziehen. "Nein, ich werde schön auf der Couch schlafen. Wir haben genügend Schlafmöglichkeiten."

Wenn er wieder neben dem Rauschegoldengel schlafen würde, käme das seiner Libido nicht gerade gut. Ganz zu schweigen von seinem Seelenheil. Da war es besser, wenn er nicht wieder im selben Bett schlief.

*
"Nein!", bestimmte Niklas fest und zog Tobi kurzerhand auf sich. "Isch lasch dich nicht aufm Sofa schlafen, blosch weilsch etwasch tschu viel hatte...", maulte er und rollte sich auf Tobias, blickte ihn mit blitzenden Augen an. "Du schläfst hier!"

*

Er war von der Aktion des Blonden so sehr überrascht, das er leise aufquietschte. Die Nähe war gar nicht gut. Ganz und gar nicht.

Es wurde auch nicht besser, als er den schweren Köper auf seinem spürte. "Niki, bitte lass mich aufstehen. Du bist betrunken und weißt nicht, was du da gerade tust."

*

"Ich weiß aber was ich möchte und was ich nicht möchte. Und ich will nicht, das du auf dem Sofa schlafen musst wegen mir!", erklärte Niklas nun seltsamerweise nicht mehr ganz so lallend und sah ernst zu dem Dunkelhaarigen runter, begann plötzlich über seine Wange zu streicheln.

*

Der Alkohol war schuld und auch das Sehnen nach ein paar Berührungen ließ ihn sich in die Hand lehnen. "Also gut... ich schlafe mit im Bett. Aber dazu musst du von mir runter gehen", murmelte er und seine Augenlieder flatterten.

Er musste Niklas jetzt ganz dringend von sich runter holen, denn da wollte sich etwas regen, was er jetzt ganz und gar nicht gebrauchen konnte.

*

"Hm... kay, aber wir müssen uns noch ausziehen... oder willst du in Sachen schlafen?", kicherte Niklas und setzte sich auf, kniete sich dann neben Tobi und begann ungefragt dessen Shirt hochzuschieben. "Ich helfe dir, ja?"

*

"Nicht... ich... ich schaff das auch alleine", murmelte Tobias und spürte wie er rot wurde, als seine Gedanken und seine Fantasie sich selbstständig machen wollte.

Eine Gänsehaut bildete sich auf seinem Oberkörper, als Niki sein Shirt hochschob und dessen Finger dabei seine Haut berührte. Das leise Keuchen das daraufhin seinen Mund verließ, konnte er nicht unterdrücken. Zu lange war es einfach schon her, das ihn jemand berührt hatte. Auf die Art berührt hatte.

Seine Hände schlossen sich um die Handgelenke des Blonden, hielten ihn so davon ab seinen Brustwarzen noch näher zu kommen. Fest blickte er dem Älteren in die Augen. "Bitte Niki, ich kann das alleine", murmelte er, seine Stimme war alleine von der Nähe und den kurzen Berührungen schon etwas rauer geworden.

*

Niklas zog die Augenbrauen nach oben und legte den Kopf schief, bevor er mit dem Gesicht ganz nah an Tobias kam und dieser seinen Atem auf der Haut fühlen konnte. "Ich habe das Gefühl, du willst weg von mir...", hauchte er leise und hinter seinem Alkoholschleier spürte er einen ganz fiesen Stich in der Brust bei dem Gedanken, dass Tobi von ihm nicht berührt werden wollte.

*

Der 23-Jährige schluckte hart, als Niki ihm noch näher kam. Lange konnte er sich nicht mehr zusammen reißen und das würde ihre ganze Freundschaft kaputt machen. Das wusste er jetzt schon.

Ganz leise stöhnte er auf und ließ die Hände wieder los, krallte sie lieber in die Laken, damit er Niklas nicht noch an sich zog.

"Bitte Niki... du weißt was ich im Bett und auch in einer Beziehung bevorzuge. Ich mag dich, mehr als mir wohl gut tut und wenn du mir so nah bist, mich berührst, dann kann ich mich nicht mehr lange zurückhalten", wisperte er. "Ich will unsere Freundschaft damit nicht gefährden.

*

Nun wurde Niklas etwas wacher, blinzelte verwirrt und schien dann zu verstehen, als er seine Hände zurückzog. "Ich mag dich auch Tobi... sehr und... ich weiß nicht was ich hier tue... tut mir leid. Ich will unsere Freundschaft doch auch nicht gefährden!"

*

Leicht richtete sich der Braunhaarige auf und legte sanft eine Hand auf Niklas Wange. "Du musst dich nicht entschuldigen Niki, weil nichts passiert ist", versicherte Tobias und stand dann auf, um sich bis auf die Boxershorts auszuziehen.

In Jeans schlief es sich nicht so gut, das war einfach unbequem. Danach tapste er ins Bad, um sich Bettfertig zu machen. Er warf einen Blick in den Spiegel über dem Waschbecken als er fertig war und murmelte ein: "Hast du ein Glück das Niki noch nicht so betrunken war, das sein Kopf noch funktioniert."

Tobias hatte nichts gegen etwas Zärtlichkeit und Berührungen, die über Freunde hinausgingen. Aber Niklas war dafür der falsche Partner. Zumindest jetzt, weil er ja wieder gehen würde, wenn er das Geld hatte. Die kurze Zeit die ihm noch mit dem Blonden blieb, wollte er nicht mit so einer Sache belasten.

Während er einen Abstecher ins Wohnzimmer machte und die Decke sowie das Kissen holte kam ihm der Gedanke, das er ja auch nur ein Mann war und wenn Niki nochmal etwas versuchen sollte, seine Selbstbeherrschung zerbröckeln würde und er sich dann darauf einlassen würde. Das durfte einfach nicht passieren.

Vollbeladen betrat er schließlich wieder sein Zimmer und legte die Sachen auf das Bett.

*

Niklas hatte Tobias nachgesehen und sich dann selbst langsam und immer wieder schwankend ausgezogen.
Als der Jüngere schließlich mit den Decken zurückkehrte, war Niklas bereits unter Tobias' Decke gekrochen und sah Tobi mit großen Augen an. "Oh... soll ich auf die andere Seite rutschen?", fragte er dann schuldbewusst, weil er ja Tobis Seite blockierte.

Noch immer dachte er über das eben gewesene nach. Was hatte ihn nur dazu getrieben das zu tun? Ganz sicher war der Alkohol dran Schuld, aber dieser tiefe Wunsch Tobi zu berühren war nicht die Schuld des Alkohols gewesen, sondern ganz klar von Niklas selbst gekommen. Und das verwirrte ihn, denn dieser Wunsch ging eindeutig über das Freundschaftliche hinaus.

*

"Nein, bleib ruhig da liegen", erwiderte der Spielzeugmacher. Dann setzte er sich aufs Bett und schlug die Decke über seine Beine.

"Ich... ich bin nicht so stark wie ich gerne wäre. Wenn wir wieder unter einer Decke schlafen, aneinandergeschmiegt so wie letzte Nacht, dann... dann gehen mit mir die Hormone durch", nuschelte Tobias beschämt und senkte seinen Kopf mit roten Wangen.

Er wusste nicht wieso er Niki das erzählte, aber er wollte ihm die Angst nehmen, das er ihn nicht mehr mochte oder so.

*

Niklas hörte still zu, den Kopf gesenkt, bis er schließlich nach einer kleinen Ewigkeit wieder zu Tobias rüber sah. "Wieso?", fragte er dann einfach. "Ich weiß du magst Männer, aber das heißt doch nicht unbedingt, dass du mich magst, dass deine Hormone wegen MIR mit dir durchgehen!"

*

War Niki wirklich so naiv? Aber andererseits hatte er selbst gesagt, dass er noch nie Freunde gehabt hatte. Da wo er herkam, wohnte nur seine Familie, wenn Tobi sich richtig daran erinnerte. Also dürfte der Blonde auch noch nie eine Freundin gehabt haben.

"Aber das tun sie", rief er laut und schlug sich dann die Hand vor den Mund. Warum war er jetzt so laut geworden?

"Das tun sie", murmelte er leiser "das haben sie heute Morgen schon, als ich neben dir geschlafen habe und dann ohne dich aufgewacht bin. Ich war erregt und das nur wegen dir. Wegen deiner Nähe, deiner Wärme, deinem Körper", gab er leise zu und wünschte sich verzweifelt ein Loch in dem er vor Scham verschwinden konnte oder wahlweise eine Erklärung, warum er das alles Niki sagte.

"Ich... ich mag dich und so wie es aussieht l... li...", Tobi brach ab. Nein, er konnte das einfach nicht sagen. Das würde ihre Freundschaft zerstören.

*

"Ich mag dich auch.", antwortete Niklas ruhig und lehnte sich zu Tobi rüber, kam ihm wieder so nahe. "Ich... war auch erregt heute früh...", gab er dann leise zu. "Und ich mag deine Nähe... ich mag es dich zu berühren... und das ist nur bei dir so!", seufzte er leise.

"Bei Gabi, Uli, Doro oder Phil... bei keinem fühle ich so was wie bei dir. Ich bin so durcheinander... ."

Wie sagt man doch so schön? Betrunkene und Kinder sprachen immer die Wahrheit und Niklas zählte momentan nun mal zu den ersteren, weswegen er erst im Nachhinein bemerkte was er da gerade gesagt hatte und rot anlief.

*

Sein Herz klopfte aufgeregt in seiner Brust, als Niklas wieder näher kam.

Oh mein Gott. Wenn das so weiter ging, dann starb er noch wegen Herzversagen.

Bei dem Geständnis, dass der Blonde da gerade machte, stöhnte Tobias leise auf. Sofort lieferte sein Kopf ihm wieder das Bild, wie er die Gestalt Nikis durch die milchige Wand der Duschkabine gesehen hatte.

Der Jüngere hob leicht seinen Blick, blieb wie erstarrt an den weich aussehenden Lippen hängen. Er konnte nicht anders. Vorsichtig hob er seine Hand und berührte mit seinem Daumen die volle Unterlippe. Noch bevor er nachdenken konnte, verließ ein "du bist so schön", seinen Mund, hing im stillen Raum zwischen ihnen.

*

Niklas wurde sofort knallrot, kam aber dem neugierigen Daumen entgegen, ließ ihn seine Lippe berühren und küsste ihn schließlich zart. Tobi gefiel ihm ja auch, aber das konnte doch alles nicht sein... Tobi war schwul, ja, aber er, Niklas, doch nicht... oder?! Ach es fühlte sich so gut an von dem Jüngeren berührt zu werden, fühlte sein Herz schneller schlagen. Er musste herausfinden warum das so war, warum nur bei Tobi!

/Mein Vater wird mich umbringen!/, das war der einzige Gedanke der noch in seinem Kopf war, als er die Hand von seinen Lippen zog, sich vorbeugte und seine und Tobis Lippen direkt miteinander verschmolz.

*

Er Schauer ran Tobi über den Rücken, als er den Kuss auf seinem Daumen spürte. Wenn er die Lippen doch nur an einer anderen Stelle haben könnte.

Es schien, als könnte der Ältere Gedanken lesen, denn kaum war der Gedanke verschwunden, da legten sich auch schon diese weichen, warmen Lippen auf seine. Und sie fühlten sich wirklich so weich an, wie der Daumen ihm das schon hatte sagen wollen. Von selbst schlossen sich seine Augen.

Scheiß auf Liebeskummer, wenn Niklas ab morgen kein Wort mehr mit ihm reden würde. Vergessen war das brechende Herz, wenn Niklas wieder gehen würde. Das hier war so viel besser.

Leise keuchte er in den Kuss, öffnete seinen Mund ein bisschen - vielleicht sah das der Blonde als Einladung an - immerhin war das ja auch der Fall und legte eine Hand in Nikis Nacken, zog ihn noch ein wenig mehr zu sich. Sanft erwiderte der Kleinere den Kuss und spürte das Glücksgefühl das ihn durchströmte, als sein Bauch anfing mit kribbeln.

Wenn es nach ihm ging, konnte die Welt jetzt unter gehen.

*

Niklas war überrascht wie gut ihre Lippen aufeinander passten und wie schön es sich anfühlte. Er hatte noch niemals jemanden so geküsst und stellte sich deswegen nun auch nicht gerade geschickt an, sondern ließ sich einfach von seinen Gefühlen treiben.

Doch als Tobi die Lippen öffnete war er gänzlich verwirrt und zog sich langsam zurück, um den kleinen Dunkelhaarigen anzusehen. "Ich... ich weiß nicht was ich tun soll... das war mein erster Kuss, um ehrlich zu sein"

*

Ein warmes Lächeln breitete sich auf Tobias Lippen aus, als er das Geständnis hörte.

"Sch... das ist überhaupt nicht schlimm. Jeder fängt mal klein an", versuchte er Niki zu beruhigen und legte seine freie Hand auf Niklas Wange. "Soll... soll ich dir zeigen wie man richtig küsst?", wollte er leicht unsicher wissen. Innerlich betete er, dass der Blonde nicht nein sagen möge. Das Gefühl war einfach phantastisch und dabei war es nur ein einfacher Kuss.

*

Niklas nickte sofort leicht. Tobi hatte gut geschmeckt und wenn er schon mal die Gelegenheit bekam gezeigt zu bekommen wie man richtig küsste, würde er diese Chance nutzen. Also schloss er einfach nur die Augen und ließ Tobi machen.

*

Leise und warm lachte der Spielzeugmacher auf, bevor er sich leicht zu Niklas lehnte und ihre Lippen wieder zusammenbrachte. Genießend schloss er seine Augen, wollte sich ganz dem Gefühl hingeben, was durch ihn strömte.

Erneut öffnete er langsam seine Lippen und ließ seine Zunge wandern. Behutsam leckte er über die Unterlippe, neckte sanft die Mundwinkel und fuhr dann die Linie zwischen den Lippen nach. Leicht fing er mit den Fingern der Hand die noch immer auf einer Wange des Blonden lag, die Haut hinter dem Ohr zu streicheln. Vielleicht ließ ihn das noch ein wenig entspannen.

*

Niklas war im ersten Moment zusammengezuckt, als er die feuchte Zunge an seinen Lippen gefühlt hatte, doch die streichelnden Finger hinter seinem Ohr ließen Vertrauen schöpfen und Niklas sich entspannen.

Und bald siegte auch die Neugier wie es wohl sein würde dieser Zunge zu begegnen. So öffnete der Blonde die Lippen und ließ Tobis Zunge ein, bevor er ihr begrüßend mit seiner eigenen entgegen kam.

*

Eine große Welle von Vertrauen überrollte ihn, als Niklas schließlich seinen Mund öffnete und ihn einlud. Immerhin war Niki ja ungeküsst, wie er selbst gesagt hatte. Es gehörte viel Mut und Vertrauen dazu, jemandem - den man erst drei Tage kannte so was zu erlauben.

Noch immer behutsam drang er mit seiner Zunge in das fremde Reich ein, taste sich vor und freute sich, als die Bewohnerin ihm langsam und schüchtern entgegen kam.

So stupste er sie sanft an, ließ sie leicht mit Nikis Zunge tanzen und zog sich dann ein Stück zurück, vielleicht konnte die Zunge die andere in ihr Reich einladen.

Ein wenig rutschte Tobi näher zu dem Älteren, wolle noch mehr seine Nähe genießen. Genussvoll stöhnte Tobias auf. Sein Körper kribbelte, jeder Zentimeter und der betörende Geschmack erst. Alkohol konnte er schmecken und irgendetwas, was er im Augenblick nicht benennen konnte, er sich aber sich war zu kennen.

*

Als die süße Zunge sich zurückzog, bedauerte Niklas dies sofort und folgte ihr eilig, wobei er gleich darauf in das fremde Reich von Tobias Mund eintauchte.

Tobi schmeckte gut, süß und frisch und Niklas gefiel dieser Geschmack. Doch ob ein anderer nicht genauso schmeckte, wusste er ja nicht.

Langsam gab er auch Tobi drängen nach, der ihn während des Kusses immer näher zu sich zog, offensichtlich mehr Nähe wollte, und legte sich auf ihn.

*

Als sein Plan aufging und die Zunge des Blonden seinen Mund plünderte, stöhnte er leise auf. Das war einfach viel zu gut. Fühlte sich so richtig an.

Erfreut bemerkte er das Gewicht von Niki auf sich, hob sich dem anderen Körper entgegen und keuchte erneut auf, als sich ihre nackten Oberkörper berührten. Die Härchen in seinem Nacken stellten sich auf und so schlang Tobias seine Arme fester um den Älteren.

*

Niklas hatte versucht nicht sein ganzes Gewicht auf Tobi zu legen, denn er wusste dass er für den Kleineren wohl etwas zu schwer war, doch die feste Umarmung und das ständige näherziehen Tobis ließen Niklas zu dem Schluss kommen, dass der Kleinere ihn wohl wirklich ganz auf sich spüren wollte.

Also gab er dem Drängen des Jüngeren nach und legte sich nun ganz auf ihn, plünderte weiterhin ungeübt - und deswegen nicht ganz so leidenschaftlich oder gut - den Mund des anderen, begann nun seine Arme auf und ab zu streicheln und die weiche Haut zu fühlen.

*

Zu Anfang versuchte Tobi noch Niklas zu dominieren, aber je länger der Kuss ging, desto passiver wurde er, ließ sich von dem Älteren leiten. Er war nun einmal Uke, das ließ sich nicht ändern. Aber bei Niklas ließ er sich gerne fallen, begab sich gerne in dessen Hände.

Das war bei Michael am Anfang auch der Fall gewesen, aber je öfters sein Ex Sex haben wollte, desto weniger hatte es dem Braunhaarigen gefallen. Als Michael ihn dann hatte als Sklaven haben wollen, hatte er den Schlussstrich gezogen.

Mit aller Macht versuchte Tobi die Gedanken wieder wegzuschließen und konzentrierte sich ganz auf Niki: auf die ungeübte Zunge - die ihm aber mehr an machte als bisher sonst etwas, die weiche Haut und das Gewicht auf sich, das er am liebsten gar nicht mehr her geben würde.

Erneut ließ der 23-Jährige eine Hand in Niklas Nacken gleiten und begann leicht ihn dort zu streicheln.

Leider wurde die Luft irgendwann knapp und so trennte sich Tobi widerwillig von dem Älteren. Schwer atmend lag er mit immer noch geschlossenen Augen da und leckte sich über die Lippen. "Schön", nuschelte er leise.

*

Mit verschleiertem Blick sah Niklas auf Tobi hinab, der sich genau in diesem Augenblick so lasziv die Lippen leckte, die eh schon geschwollen waren und so verführerisch glänzten. Küssen gefiel ihm und mit Tobias erst recht.

Bei dem Gedanken grinsend lehnte sich Niklas gleich wieder vor und küsste die süße Nase des Dunkelhaarigen, sah ihn wieder an. "Du siehst ganz schön fertig aus", kicherte er dann atemlos.

*

Träge öffnete Tobias die Augen, als er den Kuss auf seiner Nase spürte. "Der Kuss war einfach nur... wow. Etwas ungeübt und schüchtern am Anfang, aber für den ersten Zungenkuss gar nicht mal schlecht", stellte der Braunhaarige fest, versuchte noch immer genügend Luft in seine Lungen zu bekommen.

Sanft strichen seine Finger immer noch über Niklas Nacken, während Tobi versuchte, sich alle Einzelheiten im Gesicht des Blonden einzuprägen. Besonders die geschwollenen Lippen, zogen ihn wie magisch an.

So hob er seinen Kopf leicht und hauchte einen sanften Kuss auf die Lippen. "Du siehst aber auch fertig aus und deine Lippen sind genauso geschwollen wie meine", erklärte der Spielzeugmacher, denn Niki konnte sich jetzt nicht selbst sehen.

*

"Woher das wohl kommt?", fragte Niklas leicht grinsend und hatte dabei immer noch das kleine Kompliment in den Ohren, das Tobias ihm gegeben hatte. "Der Kuss war wirklich schön", hauchte er dann leise und strich durch das kurze Haar. "Bin ich dir eigentlich zu schwer?"

*

Auch Tobi dachte nach, obwohl das mehr Show war. "Ich weiß nicht", kicherte er leise, dabei wusste er es ganz genau.

Langsam schüttelte der Braunhaarige den Kopf und antwortete: "Nein. Es ist schön dein Gewicht auf mir zu spüren. Das bestätigt mit nämlich, dass das Ganze kein Traum ist und ich jede Sekunde alleine in meinem Bett aufwache."

Er konnte nicht anders, die rosanen Lippen zogen ihn wie magisch an und so küsste er sie erneut.

Vielleicht war Niki ja diesmal so mutig und vertiefte den Kuss als erstes.

*

Und das tat der Blonde auch, versuchte besser zu werden, um Tobi auch noch mehr erkunden zu können. Dass es diesem gefiel, hörte Niklas an den kleinen Seufzern, die immer dann zu vernehmen waren, wenn Niklas etwas besonders richtig tat und das spornte den Älteren immer zu neuen Experimenten an.

So verging die Zeit, die sie beide nur mit rumknutschen und kuscheln verbrachten, bis sie schließlich müde aneinander lagen und gegen drei Uhr nachts endlich einschliefen.




Braune Blätter [Chaotizitaet]

04 – Caleb

Ein wenig fassungslos starrte er auf das Display seines Handys. Der Kundentermin hatte nicht lange gedauert und so war Caleb bereits wieder auf dem Weg ins Büro, um dort noch ein wenig Papierkram zu erledigen, als endlich die SMS eintraf, auf die er seit seinem Aufbruch nach dem Mittagessen gewartet hatte.

Hatte Joshua da eben wirklich geschrieben, dass Josh ihm fünf braune Blätter gemeldet hatte? Und doch glaubte er nicht, dass sein Freund sich einen so makaberen Scherz mit ihm erlauben würde.

Auf halber Strecke zu dem Gewerbegebiet, wo Browns Engineering Services seine Büroräume hatte, beschloss Caleb, dass der Papierkram warten konnte. Er musste erst einmal verirrte Seelen finden!

Es gab nur einen Umstand, der ihn halbwegs tröstete: Die Seelen, denn im Grunde war es das, was sich als braunes Blatt in die jeweils falsche Ebene verirrte, wurden auf gewisse Weise magisch vom Paradiesbaum angezogen. Zwar schafften sie es nie, ihn genau zu lokalisieren, aber immerhin musste er nicht das ganze Land oder gar die ganze Welt nach ihnen absuchen, sondern lediglich die Stadt durchkämmen. Er wollte sich nicht vorstellen, wie es wäre, wenn ein Mensch, der sich etwa in Indonesien durch eine bewusstseinserweiternde Erfahrung verirrte, auch mit seiner Seele in Indonesien verblieb und dort umherirrte. Er wäre ja ständig nur auf Reisen, um irgendwo auf diesem Planeten verirrte Seelen einzusammeln und nach England zu schaffen. Denn es bedurfte der unmittelbaren Nähe des Baumes, um das Tor zur anderen Ebene für die Seelen zu öffnen. Vermutlich spürten die Seelen den Baum deswegen und kamen hier her.

Er parkte seinen Wagen in der Tiefgarage nahe dem Twice, wo sowohl Joshua als auch er Parkplätze angemietet hatten. Es war einfacher, vom Twice aus die Suche zu starten, stand dort doch auch der Baum. Abgesehen davon lag es unweit des Stadtzentrums und wenn Caleb eines in seiner Tätigkeit als Scout gelernt hatte, dann dass die Seelen wohl offenbar einen Faible für Sightseeing hatten. Sofern man in Sheffield irgendwelche Sehenswürdigkeiten bewundern konnte. Aber irgendetwas gab es immer zu sehen und es gab durchaus ein paar Orte in der Stadt, die Caleb gefielen. Was zum einen erklärte, weshalb die Seelen nie genau den Baum fanden und zum anderen, weshalb ihm das erste braune Blatt an der Kathedrale aufgefallen war.



Das mit dem Sightseeing war wohl schon immer so gewesen. Also auch schon damals, ehe Joshua und er geboren worden waren und ihre Aufgaben erhalten hatten. Damals, als andere Wächter und Scout waren. Das hatten ihm Edgar und Cassandra bestätigt, die beide einst selbst Wächter und Scout gewesen waren. Vor etwa einhundertfünfzig Jahren. Also zu der Zeit, da Königin Victoria das Vereinigte Königreich regiert hatte. Einschließlich seiner Kolonien. Denn Edgar und Cassandra hatten trotz ihrer britischen Staatsangehörigkeit nicht in England gelebt, sondern in Kolkata, Indien. Der damaligen Hauptstadt. Einer Stadt, die aufgrund der prächtigen Bauwerke unter anderem den Namen ‚Stadt der Paläste’ getragen hatte. Und glaubte man Cassandra, denn diese war damals der Scout gewesen, dann waren es diese Paläste zusammen mit den Tempeln und anderen interessanten, architektonischen Juwelen, wo sie die verirrten Seelen gefunden hatte. Cassandras Lieblingsplatz war Maidan gewesen, aber leider, so ihre Aussage, hatten sich die braunen Blätter dort nur höchst selten eingefunden. Vielleicht, weil es tatsächlich dem Paradies zu ähnlich war und gerade verirrte Seelen sich jenes Ortes bewusst waren, der den Menschen auf immer verwehrt war.

„Wären die Blätter vom Maidan so begeistert gewesen, wie ich, dann wäre vieles einfacher gewesen. Denn gegen einen Spaziergang in einem wunderschönen, grünen Park hätte selbst mein Mann nichts sagen können. Dass ich aber für meine Aufgabe bisweilen sogar nach Black Town musste, war jenseits dessen, was er erlauben wollte“, hatte Cassandra ihm erzählt, als er einmal niedergeschlagen gewesen war, weil er das vermisste braune Blatt einfach nicht hatte finden können. „Doch was sollte ich machen? Er wusste, dass er selbst nicht in der Lage war, die Blätter zu finden...“

Cassandra war mit Edgar verheiratet gewesen. Aber es war keine glückliche Ehe gewesen. Weit gefehlt. Es war eine Vernunftehe, welche die Eltern arrangiert hatten, nachdem sie gesehen hatten wie die Kinder – zwangsweise, schließlich ging es um das Gleichgewicht der Welt – immer wieder miteinander sprachen. Und, so die Eltern, wo die Kommunikation stimmte, konnte eine Ehe nicht scheitern. Dass beide Familien sich in den gleichen Kreisen bewegt hatten, war der Sache nur förderlich gewesen. Cassandra und Edgar hatten die Vorteile einer solchen Verbindung eingesehen und der Vermählung zugestimmt. Da hatte Cassandra aber noch nicht gewusst, wie herrschsüchtig der eklige Ed, wie sie ihn bald heimlich nannte, sein konnte. Denn er ertrug es nicht, dass seine Frau die Stadt durchstreunte, während er zum Blätterzählen verdonnert war. Manchmal ging er sogar soweit, seine Frau in ihrem Haus einzusperren, obwohl sie eigentlich dringend ein braunes Blatt suchen musste.

Das war auf der Ebene der Lebenden gewesen.

Aber auch auf der Ebene der Sterbenden hatte das Beziehungsgeflecht zwischen Wächter und Scout nicht besser ausgesehen. Dort waren Edgar und Cassandra zwar nicht verheiratet, wohl aber verschwägert gewesen. Edgar hatte frühzeitig erkannt, dass er und Cassandra vom Temperament nicht zusammen passten und so die Eltern gebeten, ihn doch stattdessen mit Cassandras kleiner Schwester Melanie zu verloben. Die Ehe war leidlich glücklich gewesen – auf jeden Fall glücklicher als es eine Ehe mit Cassandra gewesen wäre –, aber die Tatsache, dass Cassandra als unverheiratete Schwägerin bei ihnen im Haus lebte, machte die Sache nicht wirklich besser.

So grenzte es fast schon an ein Wunder, dass über die Spiegelkommunikation Edgar aus der Ebene der Sterbenden und Cassandra aus der Ebene der Lebenden sich ineinander verliebt hatten. Erst notgedrungen miteinander redende Bekannte, dann Freunde, Vertraute und schließlich so sehr von Liebe für den anderen erfüllt, dass sie sich entschlossen, nach ihrem Tod ein Dasein im Spiegel zu wählen, um beieinander zu sein. Sie wollten auf keinen Fall riskieren, dass die Welt nach dem Tod sie wieder auf verschiedene Ebenen trennte. Und als ehemalige Hüter des Gleichgewichts konnten sie in die Spiegelebene, über die die Kommunikation zwischen der Ebene der Lebenden und der Ebene der Sterbenden stattfand, eintauchen. Dass sie nebenbei auch noch als Ratgeber und Kummerkasten für die nachfolgenden Generationen dienten, war für die beiden mehr eine Art lieb gewordener Nebenjob.



Der Gedanke an die beiden guten Geister im Spiegel erinnerte Caleb daran, dass er vielleicht sicher stellen sollte, dass Cal auf der anderen Seite ebenfalls seinen Job tat. Unabhängig davon, was Josh am Abend zuvor vielleicht getan oder gelassen hatte.

Er zog seinen silbernen Taschenspiegel – rechteckig, kompakt und sogar stilecht mit einem Äpfelchen zur Tarnung beklebt – aus der Tasche.

Wie üblich war es Cassandra, die auf das Anhauchen und Glaspolieren reagierte. Caleb wusste nicht, weshalb, aber mit Ausnahme der wenigen Fälle, wo Cassandra deprimiert war, war es stets sie, die auf ihre Gesprächsanfragen einging. Vielleicht, weil sie sich nicht ständig nur mit Edgar unterhalten wollte. Sicher, sie liebte ihn, aber sie war zu Lebzeiten nun mal der Scout gewesen. Und als jemand, der stets auf der Suche nach verirrten Seelen gewesen war, mit diesen gesprochen hatte und sie überzeugen musste, mit einem zum Paradiesbaum zu kommen, war man es gewohnt, auf Menschen zuzugehen. Man ertrug Stille nur schlecht. Und ein Leben in der Spiegelebene war, trotz der Zweisamkeit, die sich ihnen nun bot, doch irgendwie einsam und ruhig.

Dennoch musste Caleb jetzt nach Edgar verlangen.

Ein wenig schmollend zog sich Cassandra zurück.

„Was gibt es, dass du nicht mit meiner Herzdame sprechen willst?“, fragte Edgar, nicht ohne ein leicht schelmisches Lächeln aufzusetzen. Denn im Grunde mochte er es, wenn Cassandra hin und wieder schmollte. Dann schob sie nämlich ihre Unterlippe so verlockend nach vorne, dass er schließlich nicht anders konnte, als sie mit ein paar, mehr, vielen Küssen wieder in bessere Laune zu versetzen.

„Es geht um Cal. Ich möchte, dass du sichergehst, dass er Joshs Anruf entgegennimmt oder die SMS liest oder was auch immer und den Hornochsen nicht vollkommen ignoriert. Er kann meinetwegen so sauer auf Josh sein, wie er will – unser lieber Wächter hat es vermutlich nicht anders verdient –, aber er soll darüber seinen Job nicht vernachlässigen. Joshua hat drei braune Blätter am Baum gefunden. Na ja, und ich kann schlecht Cassandra zu Cal schicken, wissen wir doch alle, wann die einzigen Gelegenheiten sind, dass Cal lange genug in einen Spiegel blickt, um mit ihm reden zu können.“

Edgars Lächeln verbreiterte sich zu einem Grinsen. Oh ja, sie hatten schon ein paar Mal erlebt, wie es enden konnte, wenn Cassandra in die männliche Eitelkeitsshow von Cal platzte... „Mach ich. Und wie steht es mit dir? Wie viele Blätter musst du suchen?“

„Mehr als genug“, winkte Caleb ab und beendete die Kommunikation. Nicht, dass er nicht gewillt war, Edgar zu sagen, wie viele verirrte Seelen er zu finden hatte, er hatte nur schlicht das Gefühl, dass er jetzt keine weitere Zeit mehr damit verschwenden sollte, dem ehemaligen Wächter dabei zuzuhören, was seinerzeit die höchste Zahl an braunen Blättern gewesen war, die er je an einem Tag am Baum gezählt hatte. Am besten noch begleitet mit so weisen Kommentaren, wie dass sie zu seiner Zeit nicht so nachlässig gewesen waren, und es erst gar nicht zu fünf braunen Blättern hatten kommen lassen. Was a) gelogen war, waren Edgar und Cassandra doch während der berühmten Opiumkriege tätig gewesen und hatten auf diese Art mehr als genug verirrten Seelen helfen müssen und b) unerheblich wäre, selbst wenn a) nicht gewesen wäre, da schließlich Wächter und Scout keinerlei Einfluss darauf hatten, wie viele Menschen sich am Tag verirrten.

Den Spiegel wegpackend, machte sich Caleb auf den Weg zur Kathedrale. Dort hatte er vorhin das Mädchen gesehen und vielleicht hatte er Glück und es war noch in der Nähe. Bei ihr hatte er zumindest einen Anhaltspunkt, und mit einem Erfolgserlebnis in der Tasche suchte es sich irgendwie ausgeglichener.

Als er auf dem Vorplatz ankam, fluchte er leise. Natürlich war jetzt noch mehr Betrieb auf dem Platz als zu Mittag, war doch vor einer halben Stunde die Schule zu Ende gegangen. Überall sah man nun vor allem Teenager, die mit ihren Freunden schwatzend umherschlenderten, über die bevorstehenden Weihnachtsferien redeten und auf der Suche nach dem richtigen Geschenk für Familie, Freunde und den besonderen Jemand waren. Sprich, der normale nachmittägliche, vorweihnachtliche Einkaufswahnsinn. Der lediglich an einem Samstag noch getoppt wurde. Oder einem Samstag Nachmittag bei Dämmerung im Weihnachtsmarkt.

Wie sollte er jetzt das Mädchen finden? Er wusste ja nicht einmal mehr, wie sie genau ausgesehen hatte. Nur, dass sie braune Haare gehabt hatte. Doch wo immer er sich umblickte, wann immer er braune Haare sah, nie war es die verirrte Person, die er eigentlich suchte. Dann aber kam ihm eine Erleuchtung. Die Kathedrale! Es war schließlich nur logisch, dass man die Kirche auch von innen besichtigte, wenn man sie schon von außen bewundert hatte. Wenn er sich richtig erinnerte, hatte das Mädchen das Kirchengebäude vorhin eingehend betrachtet. Und schließlich wirkten die Buntglasfenster im Inneren weit stärker. Auch war die Atmosphäre eine ganz andere und er kannte kaum einen Touristen – und in gewisser Weise waren die braunen Blätter ja auch Touristen –, der nicht beide Eindrücke von Kirchengebäuden erleben wollte.

Entschlossen trat er in das Gotteshaus und wurde schließlich in der Nähe der Kapelle der Heiligen Katharina mit Erfolg belohnt. Dort stand, den Blick auf das Fenster der ‚Six Sheffield Worthies’ gerichtet, das Mädchen, das ihm früher am Tag aufgefallen war. Ruhig stellte er sich neben sie und betrachtete gleichfalls das kunstvolle Fenster. „Beeindruckend, oder?“, fragte er leise, um sie nicht zu erschrecken.

Das Mädchen nickte. Erst dann wandte sie sich überrascht zu Caleb um. „Sie können misch se’en?“ Ihre Stimme wies einen französischen Akzent auf. Auch eines der Wunder der Paradiesbäume – sowohl Wächter als auch Scout waren stets in der Lage, alle Sprachen der braunen Blätter als Englisch wahrzunehmen. Wenngleich der Akzent ihnen gelegentlich einen Einblick in die eigentliche Sprache der verirrten Seele erlaubte.

Caleb lächelte. „Ja, kann ich...“

„Isch dachte schon, isch wär’ ein Geist. Den ganzen Tag schon ’aben alle in eine andere Rischtung gesehen, aber nie mir ins Gesischt. Dabei müssen sie misch gese’en ’aben, sonst ’ätten sie mir nischt ausweischen können. Was sie aber getan ’aben.“

„Die anderen können dich auch nicht sehen. Nur ich kann es. Joshua wird dich auch nicht wirklich sehen können, aber er kann dich zumindest spüren. Und hören. Was ist das letzte, woran du dich erinnerst, ehe du dich plötzlich hier wiedergefunden hast?“, wollte Caleb wissen. Die Ursache für die bewusstseinserweiternde Erfahrung zu kennen, half ihnen manchmal dabei das Portal zur anderen Ebene zu öffnen.

„Isch ’abe gesungen. Im Kirschenchor. Schließlisch ist bald Weihnachten, da müssen wir viel üben. Wir ’aben einen neuen Choral geübt. Und plötzlisch war isch ’ier. Und weil misch niemand sehen konnte, bin isch ’ier ’erein gegangen, um misch wenigstens ein wenig wie zu ’Ause zu fühlen. Die sechs Männer...“ Sie deutete auf das Fenster. „Irgendwie fühlte isch misch von ihnen beschützt. Also bin isch ’ier geblieben...“

Musik! Er hatte schon selbst erlebt, wie einen Musik auf die wohl angenehmste Art gefangen nehmen und einen den ganzen Tag nicht mehr loslassen konnte. Besonders wenn er im morgendlichen Dämmerlicht, noch an Joshua gekuschelt, leise klassische Musik zum Aufwachen hörte. Er konnte verstehen, dass es jemanden, wie dieses Mädchen dann in so einer Situation vollkommen aus ihrer Ebene lösen konnte. Und in gewisser Weise konnte er verstehen, dass sie sich zu dem Fenster hingezogen gefühlt hatte. Diese sechs Männer hatten sich zu ihren Lebzeiten für das Wohl Sheffields und seiner Kirche eingesetzt. Die Art, wie sie jetzt in Glas gefasst auf die Besucher blickten, erzeugte auch in ihm jedes Mal den Eindruck, als würden sie noch immer über die Stadt und ihre Bewohner wachen. Und besonders über verirrte Seelen wie diese hier. Sie strahlten Ruhe aus, genau das, was das Mädchen finden musste, wenn sie später bereit sein wollte, durch das Portal zurückzukehren. Denn im aufgebrachten Zustand konnte es passieren, dass das Portal die Seele zurückwarf. „Das sind Waltheof, William of Lovetot, Gerard de Furnival, Thomas Nevil, John Talbot und Colonel Sir John Bright. Honoratioren aus der Geschichte der Stadt“, erklärte er und wies auf die einzelnen Fenster. „Lovetot und de Furnival waren Kreuzritter, Waltheof lebte zu Zeiten von Wilhelm dem Eroberer.“ Er hoffte, dadurch, dass er ihr etwas über das Fenster erzählte, dazu beizutragen, dass sie ihre innere Ruhe wiederfand.

Es schien zu funktionieren. Zumindest fokussierte das Mädchen nun nicht mehr so intensiv das Fenster, sondern begann auch den Rest der Kathedrale in sich aufzunehmen. „Was ist das?“, fragte sie schließlich mit Blick auf die Kapelle des Heiligen Georgs.

Calebs Blick folgte ihrem ausgestreckten Arm und er lächelte. „Das ist ein Absperrgitter.“

„Aber es besteht nur aus Schwertern...“

„Schwertern und Bajonetten“, pflichtete er ihr bei. „Es ist ein Gedenkgitter. Die Waffen stammen von allen Dienstgraden des ersten Bataillons des York und Lancaster-Regiments und wurde bei dessen Auflösung zum Gedenken an alle, die ihr Leben während ihres Dienstes im Regiment verloren haben, gestiftet.“

Sie gingen noch eine Weile in der Kathedrale umher. Zwar war sich Caleb stets bewusst, dass er noch vier weitere braune Blätter finden musste, aber er musste zugleich auch das Vertrauen der Personen gewinnen und da wollte er das Mädchen nicht hetzen.

„Wer ist Joshua?“

Diese unvermittelte Frage überraschte Caleb, aber er erinnerte sich, dass er vorhin darüber gesprochen hatte, dass Joshua eine verirrte Seele zwar nicht sehen, dafür aber spüren und hören konnte. „Mein Freund und Lebensgefährte. Und jemand, der dir helfen kann, wieder nach Hause zurückzukehren“, erklärte Caleb. Er war froh, dass das Mädchen nun offenbar bereit war, ihm zu vertrauen und sich helfen zu lassen. Schließlich war es nicht immer so, dass die verirrten Seelen ihm gleich auf Anhieb Glauben schenkten. Da waren durchaus paranoide Gestalten darunter, bei denen es viel Überzeugungsarbeit bedurfte, ehe sie einwilligten, ihn zu Joshua und dem Baum der Lebenden zu begleiten.



Obwohl Caleb wusste, dass sich Joshua nicht ganz wohl in der Gegenwart der braunen Blätter fühlte – wohl, weil er sie nicht sehen sondern nur spüren konnte –, blieb ihm nichts anderes übrig als Nathalie, wie das Mädchen hieß, bei Joshua im Twice zu lassen. Denn er stimmte seinem Freund zu, dass sie erst alle braunen Blätter finden mussten, um dann zu entscheiden, welche drei noch heute zurück geschickt würden, ehe sie mit den Ritualen begannen.

Als er im Twice angekommen war, hatte Joshua keine guten Neuigkeiten für ihn gehabt. Er hatte noch ein weiteres braunes Blatt entdeckt, was bedeutete, dass auch die andere Seite heute mehr verirrte Seelen zu betreuen hatte, als heimgeschickt werden konnten.

„Es ist fast als würde alle paar Stunden ein weiteres Blatt braun werden“, bemerkte Joshua bekümmert.

„Hat Josh etwas ähnliches festgestellt? Sind es auch bei ihm noch mehr geworden?“, fragte Caleb besorgt.

„Ich weiß es nicht.“ Ein wenig hilflos zuckte Joshua mit den Achseln. „Er ist nicht an den Spiegel gegangen. Vielleicht weil Tea-Time ist. Oder vielleicht, weil er und Cal bereits dabei waren, die ersten Blätter zurückzuschicken. Ich habe Edgar und Cassandra beauftragt, die Nachricht weiterzuleiten, wenn sie einen der beiden das nächste Mal im Spiegel sehen können. Denn wie du siehst, ist auch bei mir zur Tea-Time einiges los. Marcia flucht schon, weil sie schon zum zweiten Mal Mince Pies nachbacken muss.“

Caleb sah sich im Twice um, das jetzt deutlich gefüllter war als noch zur Mittagszeit. Und er wusste, dass es von jetzt bis annähernd Mitternacht nicht mehr wirklich ruhig in dem Laden würde. Der Tea-Time schloss sich die Happy Hour an, dann die normalen Abendessensgäste, die Spätbummler... und dann noch die Rituale – sie würden heute Nacht mehr tot als lebendig ins Bett fallen.

„Ich muss wieder los“, verabschiedete sich Caleb dieses Mal mit einem kurzen Kuss von Joshua und machte sich dann wieder auf die Suche nach den braunen Blättern.





Mama's Käse-Sahne-Torte [Jabba]

Einkaufsliste:

3-Stöckiger Tortenboden (Bisquit, wenn ihr findet den dunklen, das gibt einfach nen tollen Kontrast mit der weißen Quarkmasse)
1 Dose Mandarinen
2-3 Beutel Gelatine
750g Magerquark
160g Zucker
2 Päckchen Vanillezucker
geriebene Zitronenschale
1 Becher Sahne

Man schnappt sich 1 Dose Mandarinen (natürlich gehen auch Ananas oder Pfirsiche oder anderes leckeres Obst, aber mit Mandarinen schmeckt's einfach am Besten ^.^)
Die Mandarinen in ein Sieb schütten und (ganz wichtig) den Saft auffangen, der wird noch benötigt! Das ist auch der Hauptgrund, warum man Dosenobst nimmt!

2 Beutel Gelatine (Dr. Oetger, bei anderen Firmen braucht man eher 2,5 Beutel) mit 8-10 Löffeln Mandarinensaft zügig und klumpenlos glattrühren, am besten in ner Tasse, dann stehen lassen bis es richtig fest ist. (Halt eben Gelatine mit Mandarinensaft statt Wasser zubereiten)

Derweil: 750g Magerquark, 160g Zucker und 1Päckchen Vanillezucker und etwas geriebene Zitronenschale verrühren dass es schön cremig ist. Eventuell noch was Mandarinensaft dazutun, hängt davon ab, wie trocken der Quark ist.

Mittlerweile müsste die Gelatine jetzt richtig hart sein (der Löffel hinterlässt nen harten Schnitt, wenn man ihn aus der Masse herauszieht). Die Tasse mit der Gelatine dann im Wasserbad vorsichtig erwärmen, bis sie flüssig ist.

Derweil einen 3er-Bisquit-Tortenboden (gekauft) in die einzelnen Schichten aufteilen und die untere schon mal auf die Tortenplatte legen.

Sobald die Gelatine flüssig ist, schnell vom Feuer und aus dem Wasser nehmen. Laukalt (und wirklich nicht wärmer, doch Achtung die Grenze zum Festweden ist schmal) zum Quark dazu und glattrühren.

Quirl saubermachen (oder neue nehmen ^.^) Ab jetzt muss zügig durchgearbeitet werden!
1 Becher kalte Sahne in nen kalten Becher geben und mit nem Beutel Vannillezucker schön steif schlagen (Tipp: Wenn der Becher vorher mit kaltem Wasser ausgespült wurde, kommt die Sahne besser wieder raus. Hat was zu tun mit Benetzungskräften, Oberflächenspannung, Adhäsions- und Kohäsionskräften,... nervt einfach mal wen, der Ahnung von Physik hat warum das so ist. Wichtig ist nur, das es funktioniert!)

Sahne zur Quarkmasse dazu und unterheben (Nicht quirlen!!!!!)

Nu ist die Masse fertig und die Torte wird zusammengebastelt.
Ca. 6-7 Löffel Masse auf den unteren Tortenboden geben und glattstreichen (Rand beachten und möglichst nicht darüber hinaus).
Den mittleren Tortenboden auflegen
Wieder ca. 6-7 Löffel Masse auf den mittleren Tortenboden geben und glattstreichen (Rand beachten und möglichst nicht darüber hinaus).
Den oberen Tortenboden auflegen.
Ca. 7-8 Löffel Masse auf den oberen Tortenboden geben und glattstreichen. Jetzt kann's ruhig über den Rand hinaus und runterlaufen.
Nun den Rand verputzen (Ja, genau wie beim Renovieren. Mit nem Löffel was Massen nehmen, an den Rand halten und mit nem Messer kleine Portionen verstreichen. So geht am wenigsten verloren)
Wenn jetzt noch Quarkmasse übrig ist einfach noch oben drauftun und glattstreichen.
Mit den abgetropften Mandarinen verzieren
Jetzt nur noch mindestens 3 Stunden im Kühlschrank kühlstellen (besser ist über Nacht!)

Fertig!


Noch ein paar Tipps zu Deko:
Wir machen aus den Mandarinenschnitzen immer nen Außenrand und legen mit den schönsten die Jahreszahl innen rein. In der Regel nehmen wir auch 2 Dosen, damit wir auch ja genug passende Mandarinenschnitze haben. (Der Rest ist freigegeben für alle Naschkatzen ^.^)
Den Rand kann man natürlich auch mit Pistazien- oder Nusskrümel kaschiere, wenn's zu schlimm aussieht (Kam bei uns Kindern aber nicht gut an, dann doch lieber schief)
Mit Smarties und Gummibärchen kann man auch die Jahreszahl schreiben (Kam bei uns Kindern aber auch nicht gut an, sah zwar 'cool' aus, hat aber nicht wirklich toll geschmeckt)

Und falls ihr auf dem Gedanken kommt die im Hochsommer machen zu wollen, kommt ja nicht auf den Gedanken da Sahne schlagen zu wollen. Das wird nur Vanille-Butter.
Hier solltet ihr die Sahne flüssig zum Quark dazutun und einfach so verrühren.
Und zum Schichten basteln habt ihr dann auch mehr Zeit. Mitunter mehr als genug.


Viel Spaß beim Machen und lasst es Euch schmecken!



4. Dezember [Laila]
Ein guter Film
Richard und Jared

Mit einem Becher Cola und Popcorn bewaffnet setzten sich Richard und Jared auf ihre Plätze. Der Film würde bald anfangen.
Das Kino war riesig und fühlte sich von Minute zu Minute immer mehr.
„Da haben wir doch gute Plätze bekommen, jetzt muss nur noch der Film stimmen,“ sagte Jared. Er zog seine Jacke aus und legte sie neben sich.
Sein Blick wanderte zu Richard und er grinste. Seit knapp 6 Monaten waren sie nun ein Paar und es fühlte sich gut an. Ihre Liebe war immer noch so frisch wie am ersten Tag.
Sie waren zusammen gezogen und teilten alles miteinander.
Der junge Mann mit den dunklen Haaren erwiderte das Lächeln.
„So lange wir uns das zusammen antun ist mir der Film egal,“ gab er zurück.
Richard war süchtig nach Jared und das zeigte er ihm immer wieder, ganz auf seine Weise.
Kaum war das Licht ausgegangen, kuschelten sie sich aneinander. Richard ließ seine Hand zwischen Jareds Bein wanderten und ließ sie dort liegen.
Der Film war in der Tat interessant, aber viel bekamen sie davon nicht mit.