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06

Catching Santa Claus [Ira]

Türchen 6

Tobias hüpfte neben Niklas auf das Waisenhaus zu. Er freute sich so, die glänzenden Augen der Kinder wieder zu sehen, dass es ihm nichts ausmachte, dass er sich gerade nicht wie ein 23-Jähriger verhielt.

Sie hatten den neuen Tag mit ein wenig kuscheln begrüßt und sich wieder ein Frühstück im Bett genehmigt. Niki sah gut aus in dem Weihnachtsmannkostüm - immer noch heiß, auch wenn der Bauch nicht unbedingt sein musste. Aber es war ja nur ein Kissen und wenn sein Engelchen wirklich mal einen Bauch haben sollte, würde ihn das nicht weniger liebenswert machen.

In der Türe standen schon zwei der Kleinsten und blickten mit großen Augen auf den Weihnachtsmann und den Elf. Denn sonst kam Tobias immer alle und brachte die Geschenke. "Da ist schon das Abholungskomitee", murmelte er vor sich hin.

*

Niklas war etwas aufgeregt auf dem Herweg gewesen, denn immerhin durfte er das allererste Mal wirklich in ein Weihnachtsmannkostüm schlüpfen, eine ganz neue Erfahrung. Dennoch gefiel er sich und fand sich ebenso imposant wie sein Vater, auch wenn Niks Bauch - glücklicherweise - nicht echt war.

Und jetzt wo es losging und er schon von zwei ganz süßen Kindern begrüßt wurde, schwand die Aufregung. Er würde einfach all das machen, was er sein Leben lang gelernt hatte. "Hohoho Kinder, schön, dass ihr mich und meinen Elfen begrüßt!", sagte er zu den Kleinen und beugte sich leicht runter.

*

Die Kinderaugen blickten immer noch groß auf den Weihnachtsmann und dann auf die Elfe. "Bist du der echte Weihnachtsmann? Sonst bringt Tobias immer die Geschenke", wollten der Junge und das Mädchen gleichzeitig wissen.

Die Kleinen waren einfach nur süß und auch Tobias blickte gespannt zu Niklas. Was der jetzt wohl sagen würde? Aber bestimmt nichts, was die Waisenkinder traurig machen würde, denn der Blonde mochte ja auch Kinder. Zumindest die, die nicht so gierig auf Geschenke waren und sie auch wirklich verdient hatten.

*

"Natürlich bin ich der echte Weihnachtsmann! Und normalerweise habe ich Tobias geschickt, weil ich so wenig Zeit habe, doch da ihr alle dieses Jahr besonders brav wart, habe ich mir frei genommen und bin ich heute persönlich hier!", meinte Niklas fest und lächelte leicht.

Er liebte Kinder und diese beiden waren besonders süß und jetzt wo er ihre Gesichter sah fielen ihm auch sofort ihre Namen ein. "Dann bringt mich doch mal zu eurem Weihnachtsbaum, Hannes und Josephine!"

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Tobias fand die Antwort so süß. Die Rolle des Weihnachtsmanns schien nur für Niklas gemacht zu sein. Seine Entscheidung war also richtig gewesen.

Die Kleinen quietschen auf und hielten sich die Hände vor den Mund. "Du musst wirklich der Weihnachtsmann sein. Denn nur der Weihnachtsmann weiß alle Namen der Kinder", erklärte Hannes und nickte.

Josephine nahm die freie Hand des Weihnachtsmanns in ihre und zeigte ihm den Weg in den großen Aufenthaltsraum, wo wie jedes Jahr der Weihnachtsbaum stand.

Hannes tat es seiner Schwester nach und schleppte Tobi hinter sich her, der warm lachen musste. Er war es von den beiden ja schon gewohnt.

*

Niklas ließ sich von dem kleinen Mädchen ziehen und hielt mit der anderen Hand seinen Sack am Rücken fest. Nachdem sie durch ein paar Zimmer gegangen waren kamen sie auch schon in einem großen Saal an, wo mehrere Tische standen. Ganz rechts an der Wand war ein gemütlich aussehender Sessel platziert und daneben stand ein kleiner, magerer Weihnachtsbaum. Die Kinder hatten im Heim wohl nicht genug Geld, um sich einen schöneren leisten zu können. Traurig seufzte Niklas und sah dann aber auf die wartenden Kinder, die alle mit riesigen Augen zu ihm sahen. "Hohoho! Habt ihr also alle schon gewartet!", bemerkte er und ließ sich von Josephine zum Sessel bringen, wo er sich setzte und dann seinen Elfen zu sich winkte. "So, ich hab hier meinen Geschenkesack und für alle braven Kinder hier im Saal ist etwas darin. Dann wollen wir mal schauen."

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Traurig seufzte der Braunhaarige auf. Es war schon traurig, dass das Waisenhaus einfach nicht genug Geld hatte und die Menschen kaum spendeten.

Langsam setzte er sich in Bewegung und trat dann neben den Sessel auf dem sonst er immer saß. Blieb nur die Frage, wie er Niki die Namen vorsagen konnte, ohne dass die Kinder es merkten und dann der Mythos des allwissenden Weihnachtsmannes kaputt war.

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"So dann fangen wir mal an." Niklas öffnete seinen Sack und hörte erfreut das gespannte nach Luft schnappen der Kinder. Lächelnd zog er das erste Geschenk und las den Namen. Jennifer. Langsam hob er den Blick und spähte die Tische entlang, bevor er das kleine blonde Mädchen erkannte, dass diesen Namen trug und zu der dieses Geschenk gehörte. "Jennifer, komm er." Eindeutig zeigte er auf das Mädchen, das sofort die Augen aufriss und zu ihm kam. "Na dann setz dich mal auf meinen Schoß!"

Die kleine gehorchte und kletterte rasch auf Niklas' Schoß, der lächelnd auf sie hinab blickte. "Bist du denn brav gewesen dieses Jahr?" Das Geschenk hatte er schnell Tobi in die Hand gedrückt, bevor die Kleine bei ihm angekommen war.

*

Verwirrt blickte Tobias auf sein Engelchen und dann auf Jennifer, die freudestrahlend auf Niklas zukam.

/Woher weiß Niklas ihren Namen? Gut, er steht auf dem Geschenk. Aber woher weiß er dann, welches Kind Jennifer ist?/

Der Braunhaarige drehte das Geschenk in seinen Händen und stibitze dann schnell den Zettel, ließ ihn in der Hosentasche verschwinden.

Jennifer nickte wild, wobei ihre blonden Locken hüpften. "Ja, ich war lieb. Und ich hab extra ein Gedicht gelernt", strahlte sie.

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"Oh das ist aber schön, dann sag es doch mal auf." Sofort begann Jennifer loszulegen und Niklas lächelte sanftmütig, lobte sie dann als die fertig war und ließ sich von Tobias das Geschenk zurückgeben. "So meine Kleine, das ist dann für dich. Sei weiterhin so brav und streite dich nicht so oft mit Paul!" Sofort bekam Jennifer rote Wangen und Paul sog wieder angespannt die Luft in die Lungen. Der Weihnachtsmann wusste ja wirklich alles!

Niklas lachte wieder tief auf und hob die kleine Blonde von seinem Schoß, wartete bis sie zu ihrem Platz zurück gegangen war und griff wieder in den Sack, las den Namen und suchte das passende Kind aus der Menge heraus. Immer wieder reichte er danach Tobi das Geschenk, damit dieser den Namen abmachen konnten. Und immer wenn ein Kind sein Gedicht vorgetragen hatte lobte Niklas es und mahnte notfalls das an, was die Kleinen in diesem Jahr verbrochen hatten.

*

Also langsam wurde ihm sein Freund wirklich unheimlich. Sicher, Tobias wusste dass sich Jennifer immer mit Paul zankte, egal um was. Aber der 23-Jährige kannte die Kinder auch schon alle länger.

Aber woher wusste der Blonde das? Tobias hatte ihm nichts über die Kinder gesagt. Weder ihre Namen, noch wie sie aussehen oder mit was sie Probleme hatten.

Und so ging das auch weiter. Bei jedem Geschenk wusste er, wie das Kind aussah und hieß, was es das Jahr über angestellt hatte.

Da musste er nach mal nachfragen. Aber im Augenblick waren die leuchtenden Kinderaugen wichtiger, die sich ab und an auch eine Umarmung von ihm holten.

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"So Florian, dann ist dies hier dein Geschenk und wenn du das nächste Mal krank wirst, dann bleibst du auch liegen, so wie dir das gesagt wird und büchst nicht aus, kleiner Mann!", meinte Niklas streng und erntete ein Nicken des kleinen Jungen, der mit seinem Geschenk zu seinem Platz zurück ging. Nun war der Sack leer und jeder hatte sein Geschenk bekommen. Doch was nun. Hilfesuchend blickte er zu Tobi.

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Immer wieder schüttelte Tobias stumm seinen Kopf. Manche Sachen, von denen Niklas wusste, wusste nicht einmal er selbst. Wie machte der Blonde das nur?

Er war froh, dass das letzte Geschenk verteilt war. Als er das fragende Gesicht von Niki sah, beugte er sich zu ihm und flüsterte: "Setzt singen wir alle zusammen ein Weihnachtslied und dann gibt es Mittagessen."

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Niklas nickte und blickte dann wieder zu den Kindern. "Mein Elf flüsterte mir gerade, dass wir jetzt alle noch ein Weihnachtslied singen. Welches wollt ihr denn?", fragte er in die Runde.

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Die Kinder riefen wild durcheinander, bis Maggy - die Erzieherin für Ruhe sorgte. "So, Lisa, unsere Jüngste darf sich jetzt eines aussuchen."

Das 3-Jährige Mädchen blickte in die Runde und meinte dann mit leiser Stimme, weil sie Angst hatte das die anderen ihr das Übel nehmen könnten: "Kling, Glöckchen, Klingelingling."

Mit großen Augen starrte sie zum Weihnachtsmann. Der würde ihr den Wunsch doch nicht abschlagen, oder?

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"Eine wundervolle Wahl Lisa. Dann singen wir jetzt alle "Kling, Glöckchen, Kling!" Lächelnd erhob sich Niklas so wie alle anderen auch und begann einstimmig mit den Kleinen zu singen, blickte dabei sanft zu Tobi, der ebenfalls sang.

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Das war eines seiner Lieblingslieder. Ein altes Deutsches, das sie noch nicht verhunzt hatten.

Deswegen stimmte Tobi besonders gerne mit ein und schenkte Maggy ein Lächeln, die sich an das alte Klavier gesetzt hatte und die Melodie spielte.

Warm blickte er in die blauen Augen des Weihnachtsmanns, war froh dass Niki in seinem Leben gelandet war und jetzt mit ihm bei den Kindern war.

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Niklas sang das bekannte Weihnachtslied laut mit und lächelte beim Luft holen kurz seinem Elfen zu. Tobis Stimme war deutlich in der Menge zu hören und er konnte sehr gut singen, fand Niklas. Bald kamen sie zur letzten Strophe, die freudig von den Kleinen gesungen wurde, bevor das Klavier und auch ihre Stimmen verstummten und der Weihnachtsmann mit seinem Elfen am Tisch Platz nahm. Kurz darauf entbrannte eine kleine Diskussion wer denn neben dem Weihnachtsmann sitzen durfte und jedes Kind schien sich um diesen Platz zu reißen, bis Niklas Ruhe gebot und Tobi ansah. "Mein Elf soll entscheiden wer von euch am bravsten war und sich neben mich setzen soll."

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Tja. Das war wirklich eine gute Frage. Die Kinder würden zwar im ersten Augenblick sauer auf ihn sein, wenn er einen bevorzugen würde, aber das würde auch wieder aufhören.

"Lisa magst du neben dem Weihnachtsmann sitzen", fragte Tobias die Jüngste.

Die blickte mit großen Augen zu Niklas und schüttete dann den Kopf. "Ich will auf deinen Schoß, Tobi."

Gut, dagegen hatte der 23-Jährige nichts. "Nico, möchtest du? Immerhin, ist das ja heute dein letztes Nikolausfest hier im Heim. Du wirst ja nach Neujahr adoptiert." Fragend blickte er den 11-Jährigen an.

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"Oh das finde ich einen schönen Grund neben dem Weihnachtsmann zu sitzen. Zum nächsten Fest sitzt du ja dann neben deiner neuen Mama und deinem Papa!", lächelte Niklas und zog den Stuhl neben sich zurück, wartete bis sich Nico gesetzt hatte und blickte ihn dann warm an. "Freust du dich schon auf deine neue Familie?"

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Nico strahlte, weil er neben dem Weihnachtsmann sitzen durfte. "Ja, sehr sogar. Ich hatte nie eine wirkliche Familie. Aber ich hab auch Angst. Was ist, wenn sie mich nicht mögen? Ich will doch nur jemanden, der mich lieb hat."

Tobias gönnte es Nico wirklich, dass er endlich adoptiert wurde und die Familie ihn auch wirklich wollte. Zu oft war er einfach wie ein Gegenstand herum gereicht wurde. Blieb nur zu hoffen, dass seine neuen Eltern ihm all ihre Liebe zeigten und ihn ein wenig verwöhnten. Es gab keinen anderen, der das mehr verdient hätte.

Der 23-Jährige setzte sich auf den anderen Stuhl neben Niki und hob dann Lisa auf seinen Schoß. Die Kleine war ihm ans Herz gewachsen und wenn er genügend Geld hätte um, sich eine größere Wohnung zu leisten und ihr alles bieten könnte, würde er sie adoptieren. Aber das war ihm Augenblick nicht drin.

Leider.

*

"Deine Eltern werden dich ganz sicher lieb haben, du bist besonders brav Nico, und ich muss es wissen!", lächelte Niklas und wuschelte durch das blonde Haar des kleinen Jungen. "Jetzt iss, damit du nicht total abgemagert zu deinen neuen Eltern kommst, die kriegen ja einen Schreck!"

Damit begann Tobi zu essen und Niklas und all die anderen Kinder griffen ebenfalls zu.

*

Das Essen war wie jedes Jahr lecker und Tobias half Lisa ab und an, damit auch sie essen konnte. Ab und zu warf der Braunhaarige einen warmen Blick auf Niklas, aber auch die anderen Kinder lächelte er freundlich an.

Nach dem Essen würde dann erst einmal eine Geschichte fällig sein und dann, wenn alles verdaut war, ein, zwei Stunden spielen. Tobi war schon gespannt, wie lange es sein Freund aushalten würde.

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Der hielt es noch eine ganze Weile aus. Tobis Geschichte lauschte er gespannt, ebenso war bei den Spielen voller Flamme dabei. Doch danach war es schon so spät, dass es in kürzester Zeit dunkel sein würde. Immerhin war Winter und zu Hause würde Niklas endlich aus dem warmen Kostüm rauskommen, konnte es sich mit Tobi noch etwas gemütlich machen. "So liebe Kinder, ich und mein Elf werden nun langsam verschwinden. Den Rentieren wird das warten zu lang und sie wollen nach Hause!"

*

Der Nachmittag hatte Tobias doppelt so viel Spaß gemacht, weil Niki mit dabei war. Das Kinderlachen war doch immer wieder schön und so was wie eine Medizin.

Aber selbst der Braunhaarige, der das jedes Jahr machte und das gewöhnt war, war langsam müde und erschöpft.

Deswegen kam es ihm gerade recht, dass sein Freund meinte, sie müssten jetzt nach Hause, weil die Rentiere nicht mehr warten mochten. Diese Begründung war einfach nur süß.

So verabschiedete sich auch der Elf, nahm alle Kinder noch einmal in den Arm, wobei er bei Nico und Lisa länger verweilte, weil er den ersten nicht mehr sehen würde und letzte nicht hergeben wollte.

Tief atmete der 23-Jährige die kalte Luft ein, als sie das Waisenhaus verließen.

*

Auch Niklas hatte sich verabschiedet, alle nochmal zu einem braven nächsten Jahr geraten, so wie es seine Pflicht war, und dann war er mit dem leeren Sack über dem Rücken Tobias gefolgt. Atmete entspannt aus, als sie wieder draußen waren. "Das hat Spaß gemacht", lächelte er dann seinem Freund zu, als sie ein Stück weiter weg waren.

*

"Ja. Sogar noch mehr Spaß, als sonst, weil du mit dabei gewesen bist", gab der Braunhaarige zu und war froh, dass er wegen der Kälte schon rote Wangen hatte. Da viel das gar nicht auf, dass sie noch ein wenig dunkler wurden.

Da sie weit genug weg warn, fasste er nach Niklas Hand und verschlang sie mit seiner. "Gehen wir nach Hause und lassen uns dann nachher was zum Essen bringen. Oder wir gehen hier noch an einer Pizzeria vorbei. Aber bis wir dann zuhause sind, ist das Essen kalt."

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"Ich mag nicht als Weihnachtsmann irgendwo rumsitzen. Essen gehen mit dir gerne, aber erstens möchte ich heute eben nicht aufgrund des Kostüms und zweites möchte ich nicht wieder, dass du für uns beide zahlen musst. Wird Zeit, dass die Bankautomaten repariert sind", seufzte Niklas und drückte Tobis Hand. "Lass uns zu Hause was kochen, und wenn gar nichts da ist dann bestellen wir uns doch was."

*

"Also gut, fahren wir nach Hause", stimmte der Kleinere zu und lief mit Niklas zu seinem Auto.

Zu dem Wunsch, mit dem reparierten Automaten sagte Tobias nichts. Denn das würde es nur endgültiger machen, das Niki wieder ging, weil er ja eigentlich zum Äquator wollte.

Beim Auto angekommen, schloss Tobi auf und schaltete noch, bevor er richtig saß, den Motor an und die Heizung auf höchste Stufe. Bis es warm genug wäre. Dann würde er sie wieder runter drehen.

*

Niklas stieg sofort in den Wagen, nahm sich den Bart und die aufklebbaren Augenbrauen ab und zog den dicken Mantel aus. Drunter hatte er zum Glück ein T-Shirt an, doch die rote Weihnachtsmannhose musste er anbehalten. Zu Hause würde er dann aber wieder in eine bequeme Jeans schlüpfen. "Du siehst übrigens toll aus als Elf!"

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"Und du als Weihnachtsmann. Das Rot steht dir. Aber der Bart und der Bauch muss nicht unbedingt sein. Auch wenn ich es an die lieben würde, wenn es mal so weit wäre. Aber im Augenblick bist du so richtig, wie du bist", erklärte Tobias und beugte sich zu seinem Freund, küsste ihn sanft.

Schließlich murmelte er ein: "Danke für das Kompliment", bevor er los fuhr.

Frech legte er seine freie Hand auf den Oberschenkel des Blonden und nahm ihn nur weg, wenn er schalten musste.

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Niklas seufzte glücklich und streichelte immer wieder die Hand seines Freundes, ließ sie aber bereitwillig los, als dieser dann doch mal einen anderen Gang einlegte. Hach es war einfach schön mit Tobi.

Und bald waren sie auch schon zu Hause angekommen. Schnell packte Niklas seine Sachen in den Sack und stieg dann nur in T-Shirt und Weihnachtsmannhose aus.

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Tobias beeilte sich seinen Wagen abzuschließen und die Haustüre auf, weil er nicht wollte das Niki krank wurde. So ein T-Shirt hielt nicht gerade warm.

Die Treppe hatten beide auch schnell hinter sich gebracht und wenig später standen sie in ihren vier Wänden. Tobias war froh, seine Seele für heute baumeln lassen zu können und das mit Niklas tun zu können. Ein Leben ohne ihn, konnte er sich kaum noch vorstellen.

"Gehen wir uns umziehen und schauen dann, was meine Küche noch so hergibt. Notfalls müssen wir noch schnell zum Supermarkt, um etwas zu kaufen."

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"Oder wie gesagt, einfach was bestellen. Aber vorher..." , murmelte Niklas und zog Tobi noch im Flur an sich, schlang die Arme um dessen Hüfte und zog ihn für einen liebevollen Kuss an sich. Es war Wahnsinn, wie ihm das gefehlt hatte.

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Zufrieden seufzte der 23-Jährige auf und schloss seine Augen, während er seine Arme um Niklas Hals schlang.

Zärtlich knabberte er an der Unterlippe und war froh, seinen Freund endlich wieder Küssen und in den Arm nehmen zu können. Ziemlich oft war er im Waisenhaus kurz davor gewesen, sein Engelchen einfach zu packen und bewusstlos zu küssen.

Breitwillig öffnete er seinen Mund, damit Niki ihn wieder in Besitz nehmen konnte.

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Und Niklas ließ sich nicht zwei Mal auffordern, erforschte gierig die Mundhöhle Tobis und umspielte geschickt die süße Zunge. Seinem wilden Herzschlag lauschend, zog Niklas Tobias noch fester an sich, ließ seine Hände unbewusst unter das Shirt des Kleineren wandern.

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/Oh verdammt. Ich bekomm weiche Knie/, war der letzte klare Gedanke, bevor er sich dem gierigen Angriff ergab und sich näher an Niklas schmiegte, damit er nicht umkippte.

Der Ältere war einfach Wahnsinn pur und diese Hände, die da so frech seine Haut liebkosten, machte es auch nicht besser.

Selbstvergessen, begann er in den Kuss zu schnurren und kraulte den Nacken seines Freundes.

*

Seufzend genoss Niklas weiterhin den Kuss, lehnte sich nach hinten an die Wand und löste ihre Lippen und Zungen erst voneinander, als er nach Luft schnappen musste. "Wow... das hab ich vermisst..."

*

Schwer atmend schenkte Tobias seinem Freund einen liebevollen Blick.

"Ich auch. Ich war andauernd so knapp davor, dich an mich zu reisen und in Grund und Boden zu Küssen. Ich konnte mir nur schwer davon abhalten", gab der Kleinere zu und stibitze sich noch einen kurzen Kuss, bevor er seine Wange an die Brust den Blonden lehnte.

"Ich bin froh, dass ich dich wieder für mich ganz alleine habe."

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"Ich auch. Und ich bin zusätzlich froh, dass du dich beherrschen konntest. Es hätte bei den süßen Kleinen sicher ein Trauma ausgelöst, wenn der Weihnachtself vor ihren Augen ihren Weihnachtsmann abgeknutscht hätte", grinste Niklas frech und küsste Tobi auf die Stirn.

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/Oder ihn vernascht. Aber so weit sind wir ja nicht/, stellte der Braunhaarige in Gedanken fest. "Ja, das hätte wohl ihr Weltbild des Weihnachtsmannes zerstört", stimmte er zu.

Maggy hätte ihn wohl einiges gehustet.

Tobias hob leicht seinen Kopf, versank in den blauen Tiefen und wisperte: "Hab ich dir heute eigentlich schon gesagt, dass ich dich liebe?"

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Niklas blickte warm zu Tobi zurück und hauchte ihm sogleich wieder einen Kuss auf die Lippen. "Du bist süß!", flüsterte er dann leise und stieß sich von der Wand ab. "Lass uns was essen ja, kleiner Eisbär?", fragte er sanft und streichelte durch Tobis kurzes Haar.

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"Süchtig machend Süß oder Zahnschmerzen machend?", wollte der kleine Eisbär frech Grinsend wissen, bevor er sich von Niklas löste und zur Küche ging.

In der Türe drehte er sich noch einmal um, streckte dem Älteren die Zunge raus und trat dann kichernd ganz in die Küche, um zu sehen, was denn noch da war.

Niklas hatte in seinem Leben einfach noch gefehlt.

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"Zuerst süchtig machend und dabei heimlich die Zähne zerstörend!", lachte Niklas und folgte Tobi in die Küche, setzte sich aber mal ganz faul an den Küchentisch und blickte zu Tobi. Eigentlich hatte er sich ja umziehen wollen, aber naja... .

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"Hast du ein Glück, da sich nicht nachtragend bin", lachte der Braunhaarige und wandte sich dann seinem Kühlschrank zu.

Neugierig öffnete der Kleine ihn und suchte sich durch seine Vorräte, morgen mussten sie auch wieder einkaufen. Das Brot wurde wieder knapp und die Butter auch.

"Was hältst du von heißen Würstchen und Krauterbutterbaguette aus dem Backofen? Währenddessen können wir auch diese Klamotten loswerden."

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"Hört sich gut an, vor allem das umziehen. Ich find’s ja gut dass die Sachen so warm sind, aber drinnen macht sich das nicht so gut. Meine Beine schwitzen total", murrte Nik und erhob sich, ging schleunigst ins Wohnzimmer und dort an seine Tasche, wo er sich rasch in Jeans und ein frisches T-Shirt kleidete. Jetzt fühlte er sich besser.

*

Tobias nickte nur und räumte den Backofen leer, schaltete ihn dann auch gleich an. Zwei Brote waren schnell aus den Verpackungen und auf dem Blech. Von dem Brot bekam er einfach nicht genug. Da war es besser, mehr als zu wenig zu haben. Außerdem konnte man es auch kalt essen.

Die aufleuchtende Lampe zeigte ihm, dass der Backofen heiß war und so schob er das Blech rein, bevor sich der Hausherr auf den Weg in sein Schlafzimmer machte, um wieder ein Mensch zu werden.

Das Kostüm hängte Tobias, nachdem er es ausgezogen hatte, auf einen Kleiderbügel und den an den Schrank. Danach schlüpfte er in einen warmen Pulli und in eine Jogginghose.

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Niklas fand sich unterdessen wieder in der Küche ein und roch bereits die Baguettes im Ofen. Hmmm das duftete lecker. Fehlten nur noch die Würstchen. Die Packung Wiener lag schon bereit. Also las sich Niklas die Anleitung durch - hatte er Wiener doch noch nie gekocht - und erwärmte die Würstchen dann wie beschrieben.

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Sich streckend trat Tobi in die Küche und ein warmes Lächeln schlich sich auf seine Lippen, als er Niki mal wieder beim Kochen vorfand. Der Blonde verwöhnte ihn richtig.

Leise setzte sich der Jüngere auf den Tisch, baumelte mit den Beinen und betrachtete seinen Freund. Besonders der leckere Po in der Jeans forderte seine Aufmerksamkeit, ließ ihn sich die Lippen lecken.

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"Oh, da bist du ja wieder!", bemerkte Niklas strahlend als er sich halb umwandte und Tobi auf dem Tisch sitzen sah. "Die Baguettes müssten auch gleich soweit sein. Was machen wir denn nach dem essen?"

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Tobias legte seinen Kopf leicht schief und dachte nach. Was konnten sie denn machen?

"Wollen wir Gabi ein bisschen Gesellschaft leisten? Sie hat immer so viel mit ihrer Technik zu tun, dass es mich jedes Mal wundert, dass sie noch nicht damit spricht. Und sie hat dich nett gefunden", sprach der Braunhaarige und hopste schließlich vom Tisch.

Er trat neben seinen Freund, klapste ihm frech auf den knackigen Po und machte sich dann daran, den Tisch zu decken.

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"Ich finde sie auch nett. Wir können gerne zu ihr gehen, aber bitte nicht wieder Mensch ärgere dich mit Alkohol!", bat Niklas und kniff bei dem Gedanken an seine Kopfschmerzen am nächsten Morgen die Augen zusammen.

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"Keine Bange, Engelchen. Ich werde aufpassen, dass wir keinen Alkohol trinken. Wir werden nur mit alkoholfreien Getränken spielen", versprach Tobias, hauchte Niklas einen Kuss auf die Wange und wandte sich dann dem Eisschrank zu.

"Was möchtest du denn trinken und was willst du zu deinen Würstchen dazu? Ketchup, Senf?"

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"Keine Ahnung, ich hab das noch nie gegessen! Gib mir einfach beides", bat Niklas und setzte sich dann an den Tisch. Er hatte Hunger und jetzt freute er sich auch auf den Abend mit Gabi, mit der er wirklich gerne befreundet sein wollte.

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Tobias nickte nur und suchte sich den Ketchup sowie den Senf zusammen und brachte das zusammen mit Cola und Mineralwasser zum Tisch.

Dann holte er noch zwei Gläser und stapelte die Würstchen auf einen dritten Teller. Schließlich stellte er noch den Backofen aus und legte die beiden Baguettes auf ein großes Brett, stellte es auf den Tisch.

"Guten Appetit, Engelchen", wünschte der Kleinere und setzte sich dann selbst an den Tisch.

Während Niklas ihnen zwei Würstchen auf die Teller tat, schnitt Tobias die Baguette auf.

Tüchtig langten beide zu und nach kurzer Zeit, war kein Krümel mehr übrig.

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Gesättigt erhob sich Niklas und räumte gemeinsam mit dem jüngeren den Tisch ab. Schnell holte sich der Blonde noch einen Pullover, bevor sie sich schon gemeinsam auf den Weg zu Gabi machten. "Werden wir es ihr sagen, das mit uns meine ich?", fragte er vor der Tür leise flüsternd.

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Warm lächelte Tobias den Größeren an und legte ihm die Hand auf die Wange.

"Gabi zählt zu meinen besten Freunden, ich sage ihr immer alles. Aber wenn du nicht willst, wird sie nichts davon erfahren. Ich überlasse es dir, weil ich nicht weiß, ob dir das peinlich oder unangenehm ist, wenn meine Freunde davon wissen. Sie könnten dich in die Mangel nehmen, damit du mir nicht wehtust. Und das will ich nicht“, wisperte der Braunhaarige.

Warum sie so leise waren, konnte er aber nicht sagen. Denn Gabi stand nie direkt hinter der Türe und lauerte auf ihn.

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"Nein, es ist schon okay. Ich möchte ja auch nicht lügen und wo wir uns den ganzen Tag verstellen und unsere Gefühle verstecken mussten, sollten wir das jetzt nicht nochmal widerholen...", flüsterte Niklas und ergriff mutig Tobis Hand, auch wenn seine eigene leicht zitterte.

*

Das war so unglaublich süß von Niki, das er zu ihm stehen wollte.

So war es Tobias grad egal, das sie mitten auf dem Flur standen, als er sich ein bisschen streckte und ein: "Das ist lieb von dir Engelchen", murmelte, bevor er ihn liebevoll küsste.

Dass die Türe vor der sie standen aufging, weil Gabi der Meinung war Stimmen gehört zu haben und die beiden mit großen Augen ansah, bekam der Jüngste nicht mit.

*

Aber Niklas bekam es mit, hatte er doch deutlich gehört wie die Tür geöffnet wurde. Sofort zog er sich erschrocken zurück und bekam rote Wangen, senkte den Blick. Das war ihm ganz schön unangenehm. Was würde Gabi jetzt denken?!

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Verwirrt öffnete Tobias die Augen als sich sein Freund plötzlich zurück zog und verpeilt drehte er den Kopf, bis er Gabi bemerkte.

"Na, kommt rein ihr beiden Süßen. Nicht das sich noch wer beschwert, weil ihr euch hier gegenseitig abknutscht. Außerdem ist die Couch viel bequemer und Uli möchte euch bestimmt auch gerne sehen", grinste die Schwarzhaarige breit und machte den Weg in ihre Wohnung frei.

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"Oh... Uli ist auch da?", fragte Niklas leise und immer noch etwas erschrocken, griff dann aber Tobis Hand fester und betrat mit ihm Gabis Wohnung.

*

Tobias war das ganze schon peinlich, was die roten Wangen und auch die roten Ohren erklären würde.

Aber er hatte ja mit seinem Freund ausgemacht, dass seine besten Freunde es wissen sollten. Da würde er keinen Rückzieher machen, nur weil Gabi sie beim Küssen entdeckt hatte.

Beruhigend streichelte der Braunhaarige mit seinem Daumen über Nikis Handrücken und schenkte ihm ein aufmunterndes Lächeln, bevor er das Wohnzimmer betrat und Uli begrüßte.

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"Hallo Uli", flüsterte Niklas immer noch nervös, als er mit Tobi an der Hand das Wohnzimmer betrat und den großen Mann erblickte.

Gabi trat hinter ihnen ein und stieß sie aufmunternd in Richtung Sofa. Sie wollte unbedingt wissen warum die beiden nun Händchen hielten. Zwar konnte sie sich das ganz genau erklären, wusste aber nicht wie es dazu gekommen war. Und sie würde jede schmutzige Kleinigkeit aus den beiden rauskitzeln.

*

Während der Florist die beiden mit großen Augen anstarrte und besonders die verschränkten Hände nicht aus seinem Blick entließ, streichelte Tobias weiterhin mit seinem Daumen über Nikis Handrücken und ließ sich dann mit ihm auf dem Couch nieder

Er kannte den Blick seiner besten Freundin und der verhieß nichts Gutes. "Vergiss es Gabi. Mehr als 'seit gestern' wirst du sicherlich nicht erfahren. Und selbst das ist schon zu viel", bestimmte der Braunhaarige.

Er hatte keine Lust, sich Standpauken von Uli und Gabi anzuhören, weil er sich trotz des Wissens das Niklas bald wieder gehen würde, in ihn verliebt hatte. Daran konnte Tobi nichts ändern und ganz ehrlich, er wollte das auch nicht.

So überhörte er die Fragen seiner Freunde gekonnt und kuschelte sich etwas mehr an Niklas. Wenn den beiden langweilig wegen der ewigen Fragerei wurde, würden sie schon von sich aus ein Spiel vorschlagen.

*

Niklas legte einfach einen Arm um Tobis Schultern, als dieser sich an ihn schmiegte, blickte sanft zu ihm hinab und war innerlich doch ganz schön verwundert, weil Tobi nichts erzählte. Immerhin hatten sie doch beschlossen ehrlich gegenüber Uli und Gabi zu sein und nun bekam keiner von ihnen eine Antwort von Tobias.

Das bemerkten auch Gabi und Uli und wie es Tobi vermutet hatte, wurden sie es schnell müde Tobi zu fragen, also wandten sie sich an Niklas, der nun begann zu schwitzen. Was sollte er denn sagen?

*

So, er hatte seine Freunde lang genug schmoren lassen. Nun musste Tobias den Held in der goldenen Rüstung spielen und seinen Freund retten.

Der 23-Jährige richtete sich etwas auf, küsste sein Engelchen sanft und murmelte dann leise: "Ich wollte sie nur ein wenig schmoren lassen. Das haben sie auch mal verdient."

Tobi kuschelte sich wieder an seinen Niklas und erzählte ihnen, was passiert war. Aber das die Küsse süchtig machten und wie schön es war in Nikis Armen zu liegen, ließ er aus. Gabi und Uli mussten ja nicht alles wissen.

*

Gabi und Uli freuten sich sichtlich, dass sie nun doch alles erfuhren und Niklas atmete erleichtert auf, dass er von Tobias doch noch gerettet wurde. Er lauschte still den Erzählungen seines kleineren Freundes, dass sie eben im Alkoholrausch zusammengekommen waren, aber Niklas nun gerne eine Beziehung wollte und das kein einmaliges Abenteuer gewesen war.

Bei der Erklärung zogen die beiden Freunde Tobis ein paar Mal die Augenbrauen hoch, war es ja auch nicht gerade wahrscheinlich, dass jemand, der nie behauptet hatte schwul zu sein, nun eben jenes war...

*

Aber manchmal konnte es ja schneller gehen, als man das selbst dachte. Und Tobias wäre der Letzte der etwas dagegen hatte, dass Niklas nun doch schwul war.

Wobei das nicht gesagt war. Vielleicht stand er auch nur auf Tobias und fühlte sich von anderen Männern abgestoßen. So was gab es ja auch.

Zufrieden mit sich und der Welt kuschelte sich der Spielzeugmacher noch etwas näher zu Niki und begann mit einem Finger auf den in Stoff verpackten Oberschenkel zu malen. Die Atmosphäre entspannte ihn.

Als Gabi Monopoly herausholte, sagte er nicht nein, blickte aber Fragend zu Niki hoch und legte gleich mal fest, keinen Alkohol. Kopfschmerzen waren was ganz fieses.

*

"Ich spiele gerne mit, aber eben nur ohne Alkohol!", widerholte Niklas nochmal lächelnd und begann Tobis Nacken zu kraulen, während Gabi das Spielbrett aufbaute und sie sich ihre Figuren raussuchten. Es würde sicher lustig werden...



6. Dezember [Laila]
Motorrad
Damien und Cassian

„Du meinst echt ich soll das anziehen? Ich bin ein Engel und kann nicht erfrieren,“ maulte Cassian.
Ungläubig wanderte sein Blick über die Motorradkleidung, die auf dem Bett lag. Er mochte solche Sachen nicht.
Ein warmes Lachen ertönte, als Damien zu ihm trat.
„Es wäre schon besser. Dann zieh zumindest die Jacke an. Dein Helm liegt auf dem Tisch. Wenn du soweit bist machen wir einen Ausflug.“
Der Vampir hauchte ihm einen Kuss in den Nacken und verließ das Schlafzimmer. Es war zwar nicht das erste Mal das er mit Cassian einen kleinen Ausflug machte, aber er hatte keine Lust wieder von der Polizei angehalten zu werden.
Die Diskussion beim letzten Mal hatte ihm gereicht.
Es dauerte nicht lange und Cassian stand in schwarzer Lederhose und Jacke neben ihm.
Der Vampir leckte sich über die Lippen.
„Du siehst heiß aus. Das solltest du öfters tragen,“ schnurrte er.
Fast war er versucht den Engel an sich zu ziehen und ihn aus den Sachen zu schälen. Der Anblick der engen Hose, weckte seine Lust.
Cassian grinste, als er den Geruch der Erregung wahrnahm.
Ohne Damien weiter zu beachten, schnappte er sich den Helm und ging nach draußen.
Murrend folgte ihm sein Freund.
Dann würden sie eben erst eine kleine Runde drehen. Seinen Engel konnte er dann später vernaschen.



Braune Blätter [Chaotizitaet]

06 – Josh



Als ich am nächsten Morgen erwachte, fühlte ich mich wohlig erfrischt. Obgleich die andere Hälfte des Bettes genauso kalt und leer wie am Vortag war. Und an dem Tag davor. Und davor. Denn natürlich hatte Cal darauf bestanden, nach den Ritualen noch nach Hause zu fahren, statt auf das Angebot, bei mir zu übernachten, einzugehen. Egal wie müde er war. Als ob ich ihn im Schlaf überfallen würde. Dazu war ich selbst viel zu müde gewesen. Und am Morgen, wenn ich ausgeschlafen hätte, wäre Cal ebenfalls ausgeschlafen gewesen und hätte mich – Gleichgewicht hin oder her – sicherlich ermordet, hätte ich mich auch nur einen Zentimeter zu dicht an ihn herangewagt. Immerhin hatte ich ihn davon überzeugen können, ein Taxi zu nehmen und sich nicht selbst hinters Steuer zu setzen.

Ich stand auf, reckte mich und kratzte mir den Bauch. Erst würde ich mir eine heiße Dusche gönnen, dann einen leckeren Kaffee und dann nachsehen, welche Blätter es gewagt hatten, sich zusätzlich zu dem noch verbliebenen Blatt braun zu färben.

Soweit der Plan. Aber wann funktionierten meine Pläne schon mal? Ich war kaum aus dem Schlafzimmer in den Flur hinausgetreten, als ich die eindeutige Gegenwart des braunen Blattes verspürte, das wir am Vorabend nicht mehr hatten heimschicken können. Na ja, dachte ich in meinem noch nicht ganz wachen Zustand, muss ich wenigstens nicht alleine frühstücken. Und wollte Urs, einen Schweizer Mathematikprofessor, auf dem Gang ins Bad ignorieren.

Dieser aber stellte sich mir so in den Weg, dass ich beinahe durch ihn hindurch gelaufen wäre. Es war mir einmal passiert, dass ich durch ein braunes Blatt hindurch gegangen war, und glaubt mir, es fühlt sich alles andere als pricklend an... In etwa so als watete man durch Innereien. Mir war danach den ganzen Tag übel gewesen und an Essen war nicht zu denken. Aber es war mir eine Lehre gewesen. So etwas wollte ich nicht noch einmal erfahren, weshalb ich abrupt stehen blieb und ins vermeintlich Leere starrte.

„Ich habe es gespürt“, sagte Urs.

„Was?“, grummelte ich, denn trotzdem ich gut geschlafen hatte, war ich noch nicht wirklich ansprechbar. War ich vor dem ersten Kaffee eigentlich nie.

„Dass ein weiteres Blatt hier in der Stadt angekommen ist.“

„Dann seid ihr wenigstens schon zu zweit“, murmelte ich nicht wirklich geistesgegenwärtig. In diesem morgendlichen Zustand neigte ich nun mal zu nicht besonders sozialen verbalen Querschlägern.

„Wie wäre es, wenn ich dir sagte, dass wir ein Gesangsquintett aufmachen können?“ Urs sarkastischer Stimme war anzuhören, dass er wenig geneigt war, mir eine Schonfrist bis nach dem ersten Kaffee zu gewähren.

„Nicht schon wieder Überstunden“, stöhnte ich. Denn auch wenn ich die Aussicht, dass Cal am Abend mit mir wieder die Rituale würde durchführen müssen, durchaus ansprechend fand, wusste ich, dass dessen Laune rapide dem absoluten Nullpunkt entgegenstrebte, wenn ihm bewusst wurde, dass wir schon wieder so viele braune Blätter hatten, dass er auch am Tag darauf meine Gegenwart würde ertragen müssen. Und ein schlecht gelaunter Cal gab prinzipiell mir die Schuld und war obendrein selbst für eine Frohnatur wie mich schwer zu erdulden.

„Wie wäre es, wenn du gleich auch mal deinen Baum kontrolliertest? Denn der Wahrscheinlichkeitstheorie nach dürftest du auch eine ungewollt hohe Anzahl brauner Blätter an deinem Baum vorfinden“, textete mich Urs weiter zu.

Auf mein etwas unintelligentes Gesicht hin, begann dieser, ganz der Mathematikprofessor, mir einen schier endlosen, schier öden und für mich schier unbegreiflichen Vortrag über besagte Wahrscheinlichkeitsrechnung und die darauf beruhende Theorie zu halten. Ich blendete ihn irgendwann einfach aus und marschierte ins Bad. Wo ich demonstrativ die Tür abschloss. Ich wusste zwar nicht, ob braune Blätter vielleicht nicht doch durch Wände gehen konnten, aber selbst wenn sie es konnten, sollten sie doch bitte so viel Anstand besitzen, zu verstehen, dass eine geschlossene Tür besagte, dass für den Moment ihre Gesellschaft unerwünscht war.

Dann war ich allein mit meinen Gedanken. Gedanken darüber, dass die Blätter gestern wohl erst der Anfang gewesen waren...



Mohnplätzchen [Laila]

250 g Mehl
1 Prise Salz
100 g frisch gemahlener Mohn
150 g Puderzucker
1 Eigelb
200 g Butter

Alle Zutaten zu einem glatten Teig verkneten und ca. 2 Stunden kalt stellen.
Den Teig auf einer bemehlten Fläche ausrollen und ausstechen.
Achtung: Der Teig kann kleben. Bitte nicht zu viel Mehl dran machen, dann wird er hart.
Ca. 12-15 Minuten bei 180 Grad backen.
Nach Belieben verzieren.