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08

Catching Santa Claus [Ira]

Türchen 8

Noch finsterer blickend trat Niks Vater noch näher. "Mich geht es sehr wohl was an wo Niklas ist! Und ich weiß, dass er hier ist. Also? Wo? Du hast die Wahl. Entweder sagst du mir wo er ist, oder ich stelle die ganze Wohnung auf den Kopf!"

*

Der 23-Jährige wich noch einen Schritt zurück und spürte die Wand im Rücken. Ängstlich riss er seinen Kopf herum, starrte ungläubig auf die Wand und drehte ihn dann ruckartig wieder zurück, blickte in die grauen Augen, die so gar nicht nach Liebe aussahen.

Hart schluckte Tobias. "Aus... aus der Tür raus, nach l...links und dann die letzte Tür ... rechts", stotterte er eingeschüchtert. Warum konnte der Typ nicht einfach wieder gehen und ihn und Niklas in Ruhe lassen.

*

Der Fremde nickte nur und drehte sich dann schnell herum, ging den beschriebenen Weg und öffnete die Tür vor ihm. Im Schlafzimmer angekommen schaltete er sofort das Licht an und verengte die Augen als er seinen Sohn im Bett sah, nackt und nur das nötigste von der Decke verdeckt! Ein fremder Mann, sein Sohn nackt im Bett - sofort konnte er sich vorstellen was dort zwischen seinem Sohn und diesem Fremden gelaufen war!

Wütend ging er zum Bett ergriff Niklas' Arm und begann ihn zu schütteln. Erschrocken schlug Niklas die Augen auf und schrie schließlich leise auf. "Vater?!"

*

Seine Beine zitterten wie Wackelpudding wenn man dagegen schlug. Tobias wollte sich an der Wand in seinem Rücken hinunter rutschen lassen, als er den Schrei von Niki bis hier her hörte.

/Vater?? Scheiße. Das darf doch wohl nicht wahr sein. Bei so einem Vater würde ich auch davon laufen/, schoss es dem Braunhaarigen durch den Kopf, bevor er sich zusammen riss und in sein Schlafzimmer rannte.

In der Tür blieb er unsicher stehen, konnte von hier aus sehen, dass der Griff schmerzhaft sein musste. "Engelchen", wisperte er leise.

*

"Zieh dich sofort an. Der Schlitten steht auf dem Dach, wir reden zu Hause!", knurrte Niks Vater finster und wandte sich dann ab, konnte nicht fassen, dass sein Sohn hier mit einem Mann lebte. Eine Frau, das hätte er noch verstanden, aber so... .

Ängstlich starrte Nik auf seinen Vater, sprang aus dem Bett und zog sich rasch an. Doch dann fiel sein Blick auf Tobi. Voller Angst stand er da, zitterte schon beinahe und blickte immer wieder zwischen ihm und seinem Vater hin und her!

Das reichte Niklas! Er musste doch auf Tobi aufpassen. Sofort - und nur mit einer Hose bekleidet - ging er auf den Kleineren zu, zog ihn in seine Arme und starrte wild entschlossen seinen Vater an. "Nein! Ich gehe nicht!"

*

Schlitten? Hä? Der Grauäugige verstand gar nichts mehr. Aber das lag vielleicht auch an der momentanen Situationen.

Der knurrige Ton und die Autorität, die Eiseskälte die Niklas Vater verströmte, machte ihm mehr als Angst. Er wollte nur hier weg, vorzugsweise mit Niklas und so viel Raum zwischen sich bringen, wie nur irgend möglich.

Gleich als sein Freund ihn umarmte, drückte sich Tobias zitternd an ihn, wollte am liebsten mit seinem Freund verschmelzen, damit er ihn nicht mehr hergeben musste.

Er war unglaublich stolz, das Niklas nicht weg wollte, aber Tobi hatte auch Angst, was dessen Vater dazu sagen oder noch schlimmer, machen würde.

*

Fest drückte Niklas den Kleineren an sich, auch um sich selbst Halt zu geben! "Hast du gehört, Vater? Ich gehe nicht!" Ganz langsam drehte sich der ältere Mann herum, und seine Augen sprühten pure Wut. "Du wirst gehen Nik! Du wirst nach Hause kommen, deine Ausbildung fertig machen und dann meine Aufgabe übernehmen! Mein Leben lang habe ich dich darauf vorbereitet."

"Aber das wollte ich nie!", schrie Niklas nun. "Ich liebe Tobias, ich will hier bleiben, ich will nicht der Weihnachtsmann sein und ich will nicht jemanden heiraten und mit ihm Kinder bekommen, den ich nicht liebe. Bloß weil ich meinem eigenen Sohn dann das gleiche antun soll, wie du mir?"

*
Weihnachtsmann?? Mit großen Augen drehte Tobias seinen Kopf und blickte Niklas an. Den Weißhaarigen hatte er in dem Augenblick total vergessen.

"Du... du wirst der neue Weihnachtsmann?? Dann... dann musst du zurück und all die Kinder auf der Welt glücklich machen. Ich...ich will doch nicht, dass es kein Weihnachten mehr gibt", murmelte der Braunhaarige und Tränen liefen jetzt über seine Wangen.

Er liebte Niklas mehr als sein Leben, würde es wohl kaum überleben können, aber er wollte nicht so egoistisch sein und dann daran schuld, dass es kein Weihnachten mehr gab. Lieber machte er sich selbst dafür unglücklich.

*

"Aber Tobi...", flüsterte Niklas nun leise und blickte verzweifelt zu dem Jüngeren hinab. "Ohne dich will ich nicht mehr sein! Ich will nicht mein Leben lang jedes Jahr nur für dieses Fest schuften, alleine, ohne jemanden der für MICH da ist. Immer nur muss ich für die anderen da sein!", flüsterte er traurig, konnte nicht fassen was Tobi da gesagt hatte. Die ganze Zeit hatten sich Tobi und er immer gesagt dass sie ihre Zeit genießen sollten und jetzt wo Nik für eine gemeinsame Zukunft kämpfte, machte Tobi einen Rückzug!

"Hörst du es Niklas, ja? Nicht mal dein kleiner Freund hier will, dass du hier bleibst, also komm nach Hause, du weißt, dass die Rentiere nicht gerne warten!"

*

Hasserfüllt drehte Tobias seinen Kopf, versuchte den Weihnachtsmann in Grund und Boden zu starren und zischte: "Klappe Alter, das geht dich nichts an."

Dann wandte er sich wieder seinem Freund zu und blickte ihn unendlich traurig an. "Engelchen... du weißt das ich dich Liebe. Ich würde mein Leben für dich geben wenn es was nützen würde und ich weiß, dass ich es nicht überleben werde, wenn du gehst", erklärte er liebevoll und legte eine Hand auf die weiche Wange.

"Aber bitte denk an die ganzen Kinder, die zu Weihnachten wirklich ein Geschenk verdient haben. So wie die Kinder im Waisenhaus gestern. Ich will nicht das Millionen von Kindern kein Weihnachten haben, nur wegen mir. Weil ich so egoistisch bin und den Menschen, den ich mehr als mein Leben liebe, nicht gehen lassen will."

*

"Dann komm mit...", hauchte Nik verzweifelt, doch das war seinem Vater zu viel. Schnell ging er zu den Beiden, zog sie auseinander und stellte sich zwischen sie, mit dem Rücken zu Tobi, das Gesicht zu Niklas gewandt. "Er kommt nicht mit! Das mit euch hat keine Zukunft, aber ich will das nicht hier besprechen. Wir müssen nach Hause! Wenn es hell wird, wird man den Schlitten sehen. Also zieh dich an!", befahl er nochmals.

*

Tobias wollte ja mit. Gott JA. Er würde sofort alles abbrechen und mit Niklas mitgehen. Er würde seine Freunde und Eltern zwar vermissen, aber er wäre bei der Liebe seines Lebens.

Aber man sah es ja. Nikis Vater stellte sich quer, war ein Dickkopf sondergleichen. Solange es ihn gab, würde ihr Liebe nie eine Chance bekommen.

Immer mehr Tränen rannen über seine Wangen, sein Körper bebte, weil er die Schluchzer unterdrücken musste. "Bitte Engelchen. Mach es uns nicht noch schwerer", bat er leise, mit liebevollem Blick.

Weil seine Beine ihn nicht mehr trugen, sackte er zu Boden.

*

"Nein...", flüsterte Niklas und brach nun auch in Tränen aus. Tobi hatte sie wohl aufgegeben, den Gedanken und Wunsch an eine gemeinsame Zukunft ausgelöscht. "Du willst wirklich dass ich gehe?", fragte er leise und nickte dann nur für sich. Schnell zog er sich den Pulli über, den er in der Hand gehalten hatte, und blickte nochmal zu Tobi hinab. "Ich...", doch weiter kam er nicht denn der Blick seines Vaters traf ihn und kurz darauf ergriff dessen Hand seinen Arm.

"Genug jetzt!", Nochmal blickte der Weihnachtsmann auf den zusammengesunkenen Tobias hinab, bevor er seinen weinenden Sohn hinter sich herzog. Ins Wohnzimmer. Zum Kamin und durch diesen hindurch nach oben aufs Dach... .

*

Die Worte schnitten sich wie Messer in seine Seele. Nein. Natürlich wollte er nicht, dass Niki ging. Er wollte ihn für sich, aber er konnte nicht so egoistisch sein, den Kindern Weihnachten weg zu nehmen.

Als es ruhig in der Wohnung war, brach er laut schluchzend zusammen, krümmte sich auf dem Boden zusammen und weinte herzzerreißend. Man hatte ihm soeben das Herz herausgerissen.

Laut und verzweifelt schrie er den Namen seines Freundes.

*

Niklas hörte seinen geschrienen Namen, als er gerade in den Schlitten steigen wollte und sprang sofort wieder raus, wollte zu Tobi rennen, doch sein Vater ließ ihn nicht, ergriff seinen Arm und zog ihn an sich, um ihn zu schütteln. "Mensch Niklas! Du musst nach Hause! Wir alle brauchen dich. Du hast diese Aufgabe nun mal, ob du willst oder nicht! Dein kleiner Freund da unten sieht das ein, doch du bist immer nur starrsinnig, denkst nur an dich. Hast du eine Ahnung wie wir uns gesorgt haben?!", fragte er scharf und sah Niklas zusammenzucken. Noch mehr Tränen quollen aus den tiefblauen Augen hervor. "Vater... bitte... ."

Nein, er durfte jetzt nicht schwach werden! Entschlossen zog sein Vater Nik in den Schlitten und gab den Rentieren den Befehl loszufliegen. Zu Hause würde er sich nochmal mit Niklas auseinander setzen.

Dieser lehnte sich über den Rand des Schlittens und sah Tobias' Wohnhaus immer kleiner werden. Darin die einzigen Leute, mit denen er eine echte Freundschaft hatte, die nicht auf seinen Status geachtet hatten. Und vor allem... sein Geliebter, den er nun nie wieder sehen würde... .

*

Irgendwann war Tobias schließlich verzweifelt auf dem Boden eingeschlafen. Er war erschöpft vom vielen Weinen und weil sein Herz so sehr schmerzte.


Als er wieder aufwachte, pochte sein Kopf wie verrückt. Aber das interessierte ihn ganz und gar nicht. Schwerfällig stemmte sich der Braunhaarige hoch, warf einen Blick auf den Wecker. Zehn Uhr morgens. Niki war schon zehn Stunden weg.

Sofort liefen wieder Tränen, als er an seinen jetzt wohl Exfreund dachte. Es wäre so einfach jetzt in die Küche zu gehen und sich ein Messer zu nehmen. Dem allen ein Ende zu setzten.

Er zuckte zusammen, als er den Schlüssel in der Türe hörte. /Gabi oder meine Eltern/, ging es ihm durch den Kopf.

"Niklas, bist du da? Ich wollte mit dir wegen dem Weihnachtsmarkt reden", hallte die Stimme seiner Mutter durch die Wohnung.

*

Als Leoni keine Antwort erhielt ging sie weiter durch den Flur, entdeckte die geöffnete Schlafzimmertür und erschrak sich fürchterlich, als sie um die Ecke spähte und Tobi am Boden sitzen sah. "Tobias! Um Gottes Willen, was ist passiert?" Besorgt ging sie neben ihrem Sohn in die Hocke und sah sich dann um. "Wo ist Niklas?"

*

Sofort liefen noch mehr Tränen über seine Wangen und Tobias schmiss sich schluchzend in die Arme seiner Mutter.

"Er... er ist weg. Seit zehn Stunden schon", wimmerte er. "Es tut so weh. Ich will ihn zurück."

*

Fest drückte Leoni ihren Sohn an sich und streichelte durch sein Haar, ließ ihn erst einmal eine Weile weinen, bevor sie sein Kinn anhob und ihm in die Augen sah. "Jetzt erzähl mir erst mal genau was passiert ist!", verlangte sie und stand mit Tobias gemeinsam auf, setzte sich dann aufs Bett. Auf dem Fußboden war es ja unbequem!

*

}|{

Während also Tobias in der Schweiz seiner Mutter erzählte, wie Niki und er zusammengekommen waren und wo er jetzt war, landetet am Nordpol der Schlitten des Weihnachtsmannes.

Durch den Radar, der dem Weihnachtsmann und seiner Familie anzeigte, wenn sich jemand näherte, wusste Caroline natürlich schon Bescheid, das ihr Ältester wieder da war. Ohne ihren Sohn, wäre ihr Mann nämlich nicht nach Hause gekommen.

So lief sie aufgeregt durch das Haus und kam zeitgleich mit ihren anderen Kindern an der Haustür an. Gerade als der Schlitten landete, riss sie die Türe auf und rief freudig: "Niklas."

*

Doch der war nicht freudig, blickte nur mit rotgeweinten Augen nach unten und stieg langsam aus dem Schlitten. Wie in Trance ging er an seiner Familie vorbei und stieg die Treppe zu seinem Zimmer, schloss sich kurz darauf in diesem ein.

"So was undankbares!", murrte Santa Claus, der Weihnachtsmann und ging auf seine Familie zu, begrüßte alle Kinder herzlich und küsste seine Frau sanft auf die Wange.

*

Verwirrt blickte Caroline ihrem Ältesten hinterher. Was war da nur los? Sonst begrüßte er sie doch immer, selbst wenn er nur mal draußen spazieren war und dann wieder kam.

Bei dem sanften Kuss wandte sie ihren Kopf wieder und blickte in die grauen Augen ihres Mannes. "Was hast du gemacht?"

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"Na ihn her gebracht, nach Hause, wo er hin gehört! Unser Sohn war jedoch der Meinung bei seiner großen Liebe bleiben zu müssen, einem MANN!" Erschrocken sogen einige der Kinder die Luft ein. Niklas schwul? Das würde das Ende sein! Wem sollte er denn dann seine Aufgabe übertragen??

*

Ein Schleier von Traurigkeit legte sich über ihre Augen. Niklas war verliebt. Gut, es war ein Mann, aber man konnte ja Liebe nicht steuern. Die scherte sich nun mal nicht um das Geschlecht, das Alter oder die Nationalität. Liebe war das Wunderbarste was es auf der Welt gab, sogar noch vor schwanger sein.

Und ihr Mann machte das einfach so kaputt. /Hoffentlich kümmert sich jemand um den jungen Mann/, ging es Caroline durch den Kopf, während sie noch immer schweigend ihren Mann ansah.

Sie war enttäuscht von ihm, sehr sogar. Noch immer ohne ein Wort gesagt zu haben, wandte die Blonde sich ab und betrat ihr Haus.

Sie musste jetzt zu Niklas und ihn trösten.

*

"Was soll das denn jetzt Caroline?", fragte Santa Claus und ging ihr nach, hielt sie an der Hand fest und drehte sie zu sich herum. "Du wolltest auch, dass er nach Hause kommt. Und dieser Junge wollte auch, dass Niklas geht. Bedenke, dass Niklas eine Aufgabe hat und dieser... wie hieß er... ah ja Tobias, der wollte auch nicht, dass Niklas bleibt, weil es dann kein Weihnachten mehr gäbe!"

*

Mit Tränen in den Augen blickte sie zu ihrem Mann auf.

"Lass mich los", meinte sie leise aber fest. "Ich muss zu meinem Sohn, retten was du verbockt hast. Bete dass er sich nichts angetan hat", damit riss sie sich aus dem Griff des Weihnachtsmannes los.

"Und was den jungen Mann, Tobias, angeht. Er ist nicht so egoistisch, um nur an sich zu denken, wie du das machst. Wegen so einer blöden Tradition machst du deinen Sohn unglücklich? Man hat doch schon immer gesehen, dass Niklas nicht Weihnachtsmann werden wollte. Was meinst du, warum er abgehauen ist?"

Caroline musste sich stark zusammen reisen, ihren Mann nicht anzuschreien, wegen so viel Arroganz und Egoismus.

"Tobias ist es wichtiger, dass all die Kinder glücklich sind, weil sie zu Weihnachten etwas vom Weihnachtsmann bekommen, als das er selbst glücklich ist. Sonst hätte er Niklas bestimmt nicht gehen lassen. Bete auch da, dass er sich nichts angetan hat."

*

"Was weiß ich warum er abgehauen ist? Vermutlich um sich vor der Verantwortung zu drücken. Das hätte ich mir nie gewagt. Niklas mag es vielleicht jetzt nicht, aber wenn er dann erst mal der Weihnachtsmann geworden ist wird er seine Aufgabe lieben. Und er muss nun mal einen Sohn zeugen, so will es die Tradition! Mit einem Mann darf er nicht Zusammensein. Das hat nichts mit Arroganz oder Egoismus zu tun, Caroline. Wir wollen alle nur das Beste für ihn und das ist nun mal seine zukünftige Position, um die ihn all seine Brüder beneiden!", meinte der Mann mit dem weißen Bart fest und ließ seine Frau aber los, so wie diese es sich gewünscht hatte.

Schon immer war Caroline mit seinen Methoden nicht einverstanden gewesen, hatte nachts im Bett - wenn sie sich über den Tag unterhielten - immer gesagt, dass er Niklas zu sehr einspannte. Aber Nik musste eben alles lernen, später konnte er dann zwischendrin faulenzen.

*

"Verdammt Santa, er hasst Weihnachten", rief sie aus. Sie war sich nicht bewusst ob Niklas wusste, dass sie es wusste. Eine Mutter wusste eben alles über ihr Kind.

"Früher, als er noch klein war und die Spielzeuge gemacht hatte, da haben seine Augen geglänzt. Weil er wusste, dass sich die Kinder über sein Spielzeug freuen werden. Kinder bedeuten ihm alles. Er braucht Urlaub, deswegen ist er weg", erklärte die Blonde, holte Luft und fuhr dann gleich fort: "Ist dir nie aufgefallen das er in letzter Zeit immer mit mürrischem Gesichtsausdruck herum gelaufen ist? Das seine Augen danach gebettelt haben, dass du die Stelle an einen seiner Brüder abtrittst?

Er ist gegangen, weil er wusste, dass er kein guter Weihnachtsmann sein würde, wenn er nicht wieder Freude am Fest empfinden würde. Und nun entschuldige mich, Santa."

Damit ließ sie ihren Mann endgültig stehen, sollte der doch sehen wo er blieb und verschwand im Haus. Sobald sie außer Sicht war, begann Caroline zu rennen. Sie wollte nur noch zu ihrem Sohn und ihn tröstend in die Arme nehmen.


Wenig später stand sie außer Atem vor seiner Zimmertüre und klopfte an. "Niklas, ich bin es. Kann ich reinkommen?"

*

Niklas hatte sich eingeschlossen und gleich danach aufs Bett gelegt um erneut leise zu weinen. Es war schon erstaunlich, dass er noch Tränen hatte, um sie vergießen zu können, denn den ganzen Flug über hatte er still geweint. Ohne Tobias... was sollte er denn dann hier? Tobi hatte es geschafft, dass er Weihnachten wieder etwas mochte, hatte ihn die Bedeutung von Weihnachten wieder erkennen lassen und wenn sein Liebster nun mit hier wäre, würde Niklas für den Rest seines Lebens glücklich seiner Aufgabe nachgehen! Aber so? Alleine?

Gerade als sich seine Gedanken völlig überschlugen, klopfte es an der Tür und die Stimme seiner Mutter erklang. Vermutlich würde sie ihm auch ins Gewissen reden, ihm sagen, dass er vernünftig sein musste. Aber vielleicht konnte er ihr wenigstens seine Gefühle erklären. Mit seinem Vater würde er darüber niemals reden können. Also erhob er sich und schloss die Tür auf, legte sich dann aber gleich wieder ins Bett zurück.

*

Erleichtert atmete Caroline auf, als sie das Klicken des Schlosses hörte. So öffnete sie die Tür, trat ein und schloss sie hinter sich wieder ab. Im Augenblick konnte sie keinen ungebetenen Besuch gebrauchen. Schon gar nicht ihren Mann.

Ihr zog es das Herz zusammen, als sie ihren Sohn so verloren in dem großen Bett sah. Mit traurigem Blick trat die Frau des Weihnachtsmannes zum Bett und ließ sich darauf nieder, strich ihrem Sohn tröstend durch die Haare.

"Magst du darüber reden, Niklas? Ich würde gerne die ganze Geschichte von dir hören. Wie du Tobias kennen gelernt hast und wie daraus Liebe wurde", sprach sie sanft und liebevoll.

Sie würde ihm das keineswegs ausreden, dazu hatte sie kein Recht. Aber sie konnte ihren Ältesten auch nicht so am Boden zerstört sehen. Sie wollte ihm helfen.

*

Niklas seufzte leise und schloss die Augen, genoss die tröstenden Streicheleinheiten. Ein Glück war sie nicht hier, um ihm eine Predigt zu halten. Jetzt erkannte Niklas wieder, wie sehr er seine Mutter vermisst hatte. Weil sie eben immer für ihn da war. Schluchzend erhob er sich leicht und warf sich in ihre Arme. Das hatte er als kleines Kind schon immer getan wenn er traurig gewesen war und auch jetzt, wo er älter war, hatte sich das nicht geändert. "Oh Mutter...", begann er und erzählte dann alles. Von seiner Flucht weil er es nicht mehr aushielt, er Urlaub wollte, darüber wie ihn Rupert schmählich im Stich gelassen hatte und wie er dann Tobias begegnet war. Alles erzählte er ihr, vom ersten Kuss bis zum gestrigen Ereignis. Er wollte, dass sie ihn verstand, erkannte wie glücklich er gewesen war. "Mutter... ich liebe ihn! Wirklich!", schloss er dann und sah mit tränenden Augen zu ihr hinauf. In seinen Augen brannte pure Verzweiflung und unendliche Trauer.

*

Beschützend schloss sie ihre Arme um den durch Schluchzer geschüttelten Körper. Caroline war froh, dass sich ihr Sohn nicht von ihr zurückzog.

Mit dem Ziel Niklas zu beruhigen, strich sie ihm während der Erzählung immer wieder über den Rücken.

"Ich weiß, dass du ihn liebst. Das sieht man dir an. Und ich weiß auch, dass Tobias dich liebt, sonst hätte er dich nicht weg geschickt. Für dich mag es vielleicht wie Verrat aussehen, aber dein Freund ist lieber unglücklich, dass du nicht mehr bei ihm bist, als das es alle Kinder auf der Welt sind, weil es kein Weihnachten mehr gibt. Er liebt Kinder ebenso sehr wie du. Ihr wart ja vorgestern im Waisenhaus", sprach die Blonde sanft, wollte ihrem Sohn den Schmerz nehmen und ihm ein wenig Hoffnung geben.

Ihr Entschluss stand fest. Sie würde Tobias besuchen gehen und ihm danken, dass er so gut auf Niklas aufgepasst hatte. Vielleicht konnte sie ihn ja auch ein wenig trösten. Aber vorher würde sie noch einmal mit ihrem Mann reden. “Ich kann noch mal versuchen, mit deinem Vater zu reden.“

*

"Ach, er wird doch eh nicht hören. Ich hatte Tobi doch gebeten mitzukommen, aber Vater hat das gar nicht erst zugelassen. Er versteht es nicht, MICH nicht. So wie er mich noch nie verstanden hat!

Immer nur "meine Aufgabe" hier und "meine Aufgabe" da. Ich will nicht mehr. Ich habe Weihnachten wirklich gehasst, abgrundtief, als ich weg bin und nur durch Tobias mag ich wieder die Bräuche, das Schmücken, konnte wieder Spielzeug herstellen.

Vater lässt mich doch schon seit Jahren nur noch beaufsichtigen und nicht mehr selbst arbeiten... das ist aber nicht meine Welt Mum. Ich war glücklich bei Tobias. Nicht nur weil ich ihn liebe, sondern weil er mir gezeigt hat, dass es mehr gibt auf der Welt und weil er mir die Bedeutung Weihnachten wieder klar gemacht hat, als wir im Waisenhaus waren", flüsterte Niklas mit rauer Stimme und war schon wieder kurz vorm weinen, wo doch gerade die letzten Tränen getrocknet waren.

*

Sanft hauchte Caroline ihrem Sohn einen Kuss auf die Stirn.

"Schlaf ein wenig, Niklas. Ich werde trotzdem mit deinem Vater reden. Irgendwo habe ich doch die Hoffnung, dass er vernünftig wird."

Behutsam strich sie ihm mit der Hand über beide Wangen und steckte ihn dann ins Bett, deckte ihn sanft zu. "Wenn man geschlafen hat, sieht die Welt schon ganz anders aus."

Leise verließ sie dann das Zimmer, nachdem sie die Tür wieder aufgeschlossen hatte. Jetzt musste sie erst einmal in die Zentrale. Dort würde ihr Mann bestimmt auf sie warten. Und dann konnte er sich warm anziehen... .

*

}|{

"Niklas ist also der Sohn des Weihnachtsmannes?", fragte Leoni ungläubig. Die ganze Zeit, während ihr Sohn erzählt hatte, hatte sie aufmerksam zugehört und sich ehrlich gefreut, dass die beiden zusammen gekommen waren und sich nun so innig liebten. Doch dann kam das skurrile Ende, was sie einfach nicht glauben konnte. "Ich weiß, dass du ehrlich bist, aber du weißt, dass es keinen Weihnachtsmann gibt seitdem du 8 bist!"

*

Noch immer schniefte Tobias ab und an vor sich hin, aber die Tränen hatten zumindest fürs Erste aufgehört.

"Ich weiß das sich das unglaubwürdig anhört, Mama. Aber es stimmt. Ich hab nicht die Tür gehört, als sein Vater kam oder sie wieder gegangen sind. Nikis Vater hat von den Rentieren gesprochen und Niklas wusste doch alle Namen der Kinder und ob sie brav waren oder nicht. Das hab ich ihm nicht erzählt", erinnerte der Braunhaarige seine Mutter.

"Und selbst wenn er es nicht wäre, ich liebe ihn trotzdem und mein Herz tut so weh. So als hätte es wer rausgerissen. Ich will zu Niki", wimmerte er am Ende und wieder liefen Tränen.

Worin bestand denn noch der Sinn des Lebens, wenn sein Freund nicht mehr bei ihm war? Da wäre es doch viel einfacher, einfach Schluss zu machen. Auch wenn es seinen Eltern und Freunden wehtun würde.

*

"Ach Liebling!", fest zog Leoni Tobias in die Arme und drückte ihn an sich. Sie war wirklich besorgt. Tobias war so verzweifelt. Als damals sein Ex endlich aus dem Leben ihres Sohnes verschwunden gewesen war, hatten sich alle gefreut und Tobi ging es nicht mal halb so dreckig wie jetzt.

"Er liebt dich mein Schatz, das weißt du, und sicher hat er dich noch lange nicht vergessen. Bestimmt weint er gerade genauso wie du. Ihr werdet einen Weg finden Tobias! Er wird sicher mit deinem Vater nochmal reden. Ob der nun der Weihnachtsmann ist oder nicht!"

*

"Ach Mama", seufzte Tobias und genoss die Umarmung seiner Mutter.

"Du hast ihn nicht erlebt. Er war so hart, kalt - in seinen Augen konnte man kaum eine Emotion erkennen - ich hatte Angst vor ihm und er hat Niki nicht mal ausreden lassen. Ich glaube nicht, dass er ihn zuhause anhören wird", gab er niedergeschlagen zu.

Er wollte doch nur den Rest seines Lebens mit seinem Engelchen verbringen. War das denn zu viel verlangt? Hatte er nicht auch ein wenig Glück verdient?

/Engelchen, hoffentlich geht es dir gut und dein Vater hat dich nicht geschlagen/, wünschte er sich von ganzem Herzen.

*

"Der Mann soll der Weihnachtsmann sein? Vor dem hat man doch keine Angst!", empörte sich Leoni. "Und erst recht nicht darf er so mit den Leuten reden."

Still überlegte sie wie sie Tobi wieder aufmuntern konnte. Wenn Niks Vater wirklich so kalt war, gab es wohl kaum noch Hoffnung, außer... "Sag mal hat die Nik auch was über seine restliche Familie erzählt? "

*

"Ich hatte aber Angst vor ihm. Mir kam sein Blick so vor, als würde er mich am Liebsten aufspießen", gestand Tobias kleinlaut. Er hatte sonst nicht wirklich vor etwas Angst. Aber Niklas Vater hatte es geschafft.

"Na ja", begann der Braunhaarige und versuchte sich zu erinnern. "Seine Mutter ist anscheint ganz nett. Sie backen zusammen immer Plätzchen und Niki hat sie wirklich vermisst, konnte aber nichts schreiben, weil sein Vater sonst rausgefunden hätte, wo er war. Und über seine Geschwister weiß ich nur, dass sie Jünger sind und das sie alle neidisch auf Niklas sind, weil er der nächste Weihnachtsmann werden soll."

Mehr hatte Niki ihm nie erzählt. Außer halt noch, das seine Familie die Einzige war, die dort wohnte. Aber wenn man bedachte, der der Weihnachtsmann am Nordpol wohnte, war das verständlich.

/Bitte lieber guter Weihnachtsmann,

ich weiß, ich war dieses Jahr nicht gerade brav. Ich hab einem unwahrscheinlich süßen jungen Mann geholfen, sich vor seinen Eltern zu verstecken.

Und böse Kinder bekommen eigentlich kein Geschenk.

Aber ich will nie auch nur wieder irgendein Geschenk egal zu welchem Fest bekommen, wenn ich mein Engelchen wieder haben kann.

Ohne ihn macht mein Leben kein Sinn, er hat mein Herz mitgenommen und ohne kann man nicht mehr Leben.

Ich will doch nur Glücklich sein und das geht nur mit Niklas.

Bitte...

Liebe Grüße Tobias/, schrieb er in Gedanken einen Wunschzettel.

Seine Mum hatte früher immer gesagt, dass der Weihnachtsmann einem jeden Wunsch erfüllen konnte. Aber dazu musste man dem Weihnachtsmann einen Brief schreiben.

Selbst wenn Tobi das machen würde, würde er seinen Wunsch nicht erfüllt bekommen. Immerhin war Niklas Vater der Weihnachtsmann und der mochte ihn nicht.

Erneut musste der 23-Jährige weinen. Das war einfach nicht fair und zum Verzweifeln.

*

}|{

Tobias wusste nicht, dass jeder Gedanke oder Wunsch, der mit "Lieber guter Weihnachtsmann" begann sofort den Nordpol erreichte und dort aufgezeichnet wurde. Alte Magie steckte in der Maschine, die dies alles tat, von den Vorfahren des Weihnachtsmannes mit einem Zauber belegt, der nie enden würde. Meist kamen nur Kinderwünsche aus dieser Maschine, da viele Erwachsene nicht mehr an den Weihnachtsmann glaubten und sich somit nichts mehr von ihm wünschten.

Auf Tobis Wunsch nun hin, begann die Maschine zu arbeiten, schrieb wie von Zauberhand auf einem Papier und ließ es dann in die vor ihr stehende Kiste hinein fallen. Wie durch Zufall stand Santa Claus gerade neben jener Maschine, um die Kinderwünsche zu lesen, als Tobis Brief gerade auf den restlichen Stapel segelte. Natürlich wollte Santa Claus den Brief an sich nehmen und lesen von wem er stammte, als... ja als Frau Weihnachtsmann, Caroline Santal, die Zentrale betrat. "Ah, meine geliebte Frau. Hast du unseren Sohn beruhigen können, sodass ich morgen mit seiner Ausbildung weiter machen kann?"

*

"Was glaubst du denn?", wollte sie noch immer enttäuscht wissen. "Als ich in sein Zimmer kam - natürlich nachdem er aufgeschlossen hat - lag er weinend in seinem Bett."

Caroline ließ sich auf ihrem Sessel nieder, der hier stand und blickte hart zu ihrem Mann. "Niklas ist fertig mit den Nerven, vor allem mit dir und ganz besonders mit der Welt. Ich weiß, dass er morgen zu nichts zu gebrauchen sein wird - falls er sich aus seinem Zimmer traut. Also rechne lieber nicht damit, Santa."

*

"Er soll sich damit abfinden Caroline. Er wird drüber hinweg kommen. Schau doch nur wie sich auf der ganzen Welt, jeden Tag die Leute in andere verlieben, ihre vorherigen Partner völlig vergessen. Das schafft Nik auch!", meinte der Grauhaarige zuversichtlich und lächelte seiner Frau zu.

*

Die Tat aber alles andere, als das Lächeln zu erwidern. "Oder er zerbricht vollkommen daran und wird nie wieder der Junge sein, den wir so sehr lieben. Wenn es das ist was du willst, bitte. Ich halte dich nicht auf. Aber dann bin ich weg", stellte sie nüchtern fest.

Sicher, sie liebte all ihre Kinder sehr, aber Niklas war nun einmal ihr erstes. Für ihn würde sie sogar durchs Feuer gehen. Wenn ihr Mann so stur war, dann musste er auch mit Konsequenzen rechnen.

*

"Oh Liebste du willst mich doch nicht verlassen wegen der Dummheit unseres Sohnes. Was soll ich denn deiner Meinung nach tun, Carol? Er muss Kinder in die Welt setzen, die seine Aufgabe fortführen. Sonst gibt es bald kein Weihnachten mehr, mein Herz!"

*

"Du benimmst dich auch nicht viel geschickter, als Niklas. Aber ihm ist zugute zu halten, dass er nun einmal unsterblich verliebt ist", erinnerte sie ihren Mann und stand mit einem Ruck auf.

"Wie wäre es damit, nicht mehr an dieser unsinnigen Tradition fest zu halten und deine Stelle einfach Michel zu geben? Der wünscht sich doch nichts sehnlicher, als Weihnachtsmann zu werden."

Tat ihr Mann nur so als gäbe es keine andere Lösung oder war er wirklich so blind.

Sie trat an ihm vorbei, bückte sich und hob die Kiste mit den Wünschen hoch. Sie mussten sortiert werden und wer sonst machte es, wenn Santa in der Verfassung war? "Ich bin arbeiten. Kühl du dein Gemüt und denk darüber nach, was ich dir gesagt habe."

Damit durchquerte die Blonde die Zentrale, in der Türe blieb sie noch einmal stehen und drehte sich halb um. "Und ja mein Liebster. Ich würde dich verlassen, wenn sich Niklas deinetwegen etwas antut oder er sich völlig aufgibt."

*

"Warte doch mal, ich würde gerne weiter mit dir reden! Ich kann Michel nicht diese Aufgabe übertragen, er ist dafür doch gar nicht ausgebildet. Niklas wäre ein toller Weihnachtsmann und das wissen wir beide!", erinnerte Santa seine Frau.

*

"Ich weiß, das Michel nicht dafür ausgebildet ist, er liegt mir ja ständig damit in den Ohren, das er der nächste Weihnachtsmann werden will", entgegnete die Blonde und drehte sich jetzt doch ganz um.

"Ich weiß dass Niklas ein großartiger Weihnachtsmann wäre. Niemand liebt Kinder so wie er. Aber was machst du, wenn du ihn weiter ausbildest, er es über sich ergehen lässt und du dann zurück trittst und er der Weihnachtsmann wird? Entweder, er vergisst Weihnachten einfach und führt deine Aufgabe nicht fort, das heißt es gibt kein Weihnachten mehr oder aber, er heiratet einfach nicht und bekommt keine Kinder. Dann gibt es auch keinen neuen Weihnachtsmann mehr.

Gut, du kannst ihn zwar dazu zwingen eine Frau zu heiraten, aber nicht sie auch zu lieben oder mit ihr zu schlafen."

Schwer atmend stand Caroline da, denn sie hatte sich in Rage geredet. Das ihr Mann das einfach nicht einsehen wollte. "Ich rede erst wieder mit dir, wenn du nachgedacht hast und es auch mal aus den Augen deines Sohnes siehst", war das letzte was die Blonde sagte, bevor sie die Zentrale endgültig verließ. Im Augenblick hatte sie keine Lust mehr auf ihren Mann.

Er war damals viel anders gewesen, als sie geheiratet hatten. Das war nicht mehr der Mann, dem sie ewige Liebe geschworen hatte und wenn das nicht besser wurde... .

*

Seufzend blickte Santa Claus zurück und ließ sich auf den Stuhl sinken, auf den Caroline zuvor noch gesessen hatte. Hach was sollte er nur machen. Er wusste ja selbst, dass er streng zu Niklas war und dass dieser nun unglücklich war, aber er hatte keine andere Wahl... .

Früher war es ganz anders gewesen. Schon als ganz kleiner Junge hatte Niklas in der Werkstatt gesessen und Spielzeuge gebaut, hatte ihn dabei mit leuchtenden Augen angesehen und ihm gesagt wie sehr er Weihnachten und das basteln liebte. Als ältester Sohn hatte er auch das Glück die Aufgabe des Weihnachtsmannes übertragen zu bekommen und an dem Tag als Niks Ausbildung begann war er überglücklich gewesen.

Santa Claus wusste nicht wann das aufgehört hatte. Irgendwann, als Nik sechzehn wurde, fing er an nachzulassen, hatte nicht mehr den Elan und Antrieb wie früher. Also hatte sein Vater ihn härter rangenommen, ihm gezeigt, dass die Ausbildung wichtig war und dass es ohne Nik kein Weihnachten mehr gab. Wahrscheinlich hatte Santa genau das falsch gemacht. Eventuell hätte ein klärendes Gespräch ihm auch dabei geholfen herauszufinden was plötzlich mit Nik geschehen war, aber seit Jahren redeten Vater und Sohn nicht mehr miteinander. Das einst so gute Verhältnis war immer schlechter geworden, je mehr Nik lernen musste.

Traurig darüber war Santa Claus schon und er verstand auch seine Frau sehr gut. Er liebte und sorgte sich doch auch um seinen Sohn, aber dass dieser seine Aufgabe hasste war ihm unbegreiflich! Und erst recht, dass Nik auf Männer stand... was sollte er nur machen...?

*

Leise seufzte Caroline auf und war froh, ihrem Mann fürs Erste aus dem Weg gehen zu können. Wenn er so drauf war, konnte man wirklich nicht mehr mit ihm reden.

Mit den Karton betrat sie ihre Küche, hier her kam außer Niklas sowieso keiner, denn gegessen wurde stets im Esszimmer, bei so einer großen Familie auch kein Wunder.

Die Frau des Weihnachtsmanns stellte den Karton auf den Tisch und machte sich dann erst einmal einen heißen Tee.

Mit der Tasse setzte sie sich an den Tisch und griff nach dem ersten Wunsch. Sie hatte gerade mit lesen bekommen und wollte einen Schluck trinken, als ihr Kopf verarbeitete, was da stand.

Das... das war ein Brief von Tobias. Der Tobias, der sich um Niklas so sehr gekümmert hatte, der Tobias, der unsterblich in Niklas verliebt war.

Der Brief war so herzerweichend, das ihr die Tränen kamen. Das bestätigte sie in der Annahme, dass sie unbedingt zu Tobias musste.





Braune Blätter [Chaotizitaet]

08 – Neil



Neil lehnte sich auf der gepolsterten Bank zurück und lauschte den leichten Pianoklängen. Irgendwie klang es ein klein wenig anders als am vorigen Abend, obwohl die Pianistin die selbe war. Aber gut, das hing vermutlich mit der Tagesform eines Musikers zusammen. Und das Geklimper klang deswegen nicht schlechter.

Er lächelte den Barkeeper an, der zu dieser späten Stunde alleine den Barbereich des Twice nicht nur hinter der Theke sondern auch im übrigen Gastraum als Kellner betreute. Schließlich waren nur noch eine Handvoll Tische, seinen eingeschlossen, besetzt. Da rentierte sich eine weitere Servierkraft nicht. „Noch einen Winterdream, bitte“, bestellte er, nachdem der junge Mann auf sein gelächeltes Signal hin an den Tisch gekommen war.

Der Barkeeper sah ihn kurz ein wenig skeptisch an, nickte dann aber und kehrte zur Theke zurück, um den gewünschten, alkoholfreien Cocktail zusammen zu mixen. Neil grinste. Er wusste genau, dass es den jungen Mann eindeutig aus dem Konzept brachte, dass jemand sich den ganzen Abend an alkoholfreien Cocktails festhalten konnte, wie andere am dritten oder vierten Whiskey. Mit der gleichen Aufmerksamkeit für das Glas, dem gleichen Gebaren, als enthielte der Kelch keine Fruchtsaft-Sirup-Mischung, sondern Alkohol. Aber Neil wusste genau, dass er keinen Alkohol vertrug. Nicht, seit... Er schob die Gedanken an die Vergangenheit beiseite und wandte seine Aufmerksamkeit stattdessen wieder dem Barkeeper zu. Dass er dafür fast quer durch den ganzen Raum starren musste, störte ihn dabei herzlich wenig. Was kümmerte es ihn, wenn ihn jemand beim Starren erwischte. All die, die ihn dabei so missbilligend ansahen, waren doch im Grunde nur zu feige, sich einzugestehen, dass Joshua – der Barkeeper – einfach nur ein Leckerbissen war. Wenngleich leider ein bereits vergebener Leckerbissen.

„Vielen Dank, Joshua!“, bedankte Neil sich artig und sah sich noch einmal kurz in der Bar um. „Kommt denn Ihr Freund heute Abend gar nicht? Für gewöhnlich sind Sie doch spätestens um neun Uhr hier nicht mehr zu sehen...“ Zumindest hatte Neil das an den vergangenen Abenden beobachten können.

„Mein Freund?“ Irritiert sah ihn der Barkeeper an. „Ich habe keinen Freund.“

Neil lachte. „Also, wenn das nicht Ihr Freund ist, möchte ich auch gerne von einem Fremden so begrüßt werden.“

Die Verwunderung auf dem Gesicht des jungen Mannes wurde noch größer. „Ich weiß nicht wovon Sie reden... Wenn ich es nicht besser wüsste – und ich weiß es besser, habe ich Ihnen doch selbst jeden Drink heute Abend zubereitet –, würde ich sagen, dass Sie betrunken sind und in diesem Zustand halluzinieren.“

Jetzt war es an Neil, ein wenig irritiert dreinzublicken. Er wusste genau, was er an den vergangenen Abenden beobachtet hatte. „Ich habe es doch mit eigenen Augen gesehen.... spätestens gegen neun Uhr kam er herein, groß, vielleicht eins neunzig, schlank, braune, beizeiten von der Feuchtigkeit draußen gelockte Haare. Ging immer direkt auf Sie zu, Kuss auf die Nase – damit die Gäste an der Bar nicht vom Hocker kippen – und schon waren Sie nach einem kurzen Gruß in die Küche verschwunden!“

„Cal...? Aber er... nie! Der Mann, den Sie da gerade beschrieben haben... das ist Cal. Aber Cal würde mich nie so begrüßen. Nicht so wie Caleb Joshua begrüßt. Da kann ich noch so oft davon träumen...“, kam es in einer interessanten Mischung aus konsterniert, amüsiert und sehnsüchtig zurück.

„Ja, genau, Caleb heißt der junge Mann. Zumindest begrüßen Sie ihn immer so“, bestätigte Neil.

„Ich soll Cal Caleb nennen? Und Sie sind sicher, dass Sie nicht heimlich aus einem versteckten Flachmann die Cocktails aufgepeppt haben?“ Der Barkeeper sah langsam so aus, als würde er ernsthaft am Geisteszustand seines Gastes zweifeln. Als wäre er kurz davor die Männer mit den Hab-mich-lieb-Jäckchen zu rufen.

„Ich weiß doch, was ich gehört habe, Joshua!“ Auch Neil wurde das langsam unheimlich.

„Und hören Sie bitte auf, mich Joshua zu nennen. So hat mich zuletzt meine Großmutter bei meinem Grundschulabschluss genannt. Alle Welt nennt mich Josh!“ Damit ging der junge Mann kopfschüttelnd wieder zur Theke zurück, wo einer der Gäste stand und darauf wartete, bezahlen zu können.

Neil überlegte. Irgendwas stimmte nicht. Wieso beharrte Joshua darauf, immer nur Josh genannt zu werden, wo er in den vergangenen Tagen doch häufig genug Zeuge geworden war, wie dessen Freund ihn Joshua genannt hatte. Und es war eindeutig dessen Freund, der auf den Namen Caleb gehört hatte, denn er glaubte kaum, dass der Barkeeper sich von irgendjemandem, mit dem ihn nur eine allgemeine Bekanntschaft verband, so in der Öffentlichkeit begrüßen ließ. Andererseits... wenn der Mann, den Neil an den vergangenen Abenden an ‚Joshs’ Seite gesehen hatte, nicht dessen Freund war, und er Joshs Worte jetzt richtig deutete, dann war der süße Barkeeper ungebunden. Und mit ungebundenen, süßen Barkeepern durfte man definitiv ein wenig Flirten! Überhaupt, bei näherer Betrachtung konnte Neil eine gewisse Anspannung in dem jungen Mann feststellen. Eine Anspannung, die Josh so aussehen ließ, als könnte er mal wieder einen guten Flirt vertragen. Und ihn selbst würde es von seinen momentanen Problemen ablenken, wenn er sich gestattete sich Josh als Flirtpartner anzubieten.

Entschlossen stand Neil auf, schnappte sich sein Cocktailglas und bahnte sich seinen Weg zwischen den Tischen hindurch zur Theke. Dort setzte er sich an das äußere Ende und wartete geduldig darauf, dass Josh geruhte, ihn wahrzunehmen. Dass der andere ihn gleich bemerkt hatte, sobald er von seinem Tisch aufgestanden war, war Neil klar, aber ihm war ebenso bewusst, dass er mit seinen beharrenden Worten zuvor nicht gerade Pluspunkte bei Josh gesammelt hatte. Endlich kam der Barkeeper zu ihm hinüber, aber das war vermutlich nur dem mittlerweile leeren Glas geschuldet. Dennoch versuchte Neil sein bestes Lächeln. Sein Jahrtausendlächeln. „Hör mal, tut mir leid, wenn ich vorhin etwas... forsch... war... Es war nur so, ich hab dich die letzten Abende beobachtet und na ja“, mimte er ein wenig den Verlegenen, obwohl er in voller Absicht vom höflichen Sie zum vertraulichen Du gewechselt hatte, „jeden Abend bist du mit diesem Typen verschwunden. Und ich... vorhin... da wollte ich eigentlich nur heraus kriegen, ob das mit euch was Ernstes ist, oder ob da überhaupt was ist, oder ob ich da vielleicht Chancen hätte, denn... ehrlich... du gefällst mir.“ Dazu ein leicht bettelnder Blick – aber kein Hundeblick, das fand Neil würdelos – und ein etwas lausbübisches Lächeln.

Er schien Erfolg zu haben, denn Joshs Gesicht wurde augenblicklich von einem leichten Rotschimmer überzogen.

Schließlich räusperte sich der Barkeeper. „Nun ja... es sah vermutlich schon ein wenig verfänglich, wenn nicht gar fälschlich eindeutig aus, wie Cal und ich jeden Abend verschwunden sind. Aber zwischen uns läuft nichts. Cal meint nämlich, er wäre hetero. Stattdessen sind wir also nur so etwas wie Geschäftspartner, die derzeit an einem wichtigen Projekt arbeiten.“ Die Art, wie der junge Mann bei dem Wort ‚hetero’ die Augen verdrehte, machte Neil deutlich, dass er der Ansicht war, dass jeder Mensch mindestens bi war, die meisten es aber vehement leugneten.

„Wenn ihr an so etwas Wichtigem arbeitet, wie kommt es dann, dass er heute Abend nicht hier ist? Eine Phase abgeschlossen und ihr habt kreative Pause?“, fragte Neil ehrlich interessiert, aber zugleich auch bemüht, das Gespräch nicht stocken zu lassen.

Joshs Gesicht verfinsterte augenblicklich. „Weder abgeschlossen, noch kreative Pause. Zumindest meiner Meinung nach haben wir gar keine Zeit für so eine Pause. Aber nein, der Herr meinte, er müsste sich den Abend für seine Freundin frei nehmen! Ehrlich, es gibt wirklich Wichtigeres. Und das will schon was heißen, wenn ich freiwillig für dieses Projekt mein ganzes Gefühls- und Privatleben hintan stelle!“ In dem Barkeeper brodelte es und die Hand, die mit einem Poliertuch eines der Gläser bearbeitete, übte bei diesen Worten einen immer stärker werdenden Druck auf das Glas aus, sodass Neil allen Ernstes befürchtete, es könnte brechen. Einem Impuls folgend, streckte er die Hand aus und berührte Joshs emsig reibende Finger, brachte sie so zum Stillstand.

„Nicht. Er ist es nicht wert, dass du dich deswegen so aufregst! Ist doch wohl nicht so, dass die Welt untergeht, bloß weil er mal einen Abend nicht am Projekt arbeitet“, sagte er.

„Da wäre ich mir nicht so sicher“, murmelte Josh fast unhörbar.

Neil bekam es dennoch mit und zog fragend die Augenbraue hoch. Doch rasch wurde ihm klar, dass Josh ihm nicht erklären würde, wie er den letzten Satz gemeint hatte. Also beschloss er, stattdessen wieder den Flirtfaden aufzugreifen. „Dennoch... wäre dieser Cal heute Abend hier, dann hätte ich keine Chance mich mit dir zu unterhalten. So wie jetzt...“ Leicht streichelte er mit den Fingern, die noch immer auf Joshs Hand lagen, über die warme Haut. Das Lächeln, das er dem Barkeeper dabei schenkte, unterstrich die nonverbale Botschaft noch, und zufrieden registrierte Neil, wie ein leichtes Zittern durch Josh ging, dieser aber keine Anstalten machte, ihm die Hand zu entziehen. Schien so, als beruhte sein Interesse auf einer gewissen Gegenseitigkeit. Eine Erkenntnis, die ihn angenehm von innen wärmte.



Würden Sie jetzt bitte einen der Doktoren holen? [Jabba]

Claim 3: Zahnarzt, unverhofft, Gold, Silber
Wörter: 1472
Rating: eigentlich keines
Pairing: keines, sind nur ungewöhnlicher Charaktere

Nix meins, alles gehört J.K. Rowling und Warner Broth. und wer noch alles Rechte daran hat. Ich hab alles bloß miteinander verwurstelt, verslascht und ein bisschen eigene Phantasie dazugetan.

Würden Sie jetzt bitte einen der Doktoren holen?

Grawock schlich die Straßen entlang. In seinen runzeligen Händen hielt er einen Zettel mit einer Adresse. Suchend huschten seine Augen über die Straßenschilder, ja er war richtig. Es war lange her, dass er im London der Muggel gewesen war, vieles hatte sich verändert, doch die Grundprinzipien waren geblieben. Er begrüßte die beginnende Dunkelheit, war er doch mehr als auffällig in dieser Straße.
Vor einem gepflegten Haus blieb er stehen und verglich die Hausnummer mit der Adresse in seiner Hand. Dann sah er auch die Tafel neben der Eingangstür. „Dr. und Dr. Granger – Zahnarzt und Kieferchirurgie, Öffentliche Sprechstunde Mo-Fr 9:00 – 13:00Uhr und Mo-Do 14:00 – 18:00Uhr. Private Termine auf Anfrage“ Doch um die Zeiten kümmerte Grawock sich nicht, ihn würden sie einlassen.
Eine unmerkbare Bewegung des Kopfes öffnete ihm die Türe. Am Empfang wurde er von einer netten, jungen Dame aufgehalten. „Tut mir Leid, Sir, aber wir haben bereits geschlossen. Können sie es nicht vielleicht doch noch bis morgen früh aushalten? Herr oder Frau Doktor kann sie bestimmt irgendwie dazwischen schieben.“
„Nein, ich kann nicht warten und ihre Doktoren werden garantiert Zeit für mich haben.“ Seine Stimme war leise und rauh, doch war deutlich zu erkennen, dass Grawock es gewöhnt war, Befehle zu geben, die ungefragt befolgt wurden. Zur Bekräftigung seiner Worte zeigte er kurz seine Hand, so dass der Blick der jungen Frau auf die Goldklumpen fallen musste, die sich auf der faltigen Handfläche zeigten. „Würden Sie jetzt bitte einen der Doktoren holen?“

Ziemlich ungehalten darüber, das ihr Vorzimmermädchen sie zu so vorgerückter Stunde noch wegen einem Patienten störte, der unbedingt jetzt behandelt werden musste, kam Margerie Granger zu ihrem letzten Patienten, der immer noch neben dem Empfangstisch stand. Sie musste mehrmals blinzeln, bis ihr Gehirn die Informationen verarbeitet hatte, die ihr Auge aufnahm.
Da stand ein Kobold in ihrer Praxis. Einer diese komischen Wesen, die diese Bank führten, in der sie für ihre Tochter immer Pfund in Zauberergeld gewechselt hatten. „Ist schon gut Susi, du kannst Feierabend machen. Das hier ist nicht Großes, ich hab den Termin nur vergessen.“ improvisierte sie schnell. Denn bei allem was sie so von ihrer Tochter so vom Hörensagen wusste war, dass alle magischen Wesen äußerst penibel darauf bedacht waren, das kein einziger Außenstehender etwas von ihnen mitbekam. Sie hatte ja selber ein Haufen Geheimhaltungsvereinbarungen unterschreiben müssen, nur weil sie ihre Tochter beim Einkaufen hatte begleiten wollen.

Die Muggelfrau schien Anstand zu besitzen, komplimentierte sie doch alle, die sich in den Räumlichkeiten der Praxis befanden, ihn kürzester Zeit hinaus und kam dann zu ihm zurück.
"Nun? Was führt Sie in meine Praxis? fragte sie, während sie ihn in einen der hinteren Räume geleitet.
"Ihnen ist doch klar, dass Sie über meinen Besuch absolutes Stillschweigen bewahren werden?" Grawock machte sich nicht die Mühe die versteckte Drohung darin zu verbergen. Und im Geheimen zollte er der Muggelfrau ein wenig Respekt, die ihn kurz und freundlich auf diesen außerordentlich interessanten wie nützlichen Aspekt der Schweigepflicht von den Muggelärzten hinwies. "Nun gut, es soll zu ihrem Schaden nicht sein, im Gegenteil. Sie müssen wissen, meine Art ist gegen jede Art von Krankheiten immun. Eigentlich... " In der bedeutungsschweren Pause lag die unausgesprochenen Aussage, dass dies bei ihm nicht so war. “Ich habe lange genug versucht, selber zu tun, was zu tun ist, doch mit mäßigem Erfolg. Und als ich dann ihre Personalien in der Bank in den Fingern hatte, war mir klar, dass sie durchaus in der Lage sind, mit mir in ein beidseitig zufriedenstellendes Geschäft zu kommen. Doch schauen sie am besten selber."

Margerie Granger versuchte sich an alle Fragmente zu erinnern, die ihr ihre Tochter von ihrer anderen Welt erzählt hatte. Viel war es nicht, doch daran, dass man gut daran tat Geschäfte mit Kobolden nur mit äußerster Vorsicht anzugehen erinnerte sie sich deutlich. Und ein ebensolcher saß jetzt hier an ihren Schreibtisch. Und schien sie auf befehlende Weise um etwas zu bitten.
Es war der Teil in ihr, der sie dazu gebracht hatte Medizin und nicht Jura zu studieren, der sie dazu brachte diese Wesen vor ihr auf den Behandlungsstuhl zu beten. Und obgleich er den Behandlungsraum mit kritischer Abneigung musterte, folgte er ihren Anweisungen ohne Zögern.
Was sie dann sah, was das schlechteste Gebiss, dass sie je gesehen hatte. Den Abnutzungsspuren nach schienen die relativ geraden Zahnreihen früher mal sehr verschoben gewesen sein. Hier waren die Selbstversuche ihres Patienten wohl noch erfolgreich gewesen zu sein doch ansonsten.... Karies neben Zahnstein, ein der Länge nach gespaltener Zahn und ein Loch dort, wo dringend einer hingehört hätte, war selbst auf den ersten, flüchtigen Blick zu sehen.
"In einer Sitzung werde ich das aber nicht alles richten können." versuchte sie ihren sonderbaren Patienten darauf vorzubereiten, dass sie sich noch diverse Male treffen mussten, bis der Schaden hier einigermaßen behoben war.

"Es wird so lange dauern, wie sie Zeit brauchen alles zu meiner Zufriedenheit wiederherzustellen."
Ob der gönnerhaften Wortwahl sträubte sich ihr zwar das nicht vorhandene Nackenfell, doch die Sorge, dass sie alles jetzt sofort "wegzaubern" sollte war anscheinend unbegründet. "Darf ich mal raten? Wegzaubern geht nicht, da ihrer Art resistent gegen Magie ist?" Es war ein absoluter Schuss ins Blaue, hart an der Grenze ihrer Vorstellungswelt.
"So spricht die kluge Mutter einer schlauen Tochter." nickte Grawock aristokratisch. "Ich spüre, wenn jemand sein ganzes Können in seine Arbeit einbringt, und Ihre Ergebnisse werde ich nach jedem Mal sehen können. Nehmen sie sich die Zeit und Ruhe, die Sie brauchen, doch arbeiten sie zügig. Ich dachte, dass ich ab jetzt jede Woche um diese Zeit ihn ihrer leeren Räume komme? Mein Name ist übrigens Grawock." Der Kobold streckte Margerie Granger seine knochige Hand entgegen, welche sie automatisch ergriff. "Margerie Granger" entgegnete sie automatisch. Erst danach wurde sie des Kribbelns gewahr, das von ihrer Handfläche durch ihren ganzen Körper lief, sich in ihr festzusetzten schien und dann verschwand.
Sie schluckte schwer. 'Mach niemals eigenständig Verträge mit Kobolden, erst recht nicht per Handschlag.' kam ihr die Erinnerung an ein Gespräch mit ihrer Tochter bezüglich der Bankangestellten dieser Zaubererbank. Doch jetzt war es wohl zu spät, und ihr blieb nur zuzusehen, da so heil wie möglich wieder rauszukommen.
"Ich erwarte sie nächste Woche zu dieser Zeit alleine anzutreffen." Die leise Stimme holte sie in die Gegenwart zurück. "Nun, solange nichts Unverhofftes passiert werde ich alles so geregelt haben, dass wir alleine sind. Material- und Behandlungskosten gehen wie üblich zu Lasten des Patienten, also Ihnen. Und da sie so vortrefflich mit allen Bankwesen vertraut sind dürfte es für sie eine Kleinigkeit sein diese in Bezug auf Steuern, Versicherung, Rechnungsprüfung elegant zu regeln. Sollte jedoch ein akuter Notfall vorliegen, wie zum Beispiel ein frisch ausgebrochener Zahn, der, wenn er sofort fachgerecht wieder eingesetzt wird, wieder komplett anwachsen kann, dann werde ich diesen Fall dennoch zuerst behandeln. Ganz gleich wie viel Gold oder Silber oder was auch immer sie mir oder dem anderen Patienten anbieten um nicht warten zu müssen." Oh mein Gott, war sie lebensmüde? Aber sie konnte einfach nicht anders. Bei ihr hatten die Probleme ihrer Patienten immer Vorrang vor deren Geldbörsen.

Wieso wagte diese Muggelfrau es, inmitten ihrer Vertragsschließung Forderungen zu formulieren? Grawock war entsetzt. Sein Vertrags-Binde-Zauber war noch nicht gänzlich gefestigt und hatte auch diese Bedingung mit eingewoben. Während er die Wortwahl analysierte und zu seinen Leidwesen feststellen musste, dass sie in ihrer knappen Aussage tatsächlich alle Eventualitäten einkalkuliert hatte, stabilisierte sich der Zauber ihn ihnen beiden und machte den Vertrag bindend. Für einen Moment konnte Grawock nicht verhindern, dass seine ohnmächtige Wut darüber, dass er sich von einem Menschen, einem Muggel sogar, hatte übers Ohr hauen lassen. Aber sein Ehrgefühl überlag. Verträge waren bindend, egal zu welchen Konditionen sie einmal abgeschlossen waren. Mit aller Würde die er aufbringen konnte neigte er ganz leicht den Kopf vor der Muggelfrau namens Margerie Ganger und zollte ihr so auch sichtlich den Respekt, den sie sich soeben verdient hatte. "Es ist wirklich ein großer Fehler in der magischen Welt, euch Muggel zu unterschätzen. Nicht viele haben es je geschafft einen Vertrag mit uns gänzlich zu ihrem Vorteil zu wandeln." Dann machte er auf dem Absatz kehrt und verließ so schnell wie möglich, ohne dass es nach einer Flucht aussah, die Praxis.
Die Nachtluft kühle sein Gemüt und Grawock’s Verstand erhielt die komplette Oberhand zurück. Und nüchtern betrachtet beglückwünschte er sich zu seiner Entscheidung ausgerechnet diesen Muggel ausgewählt zu haben. Sie schien stolz und gewissenhaft zu sein, mit Werten, die sie um nichts auf der Welt umstoßen würde. Und sie gehörte zu jenen, auf die die Zaubermenschen genauso verachtend herabsahen wie zu seiner Art, ohne zu bemerken welche Fähigkeiten es außerhalb der Zauberstabmagie noch alles gab. Er nickte leicht vor sich hin. Der Feind meines Feindes.... Nein, solche Zeiten waren Vergangenheit, aber dennoch. Und dank ihr würde er endlich auch perfekte und makellose Zähne bekommen wie alle anderen auch.





8. Dezember [Laila]
Sonne
Aurelian und Leevi

Es war der 4. Dezember [Laila] [Laila]und damit tiefster Winter, zumindest fühlte es sich für den Dämon Aurelian so an. Er hasste diese Jahreszeit. Ein Grund mehr, warum er sonst nicht auf der Erde weilte, sondern in seinem Reich. Aurelian war das, was der Mensch gemeinhin als August bezeichnete, einer der 12 Monate.
Ihm stand es frei, zwischen den verschiedenen Welten zu wechseln. Dennoch war es hier geblieben. Nur wegen einem Mann, wegen Leevi.
Sie hatten sich im August kennen gelernt und waren seither unzertrennlich.
Sein Blick glitt wieder auf seinen schlafenden Geliebten und ein sanftes Lächeln spielte um seine Züge.
Draußen fielen immer größere Flocken vom Himmel, das Werk eines anderen.
Sanft strich er Leevi mit den Fingerspitzen ein paar schwarze Strähnen zur Seite.
Auch wenn es für ihn schwer war, in dieser Welt zu leben, so wusste er doch, dass er es für diesen jungen Mann immer wieder tun würde.