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12

Catching Santa Claus [Ira]

Türchen 12

Tobias zog die Jacke enger um sich.

Durch das viele Schlafen fühlte er sich schon ein bisschen fitter und Niklas hatte ihn dazu überredet, ein wenig raus zu gehen um frische Luft zu schnappen. Dabei könnte er ihm gleich den Hof zeigen.

Der Braunhaarige, weil er es satt hatte herum zu liegen, hatte freudig zugestimmt und deswegen standen sie jetzt hier draußen - Tobi dick eingepackt, damit er nicht noch kränker wurde Niklas ganz normal. Denn der war die Temperaturen ja gewohnt.

"Engelchen?", meinte er mit großen Augen. "Kann ich auch mal eure Elfen sehen? Bisher hab ich noch nie welche gesehen, ist ja auch verständlich. Immerhin war ich bis vor ein paar Tagen ja der Meinung, dass es keinen Weihnachtsmann gibt."

*

"Klar wirst du sie sehen. In der Werkstatt wirst du so viele finden, dass du wahrscheinlich total erschrocken sein wirst. Aber ich dachte wir machen die ordentliche Runde. Das Haus habe ich dir ja schon gezeigt und jetzt würde ich dir gerne den Rentierstall zeigen. Danach ist dann die Werkstatt dran!", lächelte Niklas und umschlang Tobi von hinten. "Es sei, denn du kannst es gar nicht erwarten und willst gleich in die Werkstatt... ."

*

Der Spielzeugmacher schüttelte den Kopf. "Nein, ich will den beiden Rentieren die mich abgeholt haben zeigen, dass es mir schon wieder besser geht.

Ich weiß allerdings nicht ob sich Rentiere schuldig fühlen können", erklärte er.

Zufrieden lehnte sich Tobias an seinen Freund. "Und gegen ein paar Küsse im Stroh hätte ich auch nichts einzuwenden." Breit grinste Tobi. Das hatte er schon immer mal machen wollen.

*

"Oh glaub mir, sie fühlen sich schuldig und das sollten sie auch. Weil sie nicht besser auf dich aufgepasst haben! Zwar haben sie gehört, als Vater sie rief, so wie es auch sein soll, doch trotzdem hätten sie dich heil hierher bringen können...", murrte Niklas und küsste Tobi dann in den Nacken. "Und wenn wir einen Platz im Stroh finden, werde ich dich dort in den Boden küssen, versprochen!", lächelte er dann zärtlich und ergriff Tobis behandschuhte Hand, um ihn Richtung Rentierstall zu ziehen.

*

Die Rentiere konnten ja nichts dafür, dass sie auf ihren Herrn hörten. Das zeichnete ja gute Arbeitstiere aus, dass sie hörten. Sonst könnte der Weihnachtsmann ja nicht die Geschenke austragen, wenn die Rentiere nicht auf ihn hören würden.

Tobias erwiderte den Druck ihrer Hände und ließ sich nur zu gerne ziehen. Und in Grund und Boden geküsst zu werden, war nicht schlecht. Ganz und gar nicht.

So lief er lachend seinem Freund hinterher und bestaunte dann den Stall, als sie in ihm ankamen. Er war schön sauber und aufgeräumt. Und es roch schön nach Tier. "Und welches sind die Rentiere, die mich her gebracht haben?", wollte er neugierig wissen.

*

"Das waren Fabianne und Pascal, die Rentiere meiner Mutter", erklärte Niklas und führte Tobias den langen Gang entlang, an dem sich links und rechts jeweils Boxen, mit jeweils einem Rentier darin, befanden. An den Boxentüren hing ein Schild mit dem Namen des Tieres und bei manchen war ein kleiner Stern davor. "Die Rentiere bei dem ein Stern auf dem Namensschild ist, werden dieses Jahr zum Geschenke verteilen genommen."

*

"Wirklich? Ich dachte das sind jedes Jahr dieselben. So heißt das zumindest in den Filmen immer. Aber ich glaub inzwischen, dass die sowieso totaler Unsinn sind", erklärte Tobias und legte seine Hände auf die brusthohe Türe, als sie bei der Box von Pascal ankamen.

"Danke dass du mich von zuhause abgeholt hast und zu Niklas gebracht hast. Mach dir keine Sorgen, weil du mich unterwegs verloren hast, Pascal. Ich bin Erkältet, aber sonst ist alles okay", sprach der Braunhaarige, auch wenn er wusste, dass das Tier ihn nicht verstehen würde.

*

Doch dieses neigte sich stattdessen sanft zu Tobi und stupste ihn mit der Nase am Oberarm an. Es zeigte damit sehr deutlich, dass er es sehr wohl verstanden hatte. "Bei dem ersten Weihnachtsmann waren es auch noch dieselben, aber wie wir, sterben auch Rentiere irgendwann einmal und somit kein Donner und Blitzen mehr."

*

Tobias lachte leise und hob dann vorsichtig seine Hand, hielt sie erst einmal vor Pascals Nüstern, damit er seinen Geruch aufnehmen konnte.

Zu gerne würde er ihn nämlich streicheln und damit musste das Tier erst einmal einverstanden sein. Bei Pferden wurde es ja auch so gemacht.

Pascal schnupperte leicht und stupste dann die Hand an. Deswegen streckte Tobi seine Hand auch weiter aus und strich dem Tier über den Hals.

"Das ist aber schade, dass Donner und Blitzen nicht mehr leben. Aber keiner lebt ewig. Gibt es die anderen denn noch?", wollte er neugierig wissen. Immerhin hatte nicht jeder das Glück, mit dem Sohn des Weihnachtsmannes zusammen zu sein und etwas aus erster Hand zu erfahren.

Was er natürlich für sich behalten würde. Er wollte damit nicht hausieren gehen und Profit schlagen.

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"Nein, natürlich nicht. Alle acht Rentiere sind irgendwann einmal gestorben, doch sie leben in diesen Rentieren hier weiter, denn die berühmten acht sind alles Väter und Mütter dieser Rentiere hier. Wir können uns nicht einfach wilde Rentiere fangen, denn die können nicht fliegen!", meinte Niklas und zog Tobi dann sanft weiter bis zum Ende des Weges, wo ein riesiger Haufen mit Stroh lag. "Na dann, lass dich fallen!"

*

"Stimmt ich bin so dämlich", grinste Tobias und strich dem Rentier noch einmal über den Hals. Nur zu gerne ließ sich der Braunhaarige ziehen, kicherte wie ein verliebtes Schulmädchen als er den Haufen mit Strich sah und ließ sich rückwärts hineinfallen.

"Komm her Engelchen und küss mich", raunte er. Dadurch dass er gestern den ganzen Nachmittag und Abend verschlafen hatte, hatte er auch nicht mehr mit seinem Geliebten gekuschelt.

*

Sofort grinste Niklas und schmiss sich dann lachend auf Tobi, drückte ihn an sich und wälzte sich mit ihm durchs Stroh, bis sie über und über von den goldenen Halmen übersät waren. Dann hielt er inne und blickte mit glänzenden Augen auf Tobi herunter. "Ich... ich liebe dich...", flüsterte er dann ganz leise und neigte sich hinab, um Tobias zart zu küssen, voller Gefühl.

*

So viel Spaß hatte er schon lange nicht mehr gehabt. Tobias lachte befreit und kicherte, als er ein paar Strohhalme in Niklas Haaren fand.

"Ich liebe dich auch", konnte der 23-Jährige noch erwidern, als er auch schon die weichen Lippen auf seinen spürte. Zufrieden schnurrte er auf, schloss seine Augen und während Tobi seinen Mund einladend öffnete, legte er seine Arme um seinen Freund zog ihn fest an sich.

*

Während Niklas seinen Schatz sanft und gleichzeitig leidenschaftlicher werdend, küsste, bemerkte keiner der beiden Liebenden Michel, der den Rentierstall betrat und sie am Ende des Weges im Stroh liegen sah.

Und so was sollte nun Weihnachtsmann werden! Warum konnte sein Vater ihm nicht diese Aufgabe übergeben? Niklas war mit einem Kerl zusammen und so wie sein Bruder sich gerade aufführte konnte der doch niemals ein guter Weihnachtsmann werden! Wütend biss Michel die Zähne zusammen... er musste was unternehmen... .

*

Tobias erwiderte mit allem was er fühlte und trennte sich erst wieder von seinem Freund als die Luft knapp wurde. "Ich liebe dich Engelchen", wisperte er.

Als er aus dem Augenwinkel eine Bewegung wahrnahm, drehte er seinen Kopf und konnte eine Gestalt erkennen, die den Stall gerade leise murmelnd wieder verließ.

Aber weil sich Tobi nicht sicher war, um wen es sich jetzt handelte - denn er war Niklas Familie bisher noch nicht vorgestellt worden - beließ es der 23-Jährige dabei und küsste lieber wieder seinen Freund. "Können wir uns die Werkstatt anschauen? Auch wenn du auf mir liegst und ich das genieße, wird mir langsam kalt."

*

"Und das obwohl du so dick eingemummelt bist. Wenn du für immer hier bei mir bleibst wirst du dich sicher nach einer Weile an die Temperaturen hier gewöhnt haben und nicht mehr so schnell zittern. Dann... können wir stundenlang im Heu knutschen!", hing Niklas den letzten Teil grinsend an und küsste Tobi noch ein letztes Mal, bevor er sich erhob und seinem Geliebten die Hand reichte, um ihm aufzuhelfen.

*

Der Schweizer grinste breit und erwiderte den Kuss. Gerne ließ er sich aufhelfen und schlang seinen Arm um Niklas.

"Im Augenblick ist da wohl auch die Erkältung dran schuld. Die Sachen die ich von euch bekommen habe, sind wärmer als meine Sachen. Aber das lässt eben die Erkältung nicht verschwinden", erklärte Tobias.

Kichernd zupfte er dann mit seiner freien Hand das Stroh aus den blonden Haaren. "Dann entführ mich mal in eure Werkstatt. Ich muss doch schon mal ausfinden, wo euer Werkzeug liegt, damit ich dann etwas schnitzen kann."

*

Niklas klopfte sich und Tobi nochmal ab, bevor er ihn wieder an der Hand nahm und mit ihm den Stall verließ. Gegenüber dem Ausgang sahen sie wieder das Haus und die Haustür, die sich gerade schloss. "Hmm, wird wohl einer von meinen Geschwistern gewesen sein...", murmelte Nik leise und ging dann nach rechts, über den Hof und dann auf die riesige Tür der Werkstatt zu.

Laut klopfte er an und schon schwang sie auf. Links und rechts neben der Tür, an jeweils einer Kurbel, stand ein Weihnachtself und verbeugte sich tief. "Danke Tiburon und Dorias ", lächelte er ihnen zu und betrat dann den großen Vorraum.
Geradeaus und nach links ging eine Tür ab. "Erst mal hier rein!", meinte Niklas und führte Tobi durch die Linke Tür. Hier kamen sie in einen kleinen Raum, wo an der Wand Weihnachtsmantel hingen und drunter geputzte, schwarze, Stiefel standen. Gegenüber dessen stand ein großer Kamin, in dem ein gemütliches Feuer brannte.

Davor ein Sessel und die Briefmaschine. Im Sessel saß Santa Claus und blickte neugierig auf, als jemand den Raum betrat. Lächelnd erkannte er seinen Sohn und Tobi und erhob sich. "Hallo ihr zwei!"

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Neugierig folgte Tobias seinem Freund, betrachtet die Elfen, die in ihren roten und grünen Anzügen süß aussahen.

Leicht nickte er dem Weihnachtsmann zu, als sie den Raum betraten und Niklas Vater sie begrüßte. "Hallo Sir. Mir viel langsam die Decke auf den Kopf und ich hab ein bisschen frische Luft gebraucht. Niklas hat sich dazu bereit erklärt, mich rum zu führen. Bei den Rentieren waren wir auch schon", erzählte Tobi.


Santa lachte tief. Tobias wurde ihm mit jeder Minute in der sie redeten sympathischer. Blieb abzuwarten, wie es aussah, wenn Tobias Spielzeug gemacht hatte.

Niklas Vater trat zu den beiden und fischte mit den Worten: "Das sehe ich", ein vergessenes Strohhalm aus Tobias Haare, was den natürlich gleich rot anlaufen ließ.

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"Tja... da hast du uns erwischt!", lachte Niklas und führte Tobi dann zu der Briefmaschine, um ihm ihre Funktionsweise zu erklären, dann sah er auf den Korb, in den gerade wieder ein Brief fiel und seufzte leise. "Mann sind das wieder viele. Jedes Jahr wünschen sich die Kinder mehr... ."

Santa nickte und ließ sich wieder in seinem Sessel nieder. "So kurz vor Weihnachten ist es ja immer so, aber so schlimm wie dieses Mal ist es noch nie gewesen und ich befürchte, dass die Kinder nächstes Jahr noch mehr wollen. Das liegt alles nur an den Spielzeugfirmen und ihren Werbungen. Die sieht dann das Kind und wünscht es sich sofort vom Weihnachtsmann. Grausam. Vor allem weil die bei der nächsten Werbung wieder ihre Meinung wechseln... ."

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Interessiert lauschte Tobias seinem Freund und wurde etwas blass, als ihm aufging, dass sein Wunsch ja dann auch hier gelandet war, auch wenn er kein Kind mehr war.

"Ähm... Niki... ich muss dir da was sagen", murmelte der Braunhaarige und blickte zu seinem Freund auf. "Von mir muss hier vor ein paar Tagen auch ein Brief gelandet sein. Ich hab mir nämlich vom Weihnachtsmann gewünscht, dass ich dich wieder bekomme und dass ich dafür auf jedes Geschenk verzichte bis ich sterbe", gab er leise zu.

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"Und das war dein Glück!", lächelte Santa und blickte freundlich zu Tobi. "Caroline hat deinen Brief entdeckt und wusste dadurch erst wo du bist. Nur wegen deines Briefes konnte sie Fabianne und Pascal zu dir schicken", erzählte Santa und griff sich den nächsten Brief, seufzte dann wieder. "Der neue Playmobil Flughafen... oh je... da war dein Wunsch wesentlich besser."

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Na wenn das so war, dann war es ja wirklich sein Glück gewesen, das Tobias sich das vom Weihnachtsmann und nicht von Gott gewünscht hatte.

Bei dem Kompliment von Niklas Vater, wurde der 23-Jährige erneut rot. "Na ja, was bringen mir Geschenke, wenn ich die Liebe meines Lebens nicht bei mir haben. Mir sind Menschen hundert Mal lieber als irgendein Spielzeug, das spätestens nach den Feiertagen eh wieder kaputt ist! Das ist es, was Kinder erst lernen, wenn sie erwachsen werden."

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"Tja, aber dann glauben sie nicht mehr an den Weihnachtsmann und somit bleiben mir und Niklas weiterhin nur Legosteine und Barbie…", seufzte Santa und Niklas lachte leicht. "Ach Dad, vielleicht ändert sich das auch irgendwann mal und die Kinder werden erkennen was wichtiger ist!" Santa schüttelte still den Kopf und hob dann die Augenbraue. "Deine Zuversicht will ich haben!"

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Tobias seufzte leise und lehnte sich an die Wand, denn ihm war kurz schwindlig. Sofort zog er sich die Jacke aus. Hier war es wirklich gut geheizt und mit der Jacke war es eindeutig zu warm.

"Man müsste den Kindern zeigen, dass es den Weihnachtsmann wirklich gibt. Aber wenn man das macht, dann werden ihr hier überrannt und mit Briefen und Wünschen zugemüllt und das ist dann absolut nicht Sinn der Sache. Ich schätze, fürs Erste müsst ihr euch wirklich mit den etwas ausgefallenen Wünschen der Kinder rumschlagen. Einzig Waisenkinder wissen das Familie einfach wichtiger ist. Sie wünschen sich dann Spielzeug, das wirklich lange heben wird", überlegte Tobias laut vor sich hin.

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"Ach Tobias, wir sind es eh nicht, die den Kindern diese Markensachen schenken. Das überlassen wir den Verwandten. Wir schenken den Kindern nur ein Geschenk und dann nur das was sie sich am meisten Wünschen. Wir haben für jedes Kind eine Akte in die die diesjährigen Wunschzettel hineingelegt werden und dann wird entschieden was davon dem Kind geschenkt wird!", erklärte Niklas.

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"Ich kenn mich mit dem Weihnachtsmann nicht so aus", gab Tobias zu. "Bis ich dich kennen gelernt habe, Niklas, hab ich nicht mehr an den Weihnachtsmann geglaubt. Ich hab dir ja erzählt, dass meine Mutter mir gesagt hat, dass es keinen Weihnachtsmann gibt. Und das was ich weiß, scheint alles falsch zu sein, außerdem kommt es aus Filmen."

Neugierig nahm sich der Spielzeugmacher einen Brief, überflog ihn und schüttelte dann den Kopf. Ein Zehnjähriges Mädchen aus den USA wollte Millionärin werden. So einen Schwachsinn wünschten sich die Kinder, anstatt Gesundheit für ihre Familie.

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"Ach das was man dem Weihnachtsmann in seinen Filmen andichtet ist ganz witzig. Uns macht es immer Spaß diese Filme zu sehen. Eben weil sich kein Erwachsener vorstellen kann, dass es den Weihnachtsmann wirklich gibt, wird nicht nachgeforscht und somit denken sich die Leute eben was aus, um den Weihnachtsmann noch unglaublicher und magischer zu machen. Dabei sind wir im Prinzip nur ein Familienbetrieb, der eben auch Akten von all seinen Kunden hat!", lachte Santa Claus.

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"Aber das bedeutet für Sie und Ihre Familie Ruhe und Privatsphäre. Ich denke, da nimmt man gerne in Kauf, dass die Erwachsenen nicht an einen glauben", meinte Tobias und legte den Brief dann wieder zurück. Nicht das er noch verloren ging.

"Niki, zeigst du mir jetzt auch die Werkstatt? Ich bin schon ganz hibbelig", bat der Braunhaarige mit großen Augen - was stark an ein kleines Kind erinnerte.

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"Alles klar, du kannst jetzt aufhören und deine Superwaffe wieder einstecken!", gab Niklas nach und hörte seinen Vater lachen. "Der Junge hat dich ja voll im Griff!!" "Jaja", grinste Nik und verabschiedete sich dann von seinem Vater, ergriff wieder Tobis Hand und zog ihn mit sich in den Vorraum, um dann die andere Tür zu nehmen.

Sofort wurde es etwas lauter, denn nun überlagerte das Geräusch der laufenden Maschinen alles Gesagte. Vor ihnen lag ein riesiger Raum, der in farblich zwei Teile geteilt war. Direkt gegenüber der Tür, auf der rechten Seite des Raumes waren die Wände in einem tiefen Dunkelrot gestrichen. An den Wänden standen zahlreiche Aktenschränke und gegenüber, mitten im Raum waren Maschinen aufgebaut, die gar nicht aufhörten bedrucktes Papier zu produzieren.

"Diese Maschinen zeichnen alle guten oder bösen Taten der Kinder auf!", schrie Niklas, damit Tobi ihn verstand und zeigte auf die vielen kleinen Elfen, die zwischen Aktenschränken und Maschinen hin und her rannten, die jeweiligen Ausdrucke dem richtigen Kind zuordneten und abhefteten.

Die Maschinenwand trennte den Raum auch nochmal zusätzlich, denn dahinter waren die Wände dunkelgrün gehalten und eine große Maschine nach der anderen reihte sich aneinander. Dort waren Fließband an Fließband und um jedes standen hunderte von Elfen, die in Handarbeit verschiedenes Spielzeug herstellten.

Das fertige Produkt wurde von anderen, flinken Elfen abgenommen und zu einer Klappe in der Wand getragen. "Die führt in den Keller, da wird das fertige Spielzeug gelagert!", schrie Niklas weiter und betrachtete dann Tobias, der alles staunend betrachtete.

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"Ich liebe dich Engelchen", kicherte Tobias und winkte dem Weihnachtsmann noch kurz zu, bevor der Blonde ihn auch schon aus dem Raum gezogen hatte.

Staunend drehte sich Tobi immer wieder um sich und hatte doch das Gefühl, nicht alles in sich aufnehmen zu können, so viel und toll war das. Neugierig löste er sich von Niki und trat zu einem der Fließbänder, beobachtete die Elfen genauer, wie sie die Spielzeuge zusammen bauten.

Einfach nur bewundernswert, die Genauigkeit mit der die Elfen arbeiteten, nicht ein Strich ging daneben, wenn sie etwas bemalen mussten und wenn sie etwas vernähten, sah man die Naht hinterher gar nicht mehr.

Der 23-Jährige kam sich gerade wie in einem großen Wunderland vor. Und hier durfte er wirklich arbeiten, wenn es ihm wieder einwandfrei ging? Das war einfach nur Wahnsinn.

*

Lächelnd beobachtete Niklas seinen Liebsten, der voller Flamme war und sich alles genau ansah. Er kannte diesen Anblick ja schon und demnach war es nichts Neues mehr für ihn. Er würde Tobi aber genug Zeit geben das alles zu erkunden und erst zu ihm stoßen, wenn dieser genug gesehen hatte oder es ihm deutlich sichtbar schlechter ging.

Wenn Tobi nachher zurück zu ihm kam würde er dann noch die Werkstatt des Weihnachtsmannes zeigen, wo es keine Maschinen, sondern nur Werkzeuge gab. Hier entwarfen die Weihnachtsmänner schon seit Generationen das Spielzeug, was die Elfen dann nach deren Vorbild am Fließband herstellten.

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Tobias verbrachte auch eine ganze Weile damit, den Elfen bei der Arbeit zu zuschauen. Denn an jedem Fließband wurde ein anderes Spielzeug im Akkord hergestellt.

Erst als er alles gesehen hatte und er spürbar Durst bekam, lief er wieder zu Niklas, küsste ihn einfach, weil seine angestaute Freude irgendwo raus musste. "Das ist einfach nur Gigantisch", rief er. "So hätte ich mir das nie vorgestellt."

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Niklas lächelte und ergriff dann Tobis Hand, zog ihn raus aus der Elfenwerkstatt und schloss die Tür hinter ihnen. Da diese extrem Lärmabweisend waren, wurde es sofort still im Vorraum. "So, jetzt muss ich wenigstens nicht mehr schreien!", lächelte Nik und betrachtete seinen Freund. "Wie geht’s dir? Magst du gleich wieder ins Bett?" Das wollte er zuerst klären, bevor er sich weiter mit Tobi über anderes unterhielt.

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Verliebt blickte der Braunhaarige seinen Niklas an, war froh dass sein Freund sich Sorgen um ihn machte.

"Nein, ich bin nicht müde. Ich hab nur ein wenig Durst. Aber ansonsten ist alles in Ordnung", erklärte Tobias, "Und ich brauch eine Umarmung", grinste er breit und umarmte dann Niklas, vergrub sein Gesicht in dessen Halsbeuge. Er war einfach süchtig nach seinem Freund.

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Fest erwiderte Niklas die Umarmung und streichelte über Tobis Rücken. "Ich bin froh, dass es dir in der Elfenwerkstatt gefällt. Wenn du dann aber was basteln möchtest machen wir das in der Weihnachtsmannwerkstatt. Da gibt es keine Maschinen und es ist ruhig", lächelte Niklas und küsste Tobi auf die Stirn, bemerkte, dass diese warm war. "Bist du sicher, dass du dich nicht nochmal hinlegen magst?"

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Tobias seufzte leise auf, schloss seine Augen und gab nach. "Müde bin ich zwar nicht, aber ein wenig hinlegen hört sich gut an. Und auch nur, wenn du dich dazu legst und so schnell nicht mehr gehst", murmelte der Kleinere.

Er wollte sich nur von seinem Engelchen trennen, wenn es unbedingt sein musste. Sonst kam ihm das Ganze immer noch wie ein Traum vor.

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"Ich wollte mich eh zu dir legen und mich mit dir unterhalten. Sicher hast du viele Fragen!", stellte Niklas nur fest und löste dann die Umarmung, um rasch nochmal zu seinem Vater zu gehen und Tobis Jacke zu holen. "Wir gehen jetzt wieder rüber. Tobi ist schon wieder warm", erklärte er und verabschiedete sich von seinem Vater, bevor er wieder zu seinem Freund ging, ihm sanft die Jacke anzog und die Elfen dann bat das Tor zu öffnen. Das war so schwer, dass es ohne Winde gar nicht ging.

*

Gerne ließ sich Tobias bemuttern, fand das süß von dem Älteren.

Als sie aus der Werkstatt traten, schüttelte sich der Grauäugige. Das war so kalt, im Gegensatz zu innen.

So legten die beiden einen Schritt zu, traten kurz darauf in das Wohnhaus. Dort zog Tobi die Jacke und die Schuhe aus und machte sich dann mit seinem Engelchen auf den Weg zu Niklas Zimmer.

Dort griff er sich gleich das Glas, schenkte sich etwas des kalten Tees sein und trank sofort aus. Das tat gut.

*

"Soll ich dir von unten noch eine Kanne bringen?", fragte Niklas neugierig und ging zu seinem Schrank, um für Tobi einen sauberen, dicken Schlafanzug heraus zu holen. Den legte er dann aufs Bett und blickte fragend zu seinem Schatz.

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Sanft lächelte Tobias den Größeren an. "Was wäre lieb von dir, Schatz. Wenn es geht Apfelzimt. Das heißt, nur wenn ihr so was da habt. Ansonsten geht auch Pfefferminztee", meinte der kleine Eisbär.

Danach zog er sich den Pullover aus und auch die Hose, bevor er in den weichen, warmen Schlafanzug schlüpfte. Das war doch viel besser, um ins Bett zu krabbeln.

Was er auch sofort tat und sich Niklas Kissen schnappte, es an sich drückte. So hatte er wenigstens etwas im Arm, bis er seinen Freund hatte.

*

Niklas ging mittlerweile in die Küche und begrüßte seine Mutter, die mit Luci am Tisch saß und puzzelte. "Hallo Mama, ah und da ist ja auch mein kleiner Stern!", lachte er und hob Luci auf die Arme, die lachend zu ihm gerannt kam. Grinsend pustete er ihr ins Ohr, was ihr eine Gänsehaut verschaffte, und hielt sie fest an sich gedrückt. "Mama, haben wir Apfelzimttee da? Tobi hätte gerne eine frische Kanne!"

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"Irgendwo in der Sammlung deines Vaters muss etwas davon sein", erklärte Carol und stand gleich auf, um den gewünschten Tee zu suchen. Immerhin sollte es Tobi schnell wieder besser gehen.

Nach kurzem Suchen hatte die Hausfrau den Tee auch gefunden und setzte Wasser auf. "Wie geht es ihm denn?", wollte sie besorgt wissen. Nicht das es noch schlimmer wurde und er doch zu einem Arzt musste.

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"Oh er ist nicht müde und wäre sicher noch weiter in der Werkstatt geblieben, wenn ich nicht eingelenkt hätte. Er ist etwas warm und schwach, aber es geht aufwärts. Ich denke übermorgen ist er wieder total fit!", strahlte Niklas. "Ich hab ihm jetzt einen warmen Schlafanzug hingelegt, den er auch sofort angezogen hat. Heute lass ich ihn sicher nicht nochmal aufstehen. Maximal zum gemeinsamen Abendbrot, aber nur wenn es ihm dementsprechend gut geht."

*

Carol schüttete das Wasser nachdem es heiß war vorsichtig in die Kanne und hängte dann die Teebeutel dazu.

"Das ist ja großartig. Ich werde auf alle Fälle auch was für Tobias machen. Hat er noch Halsschmerzen? Damit ich weiß, ob er eher etwas Weiches braucht. Das Mäuschen hilft mir doch nachher bestimmt?", fragte sie zum Schluss ihre Jüngste.

Die nickte auch sofort begeistert und wollte dann wieder auf den Boden, damit sie weiter Puzzeln konnte.

*

Niklas küsste sie nochmal auf die Wange und ließ Luci runter, die sofort zum Platz huschte und weiterpuzzelte. "Gesagt hat er nichts, also ich denke ihm geht’s gut. Wie gesagt, er wäre sicher auch gerne noch in der Werkstatt geblieben. Oh Mama du hättest seinen Blick sehen sollen!"

*

"Der war bestimmt ganz goldig", grinste Niklas Mutter und reichte dann den Tee an ihren Sohn weiter. "Kuschelt euch noch ein wenig ins Bett und lasst euch erst wieder zum Abendessen blicken", scheuchte sie ihren Sohn aus der Küche.

Sie konnte förmlich sehen, wie es ihrem Ältesten unter den Nägeln brannte, zu seinem Freund zurück zu kommen.

Sie war damals genauso gewesen, als sie frisch mit Santa zusammen war.

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"Danke Mama!", strahlte Niklas und küsste seine Mutter auf die Wange, bevor er mit der Kanne in der Hand rauseilte, die Treppen rauf huschte und kurz darauf wieder im Zimmer stand. "So mein Eisbär, Apfelzimt, wie gewünscht!", grinsend stellte er die Kanne auf dem Nachtschrank ab, bevor er nochmal zurück eilte und die Zimmertür schloss. "Wir haben jetzt Zeit für uns. Mama meinte wir sollen uns erst wieder zum Abendbrot sehen lassen! Du könntest mit unten essen, aber nur wenn es dir soweit gut geht."

*

Lächelnd beobachtete der Jüngere seinen Freund wie der im Zimmer herum lief. "Im Augenblick geht es mir gut. Wir können ja heute Abend nochmal darüber reden, wenn es Zeit zum Abendessen ist", entschied Tobias und breitete dann seine Arme aus.

"Komm her, Engelchen. Ein bisschen kuscheln. Ohne dich ist das Bett so groß."

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Niklas schmunzelte leicht und zog sich dann rasch bis auf die Boxershorts aus, bevor er zu Tobi ins Bett hüpfte und diesen an sich zog. "Hach ja... so lässt sich’s leben…", seufzte er genießend und schloss die Augen.

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"Finde ich auch", murmelte Tobias, kuschelte sich an den warmen Körper neben sich und legte seinen Kopf auf Niklas Brust. "Am liebsten würde ich bin zum Ende unseres Lebens so mit dir liegen bleiben."

Der Braunhaarige hob seinen Kopf noch einmal, hauchte einen Kuss genau über das Herz des Älteren und dann auf die verführerischen Lippen. "Ich bin so glücklich wie schon lange nicht mehr."

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"Das bin ich auch und wir können, wenn Dad einen Weg findet, für immer zusammen sein, doch nicht hier liegen bleiben, immerhin muss ich irgendwann auch wieder arbeiten. Doch du kannst mir helfen, oder wie Mama dich um unsere Kinder kümmern und mich dann mit lecker Essen überraschen!"

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"Also, kochen kann ich und dagegen, unsere Kinder groß zu ziehen, hab ich auch nichts. Wenn ich dann mit der Arbeit fertig bin und die Kinder älter sind, kann ich ja auch ein bisschen für mich Holzspielzeug herstellen", malte sich der Braunhaarige weiter aus.

Es war schön, sich eine gemeinsame Zukunft mit seinem Liebsten auszumalen, besonders, da sie die Versicherung von Santa hatten, dass er zumindest darüber nachdenken würde. Mehr konnte Niklas Vater auch nicht tun.

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"Du kannst auch in der Küche sitzen und schnitzen, oder die Kinder mit in die Werkstatt nehmen. Das werde ich mit unserem àltesten eh tun sobald er das Alter hat, um mit der Ausbildung anzufangen!", lächelte Niklas in Gedanken versunken, streichelte dabei Tobis Nacken. Hach ja eine Zukunft mit seinem Liebsten... was konnte es Schöneres geben?

*

Zufrieden schnurrte Tobias auf. Nicht nur wegen der graulenden Hand im Nacken, sondern auch wegen den Gedanken, welche die beiden hegten.

Wer ihm noch vor 12 Tagen gesagt hätte, dass er so schnell die Liebe seines Lebens finden würde, mit ihr alt werden wollte und sogar an Kinder dachte, den hätte Tobias für verrückt erklärt. Doch jetzt konnte er sich nichts mehr anderes vorstellen.

"Ich liebe dich so sehr, dass ich dafür kaum Worte finde, Niklas und es ist mein großer Wunsch, mit dir und unseren Kindern alt zu werden", murmelte er leise mit belegter Stimme, weil er die Tränen zurück halten musste. So glücklich war er in dem Moment.

*

Niklas lächelte glücklich und zog Tobias noch fester an sich, küsste ihn zart auf die Lippen. "Du sprichst mir aus der Seele, mein Liebling. Und Dad wird sicher alles überprüfen und ich habe das Gefühl, dass wir beide Glück haben könnten... ."

*

"Du Niki", begann Tobias und wusste nicht, ob er die nächste Frage wirklich stellen sollte.

"Wie geht das eigentlich, dass Weihnachtsmänner so schnell dicker werden und weiße Haare und einen Bart bekommen? Oder darfst du mir das nicht verraten? Und wie ist das mit den Elfen? Können die auch sterben?"

*

"Die Elfen können sterben, ja, aber sie werden sehr sehr alt. Unser ältester Elf hier ist zweihundert und acht. Und er hat fünf andere Elfen in die Welt gesetzt. Unsere Elfen stehen auch nicht pausenlos am Fließband, sondern haben hinter der Werkstatt eine kleine Siedlung wo sie leben. Wenn sie zu alt werden müssen sie nicht mehr arbeiten, sondern leben in der Siedlung bis zu ihrem Tod. Dafür, dass sie für uns arbeiten, kümmern wir uns um sie, bieten ihnen Nahrung und Sicherheit", erzählte Niklas und drückte Tobi an sich.

"Und das mein Vater dem typischen Weihnachtsklischee entspricht, war nicht immer so. Natürlich haben wir auch unechte Bärte und Kissen, doch die sind unangenehm und es besteht die Gefahr, dass wir sie verlieren. Irgendwann entschloss sich mein Vater eben sich einen Bart stehen zu lassen und etwas zuzunehmen. Grau wurden die Haare und der Bart mit der Zeit und der Bauch eben dick."

*

Tobias kicherte leise, als er sich seinen Schatz mit unechtem, schiefhängendem Bart und Kissen vorstellte.

"Ich werde dich auch lieben, wenn du nen dicken Bauch hast und einen grauen Bart. Das sollst du wissen", sprach der Braunhaarige.

Er würde sein Engelchen immer lieben, egal wie er aussah. Denn Liebe kam nicht auf das Aussehen an, sondern auf die inneren Werte.

"Das ist aber nett, dass ihr euch so liebevoll um die Elfen kümmert. Aber das sichert euch sicherlich auch die Mithilfe der Nachkommen der Elfen."

*

"Würden wir die Elfen nicht gut behandeln, würden sie sicher einen Aufstand machen und warum sollten wir sie schlecht behandeln? Sie machen gute Arbeit und ich will nicht dort an dem Fließband stehen!", lachte Niklas und blickte dann nach unten, tätschelte seinen Bauch. "Ich mag meinen Waschbrettbauch eigentlich und ich rasiere mich sehr gerne. Das mit dem zunehmen und dem Bart ist das was mich am allermeisten von dieser Aufgabe abschreckt! Auch wenn es dich nicht stört, mich schon!"

*

"Ach Engelchen. So stellen sich die Kinder nun einmal den Weihnachtsmann vor", murmelte der Schweizer, löste sich von seinem Freund und rutschte ein Stück an ihm herab.

Leicht lächeln hauchte er einen Kuss, auf den leckeren Bauch. "Ich mag ihn auch, aber das wird wieder so eine Sache sein, wie damit, dass der älteste Sohn Weihnachtsmann werden muss. Du kannst höchsten Mal deinen Vater fragen, ob sich da nicht was machen lässt."

*

"Nein nein, das habe ich schon früher mit ihm abgeklärt. Ich werde so lange den unechten Bart und den Bauch tragen bis ich mich selbst dazu entscheide zuzunehmen und mir einen Bart stehen zu lassen. Immerhin hat Dad auch nicht von Anfang an dieses Aussehen gehabt!", erklärte Niklas und blickte zu Tobi.

*

"Das ist gut, dann hab ich den ja noch ein paar Jahre", schnurrte Tobias und küsste sich über den Bauch und die Brust nach oben, verschloss Niklas Lippen mit seinen.

Nach einer Weile beendete der Schweizer den Kuss und kuschelte sich wieder an seinen Freund, legte den Kopf auf die nackte Brust.

Glücklich seufzte er. So konnte Tobias von sich aus für immer liegen bleiben. Ihm würde es im Augenblick nicht einmal etwas ausmachen, wenn die Welt unterging, so zufrieden war er... .

*

}|{

Ein klopfen an der Tür weckte Niklas. Er musste wohl eingeschlafen sein, während sie gekuschelt hatten. Ein Blick nach unten zeigte ihm, dass es Tobi auch nicht anders ergangen war, denn dieser schlummerte friedlich auf seiner Brust. "Hey Süßer...", versuchte er ihn zu wecken, denn solange Tobi dort lag, konnte er nicht aufstehen.

*

"Mhm", brummte der Angesprochene träge vor sich hin und konnte das Gähnen nicht unterdrücken, bevor er seine Augen öffnete.

"Was denn los?", nuschelte er mit kleinen Augen und setzte sich auf.

Erneut klopfte es. "Warum machst du denn nicht auf?", wollte der Jüngere noch immer verpeilt wissen. Denn wenn er wach gewesen wäre, wäre ihm aufgefallen, das er ja halb auf Niklas geschlafen hatte und der deswegen hatte nicht aufstehen könne.

*

"Wegen dir mein Liebling!", lächelte Niklas warm und schob Tobi sanft von sich, bevor er rasch aus dem Bett sprang und zur Tür eilte. Schnell schloss er sie auf und schon lächelte Caroline ihm entgegen. "Na ihr zwei? Es gibt gleich Abendbrot und ich wollte fragen ob ihr runter kommt?"

Fragend wandte sich Niklas um und musterte Tobi. "Wie geht’s dir?"

*

Tobias rieb sich über die Augen und blickte dann zur Türe. "Hallo Carol", murmelte er und musste dann erst einmal die Frage seines Freundes auseinander nehmen und verarbeiten.

"Ganz gut, die Halsschmerzen sind besser geworden. Außerdem will ich raus. Nicht das ich es nicht genieße mit dir im Bett zu liegen und zu Kuscheln, Engelchen. Aber im Augenblich hab ich genug vom Bett und ich würde gerne den Rest deiner Familie kennen lernen", erklärte Tobias und fuhr sich mit der Hand einmal durch die Haare, brachte sie noch mehr durcheinander.

Niklas Mutter lachte. "Gut ihr beiden, dann zieht euch um und kommt runter. Niki kennt den Weg." Damit ließ sie ihren Sohn und dessen Freund wieder in Ruhe, damit sie sich fertig machen konnten.

*

Nickend schloss der Blonde die Tür und wandte sich dann zu Tobi um, musste breit grinsen. "Weißt du eigentlich, dass du umwerfend aussiehst wenn du so verschlafen guckst? Richtig süß!", lachte er und kam zurück zum Bett, beugte sich hinab und küsste Tobi zart auf die Lippen. "Wach auf Dornröschen und zieh dir was an."

*

Sofort legte sich Tobias Hand in den Nacken des Blonden und zog ihn erneut zu sich, um ihn richtig zu küssen.

"Danke für das Kompliment. Auch wenn ich gar nicht süß aussehen will", grummelte der Braunhaarige und stand auf, um sich umzuziehen. "Sag mal Engelchen, kann ich nach dem Essen duschen gehen? Und gegen ein wenig Gesellschaft hätte ich auch nichts", grinste er herausfordernd.

Bisher hatten sie ja noch gar nicht die Gelegenheit gehabt, zusammen zu duschen.

*

"Du willst mit mir zusammen duschen?", fragte Niklas erstaunt und überlegte dann. "Naja... in Anbetracht der Situation und deiner Lage... du könntest jeden Moment umkippen. Da muss dich doch jemand begleiten und beaufsichtigen!", grinste er dann frech und küsste Tobi nochmal. "Okay, machen wir's so, aber jetzt sollten wir uns fürs Abendbrot fertig machen!" Damit ging er zu Tobis Rucksack, hob ihn hoch und brachte ihn zum Bett.

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Wofür das Kranksein doch alles gut sein konnte.

Nach dem erneuten Kuss leckte sich Tobias über seine Lippen, nahm dankend den Rucksack entgegen und kramte schon einmal nach frischer Wäsche für später.

"Ich zieh die alten Sachen nochmal an. Es bringt ja nicht, wenn ich jetzt neue Sachen anziehe und nachher duschen gehe", entschied der Braunhaarige und zog sie die Sachen von heute Morgen wieder an.

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Niklas nickte nur und zog sich dann ebenfalls eine Jeans und einen Pullover an, bevor er Tobis Hand ergriff und ihn sanft mit sich nahm, die Treppe hinab und in die Küche. "Guten Abend alle zusammen!", begrüßte er die gesamte Familie und stellte sich mit Tobi an den Tisch. "Das ist Tobias Walt! Mum und Dad kennst du ja schon. Das ist Michel, der zweitälteste!", zeigte Niklas auf den dunkelhaarigen Jungen, der neben seinem Vater saß. "Dann kommt Cloe, sie ist drei Jahre jünger als ich, Clemens und Danny, die Zwillinge, Charlie, der jüngste von uns Jungs und das ist Luci, mein kleiner Sonnenschein!", lächelte Niklas. Während er alle vorgestellt hatte, hatte er auf denjenigen am Tisch gezeigt und nun setzte er sich neben Luci. Links war noch ein Platz frei und dann kam seine Mutter.

*

Tobias schluckte leicht als sie die Küche betraten. Da hieß es jetzt wohl, Augen zu und durch.

"Freut mich sehr", murmelte er etwas unsicher, denn Tobias glaubte, einen bösen Blick von Michel aufgefangen zu haben. Aber als er blinzelte, war davon nichts mehr zu sehen, so tat es der Braunhaarige als Täuschung ab.

Das Lächeln, das ihm Luci schenkte, erwiderte Tobias und setzte sich dann selber, nickte Santa zu, weil er ihm eben auch zunickte.

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"Dann lasst es euch schmecken!", eröffnete Santa gleich darauf das Essen und schon ging das große Fassen los. Es gab Suppe, die Caroline extra für Tobi mitgemacht hatte, Brot, Käse und Wurst wie immer und zusätzlich noch ein Teller mit Steaks, zur Feier des Tages, hatte Santa gemeint.

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Tobias bediente sich an der Suppe, denn das letzte Mal hatte sie auch schon lecker geschmeckt und stand dann der kleinen Luci Rede und Antwort. Ob er auch Geschwister hätte, wie denn seine Eltern so wären, ob er wirklich Spielzeug herstellte und und und.

Die Kleine war einfach herzallerliebst und hatte gleich einen Platz in Tobias Herzen erobert.

Die Zwillinge - die gerne mal ihre Sätze gegenseitig beendeten - fragten ihn über seine Freund und die Schweiz aus.

Tobias genoss das Abendessen in der Großfamilie und versuchte sich sogar mit Brot und Wurst, was erstaunlich gut ging.

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Niklas war stolz auf seinen Tobi, dass dieser sich so schnell einfand und schnell dafür sorgte, dass alle am Tisch ihn lieb gewannen. Nur Michel war sehr ruhig, was Niklas aber nicht weiter verwunderte. Er mochte es nicht, wenn er nicht im Mittelpunkt stand und schmollte dann recht schnell. Nik verstand seinen Vater sehr gut, dass er Michel nicht als Weihnachtsmann einsetzen wollte.

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Als sie das Essen schließlich beendet hatte, lobte Tobias das leckere Essen und bot an, beim Aufräumen zu helfen. Das war er von Zuhause gewohnt und außerdem machte es ihm nichts aus.

Carol, die schon am Zusammenstellen war, schüttelte bestimmt ihren Kopf. "Lass gut sein, Tobias. Du bist krank, du gehörst wieder ins Bett und sollst hier nicht in der Küche rumturnen. Die Zwillinge helfen immer gerne."

Und kaum hatte die Hausfrau ausgesprochen, da flitzen auch schon die Zwillinge hin und her und räumten auf.

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Niklas betrachtete seine jüngeren Geschwister und erhob sich, wuschelte Luci nochmal durchs Haar und blickte dann nochmal am Tisch entlang. "Wir gehen jetzt wieder rauf. Gute Nacht alle zusammen." Lächelnd griff er nach Tobis Hand und zog ihn dann wieder mit die Treppe rauf, betrat sein Zimmer und sah liebevoll in Tobis Augen. "Du warst wundervoll!"

*

Auch Tobias wünschte eine gute Nacht und folgte seinem Freund. "Ich hab mich nur so gegeben, wie ich bin. Leonie sagt auch immer, das man mich einfach lieb haben muss", erwiderte der Braunhaarige uns stahl sich einen Kuss.

"Und jetzt duschen", entschied der Kleinere, stahl sich noch einen Kuss für den Weg und löste sich dann von seinem Freund, um seine Sachen vom Bett auf zu nehmen.

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"Da hat deine Mutter vollkommen Recht. Dich muss man wirklich sofort lieb haben! Mich hast du ja auch sofort um den Finger gewickelt!", lächelte Niklas und folgte Tobi, küsste ihn sanft in den Nacken und strich ihm aufreizend über den Po, bevor er zu seinem eigenen Schrank ging und sich frische Sachen raussuchte, ebenfalls zwei Handtücher rauskramte.

*

Der Braunhaarige schnurrte leise auf, genoss den Kuss in seinem Nacken und die Hand, die da kurz über seinen Po geisterte. "Du hast wohl eher mich um den Finger gewickelt, denn ich fand dich gleich im ersten Moment süß. Mama und Papa finden dich auch sympathisch", erwiderte der Jüngere.

Tobi griff sich seine Sachen und fragte: "Wo ist das Bad eigentlich?"

*

"Deine Eltern mag ich auch. Sie sind sehr nett. Leider wirst du sie nicht allzu oft sehen, wenn du hier bleibst", seufzte Niklas und blickte auffordern zu Tobi, ergriff dann dessen Hand und führte ihn aus seinem Zimmer raus, direkt gegenüber durch eine andere Tür. "Da ist schon das Badezimmer."

*

"Ist schon okay, ich liebe meine Eltern, das ist klar. Aber ich sehe sie auch nicht allzu oft, wenn ich ein wichtiges Projekt fertig machen muss, daran hab ich mich schon gewöhnt und meine Eltern auch. Deswegen freuen wir uns dann immer besonders, wenn wir uns wieder Treffen", erklärte Der Braunhaarige und schenkte seinem Freund ein aufmunterndes Lächeln.

Also darüber musste Niki sich wirklich keine Sorgen machen. Seinen Eltern war es auch wichtiger, dass es Tobias gut ging und er glücklich war.

Tobias ließ seinen Blick schweifen. In die Dusche passten sie bequem zu zweit und sogar eine Badewanne gab es. "Du Schatz, wir können ja auch mal zusammen baden", murmelte Tobi, legte seine Kleidung auf den Wannenrand und begann sich dann auszuziehen.

*

"Hm ich weiß nicht. Nicht dass dein Kreislauf schlapp macht!", meinte Niklas besorgt und zog sich ebenfalls aus nachdem er die Tür hinter sich abgeschlossen hatte.

*

"Natürlich erst, wenn ich wieder ganz gesund bin. Du bist süß, Engelchen", sprach der Braunhaarige und hauchte seinem Freund einen Kuss auf die Wange.

Als er alles ausgezogen hatte, trat er schon mal in die Dusche und stellte das Wasser an, suchte die richtige Temperatur. "Magst du es eher warm oder kalt?", wollte er von seinem Freund wissen. Tobi war bekennender Warmduscher, da konnte er nicht aus seiner Haut. So gerne er den Winter und den Schnee auch hatte, beim Duschen oder baden war das Wasser immer warm.

*

"Also draußen ist es kalt genug, da will ich schon warmes Wasser auf meiner Haut!", lachte Niklas und trat ebenfalls nackt zu Tobi unter die Dusche, schloss die Duschkabine hinter sich und stellte sich dann nah zu Tobi, damit er auch was vom Wasser abbekam.

*

Tobias griff hinter sich, zog seinen Freund noch ein wenig näher an sich, damit Niklas auch wirklich Wasser abbekam.

Dann schloss er seine Augen, legte den Kopf in den Nacken und genoss das warme Wasser und seufzte leise auf.

Er könnte stundenlang unter der Dusche stehen, wenn nur die Wasserrechnung dann nicht so teuer wäre.

Nach einer Weile öffnete der 23-Jährige seine Augen wieder, griff sich das Duschgel und schnupperte daran.

Mhm... roch nach Niklas.

Tobi nahm sich etwas davon, drehte sich dann um und begann, seinen Freund einzuseifen. Herrlich. Das gab ihm die uneingeschränkte Erlaubnis, seinen Freund anzufassen und die weiche Haut zu genießen.

*

"Oh dass du mich wäschst hätte ich jetzt nicht gedacht", gestand Niklas und bekam rote Wangen. Das zeigte ihm nur wieder wie unerfahren er eigentlich war. "Ähm... darf ich dich auch...?", fragte er dann unsicher und sah Tobi aus großen Augen an.

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"Ich mach das gerne und das ist die beste Ausrede, damit ich deine Haut berühren kann, ohne vom wem Ärger zu bekommen", grinste Tobias frech und stahl sich einen Kuss, bevor er sich den Beinen zuwandte.

"Sicher darfst du mich auch einseifen, da musst du nicht extra fragen. Solange du damit leben kannst, dass ich dann wohl schnurren werde. Denn deine Hände auf meiner Haut fühlen sich einfach göttlich an", raunte der Kleinere.

*

Niklas lachte amüsiert und wartete dann bis Tobias damit fertig war ihn einzuseifen, bevor er sich selbst Duschgel nahm und die Hände auf Tobis Brust legte.

Langsam begann er das Shampoo zu verteilen, jeden Fleck an Tobis Köper mit seinen Händen zu entdecken. Besonders widmete er sich dem runden Po, der so perfekt in seiner Hand lag. Ob sie wohl bald den nächsten Schritt wagen würden?

*

Tobias konnte nicht verhindern, dass sein Atem schneller wurde und er leise stöhnte, als sich der Blonde so ausführlich seinem Po widmete.

Leise schnurrte er auf. "Das fühlt sich gut an", knurrte er schon fast und legte dann seinerseits seine Hände auf Niklas Brust, verwöhnte ein wenig die rosigen Knospen.

Blitzschnell beuget er sich vor, verschloss die Lippen des Größeren mit seinen und knabberte zärtlich an dessen Unterlippe, bat so um Einlass.

*

Diesen gewährte ihm Niklas sofort, während er Tobi an sich zog, sodass sich jeder Zentimeter ihrer Haut berührte. Dann begannen seine Finger den runden Po zu kneten. Bisher hatte er sich da ja noch nicht wirklich ran getraut, doch wenn Tobi das so gefiel? Und außerdem war er selbst wahnsinnig neugierig und schon nach einer Weile landeten seine Finger automatisch in der Pofalte, strichen sie nach.

*

Der Kleine stöhnte in den Kuss, als Niklas ihn so plötzlich an sich zog und sich ihre aufbauenden Erregungen berührten. Das war sein erstes Mal, unter der Dusche. Wobei sie wohl kaum bis zum Äußersten gehen würden.

Allerdings war sich Tobi nicht mehr so sicher, als er die Finger spürte, die frecherweise seine Spalte entlang fuhren. Tobias löste sich aus dem Kuss, stöhnte leise auf und stieß ein flehendes "Bitte" aus.

Er wollte Niklas in sich fühlen. Und wenn es für den Anfang auch nur die Finger waren, es war immerhin etwas.

*

Nun war Niklas verwirrt, was sollte er denn tun. Unsicher blickte er zu Tobias hinab und räusperte sich leise. "Ähm... Tobi... was soll ich denn machen? Worum bittest du?", fragte er ganz leise und schämte sich, weil er so unerfahren war.

*

Warm lächelte Tobias sein Engelchen an und hauchte ihm einen Kuss auf die Lippen.

"Es ist für den Anfang bequemer, wenn wir den nächsten Schritt nicht unter den Dusche machen", murmelte Tobias, während er weiterhin an den weichen Lippen nippte.

Sanft legte er eine Hand auf Niklas Wange. "Keine Bange, jeder hat mal klein angefangen. Diese Unsicherheit macht dich nur noch süßer. Lass uns weiter Duschen."

*

Niklas nickte leicht und fuhr sich durch das nasse Haar, küsste Tobi nochmal sanft und nahm dann den Duschkopf in die Hand, um sie beide abzuduschen, eingeschäumt waren sie ja genug.

Erst als von ihnen beiden kein Schaum mehr mit dem Wasser hinab lief, stellte Niklas das Wasser ab und öffnete die Duschtür. Rasch huschte er danach zu ihren Handtüchern und hielt für Tobias eines auf.

*

An das zu zweit duschen konnte Tobi sich wirklich gewöhnen. Wenn das immer mit solchen Service ablief.

Dankend kuschelte sich der Braunhaarige in das Handtuch, nachdem er die Dusche verlassen hatte. "Welch ein Service. Kostet der extra oder ist der im Preis mit inbegriffen?", wollte er neckend wissen und trocknete sich dann ab.

*

"Natürlich musst du mir Trinkgeld geben. Ich bin aber nur mit Küssen zu bezahlen!", grinste Niklas und trocknete sich dann selbst ab, begann dann sich anzuziehen.

*

Küsse. Eine überaus interessante Währung und nicht einmal teuer beim Umtauschen. Gut, damit war Tobi einverstanden.

Vor sich hin grinsend zog sich der 23-Jährige ebenfalls an und hängte dann das Handtuch auf, damit es trocknen konnte. Als er fertig war, beobachtete er liebevoll seinen Freund.

/Ich hatte wirklich großes Glück ihn kenne zu lernen. Wer hätte am Anfang noch gedacht, das der süße Blonde dem ich beim Joggen begegnete, bei mir wohnen und dann mit mir eine Beziehung eingehen würde/, dachte Tobias nach.

*

Niklas eilte nochmal zum Spiegel und kämmte seine blonden, kurzen Locken, bevor er zu Tobi blickte und eine Augenbraue nach oben zog. "10 Pennys für deine Gedanken..." So liebevoll wie Tobias ihn ansah, musste etwas in diesem hübschen Köpfchen vor sich gehen.

*

"Ich hab nur gerade festgestellt, wie viel Glück ich habe, dass ich dich kennen gelernt habe. Ich hab am Anfang gar nicht im Traum daran gedacht, das mehr daraus werden könnte, als du nach einer Möglichkeit zum Geldwechseln und nach einer Pension gefragt hast", erklärte Tobias und trat zu seinem Freund, legte ihm die Arme um den Hals.

"Nie im Leben hätte ich zu träumen gewagt, dass aus dem ersten Treffen mehr, weitaus mehr werden könnte. So wie es aussah, hätte ich dich nie wieder gesehen, wenn ich dich in die Stadt mitgenommen habe. Das die Maschine kaputt war, war wohl Schicksal."

*

"Oder technisches Versagen!", grinste Niklas und umarmte Tobias fest, küsste ihn liebevoll auf die Nase. "Ich bin froh, dass mehr draus geworden ist, denn ich war noch nie so glücklich wie mit dir. Du hast hier alles verändert. Früher hätte mein Vater nie so mit mir geredet wie jetzt. Er ist so, wie ich ihn bisher nur aus meiner Kindheit kannte... ."

*

"Ich liebe dich", war die einfache Antwort des Grauäugigen. "Es heißt doch immer, Liebe kann Berge versetzten. Auch wenn ich gar nicht vorhatte, deine Familie zu verändern. Aber ich bin froh, dass du dich mit deinem Vater wieder besser verstehst. Kinder sollten immer einen Vater haben, zu dem sie Aufsehen und mit Problemen zu ihm kommen können."

Schließlich löste sich Tobi von seinem Freund, nahm dessen Hand in seine und verließ das Bad, nachdem er die Türe aufgeschlossen hatte. Im Bett kuschelte es sich einfach bequemer.

*

Niklas ließ sich mitziehen und schloss, wieder in seinem Zimmer angekommen, gleich die Tür ab. Immerhin sollten sie beide nicht gestört werden und am ersten Abend, als Niklas fiebernd im Bett lag, waren ja auch genug Leute in Niks Zimmer gewesen.

Dann blickte Niklas seinen Liebsten wieder an und musste leise schmunzeln. "Also in Jeans und Pulli sollte ich dich nicht gleich wieder ins Bett stopfen. Wie geht’s dir?"

*

"Dafür das ich eigentlich Erkältet bin, überraschend gut. Heute war mir zwar kurz schwindlig als wir in der Werkstatt waren, aber das lag wohl eher an dem Temperaturunterschieden und das ich die Jacke noch an hatte", erklärte Tobias und trat zum Bett, setzte sich auf die Kante und ließ sich dann mit einem leisen Seufzen nach hinten fallen.

"Hoffen wir, dass ich es ausgestanden habe und nicht wieder rückfällig werde. Ich hasse es krank zu sein und nichts tun zu können", murmelte der Kleinere.

*

"Na wenn es dir jetzt besser geht, was mich natürlich sehr freut, dann musst du nicht gleich wieder ins Bett. Wie du siehst hab ich auch ein Sofa und einen Fernseher, also können wir uns dort hinlümmeln und was schauen, oder nur Musik hören... wie du willst!", bot Niklas an.

*

Neugierig richtet sich Tobias auf seinen Ellenbogen auf.

"Hast du hier denn Empfang oder meinst du Videos?"

Das war eh etwas komisch. Wie bekam Niklas Familie hier denn Strom und warmes Wasser? "Sag mal Niki, wo bekommt ihr eigentlich den Strom her und wie geht das mit dem heißen Wasser?"

*

"Hui so viele Fragen auf einmal!", lächelte Niklas und setzte sich neben Tobi aufs Bett, da dieser ja nicht gewillt war zum Sofa zu gehen. "Wir haben hier ne Menge Eis, wie du ja weißt und das lassen wir schmelzen und gewinnen dadurch Wasser.

Das wird in unserer eigenen Aufbereitungsanlage gereinigt und dann hier im Haus zum Waschen, kochen, trinken verwendet. Und Strom gewinnen wir mit unserem Wasserkraftwerk im Keller. Wir verwenden immer das gleiche Wasser, welches über das Wasserrad läuft und somit die Turbine antreibt. Da steckt simple Technik dahinter, die von den Elfen gewartet wird.

Und um deine erste Frage zu empfangen, wir haben Empfang. Wir kriegen jeden Sender weltweit rein. Aber da frag mich nicht wie. Da musst du mit Dad reden!"

*

Tobi nickte nur zu der Erklärung. Hörte sich alles logisch und gut durchdacht an.

"Nicht schlecht. Aber anders am Nordpol weit ab von der Zivilisation ist es wohl auch kaum anders machbar", überlegte der Braunhaarige und setzte sich dann ganz auf.

"Na dann, lass uns auf der Couch kuscheln und ein bisschen herumschalten. Vielleicht kommt ja was Gescheites oder wir bleiben an einem guten Musiksender hängen."

*

Lächelnd nickte der Blonde und half Tobi auf, ging mit ihm zum Sofa und setzte sich, zog Tobias auf seinen Schoß. "Wir haben keine andere Wahl. Selbst wenn es hier einen Wasseranschluss gäbe, wir könnten uns nicht anschließen lassen, weil man dann wüsste wo wir sind und wir dann für das Wasser bezahlen müssten."

*

Nur zu gerne, ließ sich Tobias auf dem Schoß seines Liebsten nieder, kuschelte sich an dessen Brust. "Ist wohl auch besser so, sonst würdet ihr von Forschern, Kindern und sonst wem überrannt werden. Besonders Reporter würden sich ein Bein dafür ausreißen, die ultimative Story zu schreiben."

*

"Ich denke eher, dass dann die Werbeaufträge reinflattern würden. Nach dem Motto: 'Der Weihnachtsmann findet es gut, also ist es gut!' und das will ja keiner!", lächelte Niklas und küsste Tobi auf die Wange, drückte ihm dann die Fernbedienung in die Hand.

*

"Hast Recht", murmelte der Jüngere, lächelte leicht bei dem Kuss und schaltete dann den Fernseher an.

Neugierig, was es hier so für Sender gab die er nicht kannte, zappte Tobias herum, bis er an einem Krimi hängen blieb, der eben erst angefangen hatte. "Was meinst du? Das hier oder weiter suchen?"

Als Niklas nickte, legte der 23-Jährige die Fernbedienung neben sich, kuschelte sich noch etwas an seinen Freund und widmete sich dem Fernseher.

Nach einer Weile spürte er Niklas Hand in seinem Nacken und so schnurrte er leise auf, allerdings nur so, dass es den Film nicht störte.

So saßen sie also da, verfolgten den Ermittler der herausfinden wollte, wer die Frau ermordet hatte und gingen erst ins Bett, als sich herausgestellt hatte, das die Schwester die Mörderin gewesen war.



Braune Blätter [Chaotizitaet]

12 – Caleb



Caleb hörte aufmerksam zu, während Joshua ihm von seinem Gespräch mit Nathalie berichtete. „Sie hat recht, und das weißt du auch. Zumindest was unsere Blindheit betrifft, das Helferpotenzial in den braunen Blättern nicht vorher erkannt zu haben. Denn selbst jetzt schon schaffe ich es kaum rechtzeitig, alle Blätter aufzuspüren, ehe wir mit den Ritualen beginnen müssen. Ein, vielleicht noch zwei Tage, dann wären es vielleicht so viele gewesen, dass ich ein Blatt übersehen hätte. Ich habe mir die ganzen letzten Tage schon Gedanken darüber gemacht, was passiert, wenn es soweit ist und das Blatt, das ich übersehe, ausgerechnet eines von denen ist, die wir sofort zurückschicken müssen, weil sie sonst den nächsten Tag nicht erleben. So aber scheint es, als hätten wir eine Chance zumindest den akut auftretenden schlimmsten Fall zu verhindern. Und vielleicht haben ein paar der Blätter ja auch brauchbare Ideen, die uns helfen könnten, herauszufinden, was mit dem Baum los ist. Denn egal wie sehr wir die internationalen Nachrichten auch verfolgen, nirgendwo ist von einer neuen Droge oder einem neuen Phänomen die Rede, dass so viele Übertritte erklären könnte. Selbst Inspektor Jones konnte uns hier nicht weiterhelfen. Auch ihm sind über seine Kanäle keine entsprechenden Informationen bekannt.“

„Du meinst, es liegt am Baum?“, fragte Joshua und hob den Kopf, um Caleb besser ansehen zu können. Nathalies Rat folgend, hatten sie sich tatsächlich aufs Bett gelegt, auch wenn der Umstand, dass sie bis auf die Schuhe vollständig bekleidet waren, nahe legte, dass sie nur die Nähe des anderen für den Moment suchten und nichts anderweitiges im Sinn hatten.

„Der Baum ist das einzige, was mir einfällt. Oder ist dir an den braunen Blättern sonst noch eine Gemeinsamkeit aufgefallen?“ Caleb strich über Joshuas Rücken. Wie lange war es her, dass sie einfach nur so dagelegen hatten? Die vergangenen Abende waren sie einfach nur mehr tot als lebendig ins Bett gefallen und förmlich eingeschlafen, noch ehe der Kopf das Kissen berührt hatte. Er lächelte, als er hörte, wie Joshua unwillkürlich wohlig brummte. Manchmal war dieser ein richtiger Schmusekater.

„Hm, nein, da hast du Recht. Es sind Menschen aus aller Herren Länder, unterschiedlichen Alters, mit unterschiedlichem sozialen Hintergrund und unterschiedlichen Erlebnissen, die zum Übertritt geführt haben“, zählte Joshua knapp auf. „Aber wenn es am Baum liegt, wieso stammte bislang kein einziges braunes Blatt aus Sheffield? Müsste es nicht aufgrund der Nähe zum Baum viel wahrscheinlicher sein, dass sich eine Seele aus dieser Stadt in die andere Ebene verirrt als eine Seele vom anderen Ende der Welt?“

Caleb runzelte die Stirn. Dieser Einwand war durchaus berechtigt. Gerade die Diversität der braunen Blätter machte es schwer, irgendeinen Anhaltspunkt zu finden. Weder waren es die jüngsten Blätter noch die ältesten, auch waren Joshuas Angaben nach die Blätter überall am Baum verteilt und hingen nicht alle am selben Ast, so dass man sagen könnte, dass aus unerfindlichen Gründen einer der Äste abstürbe. Caleb seufzte. Im Grunde wussten sie viel zu wenig über die Natur des Baumes. „Zu blöd aber auch, dass wir keinen Baumdoktor anrufen können, damit er einmal den Baum untersucht“, sagte er.

Joshua nickte, während seine Finger nur ihm bekannten Bahnen auf Calebs Brust folgten. „Erinnerst du dich an die große Esche auf unserem Weg zur Grundschule?“, fragte er.

Caleb lachte leise. „Genau daran musste ich gerade denken. Wie sie die Wurzeln untersucht haben und dann den Pilzbefall feststellten. Und dann die betreffenden Stellen des Stamms mit einem Gitter verschlossen haben. Ich weiß bis heute nicht, wie das genau funktioniert hat.“

„Ich auch nicht“, sagte Joshua und fuhr dann voller Selbstvorwürfe fort: „Dabei wäre es doch für mich fast schon so etwas wie eine Pflicht gewesen, Baumheilkunde oder wie der entsprechende Studiengang heißt zu studieren. Stattdessen habe ich Wirtschaft und Gastronomie studiert, mit Blick darauf, dass ich hier später meine eigene Bar eröffnen wollte.“

„Hey, ich bin doch auch nicht besser. Ich hab schließlich Ingenieurswissenschaft studiert. Ich könnte vermutlich jede Maschine analysieren, aber auch keinen Baum. Denn selbst wenn ich die Blätter am Baum nicht sehen kann, heißt das noch lange nicht, dass ich nicht vielleicht in der Lage gewesen wäre, den Stamm oder so zu untersuchen“, versuchte Caleb seinen Freund zu beruhigen.

„Im Gegensatz zu einem gewöhnlichen Baumdoktor, der vermutlich unseren Baum der Lebenden gleich für tot erklären würde. Allein die Ironie dieser Wortkombination...“ Joshua rang sich ein gequältes Grinsen ab.

„Aber vielleicht sollten wir trotzdem einen Baumdoktor ausfindig machen und ihn fragen, wie man einen Baum auf Schädlinge untersucht“, schlug Caleb nun vor. „Es wäre zumindest ein Anfang, um dem Rätsel auf die Spur zu kommen.“

„Vielleicht kann uns auch Cassandra helfen“, meinte Joshua, nun schon wieder etwas zuversichtlicher. „Sie liebte schließlich zu Lebzeiten Pflanzen aller Art und hat häufig im Garten oder dem Maidan Zuflucht gesorgt, wenn das häusliche Zusammenleben zu viel für sie wurde. Bestimmt hatten sie vor über hundert Jahren noch andere Ideen und Mittel, Pflanzen zu untersuchen.“

„Klingt als hätten wir jetzt zumindest einen Ansatz.“ Der Optimismus, der langsam wieder in Calebs Stimme zurückkehrte, war Balsam für ihrer beider Seelen. Endlich würden sie mehr unternehmen als nur stumpfsinnig ein Ritual nach dem anderen auszuführen und doch zu wissen, dass es zu wenige Rituale waren, um dem Schicksal wirklich entgegen zu wirken.

Für ein paar Minuten lagen beide ruhig da, erleichtert, einen Anfang gemacht zu haben. Dann blickte Joshua auf. „Weißt du, was mir nicht aus dem Sinn gehen will?“

Caleb sah ihn an. „Wenn du so fragst, fallen mir eine Menge Dinge ein. Zum Beispiel die Frage, was du mir zu Weihnachten schenken sollst.“ Er grinste seinen Freund an.

Joshua klapste ihn für diese Antwort missbilligend auf die Brust. „Ich meinte in Bezug auf den Baum und die Blätter.“

„Joshua“, sagte Caleb und fing dessen Hand ein, „du weißt genau, dass ich nicht weiß, was dir gerade, in diesem Moment, nicht aus dem Sinn gehen will und du deswegen davon sprechen willst.“

„Dann antworte gefälligst nicht auf diese rhetorischen Fragen“, erwiderte Joshua nur spöttisch. „Es ist die Sache mit den fehlenden Blättern aus Sheffield.“

„Gute Wahl für einen beharrlichen Gedanken“, kommentierte Caleb neckend, wurde dann aber wieder ernst. „Andererseits kriegen wir ja so schon so gut wie nie ein braunes Blatt aus Sheffield. Sogar während Harry Potter hatten wir nur ein Mädchen aus Manchester, nicht aber aus Sheffield.“

„Man sollte doch aber meinen, dass bei so einer Schwemme, wie wir sie gerade erleben, auch mal eines aus Sheffield dabei ist“, beharrte Joshua.

„Möglich. Und es ist ja nicht so, dass wir noch nie ein braunes Blatt aus Sheffield gehabt hätten.“ Irgendwie verstand Caleb immer noch nicht recht, worauf Joshua hinaus wollte. Er wollte sich aber jetzt auch nicht so wirklich den Kopf darüber zerbrechen. Wollte nicht das gute Gefühl ihres Untersuchungsanfangs verlieren. „Aber überleg dir mal, es leben sieben Milliarden Menschen auf diesem Planeten. Und gerade mal etwas über fünfhunderttausend hier in Sheffield. Da ist die Wahrscheinlichkeit für ein braunes Blatt aus dieser Stadt selbst bei einer Schwemme wie wir sie gerade erleben reichlich gering.“

„Du meinst also, dass es keine selektive Ausgrenzung von Sheffield bei dieser Schwemme gibt?“

Caleb lachte leise. Manchmal hatte Joshua wirklich wirre Ideen. „Nehmen wir einmal an, dass die Bäume tatsächlich von einem Schädling, einer besonderen Art antiparadiesischer Blattlaus befallen sind. Du glaubst doch wohl nicht, dass diese Blattläuse durch bloßes Beschnuppern der Blätter erkennen können, ob der zugehörige Mensch in Sheffield lebt oder nicht. Und dann nur die Blätter anknabbert, die mindestens hundert Kilometer weit entfernt leben. Wozu? Befürchtet diese Blattlaus, dass ein Einwohner von Sheffield sie auf Anhieb erkennen würde? Wir wissen beide, dass die Blätter willkürlich, oder zumindest nach einem für uns nicht erkennbaren System am Baum angeordnet sind. Was auch immer die Blätter dazu bringt, sich braun zu färben, muss demzufolge auch willkürlich sein. Aber falls es dich beruhigt – wenn das mit den Blättern so weiter geht, wirst du sicher noch das Vergnügen haben, ein Sheffield-Blatt hier begrüßen zu dürfen.“

„Haha! Wo ich auch so versessen darauf bin, die Bekanntschaft von braunen Blättern zu machen.“

Caleb sah Joshua ernst an. „Das ist etwas, das ich nie wirklich verstanden habe. Du hast dein Leben lang mit ihnen zu tun gehabt. Seit wir fünf Jahre alt waren und von unserer Bestimmung erfahren haben. Man sollte meinen, dass du an ihre Gegenwart gewöhnt wärst. Und ich glaube mich daran zu erinnern, dass du nicht immer so distanziert auf die braunen Blätter reagiert hast. Ich weiß nicht mehr, wann es passiert ist, aber wieso fühlst du dich in ihrer Gegenwart so unwohl? Mit Nathalie zum Beispiel kommst du doch bestens klar.“

„Nathalie ist auch irgendwie anders. Sie akzeptiert ihre Situation, macht das Beste daraus und lässt sich nicht unterkriegen. Es ist, als wäre sie nicht wirklich ein braunes Blatt. Als gehörte sie eigentlich auf unsere Ebene. Zumindest benimmt sie sich als braunes Blatt wie ein vollkommen lebendiger Mensch. Allerdings weicht sie mir jedes Mal aus, wenn ich versuche, herauszufinden, wieso sie keinerlei Interesse daran zu haben scheint, nach Hause zurückzukehren.“

„Genauso, wie du mir immer ausweichst, wenn ich dich auf deine Abneigung bezüglich der Blätter anspreche. So wie jetzt“, beharrte Caleb mit einem Lächeln. „Aber findest du nicht, dass du es mir endlich erzählen solltest? Besonders wenn wir, wie es scheint, für den Moment damit leben müssen, dass es immer mehr braune Blätter werden, die bei uns stranden?“ Er spürte, wie Joshua sich versteifte, aber er hielt seinen Freund fest, so dass dieser sich nicht einfach umdrehen und ihm den Rücken zukehren konnte. Beruhigend strich er mit den Fingern über die Hand, die ihn zuvor spielerisch geschlagen hatte.

„Es ist eigentlich albern und von daher nicht der Rede wert“, versuchte sich Joshua herauszureden.

„Es ist gewiss nicht albern, wenn es deinen Alltag betrifft.“

Joshua seufzte und vergrub sich förmlich Calebs Brust. Eine Weile schwieg er. Dann sagte er leise: „Erinnerst du dich daran, als wir neun Jahre alt waren? Du und deine Eltern hattet für das Wochenende nach London fahren wollen. Am Vortag hatte Josh aber ein braunes Blatt an seinem Baum entdeckt. Es hatte fast den ganzen Tag gedauert, ehe du den verirrten Jungen gefunden hattest. Und als wir dann das Ritual durchführen wollten, wurden wir von deinen Eltern gestört. Sie wollten, dass du augenblicklich heim kommst, weil es Schlafenszeit sei und du sonst am nächsten Tag zu unausgeschlafen für den Ausflug nach London wärst. Es blieb dir nichts anderes übrig, als deiner Mutter zu gehorchen. Du hattest zwar versprochen, zu versuchen, irgendwie noch mal aus dem Haus zu schleichen, damit wir das Ritual doch noch durchführen könnten, aber das klappte natürlich nicht. Zum einen, weil deine Mutter noch bis spät in die Nacht alles für ein Picknick für unterwegs vorbereitete und dann weil sie einen extrem leichten Schlaf hatte. Das leiseste Knarzen im Haus, und sie war wach.“

„Ich kann mich an London erinnern, nicht aber an den Jungen...“, murmelte Caleb nachdenklich.

„Ich hatte ihn mit zu mir genommen. Schließlich konnte ich ihn schlecht über Nacht einfach draußen herumstehen lassen. Außerdem, was wenn er dann beschlossen hätte, sich das nächtliche Sheffield anzusehen, und er am Morgen verschwunden wäre? Ich hatte mir nämlich den Wecker auf sehr früh gestellt, in der Hoffnung, dich noch vor eurem Aufbruch zu erwischen. Mein Dad hatte an dem Abend Spätschicht, und als er heimkam und noch mal bei mir hereinschaute, sah er, dass der Wecker eingeschaltet war. Er glaubte vermutlich, ich hätte ihn aus Gewohnheit eingeschaltet, ganz so, als wäre am nächsten Tag Schule, und hat ihn ausgeschaltet. Somit habe ich dich verpasst. Was bedeutete, dass ich das ganze Wochenende mit diesem braunen Blatt verbringen musste. Damals hat es mir noch nichts ausgemacht. Die wenigsten braunen Blätter sind lange genug geblieben, als dass wir wirklich etwas über ihre Persönlichkeit hätten erfahren können. Doch das bisschen, das wir über sie lernten, ließ mich in dem Glauben, dass sie im Grunde alle freundlich seien und nett zu uns. Ich hatte keinen Grund anzunehmen, dass der Junge – er war höchstens zwei oder drei Jahre älter als wir – anders sein könnte. Stattdessen freute ich mich sogar irgendwie, an diesem Wochenende nicht alleine spielen zu müssen, wo du doch nicht da warst. Ich wusste ja auch, dass braune Blätter uns nicht wirklich etwas tun können.“

„Können sie ja auch nicht“, bestätigte Caleb.

Joshua nickte. „Sie können uns keinen körperlichen Schaden zufügen. Sie können uns nicht töten. Aber... hast du schon mal versucht, ein braunes Blatt zu berühren? Sie sind ja nicht körperlich in unserer Ebene. Man kann sie also nicht berühren. Wie bei einem Geist greift man durch sie hindurch. Aber sie sind ja noch nicht tot und somit auch nicht wirkliche Geister, man spürt also noch das Leben in ihnen. Und weißt du, wie dieses Leben sich anfühlt? Als würde man in Innereien greifen! Kein angenehmes Gefühl, aber na ja, es ist auch nicht gerade angenehm in einen Swimmingpool voller Wackelpudding zu fallen...“

Caleb lachte leise. Das mit dem Wackelpudding war tatsächlich eine denkwürdige Pool-Party gewesen, zu der sie einmal eingeladen gewesen waren. Auch wenn er lieber nicht daran dachte, wie lange er hinterher unter der Dusche gebraucht hatte, um all den klebrigen Wackelpudding, der sich wirklich überall hin geschlichen hatte, abzuwaschen.

„Bis zu jenem Wochenende wusste ich nicht, wie es sich anfühlte, wenn man durch ein braunes Blatt fasst. Woher auch?“ Joshuas Stimme hatte einen distanzierten, unberührten Klang angenommen, als erzählte er etwas, das jemand anderem und nicht ihm passiert war. „An dem Samstag aber habe ich beim Frühstück nach dem Marmite gegriffen und dabei versehentlich die Hand durch unseren Gast gesteckt. Ekelhaftes Gefühl, während der Junge nur lachte. Offenbar hatte es ihn gekitzelt. Ich habe danach den Rest des Tages peinlich darauf geachtet, ihn nicht noch einmal zu berühren. Ich konnte ihn zwar nicht sehen, doch wenn ich mich konzentriere, konnte ich seine Gegenwart spüren. Aber als ihm auffiel, dass ich mir alle Mühe gab, die Erfahrung vom Frühstück nicht zu wiederholen, begann er mich zu piesacken, indem er mich seinerseits berührte. Was den gleichen Effekt hatte. Zuerst dachte ich, es wäre nur Zufall, so wie bei mir und dem Marmite, aber je weiter der Tag fortschritt, desto mehr häuften sich diese Berührungen, bis ich schließlich nicht anders konnte, als einzusehen, dass es volle Absicht gewesen war. Ich begann Angst vor ihm zu haben, doch wirklich schlimm wurde es erst in der Nacht, als er mich immer wieder aus dem Schlaf riss, indem er sich erst neben mich ins Bett legte und dann auf mich drauf rollte, so dass ich von Kopf bis Fuß in dieses Innereien-Gefühl gepackt war.“

„Nicht dein Ernst, oder?“, fragte Caleb schaudernd. Wenn er versuchte, sich das vorzustellen, dann klang das mehr nach Horrorfilm als nach Kinderunterhaltung.

„Am Sonntag Morgen war ich nervlich ein solches Wrack, dass Edgar sich darauf einließ, mir zu zeigen, wie ich als Wächter alleine das Ritual vollführen konnte... wie ich deine Engelszeichen abwandeln musste, dass sie funktionierten, wenn ich alleine das Portal öffne.“

„Ich wusste gar nicht, dass man das Ritual auch alleine durchziehen kann.“

„Als Wächter, ja. Doch der Preis ist hoch“, erwiderte Joshua und langsam kehrte seine Stimme wieder zu einem normalen Tonfall zurück. „Ich war die ganze nächste Woche krank. Totale Erschöpfung. Eben so, als hätten wir an einem Tag sechs statt der üblichen drei Rituale durchgeführt. Aber Edgar hatte recht. Es war ein Preis, den zu zahlen ich bereit war, wenn ich dafür nur diesen Typ loswerden konnte.“

„Ich erinnere mich, dass du nach London krank warst. Ich hatte geglaubt, es sei eine Grippe. Aber dass es das war...“ Caleb fiel es immer noch schwer zu glauben, dass es so ein boshaftes braunes Blatt geben konnte. Doch er hatte keinerlei Grund Joshuas Geschichte zu bezweifeln. Sein Verhalten bei den anderen braunen Blättern war dafür zu eindeutig. So etwas dachte man sich nicht aus und trainierte sich auch nicht bewusst ein solches Verhalten an. „Wieso hast du es mir nie erzählt?“

Joshua blickte auf und sah ihn mit einem so liebevollen Lächeln an, dass Caleb beinahe der Atem stockte. „Caleb, du bist derjenige, der die braunen Blätter sehen und somit finden kann. Wenn ich dir die Wahrheit über das Wochenende erzählt hätte, wie hättest du reagiert? Du hättest doch mit Sicherheit auch Angst gehabt, dass das nächste Blatt ähnlich grausam ist. Grausam auch dir gegenüber. Und das hätte dich in deiner Aufgabe, die Blätter zu finden und ihr Vertrauen zu gewinnen, massiv beeinträchtigt. Außerdem, wie du schon sagtest, sie können uns nicht wirklich schaden.“

„Nur ein psychisches Trauma verursachen!“, entgegnete Caleb heftig. „Und sag nicht, dass so etwas keinen Schaden darstellt.“

„Vielleicht. Aber ich bin es ja nicht, der mit ihnen so eng zu tun hat, sondern du. Als ich Edgar von meiner Befürchtung, dass dir etwas ähnliches zustoßen könnte, erzählte, konnte er mich beruhigen. Er wusste von Cassandra, dass man als Scout über einen besonderen Schutz verfügt. Dieser ermöglicht es dir, wenn du es willst, ein braunes Blatt auf Abstand zu halten. Das geschieht meist sogar ganz instinktiv. Als Wächter ist man zu sehr mit dem Baum verbunden, und da der Baum ein Teil des Portals ist, kann man das braune Blatt nicht von sich fern halten. Die meisten braunen Blätter nehmen Rücksicht auf uns und weil wir für gewöhnlich das Ritual zu zweit durchführen, wirkt in dem Moment dein Schutz auch für mich. Es ist nur, wenn wir als Wächter alleine mit einem braunen Blatt sind, dass wir uns gegen ihre Gegenwart nicht wehren können. Aber selbst dann haben wir die Möglichkeit, wenn es zu schlimm wird, das Portal alleine zu öffnen. Im Gegensatz zu dir. Du kannst das Ritual nicht alleine durchführen. Ich bin also nicht unbewaffnet, wenn du es so sehen willst. Und dieses Wissen – dein Schutz und meine Waffe – hat es mir ermöglicht, zu akzeptieren, was damals geschehen ist und weiter zu machen. Ich muss die braunen Blätter deswegen nicht mögen, aber... es ist in Ordnung.“




Mein Beitrag zum Weihnachtskalender 2011!!! Viel Spaß! Eure Noa-Willow^^



A Christmas Wish

Mokuba saß in seinem Zimmer am Fenster und blickte gedankenverloren hinaus in den verschneiten Garten, es begann wie in den letzten Tagen schon so oft wieder zu schneien, aber er hatte keinen Blick dafür, den ganz andere Dinge beschäftigten ihn gerade.

Hin und wieder seufzte er und durchbrach damit die Stille im Raum. Der Schwarzhaarige war nun 19 Jahre alt und würde bald anfangen zu studieren, was ihn im Moment aber eher beschäftigte war die Tatsache, dass er dieses Jahr eigentlich zum ersten Mal mit seinem Freund Weihnachten gefeiert hätte, aber im letzten Moment hatte Ryou einen Rückzieher gemacht und war dann auch noch jeder weiteren Begegnung zwischen ihnen beiden aus dem Weg gegangen. Er verstand es nicht, gut Ryou war ein wenig älter als er, was man ihm aber kaum ansah, denn der Weißhaarige war gut einen Kopf kleiner als er und recht grazil, aber bisher war das für keinen von ihnen ein Problem gewesen. Also was hatte sich verändert? Hatte er was falsch gemacht? An seinem Bruder Seto konnte es nicht liegen, denn nach anfänglichen Unglauben und versuchen ihm die Sache auszureden, hatte dieser eingesehen, dass da wirklich was Ernstes zwischen ihm und Ryou lief und hatte ihnen, wenn auch noch ein wenig widerwillig seinen Segen gegeben.

Umso verwunderter war er, als Ryou im letzte Woche gesagt hatte, dass er eine Pause brauche, es ihm leid täte, er aber keinen anderen Weg sehe und ihn dann einfach hatte stehen lassen. >Dieses Rätselraten machte ihn noch Wahnsinnig!<, raufte er sich die Haare. >Er musste einfach noch einmal mit Ryou reden, das zwischen ihnen war doch super gelaufen, also wo lag der Grund?<, er straffte die Schultern und stand dann auf. >Ryou würde Besuch bekommen und diesmal würde er ihn nicht stehen lassen! Er musste hören, dass der Weißhaarige ihn nicht mehr liebte, wenn Ryou das über die Lippen kam, dann würde er sich zurück ziehen und den anderen nie wieder belästigen!<, beschloss er, als er runter in die Eingangshalle ging und sich seine Sachen anzog.

Seto kam gerade aus seinem Arbeitszimmer, als er seinen Bruder sah, der sich gerade seinen grauen, knielangen Mantel anzog. >Wie die Zeit doch vergangen war!<, dachte er wehmütig. Gerade war Mokuba noch ein Kind gewesen und nun schon ein junger Mann. Er war wirklich stolz auf ihn und auch ein wenig auf sich, dass er anscheinend bei der Erziehung seines Bruders nicht versagt hatte, denn dieser war ein guter Mann geworden, voller Liebe, Hilfsbereitschaft, Mut und Freude. Alles Eigenschaften, die er zwar auch besaß, aber in so geringen Dosen, dass er eben eher als Kalt, Stolz und Eigenbrötlerisch wahrgenommen wurde. Umso froher war er das seinem Bruder dies erspart blieb. „Hey, … wo willst du hin?“, sprach er Mokuba nun an.

Mokuba zuckte ein wenig zusammen, hatte er Seto doch nicht kommen hören, erwiderte dann aber „ Zu Ryou! Ich gebe mich nicht so leicht geschlagen! Ich will wissen, wieso er mich abserviert hat!“ Seto tat es immer noch weh daran zu denken, wie niedergeschlagen sein Bruder gewesen war, als er an dem Tag an dem Ryou quasi Schluss gemacht hatte nachhause gekommen war und sich dann die nächsten Tage in seinem Bett vergraben hatte. Darum war er nun erleichtert zu sehen, dass Mokuba seinen Kampfgeist zurück gewann und Ryou endlich auf den Zahn fühlen wollte. „Gut so!“, lächelte Seto, etwas was er nur selten tat und wenn dann nur bei seinem Bruder. „Pass aber auf, die Straßen sind glatt und bis zu Ryou ist ein ganzes Stück.“ „Werde ich! Keine Sorge großer Bruder!“, nickte der Schwarzhaarige, der sich dann noch schnell seine rote Mütze aufsetzte, sich die Handschuhe anzog, seinen Schal um den Hals wickelte und dann das Anwesen verließ, um auf sein Fahrrad zu steigen und los zu fahren.

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Ryou indes saß auf seiner Couch, eingewickelt in eine dicke Decke, eine Tasse Tee in den Händen und litt nicht minder wie Mokuba. Er konnte immer noch nicht glauben, dass er Mokuba verlassen hatte, aber es war einfach zu viel gewesen, zu viel Glück und Liebe. Das Klang vielleicht komisch, aber er war es nicht gewöhnt Glück zu haben oder jemanden der ihn liebte, seine Kindheit war einsam gewesen, sein Vater war ständig auf Expeditionen und seine Mutter hatte er nicht kennengelernt, weil sie kurz nach seiner Geburt gestorben war. Immer hatte er für sich allein gesorgt und sich geschworen niemanden mehr an sich heran zu lassen, der ihn dann doch wieder verlassen würde, aber dann war Mokuba in sein Leben getreten.

Er kannte ihn schon länger, schließlich war er Kaibas kleiner Bruder, aber als Mann wahrgenommen hatten er ihn erst vor kurzem, als dieser in den Buchladen gekommen war in dem er arbeitete, um sich die Bücher für sein erstes Semester an der Uni zu besorgen. Mit staunen hatte er erfahren, dass Mokuba Kunst und Fotografie studieren wollte und nicht Betriebswirtschaft, wie er es angenommen hatte, denn er hätte sich gut vorstellen können, dass Kaiba wollte das sein Bruder sein Nachfolger wurde, aber so war es nicht gewesen. Sie waren ins Gespräch gekommen, hatte Mokuba ihn doch auch wiedererkannt. Danach war Mokuba öfters gekommen, sie hatten geredet und irgendwann lud Mokuba ihn zu einem Date ein. Zuerst hatte er gezögert, schließlich war er gut 6 Jahre älter als der Schwarzhaarige und es gab ja auch noch Kaiba, von dem er annehmen konnte, dass er nicht gerade erfreut darüber sein würde, dass sein Bruder mit jemanden wie ihm ausging, aber letztendlich hatte doch das Flattern in seinem Bauch, wenn er Mokuba sah, über seine Zweifel gesiegt und sie waren ausgegangen. Das wiederholte sich danach öfters, bis ersichtlich war, dass sie nicht mehr nur Freunde waren, sondern auch dabei sich ineinander zu verlieben.

Ryou spürte noch immer den sanften, zaghaften Kuss auf seinen Lippen, wenn er sich daran erinnerte, wie Mokuba ihn vor seiner Wohnungstür das erste Mal geküsst hatte. Mokuba war so zärtlich und unsicher gewesen, das dieser Augenblick um so wertvoller für ihn gewesen war. Ein wenig überrascht hatte er ihn dann doch zurück geküsst und ihm dann mit geröteten Wangen eine gute Nacht gewünscht und war in seine Wohnung verschwunden, wo er sich gegen die Tür lehnte und erstmal tief durchgeatmet hatte. Mokuba hatte wie er später erfahren hatte dasselbe auf der anderen Seite der Tür getan und war dann erst nach dem er sich wieder gefangen hatte nachhause gefahren.

Danach hatten sie jede freie Minute miteinander verbracht und auch Kaiba gab ihnen nach anfänglichen Bedenken seinen Segen. Er hatte es kaum fassen können, war aber froh gewesen, dass sie sich nun nicht mehr zurückhalten mussten, sondern auch öffentlich ein Paar sein konnten. Sie genossen jede Moment den sie zusammen hatten, liebten sich das erste Mal. Er kicherte leicht, als er sich daran erinnerte, wie unsicher sie gewesen waren, hatte doch keiner von ihnen großartige Erfahrung darin gehabt, aber es war schön gewesen und war mit jedem weiteren Mal noch besser geworden.

Doch je glücklicher er mit Mokuba wurde, um so mehr Angst bekam er, das er all das wieder verlieren könnte und der Tropfen der das Fass dann zum Überlaufen gebracht hatte, war die Tatsache gewesen, dass Mokuba das ausgesprochen hatte was sie beide tief in sich schon längst wussten, das sie einander liebten und ihn dann bat mit ihm die Feiertage in seinem Zuhause zu verbringen. Er hatte auf das Liebesgeständnis nicht direkt geantwortet, aber zumindest zugestimmt mit ihm zu Feiern. Danach hatte er begonnen sich zurück zu ziehen, hatte mit sich gehadert, Panikattacken gehabt und war dann zu dem Schluss gekommen, dass er mit dieser Angst nicht leben konnte immer das Gefühl zu haben, dass jeden Augenblick alles vorbei sein könnte, weil Mokuba erkannte, wie kaputt und unsicher er eigentlich war und ihn dann verließ.
Also hatte er beschlossen ihm zuvor zu kommen und hatte quasi mit ihm Schluss gemacht und war ihm dann gänzlich aus dem Weg gegangen, hatte auf seine Anrufe nicht reagiert und die Tür nicht geöffnet, wenn er geklingelt hatte. Es brach ihm jedes Mal aufs neue das Herz, denn er liebte Mokuba aus ganzem Herzen und tief in sich wusste er das er einen Fehler machte, weil er einfach zu feige war und einfach nicht glauben wollte, dass es mit ihnen klappen könnte, aber noch hatte er nicht die Kraft gefunden sich selbst für seinen Fehler in den Arsch zu treten und zu Mokuba zu fahren, um ihn wenn nötig auf Knien vor ihm rutschend um eine zweite Chance zu bitten. Stattdessen verbarrikadierte er sich lieber in seiner Wohnung und heulte, auch wenn das nicht gerade männlich war.

>>><<<

Ryou seufzte nach einer Weile schwer und stand dann auf, um den kalt gewordenen Tee weg zu gießen und sich eine neue Tasse zu machen. Gerade war er dabei das Wasserkessel aufzusetzen, als es an seiner Tür klingelte. Ryou zuckte zusammen, stellte den Kessel zur Seite und ging dann zur Tür. Er sah durch den Türspion und zog scharf die Luft ein. Mokuba! Scheiße!, dachte er nur. „Was … Was willst du hier?“, zitterte seine Stimme. „Mit dir reden!“, erwiderte der Schwarzhaarige ernst. „Und glaub mir, wir werden reden, ich geh hier nicht weg, bis das nicht passiert ist!“ Der Weißhaarige seufzte, er wusste nur zu gut, dass Mokuba diese Drohung wahr machen würde, also atmete er tief durch und öffnete dann die Tür, um diesen herein zu lassen. Mokuba ging an ihm vorbei in die Wohnung, während er dann die Tür hinter ihnen schloss. „Willst du Tee?“, fragte er, um irgendeine Ablenkung zu finden, dann sein Herz schlug wie wild und seine Hände zitterten vor Aufregung. „Gern und dann reden wir!“, nickte Mokuba, der dann seinen Mantel abzulegen begann. Ryou ging daraufhin in die Küche und setzte das Wasser weiter auf und holte eine zweite Tasse aus dem Schrank.

Mokuba indes setzte sich aufs Sofa und wartete auf den Weißhaarigen, der wenig später mit den Teetassen und einer kleinen Schale mit Plätzchen auf einem Tablett zurück kam, dieses auf dem Couchtisch abstellte und sich dann auch auf die Couch setzte nur auf die andere Seite, damit genug Abstand zwischen ihnen wäre, denn andernfalls war er sich sicher würde er sich Mokuba gleich an den Hals werfen. Nervös spielte er mit seinen Händen, wobei er es vermied Mokuba an zusehen. Dieser nahm seine Tasse Tee, pustete und nippte dann daran. Ihm juckte es in den Fingern Ryou zu berühren, aber das ging nicht, denn erst mussten sie klären was da zwischen ihnen los war, warum der Weißhaarige ihn von sich stieß, darum behielt er die Tasse in den Händen. Einzig ein „Warum?“ verließ seine Lippen, während er nun zu Ryou blickte.

Dieser seufzte schwer, suchte nach Worten, um sich verständlich zu machen und nicht wie der letzte Depp zu klingen. „Ich hatte Angst, große Angst!“, gab Ryou zu. „Angst? Vor mir?“, war Mokuba überrascht über dieses Geständnis. „Eher vor dem was zwischen uns ist … war …! Du weißt ich hatte keine sehr schöne Kindheit, es gab wenig Liebe und Glück für mich in dieser Zeit und irgendwann fand ich mich damit ab und vermied es diese Dinge für mich zu suchen, aus Angst verletzt zu werden und dann … dann kamst du und … ich warf alle meine Bedenken über Bord und ließ mich auf dich ein, doch je mehr ich dich liebte und du mich, desto größer wurde die Angst das alles wieder zu verlieren! Also dachte ich … es ist das beste, wenn ich es gleich beende, bevor ich verletzt werde!“, brach alles was Ryou in sich hineingefressen hatte aus ihm raus. „Warum hast du nicht mit mir darüber gesprochen?“, wollte Mokuba wissen. Er verstand nun zum Teil was Ryou zu dem Schritt in zu verlassen bewogen hatte, aber es tat auch weh, dass er sich ihm nicht anvertraut hatte, das er ihm nicht zugetraut hatte mit ihm zusammen einen Weg zu finden, diese Angst zu überwinden. „Ich war feige! Außerdem kam ich mir vor wie ein Idiot! Wer hat schon Angst vor der Liebe, wo es doch eigentlich das schönste auf der Welt ist zu lieben und geliebt zu werden!“, sah er nun doch zu Mokuba und Tränen schimmerten in seinen Augen.

„Oh Ryou!“, seufzte der Schwarzhaarige, stellte seine Tasse zurück auf das Tablett und rückte ein wenig näher an den anderen heran, sanft griff er nach einer Hand von Ryou und hielt sie sachte. „Selbst wenn du wie der letzte Idiot auf Erden geklungen hättest, ich hätte dir beigestanden, dir geholfen mit der Angst umzugehen, auch wenn das geheißen hätte, dass wir das mit uns langsamer angehen, uns seltener gesehen hätten! Ryou ich habe dich geliebt und hätte alles für dich getan!“, meinte Mokuba es ernst. Ryou gab es ein Stich ins Herz, als Mokuba in der Vergangenheitsform sprach. Er hatte wohl wirklich alles kaputt gemacht. Ryou weinte nun haltlos. „Ich weiß … ich … ich hab alles kaputt gemacht! Dabei … dabei liebe … liebe ich dich doch auch!“ Mokuba konnte nicht anders, als Ryou in seine Arme zu ziehen und ihm sanft über den Rücken zu streicheln. Dieser klammerte sich verzweifelt an ihn.

Mokuba seufzte, wie heute schon so oft, erneut. „Ach Ryou! Ich dich doch auch noch! Aber es tut auch weh. Ich hab Angst … das du wieder davon laufen könntest. Es hat mich diesmal schon zerrissen noch einmal könnte ich das nicht ertragen!“, gab er unumwunden zu. „Du liebst mich noch?“, sah Ryou nun überrascht und doch voller Hoffnung auf. Die Augen ganz rot vom weinen, die Wangen nass vor Tränen. „Ja, du Dummkopf!“, nickte der Schwarzhaarige zaghaft, dann beugte er sich ein wenig vor und küsste Ryou sanft und ein wenig scheu, beinahe wie damals bei ihrem ersten Kuss. Ryou erwiderte den Kuss voller Hoffnung auf einen Neuanfang, auch wenn es nicht leicht werden würde, aber er wollte Mokuba zurück und ihn nie wieder verlieren, dafür würde er alles geben und wenn nötig sogar eine Therapie machen. „Ich laufe nie wieder weg! Das … das verspreche ich dir!“, murmelte er an die warmen Lippen des anderen. „Das will ich doch offen, denn ansonsten, werde ich dir eins Überbraten und dich wieder zurück schleppen und das jedes Mal auf neue, solltest du versuchen mich zu verlassen!“, grinste Mokuba ihn breit und voller Glück an. Ryou wischte sich die Tränen von den Wangen und lächelte.

„Ryou … erfüllst du mir einen Weihnachtswunsch?“, kraulte Mokuba den Nacken des Weißhaarigen. „Jeden!“, nickte dieser. „Dann feiere nun doch Weihnachten mit mir und danach lass uns sehen wie es weitergeht!“, bat Mokuba seinen Freund. „Einverstanden!“, küsste Ryou nun den Mann den er liebte, denn Mann, den er nie wieder verlieren wollte. Dieser schlang seinen Arme um ihn und drückte ihn fest an sich, nicht gewillt ihn je wieder gehen zu lassen.


Ende




12. Dezember [Laila]
Soldatenprüfung
Cloud und Sephiroth

Auch wenn Cloud mit seinem Ausbilder zusammen war, so half es ihm dennoch nicht weiter. Das ganze Regiment beneidete ihn, da Sephiroth sich den jungen blonden Mann ausgesucht hatte.
Aber auch er musste durch die Soldatenprüfung. Für ihn galten die gleichen Regeln wie für alle anderen auch. Nur das Sephiroth nicht so gewaltsam und brutal zu ihm war.
Noch einmal ging Cloud alle wichtigen Daten durch. Morgen war der Tag der Prüfung und dann musste er alles können.
Hier ging es nicht nur im Wissen, sondern auch um Einsatz.
Die letzten Tage hatte er mit hartem Training im Schwertkampf verbracht. Er musste sich gut verkaufen können und den anderen zeigen was er konnte.
Der einzige Vorteil war, dass Sephiroth immer mit ihm trainierte und ihm somit alles beibrachte. Seine Technik war besser und feiner geworden. Seine Schwertführung sanfte. Wenn er seine Reaktionen noch verbesserte sollte es kein Problem werden.
Der junge Soldat hob den Kopf als Sephiroth zur die Tür trat. Er hatte ihn wie immer nicht gehört. Sein Freund sah perfekt aus. Die langen silbernen Haare glänzten im Sonnenlicht. Seine Kleidung war eng, saß aber perfekt und zeugte deutlich von seinem Rang.
Grinsend ließ er sich neben Cloud auf das Bett nieder.
Der Kommandant legte sich auf den Rücken und wandte den Kopf zu seinem Freund.
„Kommst du voran? Mach dich nicht verrückt. Du schaffst das,“ sagte er.
Jeder auf dem Stützpunkt fürchtete Sephiroth, nur Cloud nicht. Kannte er doch eine andere Seit von diesem Mann.
„Dann lenk mich doch etwas ab,“ erwiderte Cloud und grinste lüstern.
Ohne eine Antwort abzuwarten schwang er sich rittlings auf Sephiroths Schoss, beugte sich nach vorn und plünderte die begehrlichen Lippen.