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15

Catching Santa Claus [Ira]

Türchen 15

Niklas erwachte durch seine innere Uhr, kurz bevor der Wecker klingelte, den er natürlich sofort ausstellte, denn er wollte seinen Tobias wecken. Also gähnte er erst mal herzhaft und streckte sich, bevor er sich auf seinen Freund legte und ihm zärtlich übers Gesicht küsste. "Komm... Bettwechsel...!"

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Tobias brummte leise, öffnete aber dann doch seine Augen. "Schon aufstehen?", nuschelte er leise, während er begann, über Niklas Rücken zu streicheln.

"Mag nicht. Kann man den Schlitten nicht irgendwie unsichtbar machen, damit man auch am Tag fliegen kann?" Er war noch nicht ganz wach, so wusste Tobi auch nicht genau, worüber er redete.

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Niklas schmunzelte leise und streichelte Tobis Wangen. "Nein Liebling. Du weißt doch, dass wir nicht zaubern können. Und selbst wenn die Elfen den Schlitten unsichtbar machen würden, wären wir zwei doch noch sichtbar. Du wirst leider jetzt schon aufstehen müssen!"

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Müde streckte der Schweizer sich und rieb sich mit einer Hand über die Augen. "So was blödes. Zaubern müsste man sein können", grummelte Tobias und küsste seinen Freund dann erst einmal sanft.

"Jetzt fühl ich mich doch gleich viel wacher. Aber wenn ich wirklich aufstehen soll, musst du von mir runter. Auch wenn ich es genieße, dass ich deinen starken Körper auf mir spüre."

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"Zu Hause in unserem Bett können wir ja wieder kuscheln. Vielleicht bestellen wir uns auch mal ein größeres. Allerdings müssten wir es dann an deine Eltern oder Freunde liefern lassen und es dann abholen mit dem Schlitten!", meinte Niklas und schlüpfte aus dem Bett, zog sich saubere Sachen an und verschwand dann selbst im Bad, um sich das Gesicht zu waschen und die Zähne zu putzen.

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"Ich finde dein Bett, in Ordnung. Aber wenn du ein größeres willst, dann kaufen wir uns eines", antwortete der Schweizer und streckte sich noch einmal, nachdem Niklas das Bett verlassen hatte.

Dann stand auch Tobias auf, zog sich an und schnappte sich seine Tasche, stellte sie auf den Flur.

Als der Blonde aus dem Bad kam, verschwand Tobi schnell darin und war in Rekordzeit fertig. "Wir können los, Schatz. Den Rentieren muss ja wirklich schon langweilig sein."

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Niklas nickte nur und ging dann mit Tobi in den Flur, um sich wieder Pulli, Schuhe und Jacke anzuziehen. "Deine Eltern wecken wir nicht?" erkundigte er sich neugierig, ging dann aber schon mal raus in den Garten, um die Rentiere wieder einzusammeln und vor den Schlitten zu spannen.

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"Nein. Von meinen Eltern hab ich mich gestern schon verabschiedet, sie waren nicht böse das du schlafen bist und mein Dad muss morgen wieder früh arbeiten. Der braucht seinen Schlaf", erklärte Tobias, warf sich in seine Jacke, den Schal und die Schuhe.

Der Grauäugige griff sich seine Tasche und schloss dann leise die Tür hinter sich, um nicht doch noch seine Eltern zu wecken. Er folgte dem Blonden in den Garten. Dort streichelte er die Rentiere ein bisschen, bevor er seine Tasche auf den Schlitten stellte.

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"Gut. Wir werden sie aber eh schon bald wieder sehen. Im nächsten Jahr kommen sie ja dann zu uns", lächelte Niklas und küsste Tobias sanft, half ihm dann in den Schlitten und deckte sie beide zu, bevor er die Rentiere antrieb, eine kleine Runde im Garten drehte und dann abhob - zurück nach Hause.

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}|{

Fleißig arbeite Tobias seit einer Weile schon wieder in der Werkstatt. Nachdem sie wieder am Nordpol angekommen waren und Niklas die Rentiere und den Schlitten wieder versorgt hatte, hatten sich die beiden noch einmal ins Bett gelegt.

Aber irgendwann war Tobias wieder wach geworden, weil er während dem Flug ein bisschen geschlafen hatte. Tobias hatte seinen Freund schlafen lassen und mit dem Rest der Familie gefrühstückt, ihnen Grüße ausgerichtet auch wenn seine Mama nichts Ausdrückliches gesagt hatte.

Danach war er in die Werkstatt verschwunden und hier stand er nun und arbeite an einem neuen Spielzeug, weil sein Letztes ja von irgendwem zerstört worden war.

Santa hatte in ihrer Abwesenheit leider auch nichts herausgefunden. Jetzt war der Braunhaarige gerade damit beschäftigt, einen Weihnachtsmann auf einem Sessel mit einem Kind auf dem Knie zu schnitzen. Die Besonderheit war, dass das ganze Spielezug aus einem Stück Holz bestand und somit noch etwas anspruchsvoller war, als die Stücke die aus mehreren bestanden und dann zusammen geklebt wurden.

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Ein Klopfen an der Tür erklang und schon watschelte eine kleiner Elf mit grünem Jäckchen und einer roten Hose hinein. "Ähm ähm Meister Tobias... i-ich will e-euch was zeigen!", quiekte er und sah aus großen blauen Augen zu Tobias hinauf.

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Tobias lachte warm auf und legte das Werkzeug, sowie sein Spielzeug vorsichtig auf den Tisch. Dann ging er in die Hocke, um ungefähr auf selber Höhe mit dem Elfen zu sein. "Du musst mich nicht Meister nennen. Tobias reicht einfach. Dann zeig es mir doch mal."

Der Elf nickte nur, war sich nicht sicher ob er wirklich Tobias sagen sollte und blieb dann doch bei Meister, als er ein "folgt mir Meister", quiekte.

Der Braunhaarige seufzte auf, folgte aber dann dem Weihnachtself aus der Werkstatt raus und in den Maschinenraum. Tobi musste sich hier und da ein wenig ducken oder dünn machen, damit er durch kam. Er war eben nicht so klein wie ein Elf.

Vor einer Wand blieb das kleine Wesen plötzlich stehen und Tobi konnte hinterher nicht mehr sagen, wie der Elf die Tür aufbekommen hatte, denn vorher war da keine zu sehen gewesen.

"Da hinunter?", wollte Tobias sicherheitshalber wissen und als der Elf nickte, stieg der 23-Jährige die Treppe hinunter, mit dem Elf auf den Fersen.

Unten standen sie vor einer Tür und als Tobi sie öffnete, fand er sich weiteren Elfen gegenüber, die von einer Rutschte hin und her lief und Geschenke in einen großen Sack packten.

Fragend blickte Tobias auf seinen Begleiter und als er auf eine weitere Tür zeigt, seufzte Tobi innerlich und machte sich auf den Weg ihr, öffnete sie neugierig. Was musste er hier unten auch nur so laut sein, das man sein eigenes Wort nicht verstand? Dass die Elfe von dem Lärm noch nicht taub waren, wunderte Tobi.

Überrascht hob sich eine der Augenbrauen, als der Spielzeugmacher sich in einem Raum wieder fand, in dem jede Menge Stiefel standen, und Zaumzeug herum lag. Sah nach einer Putzkammer aus.

Gerade als Tobias sich wieder zur Tür umdrehen wollte um hinaus zu gehen, weil er zwei Schritte in den Raum getan hatte, fiel sie mit einem dumpfen Schlag ins Schloss.

Tobi schoss blitzschnell herum, war an der Tür und rüttelte am Türknauf, doch sie ging nicht auf.

"Abgeschlossen", hauchte er fassungslos. "Wenn ich den Elfen in die Finger kriege, kann er was erleben. Er ist schuld, dass ich hier jetzt festsitze", knurrte der 23-Jährige und rüttelte weiterhin an der Tür, schlug gegen sie und rief laut um Hilfe. Ihn musste doch jemand hören. Immerhin waren hier doch noch andere Elfen gewesen.


Dass sie ihn wegen des Lärms der draußen herrschte nicht hören konnte, konnte Tobias ja nicht ahnen.

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Unterdessen erwachte Niklas gerade ausgeschlafen und streckte sich genüsslich und wandte sich dann um, um Tobi zu greifen und an sich zu ziehen, als er bemerkte, dass er alleine im Bett lag. Verwirrt stand Niklas auf und zog sich an, bevor er runter in die Küche ging und seine Mutter dort antraf. "Hallo Mum... wo ist denn Tobias?"

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"Hallo Niklas. Traust du dich auch noch aus deinem Bett? Es gibt in einer halben Stunde Mittagessen", begrüßte Carol ihren Ältesten und rührte einmal die Kartoffeln um.

Dann drehte sich die Blonde um. "Tobi? Ach der wollte heute Morgen, nachdem er mit uns gefrühstückt hat, in die Werkstatt, schnitzen. Nachdem sein letzten Spielzeug ja zerstört wurde. Und seitdem hab ich ihn nicht mehr gesehen. Aber du könntest ihn holen, wenn du so lieb bist."

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"Natürlich. Das mach ich doch liebend gerne!", strahlte Niklas und küsste Caroline sanft auf die Wange, bevor er das Haus verließ und eilig zur Werkstatt rüber flitzte.

Dort angekommen huschte er in die Weihnachtsmannwerkstatt und entdeckte dort die halbfertige Arbeit Tobias', doch eben jenen nicht. Verwirrt kratzte er sich am Kopf und schaute im Briefraum nach, wo er seinen Vater vorfand. "Hast du Tobi gesehen?"

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Santa war so mit seiner Arbeit beschäftigt, das er zusammen schreckte, als er die Stimme seines Sohnes hörte.

"Guten Morgen mein Sohn. Auch noch den Weg zu den Lebenden gefunden?", scherzte er und hob dann verwundert eine Augenbraue hoch.

"Ist er denn nicht in der Werkstatt? Da wollte Tobias nach dem Frühstück hin und dort hab ich ihn auch mal ganz kurz besucht. Er war fleißig am Arbeiten."

Das war aber schon komisch, dass der Freund seines Sohnes verschwunden war. Bisher hatte er Tobias so eingeschätzt, dass dieser sich abmelden würde, wenn er irgendwohin gehen würde. Dass er jetzt einfach so sang und klanglos weg war, war schon eigenartig. "Vielleicht hat er nur schon Schluss gemacht und ist wieder im Haus, weil es ja bald essen gibt. Vielleicht wollte er dich ja wecken."

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"Also ich bin ja vom Haus gekommen und hätte ihn sicher gesehen. Doch vielleicht war er nur auf Toilette oder so", lächelte Niklas und beschloss nochmal rüber zu gehen und dort zu suchen.


Doch nach einer halben Stunde, die Niklas durch das Haus ging und die Werkstatt nochmal absuchte, kam er zu dem Schluss, dass sein Freund schlicht und einfach verschwunden war. Und nun brach er in Panik aus... .

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}|{

Tobias hatte sich inzwischen schon fast heißer geschrien und seine Hände taten von dem ewigen gegen die Tür schlagen auch weh.

Resigniert ließ er sich irgendwo in einer Ecke zu Boden sinken und zog die Beine an seinen Körper, schlang seine Arme darum.

Er wollte hier doch nur raus und zu seinem Freund. Warum saß er hier fest? Was hatten die Elfen gegen ihn? Leise fing er an zu weinen. Was wenn sie ihn hier nie fanden?

}|{

Carol hob erstaunt eine Augenbraue, als sie Niklas an der Küche vorbei laufen sah, aber ohne seinen Freund. Als er dann schon wieder vorbei kam, machte sie sich dann doch langsam Sorgen. Gerade als sie dem Blonden hinterher wollte, kam ihn Mann in die Küche.

"Was ist denn los? Unser Sohn läuft ja wie ein aufgescheuchtes Huhn hin und her."

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"Er sucht Tobias. Offenbar ist der Junge verschwunden", meinte Santa und machte sich nun ebenfalls Sorgen. "Vielleicht sollten wir alle suchen? Weit kann er ja nicht gekommen sein und ich bezweifle, dass er durch den Schnee gelaufen ist."

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"Ja, suchen wir alle. Das wird das Beste sein", meinte Caroline und verließ dann ihr Reich, um die Kinder zusammen zu rufen. Wenig später waren auch alle außer Niklas in der Küche, denn der suchte immer noch.

"Warum hast du uns denn gerufen, Mama", wollte Danny wissen und sein Zwillingsbruder nickte nur.

Carol seufzte leise auf. "Nun... Tobias ist verschwunden. Wir wissen nicht seit wann oder warum, aber wir suchen ihn. Wir wollen, dass ihr mit sucht. Seine Sachen hängen noch draußen, also durch den Schnee wird er nicht weit sein, er erfriert hier ja sonst", erklärte Santa seinen Kindern.

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Diese nickten sofort alle und teilten sich auf, um effektiver suchen zu können. Sie alle wussten, dass, wenn Tobias in doch der Kälte draußen sein sollte, jede Sekunde zählte.

So durchkämmten sie das Haus, den Rentierstall und Michel stieß schließlich in der Werkstatt auf Niklas, wo diese beiden nun alles durchsuchten, bis Michel schließlich die Idee hatte runter in den Keller zu gehen. Vielleicht hatte Tobi ja beim Einpacken der Geschenke zugesehen und die Zeit vergessen... .

*

Tobias rappelte sich noch immer weinend wieder hoch und lief wieder zur Tür, versuchte erneut durch Klopfen und Rufen auf sich aufmerksam zu machen. Irgendwann mussten die Maschinen doch mal wieder abgestellt werden und man musste ihn hören.

Oder aber er saß dann länger hier drin, weil die Elfen im Verpackungsraum nach oben gingen, bevor sie die Maschinen abstellten.

Aber langsam hatte er wirklich keine Stimme mehr zum Rufen. Wenn er hier raus kam, brauchte er ganz viel heiße Milch mit Honig.

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"Hast du das gehört?", fragte Niklas aufgeregt, als sie den Packraum betraten. Die Elfen wuselten hin und her als hätten sie nichts gehört, doch Niklas konnte schwören... .

"Es kam von da drüben. Aus der Putzkammer!", meinte Michel in dem Moment und zusammen eilten sie zu der Tür, sahen den Schlüssel, der von außen steckte und schlossen die Tür auf. Kurz darauf fiel Tobias in Niks Arme, der seinen Schatz sofort festhielt und ihn glücklich ansah.

*

Der Braunhaarige konnte sein Gleichgewicht nicht mehr halten, als die Tür so plötzlich aufging und so fiel er nach vorne. Nur gut das da sein Freund stand und ihn auffing.

Tobias weinte gleich noch ein wenig mehr und klammerte sich fest an seinen Freund, wollte ihn nicht mehr loslassen, damit er nicht doch noch verschwand oder er selbst wieder irgendwo eingesperrt wurde.

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"Tobi... was ist passiert? Wie bist du da rein gekommen?", fragte Niklas sanft und hob Tobis Gesicht, blickte in die tränenvollen Augen, küsste sanft die Lippen seines Freundes, um ihn so zu beruhigen. Tobias war total aufgelöst und brauchte erst mal etwas Ruhe und Niks Nähe bis er ihnen mehr erzählen würde, dennoch war Nik neugierig.

*

Der 23-Jährige erwiderte verzweifelt den Kuss, hatte er dich nicht wirklich damit gerechnet, hier so schnell oder jemals wieder raus zu kommen.

"Ich hab in der Werkstatt gearbeitet", krächzte Tobias heißer und drehte dann erst einmal seinen Kopf, um hinter vorgehaltener Hand zu husten. Vielleicht wurde es ja dann besser. Aber seine Stimme war immer noch heißer und fast weg.

"Einer der Elfen kam und meinte, er müsse mir was zeigen. Wir sind hier runter und er hat auf die Tür gedeutet. Ich hab halt reingeschaut und dann ist die Tür zu gewesen und ich kam nicht mehr raus. Klopfen und Rufen hat aber nichts gebracht. Außer dass ich jetzt heißer bin."

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"Ein Elf?" Niklas war geschockt. Normalerweise stellen sich die Elfen nie gegen sie. "Vielleicht war es auch der Elf, der das Spielzeug kaputt gemacht hat. Würdest du ihn wiedererkennen?", fragte Michel und ging neben Niklas und Tobias in die Hocke.

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Tobias schüttelte seinen Kopf und lehnte sich dann an Niklas. "Nein, die sehen alle gleich aus. Ich kenne sie noch nicht so lange, um sie eindeutig unterscheiden zu können, tut mir leid", raunte der Braunhaarige leise.

"Kann ich heiße Milch mit Honig haben? Dann hab ich bald meine Stimme wieder."

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"Klar kannst du das, Liebling!", meinte Niklas fest und erhob sich, nahm Tobi dann auf seine Arme und trug ihn die Treppen rauf, aus der Werkstatt und in sein Zimmer hoch, wo er den Jüngeren aufs Bett legte. "Jetzt muss ich dich wieder verwöhnen, ob du willst oder nicht!", grinste er leicht, doch man sah wie viel Sorgen er sich gemacht hatte und immer noch besorgt war.

Gleich darauf kam Michel mit einer großen Tasse heißer Milch mit Honig ins Zimmer, gefolgt von der ganzen Familie.

*

Nur zu gerne ließ sich Tobias tragen, genoss es so auf Händen getragen zu werden.

"Ich werd es überleben. Außerdem brauch ich deine Aufmerksamkeit zum überleben", grinste er mit leiser gehaltener Stimme, damit er sie nicht noch ganz verlor.

Dankbar blickte er Niklas jüngeren Bruder an, als der mit einer großen Tasse Milch mit Honig kam. "Vielen danke, Michel", murmelte er.

*

"Keine Ursache. Wir alle haben uns Sorgen um dich gemacht. Kaum zu glauben, dass es wirklich ein Elf sein soll, der sich gegen dich gestellt hat und dir so was Gemeines antut", seufzte Michel und reichte die Tasse an Tobias weiter. "Das liegt sicherlich daran, dass du Niklas' Gefährte bist und die Elfen keinen schwulen Weihnachtsmann haben wollen... ."

*

Tobi nahm die Tasse entgegen und trank erst einmal einen Schluck Milch, leckte sich über seine Lippen.

"Aber warum? Ich mein, Niklas würde dann trotzdem nicht schlechter arbeiten. Ich würde ihn doch unterstutzen wo ich kann", murmelte der Braunhaarige und konnte nicht verhindern, dass er weinte.

Warum hatte man nur was gegen ihn, weil er schwul war und Niklas Freund? Er würde Niklas ja auch nicht von der Arbeit abhalten, sondern brav den Haushalt machen und was sonst noch so anfiel. Tobias wollte ja gar nicht verhindern, dass der Blonde Weihnachtsmann wurde und den Kindern ihre Geschenke brachte.

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"Das wissen wir, aber die Elfen denken da vielleicht anders als wir. Eventuell sollte Niklas wirklich nicht diese Aufgabe annehmen. Ich bin immer noch willig diese Aufgabe zu übernehmen!", meinte Michel ernst, aber man hörte Sorge um seinen Bruder und dessen Freund in seiner Stimme. "So könntet ihr wenigstens glücklich sein!"

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"Jetzt ist aber gut, Michel. Das Thema hatten wir schon öfters. Dein Bruder hat die Ausbildung erhalten und es ist nun einmal so, das immer der älteste Sohn der Weihnachtsmann wird", ging Santa dazwischen, denn er konnte es nicht mehr hören, wenn Michel wieder einmal versuchte, Niklas Stelle zu bekommen.

"Wir werden schon rausfinden, was hier los ist und wer etwas gegen Tobias hat. Ich werde jetzt die Elfen befragen gehen." Damit wandte sich der Weihnachtsmann ab, trat zur Tür und wandte sich noch einmal um, wünschte dem Braunhaarigen eine gute Besserung damit er bald wieder richtig reden konnte und verließ dann Niklas Zimmer, um hinüber in die Werkstatt zu gehen und mit den Elfen zu reden.

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Michel verließ kurz darauf ebenfalls den Raum, eher traurig. Wahrscheinlich würde er in sein Zimmer gehen und sich mal wieder ärgern nicht der Älteste zu sein.

Caroline und Niks andere Geschwister wollten die beiden auch nicht weiter stören und waren nicht lange danach ebenfalls gegangen, sodass Niklas die Tür hinter ihnen abschließen und zu Tobias ins Bett kriechen konnte. "Hach mein kleiner Eisbär. Ich hab mich schrecklich gesorgt. Das tu ich in letzter Zeit ganz schön oft, wie?"

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Tobias trank die ganze Milch leer und stellte die Tasse dann auf den Nachttisch. Als Niklas wieder ins Bett kam, kuschelte er sich an seinen Freund.

"Das ist nicht schlimm. Ich finde das Süß", antwortete der Braunhaarige.

Eine Weile schwieg Tobi, zum einen um seine Stimme zu schonen und zum anderen, dachte er nach.

War das jetzt der richtige Augenblick? Aber wann war der richtige Augenblick? Gab es denn überhaupt?

"Engelchen, kannst du mir aus meiner Tasche das schwarze Kästchen bringen?", fragte er heißer. Er würde das jetzt machen... .

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Niklas runzelte verwirrt die Stirn und erhob sich aus dem Bett. "Was denn für ein Kästchen? Ich bring dir lieber deinen Rucksack!", meinte Niklas und tat eben jenes, legte sich danach wieder zu Tobi.

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Der Schweizer lächelte leicht und begann dann in seinem Rucksack zu suchen, das Kästchen konnte auch weiter runter gerutscht sein.

Nach ein paar Minuten hielt Tobias das schwarze Kästchen in den Händen, setzte sich dann ganz auf und blickte ernst auf Niklas.

"Du weißt, dass ich dich liebe und ich dich für nichts der Welt verlassen würde, egal was passiert oder wer das verlangen würde", erklärt Tobias heißer und drehte nervös das Kästchen in den Händen.

Tief atmete der Spielzeugmacher durch und öffnete den schwarzen Kasten, nahm einen der silbernen Ringe heraus, die auf dem schwarzen Samt vor sich hin funkelten. Er war aus Silber - was zu der Zeit, als die Eltern seiner Mutter sich verlobt hatten ziemlich teuer gewesen war. In ihm war eine liegende Acht eingraviert - das Zeichen der Unendlichkeit - das die unendliche Liebe zu seinem Partner symbolisieren sollte.

Er wollte Niklas jetzt keinen Heiratsantrag machen, dazu hatten sie noch ein wenig Zeit. Aber er wollte seinem Freund einfach zeigen, wie ernst es ihm mit ihrer Beziehung war und das er nicht vorhatte, sein Engelchen wieder gehen zu lassen.

"Darf... darf ich dir den Ring anstecken, als sichtbares Zeichen das wir für ewig für einander bestimmt sind?", wollte Tobias unsicher wissen. War das wirklich eine gute Idee gewesen?

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Niklas war sprachlos, blickte wie hypnotisiert auf den Ring, wieder hoch zu Tobias und wieder runter. "Wi-wir... sind füreinander bestimmt, ja, aber gleich heiraten?", fragte er heiser und räusperte sich. "I-ich wollte dich das eigentlich fragen... aber erst später... ."

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Tobi kicherte leise und umarmte dann seinen Freund.

"Das will ich dir auch gar nicht nehmen. Das kannst du dann später machen, dagegen hab ich nichts", erklärte der Braunhaarige, löste sich von seinem Freund und küsste ihn dann sanft.

"Ich will doch nur, dass alle Welt sehen kann, dass wir zusammen gehören. Das du siehst, das ich dich liebe und nie hergeben werde, auch wenn ich gerade mal nicht in deiner Nähe bin, weil du gerade etwas in der Werkstatt machen musst oder so. Ich hielt es für eine schöne Idee", murmelte er am Ende leise.

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"Das ist es auch....", lächelte Niklas und küsste Tobi gleich nochmal, sah ihm dann verliebt in die Augen. "Das ist es wirklich! Und unter diesen Umständen trage ich ihn gerne. So lange, bis ich DIR dann einen anderen Ring an den Finger stecke... und du mir.", flüsterte er rau und hielt Tobi seine Hand hin. "Würdest du, Liebling?"

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Der Kleinere strahlte, hätte der Sonne wohl Konkurrenz gemacht, wenn sie nicht meistens hinter den Wolken verschwand.

"Sicher doch, Engelchen", erwiderte Tobias und zitterte schon etwas, als er Niklas den Ring über den Ringfinger streifte.

An seinem neuen Platz sah er gut aus. Tobi hauchte noch einen Kuss auf den Ring und blickte dann auf, versank in den blauen Augen. "Steckst du mir den anderen auch an? Er ist noch im Kästchen."

*

"Das seh ich", lachte Niklas sanft. Tobi war nervös, das sah man ihm an, und so sagte er eben auch Dinge, die Nik wusste. Schnell holte er den Ring aus dem Kästchen und lehnte sich vor, um Tobi wieder zu küssen, während er den Ring sanft auf den Finger seines kleinen Eisbären schob.

*

Der Braunhaarige war wirklich nervös, denn es war eben nicht alltäglich, dass er einem Geliebten einen Ring ansteckte. Nur zu gerne ließ er sich von den weichen Lippen seines Freundes ablenken, erwiderte den Kuss

Als sie sich wieder trennten, leckte sich Tobias über die Lippen und öffnete seine Augen wieder, die er im Laufe des Kusses geschlossen hatte.

Seine grauen Augen huschten zu seiner Hand, als er den Ring an seinem Finger spürte. Ein liebesvolles Lächeln schlich sich auf seine Lippen. Es sah einfach gut aus.

"Ich liebe dich", raunte Tobias und küsste seinen Freund wieder. Davon konnte er einfach nicht genug bekommen.

*

Niklas drückte Tobi fest an sich, legte sich mit ihm gemeinsam aufs Bett und löste den Kuss nur kurz, um Tobis Liebesbezeugung zu erwidern, bevor er sich wieder auf seinen Liebsten stürzte. Nach dem Schock von heute Morgen und der süßen Geste gerade eben würden sie ihre Nähe besonders genießen, das war sicher... .


Währenddessen erklang ein tiefes Lachen aus einem dunklen Raum ganz in der Nähe. "Gut gemacht Squip. Dieser Tobias weiß nicht mal wer du bist und wird dich sicher auch nicht wieder erkennen. Er ist eben einfach dumm!

Und so was soll der zukünftige Mann des Weihnachtsmannes sein. Das werde ich verhindern, und DU, mein lieber Freund, wirst mich nicht verraten!
Jetzt ist es Zeit für Phase zwei... mal sehen wie er DA wieder rauskommt hahaha... ."



Braune Blätter [Chaotizitaet]

15 – Joshua



Die Laborprobe war zurück. Trotz all der guten Kontakte von Inspektor Jones hatte es vier Tage gedauert, ehe er mir in einem Umschlag die Ergebnisse mitbrachte. Vier Tage! Vier Tage, in denen sich die Anzahl unserer gestrandeten braunen Blätter verfünffacht hatte. Ein Schock gestrandeter Seelen! So viele, dass ich nicht einmal mehr den Gedanken ertrug, dass sie die Nacht über im Twice waren, während ich ein Stockwerk darüber in meiner Wohnung weilte.

Caleb hatte meine zunehmende Unruhe bemerkt und nachdem er mir die Geschichte von damals entlockt hatte, geschlussfolgert, dass die Anzahl einfach zu groß für mich wurde. Nathalie ertrug ich nach wie vor, verstand mich erstaunlich gut mit ihr. Auch die Sektenkinder, solange sie unter uns geweilt hatten, waren mir auf bizarre Weise ans Herz gewachsen. Immerhin hatten wir über Jones einen anonymen Tipp nach Australien schicken können, so dass an dem Tag, nachdem wir die Probe ins Labor geschickt hatten, in der Online-Presse endlich gestanden hatte, dass man im Outback die Ranch der Kommune gefunden hatte, und dass wie durch ein Wunder die Kinder noch lebten. Zwar waren ihre Körper stark dehydriert, doch man war guter Hoffnung, dass sie durchkommen würden. Wir hatten sie noch am selben Tag zurückgeschickt. Abends die erste Hälfte, am nächsten Morgen die übrigen Kinder. Der Rest aber...

Schließlich hatte Caleb mit Nathalie die anderen davon überzeugt, dass es interessanter sei, die Nächte in der Sheffield Cathedral zu verbringen. Zumindest hatte das Gotteshaus den Vorteil, dass es dort noch reichlich Platz für weitere braune Blätter gab, sollten sie sich weiter so vermehren. Tagsüber halfen die braunen Blätter zunehmend bei der Suche ihrer Schicksalsgenossen, verirrten sich einige doch bis in den Peak oder nach Manchester. Es schien, dass bei einer derartigen Schwemme der Magnetismus des Baumes zunehmend nicht ausreichte, die Blätter direkt in das Umfeld des Baumes zu lotsen. Als könnte er all die verirrten Seelen nicht ausreichend an sich binden.

„Okay, dann wollen wir mal...“, sagte ich und öffnete den Umschlag mit den Laborergebnissen. Ich weiß nicht, was ich gehofft hatte, darin zu finden. Aber schon nach der ersten Durchsicht stand für mich fest, dass ich mit den Computerausdrucken reichlich überfordert war. Da war nichts in der Art: „And the winner is...“ Nichts, wie man es aus einschlägigen Fernsehserien kannte. Vielleicht aber auch deswegen, weil mir kein Adam, Greg, Abby oder wie die superklugen Laborratten sonst hießen, mitgeliefert worden war, der mir nur den wichtigen Ausdruck präsentierte und mir im gleichen Atemzug verriet, worauf ich mein Augenmerk zu richten hatte und was ich darin erkennen sollte.

Ich spürte Nathalie neben mir stehen. Offenbar hatte ihr Caleb zumindest in Andeutungen zu verstehen gegeben, dass keiner der Gestrandeten mich berühren durfte, denn sie war peinlich darauf bedacht, einen Mindestabstand zu wahren, obgleich ihre Neugier verlangte, dass sie auch einen Blick auf die Ausdrucke warf. „Hm, sieht ziemlisch nach Kauderwelsch für misch aus“, sagte sie nun.

„Für mich auch“, erwiderte ich. „Vielleicht kann Caleb es entziffern.“

Nathalie grinste. „Das bezweifle isch. Soweit isch weiß, ’at Caleb Maschinenbau studiert, nischt aber Schemie. Oder Biologie.“

„Stimmt auch wieder.“ Ich seufzte. Ich konnte mich noch zu gut daran erinnern, wie Caleb während des Studiums geflucht hatte, als er Chemie I und Chemie II für die Grundlagen hatte belegen müssen. Er hatte danach so schnell wie möglich alles vergessen, das ihm im Alltag nicht ständig begegnete. Doch dann kam mir ein Gedanke. „Nathalie, unter den anderen braunen Blättern... ist da vielleicht jemand, der Ahnung von Chemie hat und uns helfen könnte, den Kram hier zu interpretieren?“

„Isch weiß nischt. Isch könnte fragen, aber die meisten sind auf der Suche nach den anderen. Doch ‚’alt, mir fällt etwas ein. Khristov, er ist Orschideenzüschter. Er ‚’at die ganzen letzten Tage nur davon gesprochen, dass seine Pflanzen leiden werden, wenn sisch niemand darum kümmert, dass die Erde rischtisch mit Wasser oder Dünger verse’en wird. Er scheint sisch zumindest mit Erde auszukennen.“

„Das wäre immerhin ein Anfang“, stimmte ich zu. „Ist er auch bei den Suchenden? Oder ist er in der Kirche?“

Nathalie lachte. „Er ist in der Kirsche. Er ‚’at null Orientierungssinn. Er verläuft sisch sogar in der Kathedrale. Ihn loszuschicken, weitere braune Blätter zu suchen, würde Caleb nur noch mehr Arbeit bescheren.“

„Da scheinen wir ja ausnahmsweise mal Glück zu haben.“ Ich grinste. Dann rief ich Jade zu, dass ich pünktlich zum Tea-Time-Ansturm wieder zurück wäre und machte mich mit Nathalie auf den Weg zur Kathedrale.

Ich hatte tatsächlich Stephanie am Tag nach dem die Schwemme eingesetzt hatte, entlassen müssen. Das hatte zwar zum Teil an ihrer Einstellung gelegen, hätte aber im Normalfall nicht dazu geführt, dass ich sie mitten im Vorweihnachtstrubel feuerte, zumal sie sich im Gespräch verständig gezeigt hatte. Aber am gleichen Abend hatte Nathalie sie ertappt, wie sie sich heimlich an der gemeinsamen Trinkgeldkasse bediente. Ich hatte dem braunen Blatt zuerst nicht glauben wollen, zumal ich nichts von Petzern hielt, aber aufgrund des Misstrauens, das am Vortag in Bezug auf Stephanie in mir geweckt worden war, hatte ich gegen Ende des Abends einfach mein Zählbrett hervorgeholt und meine wöchentliche Zählung des Inhalts des Trinkgeldglases vorgezogen. Im Twice war es nämlich üblich, dass das Trinkgeld in einem großen Deko-Einmachglas gesammelt wurde und davon zu Weihnachten die Belegschaftsfeier ausgerichtet und im Sommer ein großes Grillfest veranstaltet wurde. Denn auf die Weise hatten alle etwas von dem Trinkgeld, unabhängig davon, ob sie im Gastraum oder in der Küche, zur Mittagsschicht oder während des Feierabendansturms Schicht hatten. Um zu wissen, wie opulent das jeweilige Fest ausfallen konnte, hatte ich mir angewöhnt, den Trinkgeldbestand regelmäßig zu zählen und den aktuellen Betrag auf einen Zettel, den ich zu unterst ins Glas legte, zu notieren. An diesem Abend hatte ich die unschöne Entdeckung machen müssen, dass der Betrag deutlich geringer war, als noch in der Woche zuvor, trotzdem wir auch in dieser Woche Trinkgelder bekommen hatten. Das bestätigte Nathalies Aussage und als ich Stephanie zur Rede stellte, war sie immerhin so ehrlich, ihr Vergehen einzugestehen. Die Ausrede, dass sie sich ja immer nur das genommen habe, was sie als Trinkgeld von den Gästen bekommen hätte, war mir gleichgültig. Jeder, der hier im Twice arbeitete, kannte die Regeln bezüglich des Trinkgeldes, und jeder wusste auch, dass man, selbst wenn man aufhörte hier zu arbeiten, zur nächsten Mitarbeiterfeier eingeladen wäre, da man schließlich mit seinem Trinkgeld auch noch dazu beigetragen hatte. Zum Glück für mich gab es in der Vorweihnachtszeit aber auch genügend Menschen, vorwiegend Studenten, die sich nach einen Zusatzverdienst umsahen, und so hatte ich wenig Probleme gehabt, Stephanie zu ersetzen.

Es dauerte nicht lange, bis Nathalie und ich die Kathedrale erreicht hatten. Ich setzte mich auf eine der Kirchenbänke und wartete darauf, dass Nathalie unseren russischen Orchideenzüchter herbeiholte. Derweil breitete ich die Laborergebnisse auf der Bank aus, so dass Khristov sie sich ansehen konnte.

„Hm, der pH-Wert ist in Ordnung“, sagte dann eine Stimme neben mir und ich spürte außer Nathalies vertrauter Präsenz die Anwesenheit eines weiteren braunen Blattes. „Auch der Nitratgehalt der Erde ist gut für einen Baum. Nicht für eine Orchidee, aber für einen Baum.“

Wieder folgte ein kurzes Schweigen, dann plötzlich ein scharfes Einatmen.

„Haben Sie etwas gefunden, Khristov?“, fragte ich.

„Die Mineralanalyse der Erde... Da ist ein unbestimmtes Element enthalten. Die Menge ist groß genug, dass der Detektor es erkannt hat, es konnte auch festgestellt werden, dass es einheitlich in der Struktur ist, aber das Gerät konnte bei der Analyse keine Übereinstimmung mit einem Mineral aus dem Datenspeicher finden. Hier, auf der vierten Seite.“

Ich besah mir das Blatt näher. Einige Berg-und-Tal-Graphiken mit spitzen Zacken zeigten an, dass auf die üblichen Mineralien getestet worden war. Bei der Metall-Analyse waren Verunreinigungen aufgetreten, die darauf hindeuteten, dass ein bestimmtes Metall mit etwas anderem eine Verbindungen eingegangen war. Aber keiner der üblichen Tests hatte eine in der Form bekanntes Mineral angezeigt. Also hatte man diese Fraktion aus der Erde abgetrennt und in Reinform auskristallisiert. Die Kristallstruktur war auf dem Ausdruck graphisch dargestellt. Es enthielt drei verschiedene Metalle. „Eine Legierung?“, fragte ich vorsichtig, mich vage an das erinnernd, was man mir in der Schule über Bronze und Messing beigebracht hatte.

„Nicht ganz... etwas ist merkwürdig an diesem Gitter...“

„Isch weiß, was es ist“, sagte Nathalie plötzlich aufgeregt. „Es ist ein Quasikristall. Der diesjährige Schemienobelpreis ging an einen der führenden Forscher auf dem Gebiet. Die Struktur wieder’olt sisch nie.“

„Aber wenn man einen Quasikristall erneut auskristallisieren lässt, ordnet er sich doch eigentlich normal an und nicht quasikristallin“, entgegnete ich. Auch ich hatte nach der Bekanntgabe der diesjährigen Preisträger die entsprechenden Artikel in der Online-Berichterstattung gelesen. Vor allem aber hatten mich diese Kristalle fasziniert, weil sie in ihrem Aufbau altislamischen Mosaiken verblüffend ähnelten.

„Es gibt eine natürlich vorkommende Legierung, die sich quasikristallin anordnet“, mischte sich Khristov nun wieder ein. „Sie wurde im äußersten Osten von Russland gefunden. Sie besteht aus Aluminium, Eisen und Kupfer. Genau wie die Legierung in diesem Fall.“

„Aber wie soll eine russische Legierung in die Erde hier in England kommen“, überlegte ich laut und hätte mir im nächsten Moment am liebsten auf die Zunge gebissen. Ich wusste doch eigentlich genau, wie russische Erde an die Wurzeln meines Paradiesbaumes gelangt sein konnte. Schließlich wurzelte der Baum stets da, wo der Wächter lebte. Zu Cassandras und Edgars Zeit hatten die Bäume in Kolkata, Indien gestanden. Und es war durchaus möglich, dass die Bäume auch einst in Ostrussland gewurzelt hatten, wenn die Wächter dort gelebt hatten. Andererseits wusste ich von Edgar, dass, seit er Wächter gewesen war, die Bäume nicht in Russland gewesen waren. Australien, ja. Kanada, ja. Und zuletzt, vor England, in Sizilien. Wenn die Bäume also mit russischer Erde in Berührung gekommen waren, dann war das mehr als nur eine Ewigkeit her. Was wiederum bedeutete, dass in der Zwischenzeit alle Spuren von dem Baum aufgenommen worden wären, ernährten sich alle Bäume doch von Erde wie die Menschen von Brot. Vollkommen undenkbar, dass so noch von einem vorigen Wurzelplatz Erdspuren zurückgeblieben waren.

„Vielleicht gibt es auch hier in England eine solche natürlich vorkommende Legierung“, schlug Khristov vor. „Und man hat sie einfach noch nicht entdeckt. Ostrussland ist dünn besiedelt, da lässt es sich leichter forschen als hier in einer Großstadt.“

An diesem Einwand war durchaus etwas dran. Leider bedeutete das, dass ich noch eine weitere Probe würde untersuchen lassen müssen. Von einer Stelle unweit des Baumes, aber nicht am Baum direkt. Aber ich wusste nicht, ob Inspektor Jones noch einmal für mich eine Eilanalyse im Labor würde zwischenschieben können. Sofern er sich überhaupt darauf einließ. Schließlich konnte ich ihn doch nicht in alle Fakten einweihen. Beziehungsweise täte ich es, würde er mich für mindestens grippekrank mit Fieberwahn halten, wenn nicht gleich für geistesgestört. Ich wusste genau, wie ich normalerweise über Typen dachte, die was von Verschwörungstheorien und Weltuntergang faselten. Deren Theorien waren stets unterhaltsam, aber daran glauben tat niemand wirklich. Okay, bis auf ein paar Verrückte. Aber die meisten, die zu einem bestimmten Ort zwecks Weltuntergang pilgerten, waren einfach sensationsgeil. Ich dagegen hatte es zwar mit einem realen Weltuntergangsszenario zu tun, würde aber mit hundertprozentiger Sicherheit aufgrund für den Rest der Menschheit fehlender Beweise in die gleiche Kategorie sortiert werden. Etwas, worauf ich dankend verzichten konnte. Vielleicht sollte ich stattdessen mal an der Universität nachfragen, ob einer der Fachbereiche, Chemie etwa, so einen Analysator hatte, den man nutzen konnte. Oder vielleicht hatte auch einer von Calebs Kunden Zugang zu einem entsprechenden Labor.

So oder so wollte ich erst mit Caleb über das Ergebnis sprechen. Vielleicht übersahen Nathalie, Khristov und ich ja auch etwas, das ihm als Ingenieur sofort ins Auge sprang.



15. Dezember [Laila]
Ein Besuch am Strand
Raol und Nic

Alle Blicke folgten ihnen. Aber das waren sie schon gewohnt. Heute war es nicht nur, weil sie zwei Männer waren, nein es lag daran, dass Raol in einem langen schwarzen Mantel über den Strand lief.
Es war Sommer. Die Sonne brannte unbarmherzig auf sie herab. Aber das war dem Dämon egal.
Sein Geliebter, der Vampir Nicolas hatte ihn um einen Spaziergang am Strand gebeten und er hatte zugesagt. Auch wenn er gewusst hatte, wie es endete.
Er, der uralte Schlangendämon und er Nic, der schöne Vampir. Sie kamen aus zwei verschiedenen Welten, sollten Feinden sein. Aber die Sucht nach Nähe und Sex hatte sie zusammen gebracht und die Liebe zwischen diesen Wesen geschürt.
„War das wirklich eine gute Idee? Die starren und alle an,“ murrte Raol.
Er hasste es im Mittelpunkt zu stehen, zumindest in der Welt der Menschen.
Nic zuckte nur die Schultern und ging näher zum Wasser.
„Ich war so lange nicht mehr hier und es ist schön,“ sagte er leise.
Seine Finger berührten das kühle Nass.
Kurz wanderte sein Blick zu Raol, dann erhob er sich und zog die Schuhe aus. Noch bevor der Dämon reagieren konnte, stand Nic im Wasser
Raol schüttelte grinsend den Kopf und ließ sich auf dem weichen Sand nieder.
Durch seine sich bewegenden Tätowierungen die überall auf seinem Körper waren, war es unmöglich den Mantel auszuziehen.
Viel lieber sah er seinem Vampir zu, wie dieser das Wasser genoss.