Du befindest Dich hier: Geschichten > Weihnachten 2011 > 19

19

Catching Santa Claus [Ira]

Türchen 19

Träge kuschelte sich Tobias näher an den warmen Körper. Er war zu faul zum Aufstehen und wenn er durch das Haus lief, lief er nur Gefahr, Michel über den Weg zu laufen. Und das wollte er überhaupt nicht.

Lieber blieb er mit seinem Freund im Bett liegen, versuchte beinahe in ihn hinein zu kriechen. Ob der Körperwärme die von seinem Engelchen ausgingen, schnurrte er leise auf.

Mit einem Finger begann er Kreise auf die weiche Haut zu malen.

*

Niklas erwachte aus seinem Schlaf als er den frechen Finger auf seiner Brust fühlte. Sofort schlich sich ein Lächeln auf seine Lippen, denn es war immer wieder schön mit Tobias aufzuwachen. Da er den letzten Tag ja gar nicht geschlafen hatte war er selbst auch wahnsinnig müde gewesen und er war in einen tiefen Schlaf gefallen, aber die kleinste Berührung Tobis weckte ihn eben. Und hätte Michael ihm kein Schlafmittel gegeben, hätte Niklas auch sehr wohl mitbekommen, dass sein Geliebter neben ihm verschwunden war.

*

"Ach Engelchen, ich bin so froh, dass ich dich wieder habe", murmelte der 23-Jährige leise, damit er seinen Freund nicht aufweckte. Denn das wollte er nicht.

Denn bestimmt hatte sein Freund nicht geschlafen, seitdem er selbst verschwunden war.

Tobias hob leicht seinen Kopf, hauchte einen Kuss auf die Stelle an der Tobias seinen Herzschlag spüren konnte und kuschelte seine Wange dann wieder an Niklas Brust. So sollte das in Zukunft immer sein, das sie nichts und niemand trennen konnte.

*

"Ich bin auch froh dich wieder zu haben...", flüsterte Niklas leise und gab sich somit zu erkennen. Fest zog er Tobias an sich und küsste ihn auf die Stirn. "Ich liebe dich... und ich weiß nicht was ich gemacht hätte, wenn du wirklich weggegangen wärst."

*

Nur zu gerne kuschelte sich Tobias noch fester an seinen Freund und seufzte zufrieden auf.

"Ich liebe dich auch, Engelchen. So sehr. Ich hab dir doch schon oft gesagt, dass ich dich nie freiwillig verlassen werde. Nicht einmal, wenn davon mein Leben anhängen würde. Ich brauche dich zum Leben wie die Luft oder das Essen", wisperte der Braunhaarige, stemmte sich ein wenig hoch und stahl sich einen Kuss von Niklas.

"Guten Morgen mein Liebster. Ich hoffe, du hast gut geschlafen."

*

"Ja, mit dir an meiner Seite schlafe ich immer gut. Und da ich gestern gar nicht geschlafen habe, war es für mich auch gestern Nacht auch nicht sonderlich schwer einzuschlafen.", erklärte Nik und streichelte über Tobis Nacken. "Hm wie sieht's aus mit Frühstück?"

*

Bei den Streicheleinheiten, begann Tobias zu schnurren.

Das war aber eine wirklich schwere Entscheidung.

"Ich hab ja eigentlich schon Hunger, aber ich würde auch gerne an dir knabbern. Eine Zwickmühle also", grinste der Jüngere frech.

Aber in dem Augenblick knurrte sein Magen und rieb Tobias die Röte in die Wangen.

"Was Richtiges essen wäre schon gut. Solange ich Michel nicht über den Weg laufe. Ich brauch da wohl noch etwas, bis ich wieder mit ihrem Umgehen kann."

*

"Ich habe dir doch bereits zugesichert, dass du ihn nicht so bald wiedersehen musst! Ich geh mal runter und schaue ob die Familie noch frühstückt. Wenn ja bring ich was hoch, wenn nein können wir ja runter gehen", schlug Niklas vor und löste sich von Tobias, um aus dem Bett zu steigen.

*

"Bleib aber nicht zu lange weg, Engelchen. Ich vermisse dich jetzt schon", erklärte Tobias und schnappte sich Niklas Kissen, drückte es an sich.

Zwar nicht so gut wie sein Freund, aber wenigstens etwas.

Oh Mann, er war ja wirklich schon süchtig nach Niklas. Aber es war auch schön, ihn 24 Stunden am Tag um sich zu haben.

*


"Ich beeil mich!", versprach der blonde Lockenschopf und zog sich rasch was über, bevor er Tobias nochmal küsste und dann das Zimmer verließ.

Langsam stieg er die Treppen hinab und betrat dann die Küche, wo alle noch bei Tisch saßen und frühstückten. Alle, außer Michel. "Wo ist Michel?", fragte er somit sofort und Santa blickte auf. "Guten Morgen Niklas. Dein Bruder hat Stubenarrest, um über seine Taten nachzudenken. Du wirst ihn wohl den heutigen Tag nicht mehr zu Gesicht bekommen. Möchten du und Tobias zum Frühstück kommen?"

Niklas lächelte sanft und nickte sofort, ging dann wieder rauf in sein Zimmer und blickte Tobi an. "Michel wirst du heute nicht sehen, er ist auf sein Zimmer verbannt worden. Magst du mit runter frühstücken? Die ganze Familie ist da."

*

Tobias hatte sich auf dem Bett geräkelt und gestreckt, damit er richtig wach wurde. Sonst war mit ihm nicht viel anzufangen.

Gespannt hob er seinen Kopf als Niklas zurück kam und als der ihm sagte, das Michel nicht da war, aber dafür der Rest der Familie, nickte der Kleinere wie wild.

Sofort sprang er aus dem Bett, schlüpfte in seine Klamotten und stand dann in Rekordzeit neben seinem Freund.

"Fertig und zu jeder Schandtat bereit", grinste er frech.

*

Niklas lachte warm und zog Tobias an sich, küsste sich über das zarte Gesicht. "Du bist so süß. Und ich finde es wundervoll, dass du meine Familie so magst."

*


"Warum sollte ich sie denn nicht mögen? Wer so etwas Wundervolles auf die Welt gebracht hat, den muss man einfach nur gern haben. Und deine Geschwister sind nett... mit einer Ausnahme natürlich.

Wäre ja auch schlimm, wenn ich sie nicht mögen würde. Immerhin soll ich ja mal in die Familie einheiraten", erklärte Tobias, erhaschte sich einen Kuss und griff sich dann den Älteren zog ihn lachend hinter sich her.

"Sonst ist für uns nichts mehr da", lautete seine Antwort, weil er sich denken konnte, dass Niklas ihn komisch ansah, weil er es auf einmal so eilig hatte.

*

"Du bist wohl verfressen? Die Seite kenne ich ja noch gar nicht an dir!", strahlte Niklas. Er freute sich, weil er was Neues an Tobi entdeckt hatte.

Gemeinsam gingen sie die Treppe runter in die Küche und nahmen ihre Plätze ein, wo schon direkt neben Tobis Teller die Nutella stand. Niks Familie kannte ihren fast Schwiegersohn eben.

*

"Guten Morgen allerseits", wünschte Tobias und schenkte jedem ein Lächeln, bevor er sich die Kanne mit dem Kakao griff und seine Tasse vollschenkte.

Das brauchte er jetzt mal.

Es war schön mit einer so großen Familie zu essen, weil es immer was zu erzählen gab. Auch wenn es nicht seine eigene war.

Nur kurz war Tobias traurig aber dann musste er nur einen Blick auf seinen Freund werfen und alles war wieder in Ordnung. Er hatte sich dafür entschieden, bei seinem Freund zu leben.

Beschwing griff er sich ein Brötchen, legte auch seinem Freund eines auf den Teller und schnitt seines dann auf, bestrich es mit Nutella.

*

Lächelnd betrachtete Niklas das Verhalten seines Freundes. Tobias unterhielt sich mit jedem nett und stopfte sich ein Nutellabrötchen nach dem anderen in den Mund. Hoffentlich würde sein Schatz nicht irgendwann einmal an Diabetes leiden, so sehr wie er auf Süßes stand. Er selbst hielt sich an Wurst und Käse, weil ihm dies einfach besser schmeckte.

Nach dem Essen half er mit beim Abräumen und schlug Tobias vor mit ihm das neugeborene Rentier zu besuchen, da der Dunkelhaarige es ja noch nicht gesehen hatte.

*

Tobias ernährte sich ja nicht nur einseitig, da war das schon nicht schlimm, zum Frühstück oder Abendbrot Nutella zu essen.

Selbstverständlich half er nach dem Essen beim Aufräumen und als er den Vorschlag seines Freundes hörte, strahlte er wie die Sonne und nickte ganz aufgeregt.

Er hatte noch nie ein Rentierbaby gesehen.

So konnte es Tobi auch kaum erwarten und kurzerhand zog er seinen Freund hinter sich her zur Garderobe, wo sie sich fertig machten.

*

"Du bist bei allem heute so stürmisch, ein richtiger Wirbelwind!", lachte Niklas und küsste Tobias auf die Wange, als er gerade in seine Schuhe und Jacke schlüpfte. "Danach könnten wir ja zu den Elfen und ihnen alles erklären. Aber da sollten wir Dad noch mitnehmen."

*

Der Braunhaarige nickte nur. "Ich weiß auch nicht wieso. Ich bin nur so glücklich dass ich wieder bei dir bin, das muss die ganze Welt wissen", erklärte Tobi und machte mit seinen Händen eine entsprechend Geste.

Als Niklas die Elfen ansprach, versteifte sich Tobi kurz. Gut, früher oder später mussten sie das mit ihnen klären. "In Ordnung. Aber dein Dad sollte wirklich dabei sein. Aber wie ich ihn kenne, wird er wohl eh in der Werkstatt sein."

Fertig angezogen schnappte sich Tobias die Hand seines Engelchens und trat mit ihm aus dem Haus. Tief atmete er die frische Luft ein. "Ist es eigentlich weiblich oder männlich?"

*

"Es ist ein kleines Männchen, aber einen Namen haben wir noch nicht. Wenn du magst darfst du es taufen und wenn du möchtest kannst du es zu deinem eigenen Rentier machen. Jeder außer Dad und ich hat ein Rentier ganz für sich allein: Diese werden dann auch nicht für die Auslieferung der Geschenke verwendet", erzählte Niklas und verschränkte ihre Finger miteinander.

*

Ungläubig blickte der Spielzeugmacher zu seinem Freund auf. Er konnte... er konnte ein eigenes Rentier haben?

"Mein... mein eigenes Rentier? Das... das wäre großartig", stotterte Tobias, weil er mit der Situation gerade überhaupt nicht umgehen konnte. Man bekam eben nicht täglich gesagt, dass man ein Rentier haben konnte.

"Dann muss ich mir einen besonders schönen Namen für den jungen Mann aussuchen", erklärte Tobi und konnte es kaum noch abwarten, in den Stall zu kommen.

*

"Du brauchst nicht nur einen schönen Namen. Du kannst diesen Kleinen bekommen, weil er noch jung und untrainiert ist. Alle Rentiere sind darauf trainiert auf meinen und den Ruf meines Vaters zu hören, alle außer die Rentiere der Familienmitglieder. Jedes Familienmitglied trainiert sein eigenes Rentier selbst, damit es nur auf denjenigen hört.
Das heißt, das Rentier muss von dir aufgezogen und auf dich eingestimmt werden: Am besten bringst du ihm auch bei auf deinen Ruf zu hören, denn wenn du dann das nächste Mal irgendwo gefangen bist brauchst du nur zu rufen und es wird kommen. Wenn man Rentiere nämlich immer gut behandelt halten sie zu einem bis zum Tod!", erklärte Niklas.

*

Tobias nickte, sog das Wissen wie ein Schwamm in sich auf. Es war eben eine Seltenheit, das man Rentiere als Haustiere hatte. Da konnte er jede Hilfe gebrauchen, die er bekam.

"Muss das ein bestimmter Ruf sein? Also ein Laut oder kann das auch ein Wort sein?", wollte der 23-Jährige wissen und hibbelte schon wieder rum, weil sie gerade den Stall erreichten.

Nur wo jetzt lang? Fragend blickte er sein Engelchen an. Er war ja bei der Geburt nicht dabei gewesen, deswegen wusste Tobias auch nicht, wo sie den Kleinen fanden.

*

"Das kannst alleine du entscheiden. Mein Vater und ich pfeifen, aber Mum zum Beispiel hat einen speziellen Ruf für ihre zwei Rentiere", lächelte Niklas und führte Tobias dann zu der großen Box in der Yrene und das neue Kleine standen. "Ein paar Wochen wird er noch bei seiner Mama bleiben, dann bekommt er eine eigene Box. Bis dahin kannst du ihn so oft du willst besuchen. So gewöhnt er sich auch gleich an dich.

Er hat übrigens tolle Gene! Yrene ist sehr ausdauernd und kann nach mehreren Stunden immer noch ohne Beschwerden fliegen. Und Razzan, sein Vater gehört zu unseren schnellsten Rentieren im Stall. Also schnell und ausdauernd, eine gute Kombination!"

*

Tobias war hin und weg, als er das neue Leben sah. Nur mit einem Ohr hörte er Niklas zu - würde sich noch einmal daran erinnern, wenn er es brauchte.

Aber lieber streckte er erst einmal seine Hand in die Box, damit Yrene entscheiden konnte, ob er ihrem Sohn was tat.

Nachdem das Rentier geschnüffelt hatte und seine Hand leicht an stupste, öffnete der Schweizer vorsichtig die Box und trat langsam ein, er wollte ja keinen erschrecken.

Sanft streichelte er einmal über den Hals des Rentieres, bevor er in die Hocke ging und lächelnd das Baby beobachtete. So richtig klein. Kaum vorzustellen, das es mal so groß werden würde.

*

Niklas blieb außerhalb der Box, bedeutete nur Yrene ruhig zu bleiben, denn diese vertraute ihm und wenn er sagte, dass Tobi ungefährlich war, würde sie ihm auch nichts tun. Dann lehnte sich Niklas an die Tür und beobachtete seinen Freund. Es war ein bezaubernder Anblick und Tobias war einfach wunderschön!

*

Das Jungtier lag im Stroh und hatte die Augen noch geschlossen, aber die kleine Nase bewegte sich aufgeregt und nahm Witterung auf.

Als sich der kleine Kopf immer mehr in Tobias Richtung bewegte, streckte der unter den wachsamen Augen der Mutter die Hand aus und hielt dann wieder still, weil er ja den jungen Mann nicht erschrecken wollte.

Der schnüffelte noch ein wenig an der Hand, bevor er einmal mit seiner Zunge darüber leckte. Tobias kicherte leise. "Er riecht vermutlich auch dich, Niklas", flüsterte Tobi leise.

*

"Wahrscheinlich, aber hauptsächlich dich und das ist das wichtigste. Und? Willst du ihn haben oder soll ich ihn zum Schlittenrentier ausbilden?", fragte Niklas neugierig, wusste innerlich schon wie Tobias antworten würde.

*

Spätestens als das kleine Rentier sich auf seine zitternden Beinchen kämpfte einen staksigen Schritt tat und sofort wieder im Stroh landetet, hatte sich Tobias entschieden.

"Ich hätte ihn gerne. Auch wen ich irgendwann dann erst einmal Flugunterricht nehmen muss", erklärte der Jüngere und strich behutsam über den kleinen Kopf. Das Jungtier hatte sich sofort in sein Herz geschlichen und würde da so schnell auch nicht wieder weg gehen.

"Natürlich nur, wenn dein Vater nichts dagegen hat. Denn eigentlich gehört es ja ihm."

*

"Das mit dem Flugunterricht ist kein Problem. Und natürlich kannst du ihn haben. Dass es meinem Vater gehört stimmt nicht, denn bis sich jemand für das kleine Entschieden hat gehört es nur der Mutter. Jetzt gehört es dir und es hatte noch kein anderer, außer mich bei seiner Geburt, Kontakt mit ihm. Wie willst du ihn eigentlich nennen?"

*

Angestrengt dachte Tobias nach, während er den Kleinen streichelte.

Ab und an schlug er ihm einen Namen vor wie Leaf oder Rudi vor, aber zu jedem Namen schüttelte das Kleine den Kopf.

Da war wohl einer verwöhnt.

Tobi betrachtete sein neues Haustier ein bisschen genau und als er einen kleinen weißen Fleck, über dem rechten Hinterbein entdeckte, lächelte er leicht. "Was hältst du von Yuki?"

Und endlich nickte der Kleine. "Dann heißt du ab heute Yuki. Freut mich sehr, ich bin Tobias", und als wollte Yuki den Grüß erwidern, leckte er einmal über die Hand.

*

Liebevoll lächelnd betrachtete Niklas die Szene. "Yuki also. Wie kommst du auf den Namen?", fragte er neugierig. Keines ihrer Rentiere hatte einen japanischen Namen...

*

Tobias musste nachdenken, woher er den Namen eigentlich kannte, bis es ihm nach kurzem Nachdenken einfiel. So streichelte er Yuki über den Kopf und blickte dann seinen Freund an.

“Na ja, Karen war so ein Japan Fan. Sie hat mir mal lang und breit die Bedeutungen der japanischen Namen erklärt. Dazu musst du wissen, was sie meine große Schwester war, bevor sie bei einem Unfall vor zwei Jahren starb.“

“Und warum ich ihn Yuki genannt habe kommt daher, weil der kleine Mann über dem rechten Hinterbein einen weißen Fleck hat und das in Verbindung mit der Umgebung, hat mich an Schnee er innert. Und das heißt Yuki im japanischen.“

*

"Ja, ich weiß was das heißt. Ich musste ja während meiner Ausbildung jede Sprache lernen.", erklärte Niklas und blickte dann fragend zu Tobi: "Wollen wir noch ein bisschen hier bleiben oder zu meinem Dad und den Elfen?"

*

Der Braunhaarige würde gerne noch ein wenig bei Yuki bleiben, aber der wurde bestimmt schnell müde und dann sollte er in Ruhe schlafen können.

Also nickte Tobi, strich Yuki noch einmal über das Fell und richtete sich dann wieder auf, streichelte auch Yrene noch einmal, bevor er die Box verließ und hinter sich die Türe schloss.

Nicht das die Rentiere noch abhauten. Tobias trat zu seinem Freund, küsste ihn sanft und nickte dann noch einmal. “Ja, lass uns gehen. Das Missverständnis muss aus der Welt geräumt werden.“

*

"Das wird es mein Schatz. Und danach unternehmen nur wir zwei was. Dann können wir auch nochmal hierher kommen. Du scheinst den Kleinen ja gar nicht mehr verlassen zu wollen", lachte Niklas. "Nicht, dass du noch lieber bei ihm als bei mir schläfst... ."

*

Ungläubig hob der 23-Jährige eine Augenbraue. Wie kam sein Freund auf den Gedanken, dass er lieber bei Yuki schlief?

Weil er das erst einmal richtig stellen musste, schob er sein Engelchen einfach sanft an die Wand in dessen Rücken und küsste ihn liebevoll nachdem er ein “Ich schlafe lieber bei dir“, wisperte.

*

"Und mit mir hoffentlich auch. Beziehungsweise lässt du mich mit dir schlafen... irgendwann!", raunte Niklas leise und küsste seinen Freund gleich nochmal, zog ihn fest an sich. "Ich liebe dich!"

*

Alleine bei dem Gedanken wurde Tobias warm und so wurde der Kuss ein wenig leidenschaftlicher.

Zufrieden leckte sich der Braunhaarige über die Lippen als sie sich wegen Luftmangels lösen mussten. "Nur zu gerne. Sorg du nur dafür, dass wir nicht gestört werden", grinste der Kleinere breit.

"Ich liebe dich auch. So sehr."

*

"Dafür haben wir einen Zimmerschlüssel. Und ich weiß ihn zu benutzen!", grinste Niklas triumphierend und ergriff Tobias' Hand.

"Aber erst später!", hing er noch an und führte den Dunkelhaarigen dann aus dem Rentierstall und schnell rüber in die Werkstatt, wo sie auf Santa trafen.

"Hallo Dad. Ich habe mir gedacht, dass wir drei uns vielleicht jetzt mal mit den Elfen unterhalten und ihnen sagen wer das wirklich war und dass Tobias unschuldig ist... ."

*

Stumm folgte er seinem Engelchen und mit jedem Schritt den sie zur Werkstatt gingen, wurde ihm mulmiger.

Aber er musste das jetzt hinter sich bringen, immerhin musste er ja den Rest seines Lebens mit den Elfen auskommen, denn er würde Niklas nie wieder verlassen. Nicht für alles Geld der Welt und auch nicht, wenn die Hölle irgendwann mal zufrieren sollte.

So musste er sich etwas zu einem Lächeln zwingen, als sie Santa gegenübertraten. "Hallo Sir", murmelte er.

*

Santa hatte auch schon überlegt wann und wie sie die ganze Verwechslungssache den Elfen beibrachten. Immerhin würde er damit seinen eigenen Sohn verraten und das fiel ihm nicht leicht, auch wenn er immer noch wütend auf Michel war.

"Du hast Recht. Dann sollten wir es mal hinter uns bringen", seufzte er.

*

Tobias verstärkte den Griff an Niklas Hand und folgte den beiden hinüber in den Geschenkeraum.

Einige blickten auf und nur als sie Tobi schon sahen, hielten sie mit ihrer Arbeit inne. Immer mehr blickten von ihrer Aufgabe auf und so arbeitet schon nach kurzer Zeit keine der Elfen mehr, sondern starten den Braunhaarigen mit großen Augen an.

Ob der schon wieder etwas kaputt machen wollte, nachdem sie es mühsam repariert hatten?

*

Santa blickte auf die Elfen und dann zu seinem Sohn und Tobias, dem unwohl zu sein schien. Aber das war ja auch kein Wunder, so wie ihn die Elfen alle anstarrten. Er konnte das gut verstehen. Und Niklas auch, denn der sah sofort finster auf die Elfen und zog Tobias zur Demonstration aller an sich, küsste ihn beruhigend auf die Stirn.

Die Elfen starrten entsetzt drein, denn das hatten sie noch nie gesehen. Auch wenn sie wussten, dass dieser Tobias der Gefährte des zukünftigen Weihnachtsmannes war, so war dieser Anblick doch unbekannt und neu für sie.

"Liebe Elfen!", begann Santa dann endlich zu sprechen und richtete somit die Aufmerksamkeit auf sich. "Wir wissen nun wer in Wirklichkeit hinter der Sabotage der Maschinen steckt. Leider muss ich euch sagen, dass mein zweitältester Sohn Michel dies alles war! Er war gegen die Beziehung meines Sohnes mit Tobias und unternahm deswegen leider alle Mittel, um die beiden auseinander zu bringen. Sein letztes Attentat galt den Maschinen. Er nutzte Elfenstaub, um Tobias' Äußeres anzunehmen, und zerstörte dann die Maschinen. Wir wissen das nun alles und sorgen dafür, dass er seine gerechte Strafe bekommt. Ich hoffe ihr seid nun nicht mehr misstrauisch Tobias' gegenüber!"

*

Mit großen Augen lauschten die Elfen dem Weihnachtsmann und als dieser geendet hatte, schüttelten sie immer wieder ungläubig die Köpfe. So ganz wollten sie das wohl nicht glauben denn das würde bedeuten, dass Michel Hilfe von einem Elf gehabt hatte.

Denn eigentlich besaß nur der Weihnachtsmann Elfenstaub und wer sonst welchen brauchte, der musste eine Elfe fragen.

Eine Weile blieb es noch still, in der Tobias auch immer nervöser wurde. Würden sie ihm nun nicht mehr mistrauen? Würde er wieder ohne Probleme in der Werkstatt stehen können und schnitzen?

Nach einer Ewigkeit trat schließlich einer der Elfen vor und blickte zu Tobias auf. "Gorgel wird versuchen, Herr Tobias nicht mehr zu misstrauen. Aber bitte seien sie nicht böse, wenn das nicht sofort klappt."

Jetzt hing alles von den anderen Elfen ab. Ob die sich auch entschuldigen würden...

*

Und es dauerte auch nicht lange bis die anderen Elfen vortraten und sich ebenfalls entschuldigten und versprachen Tobias nicht mehr zu misstrauen. Am Ende blieb nur ein Elf stehen, der traurig nach unten sah und leise schniefte. Es war der kleine Frim, den Niklas sehr gerne hatte.

Also trat dieser vor und ging vor dem Elfen in die Hocke. "Frim? Was ist denn?", fragte er sanft und nun wimmerte der kleine Elf. "Ich war es Meister Niklas! Ich habe Meister Michel geholfen. Er hat gesagt Tobias sei nicht gut für Meister Niklas und weil ich euch doch so gern habe, habe ich ihm geholfen. Ich habe Meister Tobias in den Keller runter gebracht und dort eingeschlossen, weil Meister Michel es mir sagte. Und ich habe Meister Michel auch den Elfenstaub gegeben!", jammerte er und schämte sich schrecklich.

*

Der Spielzeugmacher war froh, dass die Elfen ihm wieder vertrauen wollten. Das war schön und würde auch für die Zukunft wichtig sein.

Aber als er den aufgelösten kleinen Elfen sah, war im selber nach weinen. Tobias war ja nicht mehr böse, weil er ja wusste, dass Michel an allem Schuld war. Aber so wie der kleine Elf da gerade da stand und wimmerte und sich schämte tat er ihm leid. Er hatte ja nur das gemacht was Michel wollte, weil er Niklas so gern hatte und dem nichts Böses passieren sollte.

Tobi lief langsam zu den Beiden und ging vor Frim in die Hocke. Ohne ein Wort nahm der Braunhaarige den Kleineren in den Arm und versuchte ihn mit Worten und über den Rücken streicheln zu beruhigen. Was Tobias ganz genau sagt, wusste er nicht, aber irgendwelche Nichtigkeiten waren es wohl.

*

"Es tut mir so leid, Meister Tobias!", entschuldigte sich Frim immer wieder und Niklas liebte Tobias gleich mehr für dessen Herzensgüte. Auch die Elfen waren davon beeindruckt und Santa war überzeugt, dass sie dank Tobias' Verhalten schnell ihr Misstrauen gegenüber dem Dunkelhaarigen vergessen würden.

Jeder andere wäre auch böse auf Frim gewesen, hätte vielleicht seine Bestrafung verlangt. Aber Tobias war eben nicht so.

*

Tobias schob den kleinen Elf ein wenig von sich weg und wischte ihm dann mit einer Hand die zwei Tränchen die sich gelöst hatten fort.

"Ist schon gut Frim. Zuerst einmal, sag einfach Tobias, ja? Ich bin noch nicht mit Niklas verheiratet und damit nicht dein Meister. Außerdem kommt mir das dann so vor als seiest du mein Sklave und das will ich nicht. Irgendwann vielleicht mal Freunde, mh?", erklärte Tobias und wuschelte einmal durch die weichen Haare.

"Und ich kann verstehen, warum du Michel geholfen hast. Du hattest Angst, dass ich schlecht für Niklas bin und weil du ihn so gern hast, willst du ihn vor allem Bösen beschützen. Weißt du Frim, mir geht es genauso."

Kurz blickte er sein Engelchen an, schenkte ihm ein Lächeln und ein stumm mit den Lippen geformtes "ich liebe dich", bevor er weiter sprach: "Ich würde auch alles für Niklas machen, eben weil ich ihn so sehr liebe und ihn brauche. Also sind wir uns gar nicht so unähnlich und deswegen kann ich dich verstehen Frim."

*

Frim nickte und lächelte dann leicht. "Jetzt weiß ich ganz genau, dass Meister Michel gelogen hat. Ihr könnt Meister Niklas gar nicht schaden und ihr seid auch nicht fähig dazu unsere Maschinen kaputt zu machen, so was macht ihr nicht!", strahlte er und umarmte Tobias nochmal, bevor er sich zu den anderen Elfen stellte. Zum Zeichen, dass auch er Tobias nicht mehr misstrauen würde.

*

Der 23-Jährige lachte leise, als der Elf ihn umarmte und dann strahlend zu den anderen Elfen ging.

Tobias erhob sich, blickte alle Elfen einmal an und neigte dann leicht seinen Kopf. "Ich danke Euch, dass Ihr mir eine weitere Chance gebt und ich werde sie nicht verschwenden. Ich werde ja für eine lange Zeit bei Euch bleiben und deswegen würde ich mir wünschen, dass wir Freunde werden. Natürlich nur wenn Ihr wollt."

Das wäre schön, denn dann könnte er sich mit ihnen über die Geschenke und alles was er als Mann des Weihnachtsmannes wissen musste reden. Sicher würden sie ihm auch noch den einen oder anderen Tipp haben, denn er war noch lange nicht perfekt.

Glücklich strahlte er Niklas und dessen Vater an. Wenn das Gespräch mit Michel auch so laufen würde, wäre Tobi sehr froh.

*

Niklas ergriff wieder Tobis Hand und verabschiedete sich dann von den Elfen, bevor Santa alle zurück an ihre Arbeit schickte und die beiden Verliebten mit in den Briefraum nahm. "Na das ist doch gut gelaufen", lachte er fröhlich.

*

Auch Tobias verabschiedete sich von den Elfen und versprach, bald mal wieder herein zu schauen und ihnen dann sein Spielzeug zu zeigen, denn sie waren schon neugierig.

Der Grauäugige nickte. "Besser als ich gedacht hatte. Ich bin froh, dass sie mir zumindest etwas vertrauen. Ich will lieber nicht wissen, wie die Jahre hier laufen würden, wenn das nicht so wäre. Und wenn das mit Michel auch so gut läuft, dann glaube ich wieder an Wunder", erklärte Tobias und lehnte sich dann an seinen Freund, weil der eh gerade neben ihm stand.

"Niklas hat gemeint, ich könnte das kleine Rentier haben. Also aufziehen und Trainieren und so. Stimmt das Sir? Nicht das ich jetzt mein Herz daran hänge und ich es dann doch nicht haben kann."

Sicher, Tobias vertraute seinem Freund blind und voll und ganz, aber er wollte lieber noch mal sicher gehen. Nicht das der Weihnachtsmann mit Yuki schon was anderes vorhatte.

*

"Oh nimmst du es also! Ich hatte Niklas vorgeschlagen, dass du es ja zu deinem eigenen Rentier erziehen könntest und nun hat er dich gefragt. Ich freue mich, dass du den Kleinen zu deinem Rentier machst. So finden wir dich das nächste Mal auch leichter und du bist nicht so auf Niklas angewiesen, wenn du mal wieder jemanden besuchen willst. Nik wird nicht immer so viel Zeit haben, um mit dir mit dem Schlitten wohin zu fliegen. Ich plane ihn ab jetzt wieder voll einzuspannen, denn..."

"...bis Weihnachten ist es nicht mehr weit!", beendete Niklas den Satz seines Vaters und grinste.

*

Tobias wurde kurz traurig. Nicht weil er seinen Liebsten in nächster Zeit wohl nicht ganz so häufig sehen würde - das hatte er ja schon gewusst als feststand, das Niklas wirklich der zukünftige Weihnachtsmann ist - sondern weil in fünf Tagen Weihnachten war und es das erste Fest ohne seine Freund und seine Familie sein würde.

Sofort verdrängte er den Gedanken. Tobias hatte gewusst, worauf er sich das einließ, dann durfte er jetzt auch nicht traurig sein. Dann würde er seine Eltern eben nach Weihnachten sehen und seinen Geburtstag konnten sie ja nachfeiern.

"Ja, ich würde Yuki wahnsinnig gerne haben und mich um ihn kümmern", stimmte Tobias zu und als Santa lachte wurde dem jungen Mann klar, dass er ein nein nicht akzeptiert hätte. Er hatte sich schon so an den Gedanken gewöhnt, ein eigenes Rentier als Freund zu haben.

*

"Yuki heißt der kleine Mann also", lächelte Santa und zeigte damit nochmals, dass er nichts dagegen hatte und es sogar begrüßte, dass Tobias ein eigenes Rentier hatte. "Du wirst dich sicher gut um ihn kümmern. Und sollte irgendwas sein oder du Fragen hast, dann kannst du immer mit mir oder Niklas reden. Aber das weißt du ja!"

*

"Danke Sir. Wenn ich Hilfe brauche, komme ich gerne auf Sie oder Niklas zurück. Wer halt Zeit für mich hat", antwortete Tobias.

Dann blickte er sich ein wenig um. Der Weihnachtsmann hatte bestimmt viel zu tun und er hielt ihn hier einfach von der Arbeit ab. "Kann ich ihnen vielleicht helfen Sir? Bei irgendwas? Ich komm mir sonst ein klein wenig nutzlos vor", gab der Jüngste im Raum beschämt zu. Niklas und seine Familie taten hier so viel für ihn und er tat praktisch gar nichts. Das war nicht in Ordnung.

*

"Momentan nicht, aber die nächsten Tage bräuchte ich euch zwei dann, um die ganzen Geschenksäcke auf die Schlitten zu bringen und mit mir die Anflugsorte und Zeiten genau zu ermitteln. Niklas kennt das ja schön", lächelte Santa und Niklas nickte grinsend, schnappte sich dann Tobias und verabschiedete sich von seinem Vater mit der Begründung, dann eben Caroline zu fragen.

So machten sie sich zurück ins Haus, um dort ihre Hilfe anzubieten. Denn langweilen sollten und wollten sie sich ja nicht. Doch zum Glück gab es ja genug Arbeit für alle!



Braune Blätter [Chaotizitaet]

19 – Cal



Langsam aber sicher machte sich Cal Sorgen um Josh. Nicht, dass er das je jemandem gegenüber zugegeben hätte, schon gar nicht Josh gegenüber. Bei Josh bestünde stets die Gefahr, dass dieser das als persönliches Interesse auffasste und das falsch interpretierte. Oh nein! Nicht, wo Cal doch so froh war, dass Josh sich endlich jemand anderem zugewendet hatte. Aber genau darin lag das Problem: Neil!

Die Tatsache, dass mit Neil irgendetwas nicht stimmte, etwas, das es diesem ermöglichte in beiden Ebenen zu existieren, trübte Joshs neugewonnenes Interesse an einem anderen Mann als Cal. Es nagte an dem Wächter und das war es, was Cal Sorgen bereitete. Denn wenn Josh innerlich von etwas aufgefressen wurde, neigte er dazu, unkonzentriert zu sein. Was natürlich zu Fehlern im Ritual führen konnte, oder dazu, dass er, wenn sie endlich das Rätsel gelöst hätten und tätig werden könnten, um die Bäume und die Welt zu retten, über seine eigenen Füße stolperte, ihre Pläne vermasselte und ähnliches. Aber viel naheliegender war, dass Josh sich demnächst bei seinem geistesabwesenden Zustand beim Limettenschneiden für die Caipirinhas in die Finger schneiden würde und in die nächstgelegene Notaufnahme gebracht werden müsste. Und das war es, was Cal momentan Sorgen machte. Natürlich machte er sich auch um die Rituale und die Welt im Allgemeinen Sorgen, aber Josh war nun mal auch sein Freund und als solchem wünschte ihm Cal keine Unfälle an den Hals.

Vielleicht sollte er noch mal mit Khamisi sprechen. Mit etwas Glück hatte das Observierungsteam endlich etwas herausgefunden, das ihnen auf die eine oder andere Weise weiterhelfen würde. Etwas, das Josh endlich aus seiner Ungewissheit, ob er mit dem Feind anbändelte oder nicht, erlöste.

Zu diesem Entschluss gelangt, betrat Cal erst gar nicht das Twice, durch dessen Frontfenster er Josh an der Theke beobachtet hatte, sondern ging direkt weiter zum Crucible Theatre. Er war froh, dass Josh ihm gestattet hatte, von dem Schlüssel eine Kopie anfertigen zu lassen. Natürlich nur unter dem hochheiligen Versprechen, Josh nach Ende der ganzen Geschichte die Kopie auszuhändigen. Aber es war ungleich bequemer nicht mit jeder Gruppe brauner Blätter, die er eingesammelt hatte, erst im Twice vorbeischauen zu müssen, bloß um den Schlüssel zu holen.

Wie immer, als er durch den Bereich hinter der Bühne schlich, kam sich Cal ein wenig merkwürdig vor, so, als täte er etwas abgrundtief Verbotenes. Aber im Gegensatz zu Josh hätte er seine Anwesenheit den dort Beschäftigten nicht wirklich erklären können und so vermied er es lieber, von der Theater-Crew gesehen zu werden. Zum Glück wusste er von früheren Besuchen mit Josh, dass die braunen Blätter einen bestimmten Abschnitt der Bestuhlung als ihr Territorium auserkoren hatten, so dass er nicht durch unkoordiniertes Suchen ungewollte Aufmerksamkeit auf sich lenkte. Inzwischen trugen ihn seine Füße fast von alleine in diese Richtung und er brauchte nicht lange Ausschau halten, ehe er die ersten Gestrandeten erblickte.

„Ist Khamisi da?“, fragte er das erste Blatt, das ihm begegnete, doch dieses zuckte nur mit den Schultern. Es war definitiv eines der neueren Blätter, denn Cal fiel in diesem Moment nicht einmal der Name ein. Bei den Blättern, die schon ein paar Tage da waren, war er mit den Gesichtern besser vertraut. Dann aber entdeckte er eines der Blätter, die bereit gewesen waren, bei der Suche nach weiteren Gestrandeten zu helfen. Und dieses wiederum konnte ihm sagen, dass Khamisi sich auf dem Vorplatz der Kathedrale aufhielt. Verdutzt darüber, wusste Cal doch nicht, was Khamisi dort wollte, dankte er dem Blatt und verließ das Theater genauso unbemerkt, wie er es betreten hatte.



Auf dem Platz vor der Kathedrale brauchte er nicht lange zu suchen, er entdeckte Khamisi fast auf Anhieb. Er schlenderte zu ihm hinüber und pinnte sich dann die Kabel seines Mobiltelefons an, damit es so aussah als würde er mit jemandem telefonieren und nicht Selbstgespräche führen. „Ist Neil hier?“

Khamisi war im ersten Moment überrascht, angesprochen zu werden, doch schnell hatte er sich wieder im Griff. Er schüttelte den Kopf. „Nein. Ich hab ein paar andere momentan auf ihn angesetzt. Ich bin hier, weil ich sehen will, ob ich hier auch die Anwesenheit der Blätter auf der anderen Ebene spüren kann.“

Cal war ein wenig irritiert. „Du kannst diejenigen, die in der Ebene der Lebenden gestrandet sind, spüren?“ Sogar ihm als Scout war das nicht möglich.

„Für gewöhnlich nicht. Gestern aber, als wir Neil gefolgt sind, waren sie plötzlich da. Ich mein, ich wusste, dass auch die andere Seite Neil beschatten lässt. Aber bislang hab ich sie nie gespürt.“

„Wo wart ihr gestern, dass du sie auf einmal fühlen konntest?“ Cal war neugierig geworden. Konnte es sein, dass die Ebenen Risse aufwiesen? Oder war das ein Hinweis darauf, wie sie ihr momentanes Problem lösen konnten?

„Draußen. Als ich Conrad später beschrieb, wo wir waren, meinte er, es wären die Creswell Crags“, erklärte Khamisi.

Cal nickte. „Soweit ich weiß, arbeitet Neil für eine der Organisationen, die diese Steinzeithöhlen untersuchen.“

„Deshalb haben wir uns zuerst auch nichts dabei gedacht. Dann aber haben wir festgestellt, dass wir auf einmal die anderen spüren konnten. Ich war nicht der einzige, dem es so ging.“

„Hm, vielleicht sollte ich nachher mal bei Joshua anfragen, ob seine Blätter etwas ähnliches gemeldet haben“, meinte Cal nachdenklich. Das wäre wohl das erste Mal, dass er freiwillig zu einem Spiegel griff, um den Wächter auf der anderen Seite zu kontaktieren.

„Ich habe mir überlegt, ob es vielleicht daran liegt, dass dort draußen bei den Höhlen niemand sonst war. Hier in der Stadt sind immer eine ganze Menge Menschen. Auch wenn man sich dessen nicht bewusst ist, so spürt man doch ihre Gegenwart. Wenn sie fehlt, spürt man plötzlich auch all das, was vorher von den anderen Menschen überlagert war.“ Khamisi klang beinahe schon aufgeregt, als er Cal diese Theorie vortrug. Doch der Scout hatte keinen Grund, an dieser Idee zu zweifeln. Er wusste, dass Khamisi, der aus einem kleinen namibischen Dorf stammte, gewohnt war, viele Dinge, besonders Gefahren, zu spüren, ehe man sie hören oder gar sehen konnte.

„Also habe ich mich gestern Nacht auf die Suche nach diesem Gefühl gemacht. Wenn die Menschen schlafen, ist ihre Anwesenheit gedämpfter...“

„Und so bist du auf die Kathedrale gestoßen?“, fragte Cal.

Khamisi nickte.

Cal lächelte. „Ich bin beeindruckt. Denn die braunen Blätter der anderen Seite sind tatsächlich in der Kathedrale untergebracht. Das hätte ich dir jederzeit sagen können, wenn du mich gefragt hättest, aber dass du in der Lage warst, es zu erspüren, ist vielleicht sogar besser. Denn wer weiß, wann wir deine besonderen Fähigkeiten noch brauchen werden.“

Khamisi schien noch mehr zu berichten zu haben, zögerte aber. Erst als er Cals wohlwollendem Blick begegnete, beschloss er weiter zu erzählen. „Die Gegenwart der anderen Blätter war nicht das einzige, was ich dort draußen bei den Höhlen gespürt habe...“

Aufmerksam hörte Cal zu. „Was war es? Hatte es etwas mit Neil zu tun?“

„Nicht so sehr mit Neil, glaube ich.“ Khamisi schüttelte den Kopf. „Mehr mit den Höhlen. Es war, als würde etwas in den Höhlen uns anziehen. Uns locken wollen, hineinzugehen. Aber ich mag solche Situationen nicht. Es fühlte sich zugleich ungut an. Als bestünde die Möglichkeit, dass wir hinterher die Höhlen nicht wieder verlassen könnten. Weshalb ich die anderen davon abgehalten habe, Neil in die Höhlen zu folgen. Er war auch nicht lange in den Höhlen. Nach vielleicht einer Viertelstunde kam er wieder heraus und fuhr in die Stadt zurück.“

„Also, an Neil selbst war nichts Ungewöhnliches, nur an den Höhlen?“, vergewisserte sich Cal. Das war zwar nicht gerade die Auskunft, auf die er im Hinblick auf Josh gehofft hatte, aber wenn sie mit den Höhlen eine zweite Merkwürdigkeit hatten, war er durchaus bereit, erst dieser Spur nachzugehen und Neil vorerst in Ruhe zu lassen. Wobei natürlich die Entdeckung mit den Höhlen wiederum mit Neil zusammenhing, aber das mochte bloßer Zufall sein.

„Ich weiß nicht, ob das Gefühl bei den Höhlen mit Neil zusammenhängt“, bestätigte nun auch Khamisi Cals Gedankengang. „Ich weiß auch nicht, ob vielleicht von der anderen Seite jemand Neil in die Höhlen gefolgt ist und sie mehr darüber wissen. Aber ich würde gerne die Höhlen noch mal untersuchen, wenn Neil nicht in der Nähe ist. Denn dann wüssten wir, ob das Gefühl mit Neil zusammenhängt oder nur mit den Höhlen.“

„Das klingt plausibel. Aber du solltest warten, bis ich mit Joshua gesprochen habe. Vielleicht können die Erkenntnisse von der anderen Seite helfen.“

„Ich würde auch gerne so viele braune Blätter mitnehmen, wie möglich. Dann können wir uns wie eine Menschenkette formieren und sollte irgendwas in den Höhlen auf uns lauern, dass uns daran hindert, die Höhlen wieder zu verlassen, bestünde zumindest die Chance, dass das andere Ende der Kette noch draußen ist und euch warnen kann.“

Cal nickte. „Eine Brotkrumenspur aus braunen Blättern. Wie bei Hänsel und Gretel. Keine schlechte Idee.“

„Mehr wie eine Eimerkette bei einer Löschaktion, aber ja.“ Khamisi grinste Cal an.

„Okay, dann lass mich mal einen Spiegel auftreiben, wo ich ungestört mit Joshua sprechen kann“, meinte Cal nur und verfluchte einmal mehr seine Sturheit, was das Nichtbesitzen eines Taschenspiegels betraf. Und extra einen kaufen wollte er jetzt natürlich auch nicht. Schweren Herzens gestand er sich ein, dass ihm wohl nichts anderes übrig blieb, als zu seinem Auto zurückzugehen, konnte er dort doch in Ruhe den Rückspiegel nutzen.



Wenig später war Cal wieder bei Khamisi auf dem Kirchplatz. Es war merkwürdig gewesen, sich direkt mit Joshua zu unterhalten. Aber immerhin hatte er herausgefunden, dass die andere Seite sich auch nicht getraut hatte, die Höhlen zu erforschen. „Zwar waren sie sich nicht sicher, ob ihr auch da wart“, erzählte er Khamisi, „oder ob das merkwürdige Gefühl nur von den Höhlen herrührte, aber sie haben auf jeden Fall davon Abstand genommen, die Höhlen zu betreten. Nachdem, was Joshua mir erzählt hat, wäre aber eine Gruppe ihrer Blätter durchaus bereit, sich mit euch zu treffen, um gemeinsam die Höhlen zu erforschen. Eine Absicherung auf beiden Ebenen kann so verkehrt nicht sein, oder?“

Khamisi hatte aufmerksam zugehört und nickte nun. Je mehr Leute von dem geplanten Unterfangen wussten und gegebenenfalls benachrichtigt werden konnten, wenn etwas schief ging, desto sicherer war es für sie alle.

„Ich habe mit ihm vereinbart, dass ihr euch in drei Stunden an den Creswell Crags treffen würdet. Das sollte dir ausreichend Zeit geben, all die braunen Blätter zusammen zu trommeln, von denen du der Ansicht bist, dass ihr Abenteuergeist hier hilfreich sein könnte.“

Khamisi nickte und verließ den Platz in Richtung Crucible Theatre. Cal war sich sicher, dass dieser wenig Probleme haben würde, ausreichend Freiwillige für die Erkundung der Höhlen zu finden. Denn im Gegensatz zu der eher eintönigen Arbeit, weitere braune Blätter aufzuspüren, war so eine Höhlenabenteuer doch ganz nach dem Herzen eines lebenslustigen Menschen, dessen Seele sich zufällig gerade verirrt hatte.

Er selbst würde wohl ins Büro zurückkehren. Die Sache mit den vielen gestrandeten Blättern hatte ihm diesen Monat kaum genug Zeit gelassen, den Berg E-Mails abzuarbeiten, der zwangsläufig aufgelaufen war, geschweige denn bei den Projekten auf dem Laufenden zu bleiben. Er konnte nur hoffen, dass seine Firma diesen desaströsen Monat überlebte und er nicht zu viele Kunden verlor.



Obwohl er sich mit den besten Vorsätzen an seinen Schreibtisch gesetzt hatte, musste Cal nach knapp einer Stunde genervt das Handtuch werfen. Zwar hatte er ein gutes Dutzend E-Mails beantwortet und vielleicht noch ein halbes Dutzend mehr gelesen, aber wirklich voran gebracht hatte ihn das nicht. Viel zu sehr war er mit den Gedanken bei der Erkundung der Höhlen. Hätte Khamisi nicht auch testen wollen, wie sich das Gelände anfühlte, wenn keine merkwürdigen Menschen anwesend waren – und wenn Cal ehrlich war, zählten Josh und er als Wächter und Scout vermutlich ebenso wie Neil zu diesen ‚merkwürdigen’ oder auch nicht ganz normalen Menschen –, hätte er sich mit Freuden dem Erkundungstrupp angeschlossen.

Er seufzte und beschloss, sich einen Tee zu kochen. Doch noch nicht einmal die Option, eine schön warme Henkeltasse umklammern zu können, beruhigte ihn und er tigerte so nervös in der Bürofläche seiner Firma umher, dass ihn schließlich Pete, einer seiner Projektmanager und Angestellter der ersten Stunde, abfing und zurück in die Teeküche verfrachtete.

„Bei aller Liebe, Chef. Ich weiß, du hast da momentan so etwas wie eine Familienkrise am brodeln, die dazu führt, dass du nur sporadisch hier auftauchst. Alles kein Problem. Irgendwie haben wir bislang die Projekte alle geschaukelt bekommen. Noch kein Kunde ist abgesprungen auch wenn es bei ein paar Projekten eng werden könnte, und wir eventuell so gar hier und da um die Vertragsverzugsstrafe nicht herum kommen. Aber alles kein Weltuntergang. Solange uns niemand von der Arbeit abhält. Allerdings ist ein nervös auf und ab marschierender Chef nicht gerade konzentrationsförderlich! Außerdem kommen in einer halben Stunde die Leute von Jennings & Hill zu einer letzten Projektstatusbesprechung, bevor bei ihnen für Weihnachten alles dicht gemacht wird. Wenn du dann noch da bist und dich so aufführst wie jetzt...“, stellte er Cal zur Rede.

Ein wenig irritiert sah dieser seinen Projektmanager an. Gewiss, er erinnerte sich noch daran, am Anfang des Monats etwas von Familienkrise angeführt zu haben, um seine häufige Abwesenheit zu erklären. Er konnte ja schlecht den Weltuntergang verkünden und offenbaren, dass er seine Tage neuerdings überwiegend damit verbrachte, gestrandete Seelen zu suchen. Seine Angestellten hätten ihn vermutlich postwendend in die psychiatrische Abteilung des Krankenhauses gebracht, damit man ihn einmal gründlich auf seinen Geisteszustand hin untersuchte. Er war sich auch bewusst, dass er seinen Angestellten eine ganze Menge abverlangte, aber so wie es aussah, konnte er sich auf die Truppe verlassen, wenn Pete Recht hatte und alle Projekte noch im Lot waren. Und nach den E-Mail-Überschriften, die Cal vorhin überflogen hatte, hatte Pete Recht. Allein dafür, dass alles noch so am Laufen war, verdiente vermutlich vor allem sein Projektmanager seinen Dank und wenigstens eine kleine Gehaltserhöhung. Und da war es nur angemessen, wenn er dessen Worte jetzt ernst nahm und nicht zum Stolperstein bei einem wichtigen Projekt mutierte. Aber es war reichlich ernüchternd, als Chef der Firma von seinem Angestellten wieder in die Realität zurückgeholt werden zu müssen. Nicht so sehr in Bezug auf Weihnachten, auch wenn er dieses Fest für den Moment glatt verdrängt hatte, sondern in Bezug auf seine mangelnde Arbeitseignung. Es war sogar richtig deprimierend. Denn genau betrachtet, hatte ihn sein Angestellter – leider zu Recht – von einer wichtigen Besprechung ausgeschlossen. Cal schüttelte den Kopf, um die wirren Gedanken wenigstens für kurze Zeit zu vertreiben. „In Ordnung, du hast ja Recht. Vielleicht... es war in letzter Zeit alles etwas viel. Ich denke, ich werde nach Hause fahren, mich unter die Dusche stellen, bis ich wieder klar denken kann und hoffen, dass morgen alles besser ist.“

„Weiser Entschluss!“ Pete grinste ihn an und scheuchte ihn dann spielerisch zu seinem Schreibtisch zurück, wo Mantel und Autoschlüssel auf ihn warteten.



Statt nach Hause zu fahren, fuhr Cal ins Twice. Er wusste zwar, dass er diesen Ort, wenn es nicht gerade um braune Blätter ging, mied wie eine hochinfektiöse Krankheit, aber an diesem Tag war es der einzige Ort, wo er sein wollte. Nicht wegen Josh. Noch nicht einmal, um selbst ein Auge auf Neil zu haben. Nein, es war schlicht so, dass das Twice der Ort wäre, wohin Khamisis Gruppe im Falle des Falles eine Nachricht schicken würden. Natürlich war es noch viel zu früh dafür, schließlich war es ja noch nicht einmal so weit, dass die braunen Blätter sich an der Höhle treffen würden. Aber Cal wusste, dass das Twice der einzige Ort wäre, wo er die Warterei aushalten würde.



19. Dezember [Laila]
Wir sind unsterblich
Nuada und Galahad

Wachsam wanderten Nuadas Blicke über das Schlachtfeld. Aber hier lebte niemand mehr. Alle waren sie tot. Genau wie er und Galahad.
Beide Vampire führten ein unsterbliches Leben.
Als Menschen waren sie Römer gewesen und hatten Caesar gedient. In einer Schlacht wurden sie von Vampiren angegriffen und ebenfalls verwandelt. Seit diesem Punkt waren beide Männer heimatlos.
Sie waren Krieger und verdienten sich ihren Lebensunterhalt als Söldner. Der Kampf und ihre Liebe zueinander gab ihnen Halt und war Bestandteil der Ewigkeit.
Grinsend kam Galahad auf ihn zu. In beiden Händen Schwerter und einen Krummsäbel.
„Sieh dir die Beute an? Damit kann man etwas anfangen und wir können sie verkaufen,“ sagte er.
Seine unbändigen, langen, dunklen Haare wehten im sanften Wind und ließen Nuada lächeln. Er liebte seinen verrückten Römer.
„Dann können wir auch mal wieder in einem richten Bett schlafen, wenn wir Geld haben. Aber im Moment, würde mir ein heißes Bad mehr zusagen.“
Ohne weiter auf die Waffen zu achten, warf er sich in Galahads Arme und küsste ihn.