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20

Catching Santa Claus [Ira]

Türchen 20

Vorsichtig, damit auch nichts umfiel, balancierte Tobias ein voll beladenes Tablett die Treppe rauf.

Er war schon wieder vor Niklas wach gewesen und so hatte er sich dazu entschlossen, Frühstück zu holen, damit sie mal wieder im Bett Frühstücken konnten. Das hatte seinem Engelchen bei ihm ja so gefallen.

Und weil Caroline ihren Sohn und dessen Freund nicht verhungern lassen wollte, war mehr als genug zu essen da.

Vorsichtig öffnete der Braunhaarige die Tür mit dem Ellenbogen und trug dann alles zum Bett, stellte es davor auf den Boden.

Dann krabbelte der Jüngere aufs Bett, beugte sich über Niklas und begann sanft an dem Ohrläppchen zu knabbern, das er gerade erreichen konnte. Mit Küssen und streicheln bekam Tobi seinen Freund wach, jetzt wollte er es mal mit der Methode versuchen.

*

Niklas schlummerte friedlich vor sich hin und war gerade in einem Traum mit Tobias und ihm gefangen, als etwas an seinem Ohr zog. Ein leises Kitzeln, fast ein Ziehen - und vollkommen ungewohnt. Was war das nur?

Mühsam kämpfte sich Niklas aus seinem Unterbewusstsein nach oben, um dies herauszufinden. So erwachte er und drehte den Kopf, um gleich in Tobis Gesicht zu blicken. "Hm... warst du das?"

*

"Morgen Engelchen. Die Sonne lacht und das Frühstück wartet auf dich", grinste Tobias breit und knabberte dann wieder am Ohrläppchen. "Und ja, das war ich. Ich versuche herauszufinden, womit ich dich sanft wecken kann."

Danach hauchte er einen sanften Kuss auf die einladenden Lippen. So müde und zerknautscht sah sein Freund einfach zum Anbeißen aus.

*

"Oh Mann, du warst schon wieder eher wach! Ich bin ganz schön faul geworden seitdem ich dich kenne. Normalerweise bin ich kurz vor Sonnenaufgang wach geworden und habe zu arbeiten begonnen, jetzt liege ich sogar länger als du in den Federn!", seufzte Niklas gequält und zog Tobi zur Strafe auf sich, küsste ihn liebevoll auf die Lippen.

*

Der Braunhaarige wollte noch etwas sagen, aber als er den Mund so wirkungsvoll verboten bekam, ließ Tobi es bleiben und erwiderte lieber den Kuss.

"Ich kann dir auch in Zukunft den Wecker stellen, damit du wieder früher aufwachst", bot Tobi an und leckte über die weichen Lippen des Blonden. "Wie sieht es mit Frühstück aus? Du musst nicht einmal aufstehen, weil ich es mit hoch gebracht habe."

*

"Oh Mann, siehst du! Du verwöhnst mich viel zu sehr. Es ist so schön mit dir im Bett, dass ich früh nicht mehr aufwache und den Tag beginnen will, weil ich Langeweile habe. Nur wegen dir schlafe ich doch so lange und ich weiß nicht ob ein Wecker das verhindern könnte", grinste Niklas und ließ seine Hände über Tobis Seiten gleiten. "Frühstück klingt gut... ."

*

"Ich verwöhne dich eben, weil ich dich liebe und weil ich es dir durch solch kleinen Gesten immer wieder zeigen kann", antwortete Tobias einfach, während er die streichelnden Hände genoss.

"Du kannst nach dem Essen noch ein wenig kuscheln, den das wird sonst kalt. Deine Mutter hat Frühstückseier gemacht und Tee für uns. Und überhaupt hat sie viel zu viel drauf gepackt. So kommt es mir zumindest vor", kicherte Tobi, stahl sich noch einen Kuss, bevor er sich bedauernd von seinem Freund löste und das Tablett ins Bett holte.

*

Bedauernd blickte Niklas seinem Freund hinterher. Gerade war ein guter Moment gewesen nochmal die Sache mit ihrem Sex anzusprechen, dass Nik weiter gehen wollte. Und nun war die Gelegenheit vorbei.

"Ja, meine Mutter packt immer zu viel drauf. Wir könnten ja verhungern!", grinste er dann und seine Augen strahlten als Tobi das Tablett aufs Bett hob. "Lecker!"

*

"Das kenne ich von meiner Mutter", murmelte Tobias und setzte sich dann richtig hin, damit er essen konnte. "Ja, es sieht lecker aus, es riecht auch so und es schmeckt auch."

Zufrieden griff sich der Braunhaarige ein Brötchen, belegte es für Niklas mit Wurst und reichte es ihm dann. Danach machte er sich eines mit Butter und köpfte sein Ei.

*

}|{

"Verabschiede dich von ihm und dann können wir rüber", lächelte Niklas und betrachtete das kleine Rentier, dass es sich auf Tobis Schoß gemütlich gemacht hatte. Nach einem langen Frühstück waren sie gemeinsam duschen und danach in die Werkstatt gegangen, um mit Santa gemeinsam schon einmal einen Teil der diesjährigen Flugroute zu planen.

Kurz darauf hatten sie sich im Rentierstall eingefunden, wo sie nun schon seit gut einer Stunde standen. Niklas hatte die Ställe gereinigt, während Tobi weiter Bande mit Yuki knüpfte. Die beiden waren jetzt schon ein Herz und eine Seele und Niklas war schon beinahe Eifersüchtig.

*

"Ich weiß noch nicht, ob ich nachher noch einmal komme, Yuki. Aber ich werde sehen, was sich machen lässt", versprach der Braunhaarige, strich dem Kleinen noch einmal über den Kopf und ließ sich von ihm abschlecken.

Leise lachend hob er dann Yuki von sich runter, stand auf und verabschiedete sich auch von Yrene.

"Ich muss dann erst noch schnell ins Bad, Händewaschen", erklärte Tobias. Trotz des üppigen Frühstücks hatte er schon wieder Hunger.

Zusammen machten sich die beiden jungen Männer auf den Weg ins Haus und nach einem kurzen Stop im Bad, betraten sie die Küche.

Allerdings hätte Tobias am liebsten wieder denselben Weg zurück eingeschlagen, als er Michel sah.

*

Auch Niklas stockte, als er Michel am Tisch erblickte, doch dann funkelte er seinen Bruder nur wütend an und drückte Tobias an sich. Gemeinsam gingen sie zum Tisch und setzten sich auf ihre Plätze, dabei Michel vollkommen ignorierend. "Wie ich sehe hast du den Hausarrest aufgehoben, Dad!"

*

"Nur fürs Essen", erklärte Santa und reichte dann die Schüssel mit den Kartoffeln herum.

"Aber wir sollten nachher trotzdem noch reden. Das muss aus der Welt geschafft werden", war Carols Meinung dazu.

Tobias wollte eigentlich gar nicht, aber er musste in der Zukunft mit Michel auskommen, also mussten sie irgendwann mal reden. Vorsichtig nickte der Braunhaarige.

*

Typisch seine Mutter, immer war sie für Frieden! Dabei war Niklas immer noch danach seinen Bruder zusammen zu schlagen, weil er Tobi das alles angetan hatte.

Aber er war erwachsen und würde Michel anhören, in der Hoffnung, dass Tobi dann seine Qual vergessen würde.

So begann er einfach zu essen. Michel würde nachher auf sie zukommen müssen.

*

Tobias füllte sich einen Teller ebenfalls und begann dann mit Essen.

Aber je mehr es zum Ende hing ging, desto langsamer aß er. Sein Kopf lieferte ihm die ganzen Ereignisse wieder, die er wegen Michel hatte erdulden müssen und er wollte nicht reden.

Er wollte sich lieber in Niklas Zimmer verkriechen. Nach Hilfe suchend blickte er sich um und fing dann einen aufmunternden Blick von Carol auf.

*

Niklas bemerkte die Unruhe seines Geliebten und legte ihm beruhigend eine Hand auf den Oberschenkel, streichelte diesen rauf und runter, während er mit der freien Hand weiter aß.

Er spürte Michels Blicke auf sich und erwiderte sie mit wütenden. Der Blonde konnte nur für Michel hoffen, dass dieser nachher das Richtige sagte!

*

Ein wenig beruhigte der Braunhaarige sich, war dankbar über Niklas Anwesenheit und dessen Bemühungen, ihn zu beruhigen.

Wenn es nach Tobias ging, hätte er das Ganze am Liebsten schon hinter sich. Aber es ging ja leider nicht nach ihm. Leise seufzte der 23-Jährige auf, bevor er schließlich sein Essen beendete. Es schmeckte wirklich großartig, aber so wirklich Appetit hatte er in Anbetracht was in den nächsten Minuten passierten würde, nicht.

*

Und dann erhob sich Michel und blickte abwartend auf Niklas und Tobias. "Ich würde gerne mit euch drüben im Wohnzimmer reden!", bat er und Niklas erhob sich mit ernstem Gesicht, zog Tobias dann ebenfalls hoch und zu dritt gingen sie ins Wohnzimmer rüber.

*

Tief durchatmend folgte Tobias seinem Freund und dessen Bruder ins Wohnzimmer.

Carol und Santa würden nur eingreifen, wenn es laut werden würde. Die drei Jungs waren alt genug, um so etwas alleine zu regeln.

Im Wohnzimmer setzten sie sich alle hin: Michel in einen der Sessel und Niklas mit Tobias auf die Couch. Dort kuschelte sich der Spielzuegmacher an seinen Freund, er braucht jetzt das Wissen, dass sein Freund ihm half.

*

Niklas würde nicht beginnen, das schwor er sich. So zog er Tobias nur fest in die Arme und starrte abwartend Michel an, der sich nun räusperte. "Also... ich hab darüber nachgedacht was alles passiert ist und... ."

*

"Und... wie es soweit kommen konnte. Ich war Eifersüchtig. Weil du Papas Liebling bist, weil du das werden darfst was ich mir seitdem ich klein war gewünscht habe. Weil du die Chance hattest, den Menschen für dein Leben zu finden", murmelte Michel, vermied es aber, seinen großen Bruder anzusehen.

"Und weil ich an dich nicht heran kam, habe ich Tobias so übel mitgespielt."

*

"Ja, das habe ich gemerkt!", brummte Niklas. "Ich muss dir leider sagen, dass du komplett falsch liegst und falschen Zielen hinterher rennst! Du hast die Chance den Menschen für dein Leben zu finden. Nichts hält dich hier, du kannst in alle Länder der Welt reisen, ohne Verpflichtungen zu haben. Aber ich nicht!

Was denkst du warum ich weglief Michel? Glaub mir, Weihnachtsmann zu werden oder zu sein, ist nicht so rosig wie du dir das immer vorstellst. Du hast kein eigenes Leben mehr, bis 365 Tage im Jahr nur für dieses Fest zuständig.
Du willst es nur werden weil ich es bin und weil du dir Ruhm dadurch erhoffst, Michel. Aber auch das ist nicht so, denn fast niemand glaubt mehr an den Weihnachtsmann!", klärte Niklas seinen Bruder auf.

*

Michel schwieg und ließ sich die Worte seines Bruders durch den Kopf gehen. So hatte er das ja noch nie gesehen.

Er hatte halt mitbekommen, das ihr Vater Niklas bevorzugte, mehr Zeit mit ihm verbrachte und das hatte ihn neidisch gemacht, denn für ihn hatte Santa nie Zeit gehabt oder sich einfach welche genommen.

Und wegen dem Ruhm hatte er das wohl auch gemacht.

"Tut... tut mir leid, Niklas. Ich wusste nicht, dass das mit dem Weihnachtsmann auch so aussieht."

*

"Ja weil du nie wirklich zugesehen und zugehört hast. Andauernd habe ich mit Dad gestritten. Nur dank meiner Auszeit und dank Tobias vertragen wir uns wieder.
Ich wollte immer, dass es ein anderer macht, weil ich sehr unglücklich war, aber du hast immer nur dich gesehen. Und anstatt das du mit mir redest, sabotierst du unsere Maschinen und entführst meinen Freund!", brauste Niklas nun gleich wieder auf. "Mensch Michel, hast du eigentlich nachgedacht, als du das alles gemacht hast? Du hättest Tobi ernsthaft verletzen können!!"

*

Tobias war es noch immer nicht gewöhnt, dass sein sanftmütiges Engelchen auch mal so laut werden konnte. Deswegen klammerte er sich auch fester an Niklas. Vielleicht konnte er ihn so ein wenig beruhigen.


Bei dem lauten Ton zuckte Michel zusammen und ließ seinen Kopf hängen. Er hatte wirklich Mist gebaut. Großen sogar.

Auch hatte er nie überlegt, was Tobias alles passieren konnte und wenn er jetzt so nachdachte, hätte er ihn beinahe verrückt gemacht, mit der Sache die er in der Hütte abgezogen hatte.

"Es tut mir leid, Tobias", wisperte er leise, traute sich immer noch nicht jemanden anzusehen.


Gut, Michel hatte sich entschuldigt, aber das ließ auch nicht alles ungeschehen werden. Der Braunhaarige griff sich ein Herz und erklärte. "Ich weiß noch nicht, ob ich dir so schnell wieder vertrauen und mit dir ganz normal umgehen kann, aber ich werde es versuchen, Michel."

*

"Danke...", murmelte Niklas' kleiner Bruder und war froh, dass es Tobias wenigstens versuchen wollte. Nun sah er wieder ängstlich zu Niklas. "Nik... es tut mir wirklich leid und ich werde das nächste Mal wenn ich ein Problem habe zu dir kommen oder sehr lange darüber nachdenken, bevor ich etwas unternehme...", murmelte er. "Bitte sei mir nicht mehr böse. Du bist doch mein Bruder... ."

Niklas wollt wirklich standhaft bleiben und Michel nicht verzeihen, doch bei dessen bettelnden Blick und den Worten... sie waren Brüder, ja. Und Nik liebte Michel. Und doch war er schwer enttäuscht worden.

*

Als Niklas immer noch nichts sagte, senkte Michel seinen Kopf wieder. Er konnte ja Niklas verstehen, aber sie beide konnten sich doch nicht bis zum Ende ihres Lebens hassen.

"Es muss ja nicht sofort sein", murmelte der Dunkelhaarige leise, bevor Michel aufstand und aus dem Wohnzimmer schlurfte, mit hängenden Schultern.

Er hatte wirklich Mist gebaut und wünschte sich jetzt ganz weit weg -möglichst zum Mond - denn dort konnte er seinem Bruder nicht mehr wehtun.

*

Nun blickte Niklas Michel hinterher und spürte wie sein Herz schwer wurde. "Oh Mann... ich kann ihm nicht lange böse sein. Er ist doch mein Bruder...", flüsterte er leise und entschuldigend zu Tobias, bevor er sich erhob und Michel folgte. "Hey, kleiner Bruder. Mach das nochmal und ich verzeihe dir nie wieder!", begann er und grinste Michel leicht an. "Doch jetzt hast du nochmal eine zweite Chance verdient. Und stell dich mit meinem Tobias gut!", mahnte Nik und Michel warf sich in seine Arme.

*

Tobias blickte seinem Freund weich lächelnd hinterher. Es war wirklich wichtig, dass die beiden Brüder sich wieder verstanden. Da würde er nur stören. So blieb Tobias einfach sitzen, legte seinen Kopf in den Nacken und schloss die Augen. So konnte er sich für die kurze Zeit vorstellen, Niki wäre bei ihm.


Michel viel indes ein ganzes Gebirge vom Herz und so kuschelte er sich etwas mehr in die starken Arme seines Bruders. "Danke, Niklas. Du wirst es nicht bereuen und natürlich werde ich mich mit deinem Freund gut stellen. Familie ist mir wichtig und ich sehe jetzt ein, was ich alles angestellt habe, woran ich schuld bin."

*

"Na dann bist du noch lernfähig Michel. Und ich bin für dich da... wenn ich nicht wieder von Papa mit Aufgaben bombardiert werde", seufzte Nik und wuschelte Michel durchs Haar.

Nach einer kleinen Weile lösten sich die beiden Brüder und Michel erinnerte sich an sein Zimmerarrest, den Santa immer noch nicht aufgehoben hatte. Also schlurfte er nach oben, während Niklas zu Tobi zurück ging und diesen liebevoll auf die Lippen küsste.

*

Der Spielzeugmacher erwiderte mit geschlossenen Augen den Kuss und schlang seine Arme um Niklas.

"Habt ihr euch wieder zusammengerissen?", wollte er neugierig wissen, nachdem sich ihre Lippen wieder getrennt hatten.

Erst dann öffnete er seine Augen, versank in den blauen Augen seines Freundes. Tobi würde es nicht aushalten, mit seinen Freunden über längere Zeit zu streiten und sich nicht zu sprechen. Niklas ging es bestimmt auch so.

*

"Ich hab ihm eine zweite Chance gegeben und ich habe ihm geraten sich mit dir gut zu stellen!", erzählte Niklas und setzte sich neben Tobi, zog diesen dann auf seinen Schoß. "Ich konnte ihm einfach nicht ewig lange böse sein. Ich habe ihn geschlagen und das hat ihn so oder so am meisten schockiert.“

*

Gleich kuschelte sich der Braunhaarige an die Brust vor sich. "Für dich werde ich versuchen, mit deinem kleinen Bruder auszukommen. Aber ich weiß nicht, ob das so schnell wieder wird. Immerhin hat er mich ja entführt", erklärte Tobi und hauchte einen Kuss auf den verführerischen Hals vor seiner Nase.

"Das glaube ich dir gerne, wenn du ihn davor noch nie geschlagen hast. Das erste Mal ist immer ein Schock und wenn es dann der eigene Bruder ist, sogar noch mehr."

Ob sie Niklas Eltern sagen sollten, wie das Gespräch gelaufen war? "Sollten wir deinen Eltern sagen, was hier besprochen wurde?"

*

"Ja das sollten wir! Mum macht sich doch so schon genug Sorgen und Dad will vielleicht auch wissen ob wir uns nun wieder vertragen haben", überlegte Niklas und zog Tobi noch fester an sich, anstatt ihn loszulassen. “Aber vorher musst du mich nochmal lieb haben und küssen. Danach können wir immer noch erzählen wie alles gelaufen ist...", versicherte Niklas frech grinsend und presste dann seine Lippen auf die seines Freundes.

*

Tobi lachte leise und erwiderte den Kuss, mit aller Liebe die er für seinen blonden Freund empfand.

Schwer atmend trennte er sich nach einer Weile von den süchtig machenden Lippen und rutschte dann von Niklas Schoß.

Er griff sich die Hand des Älteren und macht sich dann mit ihm auf die Suche nach dessen Eltern, um ihnen den Verlauf des Gespräches zu erzählen.




Braune Blätter [Chaotizitaet]

20 – Neil



Neil war froh darüber, sich zum Kauf eines einfachen Handys durchgerungen zu haben. Damit hatte er es weitestgehend vermeiden können, im falschen Twice aufzuschlagen. Einfach eine kurze Textnachricht an Josh schicken und schon war es beinahe garantiert, dass er die Bar mit dem an ihm interessierten Barkeeper betrat. Denn auch wenn er noch nicht wusste, wie das sein konnte, hatte er doch erkennen müssen, dass es diese Bar zweimal gab. Wenn man genauer hinsah, erkannte man sogar winzige Unterschiede. Und damit meinte er jetzt nicht so etwas Gravierendes wie die Bereitschaft des Barkeepers, mit ihm zu flirten. Obwohl es natürlich weitaus angenehmer war, in dem Twice zu sein, in dem Josh ihn stets mit einem Lächeln begrüßte, statt in jenem Twice, wo er mit ansehen musste, wie der Barkeeper diesen Cal küsste. Aber Neil war schon zu lange auf dieser Welt, um sich von so etwas wie einer doppelten Bar aus dem Konzept bringen zu lassen. Schließlich gab es mehr Dinge zwischen Himmel und Erde als sogar er je begreifen würde.

Doch auch ‚sein’ Josh, wie er ihn heimlich zur Unterscheidung von dem anderen Josh nannte, schien in letzter Zeit angespannt auf seine Gegenwart zu reagieren, nicht mehr so locker, wie noch an ihrem ersten Abend. Und heute schien es ganz besonders schlimm zu sein. Aber das mochte auch daran liegen, dass Cal heute an einem der Tische saß und immer wieder zu ihnen hinüberblickte.

Neil beugte sich ein wenig über den Tresen. „Sag mal, ich dachte, dein Projektpartner wäre hetero... Weshalb starrt er uns dann heute so an, als wäre er eifersüchtig oder so?“

Josh zuckte mit den Schultern und trocknete den Cocktailshaker. „Er ist hetero. Glaub mir, ich hab viel zu lange an ihm gebaggert und ihn beinahe gestalkt, um zu wissen, dass er zu hundertzehn Prozent hetero ist. Auch wenn sein Geschmack bei Frauen beizeiten etwas zu wünschen übrig lässt.“ Er zwinkerte Neil verschwörerisch zu. Sie beide hatten nicht sonderlich viel von der Mamsell gehalten, die sie seinerzeit zusammen mit Cal aus dem Peak gerettet hatten.

„Wartet er dann vielleicht darauf, dass du dich von mir losreißt und ihr an eurem Projekt weiterarbeiten könnt?“, fragte Neil weiter und versuchte den leichten Tonfall beizubehalten. Leicht aber fiel es ihm nicht. Dieses Starren ging ihm ehrlich gesagt ziemlich auf die Nerven.

„Wir können erst um neun Uhr wieder an dem Projekt weiterarbeiten. Hat etwas mit Energie zu tun. Der Speicher muss sich erst wieder aufladen“, erklärte Josh ohne bezüglich des Projektes näher ins Details zu gehen.

„Dann ist er also nur hier, weil ihm langweilig ist?“, mutmaßte Neil ein wenig ungläubig.

„Oder vielleicht, weil er hier die besten Mince Pies der Stadt bekommen kann?“, konterte Josh und wies auf die vielen Gäste, die gerade jetzt zum Tee diese weihnachtliche Süßigkeit genossen.

„Okay, das wäre natürlich auch eine Möglichkeit. Aber ob es tatsächlich die besten Mince Pies der Stadt sind...“ Spielerisch grinste Neil Josh an.

„Du kannst dir ja gerne von jedem Betrieb – sei es Bäckerei, Konditorei oder Restaurant – eine Kostprobe holen und probieren, wo es die besten Mince Pies gibt. Aber abgesehen davon, dass dir nach spätestens dem ersten Dutzend schlecht würde, wäre es kein fairer Vergleich. Denn natürlich trägt die Umgebung, in der so ein Mince Pie verzehrt werden soll, maßgeblich zum Geschmack bei“, erklärte Josh als wäre es das Selbstverständlichste der Welt.

„So?“ Herausfordernd zog Neil die Augenbrauen hoch.

„Nimm einmal unsere Mince Pies. Sie sollen hier, im Twice, mit Brandy Butter und Klavierbegleitung genossen werden. Die Bäckerei um die Ecke, die auch recht passable Mince Pies herstellt, fertigt dagegen Ware, die am besten ofenfrisch genossen werden soll, ohne Brandy Butter, weil die meisten Kunden die Pies auf die Hand kaufen und sofort essen. Diese Kunden wollen hinterher keine klebrigen Fettfinger haben. Sie wollen ein warmes Stück Gebäck, dass ihnen besonders bei der Kälte draußen schmeckt. Ein Konditor hingegen würde besonderen Wert auf das Aussehen legen. Neben dem Geschmack natürlich. Schließlich werden seine Pies hübsch in Schachteln verpackt und sollen auch den Transport unbeschadet überstehen. Der Konditor wird also vermutlich den Teig ein klein wenig dicker machen als etwa Heather hier im Twice. Da hier die Brandy Butter eh den Teig mit durchtränkt und die heiße Füllung von innen ihr Übriges tut, sollte der Pie gerade zu unter der Gabel zerbröseln. Der Konditor wird vermutlich noch mit Puderzucker ein hübsches Motiv auf den Deckel zaubern, was hier im Twice oder auch in der Bäckerei vergebene Liebesmüh wäre. Besonders beim Bäcker wäre es für die Kunden ärgerlich, die sich hinterher den weißen Staub von den Kleidern klopfen müssen.“

„Wow, das nenn ich mal eine ausführliche Erklärung. Aber so betrachtet hast du vermutlich Recht“, erwiderte Neil lachend. „Und so betrachtet, gibt es hier wohl mit Sicherheit die besten Mince Pies, die dazu gedacht sind, als Kleinigkeit oder Dessert zusammen mit Brandy Butter und Klavierspiel gegessen zu werden.“

„Erfasst!“ Josh grinste verschmitzt.

„Und, welche Dinge hast du noch auf der Karte, die in Anbetracht des Ambientes als Beste der Stadt gelten können?“

„Hast du vor, dich durch die Karte zu schlemmen?“, fragte Josh und vergaß über die Plänkelei zum ersten Mal seit langem die Nervosität, die er seit Conrads Auftauchen sonst in Neils Gegenwart verspürt hatte.

„Wer weiß? Vielleicht nicht an einem Stück, aber so nach und nach...“

„Nach und nach will ich dir auch geraten haben. Denn die Karte schließt auch die Cocktails mit ein und ich wage zu behaupten, dass der Mojito unter anderem auch in die Kategorie ‚Bester in der Stadt’ fällt. Dazu noch ein paar andere Dinge... Es wäre unverantwortlich von mir, zuzulassen, dass du dich so sehr betrinkst. Abgesehen davon, dass es mich meine Lizenz kosten könnte, schließlich sieht das Gesetz vor, dass ich einem offenkundig Betrunkenen keinen Alkohol mehr ausschenken darf.“

„So, so, der Mojito also?“, fragte Neil und zog spielerisch eine Karte hinüber, um sie genau zu studieren. „Aber komatös hier vom Hocker zu gleiten hätte auch etwas. Denn dann würdest du sicher als verantwortungsbewusster Barbesitzer Wiederbelebungsmaßnahmen betreiben.“ Ungesagt ließ er, dass er dem Alkohol eh abgeschworen hatte und somit wohl kaum in den vermeintlichen Genuss komatöser Wiederbelebung käme.

„Oder auch nur anleiten“, konterte Josh. „Heather ist bei uns die ausgebildete Ersthelferin. Macht auch mehr Sinn, schließlich ist das Verletzungsrisiko in der Küche höher als hier draußen im Gastraum.“

„Möp. Du würdest wirklich deine Köchin bitten, mich aus dem Koma wach zu küssen, statt es selbst zu übernehmen?“ Neil schob ein wenig schmollend die Unterlippe vor.

„Also, wach küssen als Wiederbelebungsmaßnahme mag ja bei Dornröschen funktionieren, aber die werte Dame hat sich an einer Spindel gestochen und nicht mit Alkohol so betrunken, dass sie nicht mehr ansprechbar war.“

„Hinterher... Du hast ja keine Ahnung, wie es bei Dornröschens Hochzeit zuging. Nach hundert Jahren Schlaf war die Gute reichlich am Verdursten, und weil es traditionell zu einer königlichen Hochzeit nur Wein vom Feinsten gibt... Ich bezweifle, dass in der Hochzeitsnacht groß was zwischen ihr und dem Prinzen gelaufen ist. Obwohl ich mir sicher bin, der Prinz hat sein Bestes gegeben, seine Braut wieder und wieder wach zu küssen.“

„Du hast doch ’ne Vollmeise!“, empörte sich Josh und schlug lachend mit dem Barhandtuch nach Neil.

„Nein, hab ich nicht. Ich hab... einen Star...“ Irritiert sah Neil auf den kleinen, schwarzen, weißgepunkteten Vogel, der soeben ins Twice und direkt auf ihn zugeflattert kam. Instinktiv hob er die Hand, damit der Vogel auf seinem ausgestreckten Finger landen konnte. Dann legte sich etwas wie Erkennen auf sein Gesicht.

Kaum hatte das kleine, gefiederte Tier Neil erreicht, erfüllte aufgeregtes Gezwitscher den Thekenbereich.

Aufmerksam hörte ihm Neil zu, nickte, wurde blass und begann schließlich dem Vogel in Punkto aufgeregt sein in nichts nachzustehen. Das konnte... das durfte nicht sein!

Josh sah dem Ganzen nur sprachlos zu.

Endlich endete das Gezwitscher, doch statt eine Erklärung dafür abzugeben, wie es kam, dass er den Star offenbar verstanden hatte, sprang Neil nur auf und rief: „Ich muss los.“



Mousse au chocolat
[Jabba]
Vielen Dank an Christof für's optimierte Rezept!


Für 4 Personen

150g Schokolade 60% Kakao (z.B. J.D. Gross - Amazonas Edelcacao 60% [Lidl])
3 mittlere Eier: 61g Eigelb
114g Eiweiß
60g Zucker
19g Kakao schwach entölt
2cl Grand Marnier
200ml Sahne

Zubereitung:
Schokolade in kleine Stücke brechen und zusammen mit 50ml Sahne über dem Wasserbad (Wasser darf nicht kochen) schmelzen und gut miteinander vermischen. (geduldig sein!!!)
150ml Sahne steif schlagen.
Die Eier trennen.
Eiweiße schlagen. In den halb steifen Eischnee 20g Zucker einrühren und vollends steif schlagen.
Eigelbe und 40g Zucker über dem Wasserbad schaumig/cremig schlagen. Der Zucker muß aufgelöst sein. Unter weiterem schlagen den Kakao unterrühren.
Schüssel vom Wasserbad nehmen und den Grand Marnier und anschließend die geschmolzene Schokolade unter die Eigelbmasse rühren.
Die geschlagene Sahne und anschließend den Eischnee vorsichtig mit einem Teigschaber unterziehen.
Die Mousse in eine Schüssel füllen, mit Frischhaltefolie abdecken und mehrere Stunden (am besten über Nacht!) im Kühlschrank fest werden lassen.




20. Dezember [Laila]
Auf in die Schlacht
Thure und Björn

Unruhig stand Björn an Deck des gewaltigen Schlachtschiffes und sah auf das schwarze Meer. Es war mitten in der Nacht.
Nur einzeln brannten an Deck an paar Lampen.
Kurz schweifte sein Blick zu ein paar Seeleuten, die ihre Runde machten.
Morgen würden sie in die Schlacht ziehen. Das Land war nicht mehr weit. Björn hasste den Krieg. Dennoch stand er nun hier.
„Woran denkst du mein Hübscher?“
Starke Arme umschlangen seinen Leib und pressten ihn näher an die Reling. Hart drückte sich Thure an ihn und hauchte einen Kuss auf seine Wange.
Björn gab einen kurzen Laut von sich und schmiegte sich fester in die Umarmung.
„Müssen wir das hier wirklich tun? Müssen wir kämpfen? Viele dieser Männer werden sterben,“ flüsterte er gegen den Wind.
Der Geliebte in seinem Rücken versteifte sich etwas. Diese Diskussion hatten sie schon so oft geführt. Viel zu oft.
„Ich weiß, mein Liebster. Aber wir müssen das tun. Komm lass uns unter Deck gehen. Ich wüsste etwas Besseres als hier zu stehen und zu reden.“
Ein breites Grinsen erschien auf seinen Zügen und Björn wusste zu deutlich an was sein Liebster dachte.
Er schüttelte den Kopf, folgte ihm aber. Ablenkung würde er gebrauchen können und nichts was besser als Thures Körper.