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21

Catching Santa Claus [Ira]

Türchen 21

"Und wenn wir zuerst hier lang fliegen und erst danach Richtung Russland?", schlug Niklas seinem Vater vor und folgte der Strecke mit dem Finger auf der Karte, die vor ihnen ausgebreitet war. Seit den frühen Morgenstunden war der Blonde nun bei seinem Vater und plante ihre Flugrouten für die nächsten Tage. Da zum Glück nicht in jedem Land am vierundzwanzigsten Weihnachten gefeiert wurde, mussten sie ja nicht in einer Nacht alle Länder besuchen und konnten für die einzelnen Tage separate Strecken vorausplanen.

Tobias hatte er nur zum Frühstück gesehen, dann war er schon mit Santa in den Briefraum gegangen, wo auch gleichzeitig immer alles geplant und besprochen wurde. Was sein Freund nun tat, wusste Nik nicht.

*

Der vermisste sein Engelchen ganz fest, aber Tobias sah auch ein, dass das Planen der Flugrouten wichtig war. Denn, wenn man das Ganze husch husch machte, vergaß man die Hälfte und bei Weihnachten war das katastrophal.

Nach dem Frühstück hatten sich die Kinder des Weihnachtsmannes und Tobias entschieden, ein wenig zu spielen und die Zwillinge Michel - auch wenn er großen Mist gebaut hatte - nicht alleine in seinem Zimmer lassen wollten, hatten die sechs es sich in Michels Zimmer bequem gemacht.

Gerade beendeten sie ihre dritte Runde Memory, wobei Cloe wieder einmal haushoch gewann. Sie hatte da irgendwie ein Händchen für.

Aber Tobias war auch nicht wirklich bei der Sache, denn ständig waren seine Gedanken bei Niklas. Er vermisste ihn einfach und nach der Sache mit der Hütte war es sogar noch schlimmer geworden.

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"Hey Tobi, du bist!", rief Michel den Dunkelhaarigen aus seinen Gedanken zurück und musste grinsen. "Du bist die ganze Zeit über schon nicht wirklich bei uns. Magst du lieber gehen und nach Niklas schauen?"

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Tobias schüttelte seinen Kopf und blickte dann fragend zu Michel. Als die Worte seinen Kopf erreicht hatten, lächelte der Braunhaarige leicht.

"Nein. Ich würde ihn nur stören. Er bespricht doch mit eurem Vater die Route wegen dem Geschenke verteilen", murmelte Tobi und deckte dann zwei Kärtchen auf. Allerdings passten sie hinten und vorne nicht zusammen.

Also drehte er sie wieder um und ließ Luci dann ihr Glück versuchen.

Leise seufzte Tobias. "Ich vermisse mein Engelchen einfach. Bis auf zweimal war ich nie wirklich lange von ihm getrennt. Aber irgendwann muss ich das auch lernen. Denn wenn er dann mal Weihnachtsmann ist, können wir auch nicht jede Minute aneinander kleben, weil er ja arbeiten muss."

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"Ja, das ist leider so. Wir sehen Dad auch nicht oft, weil er eben die meiste Zeit in der Werkstatt ist", seufzte Cloe. "Seit Beginn von Niks Ausbildung haben wir auch ihn nur selten zu Gesicht bekommen. Seitdem du hier bist sehen wir ihn öfter als früher."

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"Es kann ja nur besser werden", meinte Tobias optimistisch und trank den Tee leer, den sie irgendwann geholt hatten.

"Wie sieht das bei euch eigentlich mit dem Weihnachtsbaum aus. Ist der schon geschmückt oder muss das noch gemacht werden? Weil, bisher hab ich noch keinen gesehen. Oder ich werde einfach alt und brauche eine Brille."

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Cloe kicherte leise und schüttelte dann den Kopf. "Nein wir haben noch keinen. Nik und Papa bringen immer einen vorbei, wenn sie gerade Zeit haben, den wir dann schmücken. Sie werden es wohl vergessen haben. Das haben sie letztes Jahr auch, da mussten wir sie hetzen, damit sie einen holen!"

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Tobi schmollte kurz, weil Cloe über ihn lachte. Vielleicht wurde er ja wirklich blind, wenn er den Baum jedes Mal übersehen hatte. Das musste man ihm doch sagen.

Nach ein paar Minuten musste Tobi aber dann selber lachen. Und als er meinte "Hey, nicht jede Sau wird 24", da konnten die Zwillinge nicht anders, als sich lachend am Boden zu wälzen. Sie mochten den Freund von Niklas einfach.

"Ist doch wahr", grummelte der Braunhaarige und suchte dann das nächste Paar und fand sogar eines.

Dann besann er sich aber darauf, was Cloe gesagt hatte. "Das ist aber schade. Bei mir zuhause steht einer rum, der nicht gebraucht wird, weil ich zu dem Zeitpunkt, als Niki und ich den gekauft haben, nie im Traum daran gedacht habe, Weihnachten am Nordpol zu verbringen. Glaubst du, das wird noch was mit dem Baum oder eher nicht?"

Für Tobias gehörte der Baum einfach zu Weihnachten dazu.

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"Da müssen wir Niklas und Papa fragen! Wir können keinen Baum holen, weil wir dazu einen großen Schlitten bräuchten und keiner außer diese beiden können die großen Schlitten fliegen. Wenn wir irgendwohin wollen nehmen wir direkt unsere eigenen Rentier oder die Einer bis Zweierschlitten. Doch da passt ja kein Baum drauf", seufzte Michel. Hach, er würde auch gerne einen großen Schlitten fliegen können... .

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Traurig seufzte Tobias auf. Keine Freunde, keine Familie die mit ihm Weihnachten und Geburtstag feierte und auch kein Baum. /Aber ein fester Freund/, lieferte ihm sein Kopf.

Das war zwar kein Ersatz, aber besser als nichts.

"Ich geh noch was zu trinken holen", stellte er mit einem Blick in die Runde fest. "Irgendwelchen speziellen Wünsche?" Die Zwillinge wünschten sich Mineralwasser und Luci bat um eine heiße Schokolade. Die anderen würden auch Tee mit trinken.

Tobias nickte und machte sich dann auf den Weg runter in die Küche.

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Niklas hatte mit seinem Vater gerade die Route vom vierundzwanzigsten zu Ende geplant und war dann rüber ins Haus gegangen, um für sie beide etwas zu trinken zu holen. Dort traf er, gerade als er die Küche betrat, auf seinen Freund.

Sofort wollte Nik ihn in den Arm nehmen, doch dann sah er dessen traurigen Blick. "Hey kleiner Eisbär. Was ist mit dir?"

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Tobias hatte gar nicht bemerkt, dass noch jemand die Küche betreten hatte. Deswegen war er auch ziemlich überrascht, als er plötzlich die Stimme seines Freundes hörte.

"Ich hab von Cloe gehört, das ihr keinen Weihnachtsbaum habt und mir ist bewusst geworden, dass das mein erstes Weihnachten und meine erster Geburtstag ohne Freunde und Familie wird. Aber ich hab mich ja für dich entschieden und deswegen wird es schon gehen", erklärte Tobi und umarmte dann seinen Freund. Er musste jetzt ein wenig Nähe auftanken, bevor Niklas wieder mit seinem Vater Routen planen ging.

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Niklas seufzte leise und umarmte Tobias ganz fest, küsste ihn auf die Stirn. "Es tut mir leid Liebling, dass ich dich von zu Hause weggerissen habe. Hier kannst du nicht mal neue Freunde finden oder mal eben deine Eltern besuchen... ."

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Der Jüngere schüttelte leicht den Kopf. "Ist schon gut, Engelchen. Ich hab gewusst, dass ich meine Familie und Freunde nicht so oft sehe, wenn ich mit dir zusammen bleiben will. ich werde mich schon daran gewöhnen. Es wird halt nur eine Weile dauern", versicherte Tobias.

Sanft begann er Niklas Hals zu küssen, er brauchte ein paar Streicheleinheiten und wollte sie auch gerne seinem Freund geben. Der saß doch bestimmt auch auf dem Trockenen.

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"Ich wollte dich nie unglücklich machen, als ich mit dir eine Beziehung einging. Das weißt du. Und ich hoffe, dass ich dich auch in Zukunft mit meiner Anwesenheit von dem Verlust deiner Freunde und Familie ablenken kann...", flüsterte Niklas und streichelte Tobis Rücken rauf und runter, genoss die Küsse seines Freundes.

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Leise seufzte Tobias auf, genoss die Streicheleinheiten auf seinem Rücken. Nur kurz unterbrach er seine Küsse um zu sagen: "Ich weiß, dass du mich nie unglücklich machen willst. Ich hab halt nun mal seit mehr als 20 Jahren immer mit meiner Familie und meinen Freunden gefeiert. Das dauert eine Weile, bis ich sie an dem Tag nicht mehr vermissen werde. Aber das wird schon."

Eine Weile schwieg der Braunhaarige, bevor er fragte: "Wie läuft es bei euch beiden eigentlich? Schon alle Routen geplant?"

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"Naja die für den 24sten ja. Wir fliegen am 23sten nachts los, damit die Geschenke am Morgen des 24sten unterm Baum liegen. Die Strecke vom 25sten, wenn wir dann auch nach Amerika müssen, wird umfangreicher und wir werden auch länger unterwegs sein. Ich weiß nicht ob du am 24sten dann auch mitkommen willst Tobi. Wir feiern vorher immer noch mit der Familie selbst!"

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"Ich denke, für den Anfang wäre ein kurzer Flug besser, damit ich mich daran gewöhnen kann. Sonst werd ich noch irgendwann zum Eiszapfen", grinste Tobias und stahl sich dann einen Kuss.

Cloe hatte sich auf den Weg gemacht, um Tobi zu finden. Denn der war schon eine Weile weg und so lange brauchte man nicht um etwas zu trinken zu holen.

So betrat sie die Küche und ein Lächeln schlich sich auf ihre Lippen, als sie ihren Bruder und Tobias sah. "Lasst euch nicht stören", murmelte sie und huschte an den beiden vorbei, griff sich das Tablett mit den Getränken. "Lass dir Zeit, Tobi. Wir spielen immer noch Memory und die Zwillinge schummeln irgendwie."

Dann war das älteste Mädchen verschwunden.

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Niklas lachte leise auf und küsste Tobias zart auf die Lippen. "Soso, du spielst also mit meinen Geschwistern Memory! Macht dir das Spaß? Ich hätte dich sonst mal mit zu Dad genommen. Da könnte ich dir die Strecke vom 23sten zum 24ten zeigen, damit du weißt was dich erwartet."

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"Ja, die Zwillinge haben es sich gewünscht, damit Michel nicht so alleine in seinem Zimmer sitzen muss", erklärte der Grauäugige.

Mhm... er würde schon gerne erfahren, was ihn da erwartete und Michel hatte ja schon gesagt, dass er nach Niklas kucken sollte, weil er ja eh mit den Gedanken die ganze Zeit bei ihm war.

Das erzählte er auch seinem Freund

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"Na dann begleite mich rüber mein Schatz. Aber ich muss vorher noch Getränke fertig machen. Dad wartet sicher schon mit trockener Kehle", grinste Niklas und schlug Tobi zart auf den Po, bevor er Tee aufsetzte.

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Tobias hatte den Klapps auf den Po genossen und schweifte mit seinen Gedanken ab.

Wann und ob sie wohl jemals die Gelegenheit bekamen, auch miteinander zu schlafen? Bisher waren sie jedes Mal gestört worden und Tobias wollte sich seinem Freund hingeben.

Tonlos seufzte der Braunhaarige auf. Irgendwann würden sie es schon schaffen. Und zur Not konnten sie dazu ja noch immer in seine Wohnung flüchten, wenn sie hier keine Ruhe fanden.

"Wie schafft ihr dass eigentlich, wenn es jedes Jahr mehr Kinder werden, die ein Weihnachtsgeschenk wollen? Nur für euch wird die Zeit ja wohl nicht still stehen", wollte der Spielzeugmacher neugierig wissen.

Alleine in der USA wurden es ja immer mehr Kinder.

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"Die letzten Jahre haben wir es zum Glück noch geschafft wie sonst. Dieses Jahr, das haben wir schon geplant, spannen wir zwei Rentiere mehr vor den Schlitten. So sind wir schneller. Und dadurch, dass die Elfenmagie die Geschenke sicher an ihren Platz befördert, müssen wir ja auch nicht mehr durch die Schornsteine rutschen!", erklärte Niklas und führte Tobi in den Flur, wo er dann darauf wartete, dass sich sein Freund anzog.

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Tobias nickte auf die Erklärung. Leuchtete ein und sie sparten ja Zeit, wegen den Geschenken. Im Film lief das ja immer so, dass der Weihnachtsmann durch den Kamin kam und an den Plätzchen naschte. Das verbrauchte natürlich Unmengen an Zeit.

Brav folgte der Braunhaarige seinem Freund und machte sich fertig, damit sie durch die Kälte zur Werkstatt rüber konnten.

"Dann drück ich ganz fest die Daumen, dass wir keinen Schneesturm bekommen. Denn da wird Ausliefern die Hölle sein", murmelte Tobi und schüttelte sich, als sie die Werkstatt betraten. Es war doch ganz schön kalt. Aber er würde sich sicher bald daran gewöhnen.

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"Wenn wir einen Schneesturm haben, bleibst du zu Hause!", bestimmte Niklas, denn er war einfach um die Gesundheit seines Freundes besorgt. Tobi brauchte immer noch Zeit, um sich auf die Kälte hier und in der Luft einzustellen.

In der Werkstatt angekommen, zog Nik seinem Schatz den dicken Mantel aus und ging mit ihm in den Briefraum, wo sein Vater weiterhin über den Karten grübelte. Santa blickte auf, als er dir Tür klappen hörte und lächelte. "Oh, du hast nicht nur Getränke, sondern auch Gesellschaft mitgebracht. Wie schön!"

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"Guten Tag Sir", begrüßte Tobias brav und trat dann vorsichtig zu den Karten, um sie sich anzusehen. Er hatte sich den Job als Weihnachtsmann nie so schwer vorgestellt, was angesichts der Filme die es so gab, auch gar nicht möglich war.

Aber er würde seinen Freund unterstützen wo es nur ging. Während er seinem Engelchen ein sanftes Lächeln schenkte, drehte er mit seinem Daumen den Ring. "Ich komm gerne mit, Niki. Aber wenn es Schneesturm gibt - was ich nicht hoffe - dann wäre ich so oder so hier geblieben. Sonst hast du nach dem Flug eine Eisskulptur als Freund."

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"Oh einen vereisten Tobi. Du würdest nie altern und immer so sexy aussehen wie jetzt", flüsterte Niklas anzüglich und küsste Tobi fest auf die Lippen, bevor er sich neben seinen Vater stellte und sich wieder ganz auf seine Arbeit konzentrierte. Nur hin und wieder schweiften seine Gedanken zu dem Gespräch in der Küche ab. Tobias hatte alles für ihn aufgegeben, und nun konnte er seinen Geburtstag nicht wie sonst mit Freunden und Familie feiern. Auch wenn Tobi meinte glücklich zu sein, vorhin hatte er jedoch ganz anders ausgesehen. Niklas musste sich was einfallen lassen... .

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Tobias genoss und erwiderte den Kuss und als er vorbei war, leckte er sich über die Lippen.

Er hätte eine Erwiderung auf der Zunge gehabt, nämlich, das Niki dann nicht mehr kuscheln und schmusen konnte, weil eine Statue das ja nicht konnte, aber er schwieg, weil er den Weihnachtsmann und Niklas nicht stören wollte.

Die Route musste richtig geplant sein. Denn wenn etwas schief gingen, waren ganz viele Kinder traurig und enttäuscht vom Weihnachtsmann. Und das wollte der Braunhaarige nicht.

So lauschte er lieber den Ausführungen, welche Route denn jetzt besser sei und welche Reihenfolge man am besten nehmen sollte, damit auch wirklich alle die Weihnachten am 25. feierten, ihr Geschenk bekamen.

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Nach einigem Umschieben, zeichnete Niklas schließlich die festgelegte Route in die Karte hinein und lächelte seinen Dad dann an. "Das wäre geschafft. Nun haben wir den 25sten auch gleich mit."

"Dann muss jetzt nur noch der Schlitten beladen werden!", hing Santa an und freute sich mal wieder, dass sich Niklas so gut entwickelt hatte. Er hatte dieses Mal viel Freude an der Planerei gehabt und sich richtig darauf eingelassen. Dank Tobias würde Niklas ein noch besserer Weihnachtsmann werden als sich Santa das eh schon gedacht hatte.

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Der Spielzeugmacher, der die ganze Zeit interessiert zugehört hatte, war doch überrascht, dass es dann so schnell ging. Aber die beiden fleißigen Weihnachtsmänner hatten ja auch schon seit dem Morgen daran getüftelt.

"Kann ich beim Beladen helfen oder wird das nicht sofort gemacht?", wollte Tobi neugierig wissen. Irgendwann würde das sicher mal sein Untergang, so neugierig wie er war seitdem er Niklas kannte.

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"Die Elfen arbeiten heute und morgen bis Mittag noch an den Maschinen und dann wird nur noch beladen. Heute könntest du dabei helfen die Säcke, die bereits fertig gepackt sind, draufzuladen. Doch übermorgen Nachmittag werden dann noch zusätzlich die letzten Säcke aufgeladen, jedoch werden das wohl die Elfen machen, da Nik und du sich Nachmittags schlafen legen sollten, damit ihr nachts auch fit seid!", erklärte Santa.

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Sofort nickte Tobi. Er wollte sich auch nützlich machen und zeigen, dass er Niklas gut unterstützen konnte, wenn er mal der Weihnachtsmann wurde. Der Braunhaarige wusste, dass er das nicht unbedingt tun musste - Niklas Familie hatte ihn auch so an der Seite ihres Sohnes akzeptiert - aber Tobi wollte es trotzdem.

Nicht das sich Niklas Familie dann doch dafür aussprach, dass er nicht der Richtige war und er sein Engelchen dann verlassen musste.

Der Grauäugige trat dicht neben seinen Freund, stellte sich auf die Zehenspitzen und stibitze sich einen Kuss. Dann wisperte er heißer so das Santa es nicht hören konnte: "Mit dir ab dem Mittag im Bett. Das hat was."

Die Vorstellung hatte wirklich was, aber sie sollten ja schlafen.

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"Ja schon, bloß müssen wir schlafen... öde...", grinste Niklas. Er hatte ebenso leise geflüstert, denn sein Dad musste das nun wirklich nicht wissen.

Santa hatte die Tuschelei zwar mitbekommen, aber kein Wort verstanden und da Tobi ja vorhin genickt hatte, wollte er jetzt mal dafür sorgen, dass es an die Arbeit ging. "Also ihr zwei Turteltauben... wie wär’s wenn wir jetzt runter in den Keller gehen und die Geschenkesäcke holen??"

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"Leider", schmollte der Braunhaarige leise und holte sich gleich noch einen Kuss, zur Aufmunterung.

Als er die Worte von Niklas Vater hörte, salutierte er gespielt mit einem breiten Grinsen und meinte: "Jawohl Sir", bevor er lachen musste.

Er hatte einfach nicht ernst bleiben können.

Aber je schneller sie das jetzt fertig hatten, desto schneller konnte er Zeit mit seinem Freund verbringen. Dann musste sich Tobi extra beeilen.

So war es auch kein Wunder, das er lachend voraus rannte, durch den Geschenkeraum wirbelte und nur kurz die Elfen grüßte, bevor er die Treppe runter rannte.

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"Oh man... dein Freund hat es aber eilig! Wahrscheinlich macht er dir noch Konkurrenz und am Ende wird er der Weihnachtsmann!", grinste Santa und Niklas erwiderte dieses. "Nichts da! Tobi wird nicht so mit Arbeit zubombadiert wie ich! Und jetzt wo du mich nun endlich überzeugt hast, gebe ich meine Aufgabe auch sicher nicht mehr ab!"

Unglaublich stolz zog Santa seinen Sohn kurz in die Arme und seufzte erleichtert, bevor sie nebeneinander dann langsam die Treppe in den Keller hinab schritten.

*

}|{

In ein Gespräch über Spielzeug und dessen Herstellung vertieft, liefen Tobias und Santa zum Haus zurück. Niklas war vorgegangen mit der Begründung, er wolle noch nach den Eulen sehen.

Der 23-Jährige hatte nur genickt - immerhin konnte er seinem Freund nichts verbieten - und lief nun eben mit Santa zurück. Ihm tat jeder Muskel weh, weil Tobias es einfach nicht gewöhnt war, so schwer zu tragen. Aber er hatte sich trotzdem nicht davon abbringen lassen. /Eine heiße Dusche wird da nachher helfen/, dachte Tobi und trat dann hinter Santa ins Haus.

Dort entledigter er sich brav seiner Schuhe und der Jacke und war gerade im Begriff die Treppe rauf zu gehen, als Michel runter kam. "Sag mal Tobi, hast du Nik gesehen? Ich wollte mit ihrem reden."

Tobi bejahte und schickte ihn dann zu den Eulen, bevor er endgültig nach oben ging.

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Niklas hatte während dem Beladen des Schlittens darüber nachgedacht, wie er Tobi glücklich machen konnte. Und schließlich hatte er sich dazu entschlossen einfach Tobias' Eltern und Uli und Gabi zum Weihnachtsfest hier am Nordpol einzuladen, vorausgesetzt diese wollten auch kommen. Immerhin hatten Gabi und Uli ja eine eigene Familie. Doch versuchen konnte er es ja mal.

Also war er auf den Dachboden gegangen, wo sie mehrere Eulen dazu abgerichtet hatten Nachrichten zu transportieren. Langes Training und ein bisschen Elfenstaub ließen die Eulen alles finden, wenn man ihnen sagte an wen die Nachricht gehen sollte. Bestenfalls wohin, und das wusste Nik ja glücklicherweise. Gerade hatte er sich drei Eulen geschnappt und jeder von ihnen gesagt wo sie hinfliegen sollte, als Michel den Dachboden betrat. "Hier bist du also. Tobi hat mir gesagt, dass du hierher wolltest."

"Hey Michel. Du, wenn’s nicht so wichtig ist, würde ich dich bitten mich das hier noch zu Ende machen zu lassen", bat Niklas und kramte Zettel und Stift aus der Schublade eines, in der Ecke stehenden, Schreibtisches.

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Michel - der den Ton seines Bruders kannte - wurde neugierig und stellte sich hinter ihn, um zu erfahren, was sein Brüderchen denn da zu schreiben hatte und was so wichtig war.

"Was ist denn so wichtig, dass du so eine Hektik verbreitest? Mit deinem Liebchen kann es ja nichts zu tun haben, der wollte glaub ich in euer Zimmer. Der sah ganz schön zerschlagen aus."

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"Er hat mir und Dad geholfen, den Schlitten zu beladen. Er ist es einfach nicht gewohnt, das ist alles", erwiderte Niklas und sah von dem Papier auf. "Tobias hat an Weihnachten Geburtstag. Genauer gesagt am 24. Und ich wollte seine Familie und seine Freunde...", begann der Ältere und verstummte dann. "Nein, es geht niemanden was an. Keiner darf das wischen. Schon gar nicht Tobias. Vor allem nicht Tobias.“

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Abwehrend hob Michel die Hände. Er wollte es sich sicherlich nicht schon wieder mit seinem Bruder verscherzen. "Ich werde schweigen wie ein Grab, ich schwöre."

Erst dann fiel ihm auf, was Niklas noch gesagt hatte. "Tobias hat am 24. Geburtstag? Vielleicht war er deswegen vorhin beim Spielen mit seinen Gedanken die ganze Zeit wo anders. Ich hab angenommen, er war bei dir", grübelte Michel laut vor sich hin.

Eine Weile schwieg er und dachte selber nach, wie der Blonde das alles unter einen Hut bekommen konnte, ohne dass dessen Freund misstrauisch wurde.

"Und... und wenn ich dir helfe?" Unsicher blickte er in die blauen Augen. Ob er jetzt zu weit gegangen war?

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"Wie helfen?", fragte Niklas ungläubig.

"Naja, ich will mich ja eh wieder mit Tobi gut stellen und habe außerdem nichts weiter vor. Ich kann ja die Familie und Freunde einladen und die Rentiere kann ich auch zu ihnen schicken, um sie abzuholen. Notfalls bin ich auch in der Lage selbst einen Schlitten zu fliegen!", meinte Michel fest und Niklas bemerkte wie ernst es seinem Bruder war.

"Na schön. Das ist dann deine Chance", lächelte er. "Die Eulen wissen schon wohin sie sollen. Zu Tobis Eltern, zu seiner Freundin seit Kindertagen, Gabi, und zu Uli, auch noch ein guter Freund von Tobias."

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Eifrig nickte Michel. "Also muss ich nur darauf warten, dass sie zurückkommen und dann die Rentiere losschicken bzw. selber fliegen, wenn das gewünscht wird. Hab ich das richtig verstanden?", wollte sich der Jüngere vergewissern.

Nicht das er irgendeinen Mist baute und sein Bruder und dessen Freund dann bis an ihr Lebensende sauer waren.

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Begeistert nickte Michel erneut. Sobald feststand dass sie kamen, würde er die beiden unbenutzten Zimmer herrichten. Mit ein bisschen Elfenstaub ging das immer. Und wenn er ihn nicht von den Elfen bekam, dann fragte er eben ganz lieb seinen Vater, wenn er ihm sagte, worum es ging, würde er das schon machen. Eine Idee, wo er Tobias Freunde und Familie verstecken würde, bevor er sie zu Tobi ließ nachdem Niklas ihm zum Geburtstag gratuliert hatte, wusste er auch schon.

"Ich mach es und hab schon ein paar Ideen", versicherte Michel. So konnte er seinem Bruder und Tobias gegenüber zeigen, dass es ihm wirklich ernst war, die beiden zu akzeptieren.

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"Das ist wirklich nett von dir. Und ich bin überzeugt, dass du das toll machen wirst", lächelte Niklas stolz und fuhr Michel durchs Haar, bevor er seinen Magen knurren hörte. "Dann lass ich dich jetzt mal alleine und gehe runter was essen."

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Michel strahlte ob des Vertrauens, das Niklas in ihn legte und der warmen Geste, als er ihm durch die Haare fuhr. Das hatte er schon lange nicht mehr gemacht.

Beschwingt drehte der Dunkelhaarige sich dann um und machte sich daran, die Briefe zu schreiben. Einer begann mit "Hallo Uli", der nächste mit "Hallo Gabi" und der letzte schließlich mit "Sehr geehrte Eheleute Walt". Dann grübelte er eine Weile, was er genau schreiben konnte, ohne das sich Tobis Leute Sorgen machten.


Tobias inzwischen hatte mit Müh und Not die Treppe hinter sich gebracht und schleppte sich eher in Niklas Zimmer. Der Muskelkater den er hatte war wirklich mörderisch und war mit jedem Schritt schlimmer geworden. Hoffentlich war er morgen überhaupt zu gebrauchen.

Nur kurz wollte er sich aufs Bett legen und darauf hoffen, dass die Schmerzen nachließen, doch dazu kam es nicht mehr, denn Tobi schlief einfach so ein. In voller Kleidung und nur halb auf dem Bett. Na da würden sie die Muskeln morgen aber freuen... .

*

Niklas betrat die Küche und fand dort jeden, außer Michel und Tobi vor. Vom Ersteren wusste er wo er steckte, doch wo war sein Freund? "Tobi ist schon schlafen gegangen. Ich glaube, das war doch zu anstrengend für ihn heute!", bemerkte Santa sofort den Blick seines Sohnes und grinste über dessen Sorge.

Beruhigt lachte Niklas auf und murmelte ein: "Ertappt!", bevor er sich an den Tisch setzte, sich Schnitten nahm und mit Wurst belegte. Er hatte einen Bärenhunger! Nur schnell etwas essen und dann würde er sich zu Tobias gesellen, sich neben ihn legen, an sich ziehen, und mit ihm im Arm einschlafen... besser konnte ein anstrengender Tag einfach nicht ausklingen... .




Braune Blätter [Chaotizitaet]

21 – Josh



Zu behaupten ich wäre perplex ob dieser Sache gewesen, wäre deutlich untertrieben. Ich ähnelte eher einer biblischen Salzsäule, als Cal zu mir geeilt kam und mich am Arm packte.

„Komm zu dir!“, rief er und schüttelte mich. „Was war das gerade eben?“, wollte er wissen.

„Ein Star“, war das erste, was ich herausbrachte.

„Klar, ein gewöhnlicher Gartenvogel überlegt sich gerade eben mal, dass er gerne auf einen Cocktail in eine Bar gehen würde und trifft dort zufällig auf einen alten Bekannten. Bei dem heult er sich dann aus, vergisst darüber, den Cocktail zu bestellen, und schwupps sind beide verschwunden?“ Cal neigte, wie immer wenn er etwas nicht verstand und aufgebracht war, zum Sarkasmus. Und obwohl ich für gewöhnlich seinen Sarkasmus, sogar dann, wenn er gegen mich gerichtet war, durchaus amüsant fand, konnte ich heute damit nicht umgehen.

„Vielleicht ist er ja Manager eines Vogelvarietés und der kleine Star hat sich bei ihm für ein Casting vorstellt, um ein Star im doppelten Sinne zu werden!“, ätzte ich zurück.

Ich weiß nicht, wie es weitergegangen wäre, hätte Conrad sich in diesem Moment nicht eingemischt. Denn seien wir ehrlich, Cal und ich konnten beide große Sturköpfe sein. Und wenn wir einmal in Fahrt waren... vielleicht war das einer der Gründe, der dafür sprach, dass es ganz gut war, dass wir kein Liebespaar wie Joshua und Caleb waren. Unsere Beziehungskrisen wären bestimmt legendär gewesen. Gut, die Versöhnung vermutlich auch, aber so war das nun mal eben.

„Jungs! Jungs!!“ Conrad musste uns tatsächlich zweimal laut zur Ordnung rufen, ehe wir daran dachten, ihn zu bemerken. „Ich an eurer Stelle würde mir vielleicht überlegen, Neil und seinem Vogel folgen zu wollen? Denn dass der Star ihm eine Nachricht überbracht hat, ist ja wohl mal offenkundig, oder?“

Ein wenig belämmert wandten wir uns zu dem alternden Schriftsteller um. Der Star – ein Bote? „Conrad, wollen Sie damit sagen, dass Neil den Vogel verstanden hat?“

„Wenn ihr genau hingehört hättet, hättet ihr auch so einiges verstehen können“, erwiderte dieser nur trocken. „Stare gehören mit zu den gelehrigsten Vögeln. Sie können allerlei andere Vögel imitieren. Oder auch Mobiltelefonklingeltöne. In der altwalisischen Mythologie wird sogar erzählt, dass eine Königstochter namens Branwen einen Star dressiert hat, damit dieser ihrem Bruder eine Nachricht überbringt, weil sie von ihrem irischen Gatten gefangen gehalten und gedemütigt wurde.“

Unsere Verwunderung wurde immer größer. Davon hatten wir noch nie etwas gehört. Aber gut, heimatliches Sagenwesen war im Geschichtsunterricht angesichts der belegbaren Beweise für die Anwesenheit von Römern, Angelsachsen und Wikingern nie wirklich Thema gewesen. „Und was hätten wir verstehen können?“, fragte Cal, jetzt schon wieder ein wenig ruhiger.

„Ich kann zwar kein Starisch“, erwiderte Conrad, „aber das allgemeine Lautbild klang stark nach einem Kampf.“

Ein Kampf? Und Neil war dorthin gerufen worden? War dorthin geeilt? Was war los?

„Ich wiederhole mich ja nur ungern, aber wie wäre es, wenn ihr euch langsam in Bewegung setztet und Neil nacheilen würdet? Dann könntet ihr vielleicht erfahren, was vor sich geht!“ Conrad tappte ungeduldig mit dem Fuß auf den Boden.

Cal und ich sahen einander an. „Shit!“, entfuhr es mir, als mir bewusst wurde, dass wir durch unsere Kabbelei wertvolle Minuten verloren hatten. In der Zwischenzeit konnte Neil sonst wohin verschwunden sein. Es genügte ja schon, wenn er nur allein um die nächsten zwei Ecken gegangen wäre, von einem in der Nähe parkenden Auto ganz zu schweigen.

„Ich glaube, ich weiß, wo er hin sein könnte!“, rief mir da Cal zu und eilte an seinen Tisch, um seinen Mantel zu holen. „Zu den Creswell Crags!“

Ich hatte ebenfalls meinen Wintermantel übergezogen. „Die Creswell Crags? Ich dachte, die hätten nur was mit seiner Arbeit zu tun.“

„Dachte ich zuerst auch“, erwiderte Cal nickend. „Aber Khamisi hat dort etwas Merkwürdiges gespürt und wollte die Höhlen heute mit ein paar anderen erkunden. Sie sind momentan dort. Wenn also dort wirklich etwas Sonderbares vor sich geht, könnte es mit der gefiederten Botschaft, die Neil gerade empfangen hat, zusammenhängen.“

Ich nickte und folgte Cal. Sein Auto stand nur wenige Schritte vom Twice entfernt und gleich darauf fuhren wir in Richtung der Steinzeithöhlen los. Es klang plausibel und ein Ziel zu haben war besser, als ohne Anhaltspunkt die Gegend absuchen zu müssen. Dann fiel mir noch etwas ein. „Wir sollten Joshua Bescheid geben. Vielleicht kann er über den Inspektor das Handy von Neil orten lassen.“

„Braucht er dafür nicht einen begründeten Verdacht?“ So angetan Cal von der Idee zu sein schien, so wenig behagte es ihm, die Polizei in etwas einzuschalten, das sie alle ganz schnell in Erklärungsnöte bringen konnte.

„Auch wieder wahr. Aber wir sollten Joshua trotzdem Bescheid geben“, befand ich und zückte meinen Taschenspiegel. Wohl zum ersten Mal in unserer lebenslangen Freundschaft verzog Cal beim Anblick das Spiegels nicht gepeinigt das Gesicht.

Wider Erwarten blickte ich, kaum, dass ich den Spiegel aufgeklappt hatte, in Cassandras Gesicht. „Josh? Wie gut, dass ich dich gleich erreiche“, sprudelte sie los. Ich kam noch nicht einmal dazu, ihr zu sagen, dass sie noch nicht einmal angeklopft hatte, um mich zu rufen. „Joshua lässt ausrichten, dass draußen bei den Creswell Crags irgendwas vor sich geht. Eines der brauen Blätter kam gerade bei ihm reingerannt, außer Atem, und erzählte irgendwas wirres von Wurzeln, Wesen und Kampf.“

Ich schlussfolgerte blitzschnell, dass weniger die Botschaft Joshua dazu gebracht hatte, uns zu benachrichtigen als mehr die aufgeregte Art des braunen Blatts. Ich wusste nicht, was der Bote mit Wurzeln oder Wesen gemeint haben könnte, aber Kampf passte zu dem, was Conrad der Star-Botschaft entnommen zu haben glaubte. „Cassandra, Cal und ich sind schon auf dem Weg zu den Höhlen. Sag Joshua und Caleb, dass sie auch kommen sollen. Und...“ Ich unterbrach mich und wandte mich an Cal. „Scheiße! Wir müssen noch mal umkehren. Wir müssen zurück ins Crucible. Egal was da vor sich geht, ich habe das Gefühl, dass wir alle Verstärkung brauchen werden, die wir kriegen können.“

Cal nickte und schlug an der nächsten Kreuzung den Weg zurück zum Theater ein. Zum Glück waren wir noch nicht all zu weit aus der Innenstadt heraus, der Feierabendverkehr erschwerte unser Vorankommen beträchtlich.

Cassandra hatte mir zugehört und sagte, sie wolle Joshua sagen, dass auch auf deren Seite die ganzen Blätter zu den Höhlen sollten. Dann wurde der Spiegel wieder blank.

Gleich im nächsten Augenblick wurde ich von Gewissensbissen geplagt. Wir wussten nicht, was uns erwartete. Ob überhaupt ein Kampf stattfand. Ob es da klug war, alle ‚Truppen’ zu mobilisieren? Zumal die braunen Blätter vermutlich vor uns da wären. Ich hatte nie ganz verstanden, wie es funktionierte, aber genauso wie die braunen Blätter keinen Schlaf brauchten, ermüdeten sie auch nicht, wenn sie liefen. Sie waren in ihrem körperlosen Zustand die vermutlich schnellsten Parcours-Läufer, die man sich vorstellen konnte. Und als solche uns, die wir auf die üblichen Verkehrswege angewiesen waren, hoffnungslos überlegen. Was also, wenn wir sie wie Kanonenfutter ins Verderben schickten?

Cal schien zu spüren, was mich beschäftigte. „Du hast Recht, wir brauchen so viel Unterstützung wie möglich. Wenn Khamisi und der Rest des Erkundungsteams tatsächlich auf etwas gestoßen ist, das mit den Bäumen und dem vermehrten Auftreten der braunen Blätter zu tun hat, dann sind die braunen Blätter vielleicht sogar die einzigen, die etwas dagegen tun können. Und da Khamisi und die anderen ja bereits vor Ort sind, werden die neuen Blätter auch nicht ganz auf sich gestellt sein. Ich vertraue Khamisi diesbezüglich.“

Mit quietschenden Reifen hielt Cals Wagen vor dem Crucible Theatre. Mit einem letzten Stoßgebet gen Himmel, dass wir das Richtige taten, hastete ich zum Bühneneingang und trommelte die braunen Blätter zusammen. Es dauerte vielleicht vier, höchstens fünf Minuten, ehe ich wieder bei Cal im Wagen saß, dennoch kam es mir wie eine Ewigkeit vor.

Cal nickte mir aufmunternd zu. „Was auch immer du ihnen erzählt hast, du musst wirklich überzeugend gewesen sein.“ Er grinste mich an. „Wenn du sie sehen könntest, du würdest spontan an das Bild der ganzen Geister, die vor Scrooges Haus herumfliegen, denken müssen. Genauso sieht es aus, wie sie jetzt aus dem Gebäude geströmt kommen und gen Creswell Crags eilen.“

„Lass uns einfach fahren!“, bat ich und legte den Sicherheitsgurt an. Ich wollte selbst so schnell wie möglich zu den Höhlen. Denn je eher wir da wären, desto eher würden sich meine rasenden Gedanken beruhigen, würde sich mein verkrampftes Herz der Wahrheit stellen können. Sollte Neil wirklich der Feind sein?