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22

Catching Santa Claus [Ira]

Türchen 22

Leise und so vorsichtig wie möglich drehte sich Tobias jetzt zum zehnten Mal in der letzten halben Stunde, weil er einfach nicht mehr wusste, wie er liegen sollte. Alles tat ihm weh und da würde nicht einmal mehr eine Dusche helfen.

Er könnte es zwar versuchen, aber viel bringen würde es nicht. Er war heute wohl zum still liegen verdammt. Leise knurrte der Braunhaarige auf, weil ihm der Gedanken gar nicht gefiel.

*

Niklas war schon eine Weile wach, hatte aber noch weitergedöst, wollte die Nähe seines Freundes noch etwas genießen. Heute würde, genau wie morgen und die nächsten Tage, ein stressiger Tag werden und selbst wenn Tobi ihm wieder half - sie würden dennoch nicht viel Zeit füreinander haben.

So war das gemeinsame Aufwachen Niks einzige Freude.
Doch durch das ständige Rumgedrehe seines Liebsten wurde ihre Nähe immer mehr gestört und als er das leise knurren Tobis hörte, konnte er nicht länger an sich halten und lachte leise. Langsam öffnete er die Augen und blickte amüsiert zu dem Dunkelhaarigen rüber. "Sag mal... räumst du unser Bett um? Baust du vielleicht ein Nest?"

*

Leise murrte Tobi auf. Er fand das gar nicht witzig. Ja, war er denn ein Tier das ein Nest zum Überwintern brauchte? Dafür war es schon etwas zu spät.

So grummelte er ein "Blöde Muskelkater und weiß nicht wie ich liegen soll", bevor er sich erneut eine bequeme Position suchte.

Das war zum verrückt werden. Dabei war doch heute der 22. und somit ein vorprogrammierter Stresstag, weil noch so viel zu machen war.

*

"Ach mein armer kleiner Eisbär", murmelte Niklas und umarmte Tobi vorsichtig, um ihm nicht weh zu tun, küsste ihn sanft auf die Lippen. "Kann ich vielleicht etwas für dich tun? Wenn ich früher Muskelkater hatte - als ich das auch noch nicht gewöhnt war - hat immer ein gemütliches Bad geholfen. Allerdings wird das glaube ich zu spät sein. Das hättest du gestern Abend noch machen sollen", überlegte Niklas und hatte dann einen Einfall. "Wie wär's wenn ich dich massiere?"

*

Der Braunhaarige erwiderte den Kuss.

"Hatte ich gestern Abend auch noch vor, aber dann hab ich mich aufs Bett gelegt, weil wirklich alles weh tat und ich kaum noch laufen konnte und dann bin ich eingeschlafen. Hast du mich umgezogen?", wollte Tobias dann wissen. Weil er war sich sicher, in voller Montur aufs Bett gefallen zu sein.

Eine Massage. Vielleicht würde die was helfen, Tobias wusste es nicht. Er hatte noch nie eine bekommen.

"Gerne. Vielleicht hilft das ja, sonst ist mit mir heute nichts anzufangen."

*

"Ich hab dich umgezogen ja. War schön dich zu berühren. Und du hast rein gar nichts mitbekommen", grinste Niklas dreckig und schob seine Hände unter Tobis Schlafanzugoberteil. Langsam schob er es nach oben und streifte es Tobi über den Kopf. "Legst du dich auf den Bauch?"

*

Tobi schmollte ein bisschen, legte sich dann aber brav auf den Bauch. "Wenn du mich richtig berührt hättest, hätte ich es bestimmt auch gemerkt", erwiderte der Kleinere mit leicht rauer Stimme und grinste seinen Freund herausfordernd an.

Aber mit dem Muskelkater wurde das zurzeit nichts.

*

"Naja jetzt kann ich dich ja richtig berühren und mal sehen ob es was bringt...", lächelte Niklas und strich Tobi über die Hüfte, kniete sich dann neben ihn und ließ die Hände nach oben zum Rücken des Jüngeren gleiten. Langsam begann er dort zu massieren. "Ich hab das noch nie gemacht. Also sag sofort wenn ich dir wehtue."

*

Der Grauäugige verschränkte seine Arme und legte dann seine Wange darauf.

"Ich werd schreien, wenn es zu sehr weh tut. Aber im Augenblick würde wohl auch eine Feder wehtun. Ich bin es einfach nicht gewohnt, so viel zu tragen wie gestern. Ich hoffe, ich gewöhne mich irgendwann daran. Denn andauernd Muskelkater zu haben, ist auch nicht so prickelnd", murmelte der Kleinere und versuchte sich so gut es ging zu entspannen und nicht hart zu machen. Denn das würde das Massieren und den Muskelkater nur noch schlimmer machen.

Von selbst begann Tobi leise zu schnurren, es tat zwar ein wenig weh, aber das Gefühl der Hände auf seiner Haut machte das wieder wett.

*

"Du wirst nicht immer mithelfen. Wenn wir dann eigene Kinder haben wirst du doch bei ihnen bleiben, hoffe ich jedenfalls. Ich bin die harte Arbeit gewöhnt, weswegen ich dann auch Muskelkaterfrei wieder nach Hause komme...", grinste Niklas und platzierte einen Kuss zwischen den Schulterblättern Tobis, drückte dann etwas fester auf.

*

Der braune Wuschelkopf nickte so gut es eben ging. "Sicher werde ich dann auf unsere Kinder aufpassen, wie das eine gute Ehefrau zu tun hat. Aber bis dahin werde ich dir helfen wo ich nur kann", versicherte Tobias und musste bei dem Kuss lächeln.

Als Niklas fester zupackte, stöhnte er leise auf. Das gab es doch nicht. Er hatte Muskelkater an allen möglichen und unmöglichen Stellen - jetzt wusste Tobias zum ersten Mal wo er wirklich überall Muskeln hatte - und dann wollte sich da was erheben, das er gerade gar nicht gebrauchen konnte.

Aber warum reagierte er jetzt so auf Niklas? Tobias verstand sich selber nicht.

*

"Oh man... Tobi... das Stöhnen solltest du lassen...", murmelte Niklas mit erröteten Wangen. Bei Tobis Lauten hatte sich eindeutig etwas in seiner Hose geregt. Aber das war ja auch kein Wunder.

Tobi hatte ihm gezeigt wie schön das Beisammensein war und sie beide hegten den Wunsch endlich richtig miteinander zu schlafen. Dies, verbunden mit der wenigen Zeit, die sie in den letzten Tagen füreinander hatten, sprach natürlich ihre Hormone an, die in ihrem jungen Alter besonders schnell darauf reagierten.

*

Das nächste Stöhnen das sich lösen wollte, unterdrückte Tobias so gut es ging. Aber trotzdem musste er leise Keuchen.

"Ich... ich kann nichts dafür. Deine Hände sind schuld. Sie machen, dass mein Herz schneller schlägt und das Blut schneller fließt. Besonders an Stellen, wo ich es gerade gar nicht gebrauchen kann", murmelte der Braunhaarige vor sich hin und spürte, wie er rot wurde.

Oh Mann, er machte sich hier gerade zum Deppen. Was Niklas wohl von ihm dachte?

*

Niklas erbebte bei dem Geständnis und schluckte tief. Das könnte nun der richtige Moment sein! Sie waren beide erregt und zurzeit noch ungestört. Besser konnte es gar nicht sein!

Schnell und voller Vorfreude löste sich Niklas von Tobi, eilte zur Tür und schloss diese ab, damit auch keiner aus Versehen herein platzte und etwas sah, dass er besser nicht gesehen hätte. Dann huschte er zu seinem Freund zurück und setzte sich rittlings vorsichtig auf dessen Oberschenkel, platzierte einen weiteren Kuss auf Tobias' Rücken.

*

Als sich die Hände von Niklas von seinem Rücken lösten, drehte Tobias seinen Kopf und blickte fragend seinem Freund nach. Warum er die Türe abschloss, war ihm noch nicht so ganz klar, aber als sein Engelchen wieder zu ihm kam und sich auf seine Oberschenkel setzte, ging ihm ein Licht auf.

Sie würden also endlich...

Alleine bei dem Gedanken musste der 23-Jährige schon aufstöhnen und der Kuss auf seinem Rücken machte es auch nicht besser. "Niklas", murmelte er leise und hätte sich jetzt zu gerne umgedreht, Muskelkater hin oder her, aber Niki unterband das ja so einfach.

*

"Pst... keine Angst. Wir hören sofort auf, wenn es dir zu sehr weh tut!", versprach Niklas. Er wusste, dass Tobias genau ahnte warum Nik abgeschlossen hatte und somit musste er ihm auch nichts mehr erklären. Sanft legte er wieder die Handflächen auf Tobis Rücken und begann dann die Muskeln wieder durchzukneten, verband dies aber mit einigen zarten Streicheleinheiten und Küssen. Gott... es war so schön Tobi wieder berühren zu können - nicht nur im Sinne von schmusen sondern richtig - mit einem ganz genauem Ziel.

*

Oh Gott, Tobias hatte keine Angst. Zwei Mal waren sie beinahe soweit gewesen und zweimal waren sie immer gestört worden.

Nur die Finger hatte dem Jüngeren nicht wirklich gereicht, hatten ihn neugierig darauf gemacht, wie es sein würde, wenn sie richtig miteinander schliefen.

Der Braunhaarige schnurrte lauter auf und bog seinen Rücken den Fingern entgegen. Es kribbelte ganz doll, da wo sein Engelchen ihn berührte und die Muskeln langsam aber sicher wieder weich und geschmeidig wurden.

*

Niklas spürte dass sich die Muskeln wieder lockerten und lächelte erleichtert. So würde der Muskelkater seinen Eisbären wenigstens bei ihrer Vereinigung nicht belästigen. Ob dieser jedoch nach dem Sex zurückkehren würde wusste Niklas nicht, doch er würde es mit dieser Massage zu verhindern versuchen.

Als er mit Armen und Rücken fertig war, glitt er von den Schenkeln runter und griff unter seinen Schatz, um dessen Hose zu öffnen. "Ich denke mal, dass du auch in den Beinen Muskelkater hast?"

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Na ja, eigentlich nicht wirklich und da war was anderes hart als seine Muskeln, aber Tobias nickte lieber mal und gab ein "mh..." von sich.

Es fühlte sich einfach viel zu gut an, so von Niklas berührt zu werden. Und es ließ sein Blut immer mehr in Wallung geraten.

Ein wenig hob Tobi sein Becken an, damit der Blonde ihm die Hose leichter ausziehen konnte.

*

"Danke für die Hilfe...", raunte Niklas heiser und zog dann die Hose samt Unterhose nach unten, begrüßte den runden Po sofort mit einem schmatzenden Kuss. "Hallo Süßer...", dabei murmelnd.

Dann erhob er sich von den Oberschenkeln, um die Hose ganz auszuziehen und betrachtete anschließend den nackten Körper neben sich. "Weißt du eigentlich, dass du gerade unglaublich sexy aussiehst?"

*

Tobias erschauerte, als er das heißere Raunen von Niklas hörte. Wusste der eigentlich, was er damit Tobi antat? Der Kuss fühlte sich gut an.

Tobias drehte seinen Kopf wieder in die andere Richtung und blickte mit funkelnden Augen zu seinem Freund. "Wie sexy sehe ich denn aus?", wollte er mit heißerer Stimme wissen.

"Komm her und Küss mich", verlangte der Braunhaarige. Er wollte sich in ihrem Kuss verlieren.

*

"Oh, wie sexy du aussiehst kann ich nicht beschreiben. Du bist unbeschreiblich schön und somit auch unbeschreiblich sexy", flüsterte Nik und legte sich neben Tobi, presste dann seine Lippen auf die des Dunkelhaarigen und zog ihn an sich.

Während seine Zunge um Einlass bat, drehte er Tobi auf den Rücken und legte sich schließlich auf ihn. Da er noch seine Kleidung trug, konnte er leider nicht das Gefühl von Haut auf Haut genießen, doch der Blonde war überzeugt, dass Tobi gleich dafür sorgen würde.

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Nur zu gerne gewehrte der Braunhaarige Einlass, da musste Niklas gar nicht lange betteln.

Als er den starken Körper auf sich spürte, schlang Tobias seine Arme um Niklas und ließ die eine Hand unter das Oberteil gleiten, begann den Rücken zu streicheln, während die andere den Nacken streichelte.

Sobald sie den Kuss ausgekostet hatten, würde er sich um diese störende Kleidung kümmern.

Schließlich, nach einer langen Schlacht, lösten sich die beiden wieder schwer atmend.

"Du hast mir zu viel an", murmelte der Kleinere und bäumte sich auf, schubste so Niklas von sich. Der hatte ihm das bestimmt nicht zugetraut.

Aber Tobias hatte wichtigeres zu tun und so machte er sich an den Sachen des Blonden zu schaffen, hatte ihn ziemlich schnell von dem überflüssigen Stoff befreit.

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"Ich hatte mir auch zu viel an...", murmelte Niklas verdutzt, als es vorbei war und er schon nackt unter Tobias lag. "Ich wette des Muskelkater war nur eine Ausrede - gib's zu. So leidend wie du vorhin getan hast... und jetzt schmeißt du mich fetten Kerl von dir runter!"

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Tobias leckte sich bei dem Anblick über die Lippen. Das konnte er so oft haben wie er wollte.

Der Braunhaarige krabbelte so über Niklas, dass er sich auf beiden Seiten abstützen konnte und blickt in die blauen Augen. "Erstens und das ist am wichtigsten, bist du nicht Fett Engelchen. Du bist genau richtig und so liebe ich dich", erklärte der Kleinere und streichelte ein wenig über den trainierten Bauch.

"Und zweites, war es keine Ausrede. Aber deine Massage hat gut getan. Sehr gut sogar", schnurrte er und legte sich dann auf Niklas, begann sich an ihm zu reiben. Damit der freche Kerl auch mal sah, was er da angerichtet hatte.

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"Oh ja... ich merkte, dass die dir sehr gut getan hat...", stöhnte Niklas erregt und drehte Tobi einfach wieder unter sich, übernahm jetzt selbst den Rhythmus ihrer Hüften. Gierig bedeckte er wieder die vollen Lippen mit seinen, ließ seine Zunge das fremde - und doch so bekannte - Land von Tobis Mund erkunden. Göttlich!

*

Der Braunhaarige lächelte verrucht und schlang seine Arme um Niklas, drückte ihn fester an sich, als der wieder auf ihm lag.

Ihre Zungen lieferten sich einen heißen Kampf, bei dem dieses Mal Tobias nicht ganz untätig blieb, sondern nach Leibeskräften verteidigte.

Seine Hüfte hob sich selbständig, erhöhte somit noch die Reibung ihrer Erregungen. Himmel, er wollte endlich wieder gefüllt sein. Für den Anfang auch Finger, damit Niklas ihn vorbereiten konnte.

Apropos vorbereiten. Tobi hatte doch Gleitgel und Kondome eingepackt. Ob sie letztes brauchten, wusste er noch nicht, aber erstes konnte sehr hilfreich sein. Er hatte einfach gehofft, dass sie auch noch richtig miteinander schliefen.

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Keuchend trennte Nik den Kuss nach einer Weile und sah Tobi schwer atmend an. "Wow... Baby du bist echt gefährlich!", grinste er und küsste nochmal, die mittlerweile geschwollenen, Lippen, bevor er sich langsam über den Hals nach unten küsste. Es wurde Zeit, dass er Tobi an sich gewöhnte - er wusste ja mittlerweile wie das ging

*

Schwer atmend und mit roten Wangen lag Tobias da und fühlte den Küssen nach. "Nur bei dir", murmelte Tobias und hob leicht seinen Kopf, beobachtete seinen Freund.

Leise stöhnte der 23-Jährige auf, als sich eine freche Zunge um einen seiner Nippel kümmerte. "Niki, in der Außentasche meiner Reisetasche, ist etwas, das uns helfen wird. Das solltest du jetzt noch holen“, keuchte Tobi. Diese Zunge machte ihn einfach verrückt.

*

Verwirrt löste sich Niklas von den rosigen Brustwarzen und leckte sich die Lippen, blickte dann zu Tobias rauf. "In deiner Reisetasche?", fragte er noch mal und rollte dann von seinem Freund runter, stieg aus dem Bett und ging nackt und erregt zu Tobis Tasche, hockte sich hin und begann in der Außentasche zu kramen.

Kurz darauf zog er eine Tube und kleiner verpackte Dinger raus. "Sind das Kondome?", fragte er neugierig. Noch nie hatte er die Dinger in echt gesehen, Kinder wünschten sich so etwas nicht und er kannte sie auch nur aus der Werbung.

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Der Jüngere stemmte sich auf seinen Ellenbogen hoch und beobachtete lippenleckend seinen Freund, wie er nackt und nicht gerade wenig erregt durch das Zimmer lief.

"Ja, sind es. Ich dachte ich pack sie mal ein, weil ich gehofft habe, dass wir uns noch richtig vereinen", gab Tobi zu und spürte, wie er ein wenig rote wurde.

Aber warum? Es war ja nichts dabei den Wunsch zu haben, mit seinem Freund eins zu werden. "Und die Tube, das ist Gleitgel. Damit kannst du mich einfacher vorbereiten."

Einen Augenblick wartete der Wuschelkopf noch, aber sein Freund kam immer noch nicht. "Bitte Engelchen. Komm wieder her. Ich will dich in mir spüren. Ich brauche jetzt einen ganzen Mann", raunte er lüstern und begann sich dann selber mit einer Hand zu streicheln, leise zu stöhnen.

Vielleicht kam sein Freund ja dann wieder.

*

"Boah! Hör sofort auf damit. Das ist meine Aufgabe!", rief Niklas und rannte förmlich zum Bett zurück, löste Tobis Hand mit seiner eigenen ab und stützte sich gleich wieder stürmisch auf Tobias' Lippen.

Erst nach einer Weile wurde er ruhiger, küsste sinnlich langsamer und auch seine Hand driftete nun weiter nach unten, stellte Tobis Beine auf und spreizte sie zart, bevor er mit einer Hand dazwischen rutschte und erst mal nur den Eingang neckte.

*

Na das hatte doch bestens funktioniert. Zufrieden grinste Tobias in den Kuss und erwiderte nicht minder stürmisch.

Aber auch das sinnliche, was danach eintrat, erwiderte der Braunhaarige mit derselben Intensität. Das war einfach herrlich und Niklas inzwischen ganz schön talentiert.

So bekam er auch kaum mit, was Niki sonst noch mit ihm tat. Erst als er die Hand zwischen seinen Beinen spürte, spreizte er sie noch ein wenig mehr und streckte sich in den Kuss stöhnend der Hand entgegen. Niklas sollte ihn nicht so hinhalten. Das war nicht fair.

Aber protestieren konnte der Kleinere ja nicht, weil er gerade den Mund voll hatte.

*

Doch den gab Niklas kurz darauf frei, denn er wollte sehen was er tat und besonders auf Tobis Gesicht achten. Ein letztes Mal küsste er ihn liebevoll und sah ihm in die Augen. Dann flüsterte ein ehrliches: "Ich liebe dich!", bevor er die Gleitcremetube öffnete und sich davon etwas auf den Finger gab.

Diesen langsam wieder am Eingang Tobis platzierend, begann Nik die Brustwarzen mit Zunge und Lippen zu necken, bevor er einen Finger sanft eindringen ließ.

*

"Ich dich auch. So sehr", wisperte Tobias leise und beobachtete seinen Freund dann.

Alleine der Anblick, wie der Blonde seinen Finger vorbereitete, ließ ihn noch erregter werden.

Als Tobias die Nasse Zunge auf seiner Brust spürte, kralle sich die eine Hand in das Laken, während die andere Halt in Niklas Haaren suchte.

Der glitschige Finger der kurz darauf in ihn eindrang, ließ Tobi stöhnen. "Bitte, beweg ihn, Niki", bat er mit tiefer Stimme.

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"Moment..." Niklas wollte erst ganz eindringen und sichergehen, dass er Tobi nicht weh tat bevor er weiter machte. Und erst als er sich dessen vergewissert hatte, indem er genauestens die Gesichtszüge seines Liebsten beobachtete, begann er den Finger zu bewegen, imitierte eine Stoßbewegung. Nach einer kleinen Weile nahm noch einen zweiten und dann noch einen dritten Finger hinzu, damit Tobi auch wirklich ausreichend geweitet war für ihn.

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Tobi kam aus dem Stöhnen gar nicht mehr heraus, so gut fühlte es sich an, was sein Liebster mit ihm tat.

Laut schreiend warf der Braunhaarige seinen Kopf in den Nacken und bog seinen Rücken durch, als diese genialen Finger seine Prostata berührten. "Nochmal", keuchte er.

*

Niklas nickte nur und stieß erneut seine Finger gegen die Stelle, die Tobias Schauer durch den ganzen Körper laufen ließ. Immer und immer wieder, bis Tobias sich vor ihm nur noch stöhnend herumwinden konnte. Nun wollte er aber mehr, Tobi nicht nur mit Fingern erobern.

Also zog er sich zurück, wischte sich die Finger an einem schnell gezückten Taschentuch ab und blickte dann fragend zu Tobias hoch. "Willst du mich mit... Kondom??"

*

Es brauchte einen Moment, bis Tobias wieder gerade aus denken konnte. Verdammt, Niklas war mit seinen Fingern mehr als geschickt.

Na ja, dem Braunhaarigen war es egal, solange er nur endlich das heiße, harte Glied in sich spüren konnte.

Aber andererseits war Niki vorhin auch so von dem Kondom fasziniert gewesen und es war sicherer gegen irgendwelche Krankheiten.

Also setzte Tobias sich auf, griff sich das Tütchen und riss es auf. Während er seinen Freund tief küsste, rollte er geschickt das Kondom über die stattliche Erregung und versorgte sie auch gleich mit Gleitgel.

Danach schubste er seinen Freund mit den Worten "Lass mich nur machen", nach hinten, sodass Niklas auf dem Rücken zu liegen kam. Als nächstes krabbelte er über seinen Freund, machte es sich auf dessen Hüfte bequem und griff behutsam nach Niklas Glied, führte es zwischen seine Backen, bis er die Spitze an seinem Eingang spüren konnte.

Die ganze Zeit blickte er in die blauen Augen, als er Stück für Stück die Erregung in sich aufnahm.

*

Niklas wollte den Blick erwidern, doch als er die Enge und Hitze um sich spürte, konnte er nichts anderes tun, als den Kopf in den Nacken zu werfen, tief zu stöhnen und die Augen zu schließen. Das war gut! Keuchend spürte er jeden Zentimeter mehr, es wurde enger, heißer und einfach... geiler. "Wahnsinn!"

*

Tobias tat dasselbe, denn der Anblick den Niklas bot, war einfach nur heiß.

Als er seinen Freund ganz in sich aufgenommen hatte, hielt der Braunhaarige erst einmal still. Nicht das er Niklas noch überforderte, weil der das nicht gewohnt war.

Nach einer Weile, stützte sich der Wuschelkopf mit seinen Händen auf der Brust des Älteren ab und begann sich langsam auf und ab zu bewegen. "Ich liebe dich", murmelte er dabei.

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"Gott... ich liebe dich auch Tobias...", stöhnte Niklas und warf den Kopf hin und her, ließ Tobias ihn reiten, so wild wie er wollte.

Doch nach einer Weile war ihm das nicht nah genug, also setzte er sich auf und nahm Tobis Lippen für sich ein, half ihm dabei den Takt aufrecht zu erhalten.

*

Zufrieden schlang Tobias die Arme um seinen Freund und erwiderte den Kuss.

Oh Gott war das einfach gut, wenn Niklas sich mitbewegte. Besser als alles was er je gehabt hatte. So hätte sein erstes Mal emotional und vom Körperlichen her sein sollen. Aber das holte er ja eben mit seinem Freund nach.

Sonst ließ sich der 23-Jährige ja immer dominieren, aber nun wurde er richtig wild, das kannte er so nicht von sich.

*

Niklas versuchte mit Tobis Rhythmus mitzuhalten, stieß so gut zu er konnte, doch Tobias hatte mehr Erfahrung und ritt ihn wie der Teufel und da Niklas das alles dann doch nicht so gewöhnt war, kam es auch dass sein Orgasmus viel zu früh anrückte, er den Kopf schreiend nach hinten warf und kam.

*

Der Braunhaarige ging ja sonst nicht so ran, aber jetzt konnte er einfach nicht an sich halten.

Weil Tobias so lange nicht mehr mit jemandem geschlafen hatte und der Anblick von Niklas so heiß war, kam auch er mit Niklas Namen auf der Lippen zu seinem Höhepunkt, verengte sich immer wieder um die Erregung des Blonden.

Schwer atmend und mit roten Wangen ließ er sich einfach nach vorne fallen und versuchte wieder Luft in seine Lungen zu bekommen.

*

Niklas fing Tobias auf und sank dann selbst nach hinten auf den Rücken. Bis sie beide aufeinander lagen, immer noch verbunden. "Oh Tobi... das war so schön... so intensiv! Ich liebe dich so sehr...", raunte Niklas ergriffen und streichelte zart über Tobias' Schulter.

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Träge schnurrte der Braunhaarige und ließ sich streicheln. "Ich dich auch und es war das beste Mal das ich je hatte", murmelte Tobias und streichelte leicht über Niklas Seiten. "Ich hoffe, ich hab dein erstes Mal schön gemacht."

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"Oh ja das war es. Mit etwas Training werde ich auch sicher nicht mehr so schnell fertig sein und kann es länger genießen!", lachte Niklas und glitt vorsichtig aus Tobias heraus, streckte sich dann lang aus und drapierte Tobi auf sich. "Wie geht es dir? Immer noch Muskelkater?"

*

"Ist nicht so schlimm. Jeder fängt doch mal klein an", erklärte der Braunhaarige verständnisvoll.

Zufrieden schreckte sich Tobi auf seinem Freund und spüre dann nach, ob da noch was war. "Nein, keiner mehr da. Ich glaub das brauch ich jetzt immer, wenn ich wieder Muskelkater habe." Breit grinste Tobias und hob leicht seinen Kopf um sich einen Kuss zu holen.

So bis in alle Ewigkeiten liegen bleiben, das wäre schön.

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"Hm dann hoffe ich, dass du noch oft Muskelkater hast!", grinste Niklas und rollte sich auf die Seite, Tobias mit ihm, sodass sie sich Auge in Auge gegenüber lagen. "Weißt du eigentlich, dass du das Beste bist, was mir je passiert ist?"

*

Der Wuschelkopf grinste breit zurück und erklärte: "Wir können auch gerne miteinander schlafen, wenn ich keinen Muskelkater habe. Es gibt da noch die eine oder andere Stellung und unter einer Dusche würde ich dich gerne auch noch spüren"

"Nein, das hast du mir bisher noch nicht gesagt. Aber du bist ebenso das Beste was mir passieren konnte. Und ich will auch gar nichts anderes mehr. Nur mit dir glücklich werden und ein oder zwei Kinder großziehen. Auf die eine oder andere Weise."

Tobi hauchte einen Kuss auf Niklas Brust und kuschelte sich dann wieder an seinen Freund. "Wie lange haben wir noch Zeit für uns bevor wir wieder arbeiten müssen?"

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"Keine Ahnung, ich weiß nicht mal wie spät es ist", murmelte Niklas und vergrub seine Nase in Tobias' Haar, zog ihn fest an sich und breitete gerade die Decke über sie beide aus, als es an der Tür klopfte und die Stimme seiner Mutter erklang. "Aufwachen ihr zwei, Frühstück!"

*

Tobi wollte gerade seine Augen wieder schließen und noch ein wenig vor sich hindösen, als er das Klopfen hörte. "Also nichts mit weiter kuscheln. Aber wir sollten duschen gehen", stellte der Jüngere fest und rief zur Tür, dass sie runter kommen würden, nachdem sie im Bad waren. Sie sollten ruhig schon einmal anfangen.

"Getrennt - das geht schneller oder zusammen duschen?", wollte er dann noch wissen.

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"Zusammen geht schneller. Wir haben uns ja gerade begrabbelt, da können wir das im Bad ja mal lassen!", lachte Niklas und stieg aus dem Bett, streckte sich erst mal genüsslich, bevor er sich das Kondom vom Glied zog und in den Müll war. Danach suchte er sich frische Kleidung aus dem Schrank und wickelte ein Handtuch um die Hüfte, bevor er die Tür aufschloss und rüber ins Bad ging.

*

Niklas hatte Recht. So befriedigt und glücklich würde das sicherlich kein Problem sein, seine Finger von seinem Freund zu lassen.

Also erhob der 23-Jährige sich und versorgte sich dann selber mir einem Handtuch und neuer Wäsche, bevor er Niklas über den Flur ins Bad folgte.

Dort legte er seine Sachen auf den Badewannenrand und schloss dann die Tür hinter sich ab, damit sie niemand störte. Es hieß zwar, sie würden alle Essen, aber man wusste ja nie, wer noch nach ihnen sehen wollte.

"Darf Michel jetzt eigentlich wieder regulär aus seinem Zimmer oder hat er immer noch Arrest?"

*

"Das weiß ich nicht. Du kannst ihn ja heute beim Frühstück fragen", schlug Niklas vor und stieg dann unter die Dusche, nachdem er seine Sachen ebenfalls abgelegt hatte. Schnell stellte er das Wasser an und begann sich zu waschen. Er war ganz schön hungrig.

*

Nickend folgte der Kleinere Niklas unter die Dusche und begann sich ebenfalls zu waschen. Er wollte Niklas Familie nicht so lange warten lassen und er hatte Hunger. Immerhin hatte er ja gestern schon nichts zu Abend gehabt.

"Es hat mich nur interessiert, weil ich ihn ja gestern außerhalb seines Zimmers gesehen habe", erklärte Tobi, während er seine Haare einschäumte.

*

"Na ja wie gesagt, frag ihn nachher einfach", lächelte Nik, küsste Tobi noch mal und seifte sich selbst ein, spülte sich ab und kurz darauf - nachdem auch Tobi seinem Beispiel gefolgt war - verließen sie wieder die Dusche, zogen sich an und fanden sich kurz darauf beim Frühstück ein.

*

Dort wurden sie freudig begrüßt und sofort wollten alle wissen, wie es Tobias ging. Immerhin hatten sie sich Sorgen gemacht, nachdem der Braunhaarige gestern nicht zum Essen erschienen war.

Der konnte beruhigen und erzählte von seinem Muskelkater weil er das Arbeiten nicht gewohnt war und das Niklas die verspannten Muskeln massiert hatte. Jetzt war wieder alles in Ordnung.

So waren auch Niklas Eltern und deren Kinder beruhigt und die beiden Liebenden begannen mit Frühstücken. Damit sie den Tag überstanden und nicht wegen Entkräftung zusammen brachen.

"Michel, hast du eigentlich noch Zimmerarrest oder darfst du wieder frei herum laufen?", fragte Tobias nach einer ganzen Weile in der sie über alles möglich geredet hatten.

*

"Oh Papa war gnädig und hat mich frei gelassen. Wohl eher damit ich mithelfen kann beim Verladen heute und morgen!", lachte Michel und erntete einen bösen Blick Santas.

*

Tobias verstand nicht so Recht, warum Santa jetzt so böse kucken.

Michel würde wohl irgendetwas gesagt oder getan haben, dass das Ganze rechtfertigte und der Braunhaarige nicht verstand. Aber er würde sich da auch nicht einmischen, das ging alleine den Dunkelhaarigen und dessen Vater etwas an.


Ziemlich bald war auch das Essen beendet und so machten sich alle wieder an ihre jeweiligen Aufgaben. Carol machte mit Hilfe von Luci das Geschirr, die anderen Geschwister zogen sich auf ihre Zimmer zurück und Niklas sowie Tobias und Santa machten sich mit einem kleinen Abstecher in den Ställen bei Yuki auf den Weg in die Werkstatt.

Michel lief die Stufen hoch unters Dach als er sichergestellt hatte, dass ihn niemand sah. Sonst müsste er Rede und Antwort stehen und die Zwillinge verquatschten sich so leicht.

*

Auf dem Dachboden angekommen erwarteten ihn schon die drei Eulen, die er gestern mit den Briefen losgeschickt hatte. Schnell holte er sie von den Eulenbeinchen und begann dann nach und nach diese durchzulesen. Gut, dann konnte er ja jetzt alles vorbereiten... .



Braune Blätter [Chaotizitaet]

22 – Joshua



Ich weiß nicht, was ich erwartet hatte, als wir an den Creswell Crags ankamen. Im Gegensatz zu Josh und Cal hatte es bei uns deutlich länger gedauert, ehe wir die Stadt hinter uns gelassen hatten, was zum Großteil daran lag, dass Caleb nicht im Twice gewesen war, als Khristov hereingestürmt kam und von den Geschehnissen draußen bei den Höhlen berichtete.

Dennoch war es gespenstisch, dass wir, als wir das Auto abgestellt hatten, nichts von einem Kampf hören konnten. Es war dunkel, ja. Es war eine kalte Winternacht, soweit so gut. Aber man sollte doch annehmen, dass ein Kampf in den Höhlen durch ein Echo nach draußen getragen würde. Und dennoch herrschte Stille. Mein Blick fiel auf den anderen Wagen, der neben einem Motorrad vor den Höhlen parkte. Es war das erste Mal, dass ich etwas sah, das per Definition auf die andere Ebene gehörte. Es war damit auch das erste Zeichen, dass mit diesem Ort definitiv etwas nicht stimmte. Doch wie sollten wir den Kampf finden...

Dann entdeckte ich Khristov. Er war uns vorausgeeilt, nachdem er die anderen braunen Blätter in der Kathedrale benachrichtigt hatte. Jetzt aber wartete er auf uns, wenngleich etwas Ungeduld in seinem Gesicht stand.

„Wo lang?“, fragte Caleb knapp.

Khristov deutete stumm auf den Eingang der Höhle, die als ‚Church Hole’ bezeichnet wurde.

Mit einer Taschenlampe, die ich im Handschuhfach von Calebs Wagen gefunden hatte, bewaffnet, drangen wir in die Höhle ein. Nur das Echo unserer eigenen Schritte begleitete uns, ließ mich daran zweifeln, am richtigen Ort zu sein.

„Da hinten. Wir haben es vorhin beinahe übersehen, als wir es erkundet haben. Aber dann sahen wir plötzlich einen Fremden“, versuchte Khristov die Vorgänge an diesem Ort zu erklären. „Wir kennen einander, alle. Also, wir kennen alle braunen Blätter auf unserer Seite. Aber bei dem Fremden... wir konnten sofort erkennen, dass er auch ein braunes Blatt war. Doch er gehörte nicht zu uns. Da wurde uns klar, dass er zu der Gruppe von der anderen Seite gehörte, die ebenfalls die Höhle erkundete. Und die Tatsache, dass wir einander plötzlich sehen konnten, zeigte, dass wir irgendwas entdeckt hatten.“

Ich nickte. Irgendwie hatte ich so etwas fast schon erwartet, wenn man bedachte, dass wir vorhin den Wagen von Cal und Josh hatten sehen können. Was auch immer hier geschah, es ließ die Ebenen verschmelzen, die Barrieren zwischen ihnen verblassen.

Khristov führte uns durch die Höhle, die, besonders unter Berücksichtigung, dass wir lediglich das Licht einer Taschenlampe hatten, um den Weg zu erhellen, nicht von dem abzuweichen schien, was wir zu sehen erwarteten: Eine Höhle eben. Gut, hier und da fiel der Lichtkegel kurz auf etwas, das eine steinzeitliche Zeichnung sein mochte, aber in meinem Kopf war im Moment kein Platz für Neandertaler und ihnen folgende Bewohner der Höhlen.

Endlich hatten wir das scheinbare Ende der Höhle erreicht. Doch zu unserem Erstaunen war der Fels, auf den das Licht der Taschenlampe nun fiel, keineswegs massiv. Khristov winkte uns, ihm zu folgen, als er förmlich in der Wand zu verschwinden schien. Zögerlich streckte Caleb seine Hand aus und wir staunten nicht schlecht, als sie ebenfalls im Fels verschwand. Es war nur eine Illusion!

Kurz warfen wir uns noch einen letzten Blick zu, dann traten wir entschlossenen Schrittes durch die Wand. Und dann hörten wir es.

Die Geräusche.

Den Lärm.

Rufe.

Schreie.

Holz und Metall, das aufeinander prallte.

Waffen.

Schwirren.

Tierlaute.

Menschen.

Worte, die wir nicht verstanden.

Eine wilde Kakophonie, die uns in Atem hielt, noch ehe wir recht sehen konnten, was geschah. Denn noch hatten wir eine letzte Biegung zu umrunden.



Nie hätte ich erwartet, dass sich hinter der Felswand eine ganze Welt befinden könnte. Vermutlich hatte ich nur eine weitere Höhle erwartet. Vielleicht etwas größer als die vorige. Aber gewiss keine Ebene mit grünem Gras, mit Büschen, mit einem blauen Himmel. Keine Hügel in der Ferne. Keine Steinformationen, die wie Häuser aussahen. Ein Land, das sich in alle Richtungen bis zu Horizont und weiter zu erstrecken schien.

Für einen Moment war ich von dem Anblick so überwältigt, dass ich noch nicht einmal mehr die Kampfgeräusche wahrnahm. Caleb neben mir aber kam schneller wieder zu sich und zog mich mit sich, während seine andere Hand gleichzeitig zum Himmel wies. Den Ort, an dem der Kampf tobte.

Ich sah sie alle. Alle!

Alle braunen Blätter. Jene, die an meinem Baum hingen ebenso wie jene, die wir in den letzten Wochen betreut hatten, als sich ihre Blätter an Joshs Baum braun verfärbt hatten. Unsere Freunde, Vermissten, Gestrandeten, wie sie wieder und wieder mit den ihnen in diesem Zustand eigenen Fähigkeiten Bäume und Felsen in Windeseile erklommen, sich von den höchsten Höhen abstießen, um schließlich nach einem braunen Gewirr im Himmel zu greifen. Ich sah ein Funkeln wie Diamanten aufblitzen, wenn sie das Gewirr erreichten, ich sah aber auch Myriaden von Geschöpfen – Menschen, aber auch Wesen, die ich bestenfalls aus den Märchen kannte... Zwerge, Elfen, Kobolde und viele mehr – den gleichen Weg beschreiten, um die braunen Blätter an ihrer Mission zu hindern, was auch immer ihre Mission war. Sie waren bewaffnet mit Knüppeln, Schwertern und Äxten, hackten nach den Gestrandeten, verfluchten sie kreischend, klammerten sich an ihre Beine und versuchten sie zu Boden zu reißen. Einige der kleineren Gestalten hatten sich auf den Rücken geflügelter Fabelwesen geschwungen und versuchten so eine Barriere zwischen den Blättern und dem braunen Gewirr zu bilden. Doch auch die braunen Blätter, ungeachtet der Schläge, die sie einstecken mussten und die mit Sicherheit mehr als nur Schmerz verursachten, hielten sich nicht zurück, nicht gewillt sich an ihrer Mission hindern zu lassen. Dicke Stöcke dienten ihnen als Waffen, mit denen sie nach ihren Angreifern schlugen. Hier und da war es ihnen gelungen, ein Kurzschwert oder einen Dolch zu erobern, von dem sie nun Gebrauch machten. Alles in allem ein Chaos an Gewalt aber auch ein Chaos an Entschlossenheit, vor dem ich widerwillig so etwas wie Ehrfurcht empfand. Ein Chaos, in dem ich kaum ein bekanntes Gesicht ausfindig machen konnte, schienen doch die Bewegungen alle ineinander zu verschwimmen.

Und dann spürte ich es. Erkannte, was das Gewirr war. Hörte endlich tief in mir auch dieses dumpfe Pulsieren, vertraut und doch unbekannt. Es war etwa fünfundzwanzig Jahre her, dass ich dieses Gefühl zuletzt so deutlich vernommen hatte, auch wenn es mich seither stets begleitet hatte.

Es war der Herzschlag des Baums der Lebenden.

Das Gewirr am Himmel – es war nichts anderes als die Wurzeln des Paradiesbaumes. Und nun, da ich erkannt hatte, was es war, sah ich auch, dass es nicht nur die Wurzeln meines Baumes waren, die sich dort kreuz und quer über das Blau des Himmels erstreckten, sondern auch die Wurzeln des Baums der Sterbenden. Doch ich erkannte auch, dass die Wurzeln krankten. Dass irgendetwas an ihnen nagte.

Wieder ein Funkeln und gleich darauf landete ein braunes Blatt ganz in meiner Nähe. Nun sah ich, was diese gestrandete Seele offenbar aus einer der Wurzeln der Bäume gezogen hatte: ein Metallstück, mehr ein großer Splitter, vielleicht so groß wie die Klinge eines Obstmessers! Metall?

Noch immer von Caleb gezogen, erreichte ich die Stelle, wo Josh und Cal standen. Zum ersten Mal in unserem Leben standen wir uns von Angesicht zu Angesicht gegenüber. Doch wir waren nicht allein. Josh und Cal hatten den Blick starr auf eine Gestalt vor ihnen gerichtet, schienen sie so in Schach halten zu wollen: Neil! Das musste Neil sein. Die Gestalt kam mir vage bekannt vor, aber wer sonst sollte es sein?

Dieser hatte ihnen jedoch den Rücken zugewandt, schien sich durch ihre Gegenwart nicht beeindrucken lassen zu wollen. Um ihn herum schwirrten Vögel – Stare, wie ich auf den zweiten Blick erkannte, die hier jedoch nicht ihr Winterkleid sondern den prächtigen Federschmuck des Frühjahres trugen. Und jeder dieser Vögel trug einen der zu Boden gefallen Metallsplitter im Schnabel, um ihn Neil zu überbringen, der ihn dann mit einer altertümlichen Steinschleuder hoch in den Himmel zu den Wurzeln schickte.

Sollte... War Neil an allem Schuld? War es das Metall, das die Bäume verletzte und so dafür sorgte, dass sich immer mehr Blätter braun färbten? Wieso? Und weshalb...?

„Weshalb steht ihr hier nur da und hindert ihn nicht daran, die Wurzeln weiter zu schädigen?“, grollte Caleb plötzlich wütend und schüttelte Cal und Josh.

Cal wirbelte herum. „Meinst du nicht, wir hätten das versucht?“ Rote, blutige Striemen in seinem Gesicht, die eindeutig von den Vögeln stammten, zeigten deutlich, dass sie versucht hatten, zu Neil durchzudringen. „Es ist unmöglich. Er ist wie von einem gefiederten Schutzschild umgeben!“

„Vielleicht geht es nicht zu zweit. Aber wir sind jetzt zu viert! Du, Joshua und ich werden die Vögel vertreiben. Josh soll ihn aufhalten. Er wird vermutlich die größten Chancen haben!“, befahl Caleb mehr, als dass er es vorschlug.

Ich nickte nur und eilte zu einem nahen Gehölz, um uns mit passenden Ästen zu versorgen, die wir nutzen konnten, um die Vögel zu vertreiben.

Als ich zu den anderen zurück kam, sah ich, dass Joshs Gesicht tränenüberströmt war. Wässrig rote Rinnsale rannen seine Wangen hinab, zeugten davon, dass auch er ein Opfer der Vogelabwehr geworden war. „Wieso? Wieso tut er das nur? Er muss doch spüren, dass es falsch ist. So falsch.“

Ich drückte ihm aufmunternd die Schultern. „Frag ihn das, Kleiner“, sagte ich. „Frag ihn das, wenn wir dir gleich einen Weg zu ihm freimachen.“ Es war schon seltsam: Obwohl Josh und ich als identische Zwillinge hätten durchgehen können und folglich auch gleich groß waren, war Josh für mich mehr ein kleiner Bruder, den es zu beschützen und zu stärken galt.

Dann nickte ich den beiden Scouts zu. Mit verbissenem Einsatz machten wir uns daran, die Vögel zu verscheuchen, die Neil umgaben. Wieder und wieder schwangen wir unsere Äste durch die Luft, nicht darauf achtend, ob wir vielleicht eines der Tiere trafen, nicht darauf achtend, ob eines der Tiere uns mit Krallen oder Schnabel verletzte. Es gab nur noch einen Gedanken: Wir mussten zu Neil durchdringen und dem Ganzen ein Ende bereiten, oder die Welt wäre dem Untergang geweiht!



Das Rauschen der vielen hundert Vogelschwingen dämpfte den Lärm des Kampfes an den Wurzeln, die Federn nahmen uns die Sicht nach oben. Ich konnte nicht länger feststellen, wie es um die braunen Blätter bestellt war. Ich konnte noch nicht einmal Neil, unser Ziel, in dem Federtreiben genau erkennen. Schemenhaft verschwamm alles. Wieder und wieder schwang ich den Ast, zuckte schmerzhaft zusammen, als ich selbst von einem getroffen wurde. Caleb oder Cal, einer von beiden musste ganz in meiner Nähe sein, ähnlich blind. Der Kopf dröhnte mir – ich hätte nicht zu sagen gewusst, ob es von dem Schlag oder dem Lärm der Vögel kam. Und dann dröhnte auch noch der Boden. Oder bildete ich es mir nur ein? Egal, weiter!



Mit einem Mal waren keine Vögel mehr da. Wie auf ein mir unsichtbares Zeichen hin, schienen sie alle davon zu stieben. Der Himmel über mir klärte sich. Und dann traf mein Ast nicht mehr ins Leere, wie ich nach einem kurzen Moment des Nachdenkens erwartet hätte, sondern auf etwas Massives, Großes... etwas Mächtiges.

Ein warmes Schnaufen regnete auf mich nieder und als ich endlich zu mir kam, war mir, als müsste ich gleich die Besinnung verlieren. Vor mir türmte sich ein gigantischer Koloss auf, dessen Ausmaße ich von meiner momentanen Position nicht ausmachen konnte. Alles, was ich sah, war rotes, zerfurchtes Leder, das über und über mit altertümlichen Zeichen – Runen vermutlich – bedeckt war. Hastig trat ich einen Schritt zurück und stolperte dabei über Cal, der wiederum Neil zu Boden riss.

Was war das? Noch immer peitschte Adrenalin durch meinen Körper, doch der Wille anzugreifen, verblasste zunehmend und wurde von einem Gefühl der Angst überlagert. Was auch immer da vor uns stand, es war übermächtig. Es war...

„Ein Drache!“, kam es japsend von jemandem hinter mir, und als meine Gedanken sich soweit geklärt hatten, um zu begreifen, was da gesagt worden war, konnte ich die Stimme als die Joshs zuordnen. Aber... ein Drache? Das Riesenetwas vor uns war ein Drache??

Panik ließ mich hastig rückwärts krabbeln, nicht länger darüber nachdenkend, wen ich dabei vielleicht zu Boden riss, oder über wen ich krabbelte. Das da vor mir war ein Drache! Ein Drache gigantischen Ausmaßes und wenn es dem einfiel uns zu fressen, wären wir nicht mehr als ein einzelnes Popcorn für ihn. Ich wollte aber kein Popcorn sein!

Wieder spürte ich stoßweise warmen Atem über mich hinweggleiten. Wäre ich nicht so darauf bedacht gewesen, Abstand zwischen den Drachen und mich zu bringen, hätte ich vielleicht erkannt, dass der Drache lachte. Doch bitte wer dachte in so einem Moment daran, dass der Drache vielleicht lachen könnte? Ich nicht! Und den Bewegungen nach zu urteilen, die ich neben mir spüren konnte, bewegten sich Cal und Calebs Gedanken in ähnlichen Bahnen: Bloß weg hier!

Mittlerweile hatte ich Josh erreicht, doch im Gegensatz zu mir und den Scouts schien der andere Wächter wie angewurzelt zu sein. Der Schock!, sagte ich mir und versuchte ihn mit uns zu zerren. Was angesichts der Tatsache, dass ich immer noch wie ein Käfer auf dem Rücken auf dem Boden langrobbte, reichlich pathetisch anmutete. Egal! Weiter!

Plötzlich hörte ich ein menschliches Knurren. „Was soll das? Wieso mischt du dich ein? Ich hatte alles unter Kontrolle!“

Die unbekannte Stimme ließ nur einen Schluss bezüglich des Sprechers übrig. Doch war das tatsächlich Neil? War der tatsächlich so wahnsinnig, mit dem Drachen reden zu wollen, als sei es ein alter Bekannter, der zufällig vorbeigekommen war und uns beim Hickelkästchenspielen gestört hatte? Okay, ich gestand mir ein, dass man schon reichlich am Rad drehen musste, wenn man in vollem Bewusstsein die Paradiesbäume schädigte und so den Weltuntergang in Kauf nahm. Und genau das hatte Neil bis gerade eben ja noch getan. Aber mit einem Drachen so zu reden, ging dann doch zu weit. Selbst wenn man so irre war, wie es bei Neil den Eindruck machte.

Wieder dröhnte der Boden und dieses Mal hörte ich ganz deutlich, dass der Drache lachte. Und wenn so ein großer Drache lachte, dann kam das in etwa einem Erdbeben Stufe 7 gleich, wie ich es einmal während eines Urlaubs in der Dominikanischen Republik erlebt hatte. Kein schönes Gefühl. Hatte mir tagelang danach den nächtlichen Schlaf beträchtlich erschwert. Ob das in der Dominikanischen Republik damals auch ein Drache gewesen war?

Kaum war mir dieser Gedanke durch den Kopf geschossen, hätte ich mich am liebsten auch schon für diesen Unsinn geohrfeigt. Schließlich war es absoluter Blödsinn, was ich da dachte! Es gab keine Drachen unter der Erdkruste. Schließlich lebten wir nicht mehr im Mittelalter, dass wir an solchen Unfug glaubten. Genug Wissenschaftler hatten ihre Zeit und wertvolle Forschungsgelder darauf verwendet, die Plattentektonik zu erforschen. Einschließlich des Kontinentaldrifts und flüssiger sowie fester Schalen im Erdinneren. Und kein einziger Wissenschaftler war dabei auf Drachen gestoßen!

„Dass du alles unter Kontrolle hattest, konnte ich sehen... Du warst kurz davor von drei Männern niedergeschlagen zu werden und am Himmel herrschte das reinste Chaos!“, erwiderte der Drache belustigt.

Jetzt setzte es vollkommen bei mir aus und ich vergaß sogar, weiter Abstand zwischen mich und den Drachen zu bringen. Denn welcher Drache unterhielt sich bitte schön mit einem Menschen über einen Kampf als ginge es dabei um ein Minigolfturnier? Fehlte nur noch, dass der Drache ein Teegeschirr und eine Picknickdecke unter seinem rechten Flügel hervorzog.

Neil wollte aufbegehren, doch der Drache schüttelte sein Riesenhaupt. „Nein, Nisien, genug!“

„Aber Mabinogi! Wenn wir uns nicht wehren, dann wird unsere Welt zerstört. Dann werden wir aufhören zu existieren! Sieh dir doch nur die Feen und Kobolde an! Sieh dir ihren Ausschlag an. Ich kann kaum das Niesen unterdrücken. Und die Zwerge? Die Geflügelten sind kaum noch stark genug sich in die Luft zu erheben, weil dort, in ihrem natürlichen Lebensraum, bereits alles verpestet ist!“ Wie um seine Worte zu unterstreichen, wurde Neil von einem heftigen Niesanfall geschüttelt.

„Ich weiß“, erwiderte der Drache. „Aber ich weiß auch, dass wir die Bäume nicht zerstören dürfen. Denn dann bleibt die Welt stehen. Und mit ihr die Anderswelt. Dann würden wir ebenso aufhören zu existieren.“

Anderswelt? Das hier sollte die Anderswelt sein? Ungläubig starrte ich von Neil zum Drachen und wieder zurück.

„Nisien, mein Kind... Haben dich all die Jahrhunderte, ja die Jahrtausende nichts gelehrt? Haben sie nicht von Anbeginn an wieder und wieder die Lektion vor dir ausgebreitet, dass alles auf dieser Welt in einem filigranen Gleichgewicht ist? Diese Menschen hier“, eine der großen, roten Schwingen wies auf uns, „sie bewahren einen Teil des Gleichgewichts. So wie sie es erfassen, soweit sie es wissen.“

„Aber sie zerstören unsere Welt!“, begehrte Neil – oder hieß er Nisien? – erneut auf.

„Weil sie nichts von uns wissen!“, donnerte der Drache, offenkundig ungehalten darüber, dass Neil ihm nicht zugehört hatte.

„Weil wir von was nichts wissen?“, fragte Caleb, der offenbar seine Stimme wieder gefunden hatte, und nun ein paar Antworten haben wollte.

Es war Neil, der ihm antwortete. „Von uns. Von der Anderswelt. Von denen, die vor euch auf diesen Inseln herrschten. Vom alten Glauben. Von der wahren Macht!“, spie er uns entgegen.

„Na, na, Nisien. Es ist niemals gut, überheblich zu sein. Nicht einmal in deinem Alter“, tadelte ihn der Drache. „Und so etwas wie wahre Macht gibt es nicht. Es ist immer ein Miteinander, selbst wenn man sich im Kampf gegenübersteht.“

„Nisien? Wie in der Bruder von Efnisien?“ Die braunen Blätter hatten ihren Kampf mit dem Erscheinen des Drachen ebenfalls eingestellt und sich um uns versammelt. Noch immer gab es eine deutliche Trennung zwischen den anderen und uns, zwischen den braunen Blättern und den Geschöpfen der Anderswelt, bereit jeden Moment wieder auf einander loszugehen. Unweit von mir entdeckte ich Conrad. Am liebsten wäre ich zu dem alten Freund hinübergeeilt, um ihn zu umarmen, doch ich wusste, dass es in seinem momentanen Zustand keine sehr angenehme Umarmung werden würde. Aber es war tatsächlich Conrad gewesen, der soeben diese Fragen gestellt hatte.

„Ah, wie mir scheint, weiß doch jemand etwas über uns“, brummte der Drache gutmütig, während der Rest von uns Conrad anstarrte als sei diesem ein zweiter Kopf gewachsen.

„Nisien, Efnisien, ich versteh nur Bahnhof“, murmelte Cal und den planlosen Gesichtern der anderen nach zu urteilen, ging es ihnen ähnlich.

Conrad wandte sich an Cal. Ich weiß nicht, wie er es schaffte, ihn von Caleb zu unterscheiden, aber er tat es einfach. Vielleicht konnten braune Blätter ja ähnlich wie ich die Verbindung zum jeweils zuständigen Scout spüren. „Ich habe dir und Josh doch vorhin bereits erzählt, dass die Königstochter Branwen einen Star als Botenvogel eingesetzt hat. Branwen war die Halbschwester von Nisien und Efnisien. Oder in unserer Sprache: der Friedfertige und der Nicht-Friedfertige.“

„Soll das heißen, wir müssen damit rechnen, dass hier als nächstes einer aufkreuzt, der wie Neil aussieht, aber noch mehr darauf aus ist, uns zu zerstören?“, fragte Caleb. „Denn ehrlich, wenn Neil Nisien, also der Friedfertige ist, und es trotzdem darauf anlegt die Welt zu zerstören, möchte ich nicht wissen, um wie viel schlimmer der Bruder ist.“

Der Drache lachte erneut und Conrad fuhr mit seinen Erklärungen fort.

„Oh nein, Efnisien ist schon seit Urzeiten tot. Als ihre Brüder Branwen retten wollten, kam es zu Lug und Trug und einem schrecklichen Kampf, bei dem die Iren – das Volk von Branwens Gatten – im Vorteil waren, weil Branwens Bruder dem Gatten einen magischen Kessel geschenkt hatte, der Tote wieder lebendig werden ließ. Die Iren haben einfach ihre gefallenen Krieger in den Kessel geworfen und sie sprangen lebendig wieder heraus. So einen Nachschub hatten die Waliser natürlich nicht, obwohl sie, da sie unter anderem von den Riesen abstammten, gewiss kein leichter Gegner waren. Dennoch sah es nicht gut für die Waliser aus. Als Efnisien, der an so manchem Missverständnis zwischen den Iren und den Walisern schuld war, das erkannte und erkannte, dass sie verlieren würden, wenn die Iren ihren Kessel weiterhin nutzen konnten, beschloss er den Kessel zu zerstören. Er hat sich unter die Leichen gemischt und sich tot gestellt. Da aber einen Lebenden in den Kessel zu werfen, mit der Magie des Kessels nicht vereinbar war, ist der Kessel zerborsten und Efnisien ist dabei gestorben. Durch sein Opfer aber gelang es den Walisern, die entscheidende Wendung herbeizuführen.“

„Aber der Preis war fürchterlich hoch“, nahm Neil den Faden mit bedrückter Stimme auf. „Mein Zwilling war tot, mein Halbbruder ebenfalls und unsere Schwester Branwen eine gebrochene Frau. Wir kehrten zurück, weil wir unserem Land gegenüber eine Verantwortung hatten. Doch glücklich wurden wir nicht. Einer nach dem anderen, suchten wir Überlebende den Tod. Aber ich war der Friedfertige. Wie konnte ich da meinem Leben gewaltsam ein Ende bereiten? In die Welt da draußen aber gehörte ich auch nicht mehr. Ich war ein Überbleibsel eines zu Grunde gegangenen Geschlechts, ein Relikt alter Zeiten, alter Mythen. Also habe ich mich, wie so viele, die ihre Zeit überlebt hatten, in die Anderswelt zurückgezogen. Hier konnte ich endlich meinen Frieden finden. Auch wenn der Frieden im Laufe der Jahrhunderte eintönig wurde...“ Er verzog das Gesicht zu einem leicht schiefen Grinsen. Dann aber wurden seine Züge wieder hart. „Bis ihr und eure Bäume hier aufgetaucht seid und unsere Welt zu verpesten begannt! Zuerst war es nur wie ein kleiner Fleck am Himmel, kaum größer als eine Schwalbe, die gen Süden zieht. Dann aber wurde es immer mehr, begannen eure Bäume unseren Himmel zu verdunkeln! Vielleicht hätten wir es geduldet, hätten nichts dagegen unternommen. Wären da nicht die Beschwerden aufgetreten. Denn nicht nur der Himmel wurde uns genommen, eure Bäume verpesteten unsere Luft, die wir zum Atmen brauchen. Husten, Schnupfen, Ausschlag... allerlei allergische Reaktionen traten auf. Und dann, eines Tages, fand ich einen kleinen Elf, reglos unter einem Busch liegen. Er war tot! Versteht ihr? Tot! Dabei stirbt man in der Anderswelt nicht, es sei denn man wünscht es sich. Doch wieso sollte ein so junger Elf der am Vortag noch fröhlich lachend um mich herumgeflattert war, sterben wollen? Bei näherer Betrachtung musste ich erkennen, dass er erstickt war. Erstickt an der Luft, die er geatmet hatte. An der Luft, die von euren Bäumen noch immer verpestet wird!“ Trauer und Zorn hatten sich in Nisiens Stimme gemischt. „Da konnte ich nicht länger still halten. Wie sollte ich friedfertig bleiben, wenn es unser Friede war, der bedroht wurde? Ich hatte schon früher für den Frieden gekämpft – an der Seite meiner Brüder. Heute war ich allein, aber das hieß nicht, dass mir meine Brüder nichts für den Kampf hinterlassen hätten. Seit Efnisien sich geopfert hatte, hatte ich die Überreste des Kessels sorgsam bewahrt. Und wie bei dem Kessel selbst ahnte ich, dass die Stücke bei innigster Berührung mit Leben sich wehren würden. Also habe ich die Wurzeln dieser vermaledeiten Bäume mit Stücken und Splittern gespickt, und siehe da, die Wurzeln breiteten sich nicht mehr so schnell an unserem Himmel aus. Mehr Stücke, mehr Splitter und die Wurzeln schienen sich gar in Krankheit zurückzuziehen. Wir waren dabei, unseren Himmel wieder zurück zu erobern! Unseren Himmel!“

„Nur hast du übersehen, dass unser Himmel an ihren, unsere Welt an ihre gebunden ist“, sagte der Drache sanft. „Bleibt ihre Welt stehen, hört auch unsere Welt auf zu existieren. Wärest du wirklich bereit gewesen, unsere Welt zu opfern, nur damit die Bäume nicht länger unseren Himmel verpesten?“

Jetzt wandte sich Neil anklagend an den Drachen. „Und du, wärest du bereit gewesen, zuzusehen, wie unsere Welt aufhört zu existieren? Wärst du bereit, deine eigene Existenz aufzugeben? Bloß, weil uns die Luft zum Atmen fehlt?“

Mabinogi seufzte. „Du hast die Lektion noch immer nicht gelernt. Aber vielleicht ist es dir auch nicht gegeben, sie zu lernen, warst du selbst doch immer im Ungleichgewicht, als man dir den Stempel des Friedfertigen aufdrückte und deinem Bruder den Zorn überließ. Alles ist im Gleichgewicht. Selbst die Gefühle in einem Menschen. Das heißt aber auch, dass die Welt ohne die Anderswelt nicht existieren kann. Es würde etwas im Gleichgewicht fehlen, hörte die Anderswelt auf zu existieren. Oder wieso glaubst du, bin ich nach all den Jahren aus meinem Schlaf wieder erwacht? Glaubst du nicht, dass ich gespürt habe, dass die Anderswelt mich braucht?“

„Aber, wenn die Bäume ebenso für das Gleichgewicht benötigt wird, wie die Anderswelt, aber scheinbar beide nicht in Frieden miteinander leben können, was dann?“, platzte es aus mir heraus. So interessant das alles war, so interessant es war, zu lernen, dass die quasikristalline Legierung, die wir in der Erde hatten nachweisen können, offenbar von einem mythischen Kessel stammte, so wenig sah ich eine Lösung für das Problem, wie wir die Welt vor dem Untergang retten konnten. Denn wenn wir die Bäume von den Splittern befreiten, hätten wir zwar das Problem mit den braunen Blättern gelöst und könnten das Gleichgewicht zwischen Leben und Sterben wieder herstellen, aber wir hätten zugleich das Gleichgewicht zwischen Welt und Anderswelt gestört.

Der Drache Mabinogi ließ seinen Blick auf mir ruhen. „Was trennt die Welt der Lebenden von der Welt der Sterbenden?“

Ich wusste nicht recht, was ich darauf antworten sollte. Es waren einfach zwei verschiedene Ebenen. Ebenen, die hier in der Anderswelt ineinander zu fließen schienen. Aber was sie getrennt hielt, darüber hatte ich mir nie Gedanken gemacht. Und doch, da beides Paradiesbäume waren, hatten sie einst im Paradies nebeneinander existiert haben müssen, oder? Ich war ernsthaft verwirrt.

Es war Cal, der schließlich den Versuch einer Antwort machte. „Die Spiegel? Es ist zumindest das, was uns voneinander trennt, wenn wir miteinander kommunizieren...“

Eine gute Antwort, fand ich. Nur, war sie auch die richtige? Mein Blick wanderte wieder zu dem Drachen. Dieser schüttelte leicht den Kopf. „Die Spiegel bieten nur einen Weg, die Barriere zu überwinden.“

„Ich dachte immer, es wäre eine Art Magnetismus“, warf nun Josh ein. „Wie zwei Pole, die einander abstoßen und somit verhindert wird, dass etwa die Leute bemerken, dass es das Twice zweimal gibt.“ Sein Blick wanderte rasch zu Neil hinüber, der es ja geschafft hatte, beide Twice aufzusuchen.

„Das trifft es schon eher. Es ist eine Art magnetisches Siegel, welches in der normalen Welt die Bäume voneinander trennt. Weil Leben und Sterben sich nicht so nah sein können, ohne dass es Probleme gibt“, bestätigte der Drache.

„Und hier, in der Anderswelt, wo es keinen wirklichen Unterschied zwischen Leben und Sterben gibt, sondern eigentlich alles unsterblich ist, ist dieses Siegel aufgehoben?“, fragte ich.

Wieder nickte der Drache.

„Aber müsste es dann nicht auch ein Siegel zwischen sterblich und unsterblich, zwischen unserer Welt und der Anderswelt hier geben?“ Schließlich widersprach unsere Auffassung von Leben und Sterben doch der Vorstellung von Unsterblichkeit.

„Vielleicht. Vielleicht gab es einst so ein Siegel. Vielleicht war die Anderswelt auch der Grund, weshalb die Bäume zuvor nie in Britannien wurzelten“, gab Mabinogi philosophisch zurück.

Wieder erntete er für diese Aussage nur verständnislose Gesichter.

Der Drache schnaubte bekümmert. „Was bringt man den Menschen dort oben bloß heute bei. Es scheint als sei all das elementare Wissen um die Kräfte dieser Erde verloren gegangen...“

Conrad hüstelte. „Vielleicht hat man auch einfach nur festgestellt, dass der Mensch nicht in der Lage ist, mit diesem Wissen verantwortungsbewusst umzugehen. Gerade im vergangenen Jahrhundert hat der Mensch bewiesen, dass er jedes Wissen in eine Waffe umwandeln kann.“

Ich dachte rasch an all die Kriege, die das zwanzigste Jahrhundert gesehen hatte. An die Kriege und Katastrophen die auch jetzt noch den Planeten heimsuchten. Bedrohungen durch Terrorismus, Viren, Wassermangel, Flutwellen, Pestizide, Krankheiten. Wie viel war davon durch Menschenhand entstanden? Gewiss, es hatte in der Geschichte immer Kriege gegeben, aber erst im vergangenen Jahrhundert hatte der Mensch bewiesen, dass er dieses Phänomen auf ein absolute neues Niveau transportieren konnte, wo selbst die Unbeteiligten daheim darunter litten. Wie würde sich die Menschheit erst gebärden, wenn sie um die Paradiesbäume wüsste? Um die Anderswelt, in der alle unsterblich wären?

Entweder konnte der Drache meine Gedanken lesen oder er hatte selbst genug Einblick in die wenig vertrauenerweckende Entwicklung der Menschheit, denn er sagte jetzt: „Der Mensch war schon immer unvollkommen. Doch er hat auch das meiste Potenzial. Er kann über sich hinauswachsen und kennt das Prinzip der Hoffnung. Er kann glauben. Und das macht ihn so stark.“ Er schwieg kurz, ganz so als müsste er seine Gedanken ordnen. „Der Glaube des Menschen ist es, der Dingen wie der Anderswelt oder dem Paradies Kraft verleiht. Einfach weil der Mensch an sie glaubt, können sie existieren. Auch die Paradiesbäume beziehen ihre Lebenskraft aus dem Glauben der Menschen daran, dass es als Ursprung existierte und ihnen nach dem Tod vielleicht wieder offen steht. Und es glauben heute weltweit mehr Menschen an das Paradies als an die Anderswelt. Noch vor einem Jahrtausend wäre hier in Britannien der Glaube an die Anderswelt so stark gewesen wie der Glaube an das Paradies. In den Köpfen der vielen, einfachen Menschen wären diese beiden Phänomene vermutlich unwillkürlich verschmolzen. Aber der Glaube an die Anderswelt war vorhanden und hat diese vor fremden Einflüssen geschützt. Heute glaubt kaum noch jemand an die Anderswelt und die meisten, die an sie glauben, leben auch in ihr. Deswegen konnte die Anderswelt sich auch nicht davor schützen, als die Paradiesbäume in dieses Gebilde des Glaubens eindrangen. Denn da auch die Paradiesbäume vom Glauben leben, war die Anderswelt für sie nur eine weitere Lebensquelle. Leider aber haben die Paradiesbäume nicht die Fähigkeit zu erkennen, dass sie dabei sind, eben diese Quelle gänzlich austrocknen zu lassen.“

„Also war vor tausend Jahren der Glaube an die Anderswelt noch so stark, dass er die Paradiesbäume vertrieben hätte?“, fragte Caleb und versuchte, genau wie wir anderen, diese Fülle unglaublicher Informationen zu verarbeiten. So unglaublich war das, was wir da erfuhren, dass wir darüber sogar unsere Verletzungen vergaßen, obwohl wir später sicherlich noch schmerzhaft daran erinnert würden.

Der Drache nickte.

„Aber weil die Anderswelt jetzt nicht mehr stark genug ist, einen eigenen Schutz zu kreieren, müssen wir die Anderswelt schützen“, mischte sich jetzt Neil wieder ein.

„Ja, mein Kind“, erwiderte der Drache. „Aber nicht so!“ Und eine seiner Schwingen wies auf die Metallsplitter, die überall auf dem Boden lagen. „Damit vergiften wir die Welt dort oben nur so, wie die Wurzeln die Welt hier vergiften. Und das ist keine Lösung.“

„Welche Lösung gibt es stattdessen?“, fragte Josh hoffnungsvoll, denn so wie Mabinogi sprach, schien es eine Lösung zu geben.




Mailänderli [Laila]

500 g Mehl
2 Eier
2 EL Sahne
150g Zucker
1 Prise Salz
250g Butter
1 Eigelb
1 EL Milch

Alle Zutaten bis auf das Eigelb und die Milch zu einem glatten Teig verkneten und ca. 2 Stunden kalt stellen.
Den Teig auf einer bemehlten Fläche ausrollen und ausstechen.
Ofen auf 180 Grad vorheizen.
Das Eigelb mit der Milch verrühren und damit die Plätzchen bestreichen.
Ca. 8-12 Minuten backen.