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Das Herz eines Herzogs - Teil 47 bis 49

47

Es wurde ein sehr angenehmer Flug für alle, aber sie waren froh, als die Durchsage des Kapitäns kam, dass sie bald in New York landen würden. Dieses untätige Herumsitzen war auf die Dauer einfach nichts. Shuichi und Joel hatten Pläne geschmiedet, was sie in den paar Tagen alles sehen wollten, die sie in New York waren und William wurde dazu bestimmt, sie zu all diesen Orten zu bringen, schließlich hatte er ein Auto.

Yves hingegen hatte sich vorgenommen, sich bei Doro blicken zu lassen, den Lees das eine oder andere zu erklären und Yuki wieder mehr Zeit zu schenken, ganz abgesehen davon, dass er auch wieder regelmäßiger nach seiner Großmutter sehen wollte. Vielleicht wollte sie auch Shuichi kennen lernen, doch das wollte er erst mit ihr allein besprechen.

„Los, Joel. Pack Socke in die Kiste. Wir wollen aussteigen“, erklärte Yves und hatte sich schon erhoben, rollte mit den Schultern und blickte zu William hinab, der immer noch grinsend auf seinem Sitz hockte.

„Ich liebe es, wenn du so dominant wirst“, grinste William und stand geschmeidig auf, so dass er neben Yves stand. „Könntest du das heute Abend auch sein, wenn wir im Bett liegen?“, wisperte er ihm noch ins Ohr und küsste ihn kurz, dann ging er zu Joel, der versuchte, Socke dazu zu überreden, in die Kiste zu gehen, sich aber heftig dagegen wehrte. „Nimm sie an die Leine und halte sie gut fest, dann geht es auch“, bestimmte er, damit sie endlich aussteigen konnten.

„Wenn du deine Socken nicht in die Kiste tust, werde ich wohl auch laut werden müssen“, grinste Yves und holte tief Luft. Er war wieder zu Hause, doch er war mit einem merkwürdigen Gefühl gelandet.

Er war als Waise geflogen und als Kind mit einem Vater gelandet - es war merkwürdig. Er war um ein Grundstück mit Hotel im Wert von mehreren Millionen Dollar reicher und hatte einen Bruder mehr.

Hatte er selbst sich auch verändert?

Er würde es sehen, wenn er die Lees wieder traf und Yuki und seine Großmutter. Also beeilte er sich zur Limousine zu kommen, wo William ihm schon die Tür aufhielt.

Sie hatten beschlossen, als erstes zu den Lees zu fahren, dort etwas zu essen und dann auszuknobeln, wo sie alle schlafen würden. Dass das in Yves' kleinem Zimmer nicht ging, war allen klar. William tendierte zu seinem Haus auf Long Island, denn dort hatten sie mehr Platz und Socke konnte durch die Gegend streifen und mit ihren Geschwistern spielen.

Doch sie wollten erst sehen wie Ling reagierte, wenn ihre Jungs sich schon wieder absetzten. Sie wussten, wie sehr sie an den beiden hing, vielleicht sogar bald an dreien und sie nur kurz zu besuchen und dann allein zu lassen, behagte Yves nicht. Vielleicht blieb er auch und ließ die anderen fahren.

„Meine Güte, ihr habt eben drei Stunden am Stück gefummelt und geknutscht und Dinge gemacht, von denen ich besser nicht viel wissen will. Müsst ihr euch da schon wieder begrabbeln?“ Shuichi nutzte einfach jede Chance und neuerdings auch Socke. Sie turnte durch den Innenraum der Limousine und quetschte sich gerade zwischen den beiden Liebenden hindurch.

„Hey.“ William schnappte sich Socke, sah sie böse an, aber ließ sie nach einem Kuss auf das Köpfchen wieder laufen. Ihr konnte man einfach nicht böse sein, was aber nicht für Shuichi galt. Der wurde jetzt nämlich geschnappt und durchgekitzelt. „Freche Made. Noch so ein paar freche Bemerkungen und du wirst deine Abende in der Küche der Lees verbringen und Gemüse schnippeln und Zwiebeln schälen. Dann wirst du vom New Yorker Nachtleben nichts mitbekommen.“

„Nein, lass das!“ Shuichi strampelte, denn er war sehr kitzlig und erst wollte Yves ihm helfen, weil er ja irgendwie auch sein kleiner Bruder war, doch William hatte Recht. Er war eine freche Made und die gehörten geärgert, bis sie es begriffen hatten. Also lehnte er sich zurück und sah den beiden zu, die mittlerweile auf dem Boden der Limousine rauften wie die kleinen Kinder.

„Ihr seid echt keine Vorbilder für Joel“, knurrte Yves und zog die Füße weg, nicht dass die beiden Verrückten noch darüber rollten.

Joel hatte da weniger Berührungsängste, er stürzte sich mit einem fröhlichen Quietschen auf die beiden Raufenden und machte einfach mit. Seit er wieder sehen konnte, machte er alles, was er bis dahin nicht hatte tun können und Raufen mit seinen Brüdern machte er besonders gerne. Diesmal schlug er sich auf Shuichis Seite, so dass sie William bald unter sich hatten und ihn nun kitzelten, was das Zeug hielt.

„Hilfe, Schatz“, quietschte William lachend und wand sich, aber er hatte keine Chance.

„Was denn los, mein Schatz?“, fragte Yves süßlich und amüsierte sich köstlich. Wann hatte er schon einmal die Chance, William am Boden zu sehen? Nicht dass er das gern tat - es sei denn, Yves saß dabei auf seinem Schoß und spürte Wonnen der Lust. Doch zu sehen, wie er sich gegen zwei kleine Jungs nicht behaupten konnte, hatte etwas menschliches, es machte William weniger übermenschlich. Sonst war er perfekt in allem, was er tat, nichts konnte ihn bremsen - nur zwei kleine Jungs.

Doch als William schon Tränen in den Augen hatte, weil er nicht mehr konnte, mischte sich Yves mit ein. Er hob erst Joel vom Boden und setzte ihn neben Socke auf die Sitzbank, dann zerrte er Shuichi von seinem Verlobten und hob schließlich William vom Boden auf, der sich schwer atmend an ihn lehnte und sich erst einmal sortieren musste.

„Danke“, murmelte er dabei und küsste Yves auf den Hals. Das hatte Spaß gemacht und war bestimmt auch nicht das letzte Mal, dass sie das taten. Die Augen der drei blitzten so merkwürdig, dass Yves schon das schlimmste befürchtete. Doch dann würde er den dreien wohl nicht mehr helfen - keinem davon. Wenn sie sich doch selber in diese Situation brachten.

Lieber zog er William zu sich und sah aus dem Fenster, sie kamen langsam ins Chinesenviertel und Yves war aufgeregt, obwohl er nicht wusste warum. Seine Hände wurden kalt und feucht, er konnte nichts dagegen tun.

William merkte die Unruhe. Wortlos griff er sich Yves' Hände und drückte sie beruhigend. „Sie werden sich freuen, denn sie mögen dich und Joel“, flüsterte er ihm leise ins Ohr, damit die beiden anderen nichts mitbekamen. Das hätten sie wohl auch nicht, wenn er lauter geredet hätte, denn Shuichi und Joel hingen am Fenster und sahen hinaus. Für sie beide war es neu, was sie sahen und immer wieder machten sie sich auf etwas aufmerksam, an dem sie vorbeifuhren.

„Oh“s und „ah“s schwebten durch die Limousine und schlussendlich ließ Shuichi das Fenster herunter, weil er durch die Scheibe hindurch das Ende der Häuser irgendwo in den Wolken nicht sehen konnte. Nun hingen beide aus dem Fenster und Yves zog lieber Socke zu sich heran. Nicht dass die noch stiften ging vor lauter Neugier, da stand sie nämlich Joel in nichts nach.

„Ich weiß, Schatz, es ist trotzdem komisch“, sagte er leise und lehnte sich gegen William.

„Ich weiß, es hat sich viel verändert, aber du nicht.“ William küsste Yves auf die Schläfe und streichelte Socke, die nicht begeistert war, festgehalten zu werden. „Du bist immer noch der Gleiche wie vor deiner Abreise und alle, die dich lieben und mögen, werden das immer noch tun. Und du bist nicht mehr alleine. Ich bin und bleibe bei dir.“

„Ich weiß, Schatz, ich sollte wohl etwas mehr Vertrauen in mein Umfeld haben.“ Yves seufzte und grinste dann, denn seine Brüder waren noch immer im Touristen-Modus. „Mit denen wirst du deine wahre Freude haben, wenn du sie durch die Gegend lotst“, lachte er und schmiegte sich an William, froh, endlich den Halt zu haben, den er immer gesucht hatte. Nicht den einer Mutter oder einer besten Freundin, sondern den eines Geliebten.

„Ich weiß, aber ich freu mich ehrlich gesagt darauf, sie durch New York zu fahren und ihnen alles zu zeigen. Vielleicht kommen Peter und Yuki ja auch mit und nehmen mir Arbeit ab.“ Er freute sich wirklich darauf, denn mit Yves’ Brüdern wurde es nie langweilig. „Abends kannst du mich dann ja für die Strapazen des Tages entschädigen.“ So wie er Yves anblickte und sich dabei über die Lippen leckte, war klar, welche Art von Entschädigung er im Sinn hatte.

„Ach, so hast du dir das gedacht!“ Yves tat, als wäre er einem gut gehüteten Geheimnis auf die Spur gekommen. „Du machst das gar nicht, weil du ihnen Bildung verschaffen willst und Weltoffenheit. Du willst nur lustgetränkten Sex, ich verstehe.“ Er zeigte sich gespielt entrüstet und schüttelte den Kopf. „So einer bist du also.“

„Ich bin noch viel schlimmer“, raunte William und knabberte sich über Yves' Hals. Es war wirklich erstaunlich, wie sehr er die Nähe seines Freundes brauchte und suchte. Da ging es nicht nur um Sex, auch wenn sie den reichlich und sehr gerne hatten. Es ging um Nähe und Vertrauen und das Gefühl zusammen zu gehören.

„Auf was habe ich, unbescholtener Junge, mich da nur eingelassen!“ Yves schüttelte den Kopf, doch dann lachte er laut. Sie waren albern und er war es gern. Eigentlich war ihm erst im Nachhinein aufgefallen, wie ernst er immer gewesen war.

Er zog sein Handy aus der Tasche und schaltete es wieder an. Er hatte Yuki versprechen müssen, sich sofort zu melden, wenn sie gelandet waren - besser er tat das, sonst gab es Ärger und kein Sushi!

Er tippte also schnell eine SMS, dass sie gut gelandet und ungefähr in zehn Minuten bei den Lees waren und schickte sie ab. Er hatte ja die heimliche Hoffnung, dass Yuki Zeit hatte und ihn begrüßte, wenn er am Restaurant ankam. Noch wusste keiner, dass Shuichi mitgekommen war und er war neugierig, was sie zu seinem zweiten, kleinen Bruder sagte.

>Willkommen daheim, du Rumtreiber< war die lapidare Antwort und ließ Yves lachen. Er kraulte Socke den Bauch, die sich gerade zwischen ihn und William drängte und holte tief Luft.

Daheim.

Ja, hier war er daheim. Es war egal, wo sein Vater lebte - hier war er zuhause. Immer nervöser rutschte er auf der Sitzbank hin und her und fing an, die Finger zu biegen - er konnte gegen seine Nervosität nichts tun.

„Komm her.“ William zog Yves an sich und küsste ihn. Es war nicht nur Ablenkung, sondern reiner Eigennutz. Wenn sie bei den Lees waren, konnten sie das nicht ständig machen. Nicht weil sie sich weiterhin verstecken mussten, sondern, weil es sich einfach nicht schickte. „Alles wird gut. Ling wird dich sehen und dir vor Freude um den Hals fallen, weil sie dich vermisst hat und bei Chen und Hong wird es nicht anders sein.“

„Das hoffe ich. Ich bin so überstürzt verschwunden und konnte ihnen nicht einmal genau sagen, was eigentlich passiert war. Ich wusste ja selber nicht sehr viel. Nur das Joel in Kyoto operiert wurde und ich zu meinem Vater fliegen wollte. Ich war eine ziemliche...“ Yves seufzte doch dann straffte er sich, sie bogen in die Straße in der das Restaurant der Lees lag. „Los, setzt euch richtig hin. Was sollen die Lees denken, wenn ihr euch aufführt wie wild gewordene Touris?“

„Wir sind schon da?“, rief Joel und lehnte sich noch weiter aus dem Fenster. Er wollte das Restaurant sehen. Es war ihm egal, wie das aussah, wie er aus dem Fenster des Wagens hing, jetzt konnte er endlich sehen, wo er schon so oft gewesen war. „Ling, Chen, ich bin wieder da“, rief er laut, als der Wagen vor dem Eingang hielt und stürmte aus der Wagentür. Er wollte seine Freunde endlich begrüßen und ihnen zeigen, dass er sehen konnte.

Es geschah nicht oft, dass man Ling aus dem Restaurant flitzen sah. Nichts brachte diese Frau aus der Ruhe. Doch ihre beiden Jungs kamen nach Hause, das hielt nicht einmal Ling in der Ruhe.

„Joel, Yves!“, rief sie und die Gäste an den Tischen wandten sich neugierig um, wer diese junge Chinesin so aus der Fassung bringen konnte. Sie breitete die Arme aus und auch für Yves gab es kein Halten mehr. Sie liefen beide auf sie zu und fielen ihr um den Hals.

William war froh, dass Yves' Sorgen völlig unbegründet waren und beobachtete die drei kurz lächelnd. Mit Socke auf dem Arm und Shuichi neben sich, kam er langsam näher, aber störte die innige Umarmung nicht. Joel plapperte die ganze Zeit und ließ Ling immer wieder schmunzeln.

Sie sah kurz hoch und als sie William sah, formten ihre Lippen, ein lautloses „danke“, dann hörte sie wieder Joel zu. Natürlich musste er gleich erklären, was er schon alles gesehen hatte und seine ersten Brocken Japanisch kund tun und immer wieder fiel Shuichis Name bis Joel aufging, das Ling Shuichi ja noch gar nicht kannte. Also sah er sich suchend um, deutete auf den jungen Japaner und zerrte ihn einfach mit sich zu seiner Pflegemutter.

„Das ist Yves' anderer Halbbruder und irgendwie gar nicht aber doch wieder auch meiner, na jedenfalls ist das Shuichi!“ So, das wäre geklärt und die umsitzenden Gäste lachten leise über den energischen Jungen.

„Guten Tag, Miss Lee. Nakamura Shuichi“, stellte Yves' Bruder sich vor und verbeugte sich. Er war nervös, aber das ließ er sich nicht anmerken. Unauffällig sah er sich um und versuchte sich vorzustellen, dass Yves hier seit Jahren wohnte. Er schnupperte leicht, denn der Geruch, der aus der Küche kam, machte Appetit.

„Und du bist... Yves' anderer Bruder?“, fragte sie etwas ungläubig, denn während Yves lediglich die schwarzen Augen eines Asiaten aufwies, sah man Shuichi seine Herkunft an. Ein hübscher junger Japaner. „Willkommen in unserem Heim“, sagte sie aber gleich und lächelte, während sich Chen die Hände an der Schürze wischte und auch endlich gekommen war, um die Begrüßungsorgie mitzumachen. Doch er beorderte alle ins Lokal, damit nicht noch mehr Aufmerksamkeit erregt wurde, als die schwarze, große Limousine es schon tat.

Joel lief zu Chen und umarmte ihn genauso, wie Ling. Er freute sich unwahrscheinlich, wieder hier zu sein, auch wenn es ihm in Japan ebenfalls sehr gut gefallen hatte. Die drei Brüder standen mit den Lees zusammen und erzählten von ihren Erlebnissen. Nur William stand ein wenig abseits und fühlte sich nicht dazu gehörig. Aber er ließ sich nichts anmerken und folgte den anderen ins Restaurant.

Doch kaum war er drinnen, wurde er bestürmt. Joel riss ihm Socke aus dem Arm und drückte sie an sich und Yves zog seinen Verlobten näher zu Chen und Ling und erklärte kurz, was nun eigentlich alles passiert war und was der Ring an seinem Finger zu bedeuten hatte. Zwar hatte er schon einmal die Verlobung erwähnt, doch da war sie noch eine Farce gewesen - im Gegensatz zu jetzt. So hielt er fest Williams Hand und grinste ihn an. „So war das.“

„Ja, so war das.“ William grinste zurück und küsste Yves kurz. Er legte den Arm um seinen Verlobten, denn sie hatten ja beschlossen, sich nicht mehr zu verstecken. „Ich werde ab jetzt also öfter hier sein.“ Alles in allem schienen die Lees die Neuigkeiten recht gut aufzunehmen, auch wenn sie noch ein wenig überrascht wirkten. Sie hatten ja mit vielem gerechnet, aber nicht damit, dass Yves und William ein Paar waren.

„Wir müssen sowieso eine Lösung finden, wie das werden wird. Joel würde gern bleiben und hier zur Schule gehen. Shuichi macht in Kyoto seine Schule zu Ende und will dann hier studieren. Ich weiß auch noch nicht so richtig, wie das mit Granny werden wird. Ich glaube, ich muss das auch erst einmal verdauen und dafür wäre eine Suppe ideal. Hast du was für uns?“ Yves blinkerte mit den Augen und kicherte, weil Ling die Augen verdrehte. Als ob sie je ein hungriges Kind weggeschickt hätte und nun hatte sie gleich vier zu verköstigen - fünf, wenn man das hektische Rufen nach einem „auf mich warten!“ richtig deutete. Yuki hatte sich wohl etwas in der Zeit verschätzt. Langsam wurde es voll.

„Yves, Joel, Will“, rief sie schon von der Tür aus. Mit ausgestreckten Armen lief sie auf ihre Freunde zu und umarmte sie alle gleichzeitig. Sie konnte gar nicht sagen, wie sehr sie die drei vermisst hatte, darum bekam auch jeder von ihr einen Kuss, was sonst gar nicht ihre Art war. Shuichi sah sich das alles an und grinste.

„Und was ist mit mir, ich gehöre auch dazu“, maulte er lachend auf Japanisch, denn das er von einem hübschen Mädchen so gar nicht beachtet wurde, schmeckte ihm nicht.

Yuki wandte irritiert den Kopf, als sie ihre Muttersprache hörte und guckte den Neuen, der wohl jetzt öfter kam, interessiert an. „Muss Joel eigentlich aus jedem Haus ein Haustier mitbringen“, fragte sie mit ernstem Gesicht und Yves lachte schallend, weil er genau wusste, wie gern Shuichi Eindruck auf junge Damen machte - bei Yuki dürfte ihm das ziemlich misslungen sein. Zwar war er optisch sicher ganz ihr Fall, aber zu jung.

„Ey.“ Shuichi blies die Wangen auf. Das hatte nicht so geklappt, wie er erhofft hatte, aber das machte nichts. Er ließ sich so schnell nicht entmutigen. „Aber wenn ich mir Socke so angucke, hat man es als Joels Haustier nicht gerade schlecht, man wird von allen bekuschelt und beschmust“, bemerkte er grinsend, denn das machte Yuki gerade mit Socke.

„Wenn du so schönes Fell hast wie sie und so herrlich schnurren kannst, wenn man dir den haarigen Schwanz streichelt, komm her - sonst bist du echt keine Konkurrenz für sie“, neckte Yuki, die schon etwas mehr Interesse an dem Neuen zeigte. Große Klappe und wache Augen. Das musste der Bruder sein, von dem Yves am Telefon berichtet hatte.

„Yuki, benimm dich - das ist doch noch ein Kind!“, konnte sich Yves nicht verkneifen.

„Ach, aber um mir ständig eure Paarungsrituale ansehen zu müssen, bin ich alt genug, oder was?“, knurrte Shuichi, aber er grinste dabei, denn er wusste, dass Yves ihn nur ärgern wollte. Trotzdem kratzte es an seinem Ego, vor Yuki als Kind bezeichnet zu werden. Was sollte die denn von ihm denken? Er knuffte Yves in die Seite und lachte. „Glaub ihm bloß nicht, Yuki. Aber da es sonst niemand tut, stelle ich mich besser erst einmal vor. Nakamura Shuichi, Yves' und Joels Bruder.“

„Angenehm“ Sie verbeugte sich knapp und grinste. „Wir müssen uns unbedingt einmal näher unterhalten. Du sprachst eben von Paarungsritualen - da würde ich gern mehr drüber wissen. Yves ist da leider spartanisch mit den Informationen und erpresst William, damit der auch die Klappe hält. Ich sitze informationstechnisch also völlig auf dem Trocknen“, erklärte sie mit einem langen Seitenblick auf Yves, der pfeifend von dannen ging und lieber an einem Tisch Platz nahm, als sich dazu zu äußern.

„Die knutschen ständig“, rief Joel, war aber schon auf dem Weg in die Küche, er musste sich doch eine Suppe aussuchen. William setzte sich zu Yves und grinste ebenfalls. Er hoffte für Shuichi, dass er nichts ausplauderte, was nicht für Yukis Ohren bestimmt war.

„Das machen wir, wenn die zwei nicht dabei sind, denn sonst könnte es sein, dass ich gemeuchelt werde.“ Shuichi lachte und zwinkerte Yuki zu. „Wir werden spätestens auf der Schifffahrt dafür Gelegenheit finden. Du kommst doch mit oder?“

„Ach, du auch?“ Yuki zeigte sich ziemlich interessiert und da ihr bester Freund sowieso nichts Delikates ausplauderte, hängte sie sich eben an den jüngeren Bruder. „Ja, wir sollten reden, wenn sie gerade wieder beschäftigt in der Kabine verschwinden - dann bekommen sie das nicht mit und wir werden endlich alle erfahren was das für...“ Yuki stoppte als Yves sie anknurrte, lächelte ihn aber lieblich süß an.

„Kommt erst mal essen, ehe wir alle über Yves' Privatleben diskutieren“, schlug Ling lachend vor und wurde von Besagtem groß angesehen. Was ging denn jetzt ab? Stellte sich jeder gegen ihn?

„Was denn? Ich bin auch nur eine Frau, die gern wissen möchte, ob ihr Junge glücklich ist“, lachte sie und wuschelte Yves durch die Haare. Sie war so froh, dass er wieder da war. Deswegen musste sie ihn einfach noch einmal umarmen, dann verschwand sie aber schnell in die Küche, denn normalerweise zeigte sie ihre Gefühle nicht so in der Öffentlichkeit und die Gäste an den anderen Tischen hatten auch Hunger. Der Ladenbetrieb musste weiter gehen, auch wenn endlich wieder Leben in der Bude war.


48

Die fünf Freunde sortierten sich um den Tisch, Socke stromerte um die anderen Tische und erkundete die Gäste und endlich kam die gute Suppe auf den Tisch, die Joel ausgesucht hatte. Schrimps und ganz viele! Die sahen lustig aus mit ihrer leuchtend orangefarbenen Hülle.

Alle leckten sich bei dem köstlichen Duft über die Lippen und in kürzester Zeit waren die Schüsseln leer. „Lecker“, seufzte Shuichi und rieb sich über den Bauch. Er konnte noch etwas vertragen, aber er wollte nicht unhöflich sein und nach mehr fragen. Also sah er sich etwas um. So eine Umgebung war vollkommen ungewohnt für ihn. Keine Bodyguards, die ihn auf Schritt und Tritt begleiteten. Hier war er vollkommen unbekannt und keiner beachtete ihn. Abgesehen von seinem Vater und seiner Mutter wusste keiner, wo er war. Nicht einmal das Personal, das sollte die Gefahren minimieren, dass man dem jungen Herrn im Ausland auflauerte.

Auch Joel guckte ziemlich betreten in seine leere Schüssel und bereute es fast ein bisschen, dass er Socke einen von den leckeren Schrimps abgegeben hatte, der fehlte jetzt nämlich in seinem Bauch. „Noch eine Runde und Yves arbeitet dann einfach die Kosten ab“, schlug er frech vor und guckte seinen Bruder besonders unschuldig an.

„War klar“, knurrte der gutmütig, denn er konnte auch noch ein Leckerchen vertragen.

„Ich helf dir auch dabei.“ William zwinkerte Joel zu und musste dann kichern, weil er sich gerade vorstellte, wie die Kunden gucken würden, wenn er die Suppen mit seinem Bugatti ausfuhr. Allein um das zu sehen, sollte er es wirklich einmal tun.

Ling ließ sich nicht zweimal bitten und holte aus der Küche für jeden noch eine Schüssel Suppe. Sie freute sich immer, wenn ihre Jungs ordentlich aßen. Yves ließ leider viel zu oft Mahlzeiten ausfallen und so nutzte sie jede Gelegenheit schamlos aus, ihn zu füttern.

„Ui - Tofu und Huhn!“ Yves leckte sich die Lippen und legte gleich los. Egal wie heiß und scharf die Suppe war. Das war er gewohnt. Nichts konnte ihn davon abhalten, seine Lieblingssuppe zu futtern. Dafür war immer Platz in seinem Bauch. „Wie sieht der Tag jetzt eigentlich aus?“, fragte er in die Runde, weil es still geworden war. Schließlich war früher Nachmittag, man konnte gut und gern noch etwas unternehmen.

„Freiheitsstatue“, krähte Joel mit vollem Mund und fing sich einen strengen Blick von seinem Bruder ein.

„Mir ist es gleich, aber wir sollten vorher vielleicht noch klären, wo wir alle schlafen werden“, meldete Shuichi sich zu Wort. Wenn das erst einmal geklärt war, konnten sie sich auf ihre Besichtigungstour stürzen. „Ich würde mir auch gerne Chinatown noch etwas ansehen. Ob es hier ähnlich ist, wie zu Hause, oder anders.“

„Ich würde mal sagen, der heutige Abend gehört Ling und Chen und Hong“, sagte Yves leise. „Ich werde hier bleiben, Schatz“, sagte er zu William und sah ihn bittend an. Er hoffte auf Williams Verständnis. Es war ja nicht so, dass er gern von ihm getrennt war, doch er musste mit den Lees reden. „Es wäre lieb, wenn du für den Halben ein Plätzchen hättest.“

Vielleicht war es auch das Beste, wenn sie tagsüber noch die Sehenswürdigkeiten abklapperten und sich den Abend und die frühe Nacht für Chinatown aufhoben, denn dann fing der Stadtteil erst an zu leben.

„Sicher habe ich das, auch für Joel und Socke, wenn nötig. Kathy wird sich bestimmt freuen, den Kleinen wieder zu sehen.“ William küsste Yves kurz. Er konnte sich denken, warum Yves erst einmal hier bleiben wollte. Die Lees waren ihm wichtig und sein Freund hatte ihm in Japan erzählt, dass er ihnen gegenüber ein schlechtes Gewissen hatte, weil er so überhastet abgereist war.

Es waren ja nur ein paar Tage und auf dem Schiff hatten sie sich wieder. Shuichi verdrehte die Augen, weil das Geschmuse schon wieder losging. „Kommst du mit?“, fragte er Yuki, denn wenn Yves da blieb, war ja noch ein Platz frei.

„Öhm?“ Ganz entgegen ihrer sonst korrekten Art blies Yuki die Backen auf, als sie nachdachte. Eigentlich wäre sie gern hier geblieben und hätte mit Yves geredet, nicht so im Schnelldurchlauf wie vor seinem übereilten Aufbruch nach Japan sondern ganz in Ruhe. Doch dazu würde sich auf dem Schiff in der Karibik auch noch die Zeit ergeben. Also nickte sie. „Klar, warum nicht.“ Sie hatte sich den Tag heute extra von ihrer Mutter frei geben lassen, dann wollte sie den auch nutzen und ein paar Ecken der Stadt hatte sie ja selber noch nicht gesehen.

„Prima, dann ist ja geklärt, wo der Viertel und ich schlafen.“ Shuichi löffelte seine Schale leer und war jetzt satt. Wenn es nach ihm ging, konnte es losgehen. „Behalten wir den Wagen? Ich find, das muss nicht sein“, fragte er, denn eigentlich hatte er keine Lust darauf, sich mit der Riesenkiste durch die Gegend fahren zu lassen. Das war doch viel zu auffällig.

„Nee, wir fahren zum Landhaus, geben unser Gepäck und Socke ab und suchen einen anderen Wagen.“ William hatte wie immer schon einen Plan ausgearbeitet.

„Macht aber gefälligst ein paar Bilder von den peinlichsten Aktionen - ich will das es so ist, als wäre ich dabei gewesen“, forderte Yves und weil er seinen Schatz gleich aufgeben musste, küsste er ihn noch einmal - aber nur kurz, damit die Gäste nicht so sehr auf sie aufmerksam wurden und das Getuschel vielleicht noch los ging.

„Passt auf euch auf“, sagte er leise und meinte damit alle am Tisch.

„Machen wir.“ William zog Yves noch einmal zu sich. „Heute Abend, wenn ich Yuki nach Hause bringe, komm ich noch einmal vorbei.“ William wollte den restlichen Tag nicht ganz ohne Yves verbringen. Da konnte kommen was wollte. Ihm fiel aber noch etwas ein, was er bisher noch gar nicht bedacht hatte. Vielleicht wollte Yuki ja gar nicht nach Hause. „Oder möchtest du auch bei mir schlafen?“, fragte er darum.

„Ach? Ist der Verlobte aus dem Haus, tanzen die Mädels auf dem Tisch, oder wie läuft das?“, lachte Yuki, doch sie musste leider ablehnen. Sie hatte zwar Ferien, aber ihren Eltern zugesagt, im Restaurant auszuhelfen. Das wollte sie nun nicht so kurzfristig absagen. Vielleicht schlich sie sich lieber abends zu Yves. Der Weg nach Hause war dann nicht so weit.

„Nein, nein, macht ihr mal Schwager-Abend“, lachte sie und erhob sich ebenfalls, lachte aber herzhaft, weil Joel auf allen Vieren um die Tische robbte und Socke an die Leine legen wollte, was seine Herzensdame augenscheinlich nicht wollte.

„Also, wenn du tanzen willst, ich hätte nichts dagegen“, grinste Shuichi und fing sich gleich eine zweifache Kopfnuss von William und Yves ein. So durfte niemand von ihrer Freundin denken. „Los, mach dich nützlich, Halber, und hilf Joel. Wir haben ja noch was vor.“ Der Herzog milderte seine Worte aber mit einem Lächeln ab, denn schließlich hatte Shuichi ja nichts Schlimmes getan. Er drehte sich wieder zu Yves und seufzte. „Gut, dann komm ich heute Abend noch einmal vorbei, wenn ich Yuki nach Hause bringe.“

„Aber bleib nicht so lange, ich will mich auch noch zu ihm schleichen“, grinste Yuki frech und hätte sich gerade selber ohrfeigen können. Hätte sie doch nur nichts gesagt, vielleicht hätte sie das gesehen, was ihr keiner erzählen wollte oder durfte. Aber vielleicht hatte William das bis heute Abend schon wieder vergessen, deswegen lenkte sie auch gleich ab und fing Socke, die gerade an ihr vorbei flitzte - Shuichi fing dafür Joel.

„Alle an Bord, wir können los.“ Shuichi warf sich Joel über die Schulter und Yuki legte Socke an die Leine. „Auf Wiedersehen“, riefen sie noch, dann gingen sie vor zum Wagen. „Bis nachher, Schatz.“ William küsste Yves noch einmal, dann stand er auf, weil er sonst kein Ende fand. Noch einmal beugte er sich vor und verband ihre Lippen, dann ging er aus dem Restaurant. Dabei sah er sich nicht mehr um, weil er sonst wohl noch einmal zurückgegangen wäre.

William erreichte den Wagen als letzter und so hatte sich Shuichi schon neben Yuki gesetzt, während Joel und Socke schon wieder am Fenster hingen. Das konnte ja was werden. „Socke freut sich bestimmt, ihre Familie zu sehen“, sagte Joel und strich der Katzendame über den Rücken, bis die sich vor Behagen bog und streckte.

Sie fuhren zu dem Landhaus, gaben Socke in Kathys Hände und waren nach einer viertel Stunde schon wieder unterwegs. Erst einmal erfüllten sie Joels Wunsch und fuhren zur Freiheitsstatue, wo Shuichi das Hölzchenziehen verlor und mit Joel die Treppe hinauf laufen musste. So konnte der junge Japaner die Aussicht nicht wirklich genießen und William machte fleißig Bilder für Yves, wie sein Bruder erschöpft auf dem Boden saß und Yuki nach was zu trinken anbettelte. Und sie war gar nicht so grausam und ließ ihn nur dreimal betteln, dann bekam er Orangensaft gereicht - schön gekühlt. Joel indessen war voller Energie und hüpfte schon wieder um die anderen herum.

Er wollte weiter, weiter, weiter.

Immer mehr sehen.

New York hatte doch mehr als die Freiheitsstatue.

So zerrte er an dem erschöpften Shuichi, der über so viel Energie nur den Kopf schütteln konnte.

Aber selbst Joel ging irgendwann die Energie aus. Auf dem Weg zurück zum Landhaus schlief er an Yuki gekuschelt ein. Es war ja auch ein sehr aufregender Tag für ihn gewesen. Sie hatten viele der New Yorker Sehenswürdigkeiten abgegrast und waren alle müde, darum übernahm Shuichi die Aufgabe Joel ins Bett zu bringen, damit William zu Yves konnte. Vorher setzte er noch Yuki vor der Sushi-Bar ab, doch dann konnte er endlich wieder vor dem Suppen-Restaurant parken.

Yves hatte es übernommen zu kellnern und seiner Pflegemutter unter die Arme zu greifen und lächelte, als er William sich durch die vollbesetzten Tische schlängeln sah. Schnell bekam er einen Kuss und dann brachte Yves die Schüsseln an Tisch sieben, denn die Familie wartete schon sehnsüchtig auf die Köstlichkeiten.

„Noch ein paar Minuten“, flüsterte er William ins Ohr, der an der Theke saß, wo Yves' nächste Bestellung bereit stand. Er küsste ihn wieder aufs Ohr und war erneut verschwunden. William lächelte und bedeutete Yves, dass er schon mal hoch in sein Zimmer ging. Ihm taten die Füße weh und er wollte sich ein wenig auf dem Bett lang machen. Joel hatte sie alle geschafft.

Er legte sich auf die Seite und hoffte, dass Yves sich wirklich beeilte, denn sein Verlobter hatte ihm gefehlt. Es war schon komisch, wie schnell man sich an die Nähe eines anderen Menschen gewöhnen konnte. Und wie schmerzlich der Verlust sein konnte, fast als würde ihm ein Körperteil fehlen.

„Na, Süßer, schläfst du schon?“, fragte Yves leise, als er die Tür hinter sich schloss. Kaum dass Ling William gesehen hatte, hatte sie ihren Jungen nach oben gejagt und nun schlich er durch das dunkle Zimmer und setzte sich auf die Kante des Bettes. Seine Hand strich durch Williams Haare.

„Nein, noch nicht. Komm her, Schatz.“ William zog Yves zu sich ins Bett und vergrub sein Gesicht in der Halsbeuge seines Schatzes. Er atmete tief ein und seufzte leise. Er hatte sich schon viel zu sehr an Yves' Geruch gewöhnt, um ohne ihn auszukommen. „Joel hat uns alle geschafft, aber wir hatten einen wirklich schönen Tag. Ich habe dir auch ganz viele Bilder gemacht.“

„Das ist schön. Die guck ich mir dann alle morgen zusammen mit dir an, jetzt sollten wir die Chance nutzen, dass wir ziemlich alleine sind“, grinste Yves. Er würde es nie vor anderen zugeben wollen, doch er war süchtig nach Williams Küssen. Sie waren eines der Dinge, die sein Fraggle besonders gut konnte und so fanden sich ihre Lippen, als er sich langsam auf seinen Geliebten sinken ließ.

William seufzte begeistert und seine Finger fuhren in die hellen Haare. „Ich liebe dich“, murmelte er zwischen den Küssen und fühlte sich endlich wieder komplett. Wie er die Nacht ohne Yves überleben sollte, wusste er noch nicht und er schwankte, ob er nicht einfach hier bleiben und morgen ganz zeitig zu seinem Haus fahren sollte. Diese Frage stellte er auch Yves und seine Antwort gab vor, wie ihr Abend weiterging.

„Dann - Yuki anrufen - nicht kommen“, nuschelte Yves zwischen den Küssen. Er wollte sich nicht die Zeit für ganze Sätze nehmen, denn umso länger waren die Pausen, in denen er William nicht küssen konnte, nicht genießen, nicht schmecken. Seine Finger waren schon dabei William das Hemd aus der Hose zu zerren und so stand seine Entscheidung wohl auch fest. Blind langte er unter das Kissen und zog hervor, was er dort vor ein paar Stunden deponiert hatte.

Kein Zweifel - Yves würde seinen Verlobten nicht gehen lassen.

„SMS reicht“, nuschelte William, aber entschied sich um, denn tippen konnte er nicht, wenn Yves sich so ins Zeug legte. Darum friemelte er nur sein Handy aus der Tasche und wählte Yukis Nummer. „Nicht vorbeikommen… bleibe bei Yves heute Nacht… nicht böse sein“, nuschelte er schnell, als Yves kurz seine Lippen frei gab und sich den Hals entlang küsste. Yuki bekam allerdings nicht mehr die Gelegenheit zu antworten, denn das Handy landete unbeachtet auf dem Nachttisch und William zog Yves wieder zu einem Kuss hoch.

Jetzt hatten sie die ganze Nacht für sich.

Ziemlich schnell landeten die Hemden auf dem Boden, die Hosen rutschten immer tiefer und gesellten sich bald zum Stoff auf dem Teppich. „Liebe dich“, keuchte Yves immer wieder. Seine Hände zogen glühende Bahnen auf Williams Brust und er rieb sich aufreizend an seinem Geliebten.

Nur zu gerne kam William Yves entgegen und stöhnte dunkel, als die Finger sich kurz in seiner Brust verkrallten. „Mehr“, forderte er sich aufbäumend und sah Yves mit glühenden Augen an. So wie es aussah, hatte Yves nicht vergessen, was William sich für diese Nacht gewünscht hatte und zeigte seine dominante Seite. Das war einfach wundervoll und William genoss es sichtlich.

Es war ja nicht so, als wäre Yves immer nur der ruhige Pol. Auch die Nächte davor hatte er sich nie als leicht zu erobern gegeben - doch er hatte William immer das Ruder überlassen. Heute war das seine Aufgabe. Er wollte William zeigen, wie sehr er ihn liebte, ihn begehrte und wie wenig es bedurfte, um Yves in Flammen stehen zu lassen wie jetzt. Sein Gesicht glühte, seine Fingerspitzen kribbelten, als er William immer wieder reizte.

Mit einem Knie drängte er Williams Beine weiter auseinander und konnte so mit seinem Schenkel mehr Druck auf Williams Glied ausüben. Er spürte, dass sein Geliebter ihm kaum noch widerstehen konnte und so erlöste er ihn auch vom letzten Stoff, der es gewagt hatte, den herrlichen Körper zu verhüllen. Achtlos ging der Slip zu Boden - da gehörte er hin, nicht auf die makellose Haut, die Yves nun gierig mit seiner Zunge erkundete.

„Yves.“ William gab sich seinem Verlobten ganz hin und man hörte die Sehnsucht nach ihm deutlich in diesem einen Wort. Er zog Yves zu sich und küsste ihn harsch. „Liebe…“, wieder wurde Yves’ Mund verschlossen, „… mich“, forderte er keuchend. Jetzt war der richtige Zeitpunkt dafür, da war sich William sicher. Er wollte Yves spüren.

„Immer, mein Schatz“, murmelte Yves gegen Williams Lippen und ein wohliges Gefühl breitete sich in ihm aus. Sein Geliebter vertraute ihm vollkommen - mehr brauchte Yves nicht. „Nur einen Augenblick Geduld“, murmelte er leise, als er sich langsam tiefer küsste und seine Zunge eine feuchte Spur über den Oberkörper zog. Seine Finger hantierten hektisch mit der Tube, während seine Zunge begann, die weiche Haut, den Schaft auf und ab zu liebkosen. Er nippte und knabberte, leckte darüber, bis er endlich die glühende Spitze verschlang, damit seine Finger fast unbemerkt das Gel verteilen konnten.

William sollte nicht bereuen, sich ihm ausgeliefert zu haben - niemals.

William brachte sich Yves entgegen und stöhnte ungehalten auf, als er die Finger dort spüren konnte, wo sie bisher noch nie waren und es war herrlich. Zwar verspannte er sich kurz, aber die geschickte Zunge lenkte ihn so sehr ab, dass er sich wieder entspannte und sich dem Finger in ihm entgegenbrachte. Das war anders, als er erwartet hatte und er genoss es sichtlich. „Wow“, keuchte er atemlos und seine Finger krallten sich in das Bettlaken. Er wollte mehr – viel mehr.

Yves grinste und blies verspielt über die feuchten Speichelspuren, die er auf dem Schoß seines Geliebten hinterlassen hatte. Er wusste nur zu gut, was William gerade empfand und er musste ihm zustimmen - das war jedes Mal aufs Neue wow! Gierig, William endlich zu besitzen, glitt Yves an dem glühenden Leib höher, um ihn zu umfassen, ihn mit wilden Küssen abzulenken und sich endlich in ihm zu vergraben - langsam erst, denn es war ungewohnt für William, vielleicht sogar unangenehm.

So verharrte Yves nach ein paar Zentimetern, auch wenn es ihm unendlich schwer fiel. Die Hitze lockte ihn tiefer, die harschen Küsse trieben ihn vorwärts.

William klammerte sich an ihm fest und küsste ihn wild und zügellos. Es war anders, als er erwartet hatte. Berauschend, schmerzhaft, alles in einem. Aber für ihn gab es kein Zurück mehr und die leichten Schmerzen ließen schnell nach, als Yves verharrte. Zurück blieb brennende Lust, die durch William tobte. Seine Beine legten sich wie von selbst um Yves und zogen ihn näher, tiefer in sich. Er wollte alles und es war herrlich.

„Mehr“, keuchte er fordernd und seine Beine klammerten sich fester um Yves. Sein Verlobter musste dem Druck nachgeben und schob sich so langsam, aber unaufhaltsam tiefer. Yves’ Augen wurden immer größer, als er die Intensität des Augenblicks wahrnahm.

„Hm“, entrang es sich seiner Kehle und er stöhnte lustverhangen auf. Verdammt war das gut! Es war schwer, sich zurückzuhalten. Das Blut rauschte wie ein Wasserfall in seinen Ohren und er hörte kaum noch, was um ihn herum geschah. Nicht seinen wilden Herzschlag, nicht sein Keuchen, als sich heißer Atem aus seinen Lungen presste.

Unaufhaltsam tiefer.

Zentimeter um Zentimeter eroberte er William, der sich ihm noch entgegen brachte, weil er es nicht erwarten konnte. Er war gierig und das merkte man auch. Er knurrte leise, wenn es ihm zu langsam ging, aber entschuldigte sich immer wieder mit verzehrenden Küssen dafür. Sein Körper zitterte vor Verlangen und als Yves endlich ganz in ihm gebettet war, stöhnte er begeistert auf.

Das war herrlich.

Er fühlte sich seinem Geliebten so unendlich nah. Seine Augen suchten Yves’ und er nickte leicht. „Mach mich dein“, wisperte er leise und zog seinen Geliebten in einen brennenden Kuss. Er machte es Yves schwer, sich noch zurückzuhalten und so begann er sich zu bewegen, erst langsam, dann immer schneller.

„Alles was du willst, mein Herz“, flüsterte Yves dabei und seine Lippen strichen suchend über Williams Hals, über die Schulter erneut nach oben zu den roten Lippen. Von William geliebt zu werden, war schon berauschend, doch ihn besitzen zu dürfen, war für Yves kaum noch begreifbar.

„Liebe dich, liebe dich, liebe dich“, murmelte er immer wieder, wenn er sich tief in dem geliebten Leib versenkte.

William ließ sich gehen und folgte Yves. Heißer Lava gleich, floss sein Blut durch seine Adern, setzte ihn in Brand und ließ ihn immer wieder heiser aufstöhnen und schreien, wenn Yves diesen einen Punkt tief in ihm berührte, der ein Feuerwerk der Lust durch seinen Körper schickte. Seine Finger krallten sich in Yves' Seiten und er trieb ihn an, denn in seinem Körper türmte sich die Lust und nur Yves konnte ihm geben, was er gerade brauchte.

„Ja, mehr“, stöhnte William atemlos. Er brannte lichterloh.

„Mh!“ Zu mehr war Yves nicht mehr fähig. Sein Puls raste und alles in ihm schrie nach Erlösung. Unaufhaltsam trieb er sich und William - weiter, weiter, immer weiter. Wie im Wahn rieben seine Lippen über Williams Körper, kosteten ihn. Seine Zähne gruben sich in die weiche Haut, aber nicht für lange, denn rastlos eilte Yves über Williams Körper - nur ein Ziel vor Augen.

William wand sich unter Yves und jedes Mal, wenn die Lippen oder Zähne seine Haut berührten, hatte er das Gefühl unter Strom zu stehen und seine Lust steigerte sich ins Unendliche, gab ihm das Gefühl platzen zu müssen, weil es einfach zu viel wurde.

„Yves.“ Mit dem Namen seines Geliebten auf den Lippen, bäumte William sich schließlich auf und gab dem Drängen nach. Er hatte keine Kraft mehr. Wie ein Tornado fegte sein Höhepunkt durch ihn hindurch und katapultierte ihn in bisher unbekannte Höhen.

Endlich!

Auf seinem Weg riss er Yves mit sich, der sich endlich seinem Drang ergeben konnte. Die Dämme waren gebrochen und die Lust floss langsam aus ihm und spülte die gestaute Energie mit sich - ließ ein pulsierendes Gefühl der Zufriedenheit zurück und Yves sank langsam auf William zusammen, weil seine verkrampften Muskeln sich allmählich entspannten.

„Wow“, war es nun an Yves zu flüstern und seine Lippen strichen fahrig über Williams Schulter. Tief sog er dabei den Duft auf, der sie umgab.

„Kann ich nur bestätigen“, antwortete William ihm abgehackt und atemlos. Seine Finger strichen träge durch Yves' Haar. Er war fertig, aber auf eine wunderbar befriedigende und angenehme Art und er war einfach nur glücklich. Sie waren sich noch ein Stückchen näher gekommen und das Band zwischen ihnen wurde immer fester und stärker. „Ich liebe dich“, murmelte er leise und seine Arme legten sich fest um Yves. „Ich liebe dich so sehr.“

„Ich - dich auch, oller Fraggle“, murmelte Yves und blieb einfach liegen. Er fühlte sich herrlich ausgelaugt und grinste. „Ich glaube, unten wissen sie jetzt auch, was wir gemacht haben, leise waren wir nicht.“ Doch was störte ihn das? Ling wusste Bescheid und für sie war es okay, so wie es war. Das war Yves wichtig gewesen, denn sie war wie eine Mutter für ihn.

„Nein, waren wir wohl wirklich nicht.“ Ein wenig peinlich war es William schon, dass er sich so hatte gehen lassen. Das war eigentlich nicht seine Art, aber er bereute es nicht, denn von Yves geliebt zu werden, war einfach fantastisch. „Wir sind jung und verliebt, da muss man mit so was rechnen“, lachte er leise und küsste Yves auf die Stirn. „Das werden sie noch öfter hören.“

„Ich fürchte auch und ich hoffe, dass die Gäste nicht ausbleiben“, lachte er leise und zog sich langsam zurück. Schnell war der Gummi entsorgt und er konnte sich an Williams Seite kuscheln. Dabei strich seine Hand verliebt über dessen Brust und langsam auf den Bauch. Im Augenblick konnte sein Leben nicht schöner sein.

Wirklich nicht.

„Ich glaube nicht, dass das zu befürchten ist, dazu sind Chens Suppen einfach zu lecker.“ Es war gemütlich und warm unter ihrer Decke und William wurde schläfrig. „Ich sollte mir den Wecker stellen, damit ich früh genug wieder bei den Jungs bin, bevor sie aufwachen. Kommst du mit, oder soll ich sie nach dem Frühstück vorbeibringen?“

„Ich werd mitkommen. Schließlich sind im Kofferraum deiner Limousine noch meine Schwerter“, grinste Yves und rollte sich noch etwas weiter auf seinen Schatz. Er konnte sich sein Verhalten selber nicht erklären, doch jedes Molekül Luft, das noch zwischen ihnen war, war für Yves unerträglich. „Außerdem will ich mit Joel zu Granny fahren. Sie ist zu Hause. Ich habe gestern mit ihr telefoniert, als ihr die Stadt unsicher gemacht habt.“

„Sollen Shuichi und ich euch begleiten, oder ist das zuviel für deine Granny?“ William war hin und her gerissen und schließlich schüttelte er über sich selber in Gedanken den Kopf. „Aber du nimmst einen von meinen Wagen und fährst nicht mit dem Roller nach Maplewood“, legte er fest. Bei Yves musste man auf alles gefasst sein, auch wenn er bei der Kälte wohl eher mit der Bahn gefahren wäre.

„Wie stellst du dir das denn bitte vor?“, fragte Yves und erhob sich etwas auf die Ellenbogen, damit er William besser ansehen konnte. Der fahle Schein der Straßenlaternen machte ihn blass, doch es stand ihm. „Ich bin zur Fahrschule das letzte Mal Auto gefahren. Dann kam ich nie wieder in die Verlegenheit. Ich setze mich bestimmt nicht hinter das Steuer und geistere durch die Straßen, wenn ich meinen kleinen Bruder dabei habe.“ Energisch schüttelte Yves den Kopf.

„Hm.“ William lächelte und streichelte Yves über die Wange. „Dann fahre ich euch und der Halbe und ich schauen uns Maplewood an, während ihr eure Granny besucht.“ Da gab es für William gar keine Frage. Er zog Yves wieder zu sich runter und küsste ihn. „Und wir werden das Fahren üben, bis du dich wieder dran gewöhnst.“

Yves lachte leise. „Ich glaube, dein Liebling hat keine guten Erinnerungen an mich.“ Ja, die Tür vom Bugatti hatte ziemlich was abbekommen. Heute war es für Yves unverständlich, wie er so hatte reagieren können, doch in der Situation damals waren ihm alle Sicherungen durchgebrannt.

„Ach, der Kleine ist nicht nachtragend.“ William lachte mit und wunderte sich schon über sich selbst. Normalerweise durfte niemand seinen Wagen fahren, aber bei Yves störte es ihn überhaupt nicht. „Du kannst ihn jederzeit fahren und auch jedes andere meiner Autos.“

„Lass mal, ich bin bis heute gut mit dem Roller ausgekommen. Ich werde das auch weiterhin“, sagte Yves und schloss die Augen. Er wollte darüber jetzt weder reden noch nachdenken. Materielles hatte ihm nie viel bedeutet, weil er kaum etwas besessen hatte. Ihm war anderes wichtiger gewesen. Er gähnte verhalten, der Tag hatte geschlaucht.

„Okay.“ Soviel wusste William schon, dass Yves nicht weiter darüber reden wollte. Er langte zum Nachttisch nach seinem Handy und wollte seinen Wecker stellen, als er sah, dass er eine SMS bekommen hatte. Er öffnete sie und fing an zu lachen. Dort stand nur >Gemeine Kerle< von Yuki. Er hielt das Handy so, dass Yves auch lesen konnte und schüttelte den Kopf. Die Süße war wirklich immer wieder für eine Überraschung gut.

„Wir sollten uns eine gute Ausrede einfallen lassen, wenn wir nicht wollen, dass meine Brüder davon erfahren“, nuschelte Yves, doch darüber wollte er jetzt nicht nachdenken. Er wollte sich über Williams Schulter küssen, sich noch ein bisschen an ihm reiben und mit den süßesten Träumen einschlafen.

„Ach, lass sie doch.“ William stellte den Wecker und umfing Yves mit seinen Armen. Sie waren beide müde und so strich er nur noch sanft über Yves' Rücken und zog ihn so weit auf sich, damit sie es bequem hatten für die Nacht. „Liebe dich“, gähnte er leise und küsste Yves auf die Schläfe. Er war müde und darum dauerte es auch nicht mehr lange, bis er einschlief.


49

„Die drei Tage sind wie im Flug vergangen“, sagte Yves, als er aus dem Wagen stieg. Zusammen mit seinen Brüdern, Peter und Yuki waren sie nach Miami geflogen und nun auf dem Weg zum Hafen, wo die Yacht auf sie warten sollte. Ein wenig beklemmend war es schon, das Schiff wieder zu betreten. Doch dieses Mal würde ihm nichts passieren. Er hatte zwar von William erfahren, wer ihn über Bord geschubst hatte, doch Yves hatte darauf verzichtet, Cameron Ärger zu machen. Er wollte nur seine Ruhe und das letzte Semester überstehen.

Sein Blick glitt über die weißen Schönheiten die in Reih und Glied an der Kai-Mauer lagen, doch die Duchess III stach auch aus diesem elitären Kreis heraus.

Yuki stand mit offenem Mund davor und konnte es nicht glauben, dass sie mit diesem Schiff fahren sollten, aber sie musste es wohl glauben, als ein roter Schopf über die Reling blickte und ihnen zuwinkte. Robert und Adam waren den Abend vorher schon angekommen und hatten ihre Kabine bezogen. „Hey, beeilt euch, wir wollen los“, rief Robert und grinste über das ganze Gesicht. Er war raus aus der Wüste, musste nicht mehr durch elende Hitze laufen und hatte nun endlich den Urlaub, den er sich mit Adam erhofft hatte. Es war ja nicht so, dass er der Hitze und dem Staub nichts abgewinnen konnte - doch, wenn er ehrlich war, war es genau so. Sand, Sonne, unbeschreibliche Gluthitze. Da war es hier auf der Yacht doch viel schöner.

„War ja klar, dass der jede Chance nutzt, um aus seiner persönlichen Hölle raus zu kommen“, knurrte Peter und setzte sich langsam in Bewegung. Yves hingegen spürte deutlich die fragenden Blicke auf sich. Na eben - Robert hatte von all dem, was passiert war, ja noch keinen Schimmer.

William sah zu Yves hinüber und grinste. „Komm her und küss mich“, schnurrte er leise und schon hatte er Yves zu einem intensiven Kuss herangezogen. Er dehnte ihn aber nicht zu lange aus, denn die anderen drängelten und wollten endlich an Bord. Darum ergriff er Yves' Hand und ging mit ihm zusammen die Gangway hoch. Jetzt konnte ihr Urlaub beginnen.

Doch noch ehe sie das Schiff wirklich betreten konnten, stellte sich ihnen Robert in den Weg. Von Neugier zerfressen, sah er William und Yves an. Er sah auf die verbundenen Hände, auf die Ringe und das dämliche Grinsen seines Freundes. „Erklärung, bitte!“, forderte er mit verschränkten Armen und versuchte seiner fast nackten Gestalt etwas Autoritäres zu geben - was war denn hier an ihm vorbei gegangen? Und wer waren die beiden Fremden?

William hob eine Augenbraue und grinste. Er legte den Arm um Yves und lächelte. „Verlobt, sehr verliebt“, erklärte er im gleichen Telegrammstil und deutete dann auf Joel und Shuichi. „Yves' Brüder und Socke - Katze.“ Peter versuchte sein Kichern zu verbergen, denn es war klar, dass Robert sich mit der Erklärung nicht zufrieden geben würde, so wie dessen Augenbrauen sich zusammenzogen. Weiter und weiter und noch ein Stück und dann holte er tief Luft. Doch ehe er einen Tobsuchtsanfall bekommen konnte, weil er sich verarscht fühlte, legte ihm Adam eine Hand auf die Schulter.

„Verben sind unsere Freunde, Schatz, sie geben unseren Sätzen einen Sinn.“ Dann ging er, um die Neuen zu begrüßen und Robert konnte ihm nur nachsehen - sich dabei noch ein bisschen mehr verarscht fühlend als eben schon.

„Bei der Verlobung war ich dabei, du erinnerst dich dunkel?“, knurrte er wieder William an. „Soll das heißen du magst den Kurzschwanz-Fraggle?“, fragte er nun Yves, vielleicht war der kooperativer. Doch er nickte nur und zog William dichter zu sich, damit er sich gegen dessen Brust lehnen konnte.

„Ach komm, Robert, nicht böse sein.“ William war einfach zu gut drauf, darum erlöste er Robert. Er zog ihn zu sich, damit er ihn umarmen konnte. „Yves mag mich nicht nur, er liebt mich, genauso wie ich ihn. Wir sind sehr glücklich und es hat sich furchtbar viel ereignet, aber das erzählen wir euch noch. Lass uns erst einmal unser Gepäck in die Kabinen bringen.“

„Na klasse“, brubbelte Robert, doch er wirkte schon versöhnlicher. „Erst schicken sie einen in die Wüste und dann wird man vom neusten Tratsch ausgeschlossen. Das sind Freunde, kann ich dir sagen.“ Er wusste selber nicht, wem er gerade sein Leid klagte, sondern ließ sich lieber von allen begrüßen. Auch von Yuki und den Neuen, die erst einmal ausgiebig beschnüffelt werden mussten.

„Und warum hast du einen japanischen Bruder?“, fragte er Yves, doch der verwies auf später. Er wollte erst einmal in die Kabine. Joel zerrte nämlich schon an ihm herum, weil er seine Kabine sehen wollte. Er bekam eine ganz für sich alleine und darauf war er stolz.

„Ey, Viertel, mach nicht so einen Aufstand“, lachte Shuichi und schüttelte den Kopf. Wo nahm der Kurze bloß die Energie her? Die letzten drei Tage hatte er alle geschafft. Auf dem Schiff hofften sie, dass er wieder ruhiger wurde und sie sich entspannen konnten. Zur Not gab es auf dem Sonnendeck einen kleinen Pool, in dem er toben konnte.

„Labere nicht, lauf zu oder geh aus dem Weg“, knurrte Joel, der geschäftig mit seiner eigenen Tasche und Socke an der Leine im Gang verschwand. Robert konnte dem Kleinen nur nachsehen.

„Na, so eine große Klappe wie der hat, das kann nur ein Turner sein“, murmelte er leise und hoffte, dass Yves ihn nicht gehört hatte. Doch auf diesen fremden Japaner war er immer noch neugierig, also kroch er dem ein bisschen auf die Pelle, aber nur so weit wie Adam das zuließ. Der guckte schon wieder mit verdrehten Augen. Besser übte er sich in Geduld, auch wenn es ihm schwer fiel. Daher ließ er Shuichi in sein Zimmer verschwinden und ging ihm nicht hinterher. So viel war passiert, von dem er nichts wusste, und das konnte nicht so bleiben. „Wir warten im Salon auf euch“, rief er in den Gang und das in einem Ton, der keinen Widerspruch duldete. Hier hatten ihm ein paar Leute einiges zu erklären.

„Zieh dir wenigstens ein Hemd an“, sagte Adam und hielt seinem Liebling eines hin. Nicht dass er Robert nicht gern halb nackt sah, nackt vielleicht sogar noch lieber, doch er wusste, was sich gehörte, und einen Hauch von Anstand wollte er auch Robert mitgeben, der ihn schief angrinste und dann doch zu einem Kuss zu sich zog. Doch da waren sie schon allein, weil jeder hinter einer anderen Tür verschwunden war - abgesehen von William und Yves, die verschwanden hinter der gleichen und hatten dafür gesorgt, dass in alle Richtungen drei leere Kabinen zu den Zimmern der anderen waren und sie sich austoben konnten.

„Ach Schatz.“ Robert lehnte sich an Adam und ließ sich festhalten. Es war komisch, er fühlte sich ausgeschlossen. Sie waren die letzten, die von den Neuigkeiten um ihre Freunde erfuhren und das war ein Gefühl, das er nicht mochte. Er war für William da gewesen, als es ihm schlecht ging und nun… Er schüttelte den Kopf und seufzte. Er musste warten.

„Urteile nicht vorschnell, Schatz“, flüsterte Adam. Er hatte seine Hände auf Roberts Schultern gelegt und massierte ihn ein wenig. Er kannte seinen Freund gut genug, um zu wissen, dass er verletzt war, doch William war ein Mann von Ehre. Er tat nichts ohne Grund und für seine Freunde tat er fast alles. Er hatte seine Gründe und die sollte Robert abwarten, ehe er sein Urteil sprach.

„Komm, machen wir ein paar Cocktails, bis die anderen kommen.“

„Ich darf keine Cocktails mixen“, grinste Robert schief, aber er fühlte sich besser. Adam wusste immer, was er sagen musste, damit Robert aus seinem Tief kam. „Ach, was soll's, machen wir sie ordentlich betrunken, dann erzählen sie hoffentlich auch ein paar pikante Details“, lachte er und zog Adam hinter sich her, in den Salon.

„Ja, das war mir klar.“ Adam schüttelte den Kopf, was hatte er auch erwartet? Robert war und blieb ein Lustmolch, doch gerade das machte das Leben mit ihm prickelnd und anregend auf vielfältige Art und Weise. „Aber er wirkte glücklich und viel zufriedener als die letzten Wochen, als ich ihn gesehen habe“, sagte Adam nachdenklich und lächelte. Vielleicht hatte selbst ein Schürzenjäger wie William Kendal endlich seinen Deckel gefunden.

„Ja, das stimmt, er wirkte wirklich richtig glücklich und allein deswegen bin ich auch bereit ihm zu verzeihen, dass er Geheimnisse vor mir hatte.“ Robert stellte sich hinter die Bar und bereitete die Cocktails vor. Mit Alkohol, für die Erwachsenen und ohne für Joel. Er war gerade fertig, als die ersten eintrudelten. Yuki lief auf ihn zu und umarmte ihn, schließlich hatten sie sich lange nicht gesehen.

„Na, junge Lady? Wann haben sie dich eingeweiht?“, lachte Robert und zog sie fest an sich. Seit sie Ferien hatten, hatten sich ihre Wege kaum gekreuzt. Yuki ließ sich gleich auf einen der Barhocker sinken und schob sich das Top, das sie über ihren Hotpants trug, zurecht.

„Hör mir bloß auf. Vor ein paar Tagen tauchte Yves mitten in der Nacht auf, erklärte mir was von seinem Vater und Joel und er müsste nach Kyoto, murmelte, dass er eben mit Will geschlafen hätte und das vielleicht ein Fehler gewesen war und schon war er wieder weg. Glaube also nicht, dass du allein den Status eines Uninformierten innehattest“, lachte sie und dankte Adam für das Wasser, was er ihr reichte.

„Oha.“ Robert setzte sich zu ihr und seine Neugier flammte neu auf. „Wieso ein Fehler? War der Kurzschwanz-Fraggle sooo schlecht?“, kicherte er und jaulte auf, weil er einen Schlag gegen den Hinterkopf bekam.

„Noch so ein Spruch und du wirst der einzige sein, der nicht weiß, was passiert ist“, knurrte William und zog Robert noch einmal am Ohr. Damit er auch wusste, dass er es ernst meinte.

„Au - is' ja gut, is' ja gut. Meine Güte. Man wird doch noch mal fragen dürfen, warum die große Liebe dich als Fehler - aua, jetzt lass doch mal los!“ Robert hopste und versuchte der Hand an seinem Ohr zu folgen, damit es nicht so wehtat, doch dann war er ein Mann und riss sich los, egal wie schmerzhaft das war. Nun glühte sein Ohr und Adam hielt ihm schweigend ein gekühltes Glas Wasser dagegen. Dabei schüttelte er den Kopf. Bei denen hatte sich echt nichts geändert!

„Er war gut, verdammt gut, wenn du es genau wissen willst“, schob Yves noch erklärend nach, wie William, auch nur mit einer engen Short und einem offenen Hemd bekleidet.

„Will ich nicht… oder will ich doch“, murmelte Yuki, die schon wieder rot geworden war und alle lachten. William kam zu ihr und küsste sie auf die Wange. „War klar, Kleines, also erzählen wir weiter.“ Er zog Yves zu einem der Sofas und setzte sich mit ihm. „Ihr wisst doch noch, dass ich Joel geholt habe, weil seine Granny im Krankenhaus war. Seit da sind Yves und ich zusammen. Wir haben es geheim gehalten – vor allen, weil wir nicht wollten, dass meine Mutter es rausbekommt und Ärger macht.“

„Wenn das jetzt die Erklärung war, bei der ich mich als uninformierter Freund besser fühlen soll, dann erzähl sie noch mal - ich fühle mich nämlich noch nicht besser“, muffelte Robert, doch eigentlich nahm ihn keiner wirklich ernst. Das könnte daran gelegen haben, dass er immer noch das Glas am Ohr hatte und ziemlich albern aussah.

„Erzählt mir lieber, wie Shuichi in das ganze Spiel passt und was sollte vorhin der Einwurf von Yuki, von wegen: Yves und sein Vater. Ich dachte, der wäre Waise gewesen?“ Adam hatte durchaus noch Interesse an anderen Sachen als an Ferkeleien.

William sah zu Yves, aber der schien beschlossen zu haben, dass sein Verlobter ruhig weiter erzählen konnte. Er kuschelte sich lieber an William und streichelte ihm über den Bauch. „Alle, einschließlich Yves, dachten, dass er ein Waise wäre, aber sein Vater lebt noch. Er hat Yves nie aus den Augen verloren, sich aber nicht in sein Leben eingemischt und als meine Mutter sich auf ihn eingeschossen und erreicht hatte, dass Joel nicht operiert wurde, hat er eingegriffen und mit Yves Kontakt aufgenommen und ich bin sehr froh darüber, denn jetzt kann Joel endlich sehen.“

„Ja, kann ich und wartet gefälligst. Wir sind wichtig!“

Alle lachten als Joel - gekleidet in Badehose und Schwimmring - mit Socke um die Wette flitzte. Shuichi ließ sich den großen Auftritt für zuletzt. In Shorts und Hemd, wie sein großer Bruder, lehnte er in der Tür und grinste. „Ich werde mal selbst erklären, wer ich bin, wenn mein Schwager mich einfach unterschlägt. Ich bin Yves' Halbbruder. Der Sohn der Hauptfrau meines Vaters“, sagte er und nun lagen die Blicke fragend auf Yves, wer der denn nun war.

„Ich bin der Sohn seiner Geliebten, nur damit hier keiner an Neugier stirbt“, knurrte er und sah Shuichi auffordernd an.

„Meine Mutter wusste von der Geliebten und sie hat es toleriert, bis Yves geboren wurde. Seine Mutter ging mit ihm weg, weil sie nicht den ständigen Kampf mit meiner Mutter wollte, die die Nachfolge ihres Kindes – also das wäre dann ich – in Gefahr sah.“ Shuichi kam in den Raum und setzte sich zu Yuki an die Bar. „War schon irgendwie komisch, auf einmal zu erfahren, dass man zwei Brüder hat, aber es ist okay. Nein, das stimmt nicht, eigentlich finde ich es schade, sie erst jetzt kennen gelernt zu haben.“

„Aber immer noch besser als nie“, sagte Yuki und lächelte ihn an. Wenn er nicht gerade versuchte, einen auf dicke Hose zu machen, war Shuichi ziemlich erträglich.

„Und was genau ist euer Vater, dass es seiner Frau wichtig war, dass ihr Sohn und niemand anderes seine Nachfolge antritt?“, fragte Peter und guckte ziemlich verdutzt, als die beiden Brüder Blicke wechselten. Sollten sie es sagen? Würde es etwas ändern? Doch Shuichi war schneller, denn er legte gern die Karten auf den Tisch, dann sollten die Leute entscheiden, ob sie mit ihm noch etwas zu tun haben wollten oder nicht.

„Yakuza“, sagte er also trocken.

Es war totenstill im Raum und alle Blicke wechselten zwischen Shuichi und Yves hin und her. „Yakuza?“, piepste Yuki, die wohl am ehesten wusste, was das bedeutete. „Nakamura“, murmelte sie und riss die Augen auf. „Nakamura Satoshi ist euer Vater? Das Oberhaupt aller Yakuza-Clans?“ Sie war vollkommen aufgelöst und die beiden Brüder grinsten sie schief an. Ihr Blick blieb an Yves hängen und sie lächelte. Das war immer noch Yves, ihr bester Freund und das hatte sich nicht geändert. „Wow, das ist echt krass“, lachte sie darum und schüttelte den Kopf.

„Ja.“ Yves nickte und wirkte verlegen. Er schämte sich nicht für seinen Vater, er mochte ihn gern. Er hatte absichtlich beschlossen, sich nicht für das zu interessieren, was hinter der Person stand, hinter der Organisation. „Aber tu mir einen Gefallen, Yuki, Granny muss das nicht wissen. Ich habe es ihr nicht gesagt, als ich vorgestern bei ihr war und ich weiß auch noch nicht, ob ich es ihr überhaupt sagen möchte. Ich habe Sorge um ihr Herz. Es reichte schon, dass sie William als meinen Verlobten vorgestellt bekommen hat.“ Yves lachte, denn das war auch nicht so leicht gewesen wie erwartet.

„Ach, das wird schon, Socke fand sie auch süß, obwohl sie erst nicht begeistert war“, tönte Joel und brachte alle zum Lachen.

„Will, fang schon mal an schnurren zu üben und niedlich auszusehen“, kicherte Robert. Eine kleine Rache brauchte er, weil er immer noch daran knabberte, dass man ihm nichts erzählt hatte. „Los trinken wir was, jetzt sind ja alle da.“ Er nahm das Tablett und gab jedem ein Glas. Doch er ließ Yves und Willma nicht aus den Augen und grinste, als er sah wie Yves seinem Schatz zu erklären versuchte, dass er nicht mehr versuchen müsste, niedlich auszusehen - er würde das schon. Shuichi machte mal wieder würgende Geräusche, Joel murmelte was von 'nicht schon wieder' und der Rest amüsierte sich königlich über die frisch Verliebten.

Nur nebenbei bemerkten sie, dass das Schiff ablegte und Joel lief gleich aufs Sonnendeck, denn das wollte er nicht verpassen. Und wie jeder gute Hund, folgte Socke auf dem Fuß. Shuichi ging auch hinterher. Nicht dass einer von beiden über Bord ging. William und Yves fingen an zu schmusen und so gingen alle nach draußen. Robert nicht ganz freiwillig, aber er wurde erbarmungslos von seinem Schatz rausgeschleift. Adam beruhigte seinen Liebling aber mit einem sanften Kuss und schob ihn an die Reling. Er wollte sehen, wie sie aus dem Hafen fuhren.

„Nun hat er seine Straßenratte doch noch bekommen“, grinste Robert, als er sich neben Peter über das Geländer beugte. Sein Freund nickte.

„War ja auch ein steiniger Weg. Ich will mich an das eine oder andere echt nicht zurück erinnern.“ Allerdings war eines jetzt wohl sonnenklar: Williams schlechte Laune der letzten Wochen dürfte vorbei sein und das konnte gefeiert werden.

Sie riefen William und Yves nach draußen, damit sie anstoßen konnten. Sie hatten eine tolle Reise vor sich, mit den Menschen, die sie liebten und die turbulenten letzten Wochen hatten ein Ende und was war besser geeignet um damit abzuschließen, als ihre Gläser der untergehenden Sonne entgegen zu halten und auf die Zukunft zu trinken.

„Auf Liebe und Freundschaft“, riefen sie zusammen und ließen die Gläser gegeneinander stoßen.



Ende