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IKEA-Sonderposten - Teil 21 bis 24

21

„Guten Tag, junge Dame. Vielleicht können sie mir helfen", sagte Mario, als er an der Info-Theke bei IKEA stand. Der Morgen war nicht sehr erbaulich gewesen, denn Felix war nur noch ein Häufchen Elend. Jan hatte es fast nicht übers Herz gebracht, ihn allein zu lassen. Nur eine Vorlesung mit Anwesenheitspflicht hatte ihn dann doch dazu gebracht, mit Mario zur Uni zu fahren, aber er hatte regelmäßig daheim angerufen, damit Mauseplautz keinen Blödsinn machte, denn so hatten sie ihn noch nie erlebt.

„Ich möchte zu Ole Johansson. Ich habe zwar keinen Termin, aber ich glaube, wenn er weiß, dass ich da bin, wird er mich empfangen. Könnten sie mich vielleicht bei ihm anmelden?"

„Guten Tag.“ Die junge Dame musterte Mario kurz neugierig und lächelte dann. „Ich kann versuchen Herrn Johansson zu erreichen. Die Sitzung dürfte vorbei sein. Dann bräuchte ich nur noch ihren Namen, damit ich fragen kann, ob er sie empfängt." Sie hatte schon den Hörer in der Hand und wählte die Nummer des stellvertretenden Marktleiters.

„Hohlfeld. Mario Hohlfeld. Ob er meinen Nachnamen kennt, weiß ich nicht. Sagen sie ihm einfach, es geht um Felix. Dann wird er wissen, wer ich bin", sagte Mario eilig und drückte die Daumen, dass Ole nicht genauso stur war wie Felix und wenigstens mit einem zu reden war.

Die junge Frau erklärte der Person am anderen Ende, wer etwas von ihm wollte und nickte schließlich, bevor sie auflegte. „Herr Hohlfeld, ich soll sie zu Herrn Johansson bringen. Wenn sie mir bitte folgen würden. Wir fahren mit dem Aufzug die obere Etage.“ Sie lächelte Mario zu und ging zum Aufzug vor. Dort gab sie den Knopf für die oberste Etage mit einem Schlüssel frei und erklärte Mario, wo er Ole fand. Dann verließ sie den Aufzug wieder und die Türen schlossen sich hinter ihr.

Er war nicht lange unterwegs, da öffneten sich die Türen wieder. Mario trat hastig heraus und ging den Weg, der ihm beschrieben worden war. An einer Tür, an der Oles Name und seine Position stand, klopfte er und trat nach einer Aufforderung ein. „Hallo", grüßte er und sah sich etwas verstohlen um. Er musste grinsen, denn das hier sah nicht aus wie Billy oder Bestå.

„Mario, hallo.“ Ole kam zu Mario herüber und er wirkte nicht mehr wie der gut gelaunte Mann, als den sie ihn kennen gelernt hatten. Ole wirkte übernächtigt und fahrig, ganz so, als wenn er kaum geschlafen hätte. Es ging ihm nicht gut, dass konnte man deutlich sehen, denn Ole wirkte verzweifelt. „Komm rein und setz dich“, bat Ole und versuchte zu lächeln, was aber ziemlich schräg ausfiel. „Was ist mit Felix? Geht es ihm gut?“

„Genaugenommen geht es ihm beschissen und deswegen bin ich hier. Ich will wissen, was hier eigentlich läuft und was du von ihm willst", sagte Mario offen heraus. Denn auch wenn er Ole mochte, seine Loyalität gehörte Mauseplautz.

Ole sackte in sich zusammen und setzte sich in einen Sessel. „Das habe ich nicht gewollt.“ Er strich sich mit der Hand über das Gesicht und sah Mario mit traurigen Augen an. „Henning will mich zurück haben und hat Felix Lügen über mich erzählt. Ich will Felix nicht nur fürs Bett und ihn dann fallen lassen. Ich liebe ihn, aber das kann ich ihm nicht sagen, weil er eine Freundin und keinen Freund will.“

„Ich glaube nicht, dass das das Problem ist, Ole. Ich bin mir ziemlich sicher, Felix weiß noch gar nicht genau, was er wirklich sucht. Er sucht eine Freundin, weil man das im Allgemeinen so erwartet. Aber so wie er mit dir umgeht, was er bei dir alles macht, ist mehr, als bei jedem anderen. Du hast eine Position bei ihm, die nur Jan bei mir hat. Ich glaube, er hat sich auch ziemlich... Du weißt schon." Mario grinste schief und hoffte, dass er Mauseplautz nicht vorgriff. „Sag ihm nicht, dass ich hier war. Wenn er das rausbekommt, bringt er mich um. Aber er redete so intensiv von diesem Henning und was der gesagt hat, dass ich von dir wissen wollte, was wirklich dran ist. Also?"

Kurz glomm Hoffnung in Oles Augen auf, aber dann wurde er wieder traurig. „Nach dem, was Henning ihm über mich erzählt hat, wird das nicht mehr so sein. Das sind zwar Lügen, aber ich kann es nicht beweisen. Wir waren zwei Jahre zusammen. Das erste war auch wunderschön, aber danach fingen unsere Probleme an. Ich wollte mit Henning darüber reden, aber der war der Meinung, Sex würde mich wieder besänftigen. Er hat aber nie begriffen, dass das auch ein Teil unserer Probleme war.“

Ole lächelte schmal und sah Mario offen an, der ihn interessiert ansah. „Er hat mich irgendwann eingeengt", fuhr Ole fort. „Ich war am Ende 15 Stunden im Laden, nur um nicht daheim zu sein, um nicht diskutieren zu müssen und Lust auf Sex hatte ich schon lange nicht mehr. Die anfänglichen Gemeinsamkeiten hatten sich verlaufen und schlussendlich machte sich meine Mutter so viele Sorgen, dass sie die Versetzung von Essen nach Stockholm angeleiert hat, um mich in ihrer Nähe zu haben." Nun lachte er und auch Mario konnte sich ob der Vorstellung ein Grinsen nicht verkneifen - Mütter waren eben Mütter.

„Mit Henning zu reden blieb fruchtlos", gestand Ole resignierend. „Denn Henning redet nicht. Henning sitzt Probleme aus, bis sie verschwinden und das stand ich nervlich nicht mehr durch. Ich musste raus. Doch egal wie oft ich versuchte die Beziehung zu beenden, er lachte mich aus und zerrte mich ins Bett. Mir blieb nur der harte Schnitt und nicht einmal den hat er begriffen."

„Muss ja ein Herzchen gewesen sein", murmelte Mario und wirkte ziemlich erleichtert darüber, dass Ole eben doch nicht das war, was Felix gestern skizziert hatte. „Ihr Zwei müsst reden. Auch wenn Felix gerade stockt wie ein Muli. Ihr kommt nicht drum herum."

„Jederzeit, besser heute als morgen.“ In Ole glomm ein klein wenig Hoffnung auf. Wenn er Mario und Jan auf seiner Seite hatte, hatte er vielleicht eine Chance. „Aber wie sollen wir das machen? Wenn ich einfach auftauche, wird er wieder dicht machen und er ist böse auf euch.“ Das wollte Ole gar nicht. Es reichte, wenn Felix durch ihn unglücklich war.

„Eigentlich hatten wir gehofft, dass Felix heute Abend bei dir wäre. Deswegen hatten wir vor, mal wieder wegzugehen. Wir wollten ins 'Twighlight'. Treffen wir uns einfach dort. Wir versuchen, Mauseplautz mitzunehmen. Dort könnt ihr euch sehen und reagieren. Euch aus dem Weg gehen oder euch in deinen Wagen verziehen. Wie auch immer." Mario wiegte den Kopf. Felix war schon öfter mit dort gewesen und hatte es immer sehr genossen. Ab und an hatte er auch ein bisschen geflirtet. Dass es Männer gewesen waren, hatte ihn damals nicht gestört. Vielleicht konnten sie ihn überzeugen, sie zu begleiten, um auf andere Gedanken zu kommen - das wäre perfekt.

„Das ‘Twighlight‘? Ja, das kenn ich.“ Ole dachte darüber nach und nickte. „Ja, die Idee ist nicht schlecht. Ist vielleicht besser, wenn wir uns auf neutralem Boden treffen.“ Die Welt sah nicht mehr ganz so trostlos aus, auch wenn seine Chancen nicht viel besser waren als vorher. Wenn Felix so wütend auf ihn war, war es fraglich, ob er überhaupt mit Ole reden wollte.

„Der Fairness halber", setzte Mario an, „werde ich ihm sagen, dass ich hier war und was wir ausgemacht haben. Es soll seine Entscheidung sein, mit dir zu reden. Ihn dort hin schleppen und dann ist er sauer, hilft uns allen nicht." Er kannte Mauseplautz zu gut, um zu wissen, dass man so nicht handeln sollte. Denn Felix war nachtragend wie ein Elefant.

„Ich verspreche nichts. Vielleicht braucht er auch einfach Zeit. Er bildete sich nämlich immer ein, wenn ihr doch beide Single seid, könnte man gemeinsam etwas Single sein. Er muss eure Konstellation neu überdenken. Das kann bei Regenwürmern etwas dauern." Er lachte, um Ole aufzuheitern.

„Ja, ein sehr schnuckeliger Regenwurm, den ich sehr gern immer bei mir hätte und nicht, um gemeinsam Single zu sein.“ Ole lächelte wirklich ein wenig, auch wenn es noch sparsam ausfiel. Dieser Spruch von Felix hatte ihn immer zum Schmunzeln gebracht „Wir können nur hoffen, dass er mitkommt und dann auch wirklich mit mir reden möchte.“

„Und wenn nicht, dann werden wir schon dafür sogen, dass er irgendwann redet. Wir haben da auch unsere Mittel und Wege und wenn er zu seinem Glück gezwungen werden möchte, dann bekommt er das auch." Mario grinste frech und ließ keinen Zweifel daran, dass zum Schluss alles gut werden würde. Denn sonst flog der Kleine hochkantig raus bei ihnen. Egal was Jan sagte. „Ich bin dann mal wieder weg. Muss noch Futter fürs Abendessen besorgen. Er ist zwar ein kleiner Regenwurm, aber ein hungriger. Man sieht sich." Mario erhob sich.

„Ja, das stimmt.“ Ole lächelte jetzt endlich wieder befreiter und drückte Mario kurz an sich. „Danke“, sagte er dabei und auf einmal sah der Tag doch nicht mehr ganz so trübe aus. Es gab zumindest eine Chance, dass er sich mit Felix aussprechen konnte.

Mario machte sich derweil auf den Weg nach Hause. Ausnahmsweise hielt er bei Felix' Lieblingspizzeria, denn so wie sich das heute angehört hatte, hatte Mauseplautz noch nichts gegessen. Typische Zeichen von Liebeskummer, aber was redete er? Ihm glaubte ja eh keiner. Schnell war geordert und dann schwang er sich wieder auf sein Bike. Er liebte es wirklich, aber im Winter und bei solch nassem Sauwetter wie heute, war es nicht das angenehmste.

Er war froh, als er von der Kälte und Nässe in den trockenen Hausflur kam. Immer zwei Stufen auf einmal nehmend, lief er die Treppen hinauf und schloss die Wohnung auf. „Bin daha“, rief er laut und hatte gerade noch Zeit die Pizzen wegzustellen, da spürte er auch schon zwei weiche Lippen auf seinen.

„Bin ich froh, dass du da bist. Noch länger mit Felix alleine und ich begehe einen Mord“, nuschelte Jan zwischen vielen kleinen Küssen, bevor er Mario richtig küsste.

„So schlimm?", flüsterte Mario in den Kuss und zog seinen Schatz dichter an sich. Er schien etwas Trost zu brauchen. Doch dann hörte Mario schon, was Jan eigentlich meinte, denn Mauseplautz motzte und zeterte gegen Ole, dass es nur so eine Freude war. Vor allem schien er sich aber darüber auszulassen, dass Ole schwul war und kein Wort gesagt hatte - nicht ein einziges. Seit Stunden musste sich Jan das jetzt anhören und es hörte einfach nicht auf.

Jan machte mit einer Hand eine kreisende Bewegung und verdrehte die Augen. Er konnte ja verstehen, dass Felix sauer war, aber der Herr Mauseplautz sah nicht ein, dass er seine Antworten, nach denen er verlangte, nur bekam, wenn er mit Ole redete. Da war sein Freund wie vernagelt. Noch schlimmer als sonst und das alleine zeigte schon, wie schwer ihn das alles getroffen hatte. Wenn Ole ihm nicht wichtig wäre, würde ihn das nicht jucken. Er würde den Kerl abhaken und gut.

Aber Ole ging tiefer, das war nicht oberflächlich und das wussten beide - nur Felix weigerte sich und lamentierte. „Stopfen wir ihm das Maul mit Pizza, dann ist für eine Weile Ruhe und dann berichte ich, wie es bei Ole war", sagte Mario leise, lehnte dabei seine Stirn gegen die seines Freundes. Jan war schön warm.

„Wie ist der denn drauf? Bestimmt nicht gut, würde ich mal vermuten.“ Jan zog Mario an sich und legte ihm den Kopf auf die Schulter. Dabei schälte er seinen Freund aus der nassen, klammen Jacke und ließ sie erst einmal auf den Boden fallen. Die konnte er gleich aufhängen.

„Genau genommen sieht er aus wie ein geprügelter Hund. Und wenn der Kurze da drinnen nicht bald seine Klappe hält, dann werde ich laut. Denn Ole hat eingesehen, dass es keine gute Idee gewesen war, mit diesem Fakt hinter dem Berg zu halten", sagte Mario, während er das Futter auf Teller verteilte. „Aber er hängt an Felix. Der ganze Mist, den der Kleine sich hat auftischen lassen, ist Blödsinn. Dieser Henning scheint eine ziemlich linke Ratte zu sein, was Ole so gesagt hat. Klar. Aussage gegen Aussage, aber ich tendiere irgendwie dazu, Ole zu glauben."

„Ich auch, denn das, was dieser Henning über ihn erzählt hat, ist doch Blödsinn. Warum sollte Ole sich wochenlang um Felix bemühen, wenn er ihn nur poppen und dann fallen lassen will. Da rechtfertigt doch der Aufwand das Ergebnis nicht. Da hat er weiß Gott andere Möglichkeiten, sich was für eine Nacht zu suchen.“ Diese Überlegung hatte er heute schon mehr als einmal versucht Felix klar zu machen. Aber vernünftige Argumente glitten an Felix ab, wie Dreck an einem Lotusblatt.

„Wir müssen wohl beharrlich sein", seufzte Mario, der sich auf eine längere Diskussion bis weit ins nächste Jahr hinein gefasst machte. „Aber du weißt ja, Schatz, steter Tropfen höhlt die Leber." Er lachte und griff sich zwei Teller, um zu Felix zu gehen. Das Zetern hatte aufgehört, das war an sich kein gutes Zeichen. Doch Herr Mauseplautz saß in seine Decke geschlagen auf der Couch und guckte ihn nur erwartungsvoll an.

„Pizza“, sagte Mario nur, der zwar wusste, was Felix wollte, es aber gar nicht einsah, von sich aus zu erzählen. Wenn Herr Mauseplautz etwas wissen wollte, dann sollte er fragen.

Gut sah der Kleine ja nicht aus, aber es brachte auch nichts, ihn jetzt zu verhätscheln. Sie mussten ihn dazu bringen, reden zu wollen, dann hatten sie schon fast gewonnen.

„Ah, okay. Riecht gut", nahm Felix den Ball auf und ließ sich seinen Teller reichen. Es war nicht das gewesen, was er hatte hören wollen, doch vorerst musste das reichen. Er wagte nicht zu fragen, wollte nicht hören, was Henning ihm gestern schon gesagt hatte. Vielleicht hatte Ole Mario ja sogar rausgeschmissen, weil er aufgeflogen war. Felix seufzte. Je länger er darüber nachdachte, umso wilder wurden die Spekulationen.

So, wie er an seiner Pizza herummümmelte, konnte man ihm förmlich ansehen, was ihm durch den Kopf geisterte. Jan stupste Mario, damit er Felix nicht so lange schmoren ließ. „Ich war heute bei Ole“, leitete der das Gespräch ein und zog schon einmal den Kopf zwischen die Schultern, falls jetzt das große Donnerwetter über ihn hereinbrach. Doch erstaunlicherweise passierte nichts dergleichen. Felix sah ihn nur irgendwie wissend an, gerade so, als hätte er das heimlich gehofft.

Doch seine Worte waren dem völlig gegensätzlich. Er erinnerte ein bisschen an Jan vor zwei Jahren, wenn Mario auf drei Meter zu dicht heran gekommen war. „Und? Hat der Herr sich schön über den blöden Felix amüsiert, der nicht gemerkt hat, was eigentlich abgeht?"

Mario atmete tief durch, um nicht laut zu werden. Felix wollte wahrscheinlich gar nicht hören, was er zu sagen hatte, aber gerade darum sollte er es hören. Mit möglichst neutraler Stimme, um den reizbaren Mauseplautz nicht gleich wieder hochzupushen. „Nein, das hat er nicht. Er macht sich eher Vorwürfe, dass er dir nicht gesagt hat, dass er schwul ist und er macht sich Sorgen um dich.“

Anstatt eines weiteren frechen Kommentars herrschte Schweigen, denn Felix schien darüber erst einmal nachzudenken. Er knabberte an seiner Pizza und man sah ihm an, wie oft er einen Satz, der ihm auf der Zunge lag, wieder herunter schluckte. „Fällt ihm ja reichlich spät ein, dass man zur Abwechslung ruhig mal hätte ehrlich sein können. Meine Güte", schnaubte er und aß weiter, sah Mario dabei aber nicht an, weil er wusste, dass er sonst böse angeguckt wurde.

„Herr Gott noch mal. Ole ist auch nur ein Mensch. Er macht Fehler, wie jeder von uns. Er sollte die Chance bekommen, das zu erklären. Vielleicht hatte er einen guten Grund.“ Mario klang ärgerlich, aber er beherrschte sich, denn es war jetzt nicht gerade förderlich, Felix anzumotzen. „Du solltest wirklich mit ihm reden, auch wenn er in deinen Augen nicht ehrlich war.“

„Was soll das denn heißen: in meinen Augen? In deinen Augen war er wohl ehrlich, oder was?", knurrte Felix zurück. Und je mehr er sich wehrte, je mehr er das Haar in der Suppe suchte, umso klarer wurde Jan, das Felix sich schämte. Er schämte sich vor sich selbst, auch nur eine Sekunde an Ole gezweifelt zu haben und konnte nun, dank seines dämlichen Stolzes nicht mehr zurück rudern. Und anstatt die Klappe zu halten, ritt er sich immer tiefer rein. Vielleicht war es doch nicht die beste Idee, wenn Ole und Felix sich in Kürze aussprachen. Felix brauchte Zeit, vor sich selbst das Gesicht zu wahren.

„Nein, Felix, in meinen Augen war er auch nicht ehrlich.“ Mario wuschelte Felix leicht durch die Haare und lächelte. „Mauseplautz, ich will dich ja nicht zu etwas zwingen. Ich möchte, dass du wieder lächelst. Mich mit deiner frechen Klappe in den Wahnsinn treibst und uns regelmäßig den Kühlschrank leer frisst. Damit das alles wieder so wird, brauchst du Ole, denke ich, denn du hast ihn gern.“

„Habischüberhauptnisch", nuschelte Felix so hastig, dass er sich fast noch verschluckte und lief rot an. „Binnichschwul", schob er noch eilig hinterher, damit er wenigstens ein paar Fakten ins Rennen schicken konnte, um seine Behauptung - wenn auch nur wacklig - zu untermauern.

„Man muss doch nicht schwul sein, um einen anderen Mann gern zu haben.“ Mario ließ Felix erst einmal in dem Glauben, auch wenn er es besser wusste, aber eine Grundsatzdiskussion konnte er jetzt gerade nicht gebrauchen, auch wenn er sie sonst sehr gern vom Zaun brach. „Ole war dir sympathisch, praktisch vom ersten Moment an. Ihr habt unheimlich viel Spaß miteinander gehabt. Kochen, backen, Ausstellungen, gemütliche Fernsehabende. Das macht man nicht mit jemandem, den man nicht gern hat.“

„Wir waren zusammen ein bisschen Single, mehr nicht!", stellte Felix klar. Ihm wurde gerade einiges bewusst, was er ganz bestimmt so nicht gewollt hatte. Wenn er Mario zuhörte und sich am Stück vor Augen führte, was er mit Ole alles getan hatte und mit einem anderen Mann nie tun würde, wurde ihm schwummerig.

Nein, er war nicht schwul!

Nicht, dass er etwas dagegen hatte, aber er selber war es nicht und gut.

Auch nicht für Ole!

„Gut, was spricht dagegen, dass ihr immer noch zusammen ein bisschen Single sein könnt. Ole war nicht ganz ehrlich zu dir, aber er hat auch nicht gelogen. Er hat wirklich eine zweite Chance verdient. Die verdient eigentlich fast jeder.“ Außer Henning vielleicht. Der sollte Mario besser nicht unter die Finger kommen. Es gab eigentlich wenig, was der große Schwimmer mehr verabscheute als Lügen und Henning hatte gelogen, da war er sich sicher.

„Aber nicht heute", sagte Felix leise und erinnerte mit keiner Silbe mehr an die große Klappe von eben. Es war, als wäre ein Schalter in ihm umgefallen und er fing an nachzudenken. Hatte Mario Recht? Hatte er Ole gern? War er deswegen so wütend auf ihn? Sicher, er hatte ihn gern gehabt - aber nicht so wie Jan oder Mario, anders. Und dieses 'anders' war es, was ihm Kopfzerbrechen bereitete.

Das war Jans Stichwort. Mario hatte ihn weichgeklopft und nun musste er für ihn da sein. Er nahm Felix in den Arm und hielt ihn fest.

„Das musst du nicht, Felix, aber denk noch einmal darüber nach. Ole kommt heute Abend ins 'Twighlight'. Ich habe ihm gesagt, dass wir dort hin gehen und dich vielleicht mitbringen.“ Mario strich Felix über das Bein und lächelte. Das war besser gelaufen, als er gehofft hatte. Jetzt war nur zu hoffen, dass Mauseplautz nicht wieder einen Rückzieher machte.

„Nicht heute", schüttelte Felix energisch den Kopf. Wenn er Ole schon entgegen trat, musste er wissen, was er wollte und vor allen Dingen, was er nicht wollte. Das Problem war nur, dass mit den veränderten Ausgangswerten alles neu berechnet werden musste. Das dauerte. „Vielleicht nächstes Jahr. Nächste Woche ist er ja dann eh zwei Wochen weg." Felix redete nur für sich, leise.

„Ist okay, wir werden es ihm erklären.“ Jan war erst einmal zufrieden, so wie es war. War das eben ein Problem, das sie nicht schnell lösen konnten. Mit einem Lächeln sah er zu Mario hinüber, der ein wenig überrascht wirkte, aber dann die Schultern zuckte und anfing zu essen. Das war wirklich typisch. Nichts konnte seinen Liebling lange vom Essen fernhalten.

„Bringt ihr mich nach Hause, wenn ihr fahrt?", fragte Felix leise. Es war ihm unangenehm, seine Freunde noch weiter zu belästigen, aber jetzt noch mit dem Bus bis nach Hause - dafür hatte er keinen Nerv. Er wollte sich nur noch die Decke über den Kopf ziehen und nachdenken. „Dann habt ihr die Wohnung für euch, wenn ihr nach Hause kommt und könnt euch austoben, ohne Rücksicht nehmen zu müssen." Er grinste schief.

„Sicher machen wir das, aber du kannst auch gerne hier bleiben.“ Jan strich Felix eine Haarsträhne aus dem Gesicht und seufzte leise. So leise und unsicher gefiel er ihm noch weniger, als laut und wütend. Er überlegte ernsthaft, ob Mario sich alleine mit Ole traf, weil er seinen Freund in dieser Stimmung nicht gerne alleine lassen wollte, aber das wollte Felix bestimmt nicht, weil er ihnen nicht zur Last fallen wollte.

„Okay. Muss ich mich aber noch umziehen. Duschen kann ich dann zu Hause und dann geh ich ins Bett. Ja, so werd ich das machen", sagte Felix, der den ganzen Tag mit seinem Schlafanzug auf der Couch verbracht hatte. „Vielleicht rufe ich morgen mal an", sagte er noch, weil er nicht wollte, dass seine Freunde sich sorgten. Sie sollten sich amüsieren. Schließlich hatten sie die letzten Tage mit ihm schon genug durchgemacht.

„Nur keinen Stress. Iss erst einmal. Mario und ich müssen uns auch noch fertig machen.“ Jan beherzigte seinen eigenen Vorschlag und vernichtete seine Pizza. Die war einfach zu lecker, um sie kalt werden zu lassen. Immer wieder stupste er Felix an, damit der nicht zu sehr in seine Gedanken versank und auch etwas in den Magen bekam.

„Okay." Felix aß weiter und leckte sich die Finger, als er auch endlich fertig war. Da war Jan schon im Bad und Mario stromerte durch die Küche, auf der Suche nach etwas zum Trinken. Zufrieden kam er mit einem Tetrapack Saft zurück und goss Felix auch etwas ein. Vitamine waren nie verkehrt. Er musterte Herrn Mauseplautz, denn der machte den Eindruck, als wollte er noch etwas sagen, konnte sich aber nicht überwinden. Was in dem Regenwurm-Hirn wohl schon wieder vor ging?

„Willst du wirklich nicht hier bleiben? Wir haben auch eine Decke, unter der du dich verkriechen und nachdenken kannst.“ Genauso wie Jan, ließ Mario Felix ungerne gehen. Wenn er hier blieb, konnten sie auch mitten in der Nacht reden, wenn notwendig. So machten sie sich unweigerlich Sorgen, aber sie konnten Felix ja nicht zwingen, hier zu bleiben.

„Ä-ä." Felix schüttelte den Kopf und grinste tapfer. „Mir geht es schon viel besser und außerdem habe ich ja jetzt Urlaub. Morgen werde ich ganz lange schlafen - endlich mal wieder", erzählte er und malte sich das schon deutlich aus. Er verdrängte, dass er eigentlich - genauso wie heute - den Tag mit Ole hatte verbringen wollen. Sicherlich wäre es schön geworden. Doch im Augenblick war Felix zu aufgewühlt.

Mario gab sich damit zufrieden und löste sich mit Jan im Badezimmer ab. Sie waren schon lange nicht mehr aus gewesen und so langsam freute er sich richtig, sich einmal wieder zu Musik zu bewegen. Als sie sich gestylt und angezogen hatten, war auch Felix fertig und sie konnten losfahren.


22

Ole sah auf seine Uhr, als er endlich einen Parkplatz vor dem ‘Twighlight‘ gefunden hatte. Er war völlig nervös und auch wenn er nicht viel Hoffnung hatte, dass Felix wirklich mitkam, so wollte er doch wenigstens noch etwas mit Jan und Mario reden und hören, wie es Felix jetzt ging und ob Mario ihm die ganze Problematik mit Henning ausgerichtet hatte.

Eilig steckte er etwas Geld, Handy und den Autoschlüssel in die Hosentasche und machte, dass er zum Einlass kam.

„Schlüssel-Schloss-Party?", las er etwas irritiert und brachte den Mann an der Kasse zum Lachen.

„Keinen Bock drauf? Ist keine Pflicht", sagte er und Ole zuckte die Schultern. „Wenn jemand den Schlüssel zu dem Schloss an deiner Hose findet, bekommt ihr beide einen Drink gratis. Versuch ist es wert", sagte der Mann, weil Ole immer noch mürrisch guckte.

„Ich nehme ein Schloss, aber ich möchte nicht, dass mein Schlüssel in Umlauf kommt - geht das auch?", fragte er, weil er eigentlich keine Lust hatte, mit jemanden einen trinken zu gehen, wenn der jemand nicht Felix war.

„Aha, sich interessant machen, aber wählerisch sein. Du willst dir wohl selber aussuchen, mit wem du trinkst.“ Der Mann an der Kasse zwinkerte Ole zu und holte ein Schloss mit Schlüssel aus einem Korb. „Du kannst deinen Schlüssel kaufen. Kostet 20 €.“ Er hielt Ole das Schloss hin und Ole nickte. Er bezahlte und befestigte das Schloss an seiner Hose. Der Schlüssel verschwand in seiner Hosentasche, damit er nicht verloren ging. Dann stürzte er sich in das Gewühl.

Abgestandene Luft schlug ihm entgegen, als er in den großen Tanzraum trat und der Nebel machte es ihm nicht leichter, sich einen Überblick zu verschaffen. Er ärgerte sich, weil er mit Mario keine Zeit ausgemacht hatte und nun konnte er nur darauf hoffen, dass die drei nicht schon wieder abgezogen waren.

Hastig und sich immer wieder umblickend bahnte er sich seinen Weg und die Blicke folgten ihm. Er war ja auch eine Augenweide. Zwei dunkle Augen hafteten besonders an ihm. Langsam ging deren Besitzer los und folgte dem großen Schweden an die Bar. Ole merkte davon erst etwas, als Hände sich über seinen Hintern nach vorne zum Schloss arbeiteten. Knurrig drehte er sich um, weil er so etwas gar nicht haben konnte und erstarrte. „Henning“, murmelte er entsetzt und versuchte, die Hände seines Ex-Freundes von sich zu bekommen.

„Wer hätte gedacht, dass es dich mal wieder hier her zieht, hm?", lachte Henning und kam seinem Ex wieder ein bisschen näher. „Hat dich unser kleines Gespräch gestern dazu ermutigt, es wieder mit einem richtigen Mann zu versuchen, anstatt mit einem Kind?" Intensiv sah er Ole an.

„Lass mich einfach in Ruhe, Henning. Such dir jemand anderen für deine Spielchen. Ich bin dafür nicht mehr zu haben.“ Ole rückte ein paar Schritte zur Seite und drehte seinem Ex den Rücken zu. Er bestellte sich eine Cola und spürte schon wieder Hände an seinen Hüften. „Henning, lass das“, zischte er wütend und drehte sich wieder um.

„Warum?", fragte sein Ex offen. „Du trägst ein Schloss und jeder hat das Recht zu probieren, ob der Schlüssel passt. Also." Er zückte seinen Schlüssel und grinste dreckig. Wäre doch gelacht, wenn er sich heute nicht einen netten Abend machen konnte. Und wenn er alle Schlüssel im Laden kaufen musste, das war ihm egal! Er würde heute noch mit Ole trinken und sein Liebling konnte sich da nicht herauswinden.

„Dann probier und verschwinde. Aber verirrt sich auch nur einer deiner Finger dorthin, wo er nichts mehr zu suchen hat, wirst du über Weihnachten einen Gipsverband tragen.“ Normalerweise drohte Ole niemandem, aber Henning verstand manchmal nichts anderes.

„Ich mag es, wenn du versuchst dominant zu werden. Das macht mich an, wirklich", lächelte Henning süffisant und er genoss es sichtlich, wie seine Finger sich Oles Schloss näherten. Vorerst hielt er sich daran, außer dem Metall nichts berühren zu dürfen. Doch wenn sein Babe genug getrunken hatte und in Stimmung war, würde sich das schon geben.

„Er passt nicht, also tschüss!“, knurrte Ole, dem Hennings Verhalten ziemlich gegen den Strich ging. Der ließ das Schloss nämlich nicht los und tat immer wieder so, als wenn er den Schlüssel ausprobieren wollte. „Was ist daran so schwer zu verstehen, dass ich nichts mehr von dir will? Bist du so notgeil, dass du selbst die Grundregeln des Anstandes vergessen hast?“

„Die Grundregeln des Anstandes", nutzte Henning die Frage für ein bisschen Konversation und lehnte sich neben Ole an die Bar. „Ich war es nicht, der einfach verschwindet ohne ein Wort. Ein lumpiger Zettel war alles. Anständig ist anders, würde ich sagen." Nein, den Schuh zog er sich nicht an und auf die Frage nach der Geilheit reagierte er nicht, das war nicht sein Niveau.

„Henning, ich habe es oft genug versucht… ach vergiss es.“ Jetzt waren bestimmt nicht die richtige Zeit und der richtige Ort, um mit seinem Ex zu diskutieren, warum Ole einfach gegangen war. Immer wieder ließ er seinen Blick durch die Disco schweifen, ob er Jan und Mario irgendwo sah, hoffentlich mit Felix im Schlepptau. Doch noch war nichts zu sehen - weder Jan und Mario, noch Felix.

„Was guckst du denn die ganze Zeit so suchend?", wollte Henning wissen, dem das Verhalten seines Ex ziemlich spanisch vorkam. Genau genommen schien er zu ahnen, was mit Ole los war und so grinste er unterkühlt. „Glaubst du, der Kleine kommt hier her? Nachdem du ihn so belogen hast? Träum weiter, Schatz."

„Wohl eher, nachdem du ihn so über mich belogen hast.“ Ole musste sich wirklich zurückhalten, Henning nicht die Meinung zu sagen. „Ich werde das schon klar stellen und dann kannst du erzählen, was du willst.“ Er nahm sich seinen Drink und ging an das andere Ende der Bar, in der Hoffnung, Henning verstand.

„Glaubst du", murmelte Henning leise. Er hatte den Wink sehr wohl verstanden, doch das hieß ja noch lange nicht, auch dementsprechend handeln zu müssen. Ole hatte einfach zu lange keine führende Hand mehr gehabt, deswegen war er so zickig. Das gab sich schon wieder. Doch erst einmal brauchte Henning einen neuen Schlüssel.

Ole atmete erleichtert auf, als Henning ihm nicht nachkam, sondern in der Menge verschwand. Allerdings kannte er seinen Ex gut genug, um zu wissen, dass er noch lange nicht aufgab. Wenn Henning etwas wollte, dann war er hartnäckig, besonders, wenn sein Ego verletzt war. Warum musste der auch ausgerechnet heute hier sein?

Mittlerweile war Ole so weit, sich zu wünschen, Felix käme vielleicht doch besser nicht mit. Die Sorge war zu groß, dass Henning seine Chance nutzte und eine Show der Sonderklasse abzog, noch ehe Ole die Gelegenheit gehabt hatte, mit Felix zu reden.

Das konnte zu einem Desaster werden!

Bloß nicht drüber nachdenken!

Er spielte gerade im Kopf durch, was er Felix sagen wollte, wenn er wirklich kam, da spürte er schon wieder Hände auf seiner Hüfte und ein großer Körper drängte sich von hinten an ihn. „Henning“, brummte Ole leise. Was der vorhatte war auch schnell geklärt, denn in der Hand hatte sein Ex drei Schlüssel, die er anderen Besuchern abgekauft hatte.

„Wäre doch gelacht, wenn nicht einer davon der Schlüssel zu deinem Herzen wäre", lachte Henning und sie wussten beide, dass es das nicht war, was Henning eigentlich haben wollte. Doch das hielt ihn nicht davon ab, die Schlüssel zu probieren. Ausdauernd und streng. Er versicherte sich mehrfach, dass es der oder der andere nicht war. Dass er dabei vor Ole kniete und es von hinten sicherlich merkwürdig aussah, interessierte ihn nicht die Bohne. Schließlich steckte er sein Territorium ab - das konnte ruhig jeder wissen!

Ole war das alles gar nicht recht und er fühlte sich sichtbar unbehaglich. Warum hatte er dieses blöde Schloss nehmen müssen? Natürlich erregten sie Aufsehen und von allen Seiten kamen blöde Kommentare, allerdings auch noch ein paar Schlüssel mehr. „Henning“, knurrte er leise, als sich ein paar Finger vom Schloss in Richtung Körpermitte verirrten.

„Spielverderber", lachte Henning und beobachte seinen Ex genau. Immer wieder starrte der Richtung Tür und so musste er sich das eine oder andere einfallen lassen, um dessen Aufmerksamkeit wieder auf sich zu konzentrieren. Blöd war nur, dass nun auch andere Besucher auf den hübschen Schweden aufmerksam geworden waren und ebenfalls ihr Glück an dessen Schloss probieren wollten. Kurzerhand kaufte Henning alle Schlüssel, denn das wollte er dann doch nicht zulassen.

Allmählich bildete sich eine Traube um sie beide und die ersten Wetten wurden abgeschlossen, ob Henning den großen Blonden knackte. Man kannte den Unternehmersohn hier ziemlich gut und wusste, dass er sehr hartnäckig seine Ziele verfolgte und eigentlich immer bekam, was er wollte. Und heute wollte er definitiv Ole.

„Darf ich mal fragen, was das wird?", fragte jemand Ole von der Seite und Jan besah sich die ganze Sache ziemlich skeptisch. Im Augenblick war er sehr froh, dass Felix nicht dabei war. Denn wenn er das hier sehen würde, wäre er gleich aus den Latschen gekippt. So verliebt konnte der Kerl ja doch nicht sein, wenn er schon mitten in der Disco die Kerle vor seinem Schritt knien ließ. Mario derweil guckte ziemlich angesäuert.

Ole erschreckte sich und es war ihm sehr unangenehm. „Hallo“, grüßte er Jan und Mario, die allerdings allein da waren, wie er feststellen musste. Felix war nicht mitgekommen. „Ich habe an der Kasse so ein Schloss genommen. Heute scheint Thementag zu sein. Nur kann jetzt jeder, der einen Schlüssel hat, den bei mir ausprobieren, wenn er will“, erklärte er. „Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich es gelassen.“

„Du weißt, dass das von Weitem ziemlich verfänglich aussehen kann?", fragte Jan, immer noch mit gesunder Skepsis in der Stimme. Okay, vielleicht hätte er zu einer anderen Zeit - in der er Single war und es keinen Mario auf der Welt gäbe - sein Glück ebenfalls probiert. Doch hier und jetzt war er in erster Linie Felix' Freund und als der fand er das nicht ganz so genial. „Felix ist übrigens zu Hause", sagte er leise, auch wenn Ole das sicherlich schon gemerkt hatte.

„Das dachte ich mir.“ Ole sah Jan traurig an und wollte noch etwas sagen, aber schüttelte nur den Kopf. Das wollte er nicht in Hennings Gegenwart besprechen. Darum hielt er dessen Hände fest. „Du hast alle probiert, es reicht“, brummte er und deutete mit dem Kopf zu einer der Sitzgruppen. Er sollte den beiden wohl erklären, wer da vor ihm kniete.

„Was wird denn das?", fragte Henning etwas perplex, als sein Ex allen Ernstes mit den beiden Gestalten abdampfte, ohne sie ihm überhaupt vorgestellt zu haben. Aber selber von Anstand reden? Na ja, egal. Er zuckte die Schultern, beobachtete die drei so lange, bis er wusste, wohin sie wollten und machte sich dann auf die Suche nach weiteren Schlüsseln. Und weil sich herumgesprochen hatte, dass einer alle Schlüssel kaufen wollte, zogen die Preise merklich an.

„Was ist das denn für ein Vogel?“, knurrte Mario, der immer noch ziemlich sauer war. Hatte Ole doch gelogen und poppte sich fröhlich durch die Gegend, während Felix litt?

„Das ist Henning.“ Ole strich sich eine Strähne aus dem Gesicht und ließ sich auf eines der Sofas fallen. „War ja klar, bei meinem Glück in letzter Zeit, musste er ausgerechnet heute hier auftauchen.“

„Das war also Henning." Jetzt ärgerte Jan sich, weil er sich den Kerl nicht eindringlicher angesehen hatte. Und mit dem war Ole zwei Jahre zusammen gewesen? Allerdings hatte er nun die Bestätigung dafür, dass der Kerl Felix nur einen Bären aufgebunden hatte, weil er seinen Ex - also Ole - wiederhaben wollte. Das war doch augenscheinlich. Vielleicht hätten sie einen anderen Ort wählen sollen als das ‘Twighlight‘.

„Japp und er wird keine Ruhe geben, bis er den richtigen Schlüssel hat.“ Ole überlegte kurz, ob er das Schloss abnehmen sollte, aber er entschied sich dagegen, denn es sah schon merkwürdig aus, dass er sich von Henning befummeln ließ, obwohl er den Schlüssel hatte und es unterbinden konnte. Ganz so, als wenn er es genießen würde. Zwar war das nicht so, aber es war schwer zu erklären, warum er es einfach über sich hatte ergehen lassen. „Wie geht es Felix? Ist er immer noch wütend auf mich?“, fragte er stattdessen.

„Im Moment weiß ich ihn nicht einzuschätzen", musste Jan zugeben. „Den ganzen Tag hat er sich nur aufgeregt, wie fies das wäre, dass du ihn belogen hast und dann die Voraussetzungen ja völlig falsch waren. Aber eine Stunde bevor wir ihn heimgebracht haben, wurde er ruhiger und nachdenklicher. Ich hoffe ja inständig, dass vielleicht der Groschen gefallen ist, wenn auch nur centweise." Jan sah Mario hinterher, der an die Bar ging, um etwas zu trinken zu besorgen.

„Aber er wollte nicht mit mir reden.“ Ole sackte ein wenig in sich zusammen. Er hatte zwar damit gerechnet, dass Felix nicht kommen würde, aber trotzdem tat es weh. „Du meinst also, es besteht eine Chance, dass er doch mit mir redet? Ich muss ihm einfach erklären, warum ich geschwiegen habe.“

„Ich würde mal sagen, sei froh, dass er heute nicht mitgekommen ist. Mit diesem Schlüsselmeister am Bein und seiner eigenen gepuschten Laune, das wäre eine Explosion geworden." Jan lachte leise und schenkte seinem Schatz einen Kuss für die Cola, die er gereicht bekam. „Warum lässt du diesen Henning nicht einfach abblitzen? Ein bisschen komisch wirkt das schon auf mich, muss ich zugeben. Ich werde Felix nichts sagen, aber..." Er ließ das Ende offen und Ole seufzte.

Klar, die Frage hatte ja kommen müssen. „Mit Henning diskutiert man nicht. Man geht den Weg des geringsten Widerstandes und lässt ihn machen, ignoriert ihn dabei und so ist man ihn schneller wieder los. Ehe ich jetzt mit ihm darüber diskutiere, ob er das darf oder nicht, bin ich ihn doch schneller los, wenn er den Schlüssel probiert und sich wieder auf die Suche macht."

„Ah ja.“ Jan fand das ja ziemlich merkwürdig, aber Ole musste wissen, was er machte. Schließlich kannte er den Kerl ziemlich gut, sollte man meinen. „Und der Typ will dich unbedingt wiederhaben?“, fragte er. Nicht, dass Jan das nicht verstehen konnte, Ole war schon ein nettes Häppchen.

„Man verlässt ihn nicht. Er will alles, was er nicht kriegen kann. Er hat zwar einen Narren an mir gefressen, von Anfang an, aber eigentlich bin ich austauschbar.“ Ole klang etwas verbittert. Er hatte so lange versucht, ihre Beziehung zu richten, war aber immer gescheitert, weil Henning dafür keine Notwendigkeit gesehen hatte.

„Merkwürdiger Vogel", murmelte Mario und setzte sich wieder zu seinem Schatz, legte den Arm um ihn und sah Ole weiter forschend an. Gut sah er immer noch nicht aus und das wurde auch nicht besser, als sich Henning schon wieder näherte. Die Hand voll Schlüssel und im Gesicht ein breites Grinsen. Ohne auf die anderen beiden zu achten rutschte er Ole zwischen die Beine, um an das Schloss an dessen Hosenschlaufe zu kommen - es hätte keinen ungünstigeren Augenblick geben können, in dem Felix plötzlich mit versteinerter Miene vor der Couch stand.

Er hatte es daheim nicht mehr ausgehalten. Er war sich endlich klar darüber, was er wollte und was er dafür tun musste. Er war mit dem Bus durch die halbe Stadt gefahren und wofür?

Um das zu finden?

Ole bemerkte ihn nicht, denn er behielt Henning im Auge, damit der sich nicht zu viel herausnahm, aber irgendwann fühlte er sich beobachtet. Er sah hoch und wurde weiß wie die Wand. „Felix“, flüsterte er geschockt und konnte sich nicht bewegen. Felix’ Blick ging ihm durch und durch.

Doch das war alles, was er bekam. Selbst Jan und Mario konnten nicht so schnell reagieren, wie der Kleine wieder im Gewühl der Massen verschwunden war. So überraschend, wie er vor ihnen gestanden hatte, brauchten sie ein paar Augenblicke, um zu begreifen, was passiert war. Ein paar Sekunden zu lange, denn Felix war weg. Wortlos war er einfach wieder gegangen und wer Felix kannte wusste, dass er zu wütend war, um etwas zu sagen.

Kaum dass Felix im Gewühl verschwunden war, kam Leben in Ole, aber es brauchte wertvolle Sekunden, bis er Henning aus dem Weg geschoben hatte und aufstehen konnte und als er endlich Felix hinterher konnte, war der nicht mehr zu finden. So sehr Ole auch suchte, Felix war verschwunden. Niedergeschlagen kam er zu Jan und Mario zurück, die ebenfalls gesucht hatten. „Er ist weg“, sagte Ole mutlos und ließ den Kopf hängen.

„Das war auch der blödeste Augenblick, den man sich nur vorstellen konnte. Vielleicht hättest du bei Henning doch nicht klein bei geben sollen", sagte Jan und konnte nicht verbergen, dass er wütend war. Henning hatte bekommen, was er wollte, und ein Blick zurück zeigte ihn ziemlich zufrieden grinsend.

„Komm, wir suchen ihn", sagte Jan zu Mario. Hier hatten sie nichts mehr verloren. Mauseplautz war wichtiger als jedes Vergnügen.

Es war selbstverständlich, dass Ole mit ihnen kam. Sie sprangen in ihre Autos und fuhren los. Ole hatte zwar keine Ahnung, wo er suchen sollte, aber das war egal. Er konnte jetzt nicht einfach nach Hause fahren. Seine Hoffnung war, dass Felix ihm zufällig über den Weg lief, aber viel Hoffnung hatte er nicht.

Felix hatte sich wieder in den nächsten Bus geschwungen, der gekommen war. Hauptsache er brachte ihn hier weg. Wie dumm war er eigentlich gewesen? Hatte er allen Ernstes vorgehabt mit Ole zu reden und ihm zu sagen, dass er ihn irgendwie auch mehr als nur mochte? Stattdessen hatte der Mistkerl Henning auf ihn gehetzt, damit der dafür sorgte, dass der blöde Felix dem Herrn Johansson von der Pelle blieb, damit die beiden ihre Ruhe hatten. Von wegen Leidensweg - Henning hatte ihn eiskalt angelogen und Ole hatte das gebilligt. Dieser Mistkerl!

Felix verbot es sich, zu weinen. Nicht wegen dem!

Seine Gedanken kreisten immer nur um das Bild, das er vorgefunden hatte. Henning vor Ole kniend, mit den Händen an Oles Schoß. Das sagte doch mehr als tausend Worte. Wie hatte er sich nur so täuschen lassen können? Er ballte die Fäuste und seine Fingernägel gruben sich in sein Fleisch. Das half ihm, wieder etwas klarer zu sehen. Er wollte Ole nie wieder sehen. Niemals in seinem Leben.

Nie! Nie! Nie!

Derweil hatte Jan eine Idee, denn er kannte seinen Mauseplautz auch schon ein paar Jahre. Felix war stur und spontan und so hielt er, kaum dass er hinter Ole vom Parkplatz gefahren war, an der Bushaltestelle. Um diese Uhrzeit fuhr nur eine Linie und so griff er schnell sein Handy, machte von der Route einen Schnappschuss, den Mario in die Hand gedrückt bekam. Sie folgten einfach der Linie und hofften, dass Felix nicht gleich wieder ausgestiegen war, sondern eine Weile durch die Gegend fuhr.

Das machte er öfter, wenn er verwirrt oder wütend war. Dann fuhr Felix durch die Gegend, meist bis es nicht mehr weiterging. Er hatte Jan einmal erzählt, dass er besser nachdenken konnte, wenn er durch die Gegend fuhr. Die schaukelnden Bewegungen des Busses beruhigten ihn. So schnell es ging, fuhr Jan die Haltestellen ab. Und nach zehn Minuten sah er den Bus endlich vor sich. Jetzt musste Felix nur noch drin sein.

„Bingo", murmelte Mario, er hatte von ihnen beiden ganz entschieden die besseren Augen. Felix saß ganz hinten, die roten Haare leuchteten im Licht des erhellten Busses. Sie konnten also etwas Abstand halten, ohne ihn aus den Augen zu verlieren. „Das wird ein Stück Arbeit, ihn jetzt noch mal auf Linie zu bringen", murmelte Mario und schickte Ole eine Nachricht, dass er aufhören könnte zu suchen. Felix ginge es gut. Schnell schrieb er noch dazu, sie würden sich wieder melden, dann steckte er das Handy weg.

„Das erste Mal bin ich mir nicht sicher, ob wir das hinkriegen.“ Jan biss sich auf die Lippe und hielt an, weil der Bus ebenfalls hielt. Er hätte nie gedacht, dass es einmal so weit kommen würde. „Warum musste er gerade zu dem Zeitpunkt dort auftauchen. Kannst du dir vorstellen, wie er sich gefühlt haben muss?“

„Ich kann", sagte Mario leise und erinnerte sich mit Grausen an die Abende, wenn Ronny Jan von ihren Cliquenabenden abgeholt hatte und sie beide bei Ronny in der Wohnung verschwunden waren. Wenn er also nicht wusste, wie beschissen sich Felix gerade fühlte, wer dann? „Allerdings wissen wir jetzt zumindest, dass er Ole will. Sonst wäre er nicht über seinen Schatten gesprungen. Und wenn wir die zwei irgendwie zusammen stecken und die reden müssen, wäre das das Beste. Sollen sie sich anbrüllen und anschreien. Soll ja helfen, so was."

Jan strich Mario über das Knie und fuhr wieder los. Felix saß immer noch auf seinem Platz. „Ich bin mir nur noch nicht sicher, ob wir das gleich jetzt sofort machen sollen, wenn wir ihn haben oder ob wir warten und erst mit ihm reden.“ Jan war sich wirklich unsicher, denn beide Möglichkeiten hatten Vor- und Nachteile.

„Wir reden mit ihm", schlug Mario vor und legte seine Hand auf Jans. Dabei lächelte er seinen Schatz an. Was passiert war, war vergeben und vergessen. „Er soll seine erste Wut an uns auslassen. Wir können mit seinen Ausbrüchen besser umgehen als Ole und wenn der erste Anfall vorbei ist, dann können wir ihn immer noch greifen und unter den Arm klemmen, um ihn zu Ole zu bringen. Dann darf der sich gern mit ihm herum plagen." Mario lachte leise - wenn es doch nur schon so weit wäre, weil, dann würde es auch Felix wieder besser gehen. Ihn da so allein sitzen zu sehen, tat ihm weh.

„Guter Plan.“ Jan guckte kurz zu seinem Schatz hinüber und war unendlich froh, das alles schon hinter sich zu haben und endlich glücklich zu sein. „Du weißt, dass wir heute Nacht nicht zum schlafen kommen und ihn betrunken machen hilft auch nichts, dann wird es noch schlimmer." Das hatten sie schon einmal probiert, als sie nach einem durchdiskutierten Abend hundemüde gewesen waren und Felix abfüllen wollten, damit sie schlafen konnten. Das war vollkommen nach hinten losgegangen, denn sie hatten Unterschiedliches erreicht. Zum einen hatte das Quasselwasser Felix' Schlafrezeptoren lahm gelegt und er schien gar nicht mehr zu merken, dass er müde wurde und ignorierte diesen Umstand völlig. Zum anderen hatte ihn das Zeug völlig enthemmt und er hatte seelenruhig von der Leber weg gelabert, was eigentlich niemand wissen wollte oder sollte. Die Option fiel also weg.

„Wir werden sehen, in welchem Gemütszustand er ist und dann entscheiden. Zum Glück liefert der Chinese um die Ecke rund um die Uhr." Mario holte tief Luft. Der Bus vor ihnen fuhr weiter und Felix saß immer noch auf seinem Platz.

„Wie viele Haltestellen noch?“, fragte Jan, der endlich sehen wollte, wie es Felix ging. Es machte ihn ganz kribbelig, immer nur hinter dem Bus herzufahren.

„Vier Haltestellen“, sagte Mario, der schnell gezählt hatte. Das war nicht mehr so viel und der Bus sollte spätestens in einer Viertelstunde an der Endhaltestelle sein.

Mittlerweile waren sie irgendwo in Altenessen - wie wollte Felix denn von hier aus wieder nach Hause kommen? Mario schüttelte sanft den Kopf und deutete plötzlich auf die Rückscheibe vom Bus. „Da, er erhebt sich", sagte er und wirklich ging er zur Tür und stieg aus, als der Bus hielt. Jan hielt ebenfalls und schaltete den Motor ab. Das Spiel hatten sie schon mehrfach gespielt.

Felix schien zu ahnen, dass sie da waren, denn er ging in ihre Richtung. Jan musste nur noch die Tür öffnen und aussteigen, als Felix kurz vor dem Wagen war. „Mauseplautz, komm her“, sagte er weich und breitete schon einmal die Arme aus, damit Felix sich, wenn er wollte, in seine Arme werfen konnte und wie immer tat er das auch.

„Ole ist so ein Arschloch!", murmelte er leise und schlang seine Arme fest um Jan. „So ein blödes Arschloch!" Seine Stimme war brüchig und tränenschwer. Felix konnte es nicht mehr vermeiden und so liefen die Tränen unter stummen Schluchzen. Das war alles eine mittlere Katastrophe. Warum hatte er sich auch noch durchringen müssen ihm nachzulaufen? Er hätte bei seiner Meinung bleiben sollen, dass Ole ein Arsch war. Das hätte weniger wehgetan.

„Ach Süßer“, murmelte Jan und lächelte kurz, als Mario zu ihnen kam und sie beide umarmte. „Lass uns Zuhause darüber reden. Hier holst du dir noch den Tod.“ Es tat Jan ziemlich weh, seinen Kleinen so zu sehen. Er gab Mario den Autoschlüssel. „Fahr du, ich geh mit Felix nach hinten“, bat er seinen Schatz und küsste ihn schnell.

Es lief eben alles wie immer und weil Mario das kannte, sagte er kein Wort. Auch im Wagen herrschte Stille auf dem Weg nach Hause. Felix weinte leise. Jan hielt ihn fest und Mario wusste auch nicht, wie und ob er ein Gespräch beginnen sollte. So saßen sie eine halbe Stunde später alle auf der Couch in Jans und Marios Wohnzimmer, hatten einen Kaffee und sahen sich an.

Jan setzte ein paar Mal an, etwas zu sagen, aber ließ es wieder. Was sagte man jemandem, der gerade festgestellt hatte, dass er verliebt war und dann seiner Meinung nach betrogen wurde? „Felix, also das, was du vorhin gesehen hast, war ein wenig anders, als es aussah“, fing er dann doch an und fühlte sich ziemlich komisch dabei. Er selber würde es wohl auch nicht glauben, wenn man ihm so etwas sagte und deswegen wunderte ihn der angewiderte Blick nicht wirklich.

„Nee, is' klar. Wenn Mario dir zwischen die Beine rutscht, sucht er Kleingeld in deinen Hosentaschen", knurrte Felix und Jan konnte Mario gerade noch davon abhalten zu erklären, dass das wirklich manchmal so war. „Und ich Idiot merke das nicht. Nichts habe ich kapiert", sagte Felix leise. „Da musste er erst Henning auf mich ansetzen, der mich belügt, damit ich Ole endlich in Ruhe lasse. Warum sagt der Idiot nicht, dass er die Zeit mit mir echt besser vertun kann mit Henning. Aber nein, das bekommt der Herr ja nicht fertig. Ich könnt kotzen!"

Oha, das wurde schwerer als Jan befürchtet hatte. Wenn Felix so redete, war er geladen und verletzt zugleich und für Argumente nicht zugänglich. Dann wollte er wüten und toben und sich irgendwann in eine Ecke zurückziehen und sich halten lassen. Erst dann war er wieder bereit, sich auch andere Meinungen anzuhören. Erst musste die gestaute Energie raus und deswegen hielt sich Mario auch nicht zurück. „Ach, sag an", eröffnete er den Schlagabtausch und wusste, dass er heute eine mit verbraten bekam, wenn er nicht vorsichtig war. So hatte er Felix lange nicht erlebt und allein dieser Umstand machte ihn sicher, dass Herr Mauseplautz wusste, was er wollte.

„Ja, sag an!", griff Felix die Chance zu reden auf. „Ein richtiger Arsch. Machte ständig einen auf nett und zuvorkommend und soll ich nicht vorbei kommen - soll ich dich nicht abholen. Dabei hat der Kerl einen Lover. Schlimmer noch, nicht irgendeinen. Meinen Chef - ich kann mir vorstellen, wie die beiden vor Lachen nicht in den Schlaf kommen."

„Du meinst, in den Nächten, wo Ole nicht bei dir oder du bei ihm geschlafen hast. Wie viele Nächte in der Woche waren das? Eine oder zwei?“ Es war ja nicht so, dass Mario Felix Recht gab, nur weil der gerade ziemlich von der Rolle war. Wenn sein Freund so etwas sagte, dann sollte es auch stimmen. „Glaubst du das wirklich? Traust du Ole so etwas zu?“

„Verwirr mich nicht mit Tatsachen!", knurrte Felix, weil Mario eben ganz genau dort hin gestochen hatte, wo es wehtat. Traute er Ole das zu? Nein, verdammt. Das tat er nicht! Deswegen war es doch so ein Schock gewesen, ihn da mit Henning zu sehen. SO zu sehen.

„Tatsachen sind genau das, was du jetzt brauchst. Verwirrende, falsche Gedanken hast du genug.“ Mario gönnte Felix keine Schonzeit. Wenn der sich noch länger in seinen Wahn verstrickte, wurde es immer schwieriger. „Wir haben das Schauspiel mitgekriegt und ich hoffe, du weißt, dass wir dich nicht anlügen. Ole war davon, dass Henning dort war, nicht begeistert und sie haben sich dort auch nicht verabredet. Dass Henning zwischen seinen Beinen hing, hatte zum einen damit zu tun, dass er Ole unbedingt wieder haben will und keine Gelegenheit auslässt an ihm zu baggern. Und zum zweiten damit, dass im ‘Twighlight‘ so ein Schlossspiel gespielt wurde. Jeder, der einen Schlüssel hat, darf probieren, ob es zum Schloss eines anderen passt. Henning hatte Schlüssel und rate mal, was Ole hatte.“

„Einen notgeilen Lover?", schoss Felix zurück, dem die ganze Sache mit dem Schloss ziemlich spanisch vorkam. Ihm selber war das völlig entgangen.

„Einen notgeilen Möchtegern- oder besser: Ex-Lover.“ Mario ließ sich nicht aus dem Konzept bringen durch Felix' bissige Bemerkungen. Er war ja nicht derjenige, auf den sie abzielten und Herr Mauseplautz sollte einfach einmal alles rauslassen, was ihn quälte. Danach kam immer der Zusammenbruch und dann konnten sie beginnen, ihren Freund wieder aufzubauen.

„Ex-Lover. Also Ex-Lover, zumindest kenn ich das so, sind die, die man nicht auf sieben Meter an sich ran lässt." Felix ließ sich nicht beirren. Er wollte wütend sein und verletzt und Ole war es, der nun einmal daran schuld war. „Man, habe ich Bock nach Weihnachten wieder arbeiten zu gehen und diesen Idioten zu sehen. Da fragt mich Henning wochenlang nach Ole aus, bis raus kommt, das ist sein Lover. Ich dreh noch am Rad!"

„Ex-Lover“, wurde Mario nicht müde zu betonen. Irgendwann musste das doch auch zu einem Regenwurmgehirn durchdringen. Aber die Problematik nach Weihnachten verstand er sehr gut. So fixiert, wie dieser Henning auf Ole war, konnte das mit der Lehrstelle ziemlich hakelig werden. „Bis dahin ist noch Zeit. Da finden wir bestimmt eine Lösung.“ Mario wusste zwar noch nicht welche, aber er war optimistisch.

„Klar. Ich lass einfach die Finger von Ole. Ganz einfache Rechnung. Dann hat er mehr Zeit für Henning und ich hoffentlich meine Ruhe", ätzte Felix und man sah ihm deutlich an, wie sehr ihm diese Lösung zuwider war. Jan beobachtete ihn nur und stellte einmal mehr fest, wie intensiv man Felix seine Gefühle ansehen konnte. Irgendwie hatte er das Gefühl, dass sie ihn heute nicht ruhig gestellt bekamen. Da konnte nur noch einer helfen, denn dem würde Felix solch einen Mist nicht an den Kopf werfen.

„Das wird nichts bringen, denn Ole will nicht Henning, sondern dich. Da kannst du dir den Großen auch schnappen.“ Mario konnte es einfach nicht lassen.

„Was redest du eigentlich für einen gequirlten Mist zusammen?" Felix wollte das nicht hören. Na ja, es war irgendwie schon das, was er heimlich hören wollte, doch er war sich sicher, dass das nicht stimmte und Mario das alles etwas zu rosarot sah. Doch das sagte er lieber nicht, der hielt ja nur wieder irgendetwas dagegen. „Außerdem ist er eh ein Arsch und hat gelogen." Zur Not konnte man sich ja immer noch auf dieses Terrain zurückziehen.


23

„Okay, das reicht. Du bist unfair, lässt Ole keine Chance, irgendwas zu erklären. Du verurteilst ihn einfach und das hat er nicht verdient. Meinetwegen beschließe für dich, ihn nicht mehr zu sehen, aber erst nachdem ihr miteinander geredet habt und zwar gleich.“ Jan war es, der das einfach bestimmte und jeder, der ihn kannte, wusste, dass er jetzt nicht bereit war zu diskutieren, sondern zu handeln. Er zog Felix hoch, der ihn etwas verwirrt ansah. „Los, anziehen. Kein Gemecker und Gezeter. Wir fahren zu Ole.“

„Du spinnst wohl", sagte Felix ohne nachzudenken, zog aber gleich den Kopf ein, als Jan ihn mit geschlitzten Augen ansah.

„Jetzt halt aber mal die Luft an. Du bist doch am meisten auf dich selber sauer, weil du Henning den Mist geglaubt und an Ole gezweifelt hast. Du weißt im Augenblick nicht, wie du ihm noch unter die Augen treten sollst nach der Aktion. Mach also Ole nicht schlechter als er ist. Du liebst ihn - er liebt dich. Wow... Halt die Klappe, Felix!", schoss Jan gleich los, als Felix auch nur den Ansatz machte, etwas entgegnen zu wollen. „Halt jetzt bloß die Klappe. Du führst dich auf wie eine eifersüchtige Ehefrau, schlimmer noch! Und nur weil ich dich sehr gern habe, schmeiß ich dich jetzt raus. Zieh deine Klamotten an, pack dein Zeug - ich bringe dich zu Ole! Ihr redet und wehe nicht!"

Mario bekam leuchtende Augen. Jan so zu erleben war selten und es machte ihn an. Jedes Mal! Er schob den geschockten Felix in den Korridor und zog sich selber schnell an. Sie mussten ausnutzen, dass Felix eingeschüchtert war und ihn schnell abliefern. Da er noch die Autoschlüssel in der Jacke hatte, zog er Felix hinter sich her zum Auto, kaum dass der in seine Jacke geschlüpft war.

Es war schon eine großzügige Geste von Mario, dass Herr Mauseplautz noch seine Schuhe anziehen durfte. Doch dann hockte Felix im Wagen, wurde von Jan in Schach gehalten und angeschnallt. Nicht dass Felix - mit seinem Problem konfrontiert - noch filmreif aus dem Wagen sprang und im Dunkel der Nacht verschwand.

Es wurde auf der Fahrt kein Wort gesprochen, doch als sie Oles Wohnung immer näher kamen, knetete Felix seine Finger so sehr, dass Jan Angst hatte, er brach sie sich. „Wird schon“, murmelte er leise und legte seine Hand auf die seines Freundes. Es wurde alles gut und Felix glücklich. Er musste nur fest genug daran glauben.

„Nach all dem, was ich angestellt habe? So wie ich ihn behandelt und was ich vom ihm gedacht und ihm zugetraut habe? Wie soll ich ihm noch in die Augen sehen?", murmelte Felix. Von der großen Klappe von vorhin war nichts mehr zu spüren. Er hatte die Phase erreicht, auf die Jan gehofft hatte, die, in der er für Tatsachen und Logik wieder zugänglich war. Genau zum richtigen Zeitpunkt, denn sie hatten Oles Haus erreicht.

„Vielleicht schläft er schon oder ist noch gar nicht da?", versuchte Felix, sich zu drücken.

„Er ist da, glaub mir.“ Jan zeigte auf den großen Volvo, der vor der Tür stand. „Und dass er schläft, glaube ich nicht. Er war vollkommen aufgelöst.“ Sie stiegen aus und Jan zog Felix mit sich, indem er den Arm um ihn legte. So konnte er seinem zitternden Freund noch etwas Halt geben. „Er will dich und er wird dir alles verzeihen, wenn du ihm erklärst, warum du so reagiert hast.“

„Oh man, mir bleibt aber auch gar nichts erspart. Können wir nicht morgen hier her kommen? Gib mir die Chance, darüber zu schlafen und ihm auch. Vielleicht kommt er zu dem Schluss, dass es das Beste ist, wenn sich unsere Wege trennen. Das weiß man doch nicht!" Nicht dass Felix das wirklich glauben wollte, doch er versuchte eben mit allen Tricks, sich noch eine Schonfrist zu ergaunern.

„Nix da. Außerdem hat Mario schon geklingelt, da ist es sehr unhöflich, wieder zu verschwinden. Klingelmännchen in der Nacht ist extrem unfair.“ Jan lachte leise und knuffte Felix an. „Du machst das schon. Ole ist viel zu verliebt, um dir nicht zu verzeihen, wobei ich denke, dass er dir gar nichts verzeihen muss, denn du hast nichts weiter getan, als ihm aus dem Weg zu gehen.“

„Ja, und das war irgendwie nicht ganz fair. Wenn ich mir..."

Ein >>Ja?<< aus der Gegensprechanlage ließ Felix verstummen und er schluckte hart, wollte Mario noch davon abhalten etwas zu sagen doch der riss sich los.

„Hi, Mario hier. Ich glaube, wir haben was, was dir gehört und würden das gern loswerden - Interesse?"

Felix guckte gerade etwas sparsam - er wurde verschachert wie ein alter Schuhschrank.

Mario hatte noch nicht ganz ausgesprochen, da ging auch schon der Türsummer und zeitgleich mit der Haustür wurde die Wohnungstür aufgerissen. Oles Gesicht war schwer zu deuten, erst als er Felix sah, erkannte man Erleichterung, aber auch Sorge. „Felix“, sagte er leise und es war nicht klar, ob er die beiden anderen bemerkte. Er wusste nicht, was ihn erwartete. Vielleicht war Felix ja nur hier, um ihm zu sagen, dass er ihn nicht mehr sehen wollte.

„Wir haben getan, was wir konnten", erklärte Mario, als er Felix die wenigen Stufen zur Wohnung hinaufschob, „ab hier musst du übernehmen. Das sind Dinge, da mischen wir uns nicht mehr ein." Er wuschelte Felix durch die Haare, der schämig vor Ole stand. Hätte nur noch gefehlt, dass er anfing mit einem Fuß zu scharren.

„Danke.“ Ole lächelte dankbar zu Jan und Mario und dann waren die beiden uninteressant. Vor ihm stand Felix und fühlte sich bestimmt sehr unwohl. „Ich bin wirklich froh, dass es dir gut geht. Komm doch rein, da können wir besser reden“, bot er leise an, hoffte, dass Felix sich jetzt nicht umdrehte und wieder ging.

„Pass auf, er ist noch etwas bissig", warnte Mario lachend vor, während er von Jan schon aus der Haustür gezogen wurde.

„Ich latsch dich gleich", grummelte Felix leise hinterher und sah dann knallrot zu Ole hoch. „Tutmirallesleid!", nuschelte er als erstes, nicht dass er das noch vergaß. Dann folgte er Ole in die Wohnung. Es war anders als sonst. Früher war er mit einer Selbstverständlichkeit hier ein- und ausgegangen, die ihm jetzt fehlte.

„Dir muss nichts leid tun. Ich habe Mist gebaut.“ So wie Felix in seinem Korridor stand, gefiel das Ole gar nicht. Er wirkte so unsicher und ängstlich, das sollte nicht sein. Darum zog Ole ihn an sich und drückte ihn, so wie sie sich sonst auch begrüßt hatten. „Ich bin so froh, dass du hier bist.“

Das war der Augenblick, in dem Felix es wissen wollte - war Ole wirklich schwul? War er in Felix verliebt? War Felix in ihn verliebt? Er griff den blonden Riesen wortlos im Genick und drückte ihm etwas ungeschickt einen Kuss auf die Lippen. Und noch einen und noch einen, bis er nicht mehr an sich halten konnte und Ole richtig küsste. Er musste es wissen und das Flimmern im Magen gab ihm Recht.

Ole wusste gar nicht wie ihm geschah und sein Körper reagierte schneller als sein Gehirn. Er zog Felix fest an sich und erwiderte den Kuss. Wie lange hatte er sich das gewünscht? Seit ihrer ersten Begegnung hatte er sich gefragt, wie es sein würde und jetzt haute es ihn fast um. Es war so viel schöner, als er es sich vorgestellt hatte. Sein Körper kribbelte und er konnte einfach nicht genug bekommen.

Er ließ sich von Felix gegen die Wand im Flur schieben und kam seinem kleinen Freund ein Stück entgegen, damit der nicht die ganze Zeit auf Zehenspitzen stehen musste. Doch Felix merkte gar nicht, was er tat. Er ging in diesem Kuss auf und mit jedem weiteren Stern, der vor seinen Augen explodierte, wurde es besser. Oles Hände auf seinem Rücken, die langsam tiefer wanderten. Dessen geschickte Zunge, die Felix rasend schnell um den Verstand brachte. Der Mann war zu gut, um wahr zu sein!

Immer wieder trafen sich ihre Lippen, nachdem sie kurz Luft geholt hatten und sie fochten einen kleinen Krieg aus, der nur langsam sanfter wurde. Ole wusste immer noch nicht, wie es dazu gekommen war, dass Felix sich an ihn drängte und er über dessen Körper streicheln konnte. Aber das war vollkommen unwichtig, so lange er nicht weggestoßen wurde. Er hatte den Verdacht, dass er Jan und Mario mehr als nur seine Badewanne überlassen sollte, denn deren Anteil an diesem Umstand hier war garantiert nicht in Gold aufzuwiegen.

Kurz nur trennten sie sich und Oles fragender Blick mit dem sanften Lächeln ließ Felix sich erklären. „Ich will rauskriegen, ob ich dich liebe. Mein Kopf mag dich, in deiner Nähe fühle ich mich wohl. Dich vorhin mit Henning zu sehen, ich dachte, ich dreh durch! Wenn ich dich nicht sehe, werde ich verrückt und bin ein Minenfeld für meine Umwelt. Wenn ich jetzt noch geil werde, obwohl ich nicht auf Männer stehe, dann ist alles geklärt, oder?", grinste Felix frech und fühlte sich schon wesentlich besser als noch vor ein paar Minuten. Und so küsste er Ole wieder.

Ole musste erst einmal sortieren, was er gerade gehört hatte und als alles richtig bei ihm angekommen war, musste er grinsen. Er löste kurz den Kuss und hob Felix hoch. „Aber nicht hier, das ist zu unbequem“, lachte er und schon wieder fanden seine Lippen die seines Freundes, während er Felix ins Schlafzimmer trug. Vorsichtig legte Ole ihn auf dem Bett ab und löste sich. „Ich liebe dich auf jeden Fall und wenn ich etwas tun kann, dass dir hilft, dann sag es.“

„Das nächste Mal sagst du mir gleich, dass du schwul bist", grinste Felix schief. Er wusste nicht, wie es gelaufen wäre, wenn er es gewusst hätte, ob sie auch so eng befreundet gewesen wären, ohne dass Felix Hintergedanken gehabt hätte. Vielleicht war es auch ganz gut gewesen, dass sie sich erst kennen gelernt hatten und dann lieben - zumindest Felix, bei Ole war das ja etwas anders gewesen.

„Ich verspreche es.“ Ole legte sich neben Felix und sah ihn liebevoll an. Endlich konnte er all das tun, was er sich seit Wochen wünschte. Vorsichtig strich er über Felix’ Wange und beugte sich zu einem sanften Kuss vor. „Das habe ich mir schon lange gewünscht, aber ich habe geglaubt, dass das hier niemals passieren würde.“

„Ich war wohl irgendwie wie vernagelt", murmelte Felix leise und schloss die Augen. Die große Hand auf seinem Gesicht war überraschend zärtlich. „Ich war fest davon überzeugt, zwei Singles allein zu Haus. Man, hat Jan mir eben die Hölle heiß gemacht." Felix brubbelte leise vor sich hin und robbte dichter. Er hatte schon immer gern in Oles Armen gelegen, jetzt wusste er auch warum. Es wurde im Allgemeinen einiges klarer.

„Ich muss mich wohl unbedingt bei Jan und Mario bedanken. Ohne sie wärst du jetzt nicht hier und immer noch böse auf mich.“ Das Felix näher rückte, nutzte Ole gleich aus und streichelte ihm über den Rücken. Der Pullover war ein wenig verrutscht und so strichen seine Finger immer wieder auch über die weiche Haut. Ganz langsam schob er den Pullover dabei höher und er konnte spüren wie Felix zitterte. Doch das war keine Angst, es war Anspannung, weil er nicht wusste, was er tun musste oder was Ole von ihm erwartete. War ja irgendwie alles noch ziemliches Neuland für ihn.

„Ich bin im Augenblick auf Henning sauer und auf mich, weil ich dem mehr geglaubt habe als dir. Eigentlich müsste ich dich um Verzeihung bitten, weil ich dich so habe abblitzen lassen. Tut mir leid." Und um sich abzulenken und seine Geniertheit zu überspielen, küsste er Ole wieder.

„Sagen wir einfach, dass wir es gebraucht haben. Du warst ziemlich durcheinander.“ Ole wollte nicht, dass Felix zu hart mit sich war, denn im Endeffekt war ja alles gut geworden. „Auf Henning darfst du ruhig sauer sein, das bin ich auch.“ Grinsend beugte Ole sich etwas vor und drückte Felix mit seinem Körper auf den Rücken. Er hatte das Zittern gespürt und wollte Felix nicht überfordern.

„Eiskalt hat der mich wochenlang ausgehorcht und ich Idiot habe auch immer noch schön erzählt, wo wir waren und was wir gemacht haben und weil ich wütend auf dich war, habe ich auch noch deine letzten Kekse verschenkt." Felix redete einfach weiter, er war nervös und versuchte das zu überspielen. Seine Haut kribbelte und er hatte den Drang über das Laken zu rutschen. Ihm war warm und die Klamotten störten irgendwie auch.

„Ja, das ist typisch für ihn. Vergiss ihn einfach. Er ist gar nicht interessant.“ Ole kannte das ziemlich gut, aber er wollte jetzt nicht unbedingt über seinen Ex reden. Nicht, wenn er das, was er schon seit Wochen begehrte, neben sich liegen hatte. Es war einfach zu verlockend, seine Finger über den schmalen Körper streichen zu lassen und weil Felix unruhig hin und her rutschte verirrten sich seine Finger so ganz nebenbei unter die Kleidung. Denn Ole hatte den Verdacht, dass das dann mit dem geil werden durchaus klappen könnte.

„Zieh aus, das Teil", grummelte Felix, aber nur ganz leise. Er wagte nicht, Anweisungen zu geben und rutschte lieber so lange auf dem Laken hin und her, bis der Pullover unter den Achseln hing, dann konnte er schnell heraus gleiten wie eine Schlange und sich gleich wieder Oles Gesicht greifen, um ihn zu küssen. Wie hatte er es nur vorher ausgehalten, das schöne Gesicht vor sich zu haben, ohne es zu küssen? Wie dumm war er denn gewesen?

Ole lachte leise und ließ sich in den Kuss ziehen. Allerdings blieb er jetzt nicht mehr eher passiv, sondern wurde zunehmend fordernder. Felix wollte wissen, wie es mit einem Mann war und das wollte er ihm zeigen. Seine Hände strichen fest über den zarten Körper und er ließ auch die empfindlichen Stellen nicht aus. Er wollte sehen, wie sich die Lust in Felix ausbreitete wie ein Feuer.

„Hose!", murmelte Felix immer wieder und versuchte Oles Hände tiefer zu lenken, weg von den Brustwarzen, hin zum Schritt. Er hatte das brennende Verlangen, die wissenden Hände dort zu spüren. Wie von selbst öffneten sich seine Beine weiter und ein wohliges Stöhnen brandete in den Kuss.

Das war, was Ole hatte hören wollen, aber er erfüllte den Wunsch nicht gleich. Felix war vollkommen unerfahren, nicht nur mit Männern. Darum löste er sich aus dem Kuss und sah seinen Freund fragend an. „Bist du sicher?“, fragte er und sein Herz klopfte heftig, denn von Felix’ Antwort hing alles ab. Doch der grinste ihn nur frech an, als er sich etwas auf die Ellenbogen stützte und Ole entgegen kam.

„Du hast zwei Möglichkeiten, sorg für den besten Sex meines Lebens oder ich bin schneller weg, als du gucken kannst", grinste er dreckig und noch ehe Ole etwas hätte erwidern könnten, zog er ihn zu einem weiteren süchtig machenden Kuss.

Na, wenn das kein Ansporn war.

Ole musste grinsen. Felix war aber auch immer für eine Überraschung gut. Allerdings nahm er dessen Wort durchaus ernst. Nicht, dass er nicht vorgehabt hatte, für den besten Sex zu sorgen, der möglich war. Der Nervenkitzel gab noch einmal einen zusätzlichen Kick und damit Felix sich nicht jetzt schon langweilte, erfüllte er ihm seinen Wunsch, damit er am nächsten Morgen nicht alleine aufwachen musste.



24

„Was hatten wir jetzt alles?", fragte die Verkäuferin eher sich selbst, als sie Oles Backwaren durchzählte, um zu kassieren. „Sechs Brötchen, zwei Puddingschnecken, das Rosinenbrot und vier Croissants", zählte sie zusammen und grinste. „Sie haben wohl heute Besuch", fragte sie gut gelaunt. Ole kam in den Laden, seit er hier wohnte und man hatte ein Gespür dafür, wie viel die Leute kauften. Wenn das einmal abwich, machte man sich so seine Gedanken.

„Messerscharf kombiniert“, lachte Ole und gab der Verkäuferin einen Geldschein. Hoffentlich schaffte er es, wieder Zuhause zu sein, bevor Felix wach wurde. Bisher hatte das immer funktioniert, weil sein Schatz ja kein Morgenmensch war, aber heute fand er es besonders wichtig, da zu sein, wenn Felix aufwachte. Darum hielt er auch kein Pläuschchen mehr mit der Verkäuferin, sondern verabschiedete sich schnell und sah zu, dass er wieder nach Hause kam.

Es war ein herrlich klarer Morgen. Die Wolken hingen schneeschwer und schwarz, doch die Luft war kalt und klar. Es würde bestimmt bald schneien und Ole freute sich schon darauf. Für heute hatten sie noch keine Pläne. Vielleicht konnten sie irgendwo etwas spazieren gehen.

Zehn Minuten später schob er den Schlüssel wieder ins Schloss und öffnete die Tür, lauschte, doch von Felix war noch nichts zu hören. Kein Wunder, war er doch, wie Ole auch, erst gegen Morgen eingeschlafen.

Leise, damit er Felix jetzt nicht weckte, schlich Ole erst in die Küche und dann ins Schlafzimmer. Sein Liebling schlummerte, die Arme fest um Oles Kissen geschlungen. Schnell zog der große Schwede sich aus und krabbelte zu Felix unter die Decke. Dort war es herrlich warm und so rückte er näher und umfing seinen Freund mit den Armen.

„Hm!" Ein leises Brummen war alles, was Ole entgegen schlug. Felix schlief noch immer und er wirkte dabei sehr entspannt und zufrieden. Kaum dass er spürte, dass Ole wieder da war, ließ er das Kissen los und robbte Richtung seines Freundes, kuschelte sich dichter und seufzte zufrieden. Das war doch viel besser! Kein Kissen konnte das Original ersetzen.

Sie hatten schon öfter morgens so gelegen, aber heute war etwas Besonderes. Heute durfte Ole all das, was er sich sonst nicht getraut hatte. Darum strichen seine Lippen über Felix’ Gesicht und verteilten kleine Küsse. Das war einfach herrlich. Fast so herrlich, wie die letzte Nacht. Aber auch nur fast und dass Felix geblieben und nicht gegangen war, zeigte, dass er mit seinem Ole ziemlich zufrieden gewesen war.

„Mhh", hörte man es leise von Felix, der sich gerade der Länge lang an Ole rieb. Das war zu gut. „Ole, nicht aufhören", nuschelte er dabei leise.

„Ganz bestimmt nicht.“ Ole schmunzelte und eine seiner Hände legte sich auf Felix’ Hintern. Er drückte leicht zu, aber nicht zu fest, schließlich wollte er seinem Schatz nicht wehtun, er sollte nur noch etwas mehr an Ole gedrückt werden. „Ich liebe dich“, murmelte er leise und so wie sie jetzt lagen, konnte man Felix kaum erkennen. Er verschwand fast unter dem großen Körper, seufzte aber immer wieder zufrieden.

Es dauerte noch ein paar Liebkosungen, bis Felix langsam zu sich kam und blinzelte. „Gut", murmelte er, als er die Hände auf seiner Hüfte und seiner Leiste spürte. Der Hintern tat weh, das war nicht zu vermeiden gewesen, doch Jan hatte auch gesagt, man würde sich daran gewöhnen und außerdem hatte Felix so den Beweis, dass das nicht alles nur ein Traum gewesen war, sondern Wirklichkeit.

„Und du bist noch da. Du hast dich nicht angezogen und bist einfach gegangen.“ Ole legte sich so, dass Felix etwas mehr Luft bekam und küsste ihn sanft. „Du weißt, was das bedeutet?“ Grinsend sah er Felix an und küsste ihn noch einmal stürmisch und übermütig. „Sag es.“

„Hm, was könnte das heißen", murmelte Felix gespielt irritiert und blickte dann erhellend, als hätte er die Lösung gefunden. „Es heißt, dass heute Morgen kein Bus mehr fuhr? Oder nein, halt! Es hieß, dass ich zu müde war? Ja, ich glaube, das heißt es", ließ er Ole zappeln.

„Du!“, knurrte der auch gleich und seine Augen blitzten Felix an. „Müde warst du, das stimmt“, lachte er dann aber leise und küsste Felix. Sie waren beide fertig gewesen, aber sehr glücklich und zufrieden.

„Siehst du, sag ich doch", lachte Felix leise und genierte sich noch ein bisschen. Zu sagen, ich liebe dich, klang immer so kitschig und abgedroschen, auch wenn es wirklich so war. Ole war das, was er immer gesucht hatte und hatte es wochenlang unter der Nase gehabt, ohne es zu merken. „Liebedich!", nuschelte er schnell und leise und küsste Ole dann wieder.

Das reichte Ole schon. Er zog Felix auf sich und umschlang ihn mit seinen Armen. „Ich freue mich schon so sehr darauf, mit dir nach Schweden zu fahren. Dann kann ich dich dort als meinen Freund vorstellen und nicht nur als einen Freund. Das wird das schönste Weihnachten seit langem.“

„Freut mich, dass ich dich allein mit meiner Anwesenheit zu solchen Begeisterungsstürmen bringen kann", grinste Felix und holte tief Luft. Er rollte sich etwas von Ole weg, lag auf dem Rücken und sah seinen Freund genau an. Das gehörte jetzt alles nur ihm allein. Seine Hand strich nach was er sah. Die blonden Haare, die blauen Augen, die weichen Lippen. „Ich hab echt Glück."

„Genauso wie ich.“ Ole blieb so liegen, damit Felix ihn ansehen und erkunden konnte. Das war letzte Nacht irgendwie zu kurz gekommen. Ole kannte den Körper seines Freundes schon recht gut, denn er hatte Felix erforscht. Mit seinen Händen, seinen Lippen und seiner Zunge und er hatte jede Sekunde davon genossen.

Allmählich erhob sich Felix und setzte sich rittlings auf Oles Bauch, grinste ihn dabei frech an, weil der blonde Riese unverhohlen auf Felix' Schritt starrte. Also korrigierte er selbstbewusst dessen Blick höher und grinste dreckig. „Ich hab auch Augen, Schatz", und legte den Kopf neckend schief.

„Sehr schöne Augen sogar.“ Ole musste einfach grinsen. Felix schaffte es immer wieder, dass er lachen musste, oder vollkommen aus dem Konzept kam. Er rutschte ein wenig herum, damit Felix auf seinem Schoß saß und verschränkte die Arme unter dem Kopf. So konnten sie eine Weile bleiben.

„Mach mich nicht verlegen, dann werd ich doch rot", murmelte Felix und als Ole die Knie etwas anzog, konnte er sich dagegen lehnen. Das war überraschend bequem. Auch wenn er es nicht gern zugab, er genoss die sanften Blicke auf seiner nackten Haut. Selbst zu Hause war er immer ziemlich schämig, aber bei Ole machte es ihm nichts aus. Lieber rutschte er noch ein wenig über Oles Schoß, nur um ihn zu reizen.

Oles Lächeln wurde breiter und seine Augen senkten sich ein wenig. Felix machte das verdammt gut, so dass seine Brust sich bald schneller hob und senkte. „Biest“, knurrte er dunkel und griff sich Felix im Nacken. Er zog ihn zu sich herunter und küsste ihn hungrig.

Felix beugte sich vor und stemmte seine Hände rechts und links von Oles Kopf in die Kissen, um sich abfangen zu können. Doch es war sein Magen, der die Leidenschaft und Gier verpuffen ließ, weil er knurrte und rebellierte und Felix einmal mehr peinlich berührt zurück ließ. „Tschuldigung", nuschelte er leise gegen Oles Lippen.

„Unterbrechen wir unser kleines Spiel und stärken uns“, grinste Ole. Er richtete sich auf und umarmte Felix. „Ich habe Brötchen geholt. Die warten darauf gegessen zu werden.“ Erst jetzt fiel ihm auf, dass sein Schatz für seine Verhältnisse unheimlich viel geredet hatte, aber das lag wohl daran, dass es schon fast Mittag war. Sie waren ja erst ziemlich spät, oder eher früh eingeschlafen.

„Du warst schon weg? Mit wie wenig Schlaf kommst du denn aus? Ist ja beängstigend, wie frisch du trotzdem aussiehst", sagte Felix leise und küsste Ole noch einmal, ehe er von ihm kletterte und sich beim vom Bett robben zumindest seine Unterhose suchte. Ganz nackt konnte er ja auch nicht am Tisch sitzen. Sicher, Ole wäre das lieber, aber einen Hauch von Benehmen war nie verkehrt. Dabei fiel ihm siedend heiß etwas ein.

Erstens: morgen musste er bei seiner Mutter aufschlagen.

Zweitens: wenn er mit Ole verreisen wollte, sollte er ihn vorher zu Hause vorstellen, sonst starb seine Mutter vor Sorge.

„Ich bin gar nicht so lange vor dir wach geworden.“ Ole folgte Felix und zog sich selber auch etwas an. „Deckst du den Tisch, ich mach Kaffee." Es war schön, dass sie sich Zeit lassen konnten. Da konnten sie ruhig etwas opulenter schlemmen. Darum setzte er den Kaffee auf und machte sich daran, Eier und Speck zu braten. Natürlich war Felix gleich bei ihm, kaum dass alles auf dem Tisch stand. So lecker hatte er lange nicht gefrühstückt.

„Öhm", versuchte er Ole an seinen Gedanken von eben teilhaben zu lassen, wusste nur noch nicht, wie er das am besten formulierte. „Ich hab meiner Mutter morgen versprochen vorbei zu kommen. Kommst du mit? Damit sie weiß, dass ich in Schweden nicht unter die Räder komme, weil ein großer, starker Mann auf mich aufpasst." Er grinste schief. Das seiner Mutter beizubringen, dürfte noch ein Akt werden. Und was Axel sagte, war auch noch nicht raus.

Ole sah ihn mit schief gelegtem Kopf an und nickte dann lächelnd. „Natürlich komm ich mit, wenn du das möchtest. Ich werde ihr versprechen, dass ich auf dich aufpasse.“ Ole strich Felix über die Wange und zog ihn dann für einen Kuss zu sich. Er war etwas aufgeregt. „Du musst mir dann nur sagen, ob sie von uns wissen sollen, oder nicht.“

„Natürlich soll sie das. Deswegen brauch ich dich ja als Verstärkung", sagte Felix und lehnte sich gegen seinen Schatz, ging aber etwas zurück und zog Ole mit sich, als das Fett anfing zu spritzen. „Sie kennt Jan und Mario, sie hat damit kein Problem. Der Rest auch nicht, sie mögen die beiden. Wie tolerant sie allerdings sind, wenn der eigene Sohn mit einem Mann um die Ecke kommt, weiß ich noch nicht. Bis vor ein paar Tagen stand das ja noch nicht zur Debatte." Er grinste schief.

„Wird schon schief gehen. Wenn sie mit Jan und Mario zu recht kommen, haben sie hoffentlich mit mir auch kein Problem.“ Ole drückte Felix an sich. „Ich werde so nett sein, wie ich kann, damit sie dich mitfahren lassen. Soll ich vielleicht ein paar Bilder mitnehmen, damit sie sehen können, wohin und zu wem du fährst?“ Ole zog die Pfanne von der heißen Herdplatte und brachte sie hinüber zum Tisch.

„Ja, das wäre nicht übel. Zieh sie am besten auf einen Stick, dann können wir uns im Wohnzimmer die Sachen angucken und reden und dann wird sich das schon ergeben", überlegte Felix und lief seinem Schatz und der Pfanne nach - beides war viel zu lecker, um es allein entkommen zu lassen. „Aber sei bloß nicht zu nett. Dann kommt meine Schwester noch auf die Idee, an dir herum zu graben. Das würde ich gern bis sehr gern vermeiden", stellte er klar und kletterte auf den Barhocker.

„Sie würde mich angraben, auch wenn ich mit dir zusammen bin?“, fragte Ole verwundert und hoffte, dass er das jetzt falsch verstanden hatte. „Ich werde nett genug sein, damit du mitfahren darfst, aber dass deine Schwester mich uninteressant findet.“ Er stellte die lecker duftende Pfanne auf den Tisch und holte den Kaffee. Jetzt konnte es endlich losgehen.

„Sie wird eher glauben, das ist ein Joke, dass du mein Freund bist und es deswegen versuchen." Es war ja nicht so, als würde Tina ihm wehtun wollen. Doch ein Mann wie Ole konnte schon einmal darüber hinweg täuschen, dass man einen kleinen Bruder hatte, zu dem dieser Mann gehörte.

„Dann ist gut. Damit kann ich leben. Sie wird ja wohl recht schnell merken, wenn ihre Bemühungen umsonst sind. Ich kann mit Frauen nichts anfangen.“ Ole verteilte das Ei und den Speck und schnitt sich ein Brötchen auf. „Würde es helfen, wenn ich deiner Mutter Blumen mitbringe?“ Wenn schon so viel auf dem Spiel stand, dann sollten sie alle Register ziehen.

„Schaden kann es jedenfalls nicht. Sie bekommt ja nicht so oft welche", überlegte Felix und entschied, dass Ole zumindest als sehr höflicher Schwiegersohn in Erinnerung blieb. „Wie vertreiben wir uns eigentlich heute den Tag?", wollte er wissen und fing auch endlich an zu essen, denn sein Magen rebellierte, seit es in der Küche so lecker duftete.

„Gut.“ Ole speicherte das ab und schob sich eine Gabel Ei in den Mund. „Geplant habe ich für heute noch nichts, aber ich finde, wir sollten uns bei Jan und Mario sehen lassen. Die werden sich zwar denken können, dass es dir gut geht, aber es ist immer besser, wenn sie sich persönlich davon überzeugen können.“

„Ja, das sollten wir vielleicht. Aber nicht so zeitig. Wenn sie die Chance haben, dann liegen sie lange im Bett", sagte Felix und hob die Brauen, damit auch der Letzte begriff, was er damit eigentlich sagen wollte. „In der letzten Zeit hatten sie ja doch eher intensive Regenwurmbetreuung und wenig Zeit für sich selber. Ich würde sagen, wir besuchen sie am Nachmittag, da haben wir auch noch ein bisschen Zeit für uns." Mit roten Wangen widmete sich Felix wieder seinem Essen. Er fühlte sich irgendwie leidenschaftlich gierig.

„Guter Plan.“ Ole grinste so, dass Felix es nicht sehen konnte. Sein Freund war aber auch niedlich, wenn er verlegen war. Er selber hatte ebenfalls gar nichts dagegen, noch ein wenig alleine zu sein. Sie waren ja erst ein paar Stunden zusammen, da war alles noch so aufregend und neu und Felix war sehr neugierig, was Ole sehr schön fand.

„Wer hätte gedacht, wo das mal endet, als ich Jan offeriert habe, ich bräuchte ein Billy-Regal und wir müssten nach IKEA", sinnierte Felix plötzlich, denn wenn er an diesem Tag nicht dort gewesen wäre, wären sie sich vielleicht niemals über den Weg gelaufen, was mehr als nur ein bisschen schade gewesen wäre. Er sah Ole offen an und drückte ihm einen Schmatz auf die Wange, dann futterte er hastig weiter. Er kam sich merkwürdig vor. Auf der einen Seite machte er das total gern, auf der anderen Seite wusste er nicht, wann Ole genug hatte und ihn lästig fand.

„Ich bin auf jeden Fall froh, dass wir uns getroffen haben und ich zur rechten Zeit am rechten Ort war.“ Ole dachte an den Tag zurück und musste grinsen. „Und das alles nur, weil mir ein schicker, nett verpackter Hintern ins Auge gefallen ist. Das hat mich auf dich aufmerksam gemacht, aber hin und weg war ich, als du mich so erschrocken mit großen, grauen, wunderschönen Augen angesehen hast, als ich dich aufgefangen habe.“

„So oft hast du auch keine Hintern in Augenhöhe, hm?", grinste Felix, war aber schon wieder verlegen. Ole sagte andauernd Dinge, die Felix so noch nie gehört hatte und sie ließen es warm in seinem Bauch werden. Ganz heiß und jede Menge kleiner Schmetterlinge tobten darinnen herum.

„Nein, eher selten.“ Ole lachte und Felix bekam einen dicken Kuss, weil er gerade das Gefühl hatte, vor Freude zu platzen. Nach Henning hatte Ole gedacht, dass er sich nie wieder verlieben konnte und dann kam da so ein kleiner Wirbelwind und schaffte es innerhalb von Sekunden, dass er sich Hals über Kopf neu verliebte.

„Nur gut, dass du so eine tolle Leiter in deiner Küche hast, da kann ich mich dann immer mal drauf stellen, damit du wieder in den Genuss kommst", lachte Felix und lehnte sich zufrieden gegen Ole. Im Augenblick war die Welt perfekt und sie könnte nicht schöner sein. Er griff sich ein Croissant und fing an, es zu knabbern, teilte es aber brüderlich mit Ole.

Irgendwann zog Ole Felix auf seinen Schoß und sie teilten, was der Tisch hergab. Aber selbst Felix war irgendwann satt und Ole küsste ihm ein paar Krümel aus dem Mundwinkel. „Noch ein wenig hinlegen?“, fragte Ole und knabberte sich vom Mundwinkel über den Hals zur Schulter, wo er anfing, jede einzelne Sommersprosse zu küssen.

„Das klingt verlockend", schnurrte Felix und drapierte sich halb auf dem Tisch, als Ole sich langsam tiefer küsste. Allein der Gedanke daran, was Ole alles mit ihm anstellen könnte, ließ ihn wohlig erschauern. Seine Hände legten sich um Oles Schultern und so zog er sich langsam wieder näher. Er wollte seinen Freund küssen, denn das konnte der wirklich gut - abgesehen von ein paar nicht minder verlockenden Dingen. Felix grinste dreckig an Oles Lippen.

„Rrrrr.“ Ole knurrte leise. Seine Hände strichen langsam über Felix’ Seiten und legten sich schließlich unter dessen Hintern. „Dann machen wir das doch“, raunte er dunkel und biss seinem Freund leicht in die Unterlippe. Ihm fiel auch schon einiges ein, was er dort machen konnte. Ihre Spielwiese legte ihnen da kaum Beschränkungen auf.

Langsam drehte sich Ole mit Felix in seinen Armen und brachte ihn unter sich. Die grauen Augen seines Freundes leuchteten dabei vor Ungeduld. Gestern um diese Zeit hatte die Welt noch in Scherben gelegen und jetzt konnte er platzen vor Glück. Wie schnell sich das Schicksal doch wendete und wie großzügig es zu Felix war. Der griff sich wieder seinen Freund, zog die wissenden Lippen zu sich und küsste ihn ausgehungert, ließ ihn dabei zwischen seine sich öffnenden Beine rutschen.

Dieser Aufforderung kam Ole nur zu gerne nach. So unerfahren Felix auch gewesen war, so wissbegierig und neugierig war er auch. Er ließ Ole machen und zeigte deutlich, was ihm gefiel und was nicht. Und da gab es noch so viel, was sein kleiner Liebling nicht kannte, aber unbedingt kennen lernen sollte. Ole küsste Felix feurig und eine weitere Lehrstunde begann, die hoffentlich genauso erregend und leidenschaftlich wurde, wie die letzten.