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The World of Rain

Titel: The World of Rain

Gengre: Depri, Gedanken.

Inhalt: Christian denkt über sein Leben und seine Liebe nach




The World of Rain

Regen und Sturm peitschten über das Land. Es regnete schon seit Stunden und es war kein Ende in Sicht.
Der junge Mann stand am Fenster. Den Kopf gegen das kalte Glas gelehnt.
In seinen schönen grünen Augen glänzten Tränen. Das Wetter passte perfekt zu seiner Stimmung. Aber er war auch für dieses Wetter verantwortlich.
Christian war halb Gott, halb Dämon. Zu seinen Fähigkeiten gehörte es das Wetter zu beherrschen. Er tat es nur recht selten und dann auch ungern, aber wenn es ihm schlecht ging, dann sah man es deutlich.
Ein Blitz durchzuckte den Himmel und ließ die Gestalt in einem kurzen Licht leuchten. Es sah unheimlich aus.
Unter ihm rannten die Menschen durch die Gassen und versuchten sich vor den Wassermassen in Sicherheit zu bringen. Christian war das alles egal. Es tat einfach so weh und er musste mit seinen Gefühlen doch irgendwo hin.
Wenn man schon solche Kräfte besaß nutze man sich auch gern aus.
Das Wetter zu beherrschen war ein leichtes. Es gab noch mehr Kräfte die man in seine Wiege gelegt hatte. Aber auch Menschliche Gefühle und die waren das schlimmste.
Gefühle waren seine Schwäche.
Wie hatte er auch nur glauben können, einmal im Leben Glück zu haben? Das Michael anders war als all die anderen Männer die er in seinem Leben kennen gelernt hatte. Aber er hatte es glauben wollen. Nur dieses eine Mal.
Es war ja nicht so dass er hässlich war, oder der gleichen. Er war auch viel älter als er sich seiner Umgebung zeigte.
Seit fast 10 Jahren war er nun schon alleine und hatte versucht all die menschlichen Gefühle die ihn quälten zu verdrängen. Dann kam aber Michael.
Sie hatten sich auf Arbeit kennen gelernt. Sie waren Kollegen. Schon vom ersten Augenblick war Christian von dem anderen Mann angetan gewesen. Hatte sich gar nicht satt sehen können an ihm.
Wochenlang hatte sie sich nur angeschaut und das nötigste miteinander gebrochen. Dann aber waren sie sich näher gekommen.
Es war ein schönes Gefühl wieder begehrt und beachtet zu werden.
Christian hatte es genossen. Es war schon zu lange her, das er sich Gefühle erlaubt hatte.
Er war zusammen mit Michael im Kino gewesen und dann noch eine Kleinigkeit essen. Die ganze Zeit hatten die geplaudert und es einfach genossen. Und jetzt? Jetzt war das Glück schon wieder vorbei.
Nach nur einem Abend war alles zu Ende. Dabei wusste Michael noch nicht einmal wer Christian wirklich war.
Mit einem Anfall von Wut schlug dieser seine Faust auf die Fensterbank. Das Holz splitterte. Aber seine Gefühle konnte es nicht bändigen.
Erst der Schmerz in seiner Hand ließ ihn kurz innehalten und sich umsehen. Dickflüssiges, dunkles Blut tropfe auf das Holz. Aber der Schnitt schloss sich schon wieder. Seine Dämonische Natur musste ja auch zu etwas gut sein und wenn es dabei nur um seine Selbstheilung ging.
Fluchend ging Christians ins Bad und holte ein kleines Handtuch. Die Blutung war bereits verschwunden, aber die Blutflecke waren noch da. Schnell hatte der junge Mann die Sauerei weggewischt und das Handtuch entsorgt.
Blutflecke gingen nicht wieder raus. Das hatte er schon öfters erkennen müssen.
Mit einem Seufzer ließ er sich auf die Fensterbank fallen und starrte wieder nach draußen.
Sein Unmut war immer noch da, aber der Schmerz in seinem Herzen ließ langsam nach.
Es war wirklich ein schöner Abend gewesen und er hatte ihn in vollen Zügen genossen. Ein kurzes Lächeln huschte über die Züge des Mischlings als er daran dachte. Aber dann verfinsterten sich seine Augen wieder.
An diesem Abend war nichts weiter passiert. Sie hatte sich nur ganz zaghaft berührt und sich zum Abschied umarmt.
Seit diesem Tag hatte sie kein Wort mehr miteinander gewechselt. Michael ignorierte ihn völlig. Es gab keine SMS, keine Mail, auch auf die Anrufe bekam Christian keine Antwort mehr.
Seine einzige Möglichkeit auf eine kleine Unterhaltung war die Arbeit gewesen. Aber auch hier ging Michael ihm aus dem Weg. Wenn sie sich sahen, machte Michael immer kehrt und ging in die andere Richtung. Die Chance auf eine Unterhaltung gab es nicht.
Der Schmerz saß tief. Zumal Christian nicht wusste was den schönen Mann erwischt hatte. Warum er sich plötzlich so verhielt. An diesem einen Abend war doch alles OK gewesen und jetzt?
Seine Hoffnung auf ein bisschen Liebe war wie ein Kartenhaus in sich zusammen gefallen.
Andere seiner Art nahmen sich das was sie wollten. Ein paar von seinen Freunden spielten mit den Menschen. Vergnügten sich mit ihnen. Auch ohne ihnen weh zu tun.
Christian jedoch wollte so begehrt werden, ohne seine Kräfte einzusetzen. Es wäre ein leichtes die Menschen zu beeinflussen, aber das war etwas was er nicht wollte.
Eine einzelne Träne bahnte sich einen Weg über deine Wange und tropfte auf seine Hand. Der kleine Tropfen glänzte im schwachen Licht der Kerzen, bevor er verschwand.
Wenn Michael ihm doch nur gesagt hätte, warum er sich so verhielt. Ein paar Worte der Ablehnung wären einfacher als diese Ungewissheit und das ignoriert zu werden. Aber Michael wollte nicht mit ihm reden. Der schöne Mann war nicht bereits sich auf eine kleine Unterhaltung einzulassen. Obwohl das das mindeste wäre.
Seit fast 100 Jahren lebte er nun schon und er hatte noch nicht die wahre Liebe gefunden.
"Ich bin halt nicht dafür gemacht um glücklich zu sein," murmelte er.
Den Kopf an die Scheibe gelegt starrte er nach draußen in die Nacht. Es war bereits dunkel geworden und das Unwetter hatte das Land immer noch schwer im Griff. Aber Christian dachte noch nicht daran es zu ändern.
Mit einer geschmeidigen Bewegung erhob er sich und griff nach seiner Jacke. Er brauchte frische Luft und der Sturm war genau richtig.
Kaum hatte er den Hauseingang verlassen, peitschte ihm der Regen entgegen und binnen ein paar Sekunden war er durchnässt. Dennoch störte es ihn nicht.
Seine Dämonenkräfte beschützten ihn davor krank zu werden.
Die Hände in den Taschen vergraben marschierte er über die leeren Straßen. Es war keine Menschenseele unterwegs und das war dem Mischling auch ganz recht so.
Sein Ziel war eine Anhöhe, von der aus er die halbe Stadt überblicken konnte. Der Boden war nass und schlammig. Immer wieder versank Christian in dem weichen Boden. Dennoch kämpfte er sich weiter. Es war ihm schlichtweg egal ob er nass war oder nicht. Im Moment brauchte er Ruhe. Die Schmerzen in seinem Herzen quälten ihn. Da war die Frage warum.
Es war nicht das erste Mal das ihm so etwas passierte. Schon öfters gingen seine Dates nach hinten los. Das erste Treffen war schön und dann plötzlich brach der Kontakt ab.
Die Selbstzweifel die dann aufkamen taten am meisten weh. Jedes Mal fragte er sich was er falsch gemacht hatte. Ob er nicht fähig war eine andere Person in seiner Nähe zu haben.
Was hatte er nur an sich das keiner seine Nähe wollte? War er so abstoßend und widerlich?
Diese Gedanken quälten ihn schon Jahre.
Hier war ja das schlimme, das sie sich jeden Tag auf Arbeit sahen. Die Erinnerungen kamen automatisch wieder hoch. Er konnte gar nicht anders als Michael immer ansehen und den Schmerz spüren.
Auch jetzt, als er den Berg erklomm, spürte er das Ziehen in seinem Herzen. Der Schmerz machte ihn fast wahnsinnig und verwundbar. Obwohl er gegen eine kleine Rauferei nichts einzuwenden hätte. So wäre seine Energie irgendwo anders hingeflossen. Als sich so verwundbar wie jetzt zu fühlen.
Blitze durchzuckten den Himmel und ließen den Halbgott in einem schemenhaften Licht erglühen. Wenn ihn jetzt jemand sah, dann würde diese Person wohl an das Übersinnlichen glauben.
Fast schwebte Christian über den sumpfigen Untergrund. Seine braunen Haare klebten an seinem Kopf und seine Kleidung war völlig durchnässt. Dennoch ließ er sich von dem Unwetter nicht stören. Schließlich passte es sehr gut zu seiner Stimmung.
Als er die Hügelkuppe erreicht hatte, schüttelte Christian den Kopf und sah sich um.
Die Nacht wurde nur durch ein paar Blitze erhellt. Aber das reichte völlig aus.
Christian ließ sich auf eine Bank nieder und starrte in die Nacht. Der Wind zerrte an seiner nassen Kleidung und seinen Haaren, aber er beachtete es nicht.
Immer wieder dachte er an Michael. An diesen schönen Abend und daran das es wohl keine Fortsetzung geben würde.
Ständig geisterte ihm nur eine Frage durch den Kopf. WARUM?
Warum passierte das immer nur ihm?
Wieder bahnte sich eine Träne ihren Weg über seine Wangen, aber Christian beachtete sie nicht weiter.
Mit einem lauten Schniefen ließ er sich nach hinten ins nasse Gras fallen. Kälte umfing ihn und bescherte ihm eine Gänsehaut.
Die Arme hinter dem Kopf verschränkt starrte er in den Nachthimmel. Wasser und Wind jagte um ihn herum und boten sich zum Tanz an.
Wie lange Christian im Gras lag, wusste er nicht. Es interessierte ihn auch nicht.
Erst als er eine leise Vibration an seinem Bein spürte, schreckte er aus seinen düsteren Gedanken auf. Es dauerte ein paar Augenblicke bis er begriff das es sein Handy war. Umständlich zog er es aus der Tasche uns sah auf das Display.
Kurz überlegte er ranzugehen, aber dann drückte er doch auf annehmen.
"Hi Dani," sagte er.
Das Rauschen des Windes hatte etwas nachgelassen, damit er seine Freundin Dani auch verstehen konnte.
Sie war der einzige Mensch, der wusste wer er wirklich war. Sie kannten sich schon ein paar Jahre und waren wirklich sehr gute Freunde. Sie war auch die Einzige, die immer zu ihm hielt.
"HI Chris, mein Süßer. Wie geht's dir? Obwohl sich die Frage echt erübrigt wenn ich das Wetter sehe. Schatz, willst du reden? Ich mache mir Sorgen um dich," meinte die junge Frau.
In ihrer Stimme schwang ein Hauch von Angst mit. Sie wusste zu was Christian fähig war, wenn er schlechte Laune hatte.
Für einen Moment schloss der Halbgott die Augen und atmete tief durch.
"Danke Dani. Mir geht's wirklich nicht gut. Ich muss immer zu an ihn denken und mein Herz tut weh. Du musst dir keine Sorgen machen. Aber es ist lieb von dir. Ich würde gerne reden. Ich habe Lust auf ein großes Eis und heiße Schokolade," antwortete er leise.
Seine Stimme war ruhig, aber es schwang diese Angst mit, die Dani schon seit Jahren an dem Halbgott kannte und auch liebte. Es machte das Wesen sympathisch.
"Jetzt mach aber mal halblang. Ich bin immer für dich und ich glaube du brauchst mich gerade. Dann komm zu mir und ich mache uns was leckeres zu essen. Auch so viel Eis wie du nur essen kannst. Wo bist du eigentlich?"
Nun musste auch Christian lächeln. Auf diese Frau konnte er sich doch immer verlassen.
"Du bist ein Engel, weißt du das? Ich bin auf meinem Berg und liege im Schlamm. Ich gehe duschen und komme dann zu dir. Vielen Dank das du immer für mich da bist. Auch wenn ich so ein Unwetter erschaffe," meinte er.
Er hörte das prusten auf der anderen Seite der Leitung und wusste das Dani sauer war.
"Im Schlamm? Du bist echt verrückt. Mach das du dort wegkommst, auch wenn du nicht krank werden kannst. Hör auf dich zu bedanken. Wir sind Freunde und ich liebe dich nun mal auf meine Art. Jetzt beweg deinen Hintern. Bis gleich mein Süßer."
Damit hatte sie aufgelegt.
Christian schüttelte nur den Kopf und erhob sich.
Er blieb direkt an der Klippe stehen und puschte ein letztes Mal mit seinen Gedanken den Wind. Der heulte noch einmal auf und hätte den Halbdämon fast mit sich gezogen. Aber dann beruhigte es sich. Der Sturm und der Regen ließen nach.
Der Regen hörte nach und nach auf. Nur der Wind blieb noch etwas.
Christian gönnte sich noch einen Blick über die Stadt. Tief in seinem Herzen freute er sich über den Anruf. Er mochte diese Frau von einem Wirbelwind.
Zumindest konnte er sich auf sie verlassen. Das war ein kleiner Lichtblick in seiner dunklen Welt.
Seufzend schob er seine Hände in die nasse Jacke und ließ sich von einer leichten Böe die Haare trocknen.
So ein bisschen Hoffnung hatte er ja doch noch. Vielleicht kam doch mal eine Nachricht von Michael. Und wenn nicht, würde es irgendwann mal einen andere geben.
Bis dahin würde er Dani nerven und mit ihr Eis essen.


OWARI