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Alles, was zählt - Teil 1 bis 4

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„Ja, Neil, du weißt, wie ich es brauche", stöhnte er ungehalten und seine Nägel gruben sich tief in den breiten Rücken seines Liebhabers, als der sich immer wieder fest und tief in ihm vergrub.

„Ja, Neil!"

Seine Stimme war rau und brüchig, zeugte von Lust und Gier nach diesem Mann. Nur er konnte seine Stimme so klingen lassen, nur er ihr diese heiseren Schreie entlocken.

„Tiefer, Neil, vergrab dich ganz in mir."

Man hörte ihn kaum, die Lust hatte seiner Stimme den Ton geraubt und genießend schloss er die Augen, presste sie fest zusammen.

Ja!

Gleich!

Gleich musste es soweit sein!

Gleich!

„Neil, schneller - mach schon", spornte er seinen Liebhaber an und spürte, wie der seine Bemühungen noch steigerte, um ihm Befriedigung zu verschaffen. Sein Rücken rutschte über den glatten Küchentisch, sodass er seine Hände von Neil’ Rücken lösen musste und sich an der Tischkante festklammerte, um sich den harten Stößen fordernd entgegen zu bringen.

Gleich!

„Ja, Neil. Du bist so gut, so gut. Ja!"

Immer und immer wieder keuchte er den Namen seines Liebhabers und spürte die Erlösung an sich zerren.

„Ja", löste sich ein heiserer Schrei aus seiner Kehle und all die Lust entlud sich in rhythmischen Wellen, die seinen Leib vibrieren ließen.

„Ich danke dir, Neil", wisperte er, als er seine bebenden Lippen auf das andere Paar legte.



„Cut! Danke. Die Szene ist gestorben." Man hörte dem Regisseur an, dass er mit seinen Schauspielern einmal mehr sehr zufrieden war.

„Lazlo, Vincenzo. Toller Job. Da merkt man doch, dass man mit Profis arbeitet!"

Diese beiden harmonierten, das spürte man. Sie verstanden sich ohne ein Wort, glitten in ihre Rollen. Von den beiden konnten die Newcomer - im wahrsten Sinne des Wortes - noch was lernen.

„Immer wieder gern!" Vincenzo, mit bürgerlichem Namen Viktor Jansen, sah mit einem lasziven Grinsen auf seinen Verlobten hinab, der sich gerade vom Küchentisch erhob und ausgiebig streckte.

„Na, das hätte ich mir denken können. Geld dafür kassieren, dass du mich ficken kannst", lachte der blonde Mann und warf sich das halblange Haar in leichten Wellen über die Schulter zurück.

Er griff sich die vom Stuff gereichten Feuchttücher und wischte sich kurz sauber. Dass er nackt am Set stand, machte ihm nichts aus. Warum auch? Er war einer der gefragtesten und teuersten Pornodarsteller, die hier und in den USA zu finden waren. Wer ihn noch nicht nackt kannte, war eindeutig nicht schwul.

Er schon - und seit drei Jahren mit Viktor verlobt. Sie hatten sich damals auf einem Dreh kennen gelernt. Anfangs war es eine reine Filmbeziehung, aus der irgendwann aus Lust Liebe geworden war und dann Gewohnheit. Viktor gehörte zu Leifs Leben, wie seine Filme und seine eigene Produktionsfirma, die er vor vier Jahren mit Viktor zusammen aufgebaut hatte. Und trotzdem stand er noch immer vor der Kamera, weil er es liebte, mit der Kamera zu spielen, zu zeigen, was er konnte und was er zu bieten hatte. Er sah gut aus und das wusste Leif auch, der sich nur vor der Kamera Lazlo nannte.

„Ihr könnt duschen gehen, wenn ihr wollt, die nächste Szene spielt dann ja sowieso im Hallenbad. Da stören nasse Haare nicht." Frank, der Regisseur, der für Leif und Viktor arbeitete, reichte den beiden Hauptdarstellern Morgenmäntel, damit sie sich, so verschwitzt wie sie waren, nicht verkühlten.

„Aber lasst euch bitte nicht ewig Zeit, wir haben einen engen Zeitplan. Das Bad haben wir nur für heute", rief er in Erinnerung und Leif grinste.

„Frank, dass weiß ich, denn ich habe es angemietet und mich mit dem prüden Verwalter rumgeschlagen."

Frank kratzte sich verlegen hinter einem Ohr und klemmte sein Brett mit dem Ablaufplan unter den Arm. „Ja, Chef. Aber mir wollte er ja nicht zuhören. Da muss schon einer mit Namen und Geld kommen. Los, duschen. Die Mädels tuscheln schon." Er lachte und machte sich zurück zum Set, um die anderen Darsteller in die nächste Szene einzuweisen.



Sie drehten mittlerweile den fünften Teil der ungewöhnlich gefragten Serie 'Water Rats', die seit Jahren ein absoluter Renner war und Lazlo und Vincenzo über Nacht zu Stars der Gay Porno-Szene hatten werden lassen. Jeder wusste, wer die Wasserratten waren. Die erotischen Abenteuer eines Bademeisters interessierten einfach jeden. Und da sowohl Lazlo als auch Vincenzo alles andere als unansehnlich waren, waren diese Filme wahrlich zu Kultobjekten geworden, die zu horrenden Preisen gehandelt wurden.

Frank hatte seinem Chef zwar geraten, die Filme neu auflegen zu lassen, das wären bestimmt keine Ladenhüter, aber noch hatte sich Leif Eric Drieschner nicht dazu geäußert. Momentan drehten sie am fünften Teil und dass der an die Erfolge seiner Vorgänger anknüpfte, stand nichts im Wege. Im Gegenteil, hatten doch schon namhafte Porno-Kinos im In- und Ausland Interesse bezeugt oder gar schon eine Kopie vorbestellt. Dabei war 'Water Rats 5 - der Neue in der Schwimmstunde' noch nicht einmal zur Hälfte abgedreht.

Seit er fast nur noch für seine eigene Produktionsfirma vor der Kamera stand, legte Lazlo viel Wert auf das Drumherum, auf die Sets und auch die Statisten. Er wollte mit seinen Filmen etwas erzählen und keine pure Fleischbeschau liefern. Doch auch die Freunde der nackten Tatsachen kamen nicht zu kurz. Lazlo hatte eben das richtige Händchen für die perfekte Mischung.

Vielleicht war das einer der Gründe, weshalb seine Firma 'Water Rats Inc.' so gut lief. Sie konnten sich vor Bewerbern kaum retten. Fast täglich füllten sich die Waschkörbe der Poststelle in der Firma mit Fotomappen und Videodokumentationen von Sternchen, die gerne richtige Stars werden wollten. Eingeschickte Drehbücher stapelten sich in der Abstellkammer buchstäblich bis unter das Dach.

Aber Lazlo war kritisch. Darsteller, die er für seine Produktionen fest buchte, mussten mehr bieten können als eine Dauerlatte auf Kommando. Er forderte Ausstrahlung und Natürlichkeit, ein gewisses Maß an schauspielerischem Talent und nach etwas aussehen sollten sie auch noch.

Die Castings nahm der Chef grundsätzlich selber ab und fühlte den Newbies dabei gern gründlich auf den Zahn. Viele sahen nur das große Geld, glaubten, mit ein bisschen ficken und stöhnen wäre der Film im Kasten.

Oh Mann!

Wenn sich Frank so zurückerinnerte, wie viele Illusionen schon zerplatzt waren wie Seifenblasen. Wie viele Träume ausgeträumt und wie viele Überflieger schon schmerzlich auf dem Hosenboden gelandet waren.

Und doch kamen immer wieder Neue, denn Lazlos Name stand nicht nur für Qualität, er war auch ein Garant für Erfolg. Es gab junge Männer, die es immer wieder versuchten. Und wenn Lazlo sah, dass sie ernsthaft an sich arbeiteten, war er der Letzte, der ihnen keine Chance gab als Komparse oder Statist erste Kameraerfahrungen zu sammeln. Manch einer begriff erst da, wie hart es an einem von Lazlo gestalteten Sets zuging. Was er von sich forderte, forderte er auch von seiner Crew - egal ob Stuff oder Darsteller. Disziplin und Pünktlichkeit waren selbstverständlich. Wer das nicht konnte, war schon so gut wie ersetzt.

Lazlo war streng. Wahrscheinlich war das einer der Steine, auf denen der Erfolg von 'Water Rats Inc.' gründete.



Frank wies die Jungs für den folgenden Blowjob hinter einem Duschvorhang an und richtete all seine Aufmerksamkeit wieder auf seine Arbeit. Sein Hang zur Professionalität und sein stetes Auge für das richtige Arrangement hatten ihn schließlich erst hier her gebracht. Er verdiente gutes Geld für gute Arbeit und er war stolz darauf, dass er an Meisterwerken ihrer Sparte und bahnbrechenden Filmen mit seinem Chef maßgeblich beteiligt war.

„Micha, du weißt, was du zu tun hast?", fragte er, als er sich auf seinen Stuhl fallen ließ. „Ich will, dass ihr euch anstrengt, Jungs. Du bist scharf auf Keil. Er hat einen anderen, also musst du alles geben, um ihn zu überzeugen." Seine Zunge beulte die rechte Wange aus und der Blonde, der an den Schränken in der Umkleidekabine lehnte, nickte nur.

„Geh ihm nach, sei energisch. Der will mit einem anderen durchbrennen und du willst das nicht. Und du, Karl", wandte er sich an seinen Kameramann, „ich will nicht nur Michas Hinterkopf sehen. Ist mal für den Anfang ganz nett, aber zeig mir seine Zunge, seinen verträumten Blick und Keils feuchten Schwanz. Wir drehen nicht fürs Vorabendprogramm und jetzt los. Alles auf Anfang!"

Frank klatschte in die Hände und ein Signal ertönte.

„37 - 5, die Erste!"



Leif schob Viktors Hand von seinem Arm. Entgegen der Aufforderung seines Regisseurs war er noch nicht duschen gegangen. Er wollte sehen, was seine neuen Schützlinge wirklich wert waren. Keil und Michael waren viel versprechender Nachwuchs. Sie sahen gut aus, konnten sich bewegen und während Keil noch etwas schüchtern war und ab und an vor Scham rot anlief, war Michael ein Naturtalent, dem es immer wieder gelang, seinen Freund so in die Lust zu ziehen, dass der die Kameras und die Leute um sich völlig vergaß und ihren Szenen so immer den Touch von Natürlichkeit gab.

„Er ist wirklich nicht übel", murmelte Leif und zog die Arme, die sich um seine Körpermitte gelegt hatten, fester.

„Und da du das nun weißt, Süßer, lass uns duschen gehen." Viktors Zunge tanzte über den schlanken Nacken vor ihm und sein Schoß drängte sich dichter gegen Leif.

„Frank erschlägt uns, wenn wir ihm wieder die Szene schmeißen, weil dein Gestöhne die Laute am Set übertönen", lachte der Blonde und sah weiter zu, wie sich seine Schützlinge alle Mühe gaben.

„Das war ja wohl mal deine Schuld, Leif." So weit kam es noch, dass Viktor hier die alleinige Schuld davon trug. „Du hast mich doch getrieben und getrieben, mit deiner flinken Zunge und deinen geschickten Händen." Er knabberte sich weiter über den schlanken Nacken und schob mit der Nase die blonden Strähnen beiseite. „Und falls es mein Schöner nicht gemerkt haben sollte: Er war gerade der Einzige, der gekommen war. Alle anderen Beteiligten gingen leer aus."

Wieder presste er sein Becken dichter, um Leif den Wahrheitsgehalt seiner Worte zu präsentieren. Doch Leif lachte nur leise und strich seinem unbefriedigten Verlobten durch die Haare. „Das ist das Leid der Profis, Vik. Stell dich nicht so an." Sanft fuhr seine Hand durch das lange, schwarze Haar und legte sich in Viktors Nacken, um die schmollenden Lippen mit einem Kuss zu besänftigen.

„Komm schon, Leif, ab unter die Dusche. Wie willst du Domina Frank sonst die trockenen Haare erklären?"

„Du sollst ihn nicht immer Domina nennen. Ich bin froh, dass er seinen Stuff so gut im Griff hat", tadelte Leif, nippte aber sofort wieder an den weichen Lippen seines Verlobten. Nun kannte er Viktor schon mehr als zehn Jahre und war seiner noch immer nicht überdrüssig. Weder vor der Kamera noch privat.

Viktor war ein dominanter Mann, wer ihn nicht kannte, konnte ihn schnell missverstehen. Aber er war auch liebevoll und verständnisvoll, konnte mit Geld umgehen und zeigte durchaus Talente, die der Firma zugute kamen. Kurz um, dieser Mann war perfekt. Und vor allem war er treu. Eigentlich in der Branche, in der sie beide arbeiteten, selten, denn die Verlockungen und die Gelegenheiten waren groß und reichlich.

Doch wie Leif auch, nahm er das Versprechen auf eine Ehe sehr ernst.

„Hatte ich nicht was von duschen gesagt?"

Viktor zuckte zusammen und Leif grinste nur, als Frank plötzlich wieder neben ihnen stand.



Michaels und Keils Szene war im Kasten und die Crew räumte gerade alles an den nächsten Drehort - die Duschen, gleich neben dem Langbahnbecken.

Bademeister Neil, gespielt von Vincenzo, sollte dem neuen Schwimmtrainer etwas die Halle zeigen, bevor das Training begann. So war die Szene geplant.

„Domina, beruhig dich", knurrte Viktor und wurde von Leif in die Seite gestupst. Frank hingegen machte sich nichts draus. Er wusste, wie man ihn spaßeshalber ob seiner Strenge nannte und so lange Leif Eric Drieschner mit seiner Arbeit zufrieden war, war es wohl mehr ein Kompliment, dass er den Sauhaufen zusammenhalten konnte, als eine Beleidigung.

„Wenn du nicht machst, was ich sage, dann versohle ich dir den Popo", stichelte Frank leicht tuntenhaft und schob Lazlo und Vincenzo vor sich her. „Zieht wenigstens die Badehosen an. Geduscht werden kann auch in der Szene. Maske!"

Wenn man nicht alles selber machte!

Leif und Viktor schienen sichtlich Spaß daran zu haben, dass Frank rotierte wie ein Kinderkreisel.

„Ah, Bea. Mach Vincenzo noch mal die Haare und pudere Lazlo noch mal die Nase. Hopp, hopp. Die Einstellungen im Bad müssen heute im Kasten sein."

Und schon war Frank wieder verschwunden, koordinierte den Aufbau der Kamera und der Scheinwerfer und Leif gehorchte seinem Regisseur lieber. Sie kannten ihn gut genug, um zu wissen, dass er auch nicht davor zurückschreckte, die Hauptdarsteller zu tadeln. Vor seinem scharfen Auge waren alle gleich.



In ihrer Garderobe warf Leif den Mantel von sich und schlüpfte in die enge Badehose. Lachend sah er zu, wie sein Verlobter gerade versuchte seine Erregung in der schwarzen Badehose unterzubringen und feixte. „Kann man helfen?", wollte er wissen und grinste, während Viktor nur was von: 'abwarten', knurrte und dass Leif schon sehen würde, was diese Schadenfreude ihm einbrachte.

Kaum dass alles verstaut war, stand auch schon Frank mit Bea im Schlepptau in der Tür. Die junge Stilistin machte sich über Leif her, während Frank mit einer gehobenen Braue amüsiert die Beule in Viktors Hose bedachte.

„Ja, genau so stelle ich mir einen dauergeilen, ständig lüsternen Bademeister vor. Gute Vorarbeit, Lazlo!" Er reckte lobend einen Daumen hoch.

Leif lachte und verbeugte sich brav, während Viktor am liebsten beide erwürgt hätte. Hoffentlich war dieser Drehtag bald vorbei! Er brauchte ein entspannendes Bad, ein gutes Glas Wein und einen willigen Leif - exakt in dieser Reihenfolge.

Als allerdings anstelle von Leif nur Bea auf ihn zukam und sich anschickte, seine Haare zu richten, war er raus aus seinen Träumen und zurück im Hier und Jetzt - das Gewirr von Stimmen im Hintergrund, der Geruch von Chlor in der Luft und ein Regisseur, der ihn schon wieder drängend ansah.

„Na los, die Herren. Alles wartet nur auf euch."

So verließen sie gemeinsam die Kabine und Leif lachte nur, als er Frank rufen hörte, dass er eine Großaufnahme von Vincenzo Schritt wollte. Wenn der sich schon so perfekt auf die Szene vorbereitet hätte, so sollte das doch auch gewürdigt werden.

„In eure Position … und … Action!"





-2-



„Ich bin fertig, Leif. Das glaubst du gar nicht." Viktor streckte sich ausgiebig. Dadurch, dass sie diese Halle nur für einen Tag gemietet hatten, mussten heute alle Szenen abgedreht werden.

Nun war es mittlerweile halb zehn und sein Magen erinnerte ihn deshalb daran, dass er heute Morgen um sieben das Letzte bekommen hatte und da fast 15 Kraft raubende Stunden dazwischen lagen.

„Du wirst alt, mein Schatz." Leif schlang seine Arme von hinten um seinen Verlobten und kicherte leise, als er sich über eine der bloßen Schultern küsste. Zwar schmeckte Viktor durch die vielen Szenen im Becken nach Chlor, aber das tat seiner Zuneigung keinen Abbruch. „Früher hast du dich nach dem neunten Höhepunkt in mir noch nicht beschwert."

Dass er selber auch langsam etwas müde wurde überging er jetzt einfach. Denn Viktor, der mit seinen 35 Jahren zwei Jahre älter war als Leif, sprang gerade darauf immer am intensivsten an. Wenn man ihm sagte, er wurde alt, ging er jedes Mal hoch wie eine Silvesterrakete. So auch dieses Mal, egal wie fertig er war.

„Nun werd aber mal nicht frech. So einen Jungspund wie dich schaffe ich doch allemal", höhnte er und zog seinen ebenso eingeweichten Verlobten hinter sich her zur Dusche. Der Chlorgeruch ging ihm nicht mehr aus der Nase und diese Badehose hielt nicht mal die nötigsten Stellen warm.

„Was machen wir heute noch?", wollte Leif wissen und unterdrückte ein Gähnen. Er war zwar müde, aber ins Bett wollte er noch nicht wirklich. Er hätte nie gedacht, dass er einmal diesen Punkt erreichen würde, aber auf eine weitere Nummer hatte er heute keinen Bock mehr, weswegen Viktors Vorschlag, betreffend Badewanne und Bett, nicht gerade auf Gegenliebe stieß.

„Ins Bett kommen wir noch früh genug. Mittwochs ist im 'Double Zero' Happy Hour von elf bis zwölf. Lass uns hingehen, Schatz."

Sie hatten die Dusche erreicht und im Handumdrehen waren sie die lästigen Badehosen losgeworden. Sie mochten kleidsam sein und eine gute Figur machen, doch sie waren alles andere als bequem und schnürten an den empfindlichsten Stellen schmerzlich ein. Sicher waren sie mindestens zwei Nummern zu klein gekauft worden und das mit voller Ansicht. Die Dinger blieben also liegen, wo sie zu Boden gegangen waren und Viktor zog seinen Geliebten mit sich.

„Erst mal waschen wir das Chlor runter, denn so wie wir stinken, lassen sie uns nirgends rein." Routiniert griffen seine Hände Gel und Leif und schäumten den schlanken, durchtrainierten Leib ein. Man sah diesem Mann sein Alter von 33 Jahren wirklich nicht an. Die wenigsten hielten sich so lange im Geschäft wie Leif und er selbst, das musste Viktor zugeben. Gutes Aussehen alleine war nicht alles, es war viel zu vergänglich.

Lazlo hatte es damals richtig gemacht.

In seinen Verträgen, als er noch für andere Firmen gearbeitet hatte, standen immer kleine Gagen und dafür Beteiligungen am Gewinn der Filme. Leif hatte früh erkannt, wo das Geld zu holen war und dieser Geschäftssinn hatte ihn dahin geführt, wo er heute stand. An die Spitze der deutschen Gay-Porno-Industrie, mit eigener Firma, Häusern, einem Appartement im Penthouse des Ritz-Carlton im Herzen von Berlin und einem Fuhrpark vom Feinsten.

BMW Z4 - Mercedes SLK und Ferrari Testarossa nannten er und sein Verlobter ihr Eigen. Dazu ein paar Gebrauchsgegenstände wie ein Porsche.

„Ich glaube, wir stinken nicht nur nach Chlor." Leif lachte und fing an, Viktors lange Mähne aufzufächern und mit Spülung und Shampoo zu behandeln, denn seine Haare waren Viktors ganzer Stolz, das wusste Leif. „Sicher stinken wir wie paarungswillige Iltisse."

Viktor hielt in seinem Tun inne und drängte seinen Liebsten grinsend gegen die Fliesen in dessen Rücken. „So, so - paarungswillig. Du Nimmersatt." Sanft fingen seine Lippen das andere Paar ein.

„Hey", maulte Leif halbherzig protestierend, „so war das aber nicht gemeint."

„Du solltest doch langsam wissen, dass ich bei dir jede Chance als Aufforderung nutze", wisperte sein Verlobter leise und geübt lasziv, womit er Leif Schauer über den ganzen Körper jagte.

„Und vorhin warst du angeblich noch fertig und wolltest ins Bett." Leifs Hände griffen sich Viktors kräftige Oberarme. Das viele Training zahlte sich wirklich aus.

„Deine wunderbaren Hände spenden mir neue Kraft." Aber es waren wohl nicht nur die Hände, die Viktor lockten und zu neuem Leben erwachen ließen. Es war der ganze Mann. Die blauen, großen, manchmal etwas kindlich wirkenden Augen, das blonde engelsgleiche Haar und die sinnlich weichen Lippen, die seinen Nacken liebkosten, seinen Hals streichelten und am Kinn nippten.

„So gern willst du noch weg, dass du dich so ins Zeug legst?", lachte Viktor leise und seine Hände wuschen den Schaum von Leifs Körper. Er störte einfach das Bild.

„Du tust ja gerade so, als wäre ich nur liebevoll zu dir, wenn ich was will." Es sollte empört klingen, aber Viktors grüne Augen ließen ihn alles vergessen. So wie immer. Wie konnte er diesem Mann auch lange böse sein?

„Lorenzo, Vincenzo? Kann ich stören?" Frank stand im Vorraum der Duschen und trat von einem Fuß auf den anderen. Viktor stöhnte genervt und sein Kopf kam auf Leifs Schulter zum liegen, während der Blonde seine Arme um seinen Verlobten schloss und leise lachte.

„Komm rein, Frank, bist doch sonst nicht so prüde."

Man hörte Schritte auf den Fliesen und Franks Stimme, die erklärte, dass es etwas anderes sei, Klaus und Neil aus dem Drehbuch zuzusehen oder Leif und Viktor bei einem privaten Schäferstündchen zu stören.

„Ach, lass mal, Frank, ist ja inhaltlich sowieso das gleiche." Noch immer streichelten Leifs Hände den Rücken seines genervten Verlobten, während der - bockig wie ein kleines Kind - sich mit frechen Fingern an Leifs süßem Hintern zu schaffen machte. Der Rotschopf da sollte sich wieder verpissen. Leif war gerade dabei gewesen, ihn ein bisschen zu motivieren, auf seine ganz spezielle Art. Er wollte nicht hören, was Frank noch zu sagen hatte. Er wollte nur noch Leifs geschickte Zunge an seiner lodernden Körpermitte und dann Spaß haben bis morgen früh.

„Bist du nur zum Spannen hier oder wolltest du was Bestimmtes?" Leif lachte, als Frank leicht rot anlief.

„Ja, ja, ich… wegen morgen. Ich sollte dich dran erinnern, dass wir den Werbefutzi für das Plakat zum Welt-Aids-Tag treffen… Soll ich…" Frank wandte sich ab, weil Viktor trotz Publikum damit begann, seinen Geliebten zu verwöhnen und dazu auf die Knie sank. Doch Leif war ganz Profi. Er griff sich Viktors lange Strähnen und ließ ihn so murrend innehalten.

„Mist. Den Termin hätte ich tatsächlich verpennt. Ich sollte wirklich langsam einen Sekretär einstellen."

„-in! Eine SekretärIN!", knurrte Viktor ziemlich angepisst. So weit kam es noch, dass er zuließ, dass ein anderer Kerl in Leifs Nähe kam. Diese Diskussion führten sie allerdings nicht zum ersten Mal. Dementsprechend gelassen überging Leif den Einwurf seines Verlobten.

„Kannst du mich gegen elf wecken, Frank? Ich verschlafe sonst. Wir wollen noch ins 'Double Zero'. Kann spät werden."

Franks Augen leuchteten einmal mehr, als die Szene-Disco ins Gespräch kam. Er selbst verirrte sich auch regelmäßig in diese Gefilde, denn die großen, blonden, muskulösen Türsteher mit den Igel-Frisuren und den knappen Klamotten waren nicht nur absolut Franks Kragenweite, sondern auch noch Stammkunden in Franks Bett. So wie seine Augen leuchteten, war der letzte Besuch schon fast eine Woche her.

Da Leif aber wusste, wie sein Verlobter auf eine Einladung reagieren würde, Frank mitzunehmen, ließ er es bleiben. Er hatte einfach keinen Bock auf Stress. Und so war einmal mehr die Vermeidungstaktik angesagt.

Viktor konnte der liebste Kerl sein, den Leif sich nur vorstellen konnte, aber in seiner blinden, absolut unangebrachten Eifersucht konnte er rasen vor Wut. Darauf hatte er wirklich keine Lust. Zumal es total unangebracht war - Leif ging nie fremd.

Warum auch?

Er hatte in Viktor alles, was er brauchte: einen Freund, einen Vertrauten, einen Geliebten und einen Geschäftspartner mit Finanzgeschick. Es stimmte im Bett, im Kopf - mehr brauchte er nicht.

So wartete Frank vergeblich darauf, dass Leif ihm anbot mitzukommen. Wie auch? Leif war mit seinem schwarzen, tiefergelegten SLK da. Und den zweiten Sitz in diesem sportlichen Mercedes belegte Viktor, der übrigens immer noch vor seinem Verlobten kniete und knurrte, ob die Domina nicht bald mal verschwinden konnte. Frank war zwar ein guter Mitarbeiter und ein fähiges Organisationstalent, was er in seinem Job als Regisseur von 'Water Rats Inc.' absolut gebrauchen konnte, aber der drahtige Rothaarige, mit seinem Hang zu engen Lederhosen und offenen Hemden, sah ihm etwas zu gut aus, als dass er ihn lange in Leifs Nähe dulden konnte.

„Okay, Jungs", verabschiedete sich Frank und zog sich aus der Dusche zurück. Mit Vincenzo wurde er einfach nicht warm. Er grinste, als er sich der Doppeldeutigkeit bewusst wurde. Aber es stimmte ja auch, er kam einfach auf keinen Nenner mit dem schwarzhaarigen Darsteller. Er war ein guter Schauspieler, keine Frage, ein Finanzgenie und ein strenger Arbeitgeber, aber sobald es um Lazlo ging, wurde er schnippisch und zickig.

Also er. an Lazlos Stelle, würde sich das nicht bieten lassen. Aber zum Glück war er nicht an Lazlos Stelle. Ihm reichte es, mit Vincenzo zu arbeiten und Frank war ganz froh, wenn er ihm privat aus dem Weg gehen konnte. Sein Chef musste mit dem Kerl auskommen - nicht er. Und wenn Vincenzo privat die Leistung brachte wie vor der Kamera, dann konnte er schon verstehen, was sein Chef an dem Kerl fand.

„Der stört jedes Mal", knurrte Viktor, als er sich über Leifs Bauch knabberte und genoss die Finger in seinem Haar. Langsam beruhigte er sich wieder.

„Aber der Termin war wichtig, Schatz", erklärte Leif. Er wusste, wie sinnlos es war, mit einem schmollenden Viktor zu diskutieren, aber er wollte ihm auch begreiflich machen, dass Frank nur seinen Job erledigte. Genau genommen war es ja gar nicht Franks Job, Leifs Termine zu koordinieren, aber da er den besten Überblick von allen hatte, tat er es einfach und Leif war ihm mehr als dankbar.

Ein Sekretär musste her und zwar schnell und so, dass es Viktor nicht gleich mitbekam. Dessen Eifersuchtssalven waren nämlich zunehmend nicht mehr nur albern, sondern manchmal auch peinlich und kaum noch zum Aushalten. Und der arme Frank stand am häufigsten in der Schusslinie, doch zum Glück nahm er es mit Humor.

„Komm schon, Vik, werd fertig. Ich will tanzen gehen und mich mal wieder so richtig austoben", lenkte Leif die Gedanken in eine hoffentlich andere Richtung und wusch sich schnell die Haare aus. Mit einem Handtuch trat er aus der Dusche und ließ Viktor alleine zurück. „Mach! Ehe wir deine Haare trocken haben, ist es halb elf. Jetzt beeil dich doch mal!"

Viktor knurrte nur. Er hatte nun, dank Frank, schlechte Laune und die Aussicht auf all die aufgebrezelten Kerle, die glaubten, seinen Leif anbaggern zu dürfen, ließ ihn auch nicht gerade Freudentänze aufführen. Was sprach gegen ein Bad und ab ins Bett?

Na ja, er hatte auch mal wieder Lust, sich auf der Tanzfläche auszutoben. Morgen hatte er frei und konnte den ganzen Tag im Bett verbringen. Wäre da nicht dieser rothaarige Regisseur, der um elf seinen Verlobten rausklingeln wollte.

„Ja, ja", maulte er und wrang mit den Händen das Wasser aus den langen Haaren. Er hatte vielleicht eine Lust! „Lass dich nicht wieder von so einem schmierigen Typen anlabern", erinnerte er an ihren letzten Besuch im 'Double Zero' und sah im Spiegel, wie Leif die Augen verdrehte.

„Er hat nur gefragt, ob ich weiß, wo das Klo ist, mehr nicht." Er wusste nicht, zum wievielten Mal er diesen Satz schon wiederholte. Aber Viktor wollte ihn anscheinend nicht verstehen, wenn er den angriffslustigen Gesichtsausdruck nicht missdeutete.

„Lassen wir das. Lass dich nicht anquatschen und gut."

Leif war es müde, darauf noch etwas zu sagen. Es brachte nichts. Die Wand wäre wohl der angetanere Gesprächspartner. Aber er würde sich von seinem missgestimmten Verlobten nicht die Laune verderben lassen und so erklärte er auch dieses Thema einfach für beendet.

Stattdessen ging er zu seiner Tasche zurück, sich immer noch die Haare trocknend, und griff sich die Klamotten, die er in weiser Voraussicht einfach eingepackt hatte.

Unter Viktors skeptischem Blick wand er sich in eine enge Hüfthose, deren Gürtel wirklich nur zur Zierde da war, denn der Bund hing so weit unten, dass die Hüftknochen zu sehen waren und der Ansatz der Schambehaarung.

Man konnte sehen, wie es in Viktor brodelte. War doch klar, dass da wieder Hunderte von Schmeißfliegen um seinen Leif herumschwirren würden. „Leif, muss das sein?" Er trocknete sich die Haare ab und griff sich dann den Fön, sonst wurden sie heute gar nicht mehr fertig, was ja vielleicht auch nicht das Schlechteste wäre. Aber da Leif auf so etwas keine Rücksicht nahm und auch ohne ihn auf die Piste gehen würde, ohne dass Viktor ein Auge auf ihn hatte, beeilte er sich lieber.

„Was denn? Ich denke, du magst diese Jeans?" Leif wandte sich zu seinem missgelaunten Verlobten um und schenkte ihm eines seiner Herzensbrecher-Lächeln, legte sich dabei ein schwarzes Lederhalsband um. Das große, silberne Kreuz lag auf der gebräunten Haut und die knappe, schwarze Weste, die er sich noch übergeworfen hatte, rundete das Bild ab.

„Ja! Ich! Aber nicht noch Hunderte lüsterner Kerle auf Brautschau."

„Ach komm, Schatz. Mit dem Thema sind wir durch. Ich geh nicht fremd. Langsam solltest du das auch begriffen haben." Leif war verärgert, weil Viktor ihm nicht zu vertrauen schien und das entging auch dem nicht. So griff Viktor sich seinen Geliebten von hinten und vergrub sein Gesicht an Leifs Schulter.

„Ja, doch, Schatz, aber ich kann nicht anders. Ich vertraue dir, aber den anderen traue ich nicht über den Weg."

Allein, die Vorstellung, mit welchen Blicken die Typen seinen Verlobten - seinen Leif - ansehen würden, machte ihn rasend.

„Lass uns heim fahren, Vik", lenkte Leif plötzlich ein. Ihm war die Lust auf Tanzen, mit der Aussicht auf einen austickenden Viktor, wirklich vergangen. Vielleicht war Badewanne und Bett auch nicht das schlechteste Arrangement.

„Nein, Leif. Du willst tanzen, also gehen wir auch." Langsam löste sich Viktor, griff sich den Fön und hauchte Leif einen versöhnlichen Kuss auf die verführenden Lippen.

Dem war das allerdings noch nicht ganz geheuer. „Und du wirst nicht aufmucken?", fragte er und zog den Lidstrich nach, suchte im Spiegel aber Viktors Blick.

„Nein, werd ich nicht."

„Keine Vorhaltungen, wenn wieder einer das Klo sucht?"

Viktor knurrte, antwortete aber: „Nein, solange du ihn nicht hinbringst."

„Viktor Walther Jansen!"

Doch der zwinkerte nur und schaltete endlich den Fön an. Leif atmete tief durch. Na da stand ihm ja noch was bevor.

Kurz kam Frank und reichte den Schlüssel für die Halle. Alles wäre verstaut und sie die Letzten.

Ein Blick auf die Uhr zeigte, dass es bereits auf elf Uhr zuging. Langsam sollten sie wirklich in die Gänge kommen. Aber zum Glück war Viktor fast fertig und so packte Leif alles zusammen, ging noch mal die Räume durch und dann verließen auch sie die Schwimmhalle.

Auch Viktor hatte sich klamottentechnisch nicht lumpen lassen. Enge Lederhose und Tanktop rückten jeden Muskel ins rechte Licht, dass Leif sich nur die Lippen lecken konnte und in Gedanken feststellte, dass er wohl nicht der einzige war, der die Kerle mit der Brechstange würde abwehren müssen. Doch er verkniff sich einen Kommentar.

Lieber ließ er sich in das Leder des Sitzes seines Lieblingswagens fallen und lauschte dem Aufbegehren des Motors, als er ihn startete. Zwar hatte er noch einen schwarzen BMW Z4 in der Tiefgarage des Ritz-Carlton stehen und Viktor seinen roten Testarossa und den 911er, aber den SLK fuhren sie beide am liebsten. Er hatte dieses klassisch edle Design einer Limousine, vereint mit den Vorzügen eines Sportwagens und den entsprechenden PS-Zahlen. Dass dies kein Serienwagen war, verstand sich von selbst.

Zügig, vielleicht sogar etwas zu zügig, legten sie ihren Weg zum 'Double Zero' zurück und schon zwei Querstraßen vorher nahm die Dichte an aufgebrezelten, jungen Männern in engen, knappen Klamotten sichtlich zu.

„Alle auf der Jagd oder was?", knurrte Viktor. Wehe, einer von denen kam auf die blöde Idee, seinen Leif anzuquatschen. Er hatte sich lange nicht mehr geschlagen, weil Leif es hasste. Aber im Augenblick war er so unausgeglichen, dass ihm eine kleine Rauferei nicht ganz ungelegen käme.

Mal abwarten.

„Kann sein. Du weißt doch, wofür die Dark-Rooms hier bekannt sind." Vik sollte sich mal nicht so anstellen. Er war hier auch kein Unbekannter. Vor ihrer Verlobung war er doch derjenige gewesen, der von willigen, jungen Kerlen nicht genug bekommen konnte. Aber Leif hatte keine Lust, alten Kaffee aufzuwärmen, der bittere Nachgeschmack war widerlich. Seit ihrer Verlobung war Viktor treu und das allein zählte für Leif. Er wollte sich über das Vergangene keine Gedanken mehr machen. Ein bisschen Spaß vor dem Schlafengehen, mehr nicht.

So lenkte er den tiefergelegten Wagen auf den Parkplatz des 'Double Zero' und checkte an den geparkten Karossen, wer eigentlich alles da war. Ein paar alte Bekannte, auf die er sich schon freute. Vorausgesetzt Viktor bekam nicht wieder einen seiner berühmt berüchtigten Eifersuchtsanfälle.

Leif seufzte. So lieb Viktor war, wenn sie alleine waren, so tickte er aus, sobald jemand, für Viktors Begriffe, Leif zu nahe kam. Leider reichte da an schlechten Tagen schon der Türsteher, der ihn mit einem Schlag auf die Schulter begrüßte. Na ja, vielleicht benahm sich Vik ja heute.

Und Ron war auch da, stellte Leif fest, als er neben dessen roten Golf parkte. Na, ob das gut ging? Sollte er nicht lieber den Rückzug antreten?

Ron und Viktor waren sich seit Jahren nicht grün und alles nur, weil der Brite es nicht lassen konnte, Leif anzuflirten.

Nicht dass er selbst darauf ansprang, aber der Blonde mit der Igelfrisur ließ auch nicht locker, egal wie dezent oder direkt Leif ablehnte. Also im Augenblick war ihm die Lust auf das 'Double Zero' gänzlich vergangen, denn Viktor hatte den roten Wagen auch erkannt. Aber er sagte nichts, knurrte nur und atmete betont tief durch, um nicht gleich ausfallend zu werden.

Na das versprach ja ein Abend zu werden. Leif schaltete den Motor aus und lächelte Viktor noch mal zu. „Na los, Süßer. Auf ins Getümmel."



-3-


„Mensch, du hier?"

Leif grinste nur, weil sich Dirk, der größere der beiden Türsteher – wenn auch unauffällig – suchend umblickte. Doch das fiel auch Viktor auf, der erklärte, dass die nervende Domina nicht dabei wäre und Dirk sich gar nicht einbilden bräuchte, Leif wäre jetzt der Ersatzspieler. Beide Männer maßen sich mit Blicken und Dirk knurrte, dass ihm das schon klar wäre.

Doch noch bevor Viktor darauf etwas erwidern konnte, schob Leif ihn gespielt lachend vor sich her durch den Flur in den Tanzraum. Sie waren noch nicht mal drinnen und Viktor suchte schon Ärger. „Reiß dich zusammen, Vik", knurrte er. „Ich will mich amüsieren und nicht gleich rausfliegen, weil du die Leute anpöbelst." Seine Hände lagen auf Viktors Hüften und Leif sah über dessen Schulter auf die sich im flackernden Licht rhythmisch bewegende Masse. Alles roch süßlich nach Vanille und die nächste Dampfwolke aus der Nebelanlage erklärte das Phänomen von selbst.

„Der Typ hat dich doch total abgecheckt, Leif. Merkst du das schon gar nicht mehr?"

„Er hat hinter mich geschaut und Frank gesucht. Schluss – Aus – Ende. Fährst du oder ich? Trinkst du oder ich?", wechselte er offensichtlich das Thema und fing an, sich im treibenden Rhythmus aus den Boxen zu bewegen. Er drängte sich dichter gegen Viktor und zog ihn mit in diese Bewegung.

„Ich trinke", legte Viktor ohne Zögern fest. Als er allerdings spürte, dass Leif ihn hielt und etwas entgegnen wollte, erklärte er, dass Leif morgen Vorgespräche zu Fotoaufnahmen hatte und eine Restfahne bei den Leuten von der Stiftung vielleicht nicht den besten Eindruck machte.

„Nur gut, dass mein schlauer Freund mitdenkt", lachte Leif leise. „Aber ein, zwei Bier sind schon für mich drinnen oder?" Seine Zunge streichelte Viktors Hals, nachdem seine Hand die lästigen Strähnen beiseite geschoben hatte. Seine Hände schoben sich in Viktors Hosentaschen, streichelten die Schenkel und ließen ihn knurren.

Was war denn mit Leif los? War der nicht hier, um zu toben und zu tanzen? Viktor wurde grundsätzlich misstrauisch, wenn sein Verlobter in aller Öffentlichkeit so verschmust wurde. Man sollte meinen, Pornodarsteller hätten keinerlei Scham, aber Leif machte durchaus Unterschiede zwischen Arbeit und Privatem. Und normaler Weise war das hier etwas Privates, etwas Intimes.

Das ließ in Viktor alle Alarmglocken schrillen, denn meistens versuchte Leif ihn so von etwas abzulenken. So ließ er sein wissendes Auge suchen und blieb tatsächlich an dem blonden Briten hängen, der an der Bar vor ihnen stand und wohl bereits ihn und Leif ins Visier genommen hatte, so wie er grinste. Viktor hatte nicht übel Lust, diesem braungebrannten Blondie Marke Supertyp mal dezent in sein aufdringliches Zahnpastawerbelächeln zu schlagen und ein Trümmerfeld zu hinterlassen.

Konnte sich dieser Idiot nicht was Ordentliches anziehen? So unwiderstehlich war der Kerl auch nicht, als dass man ihn nur in Hotpants und gekürztem Tanktop ertragen konnte. „Aufgeblasenes Arschloch", knurrte er und konnte von Glück reden, dass er Leifs verdrehte Augen nicht sah.

„Lass uns rüber in den kleinen Tanzraum gehen", schob Leif seinen Verlobten einfach auf einen gemauerten, grottenähnlichen Gang zu und ignorierte den winkenden Ron. Der Kerl hatte wirklich nichts begriffen. Nicht nur, dass ihn blond und braungebrannt abtörnte. Er hasste es, wenn sich Männer halbnackt dermaßen anbiederten. „Die Musik gefällt mir nicht und an der Cocktail-Bar bekomme ich eh kein Bier."

Viktor war von der Richtungsänderung genauso wenig angetan wie Ron, der gar nicht verstand, warum Leif plötzlich abbog.

Ron machte Anstalten, sich von seiner bisherigen Begleitung zu lösen, doch der Kleine sah das wohl gar nicht ein und schob dem Briten frech seine Zunge in den Hals und seine Hände in die kurze Hose. So war selbst der Brite überrascht und verlor Leif und seinen Wachhund, wie Viktor nur scherzhaft – aber auch gehässig - genannt wurde, aus den Augen.

Allein Viktor war noch immer missgestimmt, denn er wusste, dass dieser schmierige Kerl auf seine Chance lauern und warten würde. Ein einsamer Augenblick und dieser Arsch hing an Leif wie eine Klette. Besser er hielt sich von Alkohol fern und behielt dafür seinen begehrten Verlobten etwas mehr im Auge. Es war, wie er gesagt hatte: Nicht dass er Leif nicht vertraute, er traute den ganzen Typen hier nicht. Auf eine seltsam anmutende Art war sein Verlobter nämlich recht naiv. Der glaubte, nur weil er nein sagte, ließen die von ihm ab.

Weit gefehlt.

Das wusste Viktor. Schließlich war auch er jahrelang einer dieser Jäger gewesen: hartnäckig, ausdauernd und auf seine Chance lauernd. Wäre er damals nicht so gewesen, hätte er seinen Süßen heute nicht. Und genau deswegen behielt er ihn im Auge, wo es nur ging. Schließlich machte ja bekanntlich Gelegenheit die Triebe.

„Ich will ein Radeberger. Soll ich dir was mitbringen?", hörte er durch den hämmernden Bass Leifs Stimme. Doch er spürte dessen Arme gar nicht mehr um sich. Wie auch? Leif ging neben ihm etwas gebückt durch das künstliche, dunkle Gewölbe und lächelte ihn an. Ein Arm schlang sich wieder um Viktor und die Hand schob sich frech in die Gesäßtasche. „Ich glaube, alt werde ich heute auch nicht. Zwei Bier, ein bisschen zappeln und dann heim", plapperte er vor sich hin. Hier im Gang verstand man seine Worte noch, wenn sie die Bar erreicht hatten, dürfte das auch anders sein.

Irgendwie ließ Viktors Interesse an ihm aber stark zu wünschen übrig, denn er antwortete nicht, reagierte gar nicht darauf, dass Leif sich an ihn schmiegte. Und so nutzte er die Wand des Ganges, um Viktor dagegen zu drücken und ihn erst sanft und dann immer fordernder zu küssen. So riss er auch Viktor aus seinen Gedanken, der den Spieß schnell umdrehte und Leif gegen die gegenüberliegende Wand schob und sich fordernd an ihn drängte.

Leif grinste unmerklich. Er wusste eben, wie er die Aufmerksamkeit seines Verlobten wieder ganz auf sich selbst ziehen konnte. Seine Hände gruben sich in Viktors Hosentaschen und zogen ihn immer dichter.

„Hey, geht in den Dark-Room. Hier wird man ja neidisch", knurrte einer, der gerade vorbei kam. Der konnte es aber auch nicht lassen, Viktor mal über den durchtrainierten Hintern zu streichen. Leif grinste nur, als er die fremde Hand auf seiner spürte. Hätte der Typ das bei ihm abgezogen, würde er dank Viktors Nachhilfe jetzt im Mauerwerk kleben. Aber so ignorierte Viktor den Typen völlig und sorgte nur dafür, dass jeder – einschließlich Leif – begriff, wem dieser Blonde hier gehörte. Zwar hatte Leif mit diesen Besitzansprüchen immer noch ein arges Problem, aber wenn es half, Viktor in Zaum zu halten und von Ron und Co. abzulenken, so war ihm auch das recht.

„Arschloch", knurrte Viktor nur und ging gänzlich in seinem Tun auf. Seine Finger glitten über Leifs Seiten und zogen den Reißverschluss der Weste auf, machten auch vor der Hose nicht Halt und stoppten erst, als sich eine bekannte, verhasste Stimme hinter Viktor räusperte.

„Go on", erklärte Ron und lehnte sich neben Leif gegen die Wand, während er unverhohlen auf die entblößte Haut von Leifs Bauch starrte.

„Verpiss dich lieber, ehe ich noch nachhelfe." Viktor versuchte den Briten abzudrängen, während Leif seine Kleider wieder richtete. Er selbst hasste es, wenn er sich in der Öffentlichkeit so gehen ließ und vergaß, wo er war. Insofern war er Ron eigentlich ganz dankbar für seine Störung, denn Viktor kannte kein Ende, wenn er bei Leif erst einmal freie Bahn hatte.

„Hey, mate. Go on." Ron lachte und Leif konnte es nicht vermeiden, dass er auch grinsen musste. Der neugierige Blick auf seinen Bauch und dazu Viktors Hände, die ihn zu verdecken versuchten, waren zusammen wirklich grotesk.

Warum eigentlich immer er?

Warum musste Ron Viktor jedes Mal aufs Neue provozieren?

Und warum musste Viktor nach so vielen Jahren immer noch darauf anspringen?

Die zwei waren echt seltsam.

Leif war gänzlich uninteressant geworden, denn nun maßen sich Ron und Viktor mal wieder mit Blicken, ein altes, immer wieder gern zelebriertes Ritual. Das konnten die beiden stundenlang. Da Leif aber tanzen wollte und sich nicht rumärgern, ließ er sie einfach stehen und fing an, sich auf der Tanzfläche unter die zappelnden Leiber zu mischen.

„Spielt alleine fertig", knurrte er nur. Und kaum dass er in den peitschenden Rhythmus der treibenden Bässe getaucht war, vergaß er alles um sich herum. Seine Füße bewegten sich wie von selbst und die Lider drifteten über die Augen. Selbst wenn er die Lichtblitze aussperrte, durchbrachen sie noch sein Dunkel und zogen Leif in ihren Bann. Er hörte keine Melodie. Alles, was ihm die Richtung gab, waren die treibenden Bässe, die ihn zu sich riefen.

Und Leif folgte.

Seine Hüfte wiegte sich einladend und wenn er den Kopf nicken ließ, wippten die blonden, welligen Strähnen um sein weiches Gesicht. Leif vergaß alles um sich herum, wenn er tanzen konnte. Und Kameras, die sein Konterfei einfingen und an eine Leinwand hinter dem DJ warfen, störten ihn schon lange nicht mehr.

Ihn nicht – dafür Viktor, dem sein Spielchen mit Ron langweilig geworden war und der gemerkt hatte, dass ihm etwas Wichtiges abhanden gekommen war und der besagtes Wichtiges nun auf der Leinwand über dem DJ projiziert sah: verträumt und wunderschön.

Verdammt!

DIESER Leif gehörte nur ihm!

Ihm allein!

Keiner außer ihm sollte ihn so sehen! Vergessen war der lachende Brite und Viktor bahnte sich einen Weg durch die Massen, um seinen Leif an sich zu reißen. Er griff sich seinen Freund am Oberarm und zog den Blonden durch die Massen – raus aus dem Kreis der neugierigen Kamera und erntete Buh-Rufe von denen, die Leifs Show sichtlich genossen hatten.

„Typisch Wachhund", knurrte einer der selbsternannten Lazlo-Jünger, die ihrem Idol wohl nie näher kommen würden, als hier und erntete von Viktor einen Blick, der ihm sagte, dass er gerade mit seinem jungen Leben spielte.

Mittlerweile war auch Leif aus seiner angetriebenen Trance erwacht und sah sich schon wieder mit einem eifersüchtigen Viktor konfrontiert. Und langsam bereute er immer mehr, dass er ins 'Double Zero' gefahren war und nicht in die traute Zweisamkeit nach Hause.

„Verdammt, Vik, lass mich los. Ich hab’s echt satt, wie du dich aufführst."

„Und ich erst. Bietest den Wichsern hier eine prima Vorlage." Viktor ließ sich nicht beirren und zog Leif bis in einen der vielen, kleinen Gänge, weit weg von der sabbernden Meute.

„Wie ICH mich aufführe? Und lass endlich meinen Arm los", brauste Leif auf und befreite sich mit Schwung. Er war wütend und das richtig. „Dass all die Typen unsere Filme kaufen und mich da anstarren, das stört dich nicht. Aber hier oder was?" Das war doch komplett verrückt, aber wirklich.

„Wie oft noch? Arbeit ist Arbeit. Da gehörst du jedem. Umso mehr bestehe ich darauf, dass du privat nur mir gehörst. Ist doch gar nicht so schwer." Viktor versuchte den grinsenden Briten, dem es wohl Spaß machte, ihnen zu folgen, einfach zu ignorieren.

Arschloch!

„Vik, heute kotzt du mich mal wieder so richtig an. Ich fahre heim. Mir reicht’s. Komm mit oder lass es." Mit Schwung wandte Leif sich um, dass die Haare um seinen Kopf wirbelten und ging wiegenden Schrittes davon. Er wusste, dass er so die Blicke seiner Jünger auf sich zog, doch er hatte keine Lust, auf Viktor noch Rücksicht zu nehmen. Der tat es doch genauso wenig. „Zicke, aber echt!"

Ohne nach rechts oder links zu sehen, bahnte Leif sich einen Weg durch die Massen. Er bekam von der Musik nichts mehr mit, nichts von den verstohlenen und den unverhohlenen Blicken auf seinen Körper. Sollten sie doch! Dann hatte sein dämlicher Verlobter wenigstens was, um sich so richtig schön aufzuregen. Es war gar nicht so schwer, seinen tobenden, nach ihm greifenden Freund zu ignorieren.

„Arschloch, dämliches", knurrte er immer wieder und beschleunigte noch sein Tempo.

„Leif, nun warte doch mal." Viktor hatte ganz schön zu tun, dass er den Blonden nicht aus den Augen verlor. Warum war der denn jetzt so wütend? Wäre es nicht an ihm, sich darüber aufzuregen, wie sein Verlobter sich präsentierte? Konnte man denn nicht erwarten, dass Leif sich etwas mehr zurückhielt? Er wusste doch, wie eifersüchtig Viktor war. Konnte er darauf keine Rücksicht nehmen?

All diese Typen, die seinen Leif mit Blicken auszogen, die sich in ihren unkeuschen Gedanken schon mit Leif in den Laken wälzten?! Widerlich, diese geifernden und gaffenden Kerle.

„Leif, jetzt bleib stehen. Du führst dich auf wie ein Kleinkind?!"

Alles, was er erntete, war ein vernichtender Blick über Leifs Schulter, der unumstritten nur eines sagte: Warte, bis wir draußen sind, Arsch!

Wenn es Viktor hatte abschrecken sollen, so hatte es sein Ziel verfehlt. Angestachelt, weil er sich keiner Schuld bewusst war, stürmte er hinter Leif an den Türstehern vorbei und bekam endlich seinen Verlobten am Arm zu fassen. Doch Leif blieb abrupt stehen und stieß ihn weg.

„Lass deine Pfoten von mir, Viktor Jansen. Falls du vorhattest, mir mal wieder nach allen Regeln der Kunst den Abend zu versauen: Glückwunsch! Du hast es geschafft. Die Lust auf Tanzen ist mir gründlich vergangen, du eifersüchtiger Idiot." Leif war es scheißegal, ob sie Publikum hatten. Es war ihm egal, wer sie alles hörte. Er war geladen wie lange nicht. Nicht nur über Viktors übliche Show, mehr über sich selbst, dass er so naiv gewesen war zu glauben, heute hätte es mal anders laufen können. Warum auch? Nur weil heute Mittwoch war? Oder weil Vollmond war oder warum?

„Komm mal runter, Leif", fing Viktor leise an. Er kannte seinen Verlobten ja auch schon ein paar Jahre und wusste, dass Argumente jetzt auch nichts mehr brachten. Leif war sauer und in diesem Zustand für keinerlei Logik mehr zugänglich. Wenn er nur objektiv wäre, so war sich Viktor sicher, würde er verstehen, was seinen Verlobten so ankotzte. Aber Leif wollte ihn ja gar nicht verstehen, wie es schien.

„Ich soll runter kommen?" Leifs Stimme war bedrohlich ruhig geworden, so ruhig, dass man regelrecht spürte, dass noch etwas kommen musste. „Du zerrst mich durch die Gegend wie dein Haustier und erwartest, dass ich das alles mitmache? Vik, komm mir nicht wieder mit den anderen, die mich angeblich verführen wollen."

„Was heißt hier angeblich?", rechtfertigte sich Viktor. Aus Leifs Mund klang das ja schon so, als wäre er selbst schizophren. So war das ja nun wirklich nicht! Er bildete sich das doch nicht nur ein, dass die Tucken Leif umschwärmten wie die Motten das Licht, verdammt!

„Viktor", begann Leif betont ruhig und lehnte sich gegen seinen Wagen. „Vik, ich bin dreiunddreißig Jahre alt. Ich arbeite als Pornodarsteller. Willst du mir allen Ernstes einreden, ich wäre zu naiv, um zu merken, dass mich jeder zweite da drinnen ficken will? Oder dass meine Liebe zu dir so gering zu werten ist, dass ich mit dem erstbesten abziehe? Glaubst du das, Viktor?" Er sah seinem Verlobten in die Augen und Viktor wurde es unbehaglich. Das hatte er doch gar nicht gesagt!

„Komm schon, Vik, sag's mir. Bin ich so unwürdig, so naiv und treulos?" Die Arme vor der Brust verschränkt, ließ Leif keine emotionale Regung mehr sehen. Seine Wut hatte er unter Kontrolle und nun genoss er es sichtlich, die Oberhand zu haben. Allein schon zu sehen, wie Viktor ruderte und nicht wusste, wo er hingucken oder was er sagen sollte, zeigten Leif, dass es nicht so war, wie er es Viktor unterstellte.

„Leif, ich liebe dich. Und…" Viktor brach ab. Selbst in seinen Ohren klang das Ganze dermaßen albern. „Aber Ron… und dieser Türsteher… und…“

„Komm mal her, Vik." Leif wedelte mit einer Hand in seine Richtung. Seine ganze Körperhaltung war schon wieder offener. „Komm schon."

Viktor wusste immer noch nicht, was los war oder was ihn jetzt erwartete. Langsam kam er auf seinen Verlobten zu, der sich wieder erhob und ihn angrinste. „Du bist so ein trotteliges, unsicheres Kind, Vik. Klar graben die Typen mich an, klar schauen sie. Aber ich geh doch mit keinem mit. Du bist mir voll und ganz genug, Vik. Warum verstehst du das nicht?"

Leifs Arme schlangen sich um seinen Freund und zogen ihn zu einem sanften Kuss zu sich. Warum konnte er Viktor, egal wie sein Freund sich wieder anstellte, eigentlich nicht böse sein? Er war stinksauer gewesen, bis eben hätte er Viktor am liebsten auf den Mond geschossen. Und nun küsste er ihn!

Es war wohl seine Liebe zu Kindern. Wenn Viktor so unbeholfen wie ein kleiner Junge dastand und einsah, dass er Mist gebaut hatte und dann so unsicher guckte, schrie einfach alles in Leif danach, ihn in den Arm zu nehmen und ihm Schutz zu bieten. Da konnte Leif nicht aus seiner Haut. Sanft streichelte er Viktor über den Rücken.

Kinder waren für ihn das Größte. Aber aus offensichtlichen Gründen würde er wohl nie eigene haben. Und als schwules Paar ein Kind zu adoptieren war so gut wie aussichtslos. Sogar wenn beide Partner wollten. Aber Viktor hasste Kinder, leider.

Leif seufzte, als er sich von seinem Verlobten trennte. „Lass uns heim fahren", wisperte er leise und Viktor nickte nur.


-4-

Dafür, dass es schon weit nach Mitternacht war, zeugten die Straßen noch recht intensiv vom Leben in dieser Stadt. Selten standen sie allein an einer Ampel und selbst in der Tiefgarage des Ritz-Carlton am Potsdamer Platz, in dessen Penthouse Leifs Eigentumswohnung lag, war noch einiges los. So parkte Leif nur seinen schwarzen Liebling auf einem der reservierten Stellplätze zwischen den anderen drei Luxuskarossen.

Viktors roter Testarossa stach eigentlich immer aus der schwarzen Riege heraus. Und die Kleinwagen, ein Porsche 911 und ein BMW Z4, kamen eigentlich eher selten zum Einsatz. Leif hatte seinen Z4er eigentlich nur gekauft, weil er so klein und niedlich war und der Porsche gehörte nur in Viktors Fundus, weil Leif ja auch zwei Wagen sein Eigen nannte.

Sie waren beide schon echt seltsam.

Leif dirigierte den Mercedes zwischen dem roten und dem 911er und ließ den Motor verstummen.

„Duschen und umfallen." Leif gähnte und streckte sich, als er den Gurt löste und spürte Viktors Hand auf seinem Schenkel.

„Tut mir Leid, Leif. So hatte das nicht laufen sollen, echt. Aber ich kann einfach nicht aus meiner Haut." Bis eben hatte Viktor kein Wort gesagt. Die Spannung im Wagen war geradezu greifbar gewesen. Viktor war immer so, wenn er nicht wusste, was er sagen sollte. Wie ein Kind eben. Leif seufzte. Selbst wenn er wollte, konnte er Viktor einfach nicht böse sein.

„Schatz, ich sagte doch: Ist schon okay." Seine Hand legte sich auf Viktors, als er sich zu seinem Verlobten beugte und ihn sanft küsste. Aber Viktor war nur selten ein Freund von sanften Küssen. Seine großen Hände griffen sich Leif und zogen ihn auf sich. Sie glitten unter den Stoff der Weste und schoben sie immer höher.

Leif grinste nur.

Sie hatten oben, keine zwei Minuten von hier, ein 250 qm–Appartement und sie drängten sich hier in dem engen Wagen. Aber wenn man wie sie seit zehn Jahren in dem Job arbeitete, dann spielte Platz und Enge keine Rolle, um Spaß zu haben. Doch Leif wollte sich austoben. Er wollte Viktor spüren, wollte ihn sehen. Er schätzte es gar nicht, auf dem Sitzplatz zu balancieren. Er wollte sich nur auf seinen Verlobten konzentrieren, auf nichts anderes.

„Lass uns hoch gehen, Vik", wisperte er leise und nippte an den erwartungsvoll geöffneten Lippen. Er fing sich die freche Zunge, die immer wieder versuchte, zwischen seine Lippen zu gleiten.

„Ich will nicht warten, Leif. Ich will dich jetzt", entgegnete Viktor heiser. Nun hatte er seinen Leif wieder ganz für sich, da wollte er ihn nicht wieder gehen lassen.

„Sind die paar Minuten zum Fahrstuhl es nicht wert, hm?" Leifs Stimme klang belegt, denn Viktors Hände hatten geschickt seine Hose geöffnet und massierten nun seinen durchtrainierten Hintern. „Hast doch sonst deinen Spaß im Fahrstuhl, Schatz", lockte er und lachte leise, weil er spüren konnte, wie ein Ruck durch seinen Verlobten ging. So setzte Leif sich auf und seine Hände legten sich in Viktors Nacken. Sanft lächelte er auf Viktor hinab und dessen Hände auf seinem Hintern blieben bewegungslos liegen.

„Na? Wie wär’s? Ich, bäuchlings gegen den kalten Edelstahl gedrückt. Unsere Leiber, wie sie den Stahl zum Schmelzen bringen mit unserer Hitze. Kann ich dich damit gar nicht locken, hm?" So beschissen der Abend auch gelaufen war: Er wollte Viktor jetzt spüren, tief in sich vergraben. Kurz nippten seine Lippen an Viktors und es bereitete ihm Spaß, mit seinem Verlobten zu spielen. Er wusste genau, wie er ihn locken konnte, wie er ihn fordern musste. Und es erregte Leif genauso, diese Macht auch auszunutzen.

„Leif, du Biest", knurrte Viktor, denn in ihm tobte es. Allein die Vorstellung, wie sich der makellose Leib in seinen Händen wand, dort wo er den Platz hatte, sich auszutoben. Der Wagen war für diesen Genuss vielleicht wirklich nicht der beste Ort.

Aber Leif jetzt aus seinen Händen entlassen?

Wo er doch so gut in der Hand lag!

So verlockend gut.

Er konnte sich einfach nicht von ihm lösen. Selbst wenn er gewollt hätte.

Und diese weichen Lippen!

Die streichelnden Hände.

„Hm, der geräumige Fahrstuhl, dann die große Badewanne … unser überdimensionales Kingsize Bett… und du willst dich hier in diesem engen Wagen austoben? Wo ich mir wieder den Kopf stoße, du dir die Knie am Armaturenbrett blau schlägst? Du stehst auf Schmerz, hm, Süßer?" Leif lachte und machte eine Bewegung, als ob er mit einer Peitsche hantierte.

„Soll ich Lack für dich tragen und dich an die Leine legen?"

„Leif, übertreib’s nicht. Ich drück dich in die Motorhaube, bis du das Blech wieder ausbeulen lassen musst", knurrte Viktor. Wieso musste Leif jetzt auch sein Becken so aufreizend kreisen lassen? Immer wieder über seinen heißen Schoß. Leif war einfach alles für ihn: Sein Engel, sein Teufel, sein Geliebter, sein Foltermeister!

Einfach alles.

„Das Ausbeulen bezahlst du dann, mein Lieber. Aber zum Ausgleich kann ich mich ja ein bisschen darum kümmern, dass deine Lederhose wieder etwas ausgebeult wird", lachte Leif und verstärkte seinen Druck auf Viktors sich erhärtenden Schoß. Dabei trank er das lustgetränkte Stöhnen wie Nektar.

Nur die Taschenlampe des Security-Mannes störte die traute Zweisamkeit. Auch wenn sie Darsteller waren, die sehr freizügig vor der Kamera posten, so stand Leif wirklich nicht darauf, hier wie knutschende Teenager erwischt zu werden und dann dank der Plaudertasche vom Wachschutz wieder eine Woche lang das Hauptthema beim Personal zu sein.

„Komm oben", lachte Leif und lenkte Viktors Kopf in Richtung des wandernden, suchenden Lichtstrahls, von dem er gern verschont werden würde.

„Darf ich auch im Fahrstuhl?", presste Viktor zwischen seinen zusammengedrückten Zähnen hervor. Man sah ihm an, dass er von dieser Störung alles andere als begeistert war. Aber er kannte auch Leifs Einstellung und so entließ er schweren Herzens seinen Verlobten, öffnete ihm die Tür und ließ ihn aussteigen.

Hastig richtete Leif seine Kleider: er schloss die Hose, zog die Weste zu Recht und wuschelte sich noch einmal durch die Haare, als auch Viktor sich aus dem Sportsitz schälte. Piepsend verriegelte sich der Wagen und sie wünschten freundlich einen 'Guten Morgen', als sie auf dem Weg zum Fahrstuhl dem Sicherheitsmann über den Weg liefen. Zum Glück war es hier etwas dunkler und man sah ihnen ihre wachsende Erregung nicht an. Nur ihre Stimmen waren lüstern beschlagen und ließen den Wachmann sich grinsend noch einmal umsehen.

Leifs Finger zitterten, als er die Kombination für den Direkt-Fahrstuhl zum Penthouse eingab und dann den Fingerabdruckscann über sich ergehen ließ. Ihm dauerte es einfach zu lange und Viktors Hand auf seinem Hintern machte es auch nicht leichter.

„Beeil dich, Leif. Sonst sind wir gleich die Hauptdarsteller auf den Überwachungsbändern." Viktors Stimme war heiser, nicht mehr nur belegt. Und als er sich von hinten an seinen Verlobten drängte und ihn seine wachsende Lust spüren ließ, lief ein erwartungsfreudiges Zittern durch Leifs Körper. Es war wie eine erlösende Offenbarung, als sich die Fahrstuhltüren öffneten und Viktor seinen Verlobten hastig in den hermetisch abgeschlossenen Raum schob. Hier gab es keine Kameras, keine Wachmänner und kein gaffendes Publikum. Hier gehörte ihm Leif ganz allein.

Leif spürte, wie er, dem Druck seines Lieblings folgend, gegen die Wand des Aufzugs geschoben wurde und seufzte verhalten. Fast war er versucht, es als befreit zu bezeichnen. Hier waren sie gänzlich unter sich und so ließ auch Leif jegliche Scham fallen. Neben ihrem schweren Atem war der Zipp des Reißverschlusses das einzige Geräusch in dem kleinen, quadratischen Raum und selbst der kühle Stahl auf seiner Brust konnte Leifs Erregung nicht mehr dämpfen.

Alles, was er noch wollte, war Viktor.

Seine Hände, seine Lippen, einfach alles.

„Mach doch. 35 Etagen dauern nicht ewig", brachte Leif brüchig hervor und sein heißer Atem ließ den Stahl beschlagen. Nervös nestelten seine Finger die eigene Hose auf, während sich Viktor fluchend daran versuchte, das hautenge Leder von seinen eigenen lauernden Hüften zu streifen.

„Shit. Vik, jetzt mach doch endlich", keuchte Leif lautlos, als sich die Kabine in Bewegung setzte. Er wusste selbst nicht, warum er auf einmal so ungehalten war. Aber Viktors Dominanz war alles, was Leifs Gedanken beherrschte. Verzweifelt drängte er sein Becken nach hinten, rieb sich so ungezügelt an seinem Verlobten und entlockte dem ein kehliges Stöhnen.

„Leif."

Mit zitternden Fingern griff der Schwarzhaarige aus der Hosentasche Gel und Kondome, die er eben aus dem Handschuhfach genommen hatte. Er konnte kaum noch geradeaus denken. Die Wut auf diese Typen, die es gewagt hatten, Leif zu nahe zu kommen und die devote Art, wie sein Verlobter sich ihm gerade zu aufdrängte, zerrissen ihn fast. Allein Leifs Anblick – das gerötete Gesicht, das an der Wand lehnte, die langen Finger, die nur für ihn die Schlucht der Lust teilten und so Viktor den Weg bereiteten.

„Komm schon." Leifs Stimme wurde immer tonloser. Heiser und kratzig erfüllte sie den engen Raum. Ihm zitterten die Knie vor Anspannung. Und Leif verstand selbst nicht, wie ihn allein die Vorfreude so weit treiben konnte.

Es war unglaublich!

Es war wie ein Zwang!

Ein Drang!

Er musste Viktor spüren, als hinge sein Leben davon ab!

Die Anspannung sensibilisierte seine Haut zusehends und so verkrampfte sich der große Leib, als ein feuchter Finger ihn mit Zuwendung bedachte. War das jetzt etwa Viktors Ernst? Wollte der wirklich noch mit diesem Blödsinn anfangen?

„Nimm deinen Schwanz, verdammt", zischte Leif ungehalten und war dabei, sich wütend umzuwenden. Doch dazu kam er nicht mehr, denn Viktor schob sich ungestüm in ihn, dass Leif der Atem stockte. Der Biss in den Nacken lenkte ihn zusätzlich ab.

„Oh ja", keuchte er ungehalten und ließ die Spannung aus seinem Leib fließen. Langsam glitt seine Wange über den nun warmen Stahl vor ihm. Die Finger bekamen die Haltestange zu fassen und so konnte Leif verhindern, dass er zu Boden sank.

Viktor indes hatte die Augen gänzlich geschlossen. Egal wie oft er in diese Hitze drang, es würde für ihn immer wieder ein atemberaubendes Erlebnis sein. Sein ungezügeltes Stöhnen mischte sich mit Leifs Keuchen und so puschten sie sich gegenseitig. Viktor gab seinem Verlobten nur das Minimum an Zeit, sich an ihn zu gewöhnen, denn kaum dass er ganz in dieser Hitze verborgen war, zog er sich stürmisch wieder zurück. Aber seine Hände an Leifs Hüften gaben seinem Verlobten noch etwas Halt. Immer wieder trieb er sich in die glühende Enge, stöhnte ungehalten, wenn Leif, um ihn zu quälen, seine Muskeln anspannte.

Die Finger des Blonden hatten schon lange den Weg in den eigenen Schoß gefunden und so reizte Leif sich noch zusätzlich. Sein eigener Rhythmus eilte Viktor immer etwas voraus und zog diesen so hinter sich her, ließ ihn immer schneller folgen.

„Mehr", forderte Leif. Das Vibrieren der Kabine bemerkte er schon lange nicht mehr. Denn sein eigener Leib zitterte und bebte. „Mach doch." Er erkannte seine bettelnde Stimme kaum noch wieder, taumelte am Abgrund und so flogen seine Finger nur noch über seinen glühenden Schaft. Die pulsierende Hitze in seinen Händen, das tobende Treiben in seinem Inneren, alles steigerte sich fast ins Unerträgliche. „Bitte, Vik, mach!"

Viktor konnte nicht abstreiten, dass ihn diese fordernde Stimme geradezu antrieb und es ihn anmachte, wie er seinen Verlobten ein weiteres mal vor sich, unter sich hatte!

Nur er!

Kein anderer!

Wie von Sinnen trieb er sich immer wieder in den heißen Leib, leckte unkoordiniert über den erhitzten Hals und biss auch immer wieder zu.

Gleich!

Leif war Wachs in Viktors Händen, er taumelte von einem Stoß zum nächsten, ihn erwartend, ihn erflehend. Er brauchte es einfach, konnte nicht ohne sein.

„Vik", keuchte der Blonde und spürte, dass es nun kein Zurück mehr gab. Seine Hände trieben und zogen wie von Sinnen. Er wusste kaum noch die Anspannung zu ertragen, als ein letzter, finaler Stoß ihn weit über die Klippe trieb und sich sein glühender Leib in seinem Höhepunkt wiegte.

Viktor folgte ihm, als ihn die heißen Wellen fast schmerzlich fesselten, ihn einkerkerten und massierten. Ein letztes Mal trieb er sich tief in den begehrlichen Leib seines Geliebten und schlug die Zähne in Leifs Schulter. Er hasste es zu schreien und kompensierte es so.

Dass sein Verlobter ihn für die Hämatome anmachen würde, war Viktor im Augenblick herzlich egal. Er hatte, was er wollte. Denn er war der einzige, der Leifs Körper dazu brachte, sich so zu bewegen. Aus seinen angespannten Bissen wurden sanfte Küsse, als er leise wisperte: „Wir sind da, Schatz."

Leif war die offene Fahrstuhltür gänzlich entgangen. Er war in seinem Höhepunkt so gefangen gewesen, dass er alles um sich herum ausgeblendet hatte – wirklich alles.

„Kann sein", murmelte er, als er langsam wieder Kraft in den Beinen spürte und sich aufrichtete. Über seine Schulter grinste er Viktor an, der gerade die letzten Spuren beseitigte, damit Michaela, die Putzfrau, nicht rot glühend die Überreste ihrer Lust beseitigen musste. Ihm selbst war es egal. Aber Leif mochte es nicht. Der war da schon etwas eigen. Aber deswegen wohl nicht minder liebenswert.

Nachlässig zog sich Leif die Hose wieder über die Hüften, machte sich aber nicht die Mühe, sie wieder zu schließen. Er hatte nicht vor, sie noch lange zu tragen.

Die ersten Schritte waren wie immer noch etwas unsicher. Egal wie oft er Sex hatte, wie oft er sich in seiner eigenen Ekstase gefangen wand, er würde sich wohl nie wirklich daran gewöhnen. Und das war auch gut so. Gewohnheit bedeutete Langeweile und die wollte er beim Sex nie empfinden. Solange ihn jeder Höhepunkt so mitnahm, war wohl alles im grünen Bereich.

Sich streckend trat er in sein zweigeschossiges Appartement, in dem seit zwei Jahren auch Viktor wohnte.

Sein Weg führte ihn als erstes in die Küche. Er war durstig und Hunger hatte er irgendwie auch. Die untere Etage wurde fast ausschließlich vom Wohnzimmer eingenommen, eine überdimensionale Glasfassade direkt vor ihm, die leicht schräg nach oben verlief, gab ihm einen wunderschönen Ausblick auf die niemals schlafende Stadt. Doch dafür hatte Leif kein Auge.

„Soll ich dir auch etwas aus der Küche ordern?", wollte er wissen. Ihm selbst war gerade nach Mozarella mit Tomaten und Basilikum, dazu ein leichter Weißwein.

„Bestell mir eine Lasagne." Viktor stand noch auf dem kleinen Absatz, der vom Fahrstuhl in den Raum führte. Er sah seinem Schatz nach, wie der in der weitläufigen Küche verschwand.

Wozu dieser Raum mit allen Raffinessen ausgestattet war, wusste er selber nicht. Weder er noch Leif konnten kochen. Sie hatten auch nur selten Zeit für derartiges. Es ging schneller, etwas aus der Hotelküche zu ordern oder Essen zu gehen. Zwar hatte beides seinen Preis, aber auf Geld mussten sie nun wirklich nicht achten. Topseller brachten regelmäßig Geld und da sie beide auch gern für ungewöhnliche Werbeaufnahmen herangezogen wurden oder Engagements bei anderen Filmen hatten, versiegte der Geldfluss aufs Konto eigentlich nie.

Leif stand vor dem großen Kühlschrank und griff sich eine große Flasche Wasser, während er das Haustelefon benutzte, um seine Bestellung aufzugeben. Morgens um eins Lasagne ordern zu können war wohl wirklich Luxus.

Von hinten schmiegte sich Viktor an seinen Freund. „Was ist nun, Süßer. Badewanne oder Bett." Seine Stimme war weich wie Samt und hüllte Leif gänzlich ein.

„Muss ich mich entscheiden? Oder schafft mein alter Mann auch beides?", lachte Leif, als er sich ein Glas Wasser einschenkte und sich gegen seinen Verlobten lehnte. Es war unerklärlich, aber je öfter sie es taten, umso mehr gierte Leif nach dieser innigen Nähe. Er würde sich am liebsten gar nicht mehr von Viktor lösen, ihn nur noch spüren.

„Und da behauptet jeder, ich wäre der Sexmaniac", entrüstete sich Viktor lachend und seine Finger griffen in die offene Hose seines Verlobten.

So entlockte er ihm ein wohliges Stöhnen und ein Kichern. „Ich wage zu bezweifeln, dass wir es noch bis ins Bad schaffen, mein Lieber." Leif legte seine Hände auf Viktors Handgelenke, um zu vermeiden, dass sein Geliebter sich einfach zurückzog. Er sollte bleiben, ihn verwöhnen, ihn wieder reizen und treiben, bis Leif nichts anderes mehr wahrnahm und bunte Punkte vor seinen Augen tanzten.

„Hier", forderte er heiser und deutete mit einer Hand auf die Arbeitsfläche neben dem freistehenden Herd, die, solange sie schon hier stand, noch nicht einmal einem anderen Verwendungszweck gedient hatte.

Wozu hatte er diese Küche einbauen lassen?

Alles was er ab und an nutzte war die Cocktail-Bar in der zweiten Etage. Er wusste ja nicht einmal, was in den Schränken drinnen war. Aber er hatte damit bis heute ganz gut überlebt. Und gerade jetzt wollte er sich darüber ganz bestimmt keine Gedanken machen. Viktor sollte alles ausfüllen, ihn einnehmen und besitzen.

„Nö!" Schlagartig zog sich Viktor zurück und amüsierte sich köstlich darüber, dass Leif etwas verwirrt vor ihm stand. Er setzte sich auf die Arbeitsplatte und schlang seine Beine um Leif, zog diesen so zu sich.

„Wie: 'Nö'!" Leif sah so süß aus, wenn er schmollte.

„Nur so: Nö. Wollte mal wieder dein dummes Gesicht sehen." Viktor lehnte sich etwas zurück und kam auf den Ellenbogen auf. Er sah seinen Verlobten aus schmalen Augen an. „Ich steh drauf, wenn du schmollst", lachte er und ließ es sich nicht nehmen, seinen entblößten Schritt zu präsentieren. Eine Hand griff sich Leifs offene Hose und zog sie tiefer. Seine Finger verflochten sich in die helle Scham. Er umfing Leifs Geschlecht mit zwei Fingern und ließ seinen Freund so genießend aufstöhnen.

„Quäl mich nicht!", knurrte Leif und ließ langsam den kühlen Inhalt seines Glases auf Viktors nackten Bauch fließen, genoss die Schauer, die durch den muskulösen Leib wanderten und die Muskeln im Bauch sich anspannen ließen. Er konnte nicht widerstehen und rieb seine Hände über die feuchte Haut. Zog jeden einzelnen Muskel nach. Runde um Runde zogen sie und blieben irgendwann auf den Leisten liegen. „So, so", flüsterte der Blonde. „Da stehst du also drauf."

Grob griff er sich Viktors Hüften und zog seinen Geliebten über den glatten Marmor, so dass sich sein Schritt fest gegen Leifs presste. Seine Lippen nutzten Viktors Überraschung und raubten ihm einen innigen Kuss. Seine Finger versuchten das störende Leder wieder über die schlanke Hüfte zu schieben, um Viktors Geschlecht ungestört genießen zu können – im wahrsten Sinne des Wortes. Denn zusammen mit dem störenden Leder ging auch Leif zu Boden und schlang seine Arme um seinen Geliebten.

„Du magst es, wenn ich schmolle? Wenn sich meine Lippen kräuseln?" Sanft küsste Leif den Schaft entlang, ließ seine Zunge die weiche Haut liebkosen.

„Wenn ich die Lippen fest aufeinander drücke?"

Er blies seinen Atem über die feuchte Haut und ließ Viktor erschauern. Es war selten, dass er sich verwöhnen ließ, aber heute schien er bereit zu sein, sich darauf einzulassen. Und Leif liebte es, zu geben.

„Sag schon: magst du meine Lippen?", wisperte der Blonde leise und biss ganz vorsichtig in den Schaft, ließ Viktor spüren, dass er ganz in den Händen seines Geliebten war. Er war der Spielball der Macht und wurde zum Spielball der Lust.

Viktor stöhnte unterdrückt. Er konnte nur nicken und er versuchte, seine Erregung noch nicht anklingen zu lassen. Leif hatte die Angewohnheit, ihn zu quälen und zu foltern. Sein Schatz war ab und an sadistisch veranlagt.

Und verdammt!

Der Kerl wusste, was er tat!

Sein Französisch ließ wirklich keine Wünsche offen.

„Leif!" Er versuchte streng zu klingen, doch seine Stimme war schon heiser schattiert.

„Was will mein Schöner, hm?" Leifs Kinn legte sich auf Viktors Geschlecht und seine blauen Augen sahen ihm amüsiert entgegen. „Sag's mir, Vik. Ich tu alles für dich, das weißt du." Sein Kinn rieb aufreizend und Viktors Finger krallten sich in das blonde Haar, um Leif zu bremsen. Sein Blick verschleierte sich schon und sein Foltermeister hatte gerade erst begonnen.

„Sag's mir, Süßer", wisperte Leif und küsste den Schaft von Viktors angehender Härte. Er liebte es, der alleinige Grund für Viktors Erregung zu sein. Mit ihm zu spielen, obwohl sein Verlobter es gar nicht mochte. Viktor war kein Spieler und doch war er nie befriedigter als nach einer Verwöhnkur seines Verlobten. Vielleicht war diese Weitsicht der Grund, warum Viktor keine Anstalten machte, die Führung an sich zu reißen, sondern sich in die festen Hände und heißen Lippen seines Folterers zu spielen.

„Nimm ihn in den Mund!", forderte Viktor heiser, auch wenn er jetzt schon wusste, dass Leif seiner brüchigen Anordnung nicht folgen würde. So versuchten seine Hände in Leifs Haar zu greifen, ihn zu lenken und zu leiten. Leif ließ es geschehen und senkte seine Nase tief in den schwarzen Schoß, leckte einmal die gesamte Härte entlang und hauchte einen verliebten Kuss auf die schon feucht glänzende Spitze. Nur einen Wimpernschlag lang senkten sich die Lippen tiefer, umschlossen Viktor wirklich und ließen ihn dann wieder allein.

„Mehr", krächzte Viktor aufgebracht und drückte Leifs Kopf wieder dichter.

Der konnte doch nicht einfach aufhören!

Und wie der konnte.

Mit einem sanften Lächeln wisperte Leif: „Wovon willst du mehr, Süßer? Wovon?" Wieder ließ er seine Nase den Schaft entlang streichen und spürte den Schauern nach.

„Verdammt, Leif. Hör auf zu spielen und blas mich oder du kannst drei Tage nicht mehr sitzen, wenn ich mit dir fertig bin!" Viktor war ungehalten und wurde deswegen auch von seinem schönen Foltermeister bestraft. Mit einem Finger schnickte Leif gegen die pulsierende Härte und Viktor stöhnte schmerzverzerrt auf. „Leif!"

„Was denn, Darling?", wisperte der Blonde süß und spielte an der Peniswurzel. Seine Hände machten sich an den prallen Hoden zu schaffen und trieben Viktor fast in den Wahnsinn.

„Verdammte Scheiße, Leif! Jetzt blas mir endlich einen oder ich vergesse mich gänzlich und vögle dich über die Spüle. Ich platze gleich. Nimm ihn in die Schnauze oder… ah!"

Viktor riss die Augen ungläubig auf und setzte sich etwas auf. Hatte sein angeblicher Geliebter wirklich gerade die weiche Haut am Schaft zwischen den Zähnen und rieb sie schmerzlich?

Und warum wollte er nicht, dass Leif mit dieser Tortur aufhörte? Warum wuchs selbst jetzt noch sein Verlangen?

„Deine Manieren lassen arg zu wünschen übrig, mein Lieber", tadelte Leif. Seine Ellenbogen lagen auf Viktors Schenkeln und er guckte frech an der glühenden Härte vorbei, bog sie sogar noch etwas zur Seite, um seinen Verlobten besser ansehen zu können. Viktor stöhnte nur und kippte hinten über. Da konnten selbst die weichen, sanften Hände auf seinen angespannten Bauchmuskeln nicht wirklich besänftigen.

Er war kurz davor, seine Drohung war zu machen und Leif wirklich bäuchlings gegen die Spüle zu drücken. Aber er wusste auch, dass Leif ihm so etwas immer übel nahm und sein Verlobter war wirklich nachtragend. So musste er wohl sein Schicksal erdulden und Leif spielen lassen. Und verdammt! Der Kerl verstand sein Werk, für Viktors Begriffe hatte der auf diversen Sets und von Profis schon viel zu viel gelernt!

Vielleicht war es wirklich nicht die schlechteste Idee, dass Leif sich langsam gänzlich aus den Filmen zurückziehen wollte! Vielleicht verlernte er dann ja die eine oder andere unfaire Liebelei wieder!

„Leif, ich flehe dich an!", knurrte er ungehalten. Sein Körper prickelte und das heiße Blut floss wie Lava durch seine Adern und setzte ihn gänzlich in Flammen. Seine Haut kribbelte. Seine Seele brannte. Und sein Foltermeister peitschte ihn mit sanften Händen unvermeidbar vorwärts. Einem feurigen Rappen gleich preschte er auf den Abgrund zu und konnte sich nicht bremsen. Alles rauschte nur noch an ihm vorbei – unaufhaltsam. Er nahm nichts mehr wahr. Sein glühender Atem flog aus seinen Lungen und trocknete die Lippen. Wie ein Orkan fegte sein Verlobter über ihn hinweg und hinterließ nur verbrannte Erde, verbrannte Haut und hunderte Feuer, die durch Viktor hindurch tobten.

Der Sprung über die Klippe kam einer Erleichterung gleich. Endlich! Er breitete seine Flügel aus und trieb in ungeahnte Höhen.

Ja!

Der erlösende Schrei war wie Befreiung.

Als Viktor wieder zu sich kam, gruben sich seine Hände schmerzlich in die Arbeitsplatte unter ihm und seine zitternden Knie lagen auf den Schultern seines frech grinsenden Leifs. Schwer atmend lag Viktor vor ihm und Leif küsste sanft den angespannten Bauch.

„Bild ich mir das nur ein? Oder wirst du von Mal zu Mal schneller? Keine Ausdauer, hm."

Viktor grinste nur schief. Na der Kerl hatte Nerven. Ihn erst treiben und treiben und dann noch seine Witze reißen.

„Gib mir fünf Minuten und man kann dich von hinten nicht mehr von einem Pavian unterscheiden." Noch immer flog sein Atem und er hatte Mühe, sich wieder zu fangen.

„Vik, du und deine leeren Versprechungen." Leif lachte, als er sich erhob. Denn die Glocke des Fahrstuhls teilte mit, dass die Küche bereit war, ihnen ihre Bestellung zu bringen. Lachend ging er aus der Küche und hörte nur, wie Viktor sich langsam erhob und ihm ins Wohnzimmer folgte.

Leif gab den Fahrstuhl frei und sah zu, wie sich Viktor auf die Lehne der Couch setzte. Dieses Sofa war eine Maßanfertigung auf Leifs Wunsch: schwarzes Leder, vier Meter lang, die Seiten liefen in Liegeflächen aus und die Sitzfläche war breiter als der Standard, kam einem Einzelbett gleich.

Diese Couch war Leifs Lieblingsstück und hatte wohl schon öfter herhalten müssen als das große Kingsize Bett nebenan im Schlafzimmer.

Ein leises 'Ping' erklang und ein junger Mann mit italienischen Touch schob einen Servierwagen vor sich her.

„Danke, Sergio." Leif lächelte und steckte dem Mann ein kleines Trinkgeld zu, bevor er wieder ging.

„Na, brauchst du Stärkung?", grinste er und schob den Wagen neben die Couch.

„Kleines Miststück." Viktor griff sich seinen Verlobten um die Hüften und zog ihn zu sich, bevor er sich nach hinten fallen ließ und auf der Sitzfläche zum Liegen kam.

Vergessen war der Hunger.

Nur der Hunger nach seinem Geliebten war unstillbar.