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IKEA Sonderposten - Teil 9 bis 12

09


„Manu, komm mal lecker bei mich bei. Der Pedder is’ was für dich am haben.“

Felix grinste hinter seinem Bildschirm, als seine Kollegin zusammenzuckte und gequält aufstöhnte. So ging das schon den ganzen Tag, seid alle wussten, dass Manu sich bei Ruhrpott- Slang schüttelte. Aber da musste sie wohl durch, weil ihre Kollegen einfach viel zu viel Spaß daran hatten. „Lass dich nicht ärgern“, meinte plötzlich Henning, der grinsend in der Tür stand. „Aber du solltest trotzdem rüber gehen. Lothar hat wirklich Arbeit für dich.“

„Ja genau, der Loddar ist am rufen dran", konnte sich Felix nicht verkneifen, noch hinterher zu rufen und musste sich doch allen Ernstes ducken, weil ein zusammengeknüllter A0-Plot auf ihn zu gesaust kam. Ein frecher Blick kam hinterher, dann war Manuela auch schon wieder im anderen Büro verschwunden. „Der versauen wir auch noch die Aussprache", kicherte Felix und widmete sich wieder seiner Aufgabe. Gero hatte ihn gebeten, zwei Rohrleitungen zu konstruieren, die in das System, das sie gerade bearbeiteten, eingepasst werden mussten. Das wollte er gewissenhaft machen, denn so wie sie zeichneten, wurde dann gebaut.

„Solange es nur die Aussprache ist, von mir aus.“ Henning kam zu Felix hinüber und schaute ihm über die Schulter. „Sieht gut aus“, lobte er die Arbeit und setzte sich auf die Schreibtischecke. „Du siehst müde aus? Ist es gestern lang geworden?“, fragte er, weil er nicht wusste, wie er sonst etwas über Ole erfahren konnte, denn dass die zwei den Abend miteinander verbracht hatten, war ihm klar.

„Ja, ein bisschen. Wir haben erst eingekauft, dann gekocht, den Tisch aufgebaut und dann waren wir noch auf einen Kakao und haben uns verquatscht. Die haben uns fast mit dem Besen von der Türschwelle geschoben", lachte Felix, als er daran zurück dachte. Aber es war trotzdem schön gewesen. Es war fast schade, dass Ole heute nicht so viel Zeit hatte und wenn, dann erst spät. Da lohnte es gar nicht, sich noch zu treffen.

„Ihr versteht euch anscheinend ja ziemlich gut. Es wundert mich nur, denn normalerweise brauchst du ja ein wenig, um mit jemandem warm zu werden.“ Das war noch nicht einmal gelogen. Hier in der Firma hatte es einige Zeit gedauert, bis Felix aufgetaut war. „Was ist an ihm anders, dass du dich mit ihm sofort gut verstanden hast?“

Felix hob eine Braue, weil er diese Frage nicht einordnen konnte und weil er nicht wusste, was jetzt die richtige und was die falsche Antwort war, sagte er: „Ole hat mich vor einem schmerzhaften Sturz von der Leiter bewahrt, mir ein Regal zusammengestellt, was richtig gut aussieht, und mir geholfen beim Aufbauen. Da kam man irgendwie ins Reden und eines ergab das andere." Und das war ja noch nicht einmal gelogen. Außerdem wusste Felix selbst nicht, was an Ole anders war - er war es einfach.

„Hm.“ Henning nickte. „Ja, da kann ich verstehen, warum du ihn magst.“ Eigentlich hatte er vorgehabt Felix darauf zu stupsen, warum Ole dies alles machte, aber ganz spontan entschied er sich um. Er wollte lieber noch etwas beobachten, was sich zwischen den beiden tat und so wie Felix guckte, fragte der sich sowieso schon, warum er das wissen wollte. „Ich hoffe, dass du Glück hast und er wirklich nur ein netter Kerl ist.“

Allerdings machte er mit diesem Satz Felix nur noch neugieriger. „Was meinst du damit? Dass er ein Perverser ist, der über mich her fällt?", fragte er, weil er diese Formulierung nicht einzuordnen wusste. Sicher war Ole ein netter Kerl, sich etwas anderes vorzustellen war schon verrückt. Gut, Felix gab ja zu, dass sie sich ziemlich schnell angefreundet hatten, aber so was sollte ja vorkommen.

Henning machte ein erschrockenes Gesicht und wedelte mit den Händen. „So hab ich das nicht gemeint. Ich will diesem Ole nichts unterstellen, aber man hat da schon viel gehört und es ist eben ungewöhnlich.“ Er hatte Felix nachdenklich machen wollen, aber er war wohl über das Ziel hinausgeschossen. „Denk nicht weiter nach, ich bin wohl etwas paranoid.“ Er grinste schief und zuckte mit den Schultern.

„Kann ja mal passieren", versuchte Felix neutral zu wirken, doch er wusste noch immer nicht, warum sich Henning plötzlich so für seinen neuen Freund interessierte. Doch ihm sollte es gleich sein. Er wollte eben noch was sagen, da kam Manuela wieder ins Büro und grinste schief.

„Ich hab Kopf", erklärte sie und ließ sich auf ihren Stuhl fallen. Lothar hatte sie mit Bergen von Papier eingedeckt, das sie nun auf ihrem Schreibtisch verteilte und anfing, da System hinein zu bringen, ehe sie die Unterlagen bearbeiten konnte. „Alles Büroschlampen", murmelte sie seufzend und lachte.

„Dann geh ich besser mal“, lachte Henning und stand auf. Er war ganz froh, gehen zu können, sonst redete er sich noch um Kopf und Kragen. Normalerweise passierte ihm so etwas nicht. Er dominierte Gespräche, das war seine Stärke, darum übernahm er schon seit Jahren die Firmengespräche. Aber sobald es um Ole ging, funktionierte das einfach nicht mehr. Es war zum aus der Haut fahren. Der Kerl hatte ihm auf den ersten Blick das Herz gebrochen, sie hatten zwei unglaubliche Jahre zusammen verbracht und von heute auf morgen verließ der Bastard nicht nur ihn, sondern das Land, meldete sich nicht und selbst jetzt, wo er zurück war, hielt er es nicht für nötig, sich bei Henning blicken zu lassen.

Ein lumpiger Zettel war alles, was Ole damals zurückgelassen hatte und noch immer wusste er nicht, wo der Kerl jetzt eigentlich wohnte.

Es war zum aus der Haut fahren!

Felix war die einzige Schnittstelle.

„Arme Manu", lachte Felix und schob ihr seine Naschbox rüber. „Wieder die volle Packung Pott?"

„Ich sag's dir. Meine Haare stehen immer noch zu Berge“, brummte sie und hob ihren Arm an, damit Felix es sehen konnte. Sie war aber gleich wieder versöhnt, als sie sich ein Weingummitier in den Mund steckte. Dabei beobachtete sie unauffällig Henning aus den Augenwinkeln, der durch das Büro zur Tür ging. Der Juniorchef gefiel ihr. Er hatte genau das richtige Alter für sie und sah ziemlich lecker aus. Allerdings war er bisher noch auf nichts angesprungen, was sie versucht hatte.

„Dann geh ma' Arzt", lachte Felix und zog gleich den Kopf ein, weil Manuela ihn giftig anguckte. „Nicht du auch noch. Ich gewöhn mir das schon selber an. Letztens am Telefon sagte ich doch glatt zu meiner Mutter, ich müsse noch nach IKEA - NACH IKEA. Das tut doch beim Sprechen weh!" Gespielt theatralisch sank ihr Kopf auf den Tisch und Felix konnte nicht anders, er musste wieder lachen. Manu war schon eine Marke. Sie war ein bisschen Mädchen für alles, wurde in die Abläufe eingearbeitet und kam eigentlich aus einer anderen Ecke Deutschlands.

„Ach, irgendwann merkst du das gar nicht mehr. Man stumpft ab und passt sich an.“ Felix kicherte, als er nur ein frustriertes Stöhnen von der Tischplatte hörte und als vor seinen Augen ein Stinkefinger auftauchte, musste er lachen. Es war doch immer schön, wenn man jemanden hatte, den man ärgern konnte und Manu sprang wirklich perfekt darauf an. Immer wieder aufs Neue. Sie versuchte noch ab und an, die deutsche Grammatik im Hause hoffähig zu machen, doch es hatte nicht viel Erfolg gebracht. Nicht weil ihre Kollegen es nicht konnten. Ganz im Gegenteil, ihre Schreiben, die das Haus verließen, waren allesamt makellos. Sie hatten eben ihre Freude an ihrem Leid.

„Auch das ist Mobbing", knurrte sie und hielt die Hand auf. Felix wusste schon, dass blöde Sprüche was kosteten: 4 Gummitiere, vorzugsweise orangefarbene, die mochte Manuela nämlich am liebsten. Dabei linste sie unter ihrem schwarzen Pony durch und ihr rundes Gesicht war rot vom kichern.

Die Zahlungsmittel wechselten den Besitzer und nachdem alle Tiere ihre Bestimmung gefunden hatten, sah Manu sich um und beugte sich näher zu Felix. „Du sag mal, weißt du, ob unser Junior ’ne Freundin hat?“, fragte sie leise, fast schon wispernd, damit niemand in den anderen Büros sie hören konnte.

„Nee, das weiß ich nun wirklich nicht. Würde mich allerdings wundern, wenn solch ein Kerl solo wäre", musste er zugeben und erinnerte sich daran, dass er das über Ole ja auch gedacht hatte und eines Besseren belehrt worden war. „Aber der erste Eindruck kann täuschen", schob er also gleich hinterher, weil Manu so komisch guckte. „Außerdem ist der doch nur für die Firma unterwegs. Wenn, dann muss sie echt tolerant sein."

„Aber er ist so schnuffig“, seufzte Manu und stützte den Kopf auf ihre Hand. „Solange er abends Zuhause ist und nur für mich da wäre, würde mich das nicht wirklich stören. Der Mann ist einfach Zucker, da kann man doch gar nicht anders, als froh zu sein, dass man ihn hat.“ Manu kam ins Schwärmen. Sie stand nun einmal auf Typen wie Henning. Lange, schwarze Haare, im Anzug eine gute Figur machend und ein Gesicht von klassischer Schönheit. Dass er ausreichend Geld hatte, sich herzurichten und immer perfekt aussah, tat wohl sein übriges.

„Na ja, da kann ich jetzt ja nicht so mitreden", lachte Felix, denn das war nicht sein Jagdgebiet. Nichts gegen schwarzhaarige Schönheiten, aber wenn die mehr in der Hose hatten als er und dazu noch zwei Köpfe größer waren, war das nicht seine Liga. „Ich gönn ihn dir von Herzen."

„Dein Wort in Gottes Gehörgang“, seufzte Manu und machte ein deprimiertes Gesicht. Henning beachtete sie gar nicht. Das hieß nicht, dass er unhöflich war, aber er wechselte kein privates Wort mit ihr. Sie war schon ein bisschen neidisch auf Felix, denn in letzter Zeit hockte ihr Schwarm oft bei dem herum und sie unterhielten sich. „Oder glaubst du, der steht gar nicht auf Frauen?“, meinte sie plötzlich und machte große Augen. Das war ihr gerade so eingefallen.

„Hö?", machte Felix ziemlich unintelligent, denn der Wechsel war ihm doch etwas zu flink gegangen. „Weiß ich nicht", sagte er irgendwann und zuckte die Schultern. „Ich habe ihn ja noch nie privat getroffen und einschätzen kann ich ihn auch nicht." Er wusste am besten, dass man den Meisten nicht ansah, was sie bevorzugten. Es gab Männer, bei denen Felix Bein und Stein geschworen hätte, dass sie die idealen Bottom wären und die hatten Mädels an der Hand. Anders herum gab es Typen, denen er im Leben nicht zugetraut hätte, dass sie auf Männer stehen. So war das Leben eben.

„Hmm, aber ihr hockt seit neuestem ziemlich oft zusammen“, meinte sie eigentlich mehr für sich. „Und dann hat er dir noch das Du angeboten.“ Sie war ein wenig neidisch, denn bei ihr hatte er das noch nicht gemacht. Gut, sie war noch nicht so lange in der Firma, aber bisher beachtete Henning sie kaum.

„Ich glaube, das lag daran, dass ich den einen Tag meinen Bus verpasst habe", sagte Felix, denn damit hatte alles angefangen. Er erzählte kurz von seinem Umzug und den Möbeln, von der Lieferung und von dem Bus, von dem er nur noch die Rückleuchten gesehen hatte. „Und weil er sich verantwortlich gefühlt hat, hat er mich gefahren und wir sind ins Reden gekommen. War alles mehr Zufall." Zumindest wollte Felix das glauben, denn die Vorstellung, dass Henning was von ihm wollen könnte, war ihm unangenehm.

„Ist ja krass, was hier alles an mir vorbei geht. Du weißt schon, dass das nicht in Ordnung ist, wenn ich nicht über alles genauestens informiert bin?“, lachte Manu und sah Felix strafend an. „Wenn du das gleich gesagt hättest, wäre ich nicht auf so merkwürdige Ideen gekommen. Ich hoffe, das war dir eine Lehre.“ Grinsend hielt sie die Hand auf, denn das musste gesühnt werden. „Und jetzt beschreib mir deinen Wikinger noch einmal ganz genau.“

„Wikinger?", fragte Felix etwas irritiert, doch als er im Kopf zurückspulte fiel ihm auf, welchen Anteil seiner Erzählzeit er auf Ole verwendet hatte. Das war fast peinlich, da musste man ja die falschen Gedanken bekommen! Doch er suchte noch ein paar Gummitiere mit Orangengeschmack aus seiner Box und bezahlte damit den Ablass für seine begangene Sünde der Des-Information.

„Na ja, viel gibt es über Ole nicht zu sagen - und dann wieder doch. Er ist nett und groß. Unglaublich groß. Er muss den Kopf einziehen, wenn er durch meine Türen will. Kochen kann er wie meine Mama und ein Auge für Ästhetik hat er auch." Und schon beschrieb Felix im Detail die Bestückung des Tisches.

„Groß, blond, blauäugig, muskulös und gut aussehend mit Geschmack“, resümierte Manu und ihre Augen leuchteten. So einer konnte ihr auch gefallen. „Das ist doch frustrierend“, murmelte sie leise. „Du lernst ständig tolle Männer kennen, und ich? Das ist doch ungerecht, du kannst doch gar nichts mit denen anfangen.“

„Ich kann doch mit ihnen befreundet sein", protestierte Felix, weil das gerade so klang, als ließe sich alles Zwischenmenschliche nur auf eine feste Bindung oder Sex reduzieren. „Ole ist auch gerade bekennender Single und so verbringen wir unser Single Leben eben ein bisschen zusammen.“ Was er nicht bemerkte, war Henning, der langsam an der Tür vorbei Richtung Kaffeeküche ging.

Er blieb außerhalb der Sichtweite stehen und lauschte. Das war zwar nicht die feine Art, aber es ging schließlich um Ole, den Mann, der ihn vor einem Jahr verlassen hatte und den er unbedingt zurückhaben wollte. Noch immer verglich er jeden Mann, den er traf, mit ihm und alle kamen nicht gut weg. Ole war eben einzigartig. Nicht nur, was Größe und Aussehen betraf.

„Am Sonntag wollen wir in eine Ausstellung und anschließend noch zu ihm. Er will noch ein paar schwedische Sachen für mich kochen", erzählte Felix weiter und widmete sich nebenbei wieder seiner Arbeit, die machte sich schließlich nicht von alleine. „Und gestern Abend waren wir noch auf einen Kakao und alle dachten, ich wäre seine Freundin. Das war vielleicht doof!", knurrte er leise.

Wahrscheinlich hätte er das nicht gesagt, wenn er gewusst hätte, was er damit in Henning anrichtete. Es tat weh, dass Felix das bekam, was er begehrte und der es noch nicht einmal haben wollte. Ole anscheinend schon, denn die IKEA-Masche hatte er bei ihm auch durchgezogen und irgendwann Henning gestanden, dass er das gemacht hatte, weil er ihn unbedingt wieder sehen wollte. Es hatte ziemlich schnell zwischen ihnen gefunkt und sie waren schließlich zwei Jahre glücklich.

Und dann war Ole einfach verschwunden.

Henning packte seine Tasse fester und biss die Zähne zusammen. Er spürte jedes Mal aufs Neue Wut, wenn er sich daran erinnerte, wie er nach einer Dienstreise in die Wohnung gekommen war und Ole war weg gewesen. Er hatte seine Fotos aus der Fotokiste genommen, seine Klamotten aus den Schränken. Er hatte dafür gesorgt, dass außer einem Zettel keine Erinnerung an ihn geblieben war.

„Und Weihnachten will Ole nach Schweden. Da würde ich auch mal hin. Die haben da Elche!" Felix kam ins Schwärmen.

„Elche? Ich weiß nicht. Was ist an denen denn toll? Die sind groß und struppig.“ Manu konnte Felix' Begeisterung nicht nachvollziehen, genauso wie Henning. Ihn hatte nichts an dem Land interessiert, aus dem Ole kam. Weder die Landschaft, noch das Essen oder die Tiere. War das einer der Gründe gewesen, warum Ole ihn verlassen hatte?

„Bist du noch zu retten? Elche sind die tollsten Tiere, die es gibt. Scheiß auf Köter, scheiß auf Katzen - Elche sind die wahren Helden. Mit den tollen Ohren und den großen Schnauzen, die schönen Augen und die langen, staksigen Beine." Felix redete hastig und gestikulierte wild mit allem, was er hatte. Er imitierte die Ohren, das Geweih, zeigte seine dünnen Beine. „Wie kann man Elche nicht lieben?" Verständnislos schüttelte er den Kopf.

„Uah, nich’ hauen!“, lachte Manu und hob gespielt ängstlich die Arme über den Kopf. „Na, wenn du die so gerne hast, warum fährst du dann nicht mit deinem Ole mit? Wenn der so nett ist und ihr euch so gut versteht, dann wird das doch kein Problem sein.“ Manu meinte das als Scherz, weil sie Felix ein wenig ärgern wollte. „Oder lass dir so einen Elch mitbringen.“

„Wo soll ich den denn hin tun? Ins Wohnzimmer?", murmelte Felix, als er merkte, dass er gerade ein wenig auf den Arm genommen werden sollte. „Außerdem ist das nicht mein Ole. Das klingt ja gerade so, als wären wir ein Paar. Sind wir aber nicht. Nicht dass ich was gegen Schwule hätte, meine besten Freunde sind es. Aber ich bin eigentlich auf der Suche nach einer Freundin", wollte er endlich einmal klar stellen, denn er hatte irgendwie das Gefühl, in eine Ecke gedrückt zu werden, wo er nicht hin gehörte.

„Ach, Süßer, das weiß ich doch. Ich wollte dich doch nur ein wenig ärgern.“ Manu lachte, weil sie es immer wieder schaffte, Felix zu ärgern. Darum arbeitete sie auch so gerne mit ihm zusammen. Erst war sie ja etwas skeptisch gewesen mit dem Azubi in ein Büro zu müssen, aber jetzt war sie richtig froh, denn bei ihnen hörte man definitiv das meiste Lachen.

„Ja, so wie immer", grinste Felix schief und schob seine Naschbox weg. Wer so etwas mit ihm machte, der durfte doch nicht noch belohnt werden. „Lernt euch leise!" Jetzt war Manuela dran, noch eine kleine Packung zu bekommen, denn Felix ärgerte man nicht ungestraft. „Und bring der Janna noch die Zeichnung rüber, die auf dem Drucker liegt. Die ist nämlich ihr seins. Die will sie für zum anne Wand hängen."

„Felix, nicht du auch noch“, seufzte Manu und machte ein gequältes Gesicht. Irgendwie schaffte sie es nie, Sieger zu sein. Aber das war nicht schlimm, ihr war es wichtiger, dass sie Spaß hatte und sich wohl fühlte. „Ich mach ja schon“, maulte sie leise und nahm sich die Zeichnung, damit sie die ihrer Kollegin geben konnte und Felix zeigte sich selbst beide Daumen hoch. Doch dann widmete er sich wieder seinen Rohrleitungen, denn er hatte nicht ewig Zeit dafür. Und wenn er Jan und Mario noch verköstigen wollte, wenn die aus der Uni kamen, dann sollte er hier pünktlich raus kommen und unterwegs Futter besorgen, am besten von Kemal, das mochten sie.


10



Es war eine absolute Punktlandung, die Felix hinlegte. Er stand gerade vor seiner Haustür, als er das typische Geräusch von Jans Auto hörte. Jan winkte ihm zu, als er ihn dort stehen sah und parkte. „Hey, Mauseplautz“, wurde er begrüßt und dann kräftig gedrückt. Schließlich hatten sie sich ein paar Tage nicht gesehen und das war ungewöhnlich. Dass das Essen bei dem ganzen Geknuddel nicht auf den Boden fiel und vielleicht noch schmutzig wurde, verhinderte Mario, indem er sich spontan die typischen Tüten aus seinem Lieblingsimbiss griff und damit durchbrennen wollte. Doch als er Felix protestieren hörte und in Jans Armen zappeln sah, musste er lachen. Aufgeflogen kam er zurück und begrüßte den Kurzen erst einmal, ehe sie gemeinsam nach oben gingen, denn das nasskalte Wetter kroch in die Klamotten. Es war grau in grau und kein bisschen wie kurz vor dem zweiten Advent.

„Ey, ist ja schon alles fertig“, rief Jan perplex, als er ins Wohnzimmer kam und es vollkommen eingerichtet vorfand. Schnell lief er zu Felix und besah ihn sich ganz genau. Wenn sein Freund die Regale alleine aufgebaut hatte, dann musste der verletzt sein. „Da haben wir ja gar nichts mehr zu tun oder sind da noch ein paar Kartons?“ Er stellte sich neben Mario, damit der sich nicht wieder das ganze Essen griff.

„Nö", grinste Felix frech und poste ein bisschen hin und her, um seine Muskeln spielen zu lachen. „War doch ein Klacks." Er hängte die Jacke weg, verteilte dicke Socken und drehte die Heizung höher, wie jeden Abend, wenn er nach Hause kam. „Setzt euch, das fällt euch schon nicht auf den Kopf", erklärte Felix. Mittlerweile hatte er schon begonnen, das Regal zu füllen und zerrte die nächste Kiste heran, deren Inhalt ebenfalls im Billy verstaut werden musste. Aber nicht jetzt, jetzt genoss er die dummen Gesichter.

„Na, ich weiß ja nicht, wenn du das zusammengedengelt hast.“ Mario blieb trotz Felix' Beteuerung skeptisch und setzte sich lieber so, dass er nicht getroffen wurde, wenn eins der Regale zusammenbrach. „Nee, jetzt aber mal ehrlich, Mauseplautz. Du hast keinerlei Verletzungen. Wer hat das gebaut? Du ganz sicher nicht“, fragte nun Jan neugierig und stieß Felix an. Der konnte ihm viel erzählen, aber glauben musste er das nicht.

„Das da habe ich sehr wohl fast ganz alleine gebaut!", erklärte Felix pikiert und zeigte auf ein kleines Element am Rande der Kombination. Da hatte Ole nur gehalten und Anweisungen gegeben. „Den Rest hat Ole gebaut", gab er dann aber doch zu, weil Jan nicht aufhörte, ihm mit dem Ellenbogen in die Seite zu pieksen.

„Aha, wusste ich's doch“, triumphierte Jan und machte ein zufriedenes Gesicht.

„Was läuft denn da mit deinem IKEA-Sklaven? So weit ich weiß, sollten wir deine Regale aufbauen“, nuschelte Mario mit vollem Mund. So einen leckeren Döner sollte man genießen, so lange er noch heiß war.

„Man, dann gib uns auch jedem einen!", knurrte Felix und wie immer, wenn er Döner aß, holte er sich einen Teller und sein Besteck, bestehend aus einer spitzen Gabel und einem Steakmesser, denn er hasste es, wenn sich sein Essen gleichmäßig auf Gesicht und Klamotten verteilte. „Außerdem ist Ole nicht mein Sklave. Er stand an dem Tag, als die Lieferung kam, mit vor der Tür, weil er das wollte. Nicht mehr und nicht weniger." Noch war er nicht bereit, zu viel Preis zu geben. Wer wusste schon, was die beiden daraus konstruierten?

„Er stand vor der Tür, weil er das wollte?“, wiederholte Jan gedehnt und wechselte einen Blick mit Mario, der sich darüber auch so seine Gedanken machte. „Und warum bitte schön hat dann keiner unsere Couch zusammengeschraubt, als die geliefert wurde?“, fragte er provokativ, weil er mehr darüber erfahren wollte. Eigentlich hatte er ja den Verdacht, Ole wollte was von Felix, ad Akta gelegt, aber so langsam fand er, dass das etwas vorschnell gewesen war.

„Weil zwei trainierte Brocken wie ihr selber schrauben können und so eine Hand voll Ungeschick wie ich, jemanden braucht, der darauf aufpasst, dass er nicht kaputt geht, so!" Er streckte Jan die Zunge raus und schnitt sich das erste Stückchen von seinem Döner, wie üblich unter Marios Protesten, wie man derart gutes Essen nur so entweihen könnte.

„Blasphemie!", murmelte er und biss wieder herzhaft zu. Und das ohne zu kleckern, bewundernswert.

„Aha“, war alles, was Jan sagte. Das musste er erst einmal überdenken. Das konnte er besser, wenn er etwas im Bauch hatte, darum tat er es seinem Schatz gleich und biss in seinen Döner. „Das war nett von ihm. Ist für ihn ja auch ein Klacks. Ist ja sein Job, irgendwie“, grinste er und hoffte, dass er somit aus Felix noch etwas herausquetschen konnte.

„Ging ziemlich fix und dann haben wir Pizza bestellt und ’nen Film geguckt", nuschelte der Kurze und kaute zufrieden den nächsten Bissen herunter. Dass seine Freunde ihn so lauernd anguckten, gefiel ihm gar nicht. Was sollte das denn? Noch einen Happs, dann noch einen - doch dann hielt Felix es nicht mehr aus. „Was?", wollte er also wissen und stellte den Teller auf seinen neuen dekorativen Tisch.

„Es ist halt ungewöhnlich, dass du dich auf Anhieb so gut mit jemandem verstehst. Wir sind einfach neugierig.“ Jan wuschelte Felix durch die Haare – nachdem er sich vorher die Hände abgewischt hatte. Den Affentanz brauchte er nicht erneut, als er das einmal nicht gemacht hatte. „Trefft ihr euch immer noch oder hat er die Regale zusammengebaut und das war's?“

„Man!" Genervt richtete sich Felix die Haare. „Ole hat auch diesen Drang. Was habt ihr alle mit meinen Haaren?", knurrte er und zerrte sich ein Kissen zu sich, um es sich auf dem Boden bequemer zu machen. „Gestern hatte er frei und hatte noch nach einem Tisch für mich geguckt, weil ich ihm erzählt hatte, dass ich so was noch suche. Er hat preiswert einen gesehen, gekauft und ihn mir gebracht." Wenn er jetzt noch anfing zu erzählen, wie sie einkaufen waren und zusammen gekocht hatten, dann wusste er ganz genau, was er sich gleich für blöde Witze anhören durfte, also behielt er das für sich.

Erst jetzt fiel Jan auf, dass der Tisch auch neu war. Er schob die leeren Tüten etwas beiseite und besah sich das gute Stück. „Der Junge ist wohl richtig nützlich.“ Er nickte anerkennend und widmete sich wieder seinem Essen, allerdings war davon nicht mehr viel da und er hatte immer noch Hunger. Genauso wie Mario, der seinen Döner schon vernichtet hatte und auf Beutesuche in die Küche tigerte. Sie hörten wie der Kühlschrank aufgemacht wurde und leises Klappern.

„Was ist denn das in der Tupperdose? Sieht komisch aus. Kann ich das haben?“, rief Mario auch schon.

„Nein!", schrie Felix und schoss hoch, verhedderte sich mit seinen Beinen ineinander und fiel auf die Nase. So robbte er einen Meter, kam in der Bewegung auf alle Viere und als er im Flur war, hatte er sich endlich erhoben und konnte es gerade noch vermeiden, mit dem Kopf gegen die Eingangstür zu donnern. „Pack das wieder rein, das ist nur für mich. Das hat Ole gestern gekocht. Das teile ich nicht!", sagte er ohne nachzudenken, als er endlich die Küche erreicht hatte.

Erschrocken stellte Mario die Dose wieder weg und sah seinen Freund mit großen Augen an. „Okay“, sagte er nur und hatte sich wieder gefangen. „Was ist das denn? Hat 'ne merkwürdige Farbe. Aber wenn du es so verteidigst, muss es lecker sein.“ Während er das sagte, wühlte er schon wieder im Kühlschrank, fand aber nichts weiter. Darum guckte er in das Gefrierfach und holte triumphierend eine Packung Eis heraus. „Erste Liebe? Das kenn ich gar nicht.“

"Erste Liebe?", murmelte Felix und schob die Tupperdose mit seinem Leckerchen noch einmal besonders tief zurück in den Kühlschrank. "Ole hat gestern noch Eis eingepackt, aber wir haben das nicht mehr geschafft, weil wir Rand voll waren mit Kartoffelauflauf und rote-Beete-Hacksteaks." Er guckte auf die Packung und dann kam der nächste Schock, als Felix bewusst wurde, dass Mario das nicht nur angucken wollte - er wollte seinen Löffel in die jungfräuliche Eiscreme schlagen!

„Jan, hol das verfressene Vieh hier weg. Der will mein Eis essen, was ich mit Ole essen wollte. Ich koch Nudeln, aber nimm ihm mein Ole-Essen weg!" Felix bekam langsam Panik und hüpfte um Mario herum.

Darum war Jan auch einen Herzschlag später in der Küche. So vehement hatte Felix noch nie Essen verteidigt. Langsam wurde ihm das alles unheimlich. Die Zwei kannten sich doch grade einmal ein paar Tage und Felix hatte sich bisher nie so benommen. „Zeig mal her.“ Er nahm Mario das Eis aus der Hand und verstaute es wieder, damit es nicht schmolz. „Okay, was ist hier los? Was hat Ole mit dir gemacht, dass du dich so anders verhältst?“

„Was soll der Scheiß denn jetzt? Wie benehme ich mich denn? Ich will doch nur die Sachen, die ich für Ole und mich gekauft hatte, auch mit ihm zusammen essen. Mehr nicht. Gegen Hunger ist Eis doch sowieso Mist. Also mach ich jetzt einen großen Topf Nudeln. Die Soße hab ich schon fertig im Kühlschrank!" Felix redete hastig vor sich hin und steckte schon wieder halb im Küchenschrank, um einen großen Topf zu suchen, in den ordentlich was rein passte. „Außerdem hat Ole gar nichts mit mir gemacht. Wir haben viele Gemeinsamkeiten und haben uns angefreundet. Er ist Single und nicht auf der Suche, ich bin Single. Da kann man doch gemeinsam ein bisschen Single sein. Mehr nicht. Ich steh nicht auf Männer, das wisst ihr so gut wie ich!" Felix redete und redete und Jan wusste genau, dass Mauseplautz das nur tat, wenn er nervös war.

„Ja, das wissen wir, aber weißt du das gerade auch?“, murmelte Mario und half Felix, indem er den großen Topf mit Wasser füllte. Jan hatte schon Recht, ihr Freund benahm sich anders und das hatte jedes Mal etwas mit Ole zu tun. „Erzähl doch mal was über ihn. Wie alt ist er zum Beispiel? Was macht er sonst noch so, wenn er nicht deine Möbel zusammenbaut?“ Jan wollte Felix' Redseligkeit ein wenig ausnutzen, solange sie noch anhielt. „Und warum kauft er für euch ein Eis, das erste Liebe heißt?“

„Meine Güte, Jan! Ist doch Scheiß egal, was auf der Packung steht. Es ging doch nur um die Geschmacksrichtung, das war alles." Felix schüttelte den Kopf. Er konnte nicht verstehen, wie man auf solchen Kleinigkeiten herum reiten konnte und zwar dermaßen intensiv. „Außerdem fotografiert und reist er gern, ist 27 Jahre und ist erst seit kurzem wieder in der Stadt. Er war ein Jahr in Schweden, wo er auch her kommt und seine Familie lebt und er fährt gern nach Hause." Felix lehnte an der Wand, die Arme wie zum Schutz um sich geschlungen und sah Jan forschend an. Was sollte das alles?

„Er fotografiert gerne? Cool!“ Jan ging absichtlich auf die anderen Antworten nicht ein, denn Felix wurde langsam genervt und dann machte der immer dicht und man bekam gar nichts mehr aus ihm heraus. Allerdings wurde alles gespeichert, so dass man nach und nach Fragen dazu stellen konnte. Noch besser wäre es, wenn er Ole ausquetschen konnte, aber der war ja nicht greifbar.

„Ja, macht er. Habe aber noch nichts gesehen. Ich kann ihn ja Sonntag nach ein paar Bildern fragen, falls du Interesse hast", bot Felix an und huschte zum Kühlschrank, um die Hackfleischsoße langsam in der Mikrowelle aufwärmen zu lassen, während die Nudeln ihr wohl verdientes Bad im Sprudelwasser nahmen. Sich abzulenken war nicht das schlechteste. Seine Freunde machten ihn nämlich richtig nervös.

„Das wäre toll, wenn du das machen würdest. Wäre doch mal schön, sich mit jemandem auszutauschen, der nicht nur Schnappschüsse macht.“ Jan hatte sich an den Kühlschrank gelehnt und beobachtete Felix. Der gute Herr Mauseplautz wirkte nervös und das brachte ihn zu dem Schluss, dass Felix ihnen etwas verheimlichte. Mario war wohl der gleichen Meinung, denn er sah nachdenklich auf den auf einmal wieder hyperaktiven Felix, der geschäftig Essen zubereitete. Schließlich musste er seine Leckerchen verteidigen und dafür Ausgleich schaffen.

„Okay, ich sag's ihm", sagte Felix und starrte auf die Mikrowelle, in der sich gerade die Dose mit der Tomantensoße lustig im Kreis drehte. Er ging absichtlich den bohrenden Blicken seiner Freunde aus dem Weg, denn er wusste nicht, was sie bedeuteten und deswegen fühlte er sich unbehaglich.

„Wenn ihr euch öfter trefft, können wir ja mal was gemeinsam unternehmen. Weihnachtsmarkt, oder so. Da kann man auch tolle Fotos machen.“ Jan ließ es nun dabei bewenden. Sie wollten zusammen einen schönen Abend verbringen und nicht Felix verunsichern. „Nudeln sind fertig“, rief er laut und wie erwartet war Mario gleich auf dem Plan und übernahm es, die Nudeln abzugießen.

„Ich kann ihn ja mal fragen, ob er auf so was Lust hat. Ich kann doch nicht über seinen Kopf hinweg Entscheidungen treffen", sagte Felix und fühlte sich irgendwie merkwürdig, ohne dass er festmachen konnte, woran das eigentlich lag. Um sich abzulenken, suchte er aus seinen Schränken und den letzten Kisten, die noch herum standen, Teller und Besteck und machte kurz das Fenster auf, weil Mario mit den Nudeln einen saunaähnlichen Zustand in der Küche erzeugt hatte.

„Ja sicher, sollst du ja auch gar nicht. Wenn er Lust hat gut und wenn nicht, ist das eben so.“ Jan gab die Teller an Mario weiter, damit er sie füllen konnte. „Was machen wir denn nun mit unserem unerwartet arbeitsfreien Abend? Film gucken und abhängen?“ Dagegen hatte er nichts, denn ihre Woche war mit Uni, Training und Arbeit ziemlich stressig.

„Klar, warum nicht? Ich habe Axel letztens was aus den Rippen geleiert. Den dritten Teil von der Mumie, wenn ihr Bock habt?" Er selber liebte die Reihe und die ersten beiden Filme kannte er auswendig. Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte Imhotep überlebt, aber leider hatte ihn ja keiner gefragt. Nun war er auf den neuen Film und die neue Mumie total gespannt.

„Von wem hast du eigentlich die Shaun das Schaf DVDs?", wollte Mario wissen. Er hatte sie vorhin nur aus dem Augenwinkel neben dem Fernseher liegen sehen und lachte, weil Felix sich ertappt fühlte.

„Von Tina, zum Einzug!"

„Shaun?“ Jan wurde hellhörig und seine Augen strahlten. Er liebte das Schaf und musste sich deswegen oft von seinem Schatz aufziehen lassen. Denn sonntags wurde regelmäßig um halb zwölf die Sendung mit der Maus geguckt. Darum war es auch nicht verwunderlich, dass Jan gleich neben dem Stapel hockte und entzückt murmelte, wenn er etwas fand, das er noch nicht kannte.

„Selber schuld", flötete Felix Mario zu, der mit seinem Teller voll Nudeln etwas verloren in der Küche herum stand. „Du konntest ja deine Klappe nicht halten, jetzt ist dir hoffentlich auch bewusst, womit wir die nächsten drei Stunden unsere Zeit verbringen werden." Felix wirkte sichtlich zufrieden, er konnte sich über die vollkommen durchgeknallte Herde auch amüsieren und würde sich bestimmt nicht dagegen wehren, zusammen mit Jan einen "wir lieben Shaun" Abend zu machen. Vielleicht kramte er auch noch sein T-Shirt heraus, was er ebenfalls von Tina bekommen hatte. Mario konnte sich ja so lange mit Motti bespaßen.

Mario zuckte die Schultern und beugte sich grinsend zu Felix hinüber. „Ich mag das bekloppte Viech auch, aber das verrate ich Jan nicht, denn dann sieht er nicht mehr ein, mich jeden Sonntag zu beschmusen, damit er das sehen darf“, flüsterte er leise. „Also nicht wundern, wenn ich ein wenig moppere.“ Seine Augen blitzten schalkhaft, als er laut rief: „Och nö, Schatz. Muss das sein?“

„Hinterlistiger Kerl", lachte Felix und musste zugeben, dass es da jemand faustdick hinter den Ohren hatte.

„Ja - muss es!", erklärte Jan und kam mit leuchtenden Augen zurück, in der Hand sämtliche DVDs, die er hatte finden können und hielt sie Mario unter die Nase. „Guck doch mal, da ist Schnarchalarm und Gemüsefußball und da!", er präsentierte noch eine DVD, „da ist Waschtag. Das ist sooo cool!" Und schon war er wieder weg. Dass er eigentlich noch Hunger gehabt hatte, war völlig vergessen worden.

„Er wird sich extra ins Zeug legen“, grinste Mario. Er klopfte Felix auf die Schulter und zog ihn mit sich ins Wohnzimmer, wo Jan schon dabei war, die erste DVD einzulegen. „Die kennst du doch alle schon, warum sollen wir das denn alles noch einmal sehen?“, schob er noch hinterher und machte ein griesgrämiges Gesicht und ganz wie erwartet, kam Jan zu ihm und schmuste sich an.

„Hey!" Felix ging gleich dazwischen. „Hier wird nicht gefummelt, oder sonst was. Wir klappen die Couch aus, machen es uns bequem und wer kleckert, egal ob mit Essen oder Körpersäften, fliegt raus!" Irgendjemand musste ja schließlich für Zucht und Ordnung sorgen.

Schnell war die Couch präpariert, während Jan noch etwas seinen Liebling beschmuste und ihm leise flüsternd Versprechungen für später machte.

Mit dem Ergebnis zufrieden, nickte Mario gnädig und Jan drückte den Startknopf. Er merkte noch nicht einmal, dass er die Titelmelodie mit vollem Mund mitnuschelte, als die erste Folge über den Bildschirm flimmerte. Hinter seinem Rücken zwinkerte Mario Felix zu und grinste breit. Er hatte erreicht, was er wollte und konnte sich nun entspannt zurücklehnen.

Felix schüttelte lachend den Kopf. wer hätte gedacht, dass Mario so hinterlistig war und den sowieso schon verschmusten Jan um ein paar zusätzliche Kuscheleinheiten erpresste. Wenn man sich daran erinnerte, wie die beiden sich noch vor zwei Jahren die Augen ausgekratzt hatten? Damals hätte keiner auch nur einen Cent darauf gegeben, dass die beiden sich noch einmal fanden - und heute? Guckten sie zusammen Trickfilme - das musste Liebe sein. Felix seufzte und kaute seine Nudeln.

So verging die Zeit mit Shaun und seinen Freunden. Sie hatten sich noch eine Decke geholt, weil es einfach gemütlicher war und Knabberzeug. Das gehörte eben dazu.

Was sie nicht wussten war, dass Ole gerade Feierabend machte und durch die Stadt kurvte. Er hatte lange überlegt, ob er noch zu Felix fahren sollte und sich schließlich entschlossen, einfach mal zu schellen, wenn noch Licht brannte. Dann war sein Freund noch wach und er lief nicht Gefahr, ihn zu wecken.

Sein Gesicht hellte sich auf, als er die erleuchteten Fenster sah. Der Wagen war schnell geparkt und schon lag sein Finger auf dem Klingelknopf.

„Wer ist das denn?", fragte Felix etwas irritiert und knurrte, als Mario ihn mit: „Guck halt nach", aus dem Bett kickte. Mit einem dumpfen Aufschlag ging der maulende Felix zu Boden, während sich Mario ohne den störenden Mauseplautz viel bequemer auf dem Schoß seines Lieblings drapieren konnte.

„Das gibt Rache!", maulte Felix und hielt sich den lädierten Hintern, während er an der Sprechanlage wissen wollte, wer da war.

>>Ole hier. Kann ich noch rauf kommen?<<, rief Ole in das Mikrofon und grinste, weil als Antwort der Türsummer ging. Immer zwei Stufen auf einmal nehmend lief er die Treppe hoch und stoppte vor der Wohnungstür. „Ich hoffe, ich komme nicht ungelegen“, fragte er und war froh, dass er Felix endlich sehen konnte. Er hatte ihn den ganzen Tag über vermisst.

„Quatsch, komm rein. Du kannst mir helfen, die Plagen auf meiner Couch in Schach zu halten. Der eine wollte vorhin die Leckereien von gestern vertilgen. Ich sage dir, das war ein Kampf", fing Felix gleich an zu reden und strahlte wie ein kleines Honigkuchenpferd, ohne es zu merken. Er ging auch nicht wie sonst zurück zur Couch und hoffte, dass sein Gast folgen würde, sondern wartete, bis Ole sich die Jacke ausgezogen hatte und die Schuhe und zog ihn dann einfach an sich, so wie er es auch mit Mario und Jan immer tat.

Zuerst war Ole völlig überrascht, aber dann erwiderte er die Umarmung. „Wie geht es dir und gegen wen muss ich dir helfen?“, lachte er und machte dann ein grimmiges Gesicht. „Wer dich bestehlen will, hat keine guten Karten bei mir“, knurrte er gespielt böse und ließ Felix endlich los.

„Mario, der Vielfraß. Geht in die Küche, greift gezielt den Auflauf von gestern und meinte, ob er den haben könne - und er hatte schon eine Gabel in der Hand!" Felix klagte sein Leid und beeilte sich gar nicht, zurück ins Wohnzimmer zu kommen. Er merkte noch nicht einmal, dass der Fernseher nicht mehr lief, weil Jan auf Pause gedrückt hatte und wissen wollte, was sich im Flur abspielte, in dem es übrigens verdächtig schummerig war.

„Unerhört. Ist er noch da? Ich werde dir beistehen.“ Ole grinste. Es war schön, mit Felix zu blödeln. Da war es gar nicht mehr schlimm, dass er heute so lange arbeiten musste. „Komm, dann lass uns rüber gehen, damit ich den Frevler in Schach halten kann."

„Ja, und am besten zerren wir ihn gleich von der Couch, dann haben wir mehr Platz", bestimmte Felix und fühlte sich jetzt sehr mutig. Wo er schon mal da war, griff er sich gleich noch eine Flasche Saft und ein paar Gläser. „Ole ist da", rief er, nur für den Fall, dass Mario schon wieder auf seinem Liebling lag und Sachen mit dem machte, die Felix immer rot werden ließen. Das musste Ole bestimmt nicht sehen, schließlich wusste Felix nicht, wie der blonde Riese dazu stand.

„Aha“, kam es nur von Jan aus dem Wohnzimmer und Ole sah sich vier neugierigen Augen gegenüber, als er den Raum betrat.

„So, so, Ole“, murmelte Mario und grinste wissend. Ihre Theorie, dass der große Blonde etwas von Feix wollte, erhärtete sich immer mehr. Denn es war schon ziemlich spät für einen Besuch.

„Hallo Leute“, begrüßte Ole sie und ließ sich auf der Couch nieder.

„Hast dich ja richtig rausgeputzt, um Felix zu besuchen, hm?" Mario war der erste, dem im halbdunkel auffiel, dass Ole einen feinen Dreiteiler trug und dem der Anzug auch ziemlich gut stand. „Oder tragen die Verkäufer bei Ikea neuerdings formell?"

Felix, der nicht verstand, was Mario eigentlich meinte, machte erst einmal das Licht an und guckte nicht schlecht. Irgendwie war ihm das gerade völlig entgangen. Er hatte Ole nur in die Augen gesehen - nirgendwo anders hin. Wie peinlich!

„Nein, nein, die Verkäufer nicht, der stellvertretende Filialleiter schon“, murmelte Ole und grinste schief. Er selber hatte gar nicht daran gedacht, dass er noch seinen Anzug trug. Aber er fand, dass Felix wissen sollte, mit wem er es zu tun hatte. Eine Freundschaft auf Lügen aufzubauen ging meistens nach hinten los.

Sein Geständnis schlug auch dementsprechend ein und Felix, der langsam näher geschlichen kam und erst einmal Flasche und Gläser auf dem Tisch abstellte, sah ihn von allen Seiten an, so gut es ging. „Wow, du bist ja richtig wichtig. Und ich dachte, du wärst nur ein kleiner Verkäufer", gestand er und konnte nicht verhindern, dass er beschämt wirkte.

„Was solltest du denn sonst denken? Das war ich an dem Tag ja auch.“ Ole zog Felix neben sich und wuschelte ihm durch die Haare, um ihn wieder aufzuheitern. „Ich war eigentlich nur durch Zufall in der Filiale und weil sich am Morgen vier Mitarbeiter krank gemeldet hatten, die eigentlich Dienst gehabt hätten, bin ich eingesprungen. Ich habe während meines Studiums Jahrelang als Aushilfs-Verkäufer bei IKEA gearbeitet. Darum war ich auch so gut.“

„Studiert hast du auch?", fragte Felix und konnte sich noch nicht einmal darüber aufregen, dass schon wieder jemand Chaos in seine Haarpracht brachte. Was hatte er eigentlich von Ole gedacht? Er hatte ja ein völlig falsches Bild gehabt. Er kam sich plötzlich ziemlich dumm vor und merkte noch nicht einmal, wie sie im Rücken von Jan und Mario beobachtet wurden, die an der Rückenlehne der Couch saßen und sich Blicke zu warfen.

„Nichts weltbewegendes, nur BWL. Für Medizin war ich nicht zu gebrauchen, das hab ich schnell gemerkt, weil ich ständig fast umgekippt bin. Da hab ich nach einem Semester das Handtuch geworfen und mir was anderes gesucht.“ Nun wurde Ole ein wenig verlegen und bekam leicht rote Schatten. „Ich kann nicht gut Blut sehen. So eine normale Wunde ist okay, aber wenn es mehr wird, wird mir schlecht.“

„Medizin? BWL?" Felix guckte ziemlich schmerzverzerrt. Und er selbst machte gerade einmal eine Lehre zum Technischen Zeichner. Er konnte nicht vermeiden, dass er Ole jetzt noch etwas weiter oben auf dem Podest sah, als er ihn sowieso schon gestellt hatte. Er schämte sich immer mehr dafür, dass er Ole für einen einfachen Verkäufer gehalten hatte. „Tut mir leid", murmelte er also und wusste plötzlich nicht mehr, wie er mit ihm umgehen sollte. Jan beobachtete das mit Interesse. Er kannte solche Züge an Felix nicht.

„Was tut dir leid?“, fragte Ole irritiert und beugte sich zu Felix hinunter, der den Kopf gesenkt hatte. Er verstand nicht ganz, was eigentlich los war und sah Jan und Mario Hilfe suchend an.

„Du bist nicht das, was er dachte“, half Jan ihm auf die Sprünge und Ole ging ein Licht auf. Er legte einen Arm um Felix und drückte ihn. „Ich bin Ole Johansson. Nicht mehr und nicht weniger. Woher solltest du das denn alles von mir wissen, ich habe es dir ja nicht erzählt. Ich wollte dich nicht anlügen. Es hat sich nur einfach nicht ergeben.“

„Wie so manches", sagte Mario und griff sich den Saft, damit er nicht aus Versehen noch mehr sagte, als gut für sie alle war. Er goss auch Felix ein Glas ein und drückte es ihm in die Hand. „Sei doch froh, noch mehr schlaue Freunde, hm?"

„Und ich die Hohlbirne, oder was?", knurrte Felix und sah Mario herausfordernd an. Das war ein Bild, was sie kannten und damit wurden auch Jan und Mario wieder sicherer.

„Klar, Mauseplautz, die Hohlbirne, so wie es auf deinem Klingelschild steht." Mario wuschelte ihm feste durch die Haare, bis Felix sich endlich wieder aufregte.

Ole sah der Balgerei lächelnd zu, hielt Felix aber zurück, als er sich auf Mario stürzen wollte. „Das will er doch nur“, grinste er. „Strafe ihn mit cooler Missachtung. Möchte jemand Eis zur Abkühlung?“ Ole ging davon aus, dass Felix das Eis auch beschützt hatte und jetzt war der perfekte Augenblick, es zu essen.

„Das Erste-Liebe-Eis?", fragte Mario und klappte zusammen wie ein Taschenmesser, als Jan ihn zischend in die Seite boxte. Mario sollte nicht so viele Andeutungen machen, dann kam Ole doch sofort drauf, dass sie ihn durchschaut hatten und ihre Feldforschung am lebenden Objekt war in Gefahr.

„Klappe zu, die Diskussion hatten wir schon. Ich hol das Eis und ignoriere dann offiziell Mario!", verkündete Felix und war schon auf dem Weg in die Küche. So hatte er Zeit, sich wieder zu fassen.

„Das ist lecker. Himbeere mit Vanille“, erklärte Ole und ging Felix hinterher, um ihm zu helfen. „Wenn du noch etwas von mir wissen willst, dann frag ruhig“, bot er an, während er das Eis in Schalen verteilte. Es war keine Absicht, dass seine und Felix' Portion etwas üppiger dabei ausfiel. Das hatte sich einfach so ergeben und er würde den Teufel tun und diese Portionen mit den anderen beiden tauschen.

„Da ist doch was im Busch, Jan", murmelte Mario leise und zog sich endlich den Saft zu sich. Er hatte zwar Herrn Mauseplautz versorgt, aber sich selber noch nicht. Das wurde umgehend nachgeholt. Aber er bekam keine Antwort, denn Felix balancierte schon ihre Schalen ins Wohnzimmer, während er Ole erklärte, dass er ihn bestimmt noch ausfragen würde, sobald er wüsste, was noch zu erfragen lohnen würde.

Mit der Antwort war Ole zufrieden. Er wartete, bis Felix seine Schalen verteilt hatte und gab ihm dann eine von seinen in die Hand. Der Einfachheit halber setzte er sich auf den Boden, denn für alle war auf der Couch einfach kein Platz. Der Fernseher lief wieder und er sah sich kurz an, was lief. „Was ist das denn? Das kenn ich gar nicht“, murmelte er und musste lachen, als Shaun auf den Stier traf und plötzlich in Unterhose dastand.

„Wie? Das kennst du nicht?", fragte Jan und versuchte nicht einmal, nicht entsetzt zu klingen. Wie konnte jemand mit solch einer Bildungslücke überleben? „Das ist Shaun das Schaf, das coolste Knettierchen, was es gibt!", stellte er klar und Felix kicherte, weil Mario schon wieder stöhnte. Er wartete ja auf den Tag, an dem Jan die Shaun-Bettwäsche aufzog, die er sich heimlich gekauft hatte. Doch sein Problem war das nicht, also löffelte Felix sein Eis.

„Öhm, nich' hau'n“, murmelte Ole und zog den Kopf ein. Vorsichtshalber setzte er sich näher zu Felix und somit weiter weg von Jan. Nur irgendwie klappte es nicht, dass er sich hinter seinem Freund versteckte. Überall ragte er drüber, egal wie klein er sich machte. „Also, ich hab ja nicht gesagt, dass dieser Shaun nicht das coolste Schaf ist. Ich kenn ihn nur noch nicht. Aber er scheint lustig zu sein.“

„Lustig", sagte Jan verächtlich und schüttelte den Kopf über so viel Ignoranz und damit brachte er Felix zum Lachen.

„Lass Ole in Ruhe. Da wo er herkommt haben sie die tollsten Tiere der Welt!", erklärte er und Mario ahnte was kam: Schaf vs. Elch, das ewige Duell der Lieblingstiere.

„Zeig mir einen coolen!", schoss Jan sofort zurück und hatte Felix wie immer erwischt. Der Kurze lernte aber auch nicht daraus. Der kroch lieber dichter zu Ole, vielleicht konnte der ja helfen, als schwedischer Elchexperte.

„Der Ikea-Elch ist auf jeden Fall cool.“ Ole grinste, als Jan schon die Backen aufblies um zu protestieren. Sie hatten schlechte Karten, denn es gab keine Elch-Zeichentrickfigur. „Aber wirklich cool sind die Elche, die es im Winter bei uns sogar mit Wölfen aufnehmen. Elche sind von Natur aus cool und nur ganz schwer aus der Ruhe zu bringen.“

„Ja, ja. Die Argumentation der Verzweifelten", triumphierte Jan lachend und löffelte weiter sein Eis, während Felix sich geschlagen zu Ole verzog, um dort Trost zu bekommen. Endlich war er einmal nicht das fünfte Rad am Wagen und das genoss Felix auch. Er war sich sicher, dass es nicht bei jedem so gewesen wäre, aber bei Ole fühlte er sich wohl - sauwohl! Jan war schnell vergessen, denn Oles Schulter hatte nun für Felix Kissenhöhe, damit er bequem fernsehen konnte.

Mario beobachtete Ole dabei, als Felix sich bei ihm anlehnte. Dazu entfernte er sich sogar ein wenig von seinem Babe, damit er auch etwas erkennen konnte. Er war nicht überrascht, als der große Schwede lächelte und überhaupt nicht unbehaglich wirkte. Ole setzte sich sogar ein wenig anders, damit Felix es noch bequemer hatte. Mario stupste Jan an, aber das war gar nicht nötig, denn auch sein Schatz ließ den Fernseher Fernseher sein und betrieb Studien.

Jan nickte seinem Liebling zu und beobachtete weiter. Wenn der blonde Riese mal nicht spitz auf Herrn Mauseplautz war, dann wusste er aber auch nicht weiter. War nur die Frage, ob Felix das irgendwann schnallte. Und es war auch die zweite Frage, ob der das auch wollte oder nicht doch eine Vorliebe für Frauen hatte, wie man seinen Worten immer entnehmen konnte. Schließlich suchte er eine Freundin, keinen Freund. Und wenn man bedachte, was für ein Blitzmerker Felix bei vielen Dingen war, da konnte einem Ole wirklich leid tun, denn er musste einen langen Atem haben.

Blieb nur zu hoffen, dass das kein Desaster gab. Ole schien ein netter Kerl zu sein. Vielleicht mussten sie ja ab und zu lenkend eingreifen. Die zwei gaben ein nettes Paar ab, musste Mario zugeben. Für ihn war der Schwede zu groß und massig, aber er hatte was. „Wie groß bist du eigentlich?“, fragte er neugierig und war gespannt, ob er seine Wette gegen Jan gewonnen hatte. „2,03 m“, war darum auch die Antwort, auf die er gehofft hatte.

„Wusste ich's doch“, triumphierte er. „Ich hab gewonnen, Schatz. Er ist größer als zwei Meter.“

Langsam und sichtlich skeptisch wandte sie Felix zu seinen merkwürdigen Freunden um. „Ihr schließt Wetten auf Ole ab? Was soll denn der Mist?" Instinktiv zog Felix Ole am Hals dichter zu sich, damit der sich nicht so benutzt fühlte. Felix wollte auch gar nicht wissen, was Mario gewonnen hatte, er konnte sich das, dank seiner leider sehr lebhaften Fantasie, nur zu gut vorstellen!

„Sie sind nicht die ersten und bestimmt auch nicht die letzten“, lachte Ole und strich über Felix’ Hand, die auf seiner Brust lag. Es war ein schönes Gefühl, sie dort zu spüren, überhaupt Felix so nahe zu haben. Allerdings war das gar nicht gut für Oles Seelenheil, denn hinter den Berührungen lag nicht der Grund, den er sich wünschte. Felix wollte eine Freundin, das hatte er mehr als einmal erklärt und genau das konnte er ihm nicht bieten.

„Na und? Ist das denn ein Grund, auf deine Kosten Sex auszuhandeln?", knurrte Felix und quietschte, als Jan ihm dafür in die Seite trat. Nicht so, dass es wirklich wehtat, aber Felix erschrak sich schon ganz schön. „Was denn? Oder hat Mario was anderes gewonnen, hm?", wollte er wissen und fühlte sich heute ganz mutig, weil Ole ihn bestimmt rettete.

„Geht dich nix an“, brummte Mario und somit war schon klar, was er gewonnen hatte. Allerdings verstand niemand, warum die beiden immer wieder solche Wetten abschlossen, denn mehr Sex hatten sie dadurch nicht. So verrückt wie die zwei aufeinander waren, hatten die sowieso ständig welchen.

„Solange sie das unter sich ausmachen, sollen sie ruhig.“ Ole war da großzügig.

„Boah, jetzt schlag du dich auch noch auf ihre Seite", knurrte Felix und löste sich von Ole. Irgendwie entgleiste das hier gerade. Mario beschmuste seinen Schatz, weil er ja gewonnen hatte und Felix samt Ole saßen etwas unelegant daneben. Also beschloss er sie zu ignorieren, ehe er wieder rot unter den Augen wurde und peinlich berührt das Zimmer verließ. Heute war das nämlich sein Wohnzimmer, das wollte er nicht verlassen.

Ole fand es schade, dass Felix wieder abrückte, aber es war wahrscheinlich besser so. „Lass sie doch, mich stört es nicht.“ Ole sah Felix an und zwinkerte ihm zu. „Das restliche Eis ist unser“, flüsterte er verschwörerisch und zog Felix mit sich hoch, als er aufstand. Im Endeffekt war es doch so, dass Mario und Jan das Wohnzimmer den Rest des Abends für sich hatten, denn Ole und Felix machten es sich in der Küche gemütlich, aßen Eis und redeten über Gott und die Welt.


11

„Aber Mama", maulte Felix in den Hörer seines Telefons. Hörte ihm seine Familie denn gar nicht zu? „Ich habe doch gesagt, dass ich heut mit einem Freund in eine Ausstellung will und danach noch etwas mit zu ihm. Ja, ich weiß auch, dass heute der zweite Advent ist, aber... Mama, bitte." Seit einer Woche erklärte Felix seiner Mutter, dass er nicht zum Advent nach Hause kommen würde. Er war doch schon groß!

„Nix mit Mama bitte“, brummte Felix' Mutter ins Telefon. Sie war gar nicht begeistert, dass sie Felix nur noch so selten zu Gesicht bekam. Da kam ihr der zweite Advent gerade recht, um ihn nach Hause zu locken. „Mauseplautz“, setzte sie an und seufzte dann. „Na gut, aber nur, wenn du zumindest am dritten Advent hierher kommst. Du weißt, wie sehr ich diese Tage liebe, besonders wenn ich alle meine Kinder um mich habe.“

„Ja, Mama", sagte Felix etwas geknickt, aber er konnte und vor allen Dingen wollte er Ole auf keinen Fall absagen. Er hatte sich schon die ganze Woche darauf gefreut, mit ihm etwas zu unternehmen und dann seine Wohnung anzugucken. Sie hatten sich gestern schon nicht gesehen, weil Ole zu tun gehabt hatte. „Ich verspreche, ich komme nächste Woche, wirklich!" Während er sprach, speicherte er sich den Termin in seinem Handy und zwar so, dass er jeden Morgen pünktlich daran erinnert wurde und er das auch ja nicht vergaß. Das würde ihm seine Mutter nämlich sehr übel nehmen und das wollte er nicht.

„Gut, dann wünsch ich dir viel Spaß heute. Mit wem gehst du denn zu dieser Ausstellung? Bestimmt doch nicht mit Mario oder Jan, denn die zwei kann ich mir da gar nicht vorstellen.“ Sylvia kicherte, denn die Vorstellung war wirklich etwas lustig. Es war ja nicht so, dass Felix' Freunde nichts für Kultur übrig hatten, aber Tibet gehörte definitiv nicht dazu.

„Ich geh mit Ole, der kommt auch gleich, um mich abzuholen", sagte Felix und hoffte, dass seine Mutter sich vorerst damit zufrieden gab. Er hatte Ole einmal kurz erwähnt, als Verkäufer und Regalbauer, aber dann nie wieder von ihm gesprochen. Nicht weil er Ole verheimlichen wollte, sondern aus Sorge, dass er ihn vorstellen sollte und seine Schwester dann noch aufmerksam auf ihn wurde - das wollte Felix um jeden Preis vermeiden!

„Aha, Ole.“ Sylvia nahm das erst einmal hin, aber an ihrem Tonfall erkannten ihre Kinder, dass die Sache damit nicht abgehakt war. Noch hatte Felix Schonfrist, die aber spätestens am nächsten Sonntag vorbei war. „So, Mauseplautz, dein Besuch scheint da zu sein“, sagte Sylvia, als sie die Schelle hörte. „Viel Spaß und meld dich nächste Woche mal. Man hört ja kaum noch was von dir.“

„Ja, Mama. Mach ich", sagte Felix und flitzte mit dem Telefon zur Tür, denn er wollte seine Mutter nicht einfach so aus der Leitung kicken. Er öffnete Ole und ging wieder zurück ins Wohnzimmer, Ole würde ihn schon finden. So groß war die Wohnung ja nicht und der blonde Riese kannte sich hier schon ganz gut aus. „Grüß den Rest und trinkt einen Glühwein für mich mit", sagte er gerade, als die Tür aufgeschoben wurde.

„Hej, hej“, rief Ole gut gelaunt und folgte der Stimme seines Freundes. Er bekam noch ein paar Sätze mit und musste grinsen. Gespräche mit seiner Mutter liefen ähnlich ab, halt nur in Schwedisch. Um nicht zu stören setzte er sich auf die Couch und beobachtete Felix. Der verdrehte die Augen und legte nach nochmaligem Versichern, sich zu melden, auf.

„Das erste Mal zum Advent nicht zu Hause. Ich sag's dir", murmelte er und stellte das Telefon zurück in seine Ladestation. „Nächstes Wochenende muss ich hin, das darf ich nicht vergessen!" Es war ja nicht so, dass Felix nicht gern zu Hause war, aber seiner Mutter schien es sehr schwer zu fallen, ihn loslassen zu können. Dabei war er fast zwanzig. Jans und Marios Eltern hatten doch auch nicht so geklammert. Sicher hatte man denen mehr zugetraut als ihm. So war das eben, wenn man etwas kleiner als der Durchschnitt war.

„Ja, das solltest du machen. Meine Mutter war auch nicht begeistert, dass ich über die Adventszeit nicht Zuhause bin. Sie hat dann auch gern die ganze Familie um sich. Traditionell werden sie abwechselnd bei meinen Großeltern oder meinen Eltern verbracht. Dann gibt es Kekse, Kakao und Glögg, so dass keiner mehr fahren kann und wir dann auch gleich da schlafen.“ Ole stand auf und drückte Felix erst einmal richtig zur Begrüßung. Da hatte er sich schon drauf gefreut, denn dann konnte er unauffällig seine Nase in der roten Lockenpracht vergraben.

„So ähnlich läuft das bei uns eigentlich auch. Nur dass die ganze Familie eh unter einem Dach wohnt. Da muss dann keiner mehr fahren. Nur ich fehle dieses Mal, aber das kann man sicher verschmerzen." Felix schlang seine Arme ebenfalls um Ole und drückte sich gegen ihn, denn er freute sich, ihn hier zu haben. „Hoffentlich bekomme ich trotzdem eine Portion Kekse. Eigentlich bekommen nur die Kekse, die mit helfen. Und wenn ich nicht da bin." Gerade ging Felix auf, dass er wohl leer ausgehen würde.

„Oh.“ Ole richtete sich auf, ließ Felix aber noch nicht los. „Das ist hart. Adventskekse sind nämlich das allerbeste. Meine Oma hat mir ein paar geschickt, die können wir uns nachher teilen. Sind aber wirklich nur ein paar. In dem Brief dazu stand, dass mir die Kekse aufzeigen sollen, was ich verpasse und mehr gäbe es erst, wenn ich nach Hause komme.“

„Nur ein paar Kekse zu haben, ist ja fast noch gemeiner als gar keine Kekse zu haben", sagte Felix und lachte leise. Erstaunlich, wie ähnlich es in ihren Familien lief und er grinste Ole schon wieder versöhnter an. „Vielleicht sollten wir welche backen. Wäre doch gelacht, wenn zwei so große Jungs wie wir unsere Familien nicht austricksen könnten", versuchte er Verbündete für seinen Plan zu finden, denn er selber hatte noch nie gebacken, dafür bewegte sich Ole in der Küche ziemlich sicher.

„Backen?“ Ole machte ein nachdenkliches Gesicht. „Also prinzipiell hab ich da ja nix gegen. Ich hab das nur noch nie gemacht. Aber irgendwann ist immer das erste Mal.“ Er überschlug seine Vorräte und nickte. Für ein oder zwei Sorten hatte er Zutaten da. „Wir schaffen das schon. Wir trinken uns mit Glögg ordentlich Mut an und dann legen wir los.“

Lachend löste sich Felix und boxte Ole gegen die Schulter. „Ich bin froh, dass wir in deiner Wohnung backen werden, wenn wir sturzbetrunken sind. Das finde ich sehr, sehr gut.", flötete er und ging in den Flur, um sich seine Jacke zu holen. „Sollen wir Motti mitnehmen? Sie würde bestimmt auch sehr gern mit uns Kekse backen. Ich kann sie ja so lange in die Tasche stecken. Hm?" Er grinste dreckig zu Ole.

„Wehe“, brummte Ole und hoffte, dass man seine Panik nicht hören konnte. Er traute Felix zu, dass er diese Motte holte, nur um ihn zu ärgern. Darum schob er Felix auch gleich aus der Tür, als der seine Jacke angezogen hatte.

Er hatte einen Parkplatz genau vor dem Haus gefunden, darum mussten sie nicht weit durch den kalten Wind laufen und mit voll eingeschalteter Heizung wurde es auch schnell warm im Wagen. „Du bist schon ziemlich gemein. Motti ist jetzt ganz alleine da oben. Und das zum zweiten Advent und ohne Kekse. Tut sie dir denn gar nicht ein kleines bisschen leid?", fragte Felix und guckte dazu auch noch sehr traurig. Er konnte nicht anders, denn es machte doch viel zu viel Spaß, Ole zu ärgern. Schön zu wissen, dass auch dieser perfekte Mann seine kleinen Macken hatte.

„Ganz ehrlich? Eigentlich nicht.“ Ole kam sich ja ein wenig schäbig vor, weil Felix so guckte, aber selbst das konnte ihn nicht dazu bringen, sich Motti zu nähern. „Wenn sie in deinem Schlafzimmer bleibt und mir nicht zu nahe kommt, kann sie gern da bleiben, aber das war's dann auch schon.“

„Wie herzlos. Ich dachte, irgendwann werdet ihr Freunde. Ich glaube, dann wird das wohl nichts mit dir in meinem Schlafzimmer", lachte Felix und schnallte sich endlich an, damit es losgehen konnte. Sie waren zwar noch nicht spät dran, aber sie hatten heute noch viel vor. Erst die Ausstellung, dann noch zu Ole und backen. Vielleicht war zwischen drinnen noch ein bisschen Zeit für ein schnelles Mittagessen unterwegs.

„Tut mir leid, aber das muss ich dann wohl so hinnehmen, bis Motti ausgezogen ist.“ Ole hoffte ja, dass das eher früher als später passierte, aber das sagte er lieber nicht. Er fädelte sich in den laufenden Verkehr ein und sah immer mal wieder kurz zu Felix hinüber. Hoffentlich war es bei der Ausstellung nicht zu voll, denn das mochte Ole gar nicht. Dann hatte er nicht die Ruhe, sich alles genau anzusehen.

„Sie wird nicht ausziehen", sagte Felix irgendwann, um an das Gespräch anzuknüpfen. Er wusste sonst nicht, was er sagen sollte. Eigentlich wollte er alles wissen und auf der anderen Seite wagte er nicht, Ole Löcher in den Bauch zu fragen. Irgendwie hatte er das Gefühl, das wäre unhöflich und Ole hätte ihn früher satt, als ihm lieb war. Dann war er wieder ziemlich allein und dabei hatte er sich doch schon an seinen neuen Freund gewöhnt. Felix sah neben sich, nein, eigentlich war das mehr als Gewohnheit, er mochte Ole.

„Ich habe es befürchtet.“ Ole stieß Felix gegen die Schulter und grinste. „Dafür darfst du in mein Schlafzimmer, wenn du willst. Da kannst du dich dann in meinem Bett so richtig breit machen. Ich habe da auch einen schönen, großen Fernseher.“

„Du hast ja gesagt, dass ich da ohne Plan oder Führer nicht alleine rein darf, damit ich mich in dem großen Bett nicht verlaufe. Nicht auszudenken, wenn ich irgendwo im Kissenberg verloren gehe und gar nicht mit dir fernsehen kann", lachte Felix und wunderte sich erschreckend wenig darüber, dass ein Mann ihn in sein Bett einlud. Er war eben doch schon viel zu lange mit Jan unterwegs.

„Ach ja, da war ja was.“ Ole hatte es nicht vergessen, aber das behielt er lieber für sich. Felix war so herrlich unvoreingenommen und das sollte auch so bleiben. „Ich werde dich führen und dir immer etwas Proviant mitgeben, falls wir uns doch verlieren und wenn du nicht weiter weißt, dann setz dich einfach hin, dann find ich dich schon.“

„Am besten rufe ich dich dann an und beschreibe dir die Kissen, zwischen denen ich gerade sitze. Dann kannst du mich schneller finden. Ich meine, ich könnte ja auch Motti... und die könnte dich dann... oder doch lieber nicht?", fragte Felix frech, als er Ole schon wieder angewidert das Gesicht verziehen sah. Die Vorstellung war aber auch einfach zu goldig, dass ein Kerl, der Hunderte Male Größer war als die Motte, totale Panik vor dem kleinen Tier hatte. Doch er schwieg lieber, denn er hatte auch Freunde, denen er lieber aus dem Weg ging.

„Du bist frech“, lachte Ole und piekste Felix in die Seite. Er freute sich schon auf ihren gemeinsamen Tag und hoffte, dass sie sich die nächste Zeit genauso oft sahen. Er hatte immer das Gefühl, ihm fehlte etwas, wenn er Felix nicht sehen konnte. Allein daran merkte er, dass er dabei war, sich mehr und mehr zu verlieben.

„Ich?", fragte Felix ganz unschuldig. „Ich und frech? Nein, nein. Ich glaube, da verwechselst du mich mit jemandem. Ich bin doch nur ein kleiner, netter Felix, der nichts und niemandem etwas tut. Ehrlich - ich bin harmlos. Ich bin geimpft, bin stubenrein, kann bei Fuß gehen und auch sonst bin ich so was von pflegeunintensiv!" Felix fing an, auslandend seine Vorzüge zu präsentieren und bestand darauf, nicht frech zu sein.

„Okay, du hast gewonnen.“ Ole gab sich geschlagen. Gegen diese Aufzählung kam er nicht an, besonders nicht, wenn sie mit so einem herzzerreißenden Augenaufschlag begleitet wurde. „Dann können wir ja unbesorgt zur Ausstellung. Ich bin wirklich schon gespannt. Allein die Villa Hügel finde ich schon einfach imposant. Man kann sich kaum vorstellen, dass in diesem Riesenkasten nur eine Familie gewohnt hat.“

„Das kommt ja jetzt auch wieder drauf an, wie groß die Familie war und wie viele Angeheiratete Zweige sich dort mit eingenistet haben", sagte Felix und schlug sich dann auf den Mund. Es war eigentlich nicht seine Art, so flapsig über Leute zu reden, die er nicht kannte und so schwieg er sich lieber aus, nicht dass Ole noch dachte, er hätte Vorurteile oder sonst was. So war das ja nicht, auf gar keinen Fall. Deswegen war er auch ziemlich froh, als ihr Ziel in Sichtweite kam. Er rutschte ungeduldig auf dem breiten Sitz herum.

„Auch wieder wahr.“ Ole grinste kurz zu Felix hinüber und hielt Ausschau nach einem Parkplatz. Vielleicht hatten sie ja Glück und fanden einen in der Nähe des Eingangs, der auch groß genug für seinen Volvo war. Er wollte die Hoffnung schon aufgeben, als ein Parkplatz frei wurde und sie praktisch nur noch zwanzig Meter laufen mussten. Von weitem hatte man schon die für Tibet typischen Fahnen sehen können und jetzt, wo sie fast davor standen, sah man erst, wie groß sie waren.

Felix, der schon aus dem Wagen geklettert war, stand am Fuß von einer und guckte ehrfurchtsvoll nach oben. Und es war, als wollte das Wetter ihnen die kleinen Kunstwerke in ihrer vollen Pracht präsentieren, denn die Wolkendecke riss auf und ein paar Sonnenstrahlen fielen durch den Stoff und ließen ihn schimmern. Sein zweites Augenmerk fiel schon auf das große Gebäude dahinter.

„Imposant nicht?“ Ole hatte sich neben Felix gestellt und folgte seinem Blick. Die hohen Steinwände machten wirklich etwas her und passten so auch wieder zu der Stahldynastie Krupp, die die Villa auch zu Repräsentationszwecken nutzte. Langsam gingen sie zum Eingang und selbst Ole kam sich in der großen, holzgetäfelten Eingangshalle klein vor. Schon hier gab es viel zu sehen. Sie holten sich ihre Eintrittskarten an der Kasse und gingen die breite Treppe hoch, um ihren Rundgang zu beginnen.

„Ich will nicht wissen, wie viel Geld in diesem Haus steckt", flüsterte Felix und meinte das sehr ehrfürchtig. Geld zu haben, um die besten Baumeister zu beauftragen, zeugte eben nicht nur von Geld, sondern auch von Stand und Geschmack. Die Villa war groß und mächtig, aber nicht überladen oder gar verkitscht, wie man das von denen kannte, die nur ihren Reichtum zeigen wollten. Dieses Haus spiegelte etwas ganz anderes wieder - Ansehen.

Ole hatte sich zu Felix hinuntergebeugt und ihm eine Hand in den Rücken gelegt, damit er ihn sanft in die richtige Richtung lenken konnte, denn oben auf dem Treppenabsatz fing die Ausstellung bereits an und sie sollten den Pfeilen folgen. Als erstes standen sie zehn fast lebensgroßen Statuen gegenüber, die nach den Schildern Lamdre-Meister zeigten. Die Keramikfiguren wirkten sehr lebensecht und keine glich der anderen. Sie überragten Felix ein wenig und so musste er den Kopf recken, um ihnen in die Augen sehen zu können.

„Man fühlt sich richtig von denen beobachtet", sagte er leise, denn selbst die Augen waren lebensecht modelliert, dass es Felix kalt den Rücken herunter lief und er gar nicht merkte, wie er sich schüttelte. Langsam ging er um die Figuren herum und sah dann Ole an. „Und ich kann nicht mal einen Kekselch ohne Form herstellen."

„Ich auch nicht“, flüsterte Ole grinsend zurück und strich Felix über den Rücken. Er hatte das Schaudern bemerkt und wollte seinem Freund zeigen, dass er nicht allein war. Langsam zog Ole ihn weiter und gleich im nächsten Raum tauchten sie komplett in die Ausstellung ein. Es waren so vielfältige Objekte zu sehen, von denen sie nur bei wenigen wussten, was sie darstellen und bedeuten sollten. Sehr fasziniert war Ole von einer Messing-Lotusblüte, die sich komplett öffnen ließ und in der Mitte einen Buddha freigab.

„Das ist noch Handwerkskunst", sagte Felix, der von dem verborgenen Mechanismus ziemlich angetan war. Deswegen kroch er auch um das Objekt herum, immer unter dem skeptischen Blick der Aufsicht und zum Amüsement der anderen Besucher und er war erst zufrieden, als er glaubte, das Prinzip verstanden zu haben. „Schon faszinierend, was damals alles beherrscht wurde. Ich wage mal zu wetten, dass zwar jeder Designer das am PC dreidimensional modellieren kann, aber bauen können das doch die wenigsten."

„Ja, das denke ich auch. Besonders wenn sie es mit den alten Werkzeugen machen müssten.“ Ole war mindestens genauso fasziniert wie Felix und schon gespannt, was es noch alles zu sehen gab. Sie schlenderten vorbei an Götter- und Butterstatuen, die alle - unglaublich reich verziert - von der Detailliebe der Tibeter zeugten. In einem Raum mussten sie unwillkürlich frösteln, denn dort war die Temperatur heruntergedreht, damit die dort ausgestellten Butterskulpturen keinen Schaden nahmen.

„Wie kommt man denn bitte auf solch eine Idee?", fragte Felix ziemlich perplex und zog sich die Jacke wieder über, die er schon seit ein paar Räumen über dem Arm trug. Er kannte zwar die Wortspielereien, dass man Buddha und Butter gern mal ähnlich aussprach, doch das hier war bizarr. „Oma macht zu Feierlichkeiten auch mal kleine Schafe aus Butter mit einer Holzform, aber so was hab ich noch nicht gesehen", murmelte Felix leise, um nicht als Banause zu gelten.

„So weit ich weiß, werden diese Figuren hergestellt und dann werden sie ausgestellt. Dabei ist es beabsichtigt, dass sie schmelzen. Sie sollen wohl genau das gleiche, wie diese wunderschönen Sandbilder, symbolisieren, die die Mönche in mühsamer Kleinarbeit herstellen und wieder zerstören, wenn sie fertig sind.“ Ole fand das ziemlich unnütz, aber in jeder Religion gab es einen tieferen Sinn in Ritualen, die man sich als Außenstehender nur schwer vorstellen konnte.

Felix dachte sich seinen Teil, den er lieber für sich behielt, um nicht gleich vor die Tür gesetzt zu werden, doch während die Butterlämmer auf der Tafel seiner Oma dem Zweck der Ernährung zugeführt wurden, war das hier ziemliche Verschwendung. Doch er kannte die Religion zu wenig, um sich da ein Urteil erlauben zu dürfen. „Witzige Idee", sagte er also, um irgendetwas zu sagen und nicht so blöd dazustehen. Ole sollte ihn ja nicht für einen totalen Banausen halten, sondern auch das nächste Museum mit ihm noch gern besuchen.

„Irgendwie schon, aber für mich wäre das nix. Wenn ich etwas herstelle, was nicht gerade Essen oder Kekse ist, will ich doch nicht, dass es gleich wieder zerstört wird.“ Ole schüttelte den Kopf und schlenderte weiter. Ihm war ein wenig kalt, darum war er über die Wärme im nächsten Raum nicht böse. Dort blieb er vor einer Vitrine stehen, die eine mit Gold, Metall und bunten Bändern verzierte Meeresschneckentrompete zeigte. „Hübsch, nicht?“, fragte er Felix und zog ihn vor sich, damit er auch etwas sehen konnte, denn hier war es ziemlich voll.

„Ja, aber für meinen Muscheltisch viel zu groß", sagte er mit etwas Wehmut in der Stimme, denn so was würde sich sicherlich in seiner kleinen Sandlandschaft mit Steinen und Kakteen gut machen. Spontan beschloss er, am Souvenirstand zu gucken, ob er nicht etwas Ähnliches als Mitbringsel fand für seinen Tisch, damit er sich immer an den Tag erinnern konnte, denn die Ausstellung war sehr schön und seine Begleitung angenehm.

„Ja, das ist leider wahr. So eine würde mir auch gefallen, aber so wie ich das sehe, sind die sehr wichtig in der Tibetischen Religion und da werden die keine verkaufen.“ Ole sah sich an, was noch in der Vitrine zu finden war und zuckte fast zurück, als er feststellte, dass die Schale neben der Trompete aus einer menschlichen Schädeldecke gemacht war. „Irks“, meinte er leise und schüttelte sich. Felix verstand nicht gleich und sah Ole fragend an, stimmte ihm aber mit verzogenem Mund zu, als er merkte, was seinen Begleiter so aus der Fassung gebracht hatte. Wortlos zog Felix ihn weiter, denn er wollte nicht länger in der Nähe des Schädels sein. Es war eines, sich alte Kunst anzusehen und sie zu bewundern, es war aber etwas anderes, auf Leichenteile zu gucken und nicht genau zu wissen, unter welchen Umständen die Menschen zu Tode gekommen waren und aus einem geschichtlichen Kontext heraus wusste er, dass die wenigsten ihre Körperteile freiwillig zu Ritualen hergeben hatten.

„Bisher fand ich das hier ja ganz toll, aber das musste nicht sein“, murmelte Ole leise und grinste schief. „Hoffen wir, dass der Rest nicht so gruselig ist.“ Es war schön, dass Felix ihn immer noch am Arm hielt und ihn nicht gleich wieder losgelassen hatte. Sie schlenderten weiter und kamen an eine kleine Treppe, die hinunter in einen großen Raum führte. Dort gab es große Vitrinen, in denen Wagen, Waffen und Musikinstrumente ausgestellt waren und an den Wänden gab es Teile von Tempeln, die reich verziert geschnitzt waren und die Gebetsmühlen enthielten.

„Na das sieht doch schon besser aus", frohlockte Felix und flitzte vorneweg, denn er hatte gleich mehrere Dinge entdeckt, die seiner Aufmerksamkeit bedurften. Er konnte sich gar nicht entscheiden, ob er sich erst die Waffen oder erst die Wagen ansehen wollte und so lief er immer zwischen den Vitrinen hin und her, bis er sich endlich für die Waffen entschieden hatte und sie nun eindringlich studierte.

Ole machte seine eigene Runde und kam dann zu Felix zurück. Dieser Raum war wirklich faszinierend und so verbrachten sie hier noch eine ganze Weile. Sie sahen sich alles an und waren fast ein wenig enttäuscht, als sie am Ende wieder bei den Statuen angekommen waren. „Eine schöne Ausstellung“, resümierte Ole. „Ich finde, es hat sich auf jeden Fall gelohnt.“

„Japp", stimmte Felix nickend zu, als er neben Ole zum Ausgang schlenderte. Er hatte das eine oder andere dazu gelernt und seinen Horizont wieder um ein Stückchen erweitert. Doch seine Augen leuchteten, als er den Souvenirstand erblickte. „Da will ich noch hin", sagte er eilig und war schon abgebogen, noch ehe Ole so schnell hätte reagieren können.

Der folgte ihm lachend und rief: „Lass mir auch noch was übrig.“ Er ging aber nicht gleich in den Shop, sondern blieb erst einmal an der Seite stehen und besah sich das, was in den Vitrinen ausgestellt war. Ihm fiel gleich ein Fisch ins Auge, der an einem Armband hing. Er bestand aus beweglichen Teilen, die aufwendig und schön emailliert waren. Er beschloss spontan, das Armband zu kaufen, auch wenn er es nicht tragen würde, denn es war eindeutig ein Frauenarmband mit allerlei Schnickschnack daran. Er wollte es für Felix, oder besser, nur den Fisch. Sein Freund sollte eine Erinnerung an diesen Tag von ihm haben. Allerdings sorgte der selber schon für Erinnerungen, denn auch er durchstöberte die Auslagen. Miniaturen, Steine, Muscheln, Handwerkskunst. Er konnte sich gar nicht entscheiden. Doch auch ihm waren die fein gearbeiteten Fische ins Auge gefallen, wie sie da hingen und wackelten. Ihn faszinierten die bunten fingerlangen Tierchen und er spielten ein bisschen mit ihnen, ließ sie wackeln und kicherte.

Ole sah ihm dabei zu und kaufte nebenbei das Armband. Er stellte sich hinter Felix und ließ den Fisch dann vor dessen Augen baumeln. „Für dich“, sagte er leise und grinste, als Felix, der vor ihm stand, langsam den Kopf so weit hob, bis er Ole ansehen konnte. Dabei legte er den Kopf ziemlich weit in den Nacken. „Danke", lächelte er und griff sich zwei Fische von der Stange, die er kaufen wollte und mit der anderen das Armband. Er bezahlte und reichte einen der Fische Ole, weil er das schon vorher so geplant hatte und untersuchte nun all die kleinen Kleinigkeiten, die an dem Armband noch dran waren.

„Danke.“ Ole strahlte und drückte Felix fest an sich. Ohne es zu wissen, hatte Felix ihm den Fisch in seinen Lieblingsfarben geschenkt. Er liebte die kühlen Meerestöne und all diese waren in einem Verlauf auf dem Anhänger zu finden. „Der kommt an meinen Schlüssel. Ich habe schon lange einen schönen Anhänger dafür gesucht.“

„Meine finden ein Plätzchen im Sand von meinem Tisch. Da werden sie sich sicher wohl fühlen." Felix malte sich das schon richtig aus und lächelte, ließ sich von Ole aber zum Ausgang geleiten. Seine Laune sank ein wenig, als er sah, dass das Wetter sich eingetrübt hatte. Undefinierbarer Schneeregen hatte eingesetzt und so steckte Felix seine Fische in die Tasche und setzte die Kapuze auf, damit er nicht so nass wurde.



12

Ohne viel Federlesens nahm Ole ihn bei der Hand und trabte los, damit sie schnell zum Wagen kamen. Trotz der kurzen Strecke waren sie doch recht nass, als sie am Auto ankamen. Sie konnten gleich einsteigen, weil Ole den Wagen schon mit der Fernbedienung geöffnet hatte und schüttelten sich ein wenig, als sie saßen. Er hatte nasse Haare, weil er keine Kapuze hatte. „Zuhause gibt es zum aufwärmen einen Tee oder besser einen Glögg, dann kann uns das Mistwetter gestohlen bleiben.“

„Was ist ein Glögg? So was wie ein Grog?", wollte Felix wissen und wischte sich noch ein paar matschige Schneeflocken von den Knien. Die Jacke hatte er auf die Rückbank geworfen, weil sie ihn in seiner Bewegung ziemlich beschnitt und sicher machte Ole gleich die Heizung an.

„So ähnlich. Wodka wird mit Gewürzen angesetzt und dann mit Zucker und Rotwein zusammen erwärmt. Wenn alles heiß ist, kommen Rosinen und Mandelblättchen in ein Glas und der Glögg wird drüber gegossen.“ Ole leckte sich schon vor Vorfreude über die Lippen, denn er mochte das sehr gerne. Das gab es bei seiner Familie auch nur zur Weihnachtszeit und dann in Maßen, denn das Zeug haute ganz schön rein.

„Das klingt aber hochprozentig. Da sollte ich vorsichtig sein, sonst bin ich besoffen und singe schmutzige Lieder nackt auf dem Wohnzimmertisch. Ich glaube, wir sind uns alle einig, dass wir das nicht wollen", lachte Felix. Er liebte Glühwein und so wie sich das anhörte, schien das die schwedische Variante davon zu sein. Jetzt war er neugierig darauf und sein Magen knurrte leise.

Dass Ole da nicht wirklich viel gegen hatte, sagte er lieber nicht, aber ausmalen konnte er sich das zumindest. „Ich pass schon auf. Wenn du versuchst, auf dem Tisch zu strippen, werde ich eingreifen“, lachte er grinsend und wuschelte Felix durch die Haare. Er hatte die Heizung angestellt und nicht nur die, beim Beifahrersitz lief auch die Sitzheizung. Mal sehen, wann Felix das merkte. „Wir essen ja auch was, dann geht das alles.“

„Ja, essen wäre nicht übel", gestand Felix leise und schämte sich ein bisschen, weil sein vorlauter Magen nun am laufenden Band rebellierte. Er hielt zwar die Arme davor und krümmte sich ein bisschen zusammen, doch er konnte den Geräuschpegel nicht wirklich eindämmen. Er rutschte auf dem Sitz hin und her und hatte das Gefühl, dass ihm heiß in der Hose wurde. Was war das denn?

„Wie gut, dass ich schon alles so weit vorbereitet habe. Wir müssen nur noch Kartoffeln kochen, dann können wir essen.“ Bei ihrer ersten Begegnung hatte er mitbekommen, dass Felix gerne Köttbullar aß, darum hatte er welche vorbereitet. Die mussten nur wieder warm werden. Er fand es ziemlich niedlich, wie sein Freund sich schämte und herumrutschte. Allerdings, als Felix immer mal wieder unauffällig den Hintern hob, war er etwas verwundert, bis ihm einfiel, dass es vielleicht ein wenig warm sein konnte. „Soll ich deine Sitzheizung runterdrehen?“, fragte er deswegen.

„Sitzheizung?", fragte Felix und man sah eine witzige Mischung aus Erkenntnis und Erleichterung auf seinem Gesicht. „Das erklärt einiges. Ich habe eben versucht zu begreifen, warum mir so heiß in der Hose wurde und befürchtet, dass mir gleich der Schritt qualmt", lachte er und setzte sich auf seine Hände, um der Hitze aus dem Polster etwas nachzufühlen. Solchen Luxus hatte weder Jans alte Gurke, noch der Polo von seiner Mutter.

Ole drehte die Heizung etwas runter, damit es für Felix angenehmer wurde und lachte. „Glaub mir, wenn du einen schwedischen Winter mitgemacht hast, dann weißt du es zu schätzen, wenn du sie hast. Die Autos bei uns haben vorne alle eine Steckdose, daran werden sie über Nacht angeschlossen. Über Zeitschaltuhren werden die Sitzheizung eingeschaltet und das Motoröl und noch andere Dinge erwärmt, damit man starten kann. Wenn man hohe Minustemperaturen hat, kann sonst der Motor kaputt gehen. Diese Möglichkeit gibt es fast an jedem Haus.“

„Ah - okay", sagte Felix gedehnt und guckte Ole fragend an. Er hatte zwar schon mal etwas Derartiges gehört, konnte sich das aber nicht richtig vorstellen. So kalt wurde es hier im Pott eher selten. Er rutschte noch ein wenig hin und her, bis es angenehmer wurde und lehnte sich dann entspannter zurück, beguckte sich dabei wieder das Armband, was Ole ihm geschenkt hatte und erforschte, was für lustige Kleinigkeiten daran waren.

Ole sah es aus den Augenwinkeln und freute sich darüber. Er ließ ihn in Ruhe und konzentrierte sich aufs Fahren. Der Schneeregen wurde immer dichter und die Essener Autofahrer waren damit ziemlich überfordert. Immer wieder musste Ole bremsen und das ließ ihn nach einer Weile leise auf Schwedisch fluchen. Fahren bei Schnee in der Stadt war nicht gerade angenehm, zumindest so lange, bis die Autofahrer sich daran gewöhnt hatten.

„Was war?", fragte Felix, der nur nebenbei mitbekommen hatte, dass Ole etwas gesagt hatte und fürchtete nun, er hätte nicht zugehört und etwas verpasst und Ole erwartete jetzt eine Antwort. Er wollte nicht unhöflich erscheinen, noch weniger unaufmerksam und sowieso sollte Ole nur das Beste von ihm denken.

„Hm? Nichts, ich hab nur geflucht, weil die vor mir so bescheuert fahren.“ Ole sah kurz zu Felix und lächelte. „Gott sei Dank sind wir bald Zuhause und dann sollen die anderen fahren, wie sie wollen.“ Ole lenkte den großen Wagen sicher und ihm machte das bisschen Schnee nichts aus, da war er Schlimmeres gewohnt. So kamen sie auch unbeschadet bei ihm an und er wurde ein wenig aufgeregt, weil er gespannt war, wie Felix seine Wohnung fand.

Doch der starrte seinen Chauffeur schon eine ganze Weile an und dann sagte er endlich das, was ihm schon eine ganze Weile auf der Zunge lag. „Du kannst so richtig schwedisch? Sag mal noch was." Seine Augen leuchteten, denn außer ein bisschen Englisch in der Schule und reichlich Türkisch in seiner Wohngegend, hatte er noch keine Fremdsprachen gehört. Er war ja auch noch nie wirklich aus seinem Viertel raus gekommen.

„Välkom hem till mig“, sagte Ole ernst, aber seine Augen lachten dabei. Er freute sich, weil Felix sich dafür interessierte. Das hatte Henning nie getan und das war auch einer der Gründe gewesen, warum es mit ihnen nicht geklappt hatte.

„Klingt cool", lachte Felix. „Und ich kann nur für dich hoffen, dass das was Nettes war und nicht gerade so viel hieß wie: Felix ist das dümmste, was mir seit langem über den Weg gelaufen ist. Aber ich glaube, dafür war das zu kurz", kicherte er und sah Ole erwartungsvoll an. Schließlich wollte er jetzt auch wissen, was das hieß.

„Nein, so etwas würde ich nie sagen.“ Ole sah Felix gespielt empört an und boxte ihn leicht gegen den Arm. „Es heißt: Willkommen bei mir Zuhause“, erklärte er dann und schnallte sich ab. Bis zur Haustür waren es nur wenige Meter, das sollten sie relativ trocken schaffen. „Und damit der Satz sich auch erfüllt, sollten wir aussteigen, denn sonst wird das nix.“

„Gut, dann machen wir das doch gleich mal, wenn ich so herzlich eingeladen worden bin." Felix zerrte sich die Jacke von der Rückbank und zog sie über, denn er wusste ja nicht, wie weit sie jetzt noch laufen mussten. „Geh vor, ich folge!" Er grinste und hüpfte aus dem Wagen, zog die Kapuze wieder über den Kopf und hielt die Jacke vorn zu. Er war zu faul, sie zuzumachen. Wenn das seine Mutter sah, sie würde ihm die Mauseplautz-Ohren lang ziehen, denn er hatte einen Hang zur Bronchitis. Er fing sich jedes Jahr eine ein und dieses Jahr hatte er noch keine gehabt.

Ole lief schnell vor und schloss die Haustür auf, damit Felix gleich ins Warme konnte. Als die Tür hinter seinem Freund zufiel, öffnete er die Wohnungstür und angenehme Wärme schlug ihnen entgegen. „Herein mit dir und fühl dich wie Zuhause“, lud er Felix ein und ging schon einmal vor, damit sein Freund seine Wohnung betreten konnte. Nicht dass es sonderlich eng in seinem Flur gewesen wäre, das nun wirklich nicht und das entging auch Felix nicht.

„Wow", murmelte der leise, als er merkte, dass die Ausmaße des Flures denen seiner Küche entsprachen. Eilig streifte er sich die Schuhe von den Füßen und hängte die nasse Jacke auf einen Kleiderbügel an der Garderobe, ehe er sich verschämt umsah und durch die erste offene Tür lugte.

„Guck dich ruhig um, ich mach uns was zum Aufwärmen“, bot Ole an, merkte aber das unentschlossene Zögern, weil Felix nicht alleine durch die Wohnung laufen wollte. „Oder soll ich dir alles zeigen? Dann machen wir den Glögg danach zusammen.“

„Mach den Führer", nickte Felix hastig, denn er bewegte sich auf fremdem Terrain immer etwas unsicher. Hastig kam er zu Ole gelaufen, damit er auch nichts verpasste und fand sich schon im großen Wohnzimmer wieder. Neidisch musste Felix eingestehen, der Raum war so groß wie die gesamte Mauseplautz-Höhle. Doch er war relativ spartanisch aber geschmackvoll eingerichtet. An einer Wand eine schlichte Regalkombination mit offenen Elementen und Türen, Hängeteilen und mittendrinnen ein riesiger Plasmabildschirm. Felix machte große Augen und kam über das Parkett gewuselt, auf die große Couch zu. Bestimmt vier mal vier Meter maß die Eckkombination. So was hatte Felix noch nie gesehen.

Ole guckte zu, wie Felix sich auf seine Couch schmiss und sich freudig quietschend darauf herumrollte. „Na komm, du kleiner Floh, es gibt noch mehr zu sehen.“ Ole hielt Felix die Hand hin und zog ihn hoch. Der nächste Raum war das Schlafzimmer. Genau wie das Wohnzimmer, relativ groß und spärlich eingerichtet. Es wurde dominiert von einem großen Schrank und natürlich dem Bett. Ihm gegenüber stand ein weiterer Plasmabildschirm und eine, ungefähr einen Meter durchmessende Glasschale, in der sich Oles gesammelte Schätze befanden.

„Boah!", war Felix' erste Reaktion und er wusste gar nicht, wo er als erstes hinlaufen sollte. Das Bett lockte, aber die Schale mit den Steinen und Muscheln und Knochen und Ästen und Seesternen auch. Er trippelte also immer etwas hin und her, wie er es schon in der Ausstellung getan hatte, als er sich nicht hatte entscheiden können, entschied sich dann aber als erstes für das Bett. Es gehörte sich nicht, ungefragt in fremde Betten zu fallen - doch hier tat er das mal und sank rücklings auf die riesige Fläche. Es stimmte wirklich: Luxus war, Platz zu haben.

„Halt! Stopp!“, rief Ole gleich und sah Felix streng an. „Erst der Sicherheitscheck. Handy am Mann und geladen? Proviant vorhanden? Wanderkarte griffbereit? Sicherungsseil am Sicherheitsole eingehakt?“, fragte er ernst und tat so, als wenn er alles auf einer Liste abhaken würde. „Wenn das nicht gegeben ist, muss ich ihnen leider die Einreise in Oles Traumland verwehren.“

„Und wie ist das, wenn ich, anstelle von Handy, Leine und Karte, einfach den Sicherheitsole mitnehme?", fragte Felix keck und überlegte nicht lange, als er seine Beine um Oles Knie schlang, der vor ihm stand und ihn abschätzend ansah. Und so brachte er den großen Körper aus dem Gleichgewicht, wie er es gern mit Mario tat, wenn der wieder versuchte, Herrn Mauseplautz von der Couch zu ekeln.

„Uah“, machte Ole, der damit gar nicht gerechnet hatte. Er konnte sich nicht mehr halten und fiel aufs Bett und somit auch auf Felix. Zwar konnte er sich noch halbwegs mit den Armen abfangen, aber der Großteil seines Gewichtes plumpste auf Felix und blieb erst einmal dort liegen. Es war Himmel und Hölle zugleich. Endlich konnte er mehr von Felix spüren, aber doch wusste Ole, dass Felix davon nicht so begeistert sein würde. „Lebst du noch?“, fragte er vorsichtig und stemmte sich ein wenig höher. Dabei sah er seinen Gast fragend an und Felix grinste etwas gequält.

„Geht schon. Bist nicht der erste, der mich so in die Matratze drückt. Macht Mario auch", wiegelte Felix ab, denn er war ja nicht aus Zucker. Er konnte schon was wegstecken. Außerdem war das eben ja auch seine eigene Schuld gewesen. Er hatte Ole geschubst, damit hätte er rechnen müssen. Sicher, das schwere Gewicht auf seiner Brust hatte ihm die Luft aus den Lungen gedrückt, doch es war irgendwie auch prickelnd gewesen, als Oles heißer Atem ihm überraschend gegen den Hals geschlagen war.

„Na dann“, grinste Ole und senkte sich wieder etwas tiefer, aber er achtete darauf, dass er nicht ganz auf Felix lag. „Du weißt schon, dass deine Aussage, dass Mario dich in die Matratze drückt, recht zweideutig ist?“, lachte er, um zu provozieren, dass sein Freund rot wurde. „Ich wundere mich nur, dass Jan das einfach so zu zulässt. Sonst lässt er seinen Schatz doch nicht aus den Augen.“

„Ach, da mach dir mal keine Sorgen. Jan weiß so gut wie ich, dass Mario und ich echt nicht in Frage kämen. Ich bin nicht sein Typ und er auch nicht meiner." Felix sah das nicht so eng und so lange er noch einen Platz auf der Couch fand, so lange durfte Mario fast alles mit ihm machen. Jan sorgte schon dafür, dass es nicht ausartete und kein Mauseplautz dabei verletzt wurde. Er grinste Ole an und wehrte sich auch nicht gegen das Gewicht. Zwar machte ihm sein Kopf klar, dass er das eigentlich müsste, wenn ein fremder Kerl auf ihm lag und er sich nicht wehren konnte, doch Felix erklärte seinem Hirn, dass Ole doch kein Fremder war, sondern Ole! Das war doch etwas völlig anderes.

„Bewundernswert“, murmelte Ole und ließ sich von Felix rollen, blieb aber so auf der Seite liegen, dass er seinen Freund ansehen konnte. „So eine Freundschaft findet man selten, besonders unter Männern.“ Er war ein wenig neidisch, zeigte es aber nicht. Er wollte nicht schon wieder an Henning denken. Der schnucklige Rothaarige neben ihm war doch viel interessanter.

„Was soll ich machen? Ich bin mit denen groß geworden und auch als sie ihre Neigung zum eigenen Geschlecht entdeckt haben, haben sie sich als Menschen ja nicht verändert." Für Felix war es schlicht normal, mit ihnen so umzugehen. Dass es das eigentlich nicht war, war ihm sehr wohl bewusst. Er würde auch nicht mit vielen so offen umgehen und diesen engen Kontakt suchen, wie mit Jan und Mario. Ole bildete da eben eine rühmliche Ausnahme. „Und warum macht es dir nichts aus?", fragte er offen, weil ihn das interessierte.

„Weil es ein Scherz war und ich noch nie Berührungsängste hatte, egal ob bei Mann oder Frau.“ Ole grinste frech und piekste Felix in die Seite. „Außerdem bist du ziemlich bequem, nur die spitzen Beckenknochen pieksen ein wenig, darum bin ich ja wieder runter gegangen. Ich werde dich ein wenig füttern, damit die Knochen gepolstert sind und dann probieren wir es noch einmal.“

Skeptisch hob Felix eine Braue und wusste nicht, ob er pikiert oder beleidigt sein sollte. Das klang ja gerade so, als wäre er zu dürr! Er guckte an sich runter und strich sich über die Hüftknochen. Da war doch gar nichts zu merken. Er zog also den Pullover hoch und die Hose tiefer, rieb wieder darüber. „Stimmt doch gar nicht", murmelte er und sah Ole an. „Da, fass an! Von wegen knochig. Ich bin nicht knochig!"

Bevor Ole etwas sagen konnte, hatte Felix schon seine Hand gegriffen und rieb damit über seinen Bauch und die Beckenknochen. Ole musste schlucken, als er die weiche Haut unter seinen Fingern spüren konnte. „Stimmt“, murmelte er brüchig und leckte sich über die Lippen. Das war die reinste Folter. Alles, was er begehrte, war so nah und doch unerreichbar. Darum entzog er Felix seine Hand, weil er nicht Gefahr laufen wollte, etwas Unüberlegtes zu tun. „Ich habe bestimmt falsch gelegen. Apropos zu dünn. Hattest du nicht Hunger? Wir sollten unsere Tour fortsetzen und sie in der Küche enden lassen.“ Dabei erhob er sich hastig und auch Felix setzte sich wieder auf.

„Auf was Spitzem gelegen?", murmelte der leise vor sich hin und zupfte sich die Klamotten wieder zu Recht. Doch dann war das auch schon wieder alles vergessen, schließlich lockte die Aussicht auf Essen und sein Magen erklärte ihm, wie toll er diese Idee fand. Also folgte er Ole wieder.

Das Arbeitszimmer war schnell abgehakt, denn da gab es nicht viel zu sehen. Allerdings ging das beim Badezimmer nicht. Felix stand mit aufgerissenen Augen und offenem Mund in der Tür und bewegte sich nicht mehr. Sein Blick huschte durch den Raum und da gab es einiges zu sehen. Am hervorstechendsten waren aber wohl die riesige Badewanne und der Plasmafernseher an der Wand, damit man beim Baden bequem fernsehen konnte.

„So stell ich mir den Himmel vor", murmelte Felix und kam näher. Schon allein die Fußbodenheizung unter den Fliesen schmeichelte den Füßen und so war er eins zwei fix die wenigen Stufen hoch gelaufen, um die im Podest eingelassene Wanne näher zu begutachten. Sie war doppelt so lang wie normal, so dass auch Ole die Beine nicht anziehen musste, wenn er darin lag. Der Bildschirm war speziell für Nassräume konzipiert. Ebenso das Touchpad direkt an der Wand und in Reichweite der Wanne. Es musste der Himmel sein, hier zu liegen, sich zu entspannen und dabei einen Film zu gucken. Der Kerl verstand es echt zu leben!

„Du kannst es gerne ausprobieren, wenn du möchtest. Mein Himmel sei auch der deine.“ Ole hatte Felix zugesehen und allein das Leuchten seiner Augen war herrlich gewesen. „Die Wohnung gehört meinen Eltern und ich habe sie von ihnen gemietet, als ich zurück nach Deutschland gekommen bin. Aber nur, weil ich die Zusage hatte, ein paar kleine Umbauarbeiten vornehmen zu dürfen.“

„Ah", machte Felix verstehend und rutschte bäuchlings in der großen Wanne herum. Zum Glück trug er keinen Gürtel oder sonstige scharfe Gegenstände, die der Beschichtung hätten schaden können und so war er im Augenblick einer Robbe nicht ganz unähnlich. „Deine Eltern verstehen es zu leben", sagte Felix und rollte sich auf den Rücken, um zu Ole hoch zu sehen, der neben der Wanne stand und sich sichtlich amüsierte.

„Hab ich wohl von ihnen geerbt“, lachte Ole und setzte sich auf den Beckenrand. Felix' Begeisterung hatte seine Vorstellungen noch übertroffen. Er hielt Felix wieder die Hand hin, denn sie hatten beide Hunger und Felix hatte ja noch gar nicht die Küche gesehen. Was sein Freund dazu sagen würde, darauf war er eigentlich am meisten gespannt. Schließlich hatte er - ohne es zu wissen - schon darinnen herum geturnt und dabei hatte Ole ihn auch das erste Mal gesehen. Umso intensiver beobachtete er Felix, als er ihn vor sich her in die Küche schob.

„Ich glaub's nicht!", murmelte Felix, als er die Küche sah, in die er sich bei IKEA verliebt hatte. Und da waren auch die Leiter und die zwei Reihen Hängeschränke, die große Arbeitsinsel mit Herd mitten in der Küche. Für Ole vielleicht genau richtig, aber für Felix wohl ein bisschen zu hoch. Doch egal. Felix schlich näher und sah sich um.

Ole blieb erst einmal in der Tür stehen, damit Felix sich ungestört umsehen konnte, kam aber hinterher, als Felix auf die Leiter zulief. „Moment“, rief er lachend, „der Sicherheitsole kommt.“ Er hatte eigentlich keine Angst, dass sein Freund wieder strauchelte, aber er musste ihn einfach ärgern. „Als meine Eltern die Küche gekauft haben, durfte ich mitentscheiden und ich fand sie genauso klasse wie du.“

„Klasse ist ja gar kein Ausdruck", sagte Felix freudig und kletterte auf der Leiter noch etwas weiter nach oben. Schließlich würde Ole ihn schon auffangen, sollte er wieder fallen. „Darf ich?", fragte er und hatte die Hand schon an der obersten Reihe Hängeschränke. Dabei sah er Ole fragend an, man wusste ja nicht, was er da oben verstaute, was niemanden etwas anging.

„Nur zu, tu dir keinen Zwang an. Du kannst dir in meiner Wohnung ansehen, was du möchtest.“ Ole sah zu Felix hoch. Das war ungewöhnlich für ihn und es gefiel ihm, mal nicht nach unten schauen zu müssen. „Da oben wist du nur Dinge finden, die selten benutzt werden und einiges an Deko.“

„Deko", machte Felix grinsend und sah Ole noch einmal abschätzend an. Doch dann hatte er schon die Tür geöffnet und erwartete, dass er - wie bei Mario vor ein paar Tagen - von einer Kiste fast erschlagen wurde. Doch dem war nicht so. Säuberlich geschichtet standen dort eine Menge Kartons. Felix verzog das Gesicht, weil er nicht viel erkennen konnte und grinste nach unten. „Meine Güte, bist du ordentlich. Bei mir würden die obersten Fächer aber ganz anders aussehen."

„Bei mir auch. Nur bei den Dekosachen nicht. Die Weihnachtsdeko behandle ich immer sehr vorsichtig, weil ich daran hänge“, lachte Ole. „Du hast genau den richtigen Schrank erwischt. Wenn du Lust hast, hol sie raus und wir verteilen sie nachher.“ Er hob seine Arme an, damit Felix, wenn er wollte, anfangen konnte.

„Gleich", sagte er aber und hatte schon die nächste Tür in der Hand, die er erreichen konnte. Doch groß war das Entsetzen, als auch dahinter nur ordentlich geschichtete Kisten standen. „Entweder hast du viel Deko oder du hast mich gerade belogen, damit ich mich besser fühle." Lachend fing er an, aus dem Schrank die Deko-Sachen nach unten zu reichen und staunte nicht schlecht, wie viel in diese Schränke passte.

„Die letzten zwei solltest du besser nicht öffnen. Da drin sind Herden von Tupperdosen, die nur darauf lauern, dass ein unbedarfter Mensch die Tür öffnet und sie endlich frei sein können.“ Ole stapelte die Kisten, die Felix ihm reichte, auf der Anrichte und besah sich dann den großen Turm. „Ich glaube, du hast Recht, ich habe viel Deko.“

Doch Felix hatte ihm gar nicht zugehört, er starrte auf die beiden Türen, hinter denen das Chaos lauern sollte und er wusste nicht, was er tun sollte. Es war wie mit schlechter Milch, von der man wusste, wie sie schmeckte und man kostete trotzdem. Es war der innere Drang. Außerdem war er sich nicht ganz sicher, ob Ole nicht wieder flunkerte und dahinter auch das aufgeräumteste Tupper-Dorf stand, dass er je gesehen hatte.

Man konnte ihm seine Gedanken regelrecht ansehen und so nickte Ole schließlich. „Mach sie auf, aber vorsichtig. Wenn du sie allerdings befreist, musst du sie auch wieder einräumen.“ Er stellte sich vorsorglich schon einmal so, dass die Lawine ihn nicht erwischen konnte, denn dass Felix die Türen öffnete, da war er sich ziemlich sicher.

Unsicher guckte Felix noch einmal und so wie er Ole sich in Sicherheit bringen sah, glaubte er ihm ausnahmsweise. Das hieß aber noch lange nicht, dass er nicht auch seine brennende Neugier befriedigen musste. Doch er öffnete die Tür nur ganz vorsichtig einen kleinen Spalt, ahnte schon, was passierte, wenn er sie jetzt los ließ und drückte sie schnell wieder zu. Er hatte gesehen, dass Ole doch menschlich war, das reichte ihm. So kam er die Leiter wieder herunter und sah sich noch ein bisschen um.