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IKEA Sonderposten - Teil 13 bis 16

13

Ole nutzte die Zeit, um sein vorbereitetes Essen aus dem Kühlschrank zu holen und im Backofen aufzuwärmen. Er musste jetzt nur noch Kartoffeln schälen und die Soße machen. Essen konnten sie dann, wenn die Kartoffeln gar waren. „Felix, möchtest du schon einen Glögg vor dem Essen? Dann mach ich uns welche fertig.“

„Nein, nein", sagte Felix eilig und folgte ihm wie ein braver Hund. „Lieber erst was essen. Du weißt schon. Nackt auf dem Tisch tanzen und so - lieber nicht." Er guckte lieber durch das Fenster in den beleuchteten Ofen, doch er konnte von außen nicht erkennen, was im Ofen herum lungerte, um warm zu werden. „Was gibt es denn?", fragte er also neugierig und sah zu, wie Ole Kartoffeln zur Arbeitsfläche brachte.

„Köttbullar. Ich kann mich erinnern, dass drei junge Herren vor kurzem ganz wild darauf waren. Ich habe sie selbst gemacht, nach einem Rezept meiner Großmutter und hoffe, dass du sie ebenso lecker findest wie die von Ikea.“ Während er redete, schälte er die Kartoffeln und warf sie in den Kochtopf.

„Köttbullar", sagte Felix verträumt und sah Ole an. „Wenn du eine Frau wärst, würde ich dich jetzt wohl sofort heiraten", lachte er und guckte wieder durch das Fenster. Ole war nicht nur nett und aufmerksam, er war ein guter Freund und vor allem ein unglaublich angenehmer Zeitgenosse. Sicher, seine Wohnung war auch nicht gerade zu verachten, doch das war es nicht, was Ole ausmachte. „Dass du noch Single bist, ist wirklich unverständlich."

Weil er in den Ofen sah, konnte Felix nicht den traurigen Ausdruck sehen, der sich kurz auf Oles Gesicht gelegt hatte. Er schätzte seine Chancen, dass Felix sich in ihn verlieben konnte, immer geringer. Aber ihn wieder aufgeben wollte er auch nicht, denn er war gern mit ihm zusammen. Dann wollte er wenigstens mit ihm befreundet sein, auch wenn es nicht leicht sein würde, weil er dann vor ihm verheimlichen musste, dass er schwul war. So stellte er den Topf mit den Kartoffeln auf den Herd und guckte nicht schlecht, als plötzlich Felix neben ihm auf der Arbeitsplatte saß und ihn forschend beobachtete.

„Wo hast du eigentlich kochen gelernt und hast du es gern gelernt? Meine Mutter wäre sehr glücklich, wen ich solch ein Talent hätte wie du. Sie glaubt, ich werde jämmerlich verhungern. Sie kommt immer mal vorbei und bringt was. Rein zufällig natürlich", fing er an zu plaudern und lachte.

„Ist genau der richtige Platz für dich“, schmunzelte Ole und strich Felix kurz über das Bein. „Meine Mutter hat es mir beigebracht. Als Kind war ich gerne mit ihr in der Küche, wenn sie da war und keinen Dienst hatte, ich wollte dann immer da spielen, wo sie war. Irgendwann habe ich angefangen zu helfen und als ich größer wurde, meinte sie, dass ich bei den Mengen, die ich verdrücke, ruhig selber kochen sollte.“

Felix kicherte albern. „Selbstversorger", lachte er. „Ole, die siebenköpfige Raupe." Er stichelte und versuchte immer wieder, den blonden Riesen mit seinen Füßen zu fangen. Er fühlte sich gerade rundherum wohl wie lange nicht. „Ich glaube, meine Mutter hat mehr an ihrer Küche gehangen, als sie zugeben wollte, deswegen war ihr mein Desinteresse an Rezepten und Experimenten ziemlich lieb. Auch wenn sie offiziell immer sagt: Meine Güte, der verhungert doch, wenn man den nicht bekocht." Felix zuckte die Schultern. Ein bisschen kochen konnte er ja und der Supermarkt sorgte dafür, dass er immer ein bisschen Fertigfutter im Haus hatte.

„Ich kann es dir beibringen, wenn du willst und dann kannst du sie überraschen. Aber wenn es dir lieber ist, koche ich, das macht mir nichts aus.“ Ole tänzelte vor Felix herum und ließ sich schließlich fangen. Die Aussicht, wieder nahe an Felix heranzukommen, war einfach zu verlockend. „Ich bin keine siebenköpfige Raupe, sondern ein starker Wikinger, der eben viel essen muss“, schmollte er gespielt und sah Felix durch seinen Pony an. Ohne es wirklich zu wollen, brachte er Felix dazu, kurz wie versteinert zu sitzen, denn das merkwürdige Gefühl, das ihn bei diesem Blick durchlief, konnte er nicht einordnen.

„Wikinger, so, so", sagte er nach einer Weile und zog Ole weiter zu sich. „Ich steh aber mehr auf Insekten. Ich hätte lieber eine Raupe, aus der irgendwann ein hübsches Motti wird", konnte er sich nicht verkneifen, denn er hatte den Drang, das merkwürdige Gefühl im Inneren abzuwürgen.

„Du“, brummte Ole und zog Felix in seine Arme, damit er ihn kitzeln konnte. „Ich bin viel toller als so eine Motti. Ich bin nämlich nützlich.“ Seine Finger flogen über Felix’ Seiten, aber er war gnädig. Die Kartoffeln fingen an zu kochen und er musste noch die Soße machen. Darum ließ Ole Felix wieder los und grinste ihn an.

„Auch Motti ist nützlich", japste Felix und erholte sich langsam wieder. Er rückte ein Stückchen ab, gab aber Acht, nicht von der Arbeitsplatte zu rutschen. „Motti sorgt dafür, dass ich nicht so alleine in meiner Bude bin. Vielleicht lege ich mir irgendwann noch Haustiere zu. Ich kann ja nicht immer Jan und Mario auf die Nerven gehen oder dir, wenn ich mich gerade wieder alleine fühle." Und wenn er zu seiner Mutter ging, dann fühlte die sich nur bestätigt. Neugierig sah er zu, wie Ole anfing, die Soße zu machen - das Beste an den Köttbullarn.

„Weder Mario und Jan, noch ich haben etwas dagegen, wenn du zu Besuch kommst.“ Ole guckte kurz beim Rühren zu Felix hinüber und lächelte, damit sein Freund wusste, dass er das ernst meinte. „Ich bin ja auch alleine und wie du so schön sagtest, können wir doch prima zusammen Single sein.“

„Ja, das können wir." Felix gab sich versöhnt und grinste wieder. Dabei hatte er schon nach einem Löffel geangelt, um zu probieren, was Ole da zauberte. Doch er wurde immer wieder vom Topf vertrieben, weil die Soße noch nicht fertig war. „Wenn wir mit dem Dekorieren durch sind, backen wir dann noch ein paar Kekse?", fragte er mehr beiläufig, weil er Ole nicht drängen wollte. Der hatte schon mehr für Felix getan, als der wieder gut machen konnte.

„Wenn du dir das antun willst, meinetwegen. Aber ich kann das nicht. Backen ist etwas, wozu ich kein Talent habe. Also erwarte keine Meisterwerke, eher etwas, was sich dazu eignet Zähne zu zerstören.“ Ole lachte leise und ließ Felix endlich probieren. Er war schon gespannt, wie ihm die Soße schmeckte. Er jedenfalls fand sie sehr gelungen.

Natürlich sauste der Löffel in die Soße, kaum dass Ole sie freigegeben hatte und leises Stöhnen erfüllte die Küche. „Ist die gut!" Felix verdrehte die Augen und steckte den Löffel gleich noch einmal in die Soße. Nur gut, dass Ole ein schlauer Ole war und reichlich Soße gemacht hatte. So bestand die geringe Chance, dass nachher zum Essen noch zwei Löffel voll da waren.

„Ach, wir werden schon einen einfachen Teig hin kriegen", nuschelte er mit dem Löffel im Mund.

„Dein Wort in Gottes Ohr.“ Ole war richtig stolz, dass es Felix so gut schmeckte. Er schüttete die Kartoffeln ab und holte die Klopse aus dem Ofen. „Los, Tisch decken“, rief er streng und sagte ihm extra nicht, wo die Teller waren. Dann konnte Felix noch ein wenig durch seine Küche stöbern. Erst guckte er in die für ihn gut zu erreichenden Schränke, besann sich dann aber darauf, dass Ole um einiges größer war und er vielleicht in Schränken gucken sollte, die für Ole gut zu erreichen waren. So hörte man eine Weile das Klappern von Türen, bis Felix freudig: „Gefunden!", rief und zwei große Teller an sich brachte. Besteck hatte er auf seinem Streifzug schon gefunden und so brachte er alles zur Theke, die an der Arbeitsfläche angebracht war.

„Perfekt.“ Ole blieb am Herd stehen und ließ sich die Teller zum Füllen geben. Wie es sich gehörte, hatte er auch eingelegte Preiselbeeren. Ohne die war es einfach nicht perfekt. Jeder bekam eine großzügige Portion und dann saß er neben Felix. „Lass es dir schmecken. Es ist noch genug da.“

„Wenn ich mal sterbe, dann will ich in deiner Wohnung landen. Der Himmel kann nicht besser sein", nuschelte er mit vollem Mund und wirkte sehr glücklich. Jeder Bissen war ein Genuss und er lobte den talentierten Koch in den höchsten Tönen. „Ich glaube, ich muss doch noch ein bisschen bei dir in die Schule gehen. Jetzt, wo ich weiß, was für leckere Sachen man kochen kann, werde ich mich mit Tiefkühlpizza nicht mehr zufrieden geben können." Welch Tragik.

„Also gut, dann gehst du bei mir in die Lehre. Ich bringe dir bei, was ich kann und dann überraschst du deine Mutter mit einem tollen Essen. Dann glaubt deine Mutter nicht mehr, dass du verhungerst und ist beruhigter. Glaub mir, ich weiß wovon ich rede.“ Ole ließ es sich genauso schmecken wie Felix und eine Weile hörte man nur das Klappern von Besteck.

„Dir gefällt meine Wohnung?“, fragte er schließlich. „Du musst aber nicht erst sterben, um hier her zu kommen. Das fände ich nämlich ziemlich schade.“

„Na ja." Felix wirkte etwas verlegen. Was hatte er denn da wieder gesagt, ohne den Kopf einzuschalten? „Aber deine Bude ist schon der Hammer. Nach dem finanziellen Wert, der da drinnen steckt, frage ich lieber nicht, aber sie hat das, was ich brauche. Der größte Unterschied zu meiner ist der integrierte Sicherheitsole, ein witziges aber auch nützliches Gimmick." Nickend sah Felix seinen Freund an und versuchte sich das freche Grinsen zu verkneifen.

„Siehste“, kicherte Ole und machte sich noch größer. Er war wichtig, so hatte er das jetzt verstanden. „Aber da der Sicherheitsole transportabel ist, kannst du ihn dir ja immer ausleihen, wenn du ihn brauchst.“ Sie waren albern, aber es war schön, einfach nur zu blödeln, ohne allzu sehr auf seine Worte achten zu müssen.

„Oh. Ein Sicherheitsoleverleihservice. Wenn das kein Wort fürs Glücksrad ist, was dann?", lachte Felix und stellte sich das gerade vor, wie er auf der Leiter im Büro stand und schnell das Handy zückte, um einen Sicherheitsole zu bestellen, ehe er die nächste Stufe nach oben kletterte. Die würden im Büro aber blöd gucken. Vor allem Manu und die anderen aus der Damenriege - besser er passte gut auf sich auf, dann war ein Sicherheitsole im Büro nicht nötig.

Ole wusste nicht, was Felix dachte, aber es war faszinierend, wie die Emotionen auf dem Gesicht wechselten. Er wollte ihn nicht stören und weil er satt war, stand Ole auf. Er wollte Glögg machen und vom Herd aus konnte er sich genauso gut mit Felix unterhalten. Auf der Arbeitsfläche stand der angesetzte Wodka und verströmte einen würzigen Duft, als Ole das Gefäß öffnete und so lockte er auch Felix wieder in seine Welt. Der schnupperte und sah sich um, ehe er Ole mit dem Glas bemerkte. „Was ist das denn? Riecht ja heftig!" Neugierig wie er nun einmal war, beugte er sich weiter vor, um besser sehen zu können, was Ole da schon wieder anstellte.

„Das ist für den Glögg. Ist Wodka mit verschiedenen Kräutern. Wenn die Adventszeit kommt, setze ich ihn an, damit ich dann ab und zu was davon nehmen kann, wenn ich Lust darauf habe.“ Ole hatte nebenbei noch eine Flasche Rotwein geöffnet und goss den Wein in einen Topf, damit er ihn erwärmen konnte. Noch den Wodka und Zucker dazu und erst einmal war alles erledigt. Felix hatte ihm dabei zugesehen und geguckt, wie viel Alkohol hinein kam. Besser er hielt sich dann ein bisschen zurück, denn leider schlug Alkohol bei ihm sehr schnell an. Er war kein großer Trinker, denn es wurde jedes Mal peinlich.

„Ich seh schon, du willst mich nackt auf dem Tisch tanzen sehen", sagte er lachend und räumte die leeren Teller zusammen, um sie in die Spüle zu stellen.

„Ich pass schon auf, dass du das nicht machst. Du musst auch nicht trinken, wenn es dir lieber ist.“ Ole konnte das verstehen und wäre deswegen nicht beleidigt. Er öffnete eine Kiste, die neben dem Herd stand und grinste. „Die hier solltest du verteilen“, meinte er und hielt einen kleinen Weihnachtselch hoch. Die ganze Kiste war voll davon. Und so bekam Ole genau das, was er zu sehen gehofft hatte. Strahlende Augen und einen grinsenden Felix, der wie an Fäden gezogen zu ihm geschwebt kam.

„Oh, ist der süß!" Und schon hatte Felix zugegriffen und herzte den kleinen Plüschelch erst einmal. Er trug eine Mütze und ein Geschenk und als er in die Kiste guckte, waren da noch ganz viele. Manche trugen Kostüme, manche waren nackt, manche hatten Geschenke, andere Zweige. Ein paar waren mit Magneten, um sie an Metallflächen zu heften. Andere hatten Kerzenhalter in den Hufen. Und einer hatte sich sogar versucht als Rentier zu verkleiden, der war freilich für Felix der coolste von allen.

Er hatte alle Elche aus dem Karton befreit und begrüßt und das verkleidete Rentier hielt er immer noch in Händen und streichelte ihn. Ole konnte gar nicht anders, als sich vorzubeugen. „Los, verteil sie ruhig in der Wohnung. Du hast freie Hand und den kleinen Pelle kannst du gerne behalten. Deine Wohnung ist doch noch völlig unbeelcht.“

„Wie bitte?", fragte Felix etwas irritiert und guckte auf den kleinen Elch in seiner Hand. Es war verlockend, danke zu sagen und ihn einzustecken, doch dann sah er Ole schief grinsend an. „Ist lieb von dir, aber dann ist er ganz alleine bei mir. Ich lasse ihn bei seiner Herde und komme ihn einfach immer besuchen", schlug er stattdessen vor und fand, dass er sehr tapfer gewesen war. Dabei sah er Pelle an und der schien zu nicken. Schließlich waren nicht alle Elche Einzelgänger.

„Gut, dann lass Pelle hier und besuche ihn.“ Ole fand es richtig niedlich, dass Felix die Plüschies wie echte Tiere behandelte. Er öffnete weitere Kisten und einige machte er gleich wieder zu, denn darin war Baumschmuck und den brauchten sie nicht. Da Ole die Feiertage in Schweden verbringen wollte, hatte er sich gegen einen Weihnachtsbaum entschieden.

„Er kann ja mal ab und an für eine Woche mit zu mir kommen und Motti kennen lernen. Vielleicht kann er auch im Sommer bei mir bleiben, wenn er nicht in deiner Wohnung arbeiten muss", schlug er vor und stellte sich das vor, wie er das Sommerlager für die Elche gab. Doch dann machte er sich daran, die Herde zu verteilen. Er wollte damit anfangen, die Magnet-Elche an den Kühlschrank zu pinnen, doch mit der Erinnerung an den ganzen Dunst, der beim Kochen entstand, ließ er es bleiben und stromerte los, um bessere Plätze für seine Schützlinge zu finden.

Ole ließ ihn machen. Er selbst sortierte noch ein paar Kisten aus, die sie nicht brauchten und verstaute sie wieder in den Schränken. Die verbliebenen Schachteln hatte er geöffnet, damit sie sehen konnten, was drin war. Zwischendurch hatte er zwei Gläser Glögg fertig gemacht und brachte sie ins Wohnzimmer, wo Felix gerade nette Plätzchen für kleine Elche suchte.

Ein paar hatten einen Platz in der Schrankwand gefunden. Freilich saß Pelle auf dem großen Plasma-Fernseher, damit er auch ja nichts verpasste. Derweil war Felix mit dem Rest der Herde schon weiter gezogen. Ein paar lungerten auf der Couch herum, ein paar auf dem Schreibtisch - selbst auf dem Boden, rund um die große Topfpflanze, flitzten ein paar herum. Der Rest wurde gerade im Schlafzimmer verteilt. Hoffentlich verliefen sie sich nicht im Bett.

Als alle verteilt waren, kam Felix wieder ins Wohnzimmer, wo Ole auf der Couch saß und ihm entgegensah. „Na, alle zufrieden? Elche können manchmal anspruchsvoll sein.“ Ole klopfte neben sich. Er wollte wenigstens mit Felix anstoßen, auch wenn der Glögg vielleicht nicht ganz der Geschmack seines Freundes war. „Die Kekse“, rief er plötzlich und sprang auf. Sie wollten doch die Kekse seiner Oma naschen. Eigentlich waren die abgezählt und reichten genau bis zu dem Tag, wenn er in Schweden aufschlagen wollte, doch er war bereit das Oper zu bringen, sie mit Felix zu teilen.

„Ja, alle Elche beglückt", erklärte Felix zufrieden und ließ sich auf die riesige Couch fallen und streckte gleich die Beine von sich. Herrlich! Er schnüffelte an der Tasse, die er in Händen hielt und grinste. Das roch schon mal ziemlich gut. „Na dann", er hielt seine Tasse Ole entgegen, „skål - oder so ähnlich."

„Passt.“ Ole ließ seine Tasse gegen Felix’ stoßen und setzte sich wieder. Sie nahmen einen Schluck und Ole brummte zufrieden, als der Geschmack des Alkohols sich in seinem Mund verteilte. So musste Glögg schmecken. Die kleine Dose mit den Plätzchen hielt er noch in der Hand. „Dazu musst du Kekse essen, dann schmeckt er noch besser.“

„Du teilst deine eisernen Reserven mit mir. Ich bin so ergriffen!", sagte Felix, ließ sich aber nicht zweimal bitten. Nicht bei Sandgebäck! Da war sich jeder Felix selbst der nächste und so verschwand der Keks gleich in seinem Mund und er stöhnte zufrieden. „Isch d'r uuuut!", nuschelte er und lehnte sich zurück.

Ole nickte nur, weil er den Mund voll hatte und musste kichern. Wenn jemand sie hören konnte, musste er glauben, dass sie wer weiß was trieben, nur nicht Kekse essen. Für jeden waren 12 Kekse da. Das waren wirklich nicht viele, aber dafür war jeder umso leckerer. „Meine Oma macht sie seit ich denken kann. Immer wenn ich an sie denke, haben ich Plätzchenduft in der Nase.“

„Oma backt heute auch", murmelte Felix und hatte schon wieder ein schlechtes Gewissen und die Sorge, dieses Jahr leer auszugehen. Sosehr seine Familie ihn auch liebte, bei Keksen war sich jeder selbst der Nächste und wer seine Anteile nicht holte, hatte das Nachsehen. „Und ich lerne das auch noch irgendwann", beschloss er gerade tapfer. Das konnte doch so schwer nicht sein. Er prostete Pelle zu und trank noch einen Schluck. Das Zeug war schön süß.

„Den ersten Versuch machen wir gleich“, bestimmte Ole. Da waren zwar noch ein paar Kisten, die leer geräumt und verteilt werden mussten, aber zu zweit schafften sie das bestimmt schnell und dann hatten sie noch genug Zeit zum Backen. „Na komm, wir dekorieren, dabei können wir gut trinken und knabbern. Das macht bestimmt Spaß.“

„Okay!" Felix war wieder sofort an seiner Seite, was vielleicht daran liegen konnte, dass er neugierig war, was in den anderen Kisten war. Nach und nach kamen Figuren und schlichte Girlanden zum Vorschein, genauso wie Kerzenhalter und Bratapfel-Bräter für den Kamin im Wohnzimmer. Immer wenn Felix etwas irgendwo hinstellte, holte er sich das Okay von Pelle, denn der machte den Eindruck, als würde er das Event nicht zum ersten Mal mitmachen. Von dem konnte Felix noch viel lernen.

„Woran ich überhaupt nicht gedacht habe, ist einen Adventskranz zu besorgen. Ich wollte keinen Weihnachtsbaum, weil ich ja Heiligabend nicht da bin, aber so ganz ohne ist doch nicht schön. Ich werde morgen einen kaufen.“ Ole hielt sich aus der Dekoriererei raus und ließ das Felix machen. So wie sein Freund den Inhalt der Kisten verteilte gefiel ihm das sehr gut. Besser konnte er das auch nicht. Er gab immer nur weiter, was platziert werden sollte.

„Ach, ich finde solche Kränze gar nicht so wichtig - wichtig ist nur eine oder zwei oder drei oder vier Kerzen anzuzünden", sagte Felix beiläufig und sah Ole entschuldigend über die Schulter an. „Aber wenn du einen Kranz magst, kauf nur einen. Sieht bestimmt toll aus. Aber die Dinger sind auch eine Gefahrenquelle. Deswegen haben wir so was nicht mehr. Einmal ist fast die Küche abgebrannt." Auch wenn das schon ein paar Jahre her war, die Angst vor den Flammen hatte Felix nie ganz losgelassen. Er mochte Teelichter, aber richtige Kerzen hatte er nicht in seinem Haushalt.

„Hm, da hast du natürlich Recht. Wenn man abends einschläft und der Kranz brennt noch, dann kann das leicht ins Auge gehen.“ Ole sah sich um. Material hatten sie genug, da musste sich doch etwas improvisieren lassen. Ole fing an zu stöbern und murmelte leise vor sich hin. Er hatte eine große Schieferplatte in der Küche, die er holte. Darauf dekorierte er vier schöne, zueinander passende Teelichter. Drum herum, so dass es mit etwas Fantasie einen Kranz ergab, dekorierte er verschiedene Dinge, wie kleine Figuren, Zweige und etwas Baumschmuck. „Was sagst du?“, fragte er Felix, als er fertig war. Der hatte ihm die ganze Zeit zugesehen - zusammen mit Pelle, der von seinem Platz auf dem Fernseher aus nichts gesehen hatte und geholt werden musste - und nickte. „Sehr schön. Lass uns das erste Licht anmachen. Ist doch Advent", schlug er vor und suchte schon nach dem Feuerzeug, was er in einer der Kisten gesehen hatte.

„Okay.“ Ole nahm die Platte hoch und brachte sie zum Wohnzimmertisch. „Sieht gut aus“, meinte er und setzte sich wieder auf die Couch. Jetzt hatten sie sich wieder einen Keks verdient. Zur Belohnung waren immer wieder welche in ihren Mündern verschwunden, weil sie fleißig waren, so waren jetzt nur noch vier Kekse übrig.

„Ja, sieht gut aus", Felix hatte sich neben ihn fallen lassen und legte ein bisschen die Füße hoch. Dabei lehnte er sich an Ole, weil das bequemer war. „Warum bist du eigentlich nach Deutschland zurückgekommen. Ist es in Schweden nicht so schön?", fragte er und schloss die Augen. Er konnte sich das nicht vorstellen, in einem fremden Land zu wohnen. Er war ja noch nie wirklich raus gekommen.

„Doch, Schweden ist sehr schön.“ Ole lächelte leicht, als er an das Land dachte, in dem er geboren worden war und da lag auch sein Problem. Es war eben nicht seine Heimat. „Ich habe Deutschland vermisst. Ich lebe seit über zwanzig Jahren hier, den größten Teil meines Lebens und ich mag das Land, die Stadt und die Menschen hier. Das Wetter könnte besser sein, nicht so feucht, aber damit kann ich mich arrangieren.“ Ole war etwas in seine Gedanken versunken und legte den Arm um Felix, ohne es wirklich zu merken, aber es war so schön gemütlich. „Im Moment möchte ich hier leben, aber was in ein paar Jahren ist, kann ich jetzt noch nicht sagen. Es kommt darauf an, wie sich mein Leben hier entwickelt.“

„Ah, okay." Felix nickte verstehend und griff in die Keksdose, doch die war leer, egal wie lange seine suchenden Finger über den Boden robbten. Hatten sie wirklich schon jeden einzelnen von den leckeren Keksen vertilgt? Das konnte er doch fast nicht glauben! Er öffnete die Augen, hob die Dose und sah nur noch ein paar Krümel. „Oh", machte er und ließ Pelle hinein gucken, der neben ihm auf der Couch saß.

„Tja.“ Ole sah genauso enttäuscht aus, wie Felix. „Wer hat die nur alle gegessen?“, fragte er und sah Pelle streng an, entschuldigte sich aber gleich, als Felix ihn boxte. Er musste lachen und wuschelte seinem Freund durch die Haare. Ihre Tassen waren leer, aber im Topf war noch für jeden ein Schluck. „Ich würde sagen, wir trinken noch etwas, was vielleicht nicht ganz verkehrt ist, wenn wir wirklich backen wollen.“


14

„Okay. Ab in die Küche." Felix hielt nichts mehr auf der Couch. Ihn hatte jetzt der Ehrgeiz gepackt. Zusammen mit Pelle, der ihm schon an der Hand festgewachsen schien, war er in die Küche gelaufen und beguckte sich nun die Schränke, welcher von denen so aussah, als würde er Backzutaten enthalten. Er entschied sich dafür, dass jeder Backzutaten grundsätzlich in den obersten Schränken aufbewahrte - oder es lag einfach nur daran, dass er wieder auf die Leiter klettern wollte. Jedenfalls hatte er von da oben den besseren Überblick und fand die Zutaten eventuell schneller.

Man hörte Türen klappern und Felix murmeln, als er suchte, was sie brauchen könnten. Ole ließ ihn machen und kümmerte sich um den Glögg. Felix hatte Spaß, die Leiter zu verschieben und rauf und runter zu klettern. Immer wieder hörte man zustimmende Laute, wenn etwas gefunden wurde, was sie vielleicht gebrauchen konnten. Neben dem Herd stapelten sich bald einige Backzutaten und Felix untersuchte nun den Backofen nach Backblechen. Eines musste man ihm lassen: Die vorbereitenden Arbeiten beherrschte er schon ziemlich gut. Als er auch Bleche gefunden hatte und die Keksausstecher, die Ole rein zufällig auf den Tisch gelegt hatte und ebenfalls die Form von Elchen hatten, war Felix sehr zufrieden. Er suchte noch ein paar Bücher mit Rezepten und dann hatte er das Gefühl, sehr gut vorbereitet zu sein.

„So wie es aussieht, kann ich nicht mehr sagen, dass ich nichts für Plätzchen da habe“, schmunzelte Ole, als er sah, was Felix zusammengesammelt hatte. Er holte noch Butter und Eier aus dem Kühlschrank, dann konnte es losgehen. „Was hast du ausgesucht“, fragte er und linste Felix über die Schulter, der in einem Kochbuch stöberte.

„Da guck mal - die sehen lecker aus", murmelte Felix verträumt und überflog die Zutaten. Doch Schokostangen ohne Kuvertüre? Das wurde nichts. Also suchte er weiter. „Guck mal, das müsste gehen. Knusperkekse mit Rosinen. Da braucht man nichts Ausgefallenes für. Nur die Butter muss sehr weich sein. Wie kriegen wir das denn hin?" Er wandte sich zu seinem Freund um und seine Nase streifte Oles.

„Mikrowelle“, murmelte Ole abgelenkt. Felix war ihm viel zu nah. Sein Duft hüllte ihn ein und Ole konnte sich nur schwer zurückhalten, sein Gesicht in der Halsbeuge seines Freundes zu vergraben. Felix roch einfach nur herrlich. Es war noch nicht einmal das Aftershave, was ihm besonders gut gefiel, denn das bemerkte man kaum. Es war mehr der Felix eigene Geruch, der ihn unwahrscheinlich anzog. Wie zufällig drehte er seinen Kopf so, dass ihre Nasen sich noch einmal berührten und nickte dann. „Gut, probieren wir die.“

„Mehr als schief gehen können sie ja nicht. Wird ja nicht gleich alles explodieren", sagte Felix und klemmte das Buch vorsichtig auf den Bücherständer, den er gefunden hatte. So konnte es nicht wieder zufallen und er hatte die Hände frei. „Du machst am besten 100 Gramm sehr weiche Butter und ich wiege den Rest ab", legte er fest und war schon dabei, die Zutaten, die sie wirklich brauchten, auf einen Haufen zu schieben.

„Ganz wie sie befehlen, Meister.“ Ole verbeugte sich galant vor Felix und machte sich an seine Aufgabe. Auch wenn er immer noch skeptisch war, freute er sich darauf, mit Felix zu backen. Heute war auch genau das richtige Wetter dafür. Draußen heulte der Wind und mittlerweile schneite es heftiger. Er sollte Felix fragen, ob er nicht besser bei ihm schlafen wollte, damit sie nicht mehr raus mussten.

Felix machte sich derweil am Rum zu schaffen, den er im Schrank gefunden hatte. Es war ein kleines Probierfläschchen gewesen und mehr brauchten sie nicht. Er wollte ja nur die Rosinen drinnen baden. Pelle kostete vorsorglich, ob der Rum auch gut war, während Felix an seinem Glögg nippelte. Dann nahm er sich das Mehl vor, doch die Dose war ziemlich fest zu und so musste er ganz schön ziehen.

Es kam, wie es kommen musste, mit einem lauten Plopp gab der Deckel nach und eine große Wolke Mehl verteilte sich in der Küche und auf Felix und Ole, denn der war gerade zu seinem Freund gekommen, um ihm zu helfen. Erst als das Gestöber um sie herum langsam weniger wurde, bewegte Ole sich wieder und pustete sich den bemehlten Pony aus der Stirn, was wieder Wölkchen verursachte. Ohne jede Vorwarnung fing er an zu lachen und konnte gar nicht mehr aufhören. Sie sahen aus wie zwei Schneemänner und das war zu lustig.

„Mist", murmelte Felix und wagte nicht zu atmen. Jedes Mal, wenn er sich auch nur einen Millimeter bewegte, rieselte das Mehl auf den Boden. Er schielte zu Boden und sah die Bescherung. Das war nicht gut. Langsam stieg ihm die Schamesröte ins Gesicht und er hatte den Drang zu fluchen. „Tut mir leid. Beweg dich nicht. Sag mir nur, wo der Staubsauger ist, ich mach das gleich weg. Ich bin ja so ein Idiot. Lassen wir die Sache mit den Keksen, ich mach noch schnell sauber. Dann bin ich weg." Und dabei hatte ihr Tag so schön begonnen.

„Oh nein, das wirst du nicht.“ Ole nahm Felix die Dose mit dem restlichen Mehl aus der Hand. Er grinste Felix an und schon verteilte sich das restliche Mehl in der Küche. „Das wollte ich schon immer mal machen“, lachte er und griff sich Felix. Er hob ihn hoch und drehte sich mit ihm im Kreis, so dass sie wieder von einer weißen Wolke umgeben waren. „Das ist einfach klasse.“

„Bist du wahnsinnig?", kreischte Felix. Je mehr sie das Zeug aufwirbelten, umso feiner verteilte sich das in der Küche! Das bekamen sie im Leben nicht wieder weg! Und wenn sie versuchten, das mit Wasser weg zu wischen, entstand eine eklig klebrige Pampe. Er hatte das doch alle schon durch.

Es war zum heulen!

„Sieht so aus“, erklärte Ole lapidar und klopfte sich vorsichtig das Mehl aus den Haaren. Danach fing er in aller Seelenruhe an sich bis auf die Unterhose auszuziehen. „Das solltest du auch tun. Ich klopfe unsere Sachen dann auf der Terrasse aus. Solange kriegst du was von mir oder besser, du gehst in die Wanne und ich mache hier sauber und schmeiß die Waschmaschine an.“

Wie paralysiert stand Felix einfach nur da. Er sah Ole dabei zu, wie der seinen makellos trainierten Körper entblößte und bekam nur am Rande mit, dass er in die Badelandschaft mit Fernseher geschickt werden sollte. „Ich lass dich bestimmt nicht mit der Arbeit alleine", murmelte Felix und hockte sich hin, als er anfing, sich vorsichtig zu entstauben. Seinen mickrigen Körper zu entblößen brachte er nicht über sich. Ole kam doch vor Lachen nicht in den Schlaf, wenn er das sah!

„Felix.“ Ole hockte sich zu ihm und lächelte. „Das ist nett von dir, aber ich habe nur einen Staubsauger. Du musst mir wirklich nicht helfen. Geh in die Wanne und mach dich wieder sauber. Danach machen wir einen neuen Keksversuch.“ Ole fuhr mit den Fingern in die zurzeit nicht sehr roten Haare und befreite sie vorsichtig vom Mehl, damit sein Freund sich wieder etwas mehr bewegen konnte.

„Irgendwas in der Art hatte ja passieren müssen. Aber dass das unbedingt bei dir passieren musste." Felix seufzte. Diese Seite von sich hatte er Ole eigentlich nicht zeigen wollen. Es reichte, dass Mario ihn für eine Katastrophe auf Füßen hielt. Was musste Ole jetzt nur von ihm halten? Vorsichtig klopfte er die Reste von sich und schob mit den Händen das Mehl auf den Boden zu kleinen Häufchen zusammen.

Ole gefiel es gar nicht, wie Felix dabei guckte. Sein Freund fühlte sich schuldig und er hatte Angst, dass Ole ihn nun nicht mehr mögen würde, das konnte er einfach nicht so lassen. „Weißt du was? Ich find es toll, dass es hier passiert ist. Lange hatte ich nicht mehr so viel Spaß. Warum sich aufregen oder ärgern? Dadurch ändert sich nichts. Besser ist es, daraus einen Spaß zu machen, der einen zum Lachen bringt. Dann ist die Schweinerei doch nur noch halb so groß. Also los, zieh dich aus und geh planschen.“

„Na du hast ja ein heiteres Gemüt. Weißt du, was das für eine Schweinerei wird? Das Mehl ist so fein, dass der Staubsauger das hinten wieder raus pustet." Felix überlegte gerade fieberhaft, wie man das ganze Zeug wieder weg bekam und schob weiter kleine Häufchen zusammen. „Ich gehe erst ins Wasser, wenn hier alles wieder sauber ist", erklärte er entschlossen. Schließlich hatte er das Chaos angerichtet, denn er hatte Ole zum Backen angestiftet.

„Okay, aber ausziehen, sonst fangen wir ständig von vorne an. Dann können wir schon mal waschen. Ich hole solange einen Besen und eine Kehrschaufel. Damit beseitigen wir den gröbsten Dreck und den Rest saugen wir dann auf.“ Das war wohl die beste Art und Weise dem Chaos Herr zu werden.

„Okay." Nun kam Felix doch nicht drum herum, sich seiner Kleider zu entledigen. Etwas schämig zog er den Pullover über den Kopf, dann das Shirt aus der Hose, ehe er die Jeans über die Beine zu Boden streifte. Dabei kamen nicht nur seine zweiter-Advent-Weihnachtsshorts mit dem Rentier auf dem Schritt ans Licht, sondern auch die Elchsocken.

Ole wollte nicht hinsehen, aber er schaffte es einfach nicht. Es war zu verlockend, etwas mehr von Felix zu sehen. „Lass die Sachen liegen, da wo du sie ausgezogen hast, ich mach das schon“, sagte er, damit es nicht so auffiel, dass er starrte. Felix war ziemlich lecker. Helle, samtige Haut mit vereinzelten Sommersprossen an den Schultern und auf dem Rücken. Ole wollte sie zu gerne berühren und hatte schon die Hand ausgestreckt, als er bemerkte, was er tun wollte. Darum wedelte er ein wenig mit der Hand. „Krass. Deine Shorts und deine Socken gefallen mir.“

„Die Socken hab ich von Mario bekommen, die Shorts letztes Jahr von meiner Mutter. Ich habe noch drei von der Sorte. Auf einer ist ein strippendes Rentier, auf einer ein besoffenes und auf der letzten eins, was die Geschenke ausgeschüttet hat. Ich wusste nicht, ob ich die Sache persönlich nehmen sollte. Aber sie sind cool." Felix konnte endlich wieder lachen und drehte sich ein bisschen um sich selbst. Da stand er nun in Socken und Unterhose und schlang die Arme um sich. Ole hatte doch einiges mehr zu bieten als er selber. Das ging schon damit los, dass dessen Shorts nicht so flach herunter hing.

Ole grinste und versuchte sich lieber nicht Felix in den anderen Shorts vorzustellen. Das konnte peinlich werden und seine Shorts war nicht dazu geeignet, etwas zu verstecken. Darum ging er lieber zum Schrank und holte, was sie brauchten. Dass Felix da so verlockend neben ihm stand, war gar nicht gut. Da war es besser, sich abzulenken. Ein Fußboden voller Mehl war dazu sehr gut geeignet.

„Gib mir den Handfeger. Ich bin eh näher am Boden als du", sagte Felix und fröstelte ein wenig. Also griff er beherzt zu und fing an zu fegen, langsam und vorsichtig, damit er nicht zu viel aufwirbelte. Als er auf dem Boden fertig war, machte er auf dem Tisch weiter und sah mit Entsetzen, dass Pelle aussah wie mit Puderzucker überzogen. „Armer Kerl", murmelte er und griff sich die Bürste vom Waschtisch, um das braune Fell zu bürsten.

„Mach ihn sauber, dann geht es ihm wieder gut. Er ist ein schwedischer Elch, die sind es gewohnt, eingeschneit zu werden“, lachte Ole, sah aber nicht zu Felix hinüber, sondern konzentrierte sich aufs Fegen. Mehl war aber auch ein Sauzeug, immer wieder wirbelte es in kleinen Wölkchen auf, wenn er nicht aufpasste und zu heftig fegte. Das passierte immer, wenn er zu Felix sah, darum versuchte er das zu vermeiden.

„Ja, mach ich!" Felix bürstete noch immer und als Pelle endlich wieder ein brauner Elch war, griff er sich einen Eimer aus dem Schrank und füllte ihn mit Wasser und Spülmittel. Er wollte hinterher wischen, wenn Ole gefegt hatte und so kroch er zwei Minuten später immer noch halb nackt neben Ole auf dem Boden herum.

Für den war das die reinste Folter. Egal wo er auch hinguckte, immer wieder kam Felix ins Bild und wackelte verführerisch mit dem Hintern. So ging das nicht weiter, sonst kam sein Freund ihm ziemlich schnell drauf, was er eigentlich von ihm wollte. „Felix, geh ruhig in die Wanne, bevor du dich erkältest“, versuchte er es noch einmal, denn er hatte gesehen, wie eine Gänsehaut sich auf Felix’ Armen und Rücken gebildet hatte. „Ich mach dir auch einen Film an, wenn du möchtest.“

„Aber ich", setzte Felix noch einmal an und sah über die Schulter zu Ole. Doch als er sah, wie sein Freund die Brauen hob über seine Widerworte, setzte er sich auf die Fersen und nickte. „Okay. Auch wenn ich noch einmal zu Protokoll geben will, dass es mir fern lag, dich mit der angerichteten Sauerei allein zu lassen. Ich beuge mich unter Zwang... Welchen Film kann ich sehen?" Dabei leuchteten Felix' Augen. Er konnte es nicht vermeiden. Davon hatte er schon immer geträumt: fernsehen in der Badewanne!

Ole grinste, weil Felix, so wie er da hockte, einfach niedlich war. „Ich weiß, dass du helfen möchtest, aber ich will nicht, dass du noch krank wirst und vielleicht zu Weihnachten im Bett liegen musst.“ Und er musste Felix aus seiner Nähe kriegen, damit er sich wieder in den Griff bekam, denn immer wieder war er versucht, sich Felix einfach zu greifen. „Die Mumie. Ich habe Teil eins bis drei. Du kannst dir aussuchen, welchen du sehen möchtest“, beantwortete er jetzt Felix’ Frage. Ihm war nämlich eingefallen, dass sein Freund ihm erzählt hatte, dass er die Filme mochte.

„Mumie 3, Mumie 3, Mumie 3!" Hüpfend erklärte Felix, was er wollte, den hatte er nämlich noch nicht gesehen. „Bei der Zwei rege ich mich wieder auf, wie man solch einen chicen Kerl sterben lassen kann. Aber die Effekte mit dem Heer des Anubis waren schon geil. Das als Poster an die Wand!" Nun war Felix in seinem Element und Ole musste ganz schön aufpassen, damit ihm der hüpfende Felix nicht auf die Finger oder das Kehrblech trat oder schlimmer noch: in die eben zusammengeschobenen Mehlberge.

Alle drei Optionen waren nicht wünschenswert, darum stand Ole auf und fing seinen hüpfenden Freund ein. So wurden die Mehlberge gerade noch gerettet, aber jetzt war Felix ihm wieder viel zu nah und Ole steckte in einem ganz schönen Dilemma. Er sollte so schnell wie möglich wieder los lassen, aber das ging nicht. Seine Finger machten sich selbstständig und strichen über Felix' Schultern, Brust, Rücken und Arme und Ole murmelte dabei, dass da noch etwas Mehl wäre, auch wenn das gar nicht stimmte. Er musste sich förmlich losreißen, damit er sich nicht einfach hinunter beugte und Felix küsste. „Im Wohnzimmer unter dem Fernseher sind die DVDs. Die Mumie müsste ziemlich oben sein. Ich mach die Wanne fertig“, sagte er darum und ging gleich los.

„Ah. Okay." Felix guckte noch einmal an sich hinunter, zog sich sicherheitshalber noch die Socken aus und schüttelte sich noch einmal, damit er das Mehl nicht noch ins Wohnzimmer schleppte und sie dann dort weiter machen mussten. Kurz orientierte er sich und hatte schnell besagten Schrank mit den Schätzen gefunden. Eilig war die DVD gesucht und schon stand Felix zusammen mit seiner Beute wieder hinter Ole, der gerade halb über der Wanne hing und das Wasser einstellte. „Hab sie", trompetete er.

Fast wäre Ole hochgezuckt, so hatte er sich erschrocken. Dafür hing er jetzt mit klopfendem Herzen über der Badewanne, in die das warme Wasser floss. Felix war eindeutig nicht gut für sein Nervenkostüm. Der Gedanke ließ ihn grinsen, als er sich aufrichtete. „Na, dann gib mal her, ich leg ihn ein und zeig dir dann, wie du ihn starten kannst." Der DVD-Player war in einem Schrank, der abgedichtete Türen hatte, damit das Gerät nicht ständig der Feuchtigkeit im Raum ausgesetzt war.

„Okay!" Wie selbstverständlich warf Felix auch noch seine Shorts von sich und folgte Ole nun neugierig, um zu sehen, wie Ole das Problem mit der Feuchtigkeit im Bad gelöst hatte. „Ah!", machte er verstehend, als er die Dichtungen an der Tür sah. Er kroch noch etwas näher an seinen Freund heran und dachte in seiner Begeisterung nicht darüber nach, was sein nackter Schoß an Oles Rücken alles bewirken konnte.

Und er bewirkte einiges, besonders Dinge, die Ole lieber vor Felix geheim halten wollte und die sich besser nur in seinem Kopf abspielten. Das war die reinste Folter. Ole konnte zwar nichts dagegen machen, dass sein Puls sich beschleunigte und galoppierte wie verrückt, aber wenigstens hatte er sich so weit im Griff, sich erheben zu können, ohne dass es peinlich für ihn wurde. Das ging aber nur so lange, wie er Felix nicht direkt ansah, darum ging er zu dem Bedienungselement, damit er erklären konnte, wie es funktionierte. Und schon folgte ihm Felix wieder wie ein junger Hund, der darauf wartete, dass jemand mit ihm spielte. Der Bequemlichkeit halber hüpfte er schon ins Wasser und konnte so von dort aus zugucken, wie Ole auf dem Touchpad in der Wand herum drückte und erklärte, wie er den Film anwählen konnte, wie er stoppen und wie er spulen konnte und Felix nickte verstehend. Weil Felix um einiges kürzer war als Ole und somit mit seinen kurzen Beinen in der riesigen Wanne keinen Halt fand, rutschte er immer wieder vom Rand ins Wasser und musste sich wieder hoch arbeiten, um nichts zu verpassen.

Das hörte erst auf, als ein Arm sich um ihn legte und ihn festhielt. „Alles verstanden?“, fragte Ole, als er fertig war und sah Felix an. Die Wanne war etwas groß für ihn alleine und es war verlockend, mit hineinzusteigen, aber das gab bestimmt eine Katastrophe. Darum griff Ole nur in das Regal neben der Wanne und holte ein Polster für den Kopf, das er am Wannenrand fest machen konnte, damit Felix es bequemer und mehr Halt hatte.

„Hotel Ole", seufzte er und drehte sich auf den Rücken, um das Kissen gleich auszuprobieren. Es war wirklich der schon mehrfach bemühte Himmel auf Erden. „Ich glaube, hier könnte ich mich für länger einquartieren. Das Essen ist hervorragend, die Location ein Traum, das Personal zuvorkommend und freundlich und das Ambiente unglaublich. Man sollte diese Örtlichkeit in jeden Reiseführer für Essen aufnehmen!" Dabei sah Felix Ole offen an.

„Nein, besser nicht. Der Besitzer ist da ein wenig eigen. Das Hotel ist nur für ganz besondere Gäste, aber die dürfen alles in diesem Hotel genießen, so lange und so oft sie möchten“, murmelte Ole abgelenkt, denn er versank gerade in den wunderschönen, grauen Augen, die ihn groß an blickten. Felix lockte ihn so sehr und je mehr Ole mit ihm zusammen Zeit verbrachte, umso mehr verliebte er sich in ihn. Er strich Felix eine Locke hinter das Ohr und lächelte. „Also genieße es einfach, du bist hier immer willkommen.“

„Dankeschön", sagte Felix verlegen und grinste breit. Es war schade, dass Ole sich erhob und ging und ihn alleine zurückließ. Er wusste selber nicht, warum er für eine Sekunde versucht gewesen war, Ole mit in die Wanne und zum Film einzuladen. Doch dann fragte er sich, was Ole dann von ihm halten sollte. Nur weil der kein Problem damit hatte, dass Jan und Mario schwul waren, hieß das ja noch lange nicht, dass er auch Männern nicht abgeneigt war. Und er selbst konnte doch mit Kerlen auch nichts anfangen - wo also kam der Gedanke her? Und ehe er sich noch weiter verstrickte, startete Felix lieber den Film.

Ole hörte es, denn er lehnte von außen an der Tür und atmete tief durch. Er war froh, dass Felix jetzt nicht mehr in seiner Nähe war, denn lange hätte er für nichts mehr garantiert. So langsam kamen ihm Zweifel, ob es ihm gelang, nur mit Felix befreundet zu sein. Vielleicht sollte er seinem Freund doch sagen, dass er schwul war, aber er hatte einfach Angst davor. Was sollte er machen, wenn Felix dann einfach ging und ihn nicht mehr sehen wollte? Nein, er musste sich zusammen reißen, etwas anderes blieb ihm nicht übrig. Um auf andere Gedanken zu kommen, machte er sich wieder an die Küche und die Wäsche. Da hatte er noch einiges zu tun.

Derweil plantschte Felix und war fasziniert vom Film. Das Prinzip war das gleiche wie in den ersten Filmen, doch die Bilder waren völlig andere und verpassten der Geschichte eine andere Wirkung. So merkte er gar nicht, wie die Zeit verging und das wurde ihm erst bewusst, als der Abspann lief. Irritiert stellte er fest, dass das Wasser gar nicht kalt geworden war. Doch dann beeilte er sich, sich sauber zu machen und wusch auch die Haare, weil sich auch dort Mehl verfangen hatte.

Schnell war die Wanne wieder sauber gemacht und dann schlurfte Felix mit einem Handtuch auf dem Kopf und eines um die Hüften zurück ins Wohnzimmer, auf der Suche nach Ole.


15

Ole war gerade mit der Küche fertig geworden und kam aus dem Schlafzimmer. Er hatte für Felix etwas zum anziehen gesucht. Zwar war alles, was er hatte, zu groß, aber ein Jogginganzug musste gehen. „Oh, ist der Film schon zu Ende?“, fragte er und kam zu Felix. „Was zum anziehen“, erklärte er und gab das Bündel weiter. „Ich geh dann auch mal duschen.“

„Ja, und er war toll. Danke!" Felix nahm die Kleider an sich und rollte sie auf, lachte, weil die Hose ihm fast bis zum Hals ging. Doch das war nicht schlimm. Er hüpfte wieder in seine Shorts, zog sich den Jogginganzug an und krempelte Arme und Beine so lange auf, bis er sich damit bewegen konnte, ohne über Stoff zu fallen. Und während Ole duschte, sah Felix sich noch etwas um.

Die Zeit alleine hatte Oles seelisches Gleichgewicht wieder hergestellt und nach der Dusche fühlte er sich richtig gut. Ebenfalls mit einem Jogginganzug bekleidet kam er zu Felix und setzte sich neben ihn auf die Couch. „Versuchen wir es noch einmal mit den Plätzchen?“, fragte er. Es war noch nicht zu spät dafür, es war ja noch nicht einmal sechs Uhr.

Skeptischen Blickes wandte sich Felix zu seinem Gastgeber um und grinste. „Du bist aber auch durch gar nichts zu schocken", lachte er und hatte schon wieder Pelle beim Wickel, der gleich erklärte, dass er bestimmt nicht noch einmal die Küche betreten würde. Er fände sich schön, so wie er war - sauber!

„Ach, war doch nur ein bisschen Mehl. Da braucht es mehr, um mich zu schocken.“ Grinsend stieß Ole Felix mit der Schulter an und verriet ihm nicht, dass er beim Putzen ganz schön geflucht hatte, weil das Mehl sich wirklich überall verteilt hatte. In den oberen Schränken war es auch noch, da kümmerte er sich irgendwann einmal drum, aber nicht heute.

„Nur ein bisschen Mehl", lachte Felix. „Mama hat das Zeug noch Wochen später in Töpfen gefunden. Ich kann dir sagen. Ich packe jetzt nur noch Sachen an, die wenig Ärger machen können", schlug er vor und rubbelte sich noch etwas über die Haare, ehe er sich erhob und die nassen Handtücher zurück ins Bad brachte.

„Wir machen das schon. Was soll denn heute noch passieren?“ Ole ließ sich seinen Optimismus nicht kaputt machen. Der hatte ihm bisher immer gut durchs Leben geholfen. „Der Film hat dir also gefallen? Was gibt es schöneres, als in der warmen Wanne zu liegen und dabei einen guten Film zu sehen. Darum war das Badezimmer auch das erste, was ich neu gemacht habe.“

„Hat die Wanne eine integrierte Heizung? Das Wasser wurde gar nicht kalt. Ich habe total die Zeit vergessen und dich alles alleine machen lassen. Nur gut, dass deine Wanne so groß ist, da hat dann mein schlechtes Gewissen nämlich noch mit rein gepasst, ohne mich zu erdrücken", erklärte Felix, als er zurückkam. Er blieb gleich in der Tür zur Küche stehen, weil Ole sich sowieso erhob.

„Japp, hat sie. Sonst muss man ja ständig Wasser nachfüllen.“ Ole holte die inzwischen sehr weiche Butter aus der Mikrowelle und übernahm es diesmal, das Mehl und die anderen Zutaten abzuwiegen. Felix bekam die Schüssel und den Mixer, damit er alles zusammenrühren konnte. Das erschien ihm die ungefährlichste Variante und dabei konnte sein kleiner Freund auch nicht viel anstellen. So lange er nicht die Zunge in den rotierenden Mixer hielt, war alles im grünen Bereich.

„Das riecht schon gut", legte Felix fest, als er den Mixer ausstellte und die Schüssel samt Inhalt betrachtete. Es sah erst einmal nicht falsch aus.

„Schmeckt bestimmt auch gut.“ Und schon tauchte Ole beide Zeigefinger in den Teig und hielt einen Felix hin, damit der probieren konnte. Den anderen hatte er schon selber im Mund und lutschte ihn ab. Das schmeckte wirklich gut, besonders die eingelegten Rosinen. Die Plätzchen mussten einfach gut werden.

Felix ließ sich nicht lange bitten, ehe der gute Teig noch auf den Boden tropfte. Er machte die Zunge ganz lang und leckte einmal von der Handfläche bis zur Fingerspitze. Doch das war nicht sehr befriedigend, denn der Teig war klebrig und ließ sich nicht so einfach lösen. Also steckte er sich den Finger kurzerhand ganz in den Mund und leckte und knabberte daran herum, bis er wieder sauber war.

Ole hielt die Luft an und ein unwahrscheinliches Kribbeln breitete sich von seiner Fingerspitze aus, lief durch seinen Körper und schlug schließlich in seinem Schoß ein. Er hatte nicht weiter nachgedacht, als er Felix den Finger hingehalten hatte. Dass Felix sich so über den Teig hermachte, hatte er nicht vermutet und zu seinem Glück verbarg die weite Jogginghose, was sich gerade in ihr tat.

„Hey! Der ist richtig gut!" Felix strahlte begeistert und war sehr stolz auf sie beide. Kurz wägte er ab, ob ein Keks entbehrlich war und entschied sich dafür, seine Finger auch in den Teig zu tauchen, sich einen in den Mund zu stecken und den anderen mit Ole zu teilen. Zuhause wurde er immer vom Teig verscheucht. Angeblich weil das Bauchweh machen würde. Doch Felix war sich sicher, das lag nur daran, dass seine Oma mehr Teig für sich haben wollte. Ganz klar.

Ole stöhnte innerlich auf. Das war die reinste Folter, doch das hielt ihn nicht davon ab, seine Lippen um den Finger zu schließen und den Teig herunter zu lecken. Das machte er sehr gründlich und seine Zunge huschte noch ein wenig darüber, als schon kein Teig mehr vorhanden war. Nur konnte jetzt auch die weite Hose nicht mehr verbergen, was mit ihm los war, darum drehte er sich so, dass Felix nichts sehen konnte. „Wirklich lecker“, nickte er und trat dann die Flucht an. „Bin gleich wieder da“, rief er über die Schulter und verschwand im Badezimmer, damit er sich wieder abregen konnte.

„Okay." Felix war schon wieder mit dem Teig beschäftigt, denn er wusste noch nicht, wie er die Kekse in Form bringen konnte. Den Elch-Ausstecher konnte er vergessen, dafür war der Teig zu flüssig. Sein Blick fiel auf die Muffinformen, die Ole mit auf der Arbeitsfläche ausgebreitet hatte. Doch das war auch nichts für Felix. Also beschloss er, einen großen Elch zu backen - dann hatten sie zwar nur einen Keks, aber den... und schon als der Gedanke kam, den Kekselch zerteilen zu müssen, war die Idee verworfen. Elche teilen! Das brachte er nicht übers Herz. Also war er keinen Schritt weiter als vor seinem Gedankengang. Vielleicht hatte Ole Ideen.

Doch er musste noch ein wenig auf seinen Freund warten, denn dem fiel es gar nicht so leicht, seiner Erregung Herr zu werden. Er konnte ja schlecht unter die kalte Dusche gehen, darum musste er sich etwas anderes einfallen lassen, denn durch seinen Kopf geisterten sehr erotische Fantasien, die er abschalten musste und die verhinderten, dass er zurück zu Felix in die Küche konnte. Erst Gedanken an seine Steuerklärung und ein paar andere unangenehme Dinge halfen ihm, sich wieder so weit zu beruhigen, dass er zu Felix zurück konnte.

„Und wie bringen wir die Leckerchen jetzt in Form? Ich wollte ja Elche, aber das mit dem Ausstecher geht nicht", erklärte Felix, warum er auf dem Barhocker saß und seine Stirn in tiefe Denkerfalten gelegt war. Er sah auf das Blech, auf den Teig. „Am besten klecksen wir alle mit einem Löffel zu kleinen Häufchen. Das geht am schnellsten und macht die wenigsten Probleme."

„Ja, so sollten wir das machen.“ Ole nickte und holte das Backpapier, um es auf dem Blech auszubreiten. Da brauchten sie das Blech nicht einfetten und auch nicht schrubben, um es wieder sauber zu bekommen. Er gab Felix einen Löffel und sie setzten kleine Kleckse auf das Backpapier. Immer ein wenig voneinander entfernt, falls sie beim Backen größer wurden.

Als die Schüssel leer war, war das Blech gut gefüllt und nun ging es endlich in den Backofen und als Ole die Tür wieder zumachte, hockte Felix schon davor. Er wollte beobachten, wie es seinen Keksen ging, schließlich waren das seine ersten und die sollten doch perfekt werden. Also hockte er nun auf der Arbeitsplatte und guckte durch das Glas.

Wahrscheinlich hatte Felix keine Ahnung, wie anziehend er so auf Ole wirkte. Er mochte Menschen, die sich etwas Kindliches bewahrt hatten, ohne kindisch zu sein, auch wenn sie schon erwachsen waren. Und genau das hatte Felix und Ole konnte sich gar nicht daran satt sehen. Immer wieder sah er zu seinem Freund hinüber und lehnte sich schließlich neben ihn. „Sag mal, möchtest du nicht heute Nacht hier schlafen? Ich habe zwar noch nicht so viel Alkohol getrunken, dass ich nicht mehr fahren könnte, aber bei dem Wetter habe ich keine große Lust mehr dazu. Du kannst das Bett haben, ich nehme dann die Couch.“

Felix, abgelenkt von seinen Keksen, sah zu Ole und grinste frech. „Was bist du nur für ein nachlässiger Sicherheitsole!", tadelte er und schüttelte den Kopf. „Noch vorhin wurde klar gestellt, dass ich das Bett nicht einfach so wegen der Verlaufungsgefahr betreten darf, und jetzt soll ich die ganze Nacht ganz alleine in dem riesigen Kissenlabyrinth verbringen. Wenn Jan das wüsste!" Er schüttelte lachend den Kopf, war von der Idee, hier zu nächtigen, aber angetan.

„Oh, stimmt, das geht ja nicht.“ Ole schlug sich vor die Stirn und grinste. „Dann muss ich wohl mit. Das klappt schon, ist ja groß genug.“ Als das geklärt war, bekam er Lust auf noch etwas Glögg, darum machte er sich gleich daran, noch welchen aufzuwärmen. Damit bekamen sie die Zeit, bis die Kekse fertig waren, gut herum.

„Ja, das wäre besser. Nicht dass ich da morgen früh nicht mehr raus finde und nicht zur Arbeit komme. Das wäre ja grausam!" Felix besah sich wieder die Kekse und beobachtete nur ab und an neugierig, was Ole eigentlich schon wieder machte. Doch als der leckere Duft von Glögg durch die Küche schwebte, stand Felix schon mit seiner Tasse neben dem Herd.

Sie wurde augenblicklich gefüllt und ihre gefüllten Tassen stießen gegeneinander. Felix hatte den Kurzzeitwecker gestellt, damit sie nicht doch noch etwas verkehrt machten. Der leckere Geruch, der sich mit dem des Glöggs vermischte, zeigte an, dass die Kekse nicht verbrannten. So warteten Ole und Felix, warteten beide gespannt darauf, dass der Wecker klingelte und sie nachsehen konnten, ob die Plätzchen etwas geworden waren.

Doch Ole musste Felix' Ehrgeiz ziemlich bremsen, denn der langte immer wieder nach den heißen Keksen und es war nicht so leicht wie erwartet, Felix davon zu überzeugen, dass Kekse besser schmeckten, wenn sie keine Brandblasen an Zunge und Fingern hinterließen. Doch er hatte irgendwann Erfolg und konnte das heiße Blech zum Auskühlen auf die Fliesen stellen, während Felix sich an den Glögg hielt, damit die Zeit verging.

Erst als sie das Blech ohne Tuch anfassen konnten, erlaubte Ole Felix, es wieder hoch zu holen und die Kekse auf den bereitgestellten Teller zu legen. Felix durfte auch als erster probieren, weil er sich ja so tapfer zurückgehalten hatte und Ole ließ ihn dabei nicht aus den Augen, als sein Freund sich das erste ihrer Backwerke in den Mund schob. Das nutzte Felix freilich aus und kaute, wurde dabei immer langsamer und verzog das Gesicht angewidert. „Bä - ich glaube, wir haben Salz genommen", sagte er und schüttelte sich, lachte aber, als Oles Augen immer größer wurden. „Reingefallen!", lachte Felix und steckte Ole auch einen Keks in den Mund, damit er sich überzeugen konnte, wie perfekt sie beide waren.

So kam Ole gar nicht dazu zu schmollen, denn er kaute und riss die Augen auf. „Lecker“, nuschelte er mit vollem Mund und trank noch einen Schluck Glögg. Das schmeckte einfach krass zusammen und darum bedeutete er Felix, es auch einmal zu versuchen. Sie hatten es wirklich geschafft, leckere Kekse zu backen und darum war er dafür, dass sie es demnächst noch einmal versuchten und zwar mit anderen Sorten.

„We are the champions", sang Felix und schwenkte einen Keks, ehe er ihn sich in den Mund schob und mit Glögg nachspülte. Je mehr er von dem Zeug trank, umso besser ging es ihm. Vergessen war die mittelschwere Katastrophe mit dem Mehl. Sie hatten die besten Kekse der Welt gebacken. „Das müssen wir jetzt jeden Tag machen!", nuschelte er, denn wenn sie so weiter machten, war das Blech in einer halben Stunde leer und dann saßen sie wieder ohne Kekse da!

„Hab nichts dagegen.“ Ole grinste und nahm den Teller und seine Tasse. „Wir machen es uns jetzt gemütlich. Du nimmst das Buch, einen Stift und Papier mit. Dann suchen wir uns Kekse aus, die wir backen wollen.“ Ole zeigte Felix, wo alles lag, was sie brauchten und ging schon einmal vor. Er ging aber nicht ins Wohnzimmer, wie man vermuten konnte, sondern ins Schlafzimmer, denn dort konnten sie sich ausbreiten, ohne Angst zu haben, irgendwo runter zu fallen.

Er suchte nach dem kleinen Tischchen, was er sich für Bett gekauft hatte, wenn er hier lag, fernsah und etwas Trinken oder Essen wollte. Krümel oder Flecken im Bett fand er nicht so erbaulich. Dafür war die Matratze zu teuer gewesen. Er stellte also das Tischchen am Kopfende auf, stellte Kekse und ihre Tassen darauf und verteilte Decken und Kissen, während Felix schon bäuchlings quer auf dem Bett lag und die Nase im Buch vergraben hatte. Schließlich mussten sie auch eine Einkaufsliste machen, was sie brauchten, um weiter backen zu können.

Ole beobachtete ihn ein wenig dabei, weil Felix so vertieft war und es nicht merkte. Jetzt hatte er seinen Freund da, wo er ihn gerne hätte, aber leider anders, als er sich das wünschte. Darum dachte er nicht mehr daran und legte sich neben Felix. „Na, schon was gefunden?“, fragte er und nahm sich Stift und Block, damit er aufschreiben konnte, was Felix ihm diktierte.

„Guck mal, die Schokostangen hier sehen lecker aus", sagte Felix und zeigte Ole das Bild. „Dafür müssen wir deinen Hausstand nur mit Vollmilchkuvertüre aufstocken. Hast du bunte Streusel? Zur Not geht das sicher auch ohne." Felix las hastig und nickte, die Streusel waren nur für die Deko. Da fand sich auch etwas anderes.

„Streusel nicht, aber gehackte Nüsse und Mandeln, das müsste doch auch gehen“, murmelte Ole und schrieb die Streusel erst einmal auf den Zettel. Streichen konnten sie immer noch, was sie nicht brauchten. Nach und nach fanden sie immer mehr leckere Plätzchen und der Zettel vor Ole füllte sich. Felix wollte Sandplätzchen und Ole bestand auf Kokosmakronen. Die mochte er nämlich unheimlich gerne. Aber das war nicht alles. Sie wollten auch noch Schwarz-Weiß-Gebäck und Zimtsterne. Eben all die Sachen, die auf den Weihnachtstellern immer als erstes weg waren.

Zum Schluss hatte Felix noch ein Rezept gefunden für Marmorstückchen, Mürbeteig mit Kuvertüre. Das Bild sah lecker aus. Wieder wanderte einer der Kekse in seinen Mund und Ole hatten eben noch einmal die Tassen nachgefüllt. Felix fühlte sich schon etwas schwummerig, doch er fühlte sich sehr gut dabei und so rollte er sich albern über das Bett, bis er gegen Ole stieß und kicherte dabei albern.

„Hoppala.“ Ole hielt Felix fest und grinste. „Alles, was ich in meinem Bett finde, darf ich behalten“, lachte er leise und kitzelte Felix, damit der nicht merkte, warum Ole ihn an sich drückte. Er selber war auch etwas angetrunken, darum traute er sich. „Wir haben die nächsten Tage einiges vor, wenn wir das alles backen wollen.“

„Ja, und wir werden kein Mehl mehr verstreuen und auch gar keine anderen Sachen und außerdem kannst du mich gern behalten, wird schon keiner Besitzansprüche an mir anmelden." Felix lachte und rollte sich hin und her, um den flinken Fingern, die seine Seiten malträtierten, auszuweichen. Doch Ole ließ ihn nicht entkommen und so fand er sich bald unter dem blonden Riesen wieder.

„Okay, dann ist es abgemacht, du gehörst mir, solange du nicht jemand anderen findest, dem du lieber gehören möchtest“, murmelte Ole. Allein die Vorstellung tat ihm weh, aber er sollte realistisch sein. Er sah auf Felix hinunter und musste einfach lächeln. Die Wangen seines Freundes waren leicht gerötet und die Augen glänzten. „Ich bin wirklich froh, dass du mir in die Arme gefallen bist."

„Ich auch. Der Aufschlag hätte ziemlich wehgetan, wenn ich da von der Leiter gepurzelt wäre", kicherte Felix und hatte irgendwie das Gefühl, sich gerade in eine Falle manövriert zu haben. Sie hatten wohl beide schon zu viel getrunken und wussten nicht mehr, was sie taten oder sagten.

„Wäre schade gewesen.“ Ole wusste, dass er besser von Felix runter sollte, aber das war nicht so einfach, denn es gefiel ihm. Er schreckte allerdings hoch, als unter ihm etwas tönte und vibrierte. Er ließ sich von Felix rollen und kicherte. „Deine Hose macht Geräusche.“

„Ich liebe es, wenn mir Jan in der Hose zappelt", lachte Felix und suchte in der Hosentasche nach seinem Handy. Damit er es nicht verlegte, hatte er es kurzerhand in die geborgte Jogginghose gestopft. „Na? Sex noch vor oder schon hinter dir?", wollte er frech wissen, weil diese Melodie nur ertönte, wenn Jan versuchte ihn zu erreichen. Abgesehen von Mario dürfte er da niemand anderen am Kabel haben und da konnte er sich schon einmal einen flotten Spruch erlauben.

Ole hörte nur ein leises Knurren und musste grinsen. Er wollte das Gespräch nicht belauschen, darum ging er in die Küche und holte die Wäsche aus der Maschine. Die kam in den Trockner im Badezimmer, der hinter einer Tür versteckt war, damit er nicht gleich ins Auge fiel. Er hörte Felix lachen. Im Nachhinein war es wohl gut gewesen, dass Jan sie gestört hatte. Sie hatten sich auf gefährlichem Terrain bewegt.

Jan hatte davon keine Ahnung und versuchte aus Felix herauszubekommen, warum man ihn in der letzten Zeit nur noch so selten sah.

„Aber ich hab doch gesagt, dass ich heute mit Ole in die Ausstellung wollte und dann zu ihm, damit ich mir seine Wohnung auch mal ansehen kann und die ist so super cool, das kannst du dir gar nicht vorstellen! Die Küche. Das Bad, das Schlafzimmer - ich kann mich dreimal über sein Bett rollen ohne runter zu fallen!" Felix war völlig aus dem Häuschen und überschlug sich beim Reden.

„Sein Bett?“, fragte Jan sofort und lockte so auch Mario näher zu sich, der neugierig geworden war. „Du bist durch sein Bett gerollt? Alleine, oder mit ihm zusammen?“ Das hörte sich alles nicht nach Felix an, der normalerweise recht zurückhaltend war, wenn er jemanden nicht schon seit Ewigkeiten kannte und mit ihm befreundet war.

„Ich darf doch gar nicht alleine in das Bett. Das ist so groß, dass man sich verlaufen kann und deswegen muss immer mindestens ein Sicherheitsole dabei sein", erklärte Felix freimütig und ahnte nicht, auf was Jan eigentlich hinaus wollte. Er war diesbezüglich wohl einfach zu unbedarft.

„Wie, so groß?“ Jan war ein wenig verwirrt und er wurde misstrauisch. „Was treibt ihr da eigentlich? Bist du betrunken?“ Sofort machte er sich Sorgen und wenn Felix nur etwas andeutete, dass Ole ihn bedrängte, war er da und holte seinen Freund da raus.

„Ich bin nicht betrunken!", beteuerte Felix mit ziemlichem Nachdruck, auch wenn das ein ganz kleines bisschen geflunkert war. Einen kleinen Schwips hatte er schon. „Außerdem ist Ole ein sehr großer Ole und sehr große Ole brauchen sehr große Betten. So vielleicht...", Felix sah sich um und überschlug grob die Maße, „sechs Quadratmeter." Er rollte noch ein bisschen hin und her und wenn er schon einmal vorbei kam, nahm er gleich noch ein Schlückchen Glögg und einen Keks.

„Wow, das ist groß“, murmelte Jan und war ganz kurz abgelenkt, weil er sich vorstellte, was man darin alles anstellen konnte. Aber dann schüttelte er den Kopf, denn das gehörte nicht hierher. „Also seine Wohnung ist toll. Und wie sind seine Bilder? Lohnt es sich, mit ihm Fotos zu machen oder nicht.“ Er musste wieder auf Ole zu sprechen kommen, wenn er mehr erfahren wollte.

„Öhm - weiß ich nicht", sagte Felix und drehte sich auf den Rücken. „Nachdem wir in der Ausstellung waren, haben wir was gegessen, Glögg getrunken, die Küche mit Mehl eingesaut, die Kleider ausgezogen - ich war in der Wanne und habe die Mumie drei geguckt. Dann haben wir Kekse gebacken, die ganz toll schmecken und jetzt suchen wir weitere Rezepte. Da war bisher keine Zeit, zum Bilder gucken."

„Moment, Moment.“ Jan setzte sich gerade hin, weil er das sortieren musste. „Du hast Mehl in seiner Küche verteilt?“, fragte er, denn für ihn war klar, dass so etwas nur Tollpatsch Felix zustande brachte. „Und wieso hast du in der Wanne Mumie geguckt?“ Das brachte er noch nicht ganz zusammen.

„Weil ich überall Mehl hatte und es leichter war, das abzuwaschen, als es von mir zu schütteln. Warum denn sonst?", fragte nun Felix irritiert zurück. Wer schmutzig war, musste sich säubern - ganz einfach.

„Blödfrosch, das weiß ich auch, dass man dann am besten duscht oder in die Wanne geht. Was ich wissen will, ist, warum du dabei einen Film gucken kannst.“ Jan lachte, weil Felix ihn mal wieder falsch verstanden hatte.

„Na, weil da ein Plasma-Fernseher ist und Ole mir einen Film eingelegt hat, damit ich in der riesigen Badewanne liegen und den gucken kann. Übrigens hat die ’ne Heizung und das Wasser wird nicht kalt und ich bin kurz davor, hier einzuziehen." Felix lauschte, denn er hatte das Gefühl, Ole vertrieben zu haben. Das war aber nicht seine Absicht gewesen.

„Aha“, mehr sagte Jan nicht, denn das musste er erst einmal verdauen. So, wie sich das anhörte, wurden er und Mario gerade durch Ole, als bester Freund, ausgetauscht und das tat irgendwie weh. Er hatte immer auf den Kleinen aufgepasst und immer ein offenes Ohr für ihn gehabt. Sie hatten sich mehrmals die Woche gesehen und nun mussten sie Termine mit ihm machen, weil er sonst mit Ole unterwegs war.

War nur die Frage, ob da nicht noch mehr im Busch war, so begeistert wie Felix klang. Zumindest war er jetzt noch neugieriger zu erfahren, was Ole von seinem Freund wollte. „Da kann ich verstehen, dass du da einziehen willst. Da wirst du verwöhnt, im Gegensatz zu uns.“

„Ach Jan", sagte Felix, denn die Stimme seines Freundes klang etwas angeschlagen, was Felix nicht richtig einordnen konnte. „Ich liebe euch beide noch immer, daran wird sich nichts ändern. Aber ich mag Ole auch. Wir haben vieles gemeinsam. Das heißt aber nicht, dass hier irgendjemand ausgetauscht wird, oder so." Er hatte das Gefühl, das jetzt sagen zu müssen, weil er wollte, dass Jan nicht so von ihm dachte. Besser er hielt seine Begeisterung über Ole zurück.

„Weswegen ruft ihr an? War was wichtiges, was ich vergessen hatte?"

Jan musste lachen, denn das passierte Felix immer wieder, dass er Termine vergaß. „Nein, nein, Mauseplautz, du hast nichts vergessen. Ich habe dich nur ein wenig vermisst und wollte wissen, ob es dir gut geht.“ Jan wollte nicht, dass Felix sich Gedanken machte und vielleicht noch ein schlechtes Gewissen bekam. „Ich weiß, dass du uns liebst, wir lieben dich ja auch. Wir haben schließlich kein Exklusivrecht auf dich und wenn du gerne Zeit mit Ole verbringst, ist das doch okay. Aber wo du fragst, ob du etwas vergessen hast. Nächstes Wochenende haben Mario und ich Wettkampf. Du weißt, dass wir unseren Glücksbringer brauchen. Bring Ole mit, wir mögen ihn.“

„Ja sicher. Auf jeden Fall!" Felix nickte heftig und nahm sich vor, Ole gleich zu fragen, sobald der wieder da war. Vielleicht hatte der ja auch gar keine Lust auf so was. Aber wie sagte man immer so schön: fragen kostete nichts.

„Wir sehen uns bestimmt wieder nächste Woche, wenn ich vor deiner Fakultät stehe und auf Anschluss warte", lachte Felix und freute sich schon darauf - wie immer eben.

„Gut, dann werde ich dich einsammeln und aus der Kälte holen. An Mario schmuggel ich dich schon vorbei.“ Jan lachte und war wieder etwas beruhigter. Er konnte nichts dagegen tun, dass er sich Sorgen um Felix machte. „Gut, wie wir das mit dem Wettkampf machen, besprechen wir nächste Woche, wenn du bei uns bist.“

„Ja, machen wir - bis dann!" Felix verabschiedete sich und legte auf. Dann setzte er sich auf. Ole war noch immer nicht wieder da und das beunruhige ihn jetzt doch. Also erhob sich Felix und machte sich auf die Suche. Im Wohnzimmer saß nur Pelle auf der Couch und die Küche war auch leer. Also schlurfte Felix ins Bad. „Da bist du", sagte er, als er Ole gefunden hatte. „Du hättest nicht gehen müssen. War nichts Geheimes."

Ole nickte, aber ihm war es einfach lieber gewesen. „Mag sein, aber das ist so drin bei mir.“ Er grinste ein wenig schief und schloss den Trockner. Alles, was nicht so empfindlich war, hatte er da hinein gepackt, damit es morgen auch bestimmt trocken war. „Und, wie geht es Jan und Mario?“ Ole war hier fertig und so schob er Felix vor sich her aus dem Bad.

„Ganz gut. Sie haben uns eingeladen. Sie haben nächstes Wochenende Wettkampf. Ich gehe sowieso hin, ich bin das Maskottchen von den beiden. Aber dich darf ich mitbringen, wenn du das möchtest. Du musst nicht, wenn dich das nicht interessiert", sagte Felix gleich, damit sich Ole nicht genötigt fühlte und aus Höflichkeit zu etwas zu sagte, was er eigentlich gar nicht wollte.

„Ein Wettkampf?“ Ole musste überlegen, denn auf Anhieb fiel ihm nicht ein, welchen Sport Felix’ Freunde betrieben. „Ach ja, sie sind Schwimmer. Sind sie denn gut, dass es sich auch lohnt?“, grinste er. Allerdings war das gar nicht wichtig. Wenn Felix da hin ging, dann kam Ole mit, denn sonst konnten sie den Tag nämlich nicht zusammen verbringen.

„Gut? Die zwei bleiernen Enten?", lachte Felix und schüttelte den Kopf. Doch dann beeilte er sich, das zu revidieren und klar zu stellen, dass die zwei ziemlich gut waren und auch viel dafür trainierten. „Und weil sie deswegen in der Woche wenig Zeit haben, warte ich immer freitags und manchmal dienstags, wenn sie kein Training haben, an der Fakultät auf Jan und der nimmt mich mit zu ihnen." So machten sie das, seit Felix die Lehre bei Kleist Montagen begonnen hatte.

„Uih, so gut?“ Ole war angemessen beeindruckt und nickte. „Ich komme gerne mit. Einen Schwimmwettkampf habe ich noch nie mitbekommen. Das wird bestimmt interessant.“ Dass Felix öfter bei Jan und Mario zu Besuch war, hatte er schon mitbekommen. „Ich finde es schön, wenn man Freunde hat, zu denen man immer kommen kann. Das solltest du auch weiterhin machen. Sage die Besuche nicht wegen mir ab.“

Erst einmal stand Felix etwas perplex da, weil er mit diesem Satz nichts anzufangen wusste. Was sollte er davon halten? Warum sagte Ole so was? Doch Felix wagte nicht zu fragen, sondern nickte nur, dass er verstanden hatte. „Lass uns noch ein paar Rezepte lesen", schlug er vor. Vielleicht konnten sie auch den Fernseher anmachen, damit die gedrückte Stimmung etwas verflog.

„Warte mal.“ Ole hielt Felix fest und lächelte. Felix wirkte irritiert und das konnte nur an dem liegen, was er gesagt hatte. „Ich wollte damit nur sagen, dass ich nicht böse bin, wenn du für mich keine Zeit hast, weil du was mit Jan und Mario unternehmen möchtest. Sie sind deine Freunde, da kann ich dich nicht nur für mich beanspruchen.“ Er meinte das wirklich so. Manchmal vergaß man alte Freunde, wenn man neue hatte und das sollte nicht passieren. Nicht, dass er Felix derartiges zutraute, aber manchmal passierte so etwas, ohne dass man es wollte.

„Ihr sagt momentan alle Sachen, die mich verwirren und das finde ich nicht fair", platzte Felix heraus und schlug sich gleich die Hand auf den Mund. „Okay, ich vernachlässige Jan und Mario nicht und dann lassen wir das Thema vielleicht, weil ich im Augenblick damit nicht umgehen kann", gestand er offen und hatte gerade den dringenden Wunsch, der Boden möge sich auftun und ihn verschlingen. Das war ihm so peinlich! Und deswegen senkte er en Kopf und sank in sich zusammen.

„Okay, damit bin ich einverstanden.“ Ole wuschelte durch die roten Haare und drückte Felix’ Schulter leicht. „Entschuldige, ich wollte dich nicht verwirren. Mir ist das nur selber auch schon mal passiert, darum… Ach egal, Thema abgeschlossen und jetzt suchen wir weiter Rezepte.“ Damit sich die Stimmung wieder besserte, schnappte er sich einfach Felix und warf ihn sich über die Schulter. Damit überraschte er seinen Gast so sehr, dass Felix ein kleiner Schrei entwich, weil er sich schon zu Boden gehen sah und dann war er peinlich berührt, weil er gekreischt hatte wie ein Mädchen. Doch als er aufs Bett geworfen wurde, war ihm schon wieder wohler. Da konnte er wenigstens nicht runter fallen. Als erstes robbte er zu seiner Tasse und leerte sie - dann konnte es weiter gehen.

Oles Tasse war auch leer. „Noch mehr oder lieber was anderes?“, fragte er, denn Felix sollte sich nicht genötigt fühlen, noch mehr Alkohol zu trinken. Er setzte sich zu Felix aufs Bett, der schon wieder die Nase im Kochbuch hatte.

So verging eigentlich der gesamte Abend. Sie tranken Tee und Glögg, stöberten in Büchern und malten sich aus, wie es wäre, wenn sie all die leckeren Kekse auch backen würden und wie kugelrund sie würden. Zwischendrinnen gönnten sie sich noch eine Kleinigkeit zum Abend, die eigentlich aus den Resten vom Mittag bestand, weil Felix wusste, dass noch Köttbullar da waren und seit dem lagen sie im Bett und guckten fern.

Immer wieder musste Felix gähnen und schon seit einer Weile hatte er sich an Ole gekuschelt, weil es so schön bequem war. Sie hatten sich schon fürs Bett fertig gemacht und Felix konnte sich in das Shirt wickeln, weil es ihm viel zu groß war.

„Sollen wir schlafen?“, fragte Ole und sah zu Felix hinunter. Er selber war auch müde und sie beide mussten morgen früh raus.

„Hm", war nur noch die halbherzige Antwort und Felix drehte sich so, dass er sich bequemer gegen Ole kuscheln konnte. Dabei zog er seine Decke weit über sich und gähnte wieder verhalten. Er nuschelte noch etwas vor sich hin, was aber keiner verstand, zappelte noch ein bisschen, schob und knautschte - und dann lag er still.

Ein wenig überrascht guckte Ole ja schon, dass Felix zum schlafen nicht von ihm abrückte, sondern noch näher kam. Darum grinste er breit und murmelte ein leises: „Schlaf gut“, dann legte er sich ebenfalls bequem hin und schloss die Augen. Dass ihr Tag so enden würde, hatte er nicht erwartet, aber es war schön. Dann konnte er sich wenigstens ein wenig einbilden, dass Felix seine Gefühle erwiderte. Darum hatte Ole auch ein Lächeln auf den Lippen, als er kurz nach Felix ebenfalls ins Land der Träume driftete.


16

Der Morgen begann für Felix mit Verwirrung, denn egal wie oft er neben sich schlug, das nervende Klingeln hörte einfach nicht auf. Wo war denn nur dieser dämliche Wecker? Der stand doch immer links neben dem Bett auf dem Nachttisch! „Hm!", knurrte er ziemlich angefressen, denn wenn er eines nicht haben konnte, war das Stress am Morgen. Und ein lärmender Wecker, der nicht wusste, wann Schluss war, war ziemlicher Stress.

Doch plötzlich gab das nervende Teil Ruhe. Ole hatte dem Krach ein Ende gemacht und den Wecker ausgestellt. „Morgen“, nuschelte er noch ziemlich verschlafen und drehte sich zu Felix hin. Mit einem Arm raffte er den schmalen Körper an sich und vergrub seine Nase in den strubbligen Haaren. Ole wollte nicht aufstehen, außerhalb des Bettes war es kalt und ungemütlich.

Felix, der es eigentlich nur gewohnt war, dass sich seine Decke um ihn schlang, strampelte ein bisschen, denn seine Zeit war morgens immer etwas eng bemessen. „Hm... Ahm", seine übliche Kommunikation am Morgen. Sowohl seine Mutter als auch Jan hatten es schon gelernt, die Nuancen in der Betonung zu deuten und so die wichtigsten Informationen aus ihm heraus zu kitzeln. Denn wenn Felix eines am Morgen nicht war, dann kommunikativ.

„Hm?“ Ole hatte noch nicht die Übung, Felix’ morgendliche Äußerungen zu deuten, darum hob er den Kopf und sah fragend auf seinen Freund hinunter. Erst jetzt fiel ihm auf, dass sie ziemlich nah zusammen lagen, aber jetzt war es schon zu spät, sich erschrocken zurückzuziehen. Darum machte er sich nur vorsichtig frei. „Kaffee?“, fragte er und ließ sich noch einmal nach hinten sinken.

„Hm", war die Antwort und Felix rollte sich noch einmal fest in seine Decke ein. Er vermisste den Plüschleo, den er immer an sich drückte und nun suchte er nach Ersatz, griff was er bekommen konnte und zog sich wieder dichter an Ole. „Hm", knurrte er noch einmal.

Nun konnte Ole nicht mehr widerstehen und legte die Arme um Felix. Schließlich hatte sein Freund angefangen. Darum streichelte er leicht über Felix' Rücken und blieb noch liegen. Er selber hatte noch Zeit, bis er anfangen musste und wenn er Felix zur Arbeit brachte, konnten sie noch ein paar Minuten liegen bleiben. Er seufzte zufrieden und genoss die Ruhe, bevor sie aufstehen mussten. Und Felix im Halbschlaf kuschelte sich sowieso an alles, was weich und warm war. Dabei schlief er sogar wieder ein, denn es war zu verlockend und roch so angenehm.

„Mhhhh", nuschelte er und zog die Decke über den Kopf. Angst, dass die Füße raus guckten, musste er bei der Decke bestimmt nicht haben, denn die hatte Ole-Maß.

Aber selbst die kuschligsten Minuten gingen vorbei und langsam mussten sie wirklich aufstehen. „Felix, wir müssen raus, sonst kommst du zu spät zur Arbeit“, murmelte Ole schließlich und strich die Haare aus Felix’ Gesicht. Er beugte sich schon vor, um ihn auf die Stirn zu küssen, hielt sich aber im letzten Moment noch zurück. Stattdessen machte er sich los und setzte sich auf. „Ich mach Frühstück.“

„Hm?", fragte Felix in das Dunkel des Raumes. Wo kam denn bitteschön die Stimme her?

Motti?

Etwas unorientiert robbte Felix wie jeden Morgen zur Bettkante, um sich ins Leben fallen zu lassen, nur war der Weg heute irgendwie länger. Doch dann stand er endlich, stolperte fast über die viel zu langen Hosenbeine und knurrte vor sich hin, denn irgendjemand hatte ihm die Tür geklaut. Da wo sie sonst war, war eine Wand, die wehtat. So musste er eben doch mal die Augen öffnen - Mist!

Ole hatte das mit angesehen und konnte sein Kichern nicht mehr unterdrücken. „Du bist ja echt süß, wenn du noch nicht wach bist“, lachte er leise und nahm Felix an den Schultern. So führte er seinen Freund ins Badezimmer und öffnete ihm sogar die Tür, damit er sich nicht noch einmal den Kopf stieß.

„Hm", bedankte sich Felix und zuckte schmerzverzerrt, als das grelle Licht angemacht wurde. Eilig suchte er mit zusammengekniffenen Augen den Lichtschalter, tötete das böse Licht wieder ab und seufzte erleichtert, als nur noch fahles Licht aus der Küche zu ihm drang. Das war doch gleich viel besser! Er wusste zwar immer noch nicht so richtig, wo er war, doch den Typen im Spiegel kannte er. Das reichte.

Ole konnte es immer noch nicht fassen, wie anders Felix morgens war. Ein Morgenmensch war sein Freund definitiv nicht. Na ja, er selber war morgens auch nicht gerade hyperaktiv, aber so krass war er nicht drauf. Ole wusste zwar nicht, ob Felix Kaffee trank, aber er brauchte auf jeden Fall welchen. Darum setzte er eine Kanne auf und holte aus dem Kühlschrank alles, was sie für das Frühstück brauchten.

Derweil duschte Felix schnell, putzte nebenbei unter der Dusche gleich die Zähne und hüpfte in die Kleider, die da lagen. Die kannte er, also ging er davon aus, dass es seine waren. Und siehe da - sie passten wie angegossen. Schnell strubbelte er sich noch durch die Haare und kam suchend in die Küche geschlurft und sah sich mit kleinen Augen in der hell erleuchteten Küche um. Dabei winkte er, denn er war morgens maulfaul. Das war nichts persönliches, er redete morgens einfach nicht.

„Oh schön, dass du da bist. Hier ist Kaffee und Frühstück, wenn du magst, ich bin schnell duschen.“ Ole winkte zurück und kam Felix entgegen. „Zu hell?“, fragte er, weil Felix die Augen zusammen kniff. Er wartete die Antwort gar nicht ab und löschte das Deckenlicht. Jetzt spendete nur eine Lampe im Fenster etwas Licht, aber das reichte.

Felix stöhnte zufrieden und seufzte erleichtert, ehe er Ole den Daumen hob und grinsend auf einen Barhocker kroch. Dort wartete Toast auf ihn und Kaffee, dazu ein bisschen herzhafter Belag. Das war perfekt. Und so machte sich Felix über die Nahrung her und erinnerte sich langsam, wo er eigentlich war. Er grinste schief. Er hatte ja wohl nicht den perfektesten Eindruck gemacht. Was mochte Ole nur von ihm denken?

Der dachte aber gerade gar nichts und genoss nur das warme Wasser auf seiner Haut. Nach der Dusche fühlte er sich wieder wie ein Mensch und ein paar Minuten später ging er in sein Schlafzimmer, um sich etwas anzuziehen. Heute entschied er sich für einen dunkelgrauen Anzug, auch wenn er lieber eine Jeans angezogen hätte.

Derweil hatte sich Felix einen Zettel gegriffen und kurz notiert: „Ich rede morgens nie, ist nicht persönlich, ich bin so!“, stand darauf und den stellte er Ole gegen seine Tasse, damit er ihn las und verstand. Aber so war das mit Felix eben. Er bekam morgens den Mund einfach nicht auf. Eben erst bootete die Festplatte, da waren Zusatztools wie Konversation und Höflichkeit noch nicht geladen. Deswegen hielt er lieber die Klappe. Als Kind war er morgens bei seiner Mutter immer angeeckt. Sie hatte so lange gebohrt und genervt, bis er explodiert war.

Er musste nicht lange auf Ole warten, der in die Küche kam, um auch etwas zu essen. Er hob eine Augenbraue, als er den Zettel sah und grinste, nachdem er ihn gelesen hatte. „Alles klar, dann weiß ich bescheid. Wenn du morgens nicht redest, ist das okay. Damit kann ich gut leben.“ Ole redete morgens selbst nicht viel. Er brauchte mindestens einen Kaffee, bis bei ihm alles rund lief und den genehmigte er sich jetzt.

„Hm", machte Felix bestätigend, reckte aber wieder beide Daumen. Zum einen als Dank für das Frühstück, was er aber noch einmal artikulieren würde, wenn der Tag schon etwas weiter fortgeschritten war und auch für den Anzug. Ole sah wieder beneidenswert aus. Felix sah in einem Anzug immer aus wie ein Konfirmand. Das sagte sogar Jan. Daran konnte man leider nichts ändern.

Das Frühstück verlief darum schweigend, aber die Stille war nicht unangenehm. Sie mussten auch nicht reden, denn es funktionierte durchaus auch ohne zwischen ihnen. Sie räumten den Tisch ab. Felix bekam eine Dose, damit er sich etwas zu essen einpacken konnte. Dann teilten sie die letzten vier Kekse zwischen sich auf, so dass jeder zwei mitnehmen konnte.

„Danke", nuschelte Felix schief. Es war ungewohnt, um diese Uhrzeit zu reden. Aber man starb nicht daran, wie er gerade feststellen musste. So griffen sie ihre Sachen und ein paar Minuten später standen sie beide am Wagen und kratzten fix die Scheiben sauber, ehe sie sich in das morgendliche Eisballett einreihten. „Schmeiß mich an der U-Bahn raus", schlug Felix vor, denn Oles Arbeitsplatz lag in der entgegengesetzten Richtung wie seiner.

„Kommt gar nicht in Frage, ich bring dich zur Arbeit.“ Ole schüttelte den Kopf und sein Gesicht zeigte, dass er darüber auch nicht diskutierte. Schließlich hatte Felix von ihm aus einen viel weiteren Weg und schaffte das vielleicht nicht mehr pünktlich. „Gäste bekommen bei mir das komplette Programm.“

„Oh. Danke", nuschelte Felix und wusste nicht so richtig, wie er das alles wieder gut machen konnte. „Das nächste Mal machen wir das bei mir." Es war nicht seine Art immer nur zu nehmen und er nahm nur so viel, wie er zurückgeben konnte. Deswegen überlegte er schon fieberhaft. Am Samstag war der Wettkampf. Am Sonntag musste er zuhause aufschlagen, sonst holte ihn seine Mutter eigenhändig. Also wann? Denn unter der Woche musste Ole lange arbeiten.

„Gerne, ich freu mich schon drauf, sofern ich nicht im gleichen Raum wie Motti schlafen muss.“ Ole guckte kurz zu Felix hinüber. Er musste ziemlich auf den Verkehr aufpassen, denn für heute Morgen war stellenweise Glätte angesagt worden und die meisten Autofahrer waren damit überfordert. Erst als sie an einer Ampel hielten, drehte er sich zu seinem Freund. „Sollen wir dann auch bei dir backen? Wenn ja, hast du alles dafür da oder soll ich es mitbringen?“

„Sicher. Ich werde vorher schon alles kaufen. Ich habe ja die Liste eingepackt und dann backen wir mehr als gestern. Sonst reichen die wieder nur einen Abend", grinste Felix schief, beschloss aber, seiner Mutter ganz stolz davon zu berichten, dass er ab jetzt auch Keks-Selbst-Versorger sein konnte, wenn es hart auf hart kam.

Oder nein, er erzählte das lieber nicht!

Denn dann kam das Argument, dass er keine bräuchte, weil er selber backen konnte. Er saß in einer Zwickmühle, er war stolz wie Oskar, wieder etwas geschafft zu haben und konnte es nicht erzählen, ohne Einbußen hinnehmen zu müssen.

„Okay, ich bring dann nur die Elch-Ausstecher mit, falls wir sie brauchen.“ Ole würde das am liebsten heute gleich wieder machen, aber er wollte Felix nicht drängen. Der hatte schließlich noch andere Freunde, die ihn auch sehen wollten, wie man gestern an Jan gesehen hatte. Darum sagte er nichts weiter. Sie sahen sich ja auf jeden Fall am Wochenende.

„Wann - hättest du denn - Zeit?", fragte Felix langsam, weil er gerade das Gefühl hatte, sehr aufdringlich zu sein. Wenn er Glück hatte, sagte Ole jetzt Mittwoch oder Donnerstag, denn dann war er weder bei seiner Mutter noch bei Jan und Mario und ihrer Backorgie würde nichts im Wege stehen. Nervös bogen sich seine Finger und unter seinem Hintern wurde es schon wieder warm.

„Wann du willst“, kam es wie aus der Pistole geschossen von Ole. Er hatte nicht nachgedacht und das erste gesagt, was ihm in den Kopf kam. Er wurde verlegen und war froh, dass die Ampel umsprang. „Ich meine, ich habe nichts weiter vor die Woche und wenn du Lust hast, können wir was zusammen machen.“

„Wie wäre es dann mit heute?", schoss Felix zurück, ruderte aber doch etwas zurück, als er erklärte, er müsste vorher noch einkaufen gehen. Doch dann kam ihm in den Sinn, dass Ole sowieso länger arbeiten musste als er und Felix dann gut und gerne noch einkaufen und etwas zu essen vorbereiten konnte. Wenn Henning ihn also nicht ewig im Büro hielt, weil noch ein Auftrag fertig werden musste, dann sollte es eigentlich klappen. Doch wollte Ole ihn heute gleich wieder ertragen?

„Gerne. Soll ich dich abholen? Dann musst du die Einkäufe nicht tragen. Ruf mich doch einfach an, wenn du weißt, wann du Schluss machen kannst, dann komm ich vorbei.“ Ole zerstreute Felix’ Zweifel mit seinen Worten und mit dem freudigen Lächeln auf seinen Lippen. „Wir sollten deine Frage vielleicht umformulieren. Hast du Lust, die Tage, an denen du nichts vorhast, mit mir zu verbringen?“

„Klar, gerne. Weißt du doch. Aber in deiner Position kannst du doch nicht jeden Tag zeitig abhauen. Aber auch wenn du später weg kommst, kannst du gern vorbei kommen", sagte Felix schon wesentlich besser gelaunt, ohne dass er selber wusste warum. Es war einfach ein gutes Gefühl zu wissen, dass man nicht allein war. Vor allem aber, dass man mit Ole Zeit verbringen konnte. „Aber bring mal ein paar Fotos mit. Ich hab bei Jan angegeben, du würdest auch gern knipsen und jetzt fragt Jan ständig, ob du gut bist und ob man sich mal austauschen kann."

„Ach, das geht schon. Ich muss nicht so oft bis spät abends bleiben.“ Jetzt wo Ole wusste, dass er die Woche nicht auf Felix verzichten musste, ging es ihm wieder gut. „Ich such Bilder raus, die ich gemacht habe, und bring sie mit, damit du Jan endlich was vorweisen kannst. Es sind aber meistens nur Landschaftsaufnahmen. Mit Portraits hab ich‘s nicht so, obwohl ich natürlich auch welche gemacht habe.“

„Landschaftsbilder sind doch toll. Kann ja nicht jeder so geil sein wie Mario, der - wenn er mal was knipst - ständig nur versucht, Jan in möglichst aufreizenden Posen zu erwischen. Der Kerl ist manchmal echt merkwürdig!" Felix schüttelte lachend den Kopf, als er aus Versehen die falsche Fototasche genommen hatte. Er hatte eine rote Nase bekommen, Jan einen roten Kopf und Mario hinterher rot gedrehte Ohren.

„Die zwei sind echt krass.“ Ole musste lachen. Er konnte sich das richtig vorstellen, wie Jan seinen Schatz an den Ohren zog. Dabei fiel ihm etwas ein. „Sag mal, wann am Wochenende, ist denn der Wettkampf? Willst du die Nacht vorher bei mir schlafen, dann müssen wir morgens nicht so hetzen.“

„Der Wettkampf ist Samstag. Ich werde Freitag wohl bei Jan und Mario sein und mit denen dorthin fahren. Zumindest haben wir das bisher immer so gemacht", sagte Felix etwas verlegen und guckte aus dem Fenster. Er war einmal mehr an dem Punkt, wo er merkte, dass er nicht alles unter einen Hut bekam. Jan wieder zu enttäuschen brachte er nicht übers Herz, denn er freute sich auch auf die Abende mit seinen Freunden.

„Oh, okay, macht ja nichts. War ja nur eine Idee. Wenn du das immer so machst, dann solltest du das auch machen.“ Ole strich Felix über das Bein und lächelte. „Ist wirklich okay. Ich habe doch gesagt, dass wir uns an den Tagen sehen können, an denen du noch nichts vorhast. Wir sehen uns dann ja am Samstag und feuern Jan und Mario an.“

„Japp." Felix nickte heftig und fand es ziemlich schade, dass sie gerade in die Straße einbogen, in der seine Firma stand. Noch 200 Meter, dann mussten sie sich trennen. Eigentlich hatte er heute überhaupt keine Lust auf Arbeit, doch da wurde nicht danach gefragt. Es waren noch ein paar Wochen bis zu den Betriebsferien. Felix drückte sich noch etwas tiefer in den Sitz. Vielleicht konnte er verschmelzen und musste nicht aussteigen und konnte hier bleiben, denn gerade bremste Ole.

Er hielt genau neben dem Eingang, so dass Felix nicht so weit laufen musste. Ole drehte sich zu ihm und wuschelte Felix durch die Haare. Das machte er wirklich zu gerne, eben weil Felix dann immer brummte. „Schade“, murmelte er leise und grinste schief. „Na los, je eher du anfängst, desto früher kannst du Feierabend machen.“

„Okay. Dann bis später und viel Spaß bei IKEA", sagte Felix noch und lächelte offen. Es war ein Reflex, sich wie bei Jan auch, vorzubeugen und ihn zu umarmen, ehe er ausstieg. Erst dann merkte Felix, was er getan hatte. Doch Ole hatte sich bisher nicht darüber beschwert, angefasst zu werden. Er schlug die Tür zu und winkte, bis Ole langsam vom Hof rollte. Der seufzte leise, als Felix im Haus verschwand. Ole vermisste ihn jetzt schon und wenn er auch gesagt hatte, dass Felix seine anderen Freunde wegen ihm nicht vernachlässigen sollte, so war er doch ein wenig eifersüchtig, weil er seinen Freund dann nicht sehen konnte.

Durch das Tor bog er auf die Straße und fuhr zur Arbeit. Er hatte keine Ahnung, dass zwei wütende Augen ihn verfolgten. Henning war kurz vor Ole auf den Hof gerollt und hatte seine Verabschiedung von Felix mitbekommen. Allein schon die Tatsache, dass Ole seinen Lehrling zur Arbeit brachte, ließ ihn vor Wut kochen, denn was das hieß, wusste er ganz genau. Selbst Ole fuhr nicht mitten in der Nacht durch die halbe Stadt, um jemanden abzuholen, nur um ihn zur Arbeit zu bringen. Die beiden hatten die Nacht zusammen verbracht - das durfte doch nicht wahr sein.

Wütend schlug Henning auf das Steuer und musste sich wieder fassen. Er konnte seinen Frust über seinen Ex unmöglich an Felix auslassen, auch wenn er den kleinen Wurm gern durch die Mangel gedreht hätte.

Was bildete der Kerl sich ein?

Dass Ole ihn liebte?

Ole brauchte was fürs Bett!

Felix war nicht sein Geschmack, er war vielleicht ein Zeitvertreib, aber kein Partner. Und doch hatte der kleine Rotschopf im Augenblick das, was Henning wieder haben wollte.

Nur wie sollte er wieder an Ole herankommen? Er wusste ja noch nicht einmal, wo sein Exfreund jetzt wohnte und Felix konnte er schlecht fragen. Der wusste gar nicht, dass er Ole kannte.

Es war echt zum Verzweifeln.

„Na warte, das hast du dir so gedacht. Einfach verschwinden und glauben, dass ich das so hinnehme“, murmelte Henning leise und seine Augen blitzten. Er musste es nur geschickt anstellen, dann erzählte Felix ihm, was er wissen wollte.

Derweil wuselte der Azubi schon durch die Kaffeeküche und stellte die Maschine an, während sein PC langsam hoch fuhr, die Sicherheitsroutinen abgraste und sich dann irgendwann dazu herab ließ, zusammen mit Felix in den Tag zu starten. Er hatte noch ein paar Hausaufgaben für die Berufsschule auf dem Tisch liegen, die er endlich erledigen wollte.

Henning hatte seine Tasche und seine Jacke schnell in sein Büro gebracht und machte sich gleich auf den Weg in die Teeküche, wo er Felix wie erwartet vorfand. „Ah Felix, guten Morgen“, grüßte er und stellte sich mit seiner Tasse neben die Kaffeemaschine. „Na, hattest du ein schönes Wochenende?“

„Ja, ich kann nicht klagen", sagte Felix und machte für sich noch Wasser für einen Kakao heiß. Sicher, der schmeckte nicht so gut wie ein richtiger, aber zu seinen letzten zwei Ole-Keksen wollte er Kakao. „Wir haben Kekse gebacken - das erste Mal", erzählte er und man hörte, dass er stolz drauf war, dass man sie essen konnte, ohne sich eine Vergiftung oder Magenschmerzen zuzuziehen.

„Gebacken? Mit deiner Mutter oder mit deiner Oma?“, fragte Henning, denn er wollte ihn ja nicht auf Ole ansprechen. Und da man meist mit der Familie backte, kam ihm das am unverfänglichsten vor. Die Kaffeemaschine röchelte ein wenig und zeigte an, dass sie bald fertig war. „Dann war dein Wochenende auf jeden Fall schöner als meins. Ich habe mich mit ein paar Aufträgen vergnügt.“

„Aber das ist doch auch wichtig", sagte Felix gleich und nickte, grinste aber. „Stimmt schon, backen ist definitiv besser. Eigentlich backe ich am zweiten Advent immer mit der Familie, aber diesmal war ich mit Ole in einer Ausstellung und dann bei ihm. Da kam uns die Idee zu backen. Ging erst mörderisch in die Hose, aber zum Schluss haben sie geschmeckt. Heute gibt’s den zweiten Versuch." Felix lachte, wenn er sich daran erinnerte. Mit dem nötigen Abstand konnte er das auch langsam, im Gegensatz zu gestern.

„Ah Ole. Von dem hört man auch öfter in letzter Zeit. Ihr habt euch wohl recht gut angefreundet. In welcher Ausstellung wart ihr denn.“ Henning lachte leise und schüttete sich Kaffee ein. So wie Felix von seinem Wochenende erzählte, konnte man ihm einfach nicht böse sein, auch wenn er es mit dem Mann verbracht hatte, den er selber haben wollte.

„Wir waren in der Tibetausstellung. Die war wirklich klasse. Mit Ole macht das aber auch Spaß. Er weiß eine Menge, hat viele Ideen und ist auch so ziemlich nett. Ich bin wirklich froh, dass wir uns über den Weg gelaufen sind." Er merkte nicht einmal, wie seine Augen dabei glänzten, als er von Ole berichtete.

„Tibet. Hört sich interessant an. Sollte ich vielleicht auch mal hingehen.“ Henning war sich jedoch sicher, dass er das nicht machen würde, denn Ausstellungen waren nicht sein Ding. Ole war immer alleine gegangen und hatte ihm nachher erzählt, was er gesehen hatte. „Ist doch schön, wenn ihr euch gut versteht. Freunde sind wichtig. Wohnt dieser Ole denn auch in Essen? Das wäre auf jeden Fall praktischer.“

„Sicher, er wohnt und arbeitet hier in Essen. Insofern kommt er abends immer mal lang, dass wir noch was zusammen machen können. Essen, was trinken, einen Film gucken oder quatschen." Felix war ziemlich redselig und das ging ihm auch auf. Was erzählte er Henning denn alles? „Ach, ich langweile dich, oder?", lachte er und goss sich seinen Kakao auf, kratzte sich dabei verlegen am Kopf.

„I wo.“ Henning winkte lachend ab und zwinkerte Felix zu. „Alles ist besser, als wieder an den Schreibtisch zu müssen. Erzähl ruhig weiter, dann hab ich eine Ausrede, warum ich noch nicht angefangen habe.“ Vielleicht erzählte sein Azubi ja noch etwas, was er gebrauchen konnte.

„Na, so lange ich von deinem Vater dann nicht die Hammelbeine lang gezogen bekomme, weil die Arbeit liegen bleibt", lachte Felix und kicherte verschwörerisch. „Das kann ich mir nicht leisten. Ich will heute recht pünktlich raus, weil ich noch was vorhabe." Genießend schlürfte er an seinem heißen Kakao und holte schnell seine Kekse, dann war er wieder bei Henning.

„Hey, wer mir hilft, dem helfe ich auch. Wenn du pünktlich Feierabend machen willst, dann ist das okay. Jetzt weiß ich ja Bescheid.“ Henning schielte auf die Kekse in Felix' Hand, fragte aber nicht danach. Er konnte sich gar nicht vorstellen, dass Ole gebacken hatte, denn in den zwei Jahren, die sie zusammen gewesen waren, hatte er das nie gemacht. Selbst das Kochen hatte er irgendwann aufgegeben, weil Henning eigentlich immer alles in Ketchup ersäufte und Oles Laune damit in den Keller gespült hatte.

„Auch einen?", fragte Felix, als er Henning so auf seine Kekse starren sah. Eigentlich hatte er ja nicht teilen wollen, doch das konnte keiner mit ansehen. Außerdem gab es heute Abend ja neue.

„Nein danke, auch wenn sie lecker aussehen. Ich kann dir doch nicht deinen letzten Keks wegessen.“ Henning schüttelte den Kopf. Das war nicht nur so dahergesagt. Das brachte er wirklich nicht übers Herz. Außerdem wollte er Ole und nicht seine Kekse. Süße Sachen mochte er sowieso nicht besonders gerne.

„Du ahnst nicht, was du verpasst", lachte Felix und knabberte an seinem Keks. Er lauschte, als er die Tür gehen hörte. Das war sicher Lothar, denn der war immer relativ zeitig da.

„Guten Morgen", grüßte er, als er an der Kaffeeküche vorbei kam und war dann erst einmal in seinem Büro verschwunden.

Langsam kam Leben ins Büro und so sah Felix Henning entschuldigend an. „Ich geh dann auch mal an die Arbeit, sonst werd ich nicht fertig."

„Ja, mach das, ich muss auch anfangen.“ Henning sah Felix hinterher, als der mit seiner Tasse zu seinem Büro ging. Es war schon komisch. Er sollte wütend auf ihn sein, weil Felix hatte, was er wollte, aber Henning konnte einfach nicht. Er war auf Ole wütend, das war keine Frage und wenn er ihn einmal zu packen bekam, musste der ihm einiges erklären. Aber sich darüber jetzt Gedanken zu machen brachte nichts, seine Unterlagen auf dem Schreibtisch waren wichtiger.