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IKEA Sonderposten - ELCH

Ein Volvo, ein Elch und ein Maßband

„Danke noch mal, dass wir hier sein dürfen“, sagte Jan und lehnte sich zufrieden zurück. Sie hatten eine Woche der Semesterferien dazu genutzt, einmal mit Ole und Felix dort hin zu fahren, wo Felix mittlerweile am liebsten war und zu erleben, warum er hier am liebsten war. Sie waren gestern erst angekommen, aber seit dem belagerte der Elch das Haus. Man hatte sogar das Frühstück in den Wintergarten verlegt, damit Inga nicht so alleine war und ihnen zugucken konnte. Als wenn sich der Elch mit zugucken zufrieden gegeben hätte. Es gab immer einen Haps für Felix, einen für Inga, für Felix Brötchen, für Inga Möhre. Aber es hatte keiner übers Herz gebracht, das dynamische Duo zu trennen. Wo Inga sich doch auch so freute.

Ihr Gehege hinter dem Haus der Großeltern nahm langsam Gestalt an und sie besuchte sonst immer Lasse und seine Freunde, die den Zaun bauten. Doch seit Felix wieder da war, war Lasse völlig unspektakulär.

„Ich freu mich, dass ihr da seid, dann beachtet mich wenigstens jemand.“ Ole sah zu Felix hinüber und seufzte. Er war schon wieder abgeschrieben, seit sie hier waren. Felix hatte sogar vorgeschlagen, dass sie jetzt jede Nacht bei Inga schlafen konnten, weil es ja warm war und sie nicht mehr Gefahr liefen, zu erfrieren, wie im Winter. Fünf Minuten hatte Ole es geschafft, sich dagegen zu wehren, dann war er zusammengebrochen und hatte sich von Sex verabschiedet.

„Das muss Liebe sein“, lachte Mario und Felix senkte den Kopf.

„Ich beachte dich auch!“, erklärte er mit Nachdruck, schielte aber zur offenen Tür, wo gerade Inga angestackst kam. Sie war nach dem Frühstück eine Runde gelaufen und wollte nun Felix holen, um mit ihm zu toben. Sie steckte also den Kopf zur Tür herein und Jan beobachtete gespannt, was jetzt passierte.

Felix zuckte, wollte schon aufspringen, sah dann aber seinen Schatz an. Der sollte sich nämlich nicht vernachlässigt fühlen, doch da war Inga schon im Wintergarten und hatte Felix am T-Shirt gepackt. Mit sanftem Druck versuchte sie Überzeugungsarbeit zu leisten.

Wie sollte man da noch eifersüchtig sein? Ole beugte sich zu Felix hinüber und küsste ihn sanft. „Los geh schon toben. Sie gibt ja doch keine Ruhe. Du darfst mich den Tag über vernachlässigen, wenn die Nächte nur mir alleine gehören“, bot er einen Kompromiss an und wackelte mit den Augenbrauen. Bei diesem Kompromiss kam er ziemlich gut weg, denn wenn er tagsüber Sehnsucht nach seinem Schatz hatte, konnte er mit ihm zusammen mit Inga toben.

„Okay!“ Noch ein letzter Kuss, dann war Felix auch schon hochgeschossen und Inga wirkte sehr zufrieden. Einmal mehr hatte der Elch seinen Willen bekommen, der Erziehungseffekt war gleich Null, doch was sollte man machen? Sie war süß und sie wusste es.

„Die ist wirklich wie ein junger Hund.“ Jan hatte den Erzählungen der beiden nicht so ganz glauben wollen, sicher übertrieb man gern einmal. Doch die Schilderungen über Ingas Anhänglichkeit an Felix waren nicht übertrieben gewesen. Ganz und gar nicht.

„Wir haben sie wohl ein wenig verwöhnt, als sie klein war.“ Ole zuckte mit den Schultern und grinste. Inga war zwar mittlerweile ausgewachsen, aber das änderte nichts daran, dass er sie immer noch gerne verwöhnte, wenn er hier war. Felix ging es nicht anders. Jan und Mario waren für sie noch relativ uninteressant, aber das würde sich ändern, wenn sie mitbekam, dass man mit denen auch toben konnte. Und Möhren konnten die mindestens so gut füttern wie Ole und Felix auch. Aber im Augenblick beobachteten die drei, wie Felix samt Elch nicht etwa auf die große Wiese hinter der kleinen Grundstücksmauer ging, sondern zum Volvo. Ole guckte nicht schlecht, als der Wagen sich öffnete und guckte suchend nach dem Autoschlüssel. Doch den schien Felix zu haben, denn er steckte ihn in die Hosentasche, ehe er die Heckklappe öffnete.

„Hat er jetzt das vor, von dem ich glaube, dass er das vor hat“, fragte Mario und konnte sich das Grinsen kaum noch verkneifen.

„Er hat einen Zollstock in der Hand“, lachte Jan und schob seinen Stuhl so, dass er sich nicht verdrehen musste, um das Geschehen zu beobachten.

„Ich hätte es wissen müssen, als er darauf bestanden hat, dass wir den Werkzeugkasten damit aufstocken müssen. Er meinte, das wäre nützlich, wenn man bei einem Unfall was nachmessen muss.“ Ole schlug sich mit der flachen Hand gegen die Stirn. Sein Schatz war ganz schön gerissen. „Ich fürchte, wenn er Inga in den Wagen bekommt, fahren wir mit dem Zug nach Hause.“

„Das kann gut sein. Wir sollten schon mal preiswerte Tickets suchen und einen Bus, der uns bis zu einem Bahnhof bringt.“ Mario war sehr amüsiert über Felix, mehr aber noch über Inga – das Schauspiel konnte beginnen.

Felix stand vor dem Wagen und sah nun zwischen dem Auto und dem Elch hin und her. Er klappte zwei Glieder des Maßstabes auf und guckte wieder hin und her. Dann kratzte er sich am Kopf. „Maus, wir müssen mal was ausprobieren“, erklärte er der jungen Dame, die neugierig an dem Zollstock schnüffelte. Aber der schmeckte nicht.

„Kommt Jungs, das will ich von Nahem sehen.“ Ole stand auf und sah Jan und Mario auffordernd an. Hier bekamen sie doch gar nicht alles mit und das Schauspiel wollte er sich nicht entgehen lassen. Felix fing nämlich gerade an, Inga auszumessen, nur war der Zollstock nicht wirklich dazu geeignet und der Elch kitzelig. Das machte das ganze Unterfangen nicht leichter.

Und weil Felix nun mit dem tänzelnden Elch beschäftigt war, der ständig die Messung verfälschte, merkte er noch nicht einmal, dass sich auf dem Rasen am Hang zum Parkplatz drei mit Kameras bewaffnete Paparazzi eingefunden hatten.

„Inga“, knurrte er und sie guckte auch etwas betreten, doch sie konnte einfach nicht stehen bleiben, wenn der blöde Stock sie kitzelte. Das ging nicht.

Sie stupste Felix sanft mit der Nase an und der konnte gar nicht anders, als seine Arme um ihren Hals zu legen. „Messen wir erst das Auto aus“, disponierte er um, aber vorher knuddelte er den Elch ein wenig und zog sie an den Ohren, bis sie den Kopf schüttelte und zufrieden brummte.

Das war herrlich. Nur noch Ole konnte das genauso gut wie Felix. Und schon war sie wieder versöhnt und guckte nun zu, wie Felix versuchte in den Kofferraum zu klettern – unter Blitzlichtgewitter, denn Inga schob ein bisschen, damit es leichter ging. Solch ein Motiv ließ sich doch keiner entgehen.

„Okay, bin hinten, reicht!“, rief Felix, der fast mit dem Kopf an die Rückbank gedonnert wäre. Das ging mal gar nicht. Wenn der kleine Regenwurm schon hier anstieß, dann Inga erst recht! Diese Rückbank musste weg – doch das erledigte er gleich, erst einmal wurde der aktuelle Kofferraum vermessen und Jan biss sich in die Hand, als Felix Inga allen Ernstes nach einem Taschenrechner fragte und die, wie zur Antwort, den Kopf schüttelte. Das glaubte ihm keiner!

„Das ist so krass“, murmelte er und schoss noch ein paar Fotos. Nur gut, dass er seinen Laptop mitgenommen hatte, so konnte er seine Speicherkarte jeden Abend leeren, damit sie am nächsten Morgen wieder einsatzbereit war. So wie die Woche anfing, kam er mit Massen von Bildern für Ronny und Satoshi zurück. Die beiden waren nämlich sehr interessiert an Felix und Inga Geschichten, weil es da immer etwas zu lachen gab. Wenn die dann noch mit Bildern untermauert wurden, war der Abend gerettet. Vielleicht sogar mehrere Abende.

Doch auf der Bühne war noch nichts gerettet. Inga steckte mit dem Kopf im Wagen – Felix guckte gerade raus und vermaß den Einstieg. Und Jan war nicht der einzige, der wusste, dass Felix sich das nicht merken konnte und bestimmt noch sieben- oder achtmal nachmessen würde. Doch erst einmal kam er wieder aus dem Wagen, besah sich erneut den Kofferraum, dann den Elch und hatte zumindest schon einmal grob begriffen, dass der Elch stehend auf keinen Fall transportiert werden konnte. Das zeigte auch ein kurzes nachmessen der langen Beine – keine Chance.

Inga sah ihm dabei zu und leckte ihm einmal mit ihrer Zunge quer über den Hintern, weil er gerade so einladend damit wackelte. Es sah fast aus, als wenn sie grinste, als Felix quiekend aufsprang und sich über seine Kehrseite rieb. Ole lachte laut und erklärte Jan und Mario, dass so eine Elchzunge ziemlich rau war und es doch schon ein recht merkwürdiges Gefühl war, wenn sie so über die Jeans schabte.

„Und dass die deinem Lieblingsregenwurm am Hintern herum spielt, stört dich gar nicht?“, stichelte Mario gutmütig, er wusste aber, dass Ole nicht eifersüchtig war. Zumindest nicht, wenn es um Inga ging. Er hatte sich dann schon mit der Degradierung auf die Folgeplätze abgefunden – aber wirklich nur bei ihr.

Als sie Felix allerdings erklären hörten, Inga solle nicht erwarten, dass er das jetzt auch bei ihr machen würde, lagen sie wieder zu dritt im Gras und bissen sich auf die Handkante. Nicht dass Felix doch noch aufmerksam wurde und das Schauspiel schneller vorbei war als nötig.

Sie wollten doch Zuhause berichten, was Felix in Schweden so alles anstellte. Da waren nicht nur ihre Freunde gute Abnehmer, sondern auch Felix’ Familie. Jan machte fleißig Bilder, als Oles Freund sich Inga wieder mit dem Zollstock näherte. Diesmal hatte er ihn zu einem großen U geformt, um die Taille seiner Freundin zu messen. Doch Inga war ein sehr interessierter Elch und so drehte sie sich wie ein Kreisel, wenn Felix versuchte, um sie herum zu gehen. Außerdem war das geformte U zu ungenau, er musste schätzen und dabei war er ganz schlecht. So wurde das also nichts.

„Leg dich mal hin“, forderte Felix also und Inga sah ihn fragend an. „Hinlegen!“, sagte Felix noch einmal und ruderte erklärend mit den Händen und Armen und allem, womit man so rudern konnte. Doch es schien noch immer nichts zu nutzen, denn abgesehen davon, dass Inga jetzt mit einem Huf ruderte, passierte nichts.

„Maus, doch nicht mit dem Fuß wedeln, du sollst dich hinlegen“, lachte Felix und kraulte Inga hinter den Ohren. Es sah aber auch zu niedlich aus, wie sie versuchte, Felix nachzumachen. Nur leider verstand sie nicht, was ihr Freund wirklich von ihr wollte. Felix ruderte also weiter und redete auf sie ein, was aber nur zur Folge hatte, dass der Elch irgendwann verwirrt den Kopf schüttelte und bald noch umfiel, als sie einen Vorder- und einen Hinterhuf hoch heben wollte.

Die Paparazzi schossen reichlich Bilder und Jan kullerte über den Rasen, als Felix doch allen ernstes dazu überging, Inga zu zeigen, was er meinte. Er legte sich in den Splitt auf dem Parkplatz und sah Inga herausfordernd an. „Na komm, mach auch!“, sagte er und rollte sich ein bisschen hin und her, um Inga zu zeigen, dass das Spaß machte.

„Der kommt erst mal in die Dusche, ehe du den je wieder mit ins Bett nehmen kannst“, grinste Mario. Das war besser als ganz großes Kino.

Felix schien sich gar nicht bewusst zu sein, dass er beobachtet und abgelichtet wurde. Er war vollkommen in seine Aufgabe versunken, herauszufinden, ob Inga in den Volvo passte oder nicht. Dafür brachte er sogar Opfer, denn die Steinchen pieksten ganz schön an Knien und Ellenbogen, wenn er sich darauf abstützte. „Nun komm schon, Süße, ist doch gar nicht so schwer“, versuchte er sie zu locken.

Doch Inga war nicht blöd, sie hatte schon einmal auf dem Splitt gekniet und das war nicht angenehm gewesen, also wühlte sie mit ihrer großen Schnauze in Oles Kofferraum, was der argwöhnisch beäugte. Zerrte der Elch wirklich gerade eine Decke heraus, um sich darauf zu legen? Das sah er doch jetzt nicht wirklich, oder?

Er wusste ja, dass Inga nicht gerade blöd war, aber das toppte alles, was er bisher bei ihr gesehen hatte. Sie drapierte wirklich die Decke auf dem Boden und legte sich dann nieder.

„Nicht schlecht, Inga.“ Felix strahlte und hielt seinem Lieblingselch den Daumen hoch.

„Das zeigt mal wieder, dass Elche über den Regenwürmern stehen“, kicherte Mario, weil Felix gerade das Gesicht verzog, denn die Steinchen taten langsam wirklich weh.

„Ja, die Evolution kann grausam sein“, kicherte auch Jan und knipste wieder. Das musste er Ronny dann haarklein berichten. Der glaubte das sowieso nicht. Jan hätte einen Teil der Geschichten ja selber nicht geglaubt, doch langsam wurden sie wahrer und wahrer.

„Okay, Maus.“ Felix erhob sich und pulte sich ein paar Steinchen aus der Haut, während Inga nun bequem lag. Sie sah Felix erwartungsvoll an und wurde mit einer Möhre bestochen, weil sie ja so vorbildlich still lag, während sich der Regenwurm seinen Zollstock griff.

Es hatte zwar etwas gedauert, aber er hatte Inga dazu bekommen, das zu tun, was er wollte. „Gutes Mädchen. Jetzt wollen wir mal sehen, ob du ins Auto passt“, murmelte Felix und legte den Zollstock erst einmal neben den Elch, aber das brachte nicht das gewünschte Ergebnis, denn da waren ja noch der lange Hals und der Kopf, die untergebracht werden mussten. Also legte er sich wieder neben seine Freundin und machte ihr vor, was er wollte. Das hatte ja vorhin auch geklappt. „Mach dich mal lang, Maus. Leg den Kopf auf den Boden.“ Das machte Felix auch, so lag er bäuchlings, hatte die Beine unter den Bauch gezogen und die Arme angewinkelt. So stand der Hintern ab und Ole merkte nicht einmal, wie er sich die Lippen leckte. Dass er etwas getan haben musste merkte er erst, als der Auslöser neben ihm klackte und er abgelichtet wurde.

„Sorry“, lachte Jan, dann war der Regenwurm wieder Mode.

Ole grinste und zuckte die Schultern. Er stand dazu, dass er seinen Schatz einfach zum anbeißen fand und so wie der kleine, knackige Hintern wackelte, weil Felix eine bequeme Position suchte, war aber auch zu verlockend. „Knips was du kriegst, egal wie peinlich es auch sein mag. So eine Gelegenheit kriegen wir wohl nie wieder.“

Jan lachte und gehorchte, während Felix und Inga gerade auf dem Boden etwas rauften. Fast hätte sich der Elch noch auf den kleinen Regenwurm gerollt. Doch der war flink genug zu entkommen. „So Maus“, murmelte Felix, als er sich langsam erhob. Er maß Ingas Länge im Liegen, ihre Breite und schätzte die Höhe. Doch als er der jungen Dame wieder zu nahe kam, zuckte sie und sprang auf. Kitzeln war nämlich fies!

Jetzt hatte Felix ein Problem, glaubten zumindest seine Beobachter, aber der Regenwurm überraschte sie alle. Nachdem Inga den Zollstock gar nicht mehr in ihre Nähe ließ, weil es kitzelte, zauberte Felix ein Maßband aus der Hosentasche. Die drei fragten sich schon gar nicht mehr, warum ihr Freund so etwas in der Hosentasche hatte. Sie lachten und knipsten, als dem Elch erklärt wurde, dass dieses Messgerät nicht kitzelte und sie jetzt ruhig still stehen bleiben konnte. Allerdings wurde das komische Ding erst noch argwöhnisch beschnüffelt, dann ließ Inga es zu, dass Felix ihr die Taille maß. Dann kratzte sich Felix am Kopf und begann von vorn, den Elch zu vermessen – unter Jans Lachen, der gewusst hatte, dass sich Felix nicht drei Zahlen gleichzeitig merken konnte. Für Mario war es vorbei, als Felix allen Ernstes dem Elch unter den Bauch kroch und auf dem Rücken liegend die Beine vermaß.

Ole ging es nicht anders. Er musste einfach lachen und rollte gemeinsam mit Mario über den Rasen. Die Szene war aber auch zu schräg, da konnte man gar nicht anders, als zu lachen, auch wenn er sich vornahm, sich später bei seinem Schatz dafür zu entschuldigen.

„Jungs, ihr verpasst was“, rief Jan und erreichte damit, dass Mario und Ole sich wieder hinsetzten. Es war aber auch sehenswert, wie Inga brav das Bein hob, wenn Felix es wollte.

Wie beim Schneider ließ sich der Elch vermessen, zeigte Geduld und wurde regelmäßig für ihre Kooperationsbereitschaft mit Möhren belohnt. Ab und an beschnüffelte sie Felix, leckte ihm mal über das Gesicht, wenn sie fand, dass sie ruhig mal wieder geknuddelt werden konnte. Dann warf der Regenwurm das Maßband weg und knuddelte den Elch ordentlich durch, ehe es weiter ging.

„Siehst du, hier kannst du noch was lernen. Leck ihm übers Gesicht und er bespaßt dich. Okay, deine Ohren werden drunter leiden, weil er sie lang ziehen wird, aber was tut man nicht alles, um beachtet zu werden“, zog Mario Ole auf und Jan knipste gleich, wie der große Schwede erst protestieren wollte, aber dann doch nachdenklich und den Kopf wiegend, auf die Szene am Auto guckte.

„So verzweifelt ist er ja nun auch wieder nicht“, versuchte Jan zu retten, doch Ole wiegte immer noch den Kopf, als müsste er über den Deal wirklich nachdenken, was wiederum Mario lachend über den Rasen rollen ließ. Aber dann war Felix wieder interessant, der nun mit Inga um das Auto ging. Der Elch wurde daneben abgestellt, um die Längenverhältnisse noch etwas genauer feststellen zu können. Schließlich gab es ja noch die Option, die Rückbank auszubauen – wozu sich der Regenwurm mit zwei linken Händen spontan entschied.

Er konnte die Couch umbauen und die Rückbank war ja so was Ähnliches, da konnte er das auch. Darauf konnte man sitzen und liegen und…. Felix lief rot an und schüttelte den Kopf. Das gehörte gar nicht hier her. Allerdings hatten die Paparazzi es bemerkt und nun hatte Jan das Problem, wen von beiden er knipsen sollte. Einen leuchtenden Felix, oder einen sabbernden Ole, der wohl ganz genau wusste, woran sein Schatz gerade dachte.

„Lass uns dran teilhaben“, forderte Jan Ole auf, denn er ahnte, was auf dieser Rückbank abgegangen sein müsste, wenn beide so guckten. Auch Mario bekundete ziemliches Interesse an allen dreckigen Details, während Felix jetzt zwischen dem Elch und der Rückbank hin und her sah und versuchte, Inga davon zu überzeugen, dass sie vielleicht besser die Sitzbank ausbaute, weil sie größer war.

„Ich würde mich echt nicht wundern, wenn Inga das wirklich macht. Sie hört auf ihn, wie ein Hund“, murmelte Ole und ignorierte die Sensationslust seiner Freunde. So weit kam es noch, dass er denen erzählte, was man in so einem großen Wagen für Möglichkeiten hatte.

Aber erst einmal wusste Inga wohl nicht, was von ihr erwartet wurde, da musste Felix noch ein wenig erklären.

„Wir würden blöd gucken, wenn sie nach hinten geht und mit der Werkzeugbox wiederkommt“, grübelte Jan und wusste nicht, warum er genau das erwartete. Doch so war es nicht. Lieber ließ sie sich von dem nachdenklichen Felix hinter den Ohren kraulen und rollte dabei den Kopf genießend hin und her.

„Wenn wir die Bank rausnehmen, müsstest du dich nicht falten. Aber ich weiß nicht, wie wir die raus kriegen, also werden wir dich falten müssen.“ Dabei sah er Inga forschend an, ob sie damit einverstanden war.

„Er müsste die Bank nur umklappen und gar nicht ausbauen“, murmelte Ole, aber machte keine Anstalten, das seinem Schatz auch mitzuteilen. Der ganze Spaß wäre nämlich vorbei, weil Felix dann alles daran setzte, dass Ole das für ihn erledigte und er war sehr überzeugend darin. Das wusste Ole aus leidlicher Erfahrung.

„Halt bloß die Klappe“, flüsterte Mario, denn auch er wusste, wie der Regenwurm seinen Lieblingsole um den Finger wickelte. Das ging auf keine grüne Kuhhaut! Lieber beobachteten sie Felix und Inga beim Beratschlagen – welcher Elch ließ sich schon freiwellig falten. Erst einmal ließ sie sich mit Möhren bestechen, mit vollem Magen ließ es sich schließlich besser verhandeln.

„Süße probier es doch wenigstens mal“, versuchte es Felix wieder, als Inga immer noch unentschlossen in den Kofferraum sah. Sie hatten das Ausbauen der Rückbank aufgegeben und nun kam halt nur noch Falten in Frage. „Komm, ich zeig dir, was du machen musst.“ Bisher hatte es ja wunderbar geklappt, wenn er dem Elch gezeigt hatte, was sie machen sollte.

Also warf sich Felix wieder in den Staub und machte sich so klein wie es nur ging. Er zog den Kopf ein, verbarg Arme und Beine unter dem Körper und konnte kaum noch atmen. Auch das wurde fleißig abgelichtet, zumal Inga sich das Gebilde mit sehr viel Skepsis betrachtete. Sie ging drum herum, schnüffelte, ging lieber ein Stückchen weg, man wusste ja nie.

„Nich’ weggehen, Inga“, murmelte Jan leise, denn wenn der Elch nicht mehr mitspielte, konnte er keine Bilder mehr machen. Das ging ja gar nicht. Er musste aber nicht eingreifen, denn Felix entfaltete sich wieder und lockte Inga mit einer Möhre. Er schien einen unerschöpflichen Vorrat davon in seiner Hosentasche zu haben. Das erklärte auch, warum er heute hosentechnisch etwas fülliger aussah.

„Komm runter“, forderte Felix und wollte Inga die Möhre vorenthalten, so lange sie stand. Doch 70 Kilo hatten gegen 200 Kilo nicht viele Chancen. Inga schubste Felix einfach beiseite und griff sich die Möhre. Das konnte Felix jetzt kaum glauben, er saß auf dem Hosenboden und starrte den kauenden Elch an. „Boah, bist du fies. Ich bin fertig mit dir!“, erklärte er und verschränkte schmollend die Arme vor der Brust.

Erst wollte Ole aufspringen und mit Inga schimpfen, aber er blieb sitzen, auch wenn es ihm schwer fiel. Felix wurde mit seiner Freundin schon fertig. Der schien nämlich gerade aufzugehen, dass etwas nicht stimmte und stupste Felix vorsichtig mit der Nase an. Sie vergaß manchmal, dass sie viel stärker als ihr Freund war.

Felix wollte stark sein und nicht gleich klein beigeben, doch als sie ihn so traurig ansah, vorsichtig prustete und sich an ihn drängte, konnte er nicht anders und griff den Elch um den Hals, zerrte sie dicht an sich und knuddelte sie durch. Ohne es zu wollen, rang er Inga so zu Boden, weil sie sich so viel besser beschmusen lassen konnte – auf ihrer Decke.

„Die beiden haben sich wirklich gesucht und gefunden – ganz große Liebe“, lachte Jan und beobachtete Ole. Er sah ein bisschen eifersüchtig aus, also beschloss er, solche Sprüche lieber zu lassen. Er wollte da nichts heraufbeschwören.

„Wie gut, dass Ole es schriftlich hat, dass Inga nicht ins Haus darf und schon gar nicht ins Bett“, flüstert Mario Jan ins Ohr. Felix lag mittlerweile halb auf dem Elch und wirkte sehr glücklich dabei. Das Falten war erst einmal vergessen, denn jetzt war schmusen dran. Das brauchten die beiden einfach zwischendurch immer wieder.

„Er wird nachher wieder riechen wie ein Elch“, murmelte Jan und schüttelte sich, als Inga Felix quer über das Ohr leckte. Aber Felix war hart im nehmen, wo Elche doch die allertollsten Tiere der Welt waren, toller noch als Schafe.

Derweil löste sich der Knoten hinter dem Volvo wieder auf und nun ließ sich Inga bereitwillig falten. Sie zog den Kopf ein, zog die Hufe an, sie machte sich so klein wie es nur ging und schon huschte Felix um sie herum und maß und maß und maß. Er musste ausnutzen, dass sie so kooperativ war.

„Merk dir deine Zahlen“, bekam Inga als Aufgabe. Felix selber machte sich daran, den Innenraum des Volvos auszumessen. Das Ergebnis schien ihm nicht zu gefallen, denn er schüttelte immer wieder den Kopf und maß neu. „Inga, schaffst du es ein wenig abzunehmen, bis wir fahren?“, fragte er auf einmal unvermittelt und streckte seinen Kopf aus dem Kofferraum.

Der Elch, immer noch liegend, hob nur den Kopf und legte ihn auf die Ablage des Kofferraumes, so dass sie bequem hinein gucken konnte. Langsam fragte sie sich wirklich, was das eigentlich für ein blöder Tag war. Sie wollte zum See und baden, vielleicht Felix ein bisschen tauchen. Er war doch so lange nicht da gewesen. Stattdessen hockte sie hier und wurde mit Möhren ruhig gestellt. Doch so war das, wenn man verfressen war – sie griff sich ungefragt noch eine Möhre und brachte Jan zum Lachen. „Was dann wohl: nein, ich werde nicht abnehmen! heißt!“

„Das ist zwar blöd, aber du bist genau richtig so, wie du bist“, murmelte Felix und kraulte Inga hinter den Ohren. Wie sollte man ihr auch böse sein, wenn sie einen aus ihren schönen Augen ansah. „Müssen wir uns was anderes einfallen lassen.“ Felix sah sich im Kofferraum um und suchte Werkzeug, mit dem er die Rückbank ausbauen konnte.

„Er macht Ernst“, sagte Mario entsetzt. Er wusste, wie das aussah, wenn Felix Werkzeug anfasste. Das ging nie ohne Blut ab und meistens war das Felix’, in seltenen Fällen auch Jans. „Bist du gegen groben Unfug versichert oder sollten wir ihn lieber von seinem Vorhaben abbringen?“ Er sah Ole an, der ebenfalls etwas ungläubig dabei zusah, wie Felix und Inga den Werkzeugkasten durchsuchten.

Ole knetete seine Finger und war hin und her gerissen. „Deckt die Vollkasko das ab?“, fragte er schief grinsend. Zwar war er nicht unbedingt der Meinung, dass Felix nicht mit Werkzeug umgehen konnte, aber ein gewisses Restrisiko war immer. Felix hatte manchmal einen kleinen Hang zu Katastrophen und es wurde nicht besser, als er die Säge aus dem Kasten zerrte.

Jan fragte sich, warum man so was im Auto brauchte, doch dann erklärte er sich, dass man so was in Schweden sicher brauchte, wenn Bäume auf der Straße lagen. „Will er die Rückbank aussägen?“, fragte er leise und Mario hielt dagegen:

„Ich glaube nicht, dass er vom Elch alles absägen will, was übersteht. Da wird eher der Volvo dran glauben müssen.“

„Stimmt auch wieder“, musste Jan zugeben.

Ole neben ihm zuckte, als sein Schatz mit der Säge in der Hand wieder in den Kofferraum kletterte. Er hing an seinem Auto, aber er wollte jetzt auch nicht zugeben, dass er Angst hatte, darum hielt er sich die Hände vor die Augen. So konnte er immer noch sagen, dass er nichts mitbekommen hatte. Vielleicht konnte er vor Gericht noch auf Unzurechnungsfähigkeit plädieren.

„Kannst die Hände wieder runter nehmen, Inga ist der Meinung, dass das eine schlechte Idee ist“, erklärte Jan und stupste Ole an. Der Herr Mauseplauz wurde gerade von Inga wieder zu sich gezerrt. Aber eigentlich nicht, weil sie das Polster vor der Säge retten wollte, sondern weil sie in der Tasche noch eine Möhre entdeckt hatte. Die konnte sie doch nicht umkommen lassen.

„Noch mal Glück gehabt“, lachte auch Mario, machte fleißig Bilder und war sich sicher, irgendwann würde auch Ole sehr über diesen Tag lachen können. Entweder hatte er dann einen neuen Regenwurm oder einen neuen Volvo. Wobei die Tendenz wohl eher nach einem neuen Volvo aussah, so vernarrt wie Ole in seinen Regenwurm war. Aber nun hatte Felix wieder das Problem, dass Inga immer noch nicht in den Wagen passte.

„Das muss doch irgendwie gehen“, murmelte er und spielte mit dem Maßband.

„Wie breit warst du noch mal?“, fragte er Inga und die sah ihn fragend an. Als müsste der Regenwurm wissen, dass man Damen nie nach ihrem Gewicht oder ihnen Maßen fragte, das gehörte sich einfach nicht. Auch Elche waren da eigen, egal ob sie zu breit war, sie war perfekt und formschön, da gab es keine Diskussion.

Felix schien zu verstehen und grinste. „So rein theoretisch und mit falten und so passte ja in den Wagen – aber ich krieg dich nicht rein. Die Beine sind zu lang oder das Dach zu niedrig“, erklärte er und sah dann nachdenklich das Dach an. „Oder das Dach zu niedrig“, wiederholte er und Ole war einer Ohnmacht nahe – er würde doch nicht etwa?

„Bitte nicht, bitte nicht“, murmelte der große Schwede und war sich auf einmal nicht mehr so sicher, dass sein Auto heile davon kam. Irgendwie schien der Elch eine Veränderung in seinem Schatz hervorzurufen, so dass er viele Dinge auf einmal vollkommen anders sah als sonst. Alles außer Inga war entbehrlich und dazu gehörte auch gerade das Autodach. Und das bei Felix, der sonst immer darauf achtete, dass auch ja keine Kratzer an den Volvo kamen.

„Hey, er weiß wie das Schiebedach funktioniert“, lachte Mario, als Felix von Innen das Dach öffnete und raus guckte, gerade so, als würde der erhöhte Ausblick die ersehnte Erleuchtung bringen. Doch alles was er erreichte war eine verwirrte Inga, die Felix noch nie so weit oben gesehen hatte und nun neugierig näher kam, die Hufe auf den Kofferraumboden stellte und sich so höher schob, um zu sehen, ob das noch der gleiche Felix war.

Ole atmete hörbar erleichtert aus und wurde von Jan dabei abgelichtet. Vielleicht konnte man mit dem Bild irgendwann einmal Felix erpressen.

„Er ist aber noch nicht wirklich weiter. In den Wagen kriegt er sie immer noch nicht.“ Mario war wirklich fasziniert, wie ausdauernd Felix sein konnte, wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hatte. Und aus irgendeinem Grund hatte er sich in den Kopf gesetzt, dass der Elch ins Auto musste. Vielleicht sollten sie einmal den Grund dafür erfragen – oder vielleicht doch lieber nicht?

Felix sah den Elch an, der Elch sah Felix an. An sich ein niedliches Bild, was vielfach abgelichtet wurde. „Wenn du nicht rein klettern müsstest, sondern man dich reinschieben könnte, wie mit einer Schublade!“ Felix’ Gesicht hellte sich auf. Das war die Lösung. Sie mussten einfach eine Schublade in den Kofferraum bauen, in der Inga reingeschoben werden konnte.

Wozu hatte er einen Handwerker-Ole? Der konnte doch bestimmt eine Schublade bauen. Wo war der überhaupt? Er blickte zum Wintergarten, aber der war leer. Er sah sich um und endlich konnte er seinen Schatz sehen. „Scha-hatz“, rief er in einer Tonlage, die den großen Schweden den Kopf einziehen ließ. Den kannte er nur zu gut. Felix wollte etwas.

„Mann, hat der dich in der Hand“, lachte Jan, der auch das fleißigst ablichtete.

Ole tat, als hätte er nichts gehört und nichts gesehen und beguckte sich interessiert das Gras zu seinen Füßen. Besonders grün, dieses Jahr – alles sehr schön.

„Scha-hatz!“, versuchte es Felix noch einmal und kroch aus dem Wagen. Er griff sich Inga an einem Ohr und kam näher. Er musste Ole jetzt das eigentliche Problem und die Lösung erklären.

Jan antwortete nur ein Knurren, aber es war allen klar, was gleich passierte. Der Regenwurm kam zu Ole, setzte sich auf seinen Schoß und der große Mann wurde Wachs in den Händen seines Lieblings. Wenn er dann noch einen Kuss bekam, war er vollkommen verloren und nicht mehr zu retten. Dann konnte Felix verlangen, was er wollte. Und wenn sich dann auch noch Inga neben ihn faltete, weil sie nicht alleine herum stehen wollte und ihn so treu ansah, dann wusste Ole sowieso nicht mehr, zu was er alles Ja sagte.

„Schatz“, fing Felix an und sah Ole in die Augen. „Wenn Inga sich ganz klein macht – los, mach dich mal klein, damit Ole sieht, was ich meine“, forderte er von Inga, die sich noch etwas mehr faltete, „dann würde sie in den Kofferraum passen. Nur das Ein- und Aussteigen macht Probleme. Aber wenn wir eine Schublade bauen, in der man sie rein und raus schieben kann, dann ginge... Was lachst du denn so doof?“, schnauzte Felix den sich rollenden Mario an und sah dann wieder seinen Ole an.

„Eine Schublade?“, fragte Ole und sah Felix skeptisch an. „Bist du dir sicher, dass Inga die Idee gut findet? Es wäre immerhin sehr unbequem für sie, wenn sie sich nicht bewegen kann. Passt sie überhaupt da rein?“, versuchte er das Unvermeidliche abzuwenden und sah skeptisch auf den Elch. Auch wenn Inga sich faltete, so war sie doch nicht klein.

Und er hatte aus Versehen den richtigen Knopf getroffen, den man bei Felix drücken musste.

Ging es Inga dabei gut?

Inga sollte es immer gut gehen und so sah Felix zwischen Auto und Elch hin und her. Inga hatte sich schon wieder entfaltet, denn es war unbequem. Auf Dauer konnte sie das nicht durchstehen. Felix schniefte und sah seine Träume bröseln.

„Ach Schatz.“ Ole zog Felix fest in seine Arme und küsste ihn sanft. „Ich bau dir die Schublade, wenn du willst, aber damit kriegen wir Inga leider nicht nach Hause. Dazu brauchen wir was anderes. Einen Hänger oder so was. Darin würde es ihr gut gehen.“ Ole wusste zwar nicht, was sie mit Inga in Essen machen sollten, aber wenn Felix so guckte, musste er ihn einfach aufheitern.

„Nein, nein.“ Felix schüttelte den Kopf. Er wollte Inga ja gar nicht mit nach Essen nehmen, er wollte nur ausprobieren, ob es möglich wäre. Nun wusste er, dass sein Ole alles möglich machen würde, das war genug.

„Wie wäre es mit einem zweiten Frühstück und dann gehen wir mit der jungen Dame schwimmen?“, schlug Jan vor – der Tag war noch jung.



Ende