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IKEA Sonderposten - Teil 29 bis 31

29

„Wie seht ihr denn aus?", empfing sie Lynn und schickte sie gleich weiter nach oben, um sich umzuziehen. Nicht dass die beiden noch nackend durch Omas Küche hüpften, während die Kleider auf dem Ofen zum trocknen hingen. Sie hätte sicher nichts gegen zwei nackte Jungs, aber sie wollte nicht, dass die beiden krank wurden.

Darum liefen sie schnell hoch zu ihrem Haus, nicht ohne die Ermahnung von Oma, sich zu beeilen. Sie kannte ihren Ole gut genug, um zu wissen, dass er das schnell einmal vergaß, wenn er mit Felix alleine und ungestört war.

„Komm, Schatz, gehen wir gleich runter in den Heizungsraum. Da ist es schön warm und unsere Sachen trocknen schneller. Da unten können wir auch gleich duschen, um wieder warm zu werden“, lotste Ole Felix nach unten zur Kellertür, damit sie mit den nassen Schuhen nicht durch das ganze Haus mussten.

Felix war von jeder Idee begeistert, die ihn dazu brachte, wieder auf Betriebstemperatur zu kommen. So gern er Schnee mochte, wenn man erst einmal nass und durchgefroren war, sank die Laune und das wollte er eigentlich nicht. Also war er der erste in der Dusche.

Ole hängte ihre Sachen in den Heizungsraum und kam dann nach. Allerdings wirklich nur um sich schnell wieder aufzuwärmen, denn seine Oma war zwar klein, aber irgendwie schaffte sie es immer, ihrem Enkel die Ohren lang zu ziehen, wenn er frech war oder ihren Anweisungen nicht folgte. Ein Kuss für Felix musste aber trotzdem sein.

„Dachte schon, du hältst dich wirklich dran", lachte Felix leise, der seinen Schatz genau beobachtet hatte. Ständig damit rechnend, dass er zu ihm in die Dusche kam und sich lustvoll an ihm rieb, musste er schnell einsehen, dass Omas Warnungen, die Lynn für ihn übersetzt hatte, wirklich fruchteten.

„Es ist besser, man nimmt Omas Wünsche ernst, wenn man unversehrt bleiben will“, lachte Ole und räuberte sich noch einen Kuss. Danach sah er Felix kurz mit schief gelegtem Kopf an. „Wie machst du das? Du hast nicht nur mich verzaubert, sondern auch meine komplette Familie - und das schließt Inga mit ein - für dich eingenommen. Meine Mum ist hellauf begeistert, genau wie alle anderen. Inga lässt sich sonst kaum von jemandem anfassen, den sie nicht kennt und dich hat sie gleich adoptiert.“

„I-Ich", stammelte Felix und wusste nicht, was er sagen sollte. „Weiß nicht?", musste er zugeben, denn so war es wirklich. Er hatte doch gar nichts gemacht. Er war nur Felix, so wie immer. Er strubbelte sich verlegen durch die vom Duschen feuchten Haare, die wild um seinen Kopf standen und grinste Ole schief an. „Ich bin eben ein Herzchen", sagte er keck, um von seiner grenzenlosen Beschämtheit etwas abzulenken.

„Nein, du bist mein Herzchen.“ Ole stupste Felix gegen die Nase und strich ihm dann die Haare etwas glatt. Es war schon merkwürdig, er war bisher immer bei dem verkehrten Typ Mann gelandet. Felix war einfach alles, was er wollte. „Komm, ziehen wir uns an“, riss er sich los, denn sonst konnte es passieren, dass er lang gezogene Ohren einfach in Kauf nahm.

„Sollten wir wohl, wenn ich deine Makellosigkeit noch etwas genießen will", murmelte Felix, griff sich seinen Schatz aber noch einmal, um ihn zu küssen. Vor Publikum tat er das nicht so gern, zumindest nicht dermaßen leidenschaftlich wie jetzt. Als er sich wieder löste, war ihm ganz schwummerig und er stakste zur Treppe nach oben, wo seine Tasche und die Klamotten warteten.

Warm verpackt machten sie sich auf den Weg zurück, als Oles Handy brummte und anzeigte, dass er eine SMS bekommen hatte. Er las sich die Nachricht durch und lachte dann laut. Es war ein Bild dabei, das Mario in Oles Wanne zeigte, wie er genießend im Wasser lag und die Augen geschlossen hatte. >Und das ist ein glücklicher Mario<, stand dort, in Anlehnung an die Nachricht, die Ole ihnen von Felix mit Inga geschickt hatte.

„Zeig mal!" Felix war ebenfalls neugierig und linste auf das Display, dann grinste er. „Das war klar. Aber ich glaube, noch glücklicher wäre er, wenn Jan nicht draußen stehen und knipsen würde, sondern ihm... na du weißt, was ich sagen will." Felix sprach es lieber nicht aus, dann hatte er wieder rote Ohren und musste sich dann erklären.

„Ich gehe davon aus, dass er das gleich bekommen wird“, lachte Ole und steckte das kleine Gerät wieder weg. Er freute sich, weil er etwas für die Zwei tun konnte. Er hatte sich auch große Mühe gegeben, Jan und Mario zu verwöhnen. Der Kühlschrank war voll, die Bar ebenfalls und auch für die nächtlichen Aktivitäten hatte er vorgesorgt. So dass sie sich ein wenig Luxusleben gönnen konnten. Und falls ihnen doch mal der Sinn nach einer Pizza stand, auch die Flyer lagen gut sichtbar in der Küche.

„Nicht dass die dann nicht wieder ausziehen wollen, wenn es denen zu gut geht", lachte Felix und kraulte Inga die Ohren, die ihnen entgegen getrabt kam. „Na? Satt?", fragte Felix und sie ließ den Kopf etwas hängen, damit man sie besser hinter den Ohren kraulen konnte.

Sie hatten aber nicht viel Zeit zum schmusen, denn sie wurden gerufen, darum musste Inga sich alleine bespaßen. Ole und Felix empfing ein köstlicher Duft, als sie das Haus betraten und wie immer versuchte Felix zu ergründen, was gekocht worden war. „Gegrillter Lachs“, murmelte er leise, aber das war noch nicht alles. Er schnupperte weiter und grinste dann. „Kanelbullar“, freute er sich. Er liebte die Zimtschnecken seiner Oma.

„Kommt schon, wir warten bereits", sagte Lynn und trug die Schüssel mit dem Kartoffelauflauf zum Tisch, den es zum Lachs geben sollte. Felix grinste, denn der kam ihm bekannt vor. Das hatte Ole schon für ihn gekocht, also wusste er, dass das ziemlich lecker sein würde. Und so folgte er der Duftspur und Lynn und ließ sich auf seinen Stuhl sinken, huschte dann aber noch einmal schnell ins Bad, um sich die Hände zu waschen, er hatte ja eben noch mal mit Inga geschmust.

Kaum dass er wieder saß, griffen alle zu und jetzt merkte Ole, wie hungrig er war. Sie waren mindestens drei Stunden durch den Schnee getollt. Das war anstrengend und morgen hatten sie bestimmt Muskelkater. Was sie aber nicht daran hindern würde, wieder mit Inga draußen herumzutollen. Und vielleicht nahmen sie auch eine Kamera mit. Sicherlich nicht die gute. Aber Ole hatte noch eine kleine für Schnappschüsse. Ohne großen Zoom, nur etwas Einfaches. Aber wenn Inga wieder Blödsinn machte, wollte er das gern auf Bildern haben. Mehr noch, wenn Felix daran beteiligt war.

„Das ist lecker", sagte Felix und kaute hastig. Wenn er geglaubt hatte, Ole wäre ein guter Koch, seine Oma und seine Mutter schlugen ihn noch um Längen. Was er seinem Liebling freilich nicht sagte, denn für ihn war Ole immer noch der beste.

Die Schüsseln und Platten leerten sich schnell und bei einem abschließenden Kaffee mit den leckeren Zimtschnecken wurde der weitere Tag besprochen. Lynn wandte sich an Felix, nachdem sie kurz mit ihrer Schwiegermutter gesprochen hatte. „Mema fragt nach, ob du Lust hast, mit uns Plätzchen zu backen. Ole hat uns erzählt, dass ihr das oft zusammen gemacht habt.“

„Ja klar, total gern", sagte Felix ohne weiter darüber nachzudenken. Er war jetzt vielleicht nicht der beste Kekse-Backer der Welt, doch seine Qualitäten hatten sich schon gesteigert. Vielleicht konnte er ja auch von Oles Oma noch etwas lernen. Die Schnecken jedenfalls waren unglaublich lecker und so lächelte er die Oma an und nickte heftig.

„Schön“, Lynn und ihre Schwiegermutter lächelten und als Ole anhob etwas zu sagen, schüttelte sie den Kopf. „Du nicht, mein Lieber. Du wirst mit deinem Vater Holz hacken. Die Vorräte sind ziemlich runter und Opa Lasse hat es in der Schulter“, bestimmte sie und sofort ließen ihre beiden Männer die Köpfe hängen und seufzten. Aber diskutieren half nichts. Da mussten sie jetzt durch.

Sofort war Felix versucht, seine Hilfe auch anzubieten, doch Lynn, die sich etwas in der Art schon denken konnte, verwickelte Felix augenblicklich in ein Gespräch über die Backerei, damit er gar nicht dazu kam, das noch absagen zu können. Geschickt gemacht, das musste er zugeben. Dafür tätschelte er seinen Liebling ein bisschen und versprach ihm Lohn, wenn er alles überstanden hatte.

Ole grummelte ein wenig, denn er wusste ganz genau, dass seine Mutter das extra gemacht hatte, weil sie Felix ein wenig ausfragen und näher kennen lernen wollte. Sie war dabei aber nicht so neugierig, dass sie indiskrete Fragen stellen würde, da war er sich sicher, trotzdem ärgerte er sich, wieder einmal auf sie hereingefallen zu sein. Aber zumindest machten die Aussichten auf den Abend, wenn sie alleine waren, doch alles erträglich. Er steckte sich das letzte Stückchen Schnecke in den Mund und küsste Felix. „Na komm, Paps, dann sind wir bald fertig“, stupste er seinen Vater an und erhob sich.

„Warte, ich komm schnell mit. In deiner Jacke waren noch zwei Möhren, die will ich Inga geben", sagte Felix und überspielte damit, dass er die Zeit vor der Tür nutzen wollte, um kindisch zu knutschen, was er hier vor Publikum nicht so leidenschaftlich wagte, wie er es im Augenblick wollte. „Bin gleich wieder da", versicherte er Lynn und zerrte Ole hinter sich her. Schließlich musste der ihm die Möhren aus der Jacke geben.

Ole grinste, als er praktisch angesprungen wurde und Felix’ Lippen sich gierig auf seine legten. Er wurde gegen die Wand gedrückt und nur zu gerne ließ er sich von seinem Schatz erobern. Also von schüchtern war da keine Spur mehr, wenn Felix etwas wollte. „Ich liebe dich“, murmelte Ole leise, zwischen den Küssen und sie hätten wohl vergessen, dass sie noch etwas vorhatten, wenn sich Oles Vater nicht diskret geräuspert hätte, als er nicht an ihnen vorbei aus dem Haus kam.

„Lasst euch nicht stören, ich sehe mal nach Inga", erklärte er und grinste, als Felix erwischt in sich zusammen sank.

„Wie peinlich", nuschelte er und suchte in Oles Jacke nach den Möhren für Inga, denn das hatte er durchaus ernst gemeint und nicht nur als Vorwand genommen.

„Muss es nicht. Wir sind frisch verliebt, da ist das doch normal.“ Ole lachte leise und küsste Felix auf die heißen Wangen. „Na los, ab mit dir zu Inga. Knuddel sie von mir, ich gehe zu meinem Frondienst.“ An sich war er nicht böse darüber, Holz hacken zu müssen, denn er machte das eigentlich gerne. Nur dass er Felix so lange nicht sehen konnte, schmeckte ihm nicht wirklich.

„Mach ich." Schnell huschte Felix den geschobenen Weg zum Stall. Mit einem Holzriegel, den man hoch und runter schieben konnte, wurde er verschlossen und Inga hatte begriffen, dass sie die Tür zumachen musste, wenn sie und ihre Ziehmutter - die Kuh Jolla - nicht frieren wollten. So machte auch Felix die Tür rasch wieder hinter sich zu, denn der Stall war überraschend angenehm temperiert.

Da hatte Felix Glück, dass er noch zwei Möhren hatte, denn Jolla leer ausgehen zu lassen, brachte er nicht übers Herz. Schließlich hatte sie die kleine Inga aufgenommen und sie vor dem Hungertod bewahrt. Darum verteilte er die Möhren gerecht, wenn auch Inga deutlich mehr geknuddelt wurde, aber damit konnte Felix leben, denn die Kleine war nun einmal seine Favoritin.

„So, ich geh dann wieder. Ich komm bestimmt später noch mal", erklärte er, wuschelte der Kuh über den Kopf und kraulte Inga noch einmal an den Ohren. Dann huschte er wieder zurück ins Haus, wo die beiden Damen gerade die neueste Errungenschaft und den ganzen Stolz von Oma Alma bestückten - den Geschirrspüler. Wenn die Küche sonst auch rustikal war und auf einem alten gusseisernen Holzfeuerofen gekocht wurde, der Spüler hatte sein müssen.

Felix hatte sich noch schnell die Hände gewaschen und den dicken Pullover ausgezogen, weil es in der Küche schön warm war. „Kann losgehen“, rief er und Lynn winkte ihn zu sich.

„Bei uns gibt es eine Tradition. Bevor wir mit dem Backen anfangen, gibt es einen Kleinen für die Bäckerinnen und Bäcker, wie in diesem Fall“, erklärte sie und holte aus einem Schrank eine Flasche Wodka. „Das ist Absolut mit Birne. Oles Lieblingswodka“, kicherte sie und schwenkte die Flasche.

Felix guckte sich die Flasche an und versuchte sich zu erinnern, aber ähnliches hatte er bei seinem Liebling noch nicht gesehen. „Wäre das nicht unfair, den ohne ihn zu trinken, wenn er ihn doch so gern mag?", fragte Felix, schon wieder völlig in Sorge darum, dass sein Liebling zu kurz kam.

Lynn übersetzte für ihre Schwiegermutter und diese erwiderte kichernd etwas, das auch Lynn lachen ließ. „Mema meinte gerade, dass dein Schatz nicht zu kurz kommt, denn im Schuppen steht auch noch eine Flasche. Opa Lasse hat schon dafür gesorgt, dass die Männer auch was abbekommen.“ Sie zwinkerte Felix zu und reichte ihm ein Glas. „Skål“, rief sie und Oma Alma, wie Mema richtig hieß, fiel mit ein.

„Na gut." Felix war überzeugt davon, dass sein Liebling nicht zu kurz kam und so stieß er mit den Damen an und spülte den Wodka hinunter. Er war überrascht, das Zeug schmeckte gut. Nicht wie das, was er bei Opa Hans ab und zu mit trank, wenn der seinen Doppelkorn nippelte. Und so war er nicht böse darüber, als sein Glas noch einmal gefüllt wurde, ehe die Flasche beiseite gestellt wurde. Schließlich wollten sie noch backen. Mema wirbelte los und holte alles, was sie brauchten. „Ich weihe dich jetzt in das Geheimnis der Familienkekse ein“, erklärte Lynn derweil Felix und machte ein wichtiges Gesicht dabei. „Wenn wir keinen Wodka vorher getrunken haben, sind sie nie was geworden, also ist das jetzt eben Tradition und wir haben immer leckere Kekse.“

„Ah - okay", machte Felix grinsend. So war das eben mit Traditionen. Schnell war er integriert und ohne dass er verstehen musste, was Oma Alma sagte, begriff er, was sie wollte. Er hatte Schüssel und Rührgerät und mixte alles durcheinander, was ihm in die Schüssel geworfen wurde. Da konnte er vorerst einmal nicht viel verkehrt machen.

Dabei hatte er Zeit, sich mit Lynn zu unterhalten und sie lachten viel, denn wie Mütter nun einmal sind, gab sie kleine Anekdoten aus Oles Kindheit zum Besten und erzählte auch ein wenig über die Familie. Schließlich gehörte Felix ja jetzt dazu und er sollte sich wohl bei ihnen fühlen. So stachen sie Kekse aus, formten sie und sie redeten ununterbrochen dabei und nach einer Weile kam Felix sich vor, als wenn er das schon immer gemacht hätte.

Es war fast wie zu Hause, nur ohne nervende Schwester und weil sie gerade so schön dabei waren, gab auch er ein paar Schoten zum besten, sparte dabei aber explizite Dinge zwischen ihm und Ole aus, denn das gehörte ihnen ganz allein und so sollte das auch bleiben.

Ein Blech nach dem anderen wanderte in den kohlebeheizten Ofen und allmählich roch die ganze Küche lecker und verführerisch.

Der Trick mit der Tradition schien wirklich zu klappen, denn kein Keks war verbrannt. Alle wurden so, wie sie sein sollten und die leeren Dosen wurden wieder aufgefüllt. Draußen hörten sie immer einmal wieder die Männer lachen, wenn sie eine kurze Pause machten, denn das Holzhacken war anstrengend. Sie wollten aber so viel wie möglich schaffen, damit Opa Lasse genug Holz für den restlichen Winter hatte.

„Ich... ähm, guck mal, wie das draußen so ist", erklärte Felix hastig, als er Ole wieder scherzen hörte und schlich sich nach draußen, unter dem wissenden Blick der Damen. Da hatte wohl jemand Sehnsucht?

Felix drückte sich an der Hauswand entlang, vielleicht sah Ole ihn ja und kam her, rufen und aus dem Gespräch zerren wollte er ihn nicht. Doch die einzige, die ihn bemerkte, war Inga, die schon wieder auf dem Hof herum stakste.

Und weil sie gleich auf Felix zulief, wurde auch Ole auf Felix aufmerksam und kam zeitgleich mit Inga bei ihm an. „Hallo Schatz“, begrüßte er seinen Freund und schnappte ihn dem Elch vor der Nase weg. Ole küsste Felix und schnupperte dann. „Du riechst lecker. Die Kekse scheinen gut geworden zu sein.“

„Wir haben ja auch traditionsgemäß erst ein bisschen Wodka genippelt, dann mussten sie doch einfach gut werden", lachte Felix und ließ sich küssen, während Inga gelangweilt an seinem Pullover zog. Weder Ole noch Felix beschäftigten sich mit ihr und das war ganz bestimmt alles andere als elchgerecht.

„Uih, das haben sie dir verraten?“ Ole machte ein erstauntes Gesicht und kraulte Inga mit einer Hand, damit sie nicht so an Felix zerrte. „Dass sie dich so sehr mögen, hätte ich nicht gedacht. Viele haben versucht hinter Memas Geheimnis zu kommen. Alle hat sie abblitzen lassen.“

„Oh", machte Felix und war einmal mehr an diesem Tag verlegen. Er vergrub seine Nase an Oles Schulter und versteckte sich ein bisschen. Er wusste nicht so richtig, wie er damit umgehen sollte, dass er so familiär aufgenommen worden war. Sicher, es war schön, schmeichelhaft - aber er hatte Sorge, die gesteckten Erwartungen nicht erfüllen zu können.

„War nur ein Scherz. Mema und Mum tun gerne so, als wenn es ein Geheimnis wäre, dabei brauchen sie nur einen Grund, um ein wenig zu trinken.“ Ole küsste Felix wieder und lächelte ihn an. „Wir brauchen hier noch ungefähr eine halbe Stunde. Sagst du den Frauen Bescheid? Wir möchten gleich Glögg und Kekse. Das ist nämlich auch Tradition.“

„Euer Leben besteht ja nur aus Traditionen", lachte Felix und wirkte erleichtert. Das merkte man daran, dass sein Interesse langsam aber unaufhaltsam von Ole zu Inga abdriftete und er sie schon wieder beim Wickel hatte, während Ole ihn noch an sich drückte.

Ole besah sich das und schob schließlich Ingas Kopf ein wenig weg. Die junge Dame versuchte nämlich gerade sich zwischen sie zu drängen. Das ging ja gar nicht. Felix gehörte ihm. „Meiner“, knurrte er leise, aber das störte weder Inga noch Felix, darum gab Ole ihn schließlich doch frei und ließ die beiden schmusen.

Der Elch wirkte sehr zufrieden, ebenso wie Felix und der merkte noch nicht einmal, dass er mit den Zähnen klapperte. Er stakste mit Inga über den Hof und kicherte albern. Ole rettete ihn vor dem Erfrieren und holte ihn nach ein paar Minuten wieder ins Haus, auch wenn er Inga ein weiteres Mal bestechen musste, damit sie ihren Spielkameraden hergab.

Sie saßen bis zum Abend zusammen, wenn auch nicht ganz so lange, denn schließlich war am nächsten Tag Heilig Abend und da gab es noch jede Menge zu tun, wenn sie ein schönes Fest haben wollten.

So brachten die beiden Jungs Inga noch in den Stall und dann gingen sie ebenfalls nach oben. Es war finsterste Nacht, nur die Straßenlaternen spendeten ein wenig Licht. Und es begann langsam wieder zu schneien. Felix lehnte an seinem Schatz und der Rest des Abends passierte nur noch im Halbschlaf. Duschen, Zähne putzen, an Ole kuscheln.

Dann schlief er auch schon. Schließlich hatte Felix heute einen aufregenden und anstrengenden Tag. Man traf ja nicht jeden Tag auf einen verspielten Elch, der einen ständig auf Trab hielt. Ole küsste Felix noch einmal auf die Schläfe und dann musste auch er gähnen. Sie konnten ein wenig länger schlafen, denn es gab an Heilig Abend immer etwas später Frühstück.


30

Felix erwachte, weil ihm heiß wurde und als er blinzelnd ein Auge öffnete, merkte er schnell warum. Ein weiches Stöhnen entrang sich seinen Lippen, denn Ole liebkoste seinen Hals mit sanften Küssen und Knabbereien. Er wusste nur zu gut, dass Felix es mochte, so aufzuwachen. Das hatte er schon herausgefunden. Und so schlang Felix zufrieden seine Arme um seinen Schatz und genoss mit Hingabe.

Er hatte wirklich Glück, dass Ole es sich zur Aufgabe gemacht hatte, jede einzelne Sommersprosse auf seinem Schatz zu küssen und wenn er damit durch war, wieder von vorne anzufangen, um zu kontrollieren, ob sich was verändert hatte. „Morgen Schatz“, murmelte Ole und küsste sich hoch zu Felix’ Mund, um seinen Geliebten richtig zu begrüßen.

„Morgen", nuschelte Felix und grinste zufrieden. Das konnte Ole an seinen Lippen spüren. „Ob wir etwas Zeit haben? Oder klingelt gleich wieder jemand?", fragte er leise mit einem Klang in der Stimme, der Ole klar machte, was Felix eigentlich wollte. Er intensivierte den Kuss und vertiefte die Leidenschaft, seine Arme klammerten sich fester um Oles Nacken und Felix' Beine öffneten sich.

„Genug Zeit“, nuschelte Ole zwischen zwei Küssen und rutschte zwischen Felix’ Beine. Es war noch ziemlich früh und mit Besuch mussten sie wohl erst in frühestens einer Stunde rechnen. Wahrscheinlich sogar später. Da es heute kein richtiges Mittagessen gab, frühstückten sie später, also hatte er auch nichts dagegen, sich näher mit seinem Schatz zu beschäftigen und noch ein wenig Sommersprossensuche zu betreiben.

„Das ist gut!", seufzte Felix und ließ offen, ob er damit die Stunde Schonfrist für Leidenschaft und Lust meinte oder das, was Ole gerade tat. Alles hatte seine Reize und so wand sich Felix auf dem Laken hin und her. Auch wenn das Schlafzimmer ziemlich kühl war, strampelte er die Decke weg, denn ihm war ziemlich warm - heiß geradezu. Seine Hände strichen fahrig über Oles Körper, so weit wie er ihn erreichen konnte, ohne ihn von seinem Tun abzuhalten.

Er hoffte ja, dass Ole sich, wie oft am frühen Morgen, seinen Körper entlang küsste, weil er wusste, wie empfänglich Felix zu so früher Stunde für solche Liebkosungen war. Und er wurde nicht enttäuscht. Genießend strich Ole mit seinen Lippen über die weiche, warme Haut seines Freundes und arbeitete sich langsam tiefer.

Oh ja! Felix stöhnte zufrieden, denn Ole war gerade auf dem richtigen Weg. Tiefer und tiefer der Quelle seiner Gier entgegen. Noch vor einer Woche wäre es für Felix undenkbar gewesen mit Ole so im Bett zu liegen, sich so zu berühren, sich so zu liebkosen und heute konnte er sich einen Morgen ohne diese Berührungen kaum noch vorstellen. „Gut!", raunte er mit dunkler Stimme.

Das war genau das, was Ole hören wollte. Er mochte es, Felix morgens zu verwöhnen und noch hatten sie die Möglichkeit dazu. Wie das nachher wurde, wenn sie beide wieder arbeiten mussten, würde sich noch zeigen, aber er hoffte, dass er mit dieser Tradition weitermachen konnte. Schließlich stammte er aus einer traditionsbehafteten Familie. Aber diese Gedanken wurden verdrängt von dem sich windenden Körper, der sich ihm entgegen hob und nach Zuwendung bettelte. Immer tiefer küsste er sich über die weiche Haut, bis er sein Ziel erreicht hatte. Seine Zunge strich einmal das heiße Fleisch entlang, bevor seine Lippen sich darum schlossen. Und wie jedes Mal spürte er die zitternden Finger in seinem Haar, als Felix anfing den Verstand zu verlieren.

Wie die letzten Morgen auch sorgte Ole dafür, dass sein Liebling in die höchsten Höhen der Lust getragen wurde und Felix wehrte sich nicht, er versuchte nur, Ole zu immer neuen Schandtaten zu verführen.

Ganz leicht strich Ole mit einem Finger über Felix’ Gesicht und lächelte. Sein Schatz lag mit geschlossenen Augen da und noch immer ging sein Atem etwas schneller. „Ich liebe dich“, murmelte er leise und küsste Felix zart. Noch immer kam es ihm manchmal unwirklich vor, dass sie zusammen waren, aber der Körper, der sich an ihn schmiegte, zeigte ihm, dass es Wirklichkeit war.

„Und dafür liebe ich dich umso mehr", murmelte Felix leise, doch er öffnete nicht die Augen. Es war im Augenblick so schön, dass er - sollte es ein Traum sein - gar nicht erwachen wollte. Seine Hände streckten sich Ole entgegen, er suchte vorsichtig und als er dessen Arm berührte, strich er langsam nach oben zum Hals, zur Wange, über die weichen Lippen. Er musste Ole nicht sehen, er wusste, dass er ihn anlächelte.

Ole lächelte überhaupt viel, seit er Felix kannte. Das hatte vor einem Jahr noch ganz anders ausgesehen. Heute konnte er stundenlang neben Felix liegen, ihn betrachten, küssen, liebkosen und auch mit ihm schlafen. Er bekam einfach nicht genug davon. Darum ersetzte er seine Finger auch jetzt durch seine Lippen und küsste seinen Liebling zärtlich. Felix war unwahrscheinlich verschmust. Das war etwas, das Ole nicht kannte und darum genoss er es besonders.

Felix rekelte sich, damit Ole auch ja jede Stelle berühren konnte und stockte, als er glaubte, etwas gehört zu haben. Er öffnete die Augen, lauschte - da war es wieder. Ähnlich einem rörenden Hirsch. „War das Inga?", fragte Felix irritiert und setzte sich auf, seinen Liebling dabei entschuldigend küssend.

„Japp.“ Ole sah sich um und zeigte dann zum Fenster, wo sie hinter der zugezogenen Gardine einen großen Schatten hin und her laufen sehen konnten. „Sie will uns wohl abholen. Sie will bestimmt ihren neuen Spielkameraden wiederhaben.“ Ole setzte sich auch auf, weil er es irgendwie im Gefühl hatte, dass ihre Schmusestunde vorbei war.

„Oh", machte Felix und man sah ihm seine Zerrissenheit förmlich an. Draußen rief Inga wieder und Felix musste Ole nicht ansehen, um zu wissen, dass er ein bisschen enttäuscht war. Was sollte er denn jetzt machen? Im Augenblick saß er zwischen zwei Stühlen und zwischen zweien, die er sehr gern hatte. Das war nicht leicht. Doch weil er mit Ole hier war, ignorierte er Inga und ließ sich wieder nach hinten sinken, auch wenn es nicht leicht war.

Ole hatte wirklich nicht damit gerechnet und darum freute er sich sehr, dass Felix bei ihm bleiben wollte. Aber genau das ließ ihn sich egoistisch fühlen. Felix konnte nur für eine kurze Zeit mit Inga toben. Ole und er waren aber auch noch zusammen, wenn sie wieder in Essen waren. „Los, geh duschen, ich hole die Süße in den Wintergarten, damit sie dort auf dich warten kann“, sagte er darum und küsste Felix. Dann erhob er sich, noch ehe Felix hätte eine ausschweifende Diskussion beginnen können. Der sah ihm nach und grinste, machte aber, dass er ins Bad kam. Fast wäre er noch über die Klamotten gestolpert, die vor dem Bett lagen und dann rauschte schon das Wasser.

Keine zwei Minuten später trug er Shirt und Jogginghose und kam frisch geduscht in den Wintergarten geflitzt, um Inga zu begrüßen.

Die ließ sich die Wartezeit von Ole verkürzen, der einmal mehr nackt im Wintergarten stand und sie nach allen Regeln der Kunst herzte und knuddelte. So gab es einen fliegenden Wechsel und Ole verschwand im Bad. Es war abzusehen, dass sich ihr Urlaub hier vorwiegend um den Elch drehen würde. Ein wenig nagte das schon an Ole, aber er hätte damit rechnen müssen.

Sicher, er könnte sich durchsetzen und Felix von Inga fern halten, doch das würde beiden nicht gut tun und das war es auch nicht, was er wollte. Sie würden schon einen Weg finden und wenn er ehrlich war, mochte er das zottelige Vieh ja auch. Nur dass sie so auf Felix abfuhr, war eigentlich nicht eingeplant gewesen.

Als Ole wiederkam, lag Inga auf der Erde und ließ sich allen Ernstes den pelzigen Bauch kraulen und Felix tat das mit Begeisterung und vollem Körpereinsatz.

„Schnurrt sie schon?“, lachte Ole und machte schnell ein paar Fotos. Nach dem gestrigen Tag hatte er beschlossen, immer eine Kamera dabei zu haben. Dass das eine gute Idee war, sah man jetzt. Es war ja auch nicht gerade gewöhnlich, dass ein Elch freiwillig auf dem Rücken lag und vor lauter Wonne brummte.

„Nein, aber gleich", keuchte Felix, denn das dicke Fell zu zausen und zu streicheln und zu kraulen war ziemlich anstrengend. Und jedes Mal, wenn er aufhören wollte, öffnete Inga die Augen und brummte warnend, jetzt ja nichts Falsches zu machen. Also streichelte Felix immer weiter und grinste Ole dabei an. „Los, mach mit, mir wird schon der Arm lahm."

„Ja, ja, erst anfangen und dann schwächeln.“ Ole hockte sich aber schon Felix gegenüber und machte mit. Wenn er Felix schon nicht allein hatte, dann wollte er wenigstens etwas mit ihm zusammen machen. So wühlten sie durch das dicke Fell, bis Lynn in der Tür stand. Sie hatte sich gewundert, wo Inga mit den beiden blieb und als sie in den Wintergarten sah, verdrehte sie die Augen. Auf diesen Elch war aber auch kein Verlass. „Inga“, sagte sie darum streng. Bei Ole funktionierte das immer. Aber Inga war eben kein Ole. Sie machte nur ein Auge auf, guckte, wer was von ihr wollte und schloss es dann wieder - genießend und ignorierend.

„Sie knurrt drohend, wenn wir aufhören", lachte Felix und erklärte, warum sie nicht pünktlich waren. Eigentlich war das ja weder seine noch Oles Art, aber sie kamen hier nicht weg - sie waren Gefangene, Sklaven.

„Also, das ist doch…“, schnaubte Lynn und fing an, auf Schwedisch auf Inga einzureden. Felix verstand zwar nichts, aber dem Tonfall nach, bekam der Elch gerade eine Standpauke und sie schien zu wirken. Inga drehte sich wieder auf den Bauch und ihre Sklaven konnten endlich aufhören. Der Elch wurde wieder am Ohr gepackt und zurück zum Haus geführt.

„Die Ärmste", murmelte Felix leise. Das tat ihm jetzt wirklich leid. Nicht nur, dass Inga geschimpft worden war, auch dass sie jetzt am Ohr gezogen wurde. Das gefiel ihm nicht, doch er mischte sich da nicht ein. Sicherlich war es notwendig, denn wenn diese Masse Lebendgewicht nicht beherrscht wurde, konnte sie eine Menge Schaden anrichten, ohne das zu wollen. Aber irgendwie fühlte sich Felix für das verantwortlich, was eben passiert war.

„Ihr geht es gut, Schatz. Sie ist ein Schauspiel-Elch. Sie tut immer einen auf geprügelt, aber in Wirklichkeit mag sie es, wenn man ihr an den Ohren zieht. Wenn sie am Stall sind, kriegt sie Möhren und alles ist wieder gut.“ Ole legte die Arme um Felix und küsste ihn. Noch ließ sein Freund sich von Inga um den Finger wickeln, aber bald hatte er auch raus, wie gerissen die Kleine war.

„Das sagst du jetzt nur, um mich ruhig zu stellen", grinste Felix schief und wusch sich noch einmal gründlich die Finger, während Ole ihn mit einer Fusselbürste bearbeitete, damit er nicht so viele Haare an den Klamotten hatte. Dann wurde gewechselt, Ole wusch sich die Hände und wurde von Felix enthaart, damit sie zum Frühstück gehen konnten.

Arm in Arm gingen sie zum Haus der Großeltern und dort konnte Felix dann mit eigenen Augen sehen, dass es Inga gut ging. Sie kaute Möhren, stakste über den Hof und jagte dabei ganz nebenbei ein paar Hühner, die gackernd über den Hof liefen.

Im Haus wurden sie von molliger Wärme und köstlichen Düften empfangen. Die Vorbereitungen für das Festessen am Abend liefen schon seit Stunden auf Hochtouren.

„Hallo und fröhliche Weihnachten", sagte Felix, als er sich die Schuhe von den Füßen streifte und aus seiner Jacke kroch. Selbst der Tisch war schon gedeckt. So wie es aussah, hatten alle nur noch auf sie beide gewartet und sie hatten einfach den Elch verwöhnt. Jetzt bekam Felix ein schlechtes Gewissen und entschuldigte sich dafür, dass sie so spät waren, das wäre seine Schuld gewesen.

„Ach was, wir haben schon gehört, dass ihr erpresst worden seid“, winkte Sven ab und lachte. Das hatten sie alle schon durch, darum nahm ihm das keiner übel. „Los setzt euch. Felix muss essen, damit er wenigstens was im Magen hat, bevor Inga mitkriegt, dass er hier ist.“ Denn dann stand sie wieder am Fenster und klopfte. Wenn sie jemanden gefunden hatte, der mit ihr tobte, dann nutzte sie das aus.

„Sie ist ja auch süß", nuschelte Felix und zog einen Fuß auf den Stuhl, versuchte, sich ein bisschen hinter dem Knie zu verbergen, weil er sich schämte. Was konnte er denn auch für seine Elchophilie? Er konnte sich doch gegen etwas so niedliches und anhängliches nicht wehren.

„Ja und das weiß sie auch.“ Sven sah das nicht so eng. Ole und Felix hatten Urlaub und somit auch keine Verpflichtungen. Also warum sollten sie nicht mit Inga toben, wenn sie Lust dazu hatten. „Macht sie müde, damit sie heute Abend im Stall bleibt und nicht ständig abhaut.“

„Ich glaube nicht, dass man diese Batterie auf langen Beinen wirklich müde bekommen kann", murmelte Felix, auch wenn er gerade dabei war, sich das für heute vorzunehmen. Aber eher schlief wohl Felix ein, ehe es Abend war, als dass Inga zur Ruhe kam und so wie es draußen in der Sonne gackerte, ließ sie die Hühner auch nicht in Ruhe.

„Wir schaffen das schon. Außerdem ist schönes Wetter, da können wir vielleicht Bilder am See machen.“ Ole war ganz froh, dass er sich mit Felix und Inga in die Spur machen konnte, denn seine Mutter und seine Großmutter hatten mehr Ruhe, wenn er beschäftigt war. Sonst hing er nämlich bei ihnen in der Küche herum und nervte, weil er es kaum erwarten konnte, bis die Geschenke verteilt wurden.

Zum Glück war auch Felix nicht mit leeren Händen gekommen. Ole hatte ihn beraten, als er für seine Gastgeber etwas gesucht hatte. Für jeden eine Kleinigkeit als liebe Geste. Auch für Ole hatte er etwas besorgt, aber zum Glück hatte sein Liebling das nicht gemerkt, weil er selber zur Hälfte in einem Regal verschwunden war. Die Zeit hatte Felix genutzt.

„Lang zu, ich seh da was am Fenster", lachte Sven und sah Felix auffordernd an, der dankend einen großen Pott Kakao entgegen nahm. Es überraschte ihn gar nicht, als Felix’ Blick gleich zum Fenster ging und er musste lachen, denn er hatte nur geflunkert. Ole trank seinen Kaffee und beobachtete Felix und seinen Vater dabei. Felix war nicht mehr schüchtern, wie gestern und das war schön. Seine Familie war mit seiner Wahl einverstanden und das machte ihn glücklich.

Aber Felix musste man einfach lieben, selbst Elche taten das.

Bestimmt.

„Hey", murmelte Felix, als er merkte, dass er gerade verschaukelt wurde und trank Tröster-Kakao. Doch das hielt ihn nicht davon ab, etwas zügiger zu essen und das Fenster im Auge zu behalten.


31

Die nächste Woche verging fast wie im Flug. Sie verbrachten praktisch jede freie Minute mit Inga, mal abgesehen von kurzen Ausflügen in die umliegenden Städte. Sie wollten ein paar Mitbringsel für ihre Freunde und Felix’ Familie besorgen. Sie hatten auch zwei Nächte bei Inga im Stall verbracht und selbst Ole hatte es toll gefunden, auch wenn er seinen Schatz dort nicht so hatte genießen können, wie er es gerne gehabt hätte. Wie auch, wenn direkt neben Felix ein großer Elch lag, der seinen Spielkameraden für sich beanspruchte.

Und als Ole es gewagte hatte, Felix unbemerkt in seinem Schlafsack etwas dichter zu sich zu ziehen, hatte Inga einfach ihren großen Kopf auf Felix gelegt, damit Ole ihn nicht mehr wegzerren konnte. Abgesehen davon, dass Felix Herzchen in den Augen gehabt hatte, weil er nun Inga noch viel besser hatte beschmusen können. Sie hatte ihn mit einem Ohr an der Nase gekitzelt und Ole dabei angeschnaubt, der versucht hatte, sie dezent beiseite zu schieben. So nicht!

Irgendwann hatte Ole dann resigniert aufgegeben und sich einfach so gut es ging an Felix gekuschelt, der Inga mit beiden Händen streichelte und kraulte und immer wieder entzückt seufzte. So hatte Oles Vater sie dann am nächsten Morgen schlafend vorgefunden. Ole hatte seine Arme von hinten um Felix gelegt und Felix hatte Inga im Arm und lächelte glücklich im Schlaf. Also war Sven wieder aus dem Stall geschlichen und hatte seine Frau geholt, die wollte das bestimmt auch sehen und das musste er unbedingt fotografieren.

So waren ein paar sehr schöne Bilder entstanden, bei denen Ole darauf bestanden hatte, dass Kopien davon auch auf seinen Stick gezogen wurden, damit er sie mitnehmen konnte. Es war aber auch zu süß, wie Inga direkt in die Kamera guckte und liegen blieb. Eigentlich war dieser Elch schon an der Tür, wenn sie nur Schritte hörte, um die ersten Karotten abzufassen. Doch dieses Mal war sie einfach liegen geblieben und hatte sich kraulen lassen.

Nun war Silvester, der letzte Tag des Jahres und Felix war mit den beiden Damen in der Küche verschwunden. Er hatte schon viel über schwedische Küche gelernt, mochte aber am meisten die Tradition, sich vorher Mut anzutrinken.

Die Wodkaflasche hatten sie in der Woche ganz schön dezimiert und Felix hatte sich vorgenommen, auf der Rückfahrt eine Flasche für seinen Opa mitzunehmen. Das schmeckte wesentlich besser als der Korn, den der sonst immer trank. Aber heute wollten sie nicht schwedisch kochen. Oma Alma hatte vorgeschlagen, doch einmal ein typisch deutsches Sylvesteressen zu veranstalten und Ole und Felix hatten synchron Kartoffelsalat und Würstchen vorgeschlagen.

Es kam ihnen zu gute, dass Lynn und ihr Mann viele Jahre in Deutschland gelebt hatten und sie dort das eine oder andere lernen und perfektionieren konnte. Denn so war es nicht so schwer, einen leckeren Kartoffelsalat zu zaubern. Sie hatten sich sogar für verschiedene Variationen entschieden und Ole war mit seinem Vater losgeschickt worden, Würstchen zu kaufen, während Inga und Lasse den frisch gefallenen Schnee entsorgen wollten, wobei Inga sich meistens darinnen wälzte und Lasse ihn beiseite schob.



Ole und sein Vater nutzten die Zeit, sich einmal wieder zu unterhalten. Das war die ganze Zeit zu kurz gekommen und die beiden hatten es ein wenig vermisst.

Der Weg nach Halmstad war einfach zu weit, um gleich wieder nach Hause zu fahren. Darum bummelten sie ein wenig durch die Stadt. Dabei konnte man gut reden und Ole erzählte seinem Vater von dem Problem, das sie mit Henning hatten. Bald waren sie wieder in Essen und Felix musste zur Arbeit.

„Wenn er so weiter macht, wird Felix keine andere Wahl haben, als ihn zur Rede zu stellen. Wenn sich nichts tut, muss er mit seinem Vorgesetzten sprechen. Es kann ja sein", sagte Sven, der wusste, dass Henning der Sohn vom Chef war, „dass man sich aus einem Grund nicht mag. Aber man muss als guter Geschäftsmann in der Lage sein, Privates und Berufliches zu trennen. Felix soll sich da bloß nichts gefallen lassen."

Sven zog seinen Sohn in einen kleinen Bäckerladen. Dort gab es leckere, kleine Gebäckstücke, die alle aus der Familie gerne aßen und wenn sie schon einmal da waren, konnten sie auch welche zum Nachtisch mitnehmen.

„Ich glaube noch nicht einmal, dass Henning Felix nicht mag. Er ist ihm nur im Weg, weil er mich wiederhaben will. Henning glaubt, dass er alles kriegt, was er will, und er will mich. Ich habe seinen Stolz verletzt, als ich Schluss gemacht habe, denn das macht man nicht. Er trennt sich und nicht umgekehrt.“ Ole wusste wirklich nicht, wie er das Problem lösen konnte. Felix gefiel seine Lehrstelle und er lernte dort viel. Jetzt eine neue Stelle zu suchen, kam eigentlich nicht in Frage.

„Wartet doch erst einmal ab, Ole", sagte Sven und setzte sich mit einem Kaffee für sich und seinen Jungen an einen der kleinen Tische. „Macht euch Gedanken, wenn es wirklich so weit ist. Vielleicht ist Henning ja nur privat nicht ganz dicht und weiß, dass man einen guten Azubi nicht wegen einer privaten Querele drangsaliert." Was half es schon, sich vorher den Kopf heiß zu grübeln? Man war dann selber viel zu fixiert und lauerte regelrecht auf den Fehltritt des anderen.

„Du hast Recht, Dad, aber das ist nicht so einfach. Henning ist schwer einzuschätzen. Es haben schon viele bereut, ihn unterschätzt zu haben.“ Ole nahm einen Schluck Kaffee und lächelte die Bedienung kurz an, die ihnen ihre Törtchen brachte. „Ich liebe Felix und ich möchte, dass es ihm gut geht, aber wie du schon sagtest, wir müssen abwarten.“

„Was bringt es dir, dir jetzt den Kopf zu zerbrechen. Es gibt ein Sprichwort. Wer eröffnet, verliert. Lasst ihn den ersten Schritt machen", sagte Sven gelassen und trank seinen Kaffee. Da die Schlange langsam immer länger wurde, erhob er sich eilig, um die Teilchen für die Familie zu kaufen, denn die hatten sie so frisch wie nur möglich einpacken lassen wollen und eben kam eine neue Fuhre von hinten aus der Backstube.

Ole sah ihm hinterher und war froh, dass sie sich unterhalten hatten. Zwar machte er sich immer noch Gedanken, aber er sah nicht mehr alles schwarz. Eines wusste er auf jeden Fall. Henning würde es nicht schaffen, ihn und Felix auseinander zu bringen.

Mit einem großen Karton voller Köstlichkeiten kam Sven wieder zu ihrem Tisch zurück und stellte ihn vorsichtig auf einem freien Stuhl ab, damit ihnen auch ja nichts passierte.

„So", sagte er und meinte doch eigentlich: erledigt. Denn er hatte sehr wohl gewusst, auf was seine Frau spekuliert hatte, als sie ihn so zeitig zum Würstchenkaufen geschickt hatte. Sie mochte die Teilchen genauso gern wie der Rest, würde ihn aber nie nur deswegen hier her schicken. Nein, ein liebender Ehemann wusste das und fuhr den Weg trotzdem.

„An deiner Stelle würde ich mir mehr Sorgen machen, wie du morgen den Elch auf dein Auto geschnallt bekommst", lachte Sven und knuffte seinem Sohn gegen die Schulter.

„Hör bloß auf“, lachte Ole und verdrehte die Augen. Wie er das Dreamteam Felix und Inga auseinander bekommen sollte, wusste er auch noch nicht. Die zwei klebten zusammen wie Pech und Schwefel. Erst gestern hatte sich Inga hinter Felix versteckt und ihn frech angeschnaubt, weil er dann nicht an sie herankam. Sie hatte Ole nämlich kopfüber in eine Schneewehe geschubst und als Ole sie schimpfend fangen wollte, war sie zu Felix gelaufen. Sie wusste, der würde nicht zulassen, dass Ole ihr die Ohren lang zog, wie er ihr angedroht hatte.

Schließlich waren die eindeutig schon lang genug, formschön, für ihre Größe genau passend. Sie länger zu ziehen würde den schönsten Elch der Welt doch völlig entstellen. Und das hatte Ole sich nicht ausgedacht, das hatte ihm Felix erklärt.

„Es laufen übrigens hausintern Wetten darüber, wie das laufen wird", stichelte Sven weiter. „Zwei stimmen dafür, dass du den Elch wirst mitnehmen müssen, deine Oma wettet, dass du Felix noch im Schlaf entführen und zur Fähre bringen wirst und ich wette, dass ihr in spätestens drei Wochen hier her umgezogen seid. Willst du dich auch beteiligen?"

Ole lachte laut und schüttelte den Kopf. Seine Familie hatte eindeutig einen Schaden. „Felix schlafend zur Fähre zu fahren hat was, aber das hat den Haken, dass er doch irgendwann wach wird und mich wahrscheinlich zwingen wird zurück zu fahren, weil er sich von Inga verabschieden muss. Und mein Schatz kann da sehr überzeugend sein.“ Ole zwinkerte seinem Vater zu und grinste. „Inga mitnehmen würde ich sofort, wenn das möglich wäre, aber in Essen würde sie nicht glücklich werden und das will Felix auf keinen Fall. Also bleibt uns ja nur, in drei Wochen hier her umzuziehen.“

„Macht das, dann habe ich eine Flasche Wodka gewonnen", lachte Sven über die interne Währung in der Familie. „Ich würde euch sogar jedem ein kleines Glas voll abgeben, so ist das ja nicht." Es war zwar nur ein Scherz, doch er hätte es gern gesehen, wenn sein Junge ins Land seiner Wurzeln zurückkehrte, aber das würden sie ihm nie vorschreiben. Er war alt genug zu ergründen, wo er endlich Wurzeln schlagen wollte, um sesshaft zu werden. Ole wusste das und es war ja nicht so, als wenn er nicht schon einmal darüber nachgedacht hatte, das letzte Jahr. Aber jetzt ging es nicht mehr nur um ihn, sondern auch um Felix.

„Wer weiß, Dad. Felix mag Schweden und er liebt Inga. Vielleicht kann er sich ja vorstellen, hier zu leben. Wir haben noch nicht über so etwas gesprochen, aber das werden wir bestimmt irgendwann mal. So lange er noch in der Lehre ist, werden wir auf jeden Fall in Deutschland bleiben. Was danach wird, wird sich zeigen.“

„Ja, macht das. Felix ist ein guter Junge." Damit war für Sven alles gesagt. Es reichte ihm, wenn Ole darüber nachdachte, mehr wollte er gar nicht. Weil ihre Tassen leer waren und ein älteres Pärchen in dem vollen Lädchen nach ein paar freien Plätzen suchte, erhoben sie sich und räumten das Feld für die nächsten. Schließlich hatten sie noch keine Würstchen gekauft und wenn sie ohne nach Hause kamen, dann konnte sie auch der leckerste Kuchen nicht retten.

Es hatte leicht angefangen zu schneien, darum kürzten sie ihren Einkaufsbummel ab. Noch waren die Straßen frei und die Rückfahrt in dickem Schneetreiben war nicht sehr angenehm. Darum kauften sie nur noch schnell die Würstchen und machten sich auf den Heimweg. Schließlich mussten sie noch mindestens zwei Stunden fahren, bis sie wieder Zuhause waren.

Dort war derweil der Kartoffelsalat fertig und Felix war schon wieder mit Inga dabei, Lasse doch noch zu helfen. Bisher hatte die junge Dame ja mehr Schnee auf dem Hof verteilt, als Lasse beiseite schieben und wegschippen konnte. Jetzt, wo Felix merkte, wie viel Arbeit das war und wie schwer das ging, hatte er sie ausgeschimpft und jetzt stand sie brav daneben, während die anderen beiden den Hof räumten, um sich Hunger zu machen.

Ab und zu schob sie Felix von hinten etwas an, wenn er stecken blieb und den großen Schneeschieber nicht weiter bekam. Opa Lasse schüttelte nur den Kopf darüber. So was kannte er von Inga auch noch nicht. Sie hörte bei Felix praktisch aufs Wort.

Eigentlich hatten sie ja vorgehabt, Inga, wenn sie groß genug war, an einen Elchpark zu geben, aber so wie Felix an ihr hing, mussten sie das noch einmal überdenken. Platz hatten sie genug und wenn man ihr ein Gehege baute, das groß genug war, konnte sie ja vielleicht bei ihnen bleiben. Vielleicht mit einem kleinen Teich, so dass sie sich im Sommer abkühlen konnte. Das musste er mit seiner Frau besprechen, schließlich war das nicht gerade wenig Arbeit. Doch er ahnte, was sie sagte, wenn er den Vorschlag machte. Sie wollte dann sicherlich gleich noch ein Hüttchen im Gehege, wo Felix übernachten konnte.

Wälder und Wiesen hatten sie zur Genüge. Ein oder zwei Hektar davon für Inga abzuzäunen tat keinem weh. Vielleicht bekamen sie ja irgendwoher auch Gesellschaft für sie. Man würde es sehen. Doch vorerst schoben die beiden weiter Schnee und Lasse lachte, als Inga den Kopf einzog, weil sie Felix - aus Versehen - mit zu viel Schwung in eine Schneewehe geschubst hatte. Schon ging wieder eine wilde Verfolgungsjagd los, die damit endete, dass Felix an Inga hing und sie mit großer Hingabe beschmuste.

Die zwei konnte man einfach nicht trennen und es hatte den Vorteil, dass auch Ole öfter zu Besuch kommen würde, denn da wo Felix war, da wollte auch Ole sein. So war es wohl schon mehr oder weniger beschlossene Sache, den Elch zu behalten.

„Sie kommen!", rief Felix, als er Oles Wagen in die Einfahrt biegen sah und trabte mit Inga dem Wagen entgegen. Auch hier hatte es langsam begonnen zu schneien und sie würden Inga gleich zu ihrer Adoptivmama in den Stall sperren, damit sie sich nicht im Schneetreiben verirrte oder ihr etwas passierte. Es war bereits dämmrig, obwohl es noch gar nicht so spät war. Ole fing Felix auf, der ihm in die Arme sprang und küsste ihn hungrig. Dass sein Freund immer mehr nach Elch roch, machte ihm nichts aus, auch wenn er manchmal ein wenig eifersüchtig auf die junge Dame war, die sehr viel von Felix’ Aufmerksamkeit beanspruchte. „Hast du mich vermisst?“, fragte er zwischen zwei Küssen.

„Natürlich hab ich das. Wie kannst du da noch fragen?", murmelte Felix und wollte pikiert sein, doch dazu hätte er aufhören müssen Ole zu küssen, also ließ er es und ließ sich lieber Richtung Haus schieben, während Lasse Inga zu sich rief, damit sie in den Stall kam.

Mit der Antwort zufrieden, hob Ole Felix hoch und trug ihn ins Haus, wo seine Mutter gerade ihren Mann dafür belohnte, dass er die Törtchen mitgebracht hatte. Irgendwie schien ihre ständige Schmuserei ansteckend zu wirken. Ole schmunzelte, als er Felix wieder auf dem Boden absetzte, damit er Schuhe und Jacke ausziehen konnte. In Halmstad war ihm noch ein Geschenk für seinen Schatz in die Finger gefallen, schließlich hatte der in zwei Wochen Geburtstag.

„Medan vi väntar at korvarna blir hetter, delar jag üt glögg, till dem som vill[1]. ", rief Alma. Es war die letzte Flasche, die sie hatten und morgen verstreuten sich sowieso wieder alle in alle Winde. Ole und Felix gingen zurück nach Deutschland und Sven und seine Frau zurück nach Stockholm, so bald kamen sie dann auch nicht wieder zusammen und deswegen wollte sie ihre Lieben noch so lange verwöhnen, wie sie sie um sich hatte.

So stellten sich alle bei ihr an, um sich ihr Glas abzuholen, denn Glögg mochten sie alle. Er wärmte so schön von innen. Ole war traurig, weil ihr Urlaub schon wieder vorbei war, aber er freute sich auch darauf, Felix wieder ganz für sich zu haben und er hoffte, dass seine Eltern und Großeltern bald mal zu Besuch kamen.

„Wir könnten ja mal eines zum kosten rausnehmen", überlegte Lynn, die immer noch um die Kiste mit den Teilchen herum schlich. Doch sie hatte allen anderen verboten, vor dem Essen etwas zu naschen, jetzt musste sie sich selbst auch daran halten und das war wirklich nicht leicht! Felix kicherte und stichelte leise, wie lecker das duften würde und wie gut das sicher schmecken würde und machte es ihr so nicht leichter.

Besonders als Sven auch noch mitmachte und davon schwärmte, wie gut die Teilchen zum Glögg passen würden und es jetzt die letzte Chance war, das zu genießen. Lynn war hin und her gerissen und schließlich blickte sie entschlossen. Regeln waren doch nur nützlich, wenn sie gebrochen werden konnten. Sven hatte reichlich gebracht, da konnte sie drei nehmen und halbieren, damit jeder etwas zum Naschen hatte.

Und so war Felix der erste, der zulangte und abbiss, die Augen verdrehte und seufzte. Die waren aber wirklich gut! Süß und cremig und der Teig gar nicht durchgeweicht - sie waren ein Gedicht, was er in den höchsten Tönen lobte. Genauso wie Lynn, die sehr zufrieden wirkte, als sie endlich den erhofften Geschmack auf der Zunge hatte.

Und weil sie so verzückt waren, bekamen sie und Felix auch noch etwas von ihren Lieblingen ab. Ole und Sven hatten heute ja schon jeder ein Stückchen gehabt. Ole nippte lieber an seinem Glögg und beobachtete Felix, wie er genoss und sich schließlich über die Lippen leckte.

So verging die Zeit bis zum Essen wie im Fluge und während es draußen stürmte und schneite und der Wind am Haus zerrte, wo er nur Angriffsflächen fand, deckten sie den Tisch, um sich dann nach alter Sitte Brauch darum zu versammeln. Es wurde gegessen und getrunken, gescherzt und gelacht und auch als sie satt waren, saßen sie weiter um den Tisch, es war bequem. Nach und nach wechselte man wieder zu Glögg und Teilchen, naschte später noch einmal ein Würstchen.

Jetzt war es kurz vor Mitternacht und Felix und Ole standen zusammen am Fenster und sahen hinaus in die Dunkelheit, wo immer noch Schnee fiel. Es war ruhig hier, so ganz anders als in Deutschland zu Silvester. Es gab kein Feuerwerk und man hörte auch keine Menschen auf den Straßen lachen und feiern. Aber das passte auch nicht hier hin, darum vermissten sie es nicht.

„Die Ruhe wird mir fehlen", sagte Felix leise und lehnte sich dichter an Ole, der die Arme um ihn geschlossen hatte. Morgen ging es wieder zurück und das schmeckte Felix aus vielen Gründen nicht. Inga war nur einer davon, aber nicht einmal der wichtigste. Er hatte die Menschen hier ins Herz geschlossen und die Landschaft war wunderschön.

„Wir werden so oft hierher kommen, wie du möchtest“, versprach Ole, der ebenfalls gerne noch länger hier bleiben würde.

„Du bist immer herzlik willkommen, Felix“, sagte Lasse, der eigentlich nie viele Worte machte. Alma neben ihm nickte und zog Felix aus Oles Armen, um ihn an sich zu drücken. Er war ihr in den letzten Tagen ans Herz gewachsen und so war sie etwas traurig, dass sie schon wieder weg mussten. Doch die Zeit war ein gnadenloser Kerl und verschonte niemanden. Absichtlich raste sie, wenn es besonders schön war.

„Vielen Dank, das mach ich bestimmt", murmelte Felix, dem ein Kloß im Hals steckte. Zwar freute er sich auf seine Familie, aber Oles Familie zu verlassen tat auch weh. Er war hin und her gerissen und schlang die Arme um Alma.

So kam es, dass sie Silvester alle in einer gemeinsamen, großen Umarmung erlebten, denn die restlichen Familienmitglieder hatten sich dazugesellt und keiner fand es merkwürdig, so ins neue Jahr zu gehen. Felix fühlte sich geborgen und geliebt, das war ein schönes Gefühl.

Sie saßen noch ein wenig zusammen, aber nicht mehr sehr lange. Ole und Felix mussten morgen spätestens um neun Uhr aufbrechen, wenn sie ihre Fähre erreichen wollten. Und weil sich alle vorher noch einmal zu einem letzten Frühstück sehen wollten, verschwanden sie nach und nach in ihren Betten. Ole und Felix stapften durch den frisch gefallenen Schnee. Der Sturm hatte nachgelassen aber noch nicht aufgehört und so waren sie völlig verschneit, als sie die Tür des Wintergartens hinter sich schlossen. Sie klopften sich ab, legten die Kleider zum trocknen aus und Felix zog Ole noch einmal zu sich - einfach nur so, weil er es wollte.

Ole hielt ihn fest und so standen sie ein paar Minuten und genossen einfach die Nähe des anderen. Sie brauchten das jetzt, denn beide waren traurig, weil sie wieder nach Hause mussten. Aus der Umarmung heraus hob Ole Felix hoch und trug ihn ins Schlafzimmer. Er wollte mit Felix kuscheln und schmusen und den Urlaub schön ausklingen lassen.

„Wir kommen zurück, oder?", fragte Felix leise und zog die Decke über sie beide, als sie schnell aus ihren Kleidern gehuscht waren. Er schmiegte sich an seinen Freund und schloss die Augen. Die sanften Hände auf seinem Rücken waren im Augenblick besser als alles, was Felix sich nur vorstellen konnte.

„Ja, das werden wir.“ Ole streichelte Felix sanft und verteilte kleine Küsse auf dessen Gesicht. Dieses Versprechen würde Ole auf jeden Fall halten, denn er selber war unwahrscheinlich gerne hier. „Dann werde ich dir noch mehr zeigen“, versprach er und Felix nickte. Er schlief schon fast, darum bekam er noch einen Kuss auf die Stirn und auch Ole schloss seine Augen und folgte seinem Freund ins Traumland.



***



„Schade", seufzte Felix leise. Er stand an Deck der Fähre, die gerade ablegte. Zentimeter für Zentimeter drang Wasser zwischen ihn und Schweden. Der Abschied heute Morgen war nicht leicht gewesen. Weder von der Familie, noch von Inga. Er hatte sie noch einmal mit Möhren gefüttert und sie geknuddelt, doch irgendwann hatten sie sich wirklich trennen müssen, denn sonst wäre die Fähre ohne sie gefahren.

Sie hatten noch ein paar Gläser selbstgemachte Marmelade mitbekommen, das hatte Alma sich nicht nehmen lassen und an Felix' Familie hatte sie dabei auch gedacht.

Ole drückte Felix an sich und er konnte ihm nur zustimmen. „Ja, aber wir kommen wieder. Vielleicht möchten deine Mutter und deine Geschwister uns einmal begleiten. Platz genug ist da.“

„Hm", machte Felix gedankenverloren und ließ sich von Ole in den Arm nehmen. Er trug seine Mütze mit den Ohren und hatte die Jacke bis zur Nasenspitze zugezogen, denn es zog ganz schön hier oben. Und doch war es einer der schönsten Orte, die er kannte.

Diese Frage musste auch nicht jetzt gelöst werden, dazu hatten sie noch Zeit, wenn sie wieder Zuhause waren. So blickten sie beide zurück nach Schweden und in Gedanken versprachen sie, wiederzukommen. Sie gingen erst wieder unter Deck, als Schweden am Horizont verschwunden war. Als die Türen sich hinter ihnen schlossen, sahen sie sich an und ihre Lippen trafen sich zu einem Kuss. Der Urlaub lag hinter ihnen, aber das war nicht schlimm, denn vor ihnen lag ein noch viel größeres und schöneres Abenteuer.

Ein gemeinsames Leben.


Ende


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[1] So lange die Würstchen heiß werden, verteil ich einen Glögg an den, der will


----- Danke fürs Lesen! -----